NIEDERS. STAATS - U. UNIV. - BIBLIOTHEK GÖTTINGEN
Das Motto auf dem Titel dieses Buchs sollte demselben bey seiner ersten Erscheinung, nach und neben so manchen ähnlichen Hand - büchern zu einiger Entschuldigung dienen. Jetzt mag es die neueren Ausgaben desselben in Vergleich mit den ältern rechtfertigen.
Hier diese siebente hat wieder ganz be - trächtlichen Zuwachs von neuen Entdeckun - gen in der Naturgeschichte, so wie von Be - richtigungen oder schärferer Bestimmung er - halten.
Dagegen versteht es sich von selbst, daß, um für diese Zusätze Raum zu gewinnen, ohne dadurch dem zweckmäßigen ZuschnittIV eines, besonders auch als Leitfaden bey Vor - lesungen tauglichen Handbuchs zu schaden, hin und wieder manches noch mehr, als in den vorigen Ausgaben, hat ins Kurze ge - faßt werden müssen.
Nur über zwey Gegenstände der allge - meinen Naturgeschichte, die, wie ich gefun - den, ohne nähere Auseinandersetzung von unkundigen Lesern leicht mißverstanden wer - den könnten, habe ich mich deßhalb (so wie in der vorigen Ausgabe) ausführlicher, als es sonst dieser Zuschnitt im Uebrigen erlaubt, auslassen müssen. Nähmlich S. 8 u. f. über die vermeinte und so oft gepriesene Stufen - folge in der Natur, und S. 13 u. f. über die Zeugung der organisirten Körper, be - sonders über den wahren Begriff vom Bil - dungstriebe, im Gegensatz von der vis pla - stica der ehrlichen Alten.
Die Entdeckung des so paradoxen Schna - belthiers hat einige Veränderung in dem von mir entworfenen System der Säugethiere nothwendig gemacht, wodurch ich aber das - selbe überhaupt noch mehr als vorhin der Natur angepaßt und vervollkommnet zu haben hoffe.
Die ansehnlichsten Vermehrungen hat wieder der mineralogische Theil des BuchsV erhalten. Nahmentlich habe ich den Ab - schnitt von den Versteinerungen, interessanter und fruchtbarer darzustellen gesucht, als es insgemein geschehen. – Auch sind Hrn. Haüy's neue Benennungen vieler Fossilien beygefügt, und zum Unterschied von den ältern französischen außer Parenthese gesetzt.
Die mit der systematischen Anordnung der Steine und erdartigen Fossilien verbun - denen Schwierigkeiten sind im Buche S. 536. berührt und selbst durch manche der neuesten, an sich äußerst lehrreichen Entdeckungen über die Bestandtheile einiger Steingattungen nur noch vergrößert: so, daß sich diese Classe des Mineralreichs vor der Hand weder bloß nach dem quantitativen Verhältniß der Bestandtheile der Fossilien, noch auch bloß nach dem äußern Habitus ordnen läßt. - Nach erstern nicht; denn da jenes Verhält - niß vieler, einander übrigens oryctognostisch noch so ähnlichen und geognostisch noch so nahe verwandten Fossilien (wie z. B. der mancherley Unterarten von Asbest) theils gar auffallend variirt, so leuchtet von selbst ein, wie schlechterdings zweckwidrig und unbrauch - bar ein System der Lithologie ausfallen müßte, das streng nach dem Gehalt der vorwaltenden Bestandtheile geordnet werden sollte: aber eben so wenig würde der bloße äußere HabitusVI zur systematischen Anordnung der Steine hin - reichen; denn dem zu Folge setzte man noch unlängst den Saphir ins Kieselgeschlecht, der doch fast aus nichts als verdichteter Thon - erde, wenigstens ohne ein Atom von Kiesel - erde, besteht.
Zwar glaubte man ehedem sich hierbey noch mit der spitzfindigen Distinction zwischen vorwaltendem und characterisirendem Bestand - theil der Fossilien durchhelfen zu können; allein auch diese Ausflucht ist nun durch solche Ana - lysen, wie die eben gedachte, versperrt.
Es scheint also für jetzt noch der einzige passende Ausweg der zu seyn, daß man, ohne sich streng und ausschließlich an eins von die - sen beyden Classifications-Principien zu bin - den, in so fern ein gemischtes System*)„ Nullum itaque est dubium, quiu huiusmodi me - thodus mixta, quae notis characteristicis tam extriusecis quam intrinsecis simul combinatis est superstructa, proxime ad naturalem accedens, maximum indicans symmetriam, reliquis sit prae - ferenda syminetriis “. So sagte schon 1768 der philosophische Mineraloge wallerius de syste - mate mineralogico rite condendo. §. 102. für diese Claffe von Fossilien zum Grunde legt, daß 1) freylich diejenigen, die entweder, ganzVII oder doch bey weiten größten Theils aus einer - ley Erdart bestehen, nothwendig unter das nach dieser Erdart benannte Geschlecht kom - men. Folglich der Saphir durchaus ins Thongeschlecht; hingegen der Opal, Tripel und Bimsstein ins Kieselgeschlecht ꝛc. - Daß aber 2) manche andere Gattungen von Steinen, worin nur keine so auffalend vor - schlagende Menge eines Bestandtheils vor - waltet, ohne ängstliche Rücksicht auf die pro Cente derselben, da eingeschaltet werden, wo sie nach ihrem äußern Totalhabitus und nach der Analogie am schicklichsten hinpassen. So z. B. der Schillerspath, ungeachtet er mehr Kieselerde als Thonerde enthält, dennoch ins Thongeschlecht, in die Nachbarschaft des Glimmers: so Meerschaum, Speckstein, Ser - pentin ꝛc. ins Talkgeschlecht.
Ich habe hier, so wie im ganzen Buche, von Geschlechtern und den darunter begriffe - nen Gattungen gesprochen. Denn daß man in der Mineralogie die Fossilien in genera und species eintheilt, und die genera auf deutsch Geschlechter, so wie die species Gattun - gen nennt, darüber ist meines Wissens unter den gelehrten und philosophischen Mineralogen Deutschlands, nur eine Stimme. Und so versteht sichs wohl von selbst, daß wenn ich also in einem Theile des Buchs die Be -VIII nennungen von Geschlecht und Gattung in diesem von je (– und bis vor Kurzen allge - mein –) angenommenen Sinne brauchen mußte, ich nicht in einem andern Theile das Wort Gattung im verkehrten Sinne für genus brauchen durfte, wie doch in der That neuer - lich von einigen deutschen Schriftstellern in der Zoologie und Botanik versucht worden.
Ich weiß nicht, wer der Reformator ist, der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer bestimmten Zeichen zuerst unternommen haben mag: – aber wohl weiß ich, was er mit einem solchen versuchten Eingriffe in den Sprachgebrauch
"quem penes arbitrium est, et ius, et norma loquendi".
bey andern aufgeklärten Nationen riskirt hätte: – daß es ihm hingegen in meinem theuern Vaterlande deutscher Nation nicht an Nachahmern gefehlt hat, ist nichts weniger als unerwartet. – Genug indeß, daß so viele philosophische Naturforscher und die größten unserer naturkundigen Philosophen das verba valent sicut numi besser befolgt, und sich also durch diese sonderbare Umstempelung nicht irre führen lassen. – Und warum auch ich für meine Person es hierin lieber beym Alten lasse, als mich an jene Nachahmer anschließe, dafür habe ich folgende Gründe:
IX1) Hoffentlich weiß doch ein jeder, seiner Sprache kundige, deutsche Naturforscher (– und wer es nicht weiß, der kann es aus Adelung's Wörterbuche lernen –), was die erste und Fundamentalbedeutung des Wortes Geschlecht ist.
Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des Wortes Geschlecht, wie wir ihn von Kindes - beinen an, selbst aus des seiner Sprache höchst - kundigen Luthers Bibel-Uebersetzung lernen.
Dem zu Folge wissen wir also in Anwen - dung auf Methodologie in der Naturgeschichte:
Die Gattungen schafft die Natur: der Sy - stematiker bringt sie nach ihren gemeinschaft - lichen Aehnlichkeiten unter Geschlechter.
2) Eben so ausgemacht und bekannt ist aber auch, daß hingegen das Wort Gattung von dem Zeitworte sich gatten, abstammt; und da nun im freyen Naturzustande nur die Thiere von einer species sich mit einander fruchtbar gatten, so versteht sich also von selbst, daß das Wort species, in dem Sinne wo - von hier die Rede ist, durch kein anderesX deutsches Wort passender und bezeichnender und bestimmter ausgedrückt, werden könnte, als durch Gattung.
3) Daß aber die Homonymie des deut - schen Wortes Geschlecht, indem es sowohl genus als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß geben werde, ist wohl eben so wenig im Ernst zu befürchten als bey dem lateinischen Worte genus, das, wie wir in den Kinderjahren, in der Grammatik beym Unterschied der Worte generis masculini oder foeminini lernen, auch statt sexus gebraucht wird.
4) Und wenn aber auch obbesagter Refor - mator im Ernste so etwas befürchten zu müssen meinte, so hätte er immerhin mögen wer weiß was für ein Wort von eigener Fabrik statt des ihm bedenklichen Geschlechts vorschlagen; aber nichts konnte ihn berechtigen, die Landes - sprache – d. h. den bestimmten einmahl fest - gesetzten Sinn der deutschen Worte – zu ver - sehren! Denn, wie unser sel. Lichtenberg bey einem ähnlichen Anlaß sich ausdrückt:
Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses der Nation gehörige Eigenthum, hahe ich auch bey den deutschen Nahmen her Naturalien beobachtet, und mich daher immer der allge - mein angenommenen und allgemein verständ - lichen, nicht aber etwa der Solöcismen einer einzelnen Provinz bedient. Darum brauche ich z. B. nicht das hier zu lande gewöhnliche Wort Molle, sondern das allgemein angenom - mene Molch: eben so nicht das im Erzgebirge gebräuchliche Wort Kobelt, sondern das längst allgemein adoptirte und selbst in andere le - bende und todte Sprachen aufgenommene Kobalt u. s. w.
Anders ist der Fall mit den in der Natur - beschreibung von unsern neuen Systematikern zur Bezeichnung der Geschlechter und ihrer Gattungen selbsterfundenen Kunst - und Trivial-Nahmen. So billig und vernünftig es freylich ist, auch hierin so viel als möglich die einmahl ziemlich allgemein angenommenen Benennungen beyzubehalten, so können doch Fälle eintreten, wo es noch billiger und ver - nünftiger ist, einen vorher gewählten Nah -XII men, wenn er einen durchaus irrigen Begriff erweckt, gegen einen richtigern umzutauschen. Und doch habe ich mich dieser an sich erlaub - ten, aber auch heut zu Tage so oft gemiß - brauchten und dann das Studium der Natur - geschichte so äußerst erschwerenden Freyheit nur in äußerst wenigen Fällen, wo es mir un - vermeidlich schien, bedient. So habe ich z. B. den Panzerthieren oder Armadillen ihren ein - heimischen, allgemein bekannten und längst von classischen Zoologen angenommenen Nah - men, Tatu, restituirt; da man sonst diesen fast haarlosen Thieren durch einen seltsamen Mißgriff den Nahmen, Rauchfuß, Dasy - pus, beygelegt hatte, womit die alten Grie - chen, ganz passend und völlig nach der Natur, das rauchfüßige Hasengeschlecht bezeichnet haben. – Aus ähnlichen Gründen brauche ich für den schönen neuseeländischen Nephrit lieber seinen einheimischen Nahmen (Punam - mustein), unter welchem er zuerst von unsern Antipoden zu uns gebracht und bekannt wor - den, als die ihm neuerlich beygelegte Benen - nung Beilstein, da ich im hiesigen akademi - schen Museum, so wie in den in London be - findlichen großen Sammlungen von südländi - schen Merkwürdigkeiten, zwar wohl die Menge von Hacken und andern Geräthen, so sich die Neuseeländer aus diesem Steine bereiten, aber schlechterdings kein daraus verfertigtesXIII Beil aufgefunden habe. – Eben so habe ich diejenige Gattung des Fledermausgeschlechts, Vampyr oder Blutsauger genannt, die wirklich schlafenden Säugethieren das Blut aussaugt; da hingegen Linne diesen Nahmen dem fliegen - den Hund beygelegt hatte, der wohl seit die Welt steht, kein Blut gesogen hat, sondern sich ganz allein von Früchten nährt. – Aber viele andere, nur nicht gar zu unpassende Kunst - nahmen der Art habe ich dennoch beybehalten, um ja nicht die Nomenclatur und Synony - mien ohne dringende Noth, zur großen Last der Lernenden, zu häufen.
Daß aber manche bekannte Nahmen von Naturalien hier doch anders geschrieben wer - den, als es insgemein geschieht, hat auch seinen guten Grund. So schreibe ich z. B. Tofus und nicht Tophus, weil es kein grie - chisches Wort ist; eben so Manacanit und nicht Menacanit, weil der Fundort dieses Fossils in seiner ersten Sylbe ein a hat, so gut wie Hamburg oder Frankfurt.
Im Thierreiche habe ich immer den latei - nischen Nahmen vorangesetzt, weil da hundert exotische Geschöpfe vorkommen, die im Deut - schen keinen bekannten verständlichen Nahmen haben. Im Mineralreiche hingegen ist der Fall umgekehrt. Da sind gerade die deutschenXIV Benennungen die bekanntesten und selbst großen Theils in andere Sprachen aufgenommen.
Beym Thierreiche ist denjenigen Gattun - gen, die sich in Deutschland finden, wieder so, wie in den vorigen Ausgaben, ein † vorgesetzt. Im Mineralreich konnte dieß unterbleiben, weil so ein Zeichen bey den allgemein verbrei - teten Fossilien überflüssig,, bey vielen von denen aber, die in Deutschland selbst ein sehr einge - schränktes Vaterland haben, wie der Bo - racit ꝛc. unzureichend gewesen wäre.
Die Abbildungen naturhistorischer Ge - nstände, die ich in der Verlangshandlung dieses Handbuchs heftweise herausgebe, be - ziehen sich auf die neuesten Ausgaben desselben und dienen ihnen zu einer zweckmäßigen Er - läuterung.
Göttingen, den 20. Februar 1803. J. F. Blumenbach.
Fig. 1-6. die Intestinal-Würmer im mensch - lichen Körper in natürlicher Größe. -
Die merkwürdigsten Crystallisationen der Fossilien.
S. 656. Not *) Z. 6 l. Identität
S. 711. letzte Z. Nähere Nachricht vom Tantalum s. in Voigt's neuen Magazin. IV. B. S. 750 u. f.
Alle Körper, die sich auf, und in unserer Erde finden, zeigen sich entweder in derselben Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus der Hand des Schöpfers erhalten und durch die Wirkung der sich selbst überlassenen Naturkräfte angenommen haben; oder so, wie sie durch Menschen und Thiere, zu bestimmten Absich - ten, oder auch durch bloßen Zufall verändert und gleichsam umgeschaffen worden sind.
Auf diese Verschiedenheit gründet sich die bekannte Eintheilung derselben in natürliche (naturalia), und durch Kunst verfertigte (ar - tefacta). Die erstern machen den Gegenstand der Naturgeschichte*)Nur bleiben einige Naturproducte, wie z. B. Das Wasser von den einzahl angenommenen Gränzen der eigentlichen Naturgeschichte deßhalb ausge - schlossen, weil sie passender in andern Natur - wissenschaften abgehandelt werden. aus, und man pflegt2 alle Körper zu den Naturalien zu rechnen, die nur noch keine wesentliche Veränderung durch Menschen erlitten haben. Artefacten werden sie dann genannt, wenn der Mensch*)„ Ars, siue edditus rebus homo. “ Bacon de Ve - rulam. de augm. scient. L. II. "L'art en général est l'industrie de l'homme appliquée par ses besoins, ou par son luxe, aux productions de la Nature. “Diderot Syst. figuré des connoiss. humaines. absichtlich Veränderungen mit ihnen vorge - nommen.
Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesentli chen und vom Absichtlichen im gegenwärtigen Falle, bey so verschiedentlicher Rücksicht und Mo dification, nicht anders als relativ seyn können, bedarf wohl keiner Erinnerung. Wie viel kommt nicht z. B. bloß auf den Gesichtspunct des Samm - lers an. So kann eine ägyptische Mumie sowohl in eine Naturaliensammlung zur anthropologi - schen Seite, als in eine Sammlung altägypti - scher Kunstwerke gehören.
Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst - producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von einander zu unterscheiden sind. Daher z. B. die ehedem getheilten Meinungen, ob der Ueberzug in in der piscina mirable bey Bajä ein von selbst aus dem Wasser abgesetzter Rindenstein von Kalk - sinter, oder aber ein absichtlich aufgetragner künstlicher Mörtel sey. (– s. Götting. gel. Anzeigen 1791. 188 St. –)
Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs - thums, und 3) ihrer Structur, eine doppelte Verschiedenheit.
3Die einen nähmlich sind allemahl von an - dern natürlichen Körpern derselben Gestalt und Art hervor gebracht; so daß ihre Existenz in einer ununterbrochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung*)Oder wenigstens bis zu ihren ersten Stamm ältern hinauf. – Denn ich habe im ersten Theile meiner Beyträge zur Naturgeschichte, Facta ange - führet, die es mehr als bloß wahrscheinlich machen, daß auch selbst in der jetzigen Schöpfung neue Gattungen von organisirten Körpern ent - stehen, und gleichsam nacherschaffen werden. hinauf immer andere dergleichen Körper voraussetzt, denen sie ihr Daseyn zu danken haben.
Zweytens nehmen sie allerhand fremde Sub - stanzen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf, assimiliren sie den Bestandtheilen desselben, und befördern dadurch ihr Wachsthum von in - nen (durch innige Aneignung, intus susceptio, expansio).
Diese beyden Eigenschaften setzen drittens von selbst eine besondere Structur bey dieser Art von natürlichen Körpern voraus. Sie müssen nähmlich, wenn sie auf diese Weise Nahrungsmittel zu sich nehmen und umwand - deln, und mit der Zeit andere Geschöpfe ihrer Art wieder hervor bringen sollen mancherley diesen Zwecken entsprechende, deßhalb mit den so genannten Lebenskräften versehene und zu4 einem zweckmäßigen Ganzen unter einander verbundene, Gefäße, Adern und andere Organe in ihrem Körper haben, die zur Auf - nahme bestimmter Säfte zur Assimilation je - ner Alimente, zur Erzeugung der Nachkom - menschaft u. s. w. nothwendig sind.
Dieß alles fehlt bey den natürlichen Kör - pern der andern Art, nähmlich den Mineralien. Beydes, sowohl ihre Entstehung, als ihr Wachsthum (wenn man es gar nur Wachs - thum nennen darf), wird keineswegs durch Ernährung, sondern lediglich nach eigentlich so genannten bloß physischen (mechanischen und chemischen), Gesetzen, durch Anhäufung oder Ansatz homogener Theile von außen (aggre - gatio, iuxta positio) bewirkt; folglich ist bey ihnen weder ursprüngliche Organisation noch Lebenskraft zu erwarten.
Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte, und jene hingegen organisirte Körper.
Endlich sind nun aber auch jene organisir - ten Körper selbst, besonders in der Art wie sie ihre Nahrungsmittel zu sich nehmen, von einer doppelten Verschiedenheit.
Die einen nähmlich saugen einen sehr ein - fachen Nahrungssaft vorzüglich mittelst zahl - reicher Zasern, die sich am untern Ende ihres5 Körpers befinden, ohne merkliche willkürliche Bewegung in sich.
Da hingegen die Andern eine meist einfache Oeffnung am obern oder vordern Ende ihres Körpers haben, die zu einem geräumigen Schlauche führt, wohin sie vom innern Ge - fühle des Hungers getrieben ihre Alimente, die von sehr verschiedener Art sind, mittelst will - kürlicher Bewegung bringen.
Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.
Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort zu verändern (locomotiuitas) kein hinreichendes Un - terscheidungszeichen der Thiere von den Pflanzen, ab. Denn viele Pflanzen, wie z. B. die ge - meinen Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt sondern können zu gewissen Jahrszeiten ꝛc. ihren Aufenthalt verändern, bald zu Boden sinken, bald wieder auf die Oberfläche des Wassers stei - gen u. s. w. Und andererseits gibt es ganze Ge - schlechter von Wasserthieren, zumahl unter den Conchylien, Corallen ꝛc. die ihren einmahl ein - genommenen Platz nie von selbst wieder verlassen können.
Diese sehr faßliche Eintheilung der natür - lichen Körper in organisirte und unorganisirte (§. 2.), und der organisirten wieder unter ein - ander (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten drey Reiche, worunter man die Naturalien sehr schicklich gebracht hat, und wovon das erste6 die Thiere, das zweyte die Pflanzen, das dritte die Mineralien begreift.
Die Thiere sind demnach belebte und be - seelte organisirte Körper, die sich ihre sehr viel - artige Nahrung mittelst willkürlicher Bewegung suchen, und selbige durch den Mund in den Magen bringen.
Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte organisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie ihren sehr homogenen Nahrungssaft ohne will - kürliche Bewegung mittelst der Wurzeln ein - saugen.
Die Mineralien endlich sind unbelebte und unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebens - kraft nach den bloß physischen (mechanischen und chemischen) Gesetzen von Anziehung, An - häufung, Bildungskraft ꝛc. entstehen.
Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist, zumahl neuerlich, eine doppelte Einwendung ge - macht worden.
Manche haben zwar die Kluft zwischen den organisirten und unorganisirten Körpern aner - kannt, aber nur keine bestimmten Gränzen zwi - schen Thieren und Gewächsen zugeben wollen:
Andere hingegen haben die beliebten Meta - phern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu dahin gedeutet, als ob überhaupt keine bestimm - baren Eintheilungen der Naturalien in Reiche u. s. w. Statt fänden.
Was das erste betrifft, so sollte man zwar überhaupt nicht vergessen, was so oft den Gegen - ständen der Erfahrung der Fall ist, daß man sie7 weit leichter für das was sie sind*)Mit dem gemeinen Sprachgebrauch zu reden. Denn daß wir im strengern Sinne bekanntlich nur die Erscheinungen der Dinge kennen, bedarf wohl keiner Erinnerung. richtig aner - kennen und von andern unterscheiden, als ihre einzelnen unterscheidenden Merkzeichen ausfinden und angeben kann**)„ Facilius plerumque est rem praesentem discer - nere, quam verbis exacte definire “. Gaubius.„ Allein der Fehler liegt nicht am Unterschei - dungsgrunde, welcher stets wahr bleibt son - dern nur an der Schwierigkeit ihn in manchen Fällen zu finden. “J. Aug. Unzer.. – So sagte z. B. Linné: „ nullum characterem hactenus eruere potui, vnde Homo a Simia internoscatur. “ Nun glaube ich zwar in diesem Buche solche äußere Charactere der Humanität angegeben zu haben, wodurch sich der Mensch von den noch so menschenähnli - chen Affen (wie man sie nennt); so wie über - haupt von allen andern Säugethieren unverkenn - bar auszeichnet. Aber auch ohne dieselben wird doch hoffentlich nie ein Naturforscher in praxi in Verlegenheit gekommen seyn, Menschen und Affen etwa zu verwechseln. – Außerdem aber können ferner Geschöpfe aus noch so verschiedenen Classen manche theils auffallende und unerwartete Aehnlichkeit mit einander haben, ohne daß da - durch die dessen ungeachtet unverkennbare Ver - schiedenheit zwischen diesen Classen selbst weg - fallen dürste. Man theilt z. B. die Thiere sehr natürlich in warmblütige und kaltblütige; und rechnet eben so natürlicher Weise die Säugthiere zu jenen und hingegen die Insecten zu diesen; ohne je deßhalb irre zu werden, daß die Bienen in ihrem Stocke so ganz ohne Vergleich wärmer sind, als etwa ein Igel während seines Winter - schlafs. – So gibt es in der Classe der Ge - würme Geschlechter, wie z. B. die Sepien, die sich von den übrigen Thieren dieser Classe sehr auszeichnen, und dagegen manche auffallende8 Aehnlichkeit mit den Fischen haben. Aber nie - mand wird meinen, deßhalb müsse nun die Schei - dewand zwischen der Classe der Fische und der Classe der Gewürme aufgehoben werden. – Und eben so wenig wird jemand im Ernst in Ver - suchung gerathen, das Thier - und Pflanzenreich deßhalb mit einander zu verbinden, weil man an gewissen Pflanzen gewisse Aehnlichkeiten mit gewissen Thieren bemerkt hat. Von der Art sind z. B. die sonderbaren Bewegungen mancher Mi - mosenarten, und des hedysarum gyrans etc., die, so merkwürdig sie auch an sich bleiben, doch gar nicht einmahl in den oben angegebnen Charakter der Animalität eingreifen. So wenig als hin - wiederum diejenigen Aehnlichkeiten, so die Arm - polypen mit den Gewächsen haben, den oben bestimmten Charakter der Vegetabilität betreffen. Sondern, die Arm-Polypen sind Thiere, die, so wie der Mensch und die Auster, vom Hunger getrieben ihre Nahrung durch willkürliche Be - wegung in den Mund bringen, was hingegen bey keiner Pflanze, in der bis jetzt bekannten Schöpfung, der Fall ist.
Nun und so beantwortet sich die andere Ein - wendung gegen die Naturreiche ꝛc. die sich auf die so gepriesene Metapher von Stufenfolge der Geschöpfe gründet, eigentlich von selbst.
Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter, von Netz ꝛc. in der Natur, haben zwar für die Methodologie im Studium der Natur - geschichte in so fern ihren unverkennbaren Nutzen, als sie den Grund eines so genannten natürli - chen Systems abgeben, worin man die Geschöpfe nach ihren mehresten und auffallendsten Aehnlich - keiten, nach ihrem Totalhabitus und der darauf gegründeten so genannten Verwandtschaft unter - einander, zusammen ordnet.
Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmei - nenden Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer in den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und die Vollkommenheit und den Zusammenbang der - selben darin suchen zu wollen, daß die Natur9 (wie man sich ausdruckt) keinen Sprung thue, weil die Geschöpfe in Rücksicht ihrer form so sein stufenweise auf einander folgten, das wäre doch schon an sich eine vermeßne Schwachheit, wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey ernsterer Prüfung sich selbst widerlegte.
Denn man braucht bloß die noch so kunstreich und sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen Stufenfolgen in der Reihe der Geschöpfe näher zu beleuchten, um einzusehn, wie sehr darin einerseits sich ganze Haufen von Geschöpfen ähn - licher Bildung in Geschlechtern von fast unüber - sehlich zahlreichen Gattungen (zumahl unter den Insecten und Gewürmen, aber auch im Pflan - zenreiche) zusammen drängen, und andere dagegen gleichsam isolirt stehen, weil sie wegen ihrer aus - gezeichneten ganz eigenen Bildung nicht ohne sicht - lichen Zwang in einer solchen Leiter der Natur irgendwo eingeschoben und untergebracht werden können (wie z. B. die ganze Classe der Vögel; unter den Gewürmen das schon gedachte Ge - schlecht der Sepien u. a. m. – Ferner aber finden sich Thiere, bey welchen, wie z. B. bey den Schildläusen, Männchen und Weibchen eine so durchaus ganz verschieden Gestaltung haben, daß man folglich in der gedachten Leiter die einen von den andern trennen und nach dieser so sehr verschiedenen Sexualform beyden auf weit von einander entfernten Sprossen ihre verschiede - nen Stellen anweisen müßte. – Nun dann zeigen sich Lücken in der Leiter, wo offenbar ohne einen sehr gewagten Sprung gar nicht über zu kommen ist, wie zu Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den organisirten Körpern und den Mineralien u. s. w.
So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen Vorstellungen von Kette der Natur u. s. w. ge - rathen müssen, so ganz grundlos ist nun vollends gar die vermessene Behauptung mancher Physico - theologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu Papier gebrachten Kette ausfallen dürste,10 wenn nicht die Schöpfung selbst stocken sollte u. dergl. m. – So gut einzelne Gattungen von Thieren aus ganzen großen Inseln, wie z. B. die Wölfe aus Großbritannien vertilgt sind, ohne daß die dasige Schöpfung durch diese nun - mehrige scheinbare Lücke ihren sonstigen Zusam - menhang verloren haben sollte, so können andere Geschöpfe aus ganzen Welttheilen und wohl von der ganzen Erde vertilgt werden (wie dieß allem Anschein nach mit manchen, z. B. mit dem Dudu wirklich geschehen), ohne daß durch diesen merk - lichen hiatus, der dadurch in der Kette der Phy - sicotheologen entsteht, der ewige stille Gang der Schöpfung selbst, im mindesten gefährdet wer - den dürfte.
Und zum Verständniß der linnéischen Kunstsprache:
Jeder organisirte Körper (§. 2.) wird von seines Gleichen erzeugt, dann durch eigen Kraft lebenslang ernährt, und dadurch seine Selbst - erhaltung und Wachsthum, und wenn er zu seiner Reise gelangt, auch seine Fortpflan - zungsfähigkeit bewirkt.
Zu diesen großen Verrichtungen werden die organisirten Körper durch die Organisation ihres Baues, und durch die mit derselben ver - bundenen Lebenskräfte geschickt gemacht. Denn durch diese letztern erhalten die Organe ihre Empfänglichkeit für reißende Eindrücke (sti - muli) und ihr Bewegungsvermögen, ohne welches weder Ernährung noch Wachsthum, noch wechselseitige Einwirkung der Theile zur zweckmäßigen Erhaltung des Ganzen, und um - gekehrt*)Vergl. Kant's Critik der Urtheilskraft S. 285. u. f., denkbar seyn könnte.
13Sich die Entstehung der organisirten Kör - per zu erklären, hat man, zumahl neuerlich, die so genannte Evolutions Hypothese bequem gefunden, und gemeint, es werde gar kein Mensch, und kein andres Thier, und keine Pflanze erzeugt, – sondern sie lägen alle schon seit der ersten Schöpfung als völlig präfor - mirte Keime*)„ Denn “(so sagt Haller, das Haupt der neueren Evolutionisten) „ alle Eingewerde und die Knochen selbst waren schon im unsichtbaren Keim vorhers gebaut gegenwärtig, obgleich in einem fast flüssigen Zustande. “Und das ist doch wenigstens bestimmte Sprache.Wenn hingegen einige Neuere, um die Evolu - tionshypothese mit der Lehre von der allmähligen Bildung in vereinbaren, zwar zugeben, daß der Zeugungsstoff nicht präformirt sey, aber doch meinen, daß er deßen ohngeachtet einen Keim enthalte, der dennoch was anders sey, als un - geformter Zeugungsstoff ꝛc. so sind das unbe - stimmte, leere Ausdrücke. Wenigstens geht mir es dann mit solchen Quasi-Keimen, wie dem Cicero mit dem quasi corpus des Gottes der Epicuräer, wovon er sagt: corpus quid sit, in - telligo: quasi corpus quid sit, nullo prorsus modo intelligo. “ bey ihren Eltern und Vorfah - ren längstens vorräthig: die verschiedenen Gene - rationen steckten, gleichsam wie eingepackte Schachteln, in einander; und würden nur nach und nach, so wie die Reihe an sie käme, durch die Befruchtung entwickelt und aus licht ge - bracht. – Eine Meinung, die doch schon so - wohl durch den dabey erforderlichen Aufwand14 von übernatürlichen (hyperphysischen) An - stalten*)s. Kant a. a. O. S. 372., als durch die, allen Gesetzen einer philosophischen Naturforschung zuwiderlaufende unnütze Vervielfältigung der natürlichen [phy - sischen]**)Physische Kräfte überhangt – im Gegensatz jener hyperphysischen Anstalten. Kräfte, und durch die unüberseh - liche Menge von zwecklosen Schöpfungen aller der zahllosen präformirten Keime, die nur nicht zu ihrer Entwickelung gelangen konnten, aller präjudizlosen Urtheilskraft widerstehen müßte, wenn sie auch nicht durch die überwie - genden gegenseitigen Erfahrungsgründe wider - legt wird.
Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der aller - berühmtesten und allereifrigsten Versechter der Evolutionshypothese, sollen die präformirten Keime den der Mutter vorräthig liegen, und während der Befruchtung durch die Kraft des hinzerkommenden männlichen Zeugungsstoffes er - weckt und zur Entwickelung angetrieben werden. Was man Empfängniß nennt; sey folglich nichts als das Erwachen des schlaftrunkenen Keims durch den Reitz des auf ihn wirkenden männli - chen Samens.
Also bedarf es hier zuvörderst einer erwecken - den Kraft.
Nun aber ähneln ja so oft Kinder zum Sprechen bloß ihrem Vater; – Batzen, die sich kurz hintereinander mit mehreren männlichen Hunden belaufen haben, werfen oft Junge, die diesen verschiedenen Vätern ähneln; – zweyer - ley Menschenrassen, z. B. Negern und Weiße, zeugen mit einander nothwendigen Mittelschlag, nähmlich Mulatten; – und wenn nun vollends15 ungleiche Gattungen (verschiedene Species) von Thieren oder Gewächsen einander befruchten, so entstehen Bastarde, die eben so viel von der väterlichen als von der mütterlichen Gestaltung an sich haben.
Ja das läßt sich freylich nicht wohl verkennen: und dem zufolge gestehen dann die Evolutionisten dem männlichen Samen, auf er seiner erwecken - den, nun auch Nro. 2. in sofern eine bildende Kraft zu, daß er den bey der Matter präformirt gelegenen Keim, wohl in etwas zur väterlichen Gestaltung umzuformen vermöge.
Demnach wäre folglich zweyerley Kraft im männlichen Samen; 1) die erweckende und 2) doch auch eine bildende –
Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Generationen hindurch immer wiederholten, künst - lichen Bastardzeugung endlich die eine Gattung von organisirten Körpern gänzlich in die andere umwandeln. – So hat man z. B. aus der künst - lichen Befruchtung der einen Pflanzengattung mittelst des männlichen Standes von eine an - dern, Samen gezogen, welcher fecundable Ba - stardpflanzen gegeben; d. h. die sich zur Blühe - zeit abermals mit männlichem Stand von jener andern Gattung befruchten lassen, und wiederum fecundable Bastarde der zweyten Generation hervorgebracht. Jene Bastarde von der ersten Generation dielten gleichsam das Mittel zwischen beyden verschiedenen Stamm-Aeltern von väter - licher und mütterlicher Seite. Die von der zwey - ten hingegen ähnelten schar weit mehr der väter - lichen, als der mütterlichen und nachdem die gleiche künstliche Befruchtung noch fernerweit durch zwey folgende Generationen eben so wie - derholt worden, so entstanden endlich Pflanzen, an welchen die ursprüngliche mütterliche Gestal - tung so zu sagen ganz verwischt, und in die väterliche umgewandelt worden. (– s. Köl - reuter's dritte Fortsetzung der Nachrich von eini - gen das Geschlecht der Pflanzen betreffender Ver - suchen S. 51. §. 24. mit der Ueberschrift:„ Gänz -16 lich vollbrachte Verwandlung einer natürli - chen Pflanzengattung in die andere. “–)
Da hat den folglich alle Präformation des seit Erschaffung der Welt conservirten mütterli - chen Keims am Ende in nichts geholfen, sondern hat der bildenden Kraft des männlichen Stoffes (der eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß durch seine erweckende Kraft auf denselben hätte wirken sollen,) gänzlich weichen müssen!
Und so bleibt es folglich im Ganzen unse - rem Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln aller philosophischen Nachforschung*)„ Causas rerum naturalium non plures admitti debere, quam quae et verae sint et earum phae - nomenis explicandis sufficiant: "ist ja die erste von Newton's güldenen regulis philosophandi. weit an - gemessener, wenn man die Entstehung der neuerzeugten organisirten Körper bloß durch allmähliche Ausbildung (Epigenesis) des an sich zwar ungeformten, aber unter den dazu erforderlichen Umständen organisirbaren Zeu - gungsstoffes, erklärt.
Nur kommt es bey der vielfachen Vorstel - lungsart, die man sich von einer solchen allmäh - lichen Bildung machen kann und gemacht hat**)Denn wenn z. B. Mazini meinte, daß die Kin - der bey ihrer Empfängniß in Mutterleibe bloß anschössen (ungefähr wie der Candis-Zucker), so war das auch eine Art Epigenese.Aber das schlechterdings unstatthafte aller sol - chen bloß mechanischen Erklärungsarten der all -17 mählichen Ausbildung organisirter Körper durch eine sogenannte vis plastica (wie es unsre ehr - lichen Alten nannten), als welche eben so gut im Mineralteich Statt hat, ergibt sich von selbst aus dem Begriff von organisirten Körpern, als weicher durchaus zugleich Zweckmäßigkeit invol - virt. – s. Kant a. a. O. S. 292., darauf an, sie so zu bestimmen, wie sie dem Begriff von organisirten Körpern, und dann den Phänomenen, die uns die Beobachtung bey Entstehung derselben lehrt, am ungezwungen - sten entspricht.
Und dieß geschieht, wenn man annimmt, daß der reise, vorher zwar umgeformte, aber organisirbare Zeugungsstoff der Eltern, wenn er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen Umständen an den Ort seiner Bestimmung ge - langt, dann für eine in denselben nun zweck - mäßig wirkende Lebenskraft, nähmlich den Bildungstrieb (nisus formatiuus) zuerst empfänglich wird; – für einen Trieb, der sich von aller bloß mechanischen bildenden Kraft [als welche auch im unorganischen Reiche Cry - stallisationen*)Die Crystallisationen unterscheiden sich von den organisitten Körpern selbst schon durch die geome - trische Regularität ihrer fast immer gerablinichten Umrisse die auf wenige Fundamentalforemn redu - cirbar sind; da hingegen die Gestaltungen der There und Gewächse eben wegen ihrer unüber - seybar vielartigen Zweckmäßigkeit zu bestimmten18 Vorrichtungen auch in unübersehlich vielartige Formen (von endlos variirenden Umrissen) ge - bildet werden mußten. u. dergl. Hervorbringt] dadurch auszeichnet, daß er nach der endlos mannig - faltig verschiedenen Bestimmung der organisir - ten Körper und ihrer Theile, die vielartig organisirbaren Zeugungsstoffe auf eben so mannigfaltig aber durchgehends zweckmäßig modificirte Weise in bestimmte Gestalten zu formenver - mag – und so [– durch die Verbindung des bloß Mechanischen mit dem zweckmäßig Modi - ficirbaren in diesem Triebe*)Von dieser Verbindung der beyden Principien, – das mechanischen mit de teologischen, – die man sonst bey Erklärung der Entstehungsart or - ganisirter Körper für unvereinbar gehalten, und worin gerade das auszeichnende im Begriffe von Bildungstrieb liegt; davon gibt zumahl die ver - gleichende Anatomie auffalend einleuchtende Bey - spiele in Menge, deren ich manche in meinem Handbuch derselben S. 65. und anderw., auch in Hrn. Hofe. Voigt's neuen Magazin B. 11. S. 213. angeführt habe. –] zuerst bey der Empfängniß die allmählige Ausbildung; dann aber auch die lebenswierige Erhaltung dieser organischen Bildung durch die Ernäh - rung; und selbst wenn dieselbe durch Zufall - gelitten haben sollte, so viel möglich die Wie - derersetzung derselben durch die Reproduction, bewirkt wird**)Dieß alles habe ich in der Schrift über den Bil - dungstrieb, Götting. 1791. 8. weiter ausgeführt die ich nicht mit der unreifern Abhandlung, die unter einem ähnlichen Titel 1781. erschienen ist zu verwechseln bitte..
19Anm. 1. Diese allmähliche Ausbildung der neuen orga - sirten Körper ist am anschaulichsten an solchen zu betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen Größe ein schnelles (so zu sagen zusehends merk - liches) Wachsthum, und eine so zarte halbdurch - sichtige Textur verbinden, daß sie (zumahl im sattsamen Lichte und unter mäßiger Vergrößerung) aufs deutlichste, klarste durchschaut werden können.
So im Gewächsreiche an manchen einfachen Wassermoosen, wie z. B. an der Brunnen-Con - ferve (Conferva fontinalis) die sich in den ersten Frühlingstagen fortpflanzt. (– Abbild. u. b. Gegenst. tab. 49 –)
Unter den blutlosen Thieren an den Arm - polypen.
Und unter den warmblütigen an der ersten Erscheinung des Küchelchens im bebrüteten Eye und seiner dann von Tag zu Tag fortrückenden Ausbildung.
Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehresten Leser die Erinnerung überflüssig, daß das Wort Bildungs - trieb selbst so gut wie die Benennungen aller andern Arten von Lebenskräften an sich weiter nichts erklären, sondern bloß eine besondere (das Mechanische mit dem zweckmäßig Modificirbaren in sich vereinende) Kraft unterscheidend bezeichnen soll, deren constante Wirkung aus der Erfahrung anerkannt worden, deren Ursache aber so gut wie die Ursache aller andern noch so allgemein an - erkannten Naturkräfte für uns hienieden im eigent - lichen Wortverstande qualitas occulta bleibt†) "Il fallait respecter les qualités occultes; car depuis le brin d'herbe que l'ambre attira, jusqu 'à la route que tant d'astres suivent dans l'espace; depuis la formation d'une mite dans un fromage jusqu' à la Galaxie; soit que vous considériez une pierre qui tombe, soit que vous suiviez le cours d'une comèt traversant les cieux, tout est qualité occulte. “Voltaire.. – Das hindert aber nickt, daß man nicht mehr getrennt seyn sollte, mehr oder weniger in einem20 suchen sollte, ihre Wirkungen durch Beobachtung weiter zu erforschen und zu verfolgen, und sie so auf allgemeine Gesetze zurück zu bringen.
Durch die bestimmte zweckmäßige Wirk - samkeit des Bildungstriebes in den bestimmten dafür empfänglichen organisirbaren Stoffen, wird nun die eben so bestimmte Form und der Habitus aller einzelnen Gattungen (Species) von organisirten Körpern erhalten; und bey denen, wo es Statt findet auch ihre Sexual - verschiedenheit, durch welche sich nähmlich die männlichen Geschöpfe von den weiblichen in derselben Gattung auszeichnen.
Aber freylich kann der Bildungstrieb auch eben sowohl als jede andere in ihrer Thätigkeit gestörte oder fremdartig modificirte Lebenskraft auf mancherley Weise vor seiner eigentlichen bestimmten Richtung abweichen.
So entstehen dann (– der bloß krank - haften, nicht ins Gebiethe der Naturgeschichte gehörigen Abweichungen, zu geschweigen –)
1) durch ganz gewaltsame Störungen desselben ganz widernatürliche*)Widernatürliche versteht sich wieder nah dem allgemeinen prachgebrauch des Mortes – Man hat gemeint es sey besser ungewöhnlich zu sagen21 als widernatürlich. Aber das sind zwei sehr - verschiedene Begriffe, deren Verwechselung selbst zwar nicht ungewöhnlich aber gewiß nicht natür - lich ist. Formen der organisirten Körper, nähmlich die Mißgeburten.
2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual - character, der sonst in den beyden Geschlech - tern getrennt seyn sollte, mehr oder weniger in einem und eben demselben Individuum verbun - den ist, die Zwitter.
3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz ver - schiedner Gattung (zweyerley Species) einander befruchten, die Bastarde.
Endlich 4) durch den Einfluß der mancher - ley Ursachen der allmähligen, Ausartung, die Rassen und Spielarten.
Unter Mißgeburt versteht man, nach dem gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatür - liche, angeborne, leicht in die Augen fallende Veranstaltung in Bildung äußerer, größerer Theile. So mannigfaltig aber diese Mißge - stalten seyn können, so lassen sie sich doch alle auf folgende vier Hauptclassen zurück bringen:
1) M. G. mit widernatürlicher Bildung ein - zelner Glieder. Fabrica aliena.
2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher Lage einzelner Glieder. Situs mutatus. Die seltensten von allen (– nähmlich unter Mißgeburten in dem angegebnen Sinne. 22Oft hat man hingegen bey Leichenöffnungen wohlgebildeter Menschen manche ihrer Ein - geweide in ganz verkehrter Lage gefun - den –).
3) M. G. denen ganze Glieder mangeln. Monstra per defectum. Unter diesen die lehrreichsten.
4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon - stra per excessum. Die gemeinsten (– selbst nicht selten unter wilden Thieren z. B. Hasen –) Theils gar erblich, wie z. B. in den sechsfingrigen Familien, und bey Hüh - nern mit fünf oder sechs Zehen.
Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen Monstrositäten beweiset, daß auch selbst diese Ab - weichungen des Bildungstriebes dennoch bestimm - ten Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die bekannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer Unterjochung und die cultivirten Garten - pflanzen denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustand unterworfen sind (daß z. B. Mißgeburten unter den Hausschweinen so häufig, unter den wilden Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime dieser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung schon monströs präformirt einge - schachtelt gelegen, wohl schwerlich zusammen rei - men läßt.
Zwitter nennt man zwar im engern Sinne bloß solche einzelne Individua von organisirten Körpern, bey welchen widernatürlicher Weise die Spuren der zweyfachen eigentlichen Sexual -23 Organe mehr oder weniger verbunden sind, die sonst, in den männlichen und weiblichen Ge - schöpfen derselben Art, getrennt seyn sollten. Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter den warmblütigen Thieren; zumahl unter dem Rindvieh, Schafen und Ziegen.
Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab - weichung des Bildungstriebes hier einer Er - wähnung, wenn andere körperliche Functionen oder Charaktere, die dem einen Geschlechte eigen seyn sollten, sich bey Individuis des an - dern äußern. Wenn z. B. Hirschkühe und Rehe Geweihe aufsetzen; oder Fasan - und Pfau-Hennen mit zunehmenden Jahren männ - liches Gefieder kriegen; oder Mannspersonen oder andere männliche Säugethiere Milch ge - ben*)Von dieser Anomalie habe ich im Hannover - schen Magazin gehandelt v. J. 1787. S. 753. u. f. u. s. w.
Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im ganzen Verhältniß des Körperbaues einzelner, übrigens noch so regelmäßig und schön gebilde - ter Geschöpfe des einen Geschlechts doch mehr oder weniger vom Totalhabitus des andern; z. B. weibliche Weichlichkeit in der Totalform des männlichen**)S. Caylus Recueil d'antiquités. T. III. p. 117..
Wenn ein weibliches Geschöpf der einen Gattung von einem männlichen einer andern Gattung befruchtet worden, so entstehen daraus Bastarde, deren Bildung aus der beyderley Aeltern ihrer gleichsam zusammengeschmolzen ist. Da aber von der bestimmten Bildung der organisirten Körper, besonders der Thiere, die behörige und für den Gang der Schöpfung so äußerst wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte abhängt, so ist es eine weise Einrichtung in der Natur, daß erstens, wenigstens unter den rothblütigen Thieren, in ihrem freyen Natur - zustande meines Wissens niemahls eine Paa - rung und Vermischung unter zweyerley Gattun - gen bemerkt worden; zweytens aber die Bastarde überhaupt meistentheils unfruchtbar, und nur sehr selten im Stande sind, ihr Geschlecht wei - ter fortzupflanzen. Daher gehört es zu den seltnern Ausnahmen, wenn Maulthiere, oder die Bastarde von Hänflingen und Canarien - vögeln zuweilen fruchtbar sind. Bey den Pflan - zen gelingt es leichter, daß durch künstliche Be - fruchtung verschiedner Gattungen Bastarde hervor gebracht werden können, die fruchtbaren Samen tragen (– s. oben S. 15. –). Hin - gegen bedürfen die fabelhaften Sagen von ver - meinten Bastarden aus der Vermischung vom Rindvieh und Pferden oder Eseln, und von Caninchen und Hühnern, oder vollends gar von25 Menschen und Vieh, jetzt hoffentlich keiner weitern Widerlegung.
Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung, daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe nur die von einer und eben derselben Species sich mit einander gatten, liegt der natürliche Grund, warnen das Wort Species im Deutschen am allernatürlichsten durch Gattung übersetzt wird. (– davon mit mehreren in der Vorrede. –)
Rassen und Spielarten (varietates) sind diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen specifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen organisirter Körper, so diese durch die all - mähliche Ausartung oder Degeneration erlitten haben.
Rasse heißt aber im genauem Sinne ein solcher durch Degeneration entstandener Cha - rakter, der durch die Fortpflanzung unausbleib - lich und nothwendig forterbt, wie z. B. wenn Weiße mit den Negern Mulatten, oder mit amerikanischen Indianern Mestissen zeugen: welches hingegen bey den Spielarten keine nothwendige Folge ist; wie z B. wenn blau - äugige Blonde mit braunäugigen Brünetten Kinder zeugen*)Diesen Unterschied zwischen Rassen und Spielar - ten hat zuerst Hr. Prof. Kant genau bestimmt, im teutschen Mercur 1788. 1. B. S. 48. s. hier - von ausführlich Girtanner über das Kantische Princip für die Naturgeschichte. Göttingen 1796. 8..
26Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit unabsehli - chen Reiben von Generationen fortgepflanzt haben, so hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße Rassen oder ursprünglich verschiedene Gattungen (Species) sind? Wenigstens gibt es dann zur Ent - scheidung in dergleichen Fällen keine andern in praxi anwendbare Regeln, als die, so aus der Analogie abstrahirt sind; da hingegen die, so Ray, Büffon und andere angenommen haben, den Charakter von Species darnach zu bestimmen, wenn die Geschöpfe mit einander fruchtbare Nach - kommenschaft zeugen, zu diesem Behuf sehr un - zulänglich und schwankend ist.
Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser Regel ohnehin bey den unzähligen Thieren und Pflanzen wegfällt, die sich ohne Paarung fort - pflanzen. (– s. unten §. 70. –), so findet sie auch in unzähligen andern Fällen wegen unüberwind - licher Schwierigkeiten nicht Statt, wie z. B. bey Entscheidung der Frage, ob der asiatische und der africanische Elephant zu einerley Species gehören oder nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung Statt hat, wie z. B. bey der Vermischung von Pferd und Esel, fragt sich wieder, soll da der gewöhnliche oder aber der äußerst seltne Erfolg als Regel angesehn werden. Denn gewöhnlich sind die Maulthiere steril, und nut in äußerst seltenen Fällen hat man sie zur Fortpflanzung fähig befunden. Wollte man also diesen mun - derseltenen Fall als Regel gelten lassen, so müßte man Pferd uns Esel für Thiere derselben Species halten, ungeachtet sie in ihrem ganzen Körper - bau – zumahl im Innern (und nahmentlich) in der ganz auffalend verschiedenen Einrichtung ihrer Stimmwerkzeuge!), wenigstens eben so specifisch von einander differiren als Löwe und Katze. Da stimmt hingegen alle Analogie dafür, sie als zwei ganz verschiedene Gattungen anzuerkennen. Und eben diesem Grundsatze der Analogie gemäß halte ich auch die gedachten beyderley Elephanten für ganz verschiedene Gattungen, weil ihr Gebiß eine so constante auffalende Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich als bloße Folge der Degene - ration gedenken läßt.
Zu den mancherley Ursachen der Ausartung gehören vorzüglichst der Einfluß des Himmels - strichs, der Nahrung, und bey Menschen und Thieren auch der Lebensart.
Kaltes Clima z. B. unterdrückt das Wachs - thum der organisirten Körper, und darum sind die Grönländer, Lappländer ꝛc. so wie die Thiere und Gewächse kalter Erdstriche, klein, untersetzt. Eben so bringt dieses Clima weiße Farbe an Thieren und Gewächsen hervor, und darum sind die Nordländer von Natur von weißer Haut ꝛc. so wie viele warmblütige Thiere der kältesten Gegenden anomalisch weiße Haare und Federn, viele Pflanzen daselbst ano - malisch weiße Blüthen haben u. s. w. – Da - gegen tragen die Creolen (d. h. die in Ost - und West-Indien von europäischen Aeltern gebornen Weißen) das unverkennbare, meist wunderschöne Gepräge ihrer südlichen Heimath an sich.
Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cul - tur und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung, Farbe und ganze Constitution der organisirten Körper umzuändern vermöge, da - von sehen wir an unsern Hausthieren*)S. über Menschen-Kassen und Schweine-Kassen – in Voigts Magazin. VI. 6. 1. St. S. I u. f., an unserem Getreide, Obst, Küchen-Gewächsen,28 Blumen-Floren ꝛc. – am alleraufallendsten aber bey den Verschiedenheiten im Menschen - geschlechte selbst, die augenschienlichsten Bey - spiele.
Diese mancherley Ursachen der Degeneration können nun aber nach Verschiedenheit der Um - stände einander entweder unterstützen, und die Ausartung um so schneller und auffalender machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen einander aufheben u. s. w.; daher man in dieser Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.
Anm. 1. So gibt es z. B. selbst unter der Linie kalte Erdstriche, wie im Innern von Sumatra ꝛc. Hin - gegen bringt Sidirien gar viele Gewächse der wärmern Gegenden hervor, die in dem weit süd - lichen Europa nicht fortkommen.
Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die einige Climate auf die organisirten Körper, zu - mahl des Thierreichs, äußern. So, daß z. B. in Syrien die Katzen, Kaninchen, Ziegen ꝛc. so auffalend langes und weißes Haar haben; auf Corstica die Pferde, Hunde ꝛc. so auszeichend ge - fleckt sind; auf Guinea Menschen, Hunde und Hühner zu Negern in ihrer Art werden u. s. w.
Die Ernährung der organisirten Körper gehe auf verschiedene Weise vor sich. Den Pflanzen wird ihre einfache Nahrung durch Wurzeln, die sich außerhalb ihres Stammes am einen Ende desselben befinden, zugeführt. Die Thiere hingegen haben, wie sich Boer -29 haave ausdrückte, gleichsam ihre Wurzeln in - nerhalb ihres Körpers, nähmlich im Magen und Darmcanal, wo der nahrhafte Theil der Alimente durch unzählige Gefäschen, fast wie bey den Pflanzen durch Wurzeln, eingesogen und den Theilen des Körpers zugeführt wird.
Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel wird durch einen bewunderungswürdigen Pro - ceß dem Stoff der organisirten Körper assim - ilirt; der überflüssige hingegen ausgedunstet; und bey den Thieren, die keinen so einfachen Nahrungssaft wie die Pflanzen zu sich nehmen, auch durch andere Wege als Unrath ausge - worfen.
Das Wachsthum der organisirten Körper ist die Folge ihrer Ernährung. Die meistesten erreichen früh die bestimmte Größe ihres Kör - pers. Von manchen Bäumen aber, wie z. B. von der Norfolkinsel-Fichte (Columnia pini - folia) der Kohlpalme (Areca oleracea), dem Baobab (Adansonia digitata) ꝛc. auch von einigen andern Gewächsen, z. B. vom Rotang (Calamus rotang) und so auch von manchen Thieren, wie z. B. von vielen Gattungen der Bandwürmer und selbst von den Crocodilen und großen Wasserschlangen läßt sich schwerlich sa - gen, ob und wann in ihrem leben sie aufhören an Länge oder Dicke zuzunehmen.
Zum Wachsthum der organisirten Körper gehört auch ihre Reproductions-Kraft, oder die merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstüm - melte oder völlig verlorne Theile ihres Körpers von selbst wieder ergänzen. Sie gehört zu den weisesten Einrichtungen in der Natur, und sichert die Thiere und die Pflanzen bey tausend Gefahren, wo ihr Körper verletzt wird: sie ist folglich auch, nebst der Ernährung überhaupt, einer der größten Vorzüge, wodurch die Ma - schinen aus der Hand des Schöpfers bey wei - tem über die größten Kunstwerke der Men - schen erhoben werden, als welchen ihre Verfer - tiger keine Kraft mittheilen können, ihre Trieb - federn und Räder, wenn sie verbogen, ver - stümmelt und abgenutzt würden, von selbst wie - der herzustellen: eine Kraft, die hingegen der Schöpfer jedem Thier und jeder Pflanze – nur in verschiedenem Maße – beygelegt hat.
Viele organisirte Körper verlieren, zu be - stimmten Zeiten, gewisse Theile ihres Körpers von freyen Stücken, die ihnen nachher wieder reproducirt werden; wohin das Abwerfen der Geweihe, das Mausern der Vögel, die Häu - tung der Schlangen, der Raupen, das Schälen der Krebse, das Entblättern der Gewächse u. s. w. gehört. Man könnte dieß die gewöhnliche Reproduction nennen.
31Die andere hingegen ist die außerordent - liche, von der hier eigentlich die Rede ist, da nähmlich dem organisirten Körper, zumahl den Thieren, Wunden, Beinbrüche ꝛc. geheilt, oder gar durch Unfall verstümmelte und verlo - rne Theile wieder ersetzt werden. Der Mensch und die ihm zurächst verwandten Thiere besitzen eine freylich. sehr eingeschränkte Reproductions - kraft: die hingegen bey vielen kaltblütigen Thieren, besonders bey den Wasser Molchen, Krebsen, Land-Schnecken, Regenwürmern, See-Anemonen, See-Sternen, Arm. Poly - pen ꝛc. von einer ausnehmenden Stärke und Vollkommenheit ist.
Anm. Manche Reproductionsversuche setzen eine schon in dergleichen Arbeiten geübte Hand und viele Vorsicht, auch vielleicht günstige Nebenumstände voraus, wenn sie gelingen sollen: daher man sich hüten muß, aus dem etwa anfangs mißlungenen Erfolg zu voreilig die ganze Sache bezweifeln zu wollen. So ist es mir nach mehreren frucht - losen Versuchen erst spät gelungen, daß der ganze Kopf der gemeinen Waldschnecke (helix pomatia) mit seinen vier Hörnern binnen ungefähr 6 Mo - nathen wieder reproducirt ward.
Vor mehreren Jahren habe ich einem Wasser - molch der größern art (lacerta lacustris), den ich nun in Spiritus auf bewahre, fast das ganze Auge exstirpirt; nähmlich alle Säfte auslausen lassen und dann 4 / 5 der ausgeleerten Häute rein ausge - schnitten: – und doch hat sich hinnen zehn Mo - nathen ein vollkommener neuer Augapfel mit neuer Hornhaut, Augenstern, Crystall-Linse ꝛc. repro - ducirt, der sich bloß dadurch vom andern gesun - den Auge auszeichnet, das er nur erst ungefähr bald so groß ist. (– s. Götting. gel. Anz. 1785 47. St. –)
Wenn die organisirten Körper durch Er - nährung und Wachsthum zu ihrer vollen Reife gelangen, so erhalten sie dann auch das Fort - pflanzungsvermögen (§. 5.), das aber auf eine sehr verschiedene Weise vollzogen wird. Ueber - haupt nähmlich ist entweder schon jedes Indi - viduum für sich im Stande, sein Geschlecht fortzupflanzen; oder aber es müssen sich ihrer zwey mit einander paaren oder begatten, wenn sie neue organisirte Körper ihrer Art hervor bringen sollen.
Die mannigfaltigen besondern Verschieden - heiten in diesen beiderley Hauptweisen der Fort - pflanzung lassen sich doch füglich unter folgende vier Arten bringen:
1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die einfachste Weise, ohne vorher gegangene Befruchtung: entweder durch Theilung, wie manche Infusions-Thierchen*)J. Ellis in den philos. Transact. vol. LIX. P. I. S. 138 u. f. tab. 6. fig. 1 – 6. und Blu - men-Polypen**)A. Trembley ebendaselbst. vol. XLIII. N. 474. S. 175 u. f. und vol. Xlil. N. 484. S. 138 u. f.; oder wie bey der Brun - nen-Conferve so, daß das alte fadenartige Gewächs am einen Ende zu einem kuglichen Knöpfchen anschwillt, das nachher abfällt und wieder zu einem solchen Faden aus -33 trieben und umgebildet wird (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 49. –); oder durch Sprossen wie die Arm-Polypen und viele Gewächse u. s. w.
2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande sich fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer Zwitter beyderley Geschlechtstheile an seinem Leibe, und muß vorher, wenn es Thier ist, die bey sich habenden weiblichen Eyerchen mit männlichem Samen – und wenn es Pflanze ist, seine weiblichen Samenkörner mit männlichem Blumenstaub – begießen und dadurch befruchten, ehe sich ein Junges daraus bilden kann. Dieß ist der Fall bey den mehresten Gewächsen, und im Thier - reich, wie es scheint, bey manchen Muscheln.
3) Ebenfalls beyde Geschlechter, wie bey den Hermaphroditen der vorigen Classe, in einem Individuo verknüpft; doch daß keines sich selbst zu befruchten im Stande ist sondern immer ihrer zwey sich zusammen paaren und wechselseitig einander befruchten und befruch - tet werden müssen. Diese sonderbare Ein - richtung findet sich nur bey wenigen Thie - ren; beym Regenwurm, bey manchen Land - schnecken*)swammerdam biblia naturae. p.157. tab. 8. fig. 6. ꝛc.
4) Die beyden Geschlechter in separaten Indi - viduis, von denen das eine die weiblichen34 Theile oder Eyer, das andere den männli - chen befruchtenden Saft enthält. So alle rothblütige und viele andere Thiere, und so auch manche Pflanzen, wie die Weiden, der Hopfen, die mehresten Moose ꝛc.
Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer selbst von sich, in welchen sich erst nachher das Junge vollends ausbildet. Dieß sind die eyerlegenden Thiere (ouipara). Bey andern aber wird dieß Ey so lange in der Bärmutter zurück behalten, bis das Junge vollkommen ausgebildet worden, und nun von seinen Hülsen befreyt zur Welt kommen kann: lebendig gebärende Thiere (viuipara).
Anm. Wie gering inzwischen der Unterschied zwischen Eyer legen und lebendig gebären sey, erweisen die Beyspiele der Blattläuse und Federbusch-Po - lypen, die sich nach den verschiedenen Jahrszeiten bald auf die eine, bald auf die andere Weise fortpflanzen; und mancher Schlangen, die zwar Eyer legen, in welchen aber das ganz ausge - bildete Thier enthalten ist. Gewissermaßen könnte man mit diesem letztern Falle diejenigen Pflanzen vergleichen, in deren reifen Samenkörnern ein grüner Pflanzenkeim eingeschlossen liegt, wie z. B. bey den sogenannten ägyptischen Bohnen von der Nymphaea nelumba.
Nachdem die organisirten Körper die Be - stimmungen ihres Lebens erfüllt haben, so weicht endlich alle Lebenskraft von ihnen, und sie ster - ben. Die wenigsten aber erreichen das Ziel,35 das ihnen die Natur zum Laufe ihres Lebens vorgesteckt hat, sondern tausenderley Zufälle verkürzen ihnen diesen Weg, meist lange vor der bestimmten Zeit. So rechnet man z. B. daß von 1000 gebornen Menschen nur ungefähr 78 für Alter sterben; und von den großen furchtbaren Amphibien, Crocodilen, Riesen - schlangen ꝛc. erreicht vielleicht nicht das tausendste sein gesetztes Alter und Größe. Nach dem Tode der Thiere und Pflanzen wird ihr Körper durch die chemische Zersetzung seiner Urstoffe allmählich aufgelöset, mithin ihr Organismus zerstört, und ihre Asche endlich mit der übri - gen Erde vermengt, die ihnen vorher Nahrung und Aufenthalt gegeben hatte.
So endlos mannigfaltig die Bildung und der Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmt - lich (oder höchstens bis auf wenige Ausnahmen mancher so genannten Infusionstierchen ꝛc. ) den Mund (§. 3.) mit einander gemein zu haben, durch welchen sie dem Körper seine Nahrung zuführen: und statt daß die Pflanzen ihren sehr einfachen Nahrungssaft aus Luft, Wasser und Erde einsaugen, so ist hingegen der Thiere ihr Futter äußerst mannigfaltig, und wird beynahe ohne Ausnahme aus den organisirten Reichen selbst entlehnt; und sie müssen es, durch die peinlichen Gefühle des Hungers ge - trieben, mittelst willkürlicher Bewegung zu sich nehmen, um dadurch ihre Selbsterhallung zu bewirken.
Bey den insgemein so genannten voll - kommneren Thieren wird der abgesonderte Nahrungssaft zuvor mit dem Blute, das in seinen Adern circulirt, vermischt, und von da erst in die übrigen Bestandtheile des Körpers37 abgesetzt. Dieses eigentlich so genannte Blut ist von rother Farbe, aber in Rücksicht seiner Wärme bey den verschiedenen Classen dieser rothblütigen Thiere von doppelter Verschieden - heit. Bey den einen (nähmlich bey den Am - phibien und Fischen) hält es meist ungefähr die Temperatur des Mediums, in welchem sie sich befinden, daher sie kaltblütig genannt wer - den. Bey den andern aber, die deßhalb warm - blütig heissen (den Säugethieren und Vögeln), zeigt es in ihrem vollkommen belebten Zustande immer eine Wärme von unges. 100 Gr. Fah - renh. mehr oder weniger. Der Saft hingegen, welcher bey den so genannten weißblütigen Thielen (nähmlich bey den Insecten und Ge - würmen) die Stelle des Bluts vertritt, unter - scheidet sich besonders durch den Mangel der rothen Kügelchen, von jenem eigentlich so ge - nannten Blute.
Das Blut der Thiere mag nun aber weiß oder roth, kalt oder warm seyn, so muß es im gesunden Zustande immer mit frischen Portio - nen eines zum leben nothwendigen Stoffes (– des so genannten Sauerstoffs oder Oxy - gens –) aus der atmosphärischen Luft oder aus dem Wasser geschwängert werden, wogegen es gleiche Portionen eines andern Stoffes (– des Kohlenstoffes oder Carbones –) aus dem Kör -38 per wiederum fortschafft. Zu diesem merkwür - digen lebenswierigen Proceß in dem belebten thierischen Laboratorium dient vorzüglichst das Athemholen; welches die rothblütigen Thiere entweder durch Lungen, oder wie die Fische durch Kiefern; die weißblütigen aber mittelst mancherley anderer analogen Organe verrichten.
Nur diejenigen Thiere die mit jungen ver - sehen sind können auch Stimme (vox) von sich geben. Der Mensch hat sich außer der ihm angebornen Stimme auch noch die Rede (loquela), erfunden.
Die Organe, wodurch die willkürlichen Be - wegungen unmittelbar vollzogen werden, sind die Muskeln, die bey den rothblütigen Thie - ren das eigentlich so genannte Fleisch aus - machen. Nur bey einigen ganz einfach ge - bauten Thieren, wie die Polypen, sind diese Bewegungs-Organe von dem übrigen gallerti - gen Stoffe nicht zu unterscheiden.
Außerdem finden sich aber auch einige we - nige Muskeln, über welche der Wille nichts vermag. So z B. das Herz, als welches lebenslang unaufhörlich (– beym Menschen ungefähe 4500 Mahl in jeder Stunde –) und39 zwar ohne wie andere Muskeln zu ermüden, oder endlich zu schmerzen, als Haupttriebfeder des Blutumlaufs, in seiner schlagenden Be - wegung ist.
Beyde Arten von Muskeln aber, bis un - willkürlichen sowohl als die, so sich nach dem Entschlusse des Willens bewegen, bedürfen zu diesem ihren Bewegungsvermögen des Ein - flusses der Nerven.
Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn und aus dem Rückenmark, und es scheint, daß die Größe der beyden letztern in Vergleichung zur Dicke der daraus entstehenden Nerven mit den Geisteskräften der Thiere im umgekehrten Verhältniß stehe*)Diese scharfsinnige Bemerkung gehört dem Hrn. Hofr. Sömmerring. s. Dess. Diss, de basi en - cephali p. 17., so daß der Mensch von allen das größte Gehirn, in Vergleichung sei - ner sehr dünnen Nerven, hat; da hingegen einfältige Thiere, wie z. B. die hieländischen Amphibien, dicke Nerven bey einem sehr klei - nen Gehirne haben.
Außer dem Einfluß, den die Nerven auf die Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes40 Geschäft, auch der Seele die äußern Eindrücke auf den thierischen Körper, durch die Sinn - mitzutheilen. Die Beschaffenheit der Sinn - werkzeuge ist aber in den verschiedenen Thier - classen selbst sehr verschieden. So erhalten z. B. viele Thiere offenbar allerhand sinnliche Eindrücke, ohne daß wir doch die Sinnwerk - zeuge an ihnen entdecken können, die bey an - dern zu solchen Eindrücken nothwendig sind. Die Schmeißfliege z. B. und viele andere In - secten haben Geruch, ob wir gleich keine Nase an ihnen wahrnehmen u. dergl. m.
Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne über - haupt auf wenigere einschränken, andere hinge - gen dieselbe mit neuen vermehren wollen. Vanini z. B. und viele nach ihm hielten das Gefühl bey Befriedigung des Sexual Triebes für einen sechsten Sinn. Jul. Cäs. Scaliger das Gefühl beym Kitzeln unter den Achseln für einen 7ten. So hält 8tens Hr. Spallanzani das Gefühl, wo - durch sich die Fledermäuse bey ihrem Flattern im Finstern für den Anstoß sichern; so wie 9tens Darwin das Gefühl für Wärme und Kälte für besondere Sinne.
Durch den anhaltenden Gebrauch werden Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brauchen von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung neuer Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt. Dem Menschen und den mehresten von Gewächsen lebenden Thieren ist die Nacht zu dieser Er - hohlung angewiesen; viele Raubthiere aber,41 wohin zumal die mehresten Fische gehören, auch manche Insecten und Gewürme, halten sich am Tage verborgen und gehen des Nachts ihren Geschäften nach, weßhalb sie animalia nocturna genannt werden.
Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in der Oeconomie vieler Thiere noch die sehr bequeme Einrichtung, daß sie einen beträcht - lichen Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten Monathe, da es ihnen schwer werden würde, für ihre Erhaltung zu sorgen*)„ Ergo in hiemes aliis prouisum pabulum, aliis pro cibo somnus. “ Plinivs. , in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie verkriechen sich, wenn diese Zeit kommt an sichere, schaurige Orte; und fallen mit ein - brechender Kälte in eine Art von Erstarrung, aus der sie erst durch die erwärmende Früh - lingssonne wieder erweckt werden. Diese Er - starrung ist so stark, daß die warmblütigen Thiere während dieses Todtenschlafs nur un - merkliche Wärme übrig behalten (– s. oben S. 7. –), und daß die Puppen vieler In - secten, die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung bestehen, im Winter oft so durchfroren sind, daß sie, dem Leben des darin schlafenden Thieres unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas klingen, wenn man sie auf die Erde fallen läßt.
42So viel bekannt, hält doch kein einziger Vogel, hingegen die mehresten Amphibien, Winterschlaf.
Von den Seelenfähigkeiten sind manche dem Menschen mit den mehresten übrigen Thie - ren gemein, wie z. B. die Vorstellungskraft, die Aufmerksamkeit, und so auch die beyden so - genannten innern Sinne, Gedächtniß nähm - lich und Einbildungskraft.
Andere sind fast bloß den übrigen Thieren eigen, so daß sich beym Menschen nur wenige Spuren davon finden, nähmlich die so genann - ten Naturtriebe oder Instincte. Dagegen er hinwiederum im ausschließlichen Besitze der Vernunft ist.
Der Instinct*)Herm. Sam. Reimarus Betr. über die Triebe der Thiere. 4te Ausg. Hamb. 1798. 8. ist das Vermögen der Thiere, aus einem angebornen, unwillkürlichen, inneren Drange, ohne allen Unterricht, von freyen Stücken, sich zweckmäßigen, und zu ihrer und ihres Geschlechts Erhaltung abzielen - den Handlungen zu unterziehen.
Daß diese wichtigen Handlungen wirklich ganz unüberlegt bloß maschinenmäßig vollzogen43 werden, wird durch zahlreiche Bemerkungen er - weislich, wie z. B., daß die Hamster auch todten Vögeln doch zuerst die Flügel zerbrechen, ehe sie weiter anbeissen; daß junge Zugvögel, die man ganz einsam im Zimmer erzogen hat, doch im Herbst den innern Ruf zum Fortzie - hen fühlen, und im Käfich bey allem guten Futter und Pflege unruhig werden.
Unter den mancherley Arten dieser thieri - schen Triebe sind besonders die so genannten Kunsttriebe merkwürdig, da sich nähmlich so viele warmblütige Thiere und Insecten ohne alle Anweisung und ohne alle vorgängige Uebung*)„ Nascitur ars ista, non discitur. “ Seneca. , (als welche bey so vielen gar nicht Statt finden kann; wie z. E. bey den Raupen, die nur Ein für alle Mahl in ihrem Leben da - von Gebrauch machen können, und wo folglich schlechterdings erster Versuch und Meisterstück eins seyn muß), so ungemein künstliche Woh - nungen, Nester, Gewebe ꝛc. zu ihrem Aufent - halte, zur Sicherheit für ihre Junge, zum Fang ihres Raubes, und zu vielfachen andern Zwecken zu verfertigen wissen.
Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben wenig andere Spuren von Instinct: angeborne Kunsttriebe aber hat er vollends ganz und gar44 nicht. Was ihn hingegen für diesen scheinba - ren Mangel entschädigt, ist der Gebrauch der Vernunft.
Diese mag nun entweder eine ausschließlich eigenthümliche Fähigkeit der menschlichen Seele, oder aber ein unendlich stärkerer Grad einer Fähigkeit seyn, wovon manche Thiere auch einige schwache Spur hätten; oder eine eigene Richtung der gesammten menschlichen Seelen - kräfte u. s. w. so liegt wenigstens der gedachte auszeichnende Vorzug, den der Mensch durch den Besitz derselben erhält, unwiderredlich am Tage.
Denn da ihm die ganze bewohnbare Erde zum Aufenthalt offen steht, und fast die ganze organisirte Schöpfung zur Speise überlassen ist, so erzeugt freylich eben die große Verschie - denheit der Climate, die er bewohnen soll, und der Nahrung, die ihm der Ort seines Aufent - halts gestattet, eben so verschiedene Bedürfnisse, die er durch keinen einförmigen Kunsttrieb, aber wohl durch den Gebrauch seiner sich nach den Umständen gleichsam accommodirenden Ver - nunft auf eben so mannigfaltige Weise zu stil - len vermag.
Wie unendlich aber der Mensch schon durch diesen einzigen Vorzug über die ganze übrige45 thierische Schöpfung erhoben werde, beweiset die unbeschränkte Herrschaft, womit er über alle Triebe und über die Lebensart, Haushaltung ꝛc. mit einem Worte, über das ganze Naturell dieser seiner Mitgeschöpfe nach Willkür dispo - niren, die furchtbarsten Thiere zähmen, ihre heftigsten Triebe dämpfen, sie zu den kunst - reichsten Handlungen abrichten kann u. s. w.
Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung auf dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die Umschaffung zu erinnern, die er seit Ent - deckung der neuen Welt mit ihr und der alten wechselseitig vorgenommen hat! Was für Ge - wächse und Thiere er aus dieser in jene überge - pflanzt hat, wie z. B. Reis, Caffee ꝛc., Pferde, Rindvieh ꝛc. und was er v. v. von dorther nun wieder in seinem Welttheil einheimisch ge - macht, wie z. B. Cartoffeln, Tabak, wälsche Hüner u. s. w.
Am auffallendsten erweist sich die allein auf den Vorzug der Vernunft beruhende Herrschaft des Menschen über die übrige thierische Schöpfung durch die so genannten Hausthiere; worunter man in engerer Bedeutung diejenigen warm - blütigen Thiere versteht, so der Mensch zu Befriedigung wichtiger Bedürfnisse und über - haupt zu beträchtlicher Benutzung absichtlich ih - rer Freyheit entzogen und sich unterjocht hat.
Im weitern Sinne kann man aber auch die Bienen und Seidenwürmer, so wie die Co - schenill-Insecten dahin rechnen.
46Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinne ist eine dreifache Verschiedenheit zu bemerken. Von manchen nämlich hat der Mensch die ganze Gattung ihrem freyen Naturzustande entzogen, und sich unterwürfig gemacht, wie z. B. das Pferd. Von andern, die er sich zwar auch ins Haus zieht, existirt doch aber noch die ursprüng - lich wilde Stammrasse wie vom Rindvieh, Schwein, Katze, Renthier, den beyderley Ca - meelen der alten Welt, und dem so genannten Meiergeflügel. Der Elephant endlich pflanzt sich gar nicht in der Gefangenschaft fort, sondern jeder, der zum Dienst des Menschen gebraucht werden soll, muß erst aus der Wildheit einge - fangen, gezähmt und abgerichtet werden.
Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere varii - ren zwar häufig in der Farbe; und manche der darunter gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch durch einen hängenden Schwanz und schlappe Ohren aus, aber keins von beyden ist ein bestän - diges Kennzeichen der Unterjochung. (– Ueber die Hausthiere s. mit mehrern den gothaischen Hof-Kalender vom Jahre 1796. –)
Das ganze Thierreich läßt sich füglich nach dem Linnéischen System unter folgende sechs Classen bringen:
I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere mit warmen rothen Blut, die ihre Junge lebendig zur Welt bringen, und sie dann einige Zeit lang mit Milch an Brüsten säugen.
II. Cl. Vögel, Thiere mit warmen rothen Blut, die aber Eyer legen, und Federn haben.
47III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem rothen Blut, die durch Lungen Athem hohlen.
IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen Blut, die durch Kiefern, und nicht durch Lungen, athmen.
V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen Blut, die Fühlhörner (antennas) am Kopf, und eingelenkte (hornartige) Be - wegungswerkzeuge haben.
VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit kaltem weißen Blut, die keine Fühlhör - ner, sondern meist Fühlfäden (tentacula) und meines Wissens nie eingelenkte Be - wegungswerkzeuge haben*)Dieser von der Beschaffenheit der Bewegungs - werkzeuge hergenommene Character dünkt mich minder unbestimmt, als die, wodurch man bis - her Insecten und Gewürme von einander zu un - terscheiden gesucht hat..
Die Säugethiere haben das warme rothe Blut mit den Vögeln gemein; aber sie gebären lebendige Junge: und ihr Hauptcharakter, der sie von allen übrigen Thieren unterscheidet, und von dem auch die Benennung der ganzen Classe entlehnt ist, sind die Brüste, wodurch die Weibchen ihre Junge mit Milch ernähren. Die Anzahl und Lage der Brüste ist verschieden. Meist sind ihrer noch Ein Mahl so viel, als die Mutter gewöhnlicher Weise Junge zur Welt bringt; und sie sitzen entweder an der Brust, oder am Bauche, oder zwischen den Hinterbeinen.
Der Körper der allermehresten [wo nicht aller*)Denn selbst die Haut des Wallfisches ist hin und wieder, an den Lippen ꝛc. dünn behaart, auch hat er Augenwimpern ꝛc.] Säugethiere ist mit Haaren von sehr verschiedener Stärke, Länge und Farbe besetzt; die auch bey einigen als Wolle gekräuselt, oder als Borsten straff und struppig sind, oder gar50 wie beym Igel ꝛc. steife Stacheln bilden. Bey manchen sind die Haare an besondern Stellen als Mähne oder Bart verlängert; und bey einigen, wie bey den Pferden, Hunden ꝛc. stoßen sie an bestimmten Stellen in entgegen - gesetzter Richtung an einander und machen so genannte Näthe (suturas). Bey manchen, wie z. B. bey den Seehunden ꝛc. ändert sich die Farbe mit dem Alter. Auch sind manche durch die Kälte (§. 16.) bey uns im strengen Winter, im Norden aber Jahr aus Jahr ein, entweder grau, wie das Eichhörnchen (Grauwerk), oder schneeweiß, wie das große Wiesel (Hermelin) ꝛc. Wenn hingegen diese weiße Farbe zugleich mit lichtscheuen Augen und rothen Pupillen verbun - den ist, wie bey den so genannten Kackerlacken im Menschengeschlecht und unter manchen an - deren Gattungen von warmblütigen Thieren, so ist es die Folge einer wirklich kränklichen Schwäche.
Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr verschieden. Die mehresten leben auf der Erde; manche wie die Affen, Eichhörnchen ꝛc., fast bloß auf Bäumen; einige, wie der Maulwurf, als eigentliche animalia subterranea unter der Erde; andere bald auf dem Lande bald im Wasser, wie die Bieber, Seebären; und noch andere endlich bloß im Wasser, wie die Wall -51 fische. – Hiernach sind nun auch ihre Füße oder ähnliche Bewegungswerkzeuge verschieden. Die mehresten haben vier Füße; der Mensch nur zweye, aber auch zwey Hände; die Affen hingegen haben vier Hände. Die Finger und Zehen derjenigen Säugethiere, die im Wasser und auf dem Lande zugleich leben, sind durch eine Schwimmhaut verbunden. Bey den Fle - dermäusen sind die an den Vorderfüßen unge - mein lang und dünne; und zwischen ihnen ist eine zarte Haut ausgespannt, die zum Flattern dient. Die Füße mancher Seethiere aus dieser Classe sind zum Rudern eingerichtet, und bey den Wallfischen ähneln sie gar einiger Matzen den Flossen der Fische; doch daß die Hinter - flossen ohne Knochen sind, und horizontal, nicht wie ein Fischschwanz vertical, liegen. Einige wenige Säugethiere (solidungula) haben Hufe; viele aber (bisulca) gespaltene Klauen. Die mehresten gehen (zumahl mit den Hinterfüßen) bloß auf den Zehen; einige aber, wie der Mensch, und gewisser Maßen auch die Affen, Bären, Elephanten u. a. m. auf der ganzen Fußsohle bis zur Ferse.
Die mehresten Ameisenbären, die Schup - penthiere und einige Wallfische ausgenommen, sind die übrigen Säugethiere mit Zähnen ver -52 sehen, die man in Vorderzähne*)Bey den mehresten sitzen die obern Vorderzähne in einem besondern (– einfachen oder gepaar - ten –) Knochen, der das os intermaxillare ge - nannt wird; von dessen merkwürdigen Beson - derheiten ich in der 3ten Ausg. der Schrift de generi humani varietate natiua, 1795. 8. S. 34. u. f. ausführlich gehandelt habe. – In den Anbild. nat. hist. Gegenst. ist er Tab. 52. am Schebel des Orangutans zu sehen. (primores s. incisores), Eckzähne oder Spitzzähne (cani - nos s. laniaros), und Backenzähne (molares), abtheilt. Die letztern zumahl sind nach der verschiedenen Nahrung dieser Thiere auch ver - schiedentlich gebildet. Bey den fleischfressenden nähmlich ist die Krone zackig und scharf; bey den grasfressenden oben breit und eingefurcht; und bey denen, die sich, so wie der Mensch, aus beyden organisirten Reichen nähren, in der Mitte eingedruckt, und an den Ecken abgerundet.
Manche Säugethiere, wie z. B. der Ele - phant und der Narwhal haben große promini - rende Stoßzähne (dentes exserti); andere, wie z. B. das Wallroß, Hauzähne ꝛc.
Bloß unter den Säugethieren, und zwar nur unter den grasfressenden, gibt es wirklich wiederkauende Gattungen, bey welchen nähm - lich das zuerst bloß flüchtig zerbissene und ge - schluckte Futter bissenweise wieder durch den Schlund zurück getrieben, und nun erst recht53 durchkaut und dann zum zweyten Mahl ge - schluckt wird.
Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden Thiere eine eigene Einrichtung des Gebisses; indem ihre Backenzähne wie mit sägeförmigen Queerfurchen ausgeschnitten sind, und die Kro - nen derselben nicht horizontal liegen, sondern schräg ausgeschlägelt sind, so daß an denen im Oberkiefer die Außenseite, an denen im untern aber die nach der Zunge hingerichtete innere Seite die höchste ist. Dabey haben sie einen schmalen Unterkiefer, der eine sehr freye Seiten - bewegung hat, wodurch denn, wie der Augen - schein lehrt, der Mechanismus dieser sonderba - ren Verrichtung von dieser Seite bewirkt wird.
Anm. 1. Bey denjenigen ruminantibus, die zugleich gespaltene Klauen haben (bisulca), kommt nun außerdem noch der vierfache Magen hinzu, dessen innerer Bau und Mechanismus überaus merkwürdig ist. Das zum ersten Mahl geschluckte noch bald rohe Futter gelangt nähmlich in den ungeheuern ersten Magen (rumen, magnus ven - ter, franz. le double, l'herbier, la panse, der Pan - sen, Wanst), als in ein Magazin, worin es nur ein wenig durchweicht wird. Von da wird eine kleine Portion dieses Futters nach der andern mittelst des zweyten Magens (reticulum, franz. le bonnet, le reseau, die Haube, Mütze, das Garn), der gleichsam nur ein Anhang des ersten ist, aufgefaßt und wieder durch den Schlund hinauf getrieben. Nun wird der wiedergekaute, zum zweyten Mahl geschluckte Bissen durch eine besondere Rinne, ohne wieder durch die beyden ersten Mägen zu passiren, gleich aus dem Schlunde in den dritten (echinus, centipellio, omasus,54 franz. le feuillet, le pseautier, das Buch, der Psalter, der Blättermagen) geleitet, wo er von da endlich zur völligen Verdauung in den vierten (abomasus, franz. la çaillette der Laab, die Ruthe, der Fettmagen) gelangt, der dem Magen anderer Säugethiere am nächsten kommt.
Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende Thiere überhaupt passende Haupt-Nutzen der Ru - mination scheint mir noch gänzlich unbekannt. –
Außer den Klauen, Zähnen ꝛc. sind viele Säugethiere auch mit Hörnern als Waffen versehen. Bey einigen Gattungen, wie beym Hirsch, Reh ꝛc. sind die Weibchen ungehörnt; bey andern, wie beym Renthier und im Zie - gengeschlecht, sind ihre Hörner doch kleiner als der Männchen ihre. Anzahl, Form und Lage, besonders aber die Textur der Hörner, ist sehr verschieden. Beym Ochsen-Ziegen - und Ga - zellengeschlecht sind sie hohl, und sitzen wie eine Scheide über einem knöchernen Zapfen oder Fort - satz des Stirnbeins. Die Hörner der beyderley Rhinocer sind dicht, und bloß mit der Haut auf der Nase verwachsen. Beym Hirschge - schlecht hingegen sind sie zwar ebenfalls solide, aber von mehr knochenartiger Textur, und ästig. Sie heissen dann Geweihe, und werden ge - wöhnlich alljährlich abgeworfen und neue an ihrer Statt reproducirt.
Die Oeffnung des Afters wird bey den mehresten Säugethieren durch den Schwanz55 bedeckt, der eine Fortsetzung des Kuckucksbeins (coccyx), und von mannigfaltiger Bildung und Gebrauch ist. Er dient z. B. manchen Thieren sich der stechenden Insecten zu erweh - ren; vielen Meerkatzen und einigen andern americanischen und Neu-holländischen Thieren statt einer Hand, um sich daran halten, oder damit fassen zu können (cauda prehensilis, Rollschwanz); den Jaculis zum Springen (cauda saltatoria), dem Känguruh zum Gleichgewicht bey seiner aufrechten Stellung und zur Vertheidigung ꝛc.
Auch sind am Körper einiger Thiere dieser Classe besondere Beutel von verschiedner Be - stimmung zu merken. So haben viele Affen, Paviane, Meerkatzen, auch der Hamster, die Ziselmaus u. a., Backentaschen (thesauri, Fr. salles), um Proviant darin einschleppen zu können. Beym Weibchen der Beutelthiere liegen die Zitzen in einer besondern Tasche am Bauche, worein sich die saugenden Jungen verkriechen.
Manche Säugethiere, wie z. B. die mehre - sten größern Grasfressenden, sind gewöhnlich nur mit Einem Jungen auf einmahl trächtig; andere hingen, wie z. B. die Raubthiere, und die Schweine mit mehreren zugleich.
56Die Leibesfrucht steht mit der Mutter durch die so genannte Nachgeburt (secundinae) in Verbindung, welche aber von verschiedener Gestaltung ist; da sie z. B. im Menschenge - schlecht einen einfachen größeren Mutterkuchen (placenta) bildet, hingegen bey den wieder - kauenden Thieren mit gespaltenen Klauen (bi - sulca) in mehrere, theils sehr zahlreiche, zer - streute kleine solche Verbindungsorgane (coty - ledones) vertheilt ist u. s. w.
Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Gesichtspuncte bestimmen; entweder nähmlich, in so fern sie auf die Haushaltung der Natur im Großen, auf den ganzen Gang der Schöpfung Einfluß haben; oder in so fern sie dem Men - schen unmittelbar nutzbar werden. Aus jener Rücksicht sind, wie wir unten sehen werden, die Insecten und Gewürme die bey weiten wich - tigsten Geschöpfe; aus dieser hingegen die Säu - gethiere. Die Verschiedenheit in ihrer Bildung, ihre große Gelehrigkeit, ihre Stärke u. s. w. machen sie für den Menschen auf die mannig - faltigste Weise brauchbar. Aus keiner andern Classe von Thieren hat er sich so treue, dienst - fertige und arbeitsame Gehülfen zu schaffen gewußt; keine ist ihm zu seinem unmittelbaren Gebrauch und zu seiner Selbsterhaltung so un -57 entbehrlich als diese. – Ganze Völker des Erdbodens können mit einer einzigen Art von Säugethieren fast alle ihre dringendsten Be - dürfnisse befriedigen. So die Grönländer mit dem Seehund; die Lappen, Tungusen ꝛc. mit dem Renthier; die Aleuten mit dem Wallfisch.
Die vielfache Brauchbarkeit der Säuge - thiere fürs Menschengeschlecht reducirt sich vor - züglich auf folgendes. Zum Reiten, zum Zug, Ackerbau, Lasttragen u. s. w.: Pferde, Maul - thiere, Esel, Ochsen, Büffel, Renthiere, Ele - phanten, Camele, Llacmas, Hunde. Zur Jagd zum Bewachen ꝛc. Hunde. Zum Mausen und Vertilgen anderer schädlichen Thiere: Katzen, Igel, Ameisenbären ꝛc. Zur Speise: das Fleisch vom Rindvieh, Schafen, Ziegen, Schweinen, vom Hirschgeschlecht, von Hasen, Kaninchen, u. s. w. Ferner Speck, Schmalz, Blut, Milch, Butter, Käse. Zur Kleidung, zu Decken, Zelten ꝛc. Pelzwerk, Leder, Haare, Wolle ꝛc. Zum Brennen: Talg, Fischthran, Wallrath. *)Nahmentlich auch das durch die Kunst aus dem macerirten Fleisch von Pferden u. a. Quadrupe - den bereitete. Voigts neues Magazin. 11. B.Zum Schrei - ben, Bücherbinden ꝛc. Pergament, Leder. Für andere Künstler und zu allerhand Ge -58 brauch: Borsten, Haare (zumahl Menschen - und Pferde-Haar), Geweihe Hörner, Klauen, Elfenbein u. a. Zähne, Fischbein, Knochen, Blasen. Därme, Sehnen und Knochen zu Tischerleim. Därme zu Saiten. Blut zu Berlinerblau u. a. Farben-Knochen und Huf zu Beinschwarz, Hornschwarz ꝛc. Fett und Mark zu Seife. Mist zum Dünger, zur Feuerung, zu Salmiak ꝛc. Endlich zur Arz - ney: Bisam, Bibergeil, Hirschhorn, Milch ꝛc.
Von der andern Seite sind aber freylich mehrere Thiere dieser Classe dem Menschenge - schlecht unmittelbar oder mittelbar nachtheilig. Manche reißende Thiere, besonders aus dem Katzen-Geschlecht, fallen Menschen an. Eben diese und noch manche andere, z. B. die Wie - sel, Marder, Iltisse, Vielfraße, Fischottern, Wallfische ꝛc. vertilgen viele nutzbare Thiere: – oder schaden den Gewächsen, Bäumen, Gar - tenfrüchten, dem Getreide u. s. w. wie die Feldmäuse, Hamster, Leming, Hirsche, Hasen, Biber, Affen, Elephanten, Rhinocer, Nil - pferde ꝛc. oder gehen andern Eßwaaren nach; wie Ratten, Mäuse, Fledermäuse, Murmel - thiere u. s. w. Gift scheint kein einziges Thier dieser Classe zu besitzen, außer in der Wuth und Wasserscheue, der zumahl die aus dem Hundegeschlecht ausgesetzt sind.
Man hat verschiedene künstliche, d. h. bloß von einzelnen zum Classificationsgrunde geleg - ten Charactern entlehnte Systeme (systemata artificialia), nach welchen verdiente Naturfor - scher die Säugethiere zu ordnen versucht haben. Aristotelis Eintheilung z. B. ist auf die allgemeinste Verschiedenheit der Zehen und Klauen gegründet, und die haben auch Ray u. a. zum Grunde gelegt, und nach der Zahl der Zehen ꝛc. weiter bearbeitet. Aber hierbey müs - sen die verwandtesten und im Ganzen noch so ähnlichen Gattungen von Ameisenbären, Faul - thieren ꝛc. getrennt, und in ganz verschiedene Ordnungen versetzt werden, bloß weil die eine mehr, die andere weniger Zehen hat. Linné hat die Zähne zum Classificationsgrund gewählt, ein Weg, auf dem man aber nicht minder, bald auf die unnatürlichsten Trennungen, bald auf die sonderbarsten Verbindungen stößt*)„ Non enim methodicorum scholis se adstringere voluit natura – systemata artificialia nostra flocci faciens “. Pallas. . Das Geschlecht der der Fledermäuse muß nach des Ritters Entwurf, wegen des verschiedenen Ge - bisses bey einigen Gattungen, wenigstens in drey verschiedene Ordnungen zerstückt werden; so die beyderley Nashörner in zwey; – Da - gegen kommt der Elephant mit den Panzer -60 thieren, und den formosanischen Teufelchen in eine gemeinschaftliche Ordnung ꝛc.
Ich habe daher, ein im Ganzen natürliche - res System der Säugethiere zu entwerfen ge - trachtet, wobey ich mehr auf den Totalhabitus dieser Thiere gesehen, doch vorzüglich die Be - wegungswerkzeuge, weil sie am leichtesten in die Augen fallen und dem Totalhabitus sehr angemessen sind, zum Grund der Ordnungen gelegt, aber zweye derselben, welches vielar - tige Geschöpfe begreifen, wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses in einige Fami - lien unterabgertheilt, und diese mit den be - kannten Nahmen einiger Linneischen Ordnungen bezeichnet: und so die ganze Classe folgender Maßen geordnet:
I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey Händen.
II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen. Affen, Paviane, Meerkatzen und Makis.
III. Chiroptera. Die Säugethiere, deren Vor - derfüße Flatterhäute bilden (§. 43). Die Fledermäuse.
IV. Digitata. Säugethiere mit freyen Zehen an allen vier Füßen. – Diese Ordnung zerfällt nach der Verschiedenheit des Gebisses in folgende drey Familien:
61A) Glires. Mit mauseähnlichem Gebiß. Eichvörnchen, Hasel - und andere Mäuse, Murmelthiere Meerschweinchen ꝛc. Spring - mäuse, Hasen, Stachelschweine.
B) Ferae. Die eigentlich so genannten reißenden Thiere und einige andere Geschlech - ter mit ähnlichem Gebiß. Igel, Spitz - mäuse, Maulwürfe, Beutelthiere, Vi - verren, Wiesel, Bären, Hunde ꝛc. Lö - wen ꝛc.
C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorderzähne ꝛc. Faulthiere, Amei - senbären, Schuppenthiere, Panzerthiere.
V. Solidungula. Pferd ꝛc.
VI. Bisulca. Die wiederkauenden Thiere mit gespaltenen Klauen.
VII. Multungula. Meist sehr große, oder unförmliche, borstige oder dünnbehaarte Säu - gethiere mit mehr als zwey Klauen an jedem Fuß. Schweine (dann auch diese haben im Grunde vier Klauen) Tapir, Ele - phanten, Nashörner, Nilpferd.
VIII. Palmata. Säugethiere mit Schwimm - füßen. Wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses in obgedachte drey Familien getheilt:
A) Glires. Biber.
B) Ferae. Seehunde ꝛc. Ottern.
62C) Bruta. Das Schnabelthier, Wallroß, der Monate.
Letzterer macht von hier den schicklichsten Uebergang zur letzten Ordnung,
IX. Cetacea. Wallfische, warmblütige Thiere, die mit den kaltblütigen Fischen fäst nichts als den unschicklichen Nahmen gemein haben, und deren natürliche Verbindung mit den übrigen Säugethieren schon Ray vollkom - men richtig eingesehen hat*)„ Cetacea quadrupedum modo pulmonibus respi - rant, coëunt, viuos foetus pariunt, eosdemque lacte alunt, partium denique omnium internarum structura et vsu cum iis conneniunt. “ Raius. .
1. Geschl. Homo. Erectus, bimanus. Men - tum prominulum. Dentes aequaliter approximatis; incisores inferiores erecti.
1. Gatt. sapiens. Zu den äußern Kennzeichen, wodurch der Mensch selbst vom menschenähnlich - sten Affen, geschweige von den übrigen Thieren zu unterscheiden ist, gehört vorzüglich sein auf - rechter Gang (als wozu sein ganzer Wuchs und Bildung besonders aber seine beckenähnlichen Hüftknochen, das Verhältniß seiner Schenkel zu den Armen und seine breiten Fußsohlen, einge - richtet sind), dann der freyeste Gebrauch zweyer vollkommenen Hände; ferner sein promini - rendes Kinn und die aufrechte Stellung seiner untern Schneidezähne.
Das weibliche Geschlecht hat noch ein Paar eigenthümliche Charaktere, die dem männlichen und allen übrigen Thieren abgehen, nähmlich einen periodischen Blutverlust in einer bestimm - ten Reihe von Lebensjahren; und dann einen besondern Theil an den Sexual-Organen, dessen Mangel oder Zerstörung als ein körperliches Kennzeichen der verletzten jungfräulichen In - tegrität anzusehen und wenigstens in der Form und Lage noch bey keinen andern weiblichen Thiere bemerkt ist.
Was aber die Seelenfähigkeiten des Men - schen betrifft, so hat er außer dem Begattungs - triebe wenig Spuren von Instinct (§. 34. u. f.), Kunsttriebe aber (§. 36.) schlechterdings gar nicht. Dagegen ist er ausschließlich im Besitz65 der Vernunft (§. 37.), und der dadurch von ihm selbst erfundenen Rede oder Sprache (lo - quela), die nicht mit der bloß thierischen Stimme (vox) verwechselt werden darf (§. 25.), als welche auch den ganz jungen und selbst den stummgebornen Kindern zukommt.
Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfs - bedürftiges Geschöpf. Kein anderes Thier außer ihm bleibt so lange Kind, keins kriegt so sehr spät erst sein Gebiß, lernt so sehr spät erst auf seinen Füßen stehen, keins wird so sehr spät mannbar u. s. w. Selbst eine großen Vorzüge, Vernunft und Sprache, sind nur Keime, die sich nicht von selbst, sondern erst durch fremde Hülfe, durch Cultur und Erziehung entwickeln können; daher denn bey dieser Hülfsbedürftigkeit und bey diesen zahllosen dringenden Bedürfnissen die allgemeine natürliche Bestimmung des Men - schen zur gesellschaftlichen Verbindung. Nicht ganz so allgemein läßt sich hingegen vor der Hand noch entscheiden, ob in allen Welttheilen die Proportion in der Anzahl der gebornen Knäb - chen und Mädchen, und die Dauer der Zeit der Fortpflanzungsfähigkeit bey beyden Geschlechtern so gleich sey, daß der Mensch überall so wie in Europa zur Monogamie bestimmt sey.
Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind beyde unbeschränkt; er bewohnt die ganze be - wohnbare Erde, und nährt sich beynahe aus der ganzen organisirten Schöpfung. Und in Ver - hältniß zu seiner mäßigen körperlichen Größe, und in Vergleich mit andern Säugethieren er - reicht er ein ausnehmend hohes Alter.
66Es gibt nur eine Gattung (species) im Menschengeschlecht; und alle und bekannten Völ - ker aller Zeiten und aller Himmelsstriche können von einer gemeinschaftlichen Stammrasse abstam - men*)Ich habe dieß in der 3ten Ausgabe der Schrift de generis humani varietate natiua weiter aus - geführt.. Alle National-Verschiedenheiten in Bildung und Farbe des menschlichen Körpers sind um nichts auffallender oder unbegreiflicher als die, worin so viele andere Gattungen von organisirten Körpern, zumahl unter den Haus - thieren, gleichsam unter unsern Augen ausarten. Alle diese Verschiedenheiten fließen aber durch so mancherley Abstufungen und Uebergänge so un - vermerkt zusammen, daß sich daher auch keine andere, als sehr willkürliche Gränzen zwischen ihnen festsetzen lassen. Doch habe ich das ganze Menschengeschlecht noch am füglichsten unter fol - gende fünf Rassen zu bringen geglaubt:
1) Die caucasische Rasse:
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3. und 51.
von weißer Farbe mit rothen Wangen, lan - gem weichem, nußbraunem Haar (das aber einerseits ins Blonde, anderseits ins Dunkel - braune übergebt); und der nach den europäi - schen Begriffen von Schönheit musterhaftesten Schedel - und Gesichts-Form. Es gehören dahin die Europäer mit Ausnahme der Lap - pen und übrigen Finnen; dann die westlichern Asiaten, dießseits des[Ob], des caspischen Meers und des Ganges; nebst den Nordafri - canern; – also ungefähr die Bewohner der den alten Griechen und Römern bekannten Welt.
672) Die mongolische Rasse:
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 1.
meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten, oder wie getrocknete Citronschalen); mit we - nigem, stroffem, schwarzem Haar; engge - schlitzten Augenliedern; plattem Gesicht; und seitwärts eminirenden Backenknochen. Diese Rasse begreift die übrigen Asiaten, mit Aus - nahme der Malayen; dann die finnischen Völker in Europa (Lappen ꝛc. ), und die Es - kimos im nördlichen America von der Berings - straße bis Labrador.
3) Die äthiopische Rasse:
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.
mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem, krausem Haar; vorwärts prominirenden Kie - fern wulstigen Lippen und stumpfer Nase. Dahin die übrigen Africaner, nahmentlich die Neger, die sich dann durch die Fulahs in die Mauren ꝛc. verlieren, so wie jede andere Menschen-Varietät mit ihren benachbarten Völkerschaften gleichsam zusammen fließt.
4) Die americanische Rasse:
Abbild. n. h. gegenst. tab. 2.
Lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost oder angelaufnes Kupfer); mit schlichtem, straffem, schwarzem Haar, und breitem aber nicht plattem Gesicht, sondern stark ausge - wirkten Zügen. Begreift die übrigen Ameri - caner außer den Eskimos.
5) Die malayische Rasse:
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.
von brauner Farbe (einerseits bis ins helle Mahagoni anderseits bis ins dunkelste Nelken - und Castanienbraun); mit dichtem schwarzlocki - gem Haarwuchs; breiter Nase; großem Munde. 68Dahin gehören die Südsee-Insulaner oder die Bewohner des fünften Welttheils und der Marianen, Philippinen, Molucken, sundaischen Inseln ꝛc. nebst den eigentlichen Malayen.
Von diesen fünf Haupt-Rassen muß nach allen physiologischen Gründen die caucasische als die sogenannte Stamm - oder Mittel Rasse an - genommen werden. Die beyden Extreme, worin sie ausgeartet, ist einerseits die mongo - lische, anderseits die äthiopische. Die andern zwey Rassen machen die Uebergänge. Die americanische den, zwischen der caucasischen und mongolischen. Die malayische den, zwi - schen jener Mittel-Rasse und der äthiopischen*)Versteht sich nämlich dieß alles so – daß die in den verschiedenen Welttheilen verbreiteten Völ - kerschaften nach der stärkern und längern Einwir - kung der verschiedenen Climate und anderer obgedachten Ursachen der Degeneration, entweder um desto weiter von der Urgestalt der Mittel - rasse ausgeartet sind, – oder aber auch sich ihr hinwiederum mehr genähert haben. So sind z. B. die Jakuten, Koräken, Eskimos u. a. dergl. Polarvölker der mongolischen Rasse, sehr auffal - lend von der caucasischen Mittel Rasse abgeartet; da hingegen die (wenn gleich entferntere, aber einen meist mildern Erdstrich bewohnende) ameri - canische Rasse sich derselben wiederum mehr nähert; und nur am südlichsten Ende ihres Welt - theils, nämlich an dem beeißten Feuerlande nochmals in die mongolische Gestaltung, zurück - fällt – Eben so ist gegenseitig die äthiopische Rasse im brennendheißen Africa zum andern Extrem in der Stufenfolge der Menschenvarietäten ausgeartet, die hingegen in dem schon mildern Neu Holland und auf den neuen Hebriden ꝛc. zur malayischen Rasse übergeht.69Wie vielen Einfluß dabey aber auch die Ver - mischung fremdartiger durch Völkerwanderung zusammentreffender Rassen habe, bedarf kaum erst einer Erwähnung..
Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit die Menschen die N. G. ihres Geschlechts ver - unreinigt haben, lohnt sich jetzt nicht der Mühe; – doch nur Weniges von vielen.
Die vermeintlichen patagonischen Riesen z. B. sind, von Magalhaens Zeiten bis auf die unserigen, in den Erzählungen der Reisenden, von zwölf Fuß zu siebentehalb eingekrochen, und bleiben also wenig größer als jeder andere Mensch von guter Statur.
Und daß die noch neuerlich von Commerson für ein Zwergvölkchen ausgegebnen Quimos auf Madagascar nichts weiter sind als eine Art Cretine, d. h. kleine Blödsinnige mit dicken Köpfen und langen Annen (dergleichen sich im Salzburgischen, so wie im Walliserlande, zumal aber im Piemontesichen in Menge finden), wird bey pathologischer Prüfung mehr als bloß wahrscheinlich.
Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Al - binos, oder weiße Mohren*)Von diesen sogenannten weißen Mohren (Negres blancs) müssen die bloß weißgefleckten Neger genau unterschieden werden, deren einer, den ich in London gesehen und eine Probe von seinem weiß und schwarzen Wollhaar mitgebracht habe, in den Abbild n. h. Gegenst. tab. 21 nach dem Leben vorgestellt ist. nicht ein Mahl eine Spielart, geschweige eine besondere Gattung, sondern gleichfalls Patienten, deren Geschichte mehr in die Pathologie als in die Naturhistorie gehört.
70Linnés Homo troglodytes ist ein unbegreifliches Gemische aus der Geschichte jener preßhaften kränklichen weißen Mohren, und des Orang - utangs: – sein Homo lar hingegen ein wah - rer Affe.
Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kin - der sind klägliche sittliche Monstra, die man eben so wenig, als andere durch Krankheit oder Zufall entstellte Menschen, zum Muster des Meisterstücks der Schöpfung anführen darf.
Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte Hottentottinnen, die vorgebliche natürliche Bartlosigkeit der Americaner*)Verschiedenheit im schwächern oder stärkern Haar - wuchs ist oben bey der mongolischen und ma - layischen Rasse angegeben. Aber die gänzliche Bartlosigkeit mancher Americaner, die ist Werk der Kunst, so gut als die winzig kleinen Füßchen der schinesischen Frauenzimmer (– die Struthopo - des des Eudoxus beym Plinius –). die Sirenen, Centauren, und alle Fabeln von gleichem Schrot und Korn, verzeihen wir der guther - zigen Leichtgläubigkeit unserer lieben Alten.
Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre Lebensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen erfordert. Sie sind ursprünglich wohl bloß zwi - schen den Wendezirkeln zu Hause**)Histoire naturelle des Singes, peints d'après nature par J. D. Audebert. Par. seit 1797. gr. Fol..
2. Simia. Affe. Habitus plus minus an - thropomorphus, auriculae et manus fere71 humanae. Nares anteriores. Dentes primores incisores, supra et infra 4. laniarii solitarii, reliquis longiores.
Bloß in der alten Welt; zwar menschenähn - licher als die Thiere der nächstfolgenden Ge - schlechter, doch aber außer dem schon beym Menschengeschlecht angeführten Umständen, in ihrer ganzen Bildung, besonders auch durch die schmalen Hüften und platten Lenden, aufs auf - fallend sichtlichste vom Menschen unterschieden.
1. Satyrus. der ostindische Waldmensch, ei - genliche Orangutang. S. subfusca, auri - culis minoribus, pollice manuum posterio - rum mutico, vngue destituto.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12. und 52.
Wie es scheint bloß auf Borneo; läßt sich, wenn er ganz jung eingefangen worden, so wie der Schimpansee und andere Affen auch, zu allerhand künstlichen Handlungen abrichten, die man aber von seinem natürlichen Betragen genau unterscheiden muß.
Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines solchen Thiers gezeigt, weder einer menschlichen Rede, noch eines natürlichen aufrechten Gan - ges fähig.
2. Troglodytes der africanische Waldmensch, Schimpansee, Pongo, Jocko, Barris. S. Nigra, macrocephala, torosa, auriculis magnis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 11.
Im innern von Angola, Congo ꝛc. und tiefer landeinwärts; so wie der vorige ungefähr von der Größe eines achtjährigen Buben.
723. Lar. der Gibbon oder Golok. (Linnés Homo lar. ) S. brachiis longissimis, talos attingentibus.
v. Schreber tab. 3.
Auf beyden indischen Halbinseln, auch auf den Molucken; hat ein rundliches, ziemlich menschen - ähnliches Gesicht und ungeheuer lange Arme. Ist von schwärzlicher Farbe, und wird gegen vier Fuß hoch.
4. Sylunanus. der gemeine türkische Affe. S. brachiis corpore breuioribus, natibus caluis, capite subrotundo.
v. Schreber tab. 4.
In Nordafrica, Ostindien ꝛc. Unter den un - geschwänzten Affen der gemeinste und dauerhaf - teste; der auch leicht in Europa Junge heckt; ist sehr gelehrig ꝛc. Ihm ähnelt der inuus (cyno - cephalus, Büffons magot) der auch gleiches Vaterland, mit ihm hat. Einer von beyden ist auch auf Gibraltar verwildert, und hat sich da im Freyen fortgepflanzt.
5. Rostrata. der langnasige Affe, Kahau, Bantagan (Fr. le nasique, la guenon à long nez). S. cauda mediocri, naso elon - gato, rostrato.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.
Auf den sundaischen Inseln. Eine simia. die nicht sima ist, sondern sich durch eine lange rüs - selförmige Nase auffallend auszeichnet.
6. Cynomolgus. der Macacco. die (insgemein so genannte) Meerkatze. S. cauda longa, arcuata, labio leporino.
v. Schreber tab. 12.
73Auf Guinea, Angola ꝛc. beynahe olivengrün. Wird unter den geschwänzten wahren Affen am häufigsten nach Europa gebracht.
3. Papio Pavian. (Fr. babouin. Engl. baboon. ) Facies prolongata, minus an - thropomorpha, nasus vtrinque tubero - sus, nates nudae, coccineae, cauda ple - risqué*)Denn der große Pavian auf Borneo dessen furcht - bar starkes Gerippe ich im Haag gesehen, ist gänzlich ungeschwänzt. abbreuiata. Dentes vt in simiis.
Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat wenig menschenähnliches, bey manchen eher etwas vom Schwein, zumahl in der Schnauze. Meist sind es unbändige, und äußerst geile Thiere.
1. Mormon. der Choras. P. naso miniato, ad latera caerulescente.
v. Schreber tab. 8. A. 8. B.
Auf Ceilan ꝛc. Wird gegen fünf Fuß hoch; hat zumahl wegen der hochfarbigen abstechenden Streifen auf und zu beyden Seiten der Nase, ein auffallendes Ansehen.
2. Maimon. der Mandril. P. facie violacea glabra, profunde sulcata.
v. Schreber tab. 7.
Auf Guinea, am Cap ꝛc. wo oft ganze Scha - ren des Nachts Weinberge und Obstgärten plün - dern sollen. Kleiner als der vorige.
4. Cercopithecvs. Meerkatze. Au - riculae et manus minus humanae. Na - res laterales. Nates tectae. Dentes vt in simiis.
74Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern Süd-America einheimisch, wo es den einheimi - schen Indianern zu einem gemeinen Wildpret dient.
a) Cauda prehensili, die Sapajus.
1. Paniscus. der Coaita, Beelzebub. C. ater, palmis tetradactylis absque pollice.
v. Schreber tab. 26. A. 26. B.
Hat ungemeines Geschick in seinem langen Rollschwanze*)Die sonderbare Art, wie sich ihrer mehrere gleich - sam kettenartig an einander hängen sollen, um sich von einem Baume, am disseitigen Ufer eines Flusses, auf einen jenseits gegen über stehenden zu schleudern, ist abgebildet in der Original-Aus - gabe von ant. de Ulloa viage. Madr. 1748. fol. vol. I. p. 44. vergl. mit p. 149..
b) Cauda non prehensili, die Sanguinchen.
2. Iacchus. der Uistiti. C. iuba pilosa alba ad genas ante aures, cauda villosa annulata.
v. Schreber tab. 33.
Braun, und so klein, daß er in einer Cocos - nuß-Schale Raum hat.
5. Lemvr. Maki. Nasus acutus, dentes primores superiores 4. inferiores 6. por - recti, compressi, incumbentes; laniarii solitarii, approximati.
1. Tardigradus. der Loxis. (cucang.) L. ecaudatus.
v. Schreber tab. 38.
Auf Ceilan; hat die Größe und Farbe des Eichhörnchens, schlanke dünne Beine ꝛc. und so wie die folgende Gattung am Zeigefinger der Hinterfüße eine spitzige Kralle, an allen übrigen Fingern aber platte Nägel.
752. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra, corpore et cauda griseis.
v. Schreber tab. 39. A. 39. B.
So wie einige verwandte Gattungen auf Ma - dagascar, und den benachbarten Inseln. Die Hinterfüße sind viel länger als die vordern. Sein Fell hat, wie bey manchen Affen, einen specifiken Geruch, fast nach Ameisenhaufen.
Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau - men ausgenommen, länger als der ganze Kör - per dieser Thiere; und zwischen denselben ist die florähnliche Flatterhaut ausgespannt (§. 43.). Daher können sie eben so wenig als die Affen mit ihren Händen, oder die Faulthiere mit ihren hakenförmigen Kletterkrallen ꝛc. Bequem auf der Erde gehen.
6. Vespertilio. Fledermaus (Fr. chau - vesouris. Engl. bat.) Pollex palmarum et digiti plantarum breues, reliqui lon - gissimi, membranae expansili intertexti, pro volatu.
Ein weitläuftiges Geschlecht von animalibus nocturnis, dessen verschiedene Gattungen in alle fünf Welttheile verbreitet sind.
a) Dentibus primorbius 4. vtrinque.
1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus, naso, infundibuliformi lanceolato.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.
76In Südamerica; der Körper von der Größe des Eichhörnchen. Wird dadurch sehr lästig, daß er nicht nur anderen größeren Säugethieren, dem Rindvieh, Pferden ꝛc. sondern auch schla - fenden Menschen, bey welchen er sich vorzüglich an die Fußzehen setzt, Blut aussaugt, woher er denn auch den Nahmen des Vampyrs (Blut - saugers) erhalten hat.
2. Caninus. der fliegende Hund. (Linnés vampyrus, Büffon's roussette. ) V. ecau - datus, naso simplici, membrana inter fe - mora diuisa.
v. Schreber tab. 44.
Weit größer als der Vampyr, so daß er mit ausgespannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen soll, lebt aber bloß von Baumfrüchten und kann also schlechterdings nicht Vampyr genannt wer - den: findet sich scharenweise aus den Molucken und andern ostindischen und Austral-Inseln; in unzähliger Menge aber auf Neu-Holland.
b) dentibus primoribus supra 4. infra 6.
3. †. Auritius. (Büffon's oreillard.) V. cau - datus, auriculis maximis.
So wie die folgende in den mildern Gegenden der alten Welt. Ihre Ohren, die man insge - mein, aber irrig, doppelt nennt, sind einfach, nur alle Theile ungeheuer groß.
4. †. Murinus. die gemeine Fledermaus, Speck - maus (Engl. Rere-mouse.) V. caudatus, auriculis capite minoribus.
Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu ihrem Winterschlaf in Höhlen an den Hinter - füßen auf.
77c) dentibus primoribus superioribus nullis.
3. †. Ferrum equinum die Hufeisennase. V. naso foliato ferri equini aemulo.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 42
Die Säugethiere mit freyen Zehen an allen vier Füßen. Die zahlreichste Ordnung an Geschlechtern und Gattungen, daher jene süg - lich nach der Verschiedenheit ihres Gebisses erst wieder unter drey Familien gebracht werden. A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.
Mit zwei zum Nahen bestimmten meißelartigen Vorderzähnen in jedem Kiefer, ohne Eckzähne.
7. Scivrvs. Cauda pilosa, disticha. Dentes primores vtrinque 2; inferiores subulati.
1. Volans. das fliegende Eichhörnchen. (Büffon's polatouche. ) S. duplicatura cutis laterali a pedibus anterioribus ad posteriores.
v. Schreber tab. 223.
Fast auf der ganzen nördlichen Erde. Das schlaffe Fell, das von den Vorderfüßen nach den Hinterfüßen zu auf der Seite wegläuft, dient ihm nur wie zu einem Fallschirm, um einen weitern Sprung von der Höhe herab wagen zu dürfen.
2. †. Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'ecu - reil. Engl. the squirrel.) S. auriculis apice barbatis, cauda dorso concolori.
78Wohl in ganz Europa, fast ganz Asien und im nördlichen America. Lebt fast bloß auf den Bäu - men, da ihm bey den schnellen weiten Sprüngen der Schwanz ebenfalls statt Fallschirm, und die immer stark dunstenden, feuchten und großen Fußsohlen zum festem Tritt helfen. Macht sich in den Gipfeln der Tannen und Eichen ein Nest aus Laub und Moos, oder bezieht auch wohl ver - lassene Nester wilder Tauben und anderer Vögel.
Die nordischen, zumal an den Ufern des Obi und am Baikal-See, werden im Winter grau, und geben dann das bekannte Grauwerk (petit gris); wovon der Bauch unter dem Nahmen von Vebam zu Futtern verarbeitet wird. Zu - weilen finden sich auch schwarze Eichhörnchen; seltener schneeweiße mit rosenrothen Augen; auch habe ich ein weiß - und schwarzgeflecktes aus dem Gothaischen gesehen.
8. Glis. (Myoxus.) Cauda rotunda, versus apicem crassior. Dentes vt in sciuris.
1. †. Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz, Bilch, die Rellmaus (Fr. le loir Engl. the rellmouse. ) G. griseus, subtus albidus, auriculis rotundatis, nudis.
v. Schreber tab. 225.
So wie die folgende Gattung in den mildern Erdstrichen der alten Welt. Es ist der wahre glis der Alten, den sie verspeiseten*)Apicius. VIII, 9., und in eigenen glirariis**)Varro de R. R. III, 15. mästeten. Lebt in Eichen - und Buchenwäldern, nistet in hohle Bäume und hält langen und sehr festen Winterschaf.
792. †. Auellanarius. die kleine Haselmaus. (Fr. le muscardin. Engl. the dormouse.) G. rusus, pollice plantarum mutico, auri - culis rotundatis.
v. Schreber tab. 227.
Von der Größe der Hausmaus. Zu ihrem Winterschlaf bereitet sie sich ein kugliches, ziem - lich festes Lager von Tangelnadeln, u. a. klei - nem Gestrüppe, worein sie sich vergräbt.
9. Mvs. Cauda gracilis, subnuda. Den - tes vt in praecedentibus.
1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda subsesquunciali, auriculis nudis vellere molli latentibus, palmis subtetradactylis, corpore fusco.
v. Schreber tab. 190.
Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird theils durch die großen Wanderungen, die sie, zumahl von Kamtschatka aus, in manchen Jah - ren, fast wie der Lemming, anstellt, besonders aber durch die Industrie merkwürdig, womit sie eine große Menge meist eßbarer Wurzeln in ihre unterirdischen Höhlen schleppt, denen die Tun - gusen ꝛc. (wie die Thüringer dem Hamster-Vor - rath) nachgraben.
2. †. Syluaticus. die Waldmaus, große Feld - maus. (Fr. le mulot. Engl. the field-rat.) M. cauda mediocri, pectore flauescente, abdomine albido.
v. Schreber tab. 180.
Thut den Feldfrüchten und der Holzsaat Schaden.
3. †. Amphibius. die Wasserratte, der Erd - wolf. M. cauda longitudine dimidia cor -80 poris, auribus vix vellere prominulis, pe - dibus subtetradactylis.
v. Schreber tab. 186.
Ist zumal den Gärten nachtheilig, besonders dem Wurzelwerk.
4. †. Arualis. die Feldmaus, Stoßmaus (Fr. le campagnol. Engl. the field-mouse. ) M. cauda mediocri, dorso ferrugineo, ab - domine cinereo.
v. Schreber tab. 191.
Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer, und thut zumahl der Wintersaat großen Schaden.
5. †. Musculus. die Hausmaus. (Fr. la souris Engl. the mouse. ) M. caude elongata, pal - mis tetradactylis pollice palmarum mutico.
In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von Asien und America. Hat sich dem Menschen gewisser Maßen zum Hausthier aufgedrungen.
Die weißen Mäuse mit rothen Augen sind die Kackerlacken in ihrer Art, und zuweilen so licht - schen, daß sie in der Hellung die Augenlider fest zuschließen, und für blind gehalten werden.
6. †. Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl. the rat.) M. cauda elongata, palmis tetra - dactylis cum vnguiculo pollicari.
Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbrei - tet; scheint aber ursprünglich im mittlern Europa zu Hause. Aeußerst gefräßig. Frißt sogar Scor - pione, und zieht dem Menschen und seinen Victua - lien überall nach. Den Bergleuten in die tiefsten Schachte, so wie den Seefahrern auf die Schiffe. Unter andern gehört diese Land - und Hausplage zu den gefährlichsten Feinden der Zuckerplantagen in West-Indien.
81An vielen Orten wird sie allgemach durch die Wanderratte (M. decumanus) verdrängt, die heller von Farbe und ihr Fell mit vielen einzelnen langen Borstenhaaren durchmengt ist.
10. Marmota. (Arctomys.) Auriculae abbreuiatae, cauda breuis, aut nulla. Dentes (plerisque) vt in praecedentibus.
1. Alpina. das Murmelthier. (Graubündnisch murmont vom Lat. mus montanus. Fr. la marmotte. ) M. corpore supra fusco, subtus flauescente.
v. Schreber tab. 207.
In vielen der höhern Alpen von Europa und Asien. Merkwürdig ist, daß man es auf der allée blanche in Savoyen theils auf isolirten Klippen findet, die wie Inseln aus diesem Eis - meer hervorragen, etliche Stunden weit von allem unbeeiseten Erdreich entfernt, und im gan - zen Jahr nur etwa sechs Wochen lang vom Schnee entblößt sind; so daß es scheint, die da - sigen Murmelthiere durchschlafen wenigstens zehn Monathe vom Jahr, und bringen nur einen äußerst kleinen Theil ihrer Existenz wachend zu.
2. †. Cricetus. der Hamster, Kornferkel. M. abdomine nigro.
F. G. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött. 1774. 8. Taf. I. 2.
Hin und wieder in Deutschland, Polen, Si - birien ꝛc. lebt vorzüglich von Getreide, Boh - nen ꝛc. wovon er großen Vorrath in den Backen - taschen zu seinen unterirdischen, wohl 7 Fuß tie - fen Höhlen schleppet. Eine Höhle hält wohl manchmahl auf 60 Pfund solcher Victualien. Er vermehrt sich ausnehmend, und man hat wohl82 eher im Gothaischen in einem Jahr über 27000 Hamster getödtet. Es Gibt eine ganz schwarze Spielart unter diesen Thieren, so wie auch Kackerlacken mit rothen Pupilen.
3. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto, corpore nigro fuluoque irregulariter ma - culato.
v. Schreber tab. 195. A. 195. B.
Häufigst in Lappland und Sibirien. Zuweilen emigriren ganze Legionen von einer Gegend in die andere. Ihre unerwartete und unbemerkte Ankunft, und dann auch der Fall, daß welche von den Raubvögeln in die Luft gehoben und sich doch noch los gearbeitet und herunter gefal - len ꝛc., mag zu der alten Sage Anlaß gegeben haben, daß es mitunter Lemminge vom Him - mel regne.
4. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M. ecaudata, palmis pentadactylis, incisoribus supra infraque latis, palpebrarum aperturis auriculisque nullis.
v. Schreber tab. 206.
Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils un - ter der Erde. Soll für seine kleinen ganz deut - lichen Augäpfel doch gar keine Oeffnung in der Gegend der Augenlider haben, und folglich gänz - lich blind seyn!
5. Capensis. der Klipdas. (Hyrax, Büffon's marmotte du Cap, Bruce's Ashkoko) M. ecaudata, palmis tetradactylis, plantis tri - dactylis.
v. Schreber tab. 240.
Am Cap, in Habessinien, und wie es scheint auch in Arabien und Syrien.
8311. Sçavia. Halbkanichen. Auriculae rotundatae, paruae. Cauda nulla aut breuis. Dentes primores vtrinque 2.
Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Süd - america, und den west-indischen Inseln.
1. Porcellus. das Meerschweinchen. (Fr. le cochon d' Inde. Engl. the Guinea-pig.) C. ecaudata, corpore variegato.
v. Schreber tab. 173.
Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in der Farbe, und ist überaus fruchtbar.
2. Aguti. (Piculi. ) das Ferkelkaninchen. C. caudata, corpore ex rufo fusco, abdomine flauescente.
v. Schreber tab. 172.
Größer als ein Kaninchen.
12. Lepvs. Dentes primores vtrinque 2; superiores duplicati.
1. † Timidus. der Hase (Fr. le liévre. Engl. the hare.) A. auriculis apice nigris, cor - pore et pedibus posticis longioribus.
Fast in der ganzen alten Welt, und auch in Nord-America. Ist unter den Fußsohlen, und sogar zum Theil im Munde behaart. Beyde, Hase und Kaninchen, scheinen wieder zu kauen*)III. B. Mosis, K. XI. V ς. u. f..
Zuweilen Gibt es schwarze Hasen, und in den nördlichen und alpinischen Gegenden eine beson - dere weiße Spielart, die eigentlich so genannten Berghasen, die in manchen Gegenden, wie in Grönland ꝛc. Jahr aus Jahr ein, in andern aber, wie in der Schweiz, nur im Winter weiß,84 im Sommer aber von der gewöhnlichen Hasen - farbe sind.
Merkwürdig ist, daß man schon so oft und in ganz verschiedenen, Gegenden und Zeiten Hasen will gefunden haben, aus deren Stirnknochen ein Paar kleine Geweihe, völlig wie bey einem Rehbock, nur weit kleiner, mit Krone und pro - portionirten Enden gewachsen seyn sollen*)Der Grund, warum ich mich noch zweifelhaft über die gehörnten Hasen ausdrücke, ist, weil ich, ungeachtet aller vieljährigen Nachfrage noch kein zuverlässiges Exemplar davon habe zu sehen kriegen können; an welchem nähmlich (Nb. ) die Hörnchen noch an dem Hasenschedel festge - sessen hätten..
2. † Cuniculus. das Kaninchen. (Fr. le la - pin. Engl. the rabbit.) L. auriculis nudatis, corpore et pedibus posticis breuioribus.
Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten Welt, aber nun auch in nordischen Gegenden einheimisch. Sie vermehren sich so stark, daß sie wohl eher [z. B. neuerlich ums Jahr 1736. auf der S. Peters Insel bey Sardinien**)(Cetti) quadrupedi di Sardegna p. 149.] zur Landplage geworden sind***)„ Cerrum est, Balearicos aduersus prouentum cuni - culorum auxilium militare a Diuo Augusto pe - tiisse. “ Plinius.; und kommen auch in ganz wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der sonst so öden liparischen Insel, fort. Die wilden sind grau. Die weißen mit rothen Augen sind Kackerlacken in ihrer Art.
Die langhaarigen angorischen (S. 28. Anm. 2.) oder so genannten englischen Seidenhasen kom - men auch hier zu Lande gut fort.
8513. Iacvlvs. (Dipus.) Pedes antici bre - vissimi, postici elongati. Cauda salta - toria, apice floccosa. Dentes primores vtrinque 2.
1. Jerboa. der Springhase, Erdhase, die Springmaus, zweybeinige Bergmaus. Palmis tridactylis, plantis tetradactylis.
v. Schreber tab. 228.
Zumahl in Nord-Africa, Arabien ꝛc. Macht sich Höhlen in die Erde. Springt mit der Leich - tigkeit einer Heuschrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß weit.
14. Hystrix. Stachelschwein. (Fr. porc - epic. Engl. porcupine.) Corpus spinis tectum. Dentes primores vtrinque 2.
1. Dorsata. (Urson.) H. spinis breuibus sub pilis occultis.
v. Schreber tab. 169.
In Canada, auf Labrador, um die Hudsons - bay ꝛc. Thut zumahl im Winter den jungen Baumstämmen großen Schaden.
2. Cristata. H. spinis longissimis, capite cri - stato, cauda abbreuiata.
v. Schreber tab. 167.
Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz Africa; nährt sich zumahl von Baumrinden; nistet in die Erde. Im Zorn rasselt es mit seinen Sta - cheln, die ihm zuweilen, besonders im Herbst, ausfallen; kann sie aber nicht gegen seine Ver - folger von sich schießen! *)Der weiland als Panazee berufne thierische Gal - lenstein (piedra del porco) soll sich in einer noch nicht genau bekannten ostindischen Gattung von Stachelschweinen finden.
Mit Spitzen oder zackigen Vorderzähnen, und meist nur einem Eckzahn auf jeder Seite, der aber bey den mehrsten von ansehnlichter Größe und Stärke ist. – Die eigentlich so genannten reißenden Thiere und einige andere Geschlechter mit ähnlichem Geviß.
15. Erinacevs. Corpus spinis tectum. Dentes primores vtrinque 6*)Schwerlich nur 2 wie Linné meinte. Denn obere Vorderzähne sind doch wohl alle die so im Os intermaxillare (– S. 52. Not. *) –) sitzen; und untere alle die vorn im Unterkiefer, auf welche jene obern passen.; laniarii supra 3; infra 1, molares 4.
1. † Europaeus. der Igel (Fr. le hérisson Engl. the hedge-hog.) E. auriculis rotun - datis, naribus cristatis.
Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal nocturnum. Nährt sich aus beyden Reichen. Maußt wie eine Katze. Kann spanische Fliegen in Menge fressen. Spießt allerdings (wie die Alten sagen, von den Neuern hingegen ohne allen Grund bezweifelt, mir aber nun schon von drey ganz zuverläßigen Augenzeugen versichert wor - den) Früchte an seine Rücken-Stacheln, um sie so in sein Lager zu tragen**)Es bezeugt es auch Dr. Patr. Russel in der neuen Ausgabe von seines Bruders nat. hist. of Aleppo T. II. p. 419..
16. Sorex. Nasus rostratus, auriculae breues. Dentes primores superiores 2. bifidi; inferiores 2-4. intermediis bre - vioribus; laniarii vtrinque plures.
871. † Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la mus - araigne. Engl. the shrew.) S. cauda me - diocri, abdomine albido.
v. Schreber tab. 160.
In Europa und Nord-Asien ꝛc. Daß sie gif - tig sey, oder den Pferden in den Leib krieche ꝛc. sind ungegründete Sagen. Zuweilen, aber selten, finden sich weiße Spitzmäuse.
2. † Fodiens. die Wasserspitzmaus. S. ab - domine cinereo, digitis ciliatis.
v. Schreber tab. 161.
An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimm - haut ist jede Zähe zu beyden Seiten mit steifen Härchen besetzt, die die Füße zum Rüdern unge - mein geschickt machen. Die Oeffnung des Ge - hörganges kann das Thier durch eine Klappe zuschließen, so lang es unter Wasser ist.
3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.
Am Jenisei. Das kleinste der bis jetzt bekann - ten Säugethiere.
17. Talpa. *)Hr. Prof. Link hat die drey Geschlechter Erina - ceus, Sorex, Talpa in seinem System der Säuge - thiere zusammen in eine Ordnung verbunden und Rosores genannt. s. dessen Beyträge zur N. G. 2tes St. Rostock 1795. 8. S. 79.Caput rostratum, pal - mae fossoriae. Dentes primores supe - riores 6, inferiores 8; laniarii maior 1, minores 4.
1. † Europaea. der Maulwurf, die Scher - maus. (Fr. la taupe. Engl. the mole) T. cauda breuiore, auriculis nullis.
88Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein voll - kommnes animal subterraneum, wozu ihm außer andern Eigenheiten seines Körperbaues, besonders die Schaufelpfoten zu Statten kommen. Er hat sehr kleine Augen, kann geschickt schwim - men und bey Ueberschwemmung auf die Bäume klettern. Es Gibt auch weiße und gefleckte Maulwürfe.
2. Versicolor. (s. aurata) T. ecaudata, pal - mis tridactylis.
Vosmaer's monogr. 1787
Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linné) asiatica heißen. Ihr Haar schillert, zumahl wenn es naß ist, mit farbigem Goldglanz.
18. Didelphis. (plerisque) hallux mu - ticus. Feminis folliculus abdominalis mammarum.
Auch bey dieses Geschlechts so zahlreichen und einander im Ganzen so verwandten Gattungen variirt doch das Gebiß so mannigfaltig, daß die - selben nach dem linnéischen System in ganz ver - schiedene Geschlechter vertheilt werden müßten.
1. Marsupialis. das Beutelthier, Opossum, D. Albida, auriculis, antibrachiis et tibiis nigris, cauda squamosa longitudine cor - poris. Dentes primores superiores 10, in - feriores 8. laniarii elongati.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 54.
Zumahl im wärmern Nord-America*)Beobachtungen an einem Beutelthier, das ich lebendig besitze, habe ich in Voigt's neuen Ma - gazin mitgetheult, im III. B. S. 683 u. f.. Das Weibchen von dieser und den mehresten übrigen Gattungen dieses Geschlechts hat eine große89 Tasche am Bauche, die durch besondere Muskeln geschlossen und geöffnet werden kann; und in deren Boden die Zitzen liegen. Die Junge wer - den ganz außer Verhältniß klein (gleichsam nur als unreife Abortus) zur Welt gebracht, dann aber erst lange Zeit in dieser Tasche getragen, wo sie sich ansaugen und von der Muttermilch nähren, bis sie reifer und vollkommner ausge - bildet, gleichsam vom neuen geboren werden können.
2. Dorsigera. der surinamische Aeneas. D. cauda basi pilosa, orbitarum margine fusco. Dentes vt in priori.
v. Schreber tab. 150.
In Süd-America. Das Weibchen, das bey dieser Gattung keinen Zitzensack hat, soll seine Junge, wenn sie noch klein sind, auf dem Rücken tragen, und diese sich dabey mit ihren Roll - schwänzen an der Mutter ihrem anhalten.
3. Gigantea. das Känguruh. Cauda apice attenuato, pedibus anticis breuissimis, po - sticis longissimis. Palmis pentadactylis, plantis subtetradactylis: dentes primores superiores 6. inferiores 2. laniarii nulli.
v. Schreber tab. 154.
In Neu-Holland. Mausefahl. Ist, wenn es aufrecht sitzt, wohl mannshoch, und 140 Pfund schwer. Lebt in Herden von 50 und mehr Stück. Ist bloß grasfressend. Springt in wei - ten wohl zwey Klafter langen Sätzen. Das Weibchen bat einen Zitzensack. Wirft nur Ein Junges auf einmahl, das bey der Geburt kaum halb so groß als eine Maus ist, dann aber von der Mutter drey Vierteljahr lang in jenem Sacke getragen wird, bis es wohl 14 Pfund wiegt.
9019. Viverra. Caput vulpinum. Cauda plerisque felina. Dentes primores vtrin - que 6, intermediis breuioribus. Lingua plerisque retrorsum aculeata. Vngues exserti.
1. Zibetha. die Zibethkatze (hyaena odori - fera. Fr. la civette. Engl. the civet.) V. cauda annulata, dorso cinereo nigroque vndatim striato.
v. Schreber tab. 112.
Im südlichen Asien und nördlichen Africa. Bey beyden Geschlechtern sammelt sich in einer besondern Höhle, die zwischen dem After und den Zeugungsgliedern liegt, das Zibeth, eine schmierige, stark riechende Substanz.
2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette. Engl. the genet.) V. cauda annulata, cor - pore fuluo-nigricante maculato.
v. Schreber tab. 113.
In der Levante. Wird seines Felles wegen geschätzt.
3. Putorius. Daß Stinkthier, Conepatl. (Fr. la mouffette. Engl. the skunk, pol-cat.) V. lineis quinque dorsalibus parallelis albis.
v. Schreber tab. 122.
In Virginien, Canada ꝛc. Hat seinen Nah - men von dem unerträglichen Gestank, den es, so wie mehrere verwandte Gattungen seines Ge - schlechts, im Zorne von sich gibt.
4. Ichneumon. die Pharaonsmaus, der Mungo. (Büffon's mangouste.) V. cauda91 basi incrassata sensim attenuata, pollicibus remotiusculis.
v. Schreber tab. 113. B.
Hat straffes, fast borstenartiges Haar, meist weiß und graulichschwarz zart gesprenkelt. Ist besonders häufig in Aegypten, wo es zumahl den Crocodileneyern, so wie außer dem den Schlangen, nachstellt; sich aber ausnehmend kirre und häuslich machen läßt.
5. Aurita. das Großohr. (Fennec, Büf - fon's animal anonyme.) V. auriculis am - plissimis.
Bruce's Reisen nach den Quellen des Nils, V. B. tab. 22.
In der Barbarey, Nubien ꝛc. Nistet auf den Palmen, und lebt vorzüglich von Datteln.
20. Mvstela. Dentes primores supe - riores 6. erecti, acutiores, distincti: in - feriores 6, obtusiores, conferti: duo interiores. Lingua laeuis.
Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze Füße, und einen lang gestreckten Körper, den sie im Geben bogenförmig krümmen. Sie sind sehr flink, beissig und blutdürstig.
1. † Martes. der Baummarder, Edelmar - der, Tannenmarder, Wildmarder, Feld - marder. (Fr. la marte. Engl. the pine - martin.) M. corpore fuluo-nigricante, gula flaua.
v. Schreber tab. 130.
Zumahl im Schwarzholz der ganzen nördlichen Erde. Sein schönes Fell kommt dem Zobel am nächsten.
922. † Foina. der Hausmarder, Steinmarder. (Fr. la fouine. Engl. the martin) M. cor - pore fuluo-nigricante, gula alba.
v. Schreber tab. 129.
Im mittlern und wärmern Europa und dem benachbarten Asien.
3. †. Putorius. der Iltis, Ilk, Ratz, Stän - kerratz. (Fr. le putois. Engl. the fitchet, polecat.) M. flauonigricans, ore et auri - cularum apicibus albis.
v. Schreber tab. 131.
Hat meist gleiches Vaterland mit dem Haus - marder. Auch in der Barbarey. Das ganze Thier, und selbst sein abgezogenes Fell, geben einen sehr widrigen Geruch von sich.
Das Frettel (furo, Fr. le furet. Engl. the ferret) von gelblich weißer Farbe mit rothen Pu - pillen, ist ein wahrer Kackerlacke in seiner Art, folglich wohl sicher keine ursprüngliche eigene Gattung, sondern eine Abart vom Iltis, mit welchem es sich auch paart. Taugt gut zum Ratten - und Caninchen-Fang.
4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline. Engl. the sable.) M. corpore fuluo-nigri - cante, facie et gula cinereis.
v. Schreber tab. 136.
In dichten öden Wäldern der nördlichen Erde, zumahl in Sibirien. Die schönsten mit recht schwarzbraunem, dickhaarigen und glänzenden Fell finden sich um Jakuzk.
5. † Erminea. das große Wiesel, Hermelin. (Fr. le roselet, l'hermine. Engl. the stoat the ermine.) M. caudae apice nigro.
v. Schreber tab. 137. A. 137. B.
93In der nördlichen Erde, vorzüglich in Sibirien. Größer als das gemeine Wiesel. Aendert aber eben so wie dieses die Farbe, so daß es im Som - mer bräunlich, im Winter aber (als Hermelin) weiß ist.
6. †. Vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr. la belette. Engl. the weesel) M. corpore ex rufo fusco subtus albo.
v. Schreber tab. 138.
Im Norden von Europa und Asien. Die Mutter trägt oft ihre Junge im Maule umher (daher die alte Fabel, als ob sie dieselben durch diesen Weg zur Welt brächte).
21. Vrsvs. Dentes primores superior - res 6, intus excauati alterni, inferio - res 6, laterales 2 longiores lobati; laniarii primarii solitarii (minimi 1-2 inter hos et primos molars), lingua laeuis.
1. † Arctos der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the bear.) V. fusco nigricans, cauda abrupta.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 32.
In der nördlichen Erde, doch auch in Ost - indien und Nord-Africa. In der Jugend lebt er meist von Gewächsen; nach dem dritten Jahre aber mehr vom Fleisch. Zum Gefechte bedient er sich mehr seiner Vordertatzen, als des Gebisses.
Zu den vorzüglichen Spielarten unter den Bären gehören: die großen schwarzen Ameisen - bären; die kleinen hellbraunen Honigbären; und die noch kleinern weißlichen Silberbären.
942. Maritimus (glacialis) der Eisbär, Polar - bär. V. albus, collo et rostro elongatis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 33
An den Küsten und beym Treibeis der nörd - lichsten Erde. Darf nicht mit der weißen Spiel - art des gemeinen Bären verwechselt werden. Er wird bey zwölf Fuß lang, und über 15 Centner schwer; schwimmt und taucht sehr ge - schickt, und ist bloß fleischfressend*)Viel Merkwürdiges über dieses und andere Thiere auf Labrador findet sich in G. Cartwright's Journal during a Residence of nearly 16 years on the Coast of Labrador. Newark 1792. III. vol. 4..
3. Gulo. der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le glouton. Engl. the glutton.) M. corpore rufofusco, medio dorsi nigro.
Pallas Spicileg. zoologic. XIV. tab. 2.
In der nördlichen alten Welt, besonders in Sibi - rien. Seine Freßgierde hat zu allerhand Fa - beln Anlaß gegeben.
Das Wolverene oder Quickhatch auf Labra - dor und an der Hudsonsbay scheint wenig von ihm verschieden zu seyn.
4. † Taxus. der Dachs. (Fr. le blaireau. Engl. the badger.) M. cauda concolore, abdomine nigro.
v. Schreber tab. 142.
In Europa und Asien bis gen Schina. Baut unter der Erde einen tiefen Kessel, zu welchem verschiedene Röhren oder Gänge führen. Ver - schläft den größten Theils seines Lebens, und hält besonders langen und festen Winterschlaf, wobey er seine Schnauze in den Fettbeutel am Hinterleibe steckt.
955. Melliuorus. der Honig-Dachs, Rattel. M. dorso cinereo, fascia laterali nigra, ab - domine nigro.
Sparrmann in den schwed. Abhandl. 1777. tab. 4. fig. 3.
Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der wilden Bienen, die in die Höhlen der Stachel - schweine ꝛc. nisten. Er Gibt auf den Flug der heim eilenden Bienen acht, oder folgt auch bloß der Anweisung des Honigkuckucks. Hat ein zot - tiges Fell, und darunter eine ungemein starke sehr bewegliche schiebbare Haut, wodurch er einerseits vor den Bienenstichen und anderseits vor tiefen Bissen der Hunde ꝛc. gesichert ist.
6. Lotor. der Waschbär, Rackun, Schupp, Coati. (Büffon's Raton.) M. cauda annu - lata, fascia palpebrarum transuersali nigra.
Mém. de l'ac. de Berlin 1756. tab. 12
Im wärmern nordostlichen America ꝛc. Frißt mancherley. Bedient sich der Vorderpfoten sehr geschickt zum Fassen, zum Einweichen oder Abwaschen seines Futters*)Ich sehe dieß täglich an einem den ich lebendig besitze; und eben so sahen es Ol. Worm, Linne, Rolof, Büffon, J. Dom. Schulze u. a. m. ꝛc. Wird überhaupt sehr kirre.
22. Canis. Dentes primores superio - res 6. laterales longiores distantes, in - termedii lobati; inferiores 6, lobati omnes; laniarii solitarii, incuruati.
1. †. Familiaris. der Hund. (Fr. le chien. Engl. the dog.) C. cauda recuruata; sub - inde digito spurio ad pedes posticos.
96Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich besonders durch die ausnehmende Schärfe seiner Sinne, verbunden mit seiner großen vielartigen Gelehrigkeit (sogar zum Fischfang*)So z. B. bey den Jesso-Insulanern und den Cho - nos am südwestlichsten America., aber auch durch mancherley andere Brauchbarkeit empfiehlt, ist längst mit ihm über alle fünf Welttheile ver - breitet. Denn auch in America scheinen wenig - stens die Eskimos ihre Hunde nicht erst von den Europäern bekommen zu haben.
Ob alle die verschiedenen Hunde-Rassen als bloße Varietäten einer und derselben Gattung anzusehen sind, und ob diese selbst vom Wolf oder Schakal abstamme, ist schwerlich zu ent - scheiden. Mir scheinen manche Rassen, z. B. der Dachshund, das Windspiel ꝛc. viel Eigenes zu besondern Functionen abzweckendes in ihrer Bildung zu haben, so daß ich diese zweckmäßigen Eigenheiten nicht wohl für zufällige Folge der bloßen Ausartung halten kann.
Zu den Hauptrassen gehören wohl
a) Fricator. der Mops. (Fr. de doguin. Engl. pugdog) mit untersetztem, kurzem Leibe, schwarzen Flecken an den Backen, und hängenden Ohren.
Den Uebergang von dieser zur nächstfol - genden Rasse macht der eigentliche Bulien - heißer, Wachthund, Bluthund, molos - sus. Engl. the bull-dog, bey welchem der Unterkiefer vor dem obern etwas her - vortritt.
b) Mastiuns. die englische Dogge. (Fr. le dogue. Engl. the mastiff) mit stumpfem Kopfe, hängenden lappichten Oberlefzen,97 und glattem Haar. Bellt dumpfig und kurz – Ihm scheint der Metzgerhund (Fr. le ma - tin. ) nahe verwandt.
c) Terrae nouae. der Neufundländer. (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 6. –) Zeich - net sich durch seine ausnehmende Größe, lan - ges seidenartiges Haar, langflockigen, meist aufwärts gekrümmten Schwanz, besonders aber durch die Art von Schwimmhaut zwi - schen den Zehen ans, die bey ihm ungleich größer ist als den andern Hunden. Daher sein ausnehmendes Geschick zum Schwim - men. Meist sind diese Hunde weiß und schwarz; und ausnehmend gelehrig.
d) Sagax, venaticus. der Jagdhund. (Fr. le chien-courant) mit langem dickem, Körper, eingefurchtem Hinterkopfe, langen hängenden Ohren. Das Haar bald schlicht, bald zottig. – Hierher auch die Bracke, der Hühnerhund, der Wachtelhund und die schön getigerten Corsicanerhunde.
e) Aquaticus. der Budel. (Fr. le barbet. Engl. the water-dog) mit stumpfem Kopfe, und wollichtem Haar.
f) Pastoralis, domesticus, villaticus. der Schäferhund, Haushund. (Fr. le chien de berger, Engl. the cur) mit aufrechten Ohren; der Schwanz auf der untern Seite lang behaart. – Hierzu auch der isländi - sche Hund, und der Spitz oder Pommer. (Fr. le chien-loup.) So auch der, den die Kamtschadalen ꝛc. zum Zug in Schlitten ge - brauchen. – Auch die aus manchen Insel - gruppen der Südsee einheimischen Hunde, die von den Einwohnern als Mastvieh ge -98 zogen werden, und bloß vegetabilische Nah - rung genießen, scheinen zu dieser Rasse zu gehören.
g) Meliteus. das Bologneserhündchen. (Fr. l'epagneul, le bichon, Engl. the lap - dog, the shock) mit sehr langem, seiden - artigem Haar, zumahl im Gesichte.
h) Vertagus, der Dachshund. (Fr. le bas - set, Engl. the tumbler, the turnspit) mit langer Schnautze, hangenden Ohren, lang gestrecktem Körper, kurzen, krummen Vor - derfüßen, und rothbraunen Flecken über den Augen. – Ihm scheint der englische Ter - rier (terrarius), mit borstigem Haar und struppiger Schnauze, nahe verwandt.
i) Dingo. der neuholländische Hund, Aeh - nelt, zumal in der Bildung des Kopfs und Schwanzes, mehr dem Fuchs.
k) Leporarius.*)Nicht wohl Graius oder Graecus, wie Rav u. a. das Windspiel nennen. Denn das scheinen die alten Griechen gar nicht gekannt zu haben. das Windspiel. (Fr. le levrier, Engl. the grey - hound) mit lan - gem, zugespitztem Kopfe, hängenden Ohren, dicker Brust, schlanken Leib und Füßen.
l) Aegyptius. der guineische Hund. (Fr. le chien-turc, Engl. the Indian dog, the naked dog) ähnelt dem Windspiel, hat aber nur im Gesichte Haare, der übrige Körper ist meist kahl, und schwarz, fast wie Negerhaut. (s. S. 26. Anm. 2.)
Diese verschiedenen Haupt-Rassen paaren und vermischen sich aber nicht nur unter einander,99 sondern auch mit Wölfen und Füchsen, mit welchen sie sogar zuweilen fruchtbare Bastarde erzeugen.
2. †. Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl. the wolf) C. cauda incuruata.
v. Schreber tab. 88.
Fast in der ganzen alten Welt, ist aber in einigen Ländern, wie z. B. in Groß-Britannien und Irland, ausgerottet. Hat einen schleppen - den doch dabey schnellen und nicht leicht zu er - müdenden Gang. Aus Hunger fressen die Wölfe sogar Schilf und Erde; graben auch Leichen aus, und da mag etwa ihre nächtliche Erschei - nung auf Kirchhöfen ꝛc. den Anlaß zu der alten Sage von Währwölfen gegeben haben.
3. Aureus. der Schakal, Thos. (Büffon's Adive.) C. corpore fuluo, pedibus lon - gioribus, caudae apice nigro.
v. Schreber tab. 114.
In ganz Nordafrica und Orient, besonders in Natolien und Bengalen; zieht des Nachts scha - renweise umher; frißt Thiere, Lederwaren ꝛc. gräbt Leichen aus. Manche Naturforscher haben den Schakal für den ursprünglich wilden Hund, und manche Exegeten Simsons Füchse für Scha - kale gehalten.
4. †. Vulpes der Fuchs, Birkfuchs. (Fr. le renard. Engl. the fox) C. cauda recta, apice discolore.
v. Schreber tab. 90.
Zumahl in der nördlichern alten Welt. Frißt unter andern Früchten nahmentlich sehr gern Weintrauben.
Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher nur eine Abart davon.
100Ob aber auch der wegen seines kostbaren Felles berühmte schwarze Fuchs mit weißer Schwanz - spitze, der in Sibirien, aber auch in Menge auf Labrador zu Hause ist [und der, wenn seine Haare gleichsam silberweiße Spitzen haben, Sil - berfuchs genannt wird*)Ein extraschönes Fell eines labradorischen Silber - fuchses ist wohl eher in London mit 300 Thalern und darüber bezahlt worden.], für eine bloße Ab - art des gemeinen Fuchses oder für eine besondere Gattung anzusehen sey, läßt sich vor der Hand noch nicht mit Gewißheit bestimmen.
5. Lagopus. der weiße Fuchs, Polarfuchs, Steinfuchs, Eisfuchs. (Isatis. Engl. the arctic fox. Russ. Pesez) C. cauda recta, apice concolore, palmis plantisque pilo - sissimis.
v. Schreber tab. 93. A. 93. B.
In den Polarländern, zumahl auf Spitzber - gen, Neu-Zembla ꝛc. – Die mehresten sind weiß. Die so genannten blauen Füchse hin - gegen bläulich-grau.
6. Hyaena. die Hyäne. C. villosus, nigri - cans, facie nigra, iuba ceruicis dorsique, pedibus tetradactilis.
Der indianische Wolf, von J. El. Ridinger.
Hat meist einerley Vaterland mit dem Scha - kal, dem sie auch in der Lebensart ähnelt. In größter Menge in Habessinien. Hat ihr Ablager unter der Erde oder in Felsenhöhlen und Berg - klüften. Macht in ihrem Körperbau einen Ueber - gang zum folgenden Geschlecht.
10123. Felis. Vngues retractiles, caput rotundius, lingua aspera, Dentes pri - mores 6. acutiusculi, exterioribus maio - ribus, laniarii solitarii, supra a primo - ribus, infra a molaribus remoti.
1. Leo. der Löwe. (Fr le lion. Engl. the lion.) F. cauda elongata floccosa, corpora fuluo.
v. Schreber tab. 97. A. 97. B.
In den heissen Zonen der alten Welt, vor - züglich in Africa. Der männliche Löwe zeichnet sich durch die Mähne aus, die aber erst im zweyten Lebensjahre ausbricht. Das Fleisch des Löwen wird von den Hottentotten gegessen und eine Horde Araber zwischen Tunis und Algier soll sich fast bloß davon nähren.
2. Tigris. das Tigerthier. F. cauda elon - gata: capite, corpore et cruribus nigro - virgatis.
the Tiger, von G. Stubbs.
Bloß in Asien und vorzüglich von Bengalen bis Schina, auch auf Sumatra ꝛc. Ueberaus regelmäßig gestreift. Läßt sich allerdings zähmen, und muß auch vor dem Elephanten erliegen.
3. Leopardus. der Leopard. F. cauda sub - elongata, maculis numerosis, minoribus, obtuse angulatis.
Tygers at play von G. Stubbs.
In Africa. Sein Fell hat einen goldgelben Grund mit kleinen schwarzen Flecken, die aber dichter und regelmäßiger als beym Pantherthier, und meist ihrer drey bis vier nahe beysammen stehen.
1024. Pardus. das Pantherthier, der Parder*)Die Pelzhändler nennen alle Felle von Thieren dieses Geschlechts, die geringelte Flecken haben, Panther, und hingegen alle gefleckte ohne Ring - form, Tiger.. F. cauda subelongata, maculis maioribus, irregularibus, passim confluentibus et an - nulatis.
v. Schreber tab. 99.
In Africa und Ostindien. Die Flecken seines Fells sind größer als beym Leoparden, weniger regulär, hin und wieder wie zusammengeflossen, bald in Hufeisenform, bald geringelt u. s. w.
5. Panthera. das kleine Pantherthier. (Büf - fon's once.) F. cauda elongata, corpore albido, maculis irregularibus nigris.
v. Schreber tab. 100.
In der Barbarey und Ostindien. Weit kleiner als die vorigen Gattungen. Auch leicht zu zäh - men, und zur Jagd der Rehe, Gazellen ꝛc. ab - zurichten, wozu sie in Orient vorlängst, und zu erstern in den mittlern Zeiten auch in Italien und Frankreich gebraucht worden.
6. Onça, der Jaguar, americanische Tiger. F. cauda subelongata, corpore fusco lu - tescente, maculis angulatis, ocellatis, me - dio flauis.
v. Schreber tab. 102.
In Südamerica. Größer als der Parder, dem er sonst sehr ähnelt.
7. Concolor. der americanische Löwe, Puma, Cuguar. F. cauda mediocri, corpore im - maculato fuluo.
v. Schreber tab. 104.
103In Peru, Brasilien ꝛc. zeichnet sich durch sein rothgelbes, ungeflecktes Fell (weßalb er mit dem Nahmen eines Löwen belegt worden) und kleinen Kopf aus.
8. †. Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier. Engl. the mountain cat) F. cauda abbre - viata, apice atro, auriculis apice barbatis, corpore maculato, plantis palmisque am - plissimis.
v. Schreber tab. 109.
In der nördlichen Erde; doch auch häufig im Neapolitanischen; thut den Wildbahnen größern Schaden als der Wolf.
9. † Catus. die Katze (Fr. le chat Engl. the cat.) F. cauda elongata, striis dor - salibus longitudinalibus, lateralibus spi - ralibus.
v. Schreber tab. 107. A. 107. B.
Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst von da durch die Spanier nach America über - bracht worden. Die wilde ist größer, als die zahme, von grauröthlicher Farbe, mit schwarzen Lefzen und Fußsohlen. Die Hauskatze begattet sich nur äußerst selten unter den Augen der Men - schen, und verwildert sehr leicht wieder, wenn sie zufällig in Wildniß geräth. Zu den Besonder - heiten der Katzen gehört ihre starke Electricität; das Leuchten ihrer Augen im Finstern; ihre selt - same Gierde auf gewisse Pflanzen, wie z. B. auf die Nepeta cataria und aufs Teucrium ma - rum ꝛc. ; ihr Schnurren oder Spinnen, das durch ein Paar eigene zarte, gespannte Häut - chen in ihrem Kehlkopf bewirkt wird; die ängst - liche unüberwindliche Antipathie vieler Menschen gegen dieselben ꝛc. – Zu den vorzüglichsten104 Spielarten gehört die angorische oder persische Katze mit dem langen, seidenartigen Haar, die gewöhnlich schwer hört; die bläulichgraue Carthäuser - oder Cyperkatze; und die spanische oder schildpattfarbige Katze (Tortoiseshell - cat); unter welchen letztern man häufig weib - liche Katzen von drey ganz verschiedenen Far - ben (z. B. schwarz, weiß und gelb), aber kaum je einen dergleichen Kater, gefunden haben will.
Ohne Gebiß oder wenigstens ohne Vorderzähne.
24. Bradypvs. Faulthier. (Ignauus. Fr. paresseux. Engl. sloth.) Caput rotun - datum, crura antica longiora. Dentes primores nulli vtrinque: laniarii (?) obtusi, solitarii; molares cylindrici, obtusi.
1. Tridactylus. der Aï. B. pedibus tridacty - lis, cauda breui.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 53.
In Guiana ꝛc. Freylich ein äußerst langsames schwerfälliges, aber bey aller dieser Trägheit listi - ges und im Nothfall muthiges nnd starkes Ge - schöpf; hat dabey ein äußerst zähes Leben, und wenige Bedürfnisse. Frißt Laub, säuft gar nicht ꝛc.
25. Myrmecophaga. Ameisenbär. (Fr. fourmiller. Engl. ant-eater.) Rostrum productius, lingua lumbriciformis; den - tes nulli.
1051. Didactyla. der kleine Tamandua. M. pal - mis didactylis, vngue exteriore maximo, plantis tetradactylis; cauda prehensili.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.
Ebenfalls in Südamerica; von der Größe und auch fast von der Farbe des Eichhörnchens. Nährt sich von den dortigen großen Ameisen, in - dem er mit den großen hakenförmigen Krallen der Vorderfüße die mit einer festen Erdrinde be - deckten Ameisenhausen aufkratzt, und dann seine Vier Zoll lange klebrige Zunge hinein steckt.
26. Manis. Schuppenthier, formosanisches Teufelchen. Corpus squamis tectum; lin - gua teres; dentes nulli.
Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere dieses Geschlechts in ihrer Bildung, Le - bensart ꝛc. viel Aehnlichkeit mit den Ameisenbären. Von vielen ältern Naturforschern wurden sie unter die Eidexen gezählt.
1. Tetradactyla. der Phatagin. M. cauda longiore: vngulis bifidis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.
Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Ungefähr von der Größe des obigen Ameisen - bären. Sein castanienbraun geschuppter Körper ähnelt einem Tannenzapfen.
27. Tatv. Armadill, Panzerthier, Gürtel - thier. (dasypus linn.) Corpus testis zo - nisque osseis cataphractum; dentes pri - mores et laniarii nulli.
1061. Nouemcinctus. der Caschicame. Zonis dor - salibus 9; palmis tetradactylis; plantis pen - tadactylis.
v. Schreber tab. 74.
In Südamerica, bis an die magellanische Straße. Baut unter die Erde, wird sehr kirre, rollt sich bey Gefahr, so wie die Schuppenthiere und der Igel, kugelicht zusammen.
Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht von wenigen Gattungen.
28. Eqvvs. Pedes vngula indiuisa, cauda setosa. Dentes primores superiores 6. obtuse truncati; inferiores 6. prominen - tiores: laniarii solitarii vtrinque remoti.
1. †. Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval. Engl. the horse.) E. cauda vndique setosa.
Ursprünglich wilde Pferde Gibt es nicht mehr, aber häufig und theils in großen Herden verwilderte; so z. B. in der Mongoley, vol - lends aber in unermeßlicher Menge in Paraguay, wohin die Pferde (so wie überhaupt nach America) erst durch die Spanier übergebracht worden u. s. w. Unter den zahmen Pferde-Rassen zeichnen sich die Araber (zumahl die von der Zucht der Annecy um Palmyra herum, und vom Libanus bis gegen den Horeb ꝛc. ) durch ihren wunderschönen Bau, so wie durch äußerste Leichtigkeit und Dauerhaftig - keit aus. Ihnen folgen die Persianer und Barben. 107Unter den europäischen sind die spanischen (be - sonders die aus Andalusien), nie neapolitanischen und englischen die vorzüglichsten. Die letztern haben besonders den Vorzug der Schnelligkeit, wodurch sie sich in den Wettrennen auszeich - nen*)Das neuerlich so berühmte englische Rennpferd, Eclipse, legte in einer Secunde 58 Fuß zurück: bedeckte nämlich bey der größten Streckung 25 Fuß, und wiederhohlte diese Action 2 1 / 3 Mahl in einer Secunde. – s. an Essay on the Proportions of Eclipse; in den Works of Ch. Vial de Sainbel, London 1795. 4.. – Ganzer berittenen Nationen zu ge - schweigen, wie z. B. die Casacken, Tataren Calmücken, die Pferde-Tungusen, die Abipo - ner ꝛc. so ist auch für die cultivirtesten Völker der Werth dieses Thiers für Landwirthschaft, Cavallerie, Postwesen ꝛc. unermeßlich. Manche der gedachten berittenen Völker leben auch großen Theils vom Fleisch und Milch der Pferde. Die letztere Gibt, wenn sie zusammen geronnen, vol - lends aber wenn sie abgezogen worden, das ber - auschende Kumiß der Mongolen.
2. † Asinus. der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the ass.) E. cauda extremitate setosa, cruce dorsali nigra.
Der wilde Esel, von welchem das zahme Hausthier abstammt, ist der wahre onager der Alten; und findet sich jetzt zumahl in der Tartarey, unter dem Nahmen Kulan**)Pallas in Act. Acad. Petropol. 1777. P. II. p. 258. sq., von da er jähr - lich im Herbst in großen Herden südlich nach Indien und Persien zu zieht und daselbst über - wintert. Er ist größer und schlanker als der zahme Esel, und von ausnehmender Schnellig - keit. – Ins nordlichste Europa ist der Esel bis108 jetzt noch gar nicht verpflanzt. Auch artet er wenig aus. Höchstens etwa in der Farbe, da es z. B. weiße Esel Gibt.
Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten, und geben zweyerley Bastarde, die von großer Dauerhaftigkeit und Stärke, und zuweilen (aber sehr selten) fruchtbar sind. Eins ist das gemeine Maulthier [mulus, Fr. le mulet*)Buffon, supplem. vol. III. tab. I.], das vom männlichen Esel gezeugt, und von der Stute ge - worfen wird. Das andere ist der Maulesel [hinnus, Fr. le bardeau**)Buffon l. c. tab. 2.], der vom Hengste gezeugt, und von der Eseliun geworfen ist. Die - ser letztere ist seltener, und hat Gelegenheit zur Sage von den fabelhaften Jumarn, oder vor - geblichen Bastarden vom Pferde - und Ochsen - geschlecht, gegeben.
3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime regularibus.
The Sebra, von G. Stubbs, 1771.
Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedene Gattungen Gibt, deren eine man fälschlich für die Weibchen der andern gehalten hat) ist im südlichen Africa zu Hause. Es lebt herdenweis, ist ungemein schnell, aber wild und unbändig***)Vor mehreren Jahren hat sich ein weibliches Zebra in Lord Clive's Menagerie in London nach vielen vergeblichen Versuchen von einem männli - chen Esel bespringen lassen, und eine Art Maul - thier zur Welt gebracht, das in der Bildung völlig das Mittel zwischen seinen Altern hielt, und von grauer Grundfarbe wie der Vater, aber scwarz gesteift wie die Mutter war..
Die wiederkauenden Thiere mit gespaltenen Klauen, unter welchen sich die wichtigsten Haus - thiere finden.
29. C amelvs. Cornua nulla, labium leporium, pedes subbisulci*)III. B. Mosis K. XI. v. 4.. Dentes primores inferiores 6 spathiformes: supe - riores 2; laniarii distantes, superiores 3, inferiores 2.
1. Dromedarius. das gemeine Camel [Fr. le dromadaire. **)Von vielen Schriftstellern und Reisenden wird hingegen das Camel mit zwey Buckeln Drome - dar genannt.] C. tofo dorfi vnico.
v. Schreber tab. 303.
Findet sich noch hin und wieder in Asien, zu - mahl in den Wüsteneyen zwischen Schina und Indien, wild, ist aber für den ganzen Orient und für das nordliche und mittlere Africa das wichtigste Hausthier. (Das Schiff für die Wüsten – nennen es die Araber.) Die ge - wöhnliche Last der Carawanen Camele ist gegen sechs Centner, und damit legen sie täglich gegen vier deutsche Meilen zurück. Das nutzbare Thier frißt dornichtes Buschwerk, was in den Wüsten in Menge wächst, und für kein anderes Säuge - thier zur Nahrung taugt. Auch kann es, wie versichert wird, den Durst mehrere Wochen lang erdulden, säuft aber dafür ungeheuer viel auf ein Mahl, da sich dieses Wasser lange Zelt in seinem Magen ziemlich unverändert erhalten soll. Beyde, sowohl diese, als die folgende Gattung,110 haben eine große Schwiele vorn au der Brust, vier kleine an den Vorderfüßen, und zwey der - gleichen an den Hinterfüßen, die ihnen zum Aufstemmen dienen, wenn sie müde sind, und sich niederlegen.
2. Bactrianus. das Trampelthier. (Fr. le chameau. Engl. the camel.) C. tofis dorsi duobus.
v. Schreber tab. 304.
Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl in ganzen großen Herden in Bessarabien ꝛc. wird daselbst seines schnellen Trabes und natürlichen Sattels wegen, mehr als die vorige Gattung zum Zuge gebraucht.
3. Llacma. die Camelziege, Guanaco. C. dorso laeui, tofo pectorali.
v. Schreber tab. 306.
So wie die folgende Gattung im südlichen America, besonders dem gebirgigen Peru. Wird als Lastthier gebraucht, und trägt bey seiner mäßigen Größe doch bis anderthalb Centner.
4. Vicuña. das Schafcamel. (Fr. la vi - gogne.) C. tofis nullis, corpore lanato.
v. Schreber tab. 307.
Kleiner als das Llacma. Läßt sich nicht zäh - men, sondern wird wegen seines zimmtbraunen Haares, das die bekannte Vicugna-Wolle gibt, jährlich in großen Treibjagden haufenweis ge - fangen. Auch der occidentalische Bezoarstein kommt von diesem Thiele.
30. Capra. Cornua caua rugosa scabra. Dentes primores superiores nulli, infe - riores 8; laniarii nulli.
1111. †. Ouis. das Schaf. (Fr. le brebis. Engl. the sheep.) C. mento imberbi, cornibus compressis lunatis.
Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich wild; scheint auch nicht ein Mahl nur so wie die Ziege wieder verwildern zu können: wird aber fast in der ganzen alten Welt als eins der aller - nutzbarsten Hausthiere gehalten, und ist auch bald nach der Entdeckung von America dorthin verpflanzt worden.
Unter den verschiedenen Rassen der Schafe sind vor allen die tibetanischen, aus deren feinster Wolle (so wie aus manchem zarten Zie - genhaar) der Schaul verfertigt wird; die spa - nischen, aus Segovien, und dann die engli - schen ebenfalls wegen ihrer ausnehmenden Wolle; die isländischen mit vier, sechs oder acht Hör - nern; und die arabischen und ägyptischen mit dem großen und wohl 40 Pfund schweren Fett - schwanze, zu merken. Die zwischen den Wende - zirkeln haben mehrentheils statt der krausen Wolle schlichtes Ziegenhaar; und die in Südafrica noch überdem lang herab hängende Ohren.
2. Ammon. das Muffelthier, Argali, (mufi - mon. Büffon's mouflon.) C. cornibus ar - cuatis circumflexis subtus planiusculis, pa - learibus laxis pilosis.
v. Schreber tab. 268.
Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland, in der Barbarey; vorzüglich aber in Sibirien bis Kamtschatka und dann im nordwestlichsten Ame - rica. Das im nördlichen Asien ist groß, mit mächtig starken und schweren*)Ein einzelnes und nicht einmahl vollständiges dergleichen Horn im academischen Museum wiegt volle 9 Pfund. Hörnern, und112 wird von einigen Naturforschern für das Stamm - thier zu unserem Schaf gehalten.
3. † Hircus. die Ziege. (Fr. la chevre. (Engl. the goat.) C. mento barbato, cornibus ar - cuatis, carinatis.
Die Hausziege scheint von dem aegagrus ab - zustammen, der im Caucasus und den daran grenzenden östlichen Gebirgen lebt, und in dessen Mägen (so wie bey manchen Gattungen von An - tilopen) zuweilen der orientalische Bezoarstein gefunden wird, daher das Thier selbst mit dem Nahmen des Bezoarbocks belegt worden*)Pallas spicileg. zoolog. XI. tab. 5. fig. 2. 3.. – Die Hausziege verwildert leicht wieder, und ist nun meist eben so weit als das Schaf auf der Erde verbreitet. – Die angorische Ziege oder das Kämmelthier hat langes seidenartiges Haar und Gibt das beste so genannte Camelgarn.
4. †. Ibex. der Steinbock, capricornus, Fr. le bouquetin. Engl. the wild goat.) C. mento barbato, cornibus lunatis maximis, supra nodosis, in dorsum reclinatis.
Conr. Gesner l. c. pag. 1099.
In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen, so wie in den, sibirischen Alpen. Das Gehörn eines bejahrten Steinbocks wiegt wohl 20 Pfund, und hat meist eben so viel knorrichte Ringe auf jeder Seite.
31. A ntilope. Cornua caua, teretia, annulata, vel spiralia. Dentes vt in capris.
Ein weitläufiges Geschlecht, wovon sich zahl - reiche Gattungen im mittlern und südlichen, Asien, und in Africa, zumahl aber am Cap finden.
1131. †. Rupicapra. die Gemse (Fr. le chamois, l'Izard.) A. cornibus erectis vncinatis. v. Schreber tab. 279.
In den alpinischen Gegenden des mildern Europa und westlichen Asiens. Zahm gemachte Gemsen sollen sich mit den Ziegen gepaart und Bastarde erzeugt haben. Von den unverdaulichen Zasern ihres Futters bilden sich in ihren Mägen die ehedem berühmten so genannten Gemsballen, (aegagropilae).
2. Dorcas. die Gazelle. C. cornibus tereti - bus annulatis, medio flexis, apicibus lae - uibus approximatis.
v. Schreber tab. 269.
Im ganzen Orient und Nordafrica. Das schlanke flinke Thier macht, die Lieblingsjagd der Morgenländer, und Gibt ihrer Dichtersprache das reitzende Bild weiblicher Schönheit.
3. Pygarga. der Springbock, Prunkbock. A. cornibus liratis, linea laterali faciei et trunci fusca, clunibus albis.
Vosmaer descr. de la Gazelle de parade.
Im Innern des südlichsten Africa, von wannen er jährlich in Herden von vielen tausenden nach dem Cap und nach einigen Monathen wieder zurück zieht.
32. Bos. Cornua concaua, lunata, lae - via. Dentes vt in generibus praece - dentibus.
1. †. Taurus. der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl. the ox.) B. cornibus teretibus extrorsum cornatis, palearibus laxis.
114Das Rindvieh stammt vom Auerochsen ab (vrus, bonasus, und Bison der alten Welt; denn diese dreyerley Nahmen scheinen sämmtlich die Stammrasse unseres Hornviehs zu bezeich - nen), der in Polen, Litauen, Sibirien gefunden wird, und ehedem auch in Deutschland war. – Zu den merkwürdigsten Varietäten des Rindviehs gehört z. B. die halbwilde weiße Rasse mit brau - nen oder schwarzen Ohren, auf den Ladronen, und hin und wieder in Großbritannien: die mit den ausnehmend großen Hörnern in Sicilien: die gänzlich ungehörnte in einigen Provinzen von England ꝛc.
Hingegen scheint mirs noch zweifelhaft, daß auch die indische (von den Hindus heilig ver - ehrte) Buckelkuh, der bos indicus, oder Zebu (– v. Schreber tab. 298. –) eine bloße Va - rietät dieser Gattung seyn solle.
In den Mägen des Rindviehs finden sich zu - weilen Ballen aus Haaren, die sie sich abgeleckt und eingeschluckt haben. Die ihnen eigene, furcht - bare, pestartige Viehseuche, hat zumahl seit 1711. zuweilen lange und weit und breit grassirt. Hingegen sind die Kuhpocken seit 1798 durch Dr. Jenner als wohlthätiges Sicherungsmittel für die Kinderblattern bewährt worden.
2. Americanus. der nordamericanische Bison. B. cornibus diuaricatis, iuba longissima, dorso gibboso.
v. Schreber tab. 296.
Das größte Landthier der neuen Welt; lebt Herdenweise in den sumpfigen Wäldern des mil - dern Nordamericas. Im Winter ist es über den ganzen Körper behaart, im Frühjahr hingegen wird es am Rücken und Hinterleibe kahl, und115 behält bloß seine ungeheuere Brust - und Nacken - mähne.
3. Buffelus. der Büffel. (Engl. the Buffalo.) B. cornibus resupinatis intortis antice planis.
v. Schreber tab. 300.
Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun aber nach und nach durch den größten Theil von Asien und Nordafrica verbreitet, und wird auch hin und wieder in Europa, wie z. B. seit dem siebenten Jahrhundert in Italien, in Ungarn, und auch im Salzburgischen gezogen und zum Zuge gebraucht. Hat ein schwarzes, dünn be - haartes Fell, das ausnehmend stark und vorzüg - lich zu Schläuchen tauglich ist.
4. Grunniens. der Büffel mit dem Pferde - schweif, Ziegenochse. B. cornibus tereti - tibus, introrsum curuatis, vellere propen - dente, cauda vndique iubata.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 23.
Ebenfalls in Tibet zu Hause, wird aber auch in Hindosten als Hausthier gehalten. Kleiner als unser Hornvieh, zeichnet sich auch außerdem durch seine grunzende Stimme, durch sein zotti - ges Ziegenhaar, und durch einen büschligen sehr langhaarigen Schwanz aus, der, wenn er schön ist, in Indien hoch geschätzt und theuer be - zahlt wird.
5. Moschatus. der Bisamstier (Fr. le boeuf musqué. Engl. the musk-ox) B. cornua deflexa, basibus latissimis complanatis ad frontem contiguis; apicibus reflexis.
v. Schreber tab. 302.
Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nord - america im Westen der Hudsonsbay vom 66 bis116 73° der Breite eingeschränkt. Ein Paar seiner Hörner soll zuweilen über einen halben Cent - ner wiegen.
33. Giraffa. Cornua simplicissima pelle tecta, fasciculo pilorum nigro ter - minata. Dentes primores superiores nulli; inferiores 8 spathulati, extimo bilobo; laniarii nulli.
1. Camelopardalis. die Giraffe.
Cptn. Carteret, in den philos. Transact. Vol. LX. tab. I.
Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres lan - gen Halses, kurzen Körpers, abhängigen Rückens, und wegen ihres röthlichen, schön gefleckten Fells, ein sehr auszeichnendes Ansehen. Sie soll im Schreiten, wie die Paßgänger, immer den Vor - der - und Hinterfuß der einen Seite zugleich heben, und daher einen sonderbaren Gang haben, von dem die Bewegung des Springers im Schach - spiel entlehnt worden. Sie ist, wenn sie auf - recht steht, über sechzehn Fuß hoch.
34. Cervvs. Cornua solida multifida. Dentes vt in generibus praecedentibus (interdum tamen laniarii solitarii supe - riores).
1. Alces. das Elennthier (Fr. l'elan. Engl. the elk.) C. cornibus planis acaulibus, palmatis.
v. Schreber tab. 246.
In der ganzen nördlichen Erde (wenn anders das nord-americanische Elenn, Fr. l'orignal,117 Engl. the moose-deer*)Jo. Fr. Miller fasc. II. tab. 10. keine eigene Gattung macht), ist sehr hochbeinig; erreicht die Größe vom Pferd, wiegt wohl über 1200 und sein Gehörn über 50 Pfund; läßt sich zähmen und herden - weise auf die Weide treiben. Die alten Sagen, daß das Elennthier oft von Epilepsie befallen werde ꝛc. brauchen jetzt keiner weitern Wi - derlegung.
2. †. Dama. der Damhirsch, Tannhirsch. (Fr. le daim. Engl. the fallow-deer.) Cor - nibus subramosis compressis, summitate palmata.
v. Schreber tab. 249. A. B.
Im mildern Europa. Kleiner als der gemeine Hirsch; variirt in der Farbe.
3. Tarandus. das Renthier. (rangifer. Fr. le renne. Engl. the rein.) C. cornibus (in vtroque sexu) longis, simplicibus, tereti - bus, summitatibus subpalmatis, iuba gu - lari pendula.
v. Schreber tab. 247. A. B. C.
In der ganzen nördlichen Erde. Theils, wie in Kamtschatka in Herden von tausend und mehr Stück; kann in wärmern Gegenden nicht aus - dauern, lebt von dürrem Land, und vorzüglich von Renthier-Moos, das es unter dem Schnee hervor scharrt. Dient zumal den Lappländern, Samojeden, Tungusen und Koräken zur Befrie - digung aller der dringendsten Bedürfnisse des Lebens.
4. †. Elaphus. der Edel-Hirsch. (Fr. le cerf. Engl. the stag.) C. cornibus ramosis totis teretibus recuruatis apicibus multifidis.
v. Schreber tab. 248. A. B. C. D. E.
118Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn, nur unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der Enden seines Geweihes richtet sich nicht genau nach dem Alter des Thiers: nach dem achten Jahre ist sie unbestimmt. Die größten natürlich - schönen Geweihe sind höchst selten von mehr als 24 wahren Enden. Der Hirsch wird ungefähr 30 Jahre oder etwas darüber alt.
5. †. Capreolus. das Reh. (Fr. le chevreuil. Engl. the roe) C. cornibus ramosis, tere - tibus, erectis, summitate bifida.
v. Schreber tab. 252. A. B.
In den mildern und wärmern Erdstrichen von Europa und Asien. Das Gehörn des Rehbocks ist öfter als bey andern Gattungen dieses Ge - schlechts durch sonderbare Exostofen entstellt.
35. Moschvs. Cornua nulla. Dentes primores vt in praecedentibus generi - bus; laniarii superiores solitarii exserti.
1. Moschifer. das Bisamthier. (Fr. le musc. Engl. the musk.) M. folliculo vmbilicali.
v. Schreber tab. 242.
In den Schwarzwäldern und bergigen Gegen - den von, Tibet und dem südlichen Sibirien. Das Männchen hat in der Nabelgegend einen Beutel fast von der Größe eines Hühnereyes, worin sich der Bisam, dieses wichtige Arzneymittel, sammelt.
2. Pygmaeus. das kleine guineische Rehchen. M. supra fusco-rufus, subtus albus, vngu - lis succenturiatis nullis.
Seba, thes. I. tab. 45. fig. 1.
119In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste Thier dieser Ordnung. Seine ganzen Beine sind nur Fingers lang, und haben ungefähr die Dicke eines Pfeifenstiels.
Meist sehr große, aber unförmliche, bor - stige oder dünn behaarte Säugethiere, mit mehr als zwey Klauen an jedem Fuß. Also mit In - begriff der Schweine, dann auch diese haben im Grunde vier Klauen.
36. Svs. Rostrum truncatum, promi - nens, mobile. Dentes primores (ple - risque) superiores 4. conuergentes, in - feriores 6. prominentes (plerisque); laniarii superiores 2. breuiores, infe - riores 2. exserti.
1. † Scrofa. das Schwein. (Fr. das wilde le sanglier, das zahme le cochon. Engl. jenes the wild boar, dieses the hog.) S. dorso setoso, cauda pilosa.
Das wilde Schwein hat eine längere Schnauze und überhaupt eine andere Form des Schädels, kürzere aufrechte Ohren, größere Fangzähne als das Hausschwein, auch keinen Speck, und nie - mahls Finnenwürmer, und ist fast immer von schwarzgrauer Farbe. Wenige Thiere sind so allgemein fast über die ganze Erde verbreitet, als das Hausschwein. Es hat einen ungemein scharfen Geruch, und ist beynahe ein animal omniuorum. Das Weibchen wirft unter allen120 Thieren mit gespaltenen Klauen die mehresten Junge. – In America, wohin die Schweine aus Europa übergebracht worden, sind sie theils verwildert. (Fr. cochons marons.) Auf Cuba wurden sie mehr als noch Ein Mahl so groß, als ihre europäische Stammältern; auf Cubagua arteten sie in eine abentheuerliche Rasse aus mit Klauen, die auf eine halbe Spanne lang wa - ren ꝛc. – Die schinesischen (Fr. cochons de Siam) haben kürzere Beine und einen ausge - schweiften Rücken ohne Mähne. – In Schwe - den und Ungarn findet sich nicht selten eine Spiel - art mit ungespaltenen Klauen, die schon den Alten bekannt war, so wie man auch welche mit drey Klauen gesehen hat.
2. Aethiopicus. das Emgalo. (Büffon's san - glier du cap verd.) S. incisoribus nullis, sacculis mollibus sub oculis.
Vosmaer, description du sanglier d'Afrique.
Im Innern von Süd-Africa. Auch auf Ma - dagascar. Ein furchtbar wildes Thier, mit einem mächtig großen Kopf, spannen-breiten Rüssel, großen warzigen Fleischlappen unter den Augen ꝛc.
3. Tajassu. das Nabelschwein, Bisamschwein, Pecari. S. cauda nulla, folliculo moschi - fero ad extremum dorsi.
v. Schreber tab. 325.
Herdenweise in den wärmsten Gegenden von Südamerica. Wird höchstens nur 60 Pfund schwer.
4. Babirussa*)Baba heißt auf Malaisch das Schwein, russa der Hirsch. der Schweinhirsch, Hirsch - eber. S. dentibus laniariis superioribus maximis, arcuatis.
v. Schreber tab. 328.
121Zumahl auf den moluckischen Inseln. Lebt am Wasser, kann sehr geschickt selbst nach ziem - lich entlegenen Inseln schwimmen. Es hält schwer, zu bestimmen, wozu ihm die fast zirkel - förmigen großen Eckzähne des Oberkiefers die - nen mögen?
37. Tapir. Habitus suillus. Dentes pri - mores vtrinque 10; laniarii nulli: pal - mae vngulis 4. plantae vngulis 3.
1. Suillus. der Tapir, Anta.
v. Schreber tab. 319.
Das größte Landthier in Süd-America, von der Statur eines mittelmäßigen Ochsen. Kopf und Schenkel sind ungefähr wie beym Schwein; die Oberlippe zugespitzt und sehr beweglich. Gewöhnlich setzt sichs auf die Hinterfüße wie ein Hund. Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr gut ꝛc.
38. Elephas. Elephant. Proboscis lon - gissima, prehensilis: dentes primores su - periores exserti.
1. Asiaticus. E. capite elongato, fronte con - caua, auriculis minoribus, dentium mo - larium corona lineis vndulatis distincta.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.
Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilan. Ist das größte von allen Landthieren, wird wohl 15 Fuß hoch und wiegt im zwanzigsten Jahre auf 7000 Pfund. Seine auf dem Rücken fast Daumens dicke Haut ist doch selbst gegen In - sectenstiche empfindlich; gewöhnlich von grauer Farbe. Das Hauptorgan des Elephanten ist122 sein Rüssel, der ihm zum Athemhohlen, zum äußerst feinen Geruch, zum Wasserschöpfen, sein Futter damit zu fassen und ins Maul zu stecken, und zu tausend künstlichen Verrichtungen, statt der Hände dient. Er kann ihn drey Ellen lang ausstrecken, und bis zu anderthalb Ellen wieder einziehen. Am Ende ist derselbe, wie mit einem biegsamen Haken versehen, und hiermit kann er ungemein feine kunstreiche Handlungen verrichten, z. B. Knoten aufknüpfen, Schnallen auflösen, mehrere Stücken Geld mit Einem Mahl auf - eben u. s. w. Seine Nahrung besteht vorzüg - lich aus Laub der Bäume, Reis und andern Gräsern. Er schwimmt mit ungemeiner Leich - tigkeit selbst durch schnelle Ströme. Bey der Begattung soll er sich, wie die mehresten übri - gen Säugethiere bespringen. Das neugeworfene Junge saugt mit dem Maule (nicht mit dem Rüssel, wie viele gemeint haben). Ungefähr im dritten, vierten Jahre kommen bey beyden Geschlechtern die zwey großen Stoßzähne zum Ausbruch, die das Elfenbein geben. Sie wer - den wohl 7 bis 8 Fuß lang und einer derselben kann bis auf 200 Pfund wiegen. Wahrschein - lich wird der Elephant auf 200 Jahre alt. Am häufigsten nutzt man ihn zum Lasttragen, da er zum mindesten 20 Centner zu tragen, und die größten Transporte Berge hinauf zu wälzen, im Stande ist. Sein Gang ist gleichsam ein schnel - les Schieben der Beine, und dabey so sicher, daß er auch auf ungebahnten Wegen doch nicht strauchelt.
2. Africanus. E. capite subrotundo, fronte conexa, auriculis amplissimis; dentium molarium corona rhombis distincta.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. C.
123Diese im mittlern und südlichern Africa einhei - mische Gattung, wird nicht, wie die asiatische, als Hausthier gehalten, sondern bloß des Flei - sches und vorzüglich des Elfenbeins*)Von der Verarbeitung desselben seit den Zeiten des trojanischen Kriegs s. Hrn. Geh. Justiz-Rath Heyne in den Nov. Comment. Gott. T. I. p. 96 sq. und Dess. Samml. antiquarischer Aufsätze II. Th. S. 149. u. f. und Hrn. Hofe. Beckmanns Vorbe - reitung zur Waaren-Kunde I. B. S. 299. u. f. wegen gefangen und geschossen.
39. Rhinoceros. Nashorn. Cornu solidum, conicum, naso insidens.
1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus vtrin - que quaternis, inferioribus conicis, supe - rioribus sublobatis; laniariis nullis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. B.
In Ostindien. Das bey dieser Gattung meh - rentheils einzelne Horn sitzt bey ihm so wie das doppelte beym afrikanischen nicht am Knochen fest, sondern ist bloß mit der Haut verwachsen.
2. Africanus. Rh. dentibus primoribus et laniariis nullis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.
In Süd-Africa, am Cap ꝛc. Das zweyte Horn ist kleiner, und sitzt hinter dem erstern.
40. Hippopotamvs. Dentes primores superiores remoti, inferiores procum - bentes; laniarii inferiores incuruati, oblique truncati.
1. Amphibius. das Nilpferd. (am Cap See - kuh genannt)
Buffon, supplement vol. III. tab. 62. 63. vol. VI tab. 4. 5.
124Häufig im südlichen Africa. Doch auch im Nil. Aeußerst plump, mit einem unförmlichen großen Kopfe, ganz ungeheueren Rachen, dicken Leibe, kurzen Beinen ꝛc. Ein erwachsenes wiegt wenig - stens viertehalb tausend Pfund. Nährt sich von Vegetabilien und Fischen.
Säugethiere mit Schwimmfüßen deren Ge - schlechter wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses (so wie oben die Ferae) in drey Fa - milien zerfallen. A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.
Mit meißelförmigen Nagezähnen.
41. Castor. Pedes postici palmati. Dentes primores vtrinque 2.
1. †. Fiber, der Biber. (Fr. le castor. Engl. the beaver.) C. cauda depressa, ouata, squamosa.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 43
In der nördlichern Erde, in einsamen Gegen - den an Land-Seen und größern Flüssen. Er wird wegen seiner feinen Haare für die Hand - lung, und für die Arzneykunst wegen des so ge - nannten Bibergeils wichtig, das sich bey beyden Geschlechtern in besondern Behältern am Ende des Unterleibes findet. Am berühmtesten sind diese Thiere durch die ausnehmende Kunstfertig - keit, mit welcher sie, da wo sie sich (wie im In - nern von Canada) noch in Menge beysammen125 finden, ihre berühmten Wohnungen, besonders aber, da wo sie es nöthig finden, die dazu ge - hörigen bewundernswürdigen Dämme aufführen. Denn, zugegeben, daß freylich in den Erzählun - gen mancher Reisebeschreiber vom Bau der Biber vieles verschönert und übertrieben worden, so wissen sich doch diese Thiere, nach dem einstimmi - gen Zeugniß der unverdächtigsten Beobachter aus ganz verschiedenen Welttheilen, dabey so nach zufälligen Umständen zu bequemen, daß sie sich dadurch weit über die einförmigen Kunsttriebe anderer Thiere erheben.
Mit dem Gebiß der reißenden Thiere.
42. Phoca. Pedes postici exporrecti, di - giti coaliti. Dentes primores superiores 6, inferiores 4; laniarii solitarii.
Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts gleichsam die Amphibien unter den Säugethieren, deren ganzer Körperbau darnach eingerichtet ist, um in beyden Elementen leben zu können*)So habe ich z. B. a. 1784. bey der Zergliederung eines Seehund-Auges eine überaus merkwürdige Einrichtung entdeckt, wodurch diese Thiere im Stande sind, nach Willkür die Achse desselben zu verlängern oder zu verkürzen, um durch zweyerley medium von so verschiedener Dichtigkeit, durchs Wasser nähmlich eben so gut als durch die Luft deutlich sehen zu können. Dieß wird durch den Druck der überaus starken Augenmuskeln auf die äußere Haut des Augapfels bewirkt, welche letztere an verschiedenen Stellen von verschiedener Dicke ist. Die durchsichtige Hornhaut nähmlich ist dünne und nachgiebig; von der harten weißen Haut hin -126 gegen ist der zunächst an die Hornhaut anstoßende Theil, so wie auch der Hintergrund, dick und knorpelartig, ihr mittlerer Gürtel aber wieder dünne und geschmeidig: so daß wenn das Thier durch die Luft sehen will, es den Augapfel in die Augenhöhle zurückzieht, und dadurch den Hinter - grund desselben etwas flach drückt, mithin der Cry - stall-Linse näher bringt ꝛc. wie es die starke Bre - chung der Lichtstrahlen erfordert, die dann aus dem dünnen medium der Luft in das dichtere des Auges gehen. Unter Wasser hingegen lassen die Augenmuskeln nach, damit die Augen-Achse wie - der verlängert werde ꝛc. – s. Commentationes so - cietat. scient. Gottingens. vol. VII..
1. Vitulina. der Seehund, die Robbe, das Seekalb. (Fr. l e veau marin, Engl. the seat.) P. capite laeui, auriculis nullis, cor - pore griseo.
v. Schreber tab. 84.
In den nördlichen Meeren. Ist für die finni - schen Insulaner, so wie für die Kamtschadalen, besonders aber für die Grönländer und für die ladradorischen Esquimos, ein außerst wichtiges Gescköpf: die beyden letztern Völker zumahl, nähren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in sein Fell, beziehen ihre Sommerhütten und Fischer - bothe damit ꝛc. Sein Fang macht ihr vorzüglich - stes Geschäft, und die darin erworbene Geschick - lichkeit ihl Glück und ihren Stolz aus.
2. Vrsina. der Seebär. P auriculata, collo laeui.
Buffon, Supplement vol. VI. tab. 47.
Im Sommer berdenweise auf den Inseln des kamtschatkischen Inselmeers, überwintert aber vermuthlich auf den benachbarten etwas südlichern Inseln des stillen Oceans. Lebt in Polygamie, so127 daß jedes Männchen wohl dreyßig bis vierzig Weibchen hat, die es mit vieler Eisersucht be - wacht, und grimmig gegen seine Nebenduhler zu behaupten sucht*)G. W. Stellers Beschreibung von sonderbaren Meerthieren. Halle, 1753. 8. (aus den nov. Com - ment. Petropolit.).
3. Iubata. der stellersche Seelöwe. P. auricu - lata, collo iubato.
buffon, Supplement vol VI. tab. 48
Im ganzen stillen Ocean. Die größte Gattung dieses Geschlechts; hat den Nahmen von der beym Männchen gewisser Maßen löwenartigen Mähne.
4. Cristata. der ansonsche Seelöwe**)Linnés Phoca cristata und seine iubata sind einer - ley Thiere.. P. capite antice cristato.
anson's voyage round the world. tab. 19.
Im atlantischen sowohl als im stillen Ocean. Nur das Männchen hat den häutigen Kamm auf der Nase.
43. Lvtra. Palmae plantaeque natato - riae. Dentes primores vtrinque 6: su - periores distincti, inferiores conferti.
1. †. Vulgaris. die Fischrotter. (Fr. la loutre. Engl. the otter) M. plantis nudis, cauda corpore dimidio breuiore.
v. Schreber tab. 126. A. B.
In den milden Gegenden der nördlichen Erde. Die schönsten in Canada.
1282. Marina. die Seeotter. (Fr. le castor marin. Engl. the sea-otter.) L. plantis pilosis, cauda corpore quadruplo breuiore.
Cook's voyage to the northern hemisphere vol. II. tab. 43.
Besonders um Kamtschatka und an der jenseiti - gen Küste vom nordwestlichen America bis hinun - ter nach Nutka-Sund, dech auch um Corea, und zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und silbergraues Fell ist für die Schinesen das kost - barste aller Rauhwerke.
Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorderzähne.
44. Ornithorhynchvs Mandibu - lae rostratae (anatinae). Dentes pri - mores et laniarii nulli, molares am - bigui*)Mein Exemplar das ich der Güte des Hrn. Ba - tonet Banks verdanke, ist so wie mehrere die nach England gebracht worden, gänzlich zahnlos. Und die zwey Paar Backenzähne die Hr. Home in andern gefunden, unterscheiden fich doch auch durch ihre weichere Substanz und den Mangel der Wurzeln von eigentlichen wahren Zähnen..
1. Paradoxus. das Schnabelthier.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.
Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeich - net sich von allen bisher bekannten Saugethieren durch die beyspiellose Bildung seiner Kinnladen aus, die im äußern aufs vollkommenste einen breiten platten Aentenschnabel ähneln, auch eben so mit einer weichen nervenreichen zum Tasten bestimmten Haut überzogen, auch an den Sei -129 tenrändern gezähnelt sind. Beyderley Füße sind mit einer Schwimmhaut versehen, die an den Vordern noch vor den Krallen hervorragt, und sich mittelst derselben fächerartig zusammenfalten oder ausbreiten läßt. Noch hat man an keinem von beyden Geschlechtern eine Spur von Zitzen gefunden. Dieses Wunderthier lebt in einem Landsee des an sonderbaren Formen seiner Ge - schöpfe so reichen fünften Welttheils, unweit Botanybay.
45. Trichechvs. Pedes posteriores compedes coadunati.
1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse. Engl. the walrus.) T. dentibus laniariis superioribus exsertis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.
Bey dem Treibeis des Nordpols: oft zu hun - derten beysammen. Nährt sich vom Seetang und Schalthieren, die er mit seinen Hauzähnen loskratzt. Die alten Normanen machten ihre fast unverwüstlichen Ankertaue von Wallroßriemen*)S. Ohthere's Reise in J. spelmanni vita Aelfredi mangi Anglor. regis. p. 205..
2. Monatus. die Seckuh. (Fr. le lamantin. ) T. dentibus laniariis inclusis.
v. Schreber tab. 80.
In den Meeren der wärmern Erde, auch häu - fig im Orinoco. Scheint zu manchen der Sagen von Sirenen und Meerjungfern Anlaß gegeben zu haben**)Die fälschlich so genannten Lapides manati sind gar nicht von diesem Thiere, sondern gewöhnlich ein Theil des äußern Gehörganges und der Pauke des Wallfisches..
Die ehedem so ganz widersinnig zu den Fischen gerechneten Säugethiere*)S. Hrn. Prof. Schneiders vermischte Abhandl. zur Aufklärung der Zoologie ꝛc. Berlin, 1784. 8. S. 175-304..
46. Monodon. Dentes duo maxillae superioris exserti longissimi, rectus, spirales.
1. Narhwal. das See-Einhorn.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 44.
Meist im nördlichen atlantischen Ocean. Das Junge hat ursprünglich zwey Zähne (in jedem Oberkieferknochen Einen), die aber von unglei - cher Größe sind, und beym Erwachsenen sehr selten zusammen gefunden werden, sondern ge - wöhnlich nur einer von beyden. Zuweilen so lang, als der Körper des Thieres, d. h. wohl 18 Fuß und darüber.
47. Balaena. Dentes nulli. Laminae loco superiorum corneae.
1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine. Engl. the black whale.) B. dorso impinni.
Abbild. der Wallfische bey Homanns Erben, in Landkarten-Format, fig. 1. 2.
Das größte aller bekannten Thiere**)Von der vermeinten Krake s. unten bey der Alterias caput medusae. , das über 100000 Pfund an Gewicht hält ist theils gegen den Nordpol, aber auch in südlichen Ge -131 genden im atlantischen Ocean, und im stillen Meere zu Hause. Die heutiges Tages gefangen werden, sind selten über 60 bis 70 Fuß lang. Der ungeheuere Kopf macht wohl ein Drittel des ganzen Thieres aus. Die Haut ist meistens schwarz oder mit weiß gemarmelt ꝛc., hin und wieder dünn behaart, und oft mit Muscheln be - setzt. Den kamtschadalischen Insulanern und den nordwestlichen Americanern Gibt dieses ungeheuere Thier victus et amictus ꝛc. Die Europäer hin - gegen fangen den Wallfisch (wovon ein großer 5000 Rthl. werth seyn kann) des Fischthrans und besonders der Barden wegen, deren er 700 im Oberkiefer hat, die das Fischbein geben, und von denen die mittelsten wohl zwanzig Fuß lang werden.
2. Boops. (Fr. la jubarte) (einer der verschie - denen Finnfische.) B. pectore sulcato, pinna dorsali obtusa.
Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil des Bauchs, ist bey dieser und einigen andern Gattungen dieses Geschlechts sehr regelmäßig nach der Länge gefurcht*)Ein solcher Finnfisch (mit welchem Nahmen von den Wallfischfängern alle Gattungen dieses Ge - schlechts belegt werden, die eine Rückenfinne haben, wie physalus u. a. –) den ich frischge - strandet zu sehen die mit unverhoffte Gelegenheit gehabt, war 52 Fuß lang und hatte 64 solche mehr als Daumsbreite und eben so tiefe Brust - furchen..
48. Physeter. Dentes in maxilla in - feriore.
1321. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch. (Engl. the white whale.) P. dorso impinni, dentibus inflexis, apice acutiusculo.
Die homannische Abbild. fig. 4.
Meist in den südlichern Weltmeeren; zumahl an den Küsten von Brasilien und von Neu-Süd - wallis. Er erreicht die Größe des Wallfisches, hat einen ungeheuern Rachen, und kann Klafter - lange Hayfische verschlingen. Sein Oberkiefer ist sehr breit, der untere hingegen überaus schmal. Er wird vorzüglich des Wallraths (sperma ceti) wegen aufgesucht, das in Gestalt eines milch - weißen Oels theils im Körper des Thiers bey dem Thran, theils aber, und zwar in größter Menge in besondern Behältern am Kopfe dessel - ben, zumahl vorn auf den Oberkiefern gefunden wird, und an der Luft zu einem halb durchsich - tigen Talg verhärtet. Die köstliche wohlriechende graue Ambra ist eine Stercorolverhärtung die sich zumahl im dicken Darm mancher davon er - krankender Caschelotte findet.
49. Delphinvs. Dentes in maxilla vtraque.
1. Phocaena. das Meerschwein, der Braun - fisch. (tursio Plin. Engl. the porpoise) D. corpore subconiformi, dorso lato pinnato, rostro subobtuso.
v. Schreber tab. 342.
So wie die folgende Gattung in den europäi - schen Meeren: wird 1 1 / 2 Klafter lang und ist zumahl für die Lachse ein schädliches Raubthier.
2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le dauphin. Engl. the porpesse) D. corpore133 oblongo subtereti, dorso pinnato, rostro attenuato, acuto.
v. Schreber tab. 343.
Der eigentliche Delphin der Alten.
3. Orca. der Nordcaper, Speckhauer. (Engl. the grampus.) D. pinna dorsi altissima; dentibus subconicis, parum incuruis.
v. Schreber tab. 340.
Mehr im nördlichen Weltmeere, doch auch im mittelländischen; wird 20 Fuß lang.
Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung, mithin auch in ihrer Lebensart ꝛc. so sehr viel Verschiedenheit, daß sich nur wenig Allgemeines von ihnen überhaupt sagen läßt, und man sich folglich bey ihrer speciellen Geschichte desto um - ständlicher zu seyn gedrungen sieht. Bey den Vögeln ist der Fall anders. Beides, so wohl ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart hat im Ganzen genommen mehr Uebereinstimmendes, daher man sich bey der besondern Geschichte ihrer einzelnen Geschlechter und Gattungen schon kürzer fassen kann.
Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bil - dung darin mit einander überein, daß sie zwey Füße, zwey Flügel, einen hornigen Schna - bel, und einen mit Federn bedeckten Körper haben. Sie zeichnen sich zugleich durch diese vier Charactere von allen andern Thieren aufs kenntlichste aus, und machen eine gleichsam iso -135 lirte Classe von Geschöpfen aus, die mit keiner andern zusammen fließt, und sich daher in die vermeinte Kette oder Leiter der natürlichen Kör - per (S. 9.) nicht ohne Zwang einpassen läßt.
Unter jenen Charactern sind die Federn den Vögeln ausschließlich eigen, die in regel - mäßigen Reihen (in quincunce) in die Haut verwachsen und mit vielem Fette durchzogen sind; aber in gewisser Jahreszeit, gewöhnlich im Herbste, ausfallen und neue an ihrer Statt reproducirt werden. Manche, wie die Schnee - hühner ꝛc. mausern sich gar zwey Mahl im Jahr, im Frühling und Herbst. Bey man - chen Gattungen hat der junge Vogel, zumahl vor der ersten Mause (als auis hornotina) andere Farben oder Zeichnungen des Gefieders, als im reisern Alter. Bey manchen herrscht auch hierin große Sexualverschiedenheit.
Die stärksten Federn sind in den Fittigen und im Schwanze. Jene heißen Schwung - federn (remiges), diese Steuerfedern (rectri - ces). Die Schwungfedern bilden bey ausge - spannten Flügeln gleichsam breite Fächer, wo - mit sich die Vögel in die Luft heben und fliegen können. Einige wenige Vögel (aues impen - nes), wie die Pinguine ꝛc. haben gar keine136 Schwungfedern, und sind daher zum Fluge ungeschickt. So fehlen auch einigen Vögeln, wie dem Casuar, den Taucherchen ꝛc. die Steuerfedern.
Im innern Körperbau*)Vom Eigenthümlichen des innern Körperbaues der Vogel habe ich ausführlich in dem Specimen physiologiae comparatae inter animantia calidi san - guinis viuipara et ouipara gehandelt, das im IX. B. der commentation societ. reg. scientiar. Gottingens. p. 108-128. befindlich ist. zeichnen sich die Vögel besonders durch die merkwürdigen Luft - behälter aus, die in ihrem Körper vertheilt, und vorzüglich zum Fluge von äußerster Wich - tigkeit sind. Die mehresten stehen mit den Lungen, andere aber bloß mit dem Rachen in Verbindung, und der Vogel kann sie nach Will - kür mit Luft laben oder ausleeren. Zu diesen Luftbehältern gehören vorzüglich große aber zarte häutige Zellen, die theils im Unterleibe, theils unter den Achseln und sonst noch unter der Haut verbreitet sind, und durchs Einathmen mittelst der Lungen voll Luft gepumpt werden können. Außerdem dienen den Vögeln auch gewisse markleere hohle Knochen, wie die Schulterknocken im Flügel ꝛc. und manchen selbst die Hirnschale, zu gleichen Zwecken. Und endlich sind auch die ungeheuern Schnäbel der Pfefferfraße, Nashornvögel ꝛc. ebenfalls dahin137 gehörig; und selbst die Federspulen stehen mit dem obengedachten lockern Zellgewebe in Ver - bindung, und können gleichfalls mit Luft gefüllt oder ausgeleert werden.
Durch diese merkwürdigen Einrichtungen werden die Vögel zum Flug geschickt, bey welchem die Geschwindigkeit so wohl als die lang anhaltende Dauer gleich merkwürdig sind. Nur wenige Vögel, wie der Straus, der Ca - suar, die Pinguine und andere aues impennes (§. 58) können gar nicht fliegen.
Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe eben so verschieden als der Säugethiere ihrer. Die mehresten leben auf Bäumen, andere auf dem Wasser, sehr wenige bloß auf der Erde: aber kein einziger Vogel (so wie der Maulwurf in der vorigen, und andere Geschöpfe in den beyden letztern Thier-Classen) bloß unter der Erde. Die Bildung der Füße ist auch bey den Vögeln, so wie bey den Säugethieren, ihrem verschiedenen Aufenthalt angemessen. Die meh - resten haben freye, unverbundne Zehen (aues fissipedes) und zwar gewöhnlich ihrer viere, wovon dreye nach vorn, und der vierte gleichsam als Daumen nach hinten gekehrt ist (pedes ambulatorii). Oder aber es sind nur zwey138 Zehen nach vorn, und zweye nach hinten ge - kehrt (p. scansorii); oder der Vogel kann willkürlich die eine Zehe bald vorwärts zu den übrigen zweyen, bald rückwärts zum Daumen schlagen (digitus versatilis). Bey andern ist auch wohl die mittlere Zehe an die eine Seiten - zehe angewachsen (pedes gressorii); oder die Hinterzehe fehlt ganz (p. cursorii). Bey de - nen Vögeln, die keine freye Zehen haben, sind die Zehen entweder nur an der Wurzel (p. se - mipalmati) – oder aber bis vorn an die Spitze (p. palmati) – durch eine Schwimm - haut verbunden; bey andern sind die einzelnen Zehen mit einer lappichten schmalen Haut, die entweder einen glatten (p. lobati), – oder zackigen Rand (p. pinnati) hat, wie mit Fransen eingefaßt.
Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn - platz zu gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar bloß in so fern, daß sie nur wenige Meilen weil in die benachbarten Gegenden strei - chen, und bald darauf in ihre alte Heimath zurückkehren; andere aber wie die Hausschwal - ben, die Kraniche, Störche ꝛc. so, daß sie im Herbst große Wallfahrten, weit übers Meer und über einen beträchtlichen Theil der Erd - kugel weg, anstellen, und den Winter bis zur139 Rückkehr im folgenden Frühjahre in wärmern Zonen zubringen.
Kein Vogel hat Zähne, sondern diese Thiere müssen ihre Speise entweder mit dem Schnabel zerbeissen, oder ganz schlucken. Bey denjenigen samenfressenden Vögeln, die ihre Körner ganz, unzerbissen einschlucken, gelangen diese nicht sogleich in den Magen, sondern werden vorher im drüsenreichen Kropfe (ingluuies, prolo - bus) eingeweicht, und von da nur allmählich an den Magen überlassen der bey diesen Thie - ren äußerst musculös, und so stark ist, daß er sogar, nach Reaumur's u. a. merkwürdigen Versuchen, verschluckte Haselnüsse und Oliven - kerne zu zerdrücken und Münzen so glatt wie Papier abzuscheuern vermag. Sehr viele Vö - gel verschlucken aber auch überdieß noch kleine Kieselsteinchen, die ebenfalls die Zermalmung und nachherige Verdauung der Speisen be - fördern*)Ueber den Zweck und Nutzen weshalb diese Vö - gel solche Steinchen schleichen müssen, sind die Meinungen der Physiologen sehr verschieden. – Manche haben gar gewährt, es geschehe aus Stupidität. – Nach meinen Untersuchungen ist es ein unentbehrliches Hülfsmittel, um die einge - schluckten Körner dadurch zu tödten und ihrer Lebenskraft zu belauben, die sonst der Dige - stionskraft widersteht.. Verschiedene fleischfressende Vögel, wie die Falken, Eulen, Eisvögel ꝛc. können die140 Knochen, Haare und Gräten der kleinen Thiere, die sie verzehrt haben, nicht verdauen, sondern brechen sie, in eine runde Kugel (das Gewölle) geballt, nach der Mahlzeit wieder von sich*)Einen ähnlichen Ursprung haben auch die vulgo sogenannten Sternschnuppen, nämlich die grau - lichweißen, gallertartigen, meist darmförmig ge - wundenen Klumpen die man oft haufenweise auf141 Wiesen ꝛc. antrifft, und halbverdaute Eingeweide von Fröschen sind, die von Krähen und Sumpf - und Wasservögeln wieder ausgebrochen worden – s. Hrn. Persoon in Hrn. Hofr. Voigts neuem Magazin I. B. 2. St. S. 56 u. f..
Zu den besondern Eigenheiten der Sinn - werkzeuge der Vögel in Vergleichung zu den Säugethieren, gehört unter andern der Man - gel der knorpligen zur Auffassung des Schalls dienenden äußern Ohren; der aber, zumahl bey den nächtlichen Raubvögeln, durch die äußerst regelmäßige zirkelförmige Stellung und bestimmte Richtung der Federchen in der Ge - gend des Ohres und bey manchen derselben auch noch überdem durch eine bewegliche Klappe am äußern Gehörgange, ersetzt wird.
Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich u. a. verwandte Gattungen, scheinen den wirkli - chen Sinn des Tastens (d. h. des Gefühle im engern Verstande) zu besitzen; und das Organ dazu ist wohl die welche Bedeckung ihres Schna - bels, die mit ausnehmend starken Hautnerven versehen, und beym lebendigen Thier äußerst empfindlich ist. Auch siebt man, wie die Aenten in den Pfützen, wo sie bey Aufsuchung des Fraßes weder dem Gesichte, noch dem Geruche nachgehen können, mit dem Schnabel wirklich sondiren.
Die Stimme ist zumahl bey den kleinen so genannten Sangvögeln mannigfaltig und an - muthig, doch darf man nicht sowohl sagen, daß sie singen (– denn natürlicher Gesang ist ein ausschließliches Vorrecht des Menschen –) als, daß sie pfeifen. Außer den abgedachten Luft - behältern (§. 59.) kommt ihnen dazu vorzüglich die Einrichtung ihres Kehlkopfs (larynx) zu Statten, der bey den Vögeln nicht bloß, so wie den Säugethieren und Amphibien, am obern Ende, nähmlich an der Zungenwurzel befindlich, sondern gleichsam in zwey abgeson - derte Hälften an die beyden Enden der Luftröhre vertheilt ist. Die Papageyen, Raben, Stahre, Dompfaffen ꝛc. hat man die Menschenstimme nachahmen und Worte aussprechen gelehrt: so wie auch die Sangvögel im Käficht leicht frem - den Gesang annehmen, Lieder pfeifen lernen, und sich sogar zum Accompagnement abrichten lassen, so, daß man mit mehreren Dompfaffen zugleich schon wirklich kleine Concerte hat geben können. Ueberhaupt aber scheint auch der Wald - gesang der Sangvögel doch erst durch Uebung und Nachahmung recht ausgebildet zu werden.
142Die mehresten Vögel begatten sich im Früh - jahr; manche aber, wie der Kreuzschnabel, in der kältesten Jahrszeit nach Weihnachten. Das Hausgeflügel ist gar an keine bestimmte Zeit gebunden, sondern läßt sich Jahr aus Jahr ein zu diesem Geschäft willig finden. Manche hal - len sich nur zur Begattungszeit, andere aber, wie die Tauben, für immer paarweise zusam - men: noch andere aber leben, wie die Hühner, in Polygamie.
Das befruchtete Weibchen wird vom In - stinct getrieben, für die Zukunft zu sorgen, und zu nisten, wovon eigentlich vielleicht bloß der Kuckuck völlig ausgenommen ist. Bey den po - lygamischen Vögeln, wie bey den Hühnerarten, nimmt das Männchen gar keinen Antheil an die - sem Geschäfte; bey denen aber, die sich paarweise zusammen hallen, zumahl unter den Sangvö - geln, trägt es doch Baumaterialien herbey, und verpflegt sein Weibchen während ihrer Arbeit.
Die Auswahl des Ortes, an dem jede Gattung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste ange - messen. Und eben so sorgfältig wählt auch jede Gattung die Baumaterialien zu ihrem Neste.
143Die Form der Nester ist bald mehr bald minder künstlich Manche Vögel, wie die Schnepfen, Trappen, Kibitze ꝛc. machen sich bloß ein dürres Lager von Reisholz, Strohhal - men ꝛc. auf der platten Erde: andere tragen sich nur ein welches kunstloses Bett in Löcher der Mauern, Felsenritzen und hohlen Bäume; so die Spechte Heber, Dohlen, Sperlinge ꝛc. Sehr viele, zumahl unter den Hühnern, Tau - ben und Sangvögeln, geben ihrem Neste die Gestalt einer Halbkugel oder einer Schüssel: andere, wie der Zaunkönig, ungefähr die Form eines Backofens: noch andere, wie manche Meisen, Kernbeißer ꝛc. die von einem Beutel u. s. w. *)Ad. L. Wirsing Sammlung von Nestern und Eyern verschiedner Vögel, beschrieben von Fr. Chr. Günther. Nürnb. 1772. Fol.
Wenn endlich das Geschäft des Nesterbaues vollendet ist, so legt die Mutter ihre Eyer hin - ein; deren Anzahl bey den verschiedenen Gat - tungen der Vögel sehr verschieden ist. Viele Wasservögel z. B. legen jedes Mahl nur ein einziges Ey; die Taucherchen und mehresten Tauben ihrer zweye; die Möven dreye; die Ra - ben viere; die Finken fünfe; die Schwalben sechs bis acht; die Rebhühner und Wachteln vierzehn; das Haushuhn aber, besonders wenn144 man ihm die Eyer nach und nach wegnimmt*)In diesem Fall scheint also das Eyerlegen eine willkürliche Handlung, wodurch es sich folglich vom durchaus unwillkürlichen Gebähren der Säu - gethiere auffallend auszeichnet., bis fünfzig und darüber. Zuweilen geben auch manche Vögel, ohne vorher gegangene Befruch - tung, Eyer von sich, die aber zum Bebrüten un - tauglich sind und Windeyer (oua subuentanea, cynosura, zephyria, hypenemia) heißen.
Die Ausbildung des jungen Thieres, die bey den Säugethieren noch im Mutterleibe voll - zogen wird, muß hingegen bey den Vögeln im schon gelegten Ey, mittelst des Brütens be - wirkt werden. Nur der Kuckuck brütet seine Eyer nie selbst aus, sondern überläßt es den Grasmücken oder Bachstelzen ꝛc. in deren Nest er sein Ey gelegt hat. Hingegen weiß man, daß selbst Copaunen und Hunde, und sogar Menschen Vogeleyer ausgebrütet haben**)Plin L.X. c. 55. „ Linia Augusta, prima sua iuuenta Tiberio Caesare ex Nerone grauida, cum parere virillem sexum admodum cuperet, hoc vsa est puellari augurio, ouum in sinu fouendo, at - que cum deponendum haberet, nutrici per sinum tradendo, ne intermitteretur tepor “. Auch bloß durch künstliche Wärme, und erhitz - ten Mist***)Aristot. hist. animal. L.VI. c. 2. L'art de faire éclerre des oiseaux domestiques, par Mr. de Reaumur. Par. 1741. 3 Vol. 12. (des Abbé Copineau) Ornithotrophie artificielle. Par. 1780. 12., und durch Lampenfeuer in so ge -145 nannten Brüt-Maschinen*)Eine genaue Beschreibung dieser nützlichen gar nicht kostbaren Maschine, und die doch so aus - nehmend interessante und lehrreiche Unterhaltung gewährt, s. in Hrn. Prof. Hollmanns Unterricht von Barometern und Thermometern. Göttingen, 1783. 8. S. 205. u. f. 271. u. f. und in Brutöfen, kann man leicht Hühnchen auskriechen lassen. – Die Vögel werden durchs anhaltende Brüten abgemattet, und nur bey solchen, die sich paar - weise zusammen halten, wie bey den Tauben, Schwalben ꝛc. nimmt auch das Männchen an diesem Geschäfte Antheil. Die Hähne unter den Canarienvögeln, Hänflingen, Stieglitzen ꝛc. überlassen zwar das Brüten bloß ihren Weib - chen, versorgen sie doch aber während der Zeit mit Futter und ätzen sie theils aus dem Kropfe.
Während des Brütens geht nun im Eye selbst die große Veränderung vor, daß das Küchelchen darin allmählig gebildet, und von Tag zu Tag mehr zur Reise gebracht wird. Zu dieser Absicht ist nicht nur der Dotter über - haupt specifisch leichter als das Eyweiß, son - dern auch wiederum diejenige Stelle auf seiner Oberfläche (der so genannte Hahnentritt, cica - tricula), neben welcher das künftige Hühnchen zu liegen kommt, selbst noch leichter als die entgegen gesetzte Seite, so daß folglich bey jeder146 Lage des Eyes doch immer jene Stelle dem Leibe des bebrütenden Vogels zugekehrt ist. Die erste Spur des neuen Küchelchens zeiget sich immer erst eine geraume Zeit nachdem das Brüten seinen Anfang genommen. Beym Hühnerey z. B. kaum vor Ende des ersten Ta - ges: so wie am Ende des zweyten das berühmte Schauspiel der ersten Bewegung des dann noch sehr unvollkommnen Herzchens (das punctum saliens) seinen Anfang nimmt. Zu Ende des fünften Tages sieht man schon das ganze kleine gallertartige Geschöpf sich bewegen. Am vier - zehnten brechen die Federn aus; zu Anfang des funfzehnten schnappt das Hühnchen schon nach Luft; und ist am neunzehnten Tage im Stande einen Laut von sich zu geben.
Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, wo - rin er sich zeigt, unendlich mehr von seiner nach - mahligen Form, wenn er zum Auskriechen reif ist, verschieden als die frühe sie Gestalt des neuempfangenen Säugethiers von seiner nachhe - rigen Bildung. Man kann sagen, das Küchel - chen im Eye gelangt erst durch eine Art von Me - tamorphose zu seiner vollkommenen Gestalt, und das sowohl in Rücksicht einzelner Eingeweide (z. B. des Herzens) als in der Totalbildung.
Unter den mancherley zur bewunderungs - würdigen Oeconomie des bebrüteten Küchelchens dienenden Organen, sind die beyden allerwich - tigsten zwey, sehr gefäßreiche Membranen, die147 zumahl um die Mitte der Brützeit in ganz aus - nehmender Schönheit sich zeigen. – Nähm - lich die Nabelhaut (chorion) die dann unter der Eyerschaale ausgebreitet ist; und die Dot - terhaut (membrana valuulosa vitelli), die mit dem Darmcanal des zarten Geschöpfs zu - sammenhängt. – Jene dient ihm statt der Lungen zum so genannten phlogistischen Proceß (– S. 35 u. f. –) und diese zur Ernährung mittelst des Dotters, der allgemach durch das sich ihm beymischende Eyweiß verdünnt wird. (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 34. –)
Jede Gattung Vögel hat zwar ihre be - stimmte Brützeit von verschiedener Länge, die aber doch nach Verschiedenheit des Clima und der wärmern oder kältern Witterung verzögert oder beschleunigt wird. Beym Huhn ist das Küchelchen gewöhnlich zu Ende des ein und zwanzigsten Tages zum Auskriechen aus dem Eye reif.
Die jungen Vögel werden einige Zeit von der Mutter, und bey denen, die in Monoga - mie leben, auch vom Vater, mit vieler Zärt - lichkeit gefüttert, und zumahl bey den körner - fressenden aus dem Kropfe geätzt, bis sie er - wachsen, und für ihren eigenen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.
148Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ihrer körperlichen Größe, und in Vergleich mit den Säugethieren, ein sehr hohes Alter, und man weiß, daß selbst in der Gefangenschaft Adler und Papageyen über hundert, Stieglitze über 24 Jahre ꝛc. leben können.
Die Vögel sind für die Haushaltung der Natur im Großen ungemein wichtige Geschöpfe, obgleich ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs Menschengeschlecht ohne Vergleich einfacher ist, als der Säugethiere ihre. Sie vertilgen un - zählige Insecten, und das unbedingte Wegfan - gen mancher vermeintlich schädlichen Vögel, der Sperlinge, Krähen ꝛc. in manchen Gegenden, hat meist eine ungleich schädlichere Vermehrung des Ungeziefers nach sich gezogen. Andere ver - zehren größere Thiere, Feldmäuse, Schlan - gen, Frösche, Eidexen ꝛc. oder Aeser. Viele helfen Unkraut ausrotten. Von der andern Seite wird auch die Vermehrung und Fort - pflanzung der Thiere so wohl, als der Ge - wächse, durch Vögel befördert. So weiß man z. B., daß die wilden[Aenten] bey ihren Zügen befruchteten Fischrogen in entfernte Teiche über - tragen, und sie dadurch zuweilen fischreich machen. Sehr viele Vögel verschlucken Sa - menkörner, die sie nachher wieder ganz von sich149 geben, und dadurch die Verbreitung derselben befördern: so z. B. die Tauben auf Banda die Muscatnüsse ꝛc. Der Mist der Seevögel düngt kahle Felsenklippen und Küsten, daß nachher nützliche Gewächse da fortkommen können. Manche Falkengattungen lassen sich zur Jagd, so wie die Scharben zum Fischfang, abrich - ten ꝛc. So sehr viele Vögel, ihre Eyer, ihr Fett ꝛc. dienen zur Speise. Die ganzen Felle der Seevögel zur Kleidung mancher der nörd - lichsten Völker. Die Federn zum Füllen der Betten, zum Schreiben, und zu mancherley Putz, weßwegen sie bey vielen wilden Völkern, zumahl auf den Inseln des stillen Oceans, einen wichtigen Handelsartikel ausmachen.
Der Schade, den die Vögel stiften, läßt sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutzbarer Thiere und Gewächse zurück bringen. Der Condor, der Lämmergeyer u. a. Raubvögel töd - ten Kälber, Ziegen, Schafe ꝛc. Der Fisch - adler und so viele Wasservögel sind den Fischen und ihrem Leich so wie die Habichte, Sperber, Aelstern ꝛc. dem Hausgeflügel gefährlich. Die Sperlinge und andere kleine Sangvögel scha - den der Saat, den Weintrauben und Obstbäu - men u. s. w. Und endlich werden freylich nicht bloß brauchbare Gewächse, sondern auch eben150 so wohl wucherndes Unkraut durch die Vogel verpflanzt. Giftige Thiere finden sich aber in dieser Classe von Thieren eben so wenig, als in der vorigen.
Da die Bildung der Vögel, im Ganzen genommen, ziemlich einförmig ist, und gewisse Theile ihres Körpers, wie der Schnabel und die Füße, die sich auf ihre ganze Lebensart Nahrung ꝛc. beziehen, schon an sich so viel von ihrem Total. Habitus bestimmen; so haben die mehresten Ornithologen auch ihre Classification auf die Verschiedenheit des einen, oder des andern von den genannten Theilen gegründet; Klein z. B. auf die Bildung der Zehen, Möhring auf die Bedeckung der Beine, Brisson auf beides in Verbindung mit der Beschaffenheit des Schnabels u. s. w. Linné nimmt in dem Plan seines Systems der Vögel auch auf die Bildung mehrerer Theile zugleich und so ziem - lich auf den ganzen Habitus, Rücksicht; nur scheint er sich in der Ausführung zuweilen vergessen zu haben: wenigstens begreift man nicht, wie Papageyen, Colibrite und Krähen bey ihm in eine Ordnung verbunden, hinge - gen Tauben und Hühner in zwey Ordnungen von einander gerissen, und mehr Verbindun - gen oder Trennungen dieser Art zugelassen wer - den dursten.
151Ich habe mir also hier einige Abänderung von dem linnéischen System erlaubt, und die ganze Classe in folgende neun Ordnungen abzu - theilen versucht.
I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krummen starken Schnäbeln meist mit kurzen star - ken, knorrigen Füßen, und großen, gebo - genen, scharfen Klauen.
II. Leuirostres. Mit kurzen Füßen, und meist sehr großen, dicken, aber mehrentheils hohlen und daher sehr leichten Schnäbeln. Papageyen, Pfeffervögel.
III. Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig langen und schmalen Schnäbeln, und theils wurmförmiger, theils fadenförmiger Zunge. Wendehals, Spechte, Baumkletten, Co - librite ꝛc.
IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig langem, und ziemlich starkem, oben erha - benem Schnabel. Raben, Krähen ꝛc.
V. Passeres. Die sogenannten Sangvögel nebst den Schwalben ꝛc. Sie haben kurze Füße, und einen mehr oder weniger kegel - förmigen, zugespitzten Schnabel, von ver - schiedner Länge und Dicke.
152VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben etwas erhabenem Schnabel, der an der Wurzel mit einer fleischigen Haut bewachsen ist. Auch die Tauben habe ich unter diese Ordnung gebracht, da sie bey weitem mehr mit den Hühnern als mit den Sangvögeln, denen sie Linné zugesellte, verwandt sind.
VII. Struthiones. Die großen, zum Flug ungeschickten Landvögel. Der Straus, Ca - suar und Dudu.
VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen Füßen, langem, walzenförmigem Schna - bel, und meistens langem Halse.
IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruderfüßen, einem stumpfen, mit Haut überzognen, am Rande meist gezähnelten Schnabel, der sich an der Spitze des Oberkiefers mit einem Häkchen endigt.
Erst also die Landvögel in VII. Ord - nungen.
Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen, scharfen Krallen und starkem, gekrümmtem Schnabel, der meist oben auf der Seite in zwey stumpfe, schneidende Spitzen ausläuft, und an der Wurzel mehrentheils mit einer fleischigen Haut (cera) bedeckt ist. Sie näh - ren sich theils von Aas, theils vom Raube le - bendiger Thiere, leben in Monogamie, nisten an erhabenen Orten, und haben ein wilderndes, widerliches Fleisch.
1. Vultur. Geyer Rostrum rectum, apice aduncum: plerisque caput et col - lum impenne. Lingua bifida.
1. Gryphus der Condor, Cuntur. V. ca - runcula verticali longitudine capitis.
Hauptsächlich im westlichen Südamerica. Hält mit ausgespannten Flügeln auf 15 Fuß in die Breite, und feine Schwungfedern sind am Kiel wohl fingersdick. Er ist schwarz und weiß von Farbe. Nistet zumahl an felsigen Ufern, fliegt ausnehmend hoch, lebt meist vom Raube unter den Viehherden, und von den todten Fischen, die die See auswirft.
2. Papa. der Geyerkönig, Ruttengeyer, Son - nengeyer. V. naribus carunculatis, vertice colloque denudato.
Buffon, oiseaux. Vol. I. tab. 6.
155In Westindien und Südamerica. Nur von der Größe eines welschen Huhns; zumal am Kopf von schönen gelben, rothen und schwarzen Far - ben, mit langen, fleischigen Lappen über dem Schnabel. Kann den nakten Hals ganz in den dickgefiederten Schulterkragen einziehen.
3. †. Barbatus. der Lämmergeyer, Bart - geyer, Goldgeyer. V. rostri dorso versus apicem gibboso, mento barbato.
Anmerk. zu Jac. Bruce's Reisen, V. B. S. 290. tab. 46.
In den tyroler - und Schweizer-Alpen; auch in Sibirien und Habessinien. Der größte euro - päische Vogel, dessen ausgespannte Flügel bey 10 Fuß messen, und der sich vorzüglich durch seinen starkharigen Bart, und durch den befeder - ten Kopf, besonders aber durch den gewölbten Rücken vorn am Oberschnabel von andern Geyern auszeichnet*)Viele unserer neuen Naturforscher, z. B. Büffon, Fortis und andere, auch Bomare, Molina ꝛc. hatten ihn (ganz irrig) für einerley mit dem Condor..
4. Percnopterus. der Aasgeyer. V. remigi - bus nigris margine exteriore practer exti - mas, canis.
Besonders häufig in Palästina, Arabien und Aegypten. Verzehrt unzählige Feldmäuse, Am - phibien ꝛc. Die alten Aegyptier haben diesen Vogel, so wie einige andere ihnen vorzüglich nutzbare Thiere, heilig gehalten, und ihn häufig in ihrer Bilderschrift auf Obelisken, Mumienbe - kleidungen u. s. w. vorgestellt.
1562. Falco. (Span. Açor.) Rostrum aduncum, basi cera instructum; caput pennis tectum; lingua bifida.
1. Serpentarius. der Secretär. (sagittarius.) Fr. le messager.) F. cera alba, cruribus longissimis, crista ceruicali pendula, rectri - cibus intermediis elongatis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 55.
Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philip - pinen. Mit langen Beinen, wie ein Sumpf - vogel*)Daher auch manche Schriftsteller gemeint, er ge - höre eher unter die Sumpfvögel. Ich habe aber ein trefflich ausgestopftes Exemplar im akademi - schen Museum vor mir, und bade den Vogel in London lebendig gesehen; und weiß daher nun aus seinem Bau sowohl als aus seiner Lebensart, daß hier die ganz richtige Stelle ist, die ihm im Systeme gebührt..
2. †. Melanaëtus der schwarzbraune Adler. (Büffon's aigle commun, Engl. the black eagle) F. cera lutea, pedibusque semila - natis, corpore ferrugineo-nigricante, striis flauis.
Frisch tab. 69.
In Europa. Beträchtlich kleiner als der folgende.
3. †. Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler. (Büffon's grand aigle, Engl. the golden eagle.) F. cera lutea, pedibus lanatis luteo-ferrugineis, corpore fusco ferrugineo vario, cauda nigra, basi cinereo vndulata.
Buffon Vol. I. tab I.
157Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen Felsen und versorgt seine Junge mit Wildpret von Ha - sen, Gemsen ꝛc.
4. †. Ossifragus. der Fischadler, der Beinbrecher (Fr. l'orfraie, Engl. the sea-eagle, the osprey.) F. cera lutea pedibusque semila - natis, corpore ferrugineo, rectricibus latere interiore albis.
Buffon Vol. I. tab. 3.
An den europäischen Küsten, auch in Nord - america und theils auf der Südsee. Fast von der Größe des Goldadlers. Lebt fast bloß von Fischen.
3. †. Haliaëtus. der Entenstößer, Moosweih. (Fr. le balbuzard, Engl. the osprey.) F. cera pedibusque caeruleis, corpore supra fusco, subtus albo, capite albido.
Buffon Vol. I. tab. 2.
Mehr an den Ufern der Flüsse als an den See - küsten. Ist oft mit dem Fischadler vermengt worden.
6. †. Milvus. die Weihe, der Gabelgeyer, Mi - lan, Scherschwänzel, Schwalbenschwanz, Taubenfalke. (Fr. le milan, Engl. the kite.) F. cera flaua, cauda forsicata, corpore fer - rugineo, capite albidiore.
Frisch tab. 72.
7. Gentilis. der Edelfalke. (Fr. le faucon, Engl. the falcon.) F. cera pedibusque flauis, corpore cinereo maculis fuscis, cauda fasciis quatuor nigricantibus.
Frisch tab. 74.
In gebirgigen Gegenden der nördlichen Erde; variirt in zahlreichen Spielarten, deren einige158 auch von manchen für besondere Gattungen ange - nommen werden. Wird vorzüglich (so wie frey - lich die folgende und andere verwandte Gattungen dieses Geschlechts auch) zum Fang kleiner Säu - gethiere und Vögel, namentlich in den Morgen - ländern zur Gazellenjagd, und in Europa zur Reiherbeitze abgerichtet.
8. †. Palumbarius. der Habicht, Taubenfalke. (accipiter. Fr. l'autour, Engl. the goose - hawk.) F. cera nigra, margine pedibusque flauis, corpore fusco, rectricibus fasciis pallidis, superciliis albis.
Frisch tab. 81. 82.
Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen Gattung.
9. †. Nisus. der Sperber, Vogelfalke. (Fr. l'épervier, Engl. the sparrow hawk.) F. cera viridi, pedibus flauis, abdomine albo griseo vndulato, cauda fasciis nigricantibus.
Frisch tab. 90. 91. 92.
In Europa.
3. Strix. Eule. Rostrum breue, adun - cum, nudum absque cera; nares barba - tae; caput grande; lingua bifida; pedes digito versatili; remiges aliquot serratae.
1. †. Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohreule. (Fr. le grand duc. E ngl. the great horn - owl, the eagle-owl.) S. auribus pennatis iridibus croceis, corpore rufo.
Frisch tab. 93.
Das größte Thier seines Geschlechts. Im wildern Europa und westlichen Asien.
1592. Nyctea. die Schnee-Eule. S. capite laeui, corpore albido, maculis lunatis distanti - bus fuscis.
daubenton Pl. 458.
In der nördlichsten Erde. ein prachtvolles Thier.
3. †. Ulula. der Steinkauz, die Steineule. (Fr. la chouette, Engl. the brown owl.) S. capite laeui, iridibus croceis, corpore ferrugineo, remige tertio longiore.
Frisch tab. 98.
Hat gleiche Heimath mit dem Uhu.
4. †. Passerina. das Käutzlein (Fr. la chevêche, Engl. the little owl) S. capite laeui, re - migibus maculis albis quinque ordinum.
Frisch tab. 100.
In Europa und Nordamerica.
4. Lanivs. Rostrum rectiusculum, dente vtrinque versus apicem, basi nudum; lingua lacera.
1. †. Excubitor. der Würger, Bergälster. (Fr. la pie-grieche grise, Engl. the great shrike.) L. cauda cuneiformi, lateribus alba, dorso cano, alis nigris macula alba.
Frisch tab. 59.
In Europa und Nordamerica. Ahmt, so wie die folgende Gattung, andrer Vögel Stimme sehr geschickt nach.
2. †. Collurio. der Neuntödter. (Fr. l'ecor - cheur, Engl. the red-backed shrike.) L. cauda subcuneiformi, dorso griseo, rectri -160 cibus quatuor intermediis vnicoloribus, rostro plumbeo.
Frisch tab. 60.
In Europa. Nährt sich hauptsächlich von In - secten, zumahl Käfern, Grashüpfern ꝛc. die er zum Vorrath an Schwarzdorn und anderes dor - niges Gebüsche anspießt.
Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß den wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch die theils sehr großen, dicken, aber in Verhältniß meist sehr leichten Schnäbel, kennt - lich, deren oben (§. 59.), bey Gelegenheit der Luftbehälter gedacht worden.
5. Psittacvs. Papagey, Sittig. (Fr. perroquet, Engl. parrot) Mandibula su - perior adunca, cera instructa; lingua carnosa, integra. Pedes scansorii.
Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gat - tungen dieses Geschlechts eine so überaus einge - schränkte Heimath haben, daß sich, z. B. auf den Philippinen, verschiedene derselben bloß einzig und allein auf der einen oder andern Insel, und hingegen nie auf den noch so nahe liegenden, benachbarten finden. Ueberhaupt haben die Pa - pageyen viel Auszeichnendes, Eigenes in ihrem Betragen. Sie wissen sich z. B. ihrer Füße fast wie Hände zu bedienen, bringen ihre Speise damit zum Munde, krauen sich damit hinter den Ohren, und wenn sie auf dem Boden gehen, so161 treten sie, nicht wie andere Vögel bloß mit den Krallen, sondern mit der ganzen Ferse auf ꝛc. Ihr hakenförmiger Oberschnabel ist eingelenkt und sehr beweglich, und nutzt ihnen zuweilen fast statt eines dritten Fußes zum Klettern, An - halten u. s. w. Beyde Geschlechter lernen leicht Worte nachsprechen, und manche hat man, wenn gleich höchst selten, sogar singen gelehrt.
1. Macao. der Aras, indianische Rabe (Aracanga). P. macrourus ruber, remi - gibus supra caeruleis, subtus rufis, genis nudis rugosis.
Edwards's birds tab. 158.
In Südamerica.
2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari pectoreque rubro, gula nigra.
Edwards 's l. c. tab. 292.
Ist Ostindien.
3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus, crista plicatili flaua.
Frisch tab. 50.
In Ostindien, zumahl auf den Molucken.
4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagey. P. brachyurus canus, temporibus nudis albis, cauda coccinea.
Frisch tab. 51.
Auf Guineea, Congo und Angola.
5. Ochrocephalus (Fr. l'amazone à tête jaune.) P. viridis, vertice flauo, tectricibus alarum puniceis, remigbus ex viridi, nigro, vio - laceo et rubro variis, rectricibus duabus extimis basi intus rubris.
Daubenton Pl. 312.
In Südamerica.
1626. Pullarius. (Fr. l'inseparable.) P. brachyu - rus viridis, fronte rubra, cauda fulua fascia nigra, orbitis cinereis.
Frisch tab. 54. fig. 1.
Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel größer als ein Blutfink. Hat den französischen Nahmen von der Zärtlichkeit, womit die beyden Gatten einander zugethan sind.
6. Ramphastos. Tukan, Pfefferfras. Rostrum maximum, inane, extrorsu serratum, apice incuruatum. Pedes scansorii plerisque.
Der ungeheuere Schnabel, der alle Gattungen dieses sonderbaren Geschlechts südamericanischer Vögel auszeichnet, ist ausnehmend leicht, und von ungemein welchem Horn. Ihre Zunge ist eine halbe Spanne lang, wie von Fischbein, an der Wurzel kaum eine Linie breit, und an den Seiten vorwärts gezasert. Das Gefieder variirt sehr, nach der Verschiedenheit der beyden Ge - schlechter, auch nach dem Alter ꝛc.
1. Tucanus. R. nigricans, rostro flauescente, versus basin fascia nigra, fascia abdomi - nali flaua.
7. Bvceros. Der Nashornvogel, Calao. (hydrocorax.) Rostrum maximum, inane, ad basin versus frontem recuruatum; pedes gressorii.
163Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls abenteuerlich gebildeten Geschlechts, sind in Ost - indien und Neu-Holland zu Hause.
1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali recuruato.
Abbild. n.h. Gegenst. tab. 24.
Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße, und meist einen geraden, nicht dicken Schnabel von mittelmäßiger Länge.
8. Picvs. Specht (Fr. pic. Engl. wood - pecker.) Rostrum polyedrum, apice cu - neato; lingua teres lumbriciformis, lon - gissima, mucronata, apice retrorsum aculeato; pedes scansorii.
Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren Bau der Zunge, daß sich das Zungenbein in zwey lange grätenförmige Knorpel verläuft, die von hinten nach vorn über den ganzen Hirnschä - del unter der Haut liegen, und sich an der Stirne nahe an der Schnabelwurzel endigen. Diese Knorpel sind also gleichsam elastische Federn, mittelst welcher diese Vögel ihre wurmförmige Zunge desto leichter hervorschießen, und an der hornigen Spitze derselben Insecten anspießen können.
1. †. Martius, der Schwarzspecht, gemeine Specht, die Hohlkrähe. P. niger, vertice coccineo.
Frisch tab. 34. fig. 1.
164Nebst den folgenden Gattungen im mildern Europa und nördlichen Asien.
2. †. Viridis. der Grünsprecht, Grasspecht. P. viridis, vertice coccineo.
Frisch tab. 35.
3. †. Maior. Der große Bunt - oder Roth - specht. P. albo nigroque varius, occipite rubro.
Frisch tab. 36.
4. †. Minor. der kleine Bunt - oder Roth - specht. P. albo nigroque varius, vertice rubro.
Frisch tab. 37.
9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acu - minatum; lingua lumbriciformis, lon - gissima, mucronata; pedes scansorii.
1. †. Torquilla. der Drehhals, Wendehals, Natterwindel. (Fr. le torcol, Engl. the wryneck.) F. cauda explanata, fasciis fuscis quatuor.
Frisch tab. 38.
Hat seinen Nahmen von der ungemeinen Ge - lenksamkeit seines Halses, und meist die gleiche Heimath wie die vorgedachten Spechte.
10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subu - latum, teretiusculum, apice compresso, mandibula superiore paullo longiore; pedes ambulatorii.
1. †. Europaea. der Blauspecht (Fr. la sitelle le torchepot, Engl. the nut-hatch, the wood -165 cracker.) S. rectribus nigris, lateralibus quatuor infra apicem albis.
Frisch tab. 39.
In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.
11. Todvs. Rostrum subulatum, depres - siusculum, obtusum, rectum, basi setis patulis; pedes gressorii.
1. Viridis. (Fr. le todier, Engl. the green sparrow.) T. viridis, pectore rubro.
Im mittlern America.
12. Alcedo. Rostrum trigonum, cras - sum, rectum, longum; digitus versatilis.
1. †. Ispida. der Eisvogel. (Alcyon. Fr. le martin pécheur, Engl. the kingsfisher. ) A. supra cyanea, fascia temporali flaua, cauda breui.
Frisch tab. 223.
Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich von Fischen. Vertrocknet (so wie auch der Kreuz - schnabel und vielleicht manche andere Vögel mehr) nach dem Tode leicht, ohne in Fäulniß überzugehen.
13. Merops. Rostrum curuatum compres - sum, carinatum; pedes gressorii.
1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfresser. (Fr. le guépier, Engl. the bee-eater.) M. dorso ferrugineo, abdomine caudaque viridi caerulescente, gula lutea, fascia tempo - rali nigra.
Frisch tab. 222.
Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt von Insecten.
16614. Upupa. Rostrum arcuatum, conue - xum, subcompressum, obtusiusculum; pedes ambulatoii.
1. †. Epops. der Wiedehopf, Rothhahn. (Fr. la hupe, Engl. the hoopoe. ) U. crista variegata.
Frisch tab. 43.
In Europa und Ostindien. Nährt sich von Regenwürmern und mancherley Insecten. Nistet in hohle Bäume, und, wie schon Aristoteles an - merkt, oft auf eine Grundlage von Menschenkoth*)Nozemann en Chr. Sepp Nederlandsche Vogelen. p. 129 sq. .
15. Certhia. Baumläufer. Rostrum arcuatum, tenue, subtrigonum, acu - tum; pedes ambulatorii.
1. †. Familiaris. die Baumklette, der Grüper, Grauspecht, Baumkleber. (Fr. le grim - pereau, Engl. the creeper. ) C. grisea. subtus alba, remigibus fuscis; rectricibus decem.
Frisch tab. 39. fig. 1.
In Europa. Klettert fast wie die Spechte an den Baumstämmen herum, um Insecten und ihre Puppen zu suchen ꝛc.
2. †. Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea, tectricibus roseis, remigibus rectricibusque fuscis, maculis alarum fuluis niueisque.
Das ausnehmend schöne Thier hat Sperlings Größe, und lebt einsam im warmern Europa. Nahmentlich im C. Bern. In Deutschland ists äußerst selten. Nistet in allem Gemäuer, auf Thürmen ꝛc.
1673. Coccinea. C. coccinea, rectricibus remigi - busque nigris.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.
Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche Einwohner mit den Federchen dieses kleinen car - moisinrothen Vogels mancherley prachtvollen Putz, und andere Kleidungsstücke, Helme ꝛc. sogar ganze Mäntel ꝛc. überziehen.
4. Sannio. C. oliuacea, vertice subuiolaceo, remigibus caudaque subfurcata fuscis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 8.
Auf Neu-Seeland.
16. Trochilvs. *)Histoire naturelle des Colibris et des Oiseaux-mou - ches, par. J. B. audebert. Par. seit 1800. fol.Colibri, Honigsau - ger, Blumenspecht. (Fr. oiseau-mouche. Engl. humming bird.) Rostrum subulato - filiforme longum. Mandibula inferiore tubulata, superiore vaginante inferio - rem. Lingua filis duobus coalitis tubu - losa; pedes ambulatorii.
Das ganze Geschlecht ist, soviel man bis jetzt weiß, allein in America zu Hause. Aber nicht bloß im wärmern, sondern theils auch nördlich bis Nutka-Sund und südlich bis zur Westküste von Patagonien.
A) Curuirostres (eigentliche Colibris.)
1. Pella. (Fr. le colibri-topase.) Tr. ruber, rectricibus intermediis longissimis, capite fusco, gula aurata vropygioque viridi.
Edwards tab. 32.
In Guiana. Wohl 6 Zoll lang.
168B) Rectirostres (Fr. oiseaux-mouches.)
2. Minimus. T. rectirostris, corpore viridi nitente, subtus albido; rectricibus laterali - bus margine exteriore albis.
Edwards tab. 105
Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufge - trocknet nur ungefähr 30 Gran wiegt. Sein Nest ist von Baumwolle, und hat die Größe einer Wallnuß; und seine zwey Eyer etwa die von einer Zuckererbse.
3. Mosquitus. der Juwelen-Colibrit. (Fr. le Rubis-topase.) T. viridescens vertice pur - pureo aurato, gutture auroreo rutilo.
Seba. thes. tab. 37. fig. 1.
Stirn und Scheitel des Männchens glänzen mit rubinrothem Feuer, und seine Kehle wie glühendes Gold.
Die Vögel dieser Ordnung haben einen starken, oben erhabenen Schnabel von mittel - mäßiger Größe, und kurze Füße. Sie leben theils von Getreide u. a. Pflanzensamen ꝛc. theils von Insecten, und auch von Aas; und haben mehrentheils ein wilderndes, unschmack - haftes Fleisch.
17. Buphaga. Rostrum rectum, subqua - drangulare: mandibulis gibbis, integris, extrorsum gibbosioribus. Pedes ambu - latorii.
1691. Africana (Fr. le pic boeuf. Engl. the beef - eater.)
Latham Vol. I. P. I. tab. 12.
In Senegambien ꝛc.
18. Crotophaga. Rostrum compres - sum, semiouatum, arcuatum, dorsato carinatum. Mandibula superiore margine vtrinque angulata. Nares peruiae.
1. Ani. (Fr. le bout de petun. Engl. the ra - zorbilled blackbird.) C. pedibus scansoriis.
Latham l. c. tab. 13.
In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Ver - bindung, und es sollen sogar mehrere Weibchen sich zusammen halten und sich ein gemeinschaft - liches Nest bauen, mit einander brüten ꝛc.
19. Corvvs. Rostrum conuexum cultra - tum, nares mystace tectae; pedes am - bulatorii.
1. †. Corax. Der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau. Engl. the raven.) C. ater dorso atro cae - rulescente, cauda subrotunda.
Frisch tab. 63.
Wie die nächstfolgende Gattung fast durchge - hends in beyden Welten. Hat einen überaus scharfen Geruch, raubt Fische, Krebse, junge Enten, selbst junge Hasen ꝛc. schleppt auch an - dere Sachen zu Reste, die er nicht fressen kann.
2. †. Corone. die Raben-Krähe. (Fr. la cor - neille, Engl. the carrion crow.) C. atro - caerulescens totus, cauda rotundata: rectri - cibus acutis.
Buffon Vol. III. tab. 3.
1703. †. Frugilegus. die Saatkrähe, der Ka - rechel. (Fr. le freux, la frayonne. Engl. the rook.) C. ater, fronte cinerascente, cauda subrotunda.
Frisch tab. 64.
In Europa. Ein überaus nützliches Thier, das unzählige Feldmäuse, Engerlinge, Gras - raupen ꝛc. verzehrt.
4. †. Cornix. die Krähe, Nebelkrähe, Hau - benkrähe. (Fr. la corneille mantelée. Engl. the hooded crow, royston crow.) C. cinera - scens, capite iugullo alis caudaque nigris.
Frisch tab. 65.
In der alten Welt. Wird ebenfalls durch die Vertilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar thut doch aber auch den Maisfeldern größen Schaden.
5. †. Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas. Engl. the jackdaw.) C. fuscus, occipite incano, fronte alis caudaque nigris.
Frisch tab. 67.
Im nordwestlichen Europa.
6. †. Glandarius. der Holzheher, Nußbeißer, Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le jeay. Engl. the jay.) C. tectricibus alarum caeruleis, lineis transuersis albis nigrisque, corpore ferrugineo variegato.
Frisch tab. 55.
Im mildern Europa.
7. †. Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le casse noix. Engl. the nut cracker.) C. fuscus alboque punctatus, alis caudaque nigris:171 rectricibus apice albis: intermediis apice detritis.
Frisch tab. 56.
In der nördlichen Erde.
8. †. Pica. die Aelster, Atzel, Aegerste, Hei - ster. (Fr. la pie. Engl. the magpie.) C. albo nigroque varius, cauda cuneiformi.
Frisch tab. 58.
In Europa und Nordamerica. Ein sehr schäd - liches Thier für junges Meyergeflügel.
20. Coracias. Rostrum cultrarum, apice incuruato, basi pennis denudatum; pedes ambulatorii.
1. †. Garrula. die Mandelkrähe, Racke, Blau - racke, der Birkheher. (Fr. le rollier, Engl. the roller.) C. caerulea, dorso rubro, re - migibus nigris.
Frisch tab. 57.
Im mildern Europa und in Nordafrica. Läßt sich in der Erntezeit, wenn die Frucht in Man - deln steht, haufenweise auf den Feldern sehen.
21. Gracvla. Rostrum conuexo-cultra - tum, basi nudiusculum. Lingua integra, acutiuscula, carnosa. Pedes ambulatorii.
1. Religiosa. (Fr. le mainate, Engl. the minor grakle.) G. nigro violacea, macula alarum alba, fascia occipitis nuda, flaua.
Buffon vol. III. tab. 25.
In Ostindien. Hat eine schöne Stimme und lernt leicht Worte nachsprechen.
1722. Quiscula. der Maisdieb. G. nigro-viola - cea, cauda rotundata.
Catesby vol. I. tab. 12.
In Nordamerica.
22. Paradisea. *)Histoire naturelle des Grimpereaux sucriers, des Promerops, et des Oiseaux de Paradis. par L. P. Vieillot, J. B. Audebert et C. Sauvages. Par. seit 1801. fol. Histoire naturelle des Oiseaux de Paradis, des Rolliers et des Promeraps, snivie de celle des Tou - cans et des Barbus. par F. Le-Vaillant. eben das. seit 1801. fol.Paradisvogel (ma - nucodiatta.) Rostrum basi plumis tomen - tosis tectum. Pennae hypochondriorum longiores. Rectrices duae superiores singulares denudatae.
Das Ganze Geschlecht von zahlreichen Gattun - gen hat ein überaus eingeschränktes Vaterland, da es wohl bloß auf Neu-Guinea zu Hause ist, von da diese Thiere als Zugvögel nach den Mo - lucken u. a. benachbarten Inseln streichen. Noch jetzt schneiden die Papus diesen Thieren, die wegen ihres prachtvollen Gefieders in Indien als Putz getragen werden, wenn sie sie zu dieser Ab - sicht verkaufen, die Füße ab, die daher die leicht - gläubigen Alten den Paradisvögeln überhaupt abzusprechen wagten**)J. R. Forster von den Paradisvögeln und dem Phönix; in der indischen Zoologie. Halle, 1795. Folio (2te Ausg.) S. 26. u. f..
1. Apoda. (Fr. l'Émeraude) P. brunnea pen - nis hypochondriis luteis corpore longior - ibus, rectricibus duabus intermediis longis setaceis.
Edwards tab. 110.
17323. Trogon. Curucu. Rostrum capite breuius, cultratum, aduncum, margine mandibularum serratum. Pedes scansorii.
1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus, gula nigra.
Edwards tab. 331.
In Guiana.
24. Bvcco. (Fr. barbu, Engl. barbet.) Ro - strum cultratum, lateraliter compressum apice vtrinque emarginato, incuruato, rictu infra oculos protenso.
1. Collarius. (Capensis Linn.) B. rufus, fascia humerali fulua, pectorali nigra.
Buffon vol. VII tab. 4.
Ebenfalls in Guiana; nicht am Cap.
25. Cvcvlvs. Rostrum teretiusculum Nares margine prominulae. Pedes scansorii.
1. †. Canorus. der Kuckuck. (Fr. le coucou. Engl. the cuckow.) C. cauda rotundata ni - gricante albo-punctata.
Frisch tab. 40. u. f.
In der nördlichen alten Welt; wo er aber doch nur im Frühling und Sommer zu sehen ist. Er bebrütet die zahlreichen Eyer, die er jedes Früh - jahr legt, nicht selbst, sondern legt sie einzeln in die Nester der Grasmücken und Bachstelzen ꝛc. zwischen dieser ihre eigenen Eyer, da sich dann diese kleinen Vögel an seiner Statt dem Brüt - geschäfte unterziehen. Merkwürdig ist, daß seine Eyer nicht größer sind, als dieser so weit klei - nern Vögel ihre, und daß sie auch nicht länger174 als diese bebrütet zu werden brauchen. Der junge Kuckuck wächst aber dagegen sehr schnell, und wirft die mit ihm zugleich ausgebrüteten jun - gen Grasmücken aus ihrem mütterlichen Nest. Sein Winteraufenthalt ist noch nicht ganz zuver - läßig bekannt.
2. Indicator. Der Honigkuckuck, Sengo, Mook. C. cauda cuneiformi fusco-et albido-ma - culata, alis fuscis maculis flauis, pedibus nigris.
Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.
Im südlichern Africa vom Cap landeinwärts, hat seinen Namen von der Fertigkeit, mit wel - cher er, wie der Honig-Dachs (s. oben S. 96.) seine liebste Nah - rung, die wilden Bienennester, aufzusu - chen weiß.
26. Oriolvs. Rostrum conicum, con - vexum, acutissimum, rectum: mandibula superiore paulo longiore, obsolete emar - ginata; pedes ambulatorii.
1. †. Galbula. die Golddrossel, Goldamsel, der Kirschvogel, Bülow, Pirol. (Fr. le loriot. ) O. luteus, pedibus nigris, rectrici - bus exterioribus postice flauis.
Frisch tab. 31.
Hin und wieder in der alten Welt. Das Männchen goldgelb und schwarz, das Weibchen olivengrün. Macht sich ein künstliches, napf - förmiges, sehr dauerhaft zwischen zwey Aestchen befestigtes Nest.
2. Phoeniceus. der Maisdieb. (Engl. the black bird.) O. niger, alarum tectricibus coccineis.
Catesby vol. I. tab. 13.
175Im mildern Nordamerica. Hält sich gemei - niglich zu dem abgedachten Maisdieb (Gracula quiscula.)
3. Jupujuba. (Persicus Linn.) O. niger, dorso postico maculaque tectricum alarum basique rectricum luteis.
Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.
In Brasilien ꝛc. Baut sich, wie die vorige und mehrere andere Gattungen dieses Geschlechts, ein langes beutelförmiges Nest von Schilf und Binsen*)Besonders auch von der tillandsia usneoides, die fast wie Pferdehaar aussieht..
Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen, und kegelförmigem, scharf zugespitztem Schnabel von verschiedner Größe und Bildung. Sie leben in Monogamie, nähren sich von Insecten und Pflanzen-Samen, haben ein zartes, schmackhaf - tes Fleisch, und die meisten von ihnen singen.
27. Alavda. Rostrum cylindrico-subula - tum, rectum, mandibulis aequalibus, basi deorsum dehiscentibus. Vnguis po - sticus rectior digito longior.
1. †. Aruensis. die Feldlerche, Himmelslerche, Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the field - lark, sky-lark.) A. rectricibus extimis176 duabus extrorsum longitudinaliter albis: intermediis inferiore latere ferrugineis.
Frisch tab. 15. fig. 1.
Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich wie Hühner und viele andere so genannte Scharrvögel (aues pulueratrices) im Sande.
2. †. Cristata. Die Haubenlerche, Kobellerche, Heidelerche. (Fr. le cochevis) A. rectrici - bus nigris: extimis duabus margine exte - riori albis, capite cristato.
Frisch tab. 15. fig. 2.
In Deutschland und den benachbarten Ländern.
28. Stvrnvs. Rostrum subulatum, an - gulato-depressum, obtusiusculum: man - dibula superiore integerrima, margini - bus patentiusculis.
1. †. Vulgaris der Staar, die Sprehe. (Fr. l'etourneau. Engl. the stare,[starling].) S. rostro flauescente, corpore nigro punctis sagittatis albis.
Frisch tab. 217.
Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares Thier, das unzählige schädliche Insecten vertilgt.
29. Tvrdvs. Rostrum tereti-cultratum: mandibula superiore apice deflexo, emar - ginato.
1. †. Visciuorus. Die Schnarre, Misteldros - sel, der Ziemer, Mistler. (Fr. la draine. Engl. the missel bird, shrite.) T. dorso fusco, collo maculis albis, rostro flauescente.
Frisch tab. 15.
177Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich von Mistelbeeren, die auch häufig durch sie fort - gepflanzt werden.
2. †. Pilaris. Der Krammetsvogel. (Fr. la litorne, tourdelle. Engl. the fieldsare.) T. rectricibus nigris: extimis margine in - teriore apice albicantibus, capite vropy - gioque cano.
Frisch tab. 26.
Im nördlichen Europa, streicht aber ins süd - liche. Nährt sich vorzüglich von Wachholder - (Krammets -) Beeren.
3. †. Iliacus. Zipdrossel, Rothdrossel. (Fr. le mauvis. Engl. the redwing.) T. alis subtus ferrugineis, superciliis flauescentibus.
Frisch tab. 28.
Im mildern Europa. Glättet sein Nest mit Letten und faulem Holze aus; und da letzteres theils im Finstern leuchtet, so könnte vielleicht so ein qui pro quo den Anlaß zur Erzählung der Alten, von einer ave hercynica noctu lucente gegeben haben.
4. †. Musicus die Sangdrossel, Weindrossel, Weißdrossel. (Fr. la grive. Engl. the throstle song thrush.) T. remigibus basi interiore ferrugineis.
Frisch tab. 27.
Hat ungefähr gleiches Vaterland mit der vori - gen. Zuweilen findet sich eine weißgraue Spiel - art von ihr.
5. Polyglottus. Die americanische Nachtigall, Sinsonte. (Fr. le moqueur. Engl. the mock bird. ) T. fusco-cinereus, subtus albidus, maculis verticis, alarum, et caudae candidis.
Catesby Vol. I. tab. 27.
178In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica ꝛc. Ahmt andrer Vögel Stimme leicht und täu - schend nach.
6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis cau - daque nigris, occipite cristato.
Edwards tab. 20.
Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt un - zählige Zugheuschrecken.
7. †. Merula. die Amsel, Schwarzdrossel. (Fr. le merle. Engl. the blackbird, amzell.) T. ater, rostro palpebrisque flauis.
Frisch tab. 29.
Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich von Wachholderbeeren, hat ein vorzüglich treues Gedächtniß.
30. Ampelis. Rostrum rectum, conue - xum: mandibula superiore longiore, sub - incuruata, vtrinque emarginata.
1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffervo - gel, Sterbevogel, Böhmer. (Fr. le jaseur de Boheme. Engl. the bohemian chatterer.) A. occipite cristato; remigum secundario - rum apice coccineo lanceolato.
Frisch tab. 32.
Im nördlichsten Europa, kommt aber in man - chen Jahren zur Herbstzeit häufig nach Deutsch - land: zumahl auf den Harz.
31. Loxia. Rostrum conico-gibbum; frontis basi rotundatum; mandibula in - ferior margine laterali inflexa.
1. †. Curuirostris. der Kreuzschnabel, Krumm - schnabel, Krünitz, Tannenpapagey. (Fr.179 le bec croisé. Engl. the cross-bill, sheld - apple.) L. rostro forsicato.
Frisch tab. II. fig. 3. 4.
In den Schwarzwäldern der nördlichern Erde. Brütet mitten im Winter zu Ende des Jänners.
2. †. Coccothraustes. der Kernbeißer, Kirsch - fink. (Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch.) L. linea alarum alba, remigibus mediis apice rhombeis, rectricibus latere tenuiore baseos nigris.
Frisch tab. 4. fig. 2. 3.
Hin und wieder in Europa.
3. †. Pyrrhula. der Dompfaff, Blutfink Lie - big, Gimpel (rubicilla, Fr. le bouvreuil Engl. the bullfinch.) L. artubus nigris, rectricibus caudae remigumque posticarum albis.
Frisch tab. 2. fig. 1. 2.
In der nördlichern alten Welt, Beide Ge - schlechter lernen leicht Lieder pfeifen, selbst ein - ander accompagniren, und sogar Worte aussprechen.
4. Gregaria. L. ex grifeo flauescens, fronte oliuacea, nucha, humeris, alis et cauda fuscis.
Paterson's journeys pag. 133.
Am Cap, wo Herden von mehreren hunder - ten ihre Nester auf einem Baum dicht zusammen bauen, und das wunderbare Gebäude mit einem gemeinschaftlichen überhängenden Dache bedecken.
5. Pensilis. L. viridis, capite et gutture fla - vis, fascia oculari viridi, abdomine grifeo, rostro, pedibus cauda remigibusque nigris.
Sonnerat voy. aux Indes T. II. tab. 112.
180Ebenfalls am Cap. Bauet auch eins der wun - dersamsten Nester, am Wasser, fast retortenförmig mit einer abwärts hängenden Nebenröhre zum Ein - und Ausflug, deren Mündung nahe über der Wasserfläche zu hängen kommt.
6. Cardinalis. der indianische Haubenfink, die virginische Nachtigall. (Engl. the red bird.) L. cristata rubra, capistro nigro, rostro pedibusque sanguineis.
Frisch tab. 4. fig. 1.
In Nordamerica, und wegen seines rothen Gefieders und seines Gesanges häufig nach Europa gebracht.
7. †. Chloris. der Grünfink, Grünling, Grün - schwarz, die Zwuntsche. (anthus, florus. Fr. le verdier. Engl. the greenfinch.) L. flauicanti-virens, remigibus primoribus an - tice luteis, rectricibus lateralibus quatuor basi luteis.
Frisch tab. 2. fig. 3. 4.
Hin und wieder in Europa.
32. Emberiza. Ammer. Rostrum coni - cum, mandibulae basi deorsum a se in - vicem discedentes: inferiore lateribus inflexo-coarctata, superiore angustiore.
1. Nivalis. die Schneeammer, der Schnee - vogel. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the snow bunting.) E. remigibus albis, primo - ribus extrorsum nigris: rectricibus nigris, lateralibus tribus albis.
Frisch tab. 6. fig. 1. 2.
In der nördlichsten Erde. Kommt nur zum Ueberwintern nach Deutschland, wo er sich aber181 zuweilen mit ein Mahl in unermeßlichen Zügen sehen läßt.
2. †. Miliaria. Die graue Ammer. (Fr. le proyer. Engl. the bunting.) E. grisea, subtus nigro maculata, orbitis rufis.
Frisch tab. 6. tab. 4.
Meist durch ganz Europa.
3. †. Hortulana. der Ortolan, Kornfink, die Fettammer, windsche Goldammer. E. remigibus nigris, primis tribus margine albidis; rectricibus nigris, lateribus dua - bus extrorsum nigris.
Frisch tab. 5. fig. 3. 4.
In den wärmern Gegenden von Europa und dem benachbarten Asien.
4. †. Citrinella. Die Goldammer, Gelbgans, der Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the yellow kammer.) E. rectricibus nigrican - tibus; extimis duabus latere interiore ma - cula alba acuta.
Frisch tab. 5. fig. 1. 2.
Meist durch ganz Europa.
5. Aureola. E. citrina, vertice, torque dorso - que spadiceis, crisso albido, rectricibus duabus vtrinque extimis fascia obliqua alba.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 56.
In Sibirien, bis Kamtschatka.
6. Paradisea. die Witwe. (Fr. la veuve à collier d'or. Engl. the whidah bird.) E. fusca, pectore rubro, rectricibus interme - diis quatuor elongatis acuminatis: duabus longissimis, rostro rubro.
Edwards tab. 86.
182Hat den englischen, nachher in andern Spra - chen aus Mißverstand verunstalteten Nahmen von seiner Heimath, dem Königreich Whydah (oder Judah) auf der guineischen Küste.
33. Tanagra Rostrum conicum, acu - minatum, emarginatum, basi subtrigo - num, apice decliue.
1. Iacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec d'argent, Engl. the red-breasted blackbird.) T. atra, fronte, iugulo pectoreque coccineis.
Edwards tab. 267.
In Westindien und dem benachbarten America.
34. Fringilla. Fink. Rostrum conicum rectum acuminatum.
1. †. Caelebs. der Buchfink, Gartenfink, Rothfink. Waldfink. (Fr. le pinçon. Engl. the chaffinch. ) F. artubus nigris, remigibus vtrinque albis, tribus primis immaculatis: rectricibus duabus oblique albis.
Frisch tab. 1. fig. 1. 2.
In Europa und Africa; hat mannigfaltigen Gesang, so daß oft die Finken in einem Revier von sechs oder mehr Meilen in die Runde über - ein, und in benachbarten Gegenden wieder an - ders schlagen.
2. †. Montifringilla. der Bergfink, Tannen - fink, Rothfink, Mistfink, Schneefink, Winterfink, Quäkfink, Böheimer. (Fr. le pinçon d'Ardennes. Engl. the bramble.) F. alarum basi subtus flauissima.
Linné fauna suec. tab. 2. fig. 198.
183Im nördlichen Europa. Kommt, wenn die Buchmast gut gerathen, im Spätherbst zu vielen Tausenden nach manchen Gegenden Deutschlands.
3. Niualis. der Schneefink. (Fr. la niverolle. ) F. fusca, subtus niuea, remigibus secunda - riis tectricibusque albis.
Brisson vol. III. tab. 15. fig. I.
Auf dem Caucasus, und in den europäischen Alpen.
4. †. Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. (Fr. le chardonneret. Engl. the goldfinch, the thistlefinch.) F. fronte et gula coccineis, remigibus antrorsum flauis: rectricibus duabus extimis medio, reliquisque apice albis.
Frisch tab. 1. fig. 3. 4.
Fast durch ganz Europa und in den benachbar - ten Ländern der übrigen alten Welt. Gibt mit der Canarien-Sie schöne Bastarde*)Frisch tab. 12. fig. 5..
5. Amandaua. der Finke von Bengalen. (Fr. le Bengali piqueté. Engl. the Amedabad finch.) F. fusca refescensque albo punctata.
Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.
In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man behauptet, gelb seyn sollen, habe ich bey denen, die ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht bestätigt gefunden.
6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem Zucker - vöglein. (Fr. le serin de Canarie) F. rostro albido, corpore subfusco, pectore flauescente rectricibus remigibusque virescentibus.
Frisch tab. 12. fig. 1-4.
184Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhun - derts aus den canarischen Inseln zuerst nach Eu - ropa gebracht worden zu seyn; ist aber seitdem daselbst in mancherley Varietäten ausgeartet. Die wilde Stamm-Rasse ist bräunlich-grau mit gelber Brust. Unter den übrigen sind besonders die mit der Holle oder Federbüschchen auf dem Kopfe (so genannte Rapp-Vögel), und die Kackerlacken mit rothen Augen zu merken.
7. †. Spinus. der Zeisig, Erlenfink. (liguri - nus, acanthis. Fr. le tarin. Engl. the siskin.) F. remigibus medio luteis: primis quatuor immaculatis, rectricibus basi flauis, apice nigris.
Frisch tab. 11. fig. 1. 2.
Nistet in den Gipfeln der hohen Tannen und Fichten in dichten Schwarzwäldern; daher sein NEst selten gefunden wird*)Günthers Nester und Eyer verschiedner Vögel durch Wirsing. Taf. X..
8. †. Cannabina. der Hänfling, Leinfink, die Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the greater linnet.) F. remigibus primoribus rectricibus - que nigris, vtroque margine albis.
Frisch tab. 9. fig. 1. 2.
In Europa und Nord-America.
9. †. Linaria. das Citrinchen, der Flachs - fink, Carminhänfling. (Fr. le sizerin. Engl. the lesser linnet.) F. remigibus rectri - cibusque fuscis, margine obsolete pallido, litura alarum albida.
Frisch tab. 10. fig. 3. 4.
In der ganzen nördlichen Erde.
18510. †. Domestica. der Sperling, der Spatz. (Fr. le moineau, Engl. the sparrow.) F. remigibus rectricibusque fuscis, gula nigra, temporibus ferrugineis.
In ganz Europa und den benachbarten Län - dern der übrigen alten Welt fast allgemein ver - breitet. Doch, daß er sich in einzelnen Gegenden, wie z. B. an manchen Orten in Thüringen (und zwar auch an solchen, wo es doch weder an Laubholz noch Obststämmen ꝛc. fehlt) nicht findet. Er ist sehr wollüstig, und brütet vier Mahl im Jahre. Freylich für Gärten und Feld ein schäd - liches Thier, das aber doch auch unzähliges Ungeziefer vertilgt. Zuweilen finden sich ganz weiße Sperlinge.
35. Mvscicapa (Fr. gobe mouche. Engl. flycatcher.) Rostrum subtrigonum vtrin - que emarginatum, apice incuruo; vi - brissae patentes versus fauces.
1. †. Atricapilla. der Fliegenschnäpper. M. nigra subtus frontisque macula alarumque speculo albis, rectribus lateralibus extus albis.
Frisch tab. 24. fig. 1.
Hin und wieder in Europa.
36. Motacilla. Rostrum subulatum rectum: mandibulis subaequalibus.
1. †. Luscinia. die Nachtigall, Philomele. (Fr. le rossignol. Engl. the nightingale.) M. rufo-cinerea, armillis cinereis.
Frisch tab. 21. fig. 1. 2.
In den mildern Erdstrichen von Europa und Asien. Kommt im April in unsern Gegenden186 an. Zu Ende des Augusts ziehen sie wieder von uns, man weiß noch nicht gewiß, wohin; we - nigstens, so viel bekannt, nicht nach Africa.
2. †. Curruca. die Grasmücke, der Hecken - schmatzer, Weidenzeisig. (Fr. la fauvette. Engl. the hedge sparrow.) M. supra fusca, subtus albida, rectricibus fuscis: extima margine tenuiore alba.
Frisch tab. 21 fig. 3.
Im mildern Europa.
3. †. Ficedula. die Beccafige. M. subfusca, subtus alba, pectore cinereo maculato.
Frisch tab. 22. fig. 3. 4.
Im mildern und wärmern Europa, zumahl auf Cyprus, von wannen sie wegen ihres schmack - haften Fleisches weit verführt wird.
4. †. Alba. das Ackermännchen, die weiße oder graue Bachstelze. (Fr. la lavandiere. Engl. the white waterwagtail.) M. pectore nigro, rectricibus duabus lateralibus di - midiato-oblique albis.
Frisch tab. 23. fig. 4.
Meist in der ganzen alten Welt.
5. Calliope. M. mustelina, oliuaceo-macu - lata, subtus ex flauescente alba, gula miniata, linea alba nigraque oincta, loris nigris. superciliis albis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 45.
6. †. Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch. (Fr. la fauvette à tête noire. Engl. the black-cap.) M. testacea, subtus cinerea, pileo obscuro.
Linné fauna suecica tab. 1. fig. 256.
Im mildern Europa.
1877. †. Phoenicurus. das Schwarzkehlchen. (Fr. le rossignol de muraille. Engl. the redstart.) M. gula nigra, abdomine caudaque rufis, capite dorsoque cano.
Frisch tab. 19. fig. 1.
Hat meist gleiches Vaterland mit der Nach - tigall; kommt und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr.
8. †. Rubecula. das Rothkehlchen, Roth - brüstchen, der Rothbart. (erithacus Fr. le rougegorge. Engl. the red breast.) M. grisea, gula pectoreque ferrugineis.
Frisch tab. 19. fig. 2.
Meist in ganz Europa. Bleibt auch über Win - ter bey uns.
9. †. Troglodytes. der Zaunkönig, Zaun - schlupfer, Schneekönig, Winterkönig. (Engl. the wren.) M. grisea, alis nigro cinereoque vndulatis.
Frisch tab. 24. fig. 3.
In der nördlichern Erde. Macht sich ein be - decktes Nest, fast in Gestalt eines Backofens*)Nozemann en Sepp Nederlandsche Vogelen. tab. 59. pag. 111., und legt zahlreiche Eyer.
10. †. Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le roitelet.) M. remigibus secundariis exteriori margine flauis, medio albis, crista verti - cali crocea.
Frisch tab. 24. fig. 4.
Ebenfalls in der nördlichern Erde. Der kleinste europäische Vogel.
18811. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota pallide lutea.
J. R. Forsters Indische Zoologie tab. 8.
In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat den Nahmen von der merkwürdigen Art, wie er sein Nest aus Baumblättern verfertigt, da er einige dürre Blätter an ein grünes am äußersten Ende eines Zweiges gleichsam annähet, so daß dadurch eine tutenförmige Höhlung gebildet wird, die er mit Flaumen ꝛc. ausfuttert.
37. Pipra. Manakin. Rostrum capite breuius, basi subtrigonum integerrimum, apice incuruum. Pedes gressorii.
1. Rupicola. (Fr. le coq de roche.) P. crista erecta margine purpurea, corpore croceo, tectricibus rectricum truncatis.
Edwards tab. 264.
In Guinea ꝛc.
38. Parvs. Meise. (Fr. mesange, Engl. titmouse.) Rostrum integerrimum, basi setis tectum.
1. †. Maior. die Kohlmeise, Brandmeise. (Fr. la charbonniere. Engl. the great tit - mouse.) P. capite nigro, temporibus albis, nucha lutea.
Frisch tab. 13. fig. 1. 2.
Meist durch die ganze alte Welt. Ein muthi - ges Thier, das weit größere Vögel anfällt, an - dern kleinen Sangvögeln die Köpfe aufhackt ꝛc. Man hat bey dieser und andern über Winter bey uns bleibenden Gattungen dieses Geschlechts angemerkt, daß dann das Horn ihres Schnabels189 weit härter wird als im Sommer, das ihnen beym Auspicken ihres Futters aus dem gefrornen Erdreich zu passe kommt.
2. †. Caeruleus. die Blaumeise, Pimpelmeise, Jungfernmeise, der Blaumüller. (Fr. la mesange bleue. Engl. the nun.) P. remigi - bus caerulescentibus; primoribus margine exteriore albis, fronte alba, vertice caeruleo.
Frisch tab. 14. fig. 1.
Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr ein unzählige Insecten.
3. †. Caudatus. die Schwanzmeise, Moor - meise, Schneemeise. (Fr. la mesange à longue queue. Engl. the longtailed titmouse.) P. vertice albo, cauda corpore longiore.
Frisch tab. 14. fig. 3.
In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eyer, baut sich ein sackförmiges Nest*)Nozemann en Sepp l. c. tab. 26. p. 49. von Moos, Wolle ꝛc. und bekleidet es von außen mit den nähmlichen Baumkrätzen u. a. Moosen, womit der Baum, an dessen Stamm sie es angelegt, bewachsen ist.
4. †. Biarmicus. das Bartmännchen, der indianische Sperling. (Fr. le moustache. Engl. the bearded titmouse.) P. vertice cano, cauda corpore longiore, capite barbato.
Frisch tab. 8. fig. 3.
Im nordwestlichen Europa, England ꝛc.
5. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendulin - meise, der Remitz, Cottonvogel. (Fr. la mesange de Pologne.) P. capite subferrugi -190 neo, fascia oculari nigra, remigibus rectri - cibusque fuscis margine vtroque ferrugineo.
J. D. Titii parus minimus Remiz descri - ptus. Lips. 1755. 4. tab. 1. 2.
Hin und wieder in Ober-Italien, Polen, Sibirien ꝛc. Baut sich ein beutelförmiges Nest von Pappelwolle ꝛc. das sie an einem dünnen Aste aufhängt.
39. Hirvndo. Schwalbe. Rostrum mi - nimum incuruum, subulatum, basi de - pressum.
Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer Bildung durch ihre Lebensart ꝛc. gar sehr von den übrigen Thieren dieser Ordnung aus. Die bekannte Streitfrage über den Winteraufenthalt unserer hieländischen Schwalben, zumahl der bey - den ersten Gattungen, ist nach allem, was darüber geschrieben worden, doch noch nicht vollkommen ins Reine. Schade, daß bey den für die eine*)Die Gründe für das Wegziehen der Schwalben nach wärmern Gegenden hat zumahl Büffon's Gehülfe Guenau de Monbeillard vollständig zusammengestellt und geprüft, in der hist. des oiseaux. vol. VI. p.557. oder für die andere**)Einer der eifrigsten Vertheidiger des Winterschlafs der Schwalben ist Daines Barrington; in s. miscellanies. p.225.Drey verschiedene Aufsätze zur Behauptung der gleichen Meinung finden sich in den Memoirs of the American Academy of arts and sciences zu Boston. Vol. I. p. 494. Vol. II. P. I. p. 93 und 94. Behauptung angeführten Erfahrungen, die Gattungen, an welchen sie ge - macht worden, nicht bestimmt genug angegeben191 sind. In dubio doch aber immer das Weg - ziehen derselben nach wärmern Gegenden bey weiten die mehreste Wahrscheinlichkeit für sich.
1. †. Domestica. die Rauchschwalbe, Feuer - schwalbe. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hi - rondelle de cheminée. Engl. the house-swal - low, chimney-swallow.) H. rectricibus, exceptis duabus intermediis, macula alba notatis.
Frisch tab. 18. fig. 1.
Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitet - sten Vögel auf Erden. Die Benennungen dieser und der folgenden Gattung sind bey den Systema - tikern aufs seltsamste vermengt und verwechselt worden. Hier diese, mit den nakten unbefiederten Füßen und weißgefleckten Steuerfedern, heißt füglich die Stadtschwalbe, da sie öfter als die folgende in den Städten sich findet. Sie baut ihr offenes Nest (– das oft von Wanzen wim - melt –) an die Dachgiebel, Ställe, Scheuern, und auf den Dörfern in den Hausären und unter die Rauchfänge.
2. †. Agrestis. die Hausschwalbe, Fenster - schwalbe, Mehlschwalbe, Sprrschwalbe. (hirundo vrbica Linn. Fr. l'hirondelle de muraille, le martinet à cul blanc. Engl. the martin.) H. pedibus hirsutis, rectrici - bus immaculatis, dorso nigro caerulescente, tota subtus alba.
Frisch tab. 17. fig. 2.
Zumahl in der nördlichen Erde. Nistet meist auf den Dörfern außerhalb der Häuser unterm Dache, an den Kirchfenstern ꝛc. Macht ihr Nest aus Lehm-Klümpchen, oben zugewölbt.
1923. †. Riparia. die Uferschwalbe, Erdschwalbe. (Fr. l'hirondelle de rivage. Engl. the sand - martin, shore bird.) H. cinerea, gula ab - domineque albis.
Frisch tab. 18. fig. 2.
Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sand - hügeln ꝛc.
4. Esculenta. die Salangane. H. rectricibus omnibus macula alba notatis.
Von der Größe eines Zaunkönigs. Auf den sundaischen u. a. Inseln des indischen Archipe - lagus bis Neu-Guinea ꝛc. Baut da in die Ufer - löcher und Berghöhlen die berufnen indianischen oder Tunkinsnester, deren Stoff der Hausenblase ähnelt und vermuthlich aus halbverdauten, da - durch für Fäulung gesicherten und so regurgitirten molluscis besteht. Man sammelt jährlich wohl vier Millionen dieser Nestchen, die größtentheils nach Schina verkauft werden.
5. †. Apus. die Mauerschwalbe, Steinschwalbe, Thurmschwalbe. (Fr. le martinet. Engl. the black martin, swift.) H. nigricans, gula alba, digitis omnibus quatuor anticis.
Frisch tab. 17. fig. 1.
In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.
40. Caprimvlgvs. Rostrum modice incuruum, minimum, subulatum, basi depressum; vibrissae ciliares. Rictus amplissimus; vnguis intermedius intror - sum ciliatus.
1. †. Europaeus. die Nachtschwalbe, Hexe, der Ziegenmelker, Ziegensauger, Nachtrabe,193 Tagschläfer. (nycticorax. Fr. l'engoulevent. Engl. the goatsucker, night-raven.) C. na - rium tubis obsoletis.
Frisch tab. 101.
In der alten Welt. Ein animal nocturnum, das im Flug seine schnurrende Stimme hören läßt. Es lebt von Insecten, besonders von Nachtfaltern ꝛc. und die alte Sage, daß es den Ziegen die Milch aussauge, ist ungegründet.
Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße und einen convexen Schnabel, der an der Wurzel mit einer fleischigen Haut überzogen ist, und dessen obere Hälfte zu beyden Seiten über die untere tritt. Sie nähren sich meist von Pflanzensamen, die sie im Kropfe ein - weichen; leben in Polygamie, legen zahlreiche Eyer; und geben das mehreste Hausgeflügel.
41. Columba. Taube. (Fr. und Engl. pigeon.) Rostrum rectum versus apicem descendens.
a) Cauda aequali modica.
1. †. Oenas. die Haustaube, Feldtaube, Holz - taube. (vinago, livia. Fr. le biset. Engl. the stock dove.) C. caerulescens, ceruice viridi nitente, dorso postico albo, fascia alarum apiceque caudae nigricante.
Die Holztaube ist meist in der ganzen alten Welt zu Hause. Die in Norden ziehen im Herbst194 nach etwas südlichern Gegenden. Die in mil - dern Erdstrichen hingegen überwintern scharen - weise in Felsen-Klüften, kohlen Bäumen ꝛc. Das wilde Weibchen brütet zwey Mahl im Jahre, die Haustaube hingegen neun bis zehn Mahl, so daß man von einem einzigen Paar binnen vier Jahren 14762 Tauben ziehen könnte. Die vor - züglichsten Abarten (wovon doch manche für besondere Gattungen angesehen werden) sind folgende:
a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le pi - geon pattu, Engl. the rough-footed dove. ) mit langbefiederten Füßen. Frisch tab. 145.
b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer. (Fr. le pigeon à grosse gorge, le grand - gosier, Engl. the cropper pigeon. ) mit theils ungeheuerem Kropfe. Frisch tab. 146.
c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon cravate, à gorge frisée. Engl. the turbit. ) mit krausen Brustfedern und ganz kurzem Schnabel. Frisch tab. 147.
d) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon culbutant, Engl. the tumbler. ) mit glat - tem Kopf und einem kahlen rothen Augen - ring: überschlägt sich im steigenden Fluge. Frisch tab. 148.
e) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube. (Fr. le pigeon nonain, Engl. the jacobine. ) mit vorwärts gerichtetem Kopf-Busche. Frisch tab. 150.
f) laticauda, die Pfauentaube, der Hüh - nerschwanz. (Fr. le pigeon paon, Engl. the shaker. ) mit aufrechtem, ausgebreitetem Schwanze. Frisch tab. 151.
195g) tabellaria. die Posttaube, Brieftaube, türkische Taube. (Fr. le pigeon messager, Engl. the carrier pigeon. ) mit rothen Fleischwarzen um den Schnabel und die Au - gen herum. Diese Taubenart hat ihren Nahmen daher, weil man sich ihrer vorzüg - lich ehedem in der Levante bediente, um Briefe zu überschicken*)S. den göttingischen Taschen-Kalender 1790..
2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens, supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta, humeris ferrugineis.
Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.
Auf Neu-Guinea und den benachbarten In - seln. Fast von der Größe des welschen Hahns.
3. †. Palumbus, die Ringtaube, große Holz - taube, Schlagtaube, Plochtaube, Kohl - taube, Holztaube. (Fr. le pigeon ramier, Engl. the ring-dove.) C. rectricibus postice atris, remigibus primoribus margine exte - riore albidis collo vtrinque albo.
Frisch tab. 138.
Meist in ganz Europa.
4. † Turtur. die Turteltaube. (Fr. la tourterelle, Engl. the turtle-dove.) C. rectricibus apice albis, dorso griseo, pectore incarnato, macula laterali colli nigra lineolis albis.
Frisch tab. 140.
In den warmen und mildern Gegenden der alten Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit und ehelichen Treue die fabelhaften Uebertreibun - gen abgerechnet, haben sie darin nichts vor an - dern Vögeln ähnlicher Lebensart voraus.
1965. †. Risoria. die Lachtaube. (Fr. la tourterelle à collier, Engl. the indian tourtle.) C. supra lutescens lunula ceruicali nigra.
Frisch tab. 141.
Im mildern Europa und in Ostindien.
b) Cauda longiore cuneata.
6. Migratoria. die Zugtaube. C. orbitis de - nudatis sanguineis, pectore ruso.
Frisch tab. 142.
Im nordöstlichen America. Macht, zur Zeit ihrer unermeßlichen Züge, eine Haupt-Nahrung der dasigen Indianer aus, die auch Tausende derselben räuchern und dörren.
42. Tetrao. (Engl. grous.) Macula prope oculos nuda, papillosa.
1. †. Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille, Engl. the quail.) T. pedibus nudis, cor - pore griseo maculato, superciliis albis, rectricibus margine lunulaque ferruginea.
Frisch tab. 117.
Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel, der sich im Zug zuweilen in zahlloser Menge sehen läßt.
2. †. Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr. la perdrix grise. Engl. the partridge.) T. pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc - cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore subfusco.
Frisch tab. 114.
Im mittlern Europa und in den mildern Ge - genden des asiatischen Rußlands.
3. †. Rufus. (Fr. la perdrix rouge, la barta - velle.) T. pedibus nudis calcaratis rostroque197 sanguineis, gula alba cincta fascia nigra albo punctata.
Daubenton planch. enlum. 231.
Im südlichen Europa und Orient. Wird aus den Inseln des Archipelagus als Meyergeflügel gehalten.
4. †. Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la gelinole.) T. pedibus hirsutis, rectricibus cinereis punctis nigris fascia nigra; exceptis inter - mediis duabus.
Buffon vol. II. tab. 7.
Lebt einsam in den Haselgebüschen des mittlern Europa.
5. Lagopus. das Schneehuhn, Rype. (Fr. la gelinote blanche. Engl. the white game.) T. pedibus lanatis, remigibus albis, rectri - cibus nigris, apice albis; intermediis albis.
Frisch tab. 110. 111.
In den alpinischen und nördlichsten Gegenden der alten und neuen Welt. Ist im Sommer von grauer Farbe. Nahmentlich ein überaus wichti - ges Thier für die europäischen Colonisten in La - brador und Grönland.
6. †. Tetrix. der Birkhahn. (Fr. le petit te - tras, Engl. the black cock.) T. pedibus hir - sutis, cauda bifurcata, remigibus secunda - riis basin versus albis.
Frisch tab. 109.
In der nördlichern alten Welt.
7. †. Vrogallus. der Auerhahn. (Fr. le coq de bruyere, tetras. Engl. the cock of the wood.) T. pedibus hirsutis, cauda rotun - data, axillis albis.
Frisch tab. 107. 108.
198Im nördlichern Europa, hat ein äußerst schar - fes Gesicht und Gehör. Seine Zunge und oberer Kehlkopf liegen tief unten im Halse.
43. Nvmida. Caput collo compresso co - lorato cornutum: palearia carunculacea ad latera maxillae vtriusque.
1. Meleagris. das Perlhuhn. (Fr. la peintade. Engl. the guiney hen.) N. rostro cera in - structo nares recipiente.
Frisch tab. 126.
In Africa einheimisch, aber auch längst nach Europa und viele Gegenden von America verflanzt.
44. Phasianvs. Genae cute nuda lae - vigata.
1. †. Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq, Engl. the cock.) Ph. caruncula compressa verticis geminaque gulae, auribus nudis, cauda compressa ascendente.
Die vermutliche wilde Stammrasse*)Sonnerat voyag. aux Indes. vol. II. tab. 94. 95. ist in Hindustan zu Hause; von rothbrauner Farbe; und zeichnet sich durch flache hornichte Blättchen an den Spitzen der Hals - und Flügelfedern aus (die den zinnoberrothen Flügelblättchen des Seidenschwanzes ähneln). Der Haushahn hin - gegen ist meist über die ganze Erde verbreitet. Doch ist er erst durch die Spanier nach America gebracht: hingegen auf vielen Inseln der Südsee bey ihrer Entdeckung von den Europäern schon vorgefunden worden. Das Huhn ist bey der Menge Eyer, die es legt, und seinem oftmah - ligen Brüten eins der allernutzbarsten Thiere der199 ganzen Classe. Und die Hahnen-Gefechte längst und in mehreren Welttheilen ein beliebtes Volksschauspiel.
Die Hühner sind, unter den Hausthieren dieser Classe in die allermannigfaltigsten und auffallend - sten Rassen und Spielarten degenerirt. Theils in wahre zum erblichen Schlag gewordene Mon - strositäten*)Von der bekannten, aber doch immer physiologisch - merkwürdigen Künsteley, einem Hahne seinen Sporn auf den Kopf einzupfropfen, s. Duhamel in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris vom Jahr 1746. S. 349 u. f.; sowohl per defectum (– s. oben S. 22 –), wie der ungeschwänzte Bluthahn; als per excessum (– a. a. O. –), wie z. B. mit 5 oder gar 6 Zehen**)Sogar, daß bey den sogenannten Hollen - oder Hauben-Hühnern, mit dem dichten Federbusch auf dem Kopfe, der Stirntheil der Hirnschale zu einer monströsen Blase ausgetrieben wird. Eine erbliche Abweichung des Bildungstriebes, die meines Wissens in der Naturgeschichte die einzige in ihrer Art ist..
Unter den übrigen Abarten verdienen besonders bemerkt zu werden:
a) der Paduanerhahn, wohl noch einmal so groß als der gemeine Haushahn.
b) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum halb so groß als der gemeine.
c) Der krause Hahn, friesländische Hahn, mit krausen lockigen Federn.
d) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina ꝛc. Seine Federn sind schlicht, fast wie Haare, daher die Fabel von Bastarden, die von Ka -200 ninchen und Hühnern erzeugt seyn sollten, entstanden ist.
e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut. Vorzüglich auf St. Jago am grünen Vor - gebirge, wo auch noch andere Vögelarten diese Sonderbarkeit haben sollen.
2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan, Engl. the pheasant.) Ph. rufus, variegatus, capite viridi caerulescente, cauda cuneata genis papillosis.
Frisch. tab. 123.
Hat den Nahmen vom Flusse Phasis in Min - grelien, von da ihn die Argonauten zuerst nach Europa gebracht haben sollen.
3. Argus. Ph. luteus, nigro punctatus, fa - cie rubra, occipite cristato caeruleo.
Philos. Transact. vol. LV. tab. 3.
Das prachtvolle, nebst den beyden folgenden Gattungen zumahl in Schina einheimische Thier, mißt vom Schnabel zur Schwanzspitze auf 9 Fuß.
4. Pictus. der Goldfasan. Ph. crista flaua, pectore coccineo, remigibus secundariis caeruleis, cauda cuneata.
Edwards tab. 68. 69.
Bey dieser und der nächstfolgenden Gattung zeichnen sich die erwachsenen Männchen durch die ausnehmende Schönheit ihres Gefieders aus
5. Nycthemerus. der Silberfasan. Ph. albus, crista abdomineque nigris, cauda cuneata.
Edwards tab. 66.
45. Crax. Rostrum basi cera obductum in vtraque mandibula. Pennae caput tegentes reuolutae.
2011. Alector. der Curasso. C. cera flaua, corpore nigro, ventre albo.
Buffon Vol. II. tab. 13.
In Guiana ꝛc.
46. Meleagris. Caput carunculis spon - giosis tectum, gula caruncula membra - nacea longitudinali.
1. Gallopavo. der Truthahn, Puter, wälsche Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn. (Fr. le din - don, Engl. the turkey.) M. maris pectore barbato.
Im mittlern und nördlichern America, wo er in großen Herden zu hunderten auf Bäumen lebt, ward 1530 zuerst nach Deutschland ge - bracht, wo er nun als Meyergeflügel gehalten wird, und in mancherley Varietäten von weißer u. a. Farben ausgeartet ist.
47. Pavo. Caput pennis reuolutis tectum, pennae caudales elongatae, ocellatae.
1. †. Cristatus, der Pfau. (Fr. le paon, Engl. the peacock.) P. capite crista compressa, cal - caribus solitariis.
Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch, und seit Alexanders des Großen Zeiten nach Eu - ropa verpflanzt. Das Männchen zeichnet sich vom dritten Jahre an durch die Pracht seiner Schwanz - oder vielmehr Rücken-Federn aus. Unter den Spielarten ist die weiße am gemeinsten.
48. Otis. Rostrum mandibula superiore fornicata: pedes cursorii.
2021. †. Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde, Engl. the bustard.) O. maris capite iugu - loque vtrinque cristato.
Frisch tab. 106. u. f.
Dieser größte hieländische Vogel ist in der ge - mäßigten alten Welt zu Hause. Das Männchen wird wohl gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn am Halse einen weiten verborgenen Sack, der sich unter der Zunge öffnet.
Große Landvögel, mit freyen unverbundenen Zehen, und kurzen zum Flug ungeschickten Flü - geln ohne Schwungfedern.
49. Strvthio. Rostrum subconicum, pedes cursorii.
1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche, Engl. the ostrich.) S. pedibus didactylis, digito exteriore paruo mutico, spinis ala - rum binis.
Latham Vol. III. P. I. tab. 71.
Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von acht Fuß und darüber erreicht, und in Africa zu Hause ist. Das Unvermögen zum Flug wird bey ihm durch die ausnehmende Schnelligkeit seines Laufs vergütet. Vorzüglich wird er durch seine Federn schätzbar.
2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedi - bus tridactylis, galea palearibusque nudis, remigibus spinosis.
Latham l. c. tab. 72.
203In Ostindien. Hat große Stärke in seiner mittlern Klaue. Seine Federn sind hornicht und ähneln Pferdeharen, und es entspringen immer zwey und zwey Schafte aus einem gemeinschaft - lichen Kiele.
Eine dem Casuar ähnliche Gattung, der so ge - nannte amerikanische Straus (struthio rhea) ist in Chili zu Hause: – und eine noch andere neuerlich im fünften Welttheil auf Neu-Süd - wallis entdeckt worden.
50. Didvs. Rostrum medio coarctatum rugis duabus transuersis; vtraque man - dibula inflexo apice: facies vltra ocu - los nuda.
1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvogel. (Cygnus cucullatus.) D. pedibus ambula - toriis, cauda breuissima, pennis incuruis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 35.
Ehedem auf Ile de France und Bourbon. – Aber nach den Versicherungen des Hrn. Morel, der deßhalb an Ort und Stelle Untersuchung angestellt hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht mehr. Und das ist nicht unwahrscheinlich, da er das schwerleibigste, langsamste Thier der ganzen Classe, folglich leicht zu fangen, und doch we - gen seines widrigen Fleisches von wenig Nutzen war*)Ich habe von dieser u. a. Beweisen der Verän - derlichkeit in der Schöpfung im ersten Theile der Beyträge zur Naturgeschichte S. 28 u. f. gehandelt..
204So weit die Landvögel. Nun die Was - servögel in II. Ordnungen.
Diese, die Sumpfvögel, haben einen walzenförmigen Schnabel von ungleicher Länge, lange Füße, und auch mehrentheils einen lan - gen Hals, aber kurzen Schwanz. Sie halten sich in sumpfigem, moorigem Boden auf, leben meist von Amphibien, Fischen, Insecten und Wasserpflanzen, die mehresten nisten auf der Erde oder im Schilf, und werden großentheils durch ihr vorzüglich schmackhaftes Fleisch und durch ihre Eyer nutzbar.
51. Phoenicoptervs. Rostrum de - nudatum, infracto-incuruatum, denti - culatum, pedes tetradactyli.
1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Korkorre. P. ruber, remigibus nigris.
Catesby vol. I. tab. 73 sq.
In Seegegenden der wärmern Erdstriche beyder Welten. Wird bey einem mäßig großen Körper, aber ganz auffallend langem Halse und Beinen, wohl mannshoch.
52. Platalea. Rostrum planiusculum; apice dilatato, orbiculato, plano. Pedes tetradactyli, semipalmati.
1. Leucorodia. die Löffelgans, der Löffel - reiher. (Fr. la spatule, Engl. the spoon -205 bill.) P. corpore albo, gula nigra, occi - pite subcristato.
Frisch tab. 200. u. f.
Hin und wieder, zumahl in der westlichen alten Welt.
53. Palamedea. Rostrum conicum, mandibula superiore adunca. Pedes te - tradactyli, fissi.
1. Cornuta. (Kamichy, Kamoucle.) P. alulis bispinosis, fronteque cornuta.
Latham Vol. III. P. I. tab. 74.
In den Savannen des östlichen Süd-America.
54. Mycteria. Rostrum subadscen - dens, acutum; mandibula superiore triquetra; inferiore trigona acuminata adscendente; frons calua; nares linea - res; pedes tetradactyli.
1. Americana. (Jabiru, Touyouyou. Fr. la cicogne du Bresil.)
Latham l. c. tab. 26.
Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.
55. Cancroma. Rostrum gibbosum: mandibula superiore cymbae resupinatae forma.
1. Cochlearia. (Fr. la cuilliere. Engl. the boat - bill.) C. ventre rufescente.
Latham l. c. tab. 26.
Ebenfalls in Brasilien ꝛc.
56. Ardea. Rostrum rectum, acutum, longum, subcompressum: pedes tetra - dactyli.
2061. †. Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl. the crane.) A. occipite nudo papilloso, cor - pore cinereo, alis extus testaceis.
Frisch tab. 194.
In der nördlichen alten Welt.
2. † Ciconia. der Storch. (Fr. la cicogne, Engl. the stork.) A. alba, orbitis nudis re - migibusque nigris; rostro, pedibus cuteque sanguineis.
In den mildern Gegenden fast der ganzen alten Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphi - bien, sondern frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ketten junge Rebhühner u. s. w. schleppt auch nicht selten Leinewand, Garn ꝛc. ins Nest, um es weich auszufuttern.
3. †. Maior. der Reiher, Fischreiher. (Fr. und Engl. heron.) A. occipite crista nigro dependente, corpore cinereo, collo subtus linea fasciaque pectorali nigris.
Frisch tab. 199.
Fast durchgehends in beyden Welten. Schäd - liche Thiere, die den Fischteichen und besonders der jungen Brut nachtheilig werden. Sie nisten auf hohen Bäumen, Eichen ꝛc. *)Was ich von köstlichen Reiberfedern aus der Le - vante gesehen habe, das war bloß in der schönern Schwärze, nicht in Form und Gefüge von den Nackenfedern des hieländischen Reihers verschieden.
4. Garzetta. (Fr. l'aigrette.) A. occipite cri - stato, corpore albo, rostro nigro, loris pe - dibusque virescentibus.
Buffon T. VII. tab. 20.
Zumahl in Persien ꝛc. Hat die langen, silber - weißen, seidenartigen Rückenfedern.
2075. †. Stellaris. die Rohrdommel, der Iprump. (Fr. le butor. Engl. the bittern.) A. capite laeuiusculo, supra testacea, maculis trans - versis, subtus pallidior, maculis oblongis fuscis.
Frisch tab. 205.
In den mildern Gegenden der nördlichern Erde.
57. Tantalvs. Rostrum longum, subu - latum, teretiusculum, subarcuatum. sac - cus iugularis nudus. pedes tetradactyli, basi palmati.
1. Ibis. T. facie rubra, rostro luteo, pedibus griseis, remigibus nigris, corpore rufescente albido.
Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im Anhang tab. 35.
Das berühmte, ehedem in Aeqypten, auf den dasigen alten Denkmählern verewigte, und so wie die damahligen menschlichen Leichen zu Mu - mien bereitete*)Ich habe von einem Paar solcher Ibismumien, die ich in London zu untersuchen Gelegenheit ge - habt, in den philosophical Transactions vom Jahr 1794. Nachricht gegeben. und in besondern Gewölbern in größter Menge beygesetzte, aber jetzt wenigstens in Nieder-Aegypten ziemlich seltne Thier.
Ob der schwarze, etwas kleinere Ibis eine besondere Gattung ausmacht, oder bloß etwa im Alter vom weißen (der ungefähr die Größe vom Storch hat) verschieden sey, ist noch mehr völlig entschieden.
20858. Scolopax. Schnepse. Rostrum te - retiusculum, obtusum, capite longius, facies tecta, pedes tetradactyli, postico pluribus articulis insistente.
1. †. Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la be - casse. Engl. the woodcock.) S. rostro basi rufescente, pedibus cinereis, femoribus tectis, fascia capitis nigra.
Frisch tab. 226. u. f.
In den wärmern Gegenden der nördlichern alten Welt.
2. †. Gallinago. die Heerschnepfe, Himmels - ziege, der Haberbock, das Haberlämmchen. (Fr. la becassine. Engl. the snipe.) S. rostro recto, tuberculato, pedibus fuscis, frontis lineis fuscis quaternis.
Frisch tab. 229.
Fast durchgehends in der nördlichern Erde.
59. Tringa. Rostrum teretiusculum longitudine capitis, digito postico vniar - ticulato, a terra eleuato.
1. †. Pugnax. der Kampfhahn, Renommist, Hausteufel. (Fr. le combattant, paon de mer. Engl. the ruff.) T. rostro pedibus - que rubris, rectricibus tribus lateralibus immaculatis, facie papillis granulatis carneis.
Frisch tab. 232. u. f.
In der nördlichen alten Welt. Hat seinen Nahmen von der Streitbarkeit, mit welcher die Männchen zur Brunstzeit gegen einander kämpfen.
2092. †. Vanellus. der Kybitz. (gavia. Fr. le vanneau. Engl. the lapwing.) T. pedibus rubris, crista dependente, pectore nigro.
Frisch tab. 213.
Ebenfalls in der nördlichern alten Welt.
60. Charadrivs. Regenpfeiffer. (Fr. pluvier, Engl. plover.) Rostrum teretiuscu - lum, obtusum. Nares lineares. Pedes cursorii, tridactyli.
1. †. Hiaticula. die Seelerche. (Fr. le pluvier à collier. Engl. the sea-lark.) C. pectore nigro, fronte nigricante fasciola alba, ver - tice fusco, pedibus luteis.
Frisch tab. 214.
Hin und wieder an den Flüssen der nördlichen Erde, namentlich auch auf den Sandwich-Inseln.
61. Recvrvirostra. Säbelschnäbler. Rostrum depresso-planum, subulatum, recuruatum, acuminatum apici flexili. Pedes palmati, tridactyli.
1. † Avosetta. R. albo nigroque varia.
Buffon vol. VIII. tab. 38.
In den mildern Gegenden der alten Welt ꝛc. nährt sich vorzüglich von Wasser-Insecten und Gewürmen, die er mit feinem sonderbar aufwärts gebognen Schnabel sehr geschickt zu fangen weiß.
62. Haematopvs. Rostrum compres - sum, apice cuneo aequali: pedes cur - sorii tridactyli.
2101. †. Ostralegus. der Austerdieb, Austermann, die Meerälster. (Fr.[l'huitrier]. Engl. the sea-pie, pied oyster-catcher.) H. rostro pedibusque rubris.
Latham Vol. III. P. I. tab. 84.
Hin und wieder an den Seeufern aller Welt - theile; nährt sich vorzüglich von Conchylien.
63. Fvlica. Wasserhuhn. Rostrum con - vexum, mandibula superiore margine supra inferiorem fornicata; frons calua, pedes tetradactyli, subpinnati.
1. †. Atra. das schwarze Blaßhuhn. (Fr. la foulque, morelle. Engl. the coot.) F. fronte incarnata, armillis luteis, corpore nigricante.
Frisch tab. 209.
In der mildern nördlichen Erde.
64. Parra. Rostrum teretiusculum, obtu - siusculum. Nares ouatae in medio rostri. Frons carunculata, carunculis lobatis. Alulae spinosae.
1. Iacana. (Fr. le chirurgien, chevalier.) P. vnguibus posticis longissimis, pedibus viri - descentibus.
Buffon vol VIII. tab. 16.
In Westindien, Brasilien ꝛc.
65. Rallvs. Rostrum basi crassius, com - pressum, dorso attenuatum apicem versus, aequale, acutum. pedes tetradactyli, fissi.
1. †. Crex. der Wachtelkönig, Schnerz, Wie - senschnarcher, Schars. (ortygometra. Fr.211 le râle de genet. Engl. the rail, daker - hen.) R. alis rufo-ferrugineis.
Frisch tab. 210.
In den mildern Gegenden der alten Welt. Wachtelkönig heißt er von der alten irrigen Sage, als ob er dieser Vögel Heerführer im Zug sey.
66. Psophia. Rostrum cylindrico-coni - cum, conuexum, acutiusculum, mandi - bula superiore longiore. Nares ouatae, patulae. Pedes tetradactyli, fissi.
1. Crepitans. die Trompete, der Agami, Macku - kawa. (Fr. l'oiseau trompette.) P. nigra, pectore columbino.
Latham Vol. II. P. II. tab. 68.
In Süd-America, vorzüglich häufig am Ama - zonen-Strom. Wird ausnehmend kirre und ih - rem Herrn zugethan.
Die Vögel dieser Ordnung werden durch ihre Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr nach hinten zu sitzen, und daher zum Rudern sehr geschickt, aber desto unbequemer zum Gehen sind. Ihr Oberschnabel endigt sich meist in ein kurzes Häkchen, und ist wie der untere bey den mehresten mit einer ausnehmend nerven - reichen Haut überzogen. (– s. oben S. 140. –) Sie haben eine fleischige Zunge, einen rauhen stacheligen Gaumen, und bey vielen von ihnen212 haben die Männchen vorn an der Luftröhre eine besondere knorplige oder knöcherne Capsel. Sie haben dichtes fettes Gefieder, das kein Wasser annimmt, halten sich an den Ufern des Meeres, der Seen, der Flüsse, auf In - seln, Klippen, im Schilf ꝛc. auf, und leben mehrentheils in Polygamie. Sie legen mei - stens nur Ein oder wenige Eyer; sind aber, besonders wegen ihres Fleisches, Fettes, Fe - dern ꝛc. von mannigfaltiger Nutzbarkeit.
67. Rhinchops. Rostrum rectum, man - dibula superiore multo breuiore: infe - riore apice truncata.
1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux, Engl. the sea-crow, cut-water.) R. nigricans, sub - tus alba, rostro basi rubro.
Brisson T. VI. tab. 21. fig. 2.
In Nord-America. Der Oberschnabel ist kürzer als der untere und dieser liegt in jenem, gleich - sam wie ein eingeschlagnes Taschenmesser.
68. Sterna. Rostrum edentulum, su - bulatum, subrectum, acutum, compres - siusculum. Nares lineares, ad basin rostri.
1. Stolida. die Noddy. (Fr. le fou, diable.) S. corpore nigro, fronte albicante, super - ciliis atris.
Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.
In allen Meeren zwischen den beyden Wende - zirkeln.
2132. Hirundo. die Seeschwalbe. (Engl. the sil - ver-bird.) S. cauda forficata; rectricibus duabus extimis albo nigroque dimidiatis.
Frisch tab. 119.
An der ganzen nördlichsten Erde.
69. Colymbvs. Taucher. Rostrum eden - tulum, subulatum, rectum, acumina - tum, pedes compedes.
1. Grylle. die grönländische Taube. (Engl. the sea-turtle.) C. pedibus palmatis tri - dactylis, corpore atro, rectricibus alarum albis.
Frisch tab. 185.
Ebenfalls an der ganzen nördlichsten Erde.
2. †. Troile. die Lumer. (Fr. le Guillemot.) C. pedibus palmatis tridactylis, corpore fusco, pectore abdomineque niueo, remi - gibus secundariis extremo apice albis.
Frisch tab. 185.
An den Seeküsten der nördlichen Erde.
3. †. Vrinator. (Fr. la grébe.) C. capite laeui, palpebra inferiore lutea, macula ala - rum alba.
Edwards tab. 360. fig. 2.
Im wärmern Europa. Sein Fell wird, so wie das vom C. cristatus, zu Feder-Muffen ꝛc. verarbeitet.
70. Larvs. Möve. (Fr. mouette. Engl. gull.) Rostrum edentulum, rectum, cul - tratum, apice subadunco. Mandibula inferior infra apicem gibba.
214Meist an den Küsten der nördlichen Erde, doch finden sich auch welche auf der Südsee und zwar in ungeheueren Scharen.
1. †. Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L. al - bicans, dorso canescente, rectricum apici - bus, excepto extremo, nigris, pedibus tridactylis.
Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.
Am nördlichen Ocean.
71. Plotvs. Rostrum rectum, acumina - tum, denticulatum. Facies tecta, pedes palmati omnibus digitis connexis.
1. Anhinga. P. ventre albo.
Willoughby tab. 72.
In Brasilien ꝛc. Am Leibe von der Größe einer Aente, aber mit einem sehr langen Halse, den das Thier spiralförmig zusammen rollen und so den Kopf gegen die Fische, die es erschnappen will, los schnellen soll.
72. Phaëthon. Rostrum cultratum. rectum, acuminatum, fauce pone ro - strum hiante. Digitus posticus antror - sum versus.
1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. la paille en-queue. Engl. the tropic-bird.) P. rectri - cibus duabus longissimis, rostro serrato, pedibus aequilibribus; digito postico con - nexo.
Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.
An der offenbaren See, zwischen den beyden Wenbezirkeln. Nährt sich meist von den fliegen - den Fischen.
21573. Procellaria. Rostrum edentu - lum, subcompressum; mandibulis aequa - libus: superiore apice adunco: inferiore apice compresso-canaliculato. Pedes vngue postico sessili absque digito.
1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewitter - vogel. (Fr. le petrel. Engl. the storm - finch, mother cary's chicken.) P. nigra, vropygio albo.
Linné fauna suecica. tab. 2. fig. 143.
Sowohl im nördlichen als südlichen Ocean.
Meist in offner freyer See fern vom Lande auf Klippen, und die Schiffer sehen es als Zeichen eines bevorstehenden Sturms an, wenn er sich von da nach den Schiffen flüchtet. Die Ein - wohner der Färber bedienen sich seiner statt Lampe, indem sie ihm bloß einen Docht durch den Kör - per ziehen und anbrennen, da dann die Flamme von dem vielen Fette, das allmählig hinein zieht, lange Zeit unterhalten wird.
74. Diomedea. Rostrum rectum; ma - xilla superiore apice adunca: inferiore truncata.
1. Exulans. der Albators. (Fr. le mouton du cap.) D. alis pennatis longissimis, pe - dibus aequilibribus tridactylis.
Edwards tab. 88.
Von der Größe eines Schwans, hält aber mit ausgespannten Flügeln wohl 11 Fuß Breite, fliegt wohl 500 deutsche Meilen von irgend einem Lande entfernt, aber selten höher als 10 bis 20216 Fuß über der Meers-Fläche. Nährt sich großen - theils von fliegenden Fischen*)vergl. Pennant's arctic zoology. Vol. II. p. 507..
75. Pelecanvs. Rostrum rectum, apice adunco, vnguiculato; pedes aequilibres; digitis omnibus quatuor simul palmatis.
a) Rostro edentulo.
1. †. Onocrotalus. die Kropfgans, der Pelican. (Fr. und Engl. pelican.) P. gula saccata.
Ein Blatt von J. E. Ridinger. 1740.
In den wärmern Gegenden aller fünf Welt - theile, (wenn anders die americanische Kropfgans nicht specifisch von der in der alten Welt ver - schieden ist.) Hat den griechischen Nahmen von ihrer Eselstimme, den deutschen aber von dem ungeheueren beutelförmigen Kropfe, der ihr am Unterschnabel hängt, und sich so ausdehnen läßt, daß er wohl 30 Pfund Wasser fassen kann.
2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur. Engl. the man of war bird.) P. alis amplissimis, cauda forficata, corpore nigro, rostro rubro, orbitis nigris.
Edwards tab. 309.
Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehn - liches mit dem Albatros: nur noch längere Flü - gel, die ausgespannt auf 14 Fuß klafftern, und dem fliegenden Thier ein sonderbares An - sehen geben.
3. Carbo. die Scharbe, der Seerabe. (Fr. und Engl. cormoran.) P. cauda rotundata,217 corpore nigro, rostro edentulo, capite subcristato.
Frisch tab. 187.
Meist in allen fünf Welttheilen. Eine ihr sehr ähnliche Gattung (Pelecanus sinensis) wird in Schina zum Fischfang abgerichtet. (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 25. –)
b) Rostro serrato.
4. Bassanus. die Rothgans. (Fr. le fou de bassan. Engl. the gannet, the soland goose.) P. cauda cuneiformi, corpore albo, rostro remigibusque primoribus nigris, facie caerulea.
Brisson T. VI. tab. 44.
Häufigst im Norden von Europa und America, zumahl auf den schottischen Inseln, und nah - mentlich auf Baß*)Harvey de generat. animal. p. 30., wovon diese Gans den Nahmen führt. Hier lauert sie im Sommer auf die Züge der Häringe, so wie hingegen im Win - ter um Portugal herum und an der Barbarey ꝛc. auf die Sardellen. Auf jenen schottischen Inseln werden die jungen Vögel und die Eyer in uner - meßlicher Menge aus den Nestern in den schrof - fen Felsenklippen ausgenommen**)Pennant a. a. O. Vol. I. introd. p. XXX. tab. 4..
76. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum, conuexum, obtusum: lingua ciliata, obtusa.
1. †. Olor. der Schwan, Elbsch. (Fr. le cygne. Engl. the swan, elk.) A. rostro se - micylindrico atro, cera nigra, corpore albo.
Frisch tab. 152.
218In der nördlichen alten Welt: nährt sich von Fröschen, Wasserpflanzen ꝛc. Man muß diesen, den so genannten stummen oder zahmen Schwan, von dem so genannten wilden. A. cygnus (mit gelber Haut an der Schnabelwurzel und weit längerer krummlaufender Luftröhre), unterschei - den. Dieser letztere Gibt einen hellen weit schal - lenden nicht unangenehmen Ton von sich.
2. Cygnoides. die spanische oder schinesische Gans. (Fr. l'oye de Guinée. Engl. the swan-goose, chinese goose.) A. rostro semi - cylindrico; cera gibbosa, palpebris tumidis.
Frisch tab. 153. 154.
Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und Schina, und wie es scheint auch auf den Sand - wich-Inseln des stillen Oceans. Man unter - scheidet mehrere Varietäten.
3. †. Anser. die Gans. (Fr. l'oye. Engl. the goose) A. rostro semicylindrico, corpore supra cinereo, subtus pallidiore, collo striato.
Meist in allen fünf Welttheilen wild. Unter den zahmen soll es wohl häufig völlig schnee - weiße Ganserte, aber nur selten eine ganz weiße weibliche Gans geben.
4. Canadensis. die Hudsonsbay-Gans. (Engl. the grey goose.) A. cinerea, capite collo - que nigris, genis gulaque albis.
Edwards tab. 151.
Im kältern Nordamerica. Ein wichtiger Han - delsartikel wegen seiner ausnehmenden Flaumen zu Betten. Gibt auch vorzügliche Schreibfedern.
5. Bernicla. die Baumgans, Rothgans, schot - tische Gans. A. fusca, capite collo pecto - reque nigris, collari albo.
Frisch tab. 156.
219In den kältesten Ländern der nördlichen Erde, kommt bloß zum Ueberwintern nach Schottland und andern mildern Gegenden, wo sie sich un - ter andern von dem Thier der Aentenmuscheln (Barnacle, Lepas anatifera) nährt, daher die alte seltsame Fabel entstanden, daß dieser Vogel nicht aus einem Ey, sondern ans einer Muschel hervor komme u. s. w. *)Die gleiche Volkssage gieng auch ehedem von einer verwandten Gattung, Anas erythropus, von grauer Farbe mit weißer Stirne (Frisch tab. 189.), die daher auch bey vielen Ornithologen den Nahmen Bernicla oder Barnacle führt.
6. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oye à duvet. Engl. the eiderduck, cuthbert duck.) A. rostro cylindrico, cera postice bifida, rugosa.
Brünnichs N. H. des Eidervogels. tab. 1. u. f.
In der nördlichen Erde, zumahl häufig auf Island und in Grönland. Sein Fleisch und Eyer sind sehr schmackhaft; noch wichtiger aber ist sein Fell, womit man Kleider futtert, und die Flaum - federn, die unter dem Nahmen der Eiderdunen bekannt sind**)S. Hrn. Hofr. Beckmanns Vorbereitung zur Waarenkunde I. B. S. 277 u. f..
7. †. Boschas. die Aente. (Fr. le canard. Engl. the duck.) A. rectricibus intermediis (maris) recuruatis, rostro recto.
Frisch tab. 158. u. f.
Die wilde Aente findet sich fast in in der ganzen nördlichen Erde, theils in ungemein schönen Spiel - arten. Die zahmen Aenten scheinen große220 Neigung zu unnatürliches Paarung zu haben, so daß z. B. die Aentriche aus Hühner erpicht sind und v. v. Aenten den wälschen Hahnen nachlaufen und sie zu reitzen suchen.
8. †. Clypeata. die Löffelänte. (Fr. le souchet. Engl. the shoveler.) A. rostri extremo di - latato rotundato: vngue incuruo.
Frisch tab. 161. u. f.
Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen.
Die Ränder des Schnabels sind nach innen mit hornigen Borsten besetzt, fast wie kleine Wallfischbarden.
77. Mergvs. Taucher, Wasserhuhn. Rostrum denticulatum, subulato-cylin - dricum, apice adunco.
1. †. Merganser. der Kneifer (Fr. l'harle. Engl. the goos-ander.) M. crista longitu - dinali erectiuscula; pectore albido imma - culato, rectricibus cinereis, scapo nigricante.
Frisch tab. 190.
In der ganzen nördlichen Erde. So wie an - dere Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches Thier für Fischteiche, zumahl zur Leichzeit.
78. Alca. (Engl. auk.) Rostrum edentu - lum, breue, compressum, conuexum, transuerse sulcatum; mandibula inferior ante basin gibbosa.
Das ganze Geschlecht an den Küsten und Klippen der nördlichen Erde.
1. Arctica. der Papageytaucher. (Fr. le ma - careux. Engl. the puffin.) A. rostro com - presso-ancipiti, sulcato sulcis 4, oculorum221 orbita temporibusque albis, palpebra supe - riore mucronata.
Nistet in Erdhöhlen, oder wühlt sich auch selbst so ein unterirdisches Lager.
79. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin. (Fr. manchot) Rostrum compressiuscu - lum, subcultratum, longitudinaliter oblique sulcatum; mandibula inferior apice truncato; alae impennes, pinni - formes.
Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleich - sam flossenähnlichen, schuppigen, kleinen Flügel, und ihr gerader, fast aufrechter Gang geben diesen Thieren ein sonderbares Ansehen, deren verschiedene Arten an den südlichen Küsten und Inseln von Africa und America, so wie andere um Neu-Holland, Neu-Guinea, und Neu-See - land zu Hause sind*)J. Reinh Forster hist. aptenodytae in Commentat. Soc. Sc. Gott. 1780. Vol. III. p. 121. sq.. Finden sich theils in zahl - loser Menge beysammen.
1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus flauescentibus, crista frontali atra erecta, auriculari deflexa flaua.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 46.
Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland ꝛc.
2. Demersa. A. rostro pedibusque nigris, su - perciliis fasciaque pectorali albis.
Edwards tab. 94.
Häufig am Cap ꝛc.
Die Säugethiere und die Vögel unterschei - den sich beydes durch die Wärme ihres Bluts (§. 23. und 40.) und durch die größere Menge desselben von den Amphibien und Fischen.
Die Amphibien aber ähneln doch darin noch den warmblütigen Thieren, und zeichnen sich hingegen von den Fischen vorzüglich dadurch aus, daß sie wie jene auch noch durch Lungen Luft schöpfen; obgleich dieselben von weit locke - rer Textur, und auch ihre Athemzüge weit un - bestimmter, und so zu sagen unordentlicher sind als bey den beyden Classen mit warmen Blute. Auch können sie das Athemhohlen weit länger entbehren als diese, weit länger im so genanten luftleeren Raume, oder auch in eingesperrter Luft (wie z. B. Kröten in einer engen Höhle mitten in Baumstämmen oder Steinblöcken) und selbst geraume Zeit in einer Atmosphäre von Kohlengesäuerter oder fixer Luft aushalten, und auffallende Extreme von Hitze und von223 Kälte ausdauern, so daß man z. B. ungezwei - felte Beyspiele von Wassermolchen und Fröschen hat, die sowohl im Magen und Darmcanal von Menschen gelebt haben, als auch ihrem Leben unbeschadet in dichte Eisschollen einge - froren sind.
Und eben weil die Amphibien mit Lungen versehen sind, so sind sie auch noch fähig Stimme von sich zu geben: doch scheinen einige (wie z. B. unter den hieländischen der wahre Salamander, die grüne Eidexe, die Blind - schleiche ꝛc. ) gänzlich stumm zu seyn.
In Rücksicht der Bildung überhaupt herrsche vorzüglich die doppelte Verschiedenheit unter den Amphibien, daß sie entweder, wie die Schildkröten, Frösche, Eidexen ꝛc. mit vier Füßen versehen sind; oder aber, als Schlangen einen langgestreckten, cylindrischen Körper ohne alle äußere Bewegungswerkzeuge haben.
Die äußern Bedeckungen sind bey den Amphibien mannigfaltiger als bey den warm - blütigen Thieren. Einige sind mit einer knochi - gen Schale überzogen: andere mit hornartigen Reifen, oder mit zahlreichen kleinen Schildchen,224 oder mit Schuppen bedeckt: und noch andere haben eine nakte nur mit Schleim überzogene Haut. Die mehresten häuten sich von Zeit zu Zeit. Manche, wie z. B. der Laubfrosch und verschiedene Eidexen, besonders der Chamä - leon, ändern auch zuweilen plötzlich ihre Farbe.
Den mehresten Amphibien ist, wie schon die Benennung der ganzen Classe andeutet, Wasser und Land zum gemeinschaftlichen Aufent - halt angewiesen. Manche gehen willkürlich in beyden ihren Geschäften und ihrer Nahrung nach. Andere hingegen bringen entweder eine bestimmte Periode ihres Lebens, oder gewisse Jahrszeiten bloß in einem von beyden zu. End - lich sind aber auch manche entweder bloß für das Land oder bloß für das Wasser, und nicht für beides zugleich bestimmt.
Manche Amphibien, zumahl unter den Schildkröten und Schlangen, leben von sehr gemischter Nahrung: andere hingegen, wie der Laubfrosch, Chamäleon ꝛc. sind sehr eigen in der Wahl ihrer Speisen, gehen z. B. bloß lebende Insecten von einigen wenigen bestimm - ten Gattungen an. In der Gefangenschaft nehmen viele gar keine Nahrung zu sich und können dann zum Wunder lange fasten: ich225 selbst habe z. B. Salamander auf acht Monathe lang ohne Speise und selbst ohne daß sie dabey beträchtlich abgegezehrt wären, erhalten: und von Schildkröten weiß man, daß sie gegen anderthalb Jahre ohne alle Nahrung ausdauern können.
Die bey vielen Amphibien so ganz ausneh - mende Leichtigkeit und Stärke ihrer Repro - ductionskraft (§. 19.), hat, wo ich nicht irre, in der obgedachten Stärke ihrer Nerven und hingegen respectiven Kleinheit ihres Gehirns (§. 29.) einen Grund; da folglich die erstern von letzterem minder abhängig sind; und überhaupt die ganze Maschine zwar schwächere Mobilität, weniger consensus zeigt, das ganze Leben der Amphibien einfacher, und mehr bloß vegetativ scheint, als bey den warmblütigen Thieren, – aber dagegen die Glieder mehr mit eigenthüm - licher independenter Lebenskraft versehen sind. Und da folglich bey dieser mehr eigenthümlichen Lebenskraft der einzelnen Theile, nicht gleich jeder Stimulus, der auf Einen Theil, oder auf Ein System wirkt, sogleich, wie bey den warmblütigen Thieren, andere in Consensus zieht so erklärt sich auch wohl überhaupt daher ihr zähes Leben, so daß Frösche, denen das Herz ausgerissen worden, doch noch umher hüpfen, und Schildkröten, denen das Gehirn226 aus dem Kopfe genommen worden, noch Mo - nathe lang leben können; daher auch wohl die anhaltende Beweglichkeit der den Amphibien abgeschnittenen Theile, wie z. B. der Schwänze von Wassermolchen, Blindschleichen ꝛc. *)Ich habe diesen Gegenstand weiter ausgeführt im specimen physiologiae comparatae inter animantia ca - lidi et frigidi sanguinis; im VIII. B. der Commen - tation. Soc. reg. scientiar. Gottingens.
Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln dient manchen Amphibien, zumahl unter den Schlangen, ihr Gift; dem Salamander, der Feuerkröte ꝛc. ihr milchichter Hautschaum den sie im Nothfall von sich geben; vielen auch wohl der specifike Geruch, den sie verbreiten; so zu - mahl manche Schlangen, Kröten, Eidexen ꝛc.
Die äußern Sinne scheinen bey den mehre - sten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe zu seyn. – Unter den innern zeichnet sich doch bey vielen das Gedächtniß aus, da man Bey - spiele selbst von Crocodilen und Kröten hat, die ihre Wohlthäter kennen gelernt und kirre geworden, und vollends viele Schlangen be - kanntlich sich zu allerhand Gaukeleyen abrichten lassen. Hingegen finden sich bey den Thieren227 dieser Classe nur sehr wenige Spuren von wah - ren Kunsttrieben. (§. 36.)
Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen täglichen Erhohlungsschlaf zu halten. – Da - gegen aber wohl alle die kältern Wintermonathe in Erstarrung zubringen. Und zwar theils ein - zeln, theils wie unsere hieländische Frösche und Salamander in Haufen. Doch können auch diese gar leicht des Winterschlafs entbehren, und Jahr aus Jahr ein wachend im Zimmer erhalten werden.
Das Fortpflanzungsgeschäfte der Amphi - bien hat ungemein viel Sonderbares. Der Paarungstrieb ist bey vielen so heftig, daß man z. B. Frösche gesehen hat, die in Ermangelung eines Weibchens andere männliche Frösche oder Kröten oder gar todte Weibchen besprungen haben. Bey den mehresten Fröschen und See - schildkröten dauert die Paarung mehrere Tage, ja Wochen lang. Die Vipern schlängeln sich in der Paarung mit dem Hinterleibe aufs in - nigste um einander, und züngeln dabey mit gebogenem Halse auf einander los. Die Was - sermolche hingegen umfassen einander gar nicht, sondern das Männchen schwimmt zur Brust - zeit bloß um sein Weibchen herum und bespritzt228 die Eyerchen, so wie sie dieselben von sich gibt, von der Ferne.
Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige Ausnahmen, Eyerlegende Thiere. Aber manche, zumahl unter den Schlangen ꝛc. geben die Eyer nicht eher von sich, als bis das darin befind - liche Junge schon meist seine völlige Ausbil - dung erhalten hat. Die Pipa heckt ihre Jungen aus dem Rücken aus.
Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom Ende des Sommers an ganzer vier Monathe lang völlig isolirt in einem Glase gehalten, hat hierauf um Neujahr herum ganz unerwartet bin - nen wenigen Tagen 34 Junge geheckt, so daß folglich hier eine ehemahlige Befruchtung, auf eine noch weit längere Zeit hinaus als bey den Hühnern, ihre Wirksamkeit erhalten muß.
Die Frösche und Eidexen, die im Wasser jung werden, kommen nicht gleich in ihrer vollkommnen Gestalt, sondern als so genannte Larven zur Welt und müssen sich erst noch einer Art von Metamorphose unterziehen, ehe sie die Ausbildung und den völligen Gebrauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen. Die kleinen Frösche z. B. (die so genannten Kaulquappen, gyrini, Fr. tétards, Engl. toadpoles) haben Anfangs noch keine Füße, sondern dafür einen langen Ruderschwanz; auch, so wie die neuge -229 borenen Salamander, eine Art von Fischkiefern (branchiae oder Swammerdam's appendi - ces fimbriatae) zu beyden Seiten des Halses; ferner zum Theil eine kleine Saugeröhre an der Unterlefze u. dgl. m. Lauter Theile, die nur für den Larvenstand des zarten jungen Thie - res bestimmt sind und mit der zunehmenden Reife desselben allgemach schwinden.
Die Amphibien haben ein langsames Wachsthum; so daß z. B. unsere hieländischen Frösche meist erst im vierten Jahre mannbar werden: und doch erreichen diese nur ein, nach Verhältniß dieser späten Pubertät, nicht be - trächtliches Alter von 12 bis 16 Jahren. Hin - gegen weiß man, daß Schildkröten selbst in der Gefangenschaft über 100 Jahre gelebt haben, so daß hiernach zu schließen, die Crocodile und großen Schlangen ꝛc. wohl zu einem noch höhern Alter gelangen können.
Die Benutzung der Amphibien fürs Men - schengeschlecht ist ziemlich einfach; aber für manche Gegenden theils äußerst beträchtlich. Zumahl der Genuß der Schildkröten und ihrer Eyer, so wie auch verschiedener Frösche und Ei - dexen ꝛc. – Schildpatt zu Kunstarbeiten ꝛc. – Eidexen, Vipern ꝛc. als Arzney.
Schädlich werden manche ungeheuere Thiere dieser Classe, die Crocodile, Wasserschlangen ꝛc. durch ihre Größe, und andere, zumahl unter den Schlangen, durch ihr Gift, das in keiner andern Thierclasse von einer so gefahrvollen Heftigkeit ist.
Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey Ordnungen:
1. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen. (Die quadrupeda ouipara der ältern Naturforscher) – Schildkröten, Frösche, Eidexen. Und
2. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle äußere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)
Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens wenn sie ihre vollkommene Gestalt erlangt ha - ben) mit vier Füßen versehen, die nach dem verschiedenen Aufenthalt dieser Thiere entweder freye, (pedes digitati) oder durch eine Schwimmhaut verbundene (palmati), oder gar wie in eine Flosse verwachsene Zehen (pinnati) haben.
1. Testvdo. Schildkröte. (Fr. tortue. Engl. tortoise, die See-Schildkröten aber turtle, Span. galápago) Corpus testa obtectum, cauda (plerisque) breuis, os mandibulis nudis edentulis*)S. Joh. Gottl. Schneiders N. G. der Schild - kröten. Leipz. 1783. gr. 8. mit Kupf. J. D. Schoepff historia testudinum iconibus illu - strata. Erlang. seit 1792. 4..
Die mehresten Schildkröten sind mit einer knochigen sehr festen Schale bedeckt, deren Ober - theil mit dem Rückgrath und den Rippen des Thiers verwachsen, und mit den breiten hornigen Schuppen belegt ist, die bey manchen Gattun - gen so stark und schönfarbig sind, daß sie zu Kunstsachen verarbeitet werden. Gewöhnlich lie - gen 13 dergleichen Schuppen in der Mitte, und 24 um den Rand herum. Der Untertheil oder das Bauchschild ist etwas kleiner als das obere, und mit Ausschnitten für Kopf, Schwanz und Füße versehen.
2321. Membranacea. T. pedibus palmatis, vn - guiculis tribus, testa orbiculari ouata, membranacea grisea, striata, scabra.
Schneider l. c. tab. 1.
In Guiana.
2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawks - bill turtle.) T. pedibus pinniformibus, testa cordata subcarinata, margine serrato: scutellis imbricatis latiusculis, cauda squa - mata.
Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im Anhang tab. 42.
In beyden Indien; auch im rothen Meere. Gibt das beste Schildpatt*)S. Hrn. Hofr. Beckmanns Verbereitung zur Waarenkunde 1. Th. S. 68 u. f..
3. Mydas. die grüne oder Riesen-Schild - kröte. (viridis Schneider. Fr. la tortue franche. Engl. the green turtle.) T. pedi - bus pinniformibus, marginibus maxillarum dentatis, testa ouata.
Schöpff tab. 17. fig. 2.
Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8 Cent - ner am Gewicht. Sie hat ihren gewöhnlichern Nahmen von ihrer blaß-olivengrünlichen Schale und der auffallend grünen Farbe ihres schmack - haften Fettes. Lebt bloß vom Seetang u. dergl. Vegetabilien, daher ihr ausnehmend schmackhaf - tes gar nicht thraniges Fleisch.
4. †. Orbicularis. die gemeine Flußschild - kröte (europaea Schneid.) T. pedibus palmatis, testa orbiculata planiuscula.
Im mildern Europa.
2335. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa po - stice gibba; margine laterali obtusissimo, scutellis planiusculis.
Schöpff tab. 8. 9.
Im südlichen Europa, und nördlichen Africa.
6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis, testae scutellis eleuatis truncatis.
Schöpff tab. 10.
In Ostindien. Ungefähr von der Größe einer flachen Hand: hat wegen seines regelmäßigen schwarz und gelb gezeichneten hochgewölbten Rückenschildes ein artiges Ansehen.
2. Rana. Frosch (Fr. grenouille. Engl. frog. ) nud Kröte (Fr. crapaud. Engl. toad.) Corpus nudum pedibus qua - tuor, posticis longioribus*)Ueber die hieländischen Gattungen dieses Ge - schlechts s. Rösels natürl. Historie der Frösche hie - sigen Landes. Nürnb. 1758. gr. Fol..
1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathi - formi, digitis anticis muticis quadridenta - tis, posticis vnguiculatis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 36.
In den Gewässern von Guiana. Wird durch die überaus sonderbare und ganz anomalische Weise, mit der die Mutter ihre Junge ausheckt, merkwürdig. Das Männchen streicht nähmlich den Leich, den das Weibchen vorher auf die ge - wöhnliche Art von sich gegeben, demselben auf den Rücken, und befruchtet sie hierauf mit seinem Samen. Die Eyerchen verwachsen nachher gleich - sam in der Haut der Mutter, bis nach Verlauf234 von beynahe drey Monaten die darin befind - lichen anfangs geschwänzten Kaulquappen*)S. Camper im IX. Bande der commentat. soc. reg. scientiar. Gottingens. p. 129 u. f. zum Ausbruch reif sind, und nachdem ihr Schwanz allgemach verschwunden und sie dagegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken ihrer Mutter verlassen können.
2. Cornuta. R. palpebris conicis.
Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.
In Virginien; hat wegen seiner großen stieren Augen, und der ungeheueren tutenförmigen obern Augenlider ein abentheuerliches Ansehen.
3. Ocellata. (Engl. the bull-frog.) R. auri - bus ocellatis, pedibus muticis.
Catesby vol. II. tab. 72.
In Nord-America. Fast von der Größe eines Kaninchens. Hat den englischen Nahmen von seiner starken Stimme. Ist die Hauptnahrung der Klapperschlangen.
4. Paradoxa. (Rana piscis.) R. femoribus postice oblique striatis.
Seba vol. I. tab. 78.
Im südlichen America. Die Larve (§. 95.) erreicht eine fast spannenlange Größe, häutet sich während der Zeit verschiedentlich, und hat in diesem Zustande zu einer alten Sage, von Fröschen, die sich in Fische verwandelten, Anlaß gegeben. Auch nachdem schon die vier Beine ihre ganze Größe und Ausbildung erhalten ha - ben, bleibt daß Thier doch noch geraume Zeit geschwänzt.
2355. †. Buso. die Kröte. R. corpore ventri - coso verrucoso lurido fuscoque.
Rösel tab. 20. 21.
Daß ihr Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist ungegründet. Hingegen ist es unlängbar, daß man verschiedentlich lebendige Kröten mitten in durchsägten Baumstämmen, oder in Stein - blöcken ꝛc. angetroffen hat.
6. †. Bombina. die Feuerkröte. R. corpore verrucoso, abdomine aurantio-caesio ma - culato, pupilla triquetra.
Rösel tab. 22.
Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt, hüpft fast wie ein Frosch.
7. †. Portentosa. die Haus-Unke. (Bufo ca - lomita, Laurent). R. verrucosa, linea dor - sali flaua, lateralibus rufescentibus.
Rösel tab. 24.
In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen ꝛc. Kommt selten zum Vorschein; Gibt aber einen eigenen dumpfen Laut von sich, der allerhand abergläu - bige Sagen veranlaßt hat.
8. †. Temporaria. der braune Grasfrosch. R. subfusca dorso planiusculo subangulato.
Rösel tab. 1-8.
Im Gras und Gebüsch ꝛc. von da die Jungen nach warmen Sommer-Regen haufenweise her - vor kriechen, da dann ihre plötzliche Erscheinung wohl zu der alten Sage vom Froschregen Anlaß gegeben haben mag.
9. † Esculenta. der grüne Wasserfrosch, Röling, Marxgöker. R. viridis, corpore236 angulato, dorso transuerse gibbo, abdo - mine marginato.
Rösel tab. 13-16.
In Teichen und Sümpfen. Die Männchen quaken laut, zumahl des Abends bey schönem Wetter, und treiben dabey zwey große Blasen hinter den Maulwinkeln auf. Sie sind schlau und muthig, verzehren Mäuse, Sperlinge, und selbst junge Aenten, Forellen ꝛc. und können so - gar über große Hechte Herr werden. Zur Begat - tungszeit bekommen die Männchen dieser und der vorigen Gattung schwarze warzige Ballen an den Daumen der Vorderfüße, womit sie sich äußerst fest um ihrer Weibchen Brust klammern können.
10. †. Arborea. der Laubfrosch. (calamites. Fr. la raine, grenouille de St. Martin, le graisset). S. corpore laeui, subtus granu - lato, pedibus fissis, apicibus digitorum lenticulatis.
Rösel tab. 9 ad 12.
Fast in ganz Europa (doch nicht in England), auch in America ꝛc. Der klebrige Schleim, wo - mit er wie die Schnecken überzogen ist, dient ihm bey seinem Aufenthalt am Laub der Bäume, zur Haltung. Die erwachsenen Männchen, die an ihrer braunen Kehle kenntlich sind, haben eine laute Stimme, die sie, wenn das Wetter sich ändern will, aber auch außerdem zur Paarungs - zeit von sich geben. Sie blähen dabey die Kehle zu einer großen Blase auf.
3. Draco. Corpus tetrapodum cauda - tum, alatum.
2371. Volans. die fliegende Eidexe. D. brachiis ab ala distinctis.
Seba vol. II tab. 86. fig. 3.
In Ostindien und Africa.
4. Lacerta. Eidexe. (Fr. lezard. Engl. lizard) Corpus elongatum, pedibus quatuor aequalibus.
1. Crocodilus. der (eigentliche) Crocodil. L. mandibulis ellipticis, scuto supraorbitali osseo, testa caluariae integra, cauda parte anteriori et superna scutis vtrinque extan - tibus serrata, pedibus palmatis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 26. 27.
Zumahl häufig in den größern Strömen von Africa (namentlich im Ober-Nil und im Ni - ger). Das größte Thier der süßen Wasser, das wohl eine Länge von 30 Fuß erreichen soll*)Norden sagt gar 50. – Voyage d'Egypte p.163.: und doch haben seine Eyer kaum die Größe eines Gänse-Eyes. Erwachsen fällt er Menschen und andere große Thiere an. Jung gefangen aber läßt er sich doch zähmen.
2. Alligator. der Kaiman. L. mandibulis ellipticis, tegmine supraorbitali coriaceo, testa caluariae bifenestrata**)Dieser specifische Character, auf welchen mich Hr. Prof. Schneider aufmerksam gemacht, ist nicht etwa bloß am Schädel, sondern auch am ganzen, annoch mit seiner Haut bekleideten Kopfe, leicht zu erkennen., cauda parte anteriori rotunda, pedibus semipalmatis.
Seba vol. I. tab. 106.
238Im mittlern America. Weit rundlicher und glatter am Leibe und Schwanz, als der eigent - liche Crocodil, wird auch nicht so groß als die - ser und legt kleinere Eyer. Hat übrigens eben so wie jener fünf Zehen an den Vorderfüßen und viere an den hintern, von welchen allen aber nur die drey Innern mit Krallen bewaffnet sind.
3. Gangetica. der Gavial. L. mandibulis elongatis teretibus subcylindricis.
Edwards in philos. Transact. Vol. XLIX.
Zumahl im Ganges.
4. Monitor. (Fr. la sauve-garde.) L. cauda carinata, corpore mutico maculis ocellatis.
Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.
In beyden Indien. Ueberaus sauber und regelmäßig schwarz und weiß gefleckt; ungefähr anderthalb Ellen lang; hat den Namen daher, daß es sich, wie man sagt, meist in Gesellschaft der Crocodile aufhalten, und durch einen pfeifen - den Laut, den es von sich gibt, diese seine furcht - baren Gefährten verrathen soll.
5. Iguana der Leguan. L. cauda tereti longa, sutura dorsali dentata, crista gulae denticulata.
Seba vol. I. tab. 95. sqq. tab. 98. fig. 1.
In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein überaus schmackhaftes Fleisch und Eyer.
6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis duobus tribusque coadunatis.
Jo. Fr. Miller fascic. II. tab. II.
In Ostindien, Nord-Africa, und nun auch theils in Spanien. Langsam, träge, lebt auf239 Bäumen und Hecken, währt sich von Insecten, dieses mit seiner langen klebrigen Zunge sehr be - hende zu fangen versteht. Seine Lungen sind ausnehmend groß, und das Thier kann sich da - mit nach Willkür aufblasen oder dünner machen, daher vermuthlich die Sage der Alten entstanden seyn mag, daß es bloß von Luft lebe. Seine Augen haben die ganz eigene Einrichtung, daß jedes besonders, oder auch beyde zugleich nach verschiedenen Richtungen, eins z. B. aufwärts, das andere hinterwärts u. s. w. und zwar schnell bewegt werden können. Seine natürliche Farbe ist stahlgrau, es ändert dieselbe aber zuweilen, zumahl wenn es zornig wird ꝛc. Der zuweilen bemerkte Wiederschein von benachbarten farbigen Gegenständen auf die glänzenden Schuppen des lebendigen Thiers hat Anlaß zu der Fabel gege - ben, als ob sich seine Farbe überhaupt nach denselben richte.
7. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio oder saurus der Alten.) L. cauda tereti medio - cri, digitis muticis subtus lamellatis, cor - pore verrucoso, auribus concauis.
Seba vol. I. tab. 109.
In Ostindien, auch auf den Inseln der Südsee und selbst hin und wieder im südlichen Europa, z. B. im Neapolitanischen. Am häufigsten aber in Aegypten, wo er sich gern in die Häuser zieht und gefährlich wird. Er soll nähmlich einen gif - tigen Saft zwischen seinen blättrichten Fußzehen haben, und dieser sich den Eßwaaren, wo das Thier drüber wegläuft, mittheilen.
8. Stincus. (crocodilus terrester.) L. cauda tereti mediocri, apice compressa, digitis muticis lobato-squamosis marginatis.
240Im steinigen Arabien, Aegypten ꝛc. War weiland als ein Stärkungsmittel besonderer Art berufen; wird auch noch jetzt, in seiner Heimath, zu dieser Absicht verbraucht.
9. †. Agilis. die grüne Eidexe, Kupfer - eidexe. L cauda verticillata longiuscula, squamis acutis. collari subtus squamis con - stricto.
Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.
Im wärmern Europa, und wie es scheint, auch in beyden Indien und auf den Inseln der Südsee. Ist eben so unschuldig als alle übrige deutsche Eidexen. Ihre Eyer leuchten eine Zeit lang im Finstern.
10. †. Lacustris. der Wasser-Molch, Was - ser-Salamander. L. nigra, dorso lateri - busque verrucosis, abdomine flauo, nigro - maculato.
Laurenti tab. 2. fig. 4.
Die Männchen haben im Frühjahr eine vom Kopf bis zum Schwanz längs des Rückens hin - laufende empor stehende ausgezackte Haut. Von seiner ausnehmenden Reproductionskraft s. oben S. 31.
11. †. Salamandra. der Salamander, Molch, die Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron.) L. cauda tereti breui, pedibus muticis, cor - pore flauo nigroqne vario nudo, poroso.
Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.
Schwarz und orangegelb gefleckt, spannenlang und daumendick. Daß er giftig sey, im Feuer leben könne ꝛc. sind Fabeln.
241Die Schlangen*)S. Blas. Merrem Beyträge zur Geschichte der Am - phibien. Duisb. 2. Hefte 4. Patr. Rusell's Account of Indian Serpents, – together with experiments on their several poisons. Lond. 1796 gr. Fol. haben gar keine äußeren Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen lang gestreckten Körper, den sie wellenförmig bewegen; und der mit Schuppen, Schildern, oder Ringen bekleidet ist. Manche leben im Wasser (da sie bey ihren ausnehmend langen und theils blasenförmigen Lunge leicht schwim - men können), andere auf der Erde, andere meist auf Bäumen. Sie legen mehrentheils an einander gekettete Eyer, und ihre Kinn - laden sind nicht, wie bey andern Thieren, fest eingelenkt, sondern zum Kauen ungeschickt, in - dem sie sich weit von einander dehnen lassen, so daß die Schlangen andere Thiere, die oft weit dicker als sie selbst sind, ganz verschlingen können. Manche sind mit heftigem Gift in besondern Bläschen am vordern Rande des Oberkiefers versehen**)Diese sind mit ♂ bezeichnet.Die Anzahl aller bis jetzt bekannten giftigen Gattungen scheint sich zu den giftlosen ungefähr wie 1 zu 6 zu verhalten., das in eigenen Drü - sen abgeschieden und durch besondere röhrenför -242 mige, einzeln stehende, gegen die Spitze zu mit einer länglichen Oeffnung versehene, Gift - zähne (– als durch einen Ausführungsgang –) beym Biß in die Wunde geflößt wird. (– Ab - bild. n. h. Gegenst tab. 37. fig. 1. –) Diese bloß am vordern Rande des Oberkiefers befindlichen Giftzähne, geben auch den zuver - lässigsten Character ab um die giftigen Schlan - gen von den giftlosen zu unterscheiden*)Zu den übrigen zwar nicht ganz exceptionslosen, doch in den bey weiten mehrsten Fällen eintreffen - den Kennzeichen, wodurch sich die giftigen Schlan - gen auszeichnen, gehört 1) ein breiter gleichsam Herzförmiger Kopf mit kleinen Schildchen; 2) kielförmige Schuppen (d. h mit einem scharfkan - tigen Rücken); und 3) ein kurzer Schwanz, der nähmlich weniger als 1 / 5 der Länge des Thiers mißt. s. Dr. Gray in den philosophical Trans - actions Vol. LXXIX. P. I., da bey den letztern der ganze äußere Rand der obern Kinnlade (bis hinten) mit Zähnen be - setzt ist (– Abbild. n. h. Gegenst. a. a. O. fig. 2. –) außerdem haben aber wohl alle Schlangen noch eine doppelte Reihe kleiner Gaumen-Zähne mit einander gemein.
5. Crotalvs. Klapperschlange. (Fr. ser - pent à sonnettes. Engl. rattle-snake.) Scuta abdominalia. Scuta squamae - que subcaudales. Crepitaculum termi - nale caudae.
1. Horridus. ♂ C. scutis 167. scutellis 23.
Seba vol. II. tab. 95. fig. 1.
243Zumahl im wärmern Nordamerica: wird auf 6 Fuß lang und fast armsdick. Die Gattungen dieses Geschlechts unterscheiden sich von allen andern Schlangen, ja überhaupt von allen übri - gen Thieren in der Schöpfung durch die räthsel - hafte, hornartige, gegliederte Rassel am Ende des Schwanzes. – Die Zahl der Glieder an diesem so wunderbar gebauten und in seiner Art so ganz einzigen Organ nimmt mit den Jahren zu und soll bey Alten wohl auf 40 steigen. Daß kleine Vögel, Eichhörnchen ꝛc. im Gebüsch der darunter liegenden Klapperschlange*)Da die Klapperschlangen sehr träge Geschöpfe sind, und nicht auf Bäume kriechen können, so ist Mead's Vermuthung nicht unwahrscheinlich, daß die ihnen so ganz ausschließlich eigene sonder - bare Klapper wohl dazu dienen könne, die da - durch aufgeschreckten Vögel ꝛc. zu sich herunter zu bringen. – (– so wie nach der alten, wenig - stens an sich nicht ungereimten Sage, dem Ce - rasten seine so genannten Hörnchen auch dazu dienen sollen, kleine Vögel herbey zu ziehen. –) Auch hat wir ein sehr zuverlässiger und genauer Beobachter, Hr. Major Gardner, der sich lange in Ost-Florida aufgehalten, versichert, daß deß - halb die dasigen jungen Indianer um Eichhörn - chen zu fangen, den rasselnden Ton der Klapper - schlangen nachahmen.Ausführlicher habe ich davon in Hr. Hofr. Voigts neuen Magazin gehandelt; 1. B. 2. St. S. 37 u. f. „ über die Zauberkraft der Klapper - schlangen, besonders in Rücksicht einer Schrift des Hrn. Dr. Barton. “ gleich - sam von selbst in den Rachen fallen, wird von gültigen Augenzeugen versichert; ist aber keine ausschließliche Eigenheit dieses Geschlechts, da man das nähmliche auch an mehrern andern Schlangen der neuen und alten Welt bemerkt haben will. – Die Klapperschlangen selbst wer -244 den häufigst von den Schweinen und Raubvö - geln, auch von vielen Negern in America, ohne Nachtheil gegessen. Auch lassen sie sich überaus kirre und zahm machen.
6. Boa. Scuta abdominalia et subcau - dalia.
1. Constrictor. die Riesenschlange, Abgotts - schlange, Anaconda. B. scutis 240. scu - tellis 60.
Merrem II. Heft tab. I.
In Ostindien und Africa. Wird nach Adan - sons Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll lebendigen Rehen ꝛc. die Rippen und andere Knochen entzwey brechen, das Thier nachher mit einem gallertartigen Geifer überziehen, und so hinter würgen. Doch ist sie leicht kirre zu machen und wird, wie die Brillenschlange, von den ostindischen Gaucklern zu allerhand Kunst - stücken abgerichtet. – Die Amaru-Schlange in Süd-America, die von den Antis in Peru angebethet ward, und auch auf 30 Fuß lang wird, scheint wenig von dieser verschieden. – Hinge - gen ist wohl die auf Guinea so heilig verehrte so genannte Juda-Schlange von einer an - dern Gattung.
7. Colvber. (Fr. couleuvre.) Scuta ab - dominalia, squamae subcaudales.
1. Vipera. ♂ C. scutis 118. squamis 22.
Es werden mehrere Schlangen mit dem Nah - men der Viper belegt. Hier diese von Linné so genannte, ist in Aegypten zu Hause.
2452. Cerastes. ♂ die gehörnte Schlange. C. tentaculis superciliaribus, scutis 145. squa - mis 44.
Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im Anhang tab. 40.
Diese von den beyden über den Augen stehen - den Hörnchen benannte Schlange hat gleiches Vaterland mit der vorigen, und ist allerdings giftig.
3. †. Berus. die Otter, Viper. (Engl. the adder) ♂ C. scutis 146. squamis 39.
Laurenti tab. 2. fig. 1.
Diese ehemahls officinelle Viper ist von bräun - licher Farbe und in den wärmern Gegenden der alten Welt, auch schon in Deutschland und in der Schweiz zu Hause. Ihr Biß verursacht zwar heftige Entzündung ꝛc. wird doch aber nur selten tödtlich. Auch wird sie ohne Schaden von den Raubvögeln gefressen. Es ist dieselbe Gat - tung, womit ehedem Redi und neuerlich Fon - tana so viele merkwürdige Versuche angestellt haben.
4. † Natrix. die Ringel-Matter, Schnacke, der Unk. C. scutis 170. squamis 60.
Stahlfarbig mit weißen Seiten-Flecken, zu - mahl an den beyden Seiten des Halses. Man hat selbst in Europa welche von 10 u. m. Fuß gefunden, die dann wohl ehedem Anlaß zu den abentheuerlichen Erzählungen von Lindwürmern ꝛc. gegeben haben mögen.
5. Coccineus. die Carmoisin-Schlange. C. scutis 175. squamis 35.
Voigts Magazin 5ten Bdes 1stes Stück. tab. 1.
246Diese ausnehmend schönfarbige und unschul - dige Schlange ist in Florida und Neu-Spanien zu Hause. Fingers dick und ungefähr 2 Fuß lang. Längs dem Rücken laufen etliche und zwanzig große und sehr regelmäßige carmoisin - rothe Flecken, die mit schwarzen Rändern einge - faßt, und diese wieder mit citrongelben Quer - streifen von einander abgesondert sind. Die Mädchen in Florida sollen das schöne Thier zum Putz als Halsband oder in die Haare geflochten tragen ꝛc.
6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de Ca - belo.) ♂ C. scutis 193. squamis 60.
Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.
In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehnbar, und bey beyden Geschlechtern hinten mit einer brillenähnlichen Figur bezeichnet. Ist eine der giftigsten Schlangen, wird aber häufig vom Ichneumon gefressen, und ist auch leicht zu aller - hand Gaukelkünsten abzurichten.
8. Angvis. Squamae abdominales et subcaudales.
1. †. Fragilis. die Blindschleiche, der Ha - selwurm, Hartwurm. (Engl. the blind - worm, flow-worm.) A. squ. abd. 135. totidemque subcaud.
In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer ꝛc. Bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt, und die Stücke bewegen sich doch noch Stunden lang. Man findet von ihr mancherley theils sauber gezeichnete Spielarten.
2472. Platuros. ♂ A. cauda compressa obtusa.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 28.
Im indischen Ocean und der Südsee.
9. Amphisbaena. Annuli trunci cau - daeque.
1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30.
Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u. a.
In America. Schwarz und weiß gefleckt.
10. Caecilia. Rugae trunci caudae - que. Labrum superius tentaculis 2.
1. Tentaculata. C. rugis 135.
Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.
Auch in America. Hat gar keine Schuppen, sondern runzlige Ringe in der glatten Haut, fast wie ein Regenwurm.
Die Fische sind diejenigen mit rothen kal - ten Blut versehenen Thiere, die sich mittelst wahrer (mit Gräten oder knorplichen Faden ver - sehenen) Flossen bewegen, und mittelst wahrer lebenslang bleibender Kiemen Athem hohlen.
Anm. Wahre Kiemen und wahre Flossen – um sie von den gewisser Maßen analogen Organen der ganz jungen Frösche, Salamander ꝛc. (§. 94.) zu unterscheiden.
Diese Kiemenn oder Kiemen (branchiae) vertreten bey den Fischen fast vollkommen die Stelle der Lungen. Sie liegen auf beyden Seiten hinter dem Kopfe, meistens unter einer oder mehreren großen halbmondförmigen Schup - pen, die deßhalb die Kiemen-Deckel (opercula branchialia) heißen und bey den mehresten mit der Kiemen-Haut (membrana branchio - stega) verbunden sind. Die Kiemen selbst sind mit unzähligen der zartesten Blutgefäße durchwebt, und auf jeder Seite meist in vier Blätter vertheilt, die ungefähr der Fahne an249 einer Feder ähneln und die an ihrer Basis durch eben so viele bogenförmige Gräten unter - stützt werden.
Das Athemhohlen, das die Fische eben so wenig als die mit Lungen versehenen Thiere lange entbehren können, geschieht bey ihnen, indem sie die im Wasser aufgelösete Luft durch den Mund in die Kiemen leiten, und dann durch die Kiemenöffnung (apertura branchia - lis) wiederum von sich geben; folglich nicht wie die mit Lungen versehenen Thiere durch den gleichen Weg ein-und ausathmen.
Da sie keine Lungen haben, so versteht sich folglich von selbst, daß ihnen auch keine wahre Stimme zugeschrieben werden kann, obgleich einige von ihnen, wie z. B. der Knurrhahn, der Wetterfisch ꝛc. einen Laut von sich geben können.
Die Bildung des Körpers, überhaupt ge - nommen, ist bey den Fischen ungleich mannig - faltiger als bey den beyden vorigen Thierclassen. Bey den mehresten hat doch der Körper eine verticale Stellung d. h. er ist auf beyden Sei - ten zusammen gedrückt (corpus compressum s. cathetoplateum); bey einigen andern hin -250 gegen, wie bey dem Rochen, liegt er hori - zontal, ist in die Breite platt gedrückt (corpus depresum s. plagioplateum); bey andern, wie beym Aal ꝛc. ist er mehr rundlich: bey andern, wie bey den Panzerfischen, prismatisch oder vierkantig ꝛc.
Bey allen aber stoßen Kopf und Rumpf un - mittelbar an einander, ohne durch einen eigent - lichen Hals von einander abgesondert zu seyn.
Die Fische sind (höchstens bis auf sehr wenige Ausnahmen) mit Schuppen bekleidet; die von einer ganz eigenen Substanz, und bey den verschiedenen Gattungen von der mannig - faltigsten theils ausnehmend eleganten Bildung und Zeichnung, und farbigen Gold - und Sil - berglanze sind.
Sie werden von außen noch mit einem be - sondern Schleim überzogen, der großen Theils aus kleinen Schleimhöhlen abgeschieden zu wer - den scheint, die bey den mehresten Fischen zu beyden Seiten des Körpers in der so genannten Seiten-Linie liegen.
Die mehrsten der so genannten Knorpelfische sind mit schildförmigen Schuppen oder gar mit einer festen knochigen Schale gepanzert.
Die Bewegungswerkzeuge der Fische, die Flossen (an welchen man neuerlich merkwürdige251 Reproductionskraft wahrgenommen), bestehen aus dünnen knochenartigen oder knorpligen Grä - ten, die durch eine besondere Haut mit ein - ander verbunden, an eigenen Knochen befestigt, und durch bestimmte Muskeln bewegt werden. Ihrer bestimmten Lage nach heißen die obern, Rückenflossen (pinnae dorsales); die seitwärts hinter den Kiemenn befindlichen, Brustflossen (pinnae pectorales); die am Bauche vor der Oeffnung des Afters stehenden, Bauchflossen (pinnae ventrales); die hinter dieser Oeff - nung, Steißflosse (pinna analis); endlich am Schwanze, die Schwanzflosse (pinna caudalis). Die letztere hat alle Mahl eine verticale Lage, und vertritt völlig die Stelle eines Steuerru - ders zum Lenken ꝛc. So wie hingegen die Brustflossen zum eigentlichen Fortrudern u. s. w. dienen.
Die so genannten fliegenden Fische haben sehr lange und straffe Brustflossen, so daß sie sich damit selbst über die Oberfläche des Was - sers erheben und kleine Strecken weit fort - fliegen können.
Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung der Fische, besonders wohl zum Steigen und Sinken (wie bey den so genannten cartesianischen Teufelchen), ist die Schwimmblase, womit zumahl die Süß-Wasser-Fische versehen sind,252 und die mittelst eines eigenen Canals (ductus pneumaticus) meist mit dem Schlunde, sel - tener mit dem Magen in Verbindung steht.
In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man die Fische überhaupt in See - und Süß-Was - ser-Fische. Einige können doch auch zuweilen einige Zeit im Trocknen aushalten, wie der Aal, die Muräne ꝛc. Andere theils in war - men mineralischen Quellen*)S. Sonnerat in Rozier journal de physique. Avr. 1774. pag. 256 u. f. Buffon supplement Vol. V. pag. 540 u. f..
Die mehresten Fische, zumahl die in der See leben, sind animalia nocturna, die nähmlich ihren Geschäften zur Nachtzeit nach - gehen, am Tage hingegen sich mehr in der Tiefe ruhig halten. Daher auch die von Fischen lebenden Insulaner und Küsten-Bewohner meist des Nachts auf den Fang ausgehen.
Eine große Anzahl Gattungen von Fischen verändern in gewissen Jahrszeiten ihren Auf - enthalt; so steigen viele Seefische um zu leichen in die Buchten und Mündungen der Flüsse; manche derselben aber, wie z. B. die Häringe253 im nördlichen atlantischen Ocean, machen auch noch außerdem anderweitige Züge zu bestimm - ten Jahrszeiten und in unermeßlichen Scha - ren zwischen den Küsten des westlichen Europa und des nordstölichen America*)S. Gilpin's Karte in den Transactions of the Ame - rican philos. Soc. at Philadelphia Vol. II. tab. 5. B..
Die Fische sind größten Theils fleischfres - sende Thiere, und sind, da sie keine eigentliche Füße haben ihre Beute damit zu fassen, mit mancherley andern Mitteln ihrer Herr zu wer - den, versehen.
Theils nähmlich mit langen Bartfasern (cirri) am Maule, um damit andere kleine Wasserthiere, wie mit einem Köder zu locken, und gleichsam zu angeln. (So der Sternseher, der Froschfisch ꝛc.)
Andere, wie der Chaetadon rostratus, mit einer Spritzröhre, um dadurch die über dem Wasser fliegenden Insecten gleichsam herab zu schießen.
Andere, wie drey Seefische, der Zitter - rochen, Tetrodon electricus und Trichiurus indicus und die beyden Flußfische, der Zitter - aal und der Zitterwels, mit einer besondern erschütternden und betäubenden Kraft u. s. w.
Was die äußern Sinne der Fische betrifft, so muß der Geruch bey vielen überaus scharf seyn, da sie den versteckten Köder in weiter Entfernung auswittern.
Ueber ihr Gehör ist man nun ziemlich ins Reine, da man weiß, daß sie nicht nur den Sinn, und zwar in auffallender Schärfe, – sondern auch selbst ähnliche Organe, wie die im innern Ohr anderer rothblütigen Thiere, besitzen.
Die auffallendsten Sonderbarkeiten zeigen sich aber im Baue des Auges der Fische*)S. Haller in den Mém. de l'acad. des sc. de Paris v. J. 1762, S. 76 u. f. und Dess. opera minora, vol. III. p. 250 sq., das sich z. B. durch den gänzlichen Mangel des so genannten Strahlenbandes (corpus ciliare) auszeichnet u. dergl. m.
Ueber die Naturtriebe u. a. Seelenkräfte der Fische läßt sich vor der Hand aus Mangel an richtigen Beobachtungen wenig sagen. Doch weiß man, daß manche, wie z. B. die Forellen, überaus kirre werden**)Baster opusc. subseciva. T. I. L. II. p. 88.; andere, z. B. alte Karpfen, sehr listig und verschlagen sind u. s. w.
Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche Anmerkung, die bey den Amphibien gemacht worden ist (§. 91.), daß nähmlich vermuthlich alle einem Winterschlaf ausgesetzt sind; aber wohl nur sehr wenige einen bestimmten tägli - chen periodischen Erhohlungsschlaf haben: wie es z. B. vom Goldbrachsen gesagt wird.
Außer den wenigen lebendig-gebährenden Fischen, wohin der Aal und die so genannte Aalmutter gehören, mögen sich wohl wenige Fische wirklich mit einander paaren; sondern bey den mehresten Gibt das Weibchen den Ro - gen noch unbefruchtet von sich, und das Männ - chen kommt hierauf nach, um denselben mit seiner Milch zu begießen.
Man hat diese Einrichtung für die Land - wirthschaft benutzen gelernt, indem man auch aus der künstlichen Vermischung von Eyern und Samen der Forellen ꝛc. junge Fische erzielen kann*)Hannov. Magazin v. J. 1765. S. 978 u. f..
Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge - schäfte der Fische gehört auch noch, daß man einzeln unter denselben wirkliche Zwitter – und anderseits auch völlig geschlechtlose**)Bonnet oeuvr. vol. III. pag. 506. Mißge - burten gefunden haben will.
Die Vermehrung der meisten Fische ist zum Wunder stark, so, daß ungeachtet die Eyerchen der mehresten in Verhältniß zu ihrer Statur ungleich kleiner sind, als in irgend einer andern Thier-Classe; dennoch bey manchen die Eyerstöcke größer sind, als ihr ganzer übriger Körper. Daher zählt man, z. B. beym Hä - ring, zwischen 20 und 37000, beym Karpfen über 200000, bey der Schleihe 383000, beym Flinder über eine Million Eyerchen ꝛc. *)Philos. Transact. vol. LVII. pag. 280.
Theils haben die jungen Fische, so wie sie aus dem Eye kriechen, noch nicht ihre völlige Gestalt; sondern müssen sich ebenfalls, so wie viele Amphibien (§. 94.), erst einer Art von Metamorphose unterziehen, wodurch ihre Flos - sen u. dergl. m. allgemach ausgebil - det werden.
Die Fische gelangen, im Verhältniß zur Größe ihres Körpers, zu einem hohen Alter. Man weiß von Karpfen, Hechten ꝛc. daß sie anderthalb hundert Jahre erreichen können. Doch werden einige kleine Fische, wie z. B. der Stichling ꝛc. nur wenige Jahre alt.
Die Brauchbarkeit der Fische für den Menschen ist ziemlich einfach, meist bloß zur Speise; aber eben von dieser Seite für einen großen Theil des Menschengeschlechts, der theils fast ganz von diesen Thieren lebt, von der äußersten Wichtigkeit. Selbst wilde Völker, wie z. B. die Kamtschadalen, Brasilianer ꝛc. wissen die Fische auf die mannigfaltigste Weise, sogar zu einer Art Mehl, zu Kuchen u. s. w. zu bereiten: und bey vielen, wie z. B. unter den Insulanern des stillen Oceans, macht der Fischfang ihr Hauptgeschäft, – und in Rück - sicht der überaus sinnreichen angemessenen Ge - räthschaften, die sie sich dazu erfunden haben, wirklich eine Art von nachdenkendem Studium aus. Aber auch für einen großen Theil der cultivirten Erde ist der Fang, z. B. des Hä - rings, Kabeljaus, Thunnfisches u. dergl. m. von äußerster Wichtigkeit – Der Thran von Hayen, Häringen, Kabeljauen ꝛc. wird häu - figst in Lampen gebrannt. – Die ostlichsten Küstenbewohner des mittlern Asien kleiden sich in gegerbte Lachshäute. – Und manche Theile einiger Fische werden zu technischen Gebrauch und Kunstsachen benutzt; wie z. B. die Schup - pen des Ukley zu Glasperlen; Fischhaut von Rochen und Hayen ꝛc. ; Hausenblase ꝛc.
Den mehresten Schaden thun die Raub - fische; zumahl in den Weltmeeren die Haye; und in den süßen Wassern die Hechte. – Auch sind manche Fische wenigstens in gewissen Ge - genden giftig, so daß ihr Genuß tödtlich wer - den kann. So zumahl einige Gattungen von Tetrodon.
Die systematische Classification der Fische scheint noch mancher Verbesserung zu bedürfen. Inzwischen bringt man sie vor der Hand im Gan - zen unter zwey Hauptabtheilungen: nähmlich.
A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei) die keine wahren Gräten haben: und
B) mit Gräten versehene oder eigentlich so genannte Fische (Pisces spinosi).
Die Knorpelfische sondert man in folgende zwey Ordnungen, welche Hr. La Cepede nach dem Daseyn oder Mangel des Kiemendeckels be - stimmt, und hiernach die darunter gehörigen Geschlechter vertheilt: nähmlich
I. Chondropterygii. Ohne Kiemendeckel.
II. Branchiostegi. Mit Kiemendeckel.
Die eigentlich so genannten Fische aber hat Linné nach der Beschaffenheit und Lage der Bauchflossen geordnet: nähmlich:
III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen haben.
259IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen vor den Brustflossen sitzen.
V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen gerade unter den Brustflossen, und
VI. Abdominales. Wo sie hinter diesen sitzen.
Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physio - logie der Fische mit dem Bau des Menschen und der übrigen Thiere. – Mit vielen Zusätzen vor P. Camper und J. G. Schneider. Leipz. 1787. 4.
260Die Knorpelfische dieser Ordnung haben keine Kiemendeckel, und bey den mehresten ist das Maul an der Unterseite des Kopfs be - findlich.
1. Petromyzon. Spiracula branchia - lia 7 ad latera colli. Fistula in ver - tice. Pinnae pectorales aut ventrales nullae.
1. †. Marinus. die Lamprete. (Fr. la lam - proye. Engl. the lamprey.) P. ore intus papilloso, pinna dorsali posteriori a cauda distincta.
Bloch tab. 77.
In der Nordsee so wie im mitländischen u. a. Meeren. Steigt aber auch 8 und mehrere Meilen weit in die Flüsse. Wird wohl auf 3 Fuß lang.
2. †. Fluuialitis. die Pricke, Neunauge. P. pinna dorsali posteriore angulata.
Bloch tab. 78.
In größern Flüssen. Nur halb so groß als die vorige Gattung.
2. Gastrobranchvs. Bauchkieme. Spiracula branchialia 2 ventralia. Fi - stula in rostro. Pinnae pectorales aut ventrales nullae.
Dieses räthselhafte Geschlecht ward ehedem unter dem Nahmen Myxine den Gewürmen beygezählt.
2611. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal. (My - xine glutinosa Linn.)
Bloch tab. 413.
An den Küsten des nördlichen atlantischen Oceans. Soll gar keine Augen haben!
3. Raia. Roche. (Fr. raie. Engl. ray.) Spiracula branchialia 5 subtus ad col - lum; corpus depressum; os sub capite.
Ein seltsam gebildetes und theils gar wunder - bar organisirtes Thiergeschlecht. Manche Arten hat man ehedem durch allerhand Künsteley zu vorgeblichen Basilisken ꝛc. umgestaltet und auf - getrocknet. Manche scheinen auch bey einiger Aehnlichkeit, die der Untertheil ihres Kopfs mit einem Menschengesichte hat, zu der Sage von Sirenen etwas beygetragen zu haben*)S. z. B. des Capuciner Cavazzi pesce donna; in seiner Descrizione di Congo ꝛc. pag. 52.. Un - geachtet sie nur ein Ey auf einmahl legen, so vermehren sie sich doch so stark, daß der Ocean in manchen Gegenden gleichsam davon wimmelt. Die Eyer haben eine hornige Schale mit vier Spitzen, und heißen See-Mäuse.
1. Torpedo. der Zitterroche, Krampfisch. (Fr. la torpille. Engl. the crampfish.) R. tota laeuis maculis dorsalibus 5 orbi - culatis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 57.
Besonders im mitländischen Meere. Der be - kannteste von den so genannten elektrischen Fischen. (§. 110.) Wird an theils Orten gegessen.
2622. †. Batis. der Glattroche, Baumroche, Flete, Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the skate, flair.) R. varia, dorso medio glabro, cauda vnico aculeorum ordine.
Bloch tab. 79.
In den europäischen Meeren. Wird auf zwey Centner schwer. Hat ein vorzüglich schmack - haftes Fleisch.
3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz. (Fr. la pastenaque, tareronde, raie baïo - nette.) Engl. the sting-ray) R. corpore glabro, aculeo longo anterius serrato in cauda, et dorso apterygio.
Bloch tab. 82.
In vielen Welt-Meeren. Sein Schwanz - stachel ist zwar nicht giftig; aber er dient dem Thiere und auch wilden Völkern als Waffen.
4. Sqvalvs. Hay. (Fr. chien de mer. Engl. shark.) Spiracula branchialia 5 ad latera colli. Corpus oblongum te - retiusculum. Os in anteriore capitis parte.
1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat.) S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis, corpore teretiusculo.
Bloch tab. 85.
In den europäischen Meeren. Hat drey Reihen Zähne in jedem Kiefer.
2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch. S. capite latissimo transuerso malleiformi.
Bloch tab. 117.
In den mehresten Weltmeeren.
2633. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin. Engl. the white shark.) S. dorso plano, dentibus serratis.
Bloch tab. 119.
Zumahl häufig im atlantischen Ocean. Wiegt zuweilen auf zehntausend Pfund, und in seinem Magen hat man wohl eher ganze Pferde gefun - den. Hat sechsfache Reihen Zähne in den Kie - fern, die (wie überhaupt bey den mehresten Hayen) nicht in die Kinnladen eingekeilt, son - dern wie durch eine Art Gelenk mit denselben verbunden sind. Die vordere Reihe dieser Zähne macht das eigentliche Gebiß. Die hintern liegen (wenigstens beym jungen Thier) rückwärts ge - lehrt, gleichsam auf Reserve, damit zufälliger Verlust derer in der vordern Reihe zu wieder - holten Malen ersetzt werden kann.
4. Pristis. der Sägefisch, Schwertfisch. (Fr. la scie de mer. Engl. the saw-fish.) S. pinna ani nulla, rostro ensiformi osseo plano vtrinque dentato.
Bloch tab. 120.
Unter andern im nördlichen atlantischen Ocean. Das breite schwertförmige, oft mehrere Ellen lange Gewehr, das dieses Thier vor dem Kopfe führt, ist an beyden Seiten-Rändern mit 24 oder mehreren starken eingekeilten Zähnen besetzt.
5. Lophivs. Seeteufel (Fr. diable de mer. Engl. sea-devil) Pinnae pecto - rales brachiis insidentes. Spiracula so - litaria pone brachia.
2641. †. Piscatorius. der Froschfisch. (rana pisca - trix. Fr. la grenouille pecheuse. Engl. the frog-filsh.) L. depressus capite rotundato.
Bloch tab. 87.
An den europäischen Küsten. Der ungeheuere Kopf, der die größere Hälfte des ganzen Thiers ausmacht, und dann die fleischigen Angelfaden am Maule (§. 110.) geben ihm ein auffallen - des Ansehen.
6. Balistes. Hornfisch. Caput com - pressum. Apertura supra pinnas pecto - rales. Corpus compressum, squamis corio coadunatis. Abdomen carina - tum.
1. Tomentosus. (Engl. the little old wife.) B. pinna capitis biradiata, corpore poste - rius subuilloso.
Bloch tab. 148. fig. 1.
In beyden Indien.
7. Chimaera. Spiracula solitaria, qua - dripartita, sub collo. Oris labium su - perius quinquepartitum. Dentes pri - mores incisores bini supra infraque.
1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis per - tusis.
Bloch tab. 124.
Im nördlichen atlantischen Ocean.
265Die mit Kiemendeckeln versehenen Knor - pelfische.
8. Acipenser. Spiracula lateralia so - litaria, linearia. Os sub capite, re - tractile, edentulum. Cirri quatuor sub rostro ante os.
1. †. Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon. Engl. the sturgeon.) A. squamis dorsa - libus 11.
Bloch tab. 88.
In allen europäischen Meeren, auch im caspi - schen ꝛc. in der Wolga, im Nil ꝛc. Macht nebst den übrigen Gattungen dieses Geschlechts so - wohl wegen des Fleisches, als des aus dem Rogen bereiteten Caviars, für viele Völker einen wichtigen Fang aus, und kann gegen tausend Pfund schwer werden. Oft ziehen ihrer eine Menge in schmalen aber langen Zügen hinter einander, und das soll Anlaß zu der fabelhaften Sage von ungeheueren nordischen Seeschlangen gegeben haben.
2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dor - salibus 15.
Bloch tab. 89.
Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich am häufigsten im caspischen Meer und in der Wolga, aber selten über 30 Pfund schwer.
2663. Huso. der Hausen, Beluga. A. squamis dorsalibus 13. caudalibus 43.
Bloch tab. 129.
Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist vorzüglich wegen des Fischleims oder der Hausen - blase merkwürdig, die man besonders aus der Schwimmblase desselben, doch auch aus dem Stör und noch aus einer andern Gattung dieses Geschlechts, nähmlich der Sewruge (Acipenser stellatus. ), die auch das beste Caviar Gibt; ja theils auch aus der Schwimmblase des Wels, bereitet.
9. Ostracion. Panzerfisch (Fr. poisson coffre. ) Corpus osse integro loricatum. Pinnae ventrales nullae.
1. Bicuspis. O. trigonus, spinis dorsalibus duabus.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 58.
An den Küsten von Schina, und, wenn an - ders der O. stellifer nicht eine eigene Gattung ist, auch in America.
1. Triqueter. O. trigonus muticus.
Bloch tab. 130.
So wie der folgende in Ostindien.
2. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontali - bus subcaudalibusque binis.
Bloch tab. 133.
In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier, dessen Panzer aufs regelmäßigste, meist mit Sechsecken wie Bienenzellen, bezeichnet ist.
26710. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus subtus muricatum. Pinnae ventrales nullae.
1. Lagocephalus. (Fr. le poisson souffleur.) T. abdomine aculeato, corpore laeui, hu - meris prominentibus.
Bloch tab. 140.
Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind die, so man oben im Flusse landeinwärts fängt, ein gesundes gutes Essen. Hingegen die nahe an der See, in der Mündung des Stroms, sehr giftig.
3. Electricus. T. corpore maculoso; pinnis viridibus.
Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II. tab. 13.
Einer von den fünf bis jetzt bekannten elektri - schen Fischen. (§. 110.) In Ostindien an der St. Johanna-Insel.
3. Hispidus. der Kugelfisch. (orbis. Engl. the moon-fish. ) T. totus hispidus, papil - lis setaceis.
Bloch tab. 142.
Im rothen Meere ꝛc. Aber auch in den süßen Wassern der benachbarten Länder.
4. Mola. der Klumpfisch. (Fr. la lune de mer. Engl. the sun-fish. ) T. laeuis com - pressus, cauda truncata: pinna breuissima dorsali analique annexa.
Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. I.
Häufig im mittländischen und atlantischen Meere. Wiegt zuweilen auf fünf Centner. Hat den268 deutschen Namen von seiner unförmlichen Ge - stalt; den französischen und englischen aber von dem starken phosphorischen Schein, womit die Seiten und der Unterleib des lebendigen Fisches leuchten.
11. Diodon. Corpus spinis acutis mo - bilibus vndique adspersum. Pinnae ventrales nullae.
1. Hystrix der Stachelfisch, Guara. (Engl. the porcupine-fish.) D. oblongus, aculeis teretibus.
Bloch tab. 126.
Zumahl im atlantischen Ocean: nahmentlich auch an den nordamericanischen Küsten.
12. Cycloptervs. Bauch-Sauger. Caput obtusum. Pinnae ventrales in orbiculum connatae.
1. †. Lumpus. der See-Hase, Klebpfost, Hafpadde. (Fr. le lievre de mer. Engl. the lump-sucker.) C. corpore squamis osseis angulato.
Bloch tab. 90.
In den nördlichen Meeren der alten Welt. Hängt sich mit seinem gerippten flachen Brustschilde aufs festeste an die Klippen, Schiffe u. s. w. an.
13. Centriscvs. Messer-Fisch. Caput productum in rostrum angustissimum. Abdomen carinatum. Pinnae ventrales vnitae.
2691. Scolopax. die Meer-Schnepfe. C. corpore squamoso scabro, cauda recta extensa.
Bloch tab. 123 fig. 1.
Im mitländischen Meer ꝛc.
14. Syngnathvs. Rostrum subcylin - dricum, ore operculato, maxilla inferiore mobiliore. Corpus cataphractum. Pinnae ventrales nullae.
1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel. (Engl. the pipe.) S. pinnis caudae ani pectoralibusque radiatis; corpore septem - angulato.
Bloch tab. 91. fig. 2.
In der Nord - und Ostsee ꝛc.
2. Hippocampus. das See-Pferdchen, die See-Raupe. (Fr. le cheval marin. Engl. the sea-horse.) S. pinna caudae quadrangu - lae nulla, corpore septemangulato tuber - culato.
Bloch tab. 116. fig. 3.
Einer der weitstverbreiteten Seefische. Hat seine Rahmen, weil der Vordertheil einem Pferdekopf und Hals, das hintere Ende aber einer Raupe verglichen worden. Im Tode krümmt er sich wie ein S, und ähnelt so dem Springer im Schach.
15. Pegasvs. Os proboscide retractili. Rostrum ensiforme, lineare. Corpus articulatum osseis incisuris, cataphra - ctum. Pinnae ventrales abdominales.
2701. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico.
Bloch tab. 109. fig. 1. 2.
In Ostindien. Die großen breiten Brustflossen ähneln ausgespannten Flügeln, und mögen wohl den Nahmen veranlaßt haben.
Diese und die drey folgenden Ordnungen be - greifen nun die mit Gräten versehenen oder eigentlich so genannten Fische. Und zwar hier diese, die so gar keine Bauchflossen haben.
16. Mvraena. Caput laeue. Nares tubulosae. Membr. branch. radiis 10, corpus teretiusculum, lubricum. Pinna caudalis coadunata dorsali anique. Spi - racula pone caput vel pinnas pectorales.
1. Helena, die Muräne. M. pinnis pectora - libus nullis.
Bloch tab. 153.
Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wärmern Meeren beyder Welten.
2. †. Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille, Engl. the eel.) M. maxilla inferiore longiore, cor - pore vnicolore.
Bloch tab. 73.
In den Flüssen beider Welten. Geht zuweilen ans Land auf Wiesen, ins Getreide ꝛc. Hat ein zähes Leben, und das ihm ausgeschnittne Herz271 behält wohl noch 40 Stunden lang seine Reitz - barkeit. Nach den genauesten Beobachtungen gebiert er wohl sicher lebendige Junge.
17. Gymnotvs. Caput operculis laterali - bus. Tentacula duo ad labium superius. Membr. branch. radiis 5; corpus com - pressum, subtus pinna carinatum.
1. Electricus. der Zitteraal, Zitterfisch, Drill - fisch (Fr. l'anguille electrique.) G. nudus, dorso apterygio, pinna caudali obtusissima anali connexa.
Bloch tab. 156.
Besonders bey Surinam und Cayenne, wo ihn van Berkel*)S. Sammlung seltener und merkwürdiger Reise - geschichten. I. Th. Memmingen, 1789. 8. S. 220. zuerst bekannt gemacht hat. Un - gefähr mannslang.
18. Trichivrvs. Caput porrectum, operculis lateralibus. Dentes ensifor - mes, apice semisagittati: primores maiores. Membr. branchiostega radiis 7. Corpus compresso-ensiforme. Cauda subulata, aptera.
1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.
Bloch tab. 158.
In beyden Indien.
2. Indicus. T. mandibulis aequalibus.
Willoughby App. tab. 3. fig. 3.
In Ostindien. Ebenfalls ein elektrischer Fisch. (§. 110.)
27219. Anarrhichas. Caput obtusiuscu - lum. Dentes primores supra infraque conici, diuergentes, sex pluresue, molares inferiores palatique rotundati. Membr. branch. radiis 6. Corpus tere - tiusculum, pinna caudae distincta.
1. †. Lupus. der Klippfisch, Seewolf. (Engl. the ravenous.) A. pinnis pectoralibus amplis subrotundis.
Bloch tab. 74.
An den Küsten des nördlichen Europa.
20. Ammodytes. Caput compressum. Labium superius duplicatum, dentes acerosi. Membr. branch. rad. 7 corpus teretiusculum, cauda distincta.
1. †. Tobiannus der Sandfisch, Sandaal, To - biasfisch. (Engl. the sand-launce) A. maxilla inferiore longiore.
Bloch tab. 75. fig. 2.
Ebenfalls am nördlichen Europa.
21. Ophidivm. Caput nudiusculum, dentes maxillis, palato, faucibus. Membr. branch. radiis 7 patula. Cor - pus ensiforme.
1. Barbatum. (Fr. la donzelle.) O. maxilla inferiore cirris 4.
Bloch tab. 159. fig. 1.
Am südlichen Europa.
27322. Stromatevs. Caput compressum. Dentes in maxillis, palato. Corpus oua - tum, latum, lubricum. Cauda bifida.
1. Paru. S. vnicolor.
Bloch tab. 160.
An America.
23. Xiphias. Caput maxilla superiore terminatum rostro ensiformi. Os eden - tulum. Membr. branch. rad. 8; corpus teretiusculum.
1. †. Gladius. der Schwertfisch, Hornfisch. (Fr. l'épée de mer, l'empereur, l'espadon. Engl. the sword-fish, whale-killer.) X. mandibula inferiore acuta, triangulari.
Bloch tab. 76.
In den nördlichen so wohl als südlichen Meeren. Wird mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und hält dann gegen 5 Centner an Gewicht.
Fische, deren Bauchfloßfedern vor den Brustflossen sitzen.
24. Callionymvs. Caput labio su - periore duplicato; oculi approximati. Membr. branchiostega rad. 6.; apertura nuchae foraminibus respirante. Oper -274 cula clausa. Corpus nudum. Pinnae ventrales remotissimae.
1. Lyra. (Fr. le lacert Engl. the piper.) C. dorsalis prioris radiis longitudine corporis.
Bloch tab. 161.
Im atlantischen Ocean.
25. Vranoscopvs. Caput depressum, scabrum, maius. Os simum, maxilla superior breuior. Membr. branch. ra - diis 5; anus in medio.
1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf. Engl. the-star gazer.) V. cirris multis in maxilla inferiore.
Bloch tab. 163.
Vorzüglich häufig im mitländischen Meere.
26. Trachinvs. Caput scabriusculum, compressum. Membr. branch. rad. 6; anus prope pectus.
1. †. Draco das Petermännchen. (Fr. la vive. Engl. the wever.) Trachinus.
Bloch tab. 61.
Im mitländischen Meere, in der Nordsee ꝛc.
27. Gadvs. Corpus laeue. Membr. branch. rad. 7 teretibus; pinnae cute communi vestitae, pectorales acumi - natae.
1. †. Aeglefinus. der Schellfisch. (Engl. the hadock.) G. tripterygius cirratus albicans, cauda biloba, maxilla superiore longiore.
Bloch tab. 62.
275Im ganzen nördlichen europäischen Ocean, vor - züglichst aber an den englischen und schottischen Küsten – viele Fische phosphoresciren unter ge - wissen Umständen nach dem Tode: bey diesem hier ist aber dieses Leuchten zuweilen von ganz auffallender Stärke und langanhaltender Dauer.
2. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius cir - ratus varius, cauda integra, maxilla supe - riore longiore.
Bloch tab. 63.
Hat meist gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.
3. †. Morrhua. der Kabeljau, Steinfisch. Baccaljao. (Asellus. Fr. la morue. Engl. the cod-fish) G. tripterygius cirratus, cauda subaequali, radio primo anali spinoso.
Bloch tab. 64.
Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Nah - men mehrere verwandte Gattungen dieses Ge - schlechts begriffen, die wegen der unsäglichen Menge und wegen der mannigfaltigen Zuberei - tung (getrocknet als Stockfisch, als Laberdan, und als Klippfisch) und langen Conservation ꝛc. von der äußersten Wichtigkeit sind. Sie finden sich vorzüglich in den nördlichen Gegenden, bey - des des stillen und atlantischen Oceans, wo sie besonders um Labrador, Neu-Fundland, auch um Island und an den Nordküsten von Groß - britannien den wichtigsten Fischfang ausmachen*)du Hamel Traité général des pêches. P. II. sect. I. pag. 36. sq..
4. †. Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr. le merlan. Engl. the whiting.) G. tripte -276 rygius imberbis albus, maxilla superiore longiore.
Bloch tab. 65.
In den europäischen Meeren.
5. †. Lota. die Quappe, Drusche, Kutte, Aalraupe, Aalputte. (Fr. la lote, Engl. the burbot.) G. dipterygius cirratus, maxil - lis aequalibus.
Bloch tab. 70.
Vorzüglich in den Schweizer-Seen.
28. Blennivs. Schleimfisch Caput de - cliue, rectum. Membr. branch. rad. 6. corpus lanceolatum, pinna ani distincta.
1. †. Viuiparus. die Aalmutter. B. ore ten - taculis duobus.
Bloch tab. 72.
Im mitländischen Meere, in der Nordsee ꝛc. Gebiert lebendige Junge.
Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter den Brustflossen sitzen.
29. Cepola. Caput subrotundum com - pressum. Os simum, dentes curuati, simplici ordine. Membr. branch. ra - diis 6. corpus ensiforme, nudum, abdomine vix capitis longitudine.
2771. Taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban) C. pinna caudae attenuata, capite obtusissimo.
Bloch tab. 170.
Im mitländischen Meere.
30. Echeneis. Caput depressum, su - pra planum marginatum, transuerse sulcatum. Membr. branch. rad. 10.
1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet. Engl. the sucking-fisch. ) L. cauda bifurca, striis capitis 18.
Bloch tab. 172.
In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare Thier kann sich mittelst des quergestreiften Hin - terkopfs aufs festeste an Schiffe, Hayfische ꝛc. anhalten. Daher die alte Fabel, daß ein einzi - ger ein Schiff in vollem Lauf zu hemmen vermöge.
31. Coryphaena. Caput truncato - decliue. Membr. branch. rad. 5; pinna dorsalis longitudine dorsi. 1. Hippurus. der Goldkarpfe. (Fr. la dorade. Engl. the dolphin.) C. cauda bifida, ra - diis dorsalibus 60.
Bloch tab. 174.
Im atlantischen Meere, Ein prachtvolles Thier, das besonders im Sterben in wunderschöne Farben (aus dem Gelben ins Blaue und Purpur - rothe ꝛc. ) spielt.
32. Gobivs. Caput poris 2 inter oculos approximatos, altero anteriore. Membr. branch. radiis 4. Pinnae ventrales vnitae in ouatam.
2781. Niger. die Meergrundel, G. pinna dor - sali secunda radiis 14.
Bloch tab. 38. fig. 1. 2. 5.
Im atlantischen und indischen Ocean.
33. Cottvs. Caput corpore latius, spi - nosum. Membr. branch. rad. 6.
1. †. Cataphractus. der Knurrhahn, Stein - picker. (Engl. the pogge.) C. loricatus rostro verrucis bifidis, capite subtus cirroso.
Bloch tab. 38. fig. 3. 4.
An den nördlichen Küsten von Europa und America.
2. †. Gobio. der Kaulkopf, Rotzkolbe, Gropp, Kruppe. (Engl. the bull-head, the miller's thumb.) C. laeuis, capite spinis duabus.
Bloch tab. 38. fig. 1. 2.
Ein sehr gemeiner europäischer Flußfisch. Das Weibchen scharrt sein Leich in eine Höhle am Grund, und bewacht es bis die Jungen ausge - krochen sind aufs sorgfältigste.
34. Scorpaena. Caput magnum, acu - leatum. Oculi vicini. Dentes maxil - lis, palato, faucibusque. Membr. branch. radiis 7.
1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.
Bloch tab. 183.
In Ostindien.
27935. Zevs. Caput compressum, decliue. Labium superius membrana transuersa fornicatum. Lingua subulata. Membr. branch. radiis 7 perpendicularibus: in - fimo transuerso. Corpus compressum.
1. Vomer. Z. cauda bifurca, spina ante pin - nam analem dorsalemque recumbente.
Bloch tab. 193.
2. Faber. (Engl. the doree, dory.) Z. cauda rotundata; lateribus mediis ocello fusco; pinnis analibus duabus.
Bloch tab. 41.
Beyde im atlantischen Meer.
36. Plevronectes. Butte, Scholle, Halbfisch. (Fr. sole. Engl. flounder. ) Oculis vtrisque in eodem latere fron - tis. Membr. branch. rad. 4-7. cor - pus compressum, latere altero dorsum, altero abdomen referente.
Die Schollen sind die einzigen Thiere in der Natur, die ihre beyden Augen auf einer Seite des Kopfs haben; manche Gattungen nähmlich auf der rechten, andere auf der linken: sehr selten finden sich Mißgeburten unter ihnen, die anomalisch auf der unrechten Seite ihre Augen haben. Auch Beyde Nasenlöcher sitzen ebenfalls so schief seitwärts. Sie schwimmen in einer schrägen Lage, die Augenseite in die Höhe gerichtet.
2801. †. Platessa. die Scholle, Plateis, Gold - butte. (passer. Fr. la plie. Engl. the plaise.) P. oculis dextris, corpore glabro, tuber - culis 6 capitis.
Bloch tab. 42.
Nebst den folgenden besonders in den nörd - lichen Meeren.
2. †. Flesus. der Flünder. (Engl. the floun - der.) P. oculis dextris, linea laterali aspera, spinulis ad pinnas.
Bloch tab. 44.
3. †. Limanda. die Glahrke, Kliesche (Engl. the dab.) P. oculis dextris, squamis cilia - tis, spinulis ad radicem pinnarum dorsi anique, dentibus obtusis.
Bloch tab. 46
4. †. Hippoglossus. die Heiligbutte. (Fr. le fletang. Engl. the holibut.) P. oculis dextris, corpore toto glabro.
Bloch tab. 47.
Theils von vier Centnern an Gewicht: unter andern in größter Menge im nördlichen stillen Ocean.
5. †. Maximus. die Steinbutte (Fr. und Engl. turbot.) P. oculis sinistris, corpore aspero.
Bloch tab. 49.
Doch weit kleiner als die vorige.
37. Chaetodon. Dentes (plurimis) setacei, flexiles confertissimi, nume -281 rosissimi. Membr. branch. radiis 6; corpus pictum, pinna dorsi anique carnosa squamosa.
1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pin - nae dorsalis 9, maculaque ocellari; rostro cylindrico.
Bloch tab. 202.
In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in eine Röhre, wodurch das Thier die Insecten, die an allerhand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt, daß sie herabfallen und ihm zur Speise wer - den müssen.
2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis dorsalibus 11, radio dorsali quarto fili - formi longissimo.
Bloch tab. 200.
In Ostindien.
38. Sparvs. Brachse. Dentes primores robusti, molares obtusi, conferti. La - bia simplicia. Membr. branch. rad. 5. corpus compressum. Pinnae pectora - les acuminatae.
1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula aurea inter oculos.
Bloch tab. 266.
Im mitländischen und atlantischen Meer. Hat fast in allen Sprachen seinen Nahmen von dem goldfarbigen halben Monde vor den Augen.
2. Sargus. der Geißbrachsen. S. ocello sub - caudali, corpore fasciis nigris.
Bloch tab. 264.
282Im mitländischen Meer. Die Männchen sol - len zur Begattungszeit sehr hitzig wie Säugethiere oder Vögel um ihre Weibchen kämpfen.
3. Pagrus. der Seebrachse. S. rubescens, cute ad radicem pinnarum dorsi et ani in sinum producta.
Bloch tab. 267.
Einer der allgemeinst verbreiteten Seefische. Zuweilen giftig.
39. Labrvs. Lippfisch. Dentes acuti, la - bia duplicata magna. Membr. branch. rad. 6; pinnae dorsalis radii postice ramento filiformi aucti. Pectorales rotundatae.
1. Iulis. der Meerjunker L. lateribus cae - rulescentibus, vitta longitudinali fulua vtrimque dentata.
Bloch tab. 287.
Im mitländischen Meer. Nur Fingers lang, von ausnehmend schönen Farben. Wird den Badenden durch seinen Biß lästig, der wie Mückenstiche schmerzt.
40. Sciaena. Caput totum squamis obtectum. Membr. branch. rad. 6; opercula squamosa. Corpus: fossula dorsi pro pinna dorsali recondenda.
1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco-al - bescente.
Bloch tab. 297.
Wie so viele andere Gattungen dieses Ge - schlechts im rothen Meere.
28341. Perca. Opercula spinosa, antror - sum serrata. Membr. branch. rad. 7. corpus pinnis spinosis.
1. †. Fluuiatilis. der Barsch. (Fr. la perche. Engl. the perch. ) P. pinnis dorsalibus di - stinctis, secunda radiis 16.
Bloch tab. 52.
In Europa und Nordasien.
2. †. Lucioperca. der Zander, Sandbarsch, Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, se - cunda radiis 32.
Bloch tab. 51.
So wie der folgende im nördlichen Europa.
3. †. Cernua. der Kaulbarsch. (Engl. the ruffe.) P. pinnis dorsalibus vnitis radiis 27; spinis 15; cauda bifida.
Bloch tab. 53. fig. 2.
42. Gasterostevs. Membr. branch. rad. 3; corpus ad caudam vtrimque ca - rinatum. Pinnae ventrales pone pecto - rales, sed supra sternum.
1. †. Aculeatus. Der Stichling. (spinarella. Engl. the stickleback.) G. spinis dorsalibus tribus.
Bloch tab. 53. fig. 3.
In Europa.
43. Scomber. Caput compressum, laeue. Membr. branch. rad. 7; cor - pus laeue, linea laterali postice cari - natum. Pinnae spuriae saepe versus caudam.
2841. †. Scomber. die Makrele. (Fr. le marque - reau. Engl. the mackrel.) S. pinnulis 5.
Bloch tab. 54.
Im nordischen und atlantischen Meer ꝛc. Wie der folgende ein gefräßiger aber vorzüglich schmackhafter Raubfisch. Von beyden machten die Alten ein vorzügliches Garum.
2. Pelamys. die Bonite. S. pinnulis infe - rioribus 7; abdomine lineis vtrinque 4 nigris.
In allen wärmern Weltmeeren. Auch dieses Thier phosphorescirt nach dem Tode zuweilen sehr stark, und kann dann so wie manche andere Fische und deren Thran ꝛc. zum leuchten des Seewassers beytragen.
3. †. Thynnus. der Thunnfisch. (Fr le thon. Engl. the tunny.) S. pinnulis vtrim - que 8.
Bloch tab. 55.
In der Nordsee, dem mitländischen Meer, Ost - und Westindien ꝛc. Wird über Manns lang, und dann wohl gegen 5 Centner schwer. Ist zuweilen giftig*)Von seinem wichtigen Fang s. Houel voyage pitt - oresque de Sicile. ꝛc. Par. 1782. fol. vol I. tab. XXVIII – XXX.. – Ihm ähnelt die zumahl aus den Südsee-Reisen bekannte Albicore.
44. Mvllvs. Caput compressum, de - cliue, squamis tectum. Membr. branch. rad. 3. corpus squamis magnis facile deciduis.
2851. Barbatus. der Rothbart, die Meerbarbe. M. cirris geminis, corpore rubro.
Bloch tab. 348. fig. 2.
Ein schöner schmackhafter Fisch des mitländi - schen Meers. Ungefähr fuß lang.
45. Trigla. Caput loricatum lineis scabris. Membr. branch. rad. 7. digiti liberi ad pinnas pectorales.
1. Volitans. T. digitis vicenis membrana palmatis.
Bloch tab. 351.
Einer der fliegenden Fische in den mildern Weltmeeren.
Fische, deren Bauchflossen hinter den Brustfloßfedern sitzen. Die mehresten Süß - wasser-Fische sind aus dieser Ordnung.
46. Cobitis. Oculi in suprema capitis parte. Membr. branch. rad. 4-6. cauda versus pinnam minus angustata.
1. Anableps. C. cirris 2; capite depresso, oculis prominulis.
Bloch tab. 361.
Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge, und wird besonders durch den ganz einzigen Bau seiner gleichsam in zwey Abschnitte halbirten Hornhaut des Auges, und übrige Einrichtung der Augäpfel, merkwürdig*)Seba thesaur. T. III. tab. 34. pag. 108..
2862. †. Barbatula. der Schmerling, Grundel, Bartgrundel. (Fr. la loche. Engl. the loach.) C. cirris 6, capite inermi com - presso.
Bloch tab. 31. fig. 3.
In mehrern Spielarten, mit und ohne Bart - fäden ꝛc. Die größten finden sich in der Aar in der Schweiz.
3. †. Fossilis. der Wetterfisch, Peizker, Schlammbeisker, die Pipe, Steinpietsche, Kurrpietsche. C. cirris 8, spina supra oculos.
Bloch tab. 31. fig. 1.
In Europa kann wie der Knurrhahn einen Laut von sich geben. Wenn man ihn in Gläsern, mit Sand am Boden, erhält, so wird er bey bevorstehender Wetterveränderung unruhig.
47. Silvrvs. Caput nudum. Os cir - ris filiformibus tentaculatum. Membr. branch. rad. 4-14. Radius pinnarum pectoralium aut dorsalis primus spi - nosus, retrodentatus.
1. † Glanis. der Wels, Schaidfisch. S. pinna dorsali vnica scapulari mutica, cirris 6.
Bloch tab. 34.
In den mildern Strichen der alten Welt. Der größte Süßwasser-Fisch, der wohl 3 Centner am Gewicht hält, und wegen des unförmlich großen und breiten Kopfes und der langen Bart - fäden ein sonderbares Ansehen hat.
2872. Cataphractus. S. pinna dorsali postica vniradiata, squamis ordine simplici, cir - ris 6 cauda integra.
Catesby vol. III tab. 19.
In Nordamerica.
3. Electricus. der Zitter-Wels, Raasch. (Fr. le trembleur.) S. pinna dorsali vnica lum - bari, remota absque radiis, cirris 6.
Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris, 1782. tab. 20.
Ebenfalls ein electrischer Fisch. (§. 110.) Findet sich im Nil und mehrern andern africani - schen Flüssen. Wild ungefähr 20 Zoll lang. Ist doch eßbar.
48. Loricaria. (Fr. cuirassier.) Caput laeue depressum. Os edentulum re - tractile. Membr. branch. radiis 6; corpus cataphractum.
1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.
Bloch tab. 374.
In Süd-America.
49. Salmo. Caput laeue. Dentes in maxillis, lingua. Membr. branch. rad. 4-10; pinna dorsalis postica adiposa: pinnae ventrales multira - diatae.
1. † Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le sau - mon. Engl. the salmon.) S. rostro vltra inferiorem maxillam prominente.
Bloch tab. 20. 98.
288In den nordischen Meeren und Flüssen, theils, wie auf Labrador und im Amur Lande in unsäg - licher Menge. Hält sich des Sommers in den Flüssen, im Winter aber in der See auf. Nur die Männchen haben einen gebogenen Unterkiefer. Die Weiber der Orotchys-Tungusen wissen die Lachshäute durch gerben ausnehmend geschmeidig zu machen um sich damit zu kleiden.
2. †. Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la truitte saumonée. Engl. the sea trout.) S. ocellis nigris iridibus brunneis, pinna pectorali punctis 6.
Bloch tab. 20.
An den Küsten und in den Flüssen von Europa. Wird 8 bis 10 Pfund schwer.
3. †. Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl. the trout.) S. maculis rubris, maxilla in - feriore sublongiore.
Bloch tab. 22. 23.
In schattigen Waldbächen des gebirgichten mil - dern Europa und Asien. Wird selten über 2 Pfund schwer. Variirt sehr an Farbe und Geschmack.
4. †. Alpinus. die Alpenforelle, der Roth - fisch. S. dorso nigro lateribus caeruleis, ventre fuluo.
Bloch tab. 104.
Im alpinischen und nördlichen Europa. Ein wichtiges Thier für die Schwedischen Lappen, deren beynahe einzige Nahrung es zu Zeiten aus - macht; lebt großentheils von Mücken (culex pipiens).
2895. †. Eperlanus. der große Stint, Alander. (Engl. the smelt.) S. capite diaphano, radiis pinnae ani 17.
Bloch tab. 28. fig. 2.
Im nördlichern Europa. Fast durchscheinend. – Ihm ähnelt der so genannte grönländische Häring, Angmarset (Salmo arcticus) den die Grönlän - der nächst ihrer Hauptnahrung, dem Seehund - fleische, in größter Menge gleichsam als Brod oder Kuchen verzehren.
6. †. Lauaretus. der Schnepel, Weißfisch. S. maxilla superiore longiore, radiis pinnae dorsi 14.
Bloch tab. 25.
In der Nord - und Ostsee; auch in der Hud - sonsbay. – Dahin gehören vermuthlich auch die Felchen, und der Aalbock im Thuner-See, der mit der Ferra des Genfer-Sees einerley zu seyn scheint.
7. †. Thymallus. die Aesche. (Fr. l'ombre.) S. maxilla superiore longiore, pinna dorsi radiis 23.
Bloch tab. 24.
Im mittlern Europa und Sibirien.
50. Fistvlaria. Caput; rostrum cy - lindricum, apice maxillosum. Membr. branch. radiis 7; corpus ....
1. Tabacaria. F. cauda bifida setifera.
Bloch tab. 387.
Das so gar sonderbar gebildete Thier mit winzig-kleinem Maule an einer mächtig langen Schnauze findet sich an den östlichen Küsten vom wärmern America und an Neuholland.
29051. Esox. Caput supra planiusculum; mandibula superiore plana breuiore, inferiore punctata; dentes in maxillis, lingua. Membr. branch. rad. 7-12.
1. †. Lucius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl. the pike.) Q. rostro depresso subaequali.
Bloch tab. 32.
In vielen Flüssen und Seen von Europa, Asien und Nordamerica. Einer der gefräßigsten Raubfische, der nicht nur andere Fische, sondern auch allerhand Amphibien, Kröten ꝛc. viele Wasservögel und kleine Säugethiere, auch zu - weilen gar Krebse verschlingt.
2. †. Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie. Engl. the garpike.) L. rostro vtraque maxilla subulato.
Bloch tab. 33.
In den europäischen Meeren, theils in unsäg - licher Menge. Seine Gräten sind grün, als wenn sie mir Saftfarbe angestrichen wären.
52. Elops. Caput laeue. Dentium sca - brities in maxillarum margine, palato. Membr. branch. radiis 30; praeterea exterius in medio armata dentibus 5.
1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.
Bloch tab. 393.
Auf Jamaica.
29153. Argentina. Dentes in maxillis, lingua. Membr. branch. radiis 8. Cor - pus ano caudae vicino. Pinnae ventra - les multiradiatae.
1. Carolina. A. pinna anali radiis 15.
Catesby vol. II. tab. 24.
Hat den Nahmen von seinem Vaterlande.
54. Atherina. Caput maxilla superiore planiuscula. Membr. branch. radiis 6. Corpus fascia laterali argentea.
1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.
Bloch tab. 393. fig. 3.
Im mitländischen Meere.
55. Mvgil. Caput; Labia membranacea: inferius introrsum carinatum. Dentes nulli. Denticulus inflexus supra sinus oris. Membr. branch. rad. 7. curuis. Opercula laeuia rotundata. Corpus albicans.
1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quin - queradiata.
Bloch tab. 394.
Im mitländischen u. a. Meeren.
56. Exocoetvs. Caput squamosum. Os edentulum, maxillis vtroque latere connexis. Membr. branch. rad. 10. 292Corpus albicans, abdomen angulatum, pinnae pectorales maxime volatiles, radiis antice carinatis.
1. Volitans. der fliegende Häring. E. abdo - mine vtrinque carinato.
Gesner pag. 653.
Der gemeinste aller fliegenden Fische. Findet sich meist in allen wärmern Weltmeeren; theils in großen Scharen.
57. Polynemvs. Caput compressum, vndique squamosum; rostro obtusissimo prominente. Membr. branch. rad. 5. vel 7. Corpus digitis liberis ad pinnas pectorales.
1. Quinquarius P. digitis quinque corpore longioribus.
Seba vol. III. tab. 27. 90. fig. 2.
In Westindien.
58. Clvpea. Caput maxillarum supe - riorum mystacibus serratis. Membr. branch. rad. 8. Branchiae interne se - taceae. Abdominis carina serrata. Pin - nae ventrales saepe nouemradiatae.
1. Harengus. der Häring, Strömling. (membras? Fr. l'hareng. Engl. the herring.) C. immaculata, maxilla inferiore longiore.
Bloch tab. 29.
Einer der wichtigsten Fische für die nördliche Erde, der zwar von Menschen und sehr vielen Thieren (zumahl vom Nordkaper, von manchen293 Möven-Gattungen ꝛc. ) verfolgt wird, sich aber auch dagegen zum bewundern stark vermehrt. Be - sonders sind nun seit dem zwölften Jahrhundert bey Gelegenheit ihrer großen äußerst bestimm - ten, regelmäßigen Sommer-Reisen (– s. oben §. 109. –) nach den europäischen Küsten, zu - mahl nach den Orcaden, nach Norwegen ꝛc. so viele tausend Europäer mit ihrem Fang beschäftigt.
2. †. Sprattus. die Sprotte, der Breitling. (Fr. la sardine. Engl. the sprat.) C. pinna dorsali radiis 13.
Bloch tab. 29. fig. 2.
Ebenfalls in den nördlichen Meeren, aber auch im mitländischen. Ist von manchen Naturfor - schern irrig für den jungen Häring gehalten worden.
3. †. Alosa. die Alse, der Mutterhäring, May - fisch. (Fr. l'alose. Engl. the shad.) C. late - ribus nigro maculatis, rostro nigro.
Bloch tab. 30. fig. 1.
Vorzüglich häufig im mitländischen Meere.
4. †. Encrasicolus. die Sardelle, der Anscho - vis. (Fr. l'anchois.) C. maxilla superiore longiore.
Bloch tab. 30. fig. 2.
Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen. Wird vorzüglich häufig bey Gorgona unweit Li - vorno gefangen.
59. Cyprinvs. Caput ore edentulo. Os nasale bisulcum. Membr. branch. rad. 3. Corpus laeue albens. Pinnae ventrales saepe nouemradiatae.
2941. †. Barbus. die Barbe. C. pinna ani ra - diis 7. cirris 7. pinnae dorsi radio secundo vtrinque serrato.
Bloch tab. 18.
Im mildern Europa und westlichen Asien.
2. †. Carpio. der Karpfe. (Fr. la carpe. Engl. the carp.) C. pinna ani radiis 9, cirris 4, pinnae dorsalis radio postice serrato.
Bloch tab. 16.
Jetzt nun meist in ganz Europa. Soll mit verwandten Gattungen, zumahl mit der Karau - sche, Bastarden geben. Auch finden sich unter den Karpfen häufiger Mißgeburten als unter irgend einer andern bekannten Fischgattung. – Die Spiegelkarpfen**)Bloch tab. 17., die sich besonders durch die beständig von Schuppen entblößten Theile des Körpers auszeichnen, scheinen doch keine bloße Spielart, sondern eine besondere Gattung dieses Geschlechts zu seyn.
3. †. Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche. Engl. the tench.) C. pinna ani radiis 25, cauda integra, corpore mucoso cirris 2.
Bloch tab. 19.
Einer der weitstverbreiteten Flußfische. Kann mit den Kieferdeckeln einen Laut von sich geben. Die Goldschleihe**)Bloch tab. 15. ist einer der schönsten deut - schen Fische.
4. †. Carassus. die Karausche. (Fr. le carassin. Engl. the crucian.) C. pinna ani radiis 10, cauda integra, linea laterali recta.
Bloch tab. 11.
In Europa und Mittel-Asien.
2955. Auratus. das schinesische Goldfischchen, der Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée. Engl. the goldfish.) C. pinna ani gemina, caudae transuersa bifurca.
Baster in Haarlem. Verhandl. VII. D. 1. St. mit illum. Fig.
In Japan und Schina, wo sie gleichsam als Hausthiere gehalten werden, und in mancherley wunderbare, theils fast monströse Varietäten, der vortrefflichen Farben, Zahl und Bildung der Flossen, Größe der Augen ꝛc. ausgeartet sind. Sie kommen auch im mildern Europa recht gut fort. Können sogar Jahr und Tag im bloßen Wasser ohne alle weitere Nahrung leben, und geben dabey doch von Zeit zu Zeit Unrath von sich.
6. †. Phoxinus. die Elritze. (Fr. le vairon. Engl. the minow.) C. pinna ani radiis 8, macula fusca ad caudam, corpore pel - lucido.
Bloch tab. 8. fig. 5.
Häufig in der Weser.
7. †. Orfus. der Orf, Urf, Würfling, Elft. C. pinna ani radiis 13.
Bloch tab. 96.
Zumahl im südlichen Deutschland. Schön orangefarben.
8. †. Alburnus. der Ukley, Weißfisch. (Fr. l'ablette. Engl. the bleak.) C. pinna ani rad. 20.
Bloch. tab. 8. fig. 4.
296So wie der folgende im mittlern Europa und westlichen Asien. Seine Schuppen werden zur Verfertigung der Glasperlen gebraucht*)S. Hrn. Hofr. Beckmanns Beyträge zur Ge - schichte der Erfindungen II. B. S. 325 u. f..
9. †. Brama. der Bley, Brachsen. C. pinna ani rad. 27. pinnis fuscis.
Bloch tab. 13.
Die Thiere der beyden letzten Classen (§. 40.), die Insecten und Gewürme, unter - scheiden sich schon dadurch von den vorhergehen - den, daß sie kein rothes Blut, sondern statt dessen einen weißlichen Saft in ihrem Körper führen: weßhalb sie (§. 23.) auch von den Alten Blutlose Thiere (animalia exsanguia) ge - nannt wurden.
Die Insecten haben ihren Nahmen daher, weil wenigstens im Zustande ihrer vollkom - menen Ausbildung, Kopf, Brust und Hinter - leib, wie durch Einschnitte von einander ab - gesondert sind, ja bey vielen fast nur wie durch einen Faden unter einander verbunden werden. Außerdem zeichnen sie sich aber auch durch besondere sehr empfindliche Organe aus, die sie in ihrem vollkommnen Zustande am Kopfe tragen (Antennae, Fühlhörner), und die alle Mahl an der Wurzel eingelenkt, meist aber auch noch außerdem gegliedert sind; und end -298 lich durch die hornartigen, eingelenkten Füße, und deren größere Anzahl, da die völlig aus - gebildeten Insecten zum allermindesten ihrer sechs, manche aber wohl auf anderthalb hun - dert ꝛc. haben.
Außer den angegebenen Merkzeichen, haben die Insecten in ihrem Aeußern wenig, was ihnen allen gemein wäre. Die ganz unermeß - liche Anzahl der Gattungen, ihre so unendlich verschiedenen Bestimmungen, und dahin ab - zweckende eben so verschiedene Lebensart, Be - dürfnisse ꝛc. erfordern eine äußerst vielartige Bildung, in welcher sie, so wie in der unglei - chen Größe ihres Körpers, ausnehmend von einander abweichen.
Selbst die äußere Bedeckung ihres Kör - pers ist mannigfaltiger als bey den übrigen Thieren. Sehr viele sind wie mit einem horn - artigen Panzer überzogen, der aus mehrern Stücken besteht, die sich wie die Schienen eines Blechhandschuhes über einander schieben lassen; und wodurch diese Thiere vor mancherley Un - fällen gesichert, und für den Mangel der Knochen, die bey andern Thieren zur Anlage der Mus - keln ꝛc. dienen, entschädigt werden. Manche sind mit seinen Haaren besetzt, und bey den299 Schmetterlingen ꝛc. die Flügel mit so genannten Federchen, oder vielmehr Schuppen bedeckt, die zum Theil von den schönsten Farben sind: so wie sich überhaupt unter den Insecten, Thiere von unbeschreiblicher Schönheit finden.
Auch in der Einrichtung der Sinnwerk - zeuge*)M. Ch. Gottl. Lehmann de sensibus externis ani - malium exsanguium: commentario praemio regio or - nata. Goetting. 1798. 4. – F. Jos. Schelvers Versuch einer Naturgeschichte der Sinneswerk - zeuge bey den Insecten und Würmern. ebendas. 1798. 8., und also vermuthlich auch in der Art der Empfindung, weichen die Insecten gar sehr von den übrigen Thieren ab. So daß ihnen sogar manche Naturforscher verschiedene von unsern fünf äußern Sinnen, zumahl das Gehör und den Geruch, ohne Grund haben absprechen wollen; da man doch jenes bey vie - len die einander zur Paarungszeit durch einen besondern Laut locken, und diesen bey noch weit mehrern, die ihren versteckten Fraß auswittern, unverkennbar wahrnimmt.
Die Augen der Insecten sind vorzüglich merkwürdig, und zwar in Rücksicht ihres Baues von zweyfacher Art. Die einen sind große Halbkugeln, die aber meist aus tausen -300 den von Facetten, bey einigen auch aus zahl - reichen kegelförmigen Spitzen, bestehen, die auf der innern Seite mit einem theils buntfar - bigen oder glänzenden Anstrich überzogen sind. Die mehresten geflügelten Insecten, aber auch manche ungeflügelte, wie der Hummer ꝛc. haben dergleichen. Die Augen der andern Art (ocelli, stemmata) sind einfach, klein, und so wohl in Rücksicht ihrer Anzahl als Lage verschieden. Die erstern scheinen mehr für die Ferne, so wie die letztern für die Nähe be - stimmt zu seyn; wenigstens reimt sich dieß da - mit, daß die Schmetterlinge in ihrem geflü - gelten vollkommenen Zustande solche große com - ponirte telescopische Augen kriegen, da sie vor - her als Raupen nur myopische kleine Augen hatten. Nur wenige Insecten, wie z. B. die Krebse, können ihre Augen bewegen.
Die Fühlhörner*)M. Ch. Gottl. Lehmann de antenuis insectorum. Diss. I. II. Load. 1800. 8. die bey den verschie - denen Gattungen, und bey manchen selbst nach der Sexualdifferenz derselben, sehr vielartig gestaltet sind, und die manche Naturforscher für Organe des Geruchs oder des Geschmacks ꝛc. angesehen haben, scheinen doch nichts weiter zu seyn, als was ihr Nahme andeutet, – Werkzeuge des Tastens, Sonden, Tangenten,301 die ihnen bey ihrer harten unempfindlichen äußern Decke, und den mehrsten auch bey der Unbeweglichkeit ihrer Augen doppelt wichtig werden. Die Insecten scheinen das feinste Gefühl in ihren Antennen, wie wir in den Fingerspitzen, zu haben; und da sie großentheils im Dunklen leben, dadurch, so wie Blinde, den Mangel des Lichts durch feines Gefühl zu ersetzen. – Hingegen ist der allgemeine Hauptzweck der so genannten Freßspitzen (palpi), die meist neben den Freßwerkzeugen der Insecten sitzen und nur wenigen gänzlich zu fehlen scheinen, und die auch von manchen für Sinnwerkzeuge dieser Thiere gehalten wor - den, noch sehr räthselhaft.
Im innern Körperbau*)Swammerdam Biblia naturae. Leid. 1737. fol. Lyonet traité anatomique de la chenille qui ronge le bois de saule. à la Haye. 1762. 4. weichen die In - secten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.
Was man z. E. bey den Raupen für ihr Herz angesehen hat, das ist ein langer Canal von ungleicher Weite der längs des Rückens liegt, aus welchem aber nicht eine einzige Ader entspringt, so daß folglich auch die Ernährung bey diesen Insecten auf eine eigene, von der Nutrition der rothblütigen Thiere ganz ver - schiedene Art vor sich gehen muß.
302Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröh - ren vom erstaunenswürdigsten feinsten Bau, und mit äußerst zahlreichen Muskeln, die aber auch so wohl in der Bildung als in der Farbe von den Muskeln der rothblütigen Thiere ab - weichen, versehen.
Ungeachtet die Insecten eben so wohl als die rothblütigen Thiere, des Umsatzes von Koh - lenstoff gegen Sauerstoff (§. 24.) zur Erhaltung ihres Lebens bedürfen; so bemerkt man doch nur bey wenigen (wie z. B. bey den Heu - schrecken und manchen Cicaden und Käfern ꝛc. ) eine dem Athemhohlen ähnliche Bewegung. Auch können die meisten weit länger als jene rothblütigen Thiere im so genannten luftleeren Raume aushalten; und viele leben in der den so eben genannten Thieren so schädlichen mephi - tischen Luft worin animalische und vegetabilische Stoffe faulen (– dem gekohlten Wasserstoff - gas ꝛc. –) gleichsam als in ihrem Elemente.
Ueberhaupt ist der Aufenthalt der Insecten auf und unter der Erde*)Hingegen hat diese Classe nach Verhältniß der fast zahllosen Menge ihrer Gattungen wenige Was - serthiere: und nahmentlich finden sich ihrer nur sehr wenige im Ocean, der dagegen den bey weiten allermehrsten Gattungen der vorigen und nächstfol - genden Thierclasse zum Aufenthalt angewiesen ist. weit unbeschränkter,303 als der von irgend einer andern Thierclasse. Es sind fast auf allen Thieren ohne Ausnahme welche anzutreffen, so daß sogar größere In - secten, wie z. B. Käfer, Bienen ꝛc. selbst wie - der ihre besondere Milben und Läuse haben. Eben so sind auch wohl nur sehr wenige Ge - wächse (etwa der Taxus, der Sevenbaum ꝛc. ) die gar keinen bekannten Insecten zur Woh - nung und Aufenthalt dienen. Da hingegen manche, wie z. B. die Eiche, von mehr als einem hundert verschiedener Gattungen von In - secten bewohnt und besucht werden. – So allgemein aber die Insecten, im Ganzen ge - nommen, über die ganze Erde verbreitet sind, so streng ist doch dagegen vielen einzelnen Gat - tungen ihr ganz besonderer, eingeschränkter Aufenthalt auf bestimmten Thieren oder Pflan - zen, und deren einzelnen Theilen angewiesen.
Nur wenige Insecten leben in gesellschaftli - cher Verbindung, und leisten sich in ihren Geschäften wechselseitige Hülse. Die allermei - sten gehen einzeln und isolirt ihren Verrichtun - gen nach und manche, die wie die Spinnen in zahlreicher Gesellschaft jung worden sind, zerstreuen sich bald nachher, und leben einsied - lerisch, so daß viele außer der Begattungszeit kein anderes Geschöpf ihrer Art wieder zu sehen kriegen.
304Der überaus merkwürdigen Gebäude, Woh - nungen ꝛc. die sich so viele Insecten zu verfer - tigen wissen, ist schon oben bey Anlaß der Kunsttriebe (§. 36.) Erwähnung geschehen. Es sind wenige Thiere dieser Classe, die nicht wenigstens Ein Mahl, in einer gewissen Pe - riode ihres Lebens Proben dieser natürlichen Kunstfähigkeit ablegen sollten indem sie ent - weder wie die Kleidermotten und Frühlingsflie - gen in ihrer unvollendeten Gestalt, als Larven, sich ein Gehäuse zum Aufenthalte und zum Schutze verfertigen; oder sich, um die Ver - wandlung und den langen Todesschlaf zu be - stehen, ein Lager bereiten, sich einspinnen ꝛc., oder die sich wie die Ameisenlöwen Fallen, und wie die Spinnen Netze für ihren Raub verfertigen; oder die wie manche Wasserkäfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nach - kommenschaft, Säcke oder Nester zubereiten, denen sie ihre Eyer anvertrauen können. Manche von denen, die in gesellschaftlicher Verbindung leben, bauen sich mit vereinten Kräften, und nach den Gesetzen einer äußerst regelmäßigen ihnen angebornen Meßkunst, gemeinschaftliche Wohnungen u. s. w.
Bey der Ernährungsart der Insecten sieht man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bey den305 allermehrsten rothblütigen Thieren, bloß auf ihre Selbsterhaltung, sondern hauptsächlich darauf abzweckt, daß sie organisirte Materie consumiren sollen. Sie müssen essen, nicht bloß um satt zu werden, sondern um zugleich Aas zu verzehren, um selbst wieder andere lebendige Insecten aufzureiben ꝛc., um Unkraut zu vertilgen u. s. w. – eine große Bestim - mung, zu deren Erfüllung vielen dieser kleinen Thierchen, theils ihre äußerst starke Vermeh - rung, theils ihre beyspiellos heftige Freßgierde und schnelle Verdauung bey einem sehr kurzen Darmcanal zu statten kommt. Man weiß z. B., daß eine Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres eigenen Gewichts verzehren kann. – Auch sind die Freßwerkzeuge der Insecten vielartiger als in irgend einer andern Thierclasse: da manche mit seitwärts bewegli - chen gezähnelten Kinnladen und Freßzangen (maxillae); andere wie einem zugespitzten hornartigen Bohrrüssel (rostrum); andere mit einem fleischigen Schlurfrüssel mit breiter Mün - dung (proboscis); manche mit einer spiralför - mig aufgerollten (sogenannten) Zunge ꝛc. ver - sehen sind.
Vor den Nachstellungen ihrer Feinde sind einige Insecten, wie z. B. die Spannraupen durch ihre täuschende Gestalt; andere dadurch306 daß sie einerley Farbe mit den Gewächsen haben, worauf sie leben*)Einige auffallende Beyspiele davon s. in Abbot's lepidopterous insects of Georgia vol. I. tab. 5. und vol. II. tab. 99., folglich weniger darauf abstechen, und nicht so leicht bemerkt werden können; andere auch wohl durch den heftigen Geruch, den sie im Nothfall verbreiten können; andere durch die Macht des gesellschaf - tlichen Lebens; noch andere durch ihre bewun - dernswürdige Stärke ꝛc. gesichert. Und manche sind gar mit Waffen, z. B. mit Hörnern wie Kneipzangen, oder mit Stachel und Gift versehen.
Auch bey der Fortpflanzung der Insecten zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbar - keiten. So z. B., daß oft in einer und eben derselben Gattung die beyden Geschlechter ein - ander so äußerst unähnlich gebildet sind, daß man sie eher für ganz verschiedene Thierarten, als für zusammen gehörige Gatten halten sollte: oder daß unter den Bienen und andern ihnen verwandten Insecten immer die größte Anzahl gänzlich geschlechtlos ist; das heißt, daß sie gezeugt und geboren werden, ohne doch nach dem ordentlichen Laufe selbst die Bestimmung zur Empfängniß oder zur Zeugung zu haben.
307Ferner hat die Begattung bey verschiede - nen Insecten seht viel Eigenes. Bey nicht wenigen Gattungen wird sie z. B. im Fluge vollzogen, und manche derselben sind bloß für diese kurze Paarungszeit geflügelt. – Ueber - haupt aber leben die mehresten in so fern in einer gezwungenen Monogamie, daß sie schlech - terdings nicht mehr als ein einziges Mahl in ihrem leben sich paaren können: der Tod ist bey ihnen eine so unausbleibliche Folge der ersten Begattung, daß man sogar ihr Leben durch verzögerte Paarung verlängern kann.
Zu andern Sonderbarkeiten beym Fort - pflanzungsgeschäfte der Insecten gehört auch, daß bey vielen, wie z. B. beym Cochenille - wurm, beym Sandfloh ꝛc. das trächtige Weibchen zu einer ganz ungeheuren Größe an - wächst: so daß man z. B. rechnet, daß bey der weißen Ameise der Hinterleib der zum Gebäh - ren reifen Mutter auf 2000 Mahl dicker und größer ist als er vor der Befruchtung war.
Die mehresten Insecten legen Eyer, die von den Müttern nach einem bewundernswür - digen Instinct immer aufs Genaueste an die bestimmten der künftigen jungen Brut ange -308 messensten Orte gelegt werden. Manche legen z. B. ihre Eyer bloß in den Körper lebendiger Insecten anderer Art, in Raupen; oder in Puppen; oder gar in anderer Insecten ihre Eyer! denn wirklich kriecht zuweilen aus den Eyern der Ringelraupe statt der jungen Raupe eine eigene Art kleiner Mückchen aus.
Auch sind die Insecten. Eyer zum Theil, zumahl bey den Schmetterlingen, von einer überaus mannigfaltigen sonderbaren Bildung und Zeichnung, und wenn sie von der Mutter an die freye Luft gelegt werden, mit einer Art Firniß überzogen, damit sie weder vom Regen abgespült noch durch andern Zufall leicht zer - stört werden können. Einige wenige Insecten gebären lebendige Junge, und manche, wie die Blattläuse, pflanzen sich auf beyderley Weise fort.
Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das fast bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens in den andern (§. 72. Anm. 94. 116. ), bey wei - ten nicht so auffallend wird, ist ihre Meta - morphose. Es kommt nähmlich kein einziges geflügeltes Insect unmittelbar aus dem Ey, sondern diese alle müssen sich (– so wie auch einige ungeflügelte –) erst in gewissen Lebens - epochen einer Art von Verwandlung unter - ziehen. Dabey wird nicht nur ihre äußere Ge -309 staltung, sondern zugleich ihr ganzer innerer Körperbau (gegen die gemeine Meinung) auf eine Weise umgebildet*)Lyonet chenille de saule. pag. 585. u. f., die sich schwerlich mit der vorgeblichen Präexistenz präformirter Keime (§. 7.) zusammen reimen läßt**)Sollte der Schmetterling schon in der Raupe prä - formirt gewesen seyn, so müßte man doch wohl wenigstens erwarten, daß sich aus ähnlichen Raupen auch ähnliche Schmetterlinge entwickel - ten. – So aber kommen z. B. aus manchen americanischen Raupen, die manchen Europäi - schen aufs täuschendste ähneln, doch ganz an - ders gestaltete Schmetterlinge; und anderseits entstehen manche einander auffallend ähnliche Schmetterlinge dieser beyden Welttheile aus ganz verschieden gestalteten Raupen. – s. Dr. J. Ed. Smith in Abbot's angeführten Werke I. B. S. 5..
In der Gestalt, wie diese Insecten, die sich einer Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem Ey kriechen, heißen sie Larven. Meist kommen sie äußerst klein aus Licht, so daß z. B. eine erwachsene Weidenraupe 72,000 Mahl schwerer wiegt als da sie eben aus dem Ey gekrochen war. Dagegen wachsen sie aber auch desto schneller, so daß z. B. die Maden der blauen Schmeißfliege 24 Stunden nach dem Auskriechen schon 155 Mahl schwerer sind als da sie aus dem Ey kamen.
Theils haben diese Larven Füße, wie die Raupen und Engerlinge: theils aber keine,310 wie die Maden. Flügel haben sie gar noch nicht. Auch sind sie in diesem Zustande zur Fortpflanzung noch gänzlich unfähig: sie ernäh - ren sich bloß, und wachsen, und häuten sich mit unter einige Mahl.
In der Gestalt, worein die Larve umge - bildet wird, heißt sie Nymphe. Manche kön - nen sich während dieses Zustandes herum be - wegen, auch Nahrungsmittel zu sich nehmen. Andere hingegen verschließen sich als Puppe (chrysalis, aurelia), und bringen diesen Theil ihres Lebens in einem betäubenden Todes - schlaf, ohne Nahrungsmittel, und ohne sich von der Stelle zu bewegen, zu.
Allein während der Zeit, da das Geschöpf so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse vergraben scheint, geht mit ihm selbst die große Veränderung vor, daß es aus seinem Larven - stand zum vollkommnen Insect (insectum declaratum, imago) umgebildet wird, und nach bestimmter Zeit aus seinem Kerker hervor - brechen kann. Manche Insecten absolviren die letzte Rolle ihres Lebens in einer sehr kurzen Zeit. Verschiedene bringen, wenn sie aus ihrer Hülfe kriechen, nicht ein Mahl einen Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr,311 sie wachsen nicht weiter; jene beyden Bestim - mungen eines organisirten Körpers hatten sie schon als Larven erfüllt; jetzt ist ihnen nur noch die dritte übrig: sie sollen ihr Geschlecht fort - pflanzen, und dann der Nachkommenschaft Platz machen, und sterben.
Die unmittelbare Brauchbarkeit der In - secten ist ziemlich einfach: dagegen aber ist der Antheil, den diese kleinen wenig bemerkten Thiere an der großen Haushaltung der Natur haben, desto mannigfaltiger und ganz uner - meßlich. Sie sind es, die unzählige Arten von Unkraut theils im Keim ersticken, theils, wenn es auch ausgewachsen ist, vertilgen, und seinem fernern Wucher vorbeugen. Einen an - dern ebenfalls äußerst wichtigen Nutzen leisten so viele Insecten, die sich von Aas nähren, im Miste leben u. s. w. und die dadurch, daß sie diese widrigen animalischen Substanzen auf - zehren, zerstreuen und durchwirken, von der einen Seite der Infection der Luft vorbeugen, und von der andern die allgemeine Düngung des Erdreichs befördern. Aus jener Rücksicht werden z. B. die Schmeißfliegen in den heißen Erdstrichen so wohlthätig. Anderseits beför - dern auch unzählige Insecten die Befruchtung der Gewächse, auf überaus merkwürdige312 Weise*)Chr. Conr. Sprengels entdecktes Geheimniß der Natur im Bau und in Befruchtung der Blumen. Berlin 1793. 4., und einige Gattungen von Gallwespen benutzt man zur Zeitigung der Feigen. Man - cherley Insecten werden von den Fischern zu Angelköder gebraucht. Manche Thiere dieser Classe, wie die Krebse, und einige Gattungen von Heuschrecken ꝛc. sind eßbar. So der Honig der Bienen, aus welchen auch in man - chen Gegenden von Europa so wie im Innern von Africa der Meth gewonnen wird. Die Seide nutzt zur Kleidung und mancherley an - derm Gebrauch. Verschiedene Insecten geben treffliche Farben, wie die Cochenille den Scharlach ꝛc. Die Galläpfel werden zur Tinte, und Wachs zu Kerzen und vielerley andern Gebrauch benutzt. So das Lack, ein Pro - duct gewisser ostindischer Schildläuse, das zu Firniß zum Siegellack u. s. w. verbraucht wird. Für die Arzney sind vorzüglich die spanischen Fliegen, die Kelleresel und die Ameisen von Belange, und neuerlich sind auch die so ge - nannten Maywürmer, vom neuen als Hülfs - mittel gegen den tollen Hundsbiß, so wie manche andere Käser gegen Zahnweh, geprie - sen worden.
So unermeßlich der Nutze der Insecten ist, so ist aber auch anderseits der Schade sehr313 erheblich, den viele Gattungen derselben an - richten. Viele sind den Feldfrüchten über - haupt gefährlich, verursachen Mißwachs, und verheeren, wie die Zug-Heuschrecken, junge Saat, und alles, wo sie auffallen. Manche sind besonders dem Getreide nachteilig; an - dere, wie so viele Raupen, Erbflöhe, Enger - linge ꝛc. den Gartengewächsen; andere Rau - pen und Käferlarven ꝛc. den Obstbäumen; die Schildläuse besonders der Orangerie; die Larven einiger Dermestes-Gattungen und die Holzraupen den Holzungen; die Ameisen, Grasraupen ꝛc. den Wiesen; die Brot-Scha - ben den Victualien; die weißen Ameisen ꝛc. dem Hausgeräthe ꝛc. ; die Kleidermotten der Wolle, dem Pelzwerk u. s. w. Die Larven vieler kleiner Käferchen den Büchern und Na - turaliensammlungen. Endlich werden auch ei - nige Arten von so genanntem Ungeziefer dem Menschen selbst, so wie den Pferden, Schafen, Hühnern und andern Hausthieren, ja sogar verschiedenen nutzbaren Insecten, den Bienen, Seidenwürmern ꝛc. auf unmittelbare Weise lästig; und andere, wie manche Skorpione ꝛc. durch ihr Gift, furchtbar.
In der systematischen Anordnung folge ich in dieser Classe ganz dem Entwurf des R. Linné wie es die Einrichtung eines solchen, besonders314 auch zu halbjährigen Vorlesungen über die ganze N. G. bestimmten, Handbuchs wohl nicht an - ders gestattet.
I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit hornartigem Körper. Die Flügel falten sich in der Ruhe zusammen, und sind mit zwey hornartigen, Decken oder Scheiden belegt die sich in der Mitte in gerader Linie an einander schließen.
II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuz - weis zusammen gelegten oder gerade aus - gestreckten, meist zur Hälfte harten, fast pergamentähnlichen Flügeln ꝛc. Theils haben sie Freßzangen, theils einen spitzi - gen Bohr-Rüssel.
III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit weichem behaartem Körper, und vier ausgespannten Flügeln, die mit bunten Schuppen bedeckt sind.
IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen netzförmigen oder gegitterten Flügeln.
V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen geaderten Flügeln.
VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (un - bedeckten) Flügeln.
VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten In - secten.
Die Thiere dieser Ordnung*)Jo. Eus Voet catalogue systematique des coleopteres. à la Haye 1766. u. f. 4. Gu. Ant. Olivier entomologie. Par. seit 1789. 4. Deutsch mit Zusätzen und Anmerkungen von K. Illiger Braunschw. seit 1800. 4. J. Ch. Fabricii systema Eleutheratorum, Kil. 1801. II. vol. 8. werden über - haupt Käfer genannt, ob man gleich diesen Nahmen auch dem ersten Geschlechte ins beson - dere beylegt. Die Larve hat Freßzangen, und bey den mehresten Geschlechtern sechs Füße, die an der Brust sitzen: bey einigen, wie unter den Holzbocken ist sie ohne Füße (eine Made). Sie verpuppt sich mehrentheils unter der Erde in einer ausgehöhlten Erd-Scholle: oder aber, wie bey den genannten Holzböcken, im Holze. Das vollkommene Insect kriecht zwar weich aus der Puppe; seine Haut verhärtet aber in kurzer Zeit an der Luft; es hat so wie die Larve Kinnladen am Kopfe, und ist mit harten horn - artigen Flügeldecken (elytra) versehen.
1. Scarabaevs. Käfer. (Fr. hanneton. Engl. beetle) Antennae clauatae capi - tulo fissili. Tibiae anticae saepius den - tatae.
1. Hercules. S. scutellatus, thoracis cornu incuruo maximo: subtus barbato vnidentato, capitis recurnato: supra multidentato.
Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.
318In Brasilien. Die Larve einen starken Dau - men dick. Der Käfer variirt in der Farbe, schmutzig-grün ꝛc.
2. Actaeon. (rhinoceros.) S. scutellatus tho - race bicorni, capitis cornu vnidentato, apice bifido.
Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.
Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.
3. †. Lunaris. S. exscutellatus. thorace trii - corni: intermedio obtuso bifido, capitis cornu erecto clypeo emarginato.
Frisch P. IV. tab. 7.
Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im Kuhmist, aus dem er, wie andere verwandte Käfergattungen, hohle Kugeln formt, die er ein - zeln unter die Erde verscharrt, an Graswurzeln befestigt und in jede ein einziges Ey legt.
4. †. Nasicornis. der Nashornkäfer. S. scu - tellatus, thorace prominentia triplici, ca - pitis cornu incuruato, antennis hepta - phyllis.
Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8. 10.
Der größte hieländische Käfer; fliegt selten; als Engerling findet er sich häufig in Gerberlohe und in hohlen Bäumen; und thut in manchen Gegenden den Reden großen Schaden.
5. †. Sacer. S. exscutellatus, clypeo sex - dentato, thorace inermi crenulato, tibiis, posticis ciliatis, vertice subbidentato.
Sulzers Gesch. tab. 1. fig. 3.
Besonders häufig in Aegypten, wo er von den alten Aegyptiern als Sinnbild des Sonnen -319 laufs heilig verehrt, und aus ihren Kunstwerken vorgestellt worden. Besonders hat man ihn auf die Rückseite der Aegyptischen und Etruskischen geschnittenen Steine ausgeschnitzt, die deßhalb Käferrücken oder Scarabäen genannt werden.
6. †. Fimetarius. S. scutellatus, thorace inermi, capite tuberculato elytris rubris, corpore nigro.
Frisch P. IV. tab. 19. fig 3.
Im Kuhmist.
7. †. Stercorarius. der Roßkäfer. (Engl. the dung beetle.) S. scutellatus. muticus, ater, glaber: elytris sulcatis: capite rhombeo; vertice prominulo: antennis rubris.
Frisch P. IV. tab. 6. fig. 3.
Besonders im Pferdemist: daher häufig auf Fahrwegen. Wenn er an heitern Sommeraben - den herum fliegt so ist meist auch für den folgen - den Tag gut Wetter zu erwarten.
8. †. Vernalis. des Mistkäfer. S. scutella - tus muticus, elytris glabris laeuissimis, capitis clypeo rhombeo, vertice promi - nulo, antennis nigris.
Sulzer Gesch. tab. 1. fig. 6.
Häufig im Schafmist.
9. †. Horticola. der Gartenkäfer. S. scutel - latus muticus, capite thoraceque caeruleo subpiloso, elytris griseis, pedibus nigris.
Frisch P. IV. tab. 14.
Zumahl an den Obstbäumen ꝛc.
10. †. Melolontha. der Maykäfer, Kreuz - käfer. S. scutellatus muticus testaceus,320 thorace villoso, cauda inflexa, incisuris abdominis albis.
Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.
Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre lang als Engerling unter der Erde lebt, sich von Getreidewurzeln ꝛc. nährt, und zuweilen allge - meinen Mißwachs verursacht hat*)Wie z. B. im Jahr 1479, da die Engerlinge des - halb in einem weitläuftigen Monitorio vors geist - liche Recht gen Lausanne citirt wurden, das ihnen zwar einen Advocaten von Freyburg zuge - stand, sie selbst aber nach genauer Abhörung beyder Parteyen, und reiflicher Ueberlegung förm - lich in den Bann that. s. Mich. Stettlers Schweitzer-Chronick. S. 278.. Im sechsten Jahr kommt es endlich als Maykäfer zum Vorschein, und schadet in dieser Gestalt dem jungen Laub, besonders an Obstbäumen.
11. †. Solstitialis. der Brachkäfer, Junius - käfer, Johanniskäfer. S. scutellatus mu - ticus testaceus, thorace villoso, elytris lu - teo-pallidis pellucidis: lineis tribus albis parallelis.
Frisch P. IX. tab. 15. fig. 3.
12. †. Auratus. der Goldkäfer, Rosenkäfer. S. scutellatus muticus auratus, segmento abdominis primo lateribus vnidentato, cly - peo planiusculo.
Frisch P. XII. tab. 3. fig. 1.
Die Larve und Puppe findet sich häufig in Ameisenhaufen, und hohlen Baumstämmen. Der schöne Käfer selbst aber in Gärten ꝛc. Man hat Beyspiele, daß er sich über 8 Jahr lebendig er - halten und mit angefeuchteten Brodrinden fü - ttern lassen.
3212. Lvcanvs. Antennae clauatae: claua compressa latere latiore pectinato-fis - sili. Maxillae porrectae, exsertae, dentatae.
1. †. Cervus. der Hornschröter, Wein - schröter. (Fr. le cerf volant. Engl. the flag beetle.) L. scutellus: maxillis exser - tis, apice bifurcatis, latere vnidentatis.
Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.
Nächst den Krebsen das größte deutsche In - sect, lebt vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das Männchen hat die Geweihen ähnelnden Kneip - zangen am Kopfe.
3. Dermestes. Antennae clauatae; capitulo perfoliato: articulis tribus crassioribus. Thorax conuexus, vix marginatus. Caput sub thorace in - flexum latens.
1. †. Lardarius. der Speckkäfer. D. niger elytris antice cinereis, punctis nigris.
Frisch P. V. tab. 9.
Larve und Käfer nähren sich von fetten wei - chen Theilen todter Thiere.
2. †. Pellio. D. niger coleoptris punctis albis binis.
Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausgestopf - ten Thieren. u. s. w.
3. †. Typographus. der Borkenkäfer, Fich - tenkäfer, Fichtenkrebs, Holzwurm. D. te -322 staceus pilosus elytris striatis retusis prae - morso-dentatis.
v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Na - turforsch. Freunde. IV. B. tab. 4.
Das den Fichtenwaldungen neuerlich auf dem Harz und in mehrern, Gegenden Deutschlands so furchtbar gewordne Thier; das im Splint der Fichten (Pinus abies) theils in solcher Menge hauset, daß man wohl in einem mäßigen Baume über 80000 seiner Larven gezählt bat. Bey der dadurch verursachten Wurmtrockniß stirbt der Baum vom Wipfel herunter ab, seine Nadeln werden roth, er verliert sein Harz, und taucht dann kaum recht zum Verkohlen geschweige als Bau - oder Brennholz.
4. †. Piniperda. der Tannenkäfer, schwarze fliegende Wurm. D. niger subuillosus, ely - tris piceis integris, plantis rusis.
Kaum halb so groß als die vorige Gattung.
4. Ptinvs. Kümmelkäfer. (Fr. pannache, vrillette.) Antennae filiformes: articulis vltimis maioribus. Thorax subrotun - dus, immarginatus, caput excipiens.
1. †. Pertinax. P. fuscus vnicolor.
Hat seinen Nahmen daher, weil er, sobald man ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt liegt, und lange durch keinen Reitz von der Stelle zu treiben ist.
2. †. Fur. P. testaceus, subapterus, thorace quadridentao, elytris fasciis duabus albis.
Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 8.
323Eins der furchtbarsten Thiere für Naturalien - sammlungen, Bibliotheken, Hausgeräthe und Pelzwerk.
3. †. Fatidicus. die Todtenuhr. (Engl. the death-watch.) P. fuscus subpilosus griseo irregulariter maculosus.
Philos. Transact. N. 271. 291.
Eine der sehr verschieden Insectenarten, die durch den klopfenden Laut, womit die Gatten einander zur Parungszeit locken, zu mancherley Volksaberglauben Anlaß gegeben haben.
5. Hister. Antennae capitatae capitulo solidiusculo: infimo articulo com - presso, decuruato. Caput intra corpus retractile. Os forcipatum. Elytra cor - pore breuiora. Tibiae anticae dentatae.
1. †. Vnicolor. H. totus ater, elytris sub - striatis.
Sulzers Kennzeichen tab. 2. fig. 8. 9.
In sandigem Boden und auf Viehweiden.
6. Gyrinvs. Antennae clauatae, rigi - dae, capite breuiores, oculi 4, duobus supra, duobus infra.
1. †. Natator. der Schwimmkäfer. G. sub - striatus.
Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 10.
Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der Oberfläche des Wassers. Im Tauchen hat er eine Luftblase am Hintern; gibt einen widrigen Geruch von sich.
3247. Byrrhvs. Antennae clauatae subso - lidae, subcompressae.
1. †. Museorum. B. nebulosus, elytris sub - nebulosis puncto albo.
In Pelzwerk, ausgestopften Thieren ꝛc.
8. Silpha. Antennae extrorsum crassio - res. Elytra marginata. Caput promi - nens. Thorax planiusculus, margi - natus.
1. †. Vespillo. der Todtengräber. (Fr. le fos - soyeur.) S. oblonga atra, clypeo orbi - culato inaequali, elytris fascia duplici aurantia.
Frisch P. XII. tab. 3. fig. 2.
Sie haben ihren Nahmen von der besondern Geschicklichkeit, womit sie die Aeser von kleinen Thieren, Maulwürfen, Fröschen ꝛc. die sie von weitem auswittern, unter die Erde zu vergraben, und ihre Eyer dahinein zu legen verstehen. Ih - rer sechse find wohl im Stande, einen todten Maulwurf binnen vier Stunden, einen Fuß tief in fetten Boden einzuscharren.
9. Cassida. Schildkäfer. Antennae sub - filiformes, extrorsum crassiores. Elytra marginata. Caput sub thoracis clypeo plano reconditum.
1. †. Viridis. C. viridis, corpore nigro.
Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.
Auf Disteln, Feldmelde ꝛc. Die Larve und Puppe sind ganz flach und am Rande sonderbar ausgezackt mit Spitzen versehen.
3252. †. Murraea. C. nigra, clypeo rubro, ely - tris sanguineis, punctis nigris sparsis.
Besonders häufig am Alant.
10. Coccinella. Sonnenkäfer, Ma - rienkuh, Sommerkind, Gotteslämmchen. (Fr. vache à Dieu, bête de la vierge. Engl. Lady-cow, Lady-bird.) Antennae subclauatae, truncatae. Palpi claua semicordata. Corpus hemisphaericum, thorace elytrisque marginatis, abdo - mine plano.
1. †. 7-Punctata. C. coleoptris rubris; punctis nigris septem.
Frisch P. IV. tab. 1. fig. 4.
Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer und Meloë Gattungen als wirksames Heilmittel bey mancherley Zahnweh empfohlen worden.
2. †. Bipustulata. C. coleoptris nigris punctis rubris duobus, abdomine sanguineo.
Frisch P. IX. tab. 16. fig. 6.
11. Chrysomela. Blattkäfer. Anten - nae moniliformes, extrorsum crassio - res. Thorax, nec elytra, marginatus.
1. †. Goettingensis. C. ouata atra pedibus vio - laceis.
Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 5.
Häufig an der Schafgarbe.
2. †. Minutissima. C. ouata nigra opaca.
Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den drit - ten Theil so groß als ein Floh.
3263. †. Cerealis. C. ouata aurata, thorace lineis tribus, coleoptrisque quinque violaceis, abdomine violaceo.
4. †. Oleracea. C. saltatoria (s. femoribus po - sticis crassissimis) virescenti-caerulea.
Ein schädliches kleines Thier, das so wie meh - rere verwandte Gattungen unter dem Nahmen Erdflöhe oder Erdfliegen bekannt ist.
5. †. Merdigera. der Lilienkäfer. (Crioceris rubra Geoffr.) C. oblonga rubra, thorace cylindrico vtritique impresso.
Sulzers Gesch. tab. 3. fig. 14.
In Lilien, Mayblumen ꝛc. Die Larve, bedeckt sich mir ihrem eigenen Unrath. Der kleine rothe Käfer, worein sie sich verwandelt, gibt, wenn man ihn anfaßt, mit seinen Flügeldecken einen durchdringenden hellen Laut von sich.
12. Hispa. Stachelkäfer. Antennae fu - siformes, basi approximatae, inter oculos sitae. Thorax elytraque acu - leata saepius.
1. †. Atra. H. corpore toto atro.
Unter der Erde an Graswurzeln.
13. Brvchvs. Antennae filiformes, sen - sim crassiores.
1. †. Pisi. der Erbsenkäfer. B. elytris albo punctatis, podice albo maculis binis nigris.
Thut zumahl in Nordamerica dem Mais großen Schaden.
32714. Cvrcvlio. Rüsselkäfer. (Fr. charan - son.) Antennae subclauatae, rostro in - sidentes. Rostrum corneum prominens.
Sie haben meist einen kurzen rundlichen aber überaus hart gepanzerten Körper, und einen festen mehr oder weniger gebognen Rüssel von verschiedener Länge. Es sind nachtheilige Thiere, von denen besonders die mit dem sehr langen Rüssel den Bäumen, die übrigen aber den Feld - früchten und Gartengewächsen Schaden thun. Die Larven nennt man Pfeiffer.
1. Palmarum. der Palmbohrer. C. longiro - ster ater, thorace ouato planiusculo, ely - tris abbreuiatis striatis.
Sulzers Kennz. tab. 3. fig. 20.
In beyden Indien. Hat fast die Größe des Hornschröters. Die Larve nährt sich vom Sa - gumarke; wird aber selbst als ein schmackhaftes Gericht gegessen.
2. †. Frumentarius. der schwarze oder rothe Kornwurm, Reiter, Wippel. C. longiro - ster sanguineus.
Eine große Plage für die Kornböden. Er saugt das Mehl aus dem Korn und läßt die Hülse liegen. Das bewährteste Gegenmittel ist, die Fruchtböden und ihre Gebälke ꝛc. mit scharfer Seifensiederlauge besprengen und abfegen zu lassen. – Nicht selten verbreitet er sich auch in Wohnzimmer und Betten.
3. †. Granarius. C. longiroster piceus oblon - gus thorace punctato longitudine elytrorum.
Auch auf Kornböden, in Mühlen ꝛc.
3284. †. Paraplecticus. C. longiroster cylindricus subcinereus, elytris mucronatis.
Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 7.
Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung, daß er den Pferden Lähmung verursache, ist unge - gründet, und trifft wohl die verdächtigen Pflan - zen, aber nicht das darauf wohnende unschul - dige Thier.
5. †. Bacchus. der Rebensticher. C. longi - roster aureus, rostro plantisque nigris.
Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.
An Apfelbäumen, Weinstöcken ꝛc. – Larve oder Käferchen von dieser und einigen andern Gattungen an einen schmerzenden hohlen Zahn gerieben, soll den Schmerz vertreiben.
6. Anchoraco. C. longiroster, femoribus den - tatis, elytris flano striatis, thorace elongato.
Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 6.
Die schmale Brust, und der Rüssel sind jedes so lang als der ganze Hinterleib: dadurch be - kommt das Thier ein sonderbares Ansehn.
7. †. Nucum. C. longiroster, femoribus den - tatis, corpore griseo longitudine rostri.
Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.
Macht die Haselnüsse wurmstichig.
8. Imperialis. der Juwelenkäfer. C. breui - roster niger, elytris dentatis, sulcatis punctis excauatis, auro versicolore distinctis, ab - domine aeneo viridi.
In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten. Das gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen,329 die reihenweise auf den Flügeldecken eingegraben sind, thut in hellem Lichte, zumahl unter dem Vergrößerungsglase, eine unbeschreibliche Wirkung.
15. Attelabvs. Caput postice atte - nuatum inclinatum. Antennae apicem versus crassiores.
1. †. Coryli. A. niger, elytris rubris.
Sulzers Kennz. tab. 4. fig. 25.
2. †. Apiarius. der Immenwolf. A. caeru - lescens, elytris rubris, fasciis tribus nigris.
Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.
Ist häufig wo viel Bienenzucht ist, thut in manchen Jahren den Stöcken großen Schaden.
16. Cerambyx. Holzbock. (capricornus) Antennae attenuatae. Thorax spinosus aut gibbus. Elytra linearia.
Manche Gattungen haben ungeheuer lange Fühlhörner, einen ungemein starken Brustschild und Flügeldecken, und ein überaus zähes Leben, so daß man angespießte Holzböcke noch nach vier Wochen lebendig gefunden hat. Meist leben sie in Holz, und geben mittelst des Brustschildes, den sie an den Flügeldecken reiben, einen knar - renden Laut von sich.
1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus, elytris basi vnidentatis apiceque bidentatis antennis longis.
Rösel vol. II. Erdkäf, II. tab. 1. fig. 2.
So wie die folgende Gattung in Südamerika.
3302. Ceruicornis. C. thorace marginato dentato, maxillis porrectis coniformibus vtrinque spinosis, antennis breuibus.
Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön gezeichnet, mit Kinnzangen, fast wie am Horn - schröter.
3. †. Moschatus. C. thorace spinoso, elytris obtusis viridibus nitentibus, femoribus mu - ticis, antennis mediocribus.
Frisch P. XIII. tab. II.
Gibt einen bisamänlichen Geruch von sich.
4. †. Aedilis. C. thorace spinoso: punctis 4. luteis, elytris obtusis nebulosis, antennis longissimis.
Frisch P. XIII. tab. 12.
Die Fühlhörner sind wohl sechs Mahl so lang als das ganze Thier.
17. Leptvra. Antennae setaceae Ely - tra apicem versus attenuata. Thorax teretiusculus.
1. †. Aquatica. L. deaurata, antennis ni - gris femoribus posticis dentatis.
An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der Farbe.
18. Necydalis. Afterholzbock. Anten - nae setaceae. Elytra alis minora. Cauda simplex.
1. †. Maior. N. elytris abbreuiatis ferrugi - neis immaculatis, antennis breuioribus.
33119. Lampyris. Johanniswürmchen. (ci - cindela, nitedula. Fr. ver luisant. Engl. glow-worm.) Antennae filiformes Elytra flexilia. Thorax planus, semi - orbiculatus, caput subtus occultans cingensque. Abdominis latera plica - topapillosa.
Nur die Männchen sind geflügelt, und diese haben zwey bläulich phosphorescirende lichte Punkte unten am Bauche. Ihre ungeflügelten Weibchen leuchten weit stärker als die Männ - chen, besonders um die Begattungszeit, da ihr Licht vermuthlich den Männchen zur Anzeige dient, sie aufzufinden. Einige Zeit, nachdem das Weibchen seine Eyer gelegt hat (die selbst auch im Finstern leuchten), verliert sich der Schein bey beyden Geschlechtern.
1. †. Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo cinereo.
Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen ꝛc. Ein paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell genug, um dabey im Finstern lesen zu können.
20. Cantharis. Antennae setaceae. Thorax marginatus capite breuior. Elytra flexilia. Abdominis latera pli - cato-papillosa.
1. †. Fusca. C. thorace marginato rubro, macula nigra, elytris fuscis.
Frisch P. XII. III. Pl. tab. 6. fig. 5.
Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter in der Erde auf, und kommt dann zuweilen,332 wenn es geschneyt hat, zu tausenden hervorge - krochen, da ihre plötzliche Erscheinung auf dem frischen Schnee zu allerhand fabelhaften Sagen Anlaß gegeben.
21. Elater. Springkäfer, Schmid. (Fr. taupin.) Antennae setaceae. Tho - rax retrorsum angulatus. Mucro pecto - ris e foramine abdominis resiliens.
Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fer - tigkeit merkwürdig, mit welcher sie, wenn sie auf dem Rücken zu liegen kommen, sich in die Höhe zu schnellen, und wieder auf die Beine zu helfen wissen. Vorzüglich hilft ihnen dazu ein Stachel, der vorn an der Brust befestigt ist, und in eine Rinne oben am Bauche paßt, aus der er beym Aufschnellen mit Gewalt heraus schnappt; und dann die Spitzen, die rückwärts auf beyden Seiten des Brustschilds heraus stehen, und mit den Flügeldecken auf eine ähnliche Weise ein - gelenkt sind.
1. Noctilucus. der Cucuyo. E. thoracis late - ribus macula flaua glabra.
Im mittlern America; wohl zwey Zoll lang. Die beyden gelben runden Flecken gegen die Seitenspitzen des Brustschildes leuchten stark im Finstern, und die Caraiben bedienten sich ehedem der Cucuyos und einiger anderer phosphoresciren - den Insecten statt der Leuchten.
2. †. Niger. E. thorace laeui, elytris, pe - dibus corporeque nigris.
Häufig auf Viehweiden.
33322. Cicindela. Sandlaufer. Anten - nae setaceae. Maxillae prominentes denticulatae. Oculi prominuli. Tho - rax rotundato-marginatus.
Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie der Ameisenlöwe, um andern Insecten aufzu - lauern, und als Käfer wissen sie ihnen mit ausnehmender Schnelligkeit im Lauf und Flug nachzujagen.
1. †. Germanica. C. viridis, elytris puncto lunulaque apicum albis.
23. Bvprestis. Prachtkäfer. Antennae setaceae, longitudine thoracis. Caput dimidium intra thoracem retractum.
1. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis rugosis, thorace marginato laeui, corpore inaurato.
Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 38.
In beyden Indien. Wohl fingerslang.
3. †. Chrysostigma. B. elytris serratis longi - tudinaliter sulcatis, maculis duabus aureis impressis, thorace punctato.
Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 39.
24. Dytiscvs. Wasserkäfer, Fischkäfer (hydrocantharus) Antennae setaceae aut clauato perfoliatae. Pedes postici villosi, natatorii submutici.
1. †. Piceus. D. antennis perfoliatis, corpore laeui, sterno carinato, postice spinoso.
Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.
334Eine der größten Gattungen. Wenn der Käfer seine Eyer legen will, so bereitet er dazu eine artige längliche Hülfe, die er mit einer braunen Seide überzieht, und die mit den ein - geschlossenen Eyern wie ein Schiffchen auf dem Wasser schwimmt, bis die kleinen Larven aus - gekrochen und im Stande sind, in ihr Element über Bord zu springen.
2. †. Semistriatus. D. fuscus, elytris sulcis dimidiatis decem villosis.
Frisch P. II. tab. 7. fig. 4.
Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gat - tungen dieses Geschlechts,) den Fischreichen ge - fährlich.
25. Carabvs. Laufkäfer. Antennae se - taceae. Thorax obcordatus apice trun - catus marginatus. Elytra marginata.
Raubthiere in ihrer Art. Viele geben, wenn man sie anfaßt, einen widerlichen Saft von sich. Die wenigsten können fliegen; laufen aber desto schneller.
1. †. Coriaceus. C. apterus ater opacus, ely - tris punctis intricatis subrugosis.
Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 44.
2. †. Auratus. der Goldhahn. C. apterus, elytris porcatis: striis sulcisque laeuibus inauratis.
Häufig auf Feldern, Wiesen ꝛc.
3. †. Sycophanta. C. aureo nitens, thorace caeruleo, elytris aureo viridibus striatis, abdomine subatro.
Sulzers Gesch. tab. 7. fig. 1.
Der größte hieländische Laufkäfer.
3354. †. Crepitans. der Bombardirkäfer. C. tho - race capite pedibusque ferugineis, elytris viridi nigricantibus.
Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.
Ein kleines Käferchen. Wird besonders von der vorigen Gattung verfolgt, und ist dabey durch die von Dr. Rolander bemerkte ganz eigene Art berühmt geworden, womit er sich gegen jenen u. a. seiner Feinde zu vertheidigen sucht; da er ihnen mit einem auffallend starken Laut einen blaulichen Dunst entgegen schießt ꝛc.
26. Tenebrio. Antennae monilifor - mes articulo vltimo subrotundo. Tho - rax plano-conuexus, marginatus. Ca - put exsertum. Elytra rigidiuscula.
1. †. Molitor. T. alatus niger totus, femo - ribus anticis crassioribus.
Frisch P. III. tab. 1.
Die Larven halten sich im Mehl auf, finden sich daher häufig in Mühlen und Beckerhäusern, heißen Mehlwürmer, und geben das bekannte Nachtigallenfutter ab.
3. †. Mortisagus. der Todtenkäfer. T. apte - rus thorace aequali, coleoptris laeuibus mucronatis.
Frisch. P. XIII. tab. 25.
27. Meloë. Antennae moniliformes articulo vltimo ouato. Thorax subro - tundus. Elytra mollia flexilia, caput inflexum gibbum.
3361. †. Proscarabeus. der Maywurm. (Fr. le scarabé onctueux. Engl. the oil-beetle.) M. apterus, corpore violaceo.
Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.
Ein weiches Thier, das bey jeder Berührung einen stinkenden Saft aus der Brust, da wo die Füße eingelenkt sind, fließen läßt.
2. †. Vesicatorius. die spanische Fliege. (can - tharis offic.) M. alatus viridissimus nitens, antennis nigris.
Das wichtige heilsame Geschöpf, das zum Blasenziehen gebraucht wird.
28. Mordella. Antennae filiformes serratae. Caput deflexum sub collo (in territo). Palpi compresso clauati, oblique truncati. Elytra deorsum curua apicem versus. Ante femora lamina lata ad basin abdominis.
Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht be - greift nur wenige Gattungen, die sich noch dazu wenig zu vermehren scheinen.
1. †. Aculeata. M. atra, ano spina terminato.
Sulzers Kennz. tab. 7. fig. 46.
29. Staphylinvs. Antennae moni - liformes. Elytra dimidiata. Alae tectae. Cauda simplex exferens duas vesiculas oblongas.
Sind besonders wegen der kleinen Blasen merkwürdig, die sie, so bald sie Gefahr merken, aus dem Hinterleibe treiben; deren Nutzen aber noch unbestimmt ist.
3371. †. Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis cinereis, maxillis longitudine capitis.
30. Forficvla. Antennae setaceae. Elytra dimidiata. Alae tectae. Cauda forcipata.
1. †. Auricularia. der Ohrwurm, Oehrling, Ohrhöhler. (Fr. le perce-oreille. Engl. the ear-wig.) F. elytris apice albis.
Frisch P. VIII. tab. 15. 1. 2.
Das bekannte Thier, von dem die ungegrün - dete. Sage erdichtet ist, daß es gern den Men - schen in die Ohren kröche, wohin sich irgend etwa ein Mahl eins, so gut wie jedes andere Insect, verirren kann. Aber den Gärten sind sie nachtheilig, da sie junges Gemüse, die Augen an Orangerie, Nelkenknospen ꝛc. zerfressen.
Bey den meisten Insecten dieser Ordnung ist der Kopf nach der Brust niedergedrückt, bey einigen mit Kinnladen, bey den mehresten aber mit einem nach dem Unterleibe gebogenen Saugerüssel versehen, weßhalb diese auch von einigen Naturforschern Proboscidia genannt werden. Meistens haben sie vier Flügel, von welchen zumahl die obern an der Wurzel fester und hornartiger, am äußern Ende aber dünner und weicher sind. Bey einigen sind sie gerade ausgestreckt, bey andern übers Kreuz zusam -338 mengefaltet. Theils sind sie auch mit einer Art kleiner Flügeldecken belegt. Manche haben nur zwey Flügel, und bey verschiedenen sind die Weibchen gänzlich ungeflügelt. Ihre Ver - wandlung ist nicht sehr ausfallend: sondern die Larven ähneln dem vollkommnern Insect bis auf die Flügel, die erst nach und nach völlig ausgebildet werden.
31. Blatta. Schabe. Caput inflexum. Antennae setaceae. Elytra alaeque pla - nae, subcoriaceae. Thorax planiuscu - lus, orbiculatus, marginatus. Pedes cursorii. Cornicula duo supra caudam.
1. †. Orientalis. die Brotschabe, Küchen - schabe, der Kakerlake, Tarokan. (Fr. le cancrelas, ravet. Engl. the black beetle, cockroach.) B. ferrugineo-fusca elytris ab - breuiatis sulco oblongo impresso.
Frisch P. V. tab. 3.
Jetzt nun fast in allen Welttheilen. Für manche Gegenden, wo sie sich eingenistet und stark vermehrt hat, eine der lästigsten Hauspla - gen. Verzehrt vorzüglich mancherley Victualien, vor allen aber Brot ꝛc. Kann daher in Schiffen auf weiten Seereisen schaudervolles Elend ver - ursachen*)Ein schreckliches Beyspiel gibt Maurelle's Süd - seereise im voyage de la Pérouse autour du monde vol. I. p.279. u. f.. Ist noch am ersten durch Arsenik, Dampf von Schwefel und assa foetida, kochend Wasser ꝛc. und wo nur wenige in einem Zim -339 mer oder einer Küche sind, dadurch zu ver - tilgen, daß man über Nacht einen Igel oder eine Aente hinein sperrt.
2. Heteroclita. B. fusca, elytris nigris, sinistro integro 4 pustulato; dextro ad marginem internum semipellucido, 3 pustulato.
Pallas spicileg. zoologic. IX. tab. 1. fig. 5.
In Tranquebar ꝛc. Wegen der auffallenden Ungleichheit in der Zeichnung der beyden Ober - flügel werkwürdig.
3. †. Lapponica. B. flauescens, elytris nigro - maculatis.
Auch außer Lappland im mildern Europa.
32. Mantis. Caput nutans, maxillo - sum, palpis instructum. Antennae setaceae. Alae 4 membranaceae, con - volutae, inferiores plicatae. Pedes antici compresi, subtus serrato-den - ticulati, armati ungue solitario et digito setaceo laterali articulato: po - stici 4. laeues, gressorii. Thorax li - nearis elongatus angustatus.
Alle von einer ungewöhnlichen, lang gestreck - ten, sonderbaren Bildung. Auch ihr Gang, ihr Betragen ꝛc. hat was Eigenes gleichsam Feyer - liches, das wohl zu der abergläubischen Devotion Anlaß gegeben hat, mit der mehrere Gattungen dieses Geschlechts, zumahl im Oriente angesehen werden.
1. Gigas. M. thorace teretiusculo scabro, ely - tris breuissimis, pedibus spinosis.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 19. fig. 9. 10.
340Auf Amboina. Spannenlang, und doch kaum so dick als eine Gänse-Spuhle. Wird von den Indianern gegessen.
2. Gongylodes. M. Thorace subciliato, femo - ribus anticis spina terminatis, reliquis lobo.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 7. fig. 1. 2. 3.
Auf Guinea ꝛc.
3. †. Religiosa. die Gottesanbeterinn, das wandelnde Blatt, der Weinhandel, Wein - hasel. M. thorace laeui subcarinato elytris - que viridibus immaculatis.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 1. 2.
Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und hält die vordern beyden in die Höhe. Man nennt es das wandelnde Blatt, weil seine Oberflügel an Gestalt und Farbe einem Weidenblatte ähneln. Kann wohl zehn Jahre alt werden.
33. Gryllvs. Heuschrecke. (Fr. sauterelle. Engl. grashopper.) Caput inflexum, maxillosum, palpis instructum. An - tennae setaceae s. filiformes. Alae 4 deflexae, conuolutae, inferiores pli - catae. Pedes postici saltatorii. Vn - gues vbique bini.
Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gattun - gen dem Wiesenwachs und Getreide gefährlich sind. Bey manchen geben die Männchen entwe - der zur Begattungszeit, oder bey einbrechender Nacht, oder wenn sich das Wetter ändern will, einen bekannten zirpenden Laut von sich, den sie theils mit den Springfüßen, am meisten aber mit den Flügeln hervorbringen.
3411. †. Gryllotalpa. die Werre, Maulwurfs - grille, der Riehwurm. Reitwurm, Schrot - wurm, Ackerwerbel, Erdkrebs. G. tho - race rotundato, alis caudatis elytro longio - ribus, pedibus anticis palmatis tomentosis.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 14. 15.
In Europa und Nordamerica: an theils Orten, wie im Thüringischen ꝛc. ausnehmend häufig. Lebt meist unter der Erde, und thut zumahl den Küchengewächsen und der Gerstensaat großen Schaden.
2. †. Domesticus. die Grille, Zirse, Heimchen. (Fr. le grillon. Engl. the cricket.) G. tho - race rotundato, alis caudatis elytro longio - ribus, pedibus simplicibus, corpore glauco.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 12.
3. †. Campestris. die Feldgrille. G. thorace rotundato, cauda biseta stylo lineari, alis elytro breuioribus, corpore nigro.
Frisch P. I. tab. 1.
4. †. Viridissimus. der Baumhüpfer. G. tho - race rotundato, alis viridibus immaculatis, antennis setaceis longissimis.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 10. 11.
Von schöner grüner Farbe. Lebt meist auf Gebüschen, springt vorzüglich weit.
5. †. Verruciuorus. das Heupferd. G. tho - race subquadrato laeui, alis viridibus fusco maculatis, antennis setaceis longitudine corporis.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 8.
3426. Cristatus. G. thorace cristato, carina qua - drifida.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 5.
In den Morgenländern, Aegypten ꝛc.
7. †. Migratorius. die Zugheuschrecke, Strich - heuschrecke, Heerheuschrecke. G. thorace subcarinato; segmento vnico, capite obtuso, maxillis atris.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 29.
Das furchtbare Insect, das oft in unsäglichen Zügen auch in Europa eingefallen ist, und allge - meinen Mißwachs, Hungersnoth ꝛc. verursacht hat. Ursprünglich gehört es wohl in die asiatische Tatarey zu Hause, doch findet es sich auch ein - zeln in Deutschland, das doch seit 1750 mit großen Invasionen desselben verschont geblie - ben*)S. außer den allgemein bekannten Quellen zur Geschichte dieses furchtbaren InsectsJoel neu übersetzt und erläutert von C. W. Justi. Leipzig 1792. 8.und Jac. Bryant's observations upon the plagues inflicted upon the Egyptians. Lond. 1794. 8. p. 137.. Auch soll sich diese Heuschrecke (wenn es anders die gleiche Gattung ist) in Nord - und Süd-America finden. – Daß sie in Arabien und dem nördlichen Africa noch jetzt, so wie in den ältesten Zeiten, in Menge verspeißt wird, ist eine ausgemachte Sache: und daß das einige neuere Reisende in diese Länder für eine Fabel erklärt haben, gibt ein lehrreiches Beyspiel von unüberlegtem voreiligen Scepticismus.
8. †. Stridulus. die Holzheuschrecke. G. tho - race subcarinato, alis rubris extimo nigris nebulosis.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 21. fig. 1.
343Leben meist im Gehölze. Die Männchen geben im Fluge einen lauten klappernden Ton von sich.
34. Fvlgora. *)Zu diesen und den vier nächstfolgenden Geschlech - tern s. Natuurlyke Afbeeldingen en Beschryvingen der Cicaden en Wantzen, door Casp. Stoll, Amst. 1780 sq.4.Caput fronte pro - ducta, inani. Antennae infra oculos, articulis 2, exteriore globoso. Ro - strum inflexum, pedes gressorii.
Der sonderbare Character dieses Geschlechts ist die hornige Blase vor der Stirne, die bey den nachbenannten Gattungen im Leben und einige Zeit nach dem Tode einen hellen Schein verbreitet.
1. Laternaria. der surinamische Laternträ - ger, Leyermann. (Fr. la portelanterne. Engl. the lanthorn-fly.) F. fronte ouali recta, alis liuidis; posticis ocellatis.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 28. 29.
Die größte Art; die leuchtende Blase ist größer als der ganze übrige Körper, und scheint so hell, daß sich die Guianischen Wilden ihrer ehedem statt Leuchten bedient haben sollen.
2. Candelaria. der schinesische Laternträger. F. fronte rostrato-subulata adscendente, elytris viridibus luteo-maculatis, alis fla - uis; apice nigris.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 30.
35. Cicada. (Fr. cigale.) Rostrum in - flexum. Antennae setaceae. Alae 4 membranaceae, deflexae. Pedes pleris - que saltatorii.
344Die männlichen Cicaden geben wie die Heu - schrecken einen Laut von sich, der durch besondere, mehr zusammengesetzte Werkzeuge an ihrem Un - terleibe hervor gebracht wird.
Merkwürdig ist, daß einige Gattungen von Keulenschwämmen (clauariae) besonders häufig aus den Puppen von Cicaden, theils gar auf dem lebendigen Leibe ihrer Larven, manche aber freylich auch auf Raupen und Schmetterlings - puppen, wachsen*)Fougeroux in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris, v. J. 1709. Jo. Miller's illustr. of the sexual system of Lin - naeus tab. vlt. fig. 2. .
1. Orni. C. nigra flauo maculata, alis hyali - nis, basi flauis, maculis nigris.
Rösel vol. II. Heuschr. tab. 25. fig. 3.
Im südlichen Europa und in Nordafrica. Die bey den Alten so beliebte Cicade.
2. †. Spumaria. der Schaumwurm, Gäscht - wurm. C. fusca, elytris maculis binis albis lateralibus; fascia duplici interrupta albida.
Frisch P. VIII. tab. 12.
Besonders häufig auf Weidenbäumen, denen die Larve im Frühjahr den Saft aussaugt, und ihn in Gestalt eines Schaums (des so genannten Kuckuckspeichels), unter welchen sie oft versteckt ist, wieder von sich gibt. Daher auch die Sage von regnenden Weiden.
3. Lanata. C. alis deflexis nigris: punctis caeruleis, fronte lateribusque rubris, ano lanato.
Stoll tab. 10 fig. 49. und D.
345In Westindien. Hat den Beynahmen von den räthselhaften, schneeweißen, aber im Wasser gleichsam schmelzenden langen Flocken am Hin - terleibe. *)Sollten das vielleicht Ueberreste solcher obgedachten Keulenschwämme seyn, die vorher auf der Larve oder Puppe des Thiers gewachsen sind?
36. Notonecta. Wasserwanze. Ro - strum inflexum. Antennae thorace breuiores. Alae 4 cruciato-compli - catae, antice coriaceae. Pedes poste - riores pilosi natatorii.
1. † Glauca. N. grisea elytris griseis mar - gine fusco punctatis apice bifidis.
Frisch P. VI. tab. 13.
Schwimmt die mehrste Zeit auf dem Rücken: weiß auch in dieser Lage kleine Mücken ꝛc. von denen sie sich nährt, mit vieler Geschwin - digkeit zu haschen.
37. Nepa. Wasserscorpion. Rostrum in - flexum. Alae 4 cruciato-complicatae antice coriaceae. Pedes anteriores che - liformes; reliqui 4 ambulatorii.
1. †. Cinerea. N. cinerea, thoraci inaequali, corpore oblongo-ouato.
Frisch P. VII. tab. 15.
Die Eyer dieses Thieres haben eine überaus sonderbare Gestalt, an einem Ende mit Häkchen, fast wie Samen von Kornblumen ꝛc.
3462. †. Cimicoides. N. abdominis margine ser - rato.
Frisch P. VI. tab. 14.
3. Plano. N. subfusca; oculis nigris, alis albidis, dorso plano.
Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem Thier, das auf Tranquebar zu Hause ist, ihre Eyer auf den Rücken. *)Stoll Wanzen II. D. tab. VII. fig. 6. A.Eine ähnliche Bemerkung hat aber auch schon Swammerdam bey dem hieländischen grauen Wasserscorpion gemacht. s. dess. Bibl. naturae. T. I. p. 230. tab. 3. fig. 4. 5.
38. Cimex. Wanze. (Fr. punaise. Engl. bug.) Rostrum inflexum. Alae 4 cru - ciato-complicatae, superioribus an - tice coriaceis. Dorsum planum thorace marginato. Pedes cursorii.
1. †. Lectularius. die Bettwanze, Wand - laus. (Engl. the wall-louse.) C. fla - uescens, alis nullis.
Sulzers Kennz. tab. 10. fig. 69.
Ueber die ursprüngliche Heimath und den Aufenthalt dieses ekelhaften, lichtscheuen Insects im wilden Zustande weiß man wenig Zuverlässi - ges. Jetzt findet sichs in den Wohnungen un - reinlicher oder sorgloser Menschen fast in allen Welttheilen (nahmentlich in Sibirien, Ostindien, Nord - und Süd-America ꝛc.) So leicht Wan - zen durch Zufall in ein Haus kommen können, so leicht ist es sie bald anfangs durch sorgfäl -347 tige wiederhohlte Anwendung kräftiger Mittel*)Als drey der bewährtesten Mittel werden empfohlen A) Scheidewasser, frische Rindsgalle und Eisen - vitriol, von jedem am Gewicht gleich viel, unter - einander gemischt. B) Aetzenden Quecksilber-Sublimats 1 / 2 Quent - chen; aufgelöst in 2 Quentchen Salzgeist. Dieß zu 1 Quartier Terpentingeist gemischt und bey jedesmaligem Gebrauche stark umgeschüttelt. Mit diesen beyden Mitteln werden die Fugen ꝛc. bestrichen. C) Spanischen Pfeffer, Assa foetida und Schwe - fel, von jedem 2 Quentchen. Bey fest verschlosse - nen Thüren und Fenstern in den ausgeräumten Zimmern auf Kohlen gestreuet und sie so 24 Stun - den verschlossen gehalten. Als Palliativmittel auf Reisen dient Citronensaft oder Weinessig auf die Bettücher ꝛc. gesprengt. auch wieder zu vertreiben: was aber äußerst schwer hält, wo man sie einmahl überhand neh - men und sich weit verbreiten lassen.
2. †. Corticalis. C. membranaceus, abdo - minis margine imbricatim secto, corpore nigricante.
In Wäldern an Baumstämmen: ist wegen seiner täuschenden, rindenartigen Gestalt und Farbe schwer zu finden.
3. †. Baccarum. Qualster. C. ouatus gri - seus; abdominis margine nigro maculato.
In Gärten, zumahl an Johannisbeeren. Auch diese Wanze stinkt fürchterlich: doch bloß wenn sie berührt wird; da ihr der Gestank, wie man - chen andern Wanzen, zum Vertheidigungsmittel zu dienen scheint.
3484. †. Personatus. C. rostro arcuato, anten - nis apice capillaceis, corpore oblongo sub - villoso fusco.
Frisch P. X. tab. 20.
Hält sich in Winkeln auf. Die Larve ist im - mer wie mit Staub und Kehricht bedeckt.
39. Aphis. Blattlaus, Neffe, Mehltau. (Fr. puceron. Engl. plant louse.) Ro - strum inflexum. Antennae thorace longiores. Alae 4 erectae aut nullae. Pedes ambulatorii. Abdomen postice saepius bicorne.
Es gibt oft in Einer Gattung, ja in Einer und eben derselben Familie, geflügelte und un - geflügelte Blattläuse, und das ohne alle Bezie - hung auf den Sexualunterschied. Die Männ - chen sind kleiner als ihre Weibchen, und werden auch in weit minderer Anzahl jung. Sie er - scheinen nicht eher als in der letzten Generation jeden Sommers*)S. Fr. Hausmann in Illiger's Magazin. I. B. S. 426.; bey den mehresten Gattun - gen also zu Ende desselben, und nur auf kurze zeit, da sie ihre Weibchen befruchten, die kurz darauf Eyer oder vielmehr Hülsen von sich geben, in welchen zwar die jungen Blattläuse schon völlig ausgebildet liegen, aber doch nicht eher als bis im folgenden Frühjahr hervor brechen, und zwar sind alle diese nunmehr aus - gekrochenen Blattläuse durchgehends weiblichen Geschlechts, so daß bis zu dem eben gedachten Termin der letzten Generation keine männliche Blattlaus zu sehen ist. Und dessen ungeachtet349 sind doch alle jene jungfräulichen Blattläuse im Stande, ohne Zuthun, eines Gatten ihr Ge - schlecht fortzupflanzen; so daß jene einmahlige Begattung im Herbste, ihre befruchtende Wir - kung im folgenden Frühjahr und Sommer bey vielen bis ins neunte Glied äußerst.
1. †. Ribis. A. ribis rubri.
Frisch P. XI. tab. 14.
2. †. Vlmi. A. vlmi campestris.
3. †. Sambuci. A. sambuci nigrae.
Frisch P. XI. tab. 18.
4. †. Rosae. A. rosae.
Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 79.
5. †. Bursaria. A. populi nigrae.
Swammerdam Biblia nat. tab. 45. fig. 22. u. f.
Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderbaren Auswüchse verursachen, die man Pappelrosen, Alberknospen ꝛc. heißt.
6. Pistaciae. A. nigra, alis albidis, tibiis longissimis, thorace verrucoso.
An Pistacien, Mastix, Terpenthinbaum ꝛc., wo sich die Blattläuse in einer spannenlangen, schotenähnlichen Hülse aufhalten.
40. Chermes. Blattsauger. Rostrum pectorale. Antennae thorace longio - res. Alae 4 deflexae. Thorax gibbus, pedes saltatorii.
Haben in der Bildung viel Aehnliches mit den geflügelten Blattläusen. Als Larven sehen sie fast aus wie Cicaden, hüpfen auch so ꝛc.
3501. †. Buxi. C. buxi.
2. †. Alni. C. betulae alni.
Frisch P. VIII. tab. 13.
41. Coccus. Schildlaus. Rostrum pe - ctorale. Abdomen postice setosum. Alae 2 erectae masculis. Feminae apterae.
Bey keinen andern Thieren sehen die beyden Geschlechter einander so auffallend ungleich, als bey den Schildläusen. Das Männchen ähnelt einer kleinen Mücke, das Weibchen hingegen ist ungeflügelt, und sitzt, nachdem es sich gehäutet hat, fast unbeweglich an den Gewächsen, und könnte bey manchen Arten eher für eine Narbe an der Pflanze, als für ein lebendiges Thier an - gesehen werden. Das Männchen schwärmt in - deß im Freyen umher, bis es, vom Begattungs - trieb gereitzt, ein solches einsiedlerisches Weib - chen aussucht und befruchtet.
1. Hesperidum. C. hybernaculorum.
Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 81.
Das Weibchen hält sich vorzüglich an Orangen - bäumen, auf der Rückseite der Blätter, auf.
2. Adonidum. C. rusa farinacea pilosa.
Wie die vorige in Gewächshäusern, besonders an Caffeebäumen ꝛc. Man verteibt sie, wenn man die Gewächse nach dem Begießen mit Schwefelblumen bestreut.
3. Ilicis. Kermes. C. quercus cocciferae.
Im südlichen Europa, besonders in Languedoc und Provence, an Stechpalmen ꝛc. Die beeren -351 förmigen, gallapfelartigen Eyer-Nester dieser Thiere werden mit Essig besprengt, und das Carmoisinroth daraus verfertigt.
4. †. Polonicus. Deutsche Cochenille, Johan - nisblut. C. radicis scleranthi perennis.
Frisch P. V. tab. 2.
Macht ebenfalls kermesartige Eyer-Nester an den Wurzeln vom Weggras und andern Pflanzen; zumahl häufig in Polen und am Don, wo sie gesammelt, und zur Farbe angewandt werden.
5. Cacti. der Scharlachwurm. (Fr. la coche - nille, Engl. the cochineal-fly. ) C. cacti coccinelliferi.
Ellis in den philos. Transact. vol. LII. P. II.
Ursprünglich in Mexico; findet sich auf mehre - ren Cactusarten, die deßhalb in großen Plan - tagen gepflanzt, und die Cochenillwürmer fast wie die Seidenwürmer darauf gezogen, und jährlich zu dreyen Mahlen abgelesen werden.
6. Lacca. der Gummi-Lackwurm. C. ficus indicae et religiosae.
D. Roxburgh in Voigts Magazin VIII. B. 4. St. tab. 1.
Zumahl in den gebirgigen Gegenden von Hindostan zu beyden Seiten des Ganges; von ihm kommt das so genannte Gummilack. *)Neuerlich hat man aber bey Madras in Indien ein wachsähnliches, weißes Lack entdeckt, wovon die Proben, die ich besitze, aus einzelnen Zellen bestehen, die an Größe und Form den Caffeebohnen ähneln; und das für Indien, wo Bienenwachs so theuer ist, sehr wichtig werden kann.
35242. Thrips. Rostrum obscurum. An - tennae longitudine thoracis. Abdo - men sursum reflexile. Alae 4 rectae, dorso incumbentes, longitudinales, angustae, subcrucitae.
Ueberaus kleine Insecten, die sich gesellschaft - lich in den Blüthen mancher Gewächse aufhalten, und meist nur durch ihre große Anzahl, oder durch die Munterkeit, mit der sie umher hüpfen und fliegen, bemerkbar werden.
1. †. Physapus. T. elytris glaucis, cor - pore atro.
De Geer in den schwed. Abhandl. v. J. 1744. tab. 4. fig. 4.
Im Getreide, Bohnenblüthen ꝛc.
Die Schmetterlinge, eine weitläuftige Ordnung, die sich durch vier ausgespannte, mit bunten Schuppen befiederte Flügel, und einen behaarten Körper, auszeichnet. Als Raupen haben sie Kinnladen, zwölf Augen am Kopf, einen lang gestreckten cylindrischen Körper von zwölf Abschnitten, mit neun Luft - löchern auf jeder Seite, drey Paar hakenför - migen Klauen an der Brust, und meist fünf Paar runden fleischigen Füßen am Hinterleibe. Die Raupe häutet sich verschiedentlich, wird dann zur Puppe, die mehrentheils unbeweg - lich, doch bey der Weidenraupe und einigen andern sehr wenigen Gattungen sich von der Stelle zu bewegen im Stande ist. Hieraus kommt endlich nach einer bestimmten Zeit der Schmetterling zum Vorschein, der lange Fühlhörner, nur drey Paar Füße, statt der Kinnladen eine spiralförmig aufgerollte (so ge - nannte) Zunge, und statt jener zwölf kleinen354 Augen, zwey große halbkugelichte und drey kleine (§. 126.) hat. Alle die zahlreichen Gattun - gen lassen sich doch füglich unter drey Ge - schlechte bringen.
43. Papilio. Tagvogel. (Engl. butter - fly.) Antennae apicem versus crassio - res, saepius clauato-capitatae. Alae erectae sursumque conniuentes.
Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen besetzt, und häutet sich gewöhnlich vier Mahl. Sie verpuppt sich ohne ein äußeres Gespinste: die Puppe ist zackig, theils schön goldfarbig (chrysalis, aurelia), und hängt sich mit dem hintern Ende auf. Der Schmetterling fliegt nur am Tage umher, und hält im Sitzen seine vier breiten ausgespannten Flügel in die Höhe, mit der Oberseite (die bey vielen an Farbe und Zeich - nung gar sehr von der Unterseite verschieden ist) gegen einander gekehrt. Linné hat das ganze Geschlecht, leichterer Faßlichkeit wegen, wieder in fünf Familien (phalanges) abgetheilt.
a. Eqvites: Alis primoribus ab angulo po - stico ad apicem longioribus, quam ad basin; his saepe antennae filiformes.
Tröes, ad pectus maculis sanguineis, sae - pius nigri.
Achiui, pectore incruento, ocello ad angulum ani.
b. Heliconii. Alis angustis integerrimis, saepe denudatis: primoribus oblongis; po - sticis breuissimis.
355c. Danai. Alis integerrimis.
Candidi, alis albidis.
Festiui, alis variegatis.
d. Nymphales. Alis denticulatis.
Gemmati, alis ocellatis.
Pharelati, alis caecis absque ocellis.
e. Plebeii. Parni. Larua saepius contracta.
Rurales, alis maculis obscurioribus.
Vrbicolae, alis maculis pellucidis.
1. Priamus. P. E. T. alis denticulatis tomen - tosis supra viridibus: instritis atris, posticis maculis sex nigris.
Clerk tab. 17.
Auf Amboina ꝛc. So wie der folgende ein großes prächtiges Thier.
2. Vlysses. P. E. A. alis caudatis fuseis, disco caeruleo splendente dentato. Posticis subtus ocellis septem.
Clerk tab. 23. fig. 1.
Auch in Ostindien.
3. †. Machaon. der Schwalbenschwarz. P. E. A. alis caudatis concoloribus flauis limbo fusco, lunulis flauis, angulo ani fuluo.
Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. I.
4. †. Podalirius. der Segelvogel. P. E. A. alis caudatis subconcoloribus flauescenti - bus: fascils nigricantibus geminatis: po - sticis subtus linea auratia.
Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.
3565. †. Apollo. der rothe Augenspiegel. P. H. alis oblongis integerrimis albis: posticis ocellis supra 4: subtus 6, basique rubris.
Sulzers Kennz. tab. 13. fig. 41.
Im wärmern Europa.
6. †. Crataegi. der Lilienvogel, Baumweiß - ling, Heckenweißling. P. H. alis integer - rimis rotundatis albis: venis nigris.
Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.
Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume. Die Junge halten sich gesellschaftlich in einem Gespinnste zusammen.
7. †. Brassicae. die Kohleule, der Kohlweiß - ling, Buttervogel. P. D. C. alis integerri - mis rotundatis albis: primoribus maculis duabus apicibusque nigris, maior.
Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 4.
Nebst den beyden folgenden auf Kohl, Kraut und Rübsaat. Buttervogel heißt der Schmetter - ling (so wie die Butterblume), von der gelben Farbe der Unterflügel: ein Nahme, der aber nachher auch den Papilionen überhaupt gegeben worden ist.
8. †. Rapae. der Rübenweißling. P. D. C. alis integerrimis rotundatis: primoribus ma - culis duabus apicibusque nigris, minor.
Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 5.
9. †. Napi. P. D. C. alis integerrimis ro - tundatis albis: subtus venis dilatato-vi - rescentibus.
35710. † Cardamines. der Auroravogel. P. D. C. alis integerrimis rotundatis albis, primori - bus medio fuluis, posticis subtus viridi - nebulosis.
Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 8.
11. †. Rhamni. der Citronen-Papilion, das fliegende Blatt. P. D. C. alis integerrimis angulatis flauis: singulis puncto flauo, sub - tus ferrugineo.
Rösel vol. III. tab. 46.
12. †. Hyperanthus. P. D. F. alis integerrimis fuscis, subtus primoribus ocellis tribus: posticis duobus tribusque.
13. †. Io. das Pfauenauge, der Pfauenspiegel. P. N. G. alis angulato dentatis-fuluis nigro - maculatis: singulis subtus ocello caeruleo.
Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.
Die Puppe wie vergoldet.
14. †. Galathea. das Bretspiel. P. N. G. alis dentatis albis nigroque variis, subtus pri - moribus ocello vnico, posticis quinque ob - soletis.
Rösel vol. III. tab. 37.
15. †. Cardui. der Distelvogel. P. N. G. alis dentatis fuluis albo nigroque variegates, posticis vtrinque ocellis quatuor, saepius coecis.
Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 10.
Die Puppe ebenfalls ganz goldglänzend. In manchen Jahren unsäglich häufig.
35816. †. Iris. der Schillervogel, Changeant. P. N. G. alis subdentatis subtus griseis; fascia vtrinque alba interrupta, posticis supra vniocellatis.
Rösel vol. III. tab. 42.
17. †. Antiopa. der Trauermantel. P. N. P. alis angulatis nigris limbo albido.
Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. I.
18. †. Polychloros. der große Fuchs. P. N. P. alis angulatis fuluis, nigro maculatis; pri - moribus supra punctis quatuor nigris.
Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.
Die Raupe gibt einen bisamähnlichen Geruch von sich.
19. †. Vrticae. der kleine Fuchs, Nesselvogel. P. N. P. alis angulatis fuluis nigro-macu - latis: primoribus supra punctis tribus nigris.
Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 4.
20. †. C. album. der C-Vogel. P. N. P. alis angulatis fuluis nigro maculatis, posticis subtus C. albo notatis.
Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 5.
21. †. Atalanta. der Mars, 980-Vogel. P. N. P. alis dentatis nigris albo-maculatis: fascia communi purpurea, primoribus vtrin - que, posticis marginali.
Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 6.
Einer der schönsten deutschen Schmetterlinge.
22. †. Paphia. der Silberstrich. P. N. P. alis dentatis luteis nigro-maculatis, subtus lineis argenteis transuersis.
Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 7.
359Auch ein überaus schönes Thier von mittler Größe.
23. †. Aglaia. der große Perlenmuttervogel, Violenvogel. P. N. P. alis dentatis flauis nigro-maculatis: subtus maculis 21 ar - genteis.
24. †. Pruni. P. P. R: alis subcaudatis supra fuscis: posticis subtus fascia margineli fulua nigro-punctata.
Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 7.
Auf Zwetschenbäumen.
25. †. Maluae. der Pappelvogel. P. P. V. alis denticulatis diuaricatis nigris albo-ma - culatis.
Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 10.
44. Sphinx. Abendvogel. Antennae medio crassiores s. vtraque extremi - tate attenuatae subprismaticae. Alae deflexae.
Die Raupen in diesem Geschlechte sind meh - rentheils von vortrefflicher Farbe, mit einem hakenförmigen Horn am Ende des Rückens, des - sen Spur auch noch an der Puppe sichtbar ist. Sie verpuppen sich unter der Erde, ohne Ge - spinnste. Die Abendvögel haben ihren Nahmen daher, weil sie meist bloß in der Abenddämme - rung umher fliegen. Die mehresten haben einen langsamen schweren Flug. Linné hat das ganze Geschlecht, das doch nicht gar zahlreich ist, auf folgende Art unterabgetheilt:
360a. Legitimae – alis angulatis.
Alis integris, ano simplici.
Alis integris, ano barbato.
b. Adscitae – habitu et larua diuersae.
1. †. Ocellata. das Abendpfauenauge. S. L. alis repandis: posticis ocellatis.
Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. I.
2. †. Nerii. der Oleandervogel. S. L. alis subangulatis, viridibus: fasciis variis palli - dioribus saturatoribus flauescentibusque.
Rösel vol. III. tab. 16.
3. †. Conuoluuli. S. L. alis integris: posticis nigro fasciatis margine postico albo-puncta - tis, abdomine rubro cingulis atris.
Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 7.
4. †. Ligustri. S. L. alis integris: posticis incarnatis fasciis nigris, abdomine rubro cingulis nigris.
5. †. Atropos. der Todtenkopf. S. L. alis in - tegris: posticis luteis fasciis, abdo - mine luteo cingulis nigris.
Rösel vol. III. tab. 2.
Die Raupe auf Jasmin, Kartoffelkraut ꝛc.
6. †. Celerio. der Phönix. S. L. alis integris griseis lineola albo-nigra; inferioribus basi rubris maculis sex.
Rösel vol. IV. tab. 8.
3617. †. Elpenor. die Weinraupe, der große Weinvogel. S. L. alis integris virescenti - bus, fasciis purpureis variis, posticis rubris basi atris.
Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 4.
8. †. Porcellus. die kleine Weinmotte. S. L. alis integris margine rubris; posticis basi fuscis.
Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 5.
9. †. Euphorbiae. die Wolfsmilchraupe. S. L. alis integris fuscis vitta superioribus pallida, inferioribus rubra.
Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 3.
10. †. Pinastri. der Fichtenschwärmer. S. L. alis integris canis, margine postico albo maculato, abdomine fusco cingulis albis.
Röse vol. I. Nachtvögel I. tab. 6.
In Kiefernwäldern, wo die Raupe, die sich in den Gipfeln aufhält, zuweilen große Verhee - rungen anrichtet.
11. †. Stellatarum. der Taubenschwanz, Kar - pfenkopf. S. L. abdomine barbato lateribus albo nigroque variis, alis posticis ferrugineis.
Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 8.
12. †. Filipendulae. die Zirkelmotte. S. A. alis superioribus cyaneis; punctis sex rubris; inferioribus rubris immaculatis.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 62.
13. †. Phegea. die Ringelmotte. S. A. viridi - atra, alis punctis fenestratis: superiorum sex, inferiorum duobus, abdomine cin - gulo luteo.
36245. Phalaena. Nachtvogel. (Engl. Moth.) Antennae setaceae, a basi ad apicem sensim attenuatae. Alae se - dentis saepius deflexae.
Das weitläufigste Geschecht unter den In - secten. Die Raupen sind mehrentheils behaart: und verpuppen sich meist innerhalb eines beson - dern seidenartigen Gespinnstes (folliculus), wozu sie den klebrigen Stoff in zwey darmähn - lichen Schläuchen, die längs dem Rücken hinab neben dem Magen liegen, führen; und ihn nachher, mittelst einer besondern Röhre; die sich hinter dem Munde dieser Raupen findet, zu äußerst feinen Faden spinnen, die ihnen auch außerdem zu andern Zwecken, sich z. B. daran herablassen zu können ꝛc. nutzen*)Lyonet Traité anatomique. tab. II. fig. 8. 9. 10. S. 54. tab. V. fig. 1. T. V. X. Y. S. 111. und tab. XIV. fig. 10. 11. S. 498.. Diese Ge - häuse werden bey einigen wie bey dem Pfau - vogel, wegen ihrer überaus künstlichen Einrich - tung; bey einigen Arten von Seidenwürmern aber durch ihre große Nutzbarkeit merkwürdig. Die Phalänen selbst, die meist des Nachts ihren Geschäften nachgehen, hat Linné in folgende Fa - milien abgetheilt:
a. Attaci – alis patulis inclinatis.
Pectinicornes.
Seticornes.
b. Bombyges – alis incumbentibus; an - tennis pectinatis.
Elingues absque lingua manifeste spirali.
Spirilingues lingua inuoluto – spirali.
363c. Noctvae – alis incumbentibus. An - tennis setaceis, nec pectinatis.
Elingues.
Spirilingues.
d. Geometrae – alis patentibus horizon - talibus quiescentes.
Pecticornes.
Seticornes.
e. Tortrices – alis obtusissimis, vt fere retusis, margine exteriore curuo.
f. Pyralides – alis conniuentibus in fi - guram deltoideam forficatam.
g. Tineae – alis conuolutis, fere in cy - lindrum, front prominula.
h. Alvcitae – alis digitatis fissis ad basin vsque.
1. †. Atlas. P. Att. pectinicornis elinguis, alis falcatis concoloribus luteo-variis, macula fenestrata, superioribus sesquialtera.
Merianae Surinam. tab. 32.
In beyden Indien. Größer als eine hielän - dische Fledermaus. Man macht aus dem Ge - spinste dieser und anderer großen Phalänen in Schina die so genannte wilde Seide.
2. †. Pavonia. das Nachtpfauenauge. P. Att. pectinicornis elinguis, alis rotundatis griseo-nebulosis subfasciatis: ocello nicti - tante subfenestrato.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 4. 5.
364Das Puppengehäuse hat die Gestalt einer run - den Flasche, mit einem, dem Anschein nach, offnen abgestutzten Halse, dessen Eingang aber doch inwendig auf eine überaus artige Weise, mittelst elastischer convergirender Stacheln, die in eine hervorstehende Spitze zusammen laufen, so gut verwahrt ist, daß das vollkommne Thier zu seiner Zeit füglich heraus, hingegen kein feind - seliges Insect in seine Hülse dringen kann. – Das Gespinnste der kleinern Arten dieses Schmet - terlings (ph. pavonia media und minor) hat neuerlich Hr. Heeger zu Berchtolsdorf bey Wien im Großen und fabrikenmäßig auf vielfache Weise zu benutzen gesucht.
3. †. Quercifolia. das Eichblatt. P. B. elin - guis, alis reuersis semitectis dentatis fer - rugineis margine postico nigris.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 41.
Im Sitzen hat die Phaläne eine sonderbare bucklige Stellung.
4. †. Pini. der Kiefernspinner. P. B. elin - guis, alis reuersis griseis; strigis duabus cinereis; puncto albo triangulari.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 59.
Einer der schädlichsten Raupen für die Kiefern - waldungen.
5. †. Vinula. der Gabelschwanz, Hermelin - vogel. P. B. elinguis albida nigro-pun - ctata, alis subreuersis fusco venosis stria - tisque.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 19.
Die Raupe bekommt durch ihren dicken abge - stumpften Kopf, und die beyden Schwanzspitzen,365 die ihr statt des letzten Paars Hinterfüße gege - ben sind, ein sonderbares Ansehen. Sie vermag einen scharfen Saft, durch den Mund von sich zu spritzen, und sich damit im Nothfall zu vertheidigen*)Sepp Nederl. Insecten. IV. St. V. Verhandl. S. 25 Taf. V..
6. Mori. der Seidenwurm. P. B. elinguis, alis reuersis pallidis; striis tribus obsoletis fuscis maculaque lunari.
Rösel vol. III. tab. 7. 8.
Jac. L'Admiral tab. 9.
Der assyrische Bombyx beym Plinius ꝛc. ist wohl sicher unsere Seide; sie kam aber schon zu Stoffen verarbeitet heraus; und ist der Wurm selbst erst zu Iustinians Zeiten in Europa gezo - gen. Er bleibt 6 bis 7 Wochen lang Raupe; spinnt sich hierauf, nachdem er sich vier Mahl gehäutet hat, in einen Coccon von weißer oder gelber Farbe, der, wenn er drittehalb Gran am Gewicht hält, aus einem 900 Fuß langen Faden besteht (deren 180 dicht neben einander gelegt erst die Breite von einer Linie ausmachen), und kriecht endlich drey Wochen nachher als Schmet - terling aus. Nach der Paarung legt das überaus dicke Weibchen bey 500 Eyer, die im folgenden Frühjahr um die Zeit, wenn die weißen Maul - beerbäume zu grünen anfangen, auskriechen. Sie sind wohl ursprünglich in Schina**)Die Seide woraus hingegen in Japan die äußerst zarten, leichten und doch ganz festen Zeuge verfertigt werden, kommt von einer ganz eigenen Gattung Seidenwürmer, nämlich von der phalaena (noctua) serici s. Thunberg in den schwedischen Abhandl. 1781. II. B. tab. V. fig. 1. 2. zu366 Hause, gewohnen aber auch unser Clima recht gut, und man zieht sie nun auch in Nordamerica.
7. †. Neustria. die Ringelraupe. P. B. elin - guis, alis reuersis: fascia sesquialtera; subtus vnica.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 6.
Nebst der folgenden eine sehr schädliche Raupe. Die Phaläna legt ihre Eyer in einer Spirallinie dicht an einander um ein Aestchen herum.
8. †. Pityocampa. der Fichtenspinner. P. B. elinguis, alis griseis: strigis tribus obscu - rioribus, posterioribus pallidis: puncto anali fusco.
Richtet in Nadelhölzern große Verwüstung an.
9. †. Caia. die schwarze Bärenraupe. P. B. elinguis, alis deflexis fuscis: riuulis albis, inferioribus purpureis nigro punctatis.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. I.
10. †. Monacha. die Nonne, der Fichten - spinner. P. B. elinguis, alis deflexis, su - periobus albis atro-undatis, abdominis incisures sanguineis.
Jördens Geschichte der kleinen Fichten - raupe. fig. 17-19.
Eins der fruchtbarsten Insecten für Fichten - waldungen.
11. †. Dispar. P. B. elinguis, alis deflexis: masculis griseo fuscoque nebulosis; femi - neis albidis lituris nigris.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 3.
Hat ihren Nahmen von der ungleichen Bil - dung und Größe der beyden Geschlechter.
36712. †. Chrysorhoea. die schwarze Winter - raupe. P. B. elinguis, alia deflexis albidis, abdominis apice barbato luteo.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 22.
Eine der schädlichsten Raupen für die Obst - bäume, die im Herbst aus den Eyern kricht, und den Winter durch gesellschaftlich in zusammen gesponnenem welken Laube an den Aesten zu - bringt, ohne daß ihr selbst die strengste Kälte schadet.
13. †. Antiqua. P. B. elinguis, alis pla - niusculis: superioribus ferrugineis lunula alba anguli postici.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 39.
Das Weibchen ungeflügelt.
14. †. Caeruleocephala. P. B. elinguis cri - stata, alis deflexis griseis: stigmatibus al - bidis coadunatis.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 16.
Ebenfalls eine den Obstbäumen sehr schädliche Raupe.
15. †. Cossus. die Weidenraupe. P. B. elin - guis, alis deflexis nebulosis, thorace postice fascia atra, antennis lamellatis.
Rösel vol. I. Nachtvogel II. tab. 18.
Dieselbe Raupe von der Lyonet die meister - hafte Zergliederung geliefert hat. Sie hält sich in Ulmen, Eichen ꝛc. doch bey weitem am häu - figsten an Weidenstämmen auf, die so von ihr durchfressen werden, daß sie leicht ausgehen oder bey mäßigem Sturme umfallen. Der Schade, den diese Raupe verursacht, wird dadurch ver - größert, daß sie gegen das Beyspiel vielleicht368 aller übrigen Raupen bey drey Jahr alt wird, ehe sie sich verpuppt. Dabey hat sie ein so äußerst zähes Leben, daß sie ohne Schaden etliche Stunden lang im so genannten luftleeren Raume, und mitten im Sommer fast drey Wochen lang unter Wasser ausdauern kann. Eben so sonderbar ist, daß die Puppe sich von der Stelle bewegen, und wenn die Zeit des Auskriechens herbeynaht, aus der Mitte des Stammes sich vorn bis an die Mündung in der Rinde hervor hohren kann.
16. †. Aesculi. P. N. elinguis laenis niuea, antennis thorace breuioribus, alis punctis numerosis caeruleo-nigris, thorace senis.
17. †. Humuli. P. N. elinguis fulua, anten - nis thorace breuioribus, maris alis niueis.
18. †. Pacta. P. N. spirilinguis cristata, alis grisescentibus, inferioribus rubris, fasciis duabus nigris, abdomine supra rubro.
Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 15.
19. †. Meticulosa. P. N. spirilinguis cristata, alis erosis pallidis: superioribus basi incar - nata, intra triangulum fuscum.
Rösel vol. IV. tab. 9.
An allerhand Küchengewächsen, auch an Erd - beeren.
20. †. Piniaria. der Fichtenspinner. P. G. pectinicornis, alis fuscis flauo-maculatis subtus nebulosis: fasciis duabus fuscis.
Auch eins der schädlichsten Insecten für Fich - tenholzungen.
36921. †. Wavaria. P. G. pectinicornis, alis cinereis: anticis fasciis 4 nigris abbreuia - tis inaequalibus.
Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 4.
So wie die folgende auf Johannisbeeren, Stachelbeeren.
22. †. Grossulariata. P. G. seticornis, alis albidis, maculis rotundatis nigris: anticis strigis luteis.
Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 2.
23. †. Brumata. P. G. seticornis, alis gri - seo-fuscis: striga nigra postice pallidiori - bus; femina aptera.
Verheert Laud und Blüthen der Obstbäume.
24. †. Viridana. P. To. alis rhombeis, su - perioribus viridibus immaculatis.
Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 3.
25. †. Farinalis. P. P. palpis recuruatis, alis politis fuscescentibus: strigis repandis albi - dis area interiecta glauca.
Clerk phal. tab. 2. fig. 14.
Im Mehl.
26. †. Hercyniana. P. P. alis superioribus fu - scis, fascia et maculis niueis subinterruptis; posticis cinereis.
J. v. Uslar Pyralis Hercyniana. fig. a. b. c.
In Fichtenwaldungen an den Nadeln.
27. †. Pinetella. P. Ti. alis superioribus flauis, maculis duabus argenteis, anteriore oblonga, posteriore ouata.
Clerk phal. tab. 4. fig. 15.
Ebenfalls in Fichtenwaldungen.
37028. †. Pellionella. die Pelzmotte. P. Ti. alis canis, medio puncto nigro, capite sub - griseo.
Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 17.
In Pelzwerk, ausgestopften Thieren ꝛc.
29. †. Sarcitella. die Kleidermotte. P. Ti. alis cinereis, thorace vtrinque puncto albo.
Besonders in wollenen Kleidungstücken.
30. †. Mellonella. P. Ti. alis canis postice purpurascentibus, striga alba, scutello nigro apice candido.
Rösel vol. III. tab. 41.
Einer der gefährlichsten Bienenfeinde.
31. †. Granella. der Wolf, weiße Korn - wurm. P. Ti. alis albo nigroque maculatis capite albo.
Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 11.
Auf Kornböden in der Frucht, die er benagt, abhülset, zerschrotet, und sich daher leicht verräth.
32. †. Goedartella. P. Ti. alis auratis: fasciis 2 argenteis: priore antrorsum, posteriore re - trorsum arcuata.
Clerk phal. tab. 12. fig. 14.
33. †. Linneella. P. Ti. alis fuscis, punctis tribus argenteis eleuatis.
Clerk phal. tab. II. fig. 8.
34. †. Hexadactyla. P. Al. alis patentibus fissis: singulis sexpartitis cinereis.
Hat wie die übrigen Nachtvögel dieser Familie, wegen der sonderbaren gespaltenen Flügel, ein ungewöhnliches Ansehen.
371Eine kleine Ordnung, die sich durch vier zarte netzförmige oder gegitterte Flügel auszeich - net, die mehrentheils in allerhand Farben schil - lern. Die Larve hat sechs Füße.
46. Libellvla. Wasserjungfer, Spin - nejungfer, Teufelsnadel. (Fr. demoiselle. Engl. dragon-fly.) Os maxillosum, maxillis pluribus. Antennae thorace breuiores. Alae extensae. Cauda ma - ris hamoso-forcipata.
Als Larve leben diese Thiere im Wasser, und haben eine sonderbar bewegliche Maske oder Kappe vor dem Munde, womit sie ihre Beute haschen. Die Paarung der vollkommen geflügel - ten Wasserjungfern, die überhaupt gar viel Son - derbares hat, wird im Fluge vollzogen.
1. †. Depressa. L. alis omnibus basi nigri - cantibus. thorace lineis duabus flauis, ab - domine lanceolato lateribus flanescente.
Rösel vol. II, Wasser-Ins. II. tab. 6. 7. fig. 3.
2. †. Virgo. L. alis erectis coloratis.
Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 9.
3. †. Puella. L. alis erectis hyalinis.
Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 10. 11.
47. Ephemera. Uferaas, Hafft, Ge - schwäder (hemerobius, diaria). Os372 edentulum absque palpis: Ocelli 2 maximi supra oculos. Alae erectae, posticis minimis. Cauda setosa.
Das Uferaas lebt einige Jahre lang als Larve im Wasser. Nach dieser Zeit kommen mitten im Sommer binnen wenigen Tagen in mänchen Gegenden Millionen der vollkommen ausgebilde - ten Thiere mit einem Mahle aus dem Wasser hervor geflogen, die sich auch alsdann, gegen die Weise anderer Insecten, erst nochmahls häuten müssen; überhaupt aber diesen ihren vollkomme - nern Zustand nur sehr kurze Zeit, oft nur wenige Stunden genießen.
1. †. Vulgata. E. cauda triseta, alis nebuloso - maculatis.
Sulzers Kennz. tab. 17. fig. 103.
P. Collinson in philos. Transact. N. 481. tab. 2. fig. 2.3.4. p. 329 sq.
Das Weibchen legt ein eyförmiges Klümpchen, das aus sehr vielen Eyerchen zusammen gesetzt ist.
2. †. Horaria. E. cauda biseta, alis albis margine crassiore nigricantibus.
Swammerdam Bibl. nat. tab. 13. fig. 15.
48. Phryganea. Frühlingsfliege. (Engl. caddice, water-moth.) Os edentulum palpis 4. Ocelli 3. Antennae thorace longiores. Alae incumbentes, inferiori - bus plicatis.
Die Larven, die sich ebenfalls im Wasser auf - halten, werden besonders durch die theils sehr künstlichen meist cylindrischen Hülsen merkwürdig, die sie sich verfertigen, und die sie, fast wie die373 Schnecken ihr Haus, mit sich herum schleppen. Manche machen diese Gehäuse aus Schilfstückchen, andere aus Gras, aus Sandkörnchen, aus kleinen Steinchen, andere aus lauter kleinen Flußschneck - chen u. s. w.
1. †. Bicaudata. P. cauda biseta, alis venosis reticulatis.
Sulzers Kennz. tab. 17. fig. 6.
2. †. Striata. P. nigra, alis testaceis, ner - voso-striatis.
Frisch P. XIII. tab. 3.
3. †. Rhombica. P alis flauescentibus de - flexo-compressis macula rhombea late - rali alba.
Rösel vol. II Wasser-Ins. II. tab. 16.
49. Hemerobivs. Florfliege, Landli - belle. Os dentibus 2: palpis 4. Ocelli nulli. Alae deflexae (nec plicatae). Antennae thorace conuexo longiores, setaceae porrectae.
Die Larve lebt im Trocknen. Das vollkom - mene Insect ähnelt dem vorigen.
1. †. Perla. H. luteo-viridis, alis hyali - nis; vasis viridibus.
Rösel vol. III. tab. 21. fig. 4. 5.
2. †. Pulsatorius. die Papierlaus, Holzlaus. (Fr. le pou de bois.) H. apterus, ore rubro, oculis luteis.
Sulzers Gesch. tab. 29. fig. 3.
In Büchern, alten Papieren, auch im Holz. Ward sonst allgemein für ungeflügelt gehalten. 374Auch sind die geflügelten Individua so äußerst selten bemerkt worden, daß sie höchstens nur auf sehr kurze Zeit mit Flügeln versehen seyn müssen. (§. 136.)
50. Myrmeleon. Afterjungfer. Os ma - xillosum: dentibus 2. Palpi 4 elon - gati. Ocelli nulli. Cauda maris for - cipe e filamentis duobus rectiusculis. Antennae clauatae longitudine thora - cis. Alae deflexae.
1. †. Formicarius. der Ameisenlöwe. (Fr. le fourmilion.) M. alis macula alba margi - nali postica.
Rösel vol. III. tab. 17. u. f.
Das merkwürdige berufene Geschöpf, das sich als Larve eine trichterförmige Fallgrube in Sand - boden wühlt, sich selbst unten bis an den Hals hinein scharrt, und da die Ameisen u. a. kleine Insecten empfängt und verzehrt, die unversehens an den Rand dieser Grube kommen, und mit dem lockern Sand hinab schurren.
51. Panorpa. Scorpionfliege. Rostrum corneum cylindricum, palpis 2. Ocelli 3. Antennae thorace longiores. Cauda maris chelata.
1. †. Communis. P. alis aequalibus nigro maculatis.
Frisch P. IX. tab. 14. fig. 1.
37552. Raphidia. Kamelhals. Os denti - bus 2 in capite depresso corneo. Palpi 4. Ocelli 3. Alae deflexae. An - tennae longitudine thoracis antice elongati cylindrici. Cauda feminae seta recurua laxa.
1. †. Ophiopsis. R. thorace cylindrico.
Rösel vol. III. tab. 21. fig. 6. 7.
Insecten mit vier häutigen Flügeln, die mit wenigen aber starken Adern durchzogen, auch meist kürzer und schmaler sind als bey den Insecten der vorigen Ordnung. Bey den meh - resten sind die Weibchen und geschlechtlosen Thiere mit einem verletzenden Stachel am Hin - terleibe, theils auch mit Gift, das sie beym Stich in die Wunde flößen, bewaffnet; daher die ganze Ordnung auch von einigen Entomo - logen Aculeata genannt worden. Die Larven sind verschiedentlich gebildet: theils wie Raupen mit zwanzig Füßen, theils wie Maden ohne Füße ꝛc.
53. Cynips. Gallwespe. Os maxillis absque proboscide. Aculeus spiralis, saepius reconditus.
Das Weibchen legt seine Eyer in besondere Theile gewisser Pflanzen, die dadurch anschwel -376 len, und theils sonderbare Auswüchse bilden, die dann der Larve so lange zum Aufenthalte dienen, bis sie ihre Verwandlung überstanden hat, und nun als vollkommenes Insect aus ihrem Kerker hervor brechen kann. Ganz sonderbar ist dabey, daß jene Eyer selbst, nachdem sie von der Mutter in das Gewächs gelegt werden, erst noch wachsen, theils noch Ein Mahl so groß werden, bevor die darin befindliche Larve auskriecht.
1. †. Rosae. C. nigra, abdomine ferrugineo postice nigro, pedibus ferrugineis.
Frisch P. VI. tab. 1.
An wilden Rosen, wo sie die moosartigen, krausen Auswüchse verursacht, die unter dem Nahmen Rosenschwämme oder Schlafäpfel (spongia cynosbati, Bedeguar) ehedem offi - cinell waren.
2. †. Quercus folii. C. nigra, thorace li - neato, pedibus griseis, femoribus subtus nigris.
Frisch P. II. tab. 3. fig. 5.
Am Eichenlaub, wo sie bekanntlich die Gall - äpfel hervor bringt, die auch oft noch nachher, wenn sie schon von der Nachkommenschaft ihrer Urheberinn verlassen sind, kleinen Wespen ver - schiedener Art zum Aufenthalt dienen.
3. Psenes. C. ficus Caricae.
Zumahl auf den Inseln des mittländischen Meeres; in den wilden Feigen, die man deß - halb zu den zahmen Feigen hängt, damit der cynips von jenen, in diese übergehen mag, als wodurch die Zeitigung und Größe derselben be - fördert wird.
37754. Tenthredo. Blattwespe. Os maxil - lis absque proboscide. Alae planae tumidae. Aculeus laminis duabus ser - ratis, vix prominentibus. Scutellum granis duobus impositis distantibus.
Die Larven haben Raupengestalt (daher sie Reaumür fausses chenilles nennt), leben vom Laub und finden sich besonders auf Rosenstöcken und Weiden; verpuppen sich aber in der Erde.
1. †. Lutea. T. antennis clauatis luteis, ab - dominis segmentis plerisque flauis.
Frisch P. IV. tab. 24.
2. †. Capreae. T. salicis.
Frisch P. VI. tab. 4.
55. Sirex. Holzwespe, Sägenfliege. Os maxillis 2 validis. Palpi 2 truncati; Antennae filiformes, articulis vltra 24. Aculeus exsertus rigens serratus. Ab - domen sessile mucronatum. Alae lan - ceolatae, planae omnibus.
Das Weibchen weiß mit seinem sägeförmigen Legestachel sehr geschickt in weiches Holz zu boh - ren, um seine Eyer da einzulegen. Die Larve hält sich einige Jahre lang im Holze auf.
1. †. Gigas. S. abdomine ferrugineo: seg - mentis nigris, thorace villoso.
Rösel vol. II. Humm. und Wesp. tab. 9.
56. Ichnevmon. Schlupfwespe, Spin - nenstecher. Os maxillis absque lingua. 378Antennae articulis vltra 30. Abdomen petiolatum plerisque. Aculeus exser - tus vagina cylindrica, biualui.
Zahlreiche Thiere, die sehr vieles zur Vertil - gung der Raupen, Spinnen und andrer In - secten beytragen. Sie legen ihre Eyer in leben - dige Raupen, die davon erkranken, und vor oder nach ihrer Verpuppung absterben. Manche sind auch an andere Gattungen ihres eigenen Geschlechts gewiesen, denen sie als Larven ihre Eyer in den Leib legen, so daß nach Rolanders Bemerkung, von verschiedenen Gattungen die eine bloß zur Vertilgung der andern geschaffen zu seyn scheint.
1. †. Persuasorius. I. scutello albo, thorace maculato, abdomine atro, segmentis omni - bus vtrinque punctis duobus albis.
Sulzers Gesch. tab. 26. fig. 12. 13.
2. †. Comitator. I. ater totus, antennis fascia alba.
Sulzers Gesch. tab. 26. fig. 14.
3. †. Luteus. I. luteus thorace striato, ab - domine falcato.
4. †. Glomeratus. I. niger, pedibus flauis.
Reaumur vol. II. tab. 33.
Legt seine Eyer in die Raupen der Butter - vögel, so wie der vorige in die von manchen Phalänen.
57. Sphex. Raupentödter. Os maxillis absque lingua. Antennae articulis 10. 379Alae plano incumbentes (nec plicatae) in omni sexu. Aculeus punctorius re - conditus.
Die Weibchen verschiedener Gattungen dieses Geschlechts graben sich Höhlen in sandigen Bo - den, schleppen eine große Spinne oder Raupe einer Phaläne hinein, die sie meist nur lahm beißen, und legen sodann in jede Höhle ein Ey, da dann nachher die junge Larve dem großen Thier, das die Mutter dahin begraben hatte, den Saft zum Gespinste aussaugt, und sich selbst ein Verwandlungsgehäuse daraus bereitet.
1. †. Sabulosa. S. nigra hirta, abdomine fuluo, postice nigro, petiolo longissimo.
Frisch P. II. tab. I. fig. 6. 7.
2. †. Cribraria. die Sieb-Biene. S. nigra, abdomine fasciis flauis, tibiis anticis cly - peis concauis fenestratis.
Goeze im Naturforscher II. St. tab. 2.
Man hat lange die Scheiben an den Vorder - süßen für durchlöchert gehalten, und hat auch nicht ermangelt, diesen vermeinten Sieben eine merkwürdige Bestimmung anzudichten, und viel Schönes über die, weise Einrichtung eines gar nicht existirenden Theils zu sagen.
58. Chrysis. (Fr. mouche dorée. Engl. golden-fly.) Os maxillis absque pro - boscide. Antennae filiformes: articulo 1 longiore, reliquis 11 breuioribus. Abdomen subtus fornicatum, vtrin -380 que squama laterali. Anus dentatus aculeo subexserto. Alae planae. Cor - pus auratum.
1. †. Ignita. C. glabra nitida, thorace viridi: abdomine aureo: apice quadridentato.
Frisch P. IX. tab. 10. fig. 1.
59. Vespa. Wespe. (Fr. guépe. Engl. wasp.) Os maxillis absque proboscide. Alae superiores plicatae in omni sexu. Aculeus punctorius reconditus. Oculi lunares. Corpus glabrum.
Die mehresten Gattungen dieses und des fol - genden Geschlechts werden durch die strenge ge - sellschaftliche Verbindung, in der sie theils zu Tausenden beysammen leben, und durch die über - aus kunstreichen Nester und gemeinschaftlichen Wohnungen, die sie sich mit vereinten Kräften aus so vielartigen Stoffen (– z. B. die Wespen aus Holzzasern ꝛc., die Immen aus Wachs, die Maurer-Bienen aus Grant ꝛc. –) zu verfer - tigen wissen, merkwürdig.
1. †. Crabro. die Horniße. (Engl. the hornet.) V. thorace nigro antice ruso immaculato abdominis incisuris puncto nigro duplici contiguo.
Frisch P. IX. tab. II. fig. 1.
2. †. Vulgaris. die Wespe. (Engl. the wasp.) V. thorace vtrinque lineola interrupta, scu - tello quadrimaculato, abdominis incisuris punctis nigris distinctis.
Frisch P. IX. tab. 12. fig. 1.
3813. Nidulans. (Fr. la guêpe cartonnière.) V. nigra, thorace striga antica subscurelloque albis, abdominis segmentis margine flauis.
Reaumur vol. VI. tab. 20.
In Guiana. Die äußere Bekleidung ihres kunstreichen Nestes ähnelt einer feinen, wie mit Schreibpapier überzogenen Pappe.
60. Apis. Biene. (Fr. abeille. Engl. bee.) Os maxillis atque proboscide inflexa vaginis duabus biualiubus. Alae planae in omni sexu. Aculeus feminis et neutris punctorius reconditus.
1. †. Mellifica. die Honigbiene, Imme. A. pubescens thorace subgriseo, abdomine fusco, tibiis posticis ciliatis, intus trans - verse striatis.
Bekanntlich sind unter den Bienen, Wespen, Ameisen und Termiten, die bey weiten zahl - reichsten Individuen geschlechtlos, d. h. sie wer - den von einem Vater erzeugt, und von einer dadurch befruchteten Mutter geboren, ohne doch selbst vollkommne Geschlechtsorgane zu haben. – Hier bey der Imme hat das Weibchen, die so genannte Königinn oder Mutterbiene, oder der Weißler, einen schlanken schmalen Leib, kurze Flügel, einen behaarten Kopf, ein zackiges Gebiß, braune Füße u. s. w. – Die männli - chen Bienen, oder Dronen (Deck - oder Wasser - oder Holmbienen) sind groß und stark von Leibe, mit langen Flügeln ꝛc. – Die geschlechtlosen, oder Werk - und Arbeits-Bienen hingegen sind weit kleiner als jene beyden, von mittler Taille, nach Verhältniß langen Flügeln, glattem Gebiß,382 schwarzen Füßen und einer besondern Grube am Hinterschenkel, die zum Aufladen des Blumenstau - bes dient, u. s. w. Diese letztern, deren in einem großen Stock wohl auf 10000 seyn können, haben allein die mannigfaltigen Verrichtungen des Ein - tragens, Bauens und der Besorgung der Brut. Die jüngern sammeln Blumenstaub, den sie als Höschen zum Stocke tragen, wo es ihnen von den ältern abgenommen, und zu Wachs ver - arbeitet wird; ferner saugen sie theils den süßen Schweiß vieler Baumblätter, vorzüglich aber den so genannten Nektar, einen süßlichen Saft der Blüthen, den sie in einem besondern Einge - weide zu Honig umarbeiten, und im Stocke wie - der von sich geben. Sie füttern die Bienen-Lar - ven, halten den Stock rein, und schaffen ihre Todten von da hinaus. Sie sind mit Gift und Stachel als Waffen versehen, von dem sie aber meist nur Ein Mahl in ihrem Leben Gebrauch machen können, da sie gewöhnlich mit Verlust ihres Stachels stechen, und ihn in der Wunde stecken lassen. – Die männlichen Bienen (etwa 700 in einem großen Stocke) haben keine andere Bestimmung, als sich mit ihrer Königinn (– und zwar wie es scheint im Fluge –) zu paaren. Manche sterben gleich darauf, die übrigen müssen nachher verhungern, oder werden von den Ar - beitsbienen in der so genannten Dronenschlacht umgebracht. Die so reichlich befruchtete Kö - niginn legt ihre Eyer in die Zellen oder Mutter - pfeiffen, von denen schon vorläufig die für die Dronen bestimmten größer als die übrigen gebaut sind. Wenn die Nachkommenschaft nach etlichen und 20 Tagen zur Reife gekommen, so trennt sie sich als Colonie vom Stammvolke, sie schwärmt. – In der Wildniß bauen die Bie -383 nen in hohle Bäume, oder unter die Erde ꝛc. Der Mensch hat sie aber sich zum Hausthier zu machen, und durch mannigfaltige scharfsinnige Erfindungen ihre Vermehrung und Benutzung zu befördern gelernt. Obgleich einzelne Bienen so wenig Wärme haben als andere kalkblütige Thiere; so erhitzen sie doch im Stocke, zuweilen bis zur Wärme des menschlichen Körpers*)Von den unzähligen Schriften, worin die Ge - schichte der Bienen abgehandelt worden, führe ich nur fünfe statt aller an:Swammerdam bibl. nat. pag. 369. Reaumer mém. amp; c. vol. V. p. 207.J. Hunter in den philos. Transact. 1792. P. I. pag. 128.Huber nouvelles observations sur les abeilles. Geneve 1792. 8.und, besonders in Rücksicht der neuern Bemer - kungen über die künstliche Vermehrung der Stöcke durch Ableger, Bonnet oeuvr. vol. V. P. I. p. 61.Eine genaue Beschreibung und Abbildung der vorzüglichsten Art von gläsernen Bienenstöcken zur Beobachtung der Oekonomie dieser bewunderns - würdigen Thiere, die mit Bonner schriftlich mit - getheilt, habe ich in Voigts Magazin III. B. be - kannt gemacht..
2. †. Centuncularis. die Rosenbiene. A. nigra, ventre lana fulua.
Frisch P. XI. tab. 2.
Lebt einsam unter der Erde, und verfertigt sich eine überaus artige Hülse zur Wohnung von Blät - tern der Rosenbüchse.
3. †. Violacea. die Holzbiene. A. hirsuta atra, alis caerulescentibus.
Reaumur vol. VI. tab. 6. fig. 1. 2.
384In alten Baumstämmen, wo sie sich ihre Woh - nung der Lange nach aushöhlet, und die einzel - nen Zellen durch dünne Holzscheibchen von einan - der absondert.
4. †. Terrestris. die Hummel. (bombylius. Engl. the humble-bee.) A. hirsuta nigra thoracis cingulo flauo, ano albo.
Frisch. P. IX. tab. 13. fig. 1.
Nistet tief unter der Erde.
5. †. Muscorum. die Moosbiene. A. hirsuta fulna abdomine flauo.
Reaumur vol. VI. tab. 2. fig. 3. 4.
Bekleidet ihr Nest von außen mit Moos.
6. †. Caementaria. die Maurerbiene. A fulua abdomine nigro (femina nigro-violacea pe - dibus fuscis).
Baut sich mit bewundernswürdiger Kunst und Festigkeit ihr Nest aus Grant und Mörtel an alten Mauern, die viel Sonne haben. Die ey - förmigen Zellen, deren etwa zehn in jedem sol - chen Gebäude sind, werden mit Gespinste aus - tapezirt, und zuweilen auch vom attelabus apia - rius, Schlupfwespen ꝛc. bewohnt.
61. Formica. *)P. A. Latreille Essai sur l'histoire des fourmis de la France. à Brive. 1798. 8.Ameise, Emse. (Fr. fourmi. Engl. ant.) Petiolus abdominis elongatus, nodulosus, aut munitus squamula erecta. Aculeus feminis et neutris reconditus. Alae maribus et feminis, sed neutris nullae.
385Die mehrsten hiesigen Ameisen halten sich vorzüglich in Wäldern und Wiesen, theils bey vier - und mehreren taufenden in einem Haufen auf. Die Emsigkeit dieses kleinen Volks, vorzüg - lich die Sorgfalt, mit der sie ihre Puppen (die fälschlich so genannten Ameisen-Eyer) warten und pflegen, geht so weit, daß man gesehen, wie eine Arbeitsameise, der man den Hinterleib abgeschnitten, doch noch zehn Puppen vor ihrem schmerzhaften Tode in Sicherheit gebracht hat ꝛc.
1. †. Herculanea. die Roß-Ameise. F. nigra abdomine ouato. femoribus ferrugineis.
Sulzers Kennz. tab. 19. fig. 125.
2. †. Rufa. F. thorace compresso toto fer - rugineo, capite abdomineque nigris.
3. †. Rubra. F. testacea, oculis punctoque sub abdomine nigris.
4. †. Nigra. F. tota nigra nitida, tibiis cine - rascentibus.
Diese Ameisen paaren sich zu Ende des Som - mers im Schwärmen, da sie zuweilen in unzäh - liger Menge und sonderbarer Gestalt der Schwärme als auf - und niederfahrende Säulen zum Vor - schein kommen, deren man zuweilen wohl 20 auf Ein Mahl sieht, die sich in der Ferne fast wie ein Nordlicht ausnehmen. *)Gleditsch in den Mém. de l'ac. des sc. de Berlin. 1749. Pl. II.
5. †. Caespitum. F. abdominis petiolo bino - doso: priore subtus, thoraceque supra bi - dentato.
Sulzers Gesch. tab. 27. fig. 20.
3866. Cephalotes. F. thorace quadrispinoso, capite didymo magno vtrinque postice mucronato.
Merianae ins. Surinam. tab. 18.
In Westindien. Von der Größe einer Wespe.
62. Termes. Weiße Ameise, Holz-Emse, Termite. (Fr. fourimi blanche, poux de bois. Eng. white ant, wood-ant, wood louse.) Squamula intergerina nulla. Alae ma - ribus et feminis temporariae; sed neu - tris plane nullae.
1. Fatalis. (bellicosus. Soland) T. corpore fusco, alis fuscescentibus: costa ferruginea, stemmatibus subsuperis oculo propinquis, puncto centrali prominulo.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 9.
Die Gebäude der guineischen Termiten. Eben - selbst tab. 10.
Hier diese Gattung (denn es sind schon jetzt wenigstens noch vier andere bekannt, die hin und wieder zwischen beyden Wendezirkeln zumahl in beyden Indien, im südwestlichen Africa und auf Neuholland zu Hause sind) findet sich besonders in Ostindien und Guinea, und führt aus Thon, Letten ꝛc. kegelförmige, meist mit mehreren Spitzen besetzte, inwendig hoch ausgewölbte Gebäude auf, die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß lang sind, und theils in solcher Menge beysammen stehen, daß sie von Ferne das Ansehen eines Dorfs kriegen. Mit den Jahren wird so ein hohler Ameisenhau - fen von außen ganz mit Gras überwachsen ꝛc. und ist dabey so fest, daß er mehrere Menschen zu tragen im Stande ist, ungeachtet die Wände387 selbst mit großen weiten Gängen durchzogen sind, die theils über eine halbe Elle im Durchmesser haben. Unaufhörlich wird in diesen Stöcken ge - baut, alte Zellen abgebrochen, neue aufgeführt, andere erweitert u. s. w. Die Zellen des Königs und der Königinn (als von welchen in jedem Stocke nur Ein Paar befindlich ist) sind im In - nersten des Gebäudes verborgen. Zunächst um dieselben herum wohnen die Arbeiter, hierauf folgen die Eyerzellen für die junge Brut und dicht bey diesen die Magazine. Diese Thiere zerbeißen und verzehren Holzwerk, Geräthe, Hütten ꝛc. und können binnen wenigen Wochen mächtige Baumstämme gleichsam vernichten. Daß der Hinterleib der befruchteten Königin 2000 Mahl dicker und größer wird als er vorher war, ist schon oben erwähnt. Sie kann dann binnen 24 Stunden auf 80000 Eyer legen.
63. Mvtilla. Alae nullae in pleris - que Corpus pubescens. Thorax po - stice retusus. Aculeus reconditus punctorius.
1. Occidentalis. M. coccinea, abdomine cin - gulo nigro.
In Nordamerica.
Die Insecten mit zwey Flügeln und ein Paar kleinen Knöpfchen oder so genannten Flügelkölbchen oder Balancirstangen (halteres),388 die hinter den Flügeln an der Brust sitzen, und meist noch mit einer kleinen Schuppe bedeckt sind; deren Nutzen aber noch unbestimmt ist, und derentwegen einige Naturkündiger die ganze Ordnung Halterata benannt haben. Die Larve ist meist eine Made*)Der berüchtigte so genannte Heerwurm, eine Art von Erdmast der wilden Sauen, besteht aus einem in der That bewundernswürdigen Zuge von vielen tausend dicht an einander kriechenden, kaum einen halben Zoll langen Maden, und zwar, wie es scheint, von Insecten dieser Ord - nung (– etwa von Tipulis oder Asylis –). Ein solcher Zug ist zuweilen wohl 12 Ellen lang, Hände breit und Daumens hoch, und zieht so in Wäldern an feuchten Gegenden im Sommer in größter, regelmäßigster Ordnung umher., die Puppe braun cylindrisch. Das vollkommene Insect hat bey einigen Geschlechtern einen spitzigen harten Sau - gestachel, bey andern einen weichen Schlurf - rüssel, bey noch andern bloß eine einfache Mün - dung u. s. w. Einige Gattungen gebähren lebendige Junge.
64. Oestrvs. **)Die bisher ganz verworrene Naturgeschichte dieses merkwürdigen Geschlechts, ist nun durch den vor - trefflichen Veterinararzt, Hrn. Bracy Clark auf - gehellt. – S. dess. meisterhafte observations on the genus oestrus; im III. B. der Transactions of the Linnean Society, p. 289. u. f.Bremse. Os apertura simplex. Palpi duo, biatriculati, apice orbiculares in depressione oris vtrin - que siti.
389Bey den zunächst benannten Gattungen legt das Weibchen seine Eyer in die Haut der leben - digen Thiere, wodurch gleichsam eine Art von Fontanell (die so genannte Dasselbeule) entsteht, in welchem sich die Larve (der Engerling) ernährt.
1. †. Bouis. die Ochsenbremse. (Engl. the gad-fly, breeze. ) O. alis immaculatis fuscis, abdomine fascia atra media: apice pilis fuluo-flauis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 47. fig. 1. 2.
2. Tarandi. die Renthierbremse. O. alis immaculatis, thorace flauo fascia nigra, ab - domine fuluo apice flauo.
3. †. Equi. die Pferdebremse. (Oestrus bouis Linn) O. alis albidis, fascia media pun - ctisque duobus nigris.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 47. fig. 3. 4. 5.
Legt seine Eyer den Pferden an die Schultern und Kniee, wo die ausgekrochenen Larven von denselben abgeleckt und hintergeschluckt werden; da sich dann von dieser und der folgenden Gat - tung, im Frühjahr fast allgemein und theils in großer Anzahl im Magen der Pferde finden, wo sie mit dem vordern spitzen Ende ihres an Größe und Form ungefähr einem Dattelkern ähnelnden Körpers (Engl. Botts) in der innern Haut des Magens eingehakt festsitzen.
4. †. Haemorrhoidalis. die Pferdebremse. O. alis immaculatis fuscescentibus, abdomine atro, basi albo apiceque fuluo.
Clark l. c. fig. 12. 13.
Legt seine Eyer den Pferden gleich an die Lippen.
3905. †. Ouis. die Schafbremse. O. alis pelluci - dis, basi punctatis, abdomine albo nigro - que versicolore.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 47. fig. 6. 7.
Die Larve findet sich in den Stirnhöhlen der Hirsche, Rehe, Ziegen, und vorzüglich der Schafe.
65. Tipvla. Schnacke. (Engl. crane-fly.) Os capitis elongati maxilla superiore fornicata: palpi duo incurui capite longiores. Proboscis recuruata bre - vissima.
Aeußerst dauerhafte Insecten, deren Larven sogar in Schwefelwassern leben können, und die Herr Prof. de Lüc in einer Höhe von 1560 Toisen über der Meeresfläche angetroffen, wo sie folg - lich wohl unter allen Thieren auf unserer Erde am höchsten lebten.
1. †. Oleracea. T. alis patentibus hyalinis, costa marginali fusca.
Frisch P. IV. tab. 12.
Die Larve thut an den Pflanzenwurzeln, zu - mahl am Gemüse viel Schaden.
2. †. Plumosa. T. alis incumbentibus, tho - race virescente, alis hyalinis puncto nigro.
Frisch P. XI. tab. 3. 12.
Ihre bluthrothe Larve lebt im Wasser und ist eine Speise der Armpolypen.
3913. †. Phalaenoldes. T. alis deflexis cinereis ouato-lanceolatis ciliatis.
Frisch P. X. tab. 3. 11.
Ein kleines Thier, daß meist an dumpfigen Orten, Abtritten ꝛc. lebt.
66. Mvsca. Fliege. (Fr. mouche. Engl. fly.) Os proboscide carnosa: labiis 2 lateralibus: palpi nulli.
1. †. Vomitoria. die Schmeißfliege. M. an - tennis plumatis pilosa, thorace nigro, ab - domine caeruleo nitente.
2. †. Carnaria. M. antennis plumatis pilosa nigra, thorace lineis pallidioribus, abdo - mine nitidulo tesselato: oculis rubris.
Frisch P. VII. tab. 14.
Gebiert lebendige Maden.
3. †. Domestica. die Stubenfliege. M. anten - nis plumatis, pilosa nigra, thorace lineis 5 obsoletis, abdomine nitidulo tesselato, ocu - lis fuscis.
(v. Gleichen) Gesch. der gemeinen Stuben - fliege. (Nürnb.) 1784. 4.
Findet sich fast auf der ganzen Erde: und in theils Gegenden, wie auf Utaheiti, Neuholland, am Cap ꝛc. in unsäglich lästiger Menge. *)Zu den wirksamsten, und doch zugleich gefahrlo - sesten Mitteln, die Fliegen in einem Zimmer zu tödten, gehört ein halb Quentchen Quaßia-Extract mit einem Stückchen Zucker in ein paar Unzen Wasser aufgelöst.Das befruchtete Weibchen legt seine 80 oder mehr392 Eyer in Ställe, Misthaufen. – Um ihre Pup - penhülse aufzusprengen, kann die zum Auskrie - chen reife Fliege ihre Stirne wie zu einer Blase auftreiben.
4. †. Cellaris. (vinulus, conops) M. antennis setariis pilosa nigra, alis neruosis, oculis ferrugineis.
Reaumur vol. V. tab. 8. fig. 7.
Sehr kleine Thierchen, in Weinkellern und über - haupt auf süßlichen gährenden Früchten ꝛc.
5. †. Meteorica. M. antennis setariis pilosa nigra abdomine subcinereo, alis basi sub - flauis, oculis brunneis.
In Gärten und Wäldern, haben einen sonder - baren, gleichsam hüpfenden Flug.
6. †. Putris. M. antennis setariis, subpilosa atra, alarum costa nigra, oculis ferrugineis.
Frisch P. I. tab. 7.
Die Made lebt im faulen Käse.
67. Tabanvs. Blinde Fliege, Breme. (Fr. taon) Os proboscide carnosa, ter - minata labiis duobus. Rostro palpis duobus, subulatis, proboscidi laterali - bus, parallelis.
1. †. Bouinus. T. oculis virescentibus, ab - dominis dorso maculis albis trigonis longi - tudinalibus.
Reaumur vol. IV. tab. 17. fig. 8.
68. Culex. Os aculeis setaceis intra vaginam flexilem.
3931. †. Pipiens. die Mücke, Schnake. (Fr. le cousin. Engl. the gnat. Portug. Mosquito.) C. cinereus abdomine annulis fuscis 8.
Kleemanns Beytr. zu Rösel T. I. tab. 15. 16.
Das beschwerliche Thier hält sich zumahl häufig am Wasser auf. In vielen Erdstrichen, zumahl in heißen (wo ohnedieß alle Insectenstiche – wie bey uns in brennenden Sommertagen – weit heftigere Entzündung verursachen), sind diese Thiere, die von den europäischen Seefahrern, nach dem Portugisischen, Moskiten genannt werden, in unsäglicher Menge, und werden oft eine recht gefährliche Plage. Unkundige Rei - sende belegen aber auch wohl überhaupt alle mückenartige stechende Insecten mit dem gemein - schaftlichen Namen von Moskiten.
2. Reptans. die Beißfliege, kolumbachische Mücke. C. niger, alis hyalinis, pedibus nigris annulo albo.
Im gebirgigen Lappland, im südlichen Sibirien, vor allen aber im Bannat, wo sie zwey Mahl im Jahre, im Frühjahr und Sommer, in un - ermeßlichen Scharen erscheint und den Pferden u. a. Vieh zu allen Oeffnungen des Körpers einkriecht, daß es oft davon in wenigen Minuten sterben muß. Auch den Menschen werden sie dann wenigstens äußerst lästig, wenn auch nicht so gefährlich.
69. Empis. Os rostro corneo, inflexo, biualui, thorace longiore, valuulis horizontalibus.
1. †. Pennipes. E. antennis filatis, nigra, pe - dibus posticis longis: alterius sexus pennatis.
Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 137.
39470. Conops. Stechfliege, Pferdestecher. Os rostro porrecto geniculato.
1. †. Calcitrans. C. antennis subplumatis, cinerea glabra ouata.
Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 138.
Hat ganz die Bildung der Stubenfliege, nur statt des Schlurf-Rüssels den hervorragenden Bohr-Stachel. Sie kommt nur wenn es regnen will in Häuser, fliegt niedrig, und setzt sich auch bloß an die Beine, so wie sie draußen auf der Weide sich an die Füge des Viehes zu setzen gewohnt ist, das daher so unruhig wird und aufstampft.
71. Asilvs. Raubfliege. Os rostro cor - neo porrecto, recto biualui.
1. †. Crabroniformis. A. abdomine tomentoso, antice segmentis tribus nigris, postice flauo inflexo.
Frisch P. III. tab. 8.
72. Bombylivs. Schwebfliege (Fr. bour - don. Engl. buzz-fly. ) Os rostro por - recto, setaceo, longissimo, biualui: valuulis horizontalibus, intra quas aculei setacei.
1. †. Maior. B. alis dimidiato-nigris.
Sulzers Kennz. tab. 28. fig. 22.
73. Hippobosca. (Fr. mouche-araignée.) Os rostro biualui, cylindrico, obtuso, nutante. Pedes unguibus pluribus.
3951. †. Equina. die Pferdelaus. (Engl. the horse - leech.) H. alis obtusis, thorace albo varie - gato, pedibus tetradactylis.
Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 141.
Die trächtige Mutter wird ungeheuer dick, und legt nur ein einziges Ey oder vielmehr eine Puppe, in welcher sich in den ersten Wochen nichts als ein weißer Saft zeigt, der nachher gleich zum erwachsenen Thiere gebildet wird, das nach eini - ger Zeit als vollkommen erwachsenes geflügeltes Insect auskriecht.
2. †. Ouina. die Schaflaus. (Engl. the sheep - fagg) H. alis nullis.
Frisch P. V. tab. 18.
Ein ungeflügeltes Insect, das doch wegen seines ganzen übrigen Habitus diese Stelle behauptet.
Die gänzlich ungeflügelten Insecten. Sie sind in Rücksicht der Größe, Bildung, Aufent - halt, Nahrung, Freßwerkzeuge, Anzahl und Länge der Füße, der Augen u. s. w. gar sehr verschieden. Theils legen sie Eyer, theils ge - bären sie lebendige Junge. Den Floh ausge - nommen, besteht wohl keins der übrigen eine eigentliche Verwandlung.
74. Lepisma. Pedes 6 cursorii. Os palpis 2 setaceis et 2 capitatis. Cauda setosa setis extensis. Corpus squamis imbricatum.
3961. †. Saccharina. der Zuckergast, das Fisch - chen. (forbicina) L. squamosa, cauda triplici.
Ist eigentlich in America zu Hause, aber nun schon fast in gang Europa einheimisch.
75. Podvra. (Engl. spring-tail.) Pe - des 6 cursorii. Oculi 2 compositi ex octonis. Cauda bifurca, saltatrix, in - flexa. Antennae setaceae elongatae.
1. †. Fimetaria. P. terrestris alba.
Oft haufenweise unter Blumentöpfen.
76. Pedicvlvs. Laus. (Fr. pou. Engl. louse.) Pedes 6 ambulatorii, oculi 2. Os aculeo exserendo. Antennae lon - gitudine thoracis. Abdomen depres - sum sublobatum.
Vielleicht eines der weitläuftigsten aller Thier - geschlechter. Die mehresten Säugethiere und Vögel mögen wohl ihre Läuse haben: und selbst Fische, ja sogar manche Insecten, wie die Bie - nen ꝛc. sind damit geplagt. *)S. F. Redi experimenta circa generationem insectorum. Opusculor. ed. Amst. 1686. 12. P. I. tab. I-XXIV.
1. †. Humanus. die Laus. P. humanus.
Ist, außer am Menschen, meines Wissens bloß am Schimpansee (Simia troglodytes) und am Coaita (Cercopithecus paniscus) gefunden wor - den. Bey den Mohren sind die Läuse schwarz: daß sie sich aber, wie Oviedo u. a. behaupten auf den Schiffen verlören, wenn diese die Linie passiren, ist leider eine Fabel.
3972. †. Pubis. (morpio. Engl. the crab-louse.) P. pubis.
Redi l. c. tab. 10. fig. 1.
Am Unterleibe unreinlicher Menschen.
77. Pvlex. Floh. (Fr. puce. Engl. flea.) Pedes 6 saltatorii: oculi 2. Antennae filiformes. Os rostro inflexo, setaceo, aculeum recondente. Abdomen com - pressum.
1. †. Irritans. der Floh. P. proboscide cor - pore breuiore.
Rösel vol. II. Mücken ꝛc. tab. 2. 3. 4.
Außer dem Menschen auch auf Hunden, Füch - sen, Katzen, Hasen, Eichhörnchen, Igeln ꝛc. doch nicht im äußerstem Nordamerica, und nur sehr einzeln aus manchen Westindischen Inseln (z. B. auf Martinike) ꝛc. Er kann wenigstens auf 6 Jahr alt werden.
2. Penetrans. der Sandfloh, die Tschike, Nigua, Ton, Attun. P. proboscide cor - poris longitudine.
Catesby N. H. of Carolina. III. tab. 10. fig. 3.
Ein äußerst lästiges Thier im mittlern America, ähnelt dem gemeinen Floh in der Bildung und in den Sprüngen, ist aber kleiner; hält sich be - sonders im Staube auf, und legt seine Eyer dem Menschen unter die Nägel der Fußzehen, wo - durch heftige und zuweilen in Brand übergehende Entzündungen entstehen.
39878. Acarvs. Milbe. (Fr. tique. Engl. tick.) Pedes 8. Oculi 2 ad latera capitis. Ten - tacula 2 articulata, pediformia.
Ein großes Geschlecht von zahlreichen Gattun - gen, die sich auch zum Theil, wie die Läuse auf andern Thieren finden.
1. †. Ricinus. der Holzbock. A. globoso - ouatus: macula baseos rotunda: antennis clauatis.
Frisch P. V. tab. 19.
2. †. Siro. die Käsemilbe, Miete. (Fr. le ciron, la mite. Engl. the mite.) A. late - ribus sublobatis, pedibus 4 posticis longissi - mis, femoribus capiteque ferrugineis, ab - domine setoso.
In Mehl, Käserinden, rohen Schinken ꝛc. Sie wird nur mit drey Paar Füßen gebohren, und das vierte wächst erst nachher dazu.
79. Hydrachna. Wasserspinne, Was - sermilbe. Pedes 8. Palpi 2 articulati. Oculi 2, 4, 6. Caput, thorax, abdo - menque vnita.
1. †. Despiciens. (acarus aquaticus Linn.) H. rubra rotundata maculis pluribus; oculis inferis.
Frisch P. VIII. tab. 3.
Fast wie eine kleine blutrothe Spinne.
80. Phalangivm. Pedes 8. Oculi ver - ticis 2 contigui. Frons antennis pedi - formibus. Abdomen rotundatum.
3991. †. Opilio. der Weberknecht, Schuster Geist, Tod, die Holzspinne. (Fr. le faucheur. Engl. the shepherd.) P. abdomine ouato; subtus albo.
Sulzers Kennz. tab. 22. fig. 140.
Ein animal nocturnum. Die ausgerissenen Beine zeigen noch tagelang Lebenskraft und Be - wegung. Die Augen sitzen dem Thiere zwischen den Schultern.
2. †. Cancroides. der Bücherscorpion. (Fr. le scorpion araignée.) P. abdomine obouato depresso, chelis laeuibus, digitis pilosis.
Rösel vol. III. tab. 64.
In altem Papier ꝛc. Sieht wegen des flachen plattgedruckten Körpers und der langen Scheeren sonderbar aus. Kriecht rücklings und vorwärts wie ein Krebs.
3. Balaenarum. die Wallfischlaus. P. ab - domine dilatato muricato, rostro subulato.
Pennant's british zoology P. IV. tab. 18. fig. 7.
4. Araneoides. (Solpuga Lichtenst.) P. chelis dentatis villosis, corpore oblongo.
Pallas spicil. IX. tab. 3. fig. 7-9.
Hin und wieder in heißen Erdstrichen der alten Welt. Sein Biß verursacht heftige Entzündung, zuweilen mit gefahrvollen Zufällen.
81. Aranea. Spinne, Kanker. (Fr. araignée. Engl. spider.) Pedes 8. Oculi 8. (plerisque). Os vnguibus s. retinacu - lis 2. Anus papillis textoriis.
400Ein ansehnliches Geschlecht von zahlreichen Gattungen*)Ueber die hieländischen Gattungen dieses Geschlechts f. C. Clerk aranei Suecici. Holm. 1757. 4., die sich meines Wissens alle bloß von lebendigen Thieren, zumahl Insecten, näh - ren; auch einander selbst auffressen. Die mehre - sten Spinnen weben sich ein Gespinnst, dessen regelmäßige Anlage sowohl als die Festigkeit, womit es Wind und Wetter aushält, bewundernswürdig ist. Auch hat man mehrmahlen den freylich seltsa - men Einfall im Kleinen ausgeführt, aus Spinne - webe, und besonders aus dem Eyergespinnste der Kreuzspinnen, eine Art Seide zu verarbeiten. – Der sogenannte fliegende Sommer (Mädchen - sommer, Mariengarn ꝛc. ) ist wenigstens größten - theils kleinen Spinnen zu zuschreiben, die zumahl im Frühjahr häufig an Hecken und Büschen um - her weben.
1. †. Diadema. die Kreuzspinne. A. abdo - mine subgloboso rubro-fusco; cruce alba punctata.
Rösel vol. IV. tab. 35-40.
H. Quatremere d'Isjonval erklärt diese und fie folgende Spinne für den untrüglichsten Wet - terpropheten.
2. †. Domestica. die Fensterspinne. A. abdo - mine ouato fusco: maculis nigris 5 sub - contiguis: anterioribus maioribus.
Clerk tab. 2. fig. 9.
3. †. Scenica. (Fr. l'araignée sauteuse.) A. saliens nigra: lineis semicircularibus 3 albis transuersis.
Clerk tab. 5. fig. 13.
401Auf Dächern ꝛc. Sie hüpfet: macht aber kein Gespinnste.
4. †. Saccata. A. abdomine ouato ferrugi - neo fusco.
Frisch P. VIII. tab. 3.
Sie trägt ihre Eyer in einem Sacke am Hin - terleibe mit sich umher, und wagt mit einer bey - spiellosen Beharrlichkeit ihr Leben, um ihn, wenn er ihr mir Gewalt entrissen wird, zu retten*)Bonnet oeuvres. vol. I. pag. 545. u. f..
5. Auicularia. die Buschspinne. A. thorace orbiculato conuexo: centro transuerso ex - cuato.
Kleemanns Beyträge zu Rösel Tom. I. tab. 11. 12.
Zumahl in Westindien. Von der Größe einer kleinen Kinderfaust. Die Fußsohlen schillern in bunte Goldfarben. Sie soll Colibrite tödten, und die Eyer derselben aussaugen. Ihr Biß kann auch bey Menschen gefahrvolle Entzündung ver - ursachen.
6. Spithamea. A. abdomine oblongo, pedi - bus longissimis.
Seba thesaur. vol. IV. tab. 90. fig. 9.?
In Ostindien. Mit ausgestreckten Beinen vom Umfang einer ausgespannten Hand.
7. Tarantula. A. fusca, subtus atra, pedibus subtus atro fasciatis.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 38.
In Apulien. Die Fabeln von den unausbleib - lichen Folgen ihres Bisses und den musicalischen402 Heilungsmitteln dagegen, lösen sich dahin auf, daß es theils Einbildungen hypochondrischer und hysterischer Patienten; mehrentheils aber arm - selige Betteleyen seyn mögen, womit sich leicht - gläubige Reisende haben hintergehen lassen. So viel ist indeß richtig, daß diese Spinne, die sich auf dem Felde in kleinen Erdhöhlen aufhält, den Schnittern zur Erntezeit durch ihren Biß lästig wird: und, so wie der Stich mancher anderer Insecten im brennenden Sommer gefährlich wer - den (zuweilen wohl eine Art Veits-Tanz erre - gen) kann, so auch freylich wohl der Taran - tel-Biß.
8. Edulis. A supra grisea; abdomine oblongo lateribus striatis; pedibus fuluis apicibus nigricantibus.
labillardière voyage. tab. 12. fig. 4-6.
Auf Neu-Caledonien, wo sie von den dasigen Insulanern zu Hunderten getröstet und gegessen wird.
82. Scorpio. Pedes 8. insuper chelae 2 frontales. Oculi 2 in tergo. Palpi 2 cheliformes. Cauda elongata articulata terminata mucrone arcuato. Pectines 2 subtus inter pectus et abdomen.
Die Scorpione haben in der Bildung und Le - bensart manches mit den Krebsen gemein, auch werfen sie, so wie diese, jährlich ihre Schale ab. Der Stich des kleinen europäischen ist, wenn nicht grade schwüle Sonnenhitze u. a. dergl. Umstände dazu kommen, nicht gefährlich.
4031. Afer. S. pectinibus 13 dentatis, manibus subcordatis pilosis.
Rösel vol. III. tab. 65.
2. †. Europaeus. S. pectinibus 18 dentatis, manibus angulatis.
Rösel vol. III. tab. 66. fig. 1. 2.
83. Cancer. Krebs. (Fr. cancre. Engl. crab.) Pedes 8. insuper manus 2 chela - tae. Oculi 2 distantes, plerisque pe - dunculati, elongati mobiles. Palpi 2 cheliferi. Cauda articulata inermis.
Ein weitläuftiges Geschlecht, dessen Gattun - gen nach der verschiedenen Länge und Bedeckung des Schwanzes, von Linné in folgende drey Familien abgetheilt worden*)J. Fr. W. Herbst Versuch über die Naturgeschichte der Krabben und Krebse. Zürich, 1782. u. f. 4.:
A) Brachyuri. Krabben, Taschen - krebse, Seespinnen.
1. Pinnotheres. C. brachyurus glaberrimus, thorace laeui lateribus antice planato, cau - dae medio noduloso-carinato.
Die Sage, daß sich dieser Krebs innerhalb der Steckmuschel aufhalte, um die Muschel bey An - näherung der Blackfische zu warnen, ist irrig. Er verwirrt sich wohl oft in den Bart dieser Muschel so wie andere Krebse auch: aber die vorgegebene Absicht fällt weg.
2. Ruricola. die schwarze Landkrabbe. C. brachyurus, thorace laeui integerrimo,404 antice retuso: pedum articulis vltimis pen - ultimisque vndique spinosis.
Catesby vol. II. tab. 32.
In Westindien und den benachbarten Land - strichen. Lebt im Gebüsch in Erdhöhlen; zieht aber im Frühjahr, theils in großen Scharen nach den Seeufern, um die Eyer in den Sand zu legen.
3. Vocans. die Sandkrabbe. (Engl. the sand - krab.) C. brachyurus, thorace quadrato inermi, chela altera ingenti.
Catesby vol. II. tab. 35.
In Ostindien und im wärmern Nordamerika. Das Männchen wird durch die auffallende Un - gleichheit seiner beyden Scheeren merkwürdig, deren eine nicht viel größer als ein Bein des Thieres, die andere hingegen so schwerfällig ist, daß sie der Krebs, wenn er von der Stelle will, auf den Rücken legen, und so forttragen muß.
4. †. Maenas. die Krabbe. C. brachyurus, thorace laeuiusculo, vtrinque quinqueden - tato, carpis vnidentatis, pedibus ciliatis: posticis subulatis.
5. Dromia. C. brachyurus hirfutus, thorace vtrinque dentato, pedibus posticis vngui - bus geminis.
rumph Mus. Amboin. tab. II. fig. 1.
Im Indischen Ocean. Hat so wie manche andere Krabbenarten vier Beine, oben auf dem Rücken, womit er eine leere Muschelschale fassen und damit kleine Fische oder Krebse zu seiner Nahrung fangen soll.
4056. †. Pagurus. der Taschenkrebs, die Tasche. (Engl. the punger. ) C. brachyurus, tho - race vtrinque obtuse nouem-plicato, ma - nibus apice atris.
B) Parasitici, cauda aphylla. Schnek - kenkrebse.
7. Bernhardus. der Einsiedler. C. macrou - rus parasiticus, chelis cordatis muricatis: dextra maiore.
Sulzers Gesch. tab. 31. fig. 5.
Bewohnt leere Schneckenhäuser: und zwar, wie es scheint ohne Auswahl besonderer Ge - schlechter oder Gattungen. Oft sind solche aus - gestorbene Schneckenhäuser inwendig von einem Einsiedlerkrebs bezogen, und von außen zugleich mit Alcyonien u. a. dergl. Corallen besetzt.
C) Macrouri. Eigentlich so genannte Krebse.
8. Gammarus. der Hummer. (Fr. l'homard. Engl. the lobster.) C. macrourus, thorace laeui, rostro lateribus dentato: basi supra dente duplici.
In den Meeren der nördlichen Erde: wo er, wie manche Fische, zu gewissen Jahrszeiten hin und her zieht.
9. †. Astacus. der Flußkrebs. (Fr. l'ecrevisse. Engl. the craw-fish.) C. macrourus tho - race laeui, rostro lateribus dentato: basi vtrinque dente vnico.
Rösel vol. III. tab. 54-61.
Dieses Thier (wovon es auch von Natur rothe, und andere selbst beym Sieden schwarzbleibende406 Spielarten gibt) erreicht ein zwanzigjähriges Alter und wirft bekanntlich seine ganze Schale alljährlich ab, wobey zugleich seine drey Zähne und selbst sein Magen erneuert werden. Die zwey kalkigen Steine die sich im Sommer zu beyden Seiten seines Magens finden (die irrig so genannten Krebsaugen), sind doch wohl der vorzüglichste Stoff, woraus die neue verjüngte Schale verhärtet. Auch der zufällige Verlust von Füßen, Scheeren ꝛc. dieser u. a. Gattungen von Krebsen, wird durch ihre starke Reproductions - kraft leicht wieder ersetzt. Sie schnellen so gar Füße und Scheren, wenn sie ihnen (nur nicht zu nahe am Leibe) gequetscht oder mit einem glühenden Eisen berührt werden, von selbst von sich. (So wie es der Hummer zuweilen bey heftigen Donnerschlägen thun soll.)
10. †. Squilla. die Granate, Garneele. Fr. la cheuvrette, crevette, salicoque, le bar - bot. Engl. the shrimp.) C. macrourus, tho - race laeui, rostro supra serrato, subtus tridentato, manuum digitis aequalibus.
Mém de l'ac. des sc. de Paris. 1772. P. II. tab. 1. fig. 1. 2.
11. †. Crangon. die Garneele. C. macrourus, thorace laeui, rostro integerrimo, mano - rum pollice longiore.
Rösel vol. III. tab. 63. fig. 1. 2.
So wie die vorige häufig an den Küsten von Europa, zumahl in der Nordsee.
12. [Arctos]. C. macreurus, thorace antrorsum aculeata; fronte diphylla, manibus sub - adactylis.
gesner hist. aquatil. pag. 1097.
In allen mildern Weltmeeren.
40713. Mantis. C. macrourus articularis, mani - bus adactylis compressis falcatis serrato - dentatis.
Sulzers Gesch. tab. 32. fig. 2.
Im mitländischen n. a. Meeren der wärmern Erdstriche.
14. †. Pulex. die Fluß-Garneele. C. macrou - rus articularis, manibus 4 adactylis, pe - dibus 10.
Rösel vol. III. tab. 62.
Zumahl häufig in der Brunnenkresse. Schwimmt im Wasser zuweilen auf dem Rücken.
15. †. Stagnalis. C. macrourus articularis, manibus adactylis, pedibus patentibus, cauda cylindrica bifida.
Schäffers fischförmiger Kiefenfuß. 1754. 4. In stehenden Wassern.
84. Monocvlvs. Kiefenfuß. Pedes na - tatorii. Corpus crusta tectum. Oculi approximati, testae innati.
Alle bis jetzt bekannte Gattungen dieses Ge - schlechts finden sich bloß im Wasser.
1. Polyphemus. der moluckische Krebs. (Engl. the horse-shoe, helmed-fish.) M. testa plana conuexa sutura lunata, postica dentata, cauda subulata longissima.
Das allergrößte Insect, das wohl eine Länge von 4 Fuß erreichen kann. Daß es nur Ein Auge haben soll, ist ungegründet, mithin seine Benennung gar nicht passend. Auch findet es408 sich nicht allein in Ostindien, sondern auch an den Küsten des nordostlichen America, zumahl häufig in der bahamischen Meerenge.
2. †. Apus. M. testa subcompressa, antice retusa, postice truncata, cauda biseta.
Frisch P. X. tab. 1.
Nur in wenigen Gegenden von Deutschland. Aber in manchen Jahren, nach Ueber - schwemmungen ꝛc. in unsäglicher Menge. Wie es scheint ein wahrer Zwitter. *)Stralsund. Magaz. I. B. S. 239.
3. †. Pulex. der Wasserfloh. M. antennis di - chotomis, cauda inflexa.
Sulzers Gesch. tab. 30. fig. 10.
In Flüssen und Deichen, auch im Brunnen - wasser: an theils Orten so häufig, daß er bey seiner röthlichen Farbe wohl eher die Sage von Wasser, das in Blut verwandelt sey, veran - laßt hat.
4. †. Quadricornis. M. antennis quaternis, cauda recta bifida.
Sulzers Gesch. tab. 30. fig. 9.
Beyde, diese und die vorige Gattung, sind eine gewöhnliche Speise der Armpolypen.
85. Oniscvs. Pedes 14. Antennae se - taceae. Corpus ouale.
1. Ceti. die Wallfischlaus. O. oualis segmen - tis distinctis, pedibus tertii quartique paris linearibus ouaticis.
Pallas spicileg. zoolog. Fasc. IX. tab. 4. fig. 14.
409Eine Plage der Wallfische, bey welchen dieses Insect, zumahl an den Finnen und Zeugungsthei - len, aufs festeste sich einnistelt.
2. †. Asellus der Kelleresel. (Fr. la cloporte. Engl. the wood-louse.) O. oualis, cauda obtusa, stylis simplicibus.
86. Scolopendra. Assel. Pedes nu - merosi, totidem vtrinque quot cor - poris segmenta. Antennae setaceae. Palpi 2 articulati. Corpus depressum.
1. Morsitans. S. pedibus vtrinque 20.
Sulzers Gesch. tab. 30. fig. 14.
In den heißen Zonen: und selbst schon in Spanien. Ihr Biß verursacht gefährliche Ent - zündung.
2. †. Lagura. S. pedibus vtrinque 24, cor - pore ouali, cauda penicillo albo.
Mém. présentés à l'ac. des sc. T. I. tab. 17.
Unter alten Baumrinden, Moos, Pilzen ꝛc. Merkwürdig ist, daß verschiedene Gattungen dieses und des folgenden Geschlechts ihre zahl - reichen Füße erst nach und nach erhalten, und nur wenige Paare derselben mit aus dem Ey bringen.
3. †. Electrica. die Feuerassel, der Feuerwurm. S. pedibus vtrinque 70.
Frisch P. XI. tab. 2. 8. fig. 1.
Phosphorescirt stark, und sogar der Fleck wo sie gelegen, leuchtet noch geraume Zeit nachher.410 lebt vorzüglich in feuchtem Erdreich, kriecht aber auch zuweilen auf Blumen, und dadurch lassen sich wohl die gar nicht seltene n Fälle erklären, wo sich dieses Thier in die Stirnhöhlen bey Men - schen eingenistelt und wohl Jahre lang unerträg - liches Kopfweh ꝛc. verursacht hat.
87. Ivlvs. Vielfuß. Pedes numerosi: duplo vtrinque plures quam corporis segmenta. Antennae moniliformes. Palpi 2 articulati. Corpus semicylin - dricum.
1. †. Terrester. S. pedibus vtrinque 100.
Sulzers Gesch. tab. 30. fig. 16.
Meist unter der Erde in fettem Boden oder im Miste.
Die Insecten haben so bestimmte und faß - liche, die Würmer hingegen so wenig allge - mein passende positive Charactere, daß man die letztern vielleicht am kürzesten durch die - jenigen weißblütigen Thiere definiren könnte, die keine Insecten sind; als von welchen sie sich sowohl durch den Mangel der Fühlhörner als der eingelenkten Bewegungswerkzeuge unterschei - den. (§. 40. 122.)
Sie haben mehrentheils einen weichen, theils gleichsam gallertartigen Körper: nur we - nige sind, wie die Aphroditen, mit Haaren, einige, wie die See-Igel, mit einer kalkarti - gen Schale bedeckt. Manche Amphitriten verfertigen sich eine kunstreiche Hülse von Sand - körnchen ꝛc. viele andere Thiere dieser Klasse aber (die Conchylien nähmlich und manche Co - rallen) bewohnen ein ihnen angebornes festes, fast porzellan - oder steinartiges Gehäuse, das ihnen zum Schutz und Aufenthalt dienet: und412 theils von dem Thiere umher getragen wird, theils aber unbeweglich fest sitzt.
Kein einziges Thier dieser Klasse ist wirk - lich geflügelt (denn daß der Tintenfisch ziemlich große Sätze aus dem Wasser heraus thun kann, ist kein Flug zu nennen), auch kann man ihnen keine eigentliche Füße zum Aufstützen des Kör - pers und zum Fortschreiten zugestehen. Doch haben die Regenwürmer, See-Igel, See - sterne ꝛc. besondere Organe, die gewisser Maßen eine ähnliche Bestimmung haben. Und dann wird auch der Mangel dieser äußern Bewe - gungswerkzeuge bey vielen Würmern durch die bey ihnen ausnehmende Kraft, ihren Körper wechselsweise enge zusammen zu ziehen, und wieder weit auszustrecken, ersetzt.
Statt der Fühlhörner haben viele Würmer so genannte Fühlfaden (tentacula), oder bieg - same ungegliederte, meist weiche fleischige Fa - den am Kopfe, die bey einigen von ansehnlicher Länge, überhaupt aber von mannigfaltiger Be - stimmung sind. Vielen nutzen sie zum Tasten; manchen zum Fang: bey den Land-Schnecken sitzen vorn die Augen daran u. s. w.
Uebrigens läßt sich über die Sinne dieser Thiere und deren Werkzeuge noch weniger Be - stimmtes, als über der Insecten ihre, sagen. Doch haben einige ungezweifelt wahre Augen (wie die Tintenfische), und andere, wie z. B. die Polypen, haben ohne Augen doch das feinste Gefühl von Licht und Hellung.
Im innern Körperbau weichen die mehre - sten Gewürme wieder eben so sehr von der In - secten ihrem, als diese von dem der rothblüti - gen Thiere ab.
Auch unterscheidet sich diese Classe im Gan - zen schon dadurch von der vorigen, daß meines Wissens kein einziges Thier derselben sich (so wie hingegen die allermehrsten Insecten) einer Verwandlung unterzieht.
Der Aufenthalt dieser Thiere ist meist im Wasser: und zwar der bey weiten allermehr - sten ihrer im Ocean. Einige leben bloß unter der Erde: und viele ausschließlich im lebendigen Körper andrer Thiere, wie die Darmwürmer, Samenthierchen u. s. w.
Zur Selbsterhaltung dient vielen Thieren dieser Classe die ganz ausnehmende Stärke ihrer414 Reproductionskraft, und einige, wie z. B. der Kleisteraal, das Räderthier ꝛc. besitzen eine Art von Reviviscenz, wodurch sie gewisser Maßen unzerstörbar scheinen.
Die meisten thierischen Eingeweidewürmer, auch die Dintenfische ꝛc. ausgenommen, sind wohl die allermehrsten Würmer wahre Hermaphro - diten, von denen jedes Individuum sein Ge - schlecht auf eine der oben angegebenen Weisen (§. 20. S. 31.) fortzupflanzen im Stande ist. *)Auch die Paarung hat bey manchen Thieren dieser Classe ungemein viel Eigenes, wie z. B. bey den gemeinsten Garten - und Wald-Schnecken (helix arbustorum, nemoralis etc.), als welche zur Brunst - zeit mit einem überaus sonderbaren kleinen Pfeile versehen sind, der von kalkartiger Substanz ist und ungefähr die Gestalt eines vierschneidigen Lan - zenschaftes hat. (tab. 1. fig. 8.) Dieser Liebes - pfeil steckt ihnen dann ganz locker in einer Oeff - nung des Halfes, und wenn ihrer zwey und zwey einander aufgefunden haben, so drückt jedes sei - nen Pfeil dem andern in die Brust, und erst auf diese vorgängige wechselseitige Anheizung erfolgt die wahre Paarung.
Die unübersehliche Menge von Seegeschöpfen in dieser Classe (§. 152.), zumahl die Conchy - lien und Corallen, werden in der großen Haus - haltung der Natur vorzüglichst dadurch äußerst wichtig, daß sie im Ocean [– so wie die In - secten auf und in der Erde (§. 143.) –] unendlich415 mannigfaltigen überflüßigen oder nachtheiligen Stoff verzehren, durchwirken, gleichsam um - wandeln u. s. w. – Dem Menschen insbeson - dere werden sie dadurch nutzbar, daß Viele derselben, zumahl unter den Conchylien, eßbar sind, und vorzüglich einige (wie z. B. nahment - lich venus mercenaria und mytilus bidens) manchen Küstenbewohnern und Seefahrenden zu einer Hauptnahrung dienen. Von einigen Schnecken wurde ehedem mehr als jetzt die Purpur-Farbe genommen*)S. Hrn. Prof. Schneiders Abb. hierüber im II. B. von Ant. de Ulloa Nachr. von Amet. Leipz. 1781. 8. S. 377-431.. Aus dem den Blackfische eigenen Saft kann Tinte und Tusche bereitet werden. Der Bart der Steck - muschel gibt eine Art brauner Seide, die ver - arbeitet wird. Mehrere Muschelarten führen Perlen**)Zumahl beym mytilus margaritifer, mya margari - tifera etc. Die Perlen sitzen meist im Thiere selbst, zuweilen doch auch inwendig an der Schale fest. Noch ist ihre wahre Entstehungsart nicht aufgeklärt. Die besten werden bekanntlich auf Ceilan und im persischen Meerbusen gefischt. Die westin - dischen, californischen so auch die von Utaheiti ꝛc. sind schon weniger schön: vollends die aus deutschen Flüssen ꝛc. Doch finden sich unter letztern und nah - mentlich unter den hieländischen Cellischen auch welche von ungemeiner Schönheit.. Das rothe Corall Gibt einen wichtigen Handelsartikel, zumahl nach Ostin - dien. – Verschiedene Schneckchen oder Mu - scheln ꝛc. cursiren ganz oder in Stückchen ge -416 schnitten bey einigen wilden Völkern statt Geldes. Aus ähnlichen Muschel - stückchen von verschiedenen Farben machen die Irokesen u. a. nordamericanische Indianer ihre Denkschnüre (wampum) ꝛc. die ihnen statt Ur - kunden dienen*)S. Loskiels Gesch. der Brüder-Mission in Nord - america S. 34. u. f. 173. ꝛc.. Viele Wilde brauchen Mu - schelschalen und Schneckenhäuser statt Trink - geschirre, Löffel ꝛc. Die Südsee-Insulaner machen daraus ihre sinnreichen Angeln und man - cherley anderes Fischergeräthe (§. 118.). Die nordwestlichen Americaner schärfen ihre Har - punen mit scharfgeschliffenen Stücken von Mu - schelschalen. – Zu Kunstarbeiten dienen vor - züglich manche Muschelschalen, die auf Onyx - manier zu Cameen verarbeitet werden: auch Perlenmutter. Die große beinartige Schuppe des Blackfische (os sepiae) wird von Künstlern und Handwerkern benutzt. Der Badeschwamm dient zu mancherley häuslichem Gebrauche. Unzählige Conchylien und Corallen werden zu Kalk gebrannt; einige große dünne Muschel - schalen im südlichen Schina statt Fensterschei - ben gebraucht u. s. w. Auch dienen die Conchy - lien zum allgemeinsten Putz der wilden Völker**)In der großen südländischen Sammlung, die Sr. Maj. der König an das hiesige academische Mu - seum geschenkt haben, findet sich unter vielen an - dern dergl. Putzstücken, sogar ein Halsbald von417 niedlichen, mühsam polirten, durchbohrten, und mit Bast kunstreich zusammen geflochtenen Schnecken - häuschen von demjenigen Volke, das vulgo für den kümmerlichsten Auswurf des Menschengeschlechts verschrieen wird, nämlich von den Pesserähs auf dem Feuerlande..
Die Blutigel endlich-sind ein überaus wichtiges chirurgisches Genesmittel.
Zu den schädlichen Thieren dieser Classe ge - hören vorzüglich alle die furchtbaren Würmer des menschlichen Körpers, die sich entweder wie die Mastwürmer, Spuhlwürmer, Trichur - iden und Bandwürmer im Darmcanal, oder wie der Nervenwurm nahe unter der Haut auf - halten*)Hingegen kann ich den abenteuerlichen Erzählungen von der höllischen Furie, einem von niemand zu - versichtlich gesehenen, und doch sehr genau beschrie - benen, und wie es heißt, mit Widerhäkchen be - waffneten, und ohne Flügel in der Luft herum flie - genden Würmchen, was aus Menschen und Vieh herabstürzen, und sie durchbohren soll u. s. w., keinen Glauben beymessen.. Sodann auch die Egelschnecken, die sich bey den Schafen ꝛc., die Finnen bey den Schweinen, die Blasenwürmer und so viele andere Würmer, zumahl bey den vierfüßigen Hausthieren und bey Fischen finden, und sie krank machen. Die Regenwürmer und Schnecken scha - den Gewächsen. Der Pfahlwurm, die Bohr - pholade ꝛc. durchbohren Schiffe und Dämme.
Ich habe auch bey dieser Classe bis auf einige wenige Abänderungen im Ganzen die Ordnung des Linneischen Systems befolgt:
I. Intestina. längliche Würmer, ohne merk - lich sichtbare äußere Gliedmaßen.
II. Molusca. Nakte welche Würmer, mit deutlichen, theils sehr zahlreichen Glied - maßen; viele derselben haben große Aehn - lichkeit mit den Bewohnern der Schnecken - häuser und Muschelschalen in der folgenden Ordnung.
III. Testacea. Die den Würmern der vori - gen Ordnung ähnlichen Bewohner der Conchylien.
IV. Crustacea. Mit einem beynahe knor - peligen Körper, und theils mit einer festen (gleichsam kalkartigen) Cruste. See-Igel, Seesterne, Seepalme.
V. Corallia. Die Polypen und andere Pflan - zenthiere, die einen Corallenstamm oder andere ähnliche Gehäuse bewohnen.
VI. Zoophyta. Die nakten Pflanzenthiere ohne Gehäuse. Nebst den Infusions - thierchen.
Die mehrsten haben theils einen cylindri - schen, theils einen bandförmigen Körper. Die Eingeweidewürmer des menschlichen Körpers sind (die Samenthierchen ausgenommen) alle aus dieser Ordnung. *)Joh. Aug. Ephr. Goeze Versuch einer Natur - geschichte der Eingeweidewürmer thierischer Körper. Blankenburg, 1782. 4.Nachträge dazu, von J. G. H. Leder Leipz. seit 1800. 4.Vermium intestinalium praesertim taeniae hu - manae breuis expositio, auctore P. Chr. Wernero. Lips. 1782. 8. nebst der dazu gehörigen dreyfachen continuatio. ib. 1782. und folg. 8.C. Asm. Rudolphi obs. circa vermes instestinales. Gryphisw. P. I. 1793. P. II. 1795. 4.
1. Gordivs. Fadenwurm. (Engl. hair - worm.) Corpus filiforme, teres, aequale, laeue.
1. †. Aquaticus. das Wasserkalb. G. pallidus extremitatibus nigris.
Spannenlang, von der Dicke eines starken Zwirnfaden. In lettigem Boden und im Wasser.
2. Medinensis. der Nervenwurm, Farenteit. (dracunculus, vena Medinensis. Fr. le ver de Guinée.) G. totus pallidus.
Sloane nat. hist. of Jamaica. vol. II. tab. 134. fig. 1.
420Am persischen Meerbusen, in Ost - und West - indien, auf Guinea ꝛc. Wohl 2 Ellen lang. Zeigt sich unter der Haut, zumahl an den Knöcheln, am Knie, am Arm ꝛc. wo er schmerz - hafte Beulen, Entzündung u. s. w. verursacht, und äußerst behutsam (damit er nicht abreisse) ausgewunden werden muß: eine Operation, die wohl drey und mehr Wochen dauert. Selten hat ein Mensch mehr als Einen solchen Wurm: doch auch wohl viere, fünfe ꝛc. zugleich.
2. Ascaris. Corpus aequale teres ore trinodo, intestinis conspicuis.
1. †. Vermicularis. der Mastwurm, Maden - wurm, Springwurm. A. cauda subulata, cute ad latera corporis subtilissime crenata.
(tab. 1. fig. 1.)
Wie eine Käsemade. Hält sich im Mastdarm bey Menschen auf, saugt mit dem stumpfern Ende.
2. †. Lumbricoides. der Spuhlwurm, Herz - wurm. (lumbricus teres. Fr. le strongle. Engl. the round worm.) A. cauda obtusa, ani rima transuersa intestino aurantio.
(tab. 1. fig. 2.)
Der allergemeinste Darmwurm im menschlichen Körper, zumahl in den dünnen Därmen; zuwei - len in unsäglicher Menge.
3. Trichocephalvs. Corpus inae - quale, teres; antice capillare, postice incrassatum.
4211. †. Hominis. die Trichuride. T. supra sub - crenatus, subtus laeuis, anterius subtilissi - me striatus.
(tab. 1. fig. 3.)
Beym Menschen in den dicken Därmen; saugt mit dem dünnen haarförmigen Ende.
4. Echinorhynchvs. Corpus teres, proboscide cylindrica retractili echinata.
1. †. Gigas. E. candidus, collo nullo, pro - boscide vaginata: aculeorum vncinatorum ordinibus pluribus, papillis suctoriis senis.
Goeze Eingeweidewürmer tab. 10. fig. 1-6.
In den Därmen des Hausschweins.
5. Lvmbricvs. Corpus teres annula - tum, longitudinaliter exasperatum aculeis conditis.
1. †. Terrester. der Regenwurm. (Fr. le ver de terre. Engl. the earth-worm, dew-worm.) L. ephippio circulari, 8 seriebus aculeorum abdominalium.
(tab. 1. fig. 7.)
Das bekannte, den jungen Küchengewächsen schädliche Thier: ein wahres animal subter - raneum.
2. †. Variegatus. L. rufus, fusco-maculatus, sexfariam aculeatus.
Bonnet Tr. d'Insectol. II. (oeuvr. vol. I.) tab. 1. fig. 1-4.
Etwa 1 1 / 2 Zoll lang. In Teichen, Gräben ꝛc. Hat, so wie der gemeine Regenwurm auch, aus - nehmende Reproductionskraft. Sogar ein abge -422 schnittnes 1 / 26 des Thieres kann binnen einigen Monaten wieder zu einem ganzen Thiere von vollkommner Länge reproducirt werden. Seine natürliche Fortpflanzung geschieht sowohl indem er lebendige Junge gebiert, als auch durch junge Brut, die er wie Sprossen austreibt.
6. Fasciola. Corpus gelatinosum, pla - niusculum, poro ventrali duplici.
1. †. Hepatica. die Egelschnecke. (Fr. la douve. Engl. the fluke.) F. depressa, ouata fusca, antice tubulo instructa.
J. C. Schäffers Egelschnecken ꝛc. fig. 1-8.
In den Lebern der Schafe.
2. †. Intestinalis. der Riemenwurm, Fisch - rieme, Fick. F. corpore taeniolari margi - nibus vndulatis.
Journal des savans 1726, pag. 104.
Wie ein schmales Streifchen Band; ungeglie - dert: in der Bauchhöhle bey manchen Fischen. Ist selbst, nachdem diese gesotten waren, noch lebendig in ihnen gefunden worden.
7. Taenia. Bandwurm, Nestelwurm, Kettenwurm (lumbricus latus. Fr. ver solitaire. Engl. tape-worm, jointed worm) Corpus planiusculum, geniculatum. Os quadrilobum.
Ein weitläuftiges, sowohl wegen der ausneh - mend sonderbaren Einrichtung seines Baues, als wegen der hartnäckigen und mannigfaltigen Zufälle, die durch die nachgenannten Gattungen im mensch - lichen Körper verursacht werden, überaus merk -423 würdiges Thiergeschlecht. Der gegliederte Wurm saugt sich mittelst des aus seinem vierkolbigen Kopfe (tab. 1. fig. 4) heraus ragenden zugespitz - ten Saugerüssels im Darmcanal fest*)Allerdings scheint aber, daß sich auch bey abge - rissenen Stücken von Bandwürnern aus ihrem Vorderende wieder ein neuer Kopf bildet. S. Hrn. Carlisle's treffliche Beobachtungen über diese Thiere im II. B. der Transactions of the Linnean Society. p. 256.. Zunächst aus den Kopf folgt (wenigstens bey den nachbe - nannten Gattungen) ein überaus schmaler fast fadenförmiger Hals (tab. 1. fig. 4.), der allge - mach mit immer deutlichern und größern Gliedern in den übrigen Körper des Wurms übergeht. In jedem der größern Glieder, die dann bey weiten den längsten Theil des Thiers ausmachen (tab. 1. fig. 5. 6. ), zeigt sich ein besonderer Eyer - stock, meist von einer sehr eleganten Form, wie Laubwerk ꝛc. der seine Eyerchen durch eine am Rande oder auf der breiten Seite befindliche ein - fache oder doppelte Oeffnung von sich geben kann. Uebrigens ist der Bandwurm nichts weniger als solitaire, sondern man hat gar oft bey Einem Menschen oder Einem Thiele viele ganze Band - würmer zugleich gefunden.
1. †. Solium. der langgliedrige Bandwurm. (T. curcurbitina auctor.) T. humana arti - culis oblongis, orificio marginali solitario, ouario pinnato.
(tab. 1. fig. 5.)
Diese Gattung ist in Deutschland die gemeinste. Findet sich, so wie der folgende, im dünnen Darme beym Menschen.
424Die so genannten Kürbskernwürmer (vermes curcurbitini, ascarides Couleti) sind abgesetzte Hinterglieder dieses Wurm.
2. †. Vulgaris. der kurzgliedrige Bandwurm. T. humana articulis abbreuiatis transuersis, orificio laterali duplici, ouarie stellato.
(tab. 1. fig. 6.)
In andern Gegenden von Europa, zumahl in der Schweiz und in Frankreich.
8. Hydatis. Blasenwurm. Corpus tae - niforme desinens in vesicam lymphati - cam. Os quadrilobum.
Kopf und Vordertheil dieser ebenfalls überaus sonderbaren Thiere, die sich meist an und in ver - schiednen Eingeweiden vielerley Säugethiere fin - den, hat bey den mehrsten Gattungen viele Aehnlichkeit mit denen vom Bandwurm. Der Hintertheil aber endigt sich in eine eyförmige Wasserblase von verschiedener Größe*)Die wahre eigenthümliche, selbstständige Anima - lität dieser Blasenwürmer ergiebt sich aus dem Bau ihrer Saugewerkzeuge und aus der Analo - gie mit den eigentlich sogenannten Bandwürmern aufs unverkennbarste. – Ganz anders verhält sichs hingegen mit denjenigen widernatürlich ent - standnen Wasserblasen, die sich zuweilen bey wassersüchtigen Menschen (seltener bey andern Thieren), zumahl in der Bauchhöhle, und zwar theils in unsäglicher Menge finden. Die ganz unbestimmte Größe, Form und Bau derselben, der gänzliche Mangel eines Saugerüssels und ähn - liche auffallende Totalverschiedenheiten zwischen ihnen und den wahren Blasenwürmern, und an - derseits hingegen ihre eben so ausfallende Aehnlich -425 keit mit andern Wasserblasen im menschlichen Kör - per, die unwiderredlich aus krankhaft umgebilde - ten Gefäßen (– z. B. am Mutterkuchen schwan - gerer Weiber, am Eyerstock der Hüner ꝛc. –) entstehen; – alles dieß hindert mich, jene hy - dropischen Blasen, so wie J. Hunter u. a. ge - meint, für wahre Thiere zu halten..
1. †. Finna. die Finne. H. conica, vesicae duplici inclusa, interiori basi sua adhaerens, capite versus collum vesicae directo.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 39.
Im Schweinefleisch. Ihre thierische Natur hat schon Malpighi außer Zweifel gesetzt. Da sie sich bloß bey dem vom Menschen unterjochten Hausschwein, aber nicht bey der wilden Sau findet, so Gibt sie ein Beyspiel von organisirten Körpern, die erst lange nach der ersten Schöpfung gleichsam nacherschaffen zu seyn scheinen.
2. †. Globosa. H. simplex ouata, corpore di - stincte articulato, rugoso, imbricato.
Goeze Eingeweidewürmer tab. 17.
Die Blase oft größer als ein Hühnerey. Am häufigsten am Bauchfell und in der Leber der Schweine.
3. †. Cerebralis. die Queese. H. multiplex, corpusculis pluribus, cauda biseta vesicae communi adnatis.
Leske vom Drehen der Schafe. Leipz. 1780. 8.
Im Gehirn der drehenden Schafe (Queesen - köpfe).
4269. Sipvncvlvs. Corpus teres elonga - tum. Os anticum, attenuatum, cylin - dricum. Apertura lateralis corporis verruciformis.
1. Saccatus. (vermis microrhynchoterus.) S. corpore tonica laxa induto.
C. Gesner hist. aquatil pag. 1226.
Im ostindischen Ocean.
10. Hirvdo. Blutigel. (Fr. sangsue. Engl. leech.) Corpus oblongum, promo - uens se ore caudaque in orbiculum dilatandis.
1. †. Medicinalis. H. depressa nigricans, supra lineis flauis 6: intermediis nigro-arcuatis, subtus cinerea nigro maculata.
Dillenius, in Eph. N. C. Cent. VII. tab. V.
Die brauchbarste Gattung zum Blutsaugen.
2. †. Octoculata. H. depressa fusca, punctis 8 nigris supra os.
Schwed. Abhandl. 1757. tab. 6. fig. 5-8.
Legt nur ein einziges Ey, das Anfangs bloße Lymphe enthält, aus welchem aber nachher, 8 bis 10, und mehr Junge heraus kommen.
Nakte Würmer, die sich durch einen mehr schleimigen Körper und deutlichere äußere Glied -427 maßen von denen in der vorigen Ordnung aus - zeichnen*)Ein Paar Hauptwerke zur Kenntniß dieser sonst noch wenig bearbeiteten Ordnung des Thier - reichs sind:Jo. Bapt. Bohadsch de quibusdam animalibus marinis. Dresd. 1761. 4. Deutsch mit Anmerk. von Nath. Gottfr. Leske. Ebendas. 1776. 4.Petr. Forskål icones verum naturalium, quas in itinere orientali depingi curanit. edidit Carst. Niebuhr. Havn. 1776. fol.Und Oth. Fr. Müller icones zoologiae Danicae ibid. 1777. sq. fol.. Manche haben große Aehnlichkeit mit den Bewohnern der Schneckenhäuser und Muschelschalen.
11. Limax. Weg-Schnecke (Fr. limace. Engl. slug. ) Corpus oblongum, repens: supra clypeo carnoso: subtus disco lon - gitudinali plano: foramen laterale dex - trum pro genitalibus et excrementis. Tentacula 4 supra os.
Diese nakten Schnecken haben die starke Re - productionskraft mit den ihnen ähnlichen Schnecken mit dem Haus, aus dem Helix-Geschlechte, gemein.
1. †. Ater. L. ater.
Lister. ex edit. Huddesfordi. tab. 101. fig. 102.
2. †. Rufus. L. subrufus.
Lister tab. 101. a. fig. 103.
3. †. Maximus. L. cinereus maculatus.
Lister tab. 101. a. fig. 104.
4. †. Agrestis. L. cinereus immaculatus.
Lister tab. 101. fig. 101.
42812. Aplysia. Corpus repens. Clypeo dorsali membranaceo, Foramen late - rale dextrum pro genitalibus. Anus supra extremitatem dorsi.
1. Depilans. die Giftkuttel. (lepus marinus der Alten.) A. tentaculis 4.
Pennant's Brit. zool. IV. tab. 21. fig. 21.
13. Doris. Corpus repens, oblongum, subtus planum. Os antice subtus. Anus postice, supra cinctus ciliis. Tenta - cula 2, supra corpus antice, intra fo - ramina retractilia.
1. Argo. (lepus marinus minor Columnae.) D. oualis, corpore laeui, tentaculis 2 ad os, ano ciliato phrygio.
Pennant l. c. tab. 22. fig. 22.
14. Glavcvs. Corpus oblongum, per - tusum feraminulis lateralibus duobus. Tentacula 4. Brachia 8 palmata.
1. Atlanticus. Glavcvs.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 48.
Im atlantischen und sudischen Ocean.
15. Aphrodita. Seeraupe. Corpus repens, ouale: fasciculi pediformes vtrinque plurimi. Os retractile Ten - tacula 2. setacea.
1. Aculeata. der Goldwurm (pudendum re - gale Column. Fr. la taupe de mer, la grosse429 scolopendre de mer.) A. oualis hirsuta acu - leata, pedibus vtrinque 32.
Swammerdam bibl. nat. tab. 10. fig. 8.
Unter andern in der Nordsee. – Die Stacheln und Haare, womit er an beyden Seiten besetzt ist, schillern, zumahl im Sonnenschein, mit feu - rigen Farben: theils wie blaue Schwefelflam - men u. s. w.
16. Amphitrite. Corpus protensum in tubulo, annulatum. Pedunculi verrucosi. Tentacula acuminata ap - proximata; plumosa.
1. Auricoma. der Sandköcher. A cirris binis vtrinque, anterius tentaculis pectini - formibus auratis rigidis.
Pallas miscell. zoolog. tab. 9. fig. 3.
In der Nordsee ꝛc. Diese und verschiedene andere Gattungen dieses Geschlechts bewohnen überaus zarte, etwas conische Gehäuse, die meist aus einer einzigen Schicht unzähliger dicht an einander liegender kleiner Sandkörnchen auf eine bewundernswürdige Weise zusammengesetzt sind.
17. Nereis. Corpus repens oblongum lineare. Pedunculi laterales penicil - lati. Tentacula simplicia.
1. Noctiluca. N. segmentis 23, corpore vix conspicuo.
Im Seewasser, zu dessen nächtlichem Leuchten es in manchen Gegenden etwas beytragen mag.
43018. Nais. Wasserschlängelchen. (Fr. Mille - pied d'eau.) Corpus lineare pellucidum, depressum, setis pedunculacum. Ten - tacula nulla.
Diese Würmer pflanzen sich auf eine eigene Weise fort:*)O. Fr. Müller von Würmern des süßen und sal - zigen Wassers. Kopenh. 1771. 4. das letzte Gelenk des gegliederten Wurms dehnt sich nähmlich allmählig aus, und erwächst zu einem ganzen Thiere, das sich nach einiger Zeit vom übrigen Körper der alten Naide absondert, oder auch selbst noch vorher wieder andere Junge auf gleiche Weise durch die Ausdeh - nung seines letzen Gelenkes hinten austreibt: doch können sich wenigstens manche Gattungen, wie z. B. die nachstehende, auch außerdem durch Eyerstöcke, die durch eine wahre Paarung be - fruchtet werden, fortpflanzen.
1. †. Proboscidea. (Nereis laeustris Linn.) N. setis lateralibus solitariis, proboscide longa.
Rösel Hist. der Polypen tab. 78. fig. 16. 17.
19. Ascidia. Corpus fixum teretiuscu - lum, vaginans. Aperturae binae ad summitatem: altera humiliore.
Sie sitzen an Uferfelsen, und vermögen das Wasser in langen Strahlen von sich zu spritzen.
1. Intestinalis. A. laeuis alba membranacea.
20. Actinia. Seeanemone, Meernessel, Klipprose. (vrtica marina, Fr. cul d'ane.) 431Corpus se assigens basi, oblongum, teres, apicis margine dilatabili intus tentaculato, os terminale centrale ambiente.
Hat ausnehmende Reproductionskraft.
1. Senilis. A. subcylindrica transuerse rugosa.
Philos. Transact. vol. LXIII tab. 16 sq. fig. 10 sq.
21. Tethys. Corpus liberum, oblon - giusculum, carnosum, apodum. Os proboscide terminali, cylindrico, sub labio explicato. Foramina 2 ad latus colli sinistrum.
1. Leporina. (lepus marinus maior Colvmnar.) T. labro ciliato.
Fab. Columna l. c. pag. XXVI.
Im mittländischen Meere.
22. Holothvria. Corpus liberum, nudum, gibbum, ano terminali. Ten - tacula plura in altera extremitate. Os inter tentacula.
1. Physalis. (Engl. the Portuguese man of war.) H. cirris difformibus filiformibus pendulis.
Sloane nat. hist. of Jamaica. vol. I. tab. 4. fig. 5.
Im atlantischen Ocean ꝛc. Von dem kleinen blasenförmigen Körper des sonderbaren Thieres hängen schöne roth und blaue, theils 3 bis 4 Fuß lange Fäden herab, die aber, wenn man sie be -432 rührt, empfindlicher als Nesseln brennen. Ober - halb der Blase befindet sich eine Segelhaut, die das Thier im Schwimmen nach dem Winde richtet.
23. Terebella. Steinbohrer. Corpus filiforme. Os anticum, praeputio glan - dem pedunculatam tubulosam exse - rente. Tentacula circum os, capil - laria, plura.
1. Lapidaria. T. cirris ad anteriora corpo - ris 8. circa os 4.
Schwed. Abh. 1754. tab. III. fig. A-E.
Im mittländischen Meere.
24. Lernaea. Corpus se affigens tenta - culis, oblongum teretiusculum. Ouaria bina. Tentacula brachiformia.
Schädliches Ungeziefer für Fische, in deren Kiefern es vorzüglich nistet.
1. †. Cyprinacea. L. corpore obclauato, tho - race cylindrico bifurco, tentaculis apice lunatis.
Linnaei fauna suec. tab. 2. fig. 2100.
25. Scyllaea. Corpus se affigens, com - pressum, dorso canaliculato. Os fo - ramine edentulo, terminali. Tenta - cula s. brachia subtus trium parium.
1. Pelagicum. Scyllaea.
Seba thesaur. vol. I. tab. 74. fig. 7.
Zumahl am Sargasso (fucus natans.)
43326. Clio. Corpus natans, oblongum. Alis duabus membranaceis, oppositis.
1. Limacina. C. nuda corpore obconico.
Ellis et Solander tab. 15. fig. 9. 10.
Bey Spitzbergen, Neufundland ꝛc.
27. Sepia. Tintenfisch Blackfisch. (Engl. Ink. fish. squid.) Brachia 8 interius ad - spersa cotyledonibus. Rostrum inter brachia terminale, corneum. Venter vesica atramentifera instructus, infra scissura transuersa ad basin apertus, supra quam fistula excretoria eminet.
Die Tintenfische, die sich meist in allen Welt - meeren finden*)J. G. Schneider Samml. vermischter Abhandl. zur Zoologie und Handlungsgeschichte. Berlin 1784. 3. S. 7-134., weichen in so vielen Stücken, zumahl in Rücksicht ihres innern Baues, der so vollkommen ausgebildeten Eingeweide, Paarungs - werkzeuge, besonders aber auch der Augen und sogar der Gehörwerkzeuge (die ihnen nähmlich J. Hunter zuschreibt) so ganz von andern Thieren dieser Classe ab, und ähneln hingegen in so vie - len Stücken manchen Fischen, daß es mir fast Ueberwindung gekostet hat, ihnen hier zwischen diesen so einfach gebauten Würmern ihren Platz zu lassen.
Die Anzahl der Saugnäpfchen an ihren Armen wächst mit dem Alter der Thiere, und steigt dann bey manchen Gattungen über 1000. Sie434 haften damit fest an, gleichsam wie ein Schröpf - kopf. Die Arme, die diesen Thieren oft von Muschelnabgekneipt, und von Fischen abgebissen werden, haben, wie schon die Alten wußten, Reproductionsvermögen. Die mehresten Gattun - gen werden auch durch den schwarzen Saft merk - würdig, den sie in einem besondern Behälter im Leibe führen, und willkürlich von sich lassen, und dadurch das Wasser zunächst um sich verdunkeln können. Herr Prof. Schneider hat das ganze Geschlecht schicklich in folgende zwey Familien abgetheilt:
A) Promuscidibus binis; ventre pinnato; ossiculo dorsi.
1. Officinalis. der Kuttelfisch, die Seekatze. (Fr. la seiche.) S. ventre latissimo rotundato vndique pinna cincto, offe dorsali maximo.
Swammerdam Biblia nat. tab. 50. fig. 1.
Besonders von dieser Gattung kommt das häu - figste os sepiae (das so genannte weiße Fisch - bein, das auch in manchen Gegenden Meer - schaum heißt) eine breite knochige Schulpe von sehr sonderbarer Textur, im Rücken des Thiers. Manche Arten der so genannten Seetrauben (vuae marinae) sind die Eyerstöcke dieser und verwandter Gattungen.
2. Loligo der Calmar. (Fr. le casseron.) S. ventre stricto subulato, pinna angulari me - dia, osse dorsali penniformi.
Pennant's brit. zool. IV. tab. 27. fig. 43.
B) Pedibus basi palmatis, absque promusci - dibus, pinnis et osse dorsali.
3. Octopodia. (polypus. Fr. le poupe.) S. ace - tabulorum in interna pedum superficie or -435 dine duplici, in basi fingulis acetabulis, paullatim increscentibus.
Pennant l. c. tab. 28. fig. 44.
Diese wegen ihres schmackhaften Fleisches be - liebte Gattung, findet sich in manchen Gegenden, besonders in Ostindien und im mexicanischen Meer - busen theils von ausnehmender Größe.
28. Medvsa. Qualle, Meernessel. See - lunge. (Engl. blubber.) Corpus gelatino - sum, orbiculatum, supra conuexum, subtus cauum. Os inferum, centrale, labiatum. Tentacula plerisque mar - ginalia, saepius retractilia. *)S. Tilesius im Jahrbuche der N. G. 1. S. 166 u. f.
Manche Gattungen tragen auch zum Leuchten des Meeres bey. **)Vergl. Mitchill in Albers's americanischen An - nalen 1. S. 119 u. f.
1. Aequorea. M. orbicularis planiuscula, margine inflexo villoso tentaculato.
Baster op. subsec. II. tab. 5. fig. 2. 3.
In der Nord-See ꝛc.
2. Vetella. (vrtica marina Columnae.) M. oualis concentrice striata, margine ciliato, supra velo membranaceo.
Fab. Columna l. c. pag. XXII.
3. Octostyla. M. hemisphaerica, marginis ten - taculis nullis, subtus columna, quadriplicata: apice lobis 8 multifidis, laterumque appen - dicibus 16.
Forskål icones tab. 30.
Im rothen Meer. Spannengroß. Vom schön - sten Veilchenblau.
Man unterscheidet bey diesen äußerst zahl - reichen Geschöpfen zwey Haupttheile, nähmlich die Schalen und die darin befindlichen Thiere. Die letztern sind von sehr mannigfaltiger Bil - dung: doch großentheils den Würmern der vori - gen Ordnung ähnlich. Die Schalen bestehen anfänglich aus einer häutigen, theils fast horn - artigen Grundlage, die ihre nachherige Festigkeit durch die allgemach in sie abgesetzte Kalkerde er - hält. Die neugebornen Schneckenhäuser haben aber (nach Reaumurs von Hrn. Kämmerer gründlich bestätigten Beobachtungen) noch nicht ihre vollzähligen Windungen, sondern diese wer - den mit zunehmendem Wachsthume des Thieres allgemach nacherzeugt und an dem Mündungs - saume der Schale abgesetzt. (– Bey weiten nicht etwa aus der jugendlichen Schale als Keime entwickelt. –) Und bey den Muscheln ist ceteris paribus die gleiche Einrichtung. Viele dieser Schalen sind wegen ihres wunderbaren Baues*)S. J. Sam. Schröter über den innern Bau der See - u. a. Schnecken. Frankf. 1783. 4., andere wegen ihres porzellanartigen437 glänzenden Schmelzes, wegen ihrer vortrefflichen Farben*)Viele zeigen auch, wenn sie angeschliffen werden, eine ganz andere Farbe, als die von ihrer sonstigen natürlichen Oberfläche., regelmäßigen, saubern Zeichnung u. a. dergl. Schönheiten, merkwürdig. **)Zu den vorzüglichern Werken über diesen (– nach der gemeinen bisherigen Behandlungsweise frey - lich nicht eben allerfruchtbarsten –) Theil der N. G. gehören unter andern:Mart. Lister synopsis methodica conchyliorum. Lond. 1685 sq. fol.Ed. 2. (recensuit et indicibus auxit Gu. Hud - desford.) Oxon. 1770. fol.Desall. d'Argenville conchyliologie. Paris. 1757. 4.Ed. 3. par de Favanne de Montcervelle. ib. seit 1780. 4.F. Mich. Regenfuß Sammlung von Muscheln, Schnecken ꝛc. Kopenhagen 1758. gr. Fol.Fr. H. M. Martini systematisches Conchylien - cabinet (fortgesetzt durch J. H. Chemnitz). Nürnb. 1768 sq. XI. B. 4.Joh. Sam. Schröters Einleitung in die Con - chylienkenntniß nach Linné. Halle, 1783. III. B. 8.Adolph. Murray fundamenta testaceologiae. Vpsal. 1771. 4. (ganz abgedrückt in Linné amoenitat. acad. vol. VIII. und die Erklärung der Kunstwörter s. t. C. a. Linn. terminologia conchyliologiae edita a Jo. Beckmanno. Gött. 1772. 8.)C. L. Kaemmerer Conchylien im Cabinette des H. Erbpr. von Schwarzburg-Rudolstadt, Rudolst. 1786. 8.438Geoffroy traité des coquilles qui se trouvent autour de Paris. Par. 1767. 12. Deutsch, durch Martini. Nürnb. 1767. 4.Em. Mendez da Costa British conchology. Lond. 1778. 4.Th. Martyn's Figures of Shells collected in the different voyages to the South-Seas Lond. 1784. gr. Fol.Joh. Xav. Poli testacea vtriusque Siciliae eorum - que historia et anatome. Parmae. 1791. II. vol. fol.
Man vertheilt die weitläuftige Ordnung am füglichsten nach der Anzahl und Bildung der Schalen in folgende vier Familien:
A) Vielschalige Conchylien,
B) Zweyschalige oder Muscheln,
C) Einschalige mit bestimmten Windungen, nähmlich die Schnecken, und
D) Einschalige ohne dergleichen Windungen.
Leben bloß in der See.
29. Chiton. Testae plures, longitudi - naliter digestae, dorso incumbentes.
1. Tuberculatus. Oscabrion. C. testa septem - valui, corpore tuberculato.
30. Lepas (Engl. acron - shell.) Animal rostro inuoluto spirali, tentaculis crista - tis. Testa multiualuis, inaequiualuis.
439Manche Gattungen, wie z. B. hier die beyden erstell, sitzen mit der Schale selbst unbeweglich fest; bey andern hingegen, wie bey den zwey letztern, hängt die vielschalige Muschel an einem darmähnlichen Eingeweide, das irgendwo fest sitzt. – Eine Verschiedenheit die so auffallend ist, daß man wohl zwey besondere Geschlechter darnach bestimmen sollte*)S. Tilestus a. a. O. S. 212-419..
A) Sessiles.
1. Balanus. die Meertulpe, See-Eichel. L. testa conica solcata fixa, operculis acu - minatis.
Chemnitz vol. VIII. tab. 97. fig. 820.
In vielen Weltgegenden an Klippen, am Kiel der Schiffe, oder auch an Thieren, auf Muscheln, Krebsen ꝛc.
2. Ceti (diadema) die Wallfisch-Pocke. L. testa subrotunda sexlobata sulcata fixa.
Chemnitz vol. VIII. tab. 99. fig. 843. sq.
So wie einige andere Gattungen dieses Ge - schlechts, auf der Haut des Nordkapers u. a. Wallfische.
B) Pedatae.
3. Polliceps. die Fußzehe. (Fr. le pousse-pied. Engl. the horn of plenty.) L. testa valuis 20 (aut pluribus) polymorphis, intestino squamulis granulato.
Chemnitz vol. VIII. tab. 100. fig. 851.
Das überaus sonderbar gebaute Geschöpf ist besonders an den Küsten der Barbarey zu Hause.
4404. Anatifera. die Aentenmuschel. (Engl. Bar - nacle.) L. testa compressa quinquenalui, in - testino insidente laeui.
Chemnitz vol. VIII. tab. 100. fig. 853. sq.
Sie ist vorzüglich durch die fabelhaften Sagen berüchtigt worden, deren schon bey der Baum - gans (S. 215) gedacht worden. Die fünffache Muschelschale hängt mit dem darin wohnenden Thiere an einer fleischigen darmähnlichen Röhre, auch wohl ihrer mehrere wie Zweige eines Stam - mes an einem gemeinschaftlichen solchen Darme, der gewöhnlich an faulen Weiden, allem Schiff - wrack ꝛc. fest sitzt.
31. Pholas. Bohrmuschel. (Fr. dail. Engl. pierce stone) Testa binaluis, diuaricata, cum minoribus accessoriis difformibus ad cardinem. Cardo recuruatus, con - nexus cartilagine.
Sie bohren sich Gänge in die Uferfelsen, selbst in den härtesten Marmor, auch in starke Corallen - stämme, Austerschalen, Schiffskiele ꝛc. und höhlen sich am Ende des Ganges ihre Wohnung aus.
1. Dactylus. die Dattelmuschel. Ph. testa ob - longa hinc reticulato-striata.
Chemnitz vol. VIII. tab. 101. fig. 859.
Das Thier selbst leuchtet im Dunkeln mit hellen Scheine.
2. Pusilla. die Bohr-Pholade. Ph. testa ob - longa rotundata arcuato-striata.
Spengler in den Schriften der Berl. Naturf. Gesellsch. IV. B. tab. V. fig. 1-5.
In vielen Gegenden der Weltmeere.
Leben sämmtlich im Wasser.
Die Hauptverschiedenheit der Geschlechter beruht auf der Gleichheit oder Ungleichheit der beyden Schalen und ihrer Ränder, und der Beschaffen - heit des Schlosses (cardo).
32. Mya. (Fr. moule. Engl. muscle, gaper.) Testa biualuis, hians altera extremi - tate. Cardo dente (plerisque) solido, crasso, patulo, vacuo, nec inserto testae oppositae.
1. †. Pictorum. die Flußmuschel, Mahler - muschel. M. testa ouata, cardinis dente primario crenulato: laterali longitudinali: alterius duplicato.
Chemnitz vol. VI. tab. 1. fig. 6.
2. †. Margaritifera. die Perlenmuschel. M. testa ouata antice coarctata, cardinis dente primario conico, natibus decorticatis.
Chemnitz vol. VI. tab. 1. fig. 5.
33. Solen. Messerscheide. (Fr. manche de couteau coutelier. Engl. razor-shell. ) Testa biualuis, oblonga, vtroque la - tere hians. Cardo dens subulatus, reflexus, saepe duplex, non insertus testae oppositae: margo lateralis ob - soletior.
1. Siliqua. S. testa lineari recta, cardine altero bidentato.
Chemnitz vol. VI. tab. 4. fig. 29.
44234. Tellina. Sonne. Testa biualuis, antice hinc ad alterum latus flexa. Cardo dentibus ternis; lateralibus planis alterius testae.
1. Radiata. T. testa oblonga longitudinaliter subtilissime substriata nitida, sutura anali canaliculata.
Chemnitz vol. VI. tab. II. fig. 102.
2. †. Cornea. T. globosa, transuersim striata, costa fusca transuersali.
Eine gemeine kleine Flußmuschel.
35. Cardivm. (Fr. coeur. Engl. cockle) Testa biualuis, subaequilatera, aequ - valuis. Cardo dentibus mediis binis alternatis; lateralibus remotis insertis.
1. Costatum. C. testa gibba aequiualui; costis eleuatis carinatis concauis tenuissimis.
Chemnitz vol. VI. tab. 15. fig. 151. sq.
An der guineischen Küste.
2. Echinatum. C. testa subcordata, sulcis ex - aratis linea ciliata aculeis inflexis plurimis.
Chemnitz vol. VI. tab. 15. fig. 158.
3. †. Edule. C. testa antiquata, sulcis 26 ob - solete recuruato-imbricatis.
Chemnitz vol. VI. tab. 19. fig. 194.
Häufigst an den Küsten des mildern Europa.
36. Mactra. Backtrog. Testa biualuis inaequilatera, aequiualuis. Cardo dente medio complicato cum adiecta foueola; lateralibus remotis insertis.
4431. Solida. die Strandmuschel. M. testa opaca laeuiuscula subantiquata.
Chemnitz vol. VI. tab. 23. fig. 229. sq.
37. Donax. (Fr. came tronquée) Testa biualuis, margine antico obtusissimo. Cardo dentibus duobus: marginalique solitario, subremoto sub ano.
1. Scripta. die Letter-Schulpe. D. testa ouata compressa laeui, scripta lineis purpureis vndatis, rima acuta, marginibus crenulatis.
Chemnitz vol. VI, tab. 26. fig. 261. sq.
38. Venvs. Testa biualuis, labiis mar - gine antice incumbentibus. Cardo den - tibus 3 omnibus approximatis, late - ralibus apice diuergentibus.
1. Dione. die echte Venusmuschel. V. testa succordata, transuerse sulcata, antrorsum spinosa.
Chemnitz vol. VI. tab. 27. fig. 271. sq.
2. Mercenaria. (Engl. the clam. ) V. testa cor - data solida transuerse substriata laeui, mar - gine crenulato, intus violacea, ano ouato.
Spengler in Schriften der Berl. Naturf. Gesellsch. VI. B. tab. 6. fig. 1. sq.
Hat sehr dicke schwere Schalen, woraus die Irokesen u. a. nordamericanische Wilde die Co - rallen zu ihren Denkschnüren, Putz ꝛc. schleifen, (– s. oben S. 405. –) und das dann befind - liche Thier auf ihren weiten Fußreisen im Munde führen, auskauen ꝛc.
4443. Tigerina. die Tigerzunge. V. testa lenti - formi: striis crenatis decussatis, ano im - presso ouato.
Chemnitz vol. VI. tab. 37. fig. 390 sq.
39. Spondylvs. (Fr. huitre epineuse. ) Testa inaequiualuis, rigida. Cardo den - tibus 2 recuruis, cum foraminulo in - termedio.
1. Gaederopus. die Lazarusklappe. (Fr. le claquet de Lazare. ) S. testa subaurita spinosa.
Chemnitz vol. VII. tab. 44. fig. 459.
Die eine Schale läuft hinten beym Gewinde weit über die andere hinaus, und ist wie abgesägt. Eben so merkwürdig ist auch die Einlenkung des Gewindes selbst, dessen Zähne so sonderbar in ein - ander gefügt sind, daß sich die Muschel zwar öffnen, aber die Schalen nicht ohne Zerbrechen des Schlosses von einander ablösen lassen.
40. Chama. (Engl. cockle. ) Testa biualuis, grossior. Cardo callo gibbo, oblique inserto fossulae obliquae.
1. Cor. das Ochsenherz. C. testa subrotunda laeui, processibus retrorsum recuruatis, rima hiante.
Chemnitz vol. VII. tab. 48. fig. 483.
2. Gigas. die Hohlziegel, Nagelschulpe, Kie - senmuschel, Vater-Noah Schulpe. (Kima. Fr. le grand benitier. ) C. testa plicata, for - nicata, squamosa.
Chemnitz vol. VII. tab. 49. fig. 492 sq.
445Die größte bekannte Conchylie, deren Schalen wohl gegen 6 Centner und das Fleisch 30 Pfund wiegen. Letzteres wird von den ostindischen In - sulanern, so wie von den Küstenbewohnern am rothen Meere ꝛc. häufig gegessen.
3. Gryphoides. die Felsenmuschel. (Fr. l'huitre de la mer rouge. ) C. testa orbiculata, mu - ricata; valuula altera planiore; altera nate productiore subspirali.
Chemnitz vol. VII. tab. 51. fig. 110 sq.
4. Bicornis. C. testa vuluulis conicis, natibus cuneiformibus obliquis tubulosis valuula longioribus.
Chemnitz vol. VII. tab. 52. fig. 516 sq.
41. Arca. Testa biualuis, aequiualuis. Cardo dentibus numerosis, acutis, al - ternis, insertis.
1. Noae. die Arche. A. testa oblonga striata, apice emarginata, processibus incuruis re - motissimis, margine integerrimo hiante.
Chemnitz vol. VII. tab. 53. fig. 529 sq.
42. Ostrea. (Fr. huitre. Engl. oyster, scallop. ) Testa biualuis, inaequiualuis, (plerisque), subaurita. Cardo edentulus fossula caua ouata, striisque laterali - bus transuersis.
Auch die so sehr verschiedenen Gattungen dieses Geschlechts könnten füglicher in zwey andere ver - theilt werden, deren eins die Kamm-Muscheln (wohin die ersten beyden Gattungen gehören), das andere aber die Austern begreifen müßte.
4461. Pleuronectes. die Compaßmuschel. (Fr. l'evantail. ) O. testa aequiualui radiis 12 duplicatis, extus laeui.
Chemnitz vol. VII. tab. 61. fig. 595.
2. Pallium. der Königsmantel, die Jacobs - muschel. O. testa aequiualui radiis 12 con - vexis, striata scabra squamis imbricata.
Chemnitz vol. VII. tab. 64. fig. 607.
3. Malleus. der polnische Hammer, das Cru - cifix. (Fr. le marteau noir. ) O. testa aequi - valui triloba, lobis transuersis.
Chemnitz vol. VIII. tab. 70. fig. 655 sq.
4. Folium. das Lorbeerblatt. O. testa inae - quiualui ouata, lateribus obtuse plicata pa - rasitica.
Chemnitz vol. VIII. tab. 71. fig. 662 sq.
5. Edulis. die gemeine Auster. O. testa in - aequiualui semiorbiculata, membranis im - bricatis vndulatis, valuula altera plana integerrima.
Wird zumahl an den Küsten des nordwestlichen Europa auch am mittländischen und adriatischen Meere ꝛc. auf Austerbänken gehegt, und besonders in Rücksicht auf diese, und die davon abhängende Verschiedenheit des Geschmacks in Berg - Sand - und Thon-Austern eingetheilt.
6. Ephippium. der polnische Sattel. O. testa aequiualui orbiculata compressa mem - branacea.
Chemnitz vol. VII. tab. 59. fig. 576 sq.
Im indischen Ocean. Hält zuweilen Perlen, aber meist von dunkler Farbe, und ungestaltet.
4477. Crista galli. der Hahnenkamm, das Schweinsohr. O. testa aequiualui plicata, spinosa, labro vtroqoe scabro.
Chemnitz vol. VIII. tab. 75. fig. 683 sq.
43. Anomia. Testa inaequiualuis; val - vula altera planiuscula (saepe basi per - forata), altera basi magis gibba. Cardo edentulus cicatricula lineari promi - nente, introrsum dente laterali. Ra - dii 2 ossei pro basi animalis.
1. Ephippium. das Fensterduplet, die weiße Zwiebelschale, der Sattel. A. testa subor - biculata rugoso-plicata: planiore perforata.
Chemnitz vol. VIII. tab. 76. fig. 692 sq.
2. Cepa. die Zwiebelschale. A. testa obouata inaequali violacea: superiore conuexa, in - feriore perforata.
Chemnitz l. c. fig. 694 sq.
3. Vitrea. die Glas-Bohrmuschel. (Fr. le coq et la poule. ) A. testa ouata, ventri - cosa, alba, tenerrima, valuula altera rostro incuruata, perforata. Margine acuto inte - gerrimo, vndique clauso.
Chemnitz l. c. tab. 78. fig. 707 sq.
Im mittländischen Meere, atlantischen Ocean ꝛc. – Eins von den äußerst wenigen Seethieren der jetzigen Schöpfung, das als ein Original zu einem wirklich ähnlichen Petrefact der Vorwelt in den Kalk-Flötzgebirgen angesehen werden kann.
44844. Mytilvs. Miesmuschel. (Fr. moule. Engl. sea-muscle, mussel.) Testa biualuis rudis, saepius affixa bysso. Cardo eden - tulus, distinctus linea subulata exca - uata longitudinali.
1. Margaritifer. die Perlenmuttermuschel. (Fr. la coquille de nacre. ) M. testa compresso - plana suborbiculata, basi transuersa imbri - cata tunicis dentatis.
Chemnitz vol. VIII. tab. 80. fig. 717 sq.
Theils wegen der ausnehmend schönen Perlen, die sich in diesem Thiere finden, und theils der Schale wegen merkwürdig, die das gemeinste Perlenmutter giebt, so wie aus dem sehnigen Schloßbande derselben der so genannte Pfauen - stein (gemma penna pauonis s. helmintholithus androdamas Linn. ) geschnitten wird.
2. Lithophagus. der Steinbohrer, Steindat - tel. (Fr. la moule pholade, la datte. ) M. testa cylindrica vtrinque extremitatibus ro - tundatis.
Chemnitz vol. VIII. tab. 82. fig. 729 sq.
Bohren sich in Uferklippen, Corallenstämme ꝛc.
3. Edulis. der Blaubart. M. testa laeuiuscula violacea, valuulis antice subcarinatis, po - stice retusis.
Chemnitz vol. VIII. tab. 84. fig. 750 sq.
Eine zweydeutige Speise, deren Genuß zuwei - len tödtlich gewesen ist.
4. Bidens. die gestreifte magellanische Mies - muschel. M. testa striata subcuruata, mar -449 gine posteriore inflexo, cardine terminali bidentato.
Chemnitz vol. VIII. tab. 83. fig. 742 sq.
5. Modiolus. die Papusmuschel. M. testa laeui, margine anteriore carinato, natibus gibbis, cardine sublaterali.
Chemnitz vol. VIII. tab. 85. fig. 757.
Vorzüglich schön bey Neuguinea. Aber auch häufig an den nordischen europäischen Küsten.
45. Pinna. Steckmuschel, Schinke, Sei - denmuschel (Fr. jambon, coquille porte soie. ) Testa subbiualuis, fragilis, erecta, emit - tens barbam byssinam. Cardo edentulus, coalitis in vnam valuulis.
Diese Muscheln sind wegen ihres Barts be - rühmt, womit sie sich befestigen können, und der eine braune Seide giebt, die in Smyrna, Mes - sina, Palermo ꝛc. zu Handschuhen u. dergl. ver - arbeitet wird.
1. Rudis. P. testa sulcata: squamis fornicatis per series digestis.
Chemnitz vol. VIII. tab. 88. fig. 773 sq.
2. Nobilis. P. testa striata: squamis canali - culato-tubulosis subimbricatis.
Chemnitz vol. VIII. tab. 89. fig. 775 sq.
Die Richtung der Schneckenwindungen ist fast durchgehends gleichförmig; so nähmlich, daß wenn man die Spitze unterwärts und die Mündung nach oben gerichtet hält, diese letztere einem als -450 dann links zugekehrt ist, und die Windungen von oben nach unten der scheinbaren Bewegung der Sonne gleich laufen.
Einige wenige Gattungen haben von Natur eine gegenseitige Windung; (– s. Abbild. n. h. Ge - genst. tab. 20. –) und dann finden sich auch, obschon äußerst selten, unter andern Schnecken zuweilen völlig linksgewundne Mißgeburten [an - fractibus sinistris s. contrariis]. *)S. Chemnitz Conchylien-Cabinet IX. B. 1 Absch. von den Linksschnecken.
Einige Schnecken vermögen ihr Gehäuse mit - telst eines besondern Deckels (operculum) zu zu - schließen, und andere ziehen bey Annäherung des Winters eine Kaltscheibe vor die Mündung ihres Hauses.
46. Argonavta. Testa vniualuis spi - ralis, inuoluta, membranacea, vnilo - cularis.
1. Argo. der Papirnautilus, Reißbrey. (nau - tilus papyraceus. Engl. the paper-sailor. ) A. carina subdentata. Animal sepia.
Martini vol. I. tab. 17. fig. 156. sq.
Eine milchweiße, überaus dünne, leichte, aber große Schale, die von einem blackfischähnlichen Thier bewohnt wird, das darin mittelst einer aus - gespannten Haut sehr geschickt auf der Oberfläche des Meers zu segeln, aber auch unterzutauchen ꝛc. versteht.
46. Navtilvs. Testa vniualuis, isthmis perforatis concamerata, polythalamia.
451Die Gehäuse sind in Kammern abgetheilt, in deren vorderen das Thier wohnt, und durch Wasser, das es in die übrigen ein - und auspumpt, sich nach Willkür leichter oder schwerer machen kann.
1. Pompilius. das Schiffboot, die Schiffkuttel, Perlenmutterschnecke. (Engl. the sailor. ) N. testa spirali apertura cordata, anfractibus contiguis obtusis laeuibus.
Martini vol. I. tab. 18.
2. Calcar. N. testa spirali, apertura lineari anfractibus contiguis: geniculis eleuatis.
Martini vol. I. tab. 19. fig. 168. sq.
Eins von den sehr kleinen Schneckchen im Sand von Rimini, die man für Originale zu den versteinten Ammoniten hat halten wollen.
3. Spirula. das Posthörnchen. N. testa spirali apertura orbiculari, anfractibus disiunctis cylindricis.
Martini vol. I. tab. 20. fig. 184. sq.
Vorzüglich an der Küste von Amboina.
48. Convs. Tute. Testa vniualuis, con - voluta, turbinata. Apertura effusa longitudinalis, linearis edentula, basi integra; columella laeuis.
1. Marmoreus. das Herzhorn, der Contre - admiral, Schout by Nacht. C. testa co - nica fusca, maculis ouatis albis, spirae an - fractibus canaliculatis.
Martini vol. II. tab. 62. fig. 685-88.
2. Ammiralis summus. der Oberadmiral. C. testa ferruginea maculis albis squamatis spar -452 sis; fasciisque 3 flauis tenuissime reticulatis; media cingulo ferrugineo itidem squamulis albis interrupto.
Martini vol. II. tab. 57. fig. 634.
In Ostindien.
3. Locumtenens. der Viceadmiral. C. testa ferruginea maculis albis squamatis tota re - ticulata.
Besonders häufig im rothen Meere.
4. Aurisiacus. der Orange-Admiral. C. testa pallide aurantia, fasciis fuscis catenulatis; lineisque punctatis.
Martini vol. II. tab. 57. fig. 636.
5. Textile. das Haselhuhn. (Fr. le drap d'or. ) C. testa venis reticulatis luteis, maculis luteis fuscisque.
Martini vol. II. tab. 54. fig. 598. sq.
49. Cypraea. Porcellane (Concha vene - ris, s. cytheriaca, s. paphia. Fr. le pu - celage. ) Testa vniualuis, inuoluta, subouata, obtusa, laeuis. Apertura vtrinque effusa, linearis, vtrinque dentata, longitudinalis.
Die Thiere dieses Geschlechts sollen ihr Schneckenhaus jährlich wechseln.
1. Arabica. der Bastard-Harlekin. C. testa subturbinata characteribus inscripta, macula longitudinali simplici.
Martini vol. I. tab. 31. fig. 328. sq.
4532. Mauritiana. der große Schlangenkopf. C. testa obtusa triquetro-gibba, postice de - presso-acuta; subtus nigra.
Martini vol. I. tab. 30. fig. 317. sq.
3. Tigris. (Engl. the Leopard cowry-shell. ) C. testa obtusa ouata, postice obtusa, antice rotundata, linea longitudinali testacea.
Martini vol. I. tab. 24. fig. 232. sq.
Unter andern auch bey Utaheiti, wo sie den Einwohnern zur Trinkschale dient.
4. Moneta. das Schlangenköpfchen, Kauri, Simbipuri. (Engl. the cowry, trussed fowl, blackmoor's teeth. ) C. testa mar - ginato-nodosa albida.
Zumahl auf den maldivischen Inseln, aber auch auf Utaheiti und anderwärts. Ist bekannt - lich die Scheidemünze der Neger in einem großen Theil von Africa, so wie mancher indischen Völ - ker ꝛc. Und die Bramanen, bedienen sich ihrer statt Rechenpfennige u. s. w.
50. Bvlla. Blasenschnecke. (Engl. Dipper. ) Testa vniualuis, conuoluta, inermis. Apertura subcoarctata, oblonga, longi - tudinalis, basi integerrima. Columella obliqua, laeuis.
1. Ouum. das Hühnerey. B. testa ouata ob - tuse subbirostri, labro dentato.
Martini vol. I. tab. 22. fig. 205. sq.
2. Physis. die Prinzenflagge, Orangenflagge. B. testa rotundata glaberrima pellucida li - neis crispata, spira retusa.
Martini vol. I. tab. 21. fig. 196.
4543. Ficus. die Feige. B. testa obouato-clauata, reticulato-striata, cauda exferta, spira ob - literata.
Martini vol. III. tab. 66. fig. 733. sq.
In beyden Indien.
51. Volvta. (Engl. Rhomb-shell. ) Testa vnilocularis, spiralis. Apertura ecau - data subeffusa. Columella plicata: labio vmbilicoue nullo.
1. Auris Midae. V. testa coarctata, ouali oblonga, spina rugosa columella bidentata.
Martini vol. II. tab. 43. fig. 436. sq.
2. Oliua. die Mohrin, das Prinzenbegräb - niß. V. testa emarginata cylindroide laeui, spirae basi reflexae, columella obli - que striata.
Martini vol. II. tab. 45. fig. 472. sq.
In Ostindien; auch in Nordamerica ꝛc.
3. Mitra. die Bischofsmünze. V. testa emar - ginata fusiformi laeui, labro denticulato, columella quadriplicata.
Martini vol. IV. tab. 147. fig. 1360.
4. Musica. die Notenschnecke. V. testa mar - ginata fusiformi, anfractibus spinis obtusis, columella octoplicata, labro laeui cras - siuscolo.
Martini vol. III. tab. 96. fig. 926. sq.
5. Pyrum. die Tsjanko-Schnecke. V. testa obouata subcaudata: spirae anfractibus stria -455 tis; apice producto glaberrimo, columella triplicata.
Chemnitz vol. IX. tab. 104. fig. 884. sq.
6. Vexillum. die Orange-Flagge. V. testa ven - tricosa flauicante aurantio striata; anfractu primo reliquis triplo maiore tuberculato.
Chemnitz vol. X. Vign. 20. A. B.
Im indischen Ocean.
52. Bvccinvm. Sturmhaube, Kinkhorn. (Engl. whelk. ) Testa vniualuis, spiralis, gibbosa. Apertura ouata, desinens in canaliculum dextrum, cauda retusum. Labium interius explanatum.
Manche Gattungen legen ihre Eyer als so genannte Seetrauben, andere als Seehopfen, noch andere aber in einer langen Reihe hornartiger flacher Kapseln, die mit dem einen Rande an einer gemeinschaftlichen wohl Fuß langen Rippe be - festigt an einander liegen.
1. Harpa. die Davidsharfe. B. testa varici - bus aequalibus longitudinalibus distinctis mucronatis, columella laeuigata.
Martini vol. III. tab. 119. fig. 1090.
2. Lapillus. B. testa ouata acuta striata laeui, columella planiuscula.
Martini vol. III. tab. 127. fig. 1111. sq.
Das Thier giebt eine Purpurfarbe, deren sich die Normänner noch jetzt bedienen.
3. Vndatum. das Wellenhorn, Bartmänn - chen. B. testa oblonga rudi transuersim striata: anfractibus curuato-multangulis.
Martini vol. IV. tab. 126. fig. 1206. sq.
4564. Maculatum. das große Tigerbein, die Pfrieme. B. testa turrita subfusiformi, an - fractibus laeuibus indiuisis integerrimis.
Martini vol. IV. tab. 153. fig. 1440.
53. Strombvs. Flügelschnecke. (Engl. screw.) Testa vniualuis, spiralis, latere ampliata. Apertura labro saepius dila - tato, desinens in canalem sinistrum.
1. Fusus. die Sternspindel, Zahnspindel. S. testa turrita laeui, cauda subulata, labio dentato.
Martini vol. IV. tab. 158. fig. 1495. sq.
2. Chiragra. die Teufelsklaue, der Boths - hake. S. testa labro hexadactylo, digitis curuis, cauda recuruata.
Martini vol. 3. tab. 86 sq. fig. 853 sq.
3. Lentiginosus. der Kickfrosch. S. testae labro antice trilobo incraffato, dorso verrucoso coronato, cauda obtusa.
Martini vol. III. tab. 78. fig. 800.
Der Deckel dieser u. a. verwandten Schnecken (die so genannte Raucherklaue, vnguis odoratus oder blatta byzantina), war ehedem officinell.
54. [Murex]. (Engl. caltrop, rock-shell. ) Testa vniualuis, spiralis, exasperata suturis membranaceis. Apertura de - sinens in canalem integrum, rectum s. subascendentem.
4571. Tribulus. der Spinnenkopf. M. testa ouata spinis setaceis trifariis, cauda elongata subu - lata recta silmiliter spinosa.
Martini vol. III. tab. 113. fig. 1053 sq.
2. Pyrum. die getrocknete Birn. M. testa varicosa ouata, transuersim sulcata nodosa, cauda longiore flexuosa subulata.
Martini vol. III. tab. 112. fig. 1040 sq.
3. Babylonius. der babylonische Thurm. M. testa turrita, cingulis acutis maculatis, recto - caudata, labro fisso.
Martini vol. IV. tab. 138. fig. 1331 sq.
4. Antiquus. das nordische Kinkhorn. M. testa patulo-caudata oblonga, anfractibus 8 teretibus.
Martini vol. IV. tab. 138. fig. 1292 sq.
An den Küsten von Großbritannien, Island ꝛc.
5. Vertagus. der Aentenschnabel; die Schnau - zennadel. M. testa turrita, anfractibus su - perne plicatis, cauda adscendente, colu - mella intus plicata.
Martini vol. IV. tab. 156 sq. fig. 1479 sq.
55. Trochvs. Kräuselschnecke (Engl. top - shell, button-shell. ) Testa vniualuis, spiralis, subconica. Apertura subte - tragono-angulata s. rotundata, supe - rius transuersa, coarctata: columella obliquata.
1. Perspectinus. die Perspectivschnecke, das Wirbelhorn. (Engl. the stair case. ) T. testa458 conuexa obtusa marginata, vmbilico peruio crenulato.
Chemnitz vol. V. tab. 172. fig. 1691 sq.
Eine sonderbare Schnecke mit überaus merk - würdigen Windungen, die in der Mitte einen trichterförmigen Raum zwischen sich lassen ꝛc.
2. Magus. T. testa oblique vmbilicata con - vexa: anfractibus supra obtuse nodulosis.
Chemnitz vol. V. tab. 171. fig. 1656 sq.
3. Telescopium. die Seetonne. T. testa im - perforata turrita striata, columella exserta spirali.
Chemnitz vol. V. tab. 160. fig. 1507 sq.
4. Iridis. (Fr. la cantharide. Engl. the beauty. ) T. testa imperforata ouata, subcaerulea, laeui, oblique striata.
Martyn's South-Sea shells. tab. 21. (24) m.
Wenn der bläuliche Ueberzug von dieser schönen neuseeländischen Schnecke abgebeitzt ist, spielt sie in die lebhaftesten Goldfarben, zumahl ins höchste Grün.
5. Lithophorus. die Trödelschecke. (Fr. la fripiere, maçonne. ) T. testa imperforata rugosa, quisquiliarum impressionibus scabra.
Chemnitz vol. V. tab. 172. fig. 1688. sq.
An den westindischen Inseln. Hat ihren Nah - men daher, weil ihre Schale mit einer Menge Steinchen, Stückchen von andern Schneckenhäu - sern ꝛc. dicht belegt ist, die unebne Eindrücke auf die Oberfläche derselben (fast wie Hammerschläge oder Pockennarben) verursachen.
45956. Tvrbo. (Engl. whirl, wreath. ) Testa vuiualuis, spiralis, solida. Apertura coarctata, orbiculata, integra.
1. Cochlus. die Schlangenhaut. T. testa im - perforata ouata striata: stria vnica dorsali crassiore.
Chemnitz vol. V. tab. 172. fig. 1805. sq.
Der Deckel dieser und einiger verwandten Gat - tungen ist die sogenannte Meer-Bohne. (vm - bilicus veneris.)
2. Scalaris. die echte Wendeltreppe. (Scalata. ) T. testa cancellata conica anfractibus di - stantibus.
Martini vol. IV. tab. 152. fig. 1426. sq.
Vorzüglich an der Küste von Coromandel. Zeichnet sich durch die von einander abstehenden gleichsam durchbrochnen Windungen aus.
3. Clathrus. die unechte Wendeltreppe. T. testa cancellata turrita exumbilicata, an - fractibus contiguis laeuibus.
Martini vol. IV. tab. 152. fig. 1434. sq.
4. Terebra. die Trommelschraube. T. testa tur - rita: anfractibus carinis 6 acutis.
Daß Titelkupfer zu Martyn's South-Sea shells.
5. †. Peruersus. das Linkshörnchen. T. testa turrita pellucida: anfractibus contrariis apertura edentula.
Chemnitz vol. IX. tab. 112. fig. 959.
Diese kleine linksgewundene Schnecke (die übrigens dem immer rechtsgewundenen Turbo460 muscorum sehr ähnlich ist) findet sich häufig an alten Weiden und andern Baumstämmen.
6. †. Nautileus. T. testa planiuscula anfracti - bus annulatis, dorso cristatis.
Rösel Polypen-Historie tab. 97. fig. 7.
57. Helix. (Fr. escargot. Eng. snail, periwincle. ) Testa vniualuis, spiralis subdiaphana, fragilis. Apertura coar - ctata, intus lunata s. subrotunda: segmento circulari demto.
Meist Land - und Süßwasser-Schencken.
1. †. Hispida. T. testa vmbilicata conuexa hispida diaphana, anfractibus quinis, aper - tura subrotundo-lunata.
2. †. Pomatia. die Weinbergschnecke. (Fr. le vigneron. ) H. testa vmbilicata subouata, obtusa decolore, apertura subrotundo-lunata.
Chemnitz vol. IX. tab. 128. fig. 1138.
In manchen Gegenden, zumahl in der Schweitz wird gegen die Fastenzeit ein beträchtlicher Han - del mit diesen Schnecken getrieben. Auch hat man da besondere Schneckengärten, worin sie zu vielen Tausenden gefüttert werden ꝛc. Ihrer starken Reproductionskraft ist schon oben gedacht worden.
3. †. Arbustorum. H. testa vmbilicata con - vexa acuminata, apertura suborbiculari bi - marginata, antice elongata.
Chemnitz vol. IX. tab. 133. fig. 1102.
4614. Ianthina. die Purpurschnecke, der blaue Kräusel, das Qualle-Bootchen. H. testa subimperforata subrotunda obtusa diaphana fragilissima, apertura postice dilatata, labro emarginato.
Fab. Columna l. c. p. XXII.
Im mittländischen so wie im atlantischen Meere, auch auf der Südsee. Das Thier giebt, so wie manche andere Schnecken, Purpursaft von sich. Die Schale selbst ist purpurblau.
5. †. Viuipara. H. imperforata subouata ob - tusa cornea: cingulis fuscatis; apertura suborbiculari.
Frisch Insecten. P. XIII. tab. 1.
6. †. Nemoralis. die Waldschnecke. (Fr. la livrée. ) H. testa imperforata subrotunda laeui diaphana fasciata, apertura subrotun - do-lunata.
Chemnitz vol. IX. tab. 133. fig. 1196 sq.
7. Decollata. H. testa imperforata turrita: spira mutilato-truncata, apertura ouata.
Chemnitz vol. IX. tab. 136. fig. 1254 sq.
8. Haliotoidea. der Milchnapf, die weiße Ohrschulpe. H. testa imperforata depresso - planiuscula striis vndatis; apertura ouali dilatata vsque in apicem.
Martini vol. I. tab. 16. fig. 151 sq.
58. Nerita. Schwimmschnecke. Testa vniualuis spiralis, gibba, subtus pla - niuscula. Apertura semiorbicularis:462 labio columellae transuerso, truncato, planiusculo.
1. Canrena. der Knotennabel. (Fr. l'aile de papillon. ) N. testa vmbilicata laeui, spira submucronata, vmbilico gibbo bifido.
Chemnitz vol. V. tab. 186. fig. 1860 sq.
2. †. Fluuiatilis. N. testa purpurascente, ma - culis albis tesselata.
Ein überaus sauber gezeichnetes Schneckchen, das so, wie die folgende Gattung, seine Brut außen auf der Schale mit sich herum tragen soll. *)Rappolt im Commerc. Nor. 1738. p. 177. u. f.
3. Pulligera. N. testa laeui rudi, spirula ex - cauato oculata, labio interiore laeui cre - nulato.
Eine ostindische Fluß-Schnecke.
59. Haliotis. Seeohr. (Engl. sea-ear, Venus's ear. ) Testa auriformis, patens: spira occultata laterali; disco longitu - dinaliter poris pertuso.
1. Tuberculata. H. testa subouata dorso trans - versim rugoso tuberculato.
Martini vol. I. tab. 15 sq. fig. 145 sq.
2. Iris. das neuseeländische Seeohr. (hipaiia.) H. testa onata, dorso gibbo, spira alte pro - minula.
Martyn's South-Sea shells. tab. 61. a. a.
463Dieses über alle Beschreibung prachtvoll schil - lernde Seeohr ist an Neuseeland zu Hause.
Bloß im Wasser; und zwar die bey weiten allermehresten in der See.
60. Patella. Napfschnecke. (Engl. lim - pet. ) Testa vniualuis subconica abs - que spira externa.
1. Neritoidea. P. testa integra ouata apice subspirali, labio laterali.
2. Vulgata. P. testa subangulata: angulis 14 obsoletis: margine dilatato acuto.
Martini vol. I. tab. 5. fig. 38.
3. †. Lacustris. P. testa integerrima ouali, vertice mucronato reflexo.
4. Fissura. P. testa ouali striato-reticulata, vertice recuruo, antice fissa.
Martini vol. I. tab. 12. fig. 109.
5. Graeca. das Ziegenauge. P. testa ouata conuexa: margine introrsum crenulato, ver - tice perforato.
Tournefort voy. du Levant. vol. I. p. 294.
Wird häufig auf den Inseln des Archipela - gus gegessen.
46461. Dentalivm. Meerzahn, Meer - röhre. (Engl. tooth-shell. ) Testa vni - valuis, tubulosa, recta, vtraque ex - tremitate peruia.
1. Entalis. D. testa tereti subarcuata conti - nua laeni.
Martini vol. I. tab. 1. fig. 1 sq.
2. Minutum. D. testa tereti erectiuscula laeui minuta.
Im Sande von Rimini.
62. Serpvla. Wurmröhre. (Engl. worm - shell.) Testa vniualuis, tubulosa, ad - haerens.
1. Filograna. die geflochtene Fadenröhre. S. testis capillaribus fasciculatis ramoso - glomeratis cancellatisque.
Seba vol. III. tab. 100. fig. 8.
2. Contortuplicata. der Fischdarm. S. testa semiteretirugosa glomerata carinata.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 59.
Das kleine Thier, das ich zu untersuchen Ge - legenheit gehabt habe, hat eine überaus artige Bildung, mit sieben langen in Bogen gekrümmten und convergirenden Armen, die an der Wurzel mit 60 kurzen geraden Fäden besetzt sind.
3. Perforata. der Venusschacht, Neptunus - schacht, die Gießkanne. (Engl. the water - ing pot. ) S. testa tereti recta, extremita - tis disco poris pertuso, margine reflexo, tubuloso.
Museum Leersianum tab. 1.
465Eine sonderbare Art von Wurmröhren, deren Mündung dem Ende einer Gießkanne ähnelt, und die am Rande wie mit einem Kranze von kurzen Röhrchen eingefaßt ist. Das hintere Ende ist fast immer abgebrochen.
4. Gigantea. Testa subflexuosa lente atte - nuata violacea, intus laeui lutea; apertura alba vndulatim striata dente conico munita.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 9.
In Westindien. Das Thier selbst ähnelt den Steinbohrern. Bewohnt ausgehöhlte Gänge in großen Madreporen.
63. Teredo. Darmröhre. Testa teres, flexuosa, lignum penetrans.
1. Naualis. der Schiffwurm, Pfahlwurm, Bohrwurm. (Fr. le taret. ) T. corpore tereti elongato, ore attenuato, extremitate postica pholadiformi, quadriualui.
Gottfr. Sellii hist. nat. teredinis. 1733. 4. tab. 1.
Das gefährliche Thier ist längst in beyden Indien bekannt gewesen. Es wird ungefähr Fußlang. Wohnt in Eichen - Ellern - Tannen - u. a. Holz, worin es sich fingersdicke Gänge bohrt, die es mit einer zarten Kalkschale aus - kleidet. Hat, zumahl 1730, für Holland groß Unglück gedroht, da es die Dämme in Seeland und Frießland so aushöhlte, daß sie der Gewalt der Wellen nicht widerstehen konnten: richtet auch noch jetzt, zumahl im Westkappler Damm, zuweilen große Verwüstungen an.
Ich habe die nachstehenden Thiere unter eine besondere Ordnung gebracht, da sie zu sehr von andern Würmern abweichen, und im Ganzen hingegen viel Uebereinstimmendes unter einander zeigen.
Sie halten sich bloß in der See auf: – so wie überhaupt kein Thier der noch übrigen drey Ordnungen im Trocknen zu leben bestimmt ist.
64. Echinvs. *)Jac. Theod. Kleinii naturalis dispositio echinoder - matum ex ed. Nath. God. Leske, lips. 1778. 4.See-Igel. (Engl. sea hedgehog.) Corpus subrotundum, crusta spatacea tectum, spinis mobilibus sae - pius aculeatum. Os quinqueualue subtus.
Die Schale der See-Igel (deren Textur bey manchen den Krebsschalen ähnelt) ist meist mit beweglichen Stacheln besetzt, die aber nicht mit den eigentlichen Bewegungswerkzeugen des Thiers vermengt werden dürfen. Diese sind um ein Drittel länger als die Stacheln, aber nur so lange sichtbar, als das Thier unter Wasser ist; es zieht sie ein, wenn es aus seinem Elemente genommen wird. Ein See-Igel, der etwa 2000 Stacheln hat, hat ungefähr 1400 solcher Bewegungswerkzeuge. Die hochgewölbten See - igel haben in ihrem Innern ein sonderbares, knöchernes Gestelle, das unter dem seltsamen Nahmen der Laterne des Aristoteles bekannt ist. 467Ueberhaupt variiren aber die zahlreichen Gattun - gen dieses weitläuftigen Geschlechts gar sehr, sowohl in der Bildung ihrer Schale als der so genannten Stacheln, womit dieselbe besetzt ist.
1. Esculentus. (Engl. the sea-egg. ) E. he - misphaerico-globosus; areis obsolete ver - rucosis.
Klein tab. 1. et 38. fig. 1.
2. Cidaris. E. haemisphaerico-depressus; am - bulacris 5 repandis linearibus: areis alter - natim bifariis.
Klein tab. 7. A. et 39. fig. 2.
3. Orbiculus. E. planus suborbiculatus; am - bulacris 5 oualibus, ano subremoto.
Klein tab. 21. sq.
65. Asterias*)J. H. Linkius de stellis marinis. Lips. 1733 Fol. See-Stern. Corpus depressum, crusta subcoriacea, tenta - culis muricata. Os centrale, quin - queualue.
Die Bewegungswerkzeuge der See-Sterne sind der See-Igel ihren ähnlich. Doch können sie nicht so schnell wie diese, sondern nur lang - sam wie die Schnecken fortkommen. Manche Gattungen thun den Dorschen u. a. Fischen, andere den Austern Schaden.
1. Rubens. A. stellata, radiis lanceolatis gibbis, vndique aculeata.
Link tab. 4. fig. 5. et al.
Vorzüglich bey dieser Gattung ist die ausneh - mende Reproductionskraft dieser Thiere auffal -468 lend. Unter einer ganzen Folge solcher in der Reproduction stehenden See-Sterne dieser Gat - tung besitze ich einen, der von seinen fünf Strahlen viere völlig verloren hatte, und die alle viere schon wieder ergänzt zu werden an - fingen.
2. Glacialis. A. radiis angulatis, angulis verrucoso-aculeatis.
Link tab. 38. 39.
3. Ophiura. A. radiata radiis 5 simplicibus, stella orbiculata quinqueloba.
Link tab. 37. fig. 65. et al.
4. Caput Medusae. A. radiata, radiis dicho - tomis.
Link tab. 18. fig. 28. et al.
In vielen Meeren der alten Welt. Ein überaus träges und sonderbar gebildetes Thier, an dessen Umfang man auf 82000 Endzweige gezählt hat*)Unter den Normännern geht eine Volkssage, als ob dieses Medusenhaupt das Junge des famosen Kraken sey, wovon Pontoppidan in s. N. G. von Norwegen so viel Abentheuerliches erzählt hat. – Dieses vermeinte Seeungeheuer soll nähmlich in der Tiefe des Meeres hausen, aber zu Zeiten empor steigen, zur großen Gefährde der Schiffe, die sich dann etwa gerade über ihm be - fänden; da dann auch sein über der Meeresfläche herausragender Rücken für eine schwimmende In - sel angesehn worden sey u. s. w.Wenn man alles, was von diesem Dinge ge - sagt worden, critisch vergleicht, so zeigt sich, daß sehr verschiedne und zugleich sehr mißverstandene Erscheinungen dazu Anlaß gegeben haben mögen. 469Manches darunter paßt auf den Wallfisch (– s. z. B. einen neuerlichen Unglücksfall, der sich durchs Aufsteigen eines solchen Thiers unter einem be - mannten Fahrzeug ereignet in Watk. Tench's ac - count of the settlement at Pt. Jackson pag. 52. –) Manches hingegen auf dicke, niedrigstehende Ne - bel, dergleichen zuweilen selbst von sehr erfahrenen Seeleuten für Küsten ꝛc. angesehen worden: (– einen merkwürdigen Fall der Art s. im vogage de La Pérouse autour du monde vol. III. pag. 10 –) Und so löst sich das auf, was vorlängst der alte Thormod Torfesen in s. Groenlandia antiqua pag. 100 vom Kraken sagt: "Tracta haec fa - bula videtur ex insula – aliquando conspicua, saepius tamen inconspicua. “.
66. Encrinvs. Stirps elongata, cor - pore terminali radiato.
1. Asteria. die See-Palme. (isis asteria Linn.) E stirpe spatacea articulata pentagona, ra - mis verticillatis: stella terminali sexfida ad basin, tum dichotoma.
Guettard in Mém. de l'ac. des sc. 1755.
Das bis jetzt wenigstens noch sehr seltene Thiere soll sich an der Küste von Barbados fin - den. Es ähnelt zwar den versteinten Penta - criniten oder Medusen-Palmen, aber ohne ihnen specifisch zu gleichen. Sein so genann - ter Kopf hat viel Aehnlichkeit mit dem letzt ge - nannten Medusenhaupt.
2. Radiatus. (vorticella encrinus Linn.) E. stirpe cartilaginea continua, stella termi - nali octoradiata.
Chr. Mylius Schreiben an den Hrn. von Haller. Lond. 1755. 4.
Die gegenwärtige Ordnung verhält sich zu der folgenden letzten, beynahe wie die Conchylien zu den Molluscis. Die Thiere selbst haben wenigstens in manchen Geschlechtern beyder Ordnungen viel Uebereinstimmendes. Nur sind sie in der letzten nakt, unbedeckt und können sich von der Stelle bewegen: da sie hingegen in dieser besondere festsitzende Gehäuse bewoh - nen, die bey den mehresten Arten von stein - artiger Substanz sind, und Corallen*)Zur Geschichte der Corallen vergl.P. S. Pallas elenchus zoophytorum. Hag. 1766. 8. Deutsch mit Zusätzen von Chr. Fr. Wilkens. Nürnb. 1787. 4.J. Ellis's natural history of the corallines etc. Lond. 1755. 4. Deutsch mit Zusätzen von J. G. Krünitz. Nürnb. 1767. 4.Ej. natural history of many curious and uncom - mon zoophytes ꝛc. – systematically arranged and described by D. Solander. Lond. 1786. 4. (– Ich citire hier dieses vortreffliche Werk, um es von dem vorigen zu unterscheiden, unter Solander's Nahmen. –)Vital. Donati della storia naturale marina dell Adriatico. Ven. 1750. 4.Fil. Cavolini memorie per servire alla storia de polipi marini. Nap. seit 1785. 4.E. J. Chr. Espers Pflanzenthiere ꝛc. Nürnb. seit 1788. 4.Und als brauchbares Handbuch: J. F. Roques de Maumont sur les polypiers de mer. Zelle, 1782. 8.471***J. Alb. H. Reimarus von der Natur der Pflan - zenthiere (als Anhang an Herm. Sam. Reimarus Betr. über die besondern Arten der thierischen Kunsttriebe). Hamburg, 1773. 8. heißen.
Doch muß man sich diese Gehäuse nicht so wohl als von ihren Bewohnern erbaut, sondern viel - mehr als eine ihnen angebornen Theil vorstellen, und sie daher nicht etwa mit Bienen-Zellen, sondern eher mit Schnecken-Schalen verglei - chen, nur daß bey ihrer Fortpflanzung das junge Thier zugleich mit seinem kalkigen Ge - häuse vom alten wie ein Zweig aus dem Stamme hervor getrieben wird; und sich daher beym schnellen Wachsthum*)Ich weiß von Augenzeugen, daß man oft in West - indien ꝛc. Schiffwrack auffischt, das binnen 3 / 4 Jahren über und über mit Madreporen u. a. Corallen dicht bepflanzt ist. So ist auch der sonst so treffliche Hafen von Bantam nun großentheils von Corallen eingenommen. und Vermehrung dieser merkwürdigen Geschöpfe die ungeheure Größe und Umfang derselben**)Viele vulkanische Inseln der Südsee auch west - indische, wie z. B. Barbados, sind wie mit einer Corallen-Rinde überzogen; und wie furchtbar die zu einer unermeßlichen Höhe aus dem Boden des Meeres emporrankenden Corallen-Stämme den Seefahrenden in unkundigen Gegenden werden können, und Capit. Cook auf seiner ersten Reise um die Welt an der von ihm entdeckten Ost-Küste von Neu Holland lange genug erfahren. erklären läßt.
67. Tvbipora. Röhren-Corall. Coral - lium tubis, cylindricis, cauis, erectis, parallelis.
4721. Musica. das Orgelwerk. T. tubis fasci - culatis combinatis: dissepimentis transuer - sis distantibus.
Solander tab. 27.
Bloß in Ostindien.
68. Madrepora. Stern Corall. Co - rallium cauitatibus lamelloso-stellatis.
1. Fungites. M. simplex acaulis orbiculata, stella conuexa: lamellis simplicibus longi - tudinalibus, subtus concaua.
Solander tab. 28.
2. Muricata. M. ramosa composita subimbri - cata, stellis oblique truncatis prominenti - bus adscententibus.
Solander tab. 57.
3. Oculata. das weiße Corall. M. caulescens tubulosa glabra flexuosa oblique substriata, ramis alternis, steliis immersis bifariis.
Seba vol. III. tab. 116. fig. 1. 2.
69. Millepora. Punct-Corall. Coral - lium poris turbinatis teretibus.
1. Lichenoides. M. caulescens decumbens bi - farie dichotoma, ramis denticulatis binis porosis scabris.
Ellis tab. 35. fig. b. B.
2. Cellulosa. die Neptunus-Manchette. M. membranacea reticulata vmbilicata, turbi - nato-vndulata, hinc porosa pubescens.
Ellis tab. 24. fig. d.
Cavolini tab. 3. fig. 12. sq.
47370. Cellepora. Corallium foraminu - lis vrceolatis, membranaceis.
1. Spongites. der Schwammstein. (Adarce. Lapis spongiae offic.) C. lamellis simpli - cibus vndulato-turbinatis cumulatis; cel - lulis seriatis: osculo marginato.
71. Isis. Stauden-Corall. Stirps ra - dicata solida, cortice molli habitabili obducta.
1. Hippuris. das Königs-Corall. I. stirpe articulata, geniculis attenuatis.
Solander tab. 3. fig. 1. sq. tab. 9. fig. 3. 4.
2. Nobilis. das rothe Corall. I. stirpe con - tinua, aequali, striis obsoletis obliquis, ramis vagis.
Cavolini. tab. 2. fig. 1-6.
Wird vorzüglich an den Küsten des mitländi - schen Meeres gefischt, und in Marseille ꝛc. zu kostbaren Kunstsachen verarbeitet, die nach Ostin - dien verführt, und zumahl in Japan und Schina fast den Edelsteinen gleich geschätzt werden.
72. Gorgonia. Crusta calcarea coral - lina stirpem vegetabilem obducens.
Die Stämme selbst scheinen wahre Vegeta - bilien (deren holzige Natur, zumahl an den starken Wurzelstämmen nicht zu verkennen ist), die bloß mit Corallencruste überzogen sind. Man findet den so genannten Venusfliegenwedel gar häufig ohne den thierischen Ueberzug, und da474 zeigt er schlechterdings nichts ausschließlich Ani - malisches*)Ellis's Gründe für die gegenseitige Meinung s. in den philos. Transact. vol. LXVI. P. I. pag. 1..
1. Antipathes. das schwarze Corall. G. pani - culato-ramosa ligno extus flexuose striato.
Seba thesaur. T. III. tab. 104. fig. 2.
2. Flabellum. der Venusfliegenwedel. G. re - ticulata, ramis interne compressis, cor - tice flauo.
Ellis tab. 26. fig. K.
73. Alcyonivm. See-Kork. Stirps ra - dicata, stuposa, tunicato-corticata. Animal hydra.
1. Exos. die Diebshand. (manus marina. Fr. la main de ladre. ) A. stirpe arborescente coriacea coccinea superne ramosa, papil - lis stellatis.
Gesner de aquatilib. pag. 619.
2. Epipetrum. A. stirpe cauata carnosa ru - fescente.
Gesner de aquatilib. pag. 1287.
74. Spongia. Sauge-Schwamm. (Fr. Eponge.) Stirps radicata, flexilis, spon - giosa, bibula.
Ob dieses Geschlecht wirklich ins Thierreich gehört, wird mir immer zweifelhafter.
1. Officinalis. der Badeschwamm. S. fora - minulata subramosa difformis tenax to - mentosa.
4752. †. Fluuiatilis. (Ruß Badiaega. ) S. con - formis polymorpha, fragilis, granulis repleta.
Diese hieländische Gattung verbreitet einen sehr starken specifischen Geruch; und ist oft, aber nur zufällig, mit Stämmen von Federbusch-Polypen durchwirkt. Wenn sie jung ist, liegt sie meist nur flach am Ufer, an Dämmen ꝛc. an. Mit der Zeit aber treibt sie Aeste wie Finger oder Geweihe. Ich habe diese Gattung im hiesigen Stadtgraben gefunden, und seitdem oft allerhand Versuche mit ihr angestellt, ohne bis jetzt irgend ein entscheidendes Zeichen einer wirklich anima - lischen Natur an ihr gewahr zu werden.
75. Flvstra. Stirps radicata foliacea, vndique poris cellulosis tecta.
1. Foliacea. F. foliacea ramosa, laciniis cu - neiformibus rotundatis.
Ellis tab. 29. fig. a.
76. Tvbvlaria. Stirps radicata, fili - formis, tubulosa.
Dieses Geschlecht begreift unter andern die Corallen des süßen Wassers, nähmlich die Feder - busch-Polypen (Fr. polypes à panache), an welchen man, so wie bey denen im Meere, die Hülse und das darin wohnende Thierchen unter - scheidet, das sich durch einen ungemein saubern weißen Federbusch auszeichnet, den es aber bey der mindesten Erschütterung oder im Tode ein - zieht. Die Hülse ist anfangs gallertartig, ver - härtet aber mit der Zeit, und zeigt sich oft bey der gleichen Gattung unter sehr verschiedenen Ge - stalten. Ich habe einzelne dergleichen Röhrchen,476 wie kleine Därme an Wasserpflanzen, umher - ranken sehen: andere, die wie Bäumchen mit Zweigen zwischen der obigen Badiäga in die Höhe gewachsen waren: andere, die sich zu Tau - senden flach neben einander an Dämme ꝛc. an - gelegt hatten: andere, die in dichten Klumpen in unzähliger Menge neben einander empor stan - den, u. s. w.
1. Indiusia. T. culmis simplicissimis, geni - culis contoris.
Ellis tab. 16. fig. c.
2. Acetabulum. T. culmis filiformibus, pelta terminali striata radiata calcarea.
Donati tab. 2.
3. †. Campanulata. T. crista lunata, orifi - ciis vaginae annulatis, corpore intra vagi - nam abscondito.
Rösel Hist. der Polypen. Taf. 73. 75.
So wie die folgende Gattung im Flußwasser. Hat gegen 60 Arme oder Faden im Federbusche.
4. †. Sultana. T. crista infundibuliformi, ad basin ciliata.
(tab. 1. fig. 9.)
Ein überaus niedliches Geschöpf, das ich im hiesigen Stadtgraben gefunden habe. Es hat 20 Arme, die äußerst regelmäßig wie ein klei - ner Federbusch rangirt sind*)Götting. Magaz. 1. Jahrg. 4. St. S. 117 u. f..
77. Corallina. Stirps radicata, ge - niculata, filamentosa, calcarea.
4771. Opuntia. C. trichotoma: articulis com - pressis subreniformibus.
Solander tab. 20. fig. b.
2. Officinalis. C. subbipinnata, articulis sub - turbinatis.
Ellis tab. 24. fig. a.
3. Rubens. C. dichotoma capillaris fastigiata: articulis superioribus eleuatis.
Ellis tab. 24. fig. f. g.
78. Sertvlaria. Stirps radicata, tu - bulosa, cornea, nuda, articulata: den - ticulis calyciformibus obsita.
Ein weitläuftiges Geschlecht, wovon sich man - cherley Arten auf der gewölbten Schale der ge - meinen Austern finden. Die Stämme sind meist ausnehmend fein, und alle ihre Schönheit kaum dem bloßen Auge sichtbar. Sie pflanzen sich durch Blasen fort, die man mit Eyerstöcken vergleichen kann.
1. Abietina. S. denticulis suboppositis tubu - losis, ouariis oualibus, ramis pinnato-al - ternis.
Ellis tab. I. fig. b.
2. Falcata. S. denticulis secundis imbricatis truncatis, ouariis ouatis, ramis pinnatis alternis.
Ellis tab. 7. fig. a.
3. Polyzonias. S. denticulis alternis sub - denticulatis, ouariis obouatis polyzoniis, stirpe ramosa.
Ellis tab. 3. fig. a.
478Trembley hat die Bewohner dieser Sertularie (ihre ungleich kleinere Statur abgerechnet) sei - nen Armpolypen der süßen Wasser sehr ähnlich gefunden.
79. Cellvlaria. Strips crustacea, lapidescens, e cellulis seriatis compo - sita, plerumque ramosa et articulata, tubulis adhaerens.
1. Fastigiata. (Sertularia fastigiata. Linn.) C. denticulis alternis acutis, ramis dicho - tomis erectis fastigiatis.
Ellis tab. 18. fig. a.
2. Cirrata. C. lapidea articulata ramosa di - chotoma, articulis subciliatis, ouato-trun - catis, vno latere planis celliferis.
Solander tab. 4. fig. d.
Man hat den Nahmen Zoophyte oder Thierpflanze den Geschöpfen dieser und der vorigen Ordnung gemeinschaftlich beygelegt. Und in der That sehen auch, wie schon erinnert worden, manche Polypen dieser Ordnung den Bewohnern mancher Corallen in der vorigen gar sehr ähnlich. Nur haben sie in der gegen - wärtigen einen unbedeckten Körper, und nie ein solches Corallengehäuse als in der vorigen. Auch können wenigstens die bey weiten aller - mehresten (wo nicht alle) ihren Standpunct479 verändern (haben stirpem liberam wie man es nennt). Einige sind doch dabey in einen gemeinschaftlichen Stamm verbunden, andere hingegen einzeln. Außerdem sind aber auch die Infusionsthierchen u. a. dergl. Geschöpfe mit in dieser Ordnung begriffen.
80. Pennatvla. Seefeder. Stirps li - bera, penniformis.
Man unterscheidet an diesen merkwürdigen Seegeschöpfen, wie an einer Vogelfeder, zwey Haupttheile, den Kiel nähmlich und die Fahne. Letztere besteht aus 40, 60 oder noch mehr bo - genförmigen Armen, womit die obere Hälfte des Kiels zu beyden Seiten besetzt ist. Auf je - dem dieser Arme stehen nun wieder 10, 12 und mehr überaus saubere kleine am Rande zackige Hülsen, in deren jeder ein gallertartiger zarter Polype mit acht Fangarmen fest sitzt; so daß an einer Spannen langen Seefeder wenigstens über 500 solche kleine Armpolypen gezählt werden.
1. Grisea. P. stirpe carnosa, rachi laeui, pinnis imbricatis plicatis spinosis.
B. S. Albini annot. acad. L. I. tab. 4. fig. 1. 2.
2. Phosphorea. P. stirpe carnosa, rachi sca - bra, pinnis imbricatis.
Phil. Transact. vol. LIII. tab. 19. fig. 1-4.
Leuchten stark im Finstern.
48081. Hydra. Armpolype, Vielarm. (Fr. polype à bras en forme des cornes.) Corpus gelatinosum conicum. Os ter - minale cinctum cirris filiformibus.
Diese so allgemein berühmten Thiere*)S. Abr. Trembley Mémoires pour servir à l'hist. d'un genre de polypes d'eau douce à bras en forme de cornes. Leid. 1744. 4.H. Baker's natural history of the polype. Lond. 1743. 8.Rösel Historie der Polypen ꝛc. Nürnb. 1754. 4. (am III. B. seiner Insecten-Belustigungen.)Jac. Chr. Schäffer's Armpolypen in den süßen Wassern um Regensburg. 1754. 4. sind gallertartig, halbdurchsichtig, und daher von un - geübten Augen nicht immer gleich zu erkennen. In der Ruhe haben sie den Körper und die Arme ausgestreckt: bey einer gewaltsamen Be - rührung aber, oder außer dem Wasser, ziehen sie sich in ein unförmliches Klümpchen zusam - men. Sie sind von den ersten warmen Früh - lingstagen an bis in den Herbst in sanft fließen - den Wassern und Teichen zu finden, und sitzen mit dem hintern Ende an Wasserpflanzen, Schnecken ꝛc. fest. Ihr ganzer Körper ist eigent - lich bloß ein mit Fangarmen versehener Magen. Den Sommer hindurch vermehren sie sich, in - dem sie die lebendigen Jungen wie Sprossen aus ihrem Körper treiben, die sich oft erst, wenn ihnen selbst schon wieder Junge ausge - wachsen sind, von der Mutter losreissen. Bey Annäherung des Winters aber mögen sie wohl Eyer legen**)Pallas elenchus Zoophytor. pag. 28., aus denen im Frühjahr die junge Brut hervor bricht. Man kann sie in481 sechs und mehr Stücke zerschneiden, und jedes Stück wird binnen einigen Tagen wieder zu ganzen Polypen erwachsen. Man kann ihnen den Kopf oder den Hintertheil der Länge nach spalten, und sich vielköpfige oder vielgeschwänzte Polypen schaffen. Man kann mehrere in einander stecken, und so oder auf andere Weise zu wunderlichen monströsen Gruppen zu - sammen heilen. Man kann sie durch einen, freylich Uebung und Geduld erfordernden, Hand - griff wie einen Handschuh umkehren. Man kann sie der Länge nach aufschlitzen, und wie ein Stückchen Band ausbreiten, und doch kön - nen auch dann, wie Rösel zuerst bemerkt hat, mehrere auf eine schwer zu begreifende Weise einander auffressen, oder eigentlich in einander schmelzen. Man kann sie, nach den merkwür - digen Versuchen des seel. Hofr. Lichtenberg*)S. Götting. Magaz. III. Jahrg. 4 St. S. 565 u. f., mit Schlingen von Haaren durchschnüren, und während daß die Schlinge allmählich durchschnei - det, werden die derweil getrennten Theile doch schon wieder an einander wachsen u. s. w.
1. †. Viridis. der grüne Armpolype. H. vi - ridis tentaculis breuioribus.
(tab. 1. fig. 10.)
Diese Gattung scheint mehr als die übrigen in Rücksicht der Stärke und Länge des Körpers und der Arme zu varliren. Die hier abgebil - dete Art findet sich in unserer Nachbarschaft; und die Beobachtung ihrer Reproduction hat mich zuerst auf die Untersuchungen über den Bildungstrieb geführt.
4822. †. Fusca. der braune Armpolype. H. fusca, corpore longiore, cirris longissimis.
Rösel tab. 84. sq.
3. †. Grisea. der oragegelbe Armpolype. H. aurantia, corpore longiore, cirris lon - gioribus.
Rösel tab. 78. sq.
82. Brachionvs. Blumenpolype. (Fr. polype à bouquet,) Stirps ramosa, po - lypis terminalibus ore contractili (ple - risque ciliato).
Die Blumenpolypen leben an einem gemein - schaftlichen Stamme als Aeste, da eine solche Colonie dem bloßen Auge wie ein Kügelchen Schimmel vorkömmt, das aber bey der min - desten Erschütterung für einen Augenblick ganz zusammen fährt, und zu verschwinden scheint.
1. †. Anastatica. B. stirpe multifida, flori - bus campanulatis.
(tab. 1. fig. II.)
Diese überaus zarten kleinen Thierchen pflan - zen sich auf die einfachste Weise durch Theilung fort (§. 20. S. 30).
83. Vorticella. Afterpolype. Corpus nudum, simplex, vagum.
Die mehresten Afterpolypen leben gesellig, so daß oft tausende derselben beysammen sind, und dann fast das Ansehen von Schimmel haben. Ich habe selbst lebendige Wassermolche längs dem Rücken mit unzähligen dieser Thiere dicht überzogen gesehen.
4831. †. Stentorea. (hydra stentorea Linn.) V. cor - pore infundibuliformi, tentaculis ciliaribus.
Rösel tab. 94. fig. 7. 8.
2. †. Rotatoria. das Räderthier. (Engl. the wheel-animal. ) V. corpore pellucido, ten - taculis rotatoriis ciliatis.
(tab. 1. fig. 12.)
Dieses überaus sonderbare microscopische Thier - chen findet sich in stehenden Wassern und man - cherley Infusionen, schwimmt überaus behende, verändert dabey fast alle Augenblicke seine Ge - stalt; soll Jahre lang im Trocknen für todt liegen können, und doch nachher in jedem Tropfen Wasser wieder aufleben ꝛc. Der dunkele Körper in seinem Vorderleibe, den Herr Fontana, Spallanzani u. a. seiner willkürlichen Bewe - gung ungeachtet fürs Herz gehalten haben, ist, wie ich mich genau überzeugt zu haben glaube, ein zum Speisecanal gehöriges Organ, und kein Herz.
84. Vibrio. Corpus liberum, teres, elongatum.
1. †. Aceti. der Eßigaal. V. subrigidus, cauda longiore tenuiore acuminata: mucrone re - tractili ad basin prominente.
Goeze im Naturforscher XVIII. tab. 3. fig. 12. u. f.
Dieser im Eßig. Eine verwandte Gattung in altem Buchbinderkleister.
85. Thalia. Corpus liberum, oblon - gum, gelatinosum, diaphanum. Tu - bus alimentarius distinctus. Tenta - cula nulla.
4841. Lingulata. Th. corpore oblongo, depresso, antice in apicem acutum desinente.
Abbild. n. h. Gegenst. tab. 30.
Im atlantischen Ocean. Der seel. Dr. Förster, der diese u. a. Gattungen von Thalien lebendig ge - sehen und untersucht hat, hielt sich überzeugt, daß sie nicht zu den molluscis, sondern als ein eig - nes Geschlecht hierher zu den Zoophyten gehören.
86. Volvox. Corpus liberum, rotun - datum, gelatinosum, gyratile. Tubus alimentarius nullus.
1. †. Globator. das Kugelthier. V. globosus, superficie granulata.
Rösel tab. 101. fig. 1-3.
Ein kleines Kügelchen, von gelber, grüner, oder andrer Farbe, das sich ohne alle sichtbare Bewegungswerkzeuge doch im Wasser fortwälzt und umher dreht. Man kann die Nachkommen - schaft schon im Leibe der Erwachsenen bis ins vierte Glied erkennen.
87. Chaos. Corpus liberum ........... (generi polymorphon, speciebus uniforme.)
Wir fassen der Kürze wegen mit Linné, zum Beschluß der ganzen Thiergeschichte unter diesem Geschlechtsnahmen die unzählbaren, dem bloßen Auge unsichtbaren Geschöpfe zusammen, wovon sich manche Gattungen schon im See - und süßen Wasser, andere erst im Aufguß von allerhand thierischen und vegetabilischen Substanzen (daher diese dann Infusionsthierchen heißen), und noch andere im reifen Samen männlicher Thiere finden.
485Hiernach lassen sie sich füglich in drey Fami - milien abtheilen, deren jede aber zahlreiche Gat - tungen begreift:
A) Aquatile.
Die im See - und stagnirenden süßen Wasser. (– zumahl in solchem, worin die Priestleysche so genannte grüne Materie*)S. Ingen-Houß vermischte Schriften 2. Aufl. Wien 1784. 8. II. B. S. 127 u. f. tab. 2. vegetirt –).
B) Infusorium.
Die eigentlich so genannten Infusionsthierchen.
C) Spermaticum.
Die Samenthierchen, wovon die im männ - lichen Samen des Menschengeschlechts befindliche Gattung tab. 1. fig. 13. stark vergrößert abge - bildet ist.
Wir kommen zum zweyten Reiche belebter oder organisirter Körper, nähmlich zu den Ge - wächsen, die sich nach den oben (§. 3 und 4.) festgesetzten Begriffen schon dadurch von den Thieren auffallend unterscheiden, daß sie ihren sehr homogenen Nahrungssaft ohne irgend merk - liche, willkürliche Bewegung, und zwar haupt - sächlich durch die Wurzel einsaugen, die daher auch unter allen äußern Theilen der Pflanzen bey weiten der allgemeinste ist, worin sie (höchstens bis auf einige äußerst wenige Aus - nahmen des Nostocks, der Trüffeln ꝛc. ) sämmt - lich mit einander überein kommen.
Uebrigens ist die Bildung der Gewächse überhaupt auch darin von der der allermehresten Thiere ihrer verschieden, daß ihr Wuchs, be - sonders aber die Anzahl ihrer einzelnen Theile, der Aeste, Blätter, Blüthen ꝛc. nicht so be - stimmt, sondern im Ganzen ungleich verän - derlicher ist. *)Extensio minus definita. 487
Um so einförmiger scheint hingegen ihr in - nerer Bau, als welcher nichts von alle dem zeigt, was man mit den, für die thierische Oekonomie so wichtigen, eigentlich so genannten Eingeweiden, noch auch mit Nerven oder mit wahren Muskeln, mit Knochen ꝛc. vergleichen könnte: sondern es reducirt sich ihre Organisa - tion am Ende nur auf einige Arten von eigent - lich so genannten Gefäßen (Adern) und auf das dazwischen liegende Zellgewebe.
Dieses, das Zellgewebe, hat seinen Nah - men mit mehrerem Rechte als das ihm übri - gens ziemlich analoge Schleimgewebe der Thiere, da es, wenigstens in vielen Theilen der Ge - wächse, ein wirklich zellulöses Gefüge zeigt. Es ist zumahl im so genannten Mark mancher Gewächse deutlich zu erkennen, und enthält häufig einzelne dazwischen vertheilte größere Bläschen (vtriculi).
Die eigentlich so genannten Gefäße (§. 160.) lassen sich nach Verschiedenheit des Stoffes, den sie führen, im Ganzen auf zwey Hauptclassen bringen, nähmlich:
A) Saftgefäße (vasa succosa), so tropf - bare Flüssigkeiten enthalten, und
488B) Luftröhren (vasa pneumatophora oder tracheae) in welchen permanent-elastische Fluida (Gasarten) befindlich sind.
Jene Saftgefäße sind selbst schon nach Verschiedenheit ihrer Textur und der Richtung, nach welcher die in ihnen enthaltenen Säfte zu - oder abfließen, von mancherley Art. Beson - ders merkwürdig sind darunter die wegen ihres sonderbaren Laufs so genannten zuführenden Spiralgefäße, mit welchen nähmlich die ge - dachten Luftröhren (fast wie die besponnenen Saiten) spiralförmig überwunden sind*)Also (den spiralförmigen Lauf abgerechnet) gewis - sermaßen so, wie die Bronchialzellen der Lungen mit den zahllosen, äußerst feinen Netzen von Blut - gefäßen umgeben werden. – Uebrigens zeigt sich zwischen den mancherley Saftgefäßen keine solche Verbindung, daß ein wahrer Kreislauf der Säfte, wie bey allen rothblüthigen und so vielen weißblütigen, darin unterhalten werden könnte.
Aus der einförmigen Identität jener weni - gen organischen Bestandtheile der Gewächse (ihrer so genannten partium similarium) er - klärt sich die leichte Umwandlung der daraus zusammengesetzten Theile (der partium dissi - milarium) in einander; der Blätter z. B. in489 den Kelch oder in die Krone der Blüthe, zu - mahl bey gefüllten Blumen ꝛc. *)S. des Hrn. Geh. Rath von Goethe Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären. Gotha, 1790. 8.; auch daß man Bäume umgekehrt in die Erde pflanzen und dadurch ihre Aeste in Wurzeln und diese hingegen in belaubte Aeste umwandeln kann. **)Herr Marcellis hat auf seinem Landgute, Vogel - sang, am leidner Kanal den Harlem, eine ganze Linden-Allee auf diese Weise gepflanzt.
Die aus jenen organischen Bestandtheilen zusammengesetzten besondern Theile der Pflan - zen, und ihre Geschäfte lassen sich am füglich - sten in die zur Selbsterhaltung und in die zur Fortpflanzung gehörigen, abtheilen. Von je - nen zuerst.
Die Pflanzen ziehen die zu ihrer Selbster - haltung nöthigen Stoffe theils aus der Atmo - sphäre, theils aus dem Wasser oder dem damit getränkten Boden. – Aus jener saugen sie Nahrung mittelst der unter ihrer Oberhaut, zu - mahl auf den Blättern, in unsäglicher Menge verbreiteten absorbirenden Gefäße: aus dem Wasser aber mittelst der alljährlich neurepro - ducirten Wurzelzasern, womit die allermehr - sten unmittelbar in der Erde; manche aber490 (wie z. B. der Mistel, die Flachsseide, die Vanille ꝛc. ) als so genannte Schmarotzer Pflan - zen (plantae parasiticae) an andern Ge - wächsen*)Auch gibt es Pflanzen, die in der Erde eingewur - zelt zu seyn scheinen, und doch mit ihren Wurzel - zasern immer an den Wurzeln gewisser anderer be - nachbarten Pflanzen ansitzen, und sich durch diesel - ben nähren. So z. B. die hyduora africana an der euphorbia mauritanica u. a. – S. schwed. Abhandl. XXXIX. B. S. 132. festsitzen; da hingegen noch andere, wie die Wasserlinsen (s. §. 3. Anm.) bloß auf dem Wasser schwimmen.
Uebrigens kommt es bey aller dieser schein - baren Verschiedenheit des Aufenthalts der Ge - wächse im Grunde doch immer darauf hinaus, daß ihnen in allen diesen Fällen das Wasser, sey es nun in tropfbar flüssiger Form oder in Dünste aufgelöst, als Vehikel dient, wodurch ihnen die Kohlensäure zugeführt wird, welche nach Ingen-Housz's Untersuchungen**)S. Voigts neues Magazin, für Naturkunde. I. B. 2tes St. 1798. S. 101. u. f. den Hauptnahrungsstoff der Pflanzen ausmacht. Und so wird begreiflich, wie sich Gewächse, die sonst mit ihren Wurzelzasern in der Erde sitzen, nicht nur, wie Hyacinthenzwiebeln, auf bloßem Wasser oder Kresse auf angefeuchtetem Flanell ziehen lassen: sondern manche andere, wie das Hauslauch auf den Dächern, und so viele eben491 so saftvolle Pflanzen der dürresten, heißesten Erdstriche, z. B. die Agaven, Aloën, Cactus - gattungen ꝛc. auch bloß durch Einsaugung aus der Atmosphäre für lange Zeit hinlängliche Nahrung erhalten können. *)S. z. B. das Epidendrum flos aëris in Cochinchina. s. Jo. de Loureiro flora Cochinchinens. T. II. pag. 525. „ mirabilis huius plantae proprietas est, quod ex syluis domum delata, et in aëre libero su - spensa, in multos annos duret, crescat, floreat, et germinet. Vix crederem, nisi diuturna expe - rientia comprobassem. “
Die allgemeinsten äußern Nutritions - oder eigentlich Ingestions-Organe der Pflanzen, die Wurzelzasern, treiben bey vielen Gewächsen gleich über der Erde die Blätter aus; bey andern aber treten sie vorher erst in einen Wur - zelstrunk und dieser wird dann bey vielen in einen Stamm oder Stängel, Halm (wie man es bey manchen Pflanzen nennt) verlän - gert, der aber im Grunde meist die gleiche Structur, wie der Wurzelstrunk selbst, behält. Zu äußerst nämlich sind beyde mit einer feinen Oberhaut bedeckt, unter welcher die Rinde und der Bast (liber) liegt, welcher letztere fast ganz aus den thätigsten Saftgefäßen be - steht, und daher für die Erhaltung der Pflanze einer der allerwichtigsten Theile ist. Weiter hinein liegt die holzichte Substanz, und dann theils zwischen dieser, theils aber auch besonders492 längs der Mitte des Stammes, das so ge - nannte Mark, welches letztere aber mit zuneh - mendem Alter an Menge abzunehmen und gleichsam zu schwinden pflegt.
Bey den Stauden und Bäumen wird da, wo das Holz außen an die Rinde stößt, durch Verhärtung (oder Verholzung) der aubgedien - ten Saftgefäße des Bastes alljährlich eine oder eigentlich zwey neue Holzlagen nämlich der Splint (alburnum) erzeugt, daher man be - kanntlich aus der Anzahl dieser concentrischen Lagen ungefähr das Alter der Stämme schätzen kann.
Der Stamm theilt sich mehrentheils in Aeste, dieser wieder in Zweige, an welchen endlich die Blätter ansitzen, die doch im Grunde aus den gleichen Theilen, wie die Wurzel oder der Stamm, zusammengesetzt sind; indem man auch an ihnen Oberhaut, Rinde, holzige Sub - stanz und markiges Zellgewebe unterscheiden kann. Letzteres liegt in der Mitte des Blatts, zwischen dem (meist doppelten) holzigen Netze, von welchem man durch Einbeitzen u. a. Hand - griffe die übrigen Theile absondern und da - durch die so genannten Blätter-Scelete verfer - tigen kann. Dieses holzige Netz ist auf beyden493 Seiten des Blatts mit einer besondern Haut überzogen, die man insgemein die Cutikel nennt, die aber noch von dem eigentlichen Oberhäutchen, was endlich zu alleräußerst die Blätter überzieht, gar sehr verschieden, und vorzüglich mit absorbirenden Gefäßen (§. 166.) durchzogen ist.
Diese Organisation der Blätter wird um so merkwürdiger, je größer und wichtiger die Functionen derselben für die damit versehenen Gewächse sind. Sie dienen ihnen nämlich vorzüglichst zur Unterhaltung des so genannten phlogistischen Prozesses, der bey den Thieren hauptsächlich durchs Einathmen des respirabeln Theils der Luft oder seiner Grundlage, des Sauerstoffs, vollzogen, bey den Pflanzen aber wohl hauptsächlich durch die obgedachte sonder - bare Verbindungsart ihrer Spiralgefäße mit den Luftröhren (§. 163.) bewirkt wird.
Denn auch den Gewächsen ist dieses respi - rable Gas oder seine Grundlage zum Lebens - unterhalte unentbehrlich; besonders um (wie es Ingen-Housz's Untersuchungen mehr als wahrscheinlich machen) sich dadurch in ihrem belebten Labora - torium ihren Hauptnahrungsstoff, die Kohlen - säure (§. 167.) zu bereiten; wovon sie hernach494 den Ueberfluß als kohlengesäuertes Gas wie - der ausdunsten. *)Die wichtigen Folgerungen, die dieser scharfsin - nige Naturforscher daraus für practische Land - wirthschaft gezogen, s. in Voigts neuem Magazin a. a. O. – und Nachricht von einigen Versuchen, die ich aus dieser Rücksicht angestellt, in 3. St. desselb. Bandes. S. 126 u. f.
Dieser wichtige Prozeß wird, zumahl in der Dunkelheit, in seiner größten Stärke be - trieben. Bey Tage hingegen, und vollends im Sonnenscheine gehet er langsamer von Stat - ten; daher die Pflanzen alsdann weniger Koh - lensäure bereiten und verbrauchen; und dagegen während der Zeit aus ihren Blättern Sauer - stoffgas, den respirabeln Theil der atmosphäri - schen Lust, entbinden**)J. Ingen. Housz's Experiments upon vegetables. Lond. 1779. 8..
Inzwischen sind doch die Blätter, diese so wichtigen Organe bey den mehresten Gewächsen der kältern Himmelsstriche, ein vergänglicher Schmuck, womit sie bloß den Sommer hin - durch versehen sind, der hingegen mit Annähe - rung des Winters vertrocknet, welkt und theils abfällt. Daß dieses Entblättern hauptsächlich durch den Frost bewirkt werde, der die Ge -495 wächse in ihren Winterschlaf versenkt, und so wie bey den Thieren den Lauf ihrer Säfte ver - zögert, die Gefäße zusammen zieht, so daß die Blätter nun an ihrer sonstigen Verrichtung gehindert werden und absterben, wird dadurch wahrscheinlich, weil die Gewächse der heißen Zonen (bis auf wenige Ausnahmen) diesem Ab - fallen des Laubes nicht so ausgesetzt sind: und weil auch selbst in den kältern diejenigen Pflan - zen, die ein sehr festes harzreiches Blatt haben, wie z. B. die mehresten Tangel - oder Nadel - hölzer, der Epheu, die Mehlbeeren (vacci - nium vitis idaea), das Heidekraut, der Bux - baum u. s. w. dasselbe den Winter über grün behalten.
Anm. So wie es aber hinwiederum Thiere gibt, die gerade im Winter am lebhaftesten sind, sich da paaren ꝛc. so gibt es auch manche Pflanzen, die dann am stärksten vegetiren, wie die schwarze Nieswurzel, die Zeitlosen, Schneeglöckchen ꝛc.
Bey vielen Gewächsen ist es auffallend, wie sich ihre Blätter und bey manchen die Blüthen des Abends zusammen legen oder doch niedersenken, und sich gleichsam zur Ruhe be - geben, und in Schlaf fallen. Es rührt dieß nicht etwa bloß von der kühlen Abendluft her, denn es erfolgt im Treibhause eben so gut wie im Freyen: auch nicht bloß von der Dunkel - heit, denn manche Pflanzen schlafen schon im Sommer des Nachmittags ein: ja, so wie die496 animalia nocturna (§. 31.) den Tag zum Schlaf verwenden, so ist dieß auch der Fall mit den Blüthen einiger Pflanzen, z. B. des cactus grandiflorus, mesembryanthemum nocti - florum, der hesperis tristis ꝛc. – Sondern es scheint dieß ein Bedürfniß einer periodischen Erhohlung zu seyn, gewisser Maßen wie der Schlaf der Thiere.
Außerdem zeigen auch noch viele Pflanzen verschiedene andere Arten von eigenthümlicher Bewegung; wohin z. B. meist bey allen ihr Zug nach dem ihnen aus so vielfache Weise so äußerst wohlthätigen Lichte gehört, als welcher Zug bey weitem nicht bloß an den Sonnenblu - men, sondern fast an allen Gewächsen zu merken ist: zumahl in Treibhäusern, wo sich oft die Blüthen so sehr nach der Hellung an die Glas - fenster drängen, als ob sie dawider gepreßt wären. *)Ein Beyspiel statt vieler von der Stärke dieses Zugs nach dem Lichte: – In einem Keller, in welchem Wurzelwerk über Winter aufbewahrt worden, und der nur oben an einer Seite ein kleines Lichtloch hatte, war beym Ausräumen im Frühjahr unten in einem entgegengesetzten Winkel eine Kartoffel liegen geblieben, die nun einen Auslaufer getrieben hatte, der erst 20 Fuß weit auf dem Boden hin, dann an der Wand in die Höhe und so gerade nach dem Lichtloche fortge - rankt war. – S. die Memoirs of the American Academy of arts and sciences zu Boston, Vol. II. P. I. pag. 147.Ferner bewegen sich manche Theile497 gewisser Gewächse sehr lebhaft, wenn sie be - rührt werden; wie z. B. die Blätter und Zweige des Fühlkrauts (mimosa pudica), oder der auerrhoa carambola, oder die vordern Blatt - ansätze der Venus-Fliegenfalle (dionaea muscipula), welche, wenn sich auch nur eine Mücke darauf setzt, augenblicklich zusammen - klappen und das Insect zerdrücken.
Besonders merkwürdig ist aber die theils ausnehmend lebhafte Bewegung, die zur Be - fruchtungszeit an den Geschlechtstheilen in vie - len Zwitterblüthen bemerkt wird; da z. B. die Staubfäden der gemeinen Berberis, wenn sie auf ihrer innern Seite (wo sie nach den Frucht - knoten hingerichtet sind) berührt werden, (wenn sich z. B. ein Insect auf die Blüthe setzt, um den Honigsaft aus dem Boden derselben zu ziehen) einwärts schnellen und ihre männlichen Staubbeutel gegen die weibliche Narbe treiben, und dadurch ihre Befruchtung bewirken.
So auffallend inzwischen alle diese Bewe - gungen sind, und so sinnliche Beweise sie von der Thätigkeit der Lebenskräfte in den Ge - wächsen abgeben, so unterscheiden sie sich doch bey genauer physiologischer Prüfung aufs deut - lichste von dem ausschließlichen Eigenthume der498 Thiere, nämlich der willkürlichen Bewegung, als von welcher auch bey den, wegen ihrer Bewegung, berufensten Pflanzen (wie z. B. beym hedysarum gyrans) keine echte Spur zu erkennen ist.
Anm. – Wenigstens kenne ich kein einziges Thier, das seine Nahrung ohne willkürliche Bewegung, und hingegen keine einzige Pflanze, die die ihrige mittelst derselben zu sich nähme!
Aus den gedachter Maßen von den Gewäch - sen eingesogenen und assimilirten Nahrungsstof - fen werden nun die ihnen eigenen specifiken Säfte abgeschieden, da z. B. manche einen milchigen, theils ätzenden Saft enthalten; an - dere Gummi geben; verschiedene Bäume, zu - mahl unter den Nadelhölzern, im höhern Alter Harz bereiten. Andere Pflanzentheile enthalten Mehl, Zucker, Manna, Wachs, fette und äthe - rische Oele, Kampfer ꝛc. Einige wenige das so genannte Federharz (cahutchuc) u. s. w.*)Zu den allerauffallendsten Producten des Secre - tionsgeschäfts der Gewächse gehört wohl das längst berühmte, aber erst neuerlich recht unter - suchte Tabaschir, eine meist milchblaue, an den Kanten durchscheinende, halbharte, spröde Sub - stanz, die sich zuweilen in einzelnen Absätzen des499 Bambusrohrs findet, und sowohl im äußern An - sehen, und daß sie im Wasser durchsichtig wird, als auch sogar in Rücksicht ihrer Bestandtheile, dem mineralischen Hydrophan oder Weltauge ähnelt. – S. Dr. Patr. Russel und Jac. L. Macie in den philosoph. Transact. Vol. LXXX und LXXXI..
Anm. Hierher gehören auch die specifiken Ausdünstun - gen gewisser Pflanzen, wie z. B. die harzigen entzündbaren des weißen Diptams ꝛc. –
Daß aber diese verschiedenen Säfte durch mancherley Abscheidungen (secretiones) und Veränderungen der eingesogenen Nahrungssäfte in den Gewächsen selbst bereitet werden müssen, erhellet schon daraus, weil im gleichen Erdreich und auf demselben Gartenbeete die Raute ihre bittern, der Sauerampfer seine sauren und der Lattich seine kühlenden Säfte erhält; und weil selbst die Säfte in den verschiedenen Theilen ein und eben derselben Pflanze, ja in einer und eben derselben Frucht, dennoch so äußerst ver - schieden seyn können.
Freylich aber trägt auch allerdings die Ver - schiedenheit des Bodens und des Climas zur verschiedenen Beschaffenheit der Säfte in den Pflanzen vieles bey: daher denn eines Theils manche in fremden Boden verpflanzte Gewächse so wie in ihrer Bildung so auch in der Beschaf - fenheit ihrer Säfte, verändert werden, dadurch von ihren Kräften verlieren ꝛc. andere hingegen eben dadurch noch gewinnen und veredelt werden.
Ueberhaupt nährt fast jeder Boden seine be - stimmten, ihm angemessenen Pflanzen, so daß man zuweilen schon aus den einheimischen Ge - wächsen einer Gegend die Beschaffenheit ihres Bodens errathen kann; doch hat die Vorsehung manchen, für das Menschengeschlecht allerwich - tigsten Gewächsen den großen Vorzug verliehen, sich entweder leicht an jedes fremde Clima zu gewöhnen, so daß z. B. die schwächlich schei - nenden Getreidearten ꝛc. besser als Eichen u. a. noch so robust aussehende Bäume in ganz ver - schiedenen Himmelsstriche; die aus Chili ab - stammenden Kartoffeln nun in allen fünf Welt - theilen fortkommen ꝛc. ; oder, wenn sie auch an ein bestimmtes Clima gebunden sind, doch daselbst in jeder Art von Boden gedeihen, wie z. B. die Cocospalme, die eben so üppig im steinigen und Sandland als im fetten Erd - reich vegetirt.
Anderseits ist aber auch auffallend, daß gewisse Länder (wie z. B. das Cap und Neu - holland) eine so große Mannigfaltigkeit von recht ausgezeichneten Pflanzen-Geschlechtern ausschließlich hervorbringen, und dagegen an - sehnliche Ordnungen von Gewächsen großen Erdstrichen gänzlich abgehen. So hat der heiße Erdgürtel fast keine Kohl - und Rüben -501 arten. So finden sich aus den westindischen Inseln vergleichungsweise wenige Moose (musci frondosi) und hingegen desto mannigfaltigere Farnkräuter ꝛc.
Endlich ist auch noch die Verschiedenheit in Rücksicht der Vegetation der Gewächse an - merkenswerth, die ebenfalls im Thierreich, zu - mahl bey den Insecten, Statt hat, daß nähm - lich manche nur isolirt und einsam leben, da hingegen andere dicht beysammen bleiben und theils (wie die gemeine Heide) große Erd - striche, oder (wie das Sargasso) weite Mee - resstrecken überziehen.
Wir kommen zur Fortpflanzung der Ge - wächse, deren mannigfaltige Arten sich im Ganzen doch auf drey Hauptwege zurückbringen lassen. Auf die Fortpflanzung durch Wurzeln oder Zweige; zweytens durch Augen; und endlich durch Samen.
Die erste Art der Propagation, nähmlich durch Zweige, von der wir auch schon im Thier - reiche bey den Polypen und sonst einige Spuren bemerkt haben, ist im Pflanzenreiche desto gewöhnlicher. Manche Gewächse nähmlich ver -502 mehren sich von selbst auf diese Weise. Bey vielen andern hat es die Kunst durch Absenken oder Ablegen nachgeahmt. Es gibt z. B. eine Art Feigenbaum (der Banianbaum, ficus indica) dessen Zweige herab hangen, und sobald sie den Boden berühren, von selbst Wurzel schlagen; so daß ein einziger solcher Baum mit der Zeit ein kleines Wäldchen, dessen Stämme oben durch Bogen verbunden sind, vorstellen könnte.
Anm. Einige Meilen von Patna in Bengalen steht ein solcher Banianbaum von 50 bis 60 zusammen - hängenden Stämmen, der auf 370 Fuß im Durch - schnitt, und sein Schatten den er Mittags wirft, über 1100 Fuß im Umfang hält.
Anders ist hingegen die zweyte Fortpflan - zungsart, durch Augen. So nennt man nähm - lich die kleinen Knöspchen, die im Herbste an den Bäumen, da wo die Blattstiele ansitzen, zum Vorschein kommen, aber bey den mehre - sten erst im folgenden Frühjahr sich öffnen und ausschlagen. Sie finden sich meist nur an den Bäumen der kältern Erdstriche, und fallen bey einigen von selbst ab: keimen auch, wenn man sie vorsichtig säet wie ein Same auf. Man kann bekanntlich diese Augen andern Stämmen inoculiren, oder auch das davon ausgeschossene Reis einpfropfen.
Sehr viel Aehnliches mit den Augen haben die Zwiebeln, nur daß die Augen am Stamm der Bäume und also über der Erde, die eigent - lichen an lilienartigen Gewächsen befindlichen Zwiebeln aber unter der Erde unmittelbar an der Wurzel entstehen; bey jenen der Stamm fortlebt und den Augen Nahrung gibt bey diesen hingegen das Uebrige der alten Pflanze bis auf Wurzel und Zwiebel im Herbste abstirbt.
Weit allgemeiner aber, als alle diese Fort - pflanzungswege und beynahe im ganzen Pflan - zenreiche verbreitet, ist endlich die dritte Art (§. 185.) mittelst der Blüthe, die darnach zum Theil zur Frucht oder auf andere Weise zu Samen reift. Diese nähmlich, sie mag übri - gens gestaltet seyn wie sie will, sie mag einzeln stehen oder mehrere zusammen in einer Traube oder Aehre oder Kätzchen ꝛc. verbunden seyn, enthält in ihrer Mitte auf dem so genannten Fruchtboden (receptaculum), verschiedene ausgezeichnet gebildete Theile, von welchen einige männlich, andere weiblich sind; und diese müssen, wenn die Zeit der Fortpflanzung her - bey gekommen ist, von jenen befruchtet werden. In Rücksicht ihrer Bestimmung und Verrich - tung haben also diese vegetabilischen Organe viele Aehnlichkeit mit den Zeugungswerkzeugen504 der Thiere. Doch unterscheiden sie sich schon dadurch sehr auffallend, daß sie den Gewächsen nicht so wie den Thieren angeboren und lebens - lang bleibend sind, sondern daß sich zu jeder neuen Zeugung auch jedes Mahl neue Werk - zeuge bilden müssen.
Anm. Was oben (§. 136.) gesagt worden, daß man das Leben vieler Insecten durch verzögerte Paa - rung verlängern könne, findet gewisser Maßen auch bey den Blüthen vieler Gewächse Statt. Die Geschlechtstheile im weiblichen Hanf z. B. halten sich lange, wenn sie nur von keinem Blumenstaube des männlichen befruchtet werden. Sobald dieß geschehen, welken sie dahin.
Die weiblichen Theile liegen meist in der Mitte; werden der Staubweg (pistillum) genannt, und bestehen aus dem Fruchtknoten (germen), dem Griffel (stylus), und der Narbe (stigma). Der Fruchtknoten sitzt ent - weder mit den übrigen Theilen innerhalb der Blumenblätter (germen superum), oder wie bey der Rose, bey den Aepfeln ꝛc. unten außer - halb derselben (germen inferum): und ent - hält immer die Samenkörner der Pflanze, daher man diesen Behälter gewisser Maßen mit dem Eyerstock der Thiere vergleichen kann. Der hohle Griffel sitzt auf diesem Samenbe - hälter, und bis Narbe endlich zu oberst auf dem Griffel, so daß sie durch den Griffel mit505 dem Fruchtknoten verbunden ist, und alle drey eine gemeinschaftliche Höhlung ausmachen.
Um diese weiblichen Theile sitzen nun die männlichen oder die Staubfäden (stamina) herum: und bestehen aus dem Faden (fila - mentum), und dem darauf ruhenden Staub - beutel (anthera). Dieser letztere ist mit einem mehligen Staub überzogen, der aber (wie man unter einer starken Vergrößerung sieht) eigentlich aus zarten Bläschen besteht, die bey vielen Pflanzen eine überaus sonderbare Bildung haben, und ein unendlich feineres, duftiges Pulver enthalten, welches seiner Be - stimmung nach mit dem männlichen Samen der Thiere verglichen zu werden pflegt.
Bey der Befruchtung fällt jener Blumen - staub auf die weibliche Narbe: scheint da sich zu öffnen, und sein duftiges Pulver zu ver - schütten, welches dann vermuthlich durch den Griffel in den Fruchtknoten dringt und die da - selbst vorräthig liegenden, bis dahin aber un - fruchtbar gewesenen Samenkörner fecundirt. Wenn man die Blüthe vor der Befruchtungs - zeit eines dieser wesentlichen Theile beraubt, so wird sie dadurch, so gut als ein verschnittenes Thier, unfruchtbar.
Bey den mehresten Gewächsen sind diese beyderley Geschlechtstheile in der gleichen Blüthe, die folglich zwitterartig ist (§. 20. S. 31.), ver - bunden. Bey einigen hingegen in verschiedenen Blüthen, wovon die einen bloß männlichen, die andern bloß weiblichen Geschlechts, aber doch am gleichen Stamme befindlich sind, ge - trennt (Monoecia Linn.), wie z. B. bey der Haselstaude, Wallnußbaum, Gurken, Brotbaum ꝛc. Andere Gewächse, wie z. B. der Ahorn, die Esche ꝛc. haben gar dreyerley Blüthen, bloß männliche, bloß weibliche, und überdem auch Zwitterblüthen (Polygamia). Bey noch andern aber, wie z. B. beym Hanf, Hopfen u. s. w. sind die beyden Geschlechter in den Pflanzen selbst, so wie bey allen rothblü - thigen und vielen andern Thieren abgesondert: so daß die eine Pflanze bloß männliche, eine andere aber, die übrigens von dergleichen Art ist, bloß weibliche Blumen trägt: und die Blüthen des weiblichen Stammes nicht anders befruchtet werden, als wenn der Blumenstaub von der männlichen Pflanze durch den Wind oder durch Insecten oder auch durch die Kunst ihnen zugeführt worden ist (Dioecia Linn.)
Unter den übrigen, nicht ganz so allge - meinen, Theilen der Blüthe ist besonders der507 doch bey den mehresten befindliche Blumen - kelch (calyx), und die so genannten nectaria, aus deren Saft die Bienen vorzüglich ihren Honig ziehen (S. 373), zu merken. Ueber - haupt aber theilt man die Blüthen nach ihrer Bildung und nach der Lage ihrer Theile in regelmäßige und irreguläre. Bey jenen nähm - lich sind alle einzelnen Theile derselben Art, z. B. die Blumenblätter ꝛc. von gleicher Gestalt, Größe und Verhältniß; bey diesen hingegen von un - gleicher Proportion.
Bey den vollkommenern oder eigentlich so - genannten Moosen (musci frondosi etc. ) ist, wie die wichtigen Entdeckungen des seel. Hed - wig gelehrt haben, die Aehnlichkeit der Be - fruchtungswerkzeuge mit denen bey andern Ge - wächsen weit größer, als man vorher geglaubt hatte. Das saubere, fast becherförmige Köpf - chen (capitulum) derselben, enthält gleichsam als Fruchtknote (§. 190.) die kleinen Samen - körnchen; die mittelst des kleinen spitzigen Hutes (calyptra), der die Stelle des Griffels und der Narbe vertritt, von dem männlichen Blu - menstaube besonderer, theils rosen - oder stern - förmiger Theile befruchtet, und nachher aus - geschüttet werden.
Bey den einfachsten Aftermoosen hingegen, die bloß im Wasser leben, wie bey den Tremel -508 len, Ulven, Conferven, und beym See-Tang (fucus) ist die Fortpflanzungsart wohl sehr verschieden, obschon bey den wenigsten noch genau genug untersucht; bey manchen aber, wie z. B. bey der oben erwähnten Brunnen - conserve (– s. oben S. 18. und 32 –), zur Bewunderung einfach. (Abbild. n. h. Ge - genst. tab. 49. –)
Noch weniger aufgeklärt ist bis jetzt die Fortpflanzungsweise der Pilze, Pfifferlinge, der Trüffeln ꝛc. und des Schimmels, deren ganze Naturgeschichte annoch viel räthselhaftes Dunkles hat*)Dr. Persoon ist geneigt, dieselben für Pflan - zen zu halten, die sich bloß als nackte Fructifi - cationstheile darstellen. – S. Voigts Magazin VIII. B. 4. St. S. 80 u. f..
Bey den vollkommnern, im eigentlichen Sinne blühenden Gewächsen fallen nach der Befruchtung die übrigen nun überflüssigen, Theile der Blüthe ab (§. 189.): der beschwän - gerte Fruchtknote aber fängt an aufzuschwellen, und seinen theils erstaunlich zahlreichen Samen nach und nach zur Reise zu bringen.
Die Bildung sowohl der verschiedenen Sa - menkörner selbst*)Jos. Gaertner de fructibus et seminibus plantarum. Stutg. 1788-91. II. vol. 4., als auch der Gehäuse, worin sie eingeschlossen sind, ist eben so man - nigfaltig als der Blüthen ihre, und in Rücksicht auf ihre weite Verbreitung**)G. Rösels Insecten-Belustigungen II. B. Vorrede. zu den Wasser-Insecten der zweyten Classe. und auf ihr weiteres Bekleiben ꝛc. der Erhaltung der Gat - tungen aufs weiseste angemessen. Auch ist der bekannte Trieb merkwürdig, womit die Samen bey jeder Lage, die sie im Boden erhalten, dennoch, wenn sie aufkeimen, alle Mahl die ersten Wurzelzäserchen oder das so genannte Schnäbelchen (rostellum) unter sich, und hin - gegen den Blattkeim (plumula) über sich treiben***)S. merkwürdige Versuche hierüber bey Jo. Hunter on the blood, inflammation, and gun-shot wounds pag. 237.. Zur allerersten Ernährung des neuen Pflänzchens dienen ihm dann die Sa - menlappen oder Kernstücke (cotyledones), die vorher die Hauptmasse des Samenkerns aus - machten.
Viele Samen sind in eine holzartige, aber theils noch weit härtere Schale eingeschlossen, die, wenn sie von beträchtlicher Größe und510 Härte ist, eine Nuß genannt wird: und wenn die bloßen Samenkörner unmittelbar mit einem saftreichen Zellgewebe oder so genannten Fleische überzogen sind, so heißt dieß eine Beere. (– sey sie übrigens noch so groß und an einem großen Baume, wie z. B. die Brotfrucht –). Zuweilen liegen auch die bloßen Samenkörner von außen auf dem großgewachsenen fleischigen Fruchtboden auf, wie bey den Erdbeeren, die folglich, genau und bestimmt zu reden, nicht sollten Beere genannt werden.
Besonders machen die Obstbäume eine eigene und sehr ansehnliche Familie von Ge - wächsen aus, deren Frucht entweder, wie bey den Birnen, Aepfeln und Quitten, ein Kern - haus oder Kröbs einschließt, die dann Kern - früchte (und die Bäume dieser ganzen Ordnung pomaceae) heißen; oder aber, wie bey den Pflaumen, Kirschen, Abrikosen und Pfirschen, eine Nuß enthält, die dann Steinfrüchte (die Bäume drupaceae) genannt werden.
Die Ursachen der Degeneration (§. 15. 16. ) scheinen bey den Gewächsen leichter als bey den Thieren auf den Bildungstrieb wirken, und ihm eine abweichende veränderliche Richtung geben zu können: daher viele theils in ihrer511 ganzen Bildung, besonders aber in Rücksicht der Blüthe und der Frucht in so zahlreiche Spielarten ausgeartet sind. So zählt man z. B. jetzt auf drey tausend Varietäten von Tu - lipanen, wovon doch vor 200 Jahren bloß die gelbe Stammart in Europa bekannt war. – So ist der Stängel (§. 168) bey manchen Pflanzen bloß Folge der Degeneration, den sie erst im cultivirten Zustande treiben, da sie hingegen im wilden Naturstande acaules sind (z. B carlina acaulis u. a.m.). Anderseits verlieren manche Gewächse durch die Cultur gewisse Theile, die sie im Naturzustande hatten. So wird z. B. die indische wilde Lawsonia spinosa in Syrien durch die Cultur inermis – Ueberhaupt sind auch die Gewächse manchen Arten von Degeneration ausgesetzt, die bey den Thieren gar nicht Statt haben können, wie z. B. die Ausartung der männlichen Befruch - tungstheile in den gefüllten Blumen u. dergl. m.
Vorzüglich merkwürdig ist die Abartung der Gewächse durch Bastardzeugung (§. 14.), worüber bekanntlich Herr Kölreuter die scharf - sinnigsten Versuche angestellt, und sogar durch wiederhohlte Erzeugung fruchtbarer Bastard - pflanzen die Eine Gattung von Toback (nico - tiana rustica) endlich vollkommen in eine an - dere (nicotiana paniculata) verwandelt und512 umgeschaffen*)Dritte Fortsetzung der vorläufigen Nachricht. S. 51 u. f.: welches sich freylich mit der Lehre von vermeinten präformirten Keimen schlechterdings nicht, aber, wo ich nicht irre, ganz wohl mit der vom Bildungstriebe (§. 9.) reimen läßt.
Anm. So können auch durch Zufall Bestardpflanzen in Gärten entstehen; wenn zwey verschiedene, aber doch verwandte Gattungen zur Blühzeit nahe bey - sammen waren.
Auch die Mißgeburten (§. 12.) sind im Ge - wächsreiche ungleich zahlreicher, als unter den Thieren und zwar bekanntlich bey den cultivir - ten Gewächsen ohne Vergleich häufiger als bey den wild wachsenden. (– s. oben §. 12. Anm. –) Es ist kein Theil der Pflanze, an welchem man nicht zuweilen, an einigen aber sehr häufig, Monstrositäten bemerkte. Am meisten sind es überzählige, wuchernde Theile (monstra per excessum S. 21.); doppelte an einander ge - wachsene Stämme, doppelte oder vielfache Früchte ꝛc. vielfache Kornähren, Rosen, aus deren Mitte andere kleine Rosen hervor schießen u. s. w.
Das Alter der Gewächse ist so verschieden, daß es sich bey manchen kaum über eine Stunde,513 und bey andern hingegen auf lange Jahrhun - derte erstreckt. Ueberhaupt aber theilt man die Pflanzen in perennirende und Sommerge - wächse, welche letztere nähmlich schon mit dem Ende ihres eisten Sommers absterben.
Anm. Auch von dem Wiederaufleben nach einem lan - gen Vertrocknen, das im Thierreich vom Räder - thier (S. 414. 483. ) und vom Kleisteraal behauptet worden, finden sich unter den Gewächsen ähnliche Beyspiele: besonders an der deßhalb längst be - rufenen Himmelsblume oder Sternschnuppe (tre - tremella nostoc). Ich habe von dieser merkwürdigen Erscheinung in der Abhandl. de vi vitali sanguini deneganda ꝛc. Gotting. 1795. 4. pag. 8. gehandelt.
Vom Nutzen des Gewächsreichs gestattet der Raum hier nur etwas Weniges kurz zu berühren.
Der unermeßlich große Einfluß ist schon oben (§. 172 u. f.) berührt, den die Pflanzen durch ihren phlogistischen Proceß auf die atmo - sphärische Luft äußern, indem sie derselben einer - seits das aus dem Thierreich unablässig zu - fließende irrespirable kohlengesäuerte Gas eben so unaufhörlich wieder entziehen und zu ihrer Selbsterhaltung verwenden; und anderseits der - selben durch ihre Blätter in der Hellung Sauer - stoffgas liefern.
Für gewisse Weltgegenden, besonders für neidere Inseln der heißen Zonen, wird die Vegetation, zumahl der Waldungen, dadurch von wohlthätigster Wichtigkeit, daß durch die - selben die Regenwolken angezogen und der Bo - den gewässert wird. *)S. J. R. Forsters Stoff zur künstigen Entwerfung einer Theorie der Erde S. 14. – vergl. mit dem voyage de la Pérouse autour du monde. vol. II. pag. 81.
Die mancherley Futterkräuter (und theils auch Wurzeln, Früchte ꝛc. ) dienen zur Nahrung der dem Menschen wichtigsten, eigentlich so ge - nannten Hausthiere; und der beyden nützlichen Insecten-Gattungen die er sich zieht, der Bie - nen nähmlich und der Seidenwürmer.
Was aber die unmittelbare Benutzung der Gewächse für den Menschen selbst betrifft, so giebt es erstens einige derselben, mit welchen ganze Nationen die mannigfaltigsten Bedürf - nisse des Lebens fast eben so zu befriedigen im Stande sind, als andere mit gewissen Säuge - thieren (den Seehunden, dem Renthier ꝛc.). Von der Art ist z. B die Cocospalme, zumahl für die malayische Menschen-Rasse (– S. 67. –)515 und gewisser Maßen auch die gemeine Birke für manche Nationen von der mongolischen (– S. 67. –).
Zu den vegetabilischen Nahrungsmitteln des Menschengeschlechts gehören zuvörderst die sogleich ohne weitere Bereitung genießbaren mancherley Früchte. Zumahl in den heißen Erdstrichen die Feigen, die Datteln (von phoenix dactylifera); die verschiedenen Gattungen Pisang (zumahl die Plantanen von musa paradisiaca und die Bananes oder Bacoves von der musa sapientum). Für die malayische Menschen-Rasse die Brot - frucht [von artocarpus incisa*)Dieser so wichtige Baum ist nun seit a.1792. durch den großen Seefahrer, Capitail Bligh, glücklich nach den westindischen Inseln verpflanzt worden. – Von seinem trefflichen Gedeihen daselbst habe ich in Voigts neuen Magazin I. B. 2. St. S. 110. u. f. einige Nachricht gegeben.], die nur bloß vorher geschält und geröstet zu werden braucht.
So die vielen andern Gattungen von Beeren, (denn die Brotfrucht ist nach dem obigen Begriff auch eine Beere), die eben - falls für manche Völker (wie z. B. für die Lappen) eins der wichtigsten Nahrungsmittel abgeben.
Desgleichen die Castaneen, Cocosnüsse ꝛc.
Ferner die schon einige Zubereitung erfor - dernden Wurzeln, Rüben, Möhren, Kartoffeln, Erdäpfel (helianthus tuberosus), in beyden Indien die Bataten (conuoluulus batatas). Im wärmern America die Yams-Wurzeln (dioscorea alata, sativa ꝛc. ), Caßawi - wurzel (iatropha manihot) u. dergl. m.; so mancherley Hülsenfrüchte und Gemüse.
Dann die Getreidearten, nebst dem Mais (zea mays); Buchweizen oder Heidekorn (po - (lygonum fagopyrum); Reis (oryza sativa und montana), zumahl für die Morgenländer; so wie die Moorhirse (holcus sorghum, Engl. barbadoes millet), besonders für viele africanische Völkerschaften und für die Schinesen ꝛc. ; das Teff (poa abyssinica) für die Habessinier ꝛc.
So auch die berühmten Lotus-Beeren (von rhamnus lotus) der Lotophagen. *)Noch jetzt bereiten sich die Neger im Innern von Africa eine schmackhafte Art von Pfefferkuchen und ein sehr beliebtes Getränke daraus. – s. Mungo Park 's Travels in the interior Districts of Africa. Lond. 1799. 4. p. 100. tab. 1Und einige andere besondere Pflanzentheile, die von manchen Völkern als gewöhnliches Nah - rungsmittel verspeißt werden, wie das Sagu - mark (von cycas circinalis etc. ); das Sene - gal-Gummi (von mimosa senegal) u. s. w.
Hierzu die mancherley Arten von Gewürzen. Auch der Zucker; der eigentliche nähmlich aus dem Zuckerrohr; außerdem aber auch aus man - chen andern Gewächsen, z. B. aus der Run - kelrübe u. a.m. So in Nord-America aus acer saccharinum (der Maplezucker); auf Sumatra ꝛc. aus der Anu-Palme; auf Island aus dem fucus saccharinus; in Kamtschatka aus dem heracleum sibiricum u. s. w.
Dann ebenfalls als Zusatz zu den Speisen, Oehl, Essig ꝛc.
Die vortreffliche Butter (shea-toulou) aus dem Butterbaume im Innern von Africa. *)S. Mungo Park a. a. O. S. 224 u. 352. tab. V.Toback, Betel (piper betle) zum Kauen.
Als Getränk erst die natürliche Pflanzen - milch in der unreifen Cocosnuß, die mancherley Biere, (unter andern das Spruce - Bier aus der pinus canadensis ꝛc.).
Die verschiedenen weinigen Getränke: der Rebensaft; der Palmwein von der weiblichen Weinpalme (borassus flabellifer) oder auch von der weiblichen Cocospalme. Andere berau - schende Getränke, Branntwein, Arak, Rum, Kirschwasser ꝛc. ꝛc.
518Die gegohrenen Getränke aus gekauten Wurzeln, wie z. B. bey den Brasilianern ꝛc. aus ihrem Caßawi-Brot; bey den Insulanern der Südsee aus piper latifolium etc.
Auch zu gleichem Zweck Opium.
Und der Rauchtaback: und der auf gleiche Weise genossene Hauf ꝛc.
Endlich unsre dreyerley warmen Getränke. Und dann in Süd-America der Paraguay - thee (von einigen Gattungen des Cassine - geschlechts), und bey den Mongolen der schine - sische Ziegel-Thee (von vogelkirschähnlichen Blättern eines noch nicht genau bestimmten wil - den Strauchs).
Zur Kleidung vorzüglich Baumwolle (die wollichten Fäden womit die Samenhaut in den Fruchtcopseln bewachsen ist) von den verschiede - nen Gattungen gossypium und bombax; die zu Leinewand präparirten Saftgefäse des Flach - ses, Hanfs, mehrerer Gattungen von Nesseln ꝛc. Der treffliche neu-seeländische Seidenflachs vom phormium tenax; die südländischen Zeuge vom Baste der morus papyrifera und des Brotbaums ꝛc.
Zur Feuerung außer dem vielerley gemei - nen Brennholze in manchen Gegenden besondere519 Arten; wie z. B. auf den Alpen rhododen - dron ferrugineum, auf den Heiden erica vulgaris etc.
Der Torf (von conferua rivularis, sphagnum palustre, carex caespitosa, my - riophyllum spicatum etc.)
Kohlen, Zunder, Lunden ꝛc.
Zum Bau der Häuser und Schiffe das mancherley Bauholz (in Ostindien auch bam - bos arundinacea).
Zum Dachdecken, Schilf, Stroh, – bey den Südsee. Insulanern die Palmetto-Blätter (von pandanus tectorius).
Vielerley Gesträuche zu Befriedigungen, Hecken, Lauben, Hütten ꝛc.
Zur Verwahrung der Dämme gegen Pfahl - würmer ꝛc. der Seewier (zostera marina).
Zu dem mannigfaltigsten Gebrauche für Künstler und Handwerker alle das verschiedene Nutzholz für Tischler, Ebenisten, Wagner, Drechsler, Faßbinder ꝛc. – So auch die mancherley Rohre*)Von der endlos vielartigen Benutzung des Bam - busrohres bey den Schinesen s. van Braam voyage de l'Ambassade ꝛc. Philad. 1797. 4. T. I. p. 314. sq.. Beydes auch bey vie -520 len Völkern zu ihren Waffen (so z. B. das schöne Holz des Keulenbaumes, casuarina equi - setifolia, zu den kunstreichen Lanzen u. a. Ge - wehren der Südsee-Insulaner).
Cocosnußschaalen, Calabassen-Kürbisse (von der crescentia cujete) und mehr dergleichen zu Trinkgeschirren.
Rohre, Weiden, Bast der Cocosnuß u. dgl. zum Korbflechten ꝛc. – Kork ꝛc.
Mancherley vegetabilische Substanzen zur Färberey (wie zu Einem Beyspiel statt aller der Indig –), zum Gärben, Waschen ꝛc.
Gummi zu so vielfachem Gebrauch.
Harz, Pech, Theer, Kienruß ꝛc.
Wachs (von myrica cerifera etc.)
Talg (z. B. vom croton sebiferum).
Oehle, Firnisse ꝛc.
Sode und Pottasche.
Auch die mehresten Schreibmaterialien sind aus dem Gewächsreich genommen. Schreib - rohr, Papierschilf (cyperus papyrus), malaba - rische Oltjes von Palmblättern der Weinpalme ꝛc.
Endlich gehören auch die so zahlreichen und so wohlthätigen Arzneykräuter hierher, deren521 Kenntniß die ganze Arzneywissenschaft der älte - sten und vieler jetzigen Völker des Erdbodens ausmacht.
Schädlich sind dagegen hauptsächlich das Unkraut und die giftigen Gewächse.
Unter den zahlreichen Pflanzensystemen, die man seit Cäsalpins Zeiten zu entwerfen ver - sucht hat, ist keins mit einem so allgemeinen, auf seine Faßlichkeit gegründeten Beyfall auf - genommen worden, als das linnéische Sexual - system: das den oben angezeigten Befruch - tungswerkzeugen und deren verschiedener Anzahl und Verhältniß angepaßt ist; da nähmlich die Classen nach der Anzahl der Staubfäden oder nach ihrem Verhältniß der Lage und Verbin - dung mit den Staubwegen; – die Ordnungen aber meist nach der Anzahl dieser letztern be - stimmt sind.
Mineralien oder Foßilien sind die unorgani - schen Naturkörper (§. 2.4. ), die nähmlich nach den bloß-physischen und chemischen Gesetzen, auf und in der Erde gebildet werden.
Außer einigen wenigen tropfbar flüssigen Mineralien, wie Quecksilber und Erdöl, sind die übrigen fest; aber doch sämmtlich erst im flüssigen Zustande gewesen.
Denn es ist erweislich, daß wenigstens die jetzige feste Felsenrinde unseres Planeten, so tief wir sie kennen (und das ist freylich noch nicht 1 / 6000 des Halbdurchmessers der Erde), anfangs selbst flüssig gewesen seyn muß*)Ueber diese zum philosophischen Studium der Mineralogie unentbehrliche geogenische Prämissen, s. Hrn. Prof. de Lüc's geologischen Briefe, die in Voigts Magazin (VIII. und folg. B.) aus der französischen Handschrift übersetzt sind..
Und mehr als bloß wahrscheinlich ist es, daß jenes Primordialfluidum auch als Univer - salsolution die Stoffe der nachher daraus nie - dergeschlagenen Foßilien in sich aufgelöst ent - halten hat.
Durch die successiven Niederschläge und andere chemische Processe, die dann allgemach in jenem Fluidum erfolgt sind, haben folglich die verschiedenen Arten von Gebirgs - und Erd - lagen ihre Entstehung erhalten, die sich im Ganzen aus chronologischer Rücksicht unter zwey Hauptabtheilungen bringen lassen: nähmlich
A) die primitiven, so vor der organisirten Schöpfung gebildet worden: und
B) die secundären, so erst seit der Zeit, da Thiere und Pflanzen existirt, entstanden sind.
Jede von beyden zerfällt wieder in zwey Classen:
Die der primitiven nähmlich in
a) die Granitgebirge; und in
b) die Ganggebirge.
Die der secundären aber in
c) die Flözgebirge; und in
d) die aufgeschwemmten Erdlagen.
526Von jeder dieser vier Classen ein Wort insbesondere.
Der erste große und allgemeine Niederschlag, von welchem wir die unverkennbarsten Spuren finden, gab wohl dem echten Granit seine Entstehung; als welcher nun die selbstständige, uranfängliche, feste Rinde unseres Planeten auszumachen, und den später gebildeten Gebir - gen und Erdschichten gleichsam zur Unterlage zu dienen scheint; zwischen welchen er auch hin und wieder, zumahl in den größten und höchsten Gebirgsketten zu Tage hervorragt.
Deßhalb werden denn die Granitgebirge auch in der Geologie Urgebirge oder Grund - gebirge genannt.
Die zunächst auf jenen ersten Niederschlag abgesetzten Arten von Gebirgslagen, mußten, so wie das Mischungsverhältniß im Primordial - fluidum (§. 224.) durch die jedesmahligen Prä - cipitationen verändert ward, sowohl von dem Granit der Urgebirge, als untereinander selbst, verschieden ausfallen. Diese Gebirgsarten der zweyten Classe sind größtentheils von schieferi - gem Gefüge (wie z. B. der Gneis, Glimmer - schiefer, Thonschiefer ꝛc. ), und in mächtigen Lagen stratificirt; welche Lagen sich überdem527 mehrentheils durch eine sehr abhängende, ge - stürzte Richtung auszeichnen.
In diesen, an die Urgebirge gleichsam an - gelehnten Lagen, zeigen sich auch häufig ehe - mahlige Risse und Spalten, die allgemach mit fremdartigen Gestein späterer Entstehung (das sich nach der Hand darin abgesetzt) wie - derum mehr oder weniger ausgefüllt worden. *)A. G. Werners neue Theorie von der Entstehung der Gänge. Freyberg 1791. 8.Und in eben diesen spätern Ausfüllungen oder so genannten Gängen (Fr. filons, Engl. veins) hat sich auch das allermehrste Erz erzeugt. Daher sie den wichtigsten Hauptgegenstand des praktischen Bergbaues ausmachen.
Von ihnen haben auch diese Gebirge der zweyten Classe selbst den Nahmen, Gang-Ge - birge, weil sich in ihnen, zwar nicht aus - schließlich, aber doch die mehresten und ergie - bigsten Erzgänge finden.
Durch diese beyden Classen von primitiven Gebirgen ist, wie gesagt, die feste Rinde un - seres Planeten gebildet worden, ehe er durch Vegetation gleichsam belebt und mit thierischer Schöpfung, so zu sagen, beseelt worden. Denn in keiner von beyden findet sich irgend eine Spur von versteinten, vormahls organischen Körpern.
528Anders verhält es sich hingegen mit den beyden übrigen Classen der secundären Gebirge und Erdlager.
Die Flözgebirge nähmlich sind zwar meh - rentheils auch stratificirt, aber meist in fläche - ren Lagen, als die Ganggebirge, und von mehr abwechselnder Mannigfaltigkeit der Bestand - theile. Auch machen sie insgemein*)Insgemein: – denn hin uns wieder finden sich auch Gebirge dieser dritten Classe (wie z. B. selbst in Europa zwischen manchen savoyischen und Schweizer Alpen) weit über 1000 Klafter doch über der Meeresfläche; und andererseits weit nie - drigere Urgebirge, wie z. B. unser Brocken auf dem Harze, dessen oberste Fläche nur 573 Klafter über des Meeres seiner erhaben ist. nur die niedern Bergrücken, gleichsam die Vorgebirge aus. Besonders aber unterscheiden sie sich dadurch von den Primordial-Gebirgen der vorigen beyden Classen, daß sie großentheils von versteinten Resten organisirter Körper gleichsam wimmeln. Die mehresten dieser Pe - tresacten sind so genannte Incognita, zu wel - chen sich nähmlich in der jetzigen organisirten Schöpfung keine Originale mehr finden; so z. B. die Belemniten, ein paar hundert ver - schiedene Gattungen von Ammoniten u. s. w. Diese Incognita sind aber, wie alle Analogie lehrt, größtentheils Seegeschöpfe gewesen, und sie finden sich jetzt in diesen Gebirgslagen meist529 in ruhiger, ungestörter Lage (die Conchyliolithen gleichsam wie in ihrer Austerbank, die Coral - liolithen wie in einem Corallenrief ꝛc. ), so daß man aus allen diesen schließen muß, unser jetziges festes Land sey einst der Meeresboden der Vorwelt gewesen, und durch gewaltsame plötzliche Revolutionen aufs Trockene versetzt worden.
Die gedachter Maßen in diesen Gebirgen man - nigfaltig abwechselnden Lagen, werden von den deutschen Bergleuten Flöze genannt, und da - her hat diese Classe von Gebirgen selbst ihren Nahmen erhalten.
Von diesen drey Hauptclassen von eigentli - chen Gebirgen, die sämmtlich, – aber in sehr verschiedenen Zeiträumen, – durch Nieder - schlag aus dem Wasser gebildet worden, und zusammen die feste Rinde unseres Planeten ausmachen, unterscheidet man nun viertens auch die so genannten aufgeschwemmten Erd - lager (Fr. couches meubles), die sich hin und wieder, doch meist nur im niedern Lande, aber theils in mächtigen Schichten und weit ver - breiteten Strecken finden. Es gehören dahin z. B. die Lager von lockerem Sande, Lehm, Mergeltuff ꝛc. welche letztere gar häufig auch calcinirte und doch theils zum Bewundern530 gut erhaltene Reste von Seeconchylien, und zwar an manchen Orten in unübersehlicher Menge*)So z. B. in der Falüniere in Touraine; einem Lager solcher calcinirten Seeconchylien, das nach Reaumùr's Berechnung auf 130 Millionen Cubic - klaftern halten soll. enthalten.
Außer diesen vier Hauptclassen von Gebir - gen und Erdlagern, die sämmtlich durch Nie - derschlag aus dem Wasser, oder wie man zu sagen pflegt, auf dem nassen Wege entstanden sind, zeigen sich aber auch fünftens hin und wieder theils ganze Berge, theils flache Fossi - lien-Lager, die, seit sie auf jene Weise ent - standen waren, nun durch Einwirkung unter - irdischen Feuers, oder, wie man es zu nennen pflegt, auf dem trockenen Wege, große Ver - änderung erlitten und dadurch ihren jetzigen Habitus erhalten haben.
Die Berge jener Art heißen bekanntlich Vulcane.
Die flachen Lagen aber nennt man durch Erdbrände verschlacktes Land, und die ihm eigenen Fossilien zum Unterschied von denen der wirklich feuerspeyenden Berge) pseudovulca - nische Producte.
So leicht und deutlich aber diese fünf Classen von Geburts - und Lager-Stätten*)Geburtsstätte bedeutet hier metaphorisch so viel als wirklicher Entstehungsort; und Lagerstätte hingegen so viel als bloßer Fundort. Beyde müssen in der Mineralogie sorgfältig von einander unterschieden werden. Denn so ist z. B. von den gediegenen Eisen-Massen und von den Aëro - lithen (wenn ich sie so nennen darf) die in so genannten Steinregen herabgefallen, der Fund - ort hienieden – ihr Entstehungsort aber nach größter Wahrscheinlichkeit im Monde. der Fossi - lien im Ganzen von einander zu unterscheiden sind; so begreift sich doch aus dem, was von ihrer Entstehung gesagt worden, von selbst, daß sie an den Gränzen, wo die einen an die andern stoßen, zuweilen durch unmerkliche Ueber - gänge gleichsam zusammen fließen müssen**)Von den mancherley Gebirgsarten und ihrer Classification s. mit mehreren J. C. W. Voigts Briefe über die Gebirgs - lehre. Zweyte Ausgabe. Weimar 1786. 8. C. Haidingers Entwurf einer systematischen Eintheilung der Gebirgsarten. 1785. 4. A. G. Werners kurze Classification und Be - schreibung der verschiedenen Gebirgsarten. Dres - den 1787. 8. C. A. S. Hoffmanns kurzer Entwurf einer Gebirgslehre in A. W. Köhlers bergmännischem Kalender für das Jahr 1790. S. 163 u. f. Vergl. auch G. S. O. Lasius's Beobachtun - gen über die Harzgebirge. Hannover 1789. 8.532 nebst der dazu gehörigen petrographischen Charte des Harzgebirges, und dem Cabinet der harzi - schen Gebirgsarten.Aehnliche Sammlungen von deutschen Ge - birgsarten sind z. B. die voigtischen, die char - pentierische, und die des Hrn. Past. Heim zu Gumpelstadt im Meiningischen..
Ueberhaupt aber ergibt sich aus dem generi - schen Character von der Entstehungsweise der unorganischen Körpern oder Fossilien, im Ge - gensatz der durch Zeugung fortgepflanzten or - ganisirten, von selbst, daß, wenn man etwa die einfachsten Fossilien ausnimmt (wie z. B. Diamant, Schwefel, gediegene Metalle ꝛc. ) bey den übrigen keine so scharf bestimmbare Characteristik der Gattungen (species) als bey den organisirten Körpern; mithin aber weit mehr Willkürliches in der Vertheilung dersel - ben unter ihre Geschlechter (genera) statt hat, so daß z. B. Chlorit, Röthel und Smirgel von manchen Mineralogen unter die Erze, von andern unter die Steinarten gebracht werden kann.
Denn da erstens sowohl das ursprüngliche Mischungsverhältniß der Bestandtheile, als auch die Verbindungsart, Gefüge ꝛc. vieler ein - ander übrigens sehr ähnlichen Fossilien in den mannigfaltigsten Abstufungen variirt, so ent -533 stehen schon dadurch eben so mannigfaltige und theils durch fast unmerkliche Nüancen gleichsam zusammenfließende Uebergänge, in deren Stu - fenfolge zwar die Extreme auffallend genug sich auszeichnen, aber zwischen den Mittelgliedern, zumahl in einzelnen Exemplaren, bey weiten keine so bestimmten Grenzen als bey den orga - nisirten Körpern sich ziehen lassen. Besonders ist dieß der Fall bey den vererzten Metallen, doch auch bey sehr vielen Steinarten gemisch - ten Gehalts*)Dieses gilt sogar zuweilen von der mechanischen Verbindungsart der Fossilien; so daß es in ein - zelnen Fällen nichts weniger als leicht ist, die Gränzen zwischen mechanisch-einfachen und ge - mengten Steinarten zu ziehen. So z. E. bey den Uebergängen des reinsten Basalts von noch so homogen scheinenden Korn zum Halbaranit der aus Hornblende und Feldspath gemengt ist; oder det körnigen Quarzes zu manchem Sand - stein ꝛc..
Zweytens aber werden diese Uebergänge auch durch die Decomposition und Auflösung vieler schon gebildeten Fossilien vervielfältigt, da manche Steinarten durch den Verlust ihres so genannten Crystallisationswassers, manche Erze durch die Einwirkung von Säuren ꝛc. allmählig verwittern, und so z. B. Feldspath in Porcellanerde, Kupferkies in Kupferschwärze gleichsam umgewandelt werden.
Um so einleuchtender wird daher das drin - gende Bedürfnis zur gründlichen Kenntniß der Mineralien die genaue Bestimmung ihrer äuße - ren Kennzeichen, mit der Untersuchung ihrer Bestandtheile durch die chemische Analyse zu verbinden.
Unter den äußeren Kennzeichen*)Abr. Gottl. Werner von den äußerlichen Kenn - zeichen der Fossilien. Leipz 1774. 8. sind für die mineralogische Diagnostik die allerwich - tigsten und sichersten: das specifische Ge - wicht**)Pesanteur specifique des corps. – par M. Brisson. Par. 1787. 4. Deutsch durch H. Blumhof. Leipz. 1796. 8.Anm. Die specifischen Gewichte, die ich in der Folge anführe, sind nach Tausendtheilen angegeben, das Gewicht des Wassers zu 1000 in einer Tem - peratur von ungefähr 64° Fahrenh. angenom - men. – Wo ein L. dabey steht, bedeutet es des sel. Hoir. Lichtenbergs Wägung., die Härte, und zumahl, wo sie Statt hat, die Crystallisation***)Die aus Holz geschnittenen Modelle der wich - tigsten Crystallisationen, die in der hiesigen Indu - strie-Schuhe unter der Aussicht des Mathematikus, Hrn. Lift, verfertigt werden, sind nebst der dazu gehörigen gedruckten Beschreidung daselbst für 1 1 / 2 Rthl. zu haben. Eine große Mannigfaltigkeit derselben s. in der Crystallographie par M. de Romé de L'isle. 2de Edit. Par. 1783. IV Bände. 8. Dieser hat sich535 mehr an die äußern Crystallisationsformen gehalten. Weit tiefer ist hingegen H. Haüy in den unten anzuführenden Werken in das innere Gefüge (Structur) der Crystallen und in die Bestimmung ihrer Maßentheilchen (molécules intégrantes) ein - gedrungen., d. h. eine bestimmte Form aus einer bestimmten Anzahl und eben so bestimmten Verbindungsart von Faßetten*)Folglich versteht sich von selbst, daß man nach diesem Begriffe von wahrem Crystall, nicht etwa die zwar säulenförmigen, aber nicht so determi - nirten Gestalten manches Basalts, thonartigen Eisensteins, Stangenkohle ꝛc. damit verwechseln dürfte.Eben so genau müssen auch ursprüngliche Crystallen von so genannten After-Crystallen un - terschieden werden, da nähmlich ein Fossil die Stelle und Form eines vorher da befindlich ge - wesenen, aber allgemach aufgelösten verwitterten oder ausgefallenen Crystalls anderer Art einge - nommen hat. So z. B. die so genannten crystal - lisirten Hornsteine von Schneeberg ꝛc.Noch eine dritte Warnung ist doch für Anfän - ger auch nicht überflüssig, daß man nähmlich nicht etwa bloße äußere (fremde) Eindrücke auf ein Fossil für dessen eigene Crystallisation halte. So z. B. bey manchem Chalcedon., und der so genannte Durchgang der Blätter, der sich bey vielen Arten von Cry - stallisationen nach dem Verhältniß der Außen - flächen derselben zu ihrem so genannten Kerne richtet**)S. Théorie sur la structure des crystaux, par R. J. Haüy. im Journal de physique. T. XLIII. p. 103. u. f.. Minder allgemein constant und zuverlässig sind hingegen Farbe, Grad der Durchsichtigkeit, Art des Glanzes und Bruchs, der Strich den manche Fossilien geben, wenn sie gekrätzt werben, u. dergl. m
Auch helfen zur Bestimmung vieler Fossi - lien ihre so genannten physikalischen Kenn - zeichen, die nähmlich erst einen physikalischen Versuch voraussetzen, wie z. B. die Phos - phorescenz, Electricität, das Verhalten zum Magnet ꝛc. und bey den durchsichtigen, ob sie eine einfache Brechung machen, oder aber das Bild der dadurch angesehenen Gegenstände verdoppeln.
Zur chemischen Untersuchung ihrer Bestand - theile aber (§. 237.) dient theils des Verhalten derselben im Feuer, das auf dem so genannten trockenen Wege, besonders mittelst des Löth - rohrs*)Gust. von Engeström Beschreibung eines mine - ralogischen Taschen-Laboratoriums und ins beson - dere des Nutzens des Löthrohrs in der Mineralogie. Mit Anm. von C. E. Weigel. Zweyte Auflage. Greifsw. 1782. 8., erkannt wird; vorzüglich aber die Zerlegung derselben auf dem nassen Wege mit - telst der Reagentien ꝛc. **)S. J. F. Westrumb im zweyten Heft des II. B. und ersten Heft des III. B. seiner kleinen physica - lisch-chemischen Abhandlungen; undJ. F. A. Göttlings chemisches Probir-Cabi - net zum Handgebrauche Jena 1790. 8. nebst der dazu gehörigen kleinen Kiste mit Regentibus ꝛc.
Anm. Daß die Resultate der von verschiedenen Che - mikern angestellten Analysen eines und eben des - selben Fossils zuweilen so sehr von einander ab - weichend ausgefallen sind, wird kein Vernünftiger537 Wissenschaft selbst zum Vorwurf machen; sondern es zeigt nur, wie viel Vorsicht, Behut - samkeit und vor allem öftre Wiederhohlung der Versuche dazu gehört, um dabey gegen Selbst - täuschung und Irthum gesichert zu seyn.
Nur das muß man selbst bey den unübertreff - lich genauesten Analysen nie vergessen, daß sie durchaus nichts weiter zeigen können und sollen, als Art und Menge (Qualität und Quantität) der Stoffe worin sie sich zerlegen lassen. – Aber nichts von dem was doch gerade den wahren eigenthümlichen Charakter so vieler Fossilien aus - macht, nämlich die bewundernswürdige Zusam - mensetzung und specifische Verbindungsart jener Stoffe, wodurch z. B. die Thonerde zum Saphir, und in Verbindung mit ein Paar andern eben so gemeinen Stoffen, zum Turmalin wird! oder wodurch die Natur aus Kieselerde in Verbindung mit Thonerde den Bildstein und hingegen in Verbindung mit Talkerde den demselben übrigens so täuschend ähnlichen Speckstein hervorbringt, und dergl. m. – s. Lichtenberg im göttingischen Taschenbuch v. J. 1794. S. 134 u. f. – und de Lüc in Voigts Magazin IX. Band, 1. St. S. 74. u. f.
Ueberhaupt aber lassen sich alle Mineralien nach der alten (– meines Wissens zuerst von Avicenna beobachteten –) Eintheilung unter folgende vier Classen bringen: deren Unterschiede und Eigenschaften zu Anfange der folgenden vier Abschnitte näher bestimmt werden.
I. Steine und erdige Fossilien.
II. Salze.
538III. Eigentlich so genannte brennliche Mi - neralien.
IV. Metalle.
Ohne der so zahlreichen mineralogischen Hand - bücher zu gedenken, die nur allein in dem letztern Jahrzehend erschienen sind.
Da im Studium der Mineralogie die Autopsie noch weil unentbehrlicher ist, als bey der Zoologie und Botanik (wo doch getreue Abbildungen noch aus - helfen können und in hundert Fällen schlechterdings aushelfen müssen), und doch das Selbstsammeln für die mehrsten Anfänger eine schwierige Sache seyn muß; so ist ein sehr verdienstliches Unter - nehmen, daß man bey der Mineralien-Nieder - lage zu Freyberg kleine Mineralien Sammlungen (versteht sich den weiten nicht von bloßen Gebirgs - akten, als welche nur den fünften Theil davon ausmachen) zum Verkauf verfertigt hat, wovon die kleinsten 200 instruktive Stücke enthalten, und doch nur 4 Louisd'or kosten, und derentwegen sich die Liebhaber an Hrn. Insp und Bibliothekar C. A. S. Hoffmann in Freyberg zu wenden haben.
Steine und erdige Fossilien heißen diejeni - gen trockenen Mineralien, die sich, wenn sie rein sind, für sich*)Aber wohl durch Beytritt von Säuren oder Alka - lien, besonders in erhöheter Temperatur – Denn daß sich z. B. selbst die Kieselerde in Verbindung mit Sode in manchen heißen Quellen aufgelöst finde, zeigt der an manchen derselben (– zumahl in Kamtschatka und Island –) sich ansetzende Rieselsinter, von welchem unten die Rede seyn wird, so wie auch die Analyse dieser Wasser selbst. s. Black in den Transact. of the Roy. Soc. of Edin - burgh. Vol. III. S. 119. u. f., nicht wie die Salze im Wasser oder wie die eigentlich so genannten Erdharze im Oehl auflösen lassen; noch auch wie diese letztern, schon im bloßen Glühfeuer verbrennen; noch sich wie Metalle hämmern und breitschlagen lassen. **)Terrae characteres vix nisi priuatiui habentur. Bergmann.Ueberhaupt sind sie sehr feuerbeständig und strengflüssig; wenn sie aber schmelzen, so sind sie dabey durchsichtig.
543Ihre specifische Schwere übersteigt des Wassers seine höchstens vier bis fünf Mahl.
Gegenwärtig kennt man folgende neun pri - mitive oder Grund-Erden, wodurch die sämmt - lichen Fossilien dieser Classe unter eben so viel davon benannte Geschlechter geordnet werden:
I. Kiesel-Erde.
II. Zircon-Erde.
III. Ytter-Erde.
IV. Glücin-Erde.
V. Thon - (oder Alaun -) Erde.
VI. Talk - (oder Bitter -) Erde.
VII. Kalk-Erde.
VIII. Strontian-Erde und
IX. Schwer-Erde.
Die Kiesel-Erde (terra silicea) wovon dieses Geschlecht den Nahmen hat, ist für sich im Feuer nicht schmelzbar, und bleibt auch an der Luft und im Wasser unveränderlich: auch wird544 sie von keiner andern als der Spathsäure ange - griffen: schmilzt aber mit beyderley feuerfestem Laugensalz (der Sode und Pottasche) zu Glas, daher sie auch glasartige oder vitrescible Erde genannt wird.
1. Quarz.
Die unten besonders anzuführenden Abarten ausgenommen, ist er meist entweder farbenlos oder aber weißlich, grünlich ꝛc. vom Wasserhellen bis ins wenig Durchscheinende. Meist glasglän - zend. Häufig crystallisirt: und zwar eigentlich als sechsseitige Säule (die Flächen oft in die Quere feingestreift), mit dergleichen Endspitze (– tab. II. fig. 19. –). Sein Bruch meist mu - schligt, theils ins Splittrige. Er ist hart, und gibt meist ein phosphorisches Licht wenn man zwey Stücken im Finstern aneinander reibt.
Er begreift zwey Hauptarten; nähmlich 1) Bergcrystall und 2) gemeinen Quarz.
1) Bergcrystall. (Fr. crystal de roche)
Eigentlich farbenlos und wasserhell, aber auch theils milchicht, trübe; von Glasglanz; flach - muschelichem Bruche; ist gemeiniglich crystallisirt; meist mit dem einen Ende im Mutter-Quarz festgewachsen; und dann theils in centnerschwe - ren Crystallen (so zumahl in der Schweiz und auf Madagascar); oft aber auch lose, und rein auscrystallisirt, d. h. mit beyderseitigen End - spitzen; darunter besonders die kleinen, aber aus - nehmend wasserhellen mit sehr kurzer Mittelsäule zu merken (z. B. die ungarschen aus der marma - roscher Gespanschaft). Endlich auch häufig als Gerölle, theils von vorzüglicher Härte und Klar -545 heit (so z. B. die ceilanischen Keys oder Kie - sel. ) – Sein specifisches Gewicht = 2653. Ge - halt (nach Bergmann) = 93 Kieselerde, 6 Thonerde, 1 Kalkerde.
Nicht selten hält er fremdartige Fossilien ein - geschlossen, z. B. Chlorit-Erde, Asbest, Strahl - stein, Glimmer, Graubraunsteinerz, Titan - schörl ꝛc. : zuweilen Wassertropfen. Selten fin - det et sich mit geraden hohlen Röhr - chen durchzogen (so nahmentlich am St. Gott - hardt).
Nachstehende drey Steinarten können wohl als bloße nah zusammen verwandte Abarten des Bergcrystalls angesehen werden, da sie sich oft alle drey beysammen finden (z. B in Achatnieren und Prophyrkugeln), auch zuweilen deutlich in einander übergehen.
a. Citrin.
Meist von weingelber Farbe, selten crystalli - sirt. Von der Art sind die vorgeblichen pfund - schweren Topase.
b. Rauchkrystall, vulgo Rauchtopas.
Rauchbraun durch alle Abstufungen. Der schwärzeste heißt Morion. Häufigst crystallisirt.
c. Amethyst.
Violet in mancherley Abstufungen; zuweilen (aber nicht beständig und nicht ausschließlich) von stänglig zusammengehäuften Gefüge, theils wie faserig; die schönstfarbigen in Ostindien und Persien.
5462) Gemeiner Quarz.
Eins der uranfänglichsten und allgemeinst ver - breiteten Fossilien. Meist milchweiß: aber auch in mancherley andern Farben; mehr oder weni - ger durchscheinend. Meist von Glasglanz, theils aber fettglänzend; häufigst ungeformt; theils aber crystallisirt; zuweilen als Aftercrystall [S. 535. not. *)]; hin und wieder in besonderer äußerer Gestalt, wie gehackt, zellig ꝛc. Der Bruch meist muschelig; theils ins Splitterige, Körnige ꝛc. Zuweilen kriegt er durch dicht ein - gemengte feine Glimmerblättchen oder durch eine eigene Art von schuppigem Gefüge ein besonders schimmerndes Ansehen; so vorzüglich der zimmt - braune spanische Avanturinquarz vom Cabo de Gates (das natürliche Avanturino wie es nach der Aehnlichkeit mit dem Avanturinfluß, – der bekannten Glascomposition – gennant wird).
Ein paar eigene Abarten sind
a. Rosenquarz.
Hat den Nahmen von seiner blaßrothen Farbe und diese vom Braunstein. Bricht meist unge - formt, und theils mit schaaligen Ablosungen; besonders in Baiern und am Altai, in starken Lagern.
b. Prasem.
Hat den Nahmen von seiner lauchgrünen Farbe, und diese vom innig beygemengten Strahlstein. Meist ungeformt; bricht besonders bey Breitenbrunn im Erzgebirge.
5472. Kieselsinter. Tofus siliceus ther - malis.
Kiesel-Erde in heißen Quellen, durch die er - höhte Temperatur und vermuthlich auch durch die Verbindung mit Sode aufgelöst (§. 242. not. *)] und dann als Sinter abgesetzt. Er ist weiß, theils ins Milchblaue, theils ins Wachs - gelbe ꝛc. Wenig durchscheinend. Wie der Kalksin - ter von mancherley besonderer Gestalt; theils wie über einander getropft oder geflossen; traubig ꝛc. Meist von lockerem Gefüge, theils blätterig ꝛc. Gewicht = 1917. Gehalt eines isländischen (nach Klaproth) = 98 Kieselerde, 1,50 Thon - erde, 0,50 Eisenkalk. In vorzüglicher Menge und Mannigfaltigkeit an den heißen Quellen in Island und Kamtschatka.
3. Hyalit, müllerisches Glas.
Weißlich, in mancherley Abstufungen: mehr oder weniger durchscheinend; glasglänzend; theils wie getropft oder geflossen, kleintraubig ꝛc. An Farbe und Form zuweilen einem Baumharz oder Gummi ähnelnd; meist als Ueberzug auf Tuff - wacke. Zumahl bey Frankfurt am Mayn.
4. Chalcedon.
Mit Inbegriff des Onyx, des Carneols und des Achats. Denn die ersten beyden differiren fast bloß in der Farbe vom gemeinen Chalcedon, und Achat ist nur aus mehreren von diesen und einigen andern Steinarten zusammen gemengt oder gemischt.
1) Gemeiner Chalcedon.
Meist milchblau; theils bis ins Himmelblaue; aber auch ins Honiggelbe und Rothe des Car -548 neols, ins Rauchbraune des Onyx ꝛc. Eine rahmgelbe Abart hat den mongolischen Nahmen Kascholong (d. h. schöner Stein). Oft ist der Chalcedon auch streifig, wolkicht ꝛc. In man - chen Gegenden häufig mit dendritischen*)Diese dendritischen Zeichnungen sind (besonders bey manchen orientalischen) zuweilen carneol - und onyxfarbig; häufigst scheinen sie hingegen vom Braunstein herzurühren; – manche islän - dische enthalten aber auch ein grünes Gewebe, das selbst unter dem Vergrößerungsglase voll - kommen das Ansehen vom Wasserfaden-Moos (Conferven) zu haben scheint. Zeich - nungen (Dendrachat, Mochhastein). Ueber - haupt mehr oder weniger durchscheinend; von Fettglanz; meist ebenem Bruch; oft von man - cherley besonderer Gestalt, zumahl stalactitisch, oder in Nieren, Mandeln, Kugeln ꝛc. Letztere (im Vicentinschen) nicht selten mit eingeschlosse - nen Höhlungen, und in diesen zuweilen Wasser - tropfen (Fr. Hydrocalcedoine); anderwärts auch theils wie gebackt, zellig ꝛc. auch mit Cry - stallisations-Eindrücken [S. 535. not. *)], theils aber auch in eigenthümlicher, meist cubi - scher Crystallisation. Gewicht = 2615. Auch viele Chalcedone phosphoresciren, wenn sie an einander gerieben werden. Gehalt eines Färöer (nach Bergmann) = 84 Kieselerde, 16 Thon - erde. Oft macht er Uebergänge in Quarz, Horn - stein, Opal. Bricht häufig im Trapp.
2) Onyx.
Rauchbraun, theils ins Schwarzblaue: oft mit scharf abwechselnden Schichten von milch - blauen gemeinen Chalcedon. (arabischer oder so genannter blinder Sardonyx; ital. Niccolo.) Hauptgebrauch bey den alten Römern zu Siegel - steinen.
5493) Carneol, Corneol, Sarda.
Incarnatroth, einerseits bis ins Wachsgelbe oder Hornbraane, anderseits ins dunkelste Gra - natroth. Von letzterer Art vor allen die köst - liche antike Corniola nobile (Fr. cornaline de la vieille roche), die mit auffallendem Lichte schwarzroth, mit durchfallendem Lichte aber blut - roth, wie ein böhmischer Granat oder Pyrop und fast eben so durchsichtig, ihr Fundort aber jetzt unbekannt ist, und worin die bey weiten größ - ten Meisterwerke von alten griechischen und etruski - schen Siegelsteinen oder Intaglios gegraben sind.
Der indische Sardonyx worass hingegen die köst - lichsten antiken Cameen gearbeitet sind, ist meist hornbrauner Carneol mit Chalcedonschichten
Achat ist, wie gesagt, ein Gemengsel von mehreren der vorigen Arten, außerdem aber auch zuweilen von Quarz (zumahl Amethyst), Heliotrop, Jaspis ꝛc. in endloser Mannigfaltig - keit der Zusammensetzung, Farben und Zeich - nung. Daher die mancherley Benennungen, z. B. Achatonyx, Jaspachar, Bandachat, Festungsachat ꝛc. – Trümmerachat, der Bruchstücke von jenen Steinarten enthält, die durch Quarzcement zusammen verbunden sind. Regenbogenachat, mit buntem Farbenspiel bey durchfallendem Lichte. Ueberhaupt häufig in Kugelform; oft hohl. In größter Menge und Mannigfaltigkeit in Deutschland, zumahl in der Pfalz.
5. Opal. Quartz-réfinite.
Die Farbe ist in den nachbenannten Abarten verschieden: alle sind mehr oder weniger durch -550 scheinend; haben meist Fettglanz, theils stärker theils matter: ihr Bruch ist muschelich; sie fin - den sich bloß derb; und sind meist nur halb - hart. – Die beyden Hauptarten sind; 1) der eigentliche Opal, und 2) der Halbopal.
1) Eigentlicher Opal
mit folgenden Abarten: nähmlich
a. Edler Opal.
Bey durchfallendem Lichte mehrentheils gelb; bey auffallendem milchblau, mit einem eigenen feurigen Spiel von Regenbogenfalben: Gewicht = 2114. Gehalt (nach Klaproth) = 90 Kie - selerde, 10 Wasser. Fundort zumahl Ober - ungarn.
b. Gemeiner Opal.
Minder durchscheinend; und ohne jenes Farben - spiel. Gehalt eines Kosemitzer (nach Klaproth) = 98,75 Kieselerde, 1 Thonerde, 1 Eisen - kalk. Fundort im Erzgebirge, Schlesien, den Färöern ꝛc. Uebergang in Chalcedon, Chry - sopras ꝛc.
c. Hydrophan, Weltauge, oculus mundi, lapis mutabilis.
Meist rahmgelb; wohl durch Verwitterung aus der vorigen Abart entstanden; daher gleicher Fundort, und ähnlicher Gehalt; weicher als diese; klebt an der Zunge; saugt Wasser ein; wird dabey durchsichtig; theils mit Regenbo - genfarben*)Vom vegetabilischen Hydrophan, s. oben S. 498 not. *).
2) Halbopal
in zwey Abarten: nähmlich
a. Pechopal, Telkobanjerstein.
551Gemeiniglich wachsgelb (Wachsopal); aber auch theils braunroth, olivengrün ꝛc. ; mehr oder weniger durchscheinend; theils Glasglanz, theils Fettglanz; muscheliger Bruch. Uebergang in gelben Chalcedon und in Pechstein. Vorzüglich in großer Mannigfaltigkeit bey Telkobanja in Ober-Ungarn. Gehalt eines solchen (nach Klap - roth) = 93,50 Kieselerde, 1 Eisenkalk, 5 Wasser.
b. Holzopal.
In eine Art Wachsopal versteintes Nadelholz; gelblich, bräunlich ꝛc. Der Längenbruch theils noch faserig; und zuweilen mit schaligen Ablo - sungen der Holz-Jahre. Fundort zumahl in Ungarn bey Schemnitz.
6. Katzenauge. (Fr. oeil de chat).
Meist gelblich oder grünlich, theils ins Rauch - graue; mit einem eigenen Widerschein, daher der Nahme; wenig durchscheinend; Fettglanz; meist als Gerölle auf Ceilan und Malabar, von mannen er meist schon in so genannte Talgtropfen (en goutte de suif) zu Ringsteinen geschliffen kommt. Gewicht = 2657. Gehalt (nach Klap - roth) = 95 Kieselerde, 1,75 Thonerde, 1,50 Kalkerde, 0,25 Eisenkalk.
7. Pechstein. Petrosilex résinite.
In mancherley Farben; doch meist ins Braune; meist wenig durchscheinend; Fettglanz; musche - liger Bruch; meist derb; theils in Nieren; halb - hart. Gewicht eines sächsischen = 2314. Ueber - gang in Wachsopal: theils mit eingemengten Feldspath - und Quarz-Körnern (Pechstein - porphyr).
5528. Menilit, Knollenstein, Leberopal. vulgo blauer Pechstein.
Haarbraun, fettglänzend; nur an den dünne - sten Kanten durchscheinend; der Bruch aus dem Flachmuscheligen ins Grobschlittrige; ritzt in Glas. Gehalt (nach Klaproth) = 85,50 Kiesel - erde, 1 Thonerde, 0,50 Kalkerde, 0,50 Eisenkalk, 11 Wasser und kohlenartiger Stoff. In Nieren und knolligen Stücken, im Polir - schiefer bey Menil-Montant bey Paris.
9. Polirschiefer, Tripelschiefer.
Meist gelblich weiß, theils ins Bräunliche, oft gestreift; ein wenig abfärbend; von schiefrigem Bruch; feinerdicht; mager anzufühlen; hängt nicht an der Zunge; sehr weich; leicht. Gehalt (nach Klaproth) = 66,50 Kieselerde, 7 Thonerde, 1,50 Talkerde, 1,25 Kalkerde, 2,50 Eisen - kalk, 19 Wasser. Fundort zumahl bey Menil - montant.
10. Tripel.
Meist gelblichgrau; erdig; mager; weich. Gehalt (nach Haase) = 90 Kieselerde, 7 Thon - erde, 3 Eisen. Fundort unter andern in starken Lagen im Luzerner Gebiet.
11. Bimsstein. Pumex. (Fr. pierre ponce. Engl. pumice-stone.)
Meist weißlich grau; von Seidenglanz; schwam - micht; meist krummfaseriges Gefüge; spröde; scharfes Korn; sehr leicht. Gehalt des lipari - schen (nach Klaproth) = 77,50 Kieselerde, 17, 50 Thonerde, 1,75 Eisenkalk. Fundort zumahl553 in vielen vulcanischen Gegenden*)Schon Agricola sagt, de natura fossilium pag. 614:„ in locis autem, qui olim arserunt aut etiam nunc ardent, pumex reperitur. Sicut in Vesuvio, Aetna, insulis Aeolicis. – Ad Coblenz, et in inferiore Germania. “, wie bey Lipari, Santorini, Veracrux in Mexico ꝛc.
12. Porcellan-Jaspis. Thermantide por - cellanite.
Meist perlgrau oder lavendelblau, aber auch theils strohgelb, ziegelroth ꝛc. Rissig; fettglän - zend; muscheliger Bruch. Ein pseudovulcani - sches Product, vermuthlich aus Schieferthon ent - standen. Fundort unter andern bey Stracke in Böhmen. Gehalt desselben (nach Rose) = 60, 75 Kieselerde, 27,25 Thonerde, 3 Talkerde, 2,50 Eisenkalk, 3,66 Pottasche.
13. Obsidian, isländischer Achat, tockayer Lux-Saphir, Lavaglas. Lave vitreuse obsidienne.
Aus dem Rauchgrauen bis ins Kohlschwarze; mehr oder weniger, theils aber nur an den dünne - sten Kanten durchscheinend; glasglänzend; musche - liger Bruch; ungeformt; Gehalt (nach Abild - gaard) = 74 Kiedelerde, 14 Eisenkalk, 2 Thon - erde. Hält theils Quarz - und Feldspath-Kör - ner eingemengt (Obsidian-Porphyx). Fundort zumahl bey Vulcanen, z. B. auf Island, Insel Ascension, Oster-Insel ꝛc.
14. Feuerstein, Kreide-Kiesel. Pyrrhoma - chus. (Fr. pierre à feu, pierre à fusil. Engl. flint.)
554Meist grau, ins Schwärzliche, Gelbliche ꝛc. wenig durchscheinend; muscheliger, scharfkanti - ger Bruch; theils in dichten oder hohlen Kugeln (zu letztern gehören die so genannten Melonen) vom Berge Carmel); härter als Quarz. Ge - wicht = 2594. Gehalt (nach Klaproth) = 98 Kieselerde, 0,50 Kalkerde, 0,25 Thonerde, 0,25 Eisenkalk. Uebergang in Hornstein, Halb - opal ꝛc .*)Aus feinem Feuerstein mit reinen Schichten von rahmgelben Haldopal werden in Rom nette Cameen gearbeitet.. Häufigst in Kreide-Lagern. Enthält oft Versteinerungen, zumahl von See-Igeln und zarten Corallen (Cellularien ꝛc.) Als Ge - rölle im Puddingstein von Hertfordshire. Ein Hauptgebrauch zu Flintensteinen. **)S. B. Hacquets physische und technische Beschrei - bung der Flintensteine. Wien, 1792. 8.
15. Hornstein, Felskiesel. Petrosilex, cor - neus. (Fr. pierre de corne. Engl. chert.)
Meist grau, in allerhand andere meist auch unansehnliche Farben übergehend. Am Altrai milchweiß mit saubern dendtritischen Zeichnungen (so gennanter weißer Jaspis). Höchstens nur an den Kauten durchscheinend. Meist splitteriger Bruch; ungeformt; doch theils in Aftercrystallen [S. 535. not. *)] nach Kalkspath gemodelt; min - der hart als Quarz. Gewicht = 2708. Gehalt (nach Kirwan) = 72 Kiesel-Erde, 22 Thon - erde, 6 Kalkerde. Uebergang in Feuerstein, Chalcedon, Jaspis ꝛc. Macht die Grundmasse mancher Porphyre aus.
Sinopel (Ferrum jaspideum Bornii) ist ein braunrother, sehr eisenschüssiger, zuweilen gül -555 discher Hornstein, der bey Schemnitz eine Haupt - gangart ausmacht.
Holzstein oder Kieselholz (– In Thüringen von seinem Gebrauch Smirgel genannt –) ist in eine Art von Hornstein petrificirtes Holz; von mancherley Farben; unter andern zuweilen co - schenillroth, selten apfelgrün. Fundort zumahl im aufgeschwemmten Lande; theils aber auch in Flözgebirgen (im rothen todten liegenden).
16. Kieselschiefer, Hornschiefer.
Schwarz, rauchgrau, theils auch von andern doch meist matten Farben; undurchsichtig; mat - ter schimmernder Fettglanz; meist grobsplitteri - ger, theils schuppiger Bruch; schiefriges Ge - füge; ungeformt; hart; oft mit Quarzadern durchzogen. Uebergang in Thonschiefer.
Eine jaspisähnliche Abart des Kieselschiefers, die Hr. Werner lydischen Stein nennt, ist zu - mahl rauchgrau, bis ins Kohlschwarze, und fin - det sich häufig als Gerölle.
17. Eisenkiesel.
Meist leberbraun; undurchsichtig; Fettglanz; meist ungeformt; zuweilen in kleinen Crystallen, von der gemeinen Quarzcrystallisation; hart. Fundort zumahl Böhmen und das sächsische Erzgebirge.
18. Jaspis. (Ital. Diaspro.)
Von allen Farben und Zeichnungen; daher die Beynahmen Bandjaspis ꝛc. undurchsichtig; matter muscheliger Bruch; meist ungeformt: sel - ten in ursprünglicher Rierenform; sehr hart. 556Gewicht = 2691. Gehalt (nach Kirwan) = 75 Kieselerde, 20 Thonerde, 5 Eisen - kalk. Uebergang in Hornstein, Eisenkiesel ꝛc.
Eine besondere merkwürdige Abart ist der Aegypten-Kiesel. Silex Niloticus. (Fr. Cail - lou d'Egypte. ) – Braun in allerhand Ab - stufungen; theils streifig oder geadert; auch mit dendritischen Zeichnungen; in ursprünglicher Kieselform; trefflich polirbar. Gewicht = 2564. Fundort zumahl in Ober-Aegypten.
19. Heliotrop.
Dunkel lauchgrün, meist mit blutrothen Puncten; wenigstens an den Kanten durchschei - nend; Fettglanz; muscheliger Bruch; unge - formt. Gewicht = 2633. Fundort vorzüglich in Aegypten.
Vermuthlich gehört auch zu dieser Gattung das Plasma, oder der Smaragd-praser. (Fr. prime d'Emeraude. Ital. plasma di smeraldo gemmario. ) – Licht tanchgrün, meist mit weißen oder gelblichen kleinen Flecken; durchscheinend. Fundort jetzt unbekannt, doch vermuthlich Aegypten; häufig von den alten Künstlern zu Petschirsteinen ꝛc. verarbeiter. Von der Art sind auch die mehrsten antiken so ge - nannten Smaragde.
20. Chrysopras.
Meist apfelgrün, theils ins Blauliche spielend; hat seine schöne aber im Feuer sehr vergäng - liche Farbe vom Nickelkalk; ist durchscheinend; ungeformt. Gehalt (nach Klaproth) = 96, 16 Kieselerde, 1 Nickelkalk. Fundort vorzüglich bey Kosemitz in Schlesien.
55721. Axinit, Thumerstein, Glasstein.
Nelkenbraun; durchscheinend; Glasglanz; klein - muscheliger Bruch; sowohl ungeformt, als auch in flachen Rauten crystallisirt. Gewicht = 3166. Gehalt (nach Klaproth) = 52,7 Kieselerde, 25,6 Thonerde, 9,4 Kalkerde, 9,6 Eisenkalk und Braunstein. Fundort zumahl Dauphine um im Erzgebirge.
22. Leucolith, Stangenstein, weißer Stan - genschörl, schörlartiger Beryll. Pycnite.
Gelblich und grünlich-weiß, theils auch röth - lich; wenig durchscheinend; blätteriger Quer - bruch; in stänglich zusammengehäuften Säu - len, theils in sechsseitigen Crystallen. Gewicht = 3530. Gehalt (nach Klaproth) = 50 Kie - selerde und 50 Thonerde. Fundort vorzüg - lich im Stockwerk bey Altenberge im Erzge - birge, in einem gemengten Muttergestein von Glimmer und Quarz.
23. Kreuzstein, Kreuzcrystall. Harmotome.
Meist milchweiß, und nur durchscheinend; selten wasserbell; der Längenbruch blätterich, der Querbruch muschelicht; immer crystallisirt*)S. Leop. von Buch über den Kreuzstein. Leipz. 1794. 8., und zwar ursprünglich als schmale, dicke, recht - winklige, vierseitige Tafel oder Säule, an den Enden zugeschärft und zugespitzt; aber fast im - mer als Zwillingscrystall so, daß ihrer zwey und zwey einander der Länge nach gleichsam durchschneiden (– tab. II. fig. 15 –) und sie dann zusammen auf dem Querbruch ein Kreuz vorstellen. Gewicht = 2355. Gehalt (nach558 Klaproth) = 49 Kieselerde, 18 Schwererde, 16 Thonerde, 15 Wasser. Fundort zumahl Andereasberg am Harz.
24. Prehnit.
Meist apfelgrün; durchscheinend; mit schwa - chem Perlmutterglanz; theils ungeformt, theils in kurzen vierseitigen Säulen stänglich zusam - mengehäuft. Gewicht = 2942. Gehalt (nach Klaproth) = 43,83 Kieselerde, 30,33 Thon - erde, 18,33 Kalkerde, 5,66 Eisenkalk, 1,83 Wasser. Fundort zumahl am Cap und in Dauphiné.
25. Zeolith.
Hat den Nahmen (Brausestein) von seiner Haupteigenschaft, daß er sich auf der Kohle vor dem Löthröhre zweigartig aufbläht, ohne zu einer Perle zu fließen. Ist weiß in mancherley Schattirungen, auch theils ziegelroth, grün; der frische ist mehr oder weniger durchscheinend; meist perlmutterglänzend, so zumahl der Stil - bit; (der verwitterte hingegen undurchsichtig, erdig, oder mehlicht;) sein Gefüge meist diver - girend strahlicht; theils blätterig; häufig unge - formt; oft nierenförmig; oft crystallisirt, und dieß meist in sechsseitigen Tafeln oder Säulen, seltener cubisch und rhomboidal (Chabagie) ꝛc. theils nadelförmig, (so der seltene wasserhelle durchsichtige Isländische Glaszeolith), theils fa - serig (Haarzeolith); meist halbhart. Gewicht = 2134. Gehalt eines Färöer (nach Pelletier) = 50 Kieselerde, 20 Thonerde, 8 Kalkerde, 22 Wasser*)Nach Dr. Hutton's und Herrn Vauque - lin's Analysen hält der Färöer Zeolith auch559 Pottasche; und nach Hrn. Haüy's Versuchen zeigen manche Zeolithcrystallen die Electricität des Turmalins.. Fundort unter andern zumahl auf Island und den Färöern im Trapp. Sonst auch in manchen Basalt ꝛc.
26. Marekanit. Lave vitreuse perlée.
Meist rauchgrau, theils wolkicht; mehr oder weniger durchscheinend; selten wasserhell und durchsichtig; glasglänzend; in runden und stumpfeckigen Körnern; meist ungefähr von Erbsengröße, doch theils auch so groß als Ha - selnüsse und drüber. Gewicht = 2365. Gehalt (nach Lowitz) = 74 Kieselerde, 12 Thon - erde, 7 Kalkerde, 3 Bittererde, 1 Eisen - kalk. Fundort zumahl beym Ausfluß der Ma - rekanka ins ochotskische Meer; liegen als Kerne in einer blätterigen Rinde von Perlstein; beydes Kern und Rinde blähen sich vor dem Löthrohre wie Zeolith.
27. Perlstein.
Meist aschgrau, theils ziegelroth, beydes in mancherley Schattirungen; wenig durchscheinend; theils von Seiden - theils von Perlmutterglanze; besteht theils aus körnigen abgesonderten, theils aus krummschaligen blätterigen bröckligen und zerreiblichen Stücken, welche letztere die eben gedachte Rinde der Marekanitkörner bilden.
28. Lasurstein. Lapis lazuli. Sapphirus der Alten. (Fr. pierre d'azur.)
Hat den Nahmen aus dem Persischen von seiner vortrefflichen blauen Farbe; ist undurch -560 sichtig; von mattem fast erdigen Bruch; oft mit eingesprengten Schwefelkies-Puncten; un - geformt. Gewicht = 2771. Gehalt (nach Klaproth) = 46 Kieselerde, 14,50 Thon - erde, 28 kohlensaure Kalkerde, 6,50 schwe - felsaure Kalkerde (Gyps), 3 Eisenkalk, 2 Wasser. Fundort unter andern in ausnehmen - der Schönheit und großen Blöcken am Baikal. Gebrauch zu mancherley Kunstarbeiten und nah - mentlich zur Ultramarin-Farbe.
29. Augit, Colophoniumstein. Pyroxène.
Aus dem Dunkel-lauchgrünen ins Schwarz - braune; wenig durchscheinend; starkglänzend; blätteriger Längenbruch; muscheliger Querbruch; theils crystallisirt in breiten sechsseitigen Säulen mit vierseitigen Spitzen. Gehalt (nach Vauque - lin) = 52 Kieselerde, 13,2 Kalkerde, 10 Talkerde, 3,83 Thonerde, 14,66 Eisen - kalk, 2 Braunsteinkalk. Meist eingewachsen in Basalt, Tuffwacke, und vorzüglich in den Laven vom Vesuv und Aetna.
30. Vesuvian. Idocrase.
Meist pechbraun, theils ins Dunkel-oliven - grüne; wenig durchscheinend; von außen meist Fettglanz; inwendig Glasglanz; immer crystal - lisirt; besonders in vierseitigen kurzen Säulen mit abgestumpften Kauten und sehr stumpfen Endspitzen. Gehalt (nach Klaproth) im 35,50 Kieselerde, 33 Kalkerde, 22,25 Thonerde, 7,50 Eisenkalk, 0,25 Braunsteinkalk. Fund - ort unter den Primordial-Fossilien des Ve - suvs; vorzüglich aber (in rein auscrystallisirten theils daumensdicken Crystallen) an der Mün - dung des in den Wiluj fallenden Achtaragda.
56131. Leucit, weißer Granat, vulcanischer Granat. Amphigène.
Graulich weiß, milchicht; durchscheinend; aber meist rissig, und daher trübe; von außen rauh; inwendig glasglänzend, zeigt auf dem Bruche concentrische Textur. Gemeiniglich crystallisirt, weist als doppelt achtseitige Pyramide mit vier Flächen an jeder Endspitze (– tab. II. fig. 14. –); sehr spröde. Gewicht = 2468. Gehalt (nach Klaproth) = 54 Kieselerde, 23 Thonerde, 22 Pottasche. Fundort vorzüglich in Unter-Italien, in mancherley Laven und Tuffwacken.
32. Pyrop, Böhmischer Granat.
Blutroth; mehr oder weniger durchsichtig; glasglänzend; muscheliger Bruch; theils crystal - lisirt, zumahl als Dodecaëder mit rautenför - migen Flächen (– tab. III. fig. 13. –); und mancher von diesen zeigt auf dem Bruche con - centrisches Gefüge (wie der Leucit); meist aber findet er sich in rundlichen Kölnern, lose oder eingewachsen in Serpentin, Chloritschiefer, Glim - mer ꝛc. Gewicht = 3491. Gehalt (nach Klaproth) = 40 Kieselerde, 28,50 Thonerde, 10 Talkerde, 3,50 Kalkerde, 16,50 Eisenkalk, 0,25 Braunsteinkalk. Fundort zumahl Böhmen, aber auch Sachsen, Tyrol, Norwegen ꝛc.
33. Granat. Carbunculus. (Fr. Grenat. Engl. Garnet)
Aus dem Colombin - und Karmesinrothen durchs Pechbraune ins Olivengrüne; eben so verschiedene Grade der vollkommnern oder min - dern Durchsichtigkeit; meist Glasglanz; musche - liger Bruch; sowohl ungeformt als crystallisirt;562 letzteres in mancherley Form; doch meist als Do - decaëder mit rautenförmigen Flächen (– tab. II. fig. 13 –); auch wie der Leucit (– tab. II. fig. 14. –).
Nach den Hauptfarben unterscheidet man fol - gende drey Arten des Granats; wovon ersterer edler, die andern beyden aber gemeiner Granat genannt werden.
1) Rother Granat, orientalischer Granat.
Meist von der gedachten rothen Farbe. Ge - wicht = 4188. Gehalt (nach Klaproth) = 35,75 Kieselerde, 27,25 Thonerde, 36 Eisen - kalk, 0,25 Braunsteinkalk. Findet sich vorzüg - lich in Pegu; wird gemeiniglich als Zweckenkopf (en cabochon) geschliffen.
2) Brauner Granat, Eisengranat.
Pechbraun, theils ins Zimmtbraune ꝛc. Unter andern vorzüglich schön am St. Gotthard; auch beym Vesuvian vom Vesuv.
3) Grüner Granat, grüner Eisenstein
Lauchgrün, olivengrün ꝛc. Gewicht = 3754. Gehalt (nach Wiegleb) = 36,45 Kieselerde, 30,83 Kalkerde, 28,75 Eisenkalk. Unter an - dern rein auscrystallisirt in der Leucit-Form (– tab. II. fig. 14. –) beym Vesuvian vom Wiluj. Gemeine Abarten häufig in Thüringen und Meisen, auch nebst dem braunen am Spitzenberg am Harz.
Die vom Hrn. Professor Klaproth entdeckte Zir - con-Erde, von welcher dieß Fossilien-Ge - schlecht den Nahmen hat, wird in Schwefel - säure und im concentrirten Essig, aber nicht in Laugensalzen aufgelöst. Sie gibt vor dem Löthrohre mit Borax eine wasserhelle Perle, und findet sich in zwey so genannten Edelstei - nen, dem Zircon und dem Hyacinth.
1. Hyacinth. Lyncurium veterum?
Meist orangegelb, feuerfarben; durchsichtig; gewöhnlich rein auscrystallisirt, und zwar meist in vierseitigen Säulen, die mit vier auf den Kanten aufsitzenden Flächen zugespitzt sind (– tab. II. fig. 20. –)*)Auch der Ceilanische brandgelbe, ungeformte - mit Quarz durchzogene Canelstein (der den Nah - men eben von seiner dem Zimmtöhl ähnlichen Farbe hat) ist nach den äußern Kennzeichen zu schließen ein derber Hyacinth.. Gewicht = 3687. Gehalt (nach Klaproth) = 70 Zirconerde, 25 Kieselerde. Fundort vorzüglich Ceilan**)Aus Africa ist bis jetzt überhaupt wenig von eigentlich so genannten Edelsteinen bekannt, doch habe ich von Hrn. Baronet Banks einen groh - körnigen Sand erhalten den der Botaniker W. Braß am Cape Coast auf Guinea gesammelt, und worin sich besonders eine Menge Körner finden die dem Hyacinth vollkommen gleichen. Außerdem auch unter andern kleine Spinell äh - nelnde Geröße..
5642. Zircon, Sargon.
Meist von blassen Farben, zumahl ins Gelb - liche, Blauliche; selten lichtbraun ꝛc. ; durchsich - tig; von einem eigenen, fast metallischen, doch etwas fettigen Glanze; crystallisirt in vierseitigen Säulen, die mit vier auf den Seiten aufsitzenden Flächen zugespitzt sind (– tab. II. fig. 7. –); sehr hart. Gewicht = 4475 L. Manche wer - den stark vom Magnet angezogen. Gehalt (nach Klaproth) = 69 Zirconerde, 26,50 Kieselerde, 0,50 Eisenkalk. Fundort Ceilan und Norwegen; hier nähmlich bey Kongsberg in einem aus opalisirenden Feldspath und Hornblende gemeng - ten Halbgranit.
Die zuerst von Hrn. Gadolin entdeckte Yttererde (terra Yttria) unterscheidet sich von der Glücin - und Thonerde, mit welchen sie sonst in manchen Eigenschaften überein kommt, unter andern durch ihre Unauflösbarkeit in den ätzenden festen Laugensalzen.
1. Ytterit, Gadolinit.
Schwarz; undurchsichtig; glänzend; kleinmusche - liger Bruch; halbhart; wirkt lebhaft auf den Magnet. Gewicht = 4237. Gehalt (nach Klap - roth) = 59,75 Yttererde, 21,25 Kieselerde, 17,50 Eisenkalk, 0,50 Thonerde, 0,50 Wasser. Bricht565 bis jetzt nur in sehr geringer Menge in rothen Feldspath zu Ytterby in Roslagen in Schweden, von welchem Fundorte das Fossil auch seinen Nahmen erhalten.
Die von Hrn. Vauquelin entdeckte Glü - cinerde (Süßerde) unterscheidet sich von der Thonerde, mit welcher sie manche Eigenschaften gemein hat, schon dadurch, daß sie mit der Schwefelsäure nicht wie diese Alaun macht; und hat ihren Nahmen von der Eigenheit, daß sie mit Säuren süße und leicht zusammen - ziehende Salze bildet.
1. Beryll, Aquamarin. (Fr. Aigue marine.)
Berggrün in mancherley Schattirungen, einer - seits bis ins Himmelblaue, anderseits bis ins Honiggelbe; durchsichtig; Längenbruch musche - lig; Querbruch blätterig; in sechsseitige Säulen von mancherley Valietät crystallisirt. Gewicht = 2683. Gehalt (nach Vauquelin) = 16 Glü - cinerde, 69 Kieselerde, 13 Thonerde, 0,5 Kalk - erde, 1 Eisenkalk. Fundort vorzüglichst auf dem Adonschelo zwischen Nertschinsk und dem Baikal, und eine gemeine grünlichgraue ꝛc. fast undurch - sichtige Abart in großen Säulen bey Chante - loupe in Haute-Vienne*)Den Sächsischen Beryll von Johanngeorgenstadt hat Hr Prof. Trommsdorf nach 'seinen Unter -566 suchungen für ein ganz vom wahren Beryll ver - schiedenes Fossil erklärt, worin er 78 p. C. einer eigenen neuen Erde gefunden, die er, weil sie mit den Säuren unschmackhafte Salze bilde, Agusterds, und das Fossil selbst, Agustit ge - nannt hat..
2. Smaragd.
Seine Hauptfarbe hat von ihm selbst den Nah - men: seine Crystallisation ist eine sechsseitige Säule (– tab. II. fig. 10. –) in mancherley Abänderungen. Gewicht = 2775. Gehalt (nach Vauquelin) = 13 Glücinerde, 64,60 Kieselerde, 14 Thonerde, 2,50 Kalkerde, 3,50 Chromium - kalk. Fundort vorzüglichst in Peru.
Die Thonerde (terra argillosa) heißt auch Alaun-Erde (terra aluminosa, Fr. alu - mine), weil sie mit der Schwefelsäure den Alaun bildet. Sie wird außerdem auch in der Salpetersäure und Salzsäure aufgelöst, und aus der Auflösung durch Pottasche wieder ge - fällt. Für sich ist sie im Feuer unschmelzbar, verhärtet aber darin; und wird dabey (und zwar nach Verhältniß des Grades der Hitze) in einen kleinern Raum zusammen gezogen. – Viele thonartige Fossilien geben, wenn sie an - gehaucht werden, den eigenen Thongeruch von sich. Die weichen kleben meist an der Zunge,567 und manche derselben saugen das Wasser ein, und lassen sich darin erweichen.
In dieses Geschlecht gehören zuförderst – so auffallend es auch auf den ersten Blick scheinen muß – manche farbige Edelsteine, (Argilo-gemmes), deren einige, wie ihre genaueste Analyse gelehrt hat, fast aus bloßem Thone bestehen, der auf eine unbegreifliche Weise zu so ausnehmend harten, durchsichti - gen, feurigen, edlen Steinalten verbunden ist (§. 240. S. 537).
1. Chrysoberyll. Cymophane.
Meist aus dem Weingelben ins Spargel - grüne opalisirt ins Blaue; durchsichtig glas - glänzend; muscheliger Bruch; meist ungeformt in Körnern. selten crystallisirt als achtseitige Säule mit dergleichen Endspitze. Gewicht = 3710. Gehalt (nach Klaproth) = 71,50 Thon - erde, 18 Kieselerde, 6 Kalkerde, 1,50 Eisen - kalk. Fundort Brasilien.
2. Saphir. Télésie.
Meist blau in mancherley Abstufungen; bis ins Weiße (Luxsaphir) und zuweilen gar wein - gelb*)Manchmahl sogar gelb und blau am gleichen Stücke: s. z. B. im Inventaire des diamans de la couronne ꝛc. imprimé par ordre de l'Assemblée na - tionale. Par. 1791 8. T. I. p. 200. n. 4. „ Un saphir d'orient – couleur saphir des deux bouts, et topaze au milieu. “, wozu vielleicht mancher so genannte568 ostindische Topas gehört*)Ueberhaupt gibt die Farbe ein weit minder wesent - liches, sondern mehr zufälliges äußeres Kennzei - chen der Edelsteine ab, als ihr specifisches Ge - wicht, Bruch, Härte und Crystallisation.; eigentlich durch - sichtig; zuweilen in etwas opalisirend; seine Crystallisation als sechsseitige einfache oder dop - pelte Pyramide (– tab. II fig. 18. –); und theils von concentrischem Gefüge, wie der Leucit oder mancher rothe Granat**)Dieses Gefüge zeigt sich zumahl bey minder durch - sichtigen. Wenn von solchen Saphiren (und auch manchen andern Edelsteinen ähnlicher Crystallisa - tion) die Spitze stumpf abgeschliffen wird, so spielen sie bey auffallendem Lichte mit einem be - weglichen 6 strahligen Sterne; daher sie Stern - saphire genannt werden.. Ist der här - teste Stein dieses Geschlechts. Mittel-Gewicht = 4000. Gehalt (nach Klaproth) = 98,50 Thonerde, 1 Eisenkalk, 0,50 Kalkerde. Findet sich wohl bloß als Gerölle; zumahl auf Ceilan.
3. Rubin, Spinell.
Roth in mancherley Abstufungen; daher die besondern Benennungen, da der ponceaurothe Spinell genannt wird, der rosenrothe Balais, der ins Hyacinthrothe fallende Kubicell ꝛc. zuweilen geht er aber auch ins Blauliche, ins Weiße ꝛc. ; seine Crystallisation mannigfaltig; doch meist als doppelt vierseitige Pyramide (– tab. II. fig. 5 –) oder als sechsseitige Säule oder Tafel, in mancherley Abänderungen. Mittel-Gewicht = 3700. Gehalt (nach Klap - roth) = 74,50 Thonerde, 15,50 Kieselerde, 8,25 Talkerde, 0,75 Kalkerde, 1,50 Eisen - kalk***)Nach Vauquelin nur Thonerde mit 8,78 Talk - erde und 6,18 Chromiumkalk.. Fundort Ceilan, Pegu ꝛc.
5694. Topas.
Gelb in mancherley Abstufungen; theils aber auch einerseits ins Rosenrothe, anderseits ins Meergrüne, Blauliche ꝛc. ; der Längenbruch mu - schelig; der Querbruch blätterig. Meist crystal - lisirt, und zwar gewöhnlich als vier - oder acht - seitige Säule, die beym brasilischen mit vier, acht oder auch sechs Flächen zugespitzt (– tab. II. fig. 16. –), beym Sächsischen aber mehrentheils mit einer sechsseitigen Fläche abgestumpst ist (– tab. II. fig. 9 –). Gewicht des brasilischen = 3515 L. Gehalt (nach Vauquelin) = 68 Thonerde, 31 Kieselerde. Dieser zeigt auch die Elektricität des Turmalins Fundorte, in Europa zumahl bey Auerbach im Voigtlande auf dem Schneckenstein, in einem eigenen, merkwürdigen Muttergestein (dem Topasfels); in Asien vor - züglich bey Mukla in Natolien und am Ural in Sibirien; in America in Brasilien.
5. Schörl und Turmalin.
In drey Hauptfarben, schwarz, braun und grün; theils Glasglanz, theils Fettglanz; meist muscheliger Bruch. Theils als Gerölle, meist aber in drey - oder sechs - oder neunseitigen der Länge nach gestreiften Säulen, mit dreyseitiger kurzer Endspitze (– tab. II. fig. 12. –). Manche Abarten von allen drey Farben zeigen die sonderbare Electricität, daß sie, wenn sie nur bis zu einer gewissen Temperatur erwärmt sind, Asche ꝛc. anziehen und abstoßen, und diese heißen Turmaline*)S. Curiöse Speculationes bey schlaf-losen Nächten – zu eigener nächtlicher Zeit-verkürzung, aufgezeich -570 net von einem Liebhaber der immer Gern Speculirt. Chemnitz, 1707. 8. S. 269 u. f. wo der Verf. Dr. Garmann (lange vor L. Lemery) die erste be - stimmte Nachricht vom ceilanischen Turmalin gibt..
1) Schwarzer Schörl und Turmalin.
Meist kohlschwarz, undurchsichtig; doch theils in dünnen Splittern braun oder grün durchschei - nend. Hat glasartigen Bruch. Meist in langen Säulen (Stangenschörl), theils nadelförmig; theils in kurzen dicken Säulen (Graupenschörl). Bricht sowohl im Granit, als in manchen Gang - gebirgsarten, zumahl im Gneis, Schneidestein ꝛc. Topasfels ꝛc. Fast in allen Welttheilen; nah - mentlich in Tyrol, Grönland, auf Mada - gascar ꝛc.
2) Brauner Turmalin.
Bey auffallendem Lichte schwarzbraun, bey durchfallendem fast colophoniumbraun, durchsich - tig; auch wie der schwarze theils in langen Säulen (so z. B. auf den Pyrenäen), theils in Graupen (z. B. auf Ceilan). Gehalt (nach Bergmann) = 39 Thonerde, 37 Kieselerde, 15 Kalkerde, 9 Eisenkalk.
3) Grüner Turmalin, Peridot.
Meist lauchgrün; theils ins Stahlblaue; durchsichtig; die Säulen meist tief gefurcht. Gewicht = 3000. Gehalt (nach Bergmann) = 50 Thonerde, 34 Kieselerde, 11 Kalkerde, 5 Eisenkalk. Fundort Brasilien.
6. Hornblende. Amphibole.
Schwarz und grün, in mancherley Abstufungen und Uebergängen. Undurchsichtig oder wenig571 durchscheinend; meist blätteriger Bruch; gibt grünlichgrauen Strich. Gewicht = von 3600 bis 3900. Gibt, wenn sie angehaucht wird, den eigenen Thongeruch von sich.
Als besondere Arten verdienen angemerkt zu werden:
1) Gemeine Hornblende (Fr. roche de corne striée).
Theils stralig, büschelförmig ꝛc. Eins der weitest verbreiteten ältesten Fossilien auf unserem Planeten; das einen der gemeinsten Gemengtheile vielen Aftergranits ausmacht; sich aber auch theils in Flözgebirgen von neuerer Entstehung findet*)So besitzt z. B. das hiesige academische Museum unter den wichtigen mineralogischen Geschenken des Hrn. Baron von Asch, eine merkwürdige hierher gehörige Seltenheit, nähmlich versteinte Seeconchylien, zumahl Mytiliten, Telliniten ꝛc. von Kettsch in der Krimm, die noch ihre (frey - lich schon in Verwitterung übergegangene) Schaale haben, und deren ganze Höhlung mit langstrah - liger stark glänzender grünlichschwarzer Horn - blende dicht ausgefüllt ist..
2) Hornblendeschiefer.
Meist mit kurzen durcheinander laufenden strah - ligen Fasern; in scheibenförmigen Bruchstücken.
3) Basaltische Hornblende.
Meist in kurzen sechs - oder achtseitigen Säu - len, die theils tafelartig, und mit zwey oder drey Endflächen zugeschärft oder zugespitzt sind. Meist eingewachsen in Basalt und Tuffwacke; auch eingemengt in Laven.
5727. Chiastolith.
Weiß, und gelblich - oder grünlich grau, in langen dünnen vierseitigen Säulen, die im Quer - bruch in der Mitte einen schwarzen viereckten Fleck bilden, der von seinen Ecken nach den Kan - ten der Säule ausläuft. Das sonderbare Fossil hat Fettglanz, feinsplittrigen Bruch, ist weich, und in Thonschiefer eingewachsen. Gewicht = 2927. Fundort zumahl Bretagne und Gefrees im Bayreutschen.
8. Schillerstein, Schillerspath*)Das alte deutsche Bergmannswort, Spath, wird eigentlich nur von solchen Steinen und metallischen Kalken gebraucht, die nicht nur ein blätteriges Gefüge, sondern auch eine dem zwey - oder mehrfachen Durchgang ihrer Blätter entsprechende, meist rautenförmige Ge - stalt der Bruchstücke haben. Und in so fern ver - dient hier dieses Fossil, da ihm dieses letztere fehlt, nicht wohl diesen Beynahmen. Allein jener Begriff leidet überhaupt nach dem einmahl allgemein üblichen Sprachgebrauche seine großen mannigfaltigen Einschränkungen und Ausnahmen. Denn es gibt einerseits unter den Spathen auch mancherley dichte Abarten, auf welche jener Be - griff nicht anwendbar ist; und andererseits kennen wir Fossilien, wie z. B. den Diamant, die alle jene Eigenschaften haben und die dessen ungeachtet niemand für einen Spath halten wird..
Messinggelb, ins Grünliche; kaum merklich durchscheinend; von metallischem, schillerndem Glanze; geradblätterig; weich. Gehalt (nach Gmelin) = 17,9 Thonerde, 43,7 Kieselerde, 11,2 Talkerde, 23,7 Eisenkalk. Fundort im harzburger Forst am Harz, in einem grünlich schwarzen, dem Serpentinstein ähnelnden Mut - tergestein.
5739. Glimmer. Mica.
Meist rauchgrau in mancherley Abstufungen, theils mit Silber - oder Messing-Glanz, oder tombackbraun bis ins Schwarze; mehr oder we - niger durchscheinend; meist geradeblätterig, selten, krummblätterig (wie z. B. Mica hemisphaerica Linn.) Jene theils in Bogengröße; so z. B. das russische Frauenglas [(Russ. Slud*)Von der merkwürdigen Eigenschaft dei Russischen Frauenglases, daß es den Lichtstrahl ungebrochen und vollkommen parallel durchgehen läßt, und dem nützlichen Gebrauch den man folglich davon bey astronomischen Instrumenten machen kann, s. des Hrn. B. von Zach monatl. Corresp. III. u. p. 239. u. f.]; die Blätter elastisch biegsam; meist ungeformt, theils aber crystallisirt und dieß gewöhnlich in sechs - seitigen Tafeln. Gewicht = 2934. Gehalt (nach Bergmann) = 46 Thonerde, 40 Kieselerde, 5 Talkerde, 9 Eisenkalk. Auch eins der primitiv - sten und allgemeinst verbreiteten Fossilien in un - serer Erdrinde; in allen dreyen Hauptarten von Gebirgen (§. 227-230).
10. Lepidolith, Lillalit. (Fr. Mica grenu.)
Lillaroth, theils ins Graue, Bräunliche ꝛc. ; an den Kanten durchscheinend; schimmernd, von fast metallischem Glanze; unebnem, kleinschup - pigem, fast glimmerigem Bruche; halbhart. Gehalt (nach Klaproth) = 38,25 Thonerde, 54,50 Kieselerde, 4 Pottasche, 2,50 Wasser, 0,75 Braunstein - und Eisenkalk. Fundort bey Rozena in Mähren, in einer gemengten Gebirgs - art von Feldspath und großen Quarzbrocken.
57411. Kryolith, flußsaurer Thon.
Fast milchweiß; durchscheinend; glasglänzend; den dickschaligem Gefüge; weich. Gewicht = 2957. Schmilzt sehr leicht vor dem Löthrohre zu milchweißen Kügelchen. Gebalt (nach Klap - roth) = 24 Thonerde, 40 Flußsäure, 36 Soda. Fundort Grönland.
12. Honigstein. Mellite.
Meist honiggelb; durchscheinend; glasglänzend; sehr spröde; klein muscheliger Bruch; immer cry - stallisirt, als doppelt vierseitige Pyramide. Ge - wicht = 1666. Gehalt (nach Kläproth) = 16 Thonerde, 46 einer eigenen (den vegetabilischen ähnelnden) Säure, 38 Wasser; bricht (theils zwischen natürlichem Schwefel) in bituminösem Holz und dergleichen Holzerde, bey Artern im Mansfeldischen.
13. Demantspath und Corund. *)S. Ch. Greville on the Corundumstone from Asia; in den Philos. Transact. 1798. P. I.
Ersterer rauchgrau, letzterer meist apfelgrün, selten ins Haarbraune; wenig durchschei - nend; von so genanntem Demant-Glanz, und spathartigem Gefüge; crystallisirt in sechsseitigen (zuweilen etwas conisch zulaufenden) kurzen Säulen. Mittel-Gewicht, sowohl des schinesi - schen als hindostanischen, = 3911 L. Gehalt des letztern (nach Klaproth) = 89,50 Thonerde, 5,50 Kieselerde, 1,25 Eisenkalk. Fundort Coromandel und Schina, im Granit. Gebrauch in jeden Ländern zum Schneiden und Poliren der Edelsteine und des Stahls. **)Ich finde dieses merkwürdige Fossil schon in den voyages de Thevenot T. III. Par. 1684. 4. p. 292.
57514. Feldspath (Fr. Spath étincelant, Engl. Field-spar.)
Von mancherley, doch meist blaffern Farben; weist nur wenig durchscheinend; weist wahres Spathgefüge; theils ungeformt, theils verschie - dentlich crystallisirt; häufigst als Bestandtheil gemengter Gebirgsarten; theils mit andern Fos - silien (z. B. mit Quarz oder Hornblende) innig gemengt.
Man unterscheidet folgende fünf Arten desselben:
1) Dichter Feldspath.
D.h. ohne merkliches Spathgefüge: von der Art ist z. B. der blaßlauchgrüne im ägyptischen Serpentina verde antico.
2) Gemeiner Feldspath.
Meist weißlich, gelblich, röthlich ꝛc. doch theils auch in andern und selbst hohen Farben, z. B. smaragdgrün mit mattem Perlenmut - terglanz im so genannten Amazonenstein aus dem Catharinburgischen; mit deutlichen Spath - gefüge; häufig crystallisirt, zumahl in sechs - seitigen (einfachen oder zu Zwillingscrystallen verbundenen) Tafeln mit zugeschärften oder zuge - spitzten Enden, oder in Rhomben, in vierseiti - gen Säulen ꝛc. Manche Abarten verwittern leicht (zu Porcellanthon). Gewicht des smaragd - grünen sibirischen = 2573 L. Und der Gehalt des nähmlichen (nach Vauquelin) = 65 Kiesel - erde, 17 Thonerde, 3 Kalkerde, 13 Potasche. Ueberhaupt aber ist der gemeine Feldspath wie - derum eine der uranfänglichsten Fossilienarten unseres Erdkörpers, als Hauptgemengtheil des576 Granits, wo er in manchen Abarten den bey weitem vorwaltenden Theil ausmacht*)So z. B. in dem merkwürdigen Portsoy-Granit aus Aberdeenshire, wo die Feldspathmasse nur wie mit Quarzblättchen und Splittern so son - derbar durchzogen ist, daß das Fossil, nach be - stimmter Richtung angeschliffen, gleichsam das Ansehen einer cufischen Steinschrift enthält, daher es auch den Nahmen, pierre graphique, erhalten hat. – s. Voigts Magazin VI. B. 4. St. S. 21..
3) Glasiger Feldspath.
Theils farbenlos; wasserhell; theils weiß; glasglänzend; theils ungeformt (so z. B. einge - wachsen in manchen hieländischen Basalt); theils säulen - oder tafelförmig crystallisirt (so z. B. in ersterer Form im Granit vom Drachen - fels am Rhein, in letzterer am Vesuv).
Vermuthlich gehört auch dahin der so genannte weiße Tafelschörl aus Dauphiné.
4) Adular, Mondstein.
Meist weiß; durchscheinend; perlmutterglän - zend; opalisirend; seine Crystallisation meist wie am gemeinen Feldspath. Gewicht = 2561. Fundort zumahl auf der Adula am St. Gotthard (theils in großen Crystallen), und der eigentliche Mondstein als Gerölle auf Ceilan**)Ihm ähnelt das seltene Feldspath-Avanturino (Avanturinspath) vom weißen Meere. Ein blaß - fleischrother Feldspath, der mit zarten, goldglän - zenden Glimmerblättchen durchmengt ist, und dessen geschliffene Oberfläche mit einem schönen blauen Wiederscheine opalisirt..
5) Labradorstein.
Seine Grundfarbe meist schwärzlichgrau, aber bey auffallendem Lichte in mancherley, theils577 hohe Farben schillernd, theils mit Messing - oder Tombackglanz; durchscheinend. Gewicht = 2692. Fundort vorzüglichst auf Labrador (als Gerölle) und in Ingermannland.
15. (so genannte) reine Thonerde.
Kreideweiß; erdiger Bruch; mürbe; abfärbend; mager anzufühlen; meist in kleinen Nieren. Gewicht = 1669. Vorzüglich rein bey Halle. Hält doch außer der Thonerde auch kohlensaure Kalkerde und Kieselerde. Doch von letzterer ohne Vergleich weniger als die nächstfolgenden Thonarten.
16. Porcellanerde, Kaolin der Schinesen.
Weißlich, in allerhand blasse Farben überge - hend; mager; sanft anzufühlen; von verschiede - nem Zusammenhange. Gehalt verschieden; doch gewöhnlich nur ungefähr 1 / 4 Thon-Erde zu 3 / 4 Kiesel - erde. Fundort in vielen Ländern von Europa und Asien. Ist wenigstens großentheils aus ver - wittertem Feldspath entstanden.
17. Gemeiner Thon.
Meist von grauer Farbe, und aus derselben durch mancherley Uebergänge in andere; matt; weich; fettig anzufühlen; der Bruch häufig ins Schieferige; gibt angehaucht den eigenen Thon - geruch. Es gehören dahin
1) Töpferthon.
Sehr weich; wird im Wasser zähe; brennt sich im Feuer mehrentheils ziegelroth; variirt mannigfaltig im Ansehen, Feinheit, Gehalt und der davon abhängenden vielfachen Brauchbar -578 keit, z. B. zu Terra cotta, Fayence, Steingut, so vielartiger anderer Töpferwaare*)Zu den besonders merkwürdigen Abarten des Töpferthons, die sich durch auffallende Eigenheiten der daraus gebrannten Gesäße auszeichnen, gehö - ren vorzüglich1) Die, woraus die bewundernwürdigen antiken griechischen und so genannten etruskischen Vasen gearbeitet worden, die sich besonders durch ihre so ausnehmende Leichtigkeit unter - scheiden.2) Die, aus welcher die Portugisischen Pucaros de Estremoz gedreht werden, welche einen ange - nehmen adstringirenden Geschmack haben, und selbigen auch dem daraus genossenen Getränk mittheilen.3) Die, woraus man zu Szent-Laszlo in Sie - bendürgen die sonderbaren Blasenröpse mit großen aufgetriebenen Blasen in ihren Wän - den verfertigt., Tabacks - pfeifen, türkischen Pfeifenköpfen (u. a. vulgo so genannten terrae sigillatae-Waaren), Schmelz - tiegeln, Ziegeln auch zum Walken schlechter Tücher, zum Raffinirten des Zuckers ꝛc. Findet sich meist in aufgeschwemmtem Lande, nahe unter der Dammerde.
2) Verhärteter Thon.
Von verschiedener Farbe und Festigkeit; meist feinerdigem Bruche; macht theils den Grundteig mancher Porphyre aus. Gebrauch in theils Ge - genden als Baustein.
3) Schieferthon, Zechstein.
Meist rauchgrau, ins Schwarze, der Bruch schieferig, scheibenförmig; manche Abarten hän -579 gen stark an der Zunge*)Vor allen bis jetzt bekannten Fossilien thut dieß der von Hrn. Prof. Lowitz 1772 bey Dmitriewsk an der Mündung der Kamyschinka in die Wolga entdeckte überaus merkwürdige aschgraue Hygro - meter-Schiefer, der von der äußerst scharfsin - nigen Anwendung den Nahmen hat, die dieser vortreffliche Chemiker davon gemacht und in Lichtenbergs göttingischem Magazin 3ten Jahrg. 4ten St. S. 491 u. f. genau beschrieben hat.; oft mit Kräuterab - drücken (Kräuterschiefer). Ein gewöhnlicher Gefährte der eigentlichen Steinkohlen. Ueber - gänge in Thonschiefer, Porcellan-Jaspis.
Wenn er mit Erdharz durchdrungen ist, heißt er Brandschiefer, Kohlenschiefer, Schiftus carbonarius; dieser brennt mit Harzgeruch und wird dabey heller. Kann auch selbst sehr gut zu mancher Aert von Feuerung gebraucht werden.
18. Lehmen, Leimen. Limus. (Engl. Loam.)
Meist leberbraun; groberdig; im Wasser er - weichbar; innig gemengt mit Sand und Kalk, daher er mit Säuern braußt, und theils leicht im Feuer schmilzt; meist eisenhaltig. Fundort in aufgeschlemmtem Lande.
19. Bolus, [der Mineralogen**)Denn der officinelle armenische Bolus ist eine Art Steinmark.], lemnische Erde, Siegelerde. Terra Lemnia s. sigillata.
Meist leberbraun, theils ins Fleischrothe; matt; fettig; muscheliger Bruch; glänzender Strich; weich; hängt stark an der Zunge; zer - fällt im Wasser mit Aufstoßen von Luftblasen und Geräusch, gibt angehaucht den Thongeruch. 580Fundort vorzüglich auf der Insel Stalimene (Lemnos).
20. Walkererde. Argilla fullonum. (Engl. Fuller's Earth.)
Meist leberbraun, aber auch in andern Far - ben; theils streifig, oder fleckig; matter, erdi - ger Bruch; fettig anzufühlen; gibt glänzenden Strich, und Thongeruch; saugt leicht Fett ein; daher ihre wichtige Benutzung. Gehalt (nach Bergmann) = 25 Thonerde, 51,8 Kieselerde, 3,3 Kalkerde, nur 0,7 Talkerde, 3,7 Eisenkalk, 15,5 Wasser. Fundort der vorzüglichsten in Hampshire.
21. Bergseife.
Theils bräunlich schwarz, theils gelblich weiß mit grauen und leberbraunen Adern; seifenartiger Bruch; sehr fettig anzufühlen; hängt stark an der Zunge, und läßt sich spähneln. Fundort zumahl bey Medziana Gora in Polen.
22. Cimolit.
Graulich weiß, theils röthlich; erdig; weich; zähe; läßt sich spähneln; gibt glänzenden Strich; klebt an der Zunge; fällt im Wasser blätterig aus - einander; Gewicht = 2000; Gehalt (nach Klap - roth) = 23 Thonerde, 63 Kieselerde, 1,25 Eisenkalk, 12 Wasser. Fundort zumahl auf der Insel Argentiera (Cimolo).
23. Steinmark. Lithomarga. (Engl. stone - marrow.)
Weißlich, aber in allerhand Uebergängen zu allen drey Grundfarben; theils streifig, oder581 marmorirt (so z. B. die meist veilchenblaue so genannte Wundererde von Planitz bey Zwickau) von sehr verschiedener Festigkeit; vom zerreibli - chen bis zum Halbharten*)Von der Art besitze ich ein rahmgelbes, ausneh - mend feinkörniges Steinmark von der Insel St. Helena, das selbst seine schärfsten Kanten in einer Hitze die Eisen schmilzt, unverändert erhält.; letzteres mit musche - ligem Bruche.
Auch der officinelle ziegelrothe meist weißlich gesprenkelte armenische Bolus gehört hierher.
Besonders merkwürdig ist das vom H. Oberberg - hauptmann von Trebra im tiefen Georgstollen bey Clausthal auf Grauwacke entdeckte milch - weiße Steinmark, welches mittelst eines Feder - kiels einen phosphorescirenden Strich gibt.
24. Bildstein, schinesischer Speckstein.
Aus dem Weißen ins Gelbliche, Grünliche, Rothe; mehr oder weniger durchscheinend; Ge - wicht = 2600; ähnelt überhaupt im Aeußern dem eigentlichen Specksteine; hält aber keine Talkerde, sondern (nach Klaproth) = 36 Thon - erde, 54 Kieselerde, 0,75 Eisenkalk, 5,50 Was - ser. Fundort in Schina, wo er bekanntlich zu mancherley kleinen Kunstsachen verarbeitet wird.
25. Röthel Rubrica. (Fr. crayon rouge, Eng. red-chalk.)
Blutroth, ziegelroth ꝛc. ; erdig; abfärbend; meist schieferiger Bruch. Gewicht = 3931. In - nig gemengt mit rothem Eisenocker (doch nur in wenigen pro Centen).
58226. Gelberde.
Ochergelb; theils ziegelroth; erdig; abfärbend; weich; gibt starken Thongeruch. Fundort zu - mahl in der Oberlausitz, in ganzen Flözen.
27. Grünerde, grüne Kreide.
Berggrün in verschiedenen Abstufungen; erdiger Bruch; etwas fettig; theils derb (so bey Ve - rona); theils als Ueberzug in Drusenlöchern, im Trapp und auf den darin liegenden Chalcedon - und Zeolith-Nieren (so z. B. bey Ilfeld und auf den Färöern).
28. Alaunthon.
Ganz in den nähmlichen drey Abartungen wie der gemeine Thon, von dem er sich aber unter andern auch meist schon durch einen süß - licht zusammenziehenden Alaungeschmack aus - zeichnet.
1) Alaunerde, Lebererz.
Meist schwarzbraun; erdiger Bruch; glänzen - der Strich; theile in ganzen Flözen.
2) Alaunstein.
Weiß, ins Gelbliche, Grauliche ꝛc. (im Feuer brennt er sich röthlich); theils an den Kanten etwas durchscheinend (mehr noch wenn er im Wasser liegt) halbhart; theils abfärbend. Ge - halt (nach Bergmann) = 35 Thonerde, 2,2 Kie - selerde, 43 Schwefel. Meist in ganzen Flözen; Hauptfundort zu Tolfa im Kirchenstaat.
3) Alaunschiefer.
Graulich, theils ins Schwarze; bricht schei - benförmig; theils gerade - theils krumm-blätte -583 rig; theils in Kugeln; der Bruch theils matt, theils glänzend; hält häufig Schwefelkies einge - mengt; bricht theils (– aber bey weiten nicht ausschließlich –) in Ganggebirgen als Thon - schiefer, von dem er im Aeußern oft kaum zu unterscheiden ist; und theils hingegen unläugbar in Flötzgebirgen mit Abdrücken von Versteinerun - gen aus beyden organisirten Reichen; so z. B. als Kräuterschiefer im Saarbrückischen; und als Trilobitenschiefer bey Andrarum.
29. Thonschiefer, Layenstein, Wacke. Schi - stus. (Fr. Ardoise. Engl. Slate.)
Grau, in mancherley andere Farben über - gehend, bis ins Schwarze; theils gestreift, oder fleckig ꝛc. ; schimmernd, theils mit Seidenglanz; von sehr verschiedener Feinheit des Korns; der Bruch theils gerade, theils wellenförmig; die Bruchstücke meist scheibenförmig; doch theils auch nur in dicken und undeutlichen Ablosungen; selten trapezoidisch; weich oder halbhart. Gibt grau - lich-weißen Strich (scriptura). Ueberhaupt aber in endloser Mannigfaltigkeit von Abarten, die theils von ihrem Gebrauch den Nahmen haben, z. B. Probirstein (Irgl. pietra paragone, die ein wahrer Thonschiefer ist –), Taselschiefer, Dachschiefer ꝛc. Auch mancherley Uebergänge in Kieselschiefer, Glimmerschiefer ꝛc. Haupt - sächlich in Ganggebirgen. Doch auch theils in Flözgebirgen (– so z. B. der glarner Tafel - schiefer vom Blattenberge –).
Eine besondere Abart ist der Zeichenschiefer oder die schwarze Kreide, ampelites; sehr weich; abfärbend.
58430. Weßschiefer. (Fr. pierre à rasoir, Engl. whet-stone.)
Meist grünlich - oder gelblich-grau; nur an den Kanten wenig durchscheinend; schwachschim - mernd; schieferiger Bruch; theils splitterig; halb - hart bricht in Ganggebirgen; vorzüglich in der Levante, in Deutschland unter andern im Bay - reuthschen.
31. Klingstein.
Grau in mancherley Schattirungen, zumahl ins Grünliche; mattschimmmerd; an den Kanten durchscheinend; von dickschiefertigem Gefüge; der Bruch grobsplitterig; halbhart; zähe; Gewicht = 2575. Gehalt (nach Klaproth) = 23,50 Thon - erde, 57,25 Kieselerde, 2,75 Kalkerde, 3,25 Eisenkalk, 0,25 Braunsteinkalk, 8,10 Soda, 3 Wasser. Hat den Nahmen vom Klange den dünne Scheiben beym Anschlagen von sich geben; macht die gewöhnliche Grundmasse des Porphyrschiefere. Fundort unter andern in Böhmen und Lausitz.
32. Trapp, Wacke. Saxum trapezium Linn. Corneus trapezius Waller.
Meist gräulichschwarz, aber auch ins Grün - liche und ins Rothbraune; undurchsichtig; matter feinkörniger Bruch, theils ins Erdige; ungeformt; Härte und Gewicht verschieden. Macht oft die Grundmasse einer porphyrähnlichen gemengten Gebirgsart aus, da er andere Fossilien einge - mengt enthält, z. B. basaltische Hornblende, Glimmer, Zeolith, Chalcedon, Kalkspathnieren ꝛc. Dahin gehört also z. B. der Mandelstein von Ilfeld; der Perlstein von Lerbach am Harz, der Toadstone von Derbyshire. Uebergang in585 Basalt ꝛc. Eine durch die entferntesten Welt - gegenden verbreitete Gebirgsart; findet sich z. B. nördlich bis Island, Kamtschatka ꝛc. und so auch fast im äußersten von Europäern besuchten Sü - den auf Kerguelen-Land.
Als besondere Abarten verdienen angemerkt zu werden:
a. Variolit.
Dunkellauchgrün, mit eingesprengten blaßberg - grünen Nierchen, die dem Stein ein pockenar - tiges Ansehen geben. Fundort zumahl im Bay - reuthischen und als Gerölle in der Durance bey Briançon.
b. Manche vulgo so genannte dichte Lava vom Vesuv.
Meist braunroth; mit eingemengter schwarzer oder grüner basaltischer Hornblende und kleinen Kalkspathkörnern. Scheint das Urgestein zu vie - len vesuvischen Laven, denen sie insgemein (aber irrig) selbst beygezählt wird.
33. Basalt, Betlstein.
Aus dem Schwarzen ins Grauliche, Blau - liche und theils auch ins Grünliche; von sehr ungleichem Korn; mehr oder weniger dicht; theils in unebenen schieferigen Ablosungen, theils wie aus runden Körnern zusammengebacken ꝛc. Ueberhaupt aber entweder ungeformt, oder säu - lenförmig [(– aber nicht crystallisirt – s. oben S. 535. not. *)]. Diese Säulen, von drey bis neun Seiten, stehen theils zu tausenden dicht an - einander; meist schräg, wie angelehnt, theils aber auch aufrecht; theils gebogen; theils gar586 aufs regelmäßigste gegliedert*)So vor allen die unzähligen mächtig großen Ba - saltsäulen, die eins der prodigiosesten Phänomene in der physischen Erdkunde, nähmlich den Riesen - damm (Giant's Causeway) an der Nordküste von Island ausmachen. – Ich besitze von diesem berühmtesten aller Basalte vier zusammenpassende Glieder, die zusammen auf 400 Pfund wiegen, und wovon ich, da alle bisher davon gegebenen Vorstellungen ungetreu sind, eine genaue Zeich - nung im zweyten Hefte der Abbildungen naturhist. Gegenstände tab. 18 geliefert habe. – Immer bleibt die äußerst regelmäßige Articulation dieser Säulen eines der räthselhaftesten und merkwür - digsten Phänomene der Geogenie.; und diese Glie - der zuweilen durch Verwitterung kugelicht abge - rundet. Ueberhaupt von sehr verschiedener Härte, specifischem Gewicht ꝛc., wirkt theils sehr stark auf den Magnet. Gehalt eines Böhmischen Säu - lenbasalts (nach Klaproth) = 16,75 Thonerde, 44,50 Kieselerde, 6,50 Kalkerde, 2,25 Talk - erde, 20 Eisenkalk, 0,12 Braunsteinkalk, 2,60 Soda, 2 Wasser. Hält gemeinglich eine oder mehrere Gattungen von mancherley andern Fos - silien eingemengt, zumahl Olivin, Augit, Glim - mer, Feldspath, Zeolith, basaltische Hornblende ꝛc. Mancher ist mit gemeiner Hornblende wie in - nig gemengt, und zeigt dann ein splitteriges, theils schuppiges Korn (dahin gehört mancher so genannte Grünstein). Uebergänge zumahl in Trapp, Tuffwacke und Lava; auch theils in manche aus Hornblende und Feldspath innig ge - mengte Gebirgsart**)Dahin scheinen die mehresten antiken aegypti - schen Basalte zu gehören. In manchen Abarten derselben, zumahl unter den schwarzen, sind die Gemengstoffe noch von einander zu unterscheiden, und diese gehen dann in den aus Hornblende und Feldspath bestehenden Halbgranit über.. Gemeiniglich in ein -587 zelnen Berger (Kuppen); die aber in theils Ge - genden ganze Züge wachen.
Beydes Basalt und Trapp, die zu den weitest verbreiteten Flözgebirgsarten der Urwelt gehören, werden leicht vom Feuer angegriffen; und da sich nun seit der Schöpfung unsers Planeten so mancherley unterirdische Selbstentzündungen in seiner Rinde ereignet, so, begreift sich wohl, wie dieselben an manchen Orten, vorzüglich auf jene beyden so leichtflüssigen Steinarten, gewirkt, und diese dadurch hin und wieder die unverkennbarsten Spuren dieser im Feuer erlittenen Veränderung erhalten haben.
34. Tuffwacke (Ital. Tufa).
Meist aschgrau, theils ins Gelbliche, theils Rothbraune amp; c; erdiger Bruch; verschiedene Fe - stigkeit; leicht; meist unverkennbar vulcanischen Ursprungs. Daher auch ihr gewöhnlicher Fund - ort bey Vulcanen und ehemaligen Erdbränden.
Ueberhaupt lassen sich die mancherley Verschie - denheiten desselben unter folgende zwey, freylich theils in einander übergehende, Hauptarten bringen:
1) Schwammige Tuffwacke.
Von löcherigem, bläserigem, lockerem oder dich - terem Gefüge, und mehrerer oder minderer Fe - stigkeit.
Zu der lockerern Abart gehört z. B. der roth - braune mit Leucit durchmengte, woraus Pompeji großentheils erbaut war; und der mit basaltischer Hornblende, der in der Gegend von Andernach die Mittellage zwischen dem Traß und dem so genannten Rheinländischen Mühlstein ausmacht.
588Zur dichteren hingegen das aschgraue vielen Feldspath haltende Peperino der Phlegräischen Felder, und die mehreste der besonders mit Oli - vin gemengten Tufflwacke vom Habichtswalde ohnweit Cassel.
2) Erdige Tuffwacke.
Dahin gehören nahmentlich folgende zwey, wegen ihrer Brauchbarkeit zum Waßerbau, beson - ders merkwürdige Abarten:
a. Puzzolana. Puluis puteolanus Vitruv. Thermantide cimentaire.
Aschgrau; theils staubartig, theils aber in Brocken. Fundort zumahl bey Pozzuolo. Scheint auch das Haupt-Ingrediens zu H. Faxe's Stein - papier zu seyn.
b. Traß, Tarras.
Gelblichgrau; hält häufig Bimssteinbrocken; auch zuweilen Aeste oder kleine Stämme von verkohltem Holze*)So wie sich dergleichen auch zuweilen im Peperino findet. – S. Sr. Will. Hamilton's Campi phlegraei tab. 40. nr. 3.. Fundort zumahl bey Ander - nach am Rhein.
35. Lava und Erdschlacke. Scoria Vulcani.
Versteht sich bloß die durch unterirdische Selbst - entzündungen mehr oder weniger vom Feuer an - gegriffenen, theils geschmolzenen, theils ver - glaßten Fossilen, zumahl basaltischen Ursprungs; wodurch in den Vulcanen die Laven, in andern Erdbränden aber die Erdschlacken entstehen**)S. K. W. Nose's Beyträge zu den Vorstellungen über vulcanische Gegenstände. Frankf. 1792-94. III. Th. 8..
589Meist sind sie schwarz, doch auch theils ins Grane, Rothbraune ꝛc. ; höchstens nur in zarten Splittern durchscheinend; von sehr verschiedenem Gewicht und Gehalt, nach Verschiedenheit der Primordialfossilien, woraus sie gebildet – und des Grades und der anhaltenden Dauer des Feuers, dem sie ausgesetzt worden. Die Laven enthalten, so wie der Basalt und die Tuffwacke, oft basaltische Hornblende, Olivin, Leuzit ꝛc. eingeschlossen.
Im Ganzen lassen sie sich unter folgende zwey Hauptarten bringen:
1) Schlackenartige Laven.
Die gemeinsten; meist eisenschwarz; auf dem Bruche mattglänzend; schwer; auf mancherley Weise geflossen, getropft, ästig*)Unter denen vom Vesuv verdient die seilförmige, spiralartig gedrehte vom Atrio di Cavallo und die eyförmigen Bombe, die zumahl bey der großen Eruption von 1790 ausgeworfen worden, beson - dere Erwähnung. Von jener s. die Campi phlegraei tab. 13 und 33, und von dieser das Supplement dazu tab. 4..
Unter den hierher gehörigen Erdschlacken ist nahmentlich der so genannte Rhemlandische Mühlstein aus der Gegend von Andernach zu werken.
3) Glasartige Laven.
Rauchgrau, schwarz, braun ꝛc. ; meist glasglän - zend; mit muscheligem Bruch; manche ähneln dem Obsidian, andre dem Pechstein. Fundort zumahl auf den liparischen Inseln, auf den neu entstandenen vulcanischen bey Santorini, auf der Insel Ascension im atlantischen Ocean, auf der Oster-Insel in der Süd-See ꝛc.
Die Talkerde, deren auszeichnende Ei - genschaften zuerst von H. Prof. Black genau be - stimmt worden, heißt auch Bittererde (terra magnesialis), weil aus ihrer Verbindung mit der Schwefelsäure das Bittersalz entsteht; und terra muriatica, weil sie häufig aus der Muttersole (muria) gewonnen wird, die nach der Crystallisation des Kochsalzes zurück bleibt. Sie schlägt alle andere Erden aus ihren Auflö - sungen in Säuren nieder, löst sich selbst leicht in Säuren auf, und theilt denselben einen bit - teren Geschmack mit. Blaue Pflanzensäfte färbt sie grün. Ihr Verhalten im Feuer kommt großentheils mit der Thonerde ihrem überein.
Sonderbar, daß bey den unter dieses Ge - schlecht gehörigen Fossilien mehrentheils die grüne Farbe vorwaltet. Meist fühlen sie sich fettig an. Die mehresten finden sich ungeformt, und bloß in Ganggebirgen, daher sie nie Ver - steinerungen enthalten.
1. Chlorit.
Berggrün, lauchgrün ꝛc. ; undurchsichtig; matt - schimmernd; theils schuppig; weich; gibt ange - haucht den Thongeruch von sich.
Diese Gattung begreift folgende drey Arten:
5911) Chloriterde, Sammeterde.
Locker zusammen gebacken, oder staubig; schimmernd; nicht abfärbend; mager anzufüh - len. Gehalt (nach Vauquelin) = 8 Talkerde, 26 Kieselerde, 18,50 Thonerde, 43 Eisenkalk. Findet sich zumahl zwischen und im Bergcrystall, vorzüglich auf Madagascar und dem St. Gotthard.
2) Gemeiner Chlorit, verhärtete Chloriterde.
Fettglänzend; mit feinerdigem theils blätte - rigem oder krummschieferigem Bruch. Meist als Ueberzug über mancherley crystallisirte Fossilien, z. B. über Granaten, Bitterspath, Bergcrystall, magnetischem Eisenstein ꝛc.
3) Chloritschiefer.
Theils schwarzgrün; fettglänzend; schieferig; gibt grünlichgrauen Strich; hält oft Granaten, Stangenschörl ꝛc. eingewachsen. Uebergang in Thonschiefer, Talkschiefer ꝛc. Fundort zumahl in Tyrol, Norwegen und auf Corsica.
Mancher so genannte Schneidestein gehört hieher, mancher hingegen zur nächstfolgenden Gattung, und wiederum mancher zum Talk - schiefer.
2. Topfstein, Lavezzstein, Weichstein. La - pis ollaris, s. lebetum, s. Comensis.
Meist grünlichgrau; undurchsichtig; erdiger Bruch, theils wenig schimmernd; fettig anzufüh - len; fast blätteriges Gefüge; weich. Gewicht (eines von Neu-Caledonien auf der Süd-See) = 2622 L. Gehalt (nach Wiegleb) = 38,54 Talkerde, 38,12 Kieselerde, 6,66 Thonerde, 12,2 Eisenkalk. Fundort zumahl Graubünden592 in Grönland. Gebrauch vorzüglichst zu Kesseln, Töpfen, Lampen; auf Neu-Caledonien zu Schleudersteinen; wo auch eine weichere zer - reibliche Abart von den dasigen Insulanern häu - fig und zu ganzen Pfunden gegessen wird.
Der Giltstein am St. Gotthard hat ein grö - beres Korn, und mehr splitterigen Bruch; ist spröder, und wird in dicke Platten zu unver - gänglichen Stubenöfen gehauen.
3. Talk.
Meist silberweiß ins blaß Apfelgrüne; wenig durchscheinend; glänzend; fettig anzufühlen.
Davon folgende drey Arten:
1) Erdiger Talk.
Wie in kleinen Schuppen; lose oder zusam - mengebacken, und dann leicht zerreiblich; ab - färbend. Fundort unter andern in Grönland.
2) Gemeiner Talk. Talcum Venetum.
In mancherley Abstufungen der grünen Farbe; meist Perlmutterglänzend; krummblätterig; bieg - sam. Gewicht = 2780. Gehalt (nach Kirwan) = 45 Talkerde. 50 Kieselerde, 5 Thonerde. Uebergang in Topfstein ꝛc.
3) Talkschiefer.
Meist grünlichgrau; fettglänzend; schieferig; oft nur eingesprengten Schwefelkies. Uebergang in Chloritschiefer.
4. Meerschaum. Spuma marina. Leuca - phrum. (Fr. Ecume de mer, Türk. Kefekil oder Killkeffi, d. h. Schaum-Thon oder leich - ter Thon.)
593Meist bloß isabellgelb; matter feinerdiger Bruch; fettig anzufühlen; gibt glänzenden Strich; ist sehr weich; und sehr leicht. Gehalt (nach Klaproth) = 17,25 Talkerde, 50,50 Kieselerde, 25 Wasser, 5 Kohlensäure. Hauptfundort Kiltschik (d. h. Thonort) bey Konie in Anatolien. *)S. Hrn. Hofr. Beckmann in den Commentat. soc. reg. scient. Gotting. Vol. IV. 1791. pag. 46 sq. und des sel. Colleg. R. Reineggs Brief aus Persien an Hrn. Baron von Asch in Voigts Ma - gazin IV. B. 3. St. S. 13 u. f.
5. Speckstein. Steatites. (Fr. pierre de lard.)
In mancherley, meist blassen Farben; theils marmorirt oder mit dendritischen Zeichnungen; an den Kanten wenig durchscheinend; von mat - tem Fettglanz; fettig anzufühlen; stumpfspitte - riger Bruch; meist ungeformt; der bayreuther selten in kleinen Crystalle, und dann meist in sechsseitiger Säule mit dergleichen Spitze (– tab. 11. fig. 19. –); auch rhomboidal ꝛc. weich in verschiedenem Grade, verhärtet aber im Feuer so, daß er dann am Stahl Funken gibt**)S. über die Brauchbarkeit des Steatits zu Kunst - werken der Steinschneider. Von C. von Dalberg. Erf. 1800. 8.. Gewicht eines bayreuther = 2614. Gehalt (nach Klaproth) = 30,50 Talkerde, 59,50 Kie - selerde, 2,50 Eisentalk, 5,50 Wasser.
Zu den weichern Abarten gehört die spanische und Briançoner-Kreide.
6. Serpentinstein. Smectis. (Engl. soap-rock.)
Theils milchweiß und an den Kanten durch - scheinend, theils gelblich, schwärzlichgrau ꝛc.594 seifenartig anzufühlen; theils blätterig; leicht mit dem Nagel zu schaben. Gehalt (nach Klap - roth) = 20,50 Talkerde, 48 Kieselerde, 14 Thonerde, 1 Eisenkalk, 15,50 Wasser. Fund - ort in Cornwall. Gebrauch besonders zum Engli - schen Steingut (Staffordshire-ware).
7. Serpentin. (Ital. Gabbro).
In mancherley meist schwarz - oder graulich - grünen Farben, theils ins Dunkelrothe ꝛc. ; geadert, marmorirt, fleckig ꝛc. ; meist nur an den Kanten durchscheinend; kleinsplitterig; fettig anzufühlen; theils politurfähig. Mittel-Ge - wicht = 2700. Gehalt (nach Kirwan) = 23 Talkerde, 45 Kieselerde, 18 Thonerde, 3 Eisen - kalk, 12. Wasser*)Wenigstens der Sächsische hält nach Hrn. Rose auch Chromiumkalk.. Hält zuweilen rothe Grana - ten eingemengt Fundort zumahl Zöblitz im Erzgebirge, Bayreuth, Sörmeland ꝛc.
Besonders merkwürdig ist der vom Hrn. Ober - bergrath von Humboldt am Fichtenberg entdeckte Serpentinfels, wovon manche Stüche selbst in den kleinsten Fragmenten auffallende Polarität zeigen.
Edlen Serpentin nennt Hr. Werner eine (dem Nephrit ähnelnde) meist dunkel lauchgrüne Abart, die durchscheinend und etwas härter ist als der gemeine, und sich auch in manchen italiänischen Marmorarten eingemengt findet, nahmentlich in einer Art von so genanntem verde antico und im Polzevera.
8. Nephrit, Nierenstein. (Fr. jade.)
Meist lauchgrün in mancherley Abstufungen, ei - nerseits ins Lichtberggrüne anderseits ins Schwarz -595 grüne (so besonders der unter dem Nahmen der pietra d'Egitto bekannte schöne antike ägypti - sche, dessen Gewicht = 2655 L.); mehr oder weniger durchscheinend; fettglänzend; splitteriger Bruch; Härte verschieden; meist polirbar.
Eine besonders merkwürdige Abart ist der Punammustein, Beilstein. Lauchgrün in man - cherley Abstufungen; mancher gibt am Stahl Funken. Gewicht = 3007 L. Fundort zumahl auf Tavai-Punamma (der südlichen von den beyden neu-seeländischen Inseln) woselbst unsere dasigen Antipoden ihre Hacken, Meisel, Ohrge - hänge ꝛc. (aber keine Beile) daraus verfertigen.
9. Chrysolith, Peridot.
Meist pistaziengrün; durchsichtig; glasglän - zend; muscheliger Bruch; die Außenfläche längs - gestreift; crystallisirt in breiten viereckigen Säu - len, mit abgestumpften Seitenkanten und meist sechsseitigen Endspitzen. Mittel-Gewicht = 3375. Gehalt (nach Klaproth) = 43,50 Talk - erde, 39 Kieselerde, 19 Eisenkalk. Fundort nicht genau bekannt; vermuthlich in den türkischen Morgenländern.
10. Olivin, basaltischer Chrysolith.
Olivengrün, in mancherley Abstufungen (ver - wittert wird er ochergelb); durchscheinend; glas - glänzend; muscheliger, theils blätteriger Bruch; rissig; eingesprengt in Trapp; Basalt und Tuff - wacke. Gewicht = 3225. Gehalt (nach Klap - roth) = 38,50 Talkerde, 50 Kieselerde, 0,25 Kalkerde, 12,50 Eisenkalk. Ihm ähnelt, so - wohl den äußern Kennzeichen als dem Gehalte nach, das merkwürdige Fossil, welches die596 Blasenräume der berühmten von Hrn. Pallas 1772 am Ienisei wiedergefundenen großen Ei - senmasse füllt*)Das hiesige akademische Museum besitzt in der alten Schlüterschen Sammlung zwey kleine Stücken gediegen Eisen von Johanngeorgenstadt, die unvollkommen ästig, wie an manchen Stellen das Sibirische, und ebenifalls mit einem fast Oli - vinähnlichen Fossil gemengt find., und (nach Howard) = 27 Talkerde, 54 Kieselerde, 17 Eisenkalk und 1 Nickelkalk hält**)Nun und hiermit kommt wieder der Gebalt der so wunderbaren Aërolithen, nähmlich der Stein - massen überein, die schon so manchmal zu ganz verschiedenen Zeiten, in ganz verschiedenen Weltgegenden, aber meist unter gleichen Umstän - den, bey, Explosion eines Meteors, vom Himmel gefallen sind; und wovon diejenigen, welche man bis jetzt genauer untersucht, sowohl im äußern als n ihrem Gehalt einander auffallend ähneln, hingegen sich von allen bekannten tellurischen Fos silien schlechterdings auszeichnen. Die Probe die ich durch die Güte des Hrn. Baronet Banks von dem d. 19. Decemb. 1798 drey Meilen von Benares in Hindustan gefallenen Steinregen be - sitze, besteht außer einel schwarzen dünnen Rinde, aus einem ungleichartigen Gemenge von rundli - chen Körnern die nebst kleinen Partien von nickel - haltigem gediegenen Eisen und Schwefelkies in eine aschgraue erdige Grundmasse zusammen gebacken find. Gewicht = 3375. Gehalt der Grundmasse (nach Howard) = 15 Talkerde, 50 Kieselerde, 34 Eisenkalk, 2,50 Nickelkalk. Der Gehalt der Körner aber kommt dem des obgedachten olivin - ähnlichen Fossils in dem Pallasischen Eisen noch näher. – Mehr von diesen so merkwürdigen Massen und der höchst wahrscheinlichen Vermu - thung des Hrn. Senat, La Place, daß sie wohl aus Monds-Vulcanen auf unsere Erde geschleu - dert worden, s. in Voigts neuem Magazin. II. B. S. 629 u f. und IV. B. S. 515 u. f. und in von Zach's monatl. Corresp. Sept. 1802. p. 277..
59711. Asbest.
Weißlich, gelblich, grünlich ꝛc. ; ungeformt; von faserigem oder blätterigem Gefüge.
Man unterscheidet folgende vier Arten:
1) Amianth, Bergflachs, vulgo reifer Asbest.
Meist grünlich weiß; wenig durchscheinend; starkschimmerd, theils mit Seidenglanz; in zar - ten theils spannenlangen Fasern; elastisch biegsam. Gehalt eines schwedischen (nach Bergmann) = 17,2 Talkerde, 64 Kieselerde, 13,9 Kalkerde, 2,7 Thonerde, 2,2 Eisenkalk. Fundort unter andern in Graubünden, auf Corsica, und beson - ders häufig in Schina, wo man sich seiner ge - wöhnlich zu Lampendochten bedient.
2) Gemeiner Asbest, vulgo unreifer.
Meist ins Lauchgrüne; wenig durchschneinend; glasglänzend; in langsplitterigen Bruchstücken; unbiegsam. Gehalt (nach Wiegleb) = 48,45 Talkerde, 46,66 Kieselerde, 4,79 Eisenkalk, Bricht oft in und bey Serpentinstein. *)Wie Herr Etats-Rath Koch in St. Petersburg den gemeinen Asbest zur Plastik angewandt hat, s. in Voigts neuem Magazin. II. B. S. 31.
3) Bergkork, Bergleder. Suber montanum, aluta montana. (Fr. liége fossile, cuir fossile.)
Meist ins Isabellgelbe; undurchsichtig; theils blätterig, theils dicht; der Bruch theils verwor - ren faserig; sehr weich; elastisch biegsam. Mit - telgewicht = 0,836. Gehalt (nach Bergmann) = 26,1 Talkerde, 56,2 Kieselerde, 12,7 Kalk - erde. 2 Thonerde, 3 Eisenkalk. Fundort unter598 andern in sehr großen Stücken im Olonez - kischen. *)Das hiesige akademische Museum besitzt dergleichen unter den Aschischen Geschenken, als Saalband zu großen dendritischen gediegenen Kupferschollen.
4) Bergholz.
Holzbraun ins Graue ꝛc. ; undurchsichtig; matt schimmernd; von völlig holzähnlichem Gefüge; weich; hängt an der Zunge; etwas biegsam; gibt glänzenden Strich. Das aus mancher Rück - sicht noch sehr räthselhafte Fossil bricht bey Sterzingen in Tyrol.
12. Cyanit, blauer Schörl. Disthène.
Meist himmelblau, theils ins Graue, Silber - weiße; durchscheinend; fast perlmuttergänzend; der Bruch langsplitterig, strahlig und blätterig; meist ungeformt; theils crystallisirt in etwas flachen vierseitigen Säulen; auf dem Querbruch theils so hart, daß er am Stahl Funken gibt; dagegen er sich im Längenbruch mit dem Nagel zerreiben läßt. Gehalt (nach Struve) = 30,50 Talkerde, 51,50 Kieselerde, 5,50 Thonerde, 4 Kalkerde, 5 Eisenkalk. Fundort das Ziller - thal im Salzburgischen, der St. Gotthard, und Castilien.
13. Strahlstein. Actinote.
Meist berg - oder olivengrün, theils ins Graue; mehr oder weniger durchscheinend; faserig oder strahlig.
In folgenden drey Arten:
1) Gemeiner Strahlstein, grüner Schörl aus Dauphiné. (Schwed. Hornblenda.)
599Von mancherley Grün; durchscheinend, glän - zend; der Länge nach gestreift; das Gefüge theils gleichlaufend, theils divergirend strahlig; meist crystallisirt in langen, breitgedruckten, theils nadelförmigen vier - oder sechsseitigen Säulen; halbhart. Gewicht = 3250. Gehalt (nach Bergmann) = 20 Talkerde, 64 Kieselerde, 9,3 Kalkerde, 2,7 Thonerde, 4 Eisenkalk. Fund - ort vorzüglich schön vom höchsten Smaragdgrün am Mont Blanc.
Daß der Prasem ein mit diesem Strahlstein innig gemengter Quarz sey, ist schon oben er - innert. (S. 531)
2) Asbestartiger Strahlstein.
Grünlich, graulich ꝛc. sehr wenig durchschei - nend; mattschimmernd; meist divergirend faserig; ungeformt; weich; etwas fettig anzufühlen. Uebergang in Asbest. Fundort unter andern am Fichtelberge.
3) Glasartiger Strahlstein, Glasamianth.
Meist grünlichweiß; durchscheinend; glasglän - zend; meist von faserigem Gefüge; sehr spröde. Gehalt (nach Bergmann) = 12,7 Talkerde, 72 Kieselerde, 2 Thonerde, 6 Kalkerde, 7,3 Eisen - kalk. Fundort unter andern im Zillerthal.
14. Arendalit, Akanthikone.
Dunkellauchgrün; undurchsichtig; theils derb, theils crystallisirt, und das in breiten sechsseiti - gen Säulen, die Enden mit zwey oder vier Flä - chen zugeschärft oder auch zugespitzt. Die Cry - stalle glasglänzend; der Bruch fettglänzend; Längenbruch blättrig; Querbruch muschelig. Gewicht = 3640. Gehalt (nach Gmelin) =600 17 Talkerde, 36,50 Thonerde, 20 Kieselerde, 11,34 Kalkerde, 15 Eisenkalk. Fundort in den Eisengruben zu Arendal in Norwegen.
15. Baikalit.
Olivengrün in mancherley Abstufungen; wenig durchscheinend; glasglänzend; der Längenbruch blätterig mit einfachem Durchgang; der Quer - bruch muschelig; meist crystallisirt als vierseitige Säule mit abgeschärften Kanten; theils in sehr großen Crystallen. Gewicht = 2200. Gehalt (nach Lowitz) = 30 Talkerde, 44 Kieselerde, 20 Kalkerde, 6 Eisenkalk. Bricht zwischen Fel - spath und großenblätterigem Glimmer an den Quel - len der Sljudenka im S. W. des Baikals.
16. Tremolit. Grammatite.
Weiß in allerhand Schattirungen; mehr oder weniger durchscheinend; strahliges oder faseriges theils blätteriges Gefüge; meist divergirend; bricht meist in einem Muttergestein von weißem, körnigem, theils sandartigem kohlensauern Kalk.
In folgenden drey Arten (fast wie beym Strahlstein):
1) Gemeiner Tremolit.
Meist graulichweiß, theils schneeweiß; wenig durchscheinend; meist mit Seidenglanz; theils krummfaserig; meist ungeformt, theils aber cry - stallisirt in sehr geschobenen vier - oder sechsseiti - gen Säulen, meist mit Querrissen; selten stern - förmig. Gehalt (nach Lowitz) = 14 Talkerde, 60,50 Kieselerde, 23,25 Kalkerde. Mit der Nadel im Finstern gekritzelt gibt er einen leuch - tenden Strich. Fundort zumahl das Levantiner - thal, am St. Gotthard.
6012) Talkartiger Tremolit.
Ins Silberweiße; perlmuttergänzend; fast undurchsichtig, theils blätterig; fettig anzufühlen; silberweiß abfärbend; weich; phosphorescirt nicht wie die vorige Art (aus deren Verwitterung sie aber entstanden seyn mag). Fundort ebenfalls am St. Gotthardsberge.
3) Glasartiger Tremolit.
Ins Graulich - und Gelblichweiße; durchschei - nend; glasglänzend; blätterig; der Längenbruch aus dem Faserigen ins Splitterige; sehr spröde; hart; phosphorescirt stark auf die gedachte Weise. Fundort unter andern auf Ceilan. *)Das Stück, so ich havon besitze hat mir Herr Baronet Banks aus dem Nachkasse des set. Dr. König in Trankebar mitgetheilt welcher es selbst bey Gale auf Ceilan gebrochen hatte.
17. Boracit.
Dieses aus jeder Rücksicht so äußerst sonder - bare Fossil, ist bis jetzt ein ausschließlich eigenes Product der hannöverischen Lande; und findet sich selten farbenlos und wasserhell; meist weiß, theils rauchgrau, und mehr oder weniger durchschei - nend; frisch ist es glasglänzend; verwitternd aber rauh und matt; bricht muschelig; immer rein auscrystallisirt, eigentlich als Würfel mit abgestumpften Kanten und Ecken, so daß die Flächen der letztern abwechselnd Sechsecke und Dreyecke bilden, und so der ganze Crystall ge - wöhnlich 26 Flächen hat. (– tab. II. fig. 3. –). Frisch ist er hart. Gewicht = 2556. Gehalt (nach Westrumb) = 13,50 Talkerde, 68 Bo -602 raxsäure, 11 Kalkerde*)Nach H. Vauquelin findet sich aber die Kalkerde nur in den opaken, nie in den durchsichtigen Boraciten., 1 Thonerde, 2 Kie - selerde, 0,75 Eisenkalk. Bey erhöherer Tempe - ratur zeigt er die Elektricität des Turmalins, aber mit vier Aren, deren jede von einer der sechsseitigen stark abgestumpften Eckflächen nach der gegenüberstehenden, schwachabgestumpften drey - seitigen der gleichen Fläche liegt, und wovon jenes Ende der Axe positive, und hingegen das letztere negative Elektricität zeigt. Dieses in sei - ner Art so einzige Fossil findet sich (zuweilen nebst sehr kleinen ebenfalls reinauscrystallisirten Rauch - crystallen) im schuppigen Gypsstein des so ge - nannten Kalkbergs bey Lüneburg.
Die Kalk-Erde (der so genannte lebendige, caustische, gebrannte oder ungelöschte Kalk) hat brennenden Geschmack, erhitzt sich mit Wasser, ist für sich nicht schmelzbar (aber sehr leicht mit andern, zumahl mit Thon - und Kiesel - erde); hat starke Anziehungskraft zur Koh - lensäure; verbindet sich mit der Schwefel - säure zu Gyps, mit der Spathsäure zu Fluß ꝛc. ; und färbt blaue Pflanzensäfte grün.
Die hierher gehörigen Fossilien sind meist nur halbhart, theils gar weich**)So wie aber die Thonerde in den gefärbten Edelsteinen ꝛc. ausnehmend hart verbunden ist,603 so kann allerdings auch der Kalk zu einer Härte verbunden werden, daß er am Stahl Funken gibt, s. Loquez in den Mém. de l'Acad. de Turin T. V. pag. 870. (Es thut dieß selbst zuweilen der thierische phosphorhaltige Kalk im Schmelz der Zähne.); sie werden im Feuer mürbe gebrannt; sind großentheils animalischen Ursprungs; und machen eins der allgemeinst verbreiteten Steingeschlechter aus.
Die mancherley Gattungen dieses Ge - schlechts werden am natürlichsten nach ihrer Verbindung mit den verschieden Säuren eingetheilt:
1. Kalkspath.
Theils wasserhell, meist aber weiß; selten far - big; mehr oder weniger durchsichtig; starkglän - zend; hat rhomboidale Textur, und größere klare Stücken davon zeigen ausfallend starke dop - pelte Stralenbrechung*)S. Newton's optice, pag. 271, 356, 376. und 394. der Clarkeschen Ausgabe von 1719.; daher denn der Nahme Doppelspath, Spatum disdiaclasticum (ehedem irrig so genannter isländischer Crystall, Androdamas amp; c.); bricht theils ungeformt, theils stalaktitisch; theils wie stängelich zusam - mengehäuft; häufigst aber auch crystallisirt; zu - mahl in sechsseitigen Säulen als so genannte Canondrusen ꝛc. (– tab. II. fig. 10. –) theils verschiedentlich zugespitzt, zumahl mit dreyseitiger stumpfwinkeliger Spitze (– tab. II. fig. 11. –);604 oder in sechsseitigen Tafeln, die dann theils in die Säule übergehen, oder in einfachen oder doppelten dreyseitigen Pyramiden (– tab. II. fig. 1.); letztere theils so platt niedrig, daß sie Linsen bilden, als so genannter Nagelkopf - spath ꝛc., theils in Rhomben; theils in sechs - seitigen Pyramiden, als so genannte Schweins - zähne ꝛc. Gewicht = 2715. Gehalt (nach Bergmann) = 55 Kalkerde, 34 Kohlensäure, 11 Wasser Uebergang in körnigen Kalkstein, in Braunspath ꝛc.
Hierher gehört auch der irrig so genannte cry - stallisirte Sandstein Fr. grès crystallisé) von Fontainebleau, Gelblichgrau; nur in Splittern durchscheinend; inwendig mattschimmernd; ohne deutliches Spathgefüge; sondern mit splittrigem Bruche; rhomboidal crystallisirt mit rauher Außenfläche. Gewicht = 2611.
2. Arragonit.
Meist graulichweiß, ins Blauliche; durch - scheinend; von Glasglanz und blätterigem Bruch; crystallisirt in sechsseitigen Säulen (– tab. II. fig. 10.) häufig als Zwillingscrystal (Fr. macle); theils wie aus mehreren kleinen stän - gelicht zusammengehäuft; sein Gefüge der Länge nach concentrisch. Gewicht = 2778. Hat den Nahmen von seinem Fundort, wo er nesterweise in ziegelrothen Gyps bricht.
3. Schieferspath.
Meist schneeweiß; an den Kanten durchschei - nend; von mattem Perlmutterglanz; der Bruch blätterig ins Schiefrige; bloß ungeformt; weich;605 braust stark mit Säuren Gewicht = 2474. Fundort besonders Schwarzenberg im Erzgebirge.
4. Braunspath. Magnesites. (Fr. Spath perlé).
Weiß, in mancherley, Farben übergehend, zu - mahl ins Rhamgelbe, Braune, meist nur an den Kanten durchscheinend; glasglänzend; mit blät - terigem Bruch; und rhomboidalen meist sehr ge - schobenen Bruchstücken; häufig ungeformt; theils aber crystallisirt, in kleinen Linsen oder Rhom - ben ꝛc. ; etwas härter als Kalkspath; braust auch schwächer mit Säuren. Gewicht 2880 L. Gehalt (nach Bergmann) = 50 kohlensaure Kalkerde, 28 Braunsteinkalk, 22 Eisenkalk. Ueber - gang einerseits in Kalkspath, anderseits in spä - thigen Eisenstein.
5. Bitterspath, Rautenspath ..
Rauchgrau, honiggelb, tombackbraun ꝛc. ; durchscheinend; glasglänzend; in Rhomben cry - stallisirt; mit einem kalkartigen Ueberzug. Gewicht = 2480. Gehalt (nach Klaproth) = 52 kohlensaure Kalkerde, 45 Talkerde, 3 Eisen - kalk. Fundort zumahl im Salzburgischen und Steyermärkischen; meist im talkartigen Schnei - destein.
Eine besondere Abart ist der spargelgrüne stängeliche Bitterspath, auf der Außenfläche in fast rechtwinkeligen Tetraëdern mit abge - stumpften Seitenkanten drusig crystallisirt. Ge - wicht = 2880 L. Gehalt (nach Klaproth) = 33 Kalkerde, 14,50 Talkerde, 2,50 Eisenkalk, 47,25 Kohlensäure, 2,75 Wasser ꝛc. Fundort bey Glücksbrunn im Meiningischen.
6066. Kalksinter. Tofus calcareus.
Von mancherley Farben; doch an den mehre - sten Orten nur weißlich; mehr oder weniger durchscheinend; theils undurchsichtig; aus kalki - gem Wasser abgesetzt*)„ Tales sunt aquae qualis est natura terrae per quam fluunt. “Plin. XIV. 4.; der Bruch dicht, oder faserig oder schalig; und hiernach also drey Arten: die sich nahmentlich im Carlsbad in zahllosen Spielarten der Farben, Zeichnungen ꝛc. finden; die ersten beyden unter dem gemeinschaftlichen Nahmen des sasigen Sprudelsteine, die dritte als Erbsenstein.
1) Dichter Kalksinter.
Von sehr ungleichem Korn, und Festigkeit; theils marmorartig**)Daher man den feinkörnigen aus den Bagni di San Filippo im Florentinischen sich absetzenden Kalk - sinter zum abformen marmorähnlicher Basreliefs und Medaillons benutzt; s. von diesem so genannten albâtre factice die deutschen Schriften der göttin - gischen königl. Soc. der Wiss. I. Th. S. 94. polirbar; theils aber auch erdig, zerreiblich; auch sehr verschieden in Rück - sicht seines Gehalts. Meist als Rindenstein, da er an die Wände der in Kalkgebirgen befind - lichen Sinterhöhlen, oder auch solcher Cister - nen ꝛc. die kalkiges Wasser enthalten***)So z. B. in der berühmten piscina mirabile, da - von oben S. 2., ab - gesetzt wird; oder auch andere fremde Körper überzieht; oder sich sonst in mancherley zufälligen Gestalten (wie z. B. das Consetto di Tivoli) anlegt; oder auch Klüfte und andere Zwischen - räume dicht ausfüllt, wie z. B. im Knochenfels607 von Gibraltar, wo er die Osteolithen und Stein - trümmer zusammencämentirt.
2) Faseriger Kalksinter.
Häufig honiggelb, ins Braune; von faserigem Gefüge; gleichlaufend oder divergirend; der frische Bruch meist schimmernd; häufig stalacti - tisch als Tropfstein; theils in mancherley zu - fälliger Gestalt, als so genannte Naturspiele. Gehalt (nach Bergmann) = 64 Kalkerde, 34 Kohlensäure, 2 Wasser. Fundort zumahl in den gedachten Berghöhlen: z. B. in der auf Anti - paros, in der Baumannshöhle am Unterharz ꝛc.
Dahin gehört auch der theils ausnehmend schöne feinkörnige, polirbare alabastrites der Alten. (Ital. alabastro antico, Fr. albâtre calcaire oder oriental.)
Eine besonders merkwürdige Abart aber ist die so genannte Eisenblüthe, ein corallenförmiger Kalksinter, von schneeweißer Farbe, seideglän - zendem Bruche mit krummlaufenden, theils wie durcheinander gewirrten Fasern; und krummästiger zackiger Gestalt. Fundort zumahl an den Seiten - wänden der Schatzkammer des Arzberges zu Eisenerz in Steyermark, beym Spatheisenstein.
3) Schaliger Kalksinter.
Meist kreidenweiß; in blätterigen Schalen; theils als eine Art Rindenstein, meist krumm - schalig oder wellenförmig; meist aber als Ueber - zug über Sandkörner; so z. B. die so genannten Drageen von Radicoffani.
Von der Art ist vorzüglich der carls - bader Erbsenstein, pisolithus, der sich großen - theils in Massen zusammengebacken findet, theils608 polirbar ist, und nicht mit dem unten anzufüh - renden Rogenstein verwechselt werden darf.
7. Mondmilch, Mehlkreide, Bergguhr, Berg - zieger. Lac lunae, Morochthus.
Weiß; feinerdig, wie eine stärkenartige Kreide; stark abfärbend; mager; sehr leicht. Fundort unter andern nahmentlich im Mondloch am lu - cerner Pilatusberge.
Eine besondere Abart ist die lockere Glanz - erde oder Schaum Erde von Rubitz bey Gera, die sich durch ein fast talkähnliches Ansehen und einen eigenen matten Silberglanz auszeichnet. Lippert bediente sich ihrer zu seinen Abdrücken von geschnittenen Steinen.
8. Kreide. Creta. (Fr. craie, Engl. chalk.)
Feinerdig, weich, doch fester als die Mond - milch: stark abfärbend; hängt stark an der Zunge. Mittelgewicht = 2525. Hält auf 40 p. C. Kohlensäure. In ihr findet sich oft Feuer - stein (s. oben S. 554.) und Versteinerungen von Seethieren der Vorwelt; bildet theils ganze Flöz - gebirge, zumahl an Seeküsten (daher Albion und Creta oder Candia ihren Nahmen haben).
9. Kalkstein (und Marmor).
In mancherley Farben und Zeichnungen; meist wenig oder gar nicht durchscheinend; immer un - geformt; meist polirbar, da dann die feineren Sorten Marmor genannt werden.
Begreift besonders nach Verschiedenheit des Korns folgende zwey Hauptarten:
6091) Körniger Kalkstein, salinischer Marmor, Glanzmarmor.
Meist weiß (theils blendend schneeweiß) oder doch nur in blassern Farben; und einfärbig (nicht marmorirt); wenigstens an den Kanten durch - scheinend; auf dem Bruche schimmernd, theils wie geschlagener Zucker, das Korn verschieden, theils schuppig ꝛc. Daher Uebergänge einerseits in den umgeformten Kalkspath, anderseits in den dichten Kalkstein. Hält nur sehr selten Verstei - nerungen; aber der carrarische (marmor Lunense) zuweilen wasserhelle Bergcrystalle. Gebrauch zu Bildhauerey und Baukunst; zumahl die herrlichen Sorten von bianco antico und unter diesen vor allen der berühmte Pentelische und der Paro antico, durchscheinend wie gebleichtes Wachs; das Gewicht desselben = 2837.
Eine besonders merkwürdige Abart ist der graulich - oder gelblichweiße Sandmarmor am Vesuv ꝛc. zumahl aber im Levantinerthal am St. Gotthard, wo er das Muttergestein des dasigen Tremolits ausmacht, und in nicht zu dicken Ta - feln biegsam ist. Er löst sich schwer in Säuren auf, und gibt, im Finstern geschlagen, phospho - risches Licht.
2) Dichter Kalkstein (und Marmor).
Als gemeiner Kalkstein meist grau in man - cherley Abstufungen; hingegen als feinkörniger, polirbarer Marmor sowohl fast in allen ein - fachen Farben, als auf die vielartigste Weise bunt, marmorirt, geadert ꝛc. in endloses Man - nigfaltigkeit. So z. B. vom einfarbigen die vorzüglichen antiken Arten, giallo, rosso, nero amp; c.; vom zweyfarbigen, pavonazzo,610 weiß mit rothen Streifen; mit drey Farben, fiorito, weiß, roth und gelb geflammt; mit vieren, broccatello, weiß, roth, gelb und grau; u. s. w. So unter denen mit besondern Zeichnungen, z. B. Dendriten-Marmor (al - berino); Ruinen-Marmor (cittadino ruderato, paësino amp; c.) der schon in Mergelstein übergeht ꝛc. So unter denen, die fremde Körper enthalten, besonders die Petrefacten-Marmor, und unter diesen wieder nahmentlich der Muschel-Mar - mor (Lumacchella); und der Corallen-Mar - mor, wohin die pietra stellaria gehört ꝛc. Mancher besteht als Breschen-Marmor als zusammencämentirten Trümmern von andern Marmorarten. Mancher ist mit talkartigen Fos - silien durchzogen; entweder gemarmelt, wie der Polzevera (S. 594), oder geflammt, wie der ausnehmend schöne lauchgrüne Cipollino an - tico u. s. w. – Ueberhaupt hat der dichte Kalk - stein und Marmor meist splitterigen Bruch; theils in schieferiges Gefüge (– so z. B. der Pap - penbeimer Kalkschiefer mit den merkwürdigen Ab - drücken von tropischen Seegeschöpfen der Vor - welt –). Mittel-Gewicht = 2675. Ueber - gang in Mergelstein. Bildet große durch alle Welttheile verbreitete Flözgebirgsketten, die ge - meiniglich auf der Außenseite (nicht leicht in be - trächtlicher Teufe) mit dem gemeinen Petrefacten - stein überzogen sind, welcher die allgemeinste Grabstätte der Seethiere aus den Zeiten der Vor - welt ausmacht.
Als eine besondere Abart des gemeinen Kalk - steins ist der Rogenstein, Hammites, zu mer - ken, der nicht mit dem Erbsteinstein verwechselt werden darf, sondern aus mächtigen, theils ganze Flözlagen bildenden Massen von gleich -611 großen Körnern dichten, (selten concentrisch scha - ligen) Kalksteins besteht, die durch ein kalkiges oder mergelartiges Cäment zu einem festen Ge - stein zusammen verbunden sind. Es gehören dahin nahmentlich die berühmten Sorten von englischem Baustein, Portlandstone, Purbeck - stone und Bathstone.
10. Mergel. Marga. (Fr. marne, Engl. marl.)
Ein inniges Gemenge von Kalk, Thon, Sand ꝛc. Meist grau in andere unansehnliche Farben; un - durchsichtig; von verschiedenem Zusammenhang und Festigkeit. Daher besonders drey Hauptar - ten desselben zu unterscheiden sind:
1) Erdiger Mergel, Düngmergel.
Mehr oder weniger los oder zusammengebacken; mager; meist rauh anzufühlen; leicht läßt sich durch Rühren im Wässer zertheilen; zieht an der Luft Feuchtigkeit an und zerfällt früher oder spä - ter. Nach dem vorwaltenden Bestandtheile (a potiori) werden die Abarten benannt (Kalk - mergel, Thonmergel etc), und auch ihr Gebrauch zur Verbesserung verschiedener Arten von Boden bestimmt.
2) Mergeltuff, Tuchstein.
Von lockerem, durchlöchertem, theils gleichsam schwammichtem Gefüge; meist erdigem Bruch. zerfällt nocht an der Luft, sondern verhärtet viel - mehr. Fast immer voller Reste und Spuren vege - tabilischer Körper die davon incrustirt worden; besonders Blätterabdrücke, Wurzelgestrüppe und Schilf (letzteres zumahl im röhrförmigen so ge - nannten Beinwell oder Beinbrech, Osteo - colla); aber auch in manchen Gegenden kleine612 Flußschnecken; in andern calcinirte See-Conchy - lien (s. oben S. 529 u. f.) ꝛc. Bildet hin und wieder große Lager von niederem aufgeschlemmten Lande; in welchem, sich häufig die Reste der fos - silen Elephanten, Rhinocere, u. a. tropische Landthiere finden, die nun in unsern Zonen in so großer Menge ausgegraben werden.
3) Mergelstein, Hammerkalk ꝛc.
Dicht, und zwar theils derb, theils schieferig; zumahl letzterer oft dendritisch; auch in mancher - ley besonderer Gestalt, als Mergelnüße, so ge - nannte Ingwersteine ꝛc. hat erdigen Bruch. Ueber - gang in dichten Kalkstein.
Besonderer Erwähnung verdient der bey Jena brechende, durch Reiben phosphorscirende Sandmergelstein*)S. Voigts neues Magaz. 1. B. 1. St. S. 113 u. f.: und der wegen seiner eigenen Gestaltung allerdings merkwürdige Lu - dus Helmontii (Fr. dés de van-Hel - mont, Engl. waxen-vein), der sich nur in wenigen Gegenden, wie z. B. um Antwerpen und im Fränkischen findet, und aus Würfeln eines leberbraunen Mergelsteins besteht, die durch Scheidewände von grauem dichten Kalksinter von einander abgesondert sind, und im Ganzen theils kopfgroße, etwas plattgedruckte kugeliche Mas - sen bilden.
11. Bituminöser Mergelschiefer.
Mehr oder weniger mit Erdharz durchdrungen; meist graulich schwarz; undurchsichtig; schim - mernd; schieferig; häufig mit Abdrücken von Süßwasserfischen (so die Riegelsdorfer, Eisle -613 ber ꝛc. ) auch theils mit Kräuterabdrücken, die aber ganz von denen auf dem Schieferthon ver - schieden sind; selten enthält er hingegen unbe - kannte Seegeschöpfe, wie z. B. der bey Voll in Schwaben die colossalische Medusen-Palme (hel - mintholithus portentosus Linn.). Oft ist er stark kupferhaltig, da er dann Kupferschiefer heißt (Fr. ardaise cuivreuse, Engl. slaty cop - perore); und theils ansehnliche Flöze bildet, die einen wichtigen Gegenstand des Bergbaues ausmachen.
12. Stinkstein, Saustein. Lapis suillus. (Fr. pierre puante.)
Meist grau; einerseits ins Gelbliche, anderseits ins Schwarze; meist undurchsichtig, sehr selten durchscheinend; meist erdiger, theils splitteriger Bruch; theils marmorartig, polirbar; meist un - geformt, und zwar sowohl derb als schieferig; selten spathartig [wie z. B. der Stinkspath oder Leberspath von Lissabon*)S. Tilesius Jahrbuch der N. G. 1. Th. S. 473.]. Wenn er geschabt oder scharf gekratzt wird, gibt er einen Geruch, wie gebranntes Horn. Hält häufig Versteinerun - gen, und zwar sowohl Incognita der Vorwelt, zumahl Belemniten, als auch organisirte Körper beyder Reiche aus der jetzigen Schöpfung, wie z. B. im öninger Stinkschiefer**)S. Voigts Magazin V. B. 1. St. S. 19 u. f.
Die verschiedenen Gattungen dieser Abtheilung des Kalkgeschlechts sind den vorigen im Ganzen614 genommen, analog; nur sind sie ceteris paribus weit weicher.
13. Gypsspath, Selenit, Frauen-Eis, Ma - rienglas. (Ital. scagliola)
Theils farbenlos, wasserhell; meist aber weiß - lich, ins Rauchgraue, Honiggelbe ꝛc. und mehr oder weniger durchsichtig; theils mit Perlmutter - glanz; blätteriges Gefüge; ein wenig biegsam, doch ohne merkliche Schnellkraft; läßt sich leicht mit dem Messer spalten; häufig ungeformt; theils aber auch crystallisirt*)Im hiesigen akademischen Museum ist eine Sprosse von einer Bergleiter befindlich, die man beym Aufräumen einer, höchstens 100 Jahre lang ver - lassen gewesenen Grube im Rammelsberge am Oberharze vorgefunden, um welche sich während dieser Zeit eine Gypsspath-Druse von 7 Zoll im Durchmesser und von einer ausnehmenden Schönheit angesetzt hat.; zumahl Linsenform, oder in rautenförmigen Tafeln mit zugeschärften Kanten (– tab. II. fig. 17. –) oft auf man - cherley Weise als Zwillingscrystall; selten in achtseitiger Säule mit achtseitiger Spitze u. s. w. Gehalt = 32 Kalkerde, 46 Schwefelsäure, 22 Wasser.
14. Gypssinter.
So wie der Kalksinter als Tropfstein, oder Rindenstein, oder sonst als Ueberzug über andere Körper ꝛc. ; theils faserig, theils dicht. Letzterer theils alabasterartig.
15. Gypsmehl, Gypsguhr, Himmelsmehl. Farina fossilis.
615Aehnelt der Mondmilch; theils schneeweiß; theils ins Grauliche ꝛc. ; staubartig. Fundort, in den Klüften der Gypsberge.
16. Gypsstein.
Meist weiß oder graulich, doch auch in an - dere, meist unansehnliche Farben; mehr oder we - niger durchscheinend; immer ungeformt.
Davon folgende drey Arten:
1) Schuppiger Gypstein, auch schlechtweg Gyps, und in manchen Gegenden Kalk ge - nannt. Gypsum lamellosum.
Meist rauchgrau, theils ziegelroth ꝛc. ; wenig durchscheinend; schuppig, theils ins Blätterige. Gewicht = 2167. Gehalt (nach Kirwan) = 32 Kalkerde, 30 Schwefelsäure, 38 Wasser. Theils mit anderen Fossilien inniger oder gröber gemengt, z. B. mit Quarz (bey Wisbaden), mit Hornstein [bey Montmartre*)Unter einer lehrreichen Sammlung von Gyps - und Selenit-Arten aus der Gegend von Paris, die ich von sel. Girtanner erhalten, befindet sich Gyps mit ganzen Lagen und Andern von Hornstein durchzogen, und anderseits Hornstein voll einge - wachsener Selenitblättchen.]. Oft hält er andere Fossilien, theils ausschließlich in sich ein - gewachsen; so z. B. bey Lüneburg den Boracit, in Arragonien den Arragonit; in Gallizien zimmt - braune kleine Quarzcrystalle (die irrig so genann - ten Hyacinthen von Compostella) ꝛc.
2) Strahlgyps, Katzenstein. Gypsum fibro - sum, lapis inolithus, stirium.
Meist weiß; durchscheinend; auf dem Quer - bruch theils gerade -, theils krumm-faserig; meist616 schimmernd; theils mit Perlmutterglanz; theils zerreiblich: meist in dünnen Lagen. Gewicht = 2305.
3) Alabaster. Gypsum densum.
Theils blendendweiß; aber auch in mancherley andere, doch meist trübe Farben, bis ins Schwarze; theils streifig, oder geadert, marmorirt ꝛc. ; der weiße theils stark durchscheinend; matt; der Bruch aus dem Splitterigen ins Erdige.
17. [Gypsleberstein].
Begreift die dem Stinkstein (S. 613) analo - gen, mit Erdharz durchzogenen Gypse und Se - lenite, die, wenn sie geschabt werden, wie Schwefelleber riechen; sind meist von rauchgrauer Farbe.
18. Flußspath. (Fr. Spath fluor).
Hat den Nahmen von dem Gebrauche, den man beym Hüttenwesen davon macht. Findet sich von den mehrsten Farben der Edelsteine; sel - ten ungefärbt; mehr oder weniger durchsichtig; glasglänzend; mit spathartigem Gefüge; theils ungeformt; selten stängelich zusammengehäuft (so der honey-comb spar von Derbyshire); häufig crystallisirt, zumahl cubisch; selten in dop - pelt vierseitigen Pyramiden (– tab. II. fig. 5. –); meist polirbar. Gewicht eines smaragdgrünen = 3481. Gehalt (nach Kirwan) = 57 Kalkerde, 16 Spathsäure, 27 Wasser. Auf glühende Koh - len gebröckelt phosphorescirt er meist mit grünem Lichte; vorzüglich thut dieß (auch schon in617 größern Stücken und ohne dadurch zu zersprin - gen) ein violetter und grünlichweißer von Nert - schinsk (der deßhalb so genannte Chlorophan oder Pyrosmaragd).
Der dichte Fluß unterscheidet sich durch den Mangel des Spathgefüges; findet sich meist grün - lich - oder blaulich-weiß; schwach durchscheinend; mit schimmerndem Bruche; ungeformt. Fundort zumahl Derbyshire, und Strasberg am Harz.
19. Flußerde.
Meist graulichweiß; theils staubartig, meh - lig, theils von kreidiger Consistenz; mager; et - was abfärbend; auf heißer Asche gibt sie das grüne Licht wie der Flußspath, woraus sie ver - muthlich durch Verwitterung entstanden; doch hält sie außer der Spathsäure auch etwas Phos - phorsäure. Fundort bey Sigeth in Ungarn, und in Andalusien.
20. Apatit.
In mancherley Farben, fast wie der Flußspath, nur blasser; meist durchsichtig; glasglänzend; der Querbruch blätterig, der Längenbruch ins Muschelige. Gewöhnlich crystallisirt, meist in sechsseitigen Säulen von mancherley Abartung. Gewicht = 3218. Gehalt (nach Klaproth) = 55 Kalkerde, 45 Phosphorsäure und etwas Braunsteinkalk; auf Kohlen gebröckelt phospho - rescirt er ebenfalls mit grünem Lichte. Fundort zumahl die Zinnwerke bey Ehrenfriedersdorf und Schlackenwalde.
618Auch der Spanische Spargelstein und der Norwegische Moroxit gehören zu dieser Gattung.
21. Phosphor-Kalkstein.
Verhält sich zum Apatit wie Gypsstein zum Selenit. Findet sich ungeformt, theils derb, theils faserig. Hiernach zwey Arten:
1) Derber Phosphor-Kalkstein.
Geldlich-weiß; undurchsichtig; von erdigem Bruche; magern Korn; splitterigem Bruche, der theils auch ins Faserige übergeht; halbhart; schwer; im Dunkeln mit scharfen Eisen gekratzt gibt er leuchtenden Strich, und auf Kohlen ge - bröckelt, so wie der Apatit, grünes Licht. Fund - ort bey Truxilla in Estremadura in abwechselnden Schichten von gemeinem Quarz.
2) Faseriger Phosphor-Kalkstein.
Graulichweiß, theils ins Röthliche ꝛc. wenig durchscheinend; auf dem Querbruche theils gerade, theils krumm-faserig, fast wie Strahlgyps; auch so in dünnen Lagen. Fundort bey Schneeberg.
Die Strontianerde ist zuerst vom sel. Crawford und Hrn. R. Sulzer in Ronneburg für eine besondere Grund-Erde anerkannt worden. Zu den Haupteigenschaften derselben gehört, daß sie mit Salzsäure nadelförmige Crystallen bildet, und daß eine Auflösung derselben in Weingeist carminroth brennt, wenn Papier, Baumwolle ꝛc.619 damit eingetränkt und angezündet worden. Die salpetersaure Auflösung derselben gibt sechssei - tige, dicke, tafelförmige Crystallen.
Diese Erde findet sich mit zweyerley Säu - ren, mit der Kohlen - und Schwefelsäure ver - bunden. Also
1. Strontianit.
Meist blaß spargelgrün, theils weißlich; durch - scheinend; schimmernd; theils glasglänzend; fa - serig; theils stängelich zusammengehäuft; meist in keilförmigen Bruchstücken; meist ungeformt; äußerst selten in nadelförmigen abgesonderten Crystallen. Gewicht = 3591 L. Gehalt (nach Klaproth) = 69,50 Strontian-Erde, 30 Kohlen - säure, 0,50 Wasser. Halbhart. Fundort im Bleygange des Granitgebirges bey Strontian in Schottland, meist in Schwerspath einge - wachsen. *)Der Strontianit, der oft mit dem Witherit ver - wechselt worden, unterscheidet sich besonders auch dadurch von demselben, daß er, nach den Ver - suchen, die ich damit an warmblütigen Thieren angestellt, von denselben ohne allen merklichen Nachtheil genossen wird, da hingegen der Wi - therit bekanntlich denselben ein tödtliches Gift ist. – Ich habe diese Versuche im III. B. der medicinischen Bibliothek S. 730 beschrieben. Auch gibt nach der Bemerkung des Hrn. Dr. Ash, ein mit der salpetersauren Auflösung der Strontianerde getränktes Papier, wenn es getrocknet und ange - zündet wird, eine schön purpurrothe Flamme, da hingegen die vom Witherit unter gleichen Um - ständen gelblichweiß brennt.
2. Cälestin, Schützit.
Nicht bloß, wie der erste Nahme andeutet, blau, sondern auch weiß, gelblich, graulich ꝛc. ; mehr oder weniger durchscheinend; sowohl von dichtem, als faserigem und blätterigem Gefüge; theis derb, theils in geschobenen vierseitigen Tafeln crystallirt. Gewicht des faserigen aus Pennsyl - vanien. Gewicht = 3714 L. Gehalt desselben (nach Klaproth) = 58 Strontianerde, 42 Schwefel - säure. Fundort außerdem (zumahl der blätterigen Abart) Bristol in Sommersetshire und Mazzara in Sicilien.
Die dieses Geschlecht characterisirende Schwererde (terra ponderosa, barytes) ist zuerst von Bergmann für eine eigene Grunderde erkannt worden, und hat den Nah - men von ihrem ansehnlichen specifischen Ge - wichte = 4000. Sie wird, so wie die Kalk - erde, nach dem Brennen caustisch; schmilzt in hoher Temperatur für sich zu Glas; verbindet sich mit der Schwefelsäure zu Schwerspath; und wird aus ihren Auflösungen in der Sal - peter - und Salzsäure durch die Blutlauge gefällt.
Auch sie findet sich, wie die Strontianerde, sowohl mit der Kohlen - als mit der Schwefel - säure verbunden.
1. Witherit.
Weiß, ins Grauliche, theils ins Röthlichgelbe; durchscheinend; ähnelt im äußern Totalhabitus fast dem Alaun; ist fettglänzend; meist unge - formt, springt in keilförmige Bruchflüche, auf dem Längenbruch schwachdivergirend gestreift; sehr selten crystallisirt; und dann meist in sechs - seitiger Säule mit sechsseitiger Spitze (– tab. II. fig. 19. –). Gewicht = 4271 L. Gehalt (nach Kirwan) = 78 Schwererde, 20 Kohlen - säure. Fundort vorzüglich in den Bleywerken zu Anglezark bey Chorley in Lancashire, und zu Steinbauer in Obersteiermark. Innerlich genossen ist er warmblütigen Thieren ein Gift, aber auch; wie so viele andere Gifte, zweckmäßig versetzt und in kleinen Gaben, ein kräftiges Heilmittel.
2. Schwerspath (Fr. spat pésant, Engl. cawk, ponderous spar.)
Gemeiniglich von Spathgefüge; außerdem aber auch wie mancher Gypsspath, faserig; und wie mancher Flußspath, dicht; daher dann folgende drey Arten:
1) Gemeiner Schwerspath, schaliger Schwer - spath.
Meist weiß, aber auch in mancherley andere, doch nur unansehnliche, Farben; mehr oder we - niger durchscheinend; theils undurchsichtig; auch622 von verschiedener Art des Glanzes; häufig un - geformt; theils in dickschaligen Ablosungen; aber auch in sehr vielartigen Crystallisationen; sowohl in Säulen als Tafeln meist von vier oder sechs Seiten und mancherley Zuschärfung und Zu - spitzung; auch als doppelt vierseitige Pyramide (– tab. II. fig. 5. –) ꝛc. Die Säulen theils nadelförmig, wohin z. B. der so genannte Stan - genspath von Freyberg gehört. Die Tafeln häufig sechsseitig mit zugeschärften Enden, die theils wieder mit kleinen Flächen zugespitzt sind (– tab. II. fig. 8 –); theils in sehr kleinen, wie an Fäden angereihten, tafelförmigen Kry - stallen als Haardrusen; oder sonst in mannig - faltiger besondern Gestalt zusammengehäuft, z. B. als Hahnenkammdrusen ꝛc. Gewicht = 4430. Gehalt (nach Bergmann) = 84 Schwer - erde (und oft auch etwas Strontianerde), 13 Schwefelsäure, 3 Wasser. Häufig auf Gängen (S. 527), wo er eine der gemeinsten Gangar - ten vieler Erze macht; aber auch hin und wieder in Flözen.
Eine besonders anzuführende Abart ist der so genannte Aehrenstein oder fälschlich so genannte Strausasbest (Lapis acerosus), ein weißer Schwerspath, blumicht wie Aehrenbüschel, wo - mit sein aschgraues, thonartiges Muttergestein gleichsam durchwachsen ist. Fundort, ehedem bey Osterode.
2) Faseriger Schwerspath, Bologneserspath.
Von faserigem Gefüge auf dem Querbruch; rauchgrau, wenig durchscheinend, in rundlichen, gleichsam plattgedruckten Nieren (von Größe und Form meist wie getrocknete Feigen). Gewicht = 2440. Gehalt (nach Arvidson) = 62 schwefel -623 saure Schwererde, 16 Kieselerde, 14,75 Thon - erde, 6 schwefelsaure Kalkerde, 0,25 Eisenkalk, 2 Wasser. Findet sich bloß am Berge Paterno bey Bologna; auch hat man aus dieser Abart des Schwerspaths zuerst die so genannten Licht - magnete verfertigt.
3) Dichter Schwerspath.
Rauchgrau, gelblich, ziegelroth ꝛc. meist nur an den Kanten oder in Splittern durchscheinend; matter meist splitteriger Bruch; ungeformt. Ge - halt des Rammelsberger (nach Westrumb) = 83,5 schwefelsaure Schwer - und Strontian-Erde, 6,5 Kie - selerde, 1,5 Thonerde, 2 schwefelsaurer Kalk, 2 Wasser und Erdharz. Fundort wie gesagt der Rammelsberg, aber auch Derbyshire ꝛc.
3. Erdiger Baryt, mulmichter Schwerspath.
Meist gelblichgrau; erdig; mager, rauh. Be - sonders bey und auf gemeinem Schwerspath.
4. Hepatit, Schwer-Leberstein. Lapis he - paticus Cronst.
Theils bräunlichschwarz, theils graulichgelb; nur an den Kanten durchscheinend, oder undurch - sichtig; glänzend; in Nieren oder stumpfeckigen ungeformten Stücken. Gibt, wenn er mit Eisen geschabt oder gekratzt wird, einen Geruch nach Schwefelleber. Fundort zumahl Andrarum in Schweden und Kongsberg in Norwegen.
Wir haben bisher die Erden und Steine als homogene (mechanisch einfache) Fossilien betrachtet. Häufigst aber finden sich auch Fos - silien verschiedener Gattungen und selbst aus verschiedenen Geschlechtern auf mannigfaltige, aber bestimmte Weise und meist in ansehnli - chen Massen und Gebirgslagern unter einander gemengt, daher es, besonders für den geogno - stischen Theil der Mineralogie, überaus wich - tig ist, auch diese aus heterogenen Gattungen von Fossilien gemengten Gebirgsarten (saxa s. petrae heterogeneae) unter eine systema - tische Uebersicht zu bringen*)Vergleiche hiermit Hrn. Oberbergrath Karstens tabellarische Uebersicht der Gebirgsarten, einen vorzüglich lehrreichen Abschnitt seiner trefflichen oben (S. 539.), angeführten mineralogischen Tabellen..
Doch schränken wir uns hier bloß auf die - jenigen ein, die in ihren bestimmten Mengungs - verhältnissen ganze Gebirgslager bilden, mit625 Ausschluß derer, wo sich nur selten oder einzeln ein Fossil in einem andern gleichsam eingewach - sen findet, wie z. B. zuweilen Bergcrystall im carrarischen Marmor (S. 609) ꝛc., oder wo irgend in Höhlen und Drusenlöchern eines ältern Gesteins andere Fossilien von weit neuerer Ent - stehung abgesetzt worden, wie z. B. Kalksinter in alten Erdschlacken oder Laven ꝛc.
Jene eigentlich so genannten gemengten Gebirgsarten lassen sich nach der verschiedenen Verbindungsart ihrer Gemengstoffe unter fol - gende drey Hauptclassen bringen:
A) Wo die verschiedenen Gemengtheile bey gleichzeitigem Niederschlag aus ihrem Pri - mordialfluidum (§. 227 u. f.) ohne alles fremde Cäment oder Grundteig ursprüng - lich in und mit einander verwachsen sind, wie beym Granit; daher angeschliffene Stücke desselben gleichsam einem Mosaik ähneln.
B) Wo bloß einzelne Brocken von Fossilien in einen Grundteig oder Hauptmasse von anderer Steinart gleichsam eingeknetet sind, wie beym Porphyr.
C) Endlich, wo dicht zusammengehäufte Körner und Gerölle durch ein Cäment626 gleichsam zusammengekittet sind, wie in den Breschen und im Sandstein.
Bey den beyden ersten Classen sind wohl alle Gemengstoffe von gleichzeitiger Entstehung.
Bey der dritten hingegen müssen, wenigstens bey den Breschen, die Körner und Gerölle früher gebildet gewesen seyn, ehe sie durch ein Cäment unter einander verbunden worden.
Ich habe versucht, wo es sich thun ließ, die Hauptarten wieder in folgende Unterarten abzutheilen:
a) Die eigentliche Art, die aus denen ihr eigentlich zukommenden Stoffen rein ge - mengt ist, wie z. B. eigentlicher Granit aus Feldspath, Quarz und Glimmer.
b) Afterarten, die, statt eines oder des andern der ihr eigentlich zukommenden Stoffe, einen oder den andern fremden enthalten.
c) Uebermengte Arten, denen außer ihren eigentlichen Stoffen überdieß noch fremde überzähliche beygemengt sind.
d) Halbarten, denen einer oder der andere ihrer eigentlichen Stoffe mangelt, ohne daß dafür ein fremder eingemengt wäre.
627A) Gemengte Gebirgsarten mit ursprünglich in einander gewachsenen Stoffen.
1. Granit.
In derben Gebirgmassen, oder nur in mächtigen Bänken geschichtet; aber von mannig - faltiger Verschiedenheit des grob - oder feinkör - nigen Gemenges; oder des ungleichen Verhält - nisses der Gemengstoffe; oder des mehr oder minder festen und frischen Korns u. s. w.
a. Eigentlicher Granit. Syenites*)Diesen Nahmen hat derjenige Granit, aus wel - chem die bewundernswürdigsten Denkmahle der altägyptischen Kunst, die Obelisken, gehauen worden, von seinem Fundort bey der Stadt Svene am Nil in Ober-Aegypten erhalten. s. das Gabinetto del collegio Nazareno 1792. T. II. p. 238 "I graniti delle nostre guglie Egiziane hanno per base un felspato rossigno con quarzo fra - gile semitrasparente, e mica nero."– Vollkom - men so sind die Proben von rothen antiken Granit in meiner Sammlung; nahmentlich eine vom Obelisk des Rameses, und eine von der Säule Kais. Antonin's – Und Hr. Prof. Wad, der die echten frischen Bruchstücke, die sich von den berühmtesten römischen Obelisken in der Samm - lung des Hrn. Cardinal Borgia befinden, aufs genaueste geprüft, sagt ausdrücklich:„ Ex his spe - ciminibus clare patet Syeniten Plinii esse grani - tem nostrum stricte sic dictum (ex quarzo, feld - spato, et mica) "S. Dess. Fossilia Aegyptiaca musei Borgiani, Velitris 1794. 4. pag. 1. u. f. Plin.
Wie gesagt, bloß aus Feldspath, Quarz und Glimmer. So z. B. der antike Granito rosso. So auch das berühmte ungeheuree Geschiebe aus einem Sumpfe am finnischen Meerbusen, das seines Gewichtes von drey Millionen Pfund un -628 geachtet nach St. Petersburg transportirt worden, um der Statüe Czaar Peters des großen zur Basis zu dienen*)Die schwerste Last, die je durch Menschenkunst be - wegt worden. – Der große vaticanische Obelisk, den Fontana aufgerichtet, hält kaum den dritten Theil; nur 973537 Pfund. – S. des Gra - fen Carbury monument élévé à la gloire de Pierre le grand. Par. 1777. Fol..
Das berühmte Pe-tun-tse der Schinesen, ein Haupt-Ingrediens ihres Porcellans, ist ebenfalls ein eigentlicher Granit, dessen Feldspath in Ver - witterung steht.
b. Aftergranit.
So z. B. der statt des Glimmers Hornblende enthält, wohin auch manche antike Arten gehören (nur nicht der wahre Syenit).
c. Uebermengter Granit.
Der z. B. außer dem Feldspath, Quarz und Glimmer auch noch Hornblende oder Stangen - schörl, Granaten, Diamantspath, Zinnstein, magnetischen Eisenstein**)So nahmentlich, obschon bis jetzt nur in gerin - ger Menge, in einigen magnetischen Granitfelsen am Brocken auf dem Harz, die an gewissen Stellen, und selbst in kleinen Stücken, so wie der obgedachte vom Hrn. von Humboldt entdeckte polarische Serpentinfels die Richtung der Magnet - nadel invertiren. S. Fr. Hausmann im Hannö - verischen Magazin 1801. St. 84. u. f. ꝛc. enthält.
d. Halbgranit.
Der z. B. bloß aus Hornblende und Feldspath besteht, wohin dann, wenn er innig gemengt ist, die mehresten antiken ägyptischen Basalte629 zu gehören scheinen (s. oben S. 586); oder aus Feldspath und Glimmer, wohin man das Feld - spath-Avanturino vom weißem Meere [S. 576. not. **)] rechnen kann ꝛc.
2. Gneis. (Fr. Granit feuilleté.)
Die Gemengstoffe wie beym Granit, an wel - chen er auch meist angrenzt, und daher theils in ihn übergeht (zumahl durch den von Saussüre so genannten Granit veiné); insgemein aber ge - schichtet, dickflaserich, theils gar schieferig; bricht in Ganggebirgen. Seine Arten übrigens wie beym Granit:
a. Eigentlicher Gneis.
Aus Glimmer, Feldspath und Quarz; häufig erzführend; ist zumahl im Erzgebirge eine der gemeinsten Metallmütter.
b. Aftergneis.
aus Hornblende, Feldspath und Glimmer.
c. Uebermengter Gneis.
So z. B. mit Granaten, oder mit schwarzem Stangenschörl, Strahlstein ꝛc.
d. Halbgneis.
aus Glimmer und Feldspath; oder aus Glimmer und Quarz, da er dann in den inniger gemengten Glimmerschiefer übergeht.
3. Glimmerschiefer.
Die Gemengstoffe dieser Ganggebirgsart sind eigentlich bloß Quarz mit vorwaltendem Glim - mer in schieferigem Gefüge. Häufig erzführend; theils alaunhaltig. Es gehört dazu:
630a. Eigentlicher Glimmerschiefer.
Mancher wird wegen seines Gebrauchs für hohe Oefen Gestellstein (saxum fornacum) genannt.
Eine vorzüglich schöne zimmtbraune, und avanturinartig Gold schimmernde bricht bey Catharinburg in Sibirien
b. Uebermengter Glimmerschiefer.
Zumahl häufig mit Granaten, im so genann - ten Murkstein.
B) Gemengte Gebirgsarten bey welchen einzelne Brocken von gewissen Fossilien in einer homogenen Hauptmasse, wie in einem Grundteige, liegen.
4. Porphyr. (Ital. porphido).
Die Grundmasse ist vielartig; z. B. häufig Hornstein; aber auch verhärteter Thon; oder Trapp; oder Pechstein ꝛc. ; gehört mehrentheils, wie die beyden vorigen, zu den Ganggebirgsarten, und bricht meist in derben Massen: doch theils auch kugelich.
a. Eigentlicher Porphyr.
Feldspath und Hornblende, in eine der gedach - ten Grundmassen eingemengt.
Der wegen seiner Schönheit, ausnehmenden Härte ꝛc. vorzüglichste und eigentlich so genannte antike Porphyr, ist, wie schon der Nahme an - zeigt, von rothbrauner Farbe und Grundmasse, die aus einem eigenen hornsteinartigen, dem Ja - spis sich nähernden Gestein besteht, und kleine Brocken eines von dieser Grundmasse röthlich631 tingirten, dichten Feldspaths und schwarzer Horn - blende enthält. Fundort vorzüglichst Nieder - aegypten und das steinige Arabien.
b. Afterporphyr.
Wo z. B. außer der Hornblende statt des Feld - spaths Kalkspath eingemengt ist, wie in man - chen irrig so genannten alten Laven des Ve - suvs (S. 585).
c. Uebermengter Porphyr.
Mit mehr als zweyerley Gemengstoffen in der Grundmasse.
Dahin gehört z. B. der ungarische Graustein (Saxum metalliferum Born. ), der aus einer Grundmasse von verhärtetem Thon mit einge - mengter Hornblende, Feldspath, Glimmer und zuweilen Quarz, besteht. Fundort in Nieder - ungarn, wo er das Hauptganggebirge und das Muttergestein der mehresten dasigen reichen Gold - und Silber-Erze ausmacht.
d. Halbporphyr.
Mit einem einzigen Gemengstoff in der Grund - masse.
So der schöne antike ägyptische grüne Porphyr (das fälschlich so genannte Serpentino verde an - tico), mit lauchgrüner, hornsteinähnlicher, (zu - weilen auch grünsteinartiger) Grundmasse und darein gemengten mittelmäßig großen Feldspath - brocken, die davon blaßgrün gefärbt sind.
5. Porphyrschiefer, Hornschiefer.
Die Grundmasse ist meist der obgedachte Kling - stein (5. 584.) Eingemengt ist meist in sehr kleinen Körnern Feldspath, Quarz ꝛc. Das Gefüge, wie schon der Nahme zeigt, schieferig.
632C) Gemengte Gebirgsarten, aus dicht zu - sammengehäuften Körnern und Geröllen, die durch ein Cäment gleichsam zusammen gekittet sind.
6. Bresche. (Ital. Breccia).
Ungleichförmige Gerölle und Brocken in eine gemengte, meist sandsteinartige Hauptmasse ein - gebacken. Von großer Mannigfaltigkeit des Cä - ments sowohl als der inliegenden Gemengstoffe. Jenes ist aber immer derb, nicht von schieferich - tem Gefüge.
Zu den besonders merkwürdigen Arten gehören:
Der Puddingstein. – Eine Grundmasse von einem meist graulichgelben, durch Quarz-Cäment verbundenen Sandstein, in welchem Gerölle von Feuerstein, Kieselschiefer ꝛc. fest eingewachsen sind*)Er scheint von ziemlich neuer Entstehung; wenig - stens besitze ich Stücke davon, wo die einge - wachsenen Feuersteingerölle versteinte Cellularien enthalten.. Fundort vorzüglich in England; der schönste bey St. Albans in Hertfordshire.
Das so genannte Rothe todte liegende der deutschen Bergleute. – Meist eine Grundmasse von stark eisenschüssigem durch Thon-Cäment ver - bundenem Sandstein, in welchem Quarz, Kiesel - schiefer ꝛc. in ungleichförmigen Körnern fester oder lockerer eingemengt liegen. Es macht häufig, die unterste Flözlage in Bergwerken; bildet aber auch theils ganze Berge; zumahl in der Schweiz, die dasige Nagelfluhe ist von dieser Art.
633Die Grauwacke (Fr. grès gris). – Eine Grundmasse von meist grauem, durch Thon-Cä - ment verbundenem Sandstein, in welchem Quarz von ungleichförmigen Geröllen oder Körnern und theils sehr verschiedener Größe, fester oder locke - rer eingemengt liegt. Uebergang in Sandstein, und zwar nahmentlich in denjenigen, welcher bey den Steinkohlenflözen bricht, und deßhalb (zum Unterschied vom gemeinen neuern Flözsand - stein) Kohlensandstein genannt wird. Macht eine Hauptgebirgsart des Oberharzes, wo sie reiche Erzgänge führt, und ins Flözgebirge übergeht.
7. Breschenschiefer.
Die Gemengtheile, wie bey den letzgedachten Arten der Breschen, aber mit schieferigem Gefüge.
So z. B. Grauwacken-Schiefer, der in manchen Gegenden des Oberharzes, z. B. am Burgstetterzug bey Clausthal, schilfähnliche Ab - drücke enthält, die für die Geogenie um so merk - würdiger werden, da es wahrscheinlicher Weise die aller ältesten Spuren von organisirter Schöpfung auf unserm Planeten sind.
8. Sandstein.
Quarz in meist gleichförmigen Körnern dicht zusammen gekittet. Das Cäment ist von ver - schiedener Art: z. B. kalkartig; oder thonartig; oder eisenschüssig; zuweilen aber auch selbst quarz - artig, da dann solcher Sandstein in körnigen ge - meinen Quarz (S. 546) übergeht.
a. Eigentlicher Sandstein.
Theils in mächtigen Lagern; theils mit crystal - linischem Kron; theils mit Abdrücken von Petre -634 facten der Vorwelt und zwar aus beyden Reichen organisirter Körper.
Besonders merkwürdig ist der seit etwa 16 Jah - ren vom neuen*)Denn man kannte ihn schon in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in Europa. s. Gassendi vit. Peireskii ad a. 1630. pag. 150. berühmt wordene biegsame Sandstein von villa rica in der brasilischen Pro - vinz minas geraes. Er bricht in dünnen Lagen, doch ohne wirklich schieferiges Gefüge.
Zum Sandstein von besonderer Gestalt gehört vorzüglich der, so sich bcy Clausenburg in Kugeln der verschiedensten Größe findet.
Des so genannten crystallisirten Sandsteins von Fontainebleau ist oben behörigen Orts beym Kalkspath (S. 604.) Erwähnung geschehen. Eher verdient derjenige hier seine Stelle, der om Wir - tembergischen bey Stuttgard und Tübingen bricht.
b. Uebermengter Sandstein.
Am allergemeinsten mit Glimmer.
Aber auch mit manchen andern Fossilien, z. B. außer dem Glimmer mit kleinen Brauneisenstein - würfelchen in dem Muttergestein des rothen Chro - miumerzes von Beresossk im Catharinburgischen.
Oder mit kleinen Granaten, wie z. B. im Na - miesterstein, einem übermengten Sandstein mit Quarz-Cäment, der von seinem Fundort in Mähren den Nahmen hat.
Und so findet auch wohl der Topasfels des Schneckensteins im Voigtlande (S. 569.) hier füglich seine Stelle, der aus einem in körnigen Quarz übergebenden Sandstein zu bestehen scheint, welcher mit nadelförmigem schwarzem Stangen -635 schörl, gemeinem dichtem Quarz, theils auch mit ungeformtem Topas und gelbem Steinmark durchzogen ist.
9. Sandstein-Schiefer.
Der sich also wegen seines Gefüges zum derben Sandstein verhält, wie der Porphyrschiefer zum Porphyr, oder wie der Grauwackenschiefer zur Grauwacke ꝛc.
Gemeiniglich ist er mit Glimmer übermengt und meist damit im schieferigen Bruche durchzogen (so z. B. nahmentlich im englischen York-stone, Breming-stone amp; c.) Nur variirt dabey das Verhältniß des Quarzes zum Glimmer sowohl in Rücksicht der Menge als der Vertheilung gar vielartig.
Die Salze überhaupt unterscheiden sich von andern Körpern vorzüglich durch ihre leichte Auflösbarkeit im Wasser; durch ihren specifiken Geschmack; durch ihre vollkommene Unverb - rennlichkeit; und durch ihr großes Aneig - nungs - und Mischungsvermögen, b. h. ihren starken Hang sich mit andern Stoffen, innig zu verbinden. *)Vergl. Hrn. Hofr. Hildebrandt über die Bestim - mung des Begriffes von Salzen; in Hrn. v. Crells chemischen Annalen. 1795. 11. B. S. 6 u. f.
Alle mineralische Salze (d. h. die, so sich von Natur fossil finden) gehören zu den so ge - nannten Mittel-Salzen (Salia media, neu - tra, composita), die nähmlich aus einer Säure bestehen, verbunden, entweder A) mit einem Laugensalze, oder B) mit einer wegen dieses Verbindungsvermögens so genannten al - kalischen Erde, oder C) mit metallischen Kalken.
637Anm. Im Grunde gehören also auch der Gyps u. a. aus einer alkalischen Erde mit einer Säure ver - bundene Fossilien zu den Salzen; sie werden aber wegen ihrer Geschmacklosigkeit und mindern Auf - lösbarkeit, wenigstens in der Mineralogie, füg - licher wie oben geschehen, den Erden und Steinen beygezählt.
Die mineralischen Salze werden am natür - lichsten nach den verschiedenen Säuren, die sie enthalten, unter folgende fünf Geschlechter ge - bracht:
I. Salzsaure Mittel-Salze.
II. Schwefelsaure Mittel-Salze.
III. Salpetersaures Mittel-Salz.
IV. Boraxsaures Mittel-Salz; und
V. Kohlensaures Mittel-Salz.
1. Steinsalz, natürliche salzsaure Soda. Sal gemmae, muria montana. Soude muriatée.
Theils farbenlos und wasserhell; häufiger aber graulich; selten ziegelroth, oder saphirblau ꝛc. ; meist mehr oder weniger durchscheinend; theils638 nur schimmernd, theils aber glänzend; der Bruch theils dicht, theils blätterig, theils fa - serig, theils körnig; meist ungeformt; selten crystallisirt, und dann cubisch; zuweilen mit ein - geschlossenen Wassertropfen ꝛc. Gewicht = 2143. Gehalt = 33 Salzsäure, 50 Soda, 17 Wasser. Zerspringt im Feuer mit Knistern. Bildet theils mächtige Flöze und Lager*)Von der Entstehung derselben s. Hrn. Prof. de Lüc's geologische Briefe; im Voigtischen Magazin IX. B. 4. St. S. 37. (Salz-Stöcke), wie z. B. zu Bochnia und Wieliczka bey Kra - kau ꝛc. Theils aber wird es auch (als Seesalz) an den Ufern salziger Landseen durch die Sonne als eine feste Rinde gradirt, wie z. E. bey Alexandria in Aegypten und am Baikal.
2. Natürlicher Salmiak, salzsaures Am - moniak. Sal ammoniacum. Ammonia - que muriaté.)
Weiß, graulich ꝛc. theils gelb von beygemisch - tem Schwefel ꝛc. Meist nur mattschimmernd; theils mehlig; theils in undeutlichen kleinen Crystallen; zeigt einige Ductilität und Schnell - kraft. Gewicht = 1420. Geschmack kühlend - stechend, laugenhaft; geht auf Kohlen als weißer Rauch in die Höhe, Fundort zumahl in vulca - nischen Gegenden.
und zwar
A) in Verbindung mit Laugensalz.
1. Natürliches Glaubersalz, schwefelsaure Soda. Sal mirabile Glaub. Soude sul - faté.
Weißlich, theils durchscheinend, theils erdig. Gehalt = 27 Schwefelsäure, 15 Soda, 58 Wasser. Geschmack bittersalzig, kühlend. Fund - ort unter andern bey der natürlichen Soda von Debrezin.
B) In Verbindung mit alkalischen Erden.
2. Natürliches Bittersalz, schwefelsaure Talk - erde. Magnesia vitriolata. Magnesie sul - fatée.
Meist weißlich; durchscheinend; meist in nadel - förmigen zusammengehäuften Crystallen. Gehalt = 33 Schwefelsäure, 19 Talkerde, 48 Wasser. Geschmack sehr bitter. Fundort unter andern bey Jena.
Eine besondere Abart ist das so genannte Haar - salz (Halotrichum) von Idria, das sich durch seine lange haarförmige Crystallen, silberweiße Farbe und Seidenglanz auszeichnet.
3. Natürlicher Alaun, schwefelsaure Thon - erde. Alumen, argilla vitriolata. Alu - mine sulfatée.
640Meist graulich; theils durchscheinend; meist nur schimmernd; theils seideglänzend; theils erdig. Gewicht = 2071. Gehalt ungleich: z. B. = 24 Schwefelsäure, 18 Thonerde, 58 Wasser. Geschmack zusammenziehend, herbe, hintennach süßlich. Fundort vorzüglich im Neapolitanischen. Zuweilen auch auf den so genannten Alaunerzen. Gebrauch hauptsächlichst zur Färberey ꝛc.
C) In Verbindung mit metallischen Kalken.
4. Natürlicher Vitriol.
Schwefelsaure Metallkalke, zumahl von Kupfer, Eisen, Zink und Kobalt; und zwar meist mehrere dieser verschiedenen Metallkalke zusammen verbun - den; indeß werden sie doch a potiori benannt:
1) Kupfervitriol, blauer Vitriol, schwefel - saures Kupfer. Cuivre sulfaté, (coupe - rose bleue.)
Blau, ins spangrüne; durchscheinend; glas - glänzend; meist stalactitisch. Gewicht = 2230. Gibt im Feuer grüne Flamme; seine Auflösung färbt das damit geriebene Eisen kupferroth. Her - ber, zusammenziehender, ekelhafter Kupferge - schmack. Fundort z. E. bey Herrengrund in Ungarn ꝛc.
2) Eisenvitriol, grüner Vitriol, Kupfer - wasser, schwefelsaures Eisen. Fer sulfaté. (couperose verte.)
Meist spangrün ꝛc. verwittert aber ochergelb; theils auch als weißer Beschlag auf Schwefel - kies ꝛc. ; meist durchscheinend; herber zusammen - ziehender Tintengeschmack. Fundort z. B. im641 Rammelsberge bey Goslar, aber auch bey Vul - canen, Steinkohlen ꝛc .*)Der so genannte Atramentstein ist ein aus fremd - artigen, zum Ausfüllen leerer Räume in den Gru - ben gebrauchtes zusammengebackenes Gestein, so642 mit Vitriolwasser durchzogen worden, und woraus dann (z. B. in Goslar) der mehreste Vitriol ge - sotten wird.Daß dieser Atramentstein wahrscheinlich das alumen der Alten sey, zeigt Hr. Hof. Beckmann in den Beyträgen zur Geschichte der Erfindungen, II. Th. S. 92..
Als eine besondere Abart verdient die Berg - butter, Steinbutter (Russ. Kamenoemaslo) genannt zu werden, die gelb; durchscheinend; machsglänzend; blätterig; fettig anzüfuhlen ist und sich besonders häufig in Sibirien, auf dem Altai, Ural ꝛc. findet.
3) Zinkvitriol, weißer Vitriol, schwefel - saurer Zink. Zinc sulfaté (couperose blanche.)
Gelblicht weiß; schimmernd; meist faseriger Bruch; theils als mehliger Beschlag; theils haarförmig (als mancher so genannte Feder - alaun); theils stalactitisch ꝛc. Fundort z. B. ebenfalls im Rammelsberge.
4) Kobaltvitriol, schwefelsaurer Kobalt. cobalt sulfaté.
Blaß rosenroth; glasglänzend; durchscheinend; stalactitisch. Fundort bey Herrengrund in Ungarn.
1. Natürlicher Salpeter, salpetersaure Pott - asche. Nitrum prismaticum. potasse ni - tratée.
Weißlich; meist durchsichtig; theils glänzend, theils schimmernd; meist in zarten Nadeln, oder wollicht; theils stalactitisch. Gewicht = 1920. Geschmack bitterlich und kältend. Im Feuer schmilzt er und auf glühenden Kohlen verpufft er; mehrentheils ist er mit Kalkerde gemischt (als so genannte Salpetererde). Fundort vorzüglichst in Ludamar, (im Innern von Africa), im Hindu - stan, auch in Ungarn, Axulien ꝛc., und bey Homberg im Würzburgischen. Hauptgebrauch bekanntlich zu Schießpulver, zu Scheidenwasser ꝛc.
1. Tinkal, roher Borax, boraxsaure Soda. Swaga der Tibbetaner. Soude boratée.
Meist grünlich grau; durchscheinend; wachs - glänzend; krumm blätteriger Bruch; crystallirt in sechssenigen platten Säulen mit schräg zuge - schärften Enden. Geschmack anfangs süslich, hintennach brennend; schmilzt leicht im Feuer. Fundort an einigen alpinischen Seen in den Schneegebirgen von Tibet und Nepal. Gebrauch besonders zum Löthen ꝛc.
2. Sassolin, natürliches Sedativsalz.
In gelblich weißen fast silberglänzenden schup - pigen oder glimmerähnlichen Blättchen. Gehalt643 (nach Klaproth) = 86 Boraxsäure, 11 schwefel - saurer Braunstein, 3 Gyps. Fundort an den heißen Quellen (Lagoni) bey Sasso im Floren - tinischen.
1. Natürliche Soda, vulgo natürliches mi - neralisches Laugensalz, kohlensaure Soda. Natrum. Borech der Persianer. Trona in der Barbarey. Nitrum der Alten. Soude carbonatée.
Weißlich; ins Gelbliche, Grauliche ꝛc. ; meist erdig; doch theils derb, durchscheinend, matt - glänzend; theils auf dem Bruche stängelich zu - sammengehäuft; leicht im Wasser auflösbar; Geschmack laugenhaft. Gehalt an Kohlensäure ungleich; theils 38 pro Cent ꝛc. Fundort beson - ders an den Natron-Seen in Aegypten ꝛc. Mit Thon gemengt auf den Heiden um Debrezin. – Die alten Aegyptier beizten ihre Leichen einen Monath lang in diesem Salze ein, ehe sie die - selben zu Mumien bereiteten*)Ich habe dieses Mumiensalz bey Gelegenheit eini - ger ägyptischen Mumien näher untersucht, die ich den 18. Febr. 1791. im britischen Museum zu öffnen Erlaubniß erhalten. s. philosoph. Transactions for 1794. pag. 183. tab. XVI. fig. 4.; und den schiff - brüchigen Kaufleuten am Ufer des Belus soll es bekanntlich zur Erfindung des Glasmachens An - laß gegeben haben. Noch jetzt wird es in den644 Morgenländern häufig zu diesem letztern Zweck, so wie zur Seife, zum Bleichen und Färben der Zeuge, auch in Aegypten zum Brodteig und sonst an die Speisen verwandt.
Das Mauer-Salz, aphronitrum, alcali calcareum, das aus feuchten Mauren wie wol - lichter Schimmel ausschlägt (und hin und wieder, aber irrig, Salpeter genannt wird), ist eine mit Kalkerde vermischte, unreine natürliche Soda.
Brennlich oder combustibel heißen im Grunde alle diejenigen Fossilien, die sich so schnell mit dem Sauerstoff (oxygène) verbin - den, daß dabey Wärmestoff und Lichtstoff frey werden. Folglich gehören, genau genommen, auch hie Metalle darunter. Allein, da sich diese außerdem noch durch manche andere auffallende und ihnen ausschließlich eigene Charaktere von allen übrigen mineralischen Körpern auszeichnen, so werden sie nach der alten einmahl allgemein angenommenen Eintheilung (§. 241.) unter eine besondere Classe gebracht, und nur nachstehende vier Geschlechter zu den eigentlich so genanten brennlichen Mineralien gerechnet:
I. Natürlicher Schwefel.
II. Erdharz.
III. Graphit.
IV. Demant.
Die ersten beyden haben das mit einander gemein und hingegen von den übrigen beyden verschiedene, daß sie sich, wenn sie rein sind, in Oehl auflösen lassen, und schon im Glühefeuer mit Rauch und Flamme und eigenem Geruch brennen oder wenigstens glimmen, und zur Unterhaltung des Feuers dienen können. Vom Erdharz ist eine Gattung, nähmlich das Erd - öhl, flüssig. Die übrigen trocknen sind stark idioelectrisch.
1. Natürlicher Schwefel. Sulphur. (Fr. Soufre. Engl. Brimstone)
In mancherley Abstufungen seiner bekannten Farbe*)Die mannigfaltigsten Schattirungen (versteht sich nähmlich an Schwefel von gleichem Orte) seit der vom Pic von Teneriffa in meiner Sammlung, welchen Herr Baronet Banks von seiner Reise um die Welt mitgebracht.; mehr oder weniger durchscheinen; Fettglanz; muscheliger Bruch; spröde; meist un - geformt und zwar sowohl locker als derb; theils stalactitisch; theils crystallisirt, in dreyseitigen oder doppelt vierseitigen Pyramiden. Gewicht = 2033. Schmilz bey 244° Fahrenh. und bricht den 414° in Flamme aus An sich ist er ein in allen drey Naturreichen weit verbreitetet einfacher, bis jetzt nicht weiter zerlegbarer Körper647 (ein vulgo so genannter Elementarstoff), doch ist der natürliche, von dem hier die Rede ist, meist unrein. Fundort zumahl in Gypsflözen, z. B. bey Lauenstein im Hannoverischen; und dann auf und bey Vulcanen ꝛc.
1. Börnstein Agtstein. Succinum, ele - ctrum, glesum Tacit. (Fr. succin, am - bre jaune, carabé.)
Vom Weißen bis ins dunkel Orangenrothe; und vom Undurchsichtigen bis ins vollkommen Durchsichtige; selten wasserhell, öfter öhlklar; theils Glasglanz, theils Wachsglanz; musche - liger Bruch; theils in besonderer Gestalt als birnförmige oder kugelichte Tropfen. Läßt sich drehen, poliren ꝛc. Gewicht eines durchsichtigen Weingelben = 1083. Enthält eine eigene Säure (Fr. acide succinique); ist vermuthlich als Folge einer der frühern Erdrevolutionen*)In einer überaus vollständigen und höchst instructi - ven Suite zur Naturgeschichte des Börnsteins, womit der Herr Graf von Finkenstem Schön - berg meine Sammlung bereichert hat, fin - den sich unter andern manche vollkommen deut - liche aber mir ganz unbekannte Insecten, andere ähneln zwar jetzt existirenden aber tropischen Gat - tungen, wie z. B. eine große Schade ꝛc. aus Baum - harz entstanden; hält nicht selten fremde Körper eingeschlossen; zumahl Wald-Insecten ꝛc. Fund - ort vorzüglichst Samland in Ostpreußen, theils648 in Flözen von bituminösem Holz und Braun - kohle, theils am Seestrande*)Zwischen diesem findet sich zuweilen, aber sehr selten, eine bisjetzt ebenfalls ganz unbekannte mandelförmige Samenkapsel des ehemahligen Börnsteinbaumes, dergleichen ich durch die Güte des Hrn. Hofr. Hagen zu Königsberg besitze..
2. Erdöhl, Bergöhl, Steinöhl. Petroleum. Bitume liquide (Engl. fossile Tar.)
Mehr oder weniger flüssig; theils nähmlich vollkommen tropfbar (so die Naphtha); theils hingegen sehr zähe, wie ein verdickter Theer (so der Bergtheer, Maltha); eben so verschieden in Farbe und Durchsichtigkeit; jenes z. B. von mancherley gelber Farbe; dieser hingegen bis ins Schwarzbraune (der echte Barbados-Theer grün - lich-braun); jenes durchsichtig; dieser hingegen kaum in dünnen Faden durchscheinend. Mittel - gewicht = 0,850. Starkriechend. Fundort, zumahl die Naphtha auf den brennenden Feldern am caspischen Meer, das Bergtheer besonders auf Barbados, aber auch hier zu Lande z. B. bey Edemißen im Amte Meinersen. Gebrauch der Naphtha zum Brennen, selbst zur Feuerung ꝛc. des Berghteers zu Arzney ꝛc. **)Herr Baron von Asch hat im Türkenkriege a. 1770 den moldauischen Berghteer mit glücklichem Er - folg als Digestivsalbe in Bestzufällen verordnet;649 und der von Barbados wird jetzt als ein bewähr - tes Heilmittel bey hartnäckigen Hautkrankheiten und sogar bey krebsartigen Uebeln gebraucht.
3. Elastiches Erdpech, fossiles Federharz. Bitume élastique.
Dieses überaus merkwürdige seltene Fossil fin - det sich bloß bey Castletown in Derbyshire in kleinen Klüften von grauem dichten Kalkstein und zwischen Kalkspathdrusen. Es ist braun, glanz - los, und auffallend elastisch, so, daß es sich zwar nicht, wie das vegetabilische Federharz, ohne zu zerreißen dehnen, aber doch fast wie weicher Kork zusammendrucken läßt und dann in seine vorige Gestalt zurückschnellt.
Es finden sich davon zwey genau zu unterschei - dende Arten:
1) Dichtes fossiles Federharz.
Schwarzbraun, theils in Olivengrüne; dicht; wird in der Wärme weich; und ähnelt überhaupt im äußern Habitus mehr noch als das folgende dem vegetabilischen Cahutschuk.
2) Lockeres fossiles Federharz.
Haarbraun; von einem lockeren, schwammich - ten, theils ins Faserige übergehenden Gefüge; ist zäher als die dichte Art.
4. Erdpech, Judenpech, Asphalt, Bitume solide.
Meist schwarz und nur in Splittern braun durchscheinend; theils Fettglanz, theils Glas - glanz; meist muscheliger Bruch; sehr spröde, brüchig; gibt leberbraunen Strich; hat meist einen eigenen bitterlichen Geruch; brennt mit dickem Dampf. Gewicht = 1104. Fundort zumahl auf dem todten Meere, das davon seinen griechischen Nahmen hat. Ward von den alten650 Aegyptiern zu ihren Compositionen zur Mumien - bereitung genommen. Jetzt brauchen es die Tür - ken, Araber ꝛc. häufigst in Oel aufgelöst zum Bestreichen ihres Pferdegeschirres, um die Stech - fliegen ꝛc. abzuhalten.
Unter den Abarten verdient der berühmte kost - bare, wohlriechende feste Bergbalsam, oder die mineralische Mumie [Pers. Muminahi*)Diese persische Benennung des Bergbalsams ist erst im 13ten Jahrhundert von den alten ägypti - schen basamirten Leichen gebraucht, und diese seitdem allgemein Mumien genannt worden.] aus den Bergklüften in Khorassan am Fuß des Caucasus, und das Munjack, das die See in der Campesche-Bay auswirft, besonderer Er - wähnung.
5. Bituminöses Holz. Oryctodendron, lignum fossile bituminosum.
Haarbraun; theils ins Schwarzbraune (wie z. B. das isländische Surtar-brandr oder Schwarz - holz); mit wehr oder minder deutlicher Holz - textur. Uebergang in Braunkohle und in Pechkohle; theils in mächtigen Flözen**)Mann hat die bituminösen Holzflöze – diese großen für die Geogenie so merkwürdigen Denkmahle einer catastrophirten Vorwelt – für eine Art Treibholz halten wollen, das, so wie das an den Küsten der jetzigen nordischen Erde durch Strömungen ꝛc. in solche mächtige Lagen zusam - mengeschwemmt worden sey. Mir scheint es hin - gegen nach genauer Prüfung, besonders da ich mehrmahls die Risse und Spalten deßjenigen Treibholzes, das bey Stade angeschwemmt wird, mit Blau-Eisen-Erde gefüllt gefunden habe,651 sehr wahrscheinlich, daß selbst manches von die - sem aus Flözlagen von bituminösem fossilen Holze losgerissen und an die Küsten getrieben wird.; theils alaunhaltig.
Die bituminöse Holzerde, wohin auch manche Umber gehört, ist durch Verwitterung dieses Holzes entstanden, und findet sich theils bey demselben in Flözen, theils aber auch in aufge - schwemmten Lande, Torfmooren*)Der Torf selbst (Fr. tourbe, Engl. peat) besteht aus vermoderten, oder auch nur dicht zusammen - gefilzten, mit Erdharz mehr oder weniger durch - zogenen Pflanzen, zumahl von Mooßen und Grä - sern (S. 519.); in theils Gegenden auch von Heidekraut ꝛc. und diese Torfarten sind freylich großentheils von neuerer Entstehung, wodurch denn manche Naturforscher bewogen worden, den Torf überhaupt gar nicht zu den Mineralien zu zählen. Indeß, da doch mancher inländische Torf auch aus Seepflanzen, fucis etc. besteht, die folglich von einem weit höheren (auf Erdrevolutionen zurückführenden) Alter desselben zeugen, mancher auch ganz deutlich in Braunkohle übergebt, so scheint hier doch immer für denselben die passendste Stelle in der Naturgeschichte zu bleiben. ꝛc.
6. Steinkohle. Lithantrax. (Fr. houille. charbon de terre, Engl. coal.)
Ohne Zweifel vegetabilischen Ursprungs; theils noch mit unverkennbarem Holzgefüge; theils auch mit fest eingemengten Holzkohlen; brennt mit schwarzem Dampfe; besteht aus Erdharz und Kohlenstoff, nach Verschiedenheit der Ab - arten in eben so verschiedenem Verhältniß, va - riirt aber gar sehr in Farbe, Glanz, Gefüge ꝛc. besonders in folgende sechs Abarten: die sich aus geognostischer Rücksicht unter zwey Haupt - arten bringen lassen; da die vier erstern sich652 mehr oder weniger dem bituminösen Holze nähern, in mächtigern Lagern vorkommen, meist auf gemeinen Flözsandstein oder dichtem Kalkstein auf - liegen und gewöhnlich von Basalt bedeckt sind: die beyden letztern aber in weit schwächern Flözen, meist nur von wenigen Fuß Mächtigkeit vorkom - men, deren aber dagegen mehrere übereinander mit Schichten von Schieferthon oder Kohlensand - stein (S. 633.) abwechseln. Auch findet sich diese letztere Hauptart mehr in der Nähe der Ganggebirge, und ist fast immer mit Kohlen - sandstein oder mit Schieferthon (zumahl mit Pflanzenabdrücken) und Brandschiefer (S. 579.) bedeckt*)S. Hrn Bergrath Voigt's Göttingische Preis - schrift: Versuch einer Geschichte der Steinkohlen ꝛc. Weimar 1802 8..
a. Braunkohle, Erdkohle (Engl. Bovey - coal.
Dunkelbraun; mattglänzend; Uebergang ins bituminöse Holz, von welchem sie sich doch durch das minder kenntliche Holzgefüge unterscheidet.
b. Pechkohle, Fettkohle, Harzkohle.
Kohlschwarz (so wie auch die folgenden Abar - ten); starkglänzend; mit kleinmuscheligem Bruch.
c. Stangenkohle.
In stängelich abgesonderten Stücken; meist fettglänzend; weich; spröde. Fundort vorzüglich am Meißner in Hessen.
653d. Gagatkohle, schwarzer Börnstein. (Fr. jayet, jais, Engl. jet.)
Kohlschwarz; mattglänzend; flachmuscheliger Bruch; fest, so daß sie sich drehen und poli - ren läßt.
Ihr ähnelt die cannel - oder kennel-coal aus Lancashire. Dieser ihr Gewicht = 1275.
e. Schieferkohle, Blätterkohle.
Von schieferigem Gefüge; weich, und leicht zersprengbar; trapezoidische Gestalt der Bruch - stücke. Uebergang in Brandschiefer.
f. Glanzkohle.
Eisenschwarz; von fast metallischem Glänze; groß muscheligem Bruche; würfliger Gestalt der Bruchstücke; zur Feuerung die vorzüglichste, zu - mahl häufigst in Großbritannien.
Gebrauch der letzgedachten beyden Arten (außer dem allgemein bekannten der Steinkohlen über - haupt), unter andern auch zum Theerschwehlen und zur Gewinnung des Salmiaks.
1. Kohlenblende, [so genannte unverbrenn - liche Steinkohle*)Unter diesem Nahmen hat sie schon Leibniz ge - kannt, in dessen kleiner Mineraliensammlung, die das hiesige akademische Museum als eine ehr - würdige Reliquie aufbewahrt, ein Stückchen die - ses Fossils, angeblich aus Böhmen, befindlich ist.]. Anthracolithus. Fr. Anthracite, plombagine charbonneuse.)
654Aehnelt im Aeußern der Glanzkohle, wofür sie auch ehedem oft angesehen worden; sie färbt stark ab; ist sehr, spröde; ihr Bruch theils schie - ferig, theils stängelich in kleinen vierseitigen Säulen. Gewicht = 1468. Gehalt (nach Guy - ton Morveau) = Kohlenstoff mit wenigem Sauer - stoff und etwa 4 pro Cent Thonerde. Bricht meist bey und mit Quarz; unter andern bey Gera, Schemnitz, Kongsberg (hier theils mit gedie - genem Silber) ꝛc.
2. Graphit, Reißbley. Plumbago. (Fr. fer carburé, plombagine, crayon noir, crayon d'Angleterre. Engl. black lead, Keswick lead, wad.)
Meist bleygrau; theils eisengrau; mehr oder weniger metallischglänzend; abfärbend; fettig an - zufühlen; theils dicht, theils körnig, theils schup - picht, oder krummblätterig, oder dünnschieferig; weich. Mittel-Gewicht = 2089. Gehalt (nach Guyton Morveau) = Kohlenstoff mit wenigem Sauerstoff und etwa 4 pro Cent Eisen. Im starkenoffenen Feuer verfliegt er großentheils, und hinterläßt bloß etwas Eisen - und Kieselerde*)Ich habe bey den Versuchen, die ich über den so genannten Galvanismus angestellt, im Herbst 92 gefunden, daß der Graphit dieselbe eben so gut als Metalle oder Holzkohle erregt, er mag nun zur Belegung der entblößten Nerven, oder als Conductor gebraucht werden.. Fundort zumahl in der größten Menge und Fein - heit bey Keswick in Cumberland**)Doch besitze ich auch durch die Güte des Hrn. Baron von Asch, als eine exotische Seltenheit, ausnehmend feinen Graphit vom äußersten Ende655 des nordöstlichen Asiens, dem Tschukotskoinoß, dessen sich die Tschuktschen und andere benach - barte Polarmenschen, auch auf der gegenüberlie - genden Küste des nordwestlichsten America, zur Schminke und statt Farbe an ihren Geräthen und Kleidungsstücken bedienen.. Unter an - dern auch gleichsam als Anflug in zarten eisen - schwarzen Blättchen auf manchen schlackenartigen Laven vom Vesuv. Gebrauch des feineren, festen vorzüglich zu Bleystiften (auch zur Spitze auf die Stange der Gewitterableiter), das gemeinste aber zu ipser Schmelztiegeln, Ofenschwärze ꝛc. Auch zum Einschmieren hölzerner Schrauben und Räderwerks.
1. Demant. Adamas. (Fr. Diamant. Engl. Diamond.)
Aus jeder Rücksicht einer der merkwürdigsten, wunderbarsten – so wie der kostbarste Körper in der Natur. – Eigentlich farbenlos und mit der äußersten Klarheit wasserhell, wie eine Thautropfe: doch theils blaß tingirt, und das fast in allen Farben; von einem eigenen dem metallischen sich nähernden Glanze; ursprünglich immer crystal - lisirt; und zwar eigentlich als doppelt vierseitige Pyramide (– tab. II. fig. 5. –), deren Flächen aber mehrentheils gewölbt und theils gar in der Mitte zugespitzt sind, so daß dadurch der octoë - drische Crystall in das Dodecaëder mit rauten - förmigen Flächen (– tab. II. fig. 13. –) um - gewandelt wird. Sein Gefüge ist blätterig, und der Durchgang der Blätter richtet sich alle -656 mahl und einzig nach den acht Seiten der octoë - drischen Grundcrystallisation; daher sich auch der Demant bloß nach diesen Richtungen spalten oder kloven läßt*)Der größte jetzlebende Künstler in Bearbeitung der Demanten, Hr. Bemelmann in Amsterdam, hat meine Mineraliensammlung mit einer überaus lehrreichen vollständigen Suite von rohen Deman - ten bereichert, die er nach allen möglichen Rich - tungen geklovet, und woraus sich die[Identität] der Durchgangs der Blätter in beyden Haupt - crystallisationen dieses Edelsteins, der octoëdrischen und dodecaëdrischen augenscheinlich ergibt.. Er ist der härteste aller bekannten Körper, der von keiner Feile ange - griffen wird, hingegen alle andere Edelsteine ritzt, und daher nur mit seinem eigenen Pulver, dem Demant-Boord, geschliffen werden kann. Gewicht = 3521. Er ist stark idioelectrisch; und manche saugen besonders leicht Lichtstoff ein. Was Newton aus der ausnehmend starken Strah - lenbrechnung des Demanten a priori geahndet**)Optice pag. 270-272. der oben (S. 603.) ange - führten Ausgabe., daß er eine brennbare Substanz sey, ist nun durch Erfahrung aufs vollkommenste bestätigt, und dadurch erwiesen, daß er ein wunderbar verdichteter Kohlenstoff ist, so daß man sogar aus Stabeisen durch Verbrennen von zugesetztem Demant, Gußstahl gemacht hat***)S. Smiths. Tennant on the nature of the Diamond; in den phil. Transact. 1797. pag. 123.. – Fund - ort Ostindien (zumahl Hindustan und Borneo) und Brasilien.
Daß auch die Metalle im Grunde unter die brennlichen Fossilien gehören, ist schon oben erwähnt (§. 251). Sie unterscheiden sich aber durch folgende Eigenheiten gar sehr von denen im vorigen Abschnitte abgehandelten sowohl, als von den übrigen Mineralien der andern bey - den Classen.
Sie sind die schwersten Körper in der Natur; und unter den Fossilien die allerundurchsichtig - sten; sie haben alle den deßhalb so genannten metallischen Glanz; meist hakigen Bruch; und viele auch eine dreyfache Art von geschmeidiger Ductilität. Sie sind nähmlich erstens bieg - sam (so besonders Bley und Zinn); zweytens dehnbar oder malleabel, daß sie sich in dünne Blättchen treiben lassen (so zumahl Gold und Silber); und drittens zähe, daß sie sich nach ihrer verschiedenen Tenacität im Drahtzug mehr oder weniger strecken lassen, und gleichstarke Drahte aus den verschiedenen Metallen größere oder geringere Lasten tragen können, ehe sie658 davon gerissen werden (so vorzüglichst Gold, und Eisen).
Sie werden vom Wärmestoff aufgelöst, d. h. sie schmelzen; und zwar das Quecksilber schon in einer sehr niedern Temperatur, daher es gewöhnlich flüssig erscheint; die übrigen Me - telle hingegen erfordern erhöhte Temperatur, und manche derselben (z. B. Platina, Eisen, Braunstein, Wolfram ꝛc. ) eine sehr große Hitze, ehe sie in Fluß kommen. – Alle schmelzen undurchsichtig und mit gewölbter Oberfläche.
Alle lassen sich entweder in Salpetersäure oder in Salzsäure (oder dem aus beyden zusam - mengesetzten Königswasser) auflösen; und sind die vollkommensten elektrischen Leiter.
So verschieden und mannigfaltig auch das Ansehen ist, unter welchen sich die mehresten Metalle in der Natur zu finden pflegen, so lassen sich doch alle diese Verschiedenheiten auf zwey Hauptarten zurück bringen:
Entweder nähmlich finden sich die Metalle gediegen (metallum nativum, Fr. metal vierge) in ihrer wahren vollkommen metallischen Ge - stalt: – oder aber vererzt im weitläuftigern Sinn (metallum mineralisatum), so daß ihnen mehr oder weniger von ihrem metal - lischen Habitus benommen ist.
Doch hat auch beym gediegenen Zustande eines Metalls mancherley besondere Verschieden - heit Statt. – Es findet sich z. B. dasselbe entweder sichtbar, oder aber in unmerklich kleinen Partikeln zwischen andern Fossilien ver - steckt und durch dieselben verlarvt. – Ferner findet sich entweder. Ein gediegenes Metall (z. B. Quecksilber) rein, für sich; oder aber mehrere im gediegenen Zustande zusammen ge - mischt (z. B. natürliches Amalgama).
Die Vererzung, im weitläuftigen Sinne (§. 254.), erfolgt gleichfalls auf verschiedene Weise:
Erstens nähmlich bloß durch Verbindung eines Metalls mit einem andern verbrennlichen Stoffe, dem Schwefel; da sie dann geschwefelt oder vererzt im engern Sinne genannt werden; und bey dieser Verbindung mehrentheils noch einen metallischen Glanz behalten.
Zweytens hingegen durch eine weit wesent - lichere Veränderung, nähmlich durch Verbin - dung des Metalls mit Säuren; da sie ihres metallischen Glanzes beraubt, und gesäuert oder verkalkt genannt werden.
660Diese Verkalkung aber erfolgt wiederum, entweder durch den unmittelbären Beytritt des reinen Sauerstoffs (oxygène), – oder so, daß derselbe schon mit einer Grundlage verbun - den ist, und dadurch eine eigentlich so genannte Säure bildet.
Wenn endlich bey dieser letzten Art von Verkalkung zugleich Erdarten, zumahl Kalk - erde mit verbunden wird, so kriegt der metal - lische Kalk oft dadurch ein spathähnliches An - sehen und davon den Beynahmen (z. B. Bley - spath, Titanspath ꝛc.)
Nur acht Metalle (nähmlich Silber, Queck - silber, Kupfer, Eisen, Wismuth, Spießglas, Tellurium und Arsenik) hat man bis jetzt in beyderley Hauptgestalt gefunden; nähmlich so - wohl gediegen als vererzt. Hingegen Platina und Gold bloß gediegen, die übrigen aber vererzt.
Daß die ehemahlige Eintheilung der Me - talle, in Ganze - und Halb-Metalle, aus bloß relativen, unbestimmten Verhältnissen abstrahirt und nicht in der Natur gegründet war, bedarf jetzt kaum noch einer Erwägung.
Bis jetzt kennt man nun als ausgemacht er - wiesen folgende Metalle:
661I. Platina.
II. Gold.
III. Silber.
IV. Quecksilber.
V. Kupfer.
VI. Eisen.
VII. Bley.
VIII. Zinn.
Diese achte hießen vor Alters ganze Me - talle: die folgenden wären weiland so genannte Halb-Metalle:
IX. Zink.
X. Wismuth.
XI. Spiesglas.
XII. Kobalt.
XIII. Nickel.
XIV. Braunstein.
XV. Uranium.
XVI. Titanium.
XVII. Tellurium.
XVIII. Wolfram.
XIX. Molybdän.
XX. Arsenik.
XXI. Chromium. *)Die vier letztgenannten haben das mit einander gemein, daß ihre Kalke besondre metallische Säu - ren bilden, und sind deßhalb hier in der Folge beysammen gelassen.
662Vom XXII Columbium, müssen wir noch wiederhohlte Untersuchungen und vom XXIII Tautalum überhaupt erst noch ausführlichere Nachricht abwarten.
Der vollkommen gereinigte Platin-König ist silberweiß; sein Gewicht = 20850 (folg - lich der schwerste aller bekannten Körper in der Natur*)Im Drahtzug gestreckt oder stark gehämmert steigt das specifische Gewicht dieses merkwürdigen Metalls spaar auf = 23286.); so gereinigt ist er auch aus - nehmend dehnbar und zähe**)So besitze ich z. B. noch vom sel. Ingen-Houß Platindraht dünner als ein Menschenhaar; Kupfer - blech auf einer Seite mit Silber, auf der andern mit Platina platirt ꝛc. (alle drey Lagen dieser verschiedenen Metalle zusammen von der Dicke eines Blattes Papier; auch einen aus Platina scharf und nett ausgeprägten Bracteaten, den er dem Astronomen Hell zu Ehren verfertigen lassen. (§. 253.); wird in Königswasser aufgelöst und amalgamirt sich mit siedendem Quecksilber. Gebrauch vorzüg - lich zu Maastäben, Schmelztiegeln, Pendel - kugeln, Pyrometern, Räderwerk in Taschen - uhren, mit Kupfer und Arsenik versetzt zu Te - lescopspiegeln. ꝛc.
6631. Gediegen.
Unter dem Nahmen von Platin�a (dem Spa - nischen Diminutiv von plata, Silber), seit 1736 bekannt. In kleinen, fast stahlgrauen, theils rundlichen, theils eckigen, meist aber platten Körnern; die theils mit Gold, zumahl aber mit Eisen vermischt sind; und in einem mit magnetischem Eisensande, Waschgold, Quecksilber - kügelchen und kleinen schlackenähnlichen Körnchen vermengten Sande bey Carthagena und Santa Fé in Peru gefunden werden.
Das Gold ist ausnehmend ductil in aller dreyfachen Rücksicht (von Biegsamkeit, Dehn - barkeit und Zähigkeit), weich, doch daß es sich durch anhaltendes Hämmern selbst zu Uhrfedern stählen läßt. Gewicht = 19257. Wird in Königswasser aufgelöst; und aus der Solution durch Salmiak als Knallgold, und durch Zinn - auflösung als mineralischer Purpur, gefällt. Amalgamirt sich sehr leicht mit Quecksilber. Ist nächst dem Eisen und Braunstein wahr - scheinlich das allgemeinst verbreitete Metall.
1. Gediegen.
Dunkler oder heller, nach Verschiedenheit der ihm in größerer oder geringerer Menge beyge - mischten andern Metalle, Kupfer, Silber, Eisen, oder Tellurium. In mancherley besonderer Ge -664 stalt z. B. blätterig, gestrickt ꝛc. Theils crystalli - sirt, und das meist in doppelt vierseitigen Py - ramiden (– tab. II. fig. 4. –); theils den - dritisch ꝛc.
Zuweilen in Seifenwerken (davon unten beym Zinngeschlecht), wie z. B. das bey Wicklow in Irland.
Häufig als Waschgold im Sande vieler Flüsse.
Sehr oft ist es aber auch bloß versteckt oder verlarvt (§. 255.), wie z. B. im Brauneisenstein von Beresofsk, im rammelsberger Braunerz, in vielem Schwefelkies, Bleyglanz, Zinkblende ꝛc. Besonders auch in der goldhaltigen Kohle (dem so genannten Brandstein) von Verespatak in Sie - benbürgen.
Das Silber, argentum (Fr. argent, Engl. silver), läuft von Schwefeldämpfen gelb - schwarz an. Gewicht = 10474. Ausnehmend dehnbar; auch sehr zähe; hat nächst dem Kupfer den stärksten Klang; wird in Salpeter - säure aufgelöst, und aus der Solution durch Salzsäure als Hornsilber, und durch Quecksilber als so genannter Dianenbaum gefällt.
1. Gediegen.
In mancherley besonderer Gestalt; blätterig, zahnicht, haarförmig, gestrickt ꝛc. theils crystalli - sirt, und zwar auch meist als doppelt vierseitige Pyramide; theils dendritisch; theils bey metalli - sirten Petrefacten, wie z. B. bey den franken - berger Kornähren ꝛc.
665Findet sich auch nie ganz rein, sondern mit andern Metallen gemischt.
So z. B. mit Gold bey Kongsberg und am Schlangenberg (das Electrum des Grasen von Veltheim).
Auch theils versteckt. Dahin soll z. B. das Zundererz von der Dorothea zu Clausthal gehören.
2. Arseniksilber.
Mittelfarbe zwischen zinnweiß und silberweiß; blätteriger Bruch; theils crystallisirt in sechssei - tigen Säulen und Pyramiden; weich. Gehalt sehr ungleich z. B. in einem andreasberger (nach Klaproth) = 12,75 Silber, 35 Arsenik, 44,25 Eisen, 4 Spießglas.
3. Spießglassilber.
Zinnweiß; theils derb; theils crystallisirt in vier - und sechs-seitigen Säulen und sechsseitigen Tafeln. Gehalt (nach Klaproth) = 76 Silber, 24 Spießglas. Fundort ebenfalls bey Andreas - bera am Harz und bey Alt-Wolfach im Für - stenbergischen.
4. Glaserz, Weichgewächs. Argent sulfuré.
Schwärzlich bleygrau; mattschimmernd; gibt glänzenden Strich; theils crystallisirt; meist in doppelt vierseitigen Pyramiden; auch cubisch ꝛc. ; weich; sehr geschmeidig; läßt sich späneln; ist theils so dehnbar, daß es sich prägen läßt. Ge - wicht = 7215. Mittel-Gehalt (nach Berg - mann) = 75 Silber, 25 Schwefel. Fundort vorzüglich im Erzgebirge.
6665. Schwarzgülden, Röschgewächs, sprödes Glaserz. Argent noir.
Meist eisenschwarz, theis rußig, theils crystal - lisirt, und das meist in sehr kleinen sechseitigen Säulen oder Tafeln; theils zellig; spröde. Ge - wicht = 7208. Gehalt (nach Klaproth) = 66,50 Silber, 12 Schwefel, 10 Spießglas, 5 Eisen. Fundort zumahl in Ungarn.
6. Silberschwärze. Argent noir.
Blaulich schwarz; abfärbend; feinerdig; sehr weich; scheint aus einer Auflösung des Schwarz - gülden und Glaserzes entstanden zu seyn. Fin - det sich meist in der Nachbarschaft dieser beyden.
7. Hornerz. Argent muriaté.
Perlgrau; theils ins Braune, theils ins Pi - staziengrüne, an den Kanten durchscheinend; fast wachsglänzend, theils knospig; theils cubisch crystallisirt; theils dendritisch (so vorzüglichst das sibirische vom Schlangenberg); weich; geschmei - dig; läßt sich späneln. Gewicht = 4840. Gehalt (nach Klaproth) = 67,75 Silber, 21 concentrirte Salzsäure, 6 Eisenkalk, 1,75 Thon - erde. Fundort, außer dem eben gedachten, Jo - hanngeorgenstadt im Erzgebirge, Cornwall ꝛc.
Auch das so genannte Buttermilcherz, so sich ehedem zu St. Andreasberg auf dem Harze gefunden, ist eine Art in Thonerde verlarvten Hornerzes.
8. Rothgülden. (Fr. argent rouge, rosiclair.)
Von verschiedener Röthe, vom lichten Blutroth bis ins dunkel Coschenillrothe, und dieß selbst ins Bleygraue und Eisenschwarze; mehr oder667 weniger durchscheinend; theils mit auffallendem Lichte schwarzroth, mit durchfallendem aber blut - roth, (Engl. ruby ore); fast metallisch glän - zend; theils crystallisirt, meist in sechsseitigen Säulen mit stumpfer sechsseitiger oder dreyseiti - ger Spitze; theils dendritisch; gibt rothen Strich. Mittel-Gewicht = 5563. Gehalt eines dunke - len von Andreasberg (nach Klaproth) = 60 Silber, 20,30 Spießglas, 14,7 Schwefel, 5 Sauerstoff. Fundort, vorzüglich am gedach - ten Orte.
9. Weißgülden.
Lichtbleygrau, ins Stahlgraue; undurchsichtig; wenig glänzend; der Bruch theils ins Zartfaserige; bloß ungeformt. Gewicht = 5322. Gehalt noch nicht zuverlässig bestimmt. Fundort, Freyberg im Erzgebirge.
Das Quecksilber, Hydrargyrum (Fr. mercure, vif-argent, Engl. quicksilver) be - hält seinen Silberglanz an der Luft unverändert; ist flüssig ohne zu netzen; und wird erst bey 39° unter 0 Fahr. fest und malleabel. Gewicht = 13568. Wird am vollkommensten von der Salpetersäure aufgelöst; phosphorescirt im so genannten luftleeren Raume; amalgamirt sich am leichtesten mit Gold, Silber, Zinn und Bley; daher sein Gebrauch zum Anquicken der Erze zum Vergolden, zur Spiegelfolie ꝛc. 668Außerdem bekanntlich auch zu meteorologischen Werkzeugen, Vertreibung und Tödtung mancher Insecten, und als wichtiges Heilmittel.
1. Gediegen, Jungfern Quecksilber.
Meist in kugelichten Tropfen in Klüften und Zwischenräumen von Quecksilbererzen. Fundort, in Europa zumahl Idria und das Zweybrückische.
2. Natürliches Amalgama. Mercure ar - gental.
Jungfern-Quecksilber mit gediegenem Silber amalgamirt. Meist nur als Ueberzug; doch theils derb, knospig ꝛc. ; weich. Gehalt sehr ungleich; z. B. (nach Klaproth) 64 Quecksilber, 36 Silber. Fundort zumahl im Zweybrückischen.
3. Zinnober. Cinnabaris. Mercure sulfuré.
Vom Lichtscharlachrothen ins dunkel Coschenill - rothe ꝛc. ; theils undurchsichtig, theils mehr oder weniger durchscheinend; theils erdig, theils derb; und dann theils von einem fast metallischen Glanze; theils faserig; theils crystallisirt, und zwar meist in vierseitigen Pyramiden ꝛc. ; gibt scharlachrothen Strich. Gehalt und Gewicht sehr ungleich. Ersterer z. B. (nach Kirwan) = 80 Quecksilber, 20 Schwefel. Fundorte zumahl Idria, das Zweybrückische, Almaden, Schina und Mexico.
Das so genannte Quecksilber-Branderz von Idria ist ein mit Zinnober innig gemengter Brandschiefer.
Das eben daselbst brechende, seltene Queck - silber-Schwefelleber-Erz. (Fr. cinabre alcalin)669 ist scharlachroth; durchscheinend; von spatharti - gem Gefüge; und gibt, wenn es gerieben wird, Schwefellebergeruch.
4. Quecksilber-Leber-Erz. Mercure sulfuré bituminifère.
Vom dunkel Coschenillrothen ins Eisenschwarze; undurchsichtig; mit schimmerndem, mattem Glanze; gibt coschenillrothen Strich; ist weich; dem Ge - füge nach von zwey Hauptarten: nähmlich a) dicht, und b) schalig, mit concentrischen Ab - losungen, wie mancher Glaskopf*)Zu den sonderbaren mineralogischen Irthümern, die aus Vernachlässigung der solidern Petrefacten - studiums entstanden sind, gehört unter andern, daß manche der neuesten und übrigens sehr ver - dienstvollen Mineralogen diese concentrischen Ab - losungen so des schaligen Quecksiber-Leber-Erzes, oder fäschlich so genannten Corallen-Erzes, für wirkliche Versteinerungen gehalten haben.. Gewicht = 7937. Hält bis 70 pro Cent Quecksilber. Fund - ort zumahl bey Idria, wo es das gewöhnlichste Quecksilbererz ausmacht.
5. Quecksilber-Horn-Erz, natürliches Tur - peth, natürlicher Sublimat. Mercure muriaté.
Rauchgrau, gelblichgrau ꝛc. ; durchscheinend; von fast metallischem Glanze; meist als Drusen - häutchen in Klüften anderer Quecksilbererze; theils in sehr kleinen cubischen oder säulenförmi - gen Crystallen; weich. Hält (nach Kirwan) = 70 pro Cent Quecksilber durch Salzsäure und Schwefelsäure verkalkt. Fundort zumahl im Zweybrückischen.
Das Kupfer ist sehr hart und elastisch, und hat unter allen Metallen den stärksten Klang. Gewicht = 7788. Wird von allen Säuren aufgelöst; brennt mit grüner und blauer Flamme: verbindet sich leicht mit andern Me - tallen, und gibt dadurch die mancherley vor - züglichen Compositionen; wie z. B. mit Gold, das Similor und das malayische Suasso; mit Zink, das Messing und Tomback (von Tom - bago, dem malayischen Worte für Kupfer); mit Zinn das Glockengut und Stückgut; mit Arsenik das argent haché und die Composition zu Telescopspiegeln; mit Nickel, das schme - sische Packfong u. s. w. Dient daher auch beym Münzwesen zur Karatirung und Legirung des Goldes und Silbers ꝛc.
1. Gediegen.
Theils güldisch, oder silberhaltig ꝛc. ; daher Abstufungen der Röthe; in mancherley besonderer Gestalt; theils crystallisirt; und dann meist als doppelt vierseitige Pyramide. Fundort, in Eu - ropa besonders Cornwall und Ungarn, außerdem aber vorzüglichst Sibirien, die Küsten der Kupfer - insel (Mednoi ostrow) im kamtschatkischen Meere, die Ufer des Kupferflusses im N. W. der Hudsonsbay, Brasilien ꝛc .*)Cämentkupfer, oder gediegen Kupfer von der zweyten Formation, heißt das so auf vitrioli -671 schen Kupferwassern (z. B. bey Neusohl in Ungarn, im Rammelsberge bey Goslar ꝛc. ) mittelst des Eisens gefällt wird..
2. Kupferglas, Lecherz. (Fr. cuivre sulfuré, mine de cuivre vitreuse.)
Bleygrau, ins Eisenschwarze, theils ins Vio - lette, dunkel Leberbraune ꝛc. ; theils metallischer Glanz; der Bruch theils ins Blätterige; meist ungeformt; theils aber crystallisirt, z. B. in sechs - seitigen Säulen (– tab. II. fig. 10. –); weich; schneidbar; gibt glänzenden Strich; schmilzt leicht. Mittel-Gewicht = 5074. Gehalt (nach Klaproth) = 50-80 pro Cent Kupfer, mit Eisen, so wie die nächstfolgenden Gattungen durch Schwefel vererzt. Fundort, in Europa zumahl Cornwall und der Bannat.
3. Bunt-Kupfer-Erz (Kupferlasur). Cuivre pyriteux hepatique.
Tombackbraun, theils ins Kupferrothe; meist taubenhälsig angelaufen; metallisch glänzend; spröder als das Kupferglas; gibt braunrothen Strich; findet sich wohl nur ungeformt. Gehalt (nach Kirwan und Klaproth) = 40-70 pro Cent Kupfer mit mehr Eisengehalt als beym Kupfer - glas; geht aber sowohl in dieses als in den Kupferkies über. Fundort, unter andern Lau - terberg am Harz, und der Schlangenberg in Sibirien.
4. Kupferkies, gelb Kupfer-Erz. Gelf. (Fr. cuivre pyriteux, mine de cuivre jaune.)
Goldgelb in mancherley Abstufungen; theils grünlichgelb; auch oft taubenhälsig angelaufen;672 meist ungeformt; theils mit Spiegelfläche; oder geflossen, nierenförmig, traubig ꝛc. ; zuweilen crystallisirt, z. B. als dreyseitige Pyramide (– tab. II. fig. 1. –). Mittel-Gewicht = 3980. Gehalt (nach Kirwan) = 20 pro Cent Kupfer, mit noch mehr Eisengehalt als bey der vorigen Gattung: ist das allergemeinste Kupfererz; findet sich, so wie auch theils die beyden vorigen Gat - tungen, oft im bituminösen Mergelschiefer, der dann Kupferschiefer genannt wird. (s. oben S. 613.)
5. Weiß Kupfererz. (Fr. mine de cuivre blanche.)
Aus dem Zinnweißen ins Speisgelbe; matt - glänzend; spröde; gibt theils am Stahl Funken; hält (nach Henkel) 40 pro Cent Kupfer und außerdem Eisen und Arsenik. Uebergang in Kupferkies und in Fahlerz. Findet sich über - haupt selten; unter andern bey Freyberg.
6. Fahlerz, Graugültigerz, auf dem Harz so genanntes Weißgülden. (Fr. mine de cuivre grise, Engl. grey copper-ore.)
Stahlgrau, ins Eisenschwarze; gibt einen grau - röthlichen Strich; meist ungeformt; theils cry - stallisirt; z. B. in dreyseitigen Pyramiden (– tab. II. fig. 1. –); hält außer dem Kupfer auch Silber, beydes in sehr verschiedenem Verhältniß, auch Bley ꝛc. Findet sich sehr häufig in vielen Ländern von Europa und Asien.
7. Kupferschwärze.
Bräunlichschwarz; erdig; zerreiblich; mager; meist als Ueberzug auf Kupferkies und Fahlerz;673 wohl bloß aus Verwitterung derselben entstanden. Fundort unter andern bey Freyberg.
8. Roth Kupfererz, roth Kupfer-Glas, Kupfer-Lebererz. (Fr. cuivre oxydé rouge, mine de cuivre rouge.)
Vom Leberbraunen durchs lichte Coschenillroth bis ins Bleygraue; das Coschenillrothe theils durchscheinend; selten durchsichtig; theils fast metallischglänzend; theils dicht; theils blätterig; theils crystallisirt und dann meist in doppelt vier - seitigen Pyramiden; theils haarförmig, faserig, seideglänzend, als Kupferblüthe (Fr. fleurs de cuivre). Gehalt, Kupfer durch Kohlensäure verkalkt. Fundort vorzüglich Cornwall und Ca - tharinburg; die Kupferblüthe aber besonders bey Rheinbreidbach im Cölnischen.
9. Ziegelerz. (Fr. ochre de cuivre rouge.)
Aus dem Hyazinthrothen ins Pechbraune und Gelbe; matt oder mit Pechglanz; theils erdig; theils verhärtet als Kupfer-Pecherz; letzte - res mit kleinmuscheligem Bruche. Eigentlich aus der vorigen Gattung mit braunem Eisenocher innig gemengt. Fundort, unter andern der Ban - nat, Lauterberg am Harz ꝛc.
10. Kupferlasur, Kupferblau. (Fr. cuivre carbonaté bleu, azur de cuivre, bleu de montagne.)
Vom Himmelblauen bis ins Indigblaue; theils matt, erdig, zusammengebacken, abfärbend; theils aber glänzend, zuweilen durchscheinend; theils strahlig; theils crystallisirt, zumahl in674 kurzen vierseitigen Säulen. Hält (nach Kirwan) auf 69 pro Cent Kupfer, wie in den drey nächst - folgenden Gattungen, durch Kohlensäure verkalkt. Fundort vorzüglich im Bannat und am Ural.
11. Malachit. Cuivre carbonaté vert.
Vorzüglich in zwey Hauptarten:
Erstens nähmlich als Atlas-Erz (Fr. mine de cuivre soyeuse); smaragdgrün; seidenglän - zend; faserig; theils in abgesonderten, haarförmi - gen Crystallen, büschelförmig divergirend ꝛc. Fundort zumahl Lauterberg am Harz und der Bannat.
Zweytens als eigentlich so genannter Malachit, dicht, polirbar, meist nierenförmig, in concen - trischen Schalen, theils traubig, stalactitisch, röhrenförmig ꝛc. Gewicht = 3641. Gehalt ei - nes sibirischen (nach Klaproth) = 58 Kupfer, 18 Kohlensäure, 12,50 Sauerstoff, 11,50 Was - ser. Fundort zumahl Catharinburg in Sibirien und Schina.
12. Kupfergrün. Aerugo nativa, chryso - colla, lapis armenus. (Fr. cuivre car - bonaté vert, verd de montagne.)
Spangrün, theils ins Blauliche; nur selten an den Kanten durchscheinend; theils erdig, zerreib - lich; theils dicht mit muscheligem Bruche; meist nur in kleinen Partien bey andern Kupfererzen; hält außer dem kohlensauren Kupfer meist noch Thonerde. Fundort unter andern Saalfeld und Catharinburg.
13. Eisenschüssiges Kupfergrün.
Meist olivengrün ins Pistaziengrüne; theils erdig, zerreiblich; theils fest, fettglänzend, mit675 muscheligem Bruche, theils knospiger Oberfläche ꝛc. Gehalt vermuthlich Kupfergrün und Eisenocher. Findet sich überhaupt nicht häufig; z. B. bey Saalfeld und auf der Insel Elba.
14. Phosporsaures Kupfererz. Cuivre phos - phaté.
Aus dem Spangrünen ins Smaragdgrüne; undurchsichtig, meist seidenglänzend schimmernd, zartfaseriger Bruch, meist traubig, nierenförmig; selten in sehr kleinen sechseitigen Crystallen; weich. Gehalt (nach Klaproth) = 68,13 Kupfer - kalk, 30,95 Phosphorsäure. Fundort Virneberg bey Rheinbreidbach im Cölnischen.
15. Olivenerz,[arseniksaures] Kupfererz. Cuivre arseniaté.
Meist olivengrün, aber auch einerseits ins dunkel Lauchgrüne und anderseits ins Spangrüne; durchscheinend oder durchsichtig; fettglänzend; meist crystallisirt, theils in kleinen sechsseitigen Säulen ꝛc. und diese theils büschelförmig divergirend, theils in kleinen kugelichten Nieren mit büschelförmig, faserig seidenglänzendem Bruch (faseriges Oli - venerz Engl. wood copper.) Gehalt = Kupfer, mit etwas Eisen durch Arseniksäure verkalkt. Fundort zumahl Carrarach in Cornwall.
16. Atacamit*)Ich habe diesem eben so schönen, als merkwürdi - gen und seltenen Kupfererz (das Hr. Dombey676 schon vor vierzehn Jahren von seiner großen süd-americanischen Reise zurückgebracht), in Ermangelung eines andern Nahmens, hier die - sen, von seinem fernen und bisjetzt einzigen Fund - orte, beygelegt, und es genau nach der Na - tur, so wie ich es in meiner Sammlung besitze, beschrieben. – Unter starker Vergrößerung schei - nen mit manche der smaragdgrünen Hörnchen säu - lenförmig, doch undeutlich crystallisirt zu seyn, und einen blätterigen Längenbruch zu haben., salzsaurer Kupfersand. Kupfer-Smaragd. (Fr. cuivre muriaté, sable verd d'Atacama, muriate de cuivre oxygen.)
Als smaragdgrüner Sand, von sehr kleinen doch ungleichförmigen Körnern; durchscheinend; glasglänzend; gibt auf Kohlen eine schöne blaue und grüne Flamme. Gehalt (nach Proust) = 70,5 Kupferkalk, 11 Salzsäure, 18 Wasser. Fundort im westlichen Süd America, in einem kleinen Flusse in der Sandwüste Atacama zwi - schen Peru und Chili.
Reines oder so genanntes Frisch Eisen, hat eine aus dem Stahlgrauen ins Silber - weiße fallende Farbe und ist äußerst zähe. Gewicht = 7807. Es wird vom Magnet ge - zogen, und selbst leicht attractorisch; wird von allen Säuren angegriffen und gibt ihnen einen Tintengeschmack; wird aus diesen Solutionen677 durch die Galläpfelsäure schwarz, und durch die Blausäure blau gefällt. Ist unter allen Me - tallen am allgemeinsten in der Erde und selbst in der organisirten Schöpfung verbreitet; auch wird kein anderes Metall von den cultivirten Völkern in so unsäglicher Menge verarbeitet; sowohl als eigentlich so genanntes Eisen in sei - nen beyden Hauptverschiedenheiten (Guß-Eisen nähmlich und Stab-Eisen), als auch nachdem beyde zu Stahl geschmolzen oder gebrannt worden. *)s. Dr. Pearson's Remarks on the properties and composition of the different states of Iron; in den philosoph. Transactions v. J. 1795. S. 337 u. f. bey Gelegenheit seiner Untersuchung des Wootz, des merkwürdigen Guß-Stahls der Hindus bey Bombay. – s. Voigts neues Magazin 1. B. 1. St. S. 64 u. f. und 2. St. S. 109.
1. Gediegen.
Von den beyden berühmtesten, ungeheueren Massen gediegenen Eisens, die neuerlich bekannt worden und von deren vermuthlichen Ursprung schon oben die Rede gewesen [S. 531. not. *) und S. 595. not. **)], ist die eine 1772 von Hrn. Pallas zwischen Krasnojarsk und Abekanks auf dem Rücken eines Schiefergebirgs wieder gefunden worden. Sie hat ein sonderbares, theils ästiges, theils gleichsam zelliges Gefüge, und enthält in ihren bläserigen Zwischenräumen das obgedachte grüngelbe, glasartige, dem Oli - vin ähnelnde Fossil (S. 595 u. f.) Das Eisen selbst in dieser auf 1600 Pfund schweren Masse hält (nach Howard) = 17 pro Cent Nickel.
678Die andere noch ungleich größere findet sich unweit des Paranastroms in Chaco, im spani - schen Süd-America, wo sie 1782 durch Don Mich. Rubin de Celis untersucht und ihr Ge - wicht auf 30000 Pfund angeschlagen worden*)Eine Probe von diesem berühmten süd-amerika - nischen Eisenblock, die ich als eine ausnehmende Seltenheit der Güte des Hrn. Baronet Banks verdanke, unterscheidet sich von dem sibirischen besonders durch eine weit hellere dem Zinnweißen sich nähernde Farbe., und dieses Eisen häkt 10 pro Cent Nickel.
2. Schwefelkies, Eisenkies, Marcasit. Py - rites. Fer sulfuré. (Engl. mundick.)
Speisgelb, in mancherley Abstufungen; einer - seits ins Goldgelbe, anderseits fast ins Stahl - graue; oft taubenhälsig oder tombackbraun an - gelaufen; metallischglänzend; meist so hart, daß er am Stahle Funken gibt, mit Schwefelgeruch; hält, außer dem durch Schwefel vererzten Eisen zuweilen auch Gold, Silber, Arsenik ꝛc.
Man unterscheidet drey Hauptarten desselben:
1) Gemeiner Schwefelkies.
In mancherley besonderer Gestalt, z. B. als Kiesnieren, Kiesbälle ꝛc. oder traubig, pilz - förmig ꝛc. häufig crystallisirt in mancherley Form, z. B. als doppelt vierseitige Pyramide (– tab. II. fig. 5. –); oder als Dodecaëder mit fünfseitigen Flächen und zwanzig Ecken (– tab. II. fig. 4. –) oder in einer der seltensten crystallinischen Formen der Fossilien, als Icosaëder mit gleichen dreysei - tigen Flächen und zwölf Ecken (– tab. II. fig. 6. –); häufig hingegen cubisch mit gestreiften679 Flächen, und das so sonderbar, daß immer nur die Streifen von zwey einander gerade entge - genstehenden Flächen einerley Richtung haben, hingegen die von den dreyen in eine Ecke des Würfels zusammenstoßenden Flächen in conträrer Richtung wider einander laufen (– tab. II. fig. 2. –). Mittel-Gewicht = 4700. Fund - ort in aller Welt als die gemeinste aller Erzarten.
2) Strahlkies.
Meist heller von Farbe als der vorige; häufig in Nierenform; crystallisirt meist als doppelt vier - seitige Pyramide, und zwar in mancherley Ab - arten zusammengrupirt, z. B. als Hahnenkamm - kies ꝛc. ; hat strahligen Bruch; und als Haar - kies abgesonderte haarförmige Nadeln.
3) Leberkies, Wasserkies.
Auch heller als der gemeine; oft tombackbraun angelaufen; in mancherley besonderer Gestalt, z. B. als Nieren, oder stalactitisch, röhrenförmig, gestrickt, zellig ꝛc. ; zuweilen crystallisirt, in sechsseitigen kleinen Säulen ꝛc. theils als metal - lisirte Petrefacten der Vorwelt, zumahl als Am - moniten.
Gebrauch, zumahl des gemeinen, zur Gewin - nung des Schwefels, Alauns und Eisenvitriols; ehedem statt Feuerstein an deutschen Büchsen ꝛc.
3. Magnetkies.
Aus dem Tombackbraunen ins Speisgelbe; metallischglänzend; doch meist angelaufen; unge - formt; ist wie so manche andere Eisenerze re - tractorisch, d. h. er wird vom Magnet gezogen. Uebergang in Schwefelkies. Bricht auf Gang - gebirgen, z. B. zu Breitenbrunn im Erzgebirge.
6804. Magnet-Eisenstein, natürlicher Magnet, attractorisches Eisenerz. (Fr. Aimant, fer oxydulé, Engl. Load-stone.)
Eisenschwarz; meist ungeformt; theils aber in kleinen Crystallen als doppelt vierseitige Pyrami - den; hart; spröde; zeichnet sich durch die beyden großen physicalischen Eigenschaften aus, daß er das Eisen zieht, und sich in freyschwebender Lage nach den Polen richtet; auch beyderley Kraft dem Eisen selbst mittheilt. Gewicht = 4243. Sein Eisengehalt ungleich, theils 80 pro Cent. Fund - ort vorzüglichst der Magnetenberg in Wercho - turien; außerdem unter andern New-York, und selbst in unserer Nachbarschaft der Spitzenberg am Harz. *)Daß hier Magnet breche, sagt schon G. Agricola de natura fossilium, L. V. p. 604.
Der Magnet-Eisensand, magnes glareosus, findet sich in kleinen stumpfeckigen Körnern, ent - weder in Gebirgsarten eingesprengt (so z. B. in manchem Granit (s. oben S. 628.), Porphyr, Basalt ꝛc. ) oder aber, und zwar häufiger in manchem Sande des Meeres oder der Seen und Flüsse.
5. Eisenglanz, Spiegeleisen. (Fr. Fer oli - giste, fer speculaire, fer noir.)
Stahlgrau; theils taubenhälsig angelaufen; von starkem metallischem Glanze; sowohl unge - formt als crystallisirt; letzteres z. B. in doppelt dreyseitigen Pyramiden, die dann in Linsenform übergehen; oder in sechsseitigen Tafeln ꝛc. Ge - wicht = 5158. Eisengehalt (nach Kirwan) = 60-80 pro Cent; ist meist retractorisch. Fund -681 ort vorzüglichst in großer Mannigfaltigkeit und Schönheit der Crystallisationen auf der Insel Elba.
Der Eisenglimmer ist mehr eisenschwarz; von blätterigem Gefüge; sowohl ungeformt als crystallisirt in kleinen sechsseitigen Tafeln, die theils zellig zusammengehäuft sind. Fundort unter andern auf der Zorge am Harz.
6. Roth-Eisenstein. Fer oxydé rouge.
Meist bräunlichroth, einerseits bis ins Kirsch - rothe, anderseits bis fast ins Strahlgraue.
Davon drey Arten:
1) Roth-Eisenram.
Mulmig, zerreiblich; fettig anzufühlen; stark abfärbend; theils derb; theils als Ueberzug über andere Eisenerze dieser Gattung; sehr leicht.
2) Dichter Roth-Eisenstein.
Meist ungeformt; theils crystallisirt, cubisch; (so z. B. am Cap) meist abfärbend; gibt blut - rothen Strich.
Erdig und zerreiblich wird er Roth-Eisen - ocher genannt.
3) Rother Glaskopf, Blutstein. Haematites.
Meist nierenförmig, mit schaligen Ablosungen; theils stalactitisch; keilförmige Bruchstücke von strahligem Gefüge. Eisengehalt bis 80 pro Cent. Gebrauch unter andern als Pulver zum Poliren der Stahlwaaren.
7. Braun-Eisenstein. Fer oxydé rubiginereux.
Meist nelkenbraun oder haarbraun, einerseits ins Gelbe, anderseits ins Schwarzbraune. Hält mehrentheils auch Braunsteinkalk.
682Ebenfalls in drey Arten wie die vorige Gattung:
1) Braun-Eisenram.
Theils mit metallischem Glanze, als Ueberzug über Glaskopf ꝛc.
2) Dichter Braun-Eisenstein.
Meist ungeformt; theils stalactitisch ꝛc. ; theils crystallisirt in zweyen der beym Schwefelkies (S. 678.) gedachten Formen, nähmlich als Do - decaëder mit den fünfseitigen Flächen (– tab. II. fig. 4. –) und als Würfel mit der sonderbaren Richtung der Streifen auf seinen sechs Flächen (– tab. II. fig. 2. –). Theils auch als Pe - trefact von Incognitis der Vorwelt; so z. B. bey Rübeland am Harz als Schraubenstein, Fun - git ꝛc. Uebergang des ungeformten in Spath - eisenstein, Thon-Eisenstein ꝛc.
Auch Braun-Eisenocher wie bey der vorigen Gattung, wohin denn auch die eigentliche oder so genannte türkische Umber gehört.
3) Brauner Glaskopf.
Die Farbe abgerechnet, übrigens meist wie der rothe. Der Bruch theils seidenglänzend, faserig.
8. Schwarz-Eisenstein.
Meist blaulich schwarz; theils metallischglän - zend; auch dergleichen Strich; scheint vielen Braunsteinkalk zu halten.
683Findet sich in zwey Arten:
1) Dichter Schwarz-Eisenstein.
In mancherley besonderer Gestalt; standenför - mig, traubig ꝛc. mit flachmuscheligem Bruche.
2) Schwarzer Glaskopf.
Mit divergirend faserigem Bruche. Fundort beyder Arten unter andern bey Schmalkalden im Hessischen.
9. Spath-Eisenstein, Eisenspath, Stahl - stein, Flinz. Chaux carbonatée ferisère.
Vom Gelblichgrauen bis ins Bräunlichschwarze; theils an den Kanten durchscheinend; häufig cry - stallisirt, und zwar meist in Rhomben oder Linsen. Meist rhomboidale Gestalt der Bruch - stücke; spröde. Gewicht = 3784. Gehalt eines steyermarker (nach Bergmann) = 38 Eisen, 24 Braunstein, 38 Kalkerde. Uebergang in Braun - eisenstein und Braunspath.
10. Thon-Eisenstein.
Aus den Gelblichen durchs Rothbraune ins Schwarzbraune; aber auch theils rauchgrau; meist erdig; weich; mager; theils ungeformt; aber auch in mancherley, besonderer Gestalt; theils mit Petrefacten der Vorwelt; z. B. mit Couchy - lien oder mit Kräuterabdrücken (so z. B. die be - rühmten so genannten Katzenköpfe von Colbrook - dale, deren jeder inwendig ein kleines Farnkraut einschließt). Ueberhaupt meist reich an Eisenge - halt bis 40 pro Cent.
Als besondere Abarten verdienen bemerkt zu werden:
684a. Stänglicher Thon-Eisenstein, Nagelerz, Schindelnägel.
Rothbraun; in stängelich abgesonderten Stücken; theils wie Miniaturen von Säulenbasalt. Ver - muthlich pseudovulcanischen Ursprungs. Fundort zumahl bey Hoschenitz in Böhmen.
b. Eisen-Niere, Adlerstein, Klapperstein. Aëties (Fr. Géode).
Meist gelbbraun; nierenförmig; theils mit schaligen Ablosungen; meist hohl; theils mit ein - geschlossenen losen und daher klappernden Brocken und Körnern; theils dicht, kugelicht*)So die sonderbaren kopfsgroßen mit Scheidewän - den von Braunspath durchzogenen Angeln von Aberlady in Lothian, die durch Dr. Huttons Theorie der Erde berühmt worden. s. Hrn Fau - jas-Saint-Fond in s. Voyage en Angleterre amp; c. T. I. p. 224 und Girtanners Darstellung des Darwinschen Systems. II. B. S. 324 u. f..
c. Bohnenerz.
Meist dunkelbraun; fettglänzend; in großen meist stumpfeckigen Körnern; theils plattgedruckt, abgerundet; so z. B. wie in großen runden Boh - nen ausnehmend sauber am Vorgebirge der gu - ten Hoffnung.
d. Linsenerz.
In kleinen zusammengebackenen Körnern, theils fast wie ein lockerer Rogenstein.
11. Rasen-Eisenstein, Ortstein. Tofus Tubalcaini Linn. Minera ferri sub -685 aquosa Waller. (Fr. mine de fer li - moneuse.)
Gelblichbraun, theils ins Schwärzliche; matt oder fettglänzend; meist in löcherigen Brocken zu - sammengebacken, knollig; erdig; theils in allerhand besonderer Gestalt, röhrenförmig ꝛc., theils aller - hand Vegetabilien von neuerem Datum, Moos, Wurzelgestrüppe ꝛc. darein umgewandelt. Ge - halt bis 35 pro Cent Eisen, wahrscheinlich durch Phosphorsäure verkalkt. Findet sich meist nahe unter der Dammerde, im aufgeschwemmten Lande und in Moorgrunde.
12. Blau-Eisenerde, natürliches Berliner - blau. (Fr. Fer azuré, Prussiate de fer natif.)
Unter der Erde meist weißlich; wird aber an der Luft blau in mancherley Abstufungen; ist erdig, staubartig oder zusammengebacken; abfär - bend; mager. Gehalt, Eisen durch Phosphor - säure und Blausäure verkalkt, mit Thonerde vermischt. Fundort unter andern im Churbraun - schwergischen am Ufer der Stecknitz, und so auch im Treibholz bey Stade (s. oben S. 650. not. *).
13. Grün-Eisenerde.
Meist zeisiggrün; erdig; meist zerreiblich, ab - färbend; selten verhärtet. Das Vererzungsmittel noch nicht zuverlässig bekannt. Fundort zumahl bey Schneeberg im Erzgebirge.
14. Arseniksaures Eisen.
Olivengrün; durchsichtig; fettglänzend; weich; in kleinen cubischen Crystallen von mancherley Abänderung. Meist auf Brauneisenstein zu Car - rarach in Cornwall.
68615. Smirgel. Smiris. (Fr. emeril, Engl. emery.)
Meist graulich schwarz; an den Kanten durch - scheinend; schimmernd; theils splitteriger Bruch; gibt braunrothen Strich; sehr hart. Gewicht = 3922. Sein Eisengehalt sehr ungleich; oft unbedeutend; doch bey einer Abart (nach Tennant) = 32 Eisen, 50 Thonerde, 8 Kiesel - erde. Fundort unter andern Altcastilien und Estre - madura. Gebrauch zum Schneiden und Schleifen harter Steine und des Glases. Daher auch der Holzstein, wie oberwähnt (S. 555.), wegen des ähnlichen Gebrauchs, in manchen Gegenden Smirgel genannt wird.
Das Bley läuft an der Luft schwarz an, und färbt, stark gerieben, mit einem eigenen Geruche ab. Ist das weichste der festen Me - talle; leicht biegsam, aber nicht sehr dehnbar, und gar wenig zähe (§. 253.). Gewicht = 11352. Schmilzt ehe es glüht; brennt leicht zu Kalk; wird in stark erhöheter Temperatur allgemach verglast; und von allen Säuren auf - gelöst, die davon einen süßlichen Geschmack erhalten. Gebrauch (außer dem allgemein be - kannten zu Kugeln und Schrot, Dachdecken, Wasserröhren, Schriftgießen ꝛc. ) besonders beym687 Hüttenwesen und in der Probirkunst; dann zu mancherley Farbe und als chirurgisches Heilmittel.
1. Bleyglanz. Galena. Plomb sulfuré. (Engl. blue lead-ore.)
Bleygrau, theils taubenhälsig angelaufen; meist mit starkem metallischem Glanze; meist ungeformt; theils mit Spiegelfläche; theils wie geflossen, zellig ꝛc. ; theils dendritisch oder ge - strickt*)Ein solcher gestrickter Bleyglanz von der Insel Ila, den ich von der Güte des Hrn. Dr. Crichton aus London erhalten, übertrifft an ausnehmender Eleganz alles was ich von noch so netten Fossilien in dergl. besondern Gestalt gesehen habe.; häufig crystallisirt; und zwar meist cubisch; selten in doppelt vierseitigen Pyramiden, oder sechsseitigen Säulen ꝛc. ; sämmtliche Crystal - lisationen wieder in mancherley Abarten; bricht in cubische Stücken; hat meist blätteriges Ge - füge; gröberes oder feineres Korn. Mittel-Ge - wicht = 7290. Gehalt sehr verschieden; z. B. 77 Bley durch 20 Schwefel vererzt, außerdem mehr oder weniger Silber, und im Strip - oder Sproterz (Fr. mine de plomb striée) auch Spieß - glas. Ueberhaupt eins der gemeinsten Erze.
Der Bleyschweif, plumbago (Fr. mine de plomb compacte) ist mehr stahlgrau, schim - mernd, weicher als der Bleyglanz, mehr abfär - bend; immer ungeformt. Fundort unter andern bey Clausthal, und in Derbyshire**)Die berühmten Slickensides in den derbyshirer Gruben sind spiegelglatte Saalhandflächen des dasigen dichten Flusses (S. 617), die wie mit688 einem dünnen bleyfarbigen Anstrich überzogen sind, der aus Bleyglanz mit gephosphortem Wasserstoff bestehen soll. Beym Brechen dessel - ben entstehen durch Beytritt der atmosphärischen Luft oft gewaltsame, den Arbeitern leicht tödtliche Explosionen. – S. W. Jones's physiological dis - quisitions. Lond. 1781. 4. pag. 5. 11 u. f..
2. Blau Bleyerz.
Aus dem Indigblauen ins Bleygraue; un - durchsichtig; meist in kleinen Crystallen von sechs - seitigen Säulen; metallischschimmernd; ist weich, und gibt metallischglänzenden Strich; scheint in den Bleyschweif überzugehen. Fundort Tschopau im Erzgebirge und Leadhills in Schottland.
3. Braun Bleyerz, brauner Bleyspath, Saturnit.
Aus dem Nelkenbraunen ins Schwarzgraue; theils durchscheinend; fettglänzend; meist crystal - lisirt in sechsseitigen der Länge nach gestreiften Säulen. Fundort Tschopau, und Poullaouen in Nieder-Bretagne.
4. Schwarz Bleyerz.
Graulich schwarz; theils durchscheinend; gibt graulich weißen Strich; hat einen eigenen fast dem metallischen sich nähernden Glanz; meist crystallisirt, in kleinen sechsseitigen Säulen. Fundort unter andern bey Freyberg, wo es auf 60 pro Cent Bley hält.
5. Weiß Bleyerz, weißer Bleyspath. Plomb carbonaté.
Aus dem Schneeweißen ins Gelblichgraue; mehr oder weniger durchscheinend; meist gleich -689 sam demantglänzend; sowohl derb, als crystalli - sirt in Nadeln oder vier - und sechsseitigen Säu - len. Gehalt (nach Westrumb) = 80,25 Bley, 16 Kohlensäure, 0,18 Eisen, 0,75 Thonerde, 0,50 Kalkerde. Fundort vorzüglich bey Zeller - feld am Harz.
6. Grün Bleyerz, grüner Bleyspath. Plomb phosphaté.
Meist zeisiggrün, in mancherley Abstufungen und Uebergängen; durchscheinend; fettglänzend; meist crystallisirt, zumahl in sechsseitigen Säulen. Gewicht = 6270. Gehalt des von Tschopau (nach Klaproth) = 78,40 Bleykalk, 18,37 Phosphorsäure, 1,70 Salzsäure, 0,10 Eisenkalk. Fundort außer dem eben genanten auch bey Claus - thal, und bey Beresofsk im Catharinburgischen (letzterer hält nach Vauquelin auch Chro - miumkalk.)
7. Gelb Bleyerz. Plomb molybdaté.
Meist Wachsgelb; wenig durchscheinend; fett - glänzend; meist crystallisirt, zumahl in vierseiti - gen Tafeln ꝛc. Hält (nach Klaproth) = 64, 42 Bleykalk, 34,25 Molybdänkalk. Fundort zumahl Bleyberg in Kärnthen.
8. Natürlicher Bleyvitriol. Plomb sulfaté.
Gelblich-grau; theils staubartig; theils fest, crystallisirt, zumahl als doppelt vierseitige Pyra - mide; theils durchscheinend; glasglänzend; Ge - wicht = 6300. Gehalt ((nach Klaproth) = 71 Bleykalk, 24,80 Schwefelsäure, 2 Crystallisa - tionswasser, 1 Eisenkalk. Fundort Anglesey bey Wales.
6909. Bleyerde, Bleyocher. Plomb carbonaté terreux.
Theils staubartig, theils zusammengebacken, doch zerreiblich; in dreyerley Farben, nähmlich a) schwefelgelb (Fr. massicot natif); so z. B. bey Leadhills in Schotland; b) weißlich grau, so z. B. bey Zellerfeld am Harz; c) bräunlich roth, z. B. im Jülichschen.
Das Zinn ist sehr biegsam, sehr dehnbar, aber wenig zähe; er knirscht zwischen den Zäh - nen und knarrt, wenn es gebogen wird (le cri d'étain); gibt erwärmt oder gerieben einen ei - genen Geruch; Gewicht = 7857; verkalkt sehr leicht zu Zinnasche; wird in Königswasser auf - gelöst; und findet sich nur in wenigen Welt - gegenden; aber daselbst meist in ausnehmender Menge. Gebrauch unter andern zu Silber - papier, Glockengut, Stückgut, zur Scharlach - färberey ꝛc.
1. Zinnkies. (Fr. étain sulfuré, or mussif natif. Engl. bell metal ore.)
Aus dem Stahlgrauen ins Speisgelbe; me - tallischglänzend; spröde; bloß ungeformt. Ge - wicht = 4350. Gehalt (nach Klaproth) = 34 Zinn, 36 Kupfer, 3 Eisen, 25 Schwefel. Fund - ort bis jetzt bloß St. Agnes in Cornwall.
6912. Zinnstein (Fr. étain oxydé, étain vitreux.)
Braun, einerseits ins Schwarze, anderseits ins Gelbe und ins Weißlichgraue*)So ist z. B. das seltene schinesische Kalin (– so heißt das Zinn überhaupt bey einigen ostindischen Völkerschaften –) ein gelblichgraues Zinnerz mit schwatzen Wolframeerz in quarziger Gangart. – Eine Stufe, die ich davon besitze, kommt voll - kommen mit der überein, die Herr Sage im cabinet de l'école des mines S. 380 beschreibt.; theils durch - scheinend, zuweilen fast durchsichtig (so z. B. das rosin-tin aus Cornwall); theils ungeformt; theils als Gerölle in Seifenwerken**)Seifenwerke (Engl. stream-works), sind eine eigene Art von Bergbau in Thälern zwischen erz - führenden Ganggebirgen, die theils zu mehreren Lachtern hoch mit abgerissenen Geschieden und theils abgerundeten Geröllen dieser Gebirge und ihrer Gänge gefüllt sind; und wovon z. B. die bey Eibenstock im Erzgebirge, und die bey St. Austel ꝛc. in Cornwall sehr ergiebig an Zinnerzen sind. Von jenen s. J. F. W. Charpentier mine - ralog. Geogr. der Chutsächs. Lande S. 270. Von diesen aber das bergmänn. Journal III. Jahrg. 2. B. S. 143. (Engl. stream-tin), oder als Zinnsand; häufig aber crystallisirt (so genannte Zinngraupen) zumahl als sehr kurze vierseitige Säule an beyden Enden vierseitig zugespitzt; oft als Zwillingscrystalle (Visirgraupen). Mittel-Gewicht = 6900. Zinn-Gehalt wohl bis 80 pro Cent. Fundort zumahl das sächsische und böhmische Erzgebirge, Cornwall, Malacka, die Insel Banca bey Su - matra ꝛc.
6923. Holz-Zinn, cornisches Zinnerz. (Fr. étain limoneux, hématite d'étain. Engl. wood-tin.)
Holzbraun, haarbraun ꝛc. undurchsichtig; auf dem Bruche divergirend faserig; in kleinen Nieren mit concentrischen deutlich absetzenden Schichten; keilförmige Bruchstücke; hart, daß es am Stahl Funken gibt. Gewicht = 6450. Zinn-Gehalt (nach Klaproth) = 63,3. Fundort Gavrigan in Cornwall.
Der Zink (Engl. spelter) hat eine Mittel - farbe zwischen Bley und Zinn, einen breitstrah - ligen zackigen Bruch, und ist weniger spröde als andere so genannte Halbmetalle. Gewicht = 7190. Er schmilzt ehe er glüht, und ent - zündet sich im offenen Feuer mit einer blaulich - grünen Flamme. Wird von allen Säuren auf - gelöst, ohne sie zu färben. Wichtigster Ge - brauch zum Messingmachen und des Kalks als Arzney.
1. Blende. Pseudogalena. Fr. Zinc sulfuré. (Engl. black jack.)
Braun; einerseits ins Schwarzbraune, ander - seits ins Gelbe; auch theils ins Rothe und Grüne; daher die Benennungen von Pechblende, Colophoniumblende, Rubinblende ꝛc. ; mehr oder weniger durchscheinend; von verschiedener Art693 des Glanzes; meist ungeformt; doch auch häufig crystallisirt, z. B. als dreyseitige, oder als dop - pelt vierseitig Pyramide ꝛc. ; spathähnlicher Bruch; manche Abarten geben, wenn sie gerie - ben werden, Schwefellebergeruch; manche phos - phoresciren, wenn sie im Finstern mit Eisen ge - kratzt werden. Mittel-Gewicht = 4000. Zink - gehalt von 44 bis 64 pro Cent; durch Schwefel vererzt; mit mehr oder weniger Eisen; theils auch gold - und silberhaltig mit innig eingemeng - tem Bleyglanze (so z. B. das so genannte Braun - erz vom Rammelsberge). Ueberhaupt ein sehr allgemein verbreitetes Erz.
2. Galmey. Lapis calaminaris. (Fr. zinc oxydé, calamine.)
Meist aus dem Bleygrauen ins Gelbliche durch mancherley Abstufungen; theils undurchsichtig; theils mehr oder weniger durchscheinend; meist ungeformt, und zwar sowohl erdig als derb; theils wie geflossen, traubicht, nierenförmig ꝛc. ; theils crystallisirt als Zinkspath*)Nach Hrn. Haüy besitzen manche Zinkspathcry - stallen die Electricität des Turmalins., meist in vier - seitigen Tafeln; so zumahl in Kärnthen und am Altai; theils als Aftercrystall (z. B. in Flint - shire); der ungeformte aber theils in ganzen Flö - zen z. B. bey Olkutschk in Polen.
Der Wismuth, marcasita officinalis (Fr. étain de glace, Engl. tin-glass), hat eine694 aus dem Silberweißen ins Röthliche fallende Farbe; blätteriges Gefüge; ist sehr spröde; Gewicht = 9822; schmilzt ehe er glüht*)Den Wismuth mit halb so viel Zinn und halb so viel Bley zusammengeschmolzen gibt das so ge - nannte rosensche Metall, das schon im kochenden Wasser schmilzt.; wird aus seiner Auflösung in Salpetersäure durch reines Wasser als weißer Kalk (blanc d'Espagne) gefällt. Ueberhaupt ein nicht häu - figes Erz. Gebrauch unter andern zum Schnell - oder Zinn-Loth.
1. Gediegen.
Meist taubenhälsig angelaufen; meist unge - formt; theils gestrickt; selten crystallisirt in klei - nen Würfeln ꝛc. ; blätteriger Bruch. Findet sich nicht häufiger als die beyden folgenden Gattungen und nebst denselben zumahl im sächsischen und böhmischen Erzgebirge.
2. Wismuthglanz, grau Wismutherz. Bis - muth sulfuré.
Bleygrau; meist gelblich angelaufen; blätte - riger theils strahliger Bruch; meist ungeformt; selten in spiesigen der Länge nach eingewachsenen Crystallen oder in haarförmigen Nadeln; sehr weich, schneidbar; brennt auf Kohlen gebröckelt mit Schwefelflamme. Gehalt (nach Sage) = 60 pro Cent Wismuth, durch Schwefel vererzt, theils mit etwas Eisen und Arsenik ꝛc.
6953. Wismuthocher. Bismuth oxydé.
Gelblich ins Grünliche oder Graue; meist erdig; angeflogen oder eingesprengt.
Das Spießglas oder der Spießglanz, antimonium, stibium, hat eine Mittelfarbe zwischen Zinnweiß und Silberweiß; blätteriges, strahliges Gefüge; ist spröde; Gewicht = 6702; schmilzt leicht; verdampft in anhaltendem Feuer; wird von den Säuren nur unvollkommen aufgelöst; und aus der Solution in Königs - wasser durch Laugensalze weiß gefällt. Ge - brauch unter andern um weichen Metallen mehr Härte zu geben; also z. B. zum Schriftgießen; außerdem als Arzeney.
1. Gediegen.
Meist zinnweiß; der Bruch theils körnig, theils blätterig, theils schalig. Fundort unter andern bey Andreasberg. Gehalt desselben (nach Klap - roth) = 98 Spießglasmetall, 1 Silber, 0,25 Eisen.
2. Grau Spießglaserz. Antimoine sulfuré.
Bleygrau, stahlgrau ꝛc. ; theils ungeformt; und zwar sowohl dicht als blätterig; häufiger aber strahlig und zwar meist in nadelförmigen Crystallen; theils aber auch in stärkern vier - oder sechsseitigen Säulen. Gewicht = 4200. Ge -696 halt = 70-80 Spießglas, 30-20 Schwefel. Fundort vorzüglich in Ungarn und Siebenbürgen.
Das Federerz, von graulich schwarzer oder bleygrauer Farbe, ist ein zartfaseriges oder haa - riges (theils silberhaltiges), hierher gehöriges Spießglaserz, das sich unter andern zu St. Andreasberg und bey Nagybanya in Siebenbür - gen findet.
3. Roth Spießglaserz. Antimoine hydro - sulfuré.
Mordoreroth; mit einer Art metallischen Glan - zes; theils ungeformt, theils in nadelförmigen, strahligen Crystallen, die theils sternförmig zu - sammengehäuft sind. Gewicht = 4090. Gehalt des Bräunsdorfer (nach Klaproth) = 67,50 Spießglasmetall, 1080 Sauerstoff, 19,70 Schwefel. Fundort wie gedacht Bräunsdorf bey Freyberg und in Ungarn.
4. Weiß Spießglaserz. Antimoine oxydé.
Aus dem Weißen ins Gelbliche oder Graue; meist perlmutterglänzend; meist in sternförmig zusammengehäuften nadelförmigen Crystallen; äh - nelt im Aeußern so wie (nach Klaproth) im Ge - halt den präparirten weißen Spießglasblumen (Nix antimonii). Fundort bey Malaczka in Siebenbürgen und Przibram in Böhmen.
5. Spießglasocher.
Meist zitrongelb; erdig; zerreiblich. Fundort bey Freyberg und in Ungarn.
Das Kobalt-Metall*)Kobalt, vermuthlich aus dem böhmischen kowalty, Erzhaltig. S. Adelungs Wörterbuch., oder die so ge - nannte Kobalt-Speise ist fast eisenfarbig ins Stahlgraue und ein wenig ins Rothe ziehend; gibt in Königswasser aufgelöst die sympathetische Tinte. Gewicht = 7811. Ist sehr strengflüssig. Durchs Rösten verkalkt es zu schwarzem Pul - ver, welches mit Glasfritten das für die Blau - farbenwerke wichtige Smalteglas gibt.
1. Weißer Speiskobalt.
Zinnweiß; meist ungeformt; theils nierenför - mig, und in kleinen undeutlichen Crystallen. Findet sich an wenigen Orten, z. B. im Stift - amte Christiania in Norwegen.
2. Grauer Speiskobalt, stahlderber Kobalt. Cobalt arsenical.
Lichtstahlgrau; meist ungeformt; zuweilen mit glatter Spiegelfläche; theils gestrickt; sein Bruch ähnelt dem vom englischen Stahl; sehr hart; hält außer dem Kobalt auch Arsenik und Eisen. Fundort unter andern im sächsischen und böhmi - schen Erzgebirge.
3. Glanzkobalt. Galena cobalti. Cobalt gris.
Zinnweiß; theils ungeformt; auch zuweilen als Spiegel; auch theils gestrickt; theils baumför -698 mig; nicht selten crystallisirt, und zwar meist cubisch in mancherley Abartungen als Kobalt - graupen; minder hart als die vorige Gattung; hält ebenfalls auch Arsenik und etwas Eisen. Fundort unter andern Glückbrunnen im Meinin - gischen, Riegelsdorf in Hessen ꝛc. ; eins der häufigsten Kobalterze.
4. Schwarzer Erdkobalt. Cobalt oxydé noir.
Schwarz ins Schieferblauliche, oder theils ins Braunliche; theils staubartig oder doch zerreib - lich, als Kußkobalt; theils verhärtet als Schlackenkobalt; theils traubig, nierenförmig, schalig ꝛc. ; matt oder schimmernd; wird durch den Strich glänzend; leicht; vermuthlich durch Kohlensäure verkalkt. Fundort unter andern auch an letztgedachten Orten.
5. Brauner Erdkobalt.
Leberbraun in mancherley Abstufungen; unge - formt; erdig; weich; gibt fettglänzenden Strich. Fundort unter andern zumahl im Saalfeldischen.
6. Gelber Erdkobalt, Lederkobalt.
Gelblichgrau; ungeformt; feinerdig; rissig; sehr weich; meist nur in geringer Menge, z. B. im Saalfeldischen.
7. Rother Erdkobalt cobalt areseniaté.
Pfirschblüthroth, das aber an der Luft ver - schießt; entweder ungeformt, erdig, matt, als Kobaltbeschlag; oder in nadelförmigen, theils sammetartigen, theils sternförmig zusammenge -699 häuften, glänzenden, durchscheinenden Crystallen, als Kobaltblüthe; vermuthlich durch Arsenik - säure verkalkt. Fundort unter andern bey Schnee - berg im Erzgebirge.
Der Nickel hat eine aus dem Graulich - weißen ins Blaßrothe fallende Farbe; ist sehr hart; sehr strengflüssig; löst sich vorzüglich in Salpetersäure auf, und färbt die Auflösung grün; sein Kalk aber den Salmiakgeist blau. Gewicht = 7807. Gebrauch zum schinesischen Packfong [S. 670]*)Gediegen ist der Nickel, aber nur in geringen Procenten dem oben (S. 677u. f.) gedachten ge - diegenen Eisen beygemischt; und zwar (nach Ho - ward) dem Sibirischen zu 17, dem Südamerica - nischen aber zu 10 pro Cent..
1. Kupfernickel. Nickel arsenical.
Meist blaßkupferroth; ungeformt; stumpfecki - ger, gleichsam facettirter Bruch, selten strahlig, (so bey Riegelsdorf in Hessen). Gewicht = 7560. Gehalt = Nickel, Arsenik, Kobalt, Eisen und Schwefel. Fundort gemeiniglich bey Glanzkobalt.
2. Nickelocher. Nickel oxydé.
Apfelgrün; meist zerreiblich; selten verhärtet (so bey Riegelsdorf); mager; abfärbend; meist als Ueberzug; gewöhnlich beym Kupfernickel. Daß der Chrysopras seine Farbe von ihm habe,700 ist oben erwähnt (S. 556), so wie auch, daß sich Nickelkalk in dem olivinählichen Fossil des Pal - lasischen gediegenen Eisens, und in den Aëroli - then findet (S. 596.).
Das Braunstein-Metall, magnesium (Fr. manganèse), ist stahlgrau, sehr hart, spröde, und strengflüssig. Gewicht = 6850. Verbindet sich leicht mit dem Eisen; hat unter allen Metallen das stärkste Anziehungsvermögen zum Sauerstoff; so daß es an der Luft sehr bald zu schwarzem Pulver verkalkt; ist sehr all - gemein in der Erde verbreitet; selbst in der vegetabilischen Schöpfung. Gebrauch vorzüglich zur Verfertigung des weißen Glases, zur Be - reitung der Lebensluft, der übersauren Salz - säure ꝛc.
1. Braunsteinblende, Schwarzerz.
Eisenschwarz, theils ins Rußbraune; undurch - sichtig; glänzend; unebner, kleinkörniger, matt - schimmernder Bruch; halbhart; spröde. Ge - wicht = 3950. Gehalt des Siebenbürgischen (nach Klaproth) = 82 Braunstein, 11 Schwefel, 5 Kohlensäure. Fundort zumahl beym Sieben - bürgischen Rothbraunsteinerz, und ein ähnliches Fossil auch bey Ilfeld.
7012. Grau Braunsteinerz. Manganèse oxydé metalloide amp; c.
Stahlgrau ins Eisenschwarze; mit hellerem oder matterem, metallischem Glanze; theils un - geformt, häufig aber strahlig, und zwar meist büschelförmig, oder sternförmig; theils in nadel - förmigen Crystallen, oder in vierseitigen Säu - len mit zugeschärften oder zugespitzten Enden. Fundort des strahligen zumahl bey Ilfeld am Harz. Gehalt desselben (nach Klaproth) = 90, 50 schwarzer Braunsteinkalk (verbunden mit dem Maximum an Sauerstoff, den es im Feuer figirt an sich halten kann), 2,25 Sauerstoffgas, 7 Wasser.
3. Schwarz Braunsteinerz. Manganèse oxydé noir amp; c.
Bräunlichschwarz, eisenschwarz ꝛc. ; feinerdig; sehr weich; abfärbend; theils staubartig, rußig; (so z. B. das black wad von Winster in Der - byshire, das mit Leinöhl angerieben in Selbst - entzündung geräth; und häufig zur schwarzen Oehlfarbe gebraucht wird); theils verhärtet, nie - ren - oder staudenförmig ꝛc. ; theils von schlacken - förmigem Ansehen (so das von Saska im Ban - nat). Gehalt eines von Clausthal am Harze (nach Klaproth) = 68 Braunsteinkalk, 6,50 Ei - senkalk, 8 Kieselerde, 1 Schwererde, 1 Kohle, 17,50 Wasser.
Die mehresten schwarzen dendritischen Zeich - nungen in mancherley Steinarten rühren von dieser Gattung des Braunsteingeschlechts her.
7024. Roth Braunsteinerz. Manganèse oxydé rose.
Rosenroth in mancherley Abstufungen; theils dichter, theils blätteriger Bruch; theils matt, theils glänzend, mehr oder weniger halt. Ge - halt (nach Klaproth) = Braunsteinkalk mit einer Spur von Kieselerde. Fundort zumahl bey Nagyag und Kapnik in Siebenbürgen (als Gangart der dasigen Gold – und Tellurerze) und zu Catha - rinburg in Sibirien.
Das Urangeschlecht, das 1789 vom Hrn. Prof. Klaproth entdeckt worden, ist dunkelgrau, von mattem, metallischem Glanze; weich; spröde; Gewicht = 6440, äußerst strengflüssig; wird in Salpetersäure und in Königswasser aufgelöst, und durch Laugensalz daraus als ein gelber Kalk gefällt, der dem Glase eine hell - braune Farbe gibt.
1. Pecherz, Pechblende. Vranium sulphu - ratum. Urane oxydulé.
Bräunlichschwarz; undurchsichtig; fettglänzend; spröde. Gewicht = 7500. Gehalt = Uranium und Schwefel. Fundort nebst den folgenden Gattungen zumahl im sächsischen und böhmischen Erzgebirge.
7032. Uranglimmer, Uranspath, Chalcolith. Vranium spathosum. Urane oxydé.
Aus dem Grasgrünen ins Spangrüne, Zeisig - grüne ꝛc. ; durchscheinend; theils erdig, zerreib - lich, matt; theils glänzend, fest, crystallisirt, zumahl in vierseitigen Tafeln. Gehalt = Ura - nium durch Kohlensäure verkalkt mit etwas Kupfer.
3. Uranocher. Vranium ochraceum. Urane oxydé.
Meist citrongelb; undurchsichtig; erdig; weich; mager; löst sich in Salpetersäure ganz auf. Meist auf und zwischen dem Pecherz.
Das Titan-Metall hat zwar Herr Gregor schon 1791 im Manacanit zu finden geglaubt, aber Hr. Prof. Klaproth 1795 erst ganz außer Zweifel gesetzt. Es zeigt in seiner metallischen Gestalt*)Diese charakterisirenden Kennzeichen des Titan - metalls sind mir vom Hrn. Prof. Lampadius zu Freyberg gefälligst mitgetheilt worden. eine dunkle Kupferfarbe; nimmt gute Politur an; ist spröde; äußerst strengflüssig; hat starkes Anziehungsvermögen zum Sauerstoffe; wird leicht von der Salpeter - säure, Salzsäure und Schwefelsäure aufgelöst; und durch Laugensalze aus diesen Auflösungen weiß – – hingegen durch Galläpfelaufguß ker -704 mesbraun – niedergeschlagen; mit Salpeter verpufft es lebhaft; die Laugensalze aber scheinen weder auf dem trocknen noch nassen Wege etwas davon aufzulösen.
1. Titan-Sand, Manacanit. Titane oxydé ferrifère.
Schwarz; undurchsichtig; mattglänzend; in kleinen ungleichförmigen eckigen Körnern; auf dem ersten, Blick grobkörnigem Schießpulver ähnelnd; wird theils vom Magnet gezogen. Gewicht = 4427. Gehalt (nach Klaproth) = 45,25 Titankalk, 51 Eisenkalk, 0,25 Braunstein - kalk, 3,50 Kieselerde. Fundort besonders als Flußsand im Kirchspiel Manacan in Cornwall und an der Providenz-Insel bey Botanybay.
Der Nigrin, ein ähnlicher aber aus gröbern Körnern bestehender Titan-Sand, von Olah - plan in Siebenbürgen, hält aber (nach Klap - roth) = 84 Titankalk, 14 Eisenkalk, 2 Braun - steinkalk.
2. Titan-Spath, Titanit. Titane oxydé.
Nelkenbraun, etwas durchscheinend; fettglän - zend; crystallisirt in kurzen gleichsam linsenför - mig zusammengedruckten vierseitigen an beyden Enden mit zwey Enden zugeschärften Säulen. Gehalt des norwegischen (nach Abildgaard) = 58 Titankalk, 22 Kieselerde, 20 Kalkerde. Fundort im Passauischen in einer gemengten Ge - birgsart aus vorwaltendem Feldspath mit Quarz, Hornblende ꝛc. und bey Arendal in Norwegen in Quarz.
7053. Titan-Schörl, Rutil. Titane siliceo - calcaire.
Braunroth; theils mit einem dem Metallischen sich nähernden Glanze; meist nadelförmig; zu - mahl in und auf Bergcrystall und gemeinem Quarz; theils aber in stärkern, stangenförmigen, Bierfertigen, der Länge nach gestreiften, säulen - förmigen Crystallen; so vorzüglich bey Boinik in Ungarn in einem aus Glimmerschiefer und milch - weißem Quarz geschichteten Lager.
Das Tellurium, (Sylvanium), dessen eigenthümliche Metallität zuerst vom Hrn. Gu - bernialrath Müller von Reichenstein entdeckt, und nun vom Hrn. Prof. Klaproth vollkom - men bestätigt worden, hat eine aus dem Zinn - weißen ins Bleygraue fallende Farbe; ist stark - glänzend; hat blätterigen Bruch; ist sehr spröde; und leicht flüssig. Gewicht nur = 6115.
Man kennt es bisjetzt in folgenden dreyen, vor dem zum Goldgeschlecht gezählten Erzen.
1. Gediegen (das so genannte Weißerz, au - rum problematicum). Tellure natif fer - risère.
Von der angegebenen Farbe, Glanz und Bruch. Gehalt (nach Klaproth) = 92 Tellurium, 7 Ei - sen, und ein weniges Gold. Meist eingesprengt706 in grauen, hornsteinähnlichen Quarz von Fatzebay in Siebenbürgen.
2. Schrifterz (das so genannte aurum gra - phicum). Tellure natif aurifère et ar - gentifère.
Zinnweiß; abfärbend, in dünnen säulen - oder tafelförmigen Crystallen, die meist mit einer Sei - tenfläche auf - und gewöhnlich ihrer mehrere durch einander gewachsen sind. Gehalt (nach Klap - roth) = 60 Tellurium, 30 Gold, 10 Silber. Fundort bey Offenbanja in Siebenbürgen, in Quarz und Graustein.
3. Blättererz (das so genannte Nagyager Golderz). Tellure natif aurifère et plom - bifère.
Ins Bleygraue; meist blätteriges Gefüge; weich; etwas abfärbend; in etwas biegsam. Ge - halt (nach Klaproth) = 32,2 Tellurium, 54 Bley, 9 Gold, 1,8 Silber und Kupfer, 3 Schwefel. Fundort bey Nagyag in Siebenbür - gen, in Quarz und Braunspath.
Der Wolfram oder das Schwerstein - metall (von Hrn. Werner Scheel benahmt Fr. Tungstène), ist erst neuerlich aus seinen Erzen als König reducirt worden; dessen Farbe aber sowohl als sein Gewicht sehr verschieden angegeben werden. Ist sehr strengflüssig;707 sein Kalk enthält eine eigene Saure und bildet mit Ammoniac (dem flüchtigen Alkali) ein eigenes Mittelsalz.
1. Weiß Wolframerz, Tungstein, Schwer - stein, irrig so genannte weiße Zinngraupen. Schéelin calcaire.
Meist milchweiß oder gelblichweiß; durchschei - nend; fettglänzend; fast muscheliger Bruch; un - geformt; oder in doppelt vierseitigen Pyrami - den crystallisirt. Gewicht = 6066. Gehalt des Schlackenwalder (nach Klaproth) = 77,75 Wol - framkalk, 17,60 Kalkerde, 3 Kieselerde, Wol - framsäure und Kalkerde. Fundort vorzüglich an gedachtem Orte in Böhmen.
2. Schwarz Wolframerz. Spuma lupi. Schéelin ferruginé.
Bräunlichschwarz; gibt rostfarbenen Strich; mattglänzend; blätteriger Bruch; meist schalig; ungeformt; oder crystallisirt, zumahl in platten sechsseitigen Säulen und vierseitigen Tafeln. Gewicht = 7130. Gehalt = Wolframsäure mit Eisen und etwas Braunstein. Fundort zu - mahl im Erzgebirge und in größter Menge auf Dolcoath in Cornwall; auch im schinesischen Ka - lin (S. 691. not. *). Ueberhaupt (so wie auch das vorhergehende) meist bey Zinnstein.
Das Molybdän-Metall ist fast stahlgrau; und sehr spröde; nicht sonderlich hart. Ge -708 wicht = 6963. Sein Kalk hält ebenfalls eine eigene Säure.
1. Wasserbley. Molybdène sulfuré.
Dieses oft mit dem Graphit verwechselte Erz ist bleygrau von metallischem Glanze; und meist krummblätterigem Gefüge; fettig anzufühlen; weich; abfärbend; in dünnen Blättchen biegsam. Gewicht = 4738. Gehalt (nach Klaproth) = 60 Molybdänsäure, 40 Schwefel. Findet sich an wenigen Orten; aber einzeln in vielen Welt - gegenden. Zumahl bey Altenberg im Erzgebirge und bey Kolywan in Sibirien. Auch im grön - ländischen Weichstein (S. 591).
Das Arsenik-Metall hat eine Mittelfarbe zwischen zinnweiß und bleygrau; einen schup - pig blätterigen, Bruch. Gewicht = 8308. Ist das flüchtigste aller Metalle. Wird im Feuer in einen dicken weißen Dampf aufgelöst, der wie Knoblauch riecht, süßlich schmeckt und das Kupfer weiß färbt; so wie überhaupt die far - bigen Metalle durch Versetzung mit Arsenik weiß werden. Sein Kalk, der ebenfalls eine eigene Säure enthält, läßt sich im Wasser auflösen.
7091. Gediegen.
Lichtbleygrau; lauft aber an der Luft gelblich, dann tombackbraun, und endlich schwarz an; häufig in Nierenform, oft mit krummschaligen Ablosungen als irrig so genannter Scherbenko - balt oder Näpfchenkobalt (Fr. arsenic testacé); sehr selten gestrickt, dendritisch ꝛc. ; in dünnen Schalen klingend; meist eisenhaltig. Fundort unter andern zu St. Andreasberg am Harz.
2. Arsenikkies, Giftkies, Mißpickel. Fer arsenical (Engl. arsenical mundick.)
Aus dem Silberweißen ins Zinnweiße; oft an - gelaufen; meist ungeformt, sowohl derb als ein - gesprengt; theils crystallisirt, zumahl vierseiti - gen Säulen, hart; gibt gerieben oder zerschla - gen starken Knoblauchsgeruch; hält außer dem Arsenik auch Eisen; und eine besondere Abart, das so genannte Weißerz oder Mißpickelsilber, auch noch Silber. Fundort zumahl im Erzge - birge; nahmentlich das Weißerz bey Bräunsdorf.
3. Rauschgelb, Arsenic sulfuré.
Nach seinen Hauptfarben in zwey Arten:
1) Gelbes Rauschgelb, Operment. Auri - pigmentum. (Fr. orpiment.)
Meist zitrongelb; durchscheinend; theils mit einem fast talkartigen Ansehen und fast metalli - schen Glanze; blätterig; weich; biegsam; meist ungeformt theils crystallisirt, zumahl in viersei - tigen, aber meist undeutlichen kleinen zusammen verwachsenen Säulen. Gewicht = 3313. Ge - halt (nach Kirwan) = 90 Arsenik, 10 Schwe -710 fel. Fundort zumahl in Siebenbürgen und im Bannat.
2) Rothes Rauschgelb, Rubinschwefel, San - darac, Realgar.
Meist morgenroth; durchscheinend; glasglän - zend; gibt gelben Strich; häufig crystallirt in kleinen vier - oder sechsseitigen Säulen; theils aber auch nur angeflogen über andere Fossilien (so z. B. auf St. Andreasberg über Kalk - spath - und Zeolithdrusen ꝛc.). Gewicht = 3225. Gehalt (nach Kirwan) = 84 Arsenik, 16 Schwe - fel. Fundort, vorzüglich auf dem Vesuv und ist Siebenbürgen.
4. Arsenikblüthe, Pharmacolith. Arsenik oxydé.
Meist milchweiß; theils mulmig; kleintraubig, theils in haarförmig; büschelig zusammengehäuf - ten, seidenglänzenden; durchscheinenden Crystallen. Gewicht = 2477. Gehalt (nach Klaproth) = Kalkerde mit Arseniksäure und einer Spur von Kobalt. Fundort vorzüglich bey Riegelsdorf in Hessen und zu Wittichen im Fürstenbergischen.
Das Chromium-Metall, das 1779 vom Hrn. Prof. Klaproth und fast um gleiche Zeit auch von Hrn. Vauquelin entdeckt worden, ist fast bleygrau, spröde, sehr hart und streng - flüssig. Sein Kalk enthält eine eigene Säure.
7111. Eisenchrom (chromaté de fer, fer chro - maté.)
Graulichschwarz; von mattem metallischen Glanz; der Bruch uneben, versteckt blätterig; sehr spröde; hart; schwer zerspringbar. Fund - ort besonders in Werchoturien am Ural. Gehalt (nach Lowitz = Chromkalk mit Eisen und etwas Kiesel - und Thonerde.
2. Roth Chromiumerz, rother Bleyspath. Plomb chromaté.
Morgenroth, ins Hyacinthgelbe ꝛc. ; durchschei - nend; glänzend; meist crystallisirt, zumahl als vierseitige Säule in mancherley Abartung; gibt gelben Strich; Gewicht = 6026. Fundort Be - resofsk im Catharinburgischen in einer eige - nen Art übermengten Sandsteins (S. 634).
Daß sich der Chromiumkalk nach Hrn. Vau - quelin auch im grünen Bleyerz von Beresofsk, so wie im Smaragd und Rubin finde, ist schon oben behörigen Orts angezeigt.
Anm. Wahrscheinlich muß die bisherige Zahl der Metalle nun noch durch zwey neue, das Colum - bium nähmlich und des Tantalum vermehrt warden, wovon jenes von Hrn. Hatchett in einem schwarzgrauen, schweren, im äußern dem Eisen - chrom ähnelnden Erze (vermuthlich aus Massa - chusetsbay); das Tantalum aber von Hrn. Eke - berg, in einem finländischen Fossil von Skogsböle in Nyland entdeckt worden, wovon die Probe, welche ich durch die Güte des Hrn. von Edelcranz besitze, im Aeußern ebenfalls mit dem Eisenchrom Aehnlichkeit hat.
Die Petrefactenkunde, oder so genannte Oryctologie im engern Sinn, ist – wenn sie anders aus dem rechten Gesichtspunkte ange - sehen und benutzt wird – ein sehr wichtiger und fruchtbarer Theil der Mineralogie, da sie mannigfaltiges, aufklärendes Licht über Geo - genie, über die verschiedenen successiven, mehr oder weniger allgemeinen Catastrophen*)Ausführlicher hafte ich davon gehandelt im Speci - men archaeologiae telluris amp; c. das im XV. B. der Commentat. Soc. Rég. Scient. Goettingens. befindlich ist., die mit unserer Erde vorgegangen, folglich über das relative Alter der Gebirgsarten überhaupt, über die Entstehungsart mancher Arten von Flözgebirgen insbesondere u. s. w. verbreitet, ohne welches alles kein philosophisches Studium des mineralogischen Theils der Naturgeschichte gedacht werden kann.
Man nennt aber Petrefacten oder Verstei - nerungen (Engl. extraneous fossils) im weit - läuftigen Sinn alle abgestorbene Thiere und Gewächse, die entweder ihren Tod in einer sol - chen Erdcatastrophe gefunden oder auch nachher durch eine dergleichen in eine so günstige Lage gekommen, daß dadurch ihr Körper öder ein - zelne Theile desselben, statt zu verwesen, seine Bildung mehr oder minder vollkommen erhal - ten, und mehrentheils noch überdem mit frem - den steinartigen oder metallischen Stoffen, oder aber mit Erdharzen durchzogen worden.
Anm. Also muß eine Menge Zeugs streng davon ab - gesondert werden, was weiland damit vermengt ward. Vor allen die bloßen so genannten Natur - spiele, lusus naturae, an denen sich ehedem die Einbildungskraft übte und die Unwissenheit und der Aberglaube sich weideten. der leibhafte Dr. Luther im mansfelder Kupferschiefer den Val. Alberti 1675 beschrieben; des alten Dr. Nic. Lange zu Luzern lapicidina sacra u. dergl. m. Fer - ner offenbare Artefacten, wie z. B. die badner Würfelchen; oder vollends absichtliche Betrüge - reyen, wie die so genannten würzburger Verstei - nerungen, womit einst der ehrliche Beringer angeführt worden, s. Dess. lithographia Wirce - burgensis 1726. Fol. zumahl S. 5.
Nach der Verschiedenheit jener Umstände, und der Veränderungen, welche jene organisir - ten Körper durch die Versteinerung erlitten714 haben, pflegt man folgende viererley Arten zu unterscheiden. Sie finden sich nähmlich:
1) Bloß calcinirt, wenn Knochen, Con - chylien ꝛc. ihren thierischen Leim und mit dem - selben einen großen Theil ihrer sonstigen Festig - keit verloren haben*)Ja zuweilen finden sich sogar noch weiche Theile meist unverändert an thierischen Stücken erhalten, die dessenungeachtet wegen ihrer Lage, worein sie durch große Erdrevolutionen der Vorzeit ge - rathen sind, ohne Widerrede zu den Versteine - rungen im weitläuftigen Sinne gezählt werden müssen. So zu einem Beyspiele statt vieler das 1771 am Wilni in Sibirien ausgegrabene Rhino - cer, das noch unverkennbare, sogar noch anima - lisch riechende Reste von Sehnen, Fleisch, Haut und Haar an sich hatte, und wovon Hr. Pallas in den nov. comment. Petropolit. T. XIII. pag. 585 genaue Nachricht gegeben., da sie statt desselben nur höchstens mit Kalksinter, Mergeltuff u. dergl. durchzogen worden; mithin gemeinig - lich mürbe und leicht sind. Sie finden sich gemeiniglich im aufgeschwemmten Lande (S. 529. 612) und zwischen dem Kalksinter der Berghöhlen und Klüfte (S. 606).
2) Wirklich petrificirt, als eigentlich so ge - nannte Versteinerungen oder Petrefacte im engern Sinne, die in den festern Steinlagen der Flözgebirge eingeschlossen sind, und daher großentheils selbst Steinhärte erlangt haben. Dahin gehören zuvörderst die unbekannten Seegeschöpfe der Vorwelt, wovon zumahl die715 Kalkflözgebirge auf dem jetzigen festen Lande, das den Meeresboden der Vorwelt ausmachte, so zu sagen wimmeln. Nächstdem aber auch die in Hornstein oder Wachsopal versteinten Hölzer ꝛc.
Bey den endlos mannigfaltigen Conchylien, die sich auf diese Weise wirklich versteinert fin - den, ist selten die Schale selbst noch erhalten (– wie dieß z. E. bey dem feurig opalisirenden Muschelmarmor aus Kärnthen der Fall ist –), sondern bey den mehrsten zeigt sich bloß der innere Abguß von dem versteinerten Schlamme, der die nachher allgemach zerstörte Schale aus - gefüllt hat. So z. E. bey den allermehrsten Ammoniten, Hysterolithen ꝛc. Man nennt dergleichen Petrefacten zum Unterschied Stein - kerne, nucleos (Fr. pierres moulées). – Spurensteine hingegen, typolithi (Fr. pierres, imprimées) heißen die, von welchen bloß der Abdruck der äußern Oberfläche übrig ist; wie bey den allermehrsten Kräuterschiefern.
3) Metallisirt (Fr. petrifications pyriteu - ses, bronzées), wenn die Versteinerungen mit metallischen Stoffen durchzogen sind; besonders mit Schwefelkies, oder mit Fahlerz, Thon - eisenstein ꝛc.
Und 4) verharzt, nähmlich mit Erdpech ꝛc. durchzogen, wie das bituminöse Holz ꝛc. –716 Und mit dahin gehören auch allerdings die im Bern - stein eingeschlossenen Insecten ꝛc. da es eben - falls nach dem Tode erhaltene organisirte Körper sind, die vermuthlich bey irgend einer Erdcata - strophe ihr Grab gefunden haben.
Wichtiger und für die Geogenie lehrreicher ist hingegen der zweyfache große Gesichtspunct, da man die Versteinerungen einerseits nach dem Verhältniß der Lagerstätte, worin sie sich gegen - wärtig finden, und anderseits nach der Gleich - heit, oder bloßen Aehnlichkeit, oder aber völli - gen Verschiedenheit mit den organisirten Kör - pern der jetzigen Schöpfung, betrachtet.
Aus dem ersten dieser beyden Gesichts - puncte ist es zu bewundern, und in Bezug auf die Größe der Revolutionen, die einst mit unserm Planeten vorgegangen seyn müssen, von wichtiger Bedeutung, wenn man sieht, in welcher Höhe über der jetzigen Meeresfläche, und in welcher Tiefe unter derselben sich noch Versteinerungen finden. Nur ein paar Bey - spiele von denen in Europa zu geben, so hat Hr. de Lüc auf den savoyischen Alpen, in einer Höhe von 7844 Fuß über der Meeresfläche versteinte Seegeschöpfe (Ammoniten) gefunden, und in Whitehaven in Cumberland gräbt man717 hingegen mehr als 2000 Fuß tief unter der - selben die Abdrücke von Waldgewächsen (Farn - kräuter) aus! Außerdem gehören zu den be - sonders merkwürdigen Verschiedenheiten der Lagerstätte selbst, worin die Versteinerungen vorkommen, vorzüglich folgende: Sie sinden sich nähmlich
1) im aufgeschwemmten Lande, meist lose liegend. So z. B. die mehrsten fossilen Ele - phanten, Rhinozere ꝛc. und so auch das Mammut.
Oder 2) in stalactitischen Felsenmassen, meist in Trümmern, durch Kalktofus gleichsam breschenartig zusammengesintert. So die pro - digiosen Knochenfelsen an einigen Küsten des mitländischen und adriatischen Meeres, an Ce - rigo, Dalmatien, und Gibraltar.
Oder 3) in Berghöhlen, wie z. B. am Harz, am Thüringer Wald, am Fichtelberge und an den Carpathen.
Oder endlich 4) in den Flözlagern von Kalkstein, Stinkschiefer, bituminösen Mergel - schiefer, Gyps, Schieferthon, Grauwacken - schiefer, Kohlensandstein u. dergl. m.
In Vergleichung aber zu den organisirten Körpern der jetzigen Schöpfung, scheint es mir718 am zweckmäßigsten und sichersten, die Verstei - nerungen überhaupt unter folgende dreyfache Hauptabtheilungen zu bringen:
A) Petrificata superstitorum.
Die mit Zuverlässigkeit bestimmbaren Versteinerungen, d. h. denen jetzt existirende Geschöpfe völlig gleichen. Von der Art sind z. B. alle die mancherley versteinten Thiere und Pflanzen in den merkwürdigen Stinkschiefer - flözen bey Oeningen am Bodensee. *)Ausführlicher Nachricht davon habe ich in Voigts Magazine gegeben. V. B. 1. St. S. 19. u. f.
B) Petrificata dubiorum.
Die zweifelhaften Versteinerungen, d. h. die andern jetzt existirenden Geschöpfen bloß ähneln; aber sich von denselben theils durch ihre ungeheure Größe, theils durch mancherley kleine aber doch constante Abweichungen in der Bildung einzelner Theile auszeichnen. Dieß ist zumahl der Fall mit vielen fossilen Knochen großer Säugethiere, der fossilen Elenne, Bä - ren ꝛc. so auch mit den mancherley Seegeschöpfen im Pappenheimer Kalkschiefer, deren ähnlicne Urbilder jetzt bloß zwischen den Wendecirkeln leben ꝛc.
719C) Petrificata incognitorum.
Die Versteinerungen von völlig unbekann - ten Geschöpfen der Vorwelt, d. h. zu welchen sich bis jetzt nicht einmahl nur ein ähnelndes, geschweige ein völlig gleiches Urbild gefunden. So z. B. die Ammoniten, Phaciten, Be - lemniten u. a.m.
Dem zu Folge sind also hier die Versteine - rungen erst nach den beyden Reichen organisir - ter Körper, und die Zoolithen nach den sechs Classen des Thierreichs geordnet, die Unter - abtheilungen aber, so weit es sich thun läßt, nach dem eben angegebenen Gesichtspuncte bestimmt.
So z. B. von Wasserratten oder ähnliche Thieren im öninger Stinkschiefer.
So z. B. 1) von einer räthselhaften Gattung von Bären (Ursus, spelaeus? ) und zwar in un - säglicher Menge in den oben (§. 265.) genannten Berghöhlen*)Joh. Chr. Rosenmüller Beyträge zur Geschichte fossiler Knochen, 1. St. Leipz. 1795. 8..
2) Von einer eigenen Art von Elennthieren (Alce gigantea? ), die zumahl in Irland ausge - graben werden, und sich durch ihre mächtige Größe auszeichnen. Von manchen ist der Sche - del fast eine Elle lang und stehen die Enden der beyden (zuweilen etliche Centner wiegenden,) Ge - weihe auf 14 Fuß aus einander.
3) Von einem Elephantengattung (Elephas primigenius?) [die vermeinten Riesenknochen**)S. Voigts Magazin. V. B. 1. St S. 16 u. f. unserer ehrlichen Alten]; unter andern auch in Menge in Deutschland***)(Kriegsr. Merk) lettres sur les os fossiles d'elephans et de rhinoceros qui se trouvent en Allemagne amp; c. I-III. St. Darmst. 1783 u. f. 4.. So z. B. zwei723 fast vollständige Gerippe die bey Burg-Tonna im Gothaischen (das eine 1695 das andere neuer - lich 1799) ausgegraben worden ꝛc.
4) Von einer Gattung Nashorn (Rhinoceros antiquitatis?). Häufig in Sibirien; aber auch in Deutschland z. B. bey Herzberg am Harz†)Hollmann in comment. societ. scientiar. Gottingens. T. II. pag. 215-280, bey Burg-Tonna††)S. Hrn. Hofr. Voigt in seinem Magazin III. B. 4. St. S. 2 u. f. u. a.
So zu Einem Beyspiel statt aller das colossa - lische Land-Ungeheuer der Vorwelt, das Mam - mut (Mammut ohioticum) dessen Gebeine be - sonders am Ohio in Nordamerica ꝛc. in Menge ausgegraben werden; und das sich unter andern schon durch die eigene auffallende Form seiner enormen Backzähne (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 10. –) von der übrigen thierischen Schöpfung der Vorwelt ausgezeichnet.
Ueberhaupt äußerst wenige, doch z. B. im öninger Stinkschiefer Knochen von Sumpfvögeln, und im pappenheimer Kalkschiefer von Schwimm - vögeln. **)S. Acta acad. Theod. Palat. Tom. V. P. physica p. 63. mit Kupf.
Frösche und Kröten im öninger Stink - schiefer. *)Andreä a.a. O. tab. 15. fig. 6.
Schildkrötenschalen, dergleichen ich eine aus der gleichen Gegend von Burg-Tenna besitze, wo wie gedacht auch die Elephanten - und Rhinocer-Gebeine zweifelhafter Gattung gefun - den werden**)S. Hrn. Hofr. Voigt a.a. O. tab. 1. fig. 1..
von einem ungeheueren, crocodillartigen Geschöpf; denn einem solchen gehören doch wahr - scheinlichst die mächtigen Gebisse, und andern Knochen, die im Petersberge bey Mastricht ge - graben werden*)Hr. Dr. van Marum hat in dem oben (S. 720.) angeführten VIII. St. der Verhandelingen tab. 1. eine treffliche Abbildung des großen im teyler - schen Museum zu Haarlem befindlichen Stückes von diesen merkwürdigen Osteolithen gegeben..
Ungeachtet die Versteinerungen aus dieser Classe, die Ichthyolithen, in größter Menge und Mannigfaltigkeit (sowohl der Fischgattungen die sie vorstellen, als der Steinarten worin sie brechen) gefunden werden, so bedarf es doch bey725 den mehresten erst noch einer strengvergleichenden präjudizlosen Revision, ehe sich mit Sicherheit bestimmen läßt, zu welcher von unseren drey Hauptabtheilungen (– in bestimmbare oder zwei - felhafte oder unbekannte –) sie gehören mögen. Denn nur mit wenigen, wie z. B. mit denen im öninger Stinkschiefer oder mit den einzelnen so sonderbar in länglichen Thonschollen gleichsam mumisirten Angmarsets (Salmo arcticus S. 289) von Zuckertop ans der Westküste von Grönland*)Nehem. Grew museum Reg. Soc. Lond. tab. 19, läßt sich dieß vor der Hand mit Gewißheit thun.
Die meist sehr gut erhaltenen Fischgerippe in Stinkschiefer vom Bolcaberg im Veronesischen**)S. die prächtige Ittiolitologia Veronese 1794. gr. Fol. und G. Graydon in den Transactions of the Royal Irish Academy. Vol. V. 1794. p. 281. werden zwar insgemein sehr bestimmt auf be - kannte Urbilder referirt. Aber schon das scheint dabey bedenklich, daß dem zu Felge jener Berg die gemeinschaftliche Niederlage nicht nur von Flußfischen sowohl als von Seefischen, sondern unter den letztern zumahl, zugleich von Thieren aus den weitst von einander entfernten Oceanen seyn soll. Von Utaheiti sowohl als aus dem mitländischen Meer, und von den Küsten von Japan, dem nordöstlichen America, Africa, Brasilien ꝛc. Die im Tafelschiefer vom Blatten - berg im Canton Glaris und die im Mannsfeldi - schen und Hessischen bituminösen Mergelschiefer haben selten die zur specifischen Charakteristik wichtigsten Theile deutlich genug erhalten, daß man die Gattungen mit Zuversicht bestimmen könnte.
726Was sich aber im dichten Flöz-Kalkstein von versteinten Fischen findet, sind meist nur einzelne Wirbel, Gräten und Zähne. Unter letztern zu - mahl die so genannten Schlangenzungen (glos - sopetrae) aus dem Hayfischgeschlechte, und die Bufoniten oder so genannten Schlangenaugen, (Fr. crapaudines), wovon manche mit den stumpfen Zähnen des Klippfisches (Anarrhichas lupus) Aehnlichkeit haben.
Auch scheint der orientalische Türkis zu den versteinten Fischzähnen zu gehören, der meist von blaugrüner Farbe ist, und zumahl in Persien ge - funden wird.
So z. B. im öninger Schiefer, Larven von Libellen, Wasserwanzen u. dergl.
Dahin gehören wohl vor der Hand noch die meisten von den im Börnstein eingeschlossenen (s. oben S. 647. not. *) so wie auch die mehr - sten versteinten Krebse (Gamarrolithen).
So die berühmten Trilobiten oder fälschlich so genannten Käsermuscheln oder Cacadumuscheln (entomolithus paradoxus Linn. Engl. Dud - ley-fossil) die hin und wieder (s. z. B. oben S. 583.), aber nirgend schöner als bey Dudley in Worcestershire und zwar theils noch mit der natürlichen krebsartigen Schale gefunden werden. (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 50. –)
Fast ohne Ausnahme aus den drey Ordnungen Testacea, Crustacea (S. 466.), und Corallia.
So wie es scheint, z. B. unter den Muscheln diejenige gemeine Gattung von wirklich petrificir - ten Terebratuliten im Flöz-Kalkstein, die der Glas-Bohrmuschel (Anomia vitrea S. 447.) gleicht.
Und unter den Schnecken die calcinirte Trö - delschnecke (Trochus lithophorus S. 458.), die sich in Piemont im aufgeschwemmten Lande findet.
unter den Muscheln die sehr großen Terebratuliten im Osnabrückischen*)Verglichen mit der Anomia venosa Soland. von den Falklands Inseln in Dixon's voyage round the world. S. 208 und 355..
Und unter den Schnecken die fast fußlangen calcinirten Strombiten aus dem aufgeschwemm - ten Lande in Champagne.
Nun davon die Fülle in den Kalkflözgebirgen.
So z. B. um nur einige der sonderbarsten an - zuführen, unter den Muscheln:
1) Der feurig opalisirende Ostracit im kärnth - ner Muschelmarmor.
7282) Der dickschalig ostracites, pinnigenus den der jüngere Hr. de Lüc nebst dem folgenden auf dem Saleveberg bey Genf entdeckt hat. *)S. de Saussure voyages dans les Alpes vol. I. tab. 2. fig. 5. 6.3) Der große fast herzförmige Anomit. **)de Saussure l. c. fig. 1-4.4) Die Gryphiten.
5) Die Hysterolithen.
6) Die so genannte Langue fourrée aus Saint-Onges. ***)s. Hrn. Prof. de Lüc's Briefe über die Geschichte der Erde und des Menschen, I. B. S. 262 u. f.7) Die Pantoffelmuschel des Hrn. von Hüpsch†)S. Dess. neue in der N. G. des Nieder-Deutsch - lands gemachten Entdeckungen. Frankf. 1768. 8. tab. 1. u. s. w.
Von einschaligen Conchylien aber erst die so genannten polythalamiae, deren Schale nähmlich inwendig durch Scheidewände in Kammern oder Fächer abgetheilt ist:
So z. B. 1) die Phaciten, Lenticuliten oder Linsensteine, in theils Gegenden auch Pfen - nigsteine, Kümmelsteine und Fruchtsteine genannt, porpites, lapis numularis, helicites einiger Schriftsteller (Fr. camérine, pierre len - ticulaire oder numismale, monnoie du diable), die außen mit flachgewölbten blätterigen Schalen belegt sind, inwendig aber eine überaus zarte vielkammerige Spiralwindung von ansehnlicher Länge enthalten (– Abbild. n. h. Gegenst.729 tab. 40. –). Sind häufigst von Linsengröße, theils aber auch wohl wie ein halber Gulden. Finden sich in vielen Weltgegenden und theils in mächtigen Lagen; nahmentlich in Nieder-Aegyp - ten, wo die Pyramiden großentheils daraus er - bauet sind.
2) Das unübersehliche Heer von Ammoniten (Engl. Snake-stones).
3) Die eben so merkwürdigen als seltenen Orthoceratiten, die sich theils fußlang, und vorzüglich im Meklenburgischen finden.
4) Die Belemniten oder Luchssteine, dactyli idaei (Engl. thunder-stones, fairiesfingers), unter welchen es aber auch Gattungen ohne Schei - dewände oder Alveolen gibt. Uebrigens eine der allgemeinsten Versteinerungen der Kalkflözgebirge, wo sie häufig mit schwarzem Stinkstein durchzo - gen sind (S. 613.); aber auch in andern Flöz - lagen, wie z. B. in den Kreitebergen von Kent brechen.
Von solchen einschaligen Conchylien, die nie - mahls innere Scheidewände haben, z. B. 1) die ansehnlichen sonderbaren Dentaliten aus dem Lucerner Gebieth, die dort in unsäglicher Menge und unvermischt im dichten Kalkfels liegen*)S. Voigts Magazin V. B. 1. St. S. 14. u. f. tab. 2..
2) Die merkwürdigen lingsgewundnen Mu - riciten am Ufer von Harwich. (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 20. –)
3) Der überaus sonderbare kleine Muricites de - formis Soland., dessen Spitze sich immer wie in eine irreguläre Wurmröhre verläuft**)Brander l. c. tab. 2. fig. 37. 38. u. a.m.
1) Unter den mancherley See-Igeln, zu - mahl diejenigen, so statt der Stacheln mit den ehedem so räthselhaften Judensteinen besetzt sind*)S. Andreä a.a. O. tab. 14. fig. d. S. 265. u. f..
Dann 2) die Encriniten und 3) die Pentacri - niten zwey ansehnliche Petrefactenarten, die der Seepalme aus der jetzigen Schöpfung (S. 469.) zwar ähneln, aber nicht gleichen; und aus einem vielarmigen Körper bestehen, der auf einem langen gegliederten Stängel sitzt.
Bey den Encriniten oder Seelilien**)Mich. Reinh. Rosini tentaminis de lithozois ac lithophytis prodromus. Hamb. 1719. 4.Sam. Chr. Hollmann descriptio pentacrinorum. Gott. 1784. 4.Voigts Magazin. VI. B. 4. St. S. 1. u. f. tab. 1., (– Abbild. n. h. Gegenst. tab. 60. –) die sich meist in dichtem Kalkstein finden, sind die Arme des Körpers gewöhnlich zusammengefaltet, da er dann einige Aehnlichkeit mit einer Maiz-Aehre oder einer noch unaufgeblühten Lilie hat, und deßhalb Lilienstein genannt wird. Der astlose Stängel muß mit seinem untern Ende auf dem Meeres - boden der Vorwelt festgesessen haben. Seine wirbelartigen Glieder, welche die Gestalt kleiner Mühlsteine mit sonnenförmiger Zeichnung haben, sind unter dem Nahmen der Entrochiten, Räder - steinchen, Bonifacius pfennige, Hünenthränen (Engl. St. Cuthbert's beads) allgemein bekannt, und der Flözkalkstein mancher Gegenden wimmelt gleichsam davon.
731Der Pentacrinit oder die Medusenpalme*)Eberh. Fr. Hiemeri caput medusae vtpote nouum diluuii vniuersalis monumentum. Stuttg. (1724) 4. Das in dieser seltenen Schrift beschriebe Stück ist jetzt in der Naturaliensammlung des Hrn. Hofr. Ebel zu Bremen. Ein kleineres im mann - heimer Cabinett ist in den act. acad. Palatinae T. III. P. phys. in natürlicher Größe abgebildet. – Die Platte voller Medusenpalmen, die in dem walchischen großen Petrefactenwerke T. I. tab. II. b. abgebildet ist, befindet sich nun durch die Güte des Hrn. Hofr. Gmelin in meiner Sammlung. besteht aus einem großen, vielarmigen, quasten - förmigen Körper der auf einem gegliederten ein - fachen Stängel ohne Aeste sitzt, welcher wenig - stens über 8 Fuß lang ist. Dieses merkwürdige Petrefact fand sich ehedem vorzüglich im bitumi - nösen Mergelschiefer bey Boll im Wirtembergi - schen (S. 613).
Die bekannten Astroiten sind fünfeckige Wirbel vom gegliederten und dabey ästigen Stängel eines ähnlichen, aber noch nicht ganz bekannten Pe - trefacts.
Zumahl 1) Madreporiten in theils Gegen - den als in wahren Corallenriefen der Vorwelt, in unermeßlicher Menge und großer Mannigfal - tigkeit. So z. B. im dichten Kalkstein und Marmor (S. 610) auf dem Saleveberge bey Genf, auf dem Harz bey Grund, bey Blanken - burg ꝛc. – In Sandstein im Petersberge bey Mastricht. – In Kreide als so genannte Fun - giten in Kent. – In Brauneisenstein auch als Fungiten und Schraubensteine bey Rübeland am Harz. Letztere auch im Catharinburgischen in Sibirien. –
7322) Milleporiten und andere zarte Corallen - arten vorzüglich im Sandstein des Petersbergs bey Mastricht. – In Feuerstein (S. 554.) bey Zelle im Hannoverischen, und im Pudding - stein in Hertfortshire (S. 632. not. *) ꝛc.
Ueberhaupt sind diese zwar selten so vollständig und deutlich erhalten, daß mau ihre specifischen Charaktere daran erkennen, könnte, was zumahl bey gewissen einzelnen Theilen der Gewächse, wie z. B. bey den fossilen Hölzern kaum möglich ist; indeß findet doch im Ganzen der nähmliche drey - fache Unterschied Statt, den ich bey der Einthei - lung der thierischen Versteinerungen zum Grunde gelegt habe.
So z. B. die im öninger Stinkschiefer ꝛc.
Dahin scheinen z. B. vor der Hand wohl noch die mehrsten Farrenkräuter ꝛc. im Schieferthon und Thoneisenstein (S. 661) zu gehören.
Von diesen nur zu Einen, Beyspiele statt aller, die äußerst merkwürdigen, ganz räthselhaften733 theils ästigen oft ungeheuer großen schuppigen Abdrücke, die hin und wieder, zumahl aus Stein - kohlengruben, in Schieferthon (Kohlenschiefer); aber auch bey Edinburgh in Sandstein, und bey Clausthal in Grauwacke und Thonschiefer*)Von einem überaus lehrreichen Stücke der Art, das auf der Grube Dorothea zu Clausthal mit - ten im Gange in 160 Lachter Teufe gebrochen und sich jetzt in meiner Sammlung befindet, s. das Mineralien-Cabinet, gesammelt und beschrie - ben von dem Verfasser der Erfahrungen vom Innern der Gebirge S. 41 u. f. ge - funden werden.
in dem oft genannten öninger Stinkschie - fer, wo sich sogar unverkennbare Abdrücke von Blüthen (eines Ranunculus) gefunden haben.
Dahin gehören die so genannten frankenber - ger Kornähren, Sterngraupen u a. daselbst brechende in Silber - und Kupfererze metallisirte Fruchttheile.
So z. B. die mandelförmigen Fruchtcapseln, die sich zuweilen zwischen dem fossilen Holze in den preußischen Börnsteingruben finden [s. oben S. 648. not. *)].
Bey den mehresten derselben hält es, wie ge - sagt, sehr schwer, sie mit Gewißheit unter734 die hier zum Grunde gelegte Haupteintheilung zu bringen.
Manche sind freylich leicht bestimmbar, wie z. B. das saubere in Wiesenerz angewan - delte Birkenholz von Kontschosero im Olonezkischen.
Und andere hingegen sind vor der Hand völlig unbekannt, wie z. B. das in Holzstein petrificirte so genannte Staarholz von Hilbersdorf bey Chemnitz, das sich durch seine sonderbare Textur auszeichnet, da es gleichsam, wie nur parallel - laufenden Röhren (meist von der Dicke einer Gänsespuhle) durchzogen gewesen scheint.
Die übrigen mehr zweifelhaften sind überhaupt entweder wirklich versteint, z. B. in Kalkstein, Sandstein, besonders aber in Holzstein (S. 555.) und in Holzopal (S. 551.); – oder aber noch brennbar, wohin vor allem das bituminöse Holz (S. 650.) in den mächtigen Flözlagen so vieler Gegengen der nördlichen Erde gehört. Doch ist auch dieses zuweilen an manchen Stellen mit Quarz durchzogen, so daß es da am Stahl Fun - ken schlägt.
Ueberhaupt aber stehen manche Arten von fossi - lem Holz zwischen dem wirklich petrificirten und dem bituminösen in so fern gleichsam in der Mitte, daß sie mit kohlensauren Kalk durchzogen sind und daher mit Säuren brausen und doch auch auf Kohlen mit Harzgeruch brennen; wie z. B. das merkwürdige so genannte Sündfluthholz, das im Trapp zu Joachimsthal in einer Teufe von 150 Lachter bricht.
Linnet 184
S. 9. Z. 22. nach Sepien, setze Schildkröten.
S. 66. Z. 8. von unten statt Obi setze Ob.
S. 148. Z. 5 von unten statt Gänsen setze Aenten.
S. 176. Z. 18. statt sterling setze starling.
S. 199. sind die beyden Noten versetzt. Die hier zuerst stehende sollte die letztere seyn.
S. 210. Z. 2. l. l'huitrier.
S. 348. Z. 7. l. Mehltau.
S. 406. Z. 5. von unten l. Arctos.
S. 456. Z. 5. von unten l. Murex.
S. 591. unten im Custos und S. 592. oben Z. 1. statt in l. und.
S. 606. Z. 3. vor E. l. confetto.
S. 616. Z. 10. l. Gypsleberstein.
S. 675. Z. 14. l. arseniksaures.
S. 676. Note Z. 1. statt 14 l. 18.


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Fraktur
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