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Handbuch der Naturgeschichte

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Handbuch der Naturgeschichte
Titelblattillustration
Eilfte rechtmäßige Ausgabe.
Göttingen,1825. In der Dieterich'schen Buchhandlung.
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Ex Bibliotheca Regia Acad. Georgiæ Aug:

III

Vorrede.

So gebe ich denn die eilfte rechtmäßige Auflage dieses Handbuchs ans Licht, das, mehrere Nach - drücke desselben ungerechnet, auch in mancherley Sprachen übersetzt worden, kurz, wie man spricht, sein Publicum gefunden hat.

Es bedarf dabey nicht erst der Versicherung, daß diese abermahlige Ausgabe mit ganz bedeuten - dem Zuwachs und Berichtigungen ausgestattet wor - den, wovon ich namentlich im mineralogischen Theile vieles der Güte meiner theuren Freunde und Col - legen, der Herrn Hofräthe Stromeyer des jüngern und Hausmann verdanke.

Nachstehendes aus der Vorrede zu den vorigen Ausgaben mag auch in dieser seine Stelle finden.

Ich habe eben in jenen mineralogischen Ab - schnitten, so wie im ganzen Buche, von Geschlech - tern und den darunter begriffenen Gattungen ge - sprochen. Denn daß man in der Mineralogie die Fossilien in genera und species eintheilt, und dieIV genera auf deutsch Geschlechter, so wie die spe - cies Gattungen nennt, darüber ist meines Wissens unter den gelehrten und philosophischen Mineralogen Deutschlands nur eine Stimme. Und so versteht sichs wohl von selbst, daß wenn ich also in einem Theile des Buchs die Benennungen von Geschlecht und Gattung in diesem von je angenommenen Sinne brauchen mußte, ich nicht in einem andern Theile das Wort Gattung im verkehrten Sinne für genus brauchen durfte, wie doch in der That neuerlich von gar manchen deutschen Schriftstellern in der Zoologie und Botanik beliebt ist.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist, der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer bestimmten Zeichen zuerst unternommen haben mag: aber wohl weiß ich, was er mit einem solchen versuchten Eingriffe in den Sprachgebrauch

quem penes arbitrium est, et jus, et norma loquendi

bey andern aufgeklärten Nationen riskirt hätte: daß es ihm hingegen in Deutschland nicht an Nach - ahmern gefehlt hat, ist nichts weniger als unerwar - tet. Genug indeß, daß so viele philosophische Naturforscher und die größten unserer naturkundigen Philosophen das verba valent sicut numi besser befolgt, und sich also durch diese sonderbare Um - stempelung nicht irre führen lassen. Und warumV auch ich für meine Person es hierin lieber beym Alten lasse, als mich an jene Nachahmer anschließe, dafür habe ich folgende Gründe:

1. Hoffentlich weiß doch ein jeder, seiner Sprache kundige, deutsche Naturforscher ( und wer es nicht weiß, der kann es aus Adelung's Wörter - buche lernen ), was die erste und Fundamental - bedeutung des Wortes Geschlecht ist:

Die Aehnlichkeit der verschiedenen Gat - tungen der Dinge:

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des Wor - tes Geschlecht, wie wir ihn von Kindesbeinen an, selbst aus des seiner Sprache höchst kundigen Lu - ther's Bibel-Uebersetzung lernen.

Dem zu Folge wissen wir also in Anwendung auf Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der Sy - stematiker bringt sie nach ihren gemeinschaft - lichen Aehnlichkeiten unter Geschlechter.

2. Eben so ausgemacht und bekannt ist aber auch, daß hingegen das Wort Gattung von dem Zeitwerte sich gatten, abstammt; und da nun im freyen Naturzustände wohl nur die Thiere von einer species sich mit einander fruchtbar gatten,VI so versteht sich also von selbst, daß das Wort spe - cies, in dem Sinne wovon hier die Rede ist, durch kein anderes deutsches Wort passender und bezeichnender und bestimmter ausgedrückt werden konnte, als durch Gattung.

3. Daß aber die Homonymie des deutschen Wor - tes Geschlecht, indem es sowohl genus als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß geben werde, ist wohl eben so wenig im Ernst zu befürchten, als bey dem lateinischen Worte genus, das, wie wir in den Knabenjahren in der Grammatik beym Unterschied der Worte generis masculini oder feminini lernen, auch statt sexus gebraucht wird.

4. Und wenn aber auch obbesagter Reformator im Ernste so etwas befürchten zu müssen meinte, so hätte er immerhin mögen wer weiß was für ein Wort von eigener Fabrik statt des ihm bedenk - lichen Geschlechts vorschlagen; aber nichts konnte ihn berechtigen, die Landessprache d. h. den be - stimmten einmahl festgesetzten Sinn der deutschen Worte (da man z. B. Menschengeschlecht ꝛc. sagt so gut wie genus humanum) zu verkehren! Denn, wie unser sel. Lichtenberg bey einem ähn - lichen Anlaß sich ausdrückt:

Hypothesen zu machen, und sie als seine Stimme der Welt vorzulegen, darf nie -VII mand gewehrt seyn, sie gehören dem Ver - fasser. Aber die Sprache gehört der Nation, und mit dieser darf man nicht umspringen, wie man will.

Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses der Nation gehörige Eigenthum, habe ich auch bey den deutschen Namen der Naturalien beobachtet, und mich daher immer der allgemein angenommenen und allgemein verständlichen, nicht aber etwa der Solö - cismen einer einzelnen Provinz bedient. Darum brauche ich z. B. nicht das hier zu Lande gewöhn - liche Wort Molle, sondern das allgemein angenom - mene Molch: eben so nicht das im Erzgebirge ge - bräuchliche Wort Kobelt, sondern das längst allge - mein adoptirte und selbst in andere lebende und todte Sprachen aufgenommene Kobalt u. s. w.

Anders ist der Fall mit den in der Naturbe - schreibung von unsern neuen Systematikern zur Be - zeichnung der Geschlechter und ihrer Gattungen selbsterfundenen Kunst - und Trivial-Namen. So billig und vernünftig es freylich ist, auch hierin so viel als möglich die einmahl ziemlich allgemein angenommenen Benennungen beyzubehalten, so kön - nen doch Fälle eintreten, wo es noch billiger und vernünftiger ist, einen vorher gewählten Namen, wenn er einen durchaus irrigen Begriff erweckt, ge - gen einen richtigern umzutauschen. Und doch habeVIII ich mich dieser an sich erlaubten, aber auch heut zu Tage so oft gemißbrauchten und dann das Studium der Naturgeschichte so äußerst erschwerenden Frey - heit nur in äußerst wenigen Fällen, wo es mir un - vermeidlich schien, bedient. So habe ich z. B. den Panzerthieren oder Armadillen ihren einheimi - schen, allgemein bekannten und längst von classischen Zoologen angenommenen Namen, Tatu, restituirt; da man sonst diesen fast haarlosen Thieren durch einen seltsamen Mißgriff den Namen, Rauchfuß, Dasypus, beygelegt hatte, womit die alten Griechen, ganz passend und völlig nach der Natur, das rauchfüßige Hasengeschlecht bezeichnet haben. Aus ähnlichen Gründen brauche ich für den schönen neuseeländischen Nephrit lieber seinen einheimi - schen Namen (Punammustein), unter welchem er zuerst von unsern Antipoden zu uns gebracht und bekannt worden, als die ihm neuerlich beyge - legte Benennung Beilstein, da ich im hiesigen akademischen Museum, so wie in den in London be - findlichen großen Sammlungen von südländischen Merkwürdigkeiten, zwar wohl die Menge von Hacken und andern Geräthen, so sich die Neuseeländer aus diesem Steine bereiten, aber schlechterdings kein daraus verfertigtes Beil aufgefunden habe. Eben so habe ich diejenige Gattung des Fledermausgeschlechts, Vampyr oder Blutsauger genannt, die wirklich schla - fenden Säugethieren das Blut aussaugt: da hinge -IX gen Linné diesen Namen dem fliegenden Hund bey - gelegt hatte, der wohl seit die Welt steht, kein Blut gesogen hat, sondern sich ganz allein von Früchten nährt. Aber viele andere, nur nicht gar zu unpassende Kunstnamen der Art habe ich den - noch beybehalten, um ja nicht die Nomenclatur und Synonymien ohne dringende Noth, zur großen Last der Lernenden, zu häufen.

Daß aber manche bekannte Namen von Na - turalien hier doch anders geschrieben werden, als es insgemein geschieht, hat auch seinen guten Grund. So schreibe ich z. B. Tofus und nicht Tophus, weil es kein griechisches Wort ist; eben so Manaca - nit*)Nach der, nie ohne großen Nachtheil für unsre Sprache zu vernachlässigenden Regel:Man muß alle Worte und wie vielmehr noch die Eigennamen so schreiben, als die Sprache sie schreibt, aus der man sie entlehnt.s. Hrn. Legat. Rath Hennicke im allg. Anzeiger der Deut - schen 1809. No. 16. und nicht Menacanit, weil der Fundort die - ses Fossils in seiner ersten Sylbe ein a hat, so gut wie Hamburg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den lateinischen Namen vorausgesetzt, weil da hundert exotische Ge - schöpfe vorkommen, die im Deutschen keinen bekann - ten verständlichen Namen haben. Im Mineral - reiche hingegen ist der Fall umgekehrt. Da sindX gerade die deutschen Benennungen die bekanntesten und selbst großen Theils in andere Sprachen auf - genommen.

Beym Thierreiche ist denjenigen Gattungen, die sich in Deutschland finden, wieder so, wie in den vorigen Ausgaben, ein vorgesetzt. Im Mineral - reich konnte dieß unterbleiben, weil so ein Zeichen bey den allgemein verbreiteten Fossilien überflüssig, bey vielen von denen aber, die in Deutschland selbst ein sehr eingeschränktes Vaterland haben, wie der Boracit ꝛc. unzureichend gewesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer Gegen - stände, die in der Verlagshandlung dieses Hand - buchs heftweise herauskommen, beziehen sich auf die neuesten Ausgaben desselben und dienen ihnen zu einer zweckmäßigen Erläuterung.

Göttingen, im Februar 1825 J. F. Blumenbach.

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Tab. I
TAB. I.
XI

Anweisung der Kupfertafeln.

Tab. I.

Fig. 1-6. Die Intestinal-Würmer im menschlichen Kör - per in natürlicher Größe (theils nach Bremser).

  • Fig. 1.Ascaris vermicularis (S.364).
  • 2.Der Vordertheil von Ascaris lumbricoides (Eben - daselbst).
  • 3.Der männliche spiralförmige Trichocephalus dispar (S.365).
  • 4.Das Kopfende der menschlichen Bandwürmer (S.366).
  • 5.Fünf Hinterglieder der Taenia solium (S.367).
  • 6.Drey und zwanzig Hinterglieder der Taenia vul - garis (Ebendas.)
  • 7.Das Vorderstück vom Regenwurm (S.365).
  • 8.Ein Liebespfeil der gemeinen Waldschnecke (S.357) stark vergrößert.
  • 9.Ein Stamm mit drey Federbusch-Polypen, Tu - bularia sultana (S.413) stark vergrößert.
  • 10.Ein Arm-Polype mit einem jungen, hydra vi - ridis (S.417) in natürlicher Größe.
  • 11.Ein Stamm mit zwölf Blumen-Polypen, Bra - chionus anastatica (S.418) stark vergrößert.
  • 12.Das Räderthier, Furcularia rotatoria (S.419. ) stark vergrößert.
  • 13.Ein menschliches Samenthierchen, Chaos sperma - ticum (S.420) noch weit stärker vergrößert.

Tab. II.

Zwanzig merkwürdige Krystallisationen der Fossilien.

XII

Zusätze.

S. 135 Z. 17 hinter Eule s. (Noctua)

491-12 von unten setze: und in Neuholland jenseits der blauen Berge im Westen von Botanybay

535-14 von unten hinter Morgenländer s. *) und unten als Note dazu *) S. Stromeyer de Olivini, Chrysolithi et fossilis, quod cellulas et cavernulas ferri meteorici Pallasii explet, analysi chemica in den Götting. gel. Anz. 1824. St. 208.

Und zum Register: Cercaria. 420. Cipollino. 526. Crocuta. 87. Cysticercus. 368.

Verbesserungen.

S. 109. in der Note, Z. 5. v. unten st. Asche 1. Achse. S. 112. sind die beiden Noten versetzt. S. 119. N. **) 1. for 1824. P. I. pag. 11. S. 189. Z. 8. v. u. l'harle. S. 231. Z. 4. scolopax. S. 255. Z. 8. carassius. S. 297. Z. 5. l. fig. 4. S. 350. Z. 9. v. u. craw-fish. S. 359. unterste Z. Pescheräd. S. 318. Z. 16. v. u. Grammatite. S. 544. Z. 11. l. (S. 506.).

Tab. II
TAB. II.
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1

Erster Abschnitt. Von Naturalien überhaupt und ihrer Eintheilung in drey Reiche.

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unserer Erde finden, zeigen sich entweder in derselben Gestalt und Beschaffenheit, die sie aus der Hand des Schöpfers erhalten und durch die Wirkung der sich selbst über - lassenen Naturkräfte angenommen haben; oder so, wie sie durch Menschen und Thiere, zu bestimmten Absichten, oder auch durch bloßen Zufall verändert und gleichsam umgeschaffen worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die be - kannte Eintheilung derselben in natürliche (natu - ralia), und durch Kunst verfertigte (artefacta). Die erstern machen den Gegenstand der Naturge - schichte aus, und man pflegt alle Körper zu den Naturalien zu rechnen, die nur noch keine wesentliche Veränderung durch Menschen erlitten haben. Artefacten werden sie dann2 genannt, wenn der Mensch*) Ars, sive additus rebus homo. Bacon de Verulam. de augm. scient. L. II.L'art en général est l'industrie de l'homme appliquée par ses besoins, ou par son luxe, aux productions de la Nature.Diderot Syst. figuré des connoiss. humaines. absichtlich Verän - derungen mit ihnen vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesent - lichen und vom Absichtlichen im gegenwärtigen Falle, bey so verschiedentlicher Rücksicht und Modification, nicht anders als relativ seyn können, bedarf wohl keiner Erin - nerung. Denn so könnte man ein Maulthier, oder einen Caraiben mit seinem durch die Kunst gemodelten Schedel und dergl. mehr, aus gewisser Rücksicht auch zu den Ar - tefacten rechnen.

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst - producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von einander zu unterscheiden sind. Daher z. B. die ehedem getheilten Meinungen, ob der Ueberzug in der piscina mirabile bey Bajä ein von selbst aus dem Wasser abgesetzter Rin - denstein von Kalksinter, oder aber ein absichtlich aufgetra - gener künstlicher Mörtel sey. ( s. Götting. gel. An - zeigen 1791. 188. St. )

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs - thums, und 3) ihrer Structur, eine doppelte Verschiedenheit.

Die einen nähmlich sind allemahl von andern na - türlichen Körpern derselben Gestalt und Art hervor gebracht; so daß ihre Existenz in einer ununter - brochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung**)Oder wenigstens bis zu ihren ersten Stammältern hinauf. Denn ich habe im ersten Theile meiner Beyträge zur Naturgeschichte, Facta angeführet, die es mehr als bloß wahr - scheinlich machen, daß auch selbst in der jetzigen Schöpfung neue Gattungen von organisirten Körpern entstehen, und gleichsam3 nacherschaffen werden; wohin namentlich auch wdie erste Ent - stehungsweise mancher sehr einfachen und mikroskopischkleinen or - ganisirten Körper, wie z. B. der mehrsten sogenannten Infusions - thierchen zu gehören scheint. hinauf immer andere dergleichen Körper voraussetzt, denen sie ihr Daseyn zu danken haben.

Zweytens nehmen sie allerhand fremde Substan - zen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf, assi - miliren sie den Bestandtheilen desselben, scheiden das Ueberflüssige wieder aus, und befördern mittelst dieser beständigen Erneuerung und Wechsel ihr Wachs - thum von innen (durch innige Aneignung, intus susceptio, expansio).

Diese beiden Eigenschaften setzen drittens von selbst eine besondere Structur bey dieser Art von na - türlichen Körpern voraus. Sie müssen nähmlich, wenn sie auf diese Weise Nahrungsmittel zu sich nehmen und umwandeln und mit der Zeit andere Geschöpfe ihrer Art wieder hervor bringen sollen, mancherley diesen Zwecken der Selbsterhaltung und Fortpflanzung entsprechende, deßhalb mit den so ge - nannten Lebenskraften versehene, und zu einem zweck - mäßigen Ganzen unter einander verbundene, Ge - fäße, Adern und andere Organe in ihrem Körper haben, die zur Aufnahme bestimmter Säfte, zur Assimilation jener Alimente, zur Erzeugung der Nach - kommenschaft u. s. w. nothwendig sind.

Dieß Alles fehlt bey den natürlichen Körpern der andern Art, nähmlich den Mineralien. Bei - des, sowohl ihre Entstehung, als ihr Wachsthum (wenn man es gar nur Wachsthum nennen darf), wird keinesweges durch Ernährung, sondern lediglich nach eigentlich so genannten bloß physischen (mecha - nischen und chemischen), Gesetzen, durch Anhäufung4 oder Ansatz homogener Theile von außen (aggre - gatio, juxta positio) bewirkt; folglich ist bey ihnen weder ursprüngliche Organisation noch Lebenskraft zu erwarten*)Vergl. Hofr Hausmann's Untersuchungen über die For - men der leblosen Natur. I. B. S. 20 u. f..

Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte, und jene hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organisirten Körper selbst, besonders in der Art, wie sie ihre Nahrungsmittel zu sich nehmen, von einer doppelten Verschiedenheit.

Die einen nähmlich saugen einen sehr einfachen Nahrungssaft, vorzüglich mittelst zahlreicher Zasern, die sich am untern Ende ihres Körpers befinden, ohne merkliche willkürliche Bewegung in sich.

Da hingegen die andern eine meist einfache Haupt - öffnung am obern oder vordern Ende ihres Körpers haben, die zu einem geräumigen Schlauche führt, wohin sie, vom innern Gefühle des Hungers getrie - ben, ihre Alimente, die von sehr verschiedener Art sind, mittelst willkürlicher Bewegung bringen.

Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort zu verändern (locomotivitas) kein hinreichendes Unterschei - dungszeichen der Thiere von den Pflanzen, ab. Denn viele Pflanzen, wie z. B. die gemeinen Wasserlinsen, sind nicht festgewurzelt, sondern können zu gewissen Jahrszei - ten ꝛc. ihren Aufenthalt verändern, bald zu Boden sinken, bald wieder auf die Oberfläche des Wassers steigen u. s. w. Und andererseits gibt es ganze Geschlechter von Wasserthie - ren, zumahl unter den Conchylien, Corallen ꝛc. die ihren5 einmahl eingenommenen Platz nie von selbst wieder ver - lassen können.

§. 4.

Diese sehr faßliche Eintheilung der natürlichen Körper in organisirte und unorganisirte (§. 2.), und der unorganisirten wieder unter einander (§. 3.), ist nun der Grund der bekannten drey Reiche, worunter man die Naturalien sehr schicklich gebracht hat, und wovon das erste die Thiere, das zweyte die Pflanzen, das dritte die Mineralien begreift.

Die Thiere sind demnach belebte und beseelte organisirte Körper, die sich ihre sehr vielartige Nah - rung mittelst willkürlicher Bewegung suchen, und selbige durch den Mund in den Magen bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte or - ganisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie ihren sehr homogenen Nahrungssaft ohne willkürliche Be - wegung mittelst der Wurzeln einsaugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte und unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebenskraft nach den physischen (mechanischen und chemischen) Gesetzen von Anziehung, Anhäufung, Bildungs - kraft ꝛc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist, zumahl neuerlich, eine doppelte Einwendung gemacht worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den organisir - ten und unorganisirten Körpern anerkannt, aber nur keine bestimmten Gränzen zwischen Thieren und Gewächsen zu - geben wollen:

Andere hingegen haben die beliebten Metaphern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu dahin gedeutet, als ob überhaupt keine bestimmbaren Eintheilungen der Naturalien in Reiche u. s. w. Statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar überhaupt nicht vergessen, was so oft bey Gegenständen der Erfah -6 rung der Fall ist, daß man sie weit leichter für das, was sie sind, richtig anerkennen und von andern unterschei - den, als ihre einzelnen unterscheidenden Merkzeichen aus - finden und angeben kann*)Facilius plerumque est rem praesentem discernere, quam verbis exacte definire. Gaubius.Allein der Fehler liegt nicht am Unterscheidungsgrunde, welcher stets wahr bleibt, sondern nur an der Schwierigkeit ihn in manchen Fällen zu finden.J. Aug. Unzer.. So sagte z. B. Linné:nullum characterem hactenus eruere potui, unde Homo a Simia internoscatur.Nun glaube ich zwar in diesem Buche solche äußere Charaktere der Humanität angegeben zu haben, wodurch sich der Mensch von den noch so menschenähnlichen Affen (wie man sie nennt), so wie überhaupt von allen andern Säugethieren unverkenn - bar auszeichnet. Aber auch ohne dieselben wird doch hof - fentlich nie ein Naturforscher in praxi in Verlegenheit gekommen seyn, Menschen und Affen etwa zu verwechseln. Außerdem aber können ferner Geschöpfe aus noch so ver - schiedenen Classen manche theils auffallende und unerwar - tete Aehnlichkeit mit einander haben, ohne daß dadurch die dessen ungeachtet unverkennbare Verschiedenheit zwischen diesen Classen selbst wegfallen dürste. Man theilt z. B. die Thiere sehr natürlich in warmblütige und kaltblütige; und rechnet eben so natürlicher Weise die Säugethiere zu jenen und hingegen die Insecten zu diesen; ohne je deß - halb irre zu werden, daß die Bienen in ihrem Stocke so ganz ohne Vergleich wärmer sind, als etwa ein Igel während seines Winterschlafs. So gibt es unter den Mollusken Geschlechter, wie z. B. die Sepien, die sich von den übrigen Thieren dieser Classe sehr auszeichnen, und dagegen manche auffallende Aehnlichkeit mit den Fi - schen haben. Aber Niemand wird meinen, deßhalb müsse nun die Scheidewand zwischen diesen beiden Classe aufgehoben werden. Und eben so wenig wird Jemand im Ernst in Versuchung gerathen, das Thier - und Pflan - zenreich deßhalb mit einander zu verbinden, weil man an gewissen Pflanzen gewisse Aehnlichkeiten mit gewissen Thieren bemerkt hat. Von der Art sind z. B. die son - derbaren Bewegungen mancher Mimosenarten, und des hedysarum gyrans etc., die, so merkwürdig sie auch an sich bleiben, doch gar nicht einmahl in den oben angegebe -7 nen Charakter der Animalität eingreifen. So wenig als hinwiederum diejenigen Aehnlichkeiten, so die Arm-Poly - pen mit den Gewächsen haben, den oben bestimmten Cha - rakter der Vegetabilität betreffen. Sondern, die Arm - Polypen sind Thiere, die so wie der Mensch und die Au - ster, vom Hunger getrieben ihre Nahrung durch willkür - liche Bewegung in den Mund bringen, was hingegen bey keiner Pflanze, in der bis jetzt bekannten Schöpfung, der Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andere Einwendung gegen die Naturreiche ꝛc. die sich auf die so geprie - sene Metapher von Stufenfolge der Geschöpfe gründet, eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter, von Netz ꝛc. in der Natur, haben zwar für die Methodologie im Studium der Naturgeschichte in sofern ihren unver - kennbaren Nutzen zum regulativen Gebrauch, als sie den Grund eines so genannten natürlichen Systems ab - geben, worin man die Geschöpfe nach ihren meisten und auffallendsten Aehnlichkeiten, nach ihrem Totalhabitus und der darauf gegründeten so genannten Verwandtschaft unter - einander zusammen ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmeinenden Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer in den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und die Vollkommenheit und den Zusammenbang derselben darin suchen zu wollen, daß die Natur (wie man sich ausdruckt) keinen Sprung thue, weil die Geschöpfe in Rücksicht ihrer äußern Form so sein stufenweise auf einander folgten, das wäre doch schon an sich eine vermessene Schwachheit, wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey ernsterer Prüfung sich selbst widerlegte. *)Mehreres hierüber habe ich in der zweyten Ausg. der Bey - träge zur Naturgeschichte I. Th. S. 106 u. f. gesagt.

Denn man braucht bloß die noch so kunstreich und sorg - fältig angelegten Entwürfe von solchen Stufenfolgen in der Reihe der Geschöpfe näher zu beleuchten, um einzu - sehen, wie sehr darin einerseits sich ganze Haufen von Geschöpfen ähnlicher Bildung in Geschlechtern von fast un - übersehlich zahlreichen Gattungen (zumahl unter den In -8 secten und Gewürmen, aber auch im Pflanzenreiche) zu - sammen drängen, und andere dagegen gleichsam isolirt ste - hen, weil sie wegen ihrer ausgezeichneten, ganz eigenen Bildung nicht ohne sichtlichen Zwang in einer solchen Lei - ter der Natur irgendwo eingeschoben und untergebracht werden können (wie z. B. die ganze Classe der Vögel; die Schildkröten, die schon gedachten Sepien u. a.m.) Ferner aber finden sich Thiere, bey welchen, wie z. B. bey den Schildläusen, Männchen und Weibchen eine so durchaus ganz verschiedene Gestaltung haben, daß man folglich in der gedachten Leiter die einen von den andern trennen und nach dieser so sehr verschiedenen Sexualform beiden auf weit von einander entfernten Sprossen ihre verschiedenen Stellen anweisen müßte. Nun dann zei - gen sich Lücken in der Leiter, wo offenbar ohne einen sehr gewagten Sprung gar nicht über zu kommen ist, wie zu Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den organisirten Körpern und den Mineralien u. s. w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen Vorstel - lungen von Kette der Natur u. dergl. gerathen müssen, so ganz grundlos ist nun vollends gar die vermessene Be - hauptung mancher Physicotheologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu Papier gebrachten Kette ausfallen dürste, wenn nicht die Schöpfung selbst stocken sollte u. s. w. So gut einzelne Gattungen von Thieren aus ganzen großen Inseln, wie z. B. die Wölfe aus Groß - britannien vertilgt sind, ohne daß die dasige Schöpfung durch diese nunmehrige scheinbare Lücke ihren sonstigen Zu - sammenhang verloren haben sollte, so können andere Ge - schöpfe aus ganzen Welttheilen und wohl von der ganzen Erde vertilgt werden (wie dieß allen Anschein nach mit manchen, z. B. mit dem Dudu wirklich geschehen), ohne daß durch diesen merklichen hiatus, der dadurch in der Kette der Physicotheologen entsteht, der ewige stille Gang der Schöpfung selbst, im mindesten gefährdet werden dürfte.

Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur N. G. überhaupt.

  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi Geburt.) Ej. opera. gr. lat. ex. ed. Gu. du Val. Paris. 1654. IV. vol. fol. zumahl im II. B.
  2. 9
  3. C. Plinius secundus (. im J. 79. nach Chr. Geb.) Ej. histo - ria mundi I. xxxvii. Ein Paar saubere und correcte Handausgaben sind die Leidner, Elzevirische 1635. III. vol. 12. und die Zweybrücker 1783. V. vol. 8.
  4. Conr. Gesner. (. 1562.)
  5. Joh. Ray. (. 1705.) Die hierher gehörigen Hauptwerke dieser beiden Männer werden anderwärts angeführt.
  6. C. v. Linné. (. 1778.) Ej. systema naturae ed. 12. Holm. 1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen beiden mantissae ib. 1767 sq. 8.
  7. ed. 13. aucta, reformata cura Jo. Fr.. Gmelin. Lips. 1788. IX. vol. 8.
  8. Und zum Verständniß der linnéischen Kunstsprache; Jo. Reinh. Forster euchiridion historiae naturali inservieus. Hal. 1788. 8.
  9. J. K. W. Illiger's Versuch einer systematischen vollständigen Terminologie für das Thierreich und Pflanzenreich. Helm - städt. 1800.8.
  10. G. L. le Clerc C. de Buffon. (. 1788.) Ej. histoire naturelle. Die Orig. Ausgabe, Paris, seit 1749. XXXIII. vol. 4. oder LXXII. vol. 12.

Zur allgemeinen N. G.

  1. F. S. Voigt's Grundzüge einer N. G. Franks. 1817. 8.
  2. Dess. System der Natur und ihre Geschichte. Jena. 1823. 8.
  1. H. F. Link's Urwelt und das Alterthum, erläutert durch die Naturkunde. Berl. 1821 u. f. II. Th. 8.

Zur geographischen N. G.

  1. C. Ritter's Erdkunde im Verhältniß zur Natur, Berl. seit 1817. 8.

Miscellan-Werke.

  1. G. v. Linné amoenitates academicae. Holm. seit 1749. IX. vol. 8. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die ersten V. B.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works of the crea - tion. ed.12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. 10
  4. Ch. Bonnet contemplation de la nature. (als IVter Band der gedachten Ausg. seiner Werke.)

Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare Dictionnaire de l'histoire naturelle. ed.4. Lyon, 1791. VIII. vol. 4.
  2. Nouveau Dictionnaire d'histoire naturelle appliquée aux arts ꝛc. par une Société de naturalistes et d'agriculture. Par. 1804. XXIV. vol. 8.
  3. Dictionnaire des sciences naturelles, par plusieurs Prof. du Jar - din du Roi ꝛc. Strasb. seit 1816. 8.
  4. Ph. Andr. Nemnich's allgemeines Polyglotten Lexicon der Na - turgeschichte. Hamb. 1793. IV. B. 4.

Journale ꝛc.

  1. Journal de physique. Paris seit 1773. 4.
  2. Magazin für das Neueste aus der Physik und Naturgeschichte, herausgeg. von L. C. Lichtenberg und J. H. Voigt. Gotha, 1781 bis 1797. XII. B. und J. H. Voigt's Maga - zin für den neuesten Zustand der Naturkunde. Jena 1797 bis 1806; ebenfalls XII. B. 8.
  1. Zur Naturwissenschaft überhaupt und zur Morphologie. Von Goethe. Stuttg. u. Tübingen. seit 1817. 8.
11

Zweyter Abschnitt. Von den organisirten Körpern überhaupt.

§. 5.

Im allgemeinen werden die organisirten Körper (§. 2.) von ihres Gleichen*)s. oben S. 2. Not. **) erzeugt, dann durch eigene Kraft lebenslang ernährt, und dadurch ihre Selbsterhaltung und Wachsthum, und wenn sie zu ihrer Reife gelangt, auch ihre Fortpflanzungs - fähigkeit bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden sie eben durch die Organisation ihres Baues, und durch die mit derselben verbundenen Lebenskräfte ge - schickt gemacht. Denn durch diese letztern erhalten die Organe sowohl ihre Empfänglichkeit für reißende Eindrücke (stimuli) und ihr Bewegungsvermögen, ohne welches beydes, weder Ernährung noch Wachs - thum, noch wechselseitige Einwirkung der Theile zur zweckmäßigen Erhaltung des Ganzen, und umge - kehrt**)Vergl. Kant's Critik der Urtheilskraft S. 285. u. f., denkbar seyn könnte.

§. 7.

Sich die Entstehung der organisirten Körper zu erklären, hat man, zumahl neuerlich, die so ge - nannte Evolutions-Hypothese bequem gefunden,12 und gemeint, es werde gar kein Mensch, und kein anderes Thier, und keine Pflanze erzeugt, son - dern sie lägen alle schon seit der ersten Schöpfung als völlig präformirte Keime*) Denn (so sagt Haller, das Haupt der neuern Evo - lutionisten ) alle Eingeweide und die Knochen selbst waren schon im unsichtbaren Keim vorhero gebaut gegenwärtig, obgleich in einem fast flüssigen Zustande.Und das ist doch wenigstens bestimmte Sprache.Wenn hingegen andre, um die Evolutionshypothese mit der Lehre von der allmähligen Bildung in vereinbaren, zwar zugeben, daß der Zeugungsstoff nicht präformirt sey, aber doch meinen, daß er dessen ungeachtet einen Keim enthalte, der den - noch was anders sey, als ungeformter Zeugungsstoff ꝛc., so sind das unbestimmte, leere Ausdrücke. Wenigstens geht mir es dann mit solchen Quasi-Keimen, wie dem Cicero mit dem quasi corpus des Gottes der Epicuräer, wovon er sagt: corpus quid sit, intelligo; quasi corpus quid sit, nullo prorsus modo in - telligo. bey ihren Aeltern und Vorfahren längst vorräthig; die ver - schiedenen Generationen steckten, gleichsam wie ein - gepackte Schachteln, in einander, und würden nur nach und nach, so wie die Reihe an sie käme, durch die Befruchtung entwickelt und aus Licht gebracht. Eine Meynung, die doch schon sowohl durch den dabey erforderlichen Aufwand von übernatürlichen (hyperphysischen) Anstalten**)s. Kant a. a. O. S. 372., als durch die, allen Gesetzen einer philosophischen Naturforschung zuwiderlaufende unnütze Vervielfältigung der natürlichen [physischen]***)Physische Kräfte überhangt im Gegenfaß jener hyperphysischen Anstalten. Kräfte, und durch die unübersehliche Menge von zwecklosen Schöpfun - gen aller der zahllosen präformirten Keime, die nur nicht zu ihrer Entwickelung gelangen konnten, aller präjudizlosen Urtheilskraft widerstehen müßte, wenn sie auch nicht durch die überwiegenden gegen - seitigen Erfahrungsgründe widerlegt würde.

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Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der aller - berühmtesten und allereifrigsten Versechter der Evolu - tionshypothese, sollen die präformirten Keime den der Mutter vorräthig liegen, und während der Befruchtung durch die Kraft des hinzukommenden männlichen Zeugungs - stoffes erweckt und zur Entwickelung angetrieben werdet. Was man Empfängniß nennt; sey folglich nichts als das Erwachen des schlaftrunkenen Keims durch den Reitz des auf ihn wirkenden männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erweckenden Kraft.

Nun aber ähneln ja so oft Kinder zum Sprechen bloß ihrem Vater; Bätzen, die sich kurz hintereinander mit mehreren männlichen Hunden belaufen haben, werfen oft Junge, die diesen verschiedenen Vätern äh - neln; zweyerley Menschenrassen, z. B. Neger und Weiße, zeugen mit einander nothwendigen Mittel - schlag, nähmlich Mulatten; und wenn nun vollends ungleiche Gattungen (verschiedene Species) von Thie - ren oder Gewächsen einander befruchten, so entstehen Bastarde, die eben so viel von der väterlichen als von der mütterlichen Gestaltung an sich haben.

Ja das läßt sich freylich nicht wohl verkennen: und dem zu Folge gestehen dann die Evolutionisten dem männ - lichen Samen, außer seiner erweckenden, nun auch Nro. 2. in sofern eine bildende Kraft zu, daß er den bey der Matter präformirt gelegenen Keim wohl in etwas zur - terlichen Gestaltung umzuformen vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerley Kraft im männ - lichen Samen; 1) die erweckende und 2) doch auch eine bildende.

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Generatio - nen hindurch immer wiederholten, künstlichen Bastardzeu - gung endlich die eine Gattung von organisirten Körnern gänzlich in die andere umwandeln. So hat man z. B. aus der künstlichen Befruchtung der Einen Pflanzengat - tung mittelst des männlichen Standes von eine andern, Samen gezogen, welcher fecundable Bastardpflanzen gegeben; d. h., die sich zur Blühezeit abermals mit männlichem Stand von jener andern Gattung befruchten lassen, und wiederum fecundable Bastarde der zwey - ten Generation hervorgebracht. Jene Bastarde von der ersten Generation hielten gleichsam das Mittel zwischen14 beyden verschiedenen Stamm-Aeltern von väterlicher und mütterlicher Seite. Die von der zweyten hingegen ähnelten schar weit mehr der väterlichen, als der mütter - lichen. Und nachdem die gleiche künstliche Befruchtung noch fernerweit durch zwey folgende Generationen eben so wiederholt worden, so entstanden endlich Pflanzen, an welchen die ursprüngliche mütterliche Gestaltung so zu sagen ganz verwischt, und in die väterliche umgewan - delt worden. ( s. Kölreuter's dritte Fortsetzung der Nachricht vor einigen das Geschlecht der Pflanzen betref - fenden Versuchen S. 51. §. 24. mit der Ueberschrift:Gänzlich vollbrachte Verwandlung einer na - türlichen Pflanzengattung in die andere.)

Da hat den folglich alle Präformation des seit Er - schaffung der Welt conservirten mütterlichen Keims am Ende in nichts geholfen, sondern hat der bildenden Kraft des männlichen Stoffes (der eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß durch seine erweckende Kraft auf denselben hätte wirken sollen,) gänzlich weichen müssen!

§. 8.

Und so bleibt es folglich im Ganzen unserem Erkenntnißvermögen und selbst den Regeln aller phi - losophischen Nachforschung*)Causas rerum naturalium non plures admitti debere, quam quae et verae sint et earum phaenomenis explicandis sufficiant:ist ja die erste von Newton's güldnen regulis philosophandi. weit angemessener, wenn man die Entstehung der neuerzeugten organi - sirten Körper bloß durch allmähliche Ausbil - dung (Epigenesis) des an sich zwar ungeformten, aber unter den dazu erforderlichen Umständen orga - nisirbaren Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstellungs - art, die man sich von einer solchen allmählichen Bil - dung machen kann und gemacht hat**)Denn wenn z. B. Mazini meinte, daß die Kinder bey ihrer Empfängniß in Mutterleibe bloß anschössen (ungefähr wie der Candis-Zucker), so war das auch eine Art Epigenese. 15Aber das schlechterdings Unstatthafte aller solchen bloß me - chanischen Erklärungsarten der allmählichen Ausbildung or - ganisirter Körper durch eine so genannte vis plastica (wie es unsere ehrlichen Alten nannten), als welche eben so gut im Mineralreich Statt hat, ergibt sich von selbst aus dem Begriff von organisirten Körpern, als weicher durchaus zugleich Zweck - mäßigkeit involvirt. s. Kant a. a. O. S. 292., darauf an, sie so zu bestimmen, wie sie dem Begriff von orga - nisirten Körpern, und dann den Phänomenen, die uns die Beobachtung bey Entstehung derselben lehrt, am ungezwungensten entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt, daß der reise, vorher zwar umgeformte, aber organisir - bare Zeugungsstoff der Aeltern, wenn er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen Umständen an den Ort seiner Bestimmung gelangt, dann für eine in demselben nun zweckmäßig wirkende Lebenskraft, nähmlich den Bildungstrieb (nisus formativus) zuerst empfänglich wird; für einen Trieb, der sich von aller bloß mechanischen bildenden Kraft [als welche auch im unorganischen Reiche Krystallisatio - nen*)Die Krystallisationen unterscheiden sich von den organisir - ten Körpern selbst schon durch die geometrische Renularität ihrer fast immer geradlinichten Umrisse, die auf wenige Fundamental - formen reducirbar sind; da hingegen die Gestaltungen der Thiere und Gewächse eben wegen ihrer unübersehbar vielartigen Zweck - mäßigkeit zu bestimmten Verrichtungen auch in unübersehlich viel - artige Formen (von endlos variirenden Umrissen) gebildet wer - den mußten. und dergl. hervorbringt] dadurch auszeichnet, daß er nach der endlos mannigfaltig verschiedenen Bestimmung der organisirten Körper und ihrer Theile, die vielartig organisirbaren Zeugungsstoffe auf eben so mannichfaltig aber zweckmäßig modifi - cirte Weise in bestimmte Gestalten zu formen ver - mag und so [ durch die Verbindung des me -16 chanischen mit dem zweckmäßig Modificirbaren in diesem Triebe*)Von dieser Verbindung der beiden Principien, des me - chanischen mit dem teleologischen, die man sonst bey Erklä - rung der Entstehungsart organisirter Körper für unvereinbar ge - halten, und worin gerade das Auszeichnende im Begriffe von Bildungstrieb liegt; davon gibt zumahl die vergleichende Anatomie auffallend einleuchtende Beyspiele in Menge, deren ich in meinem Handbuche derselben manche angeführt habe; s. auch Voigt's neues Magazin II. B. S. 213. ] zuerst bey der Empfängniß die allmähliche Ausbildung; dann aber auch die le - benswierige Erhaltung dieser organischen Bildung durch die Ernährung; und selbst wenn dieselbe durch Zufall gelitten haben sollte, so viel möglich die Wiederersetzung derselben durch die Repro - duction, bewirkt wird**)Dieß Alles habe ich in der dritten Ausgabe der Schrift: über den Bildungstrieb; Göttingen, 1791. 8., weiter ausgeführt..

Anm. 1. Diese allmähliche Ausbildung der neuen or - ganisirten Körper ist am anschaulichsten an solchen zu be - trachten, die mit einer ganz ansehnlichen Größe ein schnelles (so zu sagen zusehends merkliches) Wachsthum, und eine so zarte halbdurchsichtige Textur verbinden, daß sie (zumahl im sattsamen Lichte und unter mäßiger Ver - größerung) aufs deutlichste, klarste durchschaut werden können.

So im Gewächsreiche an manchen einfachen Wasser - moosen, wie z. B. an der Brunnen-Conferve (Conferva fontinalis, Ceramium caespitosum Roth. ) die sich in den ersten Frühlingstagen fortpflanzt. ( Abbild. nat. hist. Gegenst. tab. 49.)

Unter den blutlosen Thieren an den Arm-Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten Erschei - nung des Küchelchens im bebrüteten Eye und seiner dann von Tag zu Tag fortrückenden Ausbildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehresten Leser die Erinnerung überflüssig, daß das Wort Bildungstrieb selbst, so gut wie die Benennungen aller andern Arten von Lebenskräften an sich weiter nichts erklären, sondern17 bloß eine besondre (das Mechanische mit dem zweckmäßig Modificirbaren in sich vereinende) Kraft unterscheidend bezeichnen soll, deren constante Wirkung aus der Erfah - rung anerkannt worden, deren Ursache aber so gut, wie die Ursache aller andern noch so allgemein anerkannten Naturkräfte für uns hier nieden im eigentlichen Wortver - stande qualitas occulta bleibt. Das hindert aber nicht, daß man nicht immer mehr suchen sollte, ihre Wir - kungen durch Beobachtung weiter zu erforschen und zu ver - folgen, und sie so auf allgemeine Gesetze zurück zu bringen.

§. 10.

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirksamkeit des Bildungstriebes in den bestimmten dafür empfänglichen organisirbaren Stoffen, wird nun die eben so bestimmte Form und der Habitus aller einzelnen Gattungen (Species) von organisirten Kör - pern erhalten; und bey denen, wo es Statt findet, auch ihre Sexual-Verschiedenheit, durch welche sich nähmlich die männlichen Geschöpfe von den weib - lichen in derselben Gattung auszeichnen.

§. 11.

Aber freylich kann der Bildungstrieb auch eben sowohl als jede andere in ihrer Thätigkeit gestörte oder fremdartig modificirte Lebenskraft auf mancher - ley Weise vor seiner eigentlichen bestimmten Rich - tung abweichen*)Ausführlicher habe ich von diesen Abweichungen gehandelt in einer Commentatio de anomalis et vitiosis quibusdam nisus formativi aberrationibus. Gott. 1813. 4. Mit Kupf..

So entstehen dann ( der bloß krankhaften, nicht ins Gebiete der Naturgeschichte gehörigen, Abweichungen, zu geschweigen ) 1) durch ganz ge -18 waltsame Störungen desselben ganz widernatürliche*)(Widernatürliche) versteht sich wieder nach dem allgemei - nen Sprachgebrauch des Wortes. Man hat gemeint es sey besser ungewöhnlich zu sagen als widernatürlich. Aber das sind zwey sehr verschiedene Begriffe, deren Verwechselung selbst zwar nicht ungewöhnlich aber gewiß nicht natürlich ist. Formen der organisirten Körper, nähmlich die Mißgeburten.

2) Dadurch, daß der zweyfache Sexual-Cha - rakter, der sonst in den beiden Geschlechtern ge - trennt seyn sollte, mehr oder weniger in einem und eben demselben Individuum verbunden ist, die Zwitter.

3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz verschie - dener Gattung (zweyerley Species) einander befruch - ten, die Bastarde.

Endlich 4) durch den Einfluß der mancherley Ursachen der allmählichen Ausartung, die Rassen und Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versteht man, nach dem gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatürliche, an - gebohrne, leicht in die Augen fallende Verunstal - tung in Bildung äußerer, größerer Theile. So mannigfaltig aber diese Mißgestalten seyn können, so lassen sie sich doch alle auf folgende vier Haupt - classen zurück bringen**)Einen abenteuerlich mißgestalteten Ferkelkopf aus meiner Sammlung, an welchem sich alle diese vier Hauptasten von Mon - strosität vereint finden, s. in den Abbild. nat. hist. Gegenst. tab. 61.;

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung einzelner Glieder. Fabrica aliena.

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2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher Lage einzelner Glieder. Situs mutatus. Die seltensten von allen ( nähmlich unter Mißgeburten in dem angegebnen Sinne. Oft hat man hingegen bey Leichenöffnungen wohlgebildeter Menschen manche ihrer Eingeweide in ganz verkehrter Lage ge - funden ).

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln. Mon - stra per defectum. Unter diesen die lehrreichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Monstra per excessum. Die gemeinsten ( selbst nicht selten unter wilden Thieren, z. B. Hasen ). Theils gar erblich, wie z. B. in den sechsfingri - gen Familien, und bey Hühnern mit fünf oder sechs Zehen.

Anm. Die auffallende Aehnlichkeit unter so vielen Monstrositäten beweiset, daß auch selbst diese Abweichun - gen des Bildungstriebes dennoch bestimmten Gesetzen fol - gen müssen; so wie hingegen die bekannte Erfahrung, daß die Hausthiere seit ihrer Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen denselben weit mehr als in ihrem wilden Zustand unterworfen sind (daß z. B. Mißgeburten unter den Hausschweinen so häufig, unter den wilden Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit der Lehre der Evo - lutionisten, daß die Keime dieser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung schon monströs präformirt eingeschachtelt gelegen, wohl schwerlich zusammen reimen läßt.

§. 13.

Zwitter nennt man zwar im engern Sinne bloß solche einzelne Individua von organisirten Kör - pern, bey welchen widernatürlicher Weise die Spu - ren der zweyfachen eigentlichen Sexual-Organe mehr oder weniger verbunden sind, die sonst, in den männ - lichen und weiblichen Geschöpfen derselben Art, ge -20 trennt seyn sollten. Dergleichen finden sich selbst zuweilen unter den warmblütigen Thieren; zumahl unter den Rindvieh, Schafen und Ziegen, aber im Menschengeschlechte sind sie noch unerwiesen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Ab - weichung des Bildungstriebes hier einer Erwähnung, wenn andere körperliche Functionen oder Charaktere, die dem einen Geschlechte eigen seyn sollten, sich bey Individuis des andern äußern. Wenn z. B. Hirsch - kühe und Rehe Geweihe aufsetzen; oder Fasan - und Pfau-Hennen mit zunehmenden Jahren männliches Gefieder kriegen; oder Mannspersonen oder andere männliche Säugethiere Milch geben*)Von dieser Anomalie habe ich im Hannoverschen Magazin v. J. 1787. S. 753 u. f. gehandelt. u. s. w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im ganzen Verhältniß des Körperbaues einzelner, übrigens noch so regelmäßig und schön gebildeter Geschöpfe des einen Geschlechts doch mehr oder weniger vom To - talhabitus des andern; z. B. weibliche Weichlichkeit in der Totalform des männlichen**)Mehr hierüber s. in meinem Specimen historiae naturalis antiquae artis operibus illustratae eaque vicissim illustrantis. Gott. 1808. 4. Mit Kupf. S. 14 u. f..

§. 14.

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen Gat - tung von einem männlichen einer andern Gattung be - fruchtet worden, so entstehen daraus Bastarde, deren Bildung aus der beiderley Aeltern ihrer gleich - sam zusammengeschmolzen ist***)Blendlinge hingegen heißen zwar ebenfalls bastardar - tige Geschöpfe, die aber nicht aus der Vermischung von zweyer - ley specifisch verschiedenen Aeltern, sondern nur aus den von21 verschiedenen Rassen der nähmlichen Gattung, erzeugt werden; wie z. B. selbst im Menschen-Geschlechte die Mulatten ꝛc. (§. 15.). Da aber von der bestimmten Bildung der organisirten Körper, be - sonders der Thiere, die behörige und für den Gang der Schöpfung so äußerst wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte abhängt, so ist es eine weise Einrichtung in der Natur, daß erstens, wenigstens unter den rothblütigen Thieren, in ihrem freyen Natur-Zu - stande meines Wissens niemahls eine Paarung und Vermischung unter zweyerley Gattungen bemerkt worden; zweytens aber die Bastarde überhaupt mei - stentheils unfruchtbar, und nur sehr selten im Stande sind, ihr Geschlecht weiter fortzupflanzen. Daher gehört es zu den seltnern Ausnahmen, wenn Maul - thiere, oder die Bastarde von Hänflingen und Ca - narienvögeln zuweilen fruchtbar sind. Bey den Pflanzen gelingt es leichter, daß durch künstliche Befruchtung verschiedener Gattungen Bastarde her - vor gebracht werden können, die fruchtbaren Samen tragen ( s. oben Seite 13. ). Hingegen be - dürfen die fabelhaften Sagen von vermeinten Ba - starden aus der Vermischung vom Rindvieh und Pferden oder Eseln, und von Caninchen und Hüh - nern, oder vollends gar von Menschen und Vieh, jetzt hoffentlich keiner weitern Widerlegung.

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung, daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe nur die von einer und eben derselben Species sich mit einander gatten, liegt der natürliche Grund, warum das Wort Species im Deutschen am allernatürlichsten durch Gat - tung übersetzt wird. ( davon mit mehreren in der Vor - rede. )

§. 15.

Rassen und Spielarten (varietates) sind diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen spe -22 cifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen organi - sirter Körper, so diese durch die allmähliche Ausar - tung oder Degeneration erlitten haben.

Rasse heißt aber im genauem Sinn ein solcher durch Degeneration entstandener Charakter, der durch die Fortpflanzung unausbleiblich und noth - wendig forterbt, wie z. B. wenn Weiße mir den Negern Mulatten, oder mit americanischen India - nern Mestissen zeugen: welches hingegen bey den Spielarten keine nothwendige Folge ist; wie z B. wenn blauäugige Blonde mit braunäugigen Brünetten Kinder zeugen*)Diesen Unterschied zwischen Rassen und Spielarten hat zuerst Kant genau bestimmt, im deutschen Mercur 1788. I. B. S. 48. S. hiervon ausführlich Girtanner über das Kantische Princip für die Naturgeschichte. Göttingen 1797. 8..

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen seit unabseh - lichen Reihen von Generationen fortgepflanzt haben, so hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße Rassen oder ursprünglich verschiedene Gattungen (Species) sind? Wenigstens gibt es dann zur Entscheidung in dergleichen Fällen keine andern in praxi anwendbare Regeln, als die, so aus des Analogie abstrahirt sind; da hingegen die, so Ray, Büffon und andere angenommen haben, den Charakter von Species darnach zu bestimmen, wenn die Geschöpfe mit einander fruchtbare Nachkommen - schaft zeugen, zu diesem Behuf sehr unzulänglich und schwankend ist.

Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser Regel ohnehin bey allen den Thieren und Pflanzen wegfällt, die sich ohne Paarung fortpflanzen. ( s. unten §. 20. ), so findet sie auch in unzähligen andern Fällen wegen un - überwindlicher Schwierigkeiten nicht Statt, wie z. B. bey Entscheidung der Frage, ob der asiatische und der afrika - nische Elephant zu einerley Species gehören oder nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung Statt hat, wie z. E. bey der Vermischung von Pferd und Esel, fragt sich wieder, soll da der gewöhnliche oder aber der äußerst seltne Er -23 folg als Regel angesehn werden. Denn gewöhnlich sind die Maulthiere steril, und nur in äußerst seltnen Fällen hat man sie zur Fortpflanzung fähig befunden. Wollte man also diesen wunderseltnen Fall als Regel gelten lassen, so müßte man Pferd und Esel für Thiere derselben Spe - cies halten, ungeachtet sie in ihrem ganzen Körperbau zumahl im Innern (und namentlich in der ganz auffallend verschiedenen Einrichtung ihrer Stimmwerkzeuge), wenig - stens eben so specifisch von einander differiren als Löwe und Katze. Da stimmt hingegen alle Analogie dafür, sie als zwey ganz verschiedene Gattungen anzuerkennen. Und eben diesem Grundsatz der Analogie gemäß halte ich auch die gedachten beiderley Elephanten für ganz verschiedene Gattungen, weil ihr Gebiß eine so constante auffallende Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich als bloße Folge der Degeneration gedenken läßt.

§. 16.

Zu den mancherley Ursachen der Ausartung ge - hören vorzüglichst der Einfluß des Himmelsstrichs, der Nahrung, und bey Menschen und Thieren auch der Lebensart.

Kaltes Clima z. B. unterdrückt das Wachsthum der organisirten Körper, und darum sind die Grön - länder, Lappländer ꝛc. so wie die Thiere und Ge - wächse kalter Erdstriche, klein, untersetzt. Eben so bringt dieses Clima weiße Farbe an Thieren und Gewächsen hervor, und darum sind die Nordländer von Natur von weißer Haut ꝛc. so wie viele warm - blütige Thiere der kältesten Gegenden anomalisch weiße Haare und Federn, viele Pflanzen daselbst anomalisch weiße Blüthen haben u. s. w. Dage - gen tragen die Creolen (d. h. die in Ost - und West-Indien von europäischen Aeltern geborenen Weißen) das unverkennbare, meist wunderschöne Ge - präge ihrer südlichen Heimath an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cultur und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung,24 Farbe und ganze Constitution der organisirten Kör - per umzuändern vermöge, davon sehen wir an un - sern Hausthieren*)s. über Menschen-Rassen und Schweine-Rassen in Voigt's Magazin VI. B. 1. St. S. 1 u. f., an unserem Getreide, Obst, Küchen-Gewächsen, Blumen-Floren ꝛc. am aller - auffallendsten aber bey den Verschiedenheiten im Menschen-Geschlechte selbst, die augenscheinlichsten Beyspiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration kön - nen nun aber nach Verschiedenheit der Umstände einander entweder unterstützen, und die Ausartung um so schneller und ausfallender machen, oder aber auch wieder gewisser Maaßen einander aufheben u. s. w.; daher man in dieser Untersuchung bey der Anwen - dung auf einzelne Fälle nie zu einseitig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z. B. selbst unter der Linie kalte Erdstriche, wie im Innern von Sumatra ꝛc. Hin - gegen dringt Sibirien gar viele Gewächse der wärmern Gegenden hervor, die in weit südlichern Ländern von Eu - ropa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die eigenthümliche Wirkung, die einige Climate auf die organisirte Körper, zumahl der Thierreichs, äußern. So, daß z. B. in Syrien die Katzen, Kaninchen, Ziegen ꝛc. so auffallend langes und weißes Haar haben; auf Corsica die Pferde, Hunde ꝛc. so auszeichnend gefleckt sind; auf Guinea Menschen, Hunde und Hübner zu Negern in ihrer Art werden u. s. w.

§. 17.

Die Ernährung der organisirten Körper geht auf verschiedene Weise vor sich. Den Pflanzen wird ihre einfache Nahrung durch Wurzeln, die sich außerhalb ihres Stammes am einen Ende des - selben befinden, zugeführt. Die Thiere hingegen haben, wie sich Boerhaave ausdrückte, gleichsam25 ihre Wurzeln innerhalb ihres Körpers, nähmlich im Magen und Darmkanal, wo der nahrhafte Theil der Alimente durch unzählige Gefäßchen, fast wie bey den Pflanzen durch Wurzeln, eingesogen und den Theilen des Körpers zugeführt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel wird durch einen bewunderungswürdigen Proceß dem Stoff der organisirten Körper assimilirt; der überflüs - sige hingegen ausgedunstet; und bey den Thieren, die keinen so einfachen Nahrungssaft wie die Pflan - zen zu sich nehmen, auch durch andere Wege als Unrath ausgeworfen.

§. 18.

Das Wachsthum der organisirten Körper ist die Folge ihrer Ernährung. Die meisten erreichen früh die bestimmte Größe ihres Körpers. Von manchen Bäumen aber, wie z. B. von der Nor - folkinsel-Fichte (Columnia pinifolia oder Arauca - ria excelsa), der Kohlpalme (Areca oleracea), dem Baobab (Adansonia digitata) ꝛc., auch von einigen andern Gewächsen, z. B. vom Rotang (Ca - lamus rotang) und so auch von manchen Thieren, wie z. B. von vielen Gattungen der Bandwürmer und selbst von den Crocodilen und großen Wasser - schlangen läßt sich schwerlich sagen, ob und wann in ihrem Leben sie aufhören an Länge oder Dicke zu - zunehmen.

§. 19.

Zum Wachsthum der organisirten Körper gehört auch ihre Reproductions-Kraft, oder die merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstümmelte oder völlig verlorne Theile ihres Körpers von selbst wie - der ergänzen. Diese bewundernswerthe Einrichtung26 in der organisirten Schöpfung sichert die Thiere und die Pflanzen bey tausend Gefahren, wo ihr Körper verletzt wird: sie ist folglich auch, nebst der Ernäh - rung überhaupt, einer der größten Vorzüge, wo - durch die Maschinen aus der Hand des Schöpfers bey weitem über die größten Kunstwerke der Men - schen erhoben werden, als welchen ihre Verfertiger keine Kraft mittheilen können, ihre Triebfedern und Räder, wenn sie verbogen, verstümmelt und abge - nutzt würden, von selbst wieder herzustellen: eine Kraft, die hingegen der Schöpfer jedem Thiere und jeder Pflanze nur in verschiedenem Maße beygelegt hat.

Viele organisirte Körper verlieren, zu bestimmten Zeiten gewisse Theile ihres Körpers von freyen Stücken, die ihnen nachher wieder reproducirt wer - den; wohin das Abwerfen der Geweihe, das Mau - sern der Vögel, die Häutung der Schlangen, der Raupen, das Schälen der Krebse, das Entblättern der Gewächse u. s. w. gehört. Man könnte dieß die gewöhnliche Reproduction nennen.

Die andere hingegen ist die außerordent - liche, von der hier eigentlich die Rede ist, da nähmlich dem organisirten Körper, zumahl den Thie - ren, Wunden, Beinbrüche ꝛc. geheilt, oder gar durch Unfall verstümmelte und verlorene Theile wie - der ersetzt werden. Der Mensch und die ihm zu - nächst verwandten Thiere besitzen eine freylich sehr eingeschränkte Reproductionskraft: die hingegen bey vielen kaltblütigen Thieren, besonders bey den Was - ser-Molchen, Krebsen, Land-Schnecken, Regen - würmern, See-Anemonen, See-Sternen, Arm - Polypen ꝛc. von einer ausnehmenden Stärke und Vollkommenheit ist.

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Anm. Vor mehreren Jahren habe ich einem Wasser - molch der größern Art (Lacerta lacustris), den ich nun in Spiritus aufbewahre, fast das ganze Auge exstirpirt; nähmlich alle Säfte auslausen lassen und dann 4 / 5 der aus - geleerten Häute rein ausgeschnitten; und doch hat sich hinnen zehn Monaten ein vollkommener neuer Augapfel mit neuer Hornhaut, Augenstern, Crystall-Linse ꝛc. re - producirt, der sich bloß dadurch vom andern gesunden Auge auszeichnet, das er nur erst ungefähr hald so groß ist. ( s. Götting. gel. Anz. 1785. 47. St. )

§. 20.

Wenn die organisirten Körper durch Ernährung und Wachsthum zu ihrer vollen Reife gelangen, so erhalten sie dann auch das Fortpflanzungsver - mögen (§. 5.), das aber auf eine sehr verschiedene Weise vollzogen wird. Ueberhaupt nähmlich ist ent - weder schon jedes Individuum für sich im Stande, sein Geschlecht fortzupflanzen; oder aber es müssen sich ihrer zwey mit einander paaren oder begatten, wenn sie neue organisirte Körper ihrer Art hervor bringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschiedenheiten in diesen beiderley Hauptweisen der Fortpflanzung lassen sich doch füglich unter folgende vier Arten bringen:

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die ein - fachste Weise, ohne vorher gegangene Befruch - tung: entweder durch Theilung, wie manche In - fusions-Thierchen*)J. Ellis in den philos. Transact. vol. LIX. P. I. S. 138 u. f. tab. 6. fig. 1 6. und Blumen-Polypen**)Abr. Trembley ebendaselbst vol. XLIII. N. 474. S. 175 u. f. und vol. XLIV. N. 484. S. 138 u. f.; oder wie bey der Brunnen-Conferve so, daß das28 alte fadenartige Gewächs am einen Ende zu einem kuglichen Knöpfchen anschwillt, das nach - her abfällt und wieder zu einem solchen Faden ausgetrieben und umgebildet wird ( Abbild. nat. hist. Gegenst. tab. 49. ); oder durch Sprossen wie die Arm-Polypen und viele Ge - wächse u. s. w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande sich fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer Zwitter beiderley Geschlechtstheile an seinem Leibe, und muß vorher, wenn es Thier ist, die bey sich ha - benden weiblichen Eyerchen mit männlichem Sa - men und wenn es Pflanze ist, seine weiblichen Samenkörner mit männlichem Blumenstaub befruchten, ehe sich ein Junges daraus bilden kann. Dieß ist der Fall bey den mehresten Gewächsen, und im Thierreich, wie es scheint, bey manchen Muscheln.

3) Ebenfalls beide Geschlechter, wie bey den Herm - aphroditen der vorigen Classe, in einem Indi - viduo verknüpft; doch daß keines sich selbst zu befruchten im Stande ist, sondern immer ihrer zweye sich zusammen paaren und wechselseitig ein - ander befruchten und befruchtet werden müssen. Diese sonderbare Einrichtung findet sich nur bey wenigen Thieren; beym Regenwurm, bey manchen Land-Schnecken*)Swammerdam biblia naturae p. 157. tab. 8. fig. 6. ꝛc.

4) Die beiden Geschlechter in separaten Indivi - duis, von denen das eine die weiblichen Theile oder Eyer, das andere den männlichen befruchten - den Saft enthält. So alle rothblütige und viele29 andere Thiere, und so auch manche Pflanzen, wie die Palmen, der Hopfen, die mehresten Moose ꝛc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer selbst von sich, in welchen sich erst nachher das Junge vollends ausbildet. Dieß sind die eyerlegenden Thiere (ovipara). Bey andern aber wird dieß Ey so lange in der Bärmutter zurück behalten, bis das Junge vollkommen ausgebildet worden, und nun von seinen Hüllen befreyt zur Welt kom - men kann; lebendig gebärende Thiere (vivipara).

Anm. Quae actu animal pariunt, vivipara di - cuntur: quae potentia, ovipara. Harvey.

Wie unwesentlich aber der Unterschied zwischen Eyer - legen und lebendig gebären sey, erweisen die Beyspiele der Blattläuse und Federbusch-Polypen, die sich nach den verschiedenen Jahrszeiten bald auf die eine, bald auf die andere Weise fortpflanzen; und mancher Schlangen, die zwar Eyer legen, in welchen aber schon das ganz aus - gebildete Thier enthalten ist. Gewissermaßen könnte man mit diesem letztern Falle diejenigen Pflanzen vergleichen, in deren reifen Samenkörnern ein grüner Pflanzenkeim eingeschlossen liegt, wie z. B. bey den so genannten ägyp - tischen Bohnen von der Nymphaea nelumbo.

§. 21.

Nachdem die organisirten Körper die Bestim - mungen ihres Lebens erfüllt haben, so weicht endlich alle Lebenskraft von ihnen, und sie sterben. Die wenigsten erreichen aber das Ziel, das ihnen die Na - tur zum Laufe ihres Lebens vorgesteckt hat, sondern tausenderley Zufälle verkürzen ihnen diesen Weg, meist lange vor der bestimmten Zeit. So rechnet man z. B., daß von 1000 gebornen Menschen nur ungefähr 78 für Alter sterben; und von den großen furchtbaren Amphibien, Crocodilen, Riesenschlan -30 gen ꝛc. erreicht vielleicht nicht das tausendste sein ge - setztes Alter und Größe. Nach dem Tode der Thiere und Pflanzen wird ihr Körper durch Gährung, Fäul - niß oder Verbrennen, kurz durch die chemische Zer - setzung seiner Urstoffe allmählich aufgelöset, mithin ihr Organismus zerstört, und ihre Asche endlich mit der übrigen Erde vermengt, die ihnen vorher Nah - rung und Aufenthalt gegeben hatte.

Zur N. G. der organisirten Körper überhaupt.

  1. Ch. Bonnet Considèrations sur les corps organisés (im IIIten B. der Oeuvres).
  2. G. R. Treviranus Biologie ꝛc. Göttingen seit 1802. 8.
  1. Gemälde der organischen Natur in ihrer Verbreitung auf der Erde, von J. B. Wilbrand und F. Aug. Ritgen. Gießen 1821. mit einer großen ausgemalten Charte und der Erklärung. 8.
  2. Dazu Wilbrand's Darstellung der gesammten Organisation. Das. 1809. II. B. 8.
31

Dritter Abschnitt. Von den Thieren überhaupt.

§. 22.

So endlos mannigfaltig die Bildung und der Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmtlich (oder höchstens bis auf wenige Ausnahmen mancher so genannten Infusionstierchen ꝛc. ) den Mund (§. 3.) mit einander gemein zu haben, durch welchen sie dem Körper seine Nahrung zuführen: und statt daß die Pflanzen ihren sehr einfachen Nahrungssaft aus Luft, Wasser und Erde einsaugen, so ist hinge - gen der Thiere ihr Futter äußerst mannigfaltig, und wird beynahe ohne Ausnahme aus den organi - sirten Reichen selbst entlehnt; und sie müssen es, durch die peinlichen Gefühle des Hungers getrie - ben, mittelst willkürlicher Bewegung zu sich nehmen, um dadurch ihre Selbsterhallung zu be - wirken.

§. 23.

Bey den insgemein so genannten vollkomm - neren Thieren wird der abgesonderte Nahrungssaft zuvor mit dem Blute, das in seinen Adern circu - lirt, vermischt, und von da erst in die übrigen Be - standtheile des Körpers abgesetzt. Dieses eigentlich so genannte Blut ist von rother Farbe, aber in Rück - sicht seiner Wärme bey den den verschiedenen Classen dieser rothblütigen Thiere von doppelter Verschie - denheit. Bey den einen, (nähmlich bey den Am - phibien und Fischen) hält es meist ungefähr die Temperatur des Mediums, in welchem sie sich be -32 finden, daher sie kaltblütig genannt werden. Bey den andern aber, die deßhalb warmblütig heissen (den Säugethieren und Vögeln), zeigt es in ihrem vollkommen belebten Zustande immer eine Wärme von unges. 100 Gr. Fahrenh. mehr oder weniger. Der Saft hingegen, welcher bey den so genannten weißblütigen Thieren die Stelle des Bluts vertritt, unterscheidet sich besonders durch den Mangel der rothen Kügelchen, von jenem eigentlich so genannten Blute.

§. 24.

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß oder roth, kalt oder warm seyn, so muß es im gesunden Zustande immer mit frischen Portionen eines zum leben nothwendigen Stoffes ( des so genannten Sauerstoffs ) aus der atmosphärischen Luft oder aus dem Wasser geschwängert werden, wogegen es gleiche Portionen eines andern Stoffes ( des Koh - lenstoffes ) aus dem Körper wiederum fortschafft. Zu diesem merkwürdigen lebenswierigen Proceß in dem belebten thierischen Laboratorium dient vorzüg - lichst das Athemholen; welches die rothblütigen Thiere entweder durch Lungen, oder wie die Fische durch Kiemen; die weißblütigen aber mittelst man - cherley anderer analogen Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere, die mit Lungen versehen sind, können auch Stimme (vox) von sich geben. Der Mensch hat sich außer der ihm angebornen Stimme auch noch die Rede (loquela) erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkürlichen Bewe - gungen unmittelbar vollzogen werden, sind die Mus -33 keln, die bey den rothblütigen Thieren das eigent - lich so genannte Fleisch ausmachen. Nur bey einigen ganz einfach gebauten Thieren, wie die Polypen, sind diese Bewegungs-Organe von dem übrigen gallerti - gen Stoffe nicht zu unterscheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige wenige Muskeln, über welche der Wille nichts vermag. So z B. das Herz, als welches lebenslang un - aufhörlich ( beym Menschen ungefähr 4500 Mahl in jeder Stunde ), und zwar ohne wie andere Muskeln zu ermüden, oder endlich zu schmerzen, als Haupttriebfeder des Blutumlaufs, in seiner schlagenden Bewegung ist.

§. 28.

Beyde Arten von Muskeln aber, bis unwill - kürlichen sowohl als die, so sich nach dem Ent - schlusse des Willens bewegen, bedürfen zu diesem ihren Bewegungsvermögen des Einflusses der Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn und aus dem Rückenmark, und es scheint, daß die Größe der beiden letztern in Vergleichung zur Dicke der daraus entstehenden Nerven mit den Geistes - kräften der Thiere im umgekehrten Verhältniß stehe*)Diese scharfsinnige Bemerkung gehört dem Hrn. Geh. R. von Sömmerring. s. Dess. Diss. de basi encephali. p. 17., so daß der Mensch von allen das größte Gehirn, in Vergleichung seiner sehr dünnen Nerven, hat; da hingegen einfältige Thiere, wie z. B. die hieländi -34 schen Amphibien, dicke Nerven bey einem sehr klei - nen Gehirne haben.

§. 30.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf die Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes Geschäft, auch der Seele die äußern Eindrücke auf den thie - rischen Körper, durch die Sinne mitzutheilen. Die Beschaffenheit der Sinnwerkzeuge ist aber in den verschiedenen Thier-Classen selbst sehr verschie - den. So erhalten z. B. viele Thiere offenbar aller - hand sinnliche Eindrücke, ohne daß wir doch die Sinnwerkzeuge an ihnen entdecken können, die bey andern zu solchen Eindrücken nothwendig sind. Die Schmeißfliege z. B. und viele andere Insecten haben Geruch, ob wir gleich keine Nase an ihnen wahr - nehmen u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne über - haupt auf wenigere einschränken, andere hingegen dieselbe mit neuen vermehren wollen. Vanini z. B. und viele nach ihm hielten das Gefühl bey Befriedigung des Sexual - Triebes für einen sechsten Sinn. Jul. Cäs. Scaliger das Gefühl beym Kitzeln unter den Achseln für einen siebenten. So hielt achtens Spallanzani das Gefühl, wodurch sich die Fledermäuse bey ihrem Flattern im Fin - stern für den Anstoß sichern; so wie neuntens Darwin das Gefühl für Wärme und Kälte für besondere Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brauchen von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung neuer Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt. Dem Menschen und den mehresten von Gewächsen lebenden Thieren ist die Nacht zu dieser Erholung angewiesen; doch halten sich auch manche von diesen, wie z. B. der Siebenschläfer ꝛc., besonders aber viele Raubthiere,35 wohin zumahl die mehresten Fische gehören, auch manche Insecten und Gewürme, am Tage verbor - gen und gehen des Nachts ihren Geschäften nach, weßhalb sie animalia nocturna genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in der Oekonomie vieler Thiere noch die sehr bequeme Ein - richtung, daß sie einen beträchtlichen Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten Monathe, da es ihnen schwer werden würde, für ihre Erhaltung zu sor - gen*)Ergo in hiemes aliis provisum pabulum, aliis pro cibo somnus.Plinius., in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie verkriechen sich, wenn diese Zeit kommt, an sichere, schaurige Orte; und fallen mit einbrechender Kälte in eine Art von Erstarrung, aus der sie erst durch die erwärmende Frühlingssonne wieder erweckt werden. Diese Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen Thiere während dieses Todtenschlafs nur unmerkliche Wärme übrig behalten ( s. oben S. 32. ), und daß die Puppen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung bestehen, im Winter oft so durchfroren sind, daß sie, dem Leben des darin schlafenden Thieres unbeschadet, wie Eis - zapfen oder Glas klingen, wenn man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger Vogel, hingegen die mehresten Amphibien, Winterschlaf.

§. 33.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche dem Menschen mit den mehresten übrigen Thieren gemein, wie z. B. die Vorstellungskraft, die36 Aufmerksamkeit, und so auch die beiden so genannten innern Sinne, Gedächtniß nähmlich und Einbildungskraft.

§. 34.

Andere sind fast bloß den übrigen Thieren eigen, so daß sich beym Menschen nur wenige Spuren da - von finden, nähmlich die so genannten Naturtriebe oder Instincte. Dagegen er hinwiederum im ausschließlichen Besitz der Vernunft ist.

§. 35.

Der Instinct*)Herm. Sam. Reimarus Betr. über die Triebe der Thiere. 4te Ausg. Hamb. 1798. 8.Dupont de Nemours in seinen Mémoires sur différens su - jets ꝛc. Par. 1807. 8. S. 147-373.The Percy Anecdotes of Instinct. by Sholto and Reuben Percy. Lond. 1821. 12. ist das Vermögen der Thiere, aus einem angebornen, unwillkürlichen, inneren Drange, ohne allen Unterricht, von freyen Stücken, sich zweckmäßigen, und zu ihrer und ihres Geschlechts Erhaltung abzielenden Handlungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich ganz unüberlegt, bloß nach ursprünglichen Gesetzen der Nothwendigkeit, und gleichsam maschinenmäßig voll - zogen werden, wird durch zahlreiche Bemerkungen erweislich, wie z. B., daß die Hamster auch todten Vögeln doch zuerst die Flügel zerbrechen, ehe sie weiter anbeißen; daß junge Zugvögel, die man ganz einsam im Zimmer erzogen hat, doch im Herbst den innern Ruf zum Fortziehen fühlen, und im Käfich bey allem guten Futter und Pflege unruhig werden.

37

§. 36.

Unter den mancherley Arten dieser thierischen Triebe sind besonders die so genannten Kunst - triebe merkwürdig, da sich nähmlich so viele warm - blütige Thiere und Insecten ohne alle Anweisung und ohne alle vorgängige Uebung*)Nascitur ars ista, non discitur.Seneca., (als welche bey so vielen gar nicht Statt finden kann; wie z. B. bey den Seidenwürmern ꝛc., die nur Ein für alle Mahl in ihrem Leben davon Gebrauch machen kön - nen, und wo folglich schlechterdings erster Versuch und Meisterstück eins seyn muß), so ungemein künst - liche Wohnungen, Nester, Gewebe ꝛc. zu ihrem Aufenthalte, zur Sicherheit für ihre Junge, zum Fang ihres Raubes, und zu vielfachen andern Zwecken zu verfertigen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben we - nig andere Spuren von Instinct: angeborne Kunst - triebe aber hat er vollends ganz und gar nicht. Was ihn hingegen für diesen scheinbaren Mangel entschädigt, ist der Gebrauch der Vernunft.

Diese mag nun entweder eine ausschließlich ei - genthümliche Fähigkeit der menschlichen Seele, oder aber ein unendlich stärkerer Grad einer Fähigkeit seyn, wovon manche Thiere**)Ch. G. le Roy Lettres philosophiques sur l'intelligence et la perfectibilité des animaux. Par. 1802. 8. auch einige schwache Spur hätten; oder eine eigne Richtung der ge - sammten menschlichen Seelenkräfte u. s. w., so liegt wenigstens der hohe Vorzug, den der Mensch durch den Besitz derselben erhält, das Vermögen sich selbst zu vervollkommnen, unwiderredlich am Tage.

38

Und da ihm die ganze bewohnbare Erde zum Aufenthalt offen steht, und fast die ganze organi - sirte Schöpfung zur Speise überlassen ist, so erzeugt freylich eben die große Verschiedenheit der Climate, die er bewohnen soll, und der Nahrung, die ihm der Ort seines Aufenthalts gestattet, eben so ver - schiedene Bedürfnisse, die er durch keinen einförmi - gen Kunsttrieb, aber wohl durch den Gebrauch sei - ner sich nach den Umständen gleichsam accommodi - renden Vernunft auf eben so mannigfaltige Weise zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch die - sen einzigen Vorzug über die ganze übrige thierische Schöpfung erhoben werde, beweiset die unbeschränkte Herrschaft, womit er über alle Triebe und über die Lebensart, Haushaltung ꝛc., mit einem Worte, über das ganze Naturell dieser seiner Mitgeschöpfe nach Willkür disponiren, die furchtbarsten Thiere zähmen, ihre heftigsten Triebe dämpfen, sie zu den kunstreichsten Handlungen abrichten kann u. s. w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung auf dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die Umschaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung der neuen Welt mit ihr und der alten wechselseitig vorgenommen hat! Was für Gewächse und Thiere er aus dieser in jene überge - pflanzt hat, wie z. B. Reis, Caffee ꝛc., Pferde, Rind - vieh ꝛc. und was er v. v. von dorther nun wieder in sei - nem Welttheil einheimisch gemacht, wie z. B. Cartoffeln, Tabak, wälsche Hüner u. s. w.

§. 39.

Am auffallendsten erweist sich die allein auf dem Vorzug der Vernunft beruhende Herrschaft des Men - schen über die übrige thierische Schöpfung durch die39 so genannten Hausthiere; worunter man in en - gerer Bedeutung diejenigen warmblütigen Thiere ver - steht, so der Mensch zu Befriedigung wichtiger Be - dürfnisse und überhaupt zu beträchtlicher Benutzung absichtlich ihrer Freyheit entzogen und sich unterjocht hat. Im weitern Sinne kann man aber auch die Bienen und Seidenwürmer, so wie die Cochenill - Insecten dahin rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinn ist eine dreyfache Verschiedenheit zu bemerken. Von man - chen nämlich hat der Mensch die ganze Gattung ihrem freyen Naturzustande entzogen, und sich unterwürfig ge - macht, wie z. B. das Pferd. Von andern, die er sich zwar auch ins Haus zieht, existirt doch aber noch die ursprünglich wilde Stammrasse, wie vom Schwein, Katze, Renthier, den beiderley Camelen der alten Welt, und dem so genannten Meiergeflügel. Der Elephant endlich pflanzt sich gar nicht in der Gefangenschaft fort, sondern jeder, der zum Dienst des Menschen gebraucht werden soll, muß erst aus der Wildheit eingefangen gezähmt und abgerichtet werden.

Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere va - riiren zwar häufig in der Farbe; und manche der darunter gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch durch einen hän - genden Schwanz und schlappe Ohren aus, aber keins von beiden ist ein beständiges Kennzeichen der Unterjochung. ( Ueber die Hausthiere s. mit mehreren den Gothai - schen Hof-Kalender vom Jahre 1796. )

§. 40.

Die zoologischen Systeme haben sich nach dem Linnéischen vielartig gemehrt*)J. Spix's Gesch. und Beurtheilung aller Systeme in der Zoologie Nürnb. 1811. 8.J. Fr. Meckel's System der vergleichenden Anatomie. I. Th. S. 64 u. ff.. Nach diesem wird das ganze Thierreich unter folgende sechs Clas - sen gebracht:

40

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere mit warmen rothen Blut, die ihre Junge lebendig zur Welt bringen, und sie dann einige Zeit lang mit Milch an Brüsten säugen.

II. Cl. Vögel, Thiere mit warmen rothen Blut, die aber Eyer legen, und Gefieder haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem rothen Blut, die durch Lungen Athem hohlen.

IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen Blut, die durch Kiemen, und nicht durch Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen Blut, die Fühlhörner (antennas) am Kopf und eingelenkte (hornartige) Bewegungswerkzeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit kaltem weißen Blut, die keine Fühlhörner, sondern meist Fühlfäden (tentacula) und wohl nie eingelenkte Bewegungswerkzeuge haben.

Die beiden letztem Classen sind aber neuerlich, zümahl von französischen Zoologen, und vor allen von Hrn. Bar. Cüvier naturgemäßer in mehrere vertheilt und geordnet werden, wovon weiter unten behörigen Ortes die Rede seyn wird.

Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur Thierge - schichte überhaupt.

  1. Aristoteles. Histoire des animaux, avec des notes ꝛc. par Camus. Par. 1793. II. vol. 4.
  2. Aristoteles N. G. der Thiere, mit Anm. von Fr. Strack. Frankf. 1816. 8.
  3. Conr. Gesneri icones quadrupedum viviparorum, it. avium et animalium aquatilium; cum nomenclaturis singulorum in linguis diversis Éuropac. ed.2. Tig. 1560. fol.
  4. Aldrovandus.
  5. 41
  6. Jo. Jonston historia naturalis de animalibus. Francof. 1649 - 1653. fol.
  7. auch unter dem Titel H. Ruysch (Frid. fil. ) theatrum univer - sale omnium animalium. Amst. 1718. II. vol. fol.
  8. Ray.
  9. Buffon.
  10. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der Naturgeschichte der (roth - blütigen) Thiere. Leipz. seit 1797. 8.
  11. G. Cuvier tableau élémantaire de l'histoire naturelle des ani - maux. Par. 1798. 8.
  12. und Dess. Règne animal, distribué d'après son organisation Par. 1817. IV. vol. 8.
  13. A. M. Constant Dumeril zoologie analytique. Par. 1806. 8.
  14. Gotth. Fischer zoognosia ꝛc. Mosq. 1813. III. vol. 4. und 8.
  15. Lor. Oken's Lehrbuch der N. G. IIIter Th. Leipz. 1816. II. B. 8.
  16. G. Aug. Goldfuß, Handbuch der Zoologie. Nürnberg. 1820. II. B. 8.
  1. Deutschlands Fauna in Abbild. nach der Natur, mit Beschrei - bungen von Jac. Sturm. Nürnb. seit 1790. 12.
  2. Linnaei fauna Suecica. ed. 2. Holm. 1761. 8.
  3. Th. Pennant's British zoology. Lond. 1768-1777. IV. vol. 8.
  4. und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel, ib. seit 1763. gr. Fol.
  5. C. P. Cl. Fleurieu histoire naturelle des Oiseaux, des Pois - sons, des Cetacées, des Amphibies ꝛc. marins, im IIten und IIIten Bande des voyage autour du monde par Et. Mar - chand. Par. 1800. 4.
  1. W. Elf. Leach's Zoological Miscellany. Lond. seit 1814. 8.
42

Vierter Abschnitt. Von den Säugethieren.

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe Blut mit den Vögeln gemein; aber sie gebären lebendige Junge: und ihr Hauptcharakter, der sie von allen übrigen Thieren unterscheidet, und von dem auch die Benennung der ganzen Classe entlehnt ist, sind die Brüste, wodurch die Weibchen ihre Junge mit Milch ernähren. Die Anzahl und Lage der Brüste ist verschieden. Meist sind ihrer noch Ein Mahl so viel, als die Mutter gewöhnlicher Weise Junge zur Welt bringt; und sie sitzen entweder an der Brust, oder am Bauche, oder zwischen den Hin - terbeinen*)Ueberhaupt sind die Brüste von allen äußern Organen der Säugethiere die einzigen, die nach Verschiedenheit der Gattungen sowohl in der Anzahl als Lage so vielartig variiren.An manchen, wie meines Wissens am Stachelschwein, waren sie gar noch nicht aufgefunden. Ich sehe aber an zwey ungebor - nen der genannten Thiere in meiner Sammlung, daß sie vier Zitzen haben, die paarweise an einer freylich unerwarteten Stelle, nähmlich seitwärts dicht hinter dem Schultergelenk sitzen, (s. Ab - bild. nat. hist. Gegenst. tab. 81.). Und auch am weiblichen Schnabelthiere hat Meckel nun die Milchdrüse entdeckt..

§. 42.

Der Körper der allermehresten [wo nicht aller**)Denn selbst die Haut des Wallfisches ist hin und wieder, an den Lippen ꝛc. dünn behaart, auch haben sie Augenwimpern ꝛc.] Säugethiere ist mit Haaren von sehr verschiede - ner Stärke, Länge und Farbe besetzt; die auch bey43 einigen als Wolle gekräuselt, oder als Borsten straff und struppig sind, oder gar wie beym Igel ꝛc. steife Stacheln bilden. Bey manchen sind die Haare an besondern Stellen als Mähne oder Bart verlängert; und bey einigen, wie bey den Pferden, Hunden ꝛc. stoßen sie an bestimmten Stellen in ent - gegengesetzter Richtung an einander und machen so genannte Näthe (suturas). Bey manchen, wie z. B. bey den Seehunden ꝛc. ändert sich die Farbe mit dem Alter. Auch sind manche durch die Kälte (§. 16.) bey uns im strengen Winter, im Norden aber Jahr aus Jahr ein, entweder grau, wie das Eichhörnchen (Grauwerk), oder schneeweiß, wie das große Wiesel (Hermelin) ꝛc. Wenn hingegen diese weiße Farbe zugleich mit lichtscheuen Augen und ro - then Pupillen verbunden ist, wie bey den so genann - ten Kackerlacken im Menschengeschlecht und unter manchen anderen Gattungen von warmblütigen Thie - ren, so ist es die Folge einer wirklich kränklichen Schwäche.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr ver - schieden. Die mehresten leben auf der Erde; manche, wie die Affen, Eichhörnchen ꝛc., fast bloß auf Bäumen; einige, wie der Maulwurf, als ei - gentliche animalia subterranea unter der Erde; andere bald auf dem Lande, bald im Wasser, wie die Biber, Seebären; und noch andere endlich bloß im Wasser, wie die Wallfische. Hiernach sind nun auch ihre Füße oder ähnliche Bewegungswerk - zeuge verschieden. Die mehresten haben vier Füße; der Mensch nur zwey, aber auch zwey Hände; die Affen hingegen vier Hände. Die Finger und Zehen derjenigen Säugethiere, die im Wasser und auf dem Lande zugleich leben, sind durch eine Schwimmhaut44 verbunden. Bey den Fledermäusen sind die an den Vorderfüßen ungemein lang und dünne; und zwischen ihnen ist eine zarte Haut ausgespannt, die zum Flat - tern dient. Die Füße mancher Wasserthiere aus die - ser Classe sind zum Rudern eingerichtet, und bey den Wallfischen ähneln sie gar einiger Maßen den Flossen der Fische; doch daß die Hinterflossen ohne Knochen sind, und horizontal, nicht wie ein Fisch - schwanz vertikal, liegen. Einige wenige Säuge - thiere (solidungula) haben Hufe; viele aber (bisulca) gespaltene Klauen. Die mehresten gehen (zumahl mit den Hinterfüßen) bloß auf den Zehen; einige aber, wie der Mensch, und gewisser Maßen auch die Affen, Bären, Elephanten u. a.m. auf der gan - zen Fußsohle bis zur Ferse.

§. 44.

Die wahren Ameisenbären, die Schuppenthiere, und einige Wallfische ausgenommen, sind die übri - gen Säugethiere mit Zähnen versehen, die man in Vorderzähne*)Bey den mehresten sitzen die obern Voderzähne in einem besondern ( einfachen oder gepaarten ) Knochen, der das os intermaxillare genannt wird; von dessen merkwürdigen Beson - derheiten ich in der 3ten Ausg. der Schrift: de generis humani varietate nativa S. 34. u. f., und im Handbuche der ver - gleichenden Anatomie S. 22. u. f. der 3ten Ausg. aus - führl. gehandelt habe. In den Abbild. n. hist. Gegenst. ist er tab. 52. am Schedel des Orangutangs zu sehen. (primores s. incisores), Eckzähne oder Spitzzähne (caninos s. laniarios), und Backen - zähne (molares), eintheilt. Die letztern zumahl sind nach der verschiedenen Nahrung dieser Thiere auch verschiedentlich gebildet. Bey den fleischfressenden nähmlich ist die Krone scharfkantig fast schneidend; bey den grasfressenden oben breit und eingefurcht; und bey denen, die sich, so wie der Mensch, aus45 beiden organisirten Reichen nähren, in der Mitte ein - gedruckt, und an den Ecken abgerundet.

Manche Säugethiere, wie z. B. der Elephant und der Narhwal, haben große prominirende Stoß - zähne (dentes exserti); andere, wie z. B. das Wallroß, Hauzähne.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar nur unter den grasfressenden, gibt es wirklich wieder - kauende Gattungen, bey welchen nähmlich das zu - erst bloß obenhin zerbissene und geschluckte Futter bis - senweise wieder durch den Schlund zurück getrieben, und nun erst recht durchkaut und dann zum zweyten Mahl geschluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden Thiere eine eigene Einrichtung des Gebisses; indem ihre Backenzähne wie mit sägeförmigen Queerfurchen aus - geschnitten sind, und die Kronen derselben nicht ho - rizontal liegen, sondern schräg ausgeschlägelt sind, so daß an denen im Oberkiefer die Außenseite, an denen im untern aber die nach der Zunge hingerich - tete innere Seite die höchste ist. Dabey haben sie einen schmalen Unterkiefer, der eine sehr freye Sei - tenbewegung gestattet, wodurch denn, wie der Au - genschein lehrt, der Mechanismus dieser sonderbaren Verrichtung von dieser Seite bewirkt wird.

Anm. 1. Bey den ruminantibus, die zugleich ge - spaltene Klauen haben (bisulca), kommt nun außerdem noch der vierfache Magen hinzu, dessen innerer Bau und Mechanismus überaus merkwürdig ist. Das zum ersten Mahl geschluckte noch halb rohe Futter gelangt nähmlich in den ungeheuern ersten Magen (rumen, magnus venter, franz. le double, l'herbier, la panse, der Pansen, Wanst), als in ein Magazin, worin es nur ein wenig durchweicht wird. Von da wird eine kleine46 Portion dieses Futters nach der andern mittelst des zweyten Magens (reticulum, franz. le bonnet, le reseau, die Haube, Mütze, das Garn), der gleichsam nur ein Anhang des ersten ist, aufgefaßt und wieder durch den Schlund hinauf getrieben. Nun wird der wiederge - kaute, zum zweyten Mahl geschluckte Bissen durch eine besondere Rinne, ohne wieder durch die beiden ersten - gen zu passiren, gleich aus dem Schlunde in den drit - ten (echinus, centipellio, omasus, franz. le feuillet, le pseautier, das Buch, der Psalter, der Blättermagen) geleitet, wo er von da endlich zur völligen Verdauung in den vierten (abomasus, franz. la caillette, der Laab, die Ruthe, der Fettmagen) gelangt, der dem Ma - gen anderer Säugethiere am nächsten kommt*)Mehr davon s. im Handbuche der vergleichenden Anatomie S. 130 u. f..

Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende Thiere überhaupt passende Haupt-Nutzen der Rumination scheint mir noch gänzlich unbekannt.

§. 46.

Außer den Klauen, Zähnen ꝛc. sind viele Säu - gethiere auch mit Hörnern als Waffen versehen. Bey einigen Gattungen, wie beym Hirsch, Reh ꝛc. sind die Weibchen ungehörnt; bey andern, wie beym Renthier und im Ziegengeschlecht, sind ihre Hörner doch kleiner als der Männchen ihre. Anzahl, Form und Lage, besonders aber die Textur der Hörner, ist sehr verschieden. Beym Ochsen -, Ziegen - und Gazellengeschlecht sind sie hohl, und sitzen wie eine Scheide über einem knöchernen Zapfen oder Fort - satz des Stirnbeins. Die Hörner der beiderley Rhi - nocer sind dicht, und bloß mit der Haut auf der Nase verwachsen. Beym Hirschgeschlecht hingegen sind sie zwar ebenfalls solide, aber von mehr knochen - artiger Textur, und ästig. Sie heißen dann Ge - weihe, und werden gewöhnlich alljährlich abgeworfen und neue an ihrer Statt reproducirt.

47

§. 47.

Die Oeffnung des Afters wird bey den mehresten Säugethieren durch den Schwanz bedeckt, der eine Fortsetzung des Kuckucksbeins (coccyx), und von mannigfaltiger Bildung und Gebrauch ist. Er dient z. B. manchen Thieren sich der stechenden Insecten zu erwehren; vielen Meerkatzen und einigen andern americanischen und Neu-holländischen Thieren statt einer Hand, um sich daran halten, oder damit fassen zu können (cauda prehensilis, Rollschwanz); den Springhasen zum Springen (cauda saltatoria), dem Kängaruh zum Gleichgewicht bey seiner aufrechten Sitzen und zur Verteidigung ꝛc.

§. 48.

Auch sind am Körper einiger Thiere dieser Classe besondere Beutel von verschiedner Bestimmung zu merken. So haben viele Affen, Paviane, Meer - katzen, auch der Hamster u. a., Backentaschen (the - sauros, Fr. salles), um Proviant darin einschleppen zu können. Beym Weibchen der Beutelthiere liegen die Zitzen in einer besondern Tasche am Bauche, worein sich die saugenden Jungen verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z. B. die mehresten größern grasfressenden, sind gewöhnlich nur mit Einem Jungen auf einmahl trächtig; andere hingegen, wie z. B. die Raubthiere, und die Schweine mit mehreren zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter durch die so genannte Nachgeburt (secundinae) in Ver - bindung, welche aber von verschiedener Gestaltung ist; da sie z. B. im Menschengeschlecht einen ein - fachen größeren Mutterkuchen (placenta) bildet,48 hingegen bey den wiederkauenden Thieren mit gespal - tenen Klauen (pecora) in mehrere, theils sehr zahl - reiche, zerstreute kleine solche Verbindungsorgane (cotyledones) vertheilt ist u. s. w.

§. 50.

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Gesichts - puncte bestimmen; entweder nähmlich, in sofern sie auf die Haushaltung der Natur im Großen, auf den ganzen Gang der Schöpfung Einfluß haben; oder in sofern sie dem Menschen unmittelbar nutzbar werden. Aus jener Rücksicht sind, wie wir unten sehen werden, die Insecten und Gewürme die bey weiten wichtigsten Geschöpfe; aus dieser hingegen die Säugethiere; und zwar sowohl wegen der Größe als der Vielartigkeit ihrer Benutzung. Die Ver - schiedenheit in ihrer Bildung, ihre große Gelehrig - keit, ihre Stärke u. s. w. machen sie für den Men - schen auf die mannigfaltigste Weise brauchbar*)Auch das, daß bey Manchen schon das einzelne Indivi - duum von so bedeutendem Werth ist; wie z. B. große Wallfische oder Pottfische; edler Hausthiere zu geschweigen, bey welchen Schönheit, Feinheit der Wolle, Dressirung ꝛc., den Preis so mächtig steigert.. Aus keiner andern Classe von Thieren hat er sich so treue, dienstfertige und arbeitsame Gehülfen zu schaffen gewußt; keine ist ihm zu seinem unmittel - baren Gebrauch und zu seiner Selbsterhaltung so unentbehrlich als diese. Ganze Völker des Erd - bodens können mit einer einzigen Art von Säuge - thieren fast alle ihre dringendsten Bedürfnisse be - friedigen. So die Grönländer mit dem Seehund; die Lappen, Tungusen ꝛc. mit dem Renthier; die Aleuten mit dem Wallfisch.

49

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säugethiere für das Menschengeschlecht reducirt sich vorzüglich auf folgendes. Zum Reiten, zum Zug, Acker - bau, Lasttragen u.s.w.; Pferde, Maulthiere, Esel, Ochsen, Büffel, Renthiere, Elephanten, Ca - mele, Llamas, Hunde. Zur Jagd, zum Be - wachen ꝛc. Hunde. Zum Mausen und Vertilgen anderer schädlichen Thiere: Katzen, Igel, Ameisen - bären ꝛc. Zur Speise: das Fleisch vom Rind - vieh, Schafen, Ziegen, Schweinen, vom Hirschge - schlecht, von Hasen, Kaninchen u. s. w. Ferner Speck, Schmalz, Blut, Milch, Butter, Käse. Zur Kleidung, zu Decken, Zelten ꝛc. Pelz - werk, Leder, Haare, Wolle ꝛc. Zum Brennen: Talg, Thran, Wallrath*)Namentlich auch das durch die Kunst aus dem macerirten Fleisch von Pferden u. a. Quadruveden bereitete. S. Voigt's neues Magazin II. B. S. 772 u. f.. Zum Schreiben, Bücherbinden ꝛc. Pergament, Leder. Für an - dere Künstler und zu allerhand Gebrauch: Borsten, Haar, Geweihe Hörner, Klauen, Elfen - bein u. a. Zähne, Fischbein, Knochen, Blasen. Därme, Sehnen und Knochen zu Tischerleim. Därme zu Saiten. Blut zu Berlinerblau u. a. Farben. Knochen und Huf zu Beinschwarz, Hornschwarz ꝛc. Fett und Mark zu Seife. Mist zum Dünger, zur Feuerung, zu Sal - miak ꝛc. Endlich zur Arzney: Bisam, Bibergeil, Hirschhorn, Milch ꝛc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich meh - rere Thiere dieser Classe dem Menschengeschlecht un - mittelbar oder mittelbar nachtheilig. Manche50 reißende Thiere, besonders aus dem Katzen-Ge - schlecht, fallen Menschen an. Eben diese und noch manche andere, z. B. die Wiesel, Marder, Iltisse, Vielfraße, Fischottern, Wallfische ꝛc. vertil - gen viele nutzbare Thiere: oder schaden den Gewächsen, Bäumen, Gartenfrüchten, dem Getreide u.s.w. wie die Feldmäuse, Hamster, Lemming, Hirsche, Hasen, Biber, Affen, Elephan - ten, Rhinocer, Nilpferde ꝛc. oder gehen andern Eßwaren nach, wie Ratten, Mäuse, Fleder - mäuse u. s. w. Gift scheint (außer etwa dem männ - lichen Schnabelthier dessen Sporn am Hinterfuße für giftig gehalten worden) kein anderes Thier dieser Classe im gesunden Zustande zu besitzen.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche, d. h. bloß von einzelnen zum Classificationsgrunde gelegten Cha - raktern entlehnte Systeme (systemata artificialia), nach welchen verdiente Naturforscher die Säugethiere zu ordnen versucht haben. Aristotelis Einthei - lung z. B. ist bloß auf die allgemeinste Verschieden - heit der Zehen und Klauen gegründet, und die haben auch Ray u. a. zum Grunde gelegt, nach der Zahl der Zehen ꝛc. weiter bearbeitet. Aber hierbey müssen die verwandtesten und im Ganzen noch so ähnlichen Gattungen von Ameisenbären, Faulthie - ren ꝛc. getrennt, und in ganz verschiedene Ordnun - gen versetzt werden, bloß weil die eine mehr, die andere weniger Zehen hat. Linné hat die Zähne zum Classificationsgrund gewählt, ein Weg, auf dem man aber nicht minder, bald auf die unnatür - lichsten Trennungen, bald auf die sonderbarsten Ver - bindungen stößt*)Non enim methodicorum scholis se adstringere voluit natura systemata artificialia nostra flocci faciens. Pallas.. Das Geschlecht der Fledermäuse51 muß nach seinem Entwurf, wegen des verschiedenen Gebisses bey einigen Gattungen, wenigstens in drey verschiedene Ordnungen zerstückt werden; so die bei - derley Nashörner in zwey; dagegen kommt der Elephant mit den Panzerthieren, und den formosa - nischen Teufelchen in eine gemeinschaftliche Ordnung ꝛc.

§. 54.

Ich habe daher ein im Ganzen natürlicheres System der Säugethiere zu entwerfen getrachtet, wobey ich mehr auf den Totalhabitus dieser Thiere gesehen, doch vorzüglich die Bewegungswerk - zeuge, weil sie am leichtesten in die Augen fallen und dem Totalhabitus sehr angemessen sind, zum Grund der Ordnungen gelegt, aber zweye derselben, welche vielartige Geschöpfe begreifen, wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses in einige Familien unterabgetheilt, und diese mit den bekannten Namen einiger Linnéischen Ordnungen bezeichnet: und so die ganze Classe folgender Maaßen geordnet:

I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey Händen.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen. Affen, Paviane, Meerkatzen und Makis.

III. Chiroptera. Die Säugethiere deren Vorderfüße Flatterhäute bilden (§. 43.). Die Fledermäuse.

IV. Digitata. Säugethiere mit freyen Zehen an allen vier Füßen. Diese Ordnung zerfällt nach der Verschiedenheit des Gebisses in folgende drey Familien:.

A) Glires. Mit mauseähnlichem Gebiß. Eich - hörnchen, Hasel - und andere Mäuse, Murmel - thiere, Meerschweinchen u. s. w. Springmäuse, Hasen, Stachelschweine.

52

B) Ferae. Die eigentlich so genannten reißenden Thiere und einige andere Geschlechter mit ähn - lichem Gebiß. Löwen ꝛc., Hunde ꝛc., Bären, Wiesel, Viverren, Beutelthiere, Igel, Spitz - mäuse, Maulwürfe.

C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorderzähne ꝛc. Faulthiere, Ameisenbären, Schuppenthiere, Panzerthiere.

V. Solidungula. Pferd ꝛc.

VI. Bisulca. Die wiederkauenden Thiere mit ge - spaltenen Klauen.

VII. Multungula. Meist sehr große, aber un - förmliche, borstige oder dünnbehaarte Säugethiere mit mehr als zwey Klauen an, jedem Fuß. Schweine (denn auch diese haben im Grunde vier Klauen), Tapir, Elephanten, Nashörner, Nilpferd.

VIII. Palmata. Säugethiere mit Schwimmfüßen. Wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses in obgedachte drey Familien getheilt:

A) Glires. Biber.

B) Ferae. Seehunde ꝛc. Ottern.

C) Bruta. Das Schnabelthier, Wallroß, der Manate.

Letzterer macht von hier den schicklichsten Ueber - gang zur letzten Ordnung.

IX. Cetacea. Wallfische. Warmblütige Thiere, die mit den kaltblütigen Fischen fast nichts als den unschicklichen Namen gemein haben, und de - ren natürliche Verbindung mit den übrigen Säu - gethieren schon Ray vollkommen richtig einge - sehen hat*)Cetacea quadrupedum modo pulmonibus respirant, coëunt, vivos foetus pariunt, eosdemque lacte alunt, partium53 denique omnium internarum structura et usu cum iis conve - niunt.Raius..

Zur N. G. der Säugethiere.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de quadrupedibus vi - viparis. Basil. 1551 fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrupedibus digitatis viviparis L. III. Bonon. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedibus ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis. ib. 1613. fol.
  5. Ej. de cetis L. I. (Am Ende seines Werkes de piscibus. ) ib. eod. fol.
  6. Jo. Rah. synopsis animalium quadrupedum. Lond. 1693. 8.
  7. Buffon.
  8. Th. Pennant's history of quadrupeds. Lond. 1781. II. vol. 4.
  9. Deutsch (mit Zusätzen von J. M. Bechstein). Weimar 1799. II. B. 4.
  10. Ej. arctic zoology. vol. I. ib. 1784. 8.
  11. J. Ch. Dan. v. Schreber Säugethiere. Erlang. seit 1774. 4.
  12. J. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium. Lips. 1777. 8.
  13. E. A. W. v. Zimmermann geographische Geschichte des Men - schen, und der allgemein verbreiteten vierfüßigen Thiere. Leipz. 1778. III. B. 8.
  14. J. M. Bechstein's gemeinnützige N. G. Deutschlands. I. B. Leipz. 1789. 8.
  15. A general history of Quadrupeds. The figures engraved on wood by Th. Bewick. Newcastle upon Tyne 1790. 8.
  16. Fr. Tiedemann's Zoologie. I. B. Lanshut. 1808. 8.
  17. C. Illigeri prodromus systematis mammalium et avium. Berol. 1811. 8.
  18. Tabellarische Uebersicht der Säugethiere nach Illiger, herausg. von J. Chr. K. Hellwig. Helmst. 1819. 8.
  19. Histoire naturelle des mammifères, par Geoffroy St. Hilaire et Fr. Cuvier, publiée par C. de Lasteyrie. Par. seit 1819. gr. Fol.
54

I. Ordn. BIMANUS.

1. Homo. Erectus, bimanus. Mentum promi - nulum. Dentes aequaliter approximati; inci - sores inferiores erecti.

1. . Sapiens*)W. Lawrence's Lectures on the natural History of Man. Lond. 1819. 8. Mit 12 Kupfern..

Zu den äußern Kennzeichen, wodurch der Mensch selbst vom menschenähnlichsten Affen, geschweige von den übrigen Thieren zu unterscheiden ist, gehört vorzüg - lich sein aufrechter Gang (als wozu sein ganzer Wuchs und Bildung, besonders aber seine beckenähn - lichen Hüftknochen, das Verhältniß seiner Schenkel zu den Armen und seine breiten Fußsohlen, eingerichtet sind), dann der freyeste Gebrauch zweyer vollkom - menen Hände; ferner sein prominirendes Kinn und die aufrechte Stellung seiner untern Schneidezähne.

Das weibliche Geschlecht hat (außer der ihm in der Blüthe des Lebens eigenen Form des Busens) noch ein Paar eigenthümliche Charaktere, die dem männ - lichen und allen übrigen Thieren abgehen, nähmlich ei - nen periodischen Blutverlust in einer bestimmten Reihe von Lebensjahren; und dann einen besondern Theil an den Sexual-Organen, dessen Mangel oder Zerstörung als ein körperliches Kennzeichen der ver - letzten jungfräulichen Integrität anzusehen und we - nigstens in der Form und Lage noch bey keinem andern weiblichen Thiere bemerkt ist.

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen be - trifft, so hat er außer dem Begattungstriebe wenig Spuren von Instinct (§. 34. u. f.), Kunsttriebe aber (§. 36.) schlechterdings gar nicht. Dagegen ist er ausschließlich im Besitz der Vernunft (§. 37.), und der dadurch von ihm selbst erfundenen Rede oder Sprache (loquela), die nicht mit der bloß thierischen Stimme (vox) verwechselt werden darf (§. 25.), als welche auch den ganz jungen und selbst den stummge -55 bornen Kindern zukommt. Und so folgt aus jenen bei - den ausschließlichen Vorzügen das große ausschließliche Eigenthum der Menschenspecies, wodurch sie über die ganze übrige thierische Schöpfung erhoben wird, das Vermögen sich selbst zu vervollkommnen (§. 37.).

Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfsbe - dürftiges Geschöpf. Kein anderes Thier außer ihm bleibt so lange Kind, keins kriegt so sehr späth erst sein Gebiß, lernt so sehr spät erst auf seinen Füßen stehen, keins wird so sehr spät mannbar u.s.w. Selbst seine großen Vorzüge, Vernunft und Sprache, sind nur Keime, die sich nicht von selbst, sondern erst durch fremde Hülfe, Cultur und Erziehung entwickeln können; daher denn bey dieser Hülfsbedürftigkeit und bey die - sen zahllosen dringenden Bedürfnissen die allgemeine na - türliche Bestimmung des Menschen zur gesellschaft - lichen Verbindung. Nicht ganz so allgemein läßt sich hingegen vor der Hand noch entscheiden, ob in allen Welttheilen die Proportion in der Anzahl der ge - bornen Knäbchen und Mädchen, und die Dauer der Zeit und der Fortpflanzungsfähigkeit bey beiden Geschlechtern so gleich sey, daß der Mensch überall so wie in Eu - ropa zur Monogamie bestimmt werde*)Doch vergl. auch Hrn. Staatsrath Hufeland über die Gleichzahl beider Geschlechter im Menschengeschlecht. Berl. 1820. 8..

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind beide unbeschränkt; er bewohnt die ganze bewohnbare Erde, und nährt sich mit den vielartigsten Stoffen aus dem weitesten Umfang der organisirten Schöpfung. Und in Verhältniß zu seiner mäßigen körperlichen Größe, und in Vergleich mit andern Säugethieren erreicht er ein ausnehmend hohes Alter.

Es giebt nur eine Gattung (species) im Menschenge - schlecht; und alle und bekannte Völker aller Zeiten und aller Himmelsstriche können von einer gemeinschaftlichen Stammrasse abstammen**)Ich habe dieß in der 3ten Ausgabe der Schrift: de gene - ris humani varietate nativa weiter ausgeführt.. Alle National-Verschieden - heiten in Bildung und Farbe des menschlichen Körpers56 sind um nichts auffallender oder unbegreiflicher als die, worin so viele andere Gattungen von organisirten Kör - pern, zumahl unter den Hausthieren, gleichsam unter unsern Augen ausarten. Alle diese Verschiedenheiten fließen aber durch so mancherley Abstufungen und Ueber - gänge so unvermerkt zusammen, daß sich daher auch keine andere, als sehr willkürliche Gränzen zwischen ih - nen festsetzen lassen. Doch habe ich das ganze Men - schengeschlecht noch am füglichsten unter folgende fünf Rassen*)Vergl. die nach dieser Eintheilung colorirte Weltcharte im ersten B. des Archivs für Ethnographie und Linguistik von J. F. Bertuch und J. S. Vater. zu bringen geglaubt:

1) Die caucasische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3. und 51.

von mehr oder weniger weißer Farbe mit rothen Wan - gen, langem, weichem, nußbraunem Haar (das aber einerseits ins Blonde, anderseits ins Schwarze über - geht); und der nach den europäischen Begriffen von Schönheit musterhaftesten Schedel - und Gesichts - Form. Es gehören dahin die Europäer mit Aus - nahme der Lappen; dann die westlichern Asia - ten, dießseits des Ob, des caspischen Meers und des Ganges; nebst den Nordafricanern; also ungefähr die Bewohner der den alten Griechen und Römern bekannten Welt.

2) Die mongolische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 1.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten, oder wie getrocknete Citronschalen); mit wenigem, straf - fem, schwarzem Haar; enggeschlitzten aber gleichsam aufgedunsenen Augenliedern; plattem Gesicht; und seitwärts eminirenden Backenknochen. Diese Rasse begreift die übrigen Asiaten, mit Ausnahme der Malayen; dann in Europa die Lappen, und im nörd - lichen America, von der Beringsstraße bis Labrador, die Eskimos.

3) Die äthiopische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem, krausem Haar; vorwärts prominirenden Kiefern, wulstigen57 Lippen und stumpfer Nase. Dahin die übrigen Afrikaner, nahmentlich die Neger, die sich dann durch die Fulahs in die Mauren ꝛc. verlieren, so wie jede andere Menschen-Varietät mit ihren benachbarten Völkerschaften gleichsam zusammen fließt.

4) Die amerikanische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 2.

meist lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost oder angelaufnes Kupfer); mit schlichtem, straffem, schwarzem Haar, und breitem aber nicht plattem Ge - sicht, sondern stark ausgewirkten Zügen. Begreift die übrigen Americaner außer den Eskimos.

5) Die malayische Rasse:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle Maha - goni anderseits bis ins dunkelste Nelken - und Ca - stanienbraun); mit dichtem schwarzlockigem Haarwuchs; breiter Nase; großem Mund. Dahin gehören die Südsee-Insulaner oder die Bewohner des fünf - ten Welttheils und der Marianen, Philippinen, Mo - lucken, sundaischen Inseln ꝛc., nebst den eigent - lichen Malayen*) Jede dieser fünf Haupt-Rassen begreift übrigens wieder ein und das andere Volk, das sich durch seine Bildung mehr oder minder auffallend von den übrigen derselben Abteilung aus - zeichnet. Und so könnten z. B. die Hindus von der Cauca - fischen; die Schinesen und Japaner von der Mongolischen; die Hottentotten von der Aethiopischen; so wie die Nord - Amerikaner von denen in der südlichen Hälfte der neuen Welt; und die schwarzen Papus auf Neuholland ꝛc. von den braunen Utaheiten u. a. Insulanern des stillen Oceans, als eigene Unterarten abgesondert werden. Beytr. zur Naturgesch. I. Th. S. 72. der 2ten Ausg..

Von diesen fünf Haupt-Rassen muß nach allen physio - logischen Gründen die caucasische als die so genannte Stamm - oder Mittel-Rasse angenommen wer - den. Die beiden Extreme, worin sie ausgeartet, ist einerseits die mongolische, anderseits die äthio - pische. Die andern zwey Rassen machen die Ueber - gänge. Die americanische den, zwischen der caucasi -58 schen und mongolischen, so wie die malayische den, zwischen jener Mittel-Rasse und der äthiopischen*)Versteht sich nämlich dieß Alles so das die in den verschiedenen Welttheilen verbreiteten Völkerschaften nach der stär - kern und längern Einwirkung der verschiedenen Climate und an - derer obgedachten Ursachen der Degeneration, entweder um desto weiter von der Urgestalt der Mittel-Rasse ausgeartet sind, oder aber auch sich ihr hinwiederum mehr genähert haben. So sind z. B. die Jakuten, Koräken, Eskimos u. a. dergl. Polar - völker der mongolischen Rasse, sehr auffallend von der caucasischen Mittel-Rasse abgeartet; da hingegen die (wenn gleich entfern - tere, aber einen meist mildern Erdstrich bewohnende) america - nische Rasse sich derselben wiederum mehr nähert; und nur am südlichsten Ende ihres Welttheils, nämlich an dem beeisten Feuerlande nochmals in die mongolische Gestaltung, zurück - fällt Eben so ist gegenseitig die äthiopische Rasse im bren - nendheißen Africa zum andern Extrem in der Stufenfolge der Menschenvarietäten ausgeartet, die hingegen in dem schon mil - dern Neu-Holland und auf den neuen Hebriden ꝛc. zur malayi - schen Rasse übergeht.Wie vielen Einfluß dabey aber auch die Vermischung fremd - artiger durch Völkerwanderung zusammentreffender Rassen habe, bedarf kaum erst einer Erwähnung..

Alle den fabelhaften Wust herzuzählen, womit die Men - schen die N. G. ihres Geschlechts verunreinigt haben, lohnt sich jetzt nicht der Mühe; doch nur Weni - ges von vielem.

Die vermeintlichen patagonischen Riesen z. B. sind, von Magellans Zeiten bis auf die unsri - gen, in den Erzählungen der Reisenden, von zwölf Fuß zu siebentehalb eingekrochen, und bleiben also wenig größer als jeder andere Mensch von guter Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für ein Zwergvölkchen ausgegebenen Quimos auf Mada - gascar nichts weiter sind als eine Art Cretine, d. h. kleine Blödsinnige mit dicken Köpfen und langen Ar - men (dergleichen sich im Salzburgischen, so wie im Walliserlande, zumal aber im Piemontesichen in Menge finden), wird bey pathologischer Prüfung mehr als bloß wahrscheinlich.

59

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Albinos, oder weiße Mohren*)Von diesen so genannten weißen Mohren (Nègres blancs) müssen die bloß weißgefleckten Neger genau unterschieden werden, deren einer, den ich in London gesehen und eine Probe von seinem weiß und schwarzen Wollhaar mitgebracht habe, in den Abbild n. h. Gegenst. tab. 21 nach dem Leben vorgestellt ist. nicht ein Mahl eine Spiel - art, geschweige eine besondere Gattung, sondern gleichfalls Patienten, deren Geschichte mehr in die Pathologie als in die Naturhistorie gehört.

Linné's Homo troglodytes ist ein unbegreifliches Ge - mische aus der Geschichte jener preßhaften kränklichen weißen Mohren, und des Orangutangs: sein Homo lar hingegen ein wahrer Affe.

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kinder**)Ausführlich habe ich von diesen gehandelt im II. Theile der Beytr. zur Naturgesch. p. 13-44. sind klägliche sittliche Monstra, die man eben so we - nig, als andere durch Krankheit oder Zufall entstellte Menschen, zum Muster des Meisterstücks der Schö - pfung anführen darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte Hot - tentottinnen, die vorgebliche natürliche Bart - losigkeit der Americaner***)Verschiedenheit im schwächern oder stärkern Haarwuchs ist oben bey der mongolischen und malayischen Rasse angegeben. Aber die gänzliche Bartlosigkeit mancher Americaner, die ist Werk der Kunst, so gut als die winzig kleinen Füßchen der schi - nesischen Frauenzimmer ( die Struthopodes des Eudoxus beym Plinius. )., die Sirenen, Cen - tauren, und alle Fabeln von gleichem Schrot und Korn, verzeihen wir der gutherzigen Leichtgläubig - keit unserer lieben Alten.

60

II. QUADRUMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre Le - bensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen erfor - dert. Sie sind ursprünglich wohl bloß zwischen den Wendezirkeln zu Hause*)Histoire naturelle des Singes, peints d'après nature par J. D. Audebert. Par. 1797. gr. Fol..

2. Simia. Affe. Habitus plus minus anthro - pomorphus, auriculae et manus fere humanae. Nares anteriores. Dentes primores incisores, supra et infra 4. laniarii solitarii, reliquis longiores.

Bloß in der alten Welt; zwar menschenähnlicher als die Thiere der nächstfolgenden Geschlechter, doch aber außer dem schon beym Menschengeschlecht angeführten Umständen, in ihrer ganzen Bildung, besonders auch durch die schmalen Hüften und platten Lenden, auf das auffallend sichtlichste vom Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.

1. Satyrus. der Orangutang. S. rufa, pilis lon - gis raris, capite globoso, fronte tumida, auricu - lis minoribus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12 und 52.

Wie es scheint bloß auf Borneo, und auch da in geringer Anzahl**)Folglich eine sehr kleine Species von Säugethieren; so wie hingegen das Menschengeschlecht, von circ. tausend Millio - nen Köpfen, wohl die größte.; läßt sich, wenn er ganz jung ein - gefangen worden, so wie der Schimpansee und andere Affen auch, zu allerhand künstlichen Handlungen ab - richten, die man aber von seinem natürlichen Betragen genau unterscheiden muß.

Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines solchen Thiers gezeigt, weder einer menschlichen Rede, noch eines natürlichen aufrechten Ganges fähig.

61

2. Troglodytes. der Schimpansee, Barris. S. nigra, macrocephala, torosa, auriculis magnis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 11.

Im Innern von Angola, Congo ꝛc. und tiefer land - einwärts; so wie der vorige ungefähr von der Größe eines dreyährigen Buben.

3. Lar. der Gibbon, Golok. (Linnés Homo lar.) S. brachiis longissimis, talos attingentibus.

Schreber. tab. 3.

Auf beiden indischen Halbinseln, auch auf den Mo - lucken; hat ein rundliches, ziemlich menschenähnliches Gesicht und ungeheuer lange Arme, und ist von schwärz - licher Farbe.

4. Sylvanus. der gemeine türkische Affe. S. brachiis corpore brevioribus, natibus caluis, ca - pite subrotundo.

Schreber. tab. 4.

In Nordafrica, Ostindien ꝛc. Unter den ungeschwänz - ten Affen der gemeinste und dauerhafteste; der auch leicht in Europa Junge heckt; ist sehr gelehrig ꝛc. Wohl kaum vom inuus (Büffons magot) verschieden. Ist auch auf Gibraltar verwildert, und hat sich da im Freyen fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata. der langnasige Affe, Kahau, Bantagan-Affe, Bantanian, (Fr. le na - sique, la guenon à long nez). S. cauda medio - cri, naso elongato, rostrato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den sundaischen Inseln. Eine simia die nicht sima ist, sondern sich durch eine lange rüsselförmige Nase auffallend auszeichnet.

6. Silenus. der Bartaffe, Wanduru. S. caudata, barbata nigra, barba incana prolixa.

Schreber. tab. 11.

62

Auf Ceilon ꝛc. Aeltere ganz kenntliche Abbildun - gen*)Ursprünglich in Bernh. von Breydendach Reiß in das gelobt Land. Mainz 1486. Fol. dieses Affen sind durch Verschönerung von spä - tern Copisten**)im VI. B. von Martini's Uebersttzung von Büffon. zum vorgeblichen geschwänzten Menschen umgestaltet worden.

7. Cynomolgus. der Macacco. die (insgemein so genannte) Meerkatze. S. cauda longa, arcuata, naribus bifidis elastis.

Schreber tab. 12.

Auf Guinea, Angola ꝛc. beynahe olivengrün. Wird unter den geschwänzten wahren Affen am häufigsten nach Europa gebracht.

3. Papio. Pavian. (Fr. babouin. Engl. ba - boon. ) Facies prolongata, minus anthropomor - pha, nasus utrinque tuberosus, nates nudae, coccineae, cauda (plerisque) abbreviata. Den - tes ut in simiis.

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat we - nig menschenähnliches, bey manchen eher etwas vom Schwein, zumahl in der Schnauze. Meist sind es un - bändige, und äußerst geile Thiere.

1. Hamadryas. der Hundskopf. (Cynocephalus. Fr. le Tartarin). P. cinereus, auribus comosis, unguibus acutiusculis.

Schreber tab. 10.

In Aegypten ꝛc. bis zum Cap. Kommt so oft in der Bilderschrift auf den Altägyptischen Kunstwerken vor***)S. z. B. das Rouleau de Papyrus; publié par Cadet. 1805..

2. Mormon. der Choras. P. naso miniato ad la - tera caerulescente.

Schreber tab. 8. A. 8. B.

Auf Ceilan ꝛc. Wird gegen fünf Fuß hoch; hat zumahl wegen der hochfarbigen abstechenden Streifen63 auf und zu beiden Seiten der Nase, ein auffallendes Ansehen.

3. Maimon. der Mandril. P. facie violacea gla - bra, profunde sulcata.

Schreber tab. 7.

Auf Guinea, am Cap ꝛc. wo oft ganze Scharen Weinberge und Obstgärten plündern sollen. Viel klei - ner als der vorige.

4. Cercopithecus. Meerkatze. Auriculae et manus minus humanae. Nares laterales. Nates tectae. Dentes ut in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern Süd - America einheimisch, wo es den Indianern zu einem gemeinen Wildbret dient.

a) Cauda prehensili, die Sapajous.

1. Seniculus. der rothe Brüllaffe (l'Alouate). C. barbatus rufus, gutture tumido.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 91.

Scharenweis in den großen Waldungen von Guia - na ꝛc., wo er, so wie eine andre Gattung (Cercop. Belzebul) zumahl bey Wetterveränderung ein betäu - bendes Geschrey hören läßt, das durch eine sonderbare knöcherne Resonanzblase am Kehlkopfe (zwischen den mächtig großen Seitenflügeln des Unterkiefers) hervor - gebracht wird.

2. Paniscus. der Coaita. C. ater, palmis tetra - dactylis absque pollice.

Schreber tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen Roll - schwanze*)Die sonderbare Art, wie sich ihrer mehrere gleichsam ket - tenartig an einander hängen sollen, um sich von einem Baume am dießseitigen Ufer eines Flusses, auf einen jenseits gegen über stehenden zu schleudern, ist abgebildet in der Original-Ausgabe von ant. de Ulloa viage. Madr. 1748. fol. vol. I. p. 144. vergl. mit p. 149..

64

b) Cauda non prehensili, die Sanguinchen.

3. Jacchus. der Uistiti. C. iuba pilosa alba ad ge - nas ante aures, cauda villosa annulata.

Schreber tab. 33.

Braun, und so klein, daß er in einer Cocosnuß - Schale Raum hat.

5. Lemur. Maki. Nasus acutus, dentes pri - mores superiores 4. per paria remoti, infe - riores 4-6. porrecti, compressi, incumbentes; laniarii solitarii, approximati*)Gotth. Fischer's Anatomie der Maki. I. B. Frankf. 1804. 4. mit Kupf..

1. Tardigradus. der Loxis. (cucang.) L. ecaudatus.

Schreber tab. 38.

Auf Ceilon; hat die Größe und Farbe des Eich - hörnchens, schlanke dünne Beine ꝛc. und so wie die fol - gende Gattung am Zeigefinger der Hinterfüße eine spitzige Kralle, an allen übrigen Fingern aber platte Nägel.

2. Mongoz. der Mongus. L. facie nigra, corpore et cauda griseis.

Schreber tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf Madagascar und den benachbarten Inseln. Die Hinterfüße sind viel länger als die vordern. Sein Fell hat, wie bey manchen Affen, einen specifiken Geruch, fast nach Amei - senhaufen.

65

III. CHIROPTERA.

Die Finger der Vorderfüße sind, den Dau - men ausgenommen, länger als der ganze Körper dieser Thiere; und zwischen denselben ist die zarte Flatterhaut ausgespannt (§. 43.). Daher können sie eben so wenig als die Affen mit ihren Händen, oder die Faulthiere mit ihren hakenförmigen Kletter - krallen ꝛc. bequem auf der Erde gehen.

6. Vespertilio. Fledermaus. (Fr. chauve-sou - ris. Engl. bat.) Pollex palmarum et digiti plan - tarum breves, reliqui longissimi, membranae expansili intertexti, pro volatu.

Ein weitläuftiges Geschlecht von animalibus noctur - nis, dessen verschiedene Gattungen in alle fünf Welt - theile verbreitet sind.

a) Dentibus primoribus 4. utrinque.

1. Spectrum. der Vampyr. V. ecaudatus, naso in - fundibiliformi lanceolato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.

In Südamerica; der Körper von der Größe des Eich - hörnchen. Wird dadurch sehr lästig, daß er nicht nur anderen größeren Säugethieren, dem Rindvieh, Pfer - den ꝛc. sondern auch schlafenden Menschen, bey welchen er sich vorzüglich an die Fußzehen setzt, Blut aussaugt, woher er denn auch den Namen des Vampyrs (Blutsau - gers) erhalten hat.

2. Caninus. der fliegende Hund. (Linnés vampyrus, Büffon's roussette. ) V. ecaudatus, naso simplici, membrana inter femora divisa.

Schreber tab. 44.

Weit größer als der Vampyr, so daß er mit aus - gespannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen soll, lebt aber bloß von Baumfrüchten und kann also schlech - terdings nicht Vampyr genannt werden: findet sich scha - renweise in Hindustan und auf den ostindischen und Au -66 stral-Inseln; in unzähliger Menge aber auf Neu-Hol - land. Ist auf den Pelew-Inseln das allereinzige Säu - gethier.

b) Dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. . Auritius. (Büffon's oreillard.) V. caudatus, auriculis maximis.

So wie die folgende in den mildern Gegenden der alten Welt. Ihre Ohren, die man insgemein, aber irrig, doppelt nennt, sind einfach, nur alle Theile ungeheuer groß.

4. . Murinus. die gemeine Fledermaus, Speck - maus. (Engl. the rearmouse.) V. caudatus, auri - culis capite minoribus.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu ihrem Winterschlaf in Höhlen an den Hinterfüßen auf. Ver - mehrt sich zuweilen in manchen Gegenden binnen kurzer eit in Unzahl.

c) Dentibus primoribus superioribus nullis.

5. . Ferrum equinum. die Hufeisennase. V. naso foliato ferri equini aemulo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 42.

Im mittlern und südlichen Europa.

IV. DIGITATA (Pododactyla).

Die Säugethiere mit freyen Zehen an allen vier Füßen. Die zahlreichste Ordnung an Geschlechtern und Gattungen, daher jene füglich nach der Verschie - denheit ihres Gebisses erst wieder unter drey Fa - milien gebracht werden. A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires. (Scalpris dentata Io. Hunter.)

Mit zwey zum Nagen bestimmten meißelartigen Vor - derzähnen in jedem Kiefer, ohne Eckzähne.

7. Sciurus. Cauda pilosa, disticha. Dentes pri - mores utrinque 2; inferiores subulati.

67

1. Volans. das fliegende Eichhörnchen. (Büf - fon's polatouche. ) S. duplicatura cutis laterali a pedibus anterioribus ad posteriores.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 71.

In Liefland, Rußland und Sibirien. Von der Farbe des petit gris. Das schlaffe Fell, das von den Vor - derfüßen nach den Hinterfüßen zu auf der Seite weg - läuft, dient ihm nur wie zu einem Fallschirm, um einen weitern Sprung von der Höhe herab wagen zu dürfen.

2. . Vulgaris. das Eichhörnchen. (Fr. l'ecureil. Engl. the squirrel.) S. auriculis apice barbatis, cauda dorso concolori.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1808.

Wohl in ganz Europa, fast ganz Asien. Die nor - dischen, zumahl an den Ufern des Ob und am Baikal - See, werden im Winter grau, und geben dann das echte Grauwerk, (petit gris). Zuweilen finden sich auch hier zu Lande schwarze Eichhörnchen; seltener schnee - weiße mit rosenrothen Augen; und noch seltener weiß - und schwarzgefleckte.

Der virginische Sc. cinereus (Büffon's petit gris) ist größer und ohne Ohrpinsel. Thut zumahl den Mais - feldern großen Schaden.

8. Glis. (Myoxus.) Cauda rotunda, versus api - cem crassior. Dentes ut in sciuris.

1. . Esculentus. der Siebenschläfer, Ratz, Bilch, die Rellmaus. (Fr. le loir. Engl. the rellmouse. ) G. griseus, subtus albidus, auri - culis rotundatis, nudis.

Schreber tab. 225.

So wie die folgende Gattung in den mildern Erdstri - chen der alten Welt. Es ist der wahre glis der Alten, den sie verspeiseten*)Apicius. VIII, 9., und in eigenen glirariis**)Varro de R. R. III, 15. - steten. Lebt in Eichen - und Buchenwäldern, nistet in hohle Bäume und hält langen und sehr festen Winter - schlaf.

68

2. . Avellanarius. die kleine Haselmaus. (Fr. le muscardin. Engl. the dormouse.) G. rufus, pollice plantarum mutico, auriculis rotundatis.

Schreber. tab. 227.

Kleiner am Leibe als die Hausmaus. Zu ihrem Win - terschlaf bereitet sie sich ein kugliches, ziemlich festes La - ger von Tangelnadeln, u. a. kleinem Gestrüppe, worein sie sich vergräbt.

9. Mus. Cauda gracilis, subnuda. Dentes ut in praecedentibus.

1. Oeconomus. die Wurzelmaus. M. cauda sub - sesquiunciali, auriculis nudis vellere molli laten - tibus, palmis subtetradactylis, corpore fusco.

Schreber tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird theils durch die großen Wanderungen, die sie, zumahl von Kamtschatka aus, in manchen Jahren, fast wie der Lem - ming, anstellt, besonders aber durch die Industrie merk - würdig, womit sie eine große Menge meist eßbarer Wur - zeln in ihre unterirdischen Höhlen schleppt, denen die Tungusen ꝛc. (wie die Thüringer dem Hamster-Vorrath) nachgraben.

2. . Sylvaticus. die Waldmaus, große Feld - maus. (Fr. le mulot. Engl. the field rat.) M. cauda mediocri, pectore flavescente, abdomine albido*)Const. Nicati comm. de mure domestico, silvatico atque arvali. VItraj. 1822. 8..

Schreber tab. 180.

Thut den Feldfrüchteen und der Holzsaat Schaden.

3. . Amphibius. die Wasserratte, der Erd - wolf. M. cauda longitudine dimidia corporis, auribus vix vellere prominulis, palmis subtetra - dactylis.

Schreber tab. 186.

69

In der ganzen nordlichen Erde. Ist zumahl den Gär - ten nachtheilig, besonders dem Wurzelwerk*)Vor Kurzem erhielt ich eine gar schöne Spielart dieser Gat - tung aus hiesiger Gegend. Hermelinweiß, bloß mit ein Paar bräunlich-grauen Flecken auf dem Rücken..

4. . Arvalis. die Feldmaus, Stoßmaus. (Fr. le campagnol. Engl. the field mouse. ) M. cauda mediocri, dorso ferrugineo, abdomine cinereo.

Schreber tab. 191.

Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer, und thut zumahl der Wintersaat großen Schaden. Das be - währteste Vertilgungsmittel ist wohl der englische Erd - bohrer. Auch unter dieser Gattung finden sich hier herum, wie unter der folgenden, Kackerlacken.

5. . Musculus. die Hausmaus. (Fr. la souris. Engl. the mouse. ) M. cauda elongata, palmis te - tradactylis, pollice palmarum mutico.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von Asien und America. Hat sich dem Menschen gewisser Maßen zum Hausthier aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen (die Kacker - lacken in ihrer Art), sind zuweilen so lichtschen, daß sie in der Hellung die Augenlider fest zuschließen, und für blind gehalten werden.

6. . Rattus. die Ratte. (Fr. le rat. Engl. the rat.) M. cauda elongata, palmis tetradactylis cum unguiculo pollicari.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbreitet; scheint aber ursprünglich im mittlern Europa zu Hause**)Von der von manchen neuem Naturforschern gar seltsam angegebenen ursprünglichen Heimath, so wie von der allmähligen Verpflanzung der Ratten und vieler andern nun weit verbreiteten Thiere, habe ich ausführlich gehandelt in der Commentatio de quorundam animantium coloniis, sive sponte migratis sive casu aut studio ab hominibus aliorsum transtatis. Cotting. 1823. 4. und im T. V. comm. recentior. Soc. R. Scientiar. Gott.. Aeußerst gefräßig. Frißt sogar Scorpione, und zieht dem Menschen und seinen Victualien überall nach. Den Bergleuten in die tiefsten Schachte, so wie den See -70 fahrern auf die Schiffe. Unter andern gehört diese Land - und Hausplage zu den gefährlichsten Feinden der Zuckerplantagen in West-Indien.

An vielen Orten wird sie allgemach durch die ur - sprünglich wohl in Ostindien und Persien einheimische Wanderratte (M. decumanus. Fr. le surmulot. Engl. the Norway rat) verdrängt, die von röthlich - grauer Farbe und ihr Fell mit vielen einzelnen langen Borstenhaaren durchmengt ist.

7. Lemmus. der Lemming. M. capite acuto, cauda brevicula, corpore nigro fulvoque irregulariter maculato.

Schreber tab. 195. A. 195. B.

Häufig in Lappland und Sibirien. Zuweilen emi - griren ganze Legionen von einer Gegend in die andere. Ihre unerwartete und unbemerkte Ankunft, und dann auch der Fall, daß welche von den Raubvögeln in die Luft gehoben und sich doch noch los gearbeitet und her - unter gefallen ꝛc., mag zu der alten Sage Anlaß ge - geben haben, daß es mitunter Lemminge vom Himmel regne.

8. Typhlus. die Blindmaus, Slepez. M. ecau - data, palmis pentadactylis, incisoribus supra in - fraque latis, palpebrarum aperturis auriculisque nullis.

Schreber tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils unter der Erde. Soll für seine kleinen ganz deutlichen Augäpfel doch gar keine Oeffnung in der Gegend der Augenlie - der haben, und folglich gänzlich blind seyn.

10. Marmota. (Arctomys.) Auriculae abbrevia - tae, cauda brevis, aut nulla. Dentes ut in praecedentibus.

1. Alpina. das Murmelthier. (Graubündnisch murmont vom Lat. mus montanus. Fr. la mar - motte. ) M. corpore depresso, supra fusco, sub - tus flavescente.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1812.

71

In vielen der höhern Alpen von Europa und Asien. Merkwürdig ist, daß man es auf der allée blanche in Savoyen theils auf isolirten Klippen findet, die wie Inseln aus diesem Eismeer hervorragen, Stundenweit von allem unbeeiseten Erdreich entfernt, und im ganzen Jahr nur etwa sechs Wochen lang vom Schnee ent - blößt sind; so daß es scheint, die dasigen Murmelthiere durchschlafen wenigstens zehn Monate vom Jahre, und bringen nur einen äußerst kleinen Theil ihrer Exi - stenz wachend zu.

2. Citellus. das Erdzeiselchen, Suslick. (Mus ponticus). M. auriculis minimis, cauda villosa, corpore vario.

Schreber tab. 211.

Häufigst in Ungarn, Polen und Sibirien. Hat die Größe vom Hamster; auch so wie dieser Backentaschen.

3. . Cricetus. der Hamster, Kornferkel. M. abdomine nigro.

F. G. Sulzer's N. G. des Hamsters. Götting. 1774. 8. Taf. 1. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Polen, Sibirien ꝛc. Lebt vorzüglich von Getreide, Bohnen ꝛc., wovon er großen Vorrath in den Backentaschen zu seinen unter - irdischen, wohl 7 Fuß tiefen, Höhlen schleppet. Eine Höhle hält wohl manchmahl auf 60 Pfund solcher Victualien. Er vermehrt sich ausnehmend, und man hat wohl eher nur allein in der Gothaischen Stadtflur in Einem Som - mer auf 90000 Hamster getödtet. Es giebt eine ganz schwarze Spielart unter diesen Thieren, so wie auch Kackerlacken mit rothen Pupillen.

11. Hyrax. (Daman.) Dentes primores superio - res 2, distantes, inferiores 4 contigui, pal - mae digitis 4, plantae digitis 3, cauda nulla.

1. Capensis. der Klipdas. (Büffon's marmotte du Cap.) H. palmarum unguibus planis, plan - tarum unico subulato.

Schreber tab. 240.

72

Am Cap, fast von der Größe des Murmelthiers. Lagert sich auch so in Felsenhöhlen, ist aber seinem ei - genen anomalischen Bau nach, zumahl wegen des Ge - bisses und der Füße, schwer zu classificiren.

12. Savia. Halbkanichen. Auriculae rotunda - tae, parvae. Cauda nulla aut brevis. Den - tes primores utrinque 2.

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Südamerica, zumahl in Brasilien.

1. Porcellus. das Meerschweinchen. Cobaya. (Fr. le cochon d' Inde. Engl. the Guinea-pig.) S. ecaudata, corpore variegato*)J. Jac. Freuler monographia Cavias porcelli zoologica. Gotting. 1820. 4..

Schreber tab. 173.

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in der Farbe, und ist wohl das fruchtbarste von alle Säuge - thieren. Soll jetzt kaum mehr wild gefunden werden.

2. Aguti. (Piculi. ) das Ferkelkaninchen. S. cau - data, corpore ex rufo fusco, abdomine flaves - cente.

Ménag. du Mus. nation. L. V. tab. 3.

Größer als ein Kaninchen.

13. Lepus. Dentes primores utrinque 2; supe - riores duplicati.

1. Timidus. der Hase. (Fr. le liévre. Engl. the hare.) L. auriculis apice nigris, corpore et pedibus posticis longioribus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

Fast in der ganzen alten Welt, und auch in Nord - America. Ist unter den Fußsohlen, und sogar zum Theil im Munde, behaart. Beide, Hase und Kanin - chen, scheinen wieder zu kauen**)III. B. Mosis, K. XI. V. 5. u. f..

73

Sonderbar ist die wundersame, von so vielen braven Naturforschern für wahr angenommene Sage, daß man schon oft und in ganz verschiedenen Gegenden und Zei - ten einzelne gehörnte Hasen mit kleinen Rehgeweihchen gefunden habe*)Meine Zweifel gegen die Aechtheit derselben habe ich im Handbuche der vergleichenden Anatomie S. 34 u. f. angegeben..

Der Verghase (Lepus variabilis) in manchen nördlichen und alpinischen Gegenden, unterscheidet sich schon in der Bildung vom gemeinen durch einen dicke - ren Kopf, kürzere Ohren, und kürzern Schwanz, län - gere Hinterbeine mit auffallend breiten Pfoten; paart sich auch nicht mit jenem. Im äußersten Norden, wie in Grönland ꝛc. ist er Jahr aus Jahr ein, in den Schweizer - und Tyroler Alpen ꝛc. aber nur im Winter weiß**)S. Meisner's Museum der Naturgesch. Helvetiens. Nro. 4..

2. Cuniculus. das Kaninchen. (Fr. le lapin. Engl. the rabbit.) L. auriculis nudatis, corpore et pedibus posticis brevioribus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten Welt, aber nun auch in nordischen Gegenden einheimisch. Sie vermehren sich so stark, daß sie wohl eher [z. B. ums Jahr 1736 auf der St. Peters Insel bey Sardi - nien***)(Cetti) quadrupedi di Sardegna. p. 149.] zur Landplage geworden sind†)Certum est, Balearicos adversus proventum cuniculo - rum auxilium militare a divo Augusto petiisse.Plinius.; und kom - men auch in ganz wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der sonst so öden liparischen Insel, fort. Die wilden sind grau; und die weißen mit rothen Augen die gemeinsten Kackerlacken.

Die langhaarigen angorischen (S. 24. Anm. 2.) oder so genannten englischen Seidenhasen kommen auch hier zu Lande gut fort.

74

14. Iaculus. (Dipus.) Pedes antici brevissimi, postici elongati. Cauda saltatoria, apice floc - cosa. Dentes primores utrinque 2.

1. Ierboa. der Springhase, Erdhase, die Springmaus, zweybeinige Bergmaus. Pal - mis tridactylis, plantis tetradactylis.

Schreber tab. 228.

Zumahl in Nord-Africa, Arabien ꝛc. Macht sich Höh - len in die Erde. Springt mit der Leichtigkeit einer Heuschrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß weit.

15. Hystrix. Stachelschwein. (Fr. porcepic. Engl. porcupine.) Corpus spinis tectum. Dentes primores utrinque 2.

1. Cristata. H. spinis longissimis, capite cristato, cauda abbreviata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 81.

Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz Africa; nährt sich zumahl von Baumrinden; nistet in der Erde. Im Zorn rasselt es mit seinen Stacheln, die ihm zu - weilen, besonders im Herbst ausfallen; kann sie aber nicht gegen seine Verfolger von sich schießen! *)Der weiland als Panazee berufene köstliche Gallenstein (pie - dra del porco) soll sich in einer noch nicht genau bekannten ost - indischen Gattung von Stachelschweinen finden.

2. Dorsata. (Urson.) H. spinis brevibus sub pilis occultis.

Schreber tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsonsbay ꝛc. Thut zumahl im Winter den jungen Baumstämmen großen Schaden.

B) Ferae.

Mit spitzen oder zackigen Vorderzähnen, und meist nur einem Eckzahn auf jeder Seite, der aber bey den mehr - sten von ansehnlicher Größe und Stärke ist. Die eigentlich so genannten reißenden Thiere und einige an - dere Geschlechter mit ähnlichem Gebiß.

75

16. Erinaceus. Corpus spinis tectum. Dentes primores utrinque 6*)Schwerlich nur 2, wie Linné meinte. Denn obere Vorderzähne sind doch wohl alle die so im Os intermaxillare ( S. 48. Not. **) ) sitzen; und untere alle die vorn im Un - terkiefer, auf welche jene obern passen.; laniarii supra 3, in - fra 1, molares 4.

1. Europaeus. der Igel. (Fr. le hérisson Engl. the hedge-hog.) E. auriculis rotundatis, naribus cristatis**)J. Joach. Wetter erinacei europaei anatome. Gotting. 1808. 8. pag. 7..

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal noctur - num. Nährt sich aus beiden Reichen. Mauset wie eine Katze. Kann spanische Fliegen in Menge fressen. Spießt allerdings (wie die Alten sagen, von den Neuern hin - gegen ohne allen Grund bezweifelt, mir aber nun schon von drey ganz zuverlässigen Augenzeugen versichert wor - den) Früchte an seine Rücken-Stacheln, um sie so in sein Lager zu tragen***)Es bezeugt es auch Dr. Patr. Russel in der neuen Ausgabe von seines Bruders nat. hist. of Aleppo T. II. p. 419..

17. Sorex. Nasus rostratus, auriculae breves. Dentes primores superiores 6†)So ist es wenigstens bey der Wasserspitzmaus., bifidi; infe - riores 2-4 intermediis brevioribus: laniarii utrinque plures.

1. . Araneus. die Spitzmaus. (Fr. la mus - araigne. Engl. the shrew.) S. cauda mediocri, abdomine albido.

Schreber tab. 160.

In Europa und Nord-Asien ꝛc. Daß sie giftig sey, oder den Pferden in den Leib krieche ꝛc. sind ungegrün - dete Sagen. Selten finden sich gefleckte oder ganz weiße Spitzmäuse.

76

2. Fodiens. die Wasserspitzmaus. S. abdo - mine cinereo, digitis ciliatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 72.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimmhaut ist jede Zähe zu beiden Seiten mit steifen Härchen besetzt, die die Füße zum Rüdern ungemein geschickt machen. Die Oeffnung des Gehörganges kann das Thier durch eine Klappe zuschließen, so lange es unter Wasser ist.

3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei und Ob. Das kleinste der bis jetzt be - kannten Säugethiere. Wiegt nur 1 / 2 Quentchen.

18. Talpa. Caput rostratum, palmae fossoriae. Dentes primores superiores 6. inferiores 8; laniarii major 1, minores 4.

1. . Europaea. der Maulwurf, die Schermaus. (Fr. la taupe. Engl. the mole) T. cauda bre - viore, auriculis nullis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein vollkommenes animal subterraneum, wozu ihm außer andern Eigenhei - ten seines Körperbaues, besonders die Schaufelpfoten zu Statten kommen. Er hat sehr kleine Augen, kann ge - schickt schwimmen und bey Ueberschwemmung auf die Bäume klettern. Eine erbsengelbe Spielart findet sich mitunter in der hiesigen Gegend.

2. Versicolor. (s. aurata). T. ecaudata, palmis tri - dactylis.

Vosmaer's monogr. 1787.

Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linné) asia - tica heißen. Ihr Haar schillert, zumahl wenn es naß ist, mit farbigem Goldglanz.

19. Didelphys. (plerisque) hallux muticus. Fe - minis folliculus abdominalis mammarum.

Auch bey dieses Geschlechts so zahlreichen und einan - der im Ganzen so verwandten Gattungen variirt doch das Gebiß so mannigfaltig, daß dieselben nach dem lin - néischen System in ganz verschiedene Geschlechter ver - theilt werden müßten.

77

1. Marsupialis. das Bentelthier, Opossum. D. albida, auriculis, antibrachiis et tibiis nigris, cauda squamosa longitudine corporis. Dentes pri - mores superiores 10, inferiores 8, laniarii elongati.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 54.

Zumahl im wärmern Nord-America*)Bemerkungen an einem Beutelthier, das ich lange leben - dig besessen, s. in Voigt's neuem Magazin III. B. S. 683. u. f.. Das Weib - chen von dieser und andern Gattungen dieses Geschlechts hat eine große Tasche am Bäuche, die durch besondere Muskeln geschlossen und geöffnet werden kann; und in deren Boden die Zitzen liegen. Die Jungen werden ganz außer Verhältniß klein (gleichsam nur als unreife Abortus) zur Welt gebracht, dann aber erst lange Zeit in dieser Tasche getragen, wo sie sich ansaugen und von der Muttermilch nähren, bis sie reifer und vollkomme - ner ausgebildet, gleichsam von neuem geboren werden können.

2. Gigantea. das Kängaruh. D. grisea, cauda longa crassa, pedibus anticis brevissimis, posticis longissimis. Palmis pentadactylis, plantis subte - tradactylis. Dentes primores superiores 6. infe - riores 2. laniarii nulli.

Hawkesworth T. III. pag. 157.

In Neu-Holland. Mausefahl. Ist, wenn es auf - recht sitzt, wohl mannshoch, und 140 Pfund schwer. Lebt in Heerden von 50 und mehr Stück. Ist bloß grasfressend. Springt in weiten wohl zwey Klafter lan - gen Sätzen, wobey ihm sein mächtig starker Schwanz zum Springstock, so wie beym Aufrechtsitzen zur Stütze, und gegen den Angriff als kräftige Verteidigungswaffe dient. Das Weibchen wirft nur ein Junges auf ein - mahl, das bey der Geburt kaum halb so groß als eine Maus ist, dann aber von der Mutter drey Vierteljahr lang in jenem Sacke getragen wird, bis es wohl 14 Pfund wiegt.

3. Wombat. (Phascolamys). D. subfusca, cauda brevissima. Dentes primores utrinque 2 cylin - drici, obtusi. laniarii nulli. molares 5.

Leach vol. II. tab. 96.

78

Ebenfalls im fünften Welttheile. Von der Größe des Dachses. Wie es scheint auch so ein animal noc - turnum, das in der Erde wühlt.

20. Viverra. Caput vulpinum. Cauda pleris - que felina. Dentes primores utrinque 6, in - termediis brevioribus. Lingua plerisque retror - sum aculeata. Ungues exserti.

1. Zibetha. die Zibethkatze. (Hyaena odorifera. Fr. la civette. Engl. the civet.) V. cauda annulata, dorso jubato cinereo nigroque undatim striato.

Ménagerie du Muséum national. Livrn. IV. tab. 1.

Im südlichen Asien und nördlichen Africa. Bey bei - den Geschlechtern sammelt sich in einer besondern Höhle, die zwischen dem After und den Zeugungsgliedern liegt, das Zibeth, eine schmierige, wohlriechende Substanz.

2. Genetta. die Genettkatze. (Fr. la genette. Engl. the genet.) V. cauda annulata, corpore fulvo-nigricante maculato.

H. n. des mammifères XVII. tab. 3.

In der Levante. Wird seines Felles wegen geschätzt.

3. Nasua. Coatimondi. V. rusa, cauda albo an - nulata.

Schreber tab. 218.

In Südamerika. Mit einer rüsselförmigen sehr be - weglichen Nase.

4. Putorius. das Stinkthier, Conepatl, (Fr. la moussette. Engl. the skunk, pol-cat.) V. li - neis dorsalibus albis, per caudam productis.

Schreber tab. 122.

In Virginien, Canada ꝛc. Hat seinen Namen von dem unerträglichen Gestank, den es, so wie mehrere verwandte Gattungen seines Geschlechts, im Zorne von sich gibt.

79

5. Ichneumon. die Pharaonmaus, der Mungo. (Büffon's große mangouste.) V. cauda basi incrassata sensim attenuata apice floccosa.

Ménag. du Mus. nation. L. VI. tab. 4.

Hat straffes, fast borstenartiges Haar, mit braunen breit geringelten Streifen. Ist häufig in Aegypten, wo es zumahl den Crocodileneyern, so wie außer dem den Schlangen, nachstellt; sich aber ausnehmend kirre und häußlich machen läßt.

21. Mustela. Dentes primores superiores 6, erecti, acutiores, distincti: inferiores 6, ob - tusiores, conferti; duo interiores, Lingua laevis.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze Füße, und einen lang gestreckten Körper, den sie im Geben bogenförmig krümmen. Sie sind sehr flink, beissig und blutdürstig.

1. . Martes. der Baummarder, Edelmarder, Tannenmarder, Wildmarder, Feldmarder. (Fr. la marte. Engl. the pinemartin.) M. cor - pore fulvo-nigricante, gula flava.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nördlichen Erde. Sein schönes Fell kommt dem Zobel am nächsten.

2. . Foina. der Hausmarder, Steinmarder. (Fr. la fouine. Engl. the martin) M. corpore fulvo-nigricante, gula alba.

v. Wildungen a. a. O.

Im mittlern und wärmern Europa und dem benach - barten Asien. Läßt sich jung eingefangen, so wie auch die vorige Gattung, zum Wunder zahm machen.

3. . Putorius. der Iltis, Ilk, Ratz, Stän - kerratz. (Fr. le putois. Engl. the fitchet, po - lecat.) M. flavonigricans, ore et auricularum apicibus albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

80

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Hausmarder. Auch in der Barbarey. Das ganze Thier, und selbst sein abgezogenes Fell geben einen sehr widrigen Geruch von sich.

Das Frettel (furo, Fr. le furet. Engl. the ferret) von gelblich weißer Farbe mit rothen Pupillen, ist ein wahrer Kackerlacke in seiner Art, folglich wohl keine ursprüngliche eigene Gattung, sondern eine Abart vom Iltis, mit welchem es sich auch paart. Taugt gut zum Ratten - und Caninchen-Fang.

4. Zibellina. der Zobel. (Fr. la zibeline. Engl. the sable.) M. corpore fulvo-nigricante, facie et gula cinereis.

Schreber tab. 136.

Zumahl in Sibirien. Die schönsten mit recht schwarz - braunem, dickhaarigen und glänzenden Fell finden sich um Jakuzk.

5. . Erminea. das große Wiesel, Hermelin. (Fr. le roselet, l'hermine. Engl. the stoat, the ermine.) M. caudae apice nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

In der nördlichen Erde, vorzüglich in Sibirien. Größer als das gemeine Wiesel. Aendert aber eben so wie dieses die Farbe, so daß es im Sommer bräun - lich, im Winter aber (als Hermelin) weiß ist.

6. . Vulgaris. das gemeine Wiesel. (Fr. la belette. Engl. the weesel) M. corpore ex ruso fusco subtus albo.

v. Wildungen a. a. O.

Im Norden von Europa und Asien. Die Mutter trägt oft ihre Junge im Maule umher (daher die alte Fabel, als ob sie dieselben durch diesen Weg zur Welt brächte).

22. Ursus. Dentes primores superiores 6, intus excavati alterni, inferiores 6, laterales 2, lon - giores lobati: laniarii primarii solitarii (mi - nimi 1-2 inter hos et primos molares), lin - gua laevis.

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1. . Arctos. der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the bear.) U. fusco nigricans, cauda abrupta.

Ménag. du Mus. nat. III. tab. 3.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 32.

In der nördlichen Erde, doch auch in Ost-Indien und Nord-Africa. In der Jugend lebt er meist von Gewächsen; nach dem dritten Jahre aber mehr vom Fleisch. Zum Gefechte bedient er sich mehr seiner Vor - dertatzen, als des Gebisses. Ein ausgewachsener kann wohl vier Centner und darüber, am Gewicht, halten.

Zu den merkwürdigsten Spielarten unter den Bären gehören: die großen schwarzen Ameisenbären; die klei - nen hellbraunen Honigbären; und die noch kleinern weiß - lichen Silberbären; sämmtlich zottig, und zumahl unter dem Halse langbehaart.

Hingegen macht der nordamericanische Bär mit schwar - zem, schlichtem, atlasglänzendem Haar, und flacherm Kopf mit spitzerer Schnauze, wohl eine eigene Gattung aus, die sich gewöhnlich von Früchten und in manchen Jahrszeiten fast ausschließlich von Ameisen nährt.

2. Maritimus (glacialis). der Eisbär, Polarbär. U. albus, collo et rostro elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 33.

An den Küsten und beym Treibeis der nördlichsten Erde. Darf nicht mit der weißen Spielart des gemeinen Bären verwechselt werden. Er wird bey 12 Fuß lang, und auf 15 Centner schwer; schwimmt und taucht sehr geschickt, und ist fast bloß fleischfressend*)Viel Merkwürdiges über dieses und andre Thiere auf La - brador findet sich in G. Cartwright's Journal during a Resi - dence of nearly 16 years on the Coast of Labrador. Newark 1792. III. vol. 4..

3. Longirostris. (Engl. the Petre Bear. ) niger, villosus, labiis protensilibus, colli macula alba.

Gatton's Animals in aquatinta 1788. tab. 20.

Tiedemann über das vermeintliche Bärenartige Faulthier 1820. 4.

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In Bengalen, wo er in die Erde gräbt. Auch dort selten (S. 60. N.**)[?]. Von der Mittelgröße des Bären*)Der erste der vor 37 J. nach London kam, hatte die Vor - derzähne verloren und ward deshalb damals unter die Faulthiere gerechnet..

4. Gulo. der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le glouton. Engl. the glutton.) U. corpore rufo - fusco, medio dorsi nigro.

Pallas Spicileg. zoologic. XIV. tab. 2.

In der nördlichen Erde, besonders in Sibirien. Seine Freßgierde hat zu allerhand Fabeln Anlaß gegeben.

Das Wolverene oder Quickhatch (Ursus luscus) auf Labrador und an der Hudsonsbay scheint wenig von ihm verschieden zu seyn.

5. . Taxus. der Dachs. Meles. (Fr. le blaireau. Engl. the badger.) U. cauda concolore, abdo - mine nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In Europa und Asien bis gen Schina. Ein animal omnivorum. Baut unter der Erde einen tiefen Kessel, zu welchem verschiedene Röhren oder Gänge führen. Verschläft den größten Theil seines Lebens, und hält besonders langen und festen Winterschlaf, wobey er seine Schnauze in den Fettbeutel am Hinterleibe steckt.

6. Mellivorus. der Honig-Dachs, Rattel. U. dorso cinereo, fascia laterali nigra, abdomine nigro.

Sparrmann in den schwed. Abhandl. 1777. tab. 4. fig. 3.

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der wilden Bienen, die in die Höhlen der Stachelschweine ꝛc. nisten. Er giebt auf den Flug der heim eilenden Bienen acht, oder folgt auch bloß der Anweisung des Honigkukkuks. Hat ein zottiges Fell, mit einer ungemein starken sehr be - weglichen schiebbaren Haut, wodurch er einerseits vor den Bienenstichen, und anderseits vor tiefen Bissen der Hunde ꝛc. gesichert ist.

7. Lotor. der Waschbär, Rackun, Sjupp, Coati. (Büffon's Raton.) U. cauda annulata, fascia palpebrarum transversali nigra.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 62.

83

Ein animal nocturnum, im wärmern nordöstlichen America ꝛc. Frißt mancherley. Bedient sich der Vor - derpfoten sehr geschickt zum Fassen, auch zum Einweichen oder Auffischen seines Futters ꝛc. Wird überhaupt sehr kirre. Sein Haar ist nächst des Bibers seinem, das vorzüglichste für Hutmacher.

23. Canis. Dentes primores superiores 6, late - rales longiores distantes, intermedii lobati, in - feriores 6, lobati omnes, laniarii solitarii, in - curvati.

1. . Familiaris. der Hund. (Fr. le chien. Engl. the dog.) C. cauda recurvata: subinde digito spurio ad pedes posticos.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich beson - ders durch die ausnehmende Schärfe seiner Sinne, ver - bunden mit seiner großen vielartigen Gelehrigkeit (sogar zum Fisch - und Robbenfanf), aber auch durch mancher - ley andere Brauchbarkeit empfiehlt, ist längst mit ihm über alle fünf Welttheile verbreitet, und giebt den größ - ten Beweis von der Perfectibilität der Thiere, wenn der Mensch ihre Anlagen durch lange Reihen von Ge - nerationen ausbildet.

Ob alle die verschiednen Hunde-Rassen als bloße Varietäten einer und derselben Gattung anzusehen sind, und ob diese selbst vom Wolf oder Schakal abstamme, ist schwerlich zu entscheiden. Mir scheinen manche Rassen z. B. der Dachshund, das Windspiel ꝛc. viel Eigenes zu besondern Functionen Abzweckendes in ihrer Bildung zu haben, so daß ich diese zweckmäßigen Eigenheiten nicht wohl für zufällige Folge der bloßen Ausartung halten kann.

Zu den Hauptrassen gehören wohl

a) Fricator. der Mops. (Fr. de doguin. Engl. the pugdog) mit untersetztem, kurzem Leibe, schwarzen Flecken an den Backen und hängenden Ohren.

Den Uebergang von dieser zur nächstfolgenden Rasse macht der eigentliche Bullenbeißer,84 Wachthund, Bluthund, molossus (Engl. the bull-dog.). bey welchem der Unterkiefer vor dem obern etwas hervortritt.

b) Mastivus. die Englische Dogge. (Fr. le dogue. Engl. the mastiff. ) mit stumpfem Kopfe, hängenden lappichten Oberlefzen und glattem Haar. Bellt dumpfig und kurz. Ihm scheint der Metzgerhund (Fr. le matin. ) nahe verwandt.

c) Terrae novae. der Neufundländer. ( Ab - bild. n. h. Gegenst. tab. 6. ) Zeichnet sich durch seine ausnehmende Größe, langes seidenarti - ges Haar, langflockigen, meist aufwärts gekrümm - ten Schwanz, besonders aber durch die Art von Schwimmhaut zwischen den Zehen aus, die bey ihm ungleich größer ist, als bey andern Hunden. Da - her sein ungemeines Geschick zum Schwimmen. Meist sind diese Hunde weiß und schwarz; und aus - nehmend gelehrig*)Anspach's History of Newfoundland pag. 379..

d) Sagax, venaticus. der Jagdhund. (Fr. le chien courant. ) mit langem, dickem Körper, eingefurchtem Hinterkopfe, langen hängenden Ohren. Das Haar bald schlicht, bald zottig. Hierher auch die Bracke, (Engl. the spanish pointer. ) der Hühnerhund, Wachtelhund und die schön getigerten Corsicanerhunde.

e) Aquaticus. der Pudel. (Fr. le barbet. Engl. the water-dog. ) mit stumpfem Kopfe, und wol - lichtem Haar.

f) Pastoralis, domesticus, villaticus. der Schä - ferhund, Haushund, (Fr. le chien de ber - ger. Engl. the cur. ) mit aufrechten Ohren; der Schwanz an der untern Seite lang behaart. Hierzu auch der isländische Hund, und der Spitz oder Pommer. (Fr. le chien loup). Auch der große St. Bernhards-Hund. Und der kleinere, den die Kamtschadalen ꝛc. zum Zug in Schlitten gebrauchen. Auch die aus man - chen Insel-Gruppen der Südsee einheimischen Hunde, die von den Einwohnern als Mastvieh gezogen wer -85 den, und bloß vegetabilische Nahrung genießen, scheinen zu dieser Rasse zu gehören.

g) Meliteus. das Bologneserhündchen. (Fr. l'epagneul, le bichon. Engl. the lapdog, the shock) mit sehr langem, seidenartigem Haar, zumahl im Gesichte.

h) Vertagus. der Dachshund. (Fr. le basset. Engl. the tumbler, the turnspit. ) mit langer Schnautze, hängenden Ohren, lang gestrecktem Kör - per, kurzen, krummen Vorderfüßen, und rothbrau - nen Flecken über den Augen. Ihm scheint der englische Terrier (terrarius), mit borstigem Haar und struppiger Schnautze, nahe verwandt.

i) Dingo. der neuholländische Hund. Aeh - nelt, zumal in der Bildung des Kopfs und Schwan - zes, mehr dem Fuchs.

k) Leporarius. das Windspiel. (Fr. le levrier. Engl. the grey-hound) mit langem, zugespitz - tem Kopfe, hängenden Ohren, dicker Brust, sehr schlanken Leid und Beinen.

l) Graius*)So nannten Ray, Linné u. a. das eigentliche Wind - spiel, das aber die alten Griechen gar nicht gekannt zu haben scheinen.. der Spartanische Hund. (canis laconicus); sehr groß; hält in der Bildung das Mittel zwischen Jagdhund und Windspiel.

Ihm ähnelt der große Dänische und der nun ausgestorbene große Irländische Hund.

m) Aegyptius. der guineische Hund. (Fr. le chien-turc. Engl. the Indian dog, the na - ked dog. ) ähnelt dem Windspiel, hat aber nur im Gesichte gekrullte Haare, der übrige Körper ist meist kahl, und schwarz, oder rusigbraun, fast wie Negerhaut. (s. S. 24. Anm. 2.)

Diese verschiedenen Haupt-Raffen paaren und vermi - schen sich aber nicht nur unter einander, sondern auch mit Wölfen und Füchsen, mit welchen sie sogar zuweilen fruchtbare Bastarde erzeugen.

86

2. . Lupus. der Wolf. (Fr. le loup. Engl. the wolf. ) C. cauda incurvata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Fast in der ganzen alten Welt, ist aber in einigen Ländern, wie z. B. in Groß-Britannien und Irland, ausgerottet. Hat einen schleppenden doch dabey schnellen und nicht leicht zu ermüdenden Gang. Aus Hunger fressen die Wölfe sogar Schilf und Erde; graben auch Leichen aus, und da mag etwa ihre nächtliche Erschei - nung auf Kirchhöfen ꝛc. den Anlaß zu der alten Sage von Währwölfen gegeben haben.

3. Aureus. der Schakal, Thos. (Büffon's Adive.) C. corpore fulvo, pedibus longioribus, caudae apice nigro.

Schreber tab. 94.

In ganz Nordafrica und Orient, besonders in Nato - lien und Bengalen; zieht des Nachts scharenweise um - her; frißt Thiere, Lederwaren ꝛc. ; gräbt Leichen aus. Manche Naturforscher haben den Schakal für den ur - sprünglich wilden Hund, und manche Exegeten Simsons Füchse für Schakale gehalten.

4. . Vulpes. der Fuchs, Birkfuchs. (Fr. le renard. Engl. the fox) C. cauda recta, apice discolore.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Zumahl in der nördlichern alten Welt. In Unzahl auf den öftlichen Aleuten, die davon den Namen der Fuchsinseln erhalten haben. Frißt unter andern Früch - ten namentlich sehr gern Weintrauben.

Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher nur eine Abart davon.

Ob aber auch der wegen seines kostbaren Felles be - rühmte schwarze Fuchs mit weißer Schwanzspitze, der in Sibirien, aber auch in Menge auf Labrador zu Hause ist [und der, wenn seine Haare gleichsam silber - weiße Spitzen haben, Silberfuchs genannt wird*)Ein extraschönes Fell eines labradorischen Silberfuchses ist wohl eher in London mit 300 Thalern und darüber bezahlt worden.], für eine bloße Abart des gemeinen Fuchses oder für eine87 besondere Gattung anzusehen sey, läßt sich vor der Hand noch nicht mit Gewißheit bestimmen.

5. Lagopus. der weiße Fuchs, Polarfuchs, Steinfuchs, Eisfuchs. Isatis. (Engl. the arctic fox. Russ. Pesez. ) C. cauda recta, apice concolore, palmis plantisque pilosissimis.

Schreber tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzbergen, Neu - Zembla, Grönland ꝛc. Die mehresten sind weiß. Die so genannten blauen Füchse hingegen bläulich - grau.

6. Hyaena. die Hyäne. C. nigricans, maculis vir - gatis, facie nigra, iuba cervicis dorsique, pedibus tetradactylis.

Der indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Hat meist einerley Vaterland mit dem Schakal, dem sie auch in der Lebensart ähnelt. Hat ihr Ablager un - ter der Erde oder in Felsenhöhlen und Berg-Klüfte.

Die gefleckte Hyäne (Cauis crocuta) ist viel größer*)Eine zehnjährige Löwin, die ich vor einigen Jahren zerglie - dert, maß von der Schnauze bis zum Anfang des Schwanzes 4 Fuß 10 Zoll; und eine noch nicht völlig erwachsene Crocuta, die in Ld. Valentia's Reisen beschrieben wird, eben so gemessen 4 Fuß 3 Zoll.Ein vortrefflicher Schedel einer solchen gefleckten Hyäne, wo - mit der sel. Oberforstmeister von Wildungen meine Samm - lung bereichert hat, ist wenigstens vollkommen so groß, als der von meiner Löwin. als jene gestreifte; findet sich zumahl in großer Menge in Habessinien und von da südlich bis zum Cap.

Beide machen in ihrem Körperbau einen Uebergang zum folgenden Geschlecht.

24. Felis. Ungues retractiles, caput rotundius, lingua aspera, Dentes primores 6. acutius - culi, exterioribus majoribus, laniarii solitarii, supra a primoribus, infra a molaribus remoti.

88

1. Leo. der Löwe. (Fr. le lion. Engl. the lion.) F. cauda elongata floccosa*)Die alten Scholiasten zum Homer (Il. XX. 170) reden von einem eignen Stachel am Löwenschwanze. Und wirklich habe ich bey der gedachten Löwin etwas dergleichen gefunden, und in dem Specimen historiae naturalis ex auctoribus classicis illustra - tae beschrieben und abgebildet., corpore fulvo.

Ménag. du Mus. national. VI. tab. 2 und II. tab. 1.

In den heißen Zonen der alten Welt, vorzüglich in Africa; weiland aber auch in Peloponnes und Aetolien. Auch neulich haben Löwinnen in Menagerieen, in Deutsch - land und sonst im mildern Europa Junge geworfen. Dem Männchen bricht die Mähne erst im zweyten Le - bensjahre aus. Das Fleisch des Löwen wird von den Hottentotten gegessen und eine Horde Araber zwischen Tunis und Algier soll sich fast bloß davon nähren.

2. Tigris. der Tiger. F. cauda elongata; capite, corpore et cruribus nigro-virgatis.

the Tiger, von G. Stubbs.

Bloß in Asien und vorzüglich von Bengalen bis Schina, auch auf Sumatra ꝛc. Ueberaus regelmäßig gestreift. Läßt sich allerdings zähmen, und muß auch vor dem Elephanten erliegen.

3. Pardus. des Panther, Parder**)Die Pelzhändler nennen alle Felle von Thieren dieses Ge - schlechts, die geringelte Flecken haben, Panther, und hingegen alle gefleckte ohne Ringform, Tiger.. F. cauda subelongata, maculis obtuse angulatis, passim con - fluentibus et annulatis.

Ménag. du Mus. nat. III. tab. 1.

In Africa und Ostindien. Die Flecken seines Fells sind hin und wieder wie zusammengeflossen, theils in Hufeisenform, oder geringelt u. s. w.

Leopard nennt man eine etwas kleinere Abart, mit kleineren Flecken, deren meist drey bis vier auf fast gold - gelbem Grunde beysammen stehen.

4. Panthera. der kleine Panther. (Büffon's once.) F. cauda elongata, corpore albido, maculis irregularibus nigris.

Schreber tab. 100.

89

In der Barbarey und Ostindien. Weit kleiner, als die vorige Gattung. Auch leicht zu zähmen, und zur Jagd (der Rehe, Gazellen ꝛc. ) abzurichten, wozu sie im Orient vorlängst, und in den mittlern Zeiten auch in Italien und Frankreich gebraucht worden.

5. Onça. der Jaguar, americanische Tiger. F. cauda subelongata, corpore fusco lutescente, maculis angulatis, ocellatis, medio flavis.

Hist. nlle. des Mammifères XVII. tab. 1.

In Südamerica. Größer als der Panther, dem er sonst sehr ähnelt.

6. Concolor. der americanische Löwe, Puma, Cuguar. F. cauda mediocri, corpore immacu - lato fulvo.

Schreber tab. 104.

In Peru, Brasilien ꝛc. ; zeichnet sich durch sein roth - gelbes, ungeflecktes Fell (weßalb er mit dem Namen eines Löwen belegt worden) und kleinen Kopf aus.

7. . Lynx. der Luchs. (Fr. le loup-cervier. Engl. the mountain cat. ) F. cauda abbreviata, apice atro, auriculis apice barbatis, corpore ma - culato, plantis palmisque amplissimis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In der nördlichen Erde; doch auch häufig im Neapoli - tanischen; thut den Wildbahnen größern Schaden als der Wolf.

8. . Catus. die Katze. (Fr. le chat. Engl. the cat.) F. cauda elongata, striis dorsalibus longitu - dinalibus, lateralibus spiralibus.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst von da durch die Spanier nach America überbracht worden. Die wilde*)v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799. ist größer, als die zahme, von grauröthlicher Farbe, mit schwarzen Lefzen und Fußsohlen. Die Haus - katze begattet sich äußerst selten unter den Augen der Menschen, und verwildert sehr leicht wieder, wenn sie zufällig in Wildniß geräth. Zu den Besonderheiten der90 Katzen gehört ihre starke Electricität; das Leuchten ihrer Augen im Dunkeln; ihre seltsame Gierde auf gewisse Pflanzen, wie z. B. auf die Nepeta cataria und aufs Teucrium marum ꝛc. ; ihr Schnurren oder Spinnen; die ängstliche unüberwindliche Antipathie vieler Menschen gegen dieselben ꝛc. Zu den vorzüglichsten Spielarten gehört die angorische oder persische Katze mit dem langen, seidenartigen Haar, die gewöhnlich schwer hört; die bläulichgraue Carthäuser - oder Cyper - katze; und die spanische oder schildpattfarbige Katze (Tortoiseshellcat); unter welchen letztern man häufig weibliche Katzen von drey ganz verschiedenen Farben (z. B. schwarz, weiß und gelbbraun) in großen Flecken gleich vertheilt, aber äußerst selten einen dergleichen Kater, findet.

C) Bruta. Ohne Gebiß oder wenigstens ohne Vorderzähne.

25. Bradypus. Faulthier. (Ignavus Fr. pares - seux. Engl. sloth.) Caput rotundatum, crura antica longiora. Dentes primores nulli utrin - que: laniarii (?) obtusi, solitarii: molares cy - lindrici, obtusi.

1. Tridactylus. der Ai. B. pedibus tridactylis, cauda brevi.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 53.

In Guiana ꝛc. Freylich ein äußerst langsames schwer - fälliges, aber bey aller dieser Trägheit listiges und im Nothfall muthiges und starkes Geschöpf; hat dabey ein äußerst zähes Leben, und wenige Bedürfnisse. Frißt Laub, säuft gar nicht ꝛc.

26. Orycteropus. Caput productum rostratum. Cauda elongata conica. Palmae tetradactylae, plantae pentadactylae. Dentes primores et laniarii nulli: molares infra 4, supra 5.

1. Capensis. das Erdschwein.

Buffon Supplement vol. VI. tab. 31.

91

Am Cap. Vordem irrig zu den Ameisenbären ge - rechnet. Ein großes animal nocturnum, das mit sei - nen mächtig starken Krallen in der Erde gräbt.

27. Myrmecophaga. Ameisenbär. (Fr. four - miller. Engl. ant-eater.) Rostrum productius, lingua lumbriciformis; dentes nulli.

1. Jubata. der große Tamandua. M. palmis tetradactylis, cauda longa jubata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 82.

Zumahl in Brasilien. Am Leibe so groß, als ein Fleischerhund, und lebt doch so wie die folgende kleine Gattung in der Wildniß einzig von den dortigen großen Ameisen.

2. Didactyla. der kleine Tamandua. M. pal - mis didactylis, ungue exteriore maximo, plantis tetradactylis; cauda prehensili.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.

Ebenfalls in Südamerica; von der Größe und auch fast von der Farbe des Eichhörnchens.

28. Echidna. Tachyglossus. Corpus spinis pilis - que tectum; rostrum elongatum, teretiusculum; lingua lumbriciformis; dentes nulli.

1. Hystrix. E. spinis albido annulatis.

Leach's Miscellany vol. II. tab. 91.

Home in den philos. Transact. 1802. tab. 10.

So wie eine verwandte Gattung (E. setosa) in Neu-Holland. Beide haben im innern Bau vieles, von andern Mammalien abweichendes, mit dem Schnabel - thiere gemein.

29. Manis. Schuppenthier, formosanisches Teufelchen. Corpus squamis tectum; lingua teres; dentes nulii.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere die - ses Geschlechts in ihrer Bildung, Lebensart ꝛc. viel92 Aehnliches mit den Ameisenbären. Von vielen ältern Naturforschern wurden sie unter die Eidexen gezählt.

1. Tetradactyla. der Phatagin. M. cauda lon - giore: ungulis bifidis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Ungefähr von der Größe des eben gedachten kleinen Ameisenbären. Sein castanienbraun geschuppter Körper ähnelt einem Tannenzapfen.

30. Tatu. Armadill, Panzerthier, Gür - telthier. (dasypus Linn.) Corpus testis zo - nisque osseis cataphractum: dentes primores et laniarii nulli.

1. Novemcinctus. der Caschicame. T. zonis dor - salibus 9; palmis tetradactylis; plantis penta - dactylis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 83.

In Südamerica, bis an die magellanische Straße. Baut unter die Erde, wird sehr kirre, rollt sich bey Gefahr, so wie die Schuppenthiere und der Igel, kuge - licht zusammen.

V. SOLIDUNGULA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht von wenigen Gattungen.

31. Equus. Pedes ungula indivisa, cauda setosa. Dentes primores superiores 6. obtuse truncati; inferiores 6. prominentiores; laniarii solitarii utrinque remoti.

1. . Caballus. das Pferd. (Fr. le cheval. Engl. the horse.) E. cauda undique setosa.

Ursprünglich wilde Pferde gibt es schwerlich mehr, aber häufig und theils in großen Herden verwil - derte; so z. B. in der Mongoley, vollends aber in93 unermeßlicher Menge in Paraguay, wohin die Pferde (so wie überhaupt nach America) erst durch die Spa - nier überbracht worden u. s. w. Unter den zahmen Pferde-Rassen zeichnen sich die Araber (zumahl die von der Zucht der Annecy um Palmyra herum, und vom Libanus bis gegen den Horeb ꝛc. ) durch ihren wunder - schönen Bau, so wie durch äußerste Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit aus. Ihnen folgen die Persianer und Barben. Unter den europäischen sind die spanischen (be - sonders die aus Andalusien), die neapolitanischen und englischen die vorzüglichsten. Die letztern haben beson - ders den Vorzug der Schnelligkeit, wodurch sie sich in den Wettrennen auszeichnen*)Das neuerlich so berühmte englische Rennpferd, Eclipse, legte in einer Secunde 58 Fuß zurück: bedeckte nähmlich bey der größten Streckung 25 Fuß, und wiederhohlte diese Action 2 1 / 3 Mahl in einer Secunde s. an Essay on the Proportions of Eclipse; in den Works of Ch. Vial de Sainbel, London 1795. 4.. Ganzer berittenen Nationen zu geschweigen, wie z. B. die Cosacken, Ta - taren, Calmücken, die Pferde-Tungusen, die Adiponer ꝛc. so ist auch für die cultivirtesten Völker der Werth dieses Thiers für Landwirtschaft, Cavallerie, Postwe - sen ꝛc. unermeßlich. Manche der gedachten berittenen Völker leben auch großen Theils vom Fleisch und Milch der Pferde. Die letztere gibt, wenn sie zusammen ge - ronnen, vollends aber wenn sie abgezogen worden, das berauschende Kumiß der Mongolen.

2. . Asinus. der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the ass.) E. cauda extremitate setosa, cruce dorsali nigra.

Der wilde Esel, von welchem das zahme Haus - thier abstammt, ist der wahre onager der Alten; und findet sich jetzt zumahl in der Tartarey, unter dem Na - men Kulan**)Pillas in Act. Acad. Petropol. 1777. P. II. p. 238 sq., von da er jährlich im Herbst in großen Herden südlich nach Indien und Persien zu zieht und daselbst überwintert. Er ist größer und schlanker als der zahme Esel, und von ausnehmender Schnelligkeit. Ins nördlichste Europa ist der Esel bis jetzt noch gar nicht verpflanzt. Auch artet er wenig aus. Höchstens etwa in der Farbe, da es z. B. weiße Esel giebt.

94

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten, und geben zweyerley Bastarde, die von großer Dauerhaftig - keit und Stärke, und zuweilen (aber sehr selten) frucht - bar sind. Eins ist das gemeine Maulthier [mulus, Fr. le mulet*)Buffon, Supplem. vol. III. tab. 1.], das vom männlichen Esel erzeugt, und von der Stute geworfen wird. Das andere ist der Maulesel [hinnus, Fr. le bardeau**)Ebendaselbst tab. 2.], der vom Hengste gezeugt, und von der Eselinn geworfen ist. Dieser letztere ist seltner, und hat Gelegenheit zur Sage von den fabelhaften Jumarn, oder vorgeblichen Bastarden vom Pferde - und Ochsengeschlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime regu - laribus.

The Sebra, von G. Stubbs, 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedene Gat - tungen gibt, deren eine, das Guagga***)Ménagerie du Muséum national IV. tab. 3., man irrig für die Weibchen der andern gehalten hat) ist im süd - lichen Africa zu Hause. Es lebt herdenweis, ist unge - mein schnell, aber wild und unbändig. Gezähmt haben beide sowohl mit Eseln als Pferden Bastarde gezeugt†)s. Sir Joseph Banks in Nicholson's Journal of natural Philosophy vol. II. pag. 267. und Graf Morton in den philos. Transact. for 1821. P. I. pag. 20..

VI. BISULCA. (Pecora.)

Die wiederkauenden Thiere mit gespaltenen Klauen, unter welchen sich die wichtigsten Hausthiere finden.

32. Camelus. Cornua nulla, labium leporinum, pedes subbisulci††)III. B. Mosis Kap. XI. V. 4.. Dentes primores infe - riores 6 spathiformes: superiores 2; laniarii distantes, superiores 3, inferiores 2.

95

1. Dromedarius. das gemeine Camel. [Fr. le dromadaire*)Von vielen Schriftstellern und Reisenden wird hingegen das Camel mit zwey Buckeln Dromedar genannt.]. C. tofo dorfi unico.

Ménag. du Mus. nat. II. tab. 4.

Findet sich noch hin und wieder in Asien, zumahl in den Wüsteneyen zwischen Schina und Indien, wild, ist aber für den ganzen Orient und für das nördliche und mittlere Africa das wichtigste Hausthier. (Das Schiff für die Wüsten nennen es die Araber.) Die ge - wöhnliche Last der Carawanen-Camele ist gegen sechs Centner, und damit legen sie täglich gegen vier deutsche Meilen ( die Courier-Camele oder Heiries aber zwey Meilen in einer Stunde ) zurück. Das nutzbare Thier frißt dorniges Buschwerk, was in den Wüsten in Menge wächst, und für kein anderes Säugethier zur Nahrung taugt. Auch kann es, wie versichert wird, den Durst mehrere Wochen lang erdulden, säuft aber dafür ungeheuer viel auf ein Mahl. Beide, sowohl diese, als die folgende Gattung, haben eine große Schwiele vorn au der Brust, vier kleine an den Vorderfüßen, und zwey dergleichen an den Hinterfüßen, die ihnen zum Auf - stemmen dienen, wenn sie müde sind, und sich nieder - legen.

2. Bactrianus. das Trampelthier. (Fr. le chameau. Engl. the camel.) C. tofis dorsi duobus.

Ménag. du Mus. nat. I. tab. 1.

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl in gan - zen großen Herden in Bessarabien ꝛc. wird daselbst seines schnellen Trabes und natürlichen Sattels wegen, mehr als die vorige Gattung zum Zuge gebraucht.

3. Llama. das Liama, die Camelziege, Gua - naco. C. dorso laevi, tofo pectorali.

Schreber tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen America, besonders dem gebirgigen Peru. Ward als Lastthier ge - braucht, und kann bey seiner mäßigen Größe doch bis anderthalb Centner tragen.

96

4. Vicuña. das Schafcamel. (Fr. la vigogne.) C. tofis nullis, corpore lanato.

Schreber tab. 307.

Kleiner als das Liama. Läßt sich nicht zähmen, son - dern wird wegen seines zimmtbraunen Haares, das die bekannte Vigogue-Wolle gibt, jährlich in großen Treib - jagden haufenweis gefangen. Auch der occiden - talische Bezoarstein am öftersten in dieser Gattung gefunden werden.

33. Capra. Cornua cava rugosa scabra. Dentes primores superiores nulli, inferiores 8; lania - rii nulli.

1. . Ovis. das Schaf. (Fr. le brebis. Engl. the sheep.) C. mento imberbi, cornibus com - pressis lunatis.

Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich wild; scheint auch nicht ein Mahl nur so wie die Ziege wieder verwildern zu können: wird aber fast in der ganzen alten Welt als eins der allernutzbarsten Hausthiere ge - halten, und ist auch bald nach der Entdeckung von America dorthin verpflanzt worden.

Unter den verschiedenen Rassen der Schafe sind vor allen die spanischen, aus Segovien, und die engli - schen und deren treffliche Abkömmlinge auf Neu-Süd - Wallis wegen ihrer ausnehmenden Wolle; die isländi - schen mit vier, sechs oder acht Hörnern; und die arabischen und ägyptischen mit dem großen und wohl 40 Pfund schweren Fett-Schwanze, zu merken. Die ostfrisischen Marsch-Schafe sind ungehörnt; groß, wollreich, mit kahlen kurzen Schwänzen; die - neburger Heidschnucken hingegen klein, und beide Geschlechter gehörnt. Die zwischen den Wendezirkeln haben mehrentheils statt der krausen Wolle schlichtes Zie - genhaar; und die in Südafrica noch überdieß lang herab hängende Ohren.

2. Ammon. das Muffelthier, (musimon. Büf - fon's mouflon.) C. cornibus arcuatis circumflexis subtus planiusculis, palearibus laxis pilosis.

Schreber tab. 268.

97

Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland, in der Barbarey; eine verwandte, weit größere Art aber (das Argali) in Sibirien bis Kamtschatka und dann im nordwestlichen America. Letzteres ein sehr schmack - haftes Wildbret, hat mächtig starke und schwere*)Ein einzelnes und nicht einmahl vollständiges derglei - chen Horn im academischen Museum wiegt volle 9 Pfund. Hör - ner, und wird von einigen Naturforschern für das Stammthier zu unserm Schaf gehalten.

3. . Hircus. die Ziege. (Fr. la chevre. Engl. the goat.) C. mento barbato, cornibus arcuatis carinatis.

Die Hausziege scheint von dem aegagrus abzustam - men, der im Caucasus und den daran gränzenden östli - chen Gebirgen lebt, und in dessen Pansen (so wie bey manchen Gattungen von Antilopen) zuweilen der orien - talische Bezoarstein gefunden wird, daher das Thier selbst mit dem Namen des Bezoarbocks belegt wor - den**)Pallas spicileg. zoolog. XI. tab. 5. fig. 2. 3.. Die Hausziege ( das wichtige Haus - thier der alten Guanchen auf den Canarischen In - seln ) verwildert leicht wieder, und ist nun meist eben so weit als das Schaf auf der Erde verbreitet. Die angorische Ziege oder das Kämmelthier hat langes seidenartiges Haar und gibt das beste so genannte Ca - melgarn, so wie aus dem äußerst feinen Wollhaar das die schönen kleinen geradhörnigen Bergziegen in Kash - mir und Tibet unter ihrem gröbern, langen Haar tra - gen, die allerköstlichsten Shawls in jenem paradiesischen Wunderlande gewebt werden***)Ich habe von dieser wunderschönen Shawlziege im Göt - tingischen Taschenbuch f. d. J. 1813 Nachricht gegeben..

4. . Ibex. der Steinbock. (capricornus. Fr. le bouquetin. Engl. the wild goat.) C. mento bar - bato, cornibus lunatis maximis, supra nodosis, in dorsum reclinatis.

Meisner's Museum der N. G. Helvetiens Nro. 1 und 5.

98

In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen, so wie in den sibirischen Alpen. Das Gehörn eines be - jahrten Steinbocks wiegt wohl 8 Pfund, und hat meist eben so viel knorrige Ringe auf jeder Seite.

34. Antilope. Cornua cava, teretia, annulata, vel spiralia. Dentes ut in capris.

Ein weitläufiges Geschlecht, wovon sich zahlreiche Gattungen im mittlern und südlichen Asien und Africa, zumahl aber am Cap finden.

1. . Rupicapra. die Gemse. (Fr. le chamois, l'Izard.) A. cornibus erectis uncinatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den alpinischen Gegenden des mildern Europa und westlichen Asiens. Zahm gemachte Gemsen sollen sich mit den Ziegen gepaart und Bastarde erzeugt ha - ben. Von den unverdaulichen Zasern ihres Futters, bilden sich in ihren Pansen die ehedem berühmten so genannten Gemsballen, (aegagropilae).

2. Dorcas. die Gazelle. C. cornibus teretibus annulatis, medio flexis, apicibus laevibus approxi - matis.

Schreber tab. 269.

Im ganzen Orient und Nordafrica. Das schlanke flinke Thier macht die Lieblingsjagd der Morgenländer, und gibt ihrer Dichtersprache das reizende Bild weib - licher Schönheit.

3. Oreotragus. der Klippspringer. A. cornibus rectis subulatis, capite rufo, corpore ex flavo virescente, cauda brevissima.

Schreber tab. 259.

In Südafrica.

4. Pygarga. der Springbock, Prunkbock. A. cornibus liratis, linea laterali faciei et trunci fusca, clunibus albis.

Vosmaer descr. de la Gazelle de parade.

99

Im Innern des südlichen Africa, von wannen er jährlich in Heerden von vielen tausenden gegen das Cap zu und nach einigen Monathen wieder zurück zieht.

5. Leucophaea. der große blaue Bock. A. cor - nibus recurvatis teretiusculis annulatis, corpore caerulescente.

Schreber tab. 278.

Nur noch im Cafferlande; übrigens aber ausgerottet.

6. Oreas. das Cudu. A. cornibus subulatis rectis carinato-contortis, corpore griseo.

Vosmaer descr. d'un animal appellé Canna.

In Südafrica und Ostindien. Die Form und Länge seiner geraden Hörner ähnelt der von dem fabelhaften Einhorn, wozu es vielleicht den Anlaß gegeben.

7. Pieta. das Nylghau. A. cornibus antrorsum incurvis, cervice colloque jubatis, cauda longa floccosa, pedibus albo nigroque annulatis.

W. Hunter in philos. Transact. vol. LXI. tab. 5.

In Bengalen ꝛc.

8. Gnu. A. cornibus antrorsum directis, apicibus reflexis; mento barbato: juba cervicali et pectorali.

Vosmaer descr. du Gnon.

In öden Gegenden vom Cap landeinwärts. Fast von der Größe eines Pferdes; und an Gebilde manches Ochsenähnlich.

35. Bos. Cornua concava, lunata, laevia. Den - tes ut in generibus praecedentibus.

1. . Taurus. der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl. the ox.) B. cornibus teretibus extrorsum curvatis, palearibus laxis.

Das Auerochse (urus, bonasus und Bison der al - ten Welt) wird noch jetzt in Polen, Litauen, Sibirien gefunden, und war ehedem auch in Deutschland einhei - misch. Daß er die wilde Stammrasse von unserem ge - zähmten Hornvieh sey, ist doch wegen bestimmter Ei - genheiten in seinem Bau, unwahrscheinlich. Zu den100 merkwürdigsten Varietäten des domesticirten Rindviehs gehört die halbwilde weiße Rasse mit braunen oder schwarzen Ohren, auf den Ladronen, und hin und wie - der in Großbritannien: die mit den ausnehmend großen Hörnern in Sicilien: die gänzlich ungehörnte in einigen Provinzen von England u. a.m.

Hingegen scheint noch zweifelhaft, daß auch die in - dische (von den Hindus heilig verehrte) Buckelkuh, der bos indicus, oder Zebu*)Ménag. du Mus. national IV. tab. 3. eine bloße Varietät dieser Gattung seyn solle.

In Pansen des Rindviehs finden sich zuweilen Bal - len aus Haaren, die sie sich abgeleckt und eingeschluckt haben. Die ihnen eigene, furchtbare, pestartige Vieh - seuche, hat zumahl seit 1711 zuweilen lange und weit und breit grassirt. Hingegen sind die Kuhpocken seit 1798 durch Dr. Jenner als wohlthätiges Sicherungs - mittel für die Kinderblattern bewährt worden.

2. Buffelus. der Büffel. (Engl. the Buffalo.) B. cornibus resupinatis intortis antice planis.

Schreber tab. 300.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun aber nach und nach durch den größten Theil von Asien und Nordafrica verbreitet, und wird auch hin und wieder in Europa, wie z. B. seit dem siebenten Jahrhundert in Italien, in Ungarn, und auch im Salzburgischen gezogen und zum Zuge gebraucht. Hat ein schwarzes dünn behaartes Fell, das ausnehmend stark und vor - züglich zu Schläuchen tauglich ist.

3. Arni. der Riesenbüffel. B. cornibus divari - catis, lunatis, longissimis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 63.

In den gebirgischen Gegenden von Nord-Hindostan. Ungeheuer groß, so daß ein junger 15 Centner gewogen.

4. Grunniens. der Büffel mit dem Pferde - schweif, Ziegenochse. B. cornibus teretibus, introrsum curvatis, vellere propendente, cauda undique jubata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 23.

101

In Tibet zu Hause, wird aber auch in Hindostan als Hausthier gehalten. Kleiner als unser Hornvieh, zeichnet sich auch außerdem durch seine grunzende Stimme, durch sein zottiges Ziegenhaar, und durch einen büschli - chen sehr langhaarigen Schwanz aus, der, wenn er schön ist, in Indien hoch geschätzt und theuer bezahlt wird.

5. Bison. der nordamericanische Bison. B. cornibus divaricatis brevibus, juba longissima, dorso gibboso.

Schreber tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt heerden - weise in den sumpfigen Wäldern des mildern Nordame - rica. Im Winter ist es über den ganzen Körper be - haart, im Frühjahr hingegen wird es am Rücken und Hinterleibe kahl, und behält bloß seine große Brust - und Nacken-Mähne.

6. Moschatus. der Bisamstier. (Fr. le boeuf mus - qué. Engl. the musk ox) B. cornibus deflexis, basibus latissimis complanatis ad frontem conta - guis; apicibus reflexis.

Cptn Parry's 1st voyage tab. 17.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nordamerica im Westen der Hudsonsbay vom 66 bis 73° der Breite eingeschränkt. Ein Paar seiner Hörner soll zuweilen über einen halben Centner wiegen.

36. Giraffa. Cornua simplicissima pelle tecta, fasciculo pilorum nigro terminata. Dentes pri - mores superiores nulli; inferiores 8 spathulati, extimo bilobo: laniarii nulli.

1. Camelopardalis. die Giraffe. (Nabis.)

Cptn. Carteret in den philos. Transact. Vol. LX. tab. 1.

Im innern Africa. Sie hat, wegen ihres langen Halses, kurzen Körpers, abhängigen Rückens, und we - gen ihres röthlichen, schön gefleckten Fells, ein sehr auszeichnendes Ansehen; sie soll im Schreiten, wie ein Paßgänger, immer den Vorder - und Hinterfuß der ei - nen Seite zugleich heben, und daher einen sonderbaren102 Gang haben, von dem die Bewegung des Springers im Schachspiel entlehnt worden; und ist, wenn sie auf - recht steht, über 16 Fuß hoch.

37. Cervus. Cornua solida multifida. Dentes ut in generibus praecedentibus (interdum tamen laniarii solitarii superiores).

1. Alces. das Elennthier, Elch. (Fr. l'elan. Engl. the elk.) C. cornibus planis acaulibus, palmatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde (wenn anders das nord-americanische Elenn, Fr. l'orignal, Engl. the moose-deer*)Io. Fr. Miller fasc. II. tab. 10. keine eigene Gattung macht), ist sehr hochbeinig; erreicht die Größe vom Pferd, wiegt wohl über 1200 und sein Gehörn über 50 Pfund; läßt sich zähmen und herdenweise auf die Weide treiben. Die alten Sagen, daß das Elennthier oft von Epilepsie be - fallen werde ꝛc. brauchen jetzt keiner weitern Widerlegung.

2. . Dama. der Damhirsch, Tannhirsch. (Fr. le daim. Engl. the buck, fallow-deer.) Corni - bus subramosis compressis, summitate palmata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Im mildern Europa. Kleiner als der gemeine Hirsch; variirt in der Farbe.

3. Tarandus. das Renthier. (rangifer. Fr. le renne. Engl. the rein.) C. cornibus (in utro - que sexu) longis, simplicibus, teretibus, summi - tatibus subpalmatis, juba gulari pendula.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde. Theils, wie im Kamtschatka in Heerden von tausend und mehr Stück; kann in wärmern Gegenden nicht ausdauern, lebt von dürrem Laub, und vorzüglich von Renthier-Moos das es unter dem Schnee hervor scharrt. Dient zumal den Lappländern, Samojeden, Tungusen und Koräken zur Befriedigung aller der dringendsten Bedürfnisse des Lebens.

103

4. . Elaphus. der Edel-Hirsch. (Fr. le cerf. Engl. the stag.) C. cornibus ramosis totis terc - tibus, recurvatis apicibus multifidis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn, nur unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der Enden sei - nes Geweihes richtet sich nicht genau nach dem Alter des Thiers: nach dem achten Jahre ist sie unbestimmt. Die größten natürlichschönen Geweihe sind höchst selten von mehr als 24 wahren Enden. Der Hirsch wird ungefähr 30 Jahre oder etwas darüber alt.

5. . Capreolus. das Reh. (Fr. le chevreuil. Engl. the roe. ) C. cornibus ramosis, teretibus, erectis, summitate bifida.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1797.

In den mildern und wärmern Erdstrichen von Europa und Asien. Das Gehörn des Rehbocks wird zumal nach Castration, auffallender als bey andern Gattungen die - ses Geschlechts durch sonderbare Exostosen entstellt.

38. Moschus. Cornua nulla. Dentes primores ut in praecedentibus generibus; laniarii supe - riores solitarii exserti.

1. Moschifer. das Bisamthier. (Fr. le musc. Engl. the musk.) M. folliculo umbilicali.

Schreber tab. 242.

In den Schwarzwäldern und bergigen Gegenden von Tibet und dem südlichen Sibirien. Das Männchen hat in der Nabelgegend einen Beutel fast von der Größe eines Hühnereyes, worin sich der Bisam, dieses wichtige Arzneymittel, sammelt.

2. Pygmaeus. das kleine guineische Rehchen. (Fr. le chevrotain.) M. supra fusco-rufus, sub - tus albus, ungulis succenturiatis nullis.

Seba, thes. I. tab. 45. fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste Thier dieser Ordnung. Seine ganzen Beine sind nur Fingers lang, und haben ungefähr die Dicke eines Pfeifenstiels.

104

VII. MULTUNGULA. (Belluae, die mehresten Pachydermata Cuv.)

Meist sehr große, aber unförmliche, borstige oder dünn behaarte Säugethiere, mit mehr als zwey Klauen an jedem Fuß. Also mit Inbegriff der Schweine, denn auch diese haben im Grunde vier Klauen.

39. Sus. Rostrum truncatum, prominens, mo - bile. Dentes primores (plerisque) superiores 4, convergentes, inferiores 6, prominentes; laniarii superiores 2, inferiores 2, exserti.

1. Scrofa. das Schwein. (Fr. das wilde le sanglier, das zahme le cochon. Engl. jenes the wild boar, dieses the hog.) S. dorso setoso, cauda pilosa.

Das wilde Schwein hat eine längere Schnauze und überhaupt eine andere Form des Schädels, kürzere aufrechte Ohren, größere Fangzähne als das Haus - schwein, niemahls Finnenwürmer, und ist fast immer von schwarzgrauer Farbe.

Wenige Thiere sind so allgemein fast über die ganze Erde verbreitet, als das Hausschwein. Es hat einen ungemein scharfen Geruch, und ist beynahe ein animal omnivorum. Das Weibchen wirft nicht selten zwey Mahl im Jahr und wohl ehr bis 20 Junge auf ein Mahl. In America, wohin diese Schweine aus Europa übergebracht worden, sind sie theils verwildert. (Fr. cochons marons.) Auf Cuba wurden sie mehr als noch ein Mahl so groß, als ihre europäischen Stammältern; auf Cubagua arteten sie in eine aben - teuerliche Rasse aus mit Klauen, die auf eine halbe Spanne lang waren ꝛc. Die schinesischen (Fr. co - chons de Siam) haben kürzere Beine und einen aus - geschweiften Rücken ohne Mähne. In Schweden und Ungarn findet sich nicht selten eine Spielart mit ungespaltenen Klauen, die schon den Alten bekannt war, so wie man auch welche mit fünf Klauen gesehen hat.

105

2. Aethiopicus. das Emgalo. (Büffon's sang - lier du Cap verd.) S. dentibus primoribus nullis; laniariis superioribus lunatis extrorsum curvatis; sacculis verrucosis sub oculis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 92.

Im Innern von Süd-Africa. Auch auf Madagascar. Ein furchtbar wildes Thier, mit mächtig großen Kopf, spannen-breiten Rüssel, großen warzigen Fleischlappen unter den Augen ꝛc.

3. Tajassu. das Bisamschwein, Nabelschwein, (Pecari, Pakira). S. cauda nulla, folliculo mo - schifero ad extremum dorsi.

Schreber tab. 325.

Herdenweise in den wärmsten Gegenden von Süd - america. Wird höchstens nur 60 Pfund schwer.

4. Babirussa*)Baba heißt auf Malayisch das Schwein, russa der Hirsch.. S. dentibus laniariis superioribus maximis, parallelis retrorsum arcuatis.

Schreber tab. 328.

Zumahl auf den moluckischen Inseln. Lebt am Was - ser, kann sehr geschickt selbst nach ziemlich entlegenen Inseln schwimmen. Es hält schwer, zu bestimmen, wozu ihm die fast zirkelförmigen großen Eckzähne des Ober - kiefers dienen mögen? beym Weibchen sind sie weit kleiner.

40. Tapir. Dentes primores utrinque 6; lania - rii 4; palmae ungulis 4, plantae ungulis 3.

1. Americanus. der Tapir, Anta.

Schreber tab. 319.

Das größte Landthier in Süd-America, von der Sta - tur eines mittelmäßigen Ochsen. Kopf und Schenkel sind ungefähr wie beym Schwein; die Oberlippe zuge - spitzt und sehr beweglich. Gewöhnlich setzt sich's auf die Hinterfüße wie ein Hund. Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr gut ꝛc. Ein sehr ähnliches Thier, das106 Maïta findet sich in Ostindien auf Malacca und Su - matra*)Fr. Cuvier in der Hist. naturelle des Mammiféres Cah. IV..

41. Elephas. Elephant. Proboscis longissima, prehensilis; dentes superiores eburnei exserti.

1. Asiaticus. E. capite elongato, fronte concava, auriculis minoribus angulosis; dentium molarium corona lineis undulatis parallelis distincta.

Ménag. du Mus. nat. II. tab. 2. VII. tab. 3.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilon. Ist das größte von allen Landthieren, wird wohl 15 Fuß hoch und wiegt im zwanzigsten Jahre auf 7000 Pfund. Seine auf dem Rücken fast Daumens dicke Haut ist doch selbst gegen Insectenstiche empfindlich; gewöhnlich von grauer Farbe. Das Hauptorgan des Elephanten ist sein Rüs - sel, der ihm zum Athemhohlen, zum äußerst feinen Ge - ruch, zum Wasserschöpfen, sein Futter damit zu fassen und ins Maul zu stecken, und zu vielerley andern Ver - richtungen, statt der Hände dient. Er kann ihn drey Ellen lang ausstrecken, und bis zu anderthalb Ellen wie - der einziehen. Am Ende ist derselbe, wie mit einem biegsamen Haken versehen, und hiermit kann er unge - mein feine kunstreiche Handlungen verrichten, z. B. Knoten aufknüpfen, Schnallen auflösen, mehrere Stücken Geld mit Einem Mahl aufheben u. s. w. Seine Nah - rung besteht vorzüglich aus Laub der Bäume, Reis und andern Gräsern. Er schwimmt mit ungemeiner Leichtig - keit selbst durch schnelle Ströme. Bey der Begattung soll er sich, wie die mehresten vierfüßigen Säugethiere be - springen. Das neugeworfene Junge saugt mit dem Maule (nicht mit dem Rüssel, wie viele gemeint haben). Ungefähr im dritten, vierten Jahre kommen bey beiden Geschlechtern die zwey großen Stoßzähne zum Ausbruch, die das Elfenbein geben. Sie werden wohl 7 bis 8 Fuß lang und einer derselben kann bis auf 200 Pfund wiegen. Wahrscheinlich wird der Elephant auf 200 Jahre alt. Am häufigsten nutzt man ihn zum Lasttragen, da107 er zum mindesten 20 Centner zu tragen, und schwere Ballen ꝛc. Berge hinauf zu wälzen im Stande ist. Sein Gang ist gleichsam ein schnelles Schieben der Beine, und dabey so sicher, daß er auch auf ungebahnten We - gen doch nicht strauchelt*)Eine Fundgrube zur N. G. dieser Elephantengattung, aus Indischen Schriftstellern, enthält A. W. von Schiegel Indische Bibliothek, I. B. S. 129-231..

2. Africanus. E. capite subrotundo, fronte con - vexa, auriculis amplissimis, rotundatis; dentium molarium corona rhombis disticta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. C.

Diese im mittlern und südlichern Africa einheimische Gattung wird jetzt höchstens nur noch im Innern dieses Erdtheils als Hausthier gehalten, im übrigen aber bloß des Fleisches und vorzüglich des Elfenbeins wegen ge - fangen und geschossen.

42. Rhinoceros. Nashorn. (Abada.) Cornu solidum, conicum, naso insidens.

1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus, utrinque quaternis, inferioribus conicis, superioribus sub - lobatis; laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. B.

In Ostindien. Das bey dieser Gattung mehrentheils einzelne Horn ist bey ihm, so wie das doppelte beym afrikanischen, nicht am Knochen fest gewachsen, sondern bloß auf demselben aufsitzend.

2. Africanus. Rh. dentibus primoribus et laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.

In Süd-Africa, am Cap ꝛc. Meist mit doppeltem Horn; das zweyte ist kleiner, und sitzt hinter dem er - stern.

43. Hippopotamus. Dentes primores superiores remoti, (inferiores procumbentes); laniarii in - feriores incurvati, oblique truncati.

108

1. Amphibius. das Nilpferd. (am Cap Seekuh genannt)

Buffon, Supplement vol. III. tab. 62. 63. vol. VI. tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Africa, so wie ehedem im Nil. Aeußerst plump, mit einem unförmlichen großen Kopfe, ungeheueren Rachen, dicken Leibe, kurzen Beinen ꝛc. Ein erwachsenes wiegt wenigstens viertehalb tausend Pfund. Nährt sich von Vegetabilien und Fischen.

VIII. PALMATA.

Säugethiere mit Schwimmfüßen, deren Geschlech - ter wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses (so wie oben die Digitata) in drey Familien zerfal - len. A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires.

Mit meißelförmigen Nagezähnen.

44. Castor. Pedes postici palmati. Dentes pri - mores utrinque 2.

1. . Fiber. der Biber. (Fr. le castor. Engl. the beaver.) C. cauda depressa, ovata, quasi squamosa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 43.

In der nördlichern Erde, in einsamen Gegenden an Land-Seen und größern Flüssen. Er wird wegen sei - ner feinen Haare für die Handlung, und für die Arz - neykunst wegen des so genannten Bibergeils wichtig, das sich bey beiden Geschlechtern in besondern Behäl - tern am Ende des Unterleibes findet. Am berühmtesten sind aber diese Thiere durch die ausnehmende Kunstfer - tigkeit, mit welcher sie, da wo sie sich (wie im Innern von Canada) noch in Menge beysammen finden, ihre dauerhaften Wohnungen, besonders aber, da wo sie es nöthig finden, die dazu gehörigen bewundernswürdigen Dämme aufführen. Denn, zugegeben, daß freylich in den Erzählungen mancher Reisebeschreiber vom Bau der109 Biberhütten vieles verschönert und übertrieben worden, so wissen sich doch diese Thiere, nach dem einstimmigen Zeugniß der unverdächtigsten Beobachter aus ganz ver - schiedenen Welttheilen, dabey so nach zufälligen Umstän - den zu bequemen, daß sie sich dadurch weit über die ein - förmigen Kunsttriebe anderer Thiere erheben.

B) Ferae.

Mit dem Gebiß der reißenden Thiere.

45. Phoca. Pedes postici exporrecti, digiti coa - liti. Dentes primores superiores 6, inferio - res 4; laniarii solitarii.

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts gleichsam die Amphibien unter den Säugethieren, deren ganzer Körperbau darnach eingerichtet ist, um in beiden Ele - menten leben zu können*)So habe ich z. B. a. 1784 bey der Zergliederung eines Seehund-Auges eine merkwürdige Einrichtung entdeckt, wodurch diese Thiere im Stande sind, nach Willkür die[Achse] desselben zu verlängern oder zu verkürzen, um durch zweyerley medium von so verschiedener Dichtigkeit, durchs Wasser nähmlich eben so gut als durch die Luft deutlich seben zu können. s. Handbuch d. vergl. Anatomie S. 401. der 3ten Aufl. tab. 6..

1. . Vitulina. der Seehund, die Robbe, das Seekalb. (Fr. le veau marin. Engl. the seal.) P. capite laevi, auriculis nullis, corpore griseo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 73.

In den nördlichen Meeren; auch im schwarzen, Cas - pischen, und mehrern Sibirischen Seen. Ist für die finnischen Insulaner, so wie für die Kamtschadalen, be - sonders aber für die Grönländer und für die labradori - schen Esquimos, ein äußerst wichtiges Geschöpf: die bei - den letztern Völker zumahl, nähren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in sein Fell, beziehen ihre Sommerhütten und Lederbothe damit ꝛc. Sein Fang macht ihr vorzüglichstes Geschäft, und die darin erworbene Geschicklichkeit ihr Glück und ihren Stolz aus. Kann wie die nächstfolgende Gattung leicht kirre und zuthuig werden.

110

2. Monachus. die Mönchsrobbe. (Fr. les Pho - ques à ventre blanc.) P. inauriculata, dentibus incisoribus utrinque 4; palmis indivisis, plantis exunguiculatis.

Buffon, Supplem. vol. VI. tab. 44.

Zumahl im mittländischen Meere. Sehr gelehrig. Auch auffallend wegen der unruhigen Veränderlichkeit ihrer ganzen Gesichtsbildung.

3. Ursina. der Seebär. P. auriculata, collo laevi.

Buffon, Supplem. vol. VI. tab. 47.

Im Sommer heerdenweise auf den Inseln des kamt - schatkischen Inselmeers, überwintert aber vermutlich auf den benachbarten etwas südlichern Inseln des stillen Oceans. Lebt in Polygamie, so daß jedes Männchen wohl dreyßig bis vierzig Weibchen hat, die es mit vie - ler Eifersucht bewacht, und gegen seine Nebenbuhler zu behaupten sucht*)G. W. Stellers Beschreibung von sonderbaren Meer - thieren. Halle, 1753. 8. (aus den nov. Comment. Petra - polit.).

4. Jubata. der stellersche Seelöwe. P. auricu - lata, collo iubato.

Buffon, Supplem. vol. VI. tab. 48.

Im ganzen stillen Ocean. Die größte Gattung dieses Geschlechts; hat den Namen von der beym Männchen gewisser Maßen löwenartigen Mähne.

5. Proboscidea (cristata Linn.) der ansonsche See - löwe. (Engl. the Sea-Elephant.) P. naso pro - boscideo retractili.

Péron voy. aux terres australes tab. 32.

An den südlichern Inseln im atlantischen und stillen Ocean. Wird auf 30 Fuß lang. Nur das Männchen hat die sonderbare rüsselförmige Nase.

46. Lutra. Palmae plantaeque natatoriae. Den - tes primores utrinque 6; superiores distincti, inferiores conferti.

111

1. . Vulgaris. die Fischotter. (Fr. la loutre. Engl. the otter.) L. plantis nudis, cauda cor - pore dimidio breviore.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

In den mildern Gegenden der nördlichen Erde. Die schönsten in Canada.

2. Brasiliensis. die brasilische Flußotter, der Wasserwolf. (la saricovienne. ) L. badia, ma - cila alba submentali, cauda corpore dimido bre - viore.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 93.

Diese gemeiniglich mit der folgenden verwechselte Gattung lebt in den Flüssen und Landseen des öftlichen und innern Südamerica.

3. Marina. die Seeotter. (Fr. le castor marin. Engl. the sea-otter.) L. nigra, plantis pilosis, cauda corpore quadruplo breviore.

Cook's voyage to the northern hemisphere vol. II. tab. 43.

Besonders um Kamtschatka und an der jenseitigen Küste vom nordwestlichen America bis hinunter nach Nutka - Sund, doch auch um Corea, und zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und silbergraues Fell ist für die Schinesen das kostbarste aller Rauchwerke.

C) Bruta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorderzähne.

47. Ornithorhynchus. Mandibulae rostratae (ana - tinae). Dentes nulli*)Denn die Organe, die Hr. Bar. Home für Backenzähne des Schnabelthiers ausgegeben, können doch, da sie weder sub - stantia vitrea noch ossea, weder Wurzeln noch Zahnzellen haben, und er sie ihrer Structur nach vielmehr mit der von der innern Haut des Hühnermagens vergleicht, wohl weder nach dem gemei - nen Sprachgebrauch, noch nach der wissenschaftlichen anatomischen und naturhistorischen Terminologie für wirkliche Zähne eines warm - blütigen Quadruped's gehalten werden..

112

1. Paradoxus. das Schnabelthier. (Engl. the duck-bill.)

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeichnet sich von allen bisher bekannten Säugethieren durch die bey - spiellose Bildung seiner Kinnladen aus, die im äußern aufs vollkommenste einem breiten platten Entenschnabel ähneln, auch eben so mit einer weichen nervenreichen zum Tasten bestimmten Haut überzogen, auch an den Seitenrändern gezähnelt sind. Beiderley Füße sind mit einer Schwimmhaut versehen, die an den Vordern noch vor den Krallen hervorragt, und sich mittelst derselben fächerartig zusammenfalten oder ausbreiten läßt. Dieses Wunderthier lebt in Landseen des an sonderbaren For - men seiner Geschöpfe so reichen fünften Welttheils, un - weit Botanybay.

48. Trichechus. Pedes posteriores compedes coadunati.

1. Rosmarus. das Wallroß. (Fr. le morse. Engl. the walrus.) T. dentibus laniariis supe - rioribus exsertis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.

Bey dem Treibeis des Nordpols: oft zu hunderten beysammen. Nährt sich vom Seetang und Schalthieren, die er mit seinen Hauzähnen loskratzt. Die alten Normannen machten ihre fast unverwüstlichen Ankertaue von Wallroßriemen*)s. Sir Ev. Home in den philos. Transact. 1820. tab. 25..

Eine verwandte Gattung, der Dugong, ist in Süd - indien, zumahl an den Sundischen und Moluckischen In - seln zu Hause**)s. Othere's Reise in J. Spelmanni vita Aelfredi magni Anglor. regis. p. 205..

2. Manatus. die Seekuh. (Fr. le lamantin.) T. dentibus laniariis inclusis.

Albers icones ad illustr. anat. compar. Fasc. II. tab. 4.

113

In Flüssen und an den Seeküsten der wärmern Erde, z. B. häufig in Orinoco. Scheint zu manchen der Sa - gen von Meerjungfern (oder Sirenen der neuern) An - laß gegeben zu haben*)Die fälschlich so genannten Lapides manati sind gar nicht von diesem Thiere, sondern gewöhnlich ein Theil des äußeren Ge - hörganges und der Paule des Wallfisches..

IX. CETACEA. **)s. Schneider's vermischte Abhandl. zur Aufklärung der Zoologie ꝛc. Berlin, 1784. 8. S. 175-304.C. Lacépède histoire naturellle des catacèes. Par. an 12. 4.

49. Monodon. Dens alteruter maxillae superio - ris exsertus longissimus, rectus, spiralis.

1. Narhwal. das See-Einhorn.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 44.

Meist im nördlichen atlantischen Ocean. Das Junge hat ursprünglich zwey Zähne (in jedem Oberkieferkno - chen Einen), die aber von ungleicher Größe sind, und beym Erwachsenen sehr selten zusammen gefunden wer - den, sondern gewöhnlich nur einer von beiden. Zuwei - len so lang als der Körper des Thieres, d. h. wohl 18 Fuß und darüber.

50. Balaena. Dentes nulli. Laminae loco su - periorum corneae.

1. Mysticetus. der Wallfisch. (Fr. la baleine. Engl. the black whale.) B. dorso impinni.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 94.

Das größte aller bekannten Thiere***)Denn von der vermeinten Riesen-Krake s. unten bey der Asterias caput medusae., das über 100000 Pfund an Gewicht hält, ist theils gegen den114 Nordpol, aber auch in südlichen Gegenden im atlanti - schen Ocean, und im stillen Meere zu Hause. Die heu - tiges Tages gefangen werden, sind selten über 60 bis 70 Fuß lang. Der ungeheuere Kopf macht wohl ein Drit - tel des ganzen Thieres aus. Die Haut ist meistens schwarz oder mit weiß gemarmelt ꝛc., hin und wieder dünn behaart, und oft mit Muscheln besetzt. Den kamt - schadalischen Insulanern und den nordwestlichen Ameri - canern gibt dieses ungeheuere Thier victus et amictus ꝛc. Die Europäer hingegen fangen den Wallfisch (wovon ein großer 5000 Rthl. werth seyn kann) des Fisch - thrans und der Barden wegen, deren er auf 700 im Oberkiefer hat, die das Fischbein geben, und von denen die mittelsten wohl 20 Fuß lang werden.

2. Rostrata. einer der verschiedenen Finnfische. B. pectore sulcato, pinna dorsali obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 74.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil des Bauchs ist bey dieser und einigen andern Gattungen dieses Geschlechts sehr regelmäßig nach der Länge ge - furcht*)Ein solcher Finnfisch (mit welchem Namen von den Wall - fischfängern alle Gattungen dieses Geschlechts belegt werden, die eine Rückenfinne haben, wie physalus, hoops u. a. ) den ich frisch gestrandet zu sehen die mit unverhoffte Gelegenheit gehabt, war 52 Fuß lang und hatte 64 solche mehr als Daumensbreite und eben so tiefe Brustfurchen..

51. Physeter. Dentes in maxilla inferiore.

1. Macrocephalus. der Caschelot, Pottfisch. (Engl. the white whale.) P. dorso impinni, dentibus inflexis, apice acutiusculo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 84.

Meist in den südlichen Weltmeeren; zumahl an den Küsten von Brasilien und von Neu-Südwallis. Er er - reicht die Größe des Wallfisches, hat einen ungeheuren Rachen, und kann Klafterlange Hayfische verschlingen. Sein Oberkiefer ist sehr breit, der untere hingegen überaus schmal. Er wird vorzüglich des Wallraths (sperma ceti) wegen aufgesucht, das in Gestalt eines115 milchweißen Oehls theils im Körper des Thiers bey dem Thran, theils aber, und zwar in größter Menge in be - sondern Behältern am Kopfe desselben, zumahl vorn auf den Oberkiefern gefunden wird, und an der Luft zu ei - nem halb durchsichtigen Talg verhärtet. Die köstliche wohlriechende graue Ambra ist eine Stercoralverhärtung, die sich zumahl im dicken Darm mancher davon erkran - kender Caschelotte findet.

52. Delphinus. Dentes in maxilla utraque.

1. Phocaena. das Meerschwein, der Braun - fisch. (tursio Plin. Fr. le marsouin. Engl. the porpoise) D. corpore subconiformi, dorso lato pinnato, rostro subobtuso.

Ménag. du Mus. nat. VII. tab. 4.

So wie die folgende Gattung in den europäischen Meeren: wird so wie diese 1 1 / 2 Klafter lang und ist zu - mahl für die Lachse ein schädliches Raubthier.

2. Delphis. der Delphin, Tümmler. (Fr. le dauphin. Engl. the porpesse) D. corpore ob - longo subtereti, dorso pinnato, rostro attenuato, acuto.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 95.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca. der Nordcaper, Speckhauer. (Fr. l'epaulard. Engl. the grampus.) D. pinna dorsi altissima: dentibus subconicis, parum incurvis.

Schreber tab. 340.

Mehr im nördlichen Weltmeere, doch auch im mittel - ländischen; wird 20 Fuß lang.

116

Fünfter Abschnitt. Von den Vögeln.

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung, mit - hin auch in ihrer Lebensart ꝛc. so sehr viel Verschie - denheit, daß sich nur wenig Allgemeines von ihnen überhaupt sagen läßt, und man sich folglich bey ih - rer speciellen Geschichte desto umständlicher zu seyn gedrungen sieht. Bey den Vögeln ist der Fall an - ders. Beides, so wohl ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart hat im Ganzen genommen mehr Ueberein - stimmendes, daher man sich bey der besondern Ge - schichte ihrer einzelnen Geschlechter und Gattungen schon kürzer fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bildung darin mit einander überein, daß sie zwey Füße, zwey Flügel, einen ganz oder doch zum Theil hornigen Schnabel, und einen mit Federn be - deckten Körper haben. Sie zeichnen sich zu - gleich durch diese vier Charactere von allen andern Thieren aufs kenntlichste aus, und machen eine gleich - sam isolirte Classe von Geschöpfen aus, die mit kei - ner andern zusammen fließt, und sich daher in die vermeinte Kette oder Leiter der natürlichen Körper (S. 8.) nicht ohne Zwang einpassen läßt.

§. 57.

Unter jenen Charactern sind die Federn den Vögeln ausschließlich eigen, die in regelmäßigen Rei -117 hen (in quincunce) in die Haut verwachsen und mit vielem Fette durchzogen sind; aber in gewisser Jahrs - zeit, gewöhnlich im Herbste, ausfallen und neue an ihrer Statt regenerirt werden. Viele, zumahl die meisten Wasservögel, auch die Schneehühner ꝛc. mausern sich gar zwey Mahl im Jahr, im Früh - ling und Herbst. Bey manchen Gattungen hat der junge Vogel, zumahl vor der ersten Mause (als avis hornotina) andere Farben oder Zeichnungen des Ge - fieders, als im reifern Alter. Bey manchen herrscht auch hierin große Sexualverschiedenheit. Von den Haaren unterscheiden sie sich besonders auch dadurch, daß sie, so viel bekannt, wenn sie beschnitten oder sonst verstümmelt worden, alsdann nicht so wie diese, wieder ergänzt werden.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen und im Schwanze. Jene heißen Schwungfedern (remiges), diese Steuerfedern (rectrices). Die Schwungfedern bilden bey ausgespannten Flügeln gleichsam breite Fächer, womit sich die Vögel in die Luft heben und fliegen können. Einige wenige - gel (aves impennes), wie die Pinguine ꝛc. haben gar keine Schwungfedern, und sind daher zum Fluge ungeschickt. So fehlen auch einigen Vögeln, wie dem Casuar, den Taucherchen ꝛc. die Steuerfedern.

§. 59.

Im innern Körperbau*)Vom Eigenthümlichen des innern Körperbaues der Vögel habe ich ausführlich in dem Specimen physiologiae com - paratae inter animantia calidi sanguinis vivipara et ovipara ge - handelt das im IX. B. der commentation. societ. reg. scientiar. Gottingens. p. 108-128. befindlich ist. zeichnen sich die Vögel besonders durch die merkwürdigen Luftbe -118 hälter aus, die in ihrem Körper vertheilt, und vorzüglich zum Fluge von äußerster Wichtigkeit sind. Die mehresten stehen mit den Lungen, andere aber bloß mit dem Rachen in Verbindung, und der Vo - gel kann sie nach Willkühr mit Luft laden oder aus - leeren. Zu diesen Luftbehältern gehören vorzüglich große aber zarte häutige Zellen, die theils im Un - terleibe, theils unter den Achseln und sonst noch un - ter der Haut verbreitet sind, und durchs Einathmen mittelst der Lungen voll Luft gepumpt werden können. Außerdem dienen den Vögeln auch gewisse markleere hohle Knochen, wie die Schulterknocken im Flü - gel ꝛc. und manchen selbst die Hirnschale, zu ähnli - chen Zwecken; und endlich sind auch die ungeheuern Schnäbel der Pfefferfraße, Nashornvögel ꝛc. eben - falls dahin gehörig.

§. 60.

Durch diese merkwürdigen Einrichtungen werden die Vögel zum Flug geschickt, bey welchem die Ge - schwindigkeit so wohl als die lang anhaltende Dauer gleich merkwürdig sind. Nur wenige Vögel, wie der Straus, der Casuar, die Pinguine und andere aves impennes (§. 58.) können gar nicht fliegen.

§. 61.

Der Aufenthalt der Vögel ist beynahe eben so verschieden als der Säugethiere ihrer. Die meh - resten leben auf Bäumen, andere auf dem Wasser, sehr wenige bloß auf der Erde: aber kein einziger Vogel (so wie der Maulwurf in der vorigen, und andere Geschöpfe in den beiden letztern Thier - Classen) bloß unter der Erde. Die Bildung der Füße ist auch bey den Vögeln, so wie bey den119 Säugethieren, ihrem verschiedenen Aufenthalt ange - messen*)Die Kunstnamen dieser verschiedenen Bildung der Vogel - füße sind in Forsteri enchiridion p. 15. und in Illigers Ter - minologie S. 187. erklärt, und im IIIten Theil von Bechsteins ornitholog. Taschenb. durch treffliche Abbildungen erläutert..

§. 62.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn - platz zu gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar bloß in sofern, daß sie nur wenige Meilen weil in die benachbarten Gegenden streichen, und bald darauf in ihre alte Heimath zurückkehren; andere aber wie die Hausschwalben, die Kraniche, Störche ꝛc. so, daß sie im Herbst große Wallfahrten, weit übers Meer und über einen beträchtlichen Theil der Erdku - gel weg, anstellen, und den Winter bis zur Rück - kehr im folgenden Frühjahre in wärmern Zonen zubringen**)s. Dr. Jenner in den philosoph. Transact. for 1823. und in den Annals of Philosophy, Jan. 1824. T. XXXVII. pag. 66..

§. 63.

Kein Vogel hat Zähne, sondern diese Thiere müssen ihre Speise entweder mit dem Schnabel zer - beißen, oder ganz schlucken. Bey denjenigen samen - fressenden Vögeln, die ihre Körner ganz, unzerbissen einschlucken, gelangen diese nicht sogleich in den Ma - gen, sondern werden vorher im drüsenreichen Kropfe (ingluvies, prolobus) eingeweicht, und von da nur allmählich an den Magen überlassen, der bey diesen Thieren äußerst musculös, und so stark ist, daß er sogar, nach Reaumur's u. a. merkwürdigen Ver - suchen, verschluckte Haselnüsse und Olivenkerne zu zerdrücken und Münzen so glatt wie Papier abzu - scheuern vermag. Sehr viele Vögel verschlucken aber120 auch überdieß noch kleine Kieselsteinchen, die eben - falls die Zermalmung und nachherige Verdauung der Speisen befördern*)Ueber den Zweck und Nutzen, weshalb diese Vögel solche Steinchen schlucken müssen, sind die Meynungen der Physiologen sehr verschieden. Manche haben gar gewährt, es geschehe aus Stupidität. Nach meinen Untersuchungen ist es ein unent - behrliches Hülfsmittel, um die eingeschluckten Körner dadurch zu tödten und ihrer Lebenskraft zu berauben, die sonst der Digestionskraft widersteht.. Verschiedene fleischfres - sende Vögel, wie die Falken, Eulen, Eisvögel ꝛc. können die Knochen, Haare und Gräten der kleinen Thiere, die sie verzehrt haben, nicht verdauen, son - dern brechen sie, in eine Kugel (das Gewölle) geballt, nach der Mahlzeit wieder von sich**)Einen ähnlichen Ursprung haben auch die vulgo so ge - nannten Sternschnuppen, nähmlich die graulichweißen, gall - ertartigen, meist darmförmig gewundenen Klumpen die man oft haufenweise auf Wiesen ꝛc. antrifft, und halbverdaute Eingeweide von Fröschen sind, die von Krähen, Sumpf - und Wasservögeln wieder ausgebrochen worden s. Dr. Persoon in Voigt's neuem Magazin I. B. 2. St. S. 56 u. f..

§. 64.

Zu den besondern Eigenheiten der Sinnwerk - zeuge der Vögel in Vergleichung zu den Säuge - thieren, gehört unter andern der Mangel der knorp - ligen zur Auffassung des Schalls dienenden äußern Ohren; der aber, zumahl bey den nächtlichen Raub - vögeln, durch die äußerst regelmäßige zirkelförmige Stellung und bestimmte Richtung der Federchen in der Gegend des Ohres und bey manchen derselben auch noch überdieß durch eine bewegliche Klappe am äußern Gehörgange, vergütet wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich u. a. verwandte Gattungen, scheinen den wirklichen Sinn des Tastens (d. h. des Gefühls im engern Verstande) zu besitzen; und das Organ dazu ist wohl die welche Be - deckung ihres Schnabels, die mit ausnehmend starken121 Hautnerven versehen, und beym lebendigen Thier äußerst empfindlich ist. Auch sieht man, wie die Enten in den Pfützen, wo sie bey Aufsuchung des Fraßes weder dem Gesichte, noch dem Geruche nachgehen können, mit dem Schnabel wirklich sondiren.

§. 65.

Die Stimme ist zumahl bey den kleinen so genannten Sangvögeln mannigfaltig und anmuthig, doch darf man nicht sowohl sagen, daß sie singen, ( denn natürlicher Gesang ist ein ausschließliches Vor - recht des Menschen ) als, daß sie pfeifen. Außer den obgedachten Luftbehältern (§. 59.) kommt ihnen da - zu vorzüglich die Einrichtung ihres Kehlkopfs (larynx) zu Statten, der bey den Vögeln nicht bloß, so wie den Säugethieren und Amphibien, am obern Ende, nähmlich an der Zungenwurzel befindlich, sondern gleichsam in zwey abgesonderte Hälften an die bei - den Enden der Luftröhre vertheilt ist. Die Papa - geyen, Raben, Stahre, Dompfaffen ꝛc. hat man die Menschenstimme nachahmen und Worte ausspre - chen gelehrt: so wie auch die Sangvögel im Käficht leicht fremden Gesang annehmen, Lieder pfeifen ler - nen, und sich sogar zum Accompagnement abrichten lassen, so, daß man mit mehreren Dompfaffen zu - gleich schon wirklich kleine Concerte hat geben kön - nen. Ueberhaupt aber scheint auch der Waldgesang der Sangvögel doch erst durch Uebung und Nachah - mung recht ausgebildet zu werden.

§. 66.

Die mehresten Vögel begatten sich im Früh - jahr; manche aber, wie der Kreuzschnabel in der kältesten Jahrszeit nach Weihnachten. Das Haus - geflügel ist gar an keine bestimmte Zeit gebunden, sondern läßt sich Jahr aus Jahr ein zu diesem Ge -122 schäft willig finden. Manche halten sich nur zur Begattungszeit, andere aber, wie die Tauben und Hausschwalben, für immer paarweise zusammen: noch andere aber leben, wie der Haushahn, und un - ter den wilden Vögeln der Straus, in Polygynie.

§. 67.

Das befruchtete Weibchen wird vom Instinct getrieben, für die Zukunft zu sorgen, und zu nisten, wovon eigentlich vielleicht außer dem Kukkuk wohl nur sehr wenige andre, z. B. die Nachtschwalbe aus - genommen sind. Bey den polygynischen Vögeln, wie bey den Hühnerarten, nimmt das Männchen gar keinen Antheil an diesem Geschäfte; bey denen aber, die sich paarweise zusammen halten, zumahl unter den Sangvögeln, trägt es doch Baumaterialien her - bey, und verpflegt sein Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 68.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede Gat - tung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen und ih - rer ganzen Lebensart aufs genaueste angemessen. Und eben so sorgfältig wählt auch jede Gattung die Bau - materialien zu ihrem Neste.

§. 69.

Die Form der Nester ist bald mehr bald min - der künstlich Manche Vögel, wie die Schnepfen, Trappen, Kibitze ꝛc. machen sich bloß ein dürres La - ger von Reisholz, Strohhalmen ꝛc. auf der platten Erde: andere tragen sich nur ein weiches kunstloses Bett in Löcher der Mauern, Felsenritzen und hohle Bäume; so die Spechte, Heher, Dohlen, Sper - linge ꝛc. Sehr viele, zumahl unter den Hühnern, Tauben und Sangvögeln, geben ihrem Neste die123 Gestalt einer Halbkugel oder einer Schüssel: andere, wie der Zaunkönig, ungefähr die Form eines Backo - fens: noch andere, wie manche Meisen, Kernbeißer ꝛc. die von einem Beutel u. s. w. *)Ad. L. Wirsing Sammlung von Nestern und Eyern verschiedener Vögel, beschrieben von Fr. Chr. Günther. Nürnb. 1772. Fol.

§. 70.

Wenn endlich das Geschäft des Nesterbaues voll - endet ist, so legt die Mutter ihre Eyer hinein; de - ren Anzahl bey den verschiedenen Gattungen der Vögel sehr verschieden ist. Viele Wasservögel z. B. legen jedes Mahl nur ein einziges Ey; die Taucher - chen und mehresten Tauben ihrer zweye; die Möven drey, die Raben vier; die Finken fünf; die Schwal - ben sechs bis acht; die Rebhühner und Wachteln vierzehn; das Haushuhn aber, besonders wenn man ihm die Eyer nach und nach wegnimmt**)In diesem Fall scheint also das Eyerlegen eine willkür - liche Handlung, wodurch es sich folglich vom durchaus unwill - kürlichen Gebähren der Säugethiere auffallend auszeichnet., bis fünfzig und darüber. Zuweilen geben auch manche Vögel, ohne vorher gegangene Befruchtung, Eyer von sich, die aber zum Brüten untauglich sind und Windeyer (ova subventanea, cynosura, zephy - ria, hypenemia) heißen.

§. 71.

Die Ausbildung des jungen Thieres, die bey den Säugethieren noch im Mutterleibe vollzogen wird, muß hingegen bey den Vögeln im schon gelegten Ey, mittelst des Brütens bewirkt werden. Nur der Kukkuk brütet seine Eyer nicht selbst aus, sondern überläßt es den Grasmücken oder Bachstelzen ꝛc., in deren Nest er sein Ey gelegt hat. Hingegen124 weiß man, daß selbst Capaunen und Hunde, und so - gar Menschen Vogeleyer ausgebrütet haben*)Plin L. X. cap. 55. Livia Angusta, prima sua Ju - venta Tiberio Caesare ex Nerone gravida, cum parere virilein sexum admodum cuperet, hoc usa est puellari augurio, ovum in sinu fovendo, atque cum deponendum haberet, nutrici per sinum tradendo, ne intermitteretur tepor. Auch bloß durch künstliche Wärme, und erhitzten Mist**)Aristot. hist. animal. L. VI. c. 2.L'art de faire éclore des oiseaux domestiques, par de Reaumur. Par. 1741. 3 Vol. 12.(des Abbé Copineau) Ornithotrophie artificielle. Par. 1780. 12., und durch Lampenfeuer in so genannten Brüt-Ma - schinen***)Eine genaue Beschreibung dieser nützlichen gar nicht kost - baren Maschine, und die doch so ausnehmend interessante und lehrreiche Unterhaltung gewährt, s. in unsers sel. Hollmanns Unterricht von Barometern und Thermometern. Göttingen, 1783. 8. S. 206. u. f. 271. u. f. und in Brütöfen, kann man leicht Hühnchen auskriechen lassen. Die Vögel werden durchs anhaltende Brüten abgemattet, und nur bey solchen, die sich paarweise zusammen halten, wie bey den Tauben, Schwalben ꝛc. nimmt auch das Männ - chen an diesem Geschäfte Antheil. Die Hähne unter den Canarienvögeln, Hänflingen, Stieglitzen ꝛc. über - lassen zwar das Brüten bloß ihren Weibchen, ver - sorgen sie doch aber während der Zeit mit Futter und ätzen sie theils aus dem Kropfe.

§. 72.

Während des Brütens geht nun im Eye selbst die große Veränderung vor, daß das Küchelchen darin allmählig gebildet, und von Tag zu Tag mehr zur Reise gebracht wird†)Von dieser Ausbildung des bebrüteten Küchelchen, und den zu seiner Oekonomie gehörigen Organen des Eyes s. den XXVII. Abschnitt des Handb. der vergl. Anatomie.. Zu dieser Absicht ist nicht nur der Dotter überhaupt specifisch leichter als125 das Eyweiß, sondern auch wiederum diejenige Stelle auf seiner Oberfläche (der so genannte Hahnentritt, cicatricula), neben welcher das künftige Hühnchen zu liegen kommt, selbst noch leichter als die entgegen gesetzte Seite, so daß folglich bey jeder Lage des Eyes doch immer jene Stelle dem Leibe des brütenden Vogels zugekehrt ist. Die erste Spur des neuen Küchelchens zeiget sich immer erst eine geraume Zeit nachdem das Brüten seinen Anfang genommen. Beym Hühnerey z. B. kaum vor Ende des ersten Tages: so wie am Ende des zweyten das berühmte Schauspiel der ersten Bewegung des dann noch sehr unvollkomm - nen Herzchens (das punctum saliens) seinen Anfang nimmt. Zu Ende des fünften Tages sieht man schon das ganze kleine gallertartige Geschöpf sich bewegen. Am vierzehnten brechen die Federn aus; zu Anfang des fünfzehnten schnappt das Hühnchen schon nach Luft; und ist am neunzehnten Tage im Stande einen Laut von sich zu geben.

Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, wor - in er sich zeigt, noch weit mehr von seiner nachmahligen Form, wenn er zum Auskriechen reif wird, verschieden, als die früheste Gestalt des neuempfangenen Säugethiers von seiner nachherigen Bildung; so daß man sagen kann, das Küchelchen im Eye gelange erst durch eine wahre Metamor - phose zu seiner vollkommenen Gestalt, und das sowohl in Rücksicht einzelner Eingeweide (z. B. des Herzens) als in der Totalbildung ( vergl. die Abbild. n. h. Gegenst. tab. 64. )

§. 73.

Unter den mancherley zur bewunderungswürdigen Oekonomie des bebrüteten Küchelchens dienenden Or - ganen, sind die beiden allerwichtigsten zwey sehr ge - fäßreiche Membranen, die zumahl um die Mitte der Brützeit in ganz ausnehmender Schönheit sich zei - gen. Nähmlich die Nabelhaut (chorion) die126 dann unter der Eyerschale ausgebreitet ist; und die Dotterhaut (membrana valvulosa vitelli), die mit dem Darmcanal des zarten Geschöpfs zusammen - hängt. Jene dient ihm statt der Lungen zum so genannten phlogistischen Proceß ( S. 32 u. f. ) und diese zur Ernährung mittelst des Dotters, der allgemach durch das sich ihm beymischende Eyweiß verdünnt wird. ( Abbild. n. h. Gegenst. tab. 34. )

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre bestimmte Brützeit von verschiedener Länge, die aber doch nach Verschiedenheit des Climas und der wärmern oder kältern Witterung verzögert oder beschleunigt wird. Beym Huhn ist das Küchelchen gewöhnlich zu Ende des ein und zwanzigsten Tages zum Auskriechen aus dem Eye reif.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von der Mutter, und bey denen, die in Monogamie leben, auch vom Vater, mit vieler Zärtlichkeit gefüttert, und zumahl bey den mehresten körnerfressenden aus dem Kropfe geätzt, bis sie befiedert, und überhaupt für ihren eigenen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ihrer kör - perlichen Größe, und in Vergleich mit den Säugethie - ren, ein sehr hohes Alter, und man weiß, daß selbst in der Gefangenschaft Adler und Papageyen über hun - dert, Buchfinken, Stieglitze über 24 Jahre ꝛc. leben können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der Natur im Großen ungemein wichtige Geschöpfe, obgleich127 ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs Menschen - geschlecht ohne Vergleich einfacher ist, als der Säu - gethiere ihre. Sie vertilgen unzählige Insec - ten, und das unbedingte Wegfangen einiger vermeint - lich schädlichen Vögel, der Sperlinge, Krähen ꝛc. in manchen Gegenden, hat meist eine ungleich schäd - lichere Vermehrung des Ungeziefers nach sich gezogen. Andere verzehren größere Thiere, Feldmäuse, Schlangen, Frösche, Eidexen ꝛc. oder Aeser. Viele helfen Unkraut ausrotten. Von der andern Seite wird auch die Vermehrung und Fort - pflanzung der Thiere sowohl, als der Gewächse, durch Vögel befördert. So weiß man z. B., daß die wilden Enten bey ihren Zügen befruchteten Fisch - rogen in entfernte Teiche übertragen, und sie dadurch zuweilen fischreich machen. Sehr viele Vögel ver - schlucken Samenkörner, die sie nachher wieder ganz von sich geben, und dadurch die Verbreitung dersel - ben befördern: so z. B. die Tauben auf Banda die Muscatnüsse ꝛc. Der Mist der Seevögel düngt kahle Felsenklippen und Küsten, daß nachher nützliche Gewächse da fortkommen können. Manche Falken - gattungen lassen sich zur Jagd, so wie die Scharben zum Fischfang, abrichten ꝛc. So sehr viele - gel, ihre Eyer, ihr Fett ꝛc. dienen zur Speise. Die ganzen Felle der Seevögel zur Kleidung man - cher Polar-Völker. Die Federn zum Füllen der Betten, zum Schreiben, und zu mancher - ley theils kostbaren Putz, so wie sie auch bey vielen wilden Völkern, zumahl auf den Inseln des stillen Oceans, einen beträchtlichen Handelsartikel aus - machen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutzbarer128 Thiere und Gewächse zurück bringen. Der Con - dor, der Lämmergeyer u. a. Raubvögel tödten Käl - ber, Ziegen, Schafe ꝛc. Der Fischadler und so viele Wasservögel sind den Fischen und ihrem Leich so wie die Habichte, Sperber, Aelstern ꝛc. dem Hausgeflügel gefährlich. Die Sperlinge und andere kleine Sang - vögel schaden der Saat, den Weintrauben und Obst - bäumen u. s. w. Und endlich werden freylich nicht bloß brauchbare Gewächse, sondern auch eben so wohl wu - cherndes Unkraut durch die Vögel verpflanzt. Wirk - lich giftige Thiere finden sich aber in dieser Classe eben so wenig, als in der vorigen.

§. 79.

Da die Bildung der Vögel, im Ganzen genom - men, ziemlich einförmig ist, und gewisse Theile ihres Körpers, wie der Schnabel und die Füße, die sich auf ihre ganze Lebensart, Nahrung ꝛc. beziehen, schon an sich so viel von ihrem Total-Habitus bestimmen; so haben die mehresten Ornithologen auch ihre Classi - fication auf die Verschiedenheit des einen oder des andern von den genannten Theilen gegründet; Klein z. B. auf die Bildung der Zehen, Möhring auf die Bedeckung der Beine, Brisson auf beides in Verbindung mit der Beschaffenheit des Schnabels ꝛc. Linné nimmt in dem Plan seines Systems der - gel auch auf die Bildung mehrerer Theile zugleich, und so ziemlich auf den ganzen Habitus, Rücksicht; nur scheint er sich in der Ausführung zuweilen vergessen zu haben: wenigstens begreift man nicht, wie Papageyen, Colibrite und Krähen bey ihm in eine Ordnung verbunden, hingegen Tauben und Hühner in zwey Ordnungen von einander gerissen, und mehr Verbindungen oder Trennungen dieser Art zugelassen werden dursten.

129

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderung von dem Linnéischen System erlaubt, und die ganze Classe in folgende neun Ordnungen abzutheilen versucht.

A) Landvögel.

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krummen star - ken Schnäbeln, meist mit kurzen, starken, knor - rigen Füßen, und großen, gebogenen, scharfen Klauen.

II. Levirostres. Mit kurzen Füßen, und meist sehr großen, dicken, aber mehrentheils hohlen und da - her sehr leichten Schnäbeln. Papageyen, Tu - cane ꝛc.

III. Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig langen und schmalen Schnäbeln, und theils wurmförmi - ger, theils fadenförmiger Zunge. Wendehals, Spechte, Baumkletten, Colibrite ꝛc.

IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig lan - gem, und ziemlich starkem, oben erhabenem Schna - bel. Raben, Krähen ꝛc.

V. Passeres. Die so genannten Sangvögel nebst den Schwalben ꝛc. Sie haben kurze Füße, und einen mehr oder weniger kegelförmigen, zugespitz - ten Schnabel, von verschiedener Länge und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben etwas erhabenem Schnabel, der an der Wurzel mit einer fleischigen Haut bewachsen ist. Auch die Tauben habe ich unter diese Ordnung gebracht, da sie bey weitem mehr mit den Hühnern als mit den Sangvögeln, denen sie Linné zugesellte, ver - wandt sind.

130

VII. Struthiones. Die großen, zum Flug unge - schickten Landvögel. Der Straus, Casuar und Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen Füßen, langem, fast walzenförmigem Schnabel, und mei - stens langem Halse.

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Rudersüßen, einem stumpfen, mit Haut überzogenen, am Rande meist gezähnelten Schnabel, der sich an der Spitze des Oberkiefers mit einem Häkchen endigt.

Zur N. G. der Vögel.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. III. qui est de avium natura. Tiguri. 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologia. Bonom. 1599. sq. Vol. III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex. ed. Raji. Lond. 1676. fol.
  4. Jo. Raji synopsis methodica avium. ib. 1713. 8.
  5. J. Edward's natural history of birds. Lond. 1743. sq. Vol. IV. 4.
  6. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758. sq. Vol. III. 4.
  7. Brisson ornithologie. Paris 1760. Vol. VI. 4.
  8. Buffon.
  9. Daubenton jun. planches des oiseaux. Paris 1775. sq. fol. (1008 Bl.)
  10. C. J. Temminck et Meiffr. Laugier nouveau Recueil de Plan - ches color. des oiseaux. ib. 1820 sq. fol.
  11. (Jo. Latham's) general synopsis of birds. ib. 1781. Vol. VI. 4. und das Supplement dazu. ib. 1787.
  12. F. M. Daudin Traité elementaire et complet d'ornithologie. Par. 1800. Vol. II. 4.
  1. C. J. Temminck Tableau systematique des oiseaux qui se trou - vent en Europe. ed.2. Par. 1820. II. vol. 8.
  2. 131
  3. Deutsch mit vielen Zusätzen v. C. L. Nitzsch. Halle 1822. 2 Bände. 8.
  4. Joh. Leonh. Frisch Vorstellung der Vögel in Deutschland. Berlin, 1733 bis 1763. Fol. (242 Taf.)
  5. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands II-IV. B. Leipz. 1791. 8.
  6. Dess. ornithologisches Taschenbuch von und für Deutschland. Leipz. 1802 u. f. III. Th. kl. 8.
  7. J. P. A. Leislers Nachträge zu Bechsteins N. G. Deutsch - lands, i. H. Hanau, 1812. 8.
  8. J. Wolf u. J. Fr. Frauenholz Abbildungen und Beschrei - bungen der in Franken brütenden Vögel. Nürnb. seit 1799. Fol. und 4.
  9. Teutsche Ornithologie, herausgeg. von Borkhausen, Licht - hammer und Becker dem Jüng. Darmst. seit 1800. Fol.
  10. Taschenbuch der deutschen Vögel-Kunde, oder kurze Beschreibung aller Vögel Deutschlands, von Meyer und Wolf. Frankf. a. M. 1810. II. B. 8.
  11. J. A. und J. Fr. Naumann N. G. der Vögel Deutschlands. Leipz. seit 1820. 8.
  12. Chr. L. Brehm Beiträge zur (Deutschen) Vögelkunde. Neu - stadt an der Orla, seit 1820. 8.
  13. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door Chr. Sepp en Zoon. Amst. 1770 sq. fol.
  14. a History of British Birds; the figures engraved on wood by T. Bewick. Newcastle upon Tyne 1797-1803. II. vol. 8.
  15. Pennant's arctic zoology. IIr Band.
  16. Fr. Levaillant hist. natlle des oiseaux d'Afrique. Paris 1796 sq. 4.
  17. Marc. Catesby's natural history of Carolina. Lond. 1731. Vol. II. fol.
  18. Alex. Wilson's American ornithology. Philad. 1808 sq. 4.
  19. Andr. Sparrmann museum Carlsonianum. Holm. 1786. Fasc. II. fol.

Zur Physiologie dieser Thier-Classe.

  1. Fr. Tiedemann's Zoologie. IIr und IIIr Band. Heidelberg. 1810-14. 8.
132

Erst also die Landvögel in VII. Ordnungen.

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen schar - fen Krallen und starkem, gekrümmtem Schnabel, der meist oben auf der Seite in zwey stumpfe, schnei - dende Spitzen ausläuft, und an der Wurzel mehren - theils mit einer fleischigen Haut (cera) bedeckt ist. Sie nähren sich theils von Aas, theils vom Raube lebendiger Thiere, leben in Monogamie, nisten an erhabenen Orten, und haben ein wilderndes, wider - liches Fleisch.

1. Vultur. Geyer. Rostrum rectum, apice aduncum; plerisque caput et collum impenne. Lingua bifida.

1. Gryphus. der Condor, Cuntur. V. carun - cula verticali longitudine capitis.

de Humboldt Recueil d'observations de Zoo - logie. tab. 8. 9.

Hauptsächlich im westlichen Südamerica. Hält mit ausgespannten Flügeln auf 12 Fuß in die Breite, und seine Schwungfedern sind am Kiel wohl fingersdick. Er ist schwarzbraun von Farbe mit einem weißen Halskra - gen. Nistet zumahl an felsigen Ufern, fliegt ausneh - mend hoch, lebt meist vom Raube unter den Viehheer - den, und von den todten Fischen, welche die See aus - wirft.

2. Papa. der Geyerkönig, Ruttengeyer, Son - nengeyer. V. naribus carunculatis, vertice col - loque denudato.

Buffon oiseaux. vol. I. tab. 6.

In Westindien und Südamerica. Nur von der Größe eines welschen Huhns; zumal am Kopf von schönen gel - ben, rothen und schwarzen Farben, mit langen, fleischi -133 gen Lappen über dem Schnabel. Kann den nackten Hals ganz in den dickgefiederten Schulterkragen einziehen.

3. . Barbatus. der Lämmergeyer, Bartgeyer, Goldgeyer, Jochgeyer. V. rostri dorso ver - sus apicem gibboso, mento barbato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 85.

In den Tyroler - und Schweizer-Alpen; auch in Si - birien und Habessinien. Der größte europäische Raub - vogel, dessen ausgespannte Flügel bey 10 Fuß messen, und der sich vorzüglich durch seinen starkhaarigen Bart, und durch den befederten Kopf, besonders aber durch den gewölbten Rücken vorn am Oberschnabel von andern Geyern auszeichnet.

4. Percnopterus. der Aasgeyer. V. remigibus nigris margine exteriore, praeter extimas, canis.

Besonders häufig in Palästina, Arabien und Aegyp - ten. Verzehrt unzählige Feldmäuse, Amphibien ꝛc. Die alten Aegyptier haben diesen Vogel, so wie einige an - dere ihnen vorzüglich nutzbare Thiere, heilig gehalten, und ihn häufig in ihrer Bilderschrift auf Obelisken, Mu - mienbekleidungen ꝛc. vorgestellt.

2. Falco. (Span. Açor.) Rostrum aduncum, basi cera instructum; caput pennis tectum; lin - gua bifida.

1. Serpentarius. der Secretär. (sagittarius, Fr. le messager.) F. cera alba, cruribus longissimis, crista cervicali pendula, rectricibus intermediis elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 55.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philippinen. Mit langen Beinen, wie ein Sumpfvogel.

2. . Melanaëtus. der schwarzbraune Adler. (Büffon's aigle commun, Engl. the black eagle. ) F. cera lutea, pedibusque semilanatis, corpore fer - rugineo, nigricante, striis flavis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der folgende.

134

3. . Chrysaëtos. der Goldadler, Steinadler. (Büffon's grand aigle, Engl. the golden eagle.) F. cera lutea, pedibusque lanatis luteo-ferrugineis, corpore fusco ferrugineo vario, cauda nigra, basi cinereo undulata.

Buffon vol. I. tab. 1.

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen Felsen und versorgt seine Junge mit Wildpret von Hasen, Gemsen ꝛc.

4. . Ossifragus. der Seeadler, Fischadler, Beinbrecher. (Fr. l'orfraie. Engl. the sea-eagle, osprey.) F. cera lutea pedibusque semilanatis, corpore ferrugineo, rectricibus latere interiore albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

An den europäischen Küsten, auch in Nordamerica und theils auf der Südsee. Fast von der Größe des Gold - adlers. Lebt fast bloß von Fischen.

5. . Haliaëtus. der Entenstößer, Moosweih. (Fr. le balbuzard. Engl. the osprey.) F. cera pedibusque caeruleis, corpore supra fusco, subtus albo, capite albido.

Buffon vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den Seeküsten. Ist oft mit dem Fischadler vermengt worden.

6. . Milvus. die Weihe, der Gabelgeyer, Mi - lan, Scherschwänzel, Schwalbenschwanz, Taubenfalke. (Fr. le milan. Engl. the kite.) F. cera flava, cauda forsicata, corpore ferrugineo, capite albidiore.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt.

7. Gentilis. der Edelfalke. (Fr. le faucon. Engl. the falcon.) F. cera pedibusque flavis, corpore cinereo maculis fuscis, cauda fasciis quatuor ni - gricantibus.

Frisch tab. 74.

In gebirgigen Gegenden der nördlichen Erde; variirt in zahlreichen Spielarten, deren einige auch von man - chen für besondere Gattungen angenommen werden. Wird vorzüglich (so wie freylich manche andere verwandte Gat -135 tungen dieses Geschlechts auch) zum Fang kleiner Säu - gethiere und Vögel, namentlich in den Morgenländern zur Gazellenjagd, und in Europa zur Reiherbeitze ab - gerichtet.

8. . Palumbarius. der Habicht, Taubenfalke. (accipiter. Fr. l'autour, Engl. the gooshawk.) F. cera nigra, margine pedibusque flavis, corpore fusco, rectricibus fasciis pallidis, superciliis albis.

Frisch tab. 81. 82.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen Gattung.

9. . Nisus. der Sperber, Vogelfalke. (Fr. l'épervier. Engl. the sparrow hawk. ) F. cera viridi, pedibus flavis, abdomine albo griseo un - dulato, cauda fasciis nigricantibus.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In einem großen Theile der alten Welt.

3. Strix. Eule[ (Noctua)]. Rostrum breve, aduncum, nu - dum absque cera; nares barbatae; caput gran - de; lingua bifida; pedes digito versatili; remi - ges aliquot serratae.

1. . Bubo. der Uhu, Schubut, die Ohreule. (Fr. le grand duc. Engl. the great horn owl, the eagle-owl.) S. auribus pennatis iridibus cro - ceis, corpore rufo.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Das größte Thier seines Geschlechts. Im mildern Europa und westlichen Asien*)Linné und viele andere Naturforscher, aber auch Anti - quarier hielten den Uhu für den Minervens-Vogel. Daß dem nicht so, sondern daß das eine glattköpfige Eule sey, ( wahr - scheinlich das Käuzchen, Str. passerina ) habe ich aus den alten griechischen Kunstwerken gezeigt im Specimen historiae na - turalis antiquae artis operibus illustratae p. 20 sq..

2. . Nyctea. die Schnee-Eule, Harfang. S. ca - pite laevi, corpore albido, maculis lunatis distan - tibus fuscis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 75.

136

In der nördlichsten Erde. Ein prachtvolles Thier.

3. . Flammea. die Schleiereule, Perleule, Kircheneule, Thurmeule. (Fr. l'effrâie.) S. corpore luteo punctis albis, subtus albido punctis nigricantibus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In den gemäßigtern Zonen der alten und neuen Welt. Von ausnehmend schönem und sanftem Gefieder.

4. . Passerina. das Käuzchen. (Fr. la chevêche. Engl. the little owl. screechowl.) S. capite laevi, remigibus maculis albis quinque ordinum.

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerica.

4. Lanius. Rostrum rectiusculum, dente utrin - que versus apicem, basi nudum; lingua lacera.

1. . Excubitor. der Würger, Bergälster. (Fr. la pie-grieche grise. Engl. the great shrike.) L. cauda cuneiformi, lateribus alba, dorso cano, alis nigris macula alba.

Frisch tab. 59.

In Europa und Nordamerica. Ahmt, so wie die fol - gende Gattung, anderer Vögel Stimme sehr geschickt nach.

2. . Collurio. der Neuntödter. (Fr. l'ecorcheur. Engl. the red-backed shrike.) L. cauda subcu - neiformi, dorso griseo, rectricibus quatuor inter - mediis unicoloribus, rostro plumbeo.

Frisch tab. 60.

In Europa. Nährt sich hauptsächlich von Insecten, zu - mahl Käfern, Grashüpfern ꝛc. die er zum Vorrath an Schwarzdorn und anderes dorniges Gebüsche anspießt.

II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß den wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch die theils sehr großen, dicken aber in Verhältniß meist137 sehr leichten Schnäbel, kenntlich, deren oben (§. 59.) bey Gelegenheit der Luftbehälter gedacht worden.

5. Psittacus. Papagey, Sittig. (Fr. perro - quet. Engl. parrot. ) Mandibula superior ad - unca, cera instructa, lingua carnosa, integra. Pedes scansorii*)Histoire naturelle des Perroquets, par F. Levaillant. Par. 1801 u. folg. gr. Fol..

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gattungen die - ses ( weitläufigen, daher von den Ornithologen in mancherley Familien eingetheilten. ) Geschlechts eine so überaus eingeschränkte Heimath haben, daß sich, z. B. auf den Philippinen, verschiedene derselben bloß einzig und allein auf der einen oder andern Insel, und hinge - gen nie auf den noch so nahe liegenden, benachbarten finden. Ueberhaupt haben die Papageyen viel Auszeich - nendes, Eigenes in ihrem Betragen. Sie wissen sich z. B. ihrer Füße fast wie Hände zu bedienen, bringen ihre Speise damit zum Schnabel, krauen sich damit hin - ter den Ohren, und wenn sie auf dem Boden gehen, so treten sie, nicht wie andere Vögel bloß mit den Krallen, sondern mit der ganzen Ferse auf ꝛc. Ihr hakenförmi - ger Oderschnabel ist eingelenkt und sehr beweglich, und nutzt ihnen zuweilen fast statt eines dritten Fußes zum Klettern, Anhalten ꝛc. Beide Geschlechter lernen leicht Worte nachsprechen, und manche hat man, wenn gleich höchst selten, sogar singen gelehrt.

1. Macao. der Aras, indianische Rabe. (Ara - canga). P. macrourus ruber, remigibus supra caeruleis, subtus rufis, genis nudis rugosis.

Edwards's birds tab. 158.

In Südamerica

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari pectore - que rubro, gula nigra.

Edwards l. c. tab. 292.

In Ostindien.

138

3. Cristatus. der Cacadu. P. brachyurus, crista plicatili flava.

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumahl auf den Molucken.

4. Erithacus. der Jaco, aschgraue Papagey. P. brachyurus canus, temporibus nudis albis, cauda coccinea.

Frisch tab. 51.

Auf Guinea, Congo und Angola.

5. Ochrocephalus. (Fr. l'amazone à tête jaune.) P. viridis, vertice flavo, tectricibus alarum puniceis, remigibus ex viridi, nigro, violaceo et rubro va - riis, rectricibus duabus extimis basi intus rubris.

Daubenton Pl. 312.

In Westindien ꝛc.

6. Pullarius. (Fr. l'inseparable.) P. brachyurus viridis, fronte rubra, cauda fulva fascia nigra, or - bitis cinereis.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel größer als ein Blutfink. Hat den französischen Namen von der irri - gen Sage, als ob er immer Paarweis gehalten werden müßte, weil keiner den Verlust seines Gatten überleben könnte.

6. Ramphastos. Tukan, Pfefferfras. Ro - strum maximum, inane, extrorsum serratum, apice incurvatum. Pedes scansorii plerisque.

Der ungeheuere Schnabel, der die zahlreichen Gat - tungen dieses sonderbaren Geschlechts südamericanischer Vögel auszeichnet, ist ausnehmend leicht, und von un - gemein weichem Horn. Ihre Zunge ist eine halbe Spanne lang, wie von Fischbein, an der Wurzel kaum eine Linie breit, und an den Seiten vorwärts geza - sert. Das Gefieder variirt sehr, nach der Verschieden - heit der beiden Geschlechter, auch nach dem Alter ꝛc.

1. Tucanus. R. nigricans, rostro flavescente versus basin fascia nigra, fascia abdominali flava.

139

7. Buceros. Der Nashornvogel, Calao. (hydrocorax) Rostrum maximum, inane, ad basin versus frontem recurvatum; pedes gressorii.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls abenteuer - lich gebildeten Geschlechts sind in Ostindien und Neu - Holland zu Hause.

1. Rhinoceros. B. processu rostri frontali recurvato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 24.

III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße, und meist einen geraden, nicht dicken Schnabel von mittelmäßiger Länge.

8. Picus. Specht. (Fr. pic. Engl. woodpecker.) Rostrum polyedrum, apice cuneato; lingua brevissima, retrorsum aculeata; vagina ossis linguae teres lumbriciformis, longissima; pedes scansorii.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren Bau daß sich ihr Zungenbein in zwey lange grätenförmige Knorpel verläuft, die von hinten nach vorn über den ganzen Hirnschädel unter der Haut liegen, und sich an der Stirne nahe an der Schnabelwurzel endigen. Diese Knorpel sind also gleichsam elastische Federn, mittelst welcher diese Vögel das wurmförmige Vorderende desto leichter hervorschießen, und an der hornigen kleinen Zunge Insecten anspießen können*)V. A. Huber diss. de lingua et osse hyoideo Pici viridis. Stuttg. 1821. 4. m. Steindr..

1. . Martius. der Schwarzspecht, gemeine Specht, die Hohlkrähe. P. niger, vertice coc - cineo.

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern Europa und nördlichen Asien.

140

2. . Viridis. der Grünsprecht, Grasspecht. P. viridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. . Maior. der große Bunt - oder Rothspecht. P. albo nigroque varius, occipite rubro.

Frisch tab. 36.

4. . Minor. der kleine Bunt - oder Rothspecht. P. albo nigroque varius, vertice rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acuminatum; lingua ut in picis mucronata; pedes scansorii.

1. . Torquilla. der Drehhals, Wendehals, Natterwindel. (Fr. le torcol. Engl. the wry - neck.) F. cauda explanata, fasciis fuscis quatuor.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Namen von der ungemeinen Gelenksam - keit seines Halses, und meist die gleiche Heimath wie die vorgedachten Spechte.

10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subulatum, teretiusculum, apice compresso, mandibula su - periore paullo longiore; pedes ambulatorii.

1. . Europaea. der Blauspecht. (Fr. la sitelle le torchepot. Engl. the nut-hatch, the wood - cracker.) S. rectricibus nigris, lateralibus quatuor infra apicem albis.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

11. Todus. Rostrum subulatum, depressiusculum, obtusum, rectum, basi setis patulis; pedes gressorii.

1. Viridis. (Fr. le todier. Engl. the green spar - row.) T. viridis, pectore rubro.

Im mittlern America.

141

2. Paradisaeus. T. capite cristato nigro, corpore albo, cauda cuneata, rectricibus intermediis lon - gissimis.

In Südafrica, auf Madagascar ꝛc.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, crassum, rectum, longum; pedes breves, gressorii.

1. . Ispida. der Eisvogel. (Alcvon. Fr. le martin pecheur. Engl. the kingsfisher.) A. supra cya - nea, fascia temporali flava, cauda brevi.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich von Fischen, deren Gräten er dann als Gewölle (§. 63.) ausbricht. Daß er nach dem Tode leicht vertrocknet ohne in Fäul - niß überzugehn, ist nicht wie Paracelsus und so viele nach ihm meinten, eine Eigenheit dieses Vogels, son - dern zeigt sich unter ähnlichen Umständen auch am Kreuz - schnabel, Canarienvogel u. a.

13. Merops. Rostrum curvatum compressum, carinatum; pedes gressorii.

1. Apiaster. der Immenwolf, Bienenfresser. (Fr. le guépier. Engl. the bee-eater.) M. dorso ferrugineo, abdomine caudaque viridi caerules - cente, gula lutea, fascia temporali nigra.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt von Insecten.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, convexum, sub - compressum, obtusiusculum; pedes ambulatorii.

1. . Epops. der Wiedehopf, Rothhahn. (Fr. la hupe. Engl. the hoopoe. ) U. crista variegata.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von Regen - würmern und mancherley Insecten. Nistet in hohle Bäume, und, wie schon Aristoteles anmerkt, oft auf eine Grundlage von Menschenkoth*)Nozemann en Chr. Sepp Nederlandsche Vogelen p. 129 sq. .

142

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum arcua - tum, tenue, subtrigonum, acutum; pedes am - bulatorii.

1. . Familiaris. die Baumklette, der Grüper, Grauspecht, Baumkleber. (Fr. le grimpereau. Engl. the creeper. ) C. grisea, subtus alba, remi - gibus fuscis; rectricibus decem.

Frisch tab. 39. fig. 1.

In Europa. Klettert fast wie die Spechte an den Baumstämmen herum, um Insecten und ihre Puppen zu suchen ꝛc.

2. . Muraria. der Mauerspecht. C. cinerea, rectricibus roseis, remigibus rectricibusque fuscis, maculis alarum fulvis niveisque.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 76.

Das ausnehmend schöne Thier hat Sperlings Größe, und lebt einsam im wärmern Europa. Namentlich im C. Bern. In Deutschland ists äußerst selten. Nistet in altem Gemäuer, auf Thürmen ꝛc.

3. Coccinea. (vestiaria.) C. coccinea, rectricibus remigibusque nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.

Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche Einwoh - ner mit den Federchen dieses kleinen carmoisinrothen Vogels mancherley prachtvollen Putz und andere Klei - dungsstücke, Helme ꝛc. sogar ganze Mäntel ꝛc. überziehen.

4. Sannio. C. olivacea, vertice subviolaceo, remi - gibus caudaque subfurcata fuscis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

16. Trochilus*)Histoire naturelle des Colibris et des Oiseaux mouches, par J. B. Audebert. Par. seit 1800. fol.. Colibri, Honigsauger, Blumenspecht. (Fr. oiseau-mouche. Engl. humming bird.) Rostrum subulato-filiforme longum. Mandibula inferiore tubulata, supe -143 riore vaginante inferiorem. Lingua filis duo - bus coalitis tubulosa; pedes ambulatorii, bre - vissimi.

Das ganze Geschlecht ist, so viel man bis jetzt weiß, allein in America zu Hause. Aber nicht bloß im wär - mern, sondern theils auch nördlich bis Nutka-Sund und südlich bis zur Westküste von Patagonien.

A) Curvirostres (eigentliche Colibris.)

1. Pella. (Fr. le colibri-topase.) Tr. ruber, rectri - cibus intermediis longissimis, capite fusco, gula au - rata vropygioque viridi.

Edwards tab. 32.

In Guiana. Wohl 6 Zoll lang.

B) Rectirostres (Fr. oiseaux-mouches.)

2. Minimus. T. corpore viridi nitente, subtus al - bido; rectricibus lateralibus margine exteriore albis.

Edwards tab. 105.

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufgetrocknet nur ungefähr 30 Gran wiegt. Sein Nest ist von Baum - wolle, und hat die Größe einer Wallnuß; und seine zwey Eyer etwa die von einer Zuckererbse.

3. Mosquitus. der Juwelen-Colibri. (Fr. le Rubis-topase.) T. viridescens vertice purpureo aurato, gutture auroreo rutilo.

Seba. thes. tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel des Männchens glänzen mit ru - binrothem Feuer, und seine Kehle wie glühendes Gold.

IV. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen starken, oben erhabenen Schnabel von mittelmäßiger Größe, und kurze Füße. Sie leben theils von Getreide u. a. 144Pflanzensamen ꝛc. theils von Insecten, und auch von Aas; und haben mehrentheils ein wilderndes, un - schmackhaftes Fleisch.

17. Buphaga. Rostrum rectum, subquadrangu - lare: mandibulis gibbis, integris, extrorsum gibbosioribus. Pedes ambulatorii.

1. Africana (Fr. le pic boeuf. Engl. the beef - eater.)

Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

In Senegambien ꝛc.

18. Crotophaga. Rostrum compressum, semio - vatum, arcuatum, dorsato-carinatum. Man - dibula superiore margine utrinque angulata. Nares perviae.

1. Ani. der Madenfresser. (Fr. le bout de petun. Engl. the razor-billed blackbird.) C. pedibus scansoriis.

Latham l. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Verbindung, und es sollen sogar mehrere Weibchen sich zusammen halten und ein gemeinschaftliches Nest bauen, mit ein - ander brüten ꝛc.

19. Corvus. Rostrum convexum cultratum, na - res mystace tectae; pedes ambulatorii.

1. . Corax. der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau. Engl. the raven.) C. corpore atronitente, rostri apice subincurvo, cauda semirhombea.

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchgehends in beyden Welten. Hat einen überaus scharfen Geruch, raubt Fische, Krebse, junge Enten, selbst junge Haa - sen ꝛc. schleppt auch andere Sachen zu Neste, die er nicht fressen kann.

2. . Corone. die Raben-Krähe. (Fr. la cor - neille. Engl. the carrion crow.) C. atrocaeru - lescens totus, cauda rotundata: rectricibus acutis.

Buffon vol. III. tab. 3.

145

3. . Frugilegus. die Saatkrähe, der Karechel. (Fr. le freux, la frayonne. Engl. the rook.) C. ater, fronte cinerascente, cauda subrotunda.

Frisch tab. 64.

Meist im ganzen mildern Europa. Vergütet den mäßigen Schaden, den sie der Saat thut, durch die weit beträchtlichere Vertilgung unzähliger Feldmäuse, Engerlinge, Grasraupen ꝛc.

4. . Cornix. die Krähe, Nebelkrähe, Hau - benkrähe. (Fr. la corneille mantelée. Engl. the hooded crow, royston crow.) C. cinerascens, capite jugullo alis caudaque nigris.

Frisch tab. 65.

In den mildern Zonen der alten Welt. Hauset in manchen Gegenden als Standvogel Jahr aus Jahr ein, in andern läßt er sich bloß über Winter nieder, ohne daß man noch recht weiß wo er von da im Frühjahr hinzieht. Wird ebenfalls durch die Vertilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar, thut doch aber auch den Maisfel - dern großen Schaden.

5. . Monedula. die Dohle. (Fr. le choucas. Engl. the jackdaw.) C. fuscus, occipite incano, fronte alis caudaque nigris.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. . Glandarius. der Holzheher, Nußbeißer, Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le geai. Engl. the jay.) C. tectricibus alarum cae - ruleis, lineis transversis albis nigrisque, corpore ferrugineo variegato.

Frisch tab. 55.

Im mildern Europa.

7. . Caryocatactes. der Nußheher. (Fr. le casse noix. Engl. the nut cracker.) C. fuscus alboque punctatus, alis caudaque nigris: rectricibus apice albis: intermediis apice detritis.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1805.

In der nördlichen Erde.

146

8. . Pica. die Aelster, Atzel, Aegerste, Hei - ster. (Fr. la pie. Engl. the magpie.) C. albo nigroque varius, cauda cuneiformi.

Frisch tab. 58.

In Europa, und Nordamerica. Ein schädliches Thier für junges Meyergeflügel, und mitunter wohl für die Saat-Felder, das aber auch zahllose Raupen, Schnek - ken ꝛc. vertilgt.

20. Coracias. Rostrum cultrarum, apice incur - vato, basi pennis denudatum; pedes breves ambulatorii.

1. . Garrula. die Mandelkrähe, Racke, Blau - racke, der Birkheher. (Fr. le rollier. Engl. the roller.) C. caerulea, dorso rubro, remigibus nigris.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1807.

Im mildern Europa und in Nordafrica. Läßt sich in der Erntezeit, wenn die Frucht in Mandeln steht, hau - fenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracula. Rostrum convexo-cultratum, basi nudiusculum. Lingua integra, acutiuscula, carnosa. Pedes ambulatorii.

1. Religiosa. (Fr. le mainate. Engl. the minor grakle.) G. nigro violacea, macula alarum alba, fascia occipitis nuda, flava.

Buffon vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme und lernt leicht Worte nachsprechen.

2. Quiscula. der Maisdieb. G. nigro-violacea, cauda rotundata.

Catesby vol. I. tab. 12.

In Nordamerica.

147

22. Paradisea*)Histoire naturelle des Grimpereaux sucriers, des Pro - merops, et des Oiseaux de Paradis, par L. P. Vieillot, J. B. Audebert et C. Sauvages. Par. seit 1801. fol.Histoire naturelle des Oiseaux de Paradis, des Rolliers et des Promerops, suivie de celle des Toucans et des Barbus. par F. Le-Vaillant, eben das. seit 1801. fol.. Paradisvogel. (manuco - diatta.) Rostrum basi plumis tomentosis tec - tum. Pennae hypochondriorum longiores. Rectrices duae superiores singulares denudatae.

Das Ganze Geschlecht von zahlreichen Gattungen hat ein überaus eingeschränktes Vaterland, da es wohl bloß auf Neu-Guinea zu Hause ist, von da diese Thiere als Zugvögel nach den Molucken u. a. benachbarten In - seln streichen. Noch jetzt schneiden die Papus diesen Thie - ren, die wegen ihres prachtvollen Gefieders in Indien als Putz getragen werden, wenn sie sie zu dieser Absicht verkaufen, die Füße ab, die daher die leichtgläubigen Alten den Paradisvögeln überhaupt abzusprechen wag - ten**)J. R. Forster von den Paradisvögeln und dem Phönix; in der indischen Zoologie. Halle 1795. Folio. (2te Ausg.) S. 26. u. f..

1. Apoda. (Fr. l'Emeraude.) P. brunnea pennis hypochondriis luteis corpore longioribus, rectrici - bus duabus intermediis longis setaceis.

Edwards tab. 110.

2. Alba. der weiße Paradisvogel. (Fr. le manucode à 12 filets.) P. anterius nigra violacea, posterius alba, humeribus viride virgatis, rectri - cibus 12 nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 96.

Eine der schönsten und zugleich die seltenste Gattung dieses Geschlechts, am Leibe ohngefähr von der Größe einer Drossel.

23. Trogon. Curucuru. Rostrum capite brevius, cultratum, aduncum, margine mandibularum serratum. Pedes scansorii.

148

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus, gula nigra.

Edwards tab. 331.

In Guiana.

24. Bucco. Bartvogel. (Fr. barbu. Engl. barbet.) Rostrum cultratum, lateraliter com - pressum apice utrinque emarginato, incurvato; rictu infra oculos protenso.

1. Atroflavus. B. niger, jugulo, pectore et lineis supra et infraorbitalibus luteis, abdomine griseo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 65.

In Sierra Liona.

25. Cuculus. Rostrum teretiusculum. Nares margine prominulae. Pedes scansorii.

1. . Canorus. der Kukuk. (Fr. le coucou. Engl. the cuckow.) C. cauda rotundata nigri - cante albo-punctata.

Frisch tab. 40. u. f.

In der nördlichen alten Welt; wo er aber doch nur im Frühling und Sommer zu sehen ist. Er bebrütet das halbe dutzend Eyer, das er jedes Frühjahr nach und nach legt, nicht selbst, sondern legt sie einzeln in die Nester der Grasmücken und Bachstelzen ꝛc.*)oder schiebt sie auch wohl mit dem Schnabel hinein. s. Weidmanns Feierabende 1. B. 1815 S. 67. zwischen dieser ihre eigenen Eyer, da sich dann diese kleinen - gel an seiner Statt dem Brüt-Geschäfte unterziehen. Merkwürdig ist, daß seine Eyer die doch um vieles größer sind, als dieser so weit kleinern Vögel ihre, dennoch eben nicht länger als diese bebrütet zu werden brauchen. Der junge Kukuk wächst aber dagegen sehr schnell, und drängt wohl ehr die mit ihm zugleich ausgebrüteten jun - gen Grasmücken aus ihrem mütterlichen Neste**)s. zur ganzen N. G. dieses gar merkwürdigen Thiers Dr. Jenner in den philos. Transact. vol. LXXVIII. P. II. pag. 219.. Sein Winteraufenthalt ist noch nicht zuverlässig bekannt.

149

2. Indicator. der Honigkukuk, Sengo, Mook. C. cauda cuneiformi fusco et albido maculata, alis fuscis maculis flavis, pedibus nigris.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichern Africa vom Cap landeinwärts. Hat seinen Namen von der Fertigkeit, mit welcher er, wie der Honig-Dachs, seine liebste Nahrung, aus den wil - den Bienennestern aufzusuchen weiß.

3. Persa. der Turaco. C. capite cristato, corpore viridi-caerulescente, remigibus sanguineis, cauda acquali.

Buffon vol. VI. tab. 15.

In Süd-Africa. Das sehr schöne Thier zeichnet sich außer andern besonders durch die doppelte apfelgrüne Holle mit weißen Endspitzen von den übrigen Gattungen dieses Geschlechts auffallend aus.

26. Oriolus. Rostrum conicum, convexum, acu - tissimum, rectum: mandibula superiore paulo longiore, obsolete emarginata; pedes ambulatorii.

1. . Galbula. die Golddrossel, Goldamsel, der Kirschvogel, Bülow, Pirol. (Fr. le loriot. ) O. luteus, pedibus nigris, rectricibus ex - terioribus postice flavis.

Frisch tab. 31.

Hin und wieder in der alten Welt. Soll in Bigamie leben. Das Männchen goldgelb und schwarz, das Weib - chen olivengrün. Macht sich ein künstliches, napfförmi - ges, sehr dauerhaft zwischen zwey Aestchen befestigtes Nest.

2. Phoeniceus. der Maisdieb. (Engl. the black bird.) O. niger, alarum tectricibus coccineis.

Catesby vol. I. tab. 13.

Im mildern Nordamerica. Hält sich gemeiniglich zu dem abgedachten Maisdieb (Gracula quiscula.)

3. Jupujuba. (Persicus Linn.) O. niger, dorso postico maculaque tectricum alarum basique rectricum luteis.

Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.

150

In Brasilien ꝛc. Baut sich, wie die vorige und mehrere andere Gattungen dieses Geschlechts, ein langes beutelförmiges Nest von Schilf und Binsen*)Besonders auch von der Tillandsia usneoides, die fast wie Pferdehaar aussieht., deren man zuweilen mehrere Hundert an Einem Baume hän - gen sieht.

V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen, und kegelförmigem, scharf zugespitztem Schnabel von ver - schiedener Größe und Bildung. Sie leben in Mo - nogamie, nähren sich von Insecten und Pflanzen - Samen, haben ein zartes, schmackhaftes Fleisch, und die meisten von ihnen singen, (wie mans insgemein nennt.)

27. Alauda. Rostrum cylindrico-subulatum, rectum, mandibulis aequalibus, basi deorsum dehiscentibus. Unguis posticus rectior digito longior.

1. . Arvensis. die Feldlerche, Himmelslerche, Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the field-lark, sky-lark.) A. rectricibus extimis duabus extror - sum longitudinaliter albis: intermediis inferiore latere ferrugineis.

Frisch tab. 15. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich so wie der Straus, die Hühner und viele andere deßhalb so genannte Scharrvögel (aves pulveratrices) im Sande.

2. . Cristata. die Haubenlerche, Kobellerche, Heidelerche. (Fr. le cochevis. ) A. rectricibus nigris: extimis duabus margine exteriori albis, capite cristato.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

151

28. Sturnus. Rostrum subulatum, angulato-de - pressum, obtusiusculum: mandibula superiore integerrima, marginibus patentiusculis.

1. . Vulgaris der Staar, die Sprehe. (Fr. l'etourneau. Engl. the stare, starling.) S. rostro flavescente, corpore nigro punctis sagittatis albis.

Frisch tab. 217.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares Thier, das unzählige schädliche Insecten vertilgt.

29. Turdus. Rostrum tereti-cultratum: mandi - bula superiore apice deflexo, emarginato.

1. . Viscivorus. die Schnarre, Misteldrossel, der Ziemer, Mistler. (Fr. la draine. Engl. the missel bird, shrite.) T. dorso fusco collo maculis albis, rostro flavescente.

Frisch tab. 15.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich von Mistelbeeren, die auch häufig durch sie fortgepflanzt werden.

2. . Pilaris. der Krammetsvogel. (Fr. la li - torne, tourdelle. Engl. the fieldfare.) T. rectri - cibus nigris; extimis margine interiore apice albi - cantibus, capite vropygioque cano.

Frisch tab. 26.

Im nördlichen Europa, streicht aber ins südliche. Nährt sich vorzüglich von Wachholder - (Krammets -) Beeren.

3. . Iliacus. Weindrossel, Rothdrossel. (Fr. le mauvis. Engl. the redwing.) T. alis subtus ferrugineis, supercillis flavescentibus.

Frisch tab. 28.

Im nördlichen Europa. Glättet sein Nest mit Letten und faulem Holze aus; und da letzteres theils im Fin - stern leuchtet, so könnte vielleicht so ein qui pro quo den Anlaß zur Erzählung der Alten, von einer ave her - cynica noctu lucente gegeben haben.

152

4. . Musicus. die Sangdrossel, Zipdrossel, Weißdrossel. (Fr. la grive. Engl. the throstle, song thrush.) T. remigibus basi interiore ferru - gineis.

Frisch tab. 27.

Mehr südlich verbreitet als die vorige. Zuweilen fin - det sich eine weißgraue Spielart von ihr.

5. Polyglottus. die americanische Nachtigall, Sinsonte. (Fr. le moqueur. Engl. the mock - bird.) T. fusco-cinereus, subtus albidus, maculis verticis, alarum et caudae candidis.

Catesby vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica ꝛc. Ahmt anderer Vögel Stimme leicht und täuschend nach.

6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis caudaque nigris, occipite cristato.

Edwards vol. I. tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt unzählige Zugheuschrecken.

7. . Merula. die Amsel, Schwarzdrossel. (Fr. le merle. Engl. the blackbird.) T. ater, rostro palpebrisque flavis.

Frisch tab. 29.

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich von Wachholderbeeren; hat ein vorzüglich treues Gedächtniß.

8. Cyanus. die Blauamsel. (Solitarius. Fr. le merle bleu.) T. nigro-caeruleus, remigibus rec - tricibusque fuscis.

Edwards vol. I. tab. 18.

Einsam auf den Inseln und an den Küsten des Ar - chipelagus; ein lieblicher Sangvogel.

30. Ampelis. Rostrum rectum, convexum: man - dibula superiore longiore, subincurvata, utrin - que emarginata.

1. Garrulus. der Seidenschwanz, Pfeffervo - gel, Sterbevogel, Böhmer. (Fr. le jaseur de153 Boheme. Engl. the bohemian chatterer.) A. occipite cristato: remigum secundariorum apice coccineo lanceolato.

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in manchen Jah - ren zur Herbstzeit häufig nach Deutschland: zumahl auf den Harz.

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum, frontis basi rotundatum; mandibula inferior margine late - rali inflexa.

1. . Curvirostris. der Kreuzschnabel, Krumm - schnabel, Krünitz, Tannenpapagey. (Fr. le bec croisé. Engl. the cross-bill, sheldaple.) L. rostro forficato.

Frisch tab. 11. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichem Erde. Brü - tet mitten im Winter zu Ende des Jänners.

2. . Coccothraustes. der Kernbeißer, Kirsch - fink. (Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch.) L. linea alarum alba, remigibus mediis apice rhom - beis, rectricibus latere tenuiore nigris.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa.

3. . Pyrrhula. der Dompfaff, Blutfink, Lie - big, Gimpel. (rubicilla. Fr. le bouvreuil. Engl. the bullfinch.) L. artubus nigris, tectrici - bus caudae remigumque posticarum albis.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichem alten Welt. Beide Geschlechter lernen leicht Lieder pfeifen, selbst einander accompagni - ren, und sogar Worte nachsprechen.

4. Gregaria. L. ex griseo flavescens, fronte oliva - cea, nucha, humeris, alis et cauda fuscis.

Paterson's journeys pag. 133.

Am Cap, wo Heerden von mehreren Hunderten ihre Nester auf einem Baum dicht zusammen bauen, und das154 wunderbare Gebäude mit einem gemeinschaftlichen über - hängenden Dache bedecken.

5. Pensilis. L. viridis, capite et gutture flavis, fascia oculari viridi, abdomine griseo, rostro, pe - dibus, cauda remigibusque nigris.

Sonnerat voy. aux Indes. T. II. tab. 112.

Ebenfalls am Cap, so wie auf Madagascar. Bauet auch eins der wundersamsten Nester, am Wasser, fast retortenförmig mit abwärts hängendem Halse zum Ein - und Ausflug, so daß die Mündung nahe über der Was - serfläche zu hängen kommt.

6. Philippina. die Baya. L. fusca, subtus albido - flavicans, vertice pectoreque luteis, gula fusca.

Daubenton Planches. tab. 135. fig. 2.

In Ostindien; sehr gelehrig, daher sie in der indischen Halbinsel, zu mancherley kleinen Künsten abgerichtet wird. Bauet gleichfalls ein sehr kunstreiches hängendes Nest aus Binsen ꝛc.

7. Cardinalis. der indianische Haubenfink, die virginische Nachtigall. (Engl. the redbird.) L. cristata rubra, capistro nigro, rostro pedibus - que sanguineis.

Frisch tab. 4. fig. 1.

In Nordamerica, wird wegen seines rothen Gefieders und seines Gesanges häufig nach Europa gebracht.

8. . Chloris. der Grünfink, Grünling, Grün - schwarz, die Zwuntsche. (anthus, florus. Fr. le verdier. Engl. the greenfinch.) L. flavicanti - virens, remigibus primoribus antice luteis, rectri - cibus lateralibus quatuor basi luteis.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

9. Oryx. der Feuervogel. L. grisea, rostro, fronte abdomineque nigris, collo vropygioque fulvis.

Daubenton Planches. tab. 6. fig. 2. und tab. 134. fig. 1.

Am Cap. ꝛc. das Mannchen im Frühling und Sommer feuerroth und samtschwarz; im Herbst und Winter hin - gegen von der graulichbraunen Farbe des Weibchens.

155

32. Emberiza. Ammer. Rostrum conicum, man - dibulae basi deorsum a se invicem disceden - tes: inferiore lateribus inflexo-coarctata, supe - riore angustiore.

1. Nivalis. die Schneeammer, der Schneevo - gel. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the snow bunting.) E. remigibus albis, primoribus extror - sum nigris: rectricibus nigris: lateralibus tribus albis.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

In der nördlichsten Erde*)Das einzige lebende Geschöpf, das sich dort noch in einer Höhe von 2000 F. oberhalb der Schneegränze findet Wahlen - berg über die Lappländischen Alpen; mit Anmerk. von Haus - mann. Göttingen 1812. 4. S. 55.. Kommt nur zum Ueber - wintern nach Deutschland, wo sie sich aber zuweilen mit ein Mahl in unermeßlichen Zügen sehen läßt.

2. . Miliaria. die graue Ammer. (Fr. le proyer. Engl. the bunting.) E. grisea, subtus nigro ma - culata, orbitis rufis.

Frisch tab. 6. tab. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. . Hortulana. der Ortolan, Kornfink, die Fettammer, windsche Goldammer. E. remi - gibus nigris, primis tribus margine albidis: rectri - cibus nigris, lateralibus duabus extrorsum nigris.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den wärmern Gegenden von Europa und dem be - nachbarten Asien.

4. . Citrinella. die Goldammer, Gelbgans, der Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the yellow kammer.) E. rectricibus nigricantibus: ex - timis duabus latere interiore macula alba acuta.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

156

5. Aureola. E. citrina, vertice, torque dorsoque spadiceis, crisso albido, rectricibus duabus utrin - que extimis fascia obliqua alba.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 56.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. Paradisea. die Witwe. (Fr. la veuve à col - lier d'or. Engl. the whidah bird.) E. fusca, pec - tore rubro, rectricibus intermediis quatuor elonga - tis acuminatis: duabus longissimis, rostro rubro.

Edwards tab. 86.

Hat den englischen, nachher in andern Sprachen aus Mißverstand verunstalteten Namen von ihrer Heimath, dem Königreich Whydah (oder Judah) auf der guinei - schen Küste.

33. Tanagra. Rostrum conicum acuminatum, emarginatum, basi subtrigonum, apice declive.

1. Jacapa. (Fr. le cardinal pourpré, le bec d'ar - gent. Engl. the red-breasted blackbird.) T. atra, fronte, iugulo pectoreque coccineis.

Edwards tab. 267.

In Westindien und dem benachbarten America.

34. Fringilla. Fink. Rostrum conicum rectum acuminatum.

1. . Caelebs. der Buchfink, Gartenfink, Roth - fink, Waldfink. (Fr. le pinçon. Engl. the chaffinch. ) F. artubus nigris, remigibus utrinque albis, tribus primis immaculatis: rectricibus dua - bus oblique albis.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

In Europa und Africa: hat mannigfaltigen Gesang, so daß oft die Finken in einem Revier von sechs oder mehr Meilen in die Runde überein, und in benachbar - ten Gegenden wieder anders schlagen.

2. . Montifringilla. der Bergfink, Tannen - fink, Rothfink, Mistfink, Schneefink, Win - terfink, Quäkfink, Böheimer. (Fr. le pin -157 çon d'Ardennes. Engl. the bramble.) F. alarum basi subtus flavissima.

Linné fauna suec. tab. 2. fig. 198.

Im nördlichen Europa. Kommt, wenn die Buchmast gut gerathen, im Spätherbst zu vielen Tausenden nach manchen Gegenden Deutschlands.

3. Nivalis. der Schneefink. (Fr. la niverolle. ) F. fusca, subtus nivea, remigibus secundariis rec - tricibusque albis.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. I.

Auf dem Caucasus, und in den europäischen Alpen.

4. . Carduelis. der Stieglitz, Distelfink. (Fr. le chardonneret. Engl. the goldfinch, the thist - lefinch.) F. fronte et gula coccineis, remigibus antrorsum flavis: rectricibus duabus extimis me - dio, reliquisque apice albis.

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbarten Län - dern der übrigen alten Welt. Gibt mit der Canarien - Sie schöne Bastarde*)Frisch tab. 12. fig. 5..

5. Amandava. der Finke von Bengalen. (Fr. le Bengali piqueté. Engl. the Ahmedabad finch.) F. fusca rufescensque albo punctata.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man behaup - tet, gelb seyn sollen, habe ich bey denen, die ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht bestätigt gefunden.

6. Canaria. der Canarienvogel, ehedem Zuk - kervögelein. (Fr. le serin de Canarie. ) F. rostro albido, corpore subfusco, pectore flaves - cente rectricibus remigibusque virescentibus.

Frisch tab. 12. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechszehnten Jahrhunderts aus den canarischen Inseln zuerst nach Europa gebracht wor - den zu seyn; ist aber seitdem daselbst in mancherley Varietäten ausgeartet. Die wilde Stamm-Rasse ist158 bräunlichgrau mit gelber Brust. Unter den übrigen sind besonders die mit der Holle oder Federbüschchen auf dem Kopfe (so genannte Kapp-Vögel), und die Kacker - lacken mit rothen Augen zu merken.

7. . Spinus. der Zeisig, Erlenfink. (ligurinus, acanthis. Fr. le tarin. Engl. the siskin.) F. remigibus medio luteis: primis quatuor immacula - tis, rectricibus basi flavis, apice nigris.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

Nistet in den Gipfeln der hohen Tannen und Fichten in dichten Schwarzwäldern; daher sein Nest selten ge - funden wird*)Günthers Nester und Eyer verschiedener Vögel, durch Wirsing. Taf. X..

8. . Cannabina. der Hänfling, Leinfink, die Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the greater linnet.) F. remigibus primoribus rectricibusque nigris, utroque margine albis.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nordamerica.

9. . Linaria. das Citrinchen, der Flachsfink, Carminhänfling. (Fr. le sizerin. Engl. the lesser linnet.) F. remigibus rectricibusque fuscis, margine obsolete pallido, litura alarum albida.

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. . Domestica. der Sperling, Spatz. passer. (Fr. le moineau. Engl. the sparrow.) F. remi - gibus rectricibusque fuscis, gula nigra, temporibus ferrugineis.

In ganz Europa und den benachbarten Ländern der übrigen alten Welt fast allgemein verbreitet. Doch, daß er sich in einzelnen Gegenden, wie z. B. an man - chen Orten in Thüringen (und zwar auch an solchen, wo es doch weder an Laubholz noch Obststämmen ꝛc. fehlt) nicht findet. Er brütet vier Mahl im Jahre. Freylich für Gärten und Feld ein schädliches Thier, das aber159 doch auch unzähliges Ungeziefer vertilgt. Zuweilen fin - den sich ganz weiße Sperlinge.

35. Muscicapa. Fliegenfänger. (Fr. gobe mou - che. Engl. flycatcher.) Rostrum subtrigonum utrinque emarginatum, apice incurvo; vibris - sae patentes versus fauces.

1. . Atricapilla. der Fliegenschnäpper. M. nigra, subtus, frontis macula alarumque speculo albis, rectricibus lateralibus extus albis.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum rectum: man - dibulis subaequalibus.

1. . Luscinia. die Nachtigall. (Fr. le rossignol. Engl. the nightingale.) M. rufo-cinerea armil - lis cinereis.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

In den mildern Erdstrichen von Europa und Asien. Kommt im April in unsern Gegenden an, und zieht zu Ende Augusts wieder von dannen, man weiß noch nicht gewiß, wohin; wenigstens, so viel bekannt, nicht nach Africa.

2. . Curruca. die Grasmücke, der Hecken - schmatzer, Weidenzeisig. (Fr. la fauvette. Engl. the hedge sparrow.) M. supra fusca sub - tus albida, rectricibus fuscis: extima margine te - nuiore alba.

Frisch tab. 21 fig. 3.

Im mildern Europa.

3. . Ficedula. die Beccafige. (im alten Fr. l'oyselet de Chypre.) M. subfusca, subtus alba, pectore cinereo maculato.

Frisch tab. 22. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumahl auf Cy - prus, von wannen sie wegen ihres schmackhaften Flei - sches weit verführt wird.

160

4. . Alba. die weiße oder graue Bachstelze, das Ackermännchen. (Fr. la lavandiere. Engl. the white waterwagtail.) M. pectore nigro, rec - tricibus duabus lateralibus dimidiato-oblique albis.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

5. Calliope. M. mustelina, olivaceo-maculata, sub - tus ex flavescente alba, gula miniata, linea alba nigraque cincta, loris nigris, superciliis albis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 45.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. . Atricapilla. der Klosterwenzel, Mönch. (Fr. la fauvette à tête noire. Engl. the black - cap.) M. testacea, subtus cinerea, pileo obscuro.

Linné fauna suecica. tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa. Einer der lieblichsten Sang - vögel.

7. . Phoenicurus. das Rothschwänzchen, Schwarz - kehlchen. (Fr. le rossignol de muraille. Engl. the redstart.) M. gula nigra, abdomine cauda - que rufis, capite dorsoque cano.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nachtigall; kommt und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr.

8. . Rubecula. das Rothkehlchen, Rothbrüst - chen, der Rothbart. (erithacus Fr. le rouge - gorge. Engl. the robin redbreast, ruddock.) M. grisea, gula pectoreque ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2.

Meist in ganz Europa. Das muntre beliebte Ge - schöpf wird durch Vertilgung unzähliger schädlicher In - secten sehr nutzbar.

9. . Suecica. das Blaukehlchen, die Schild - Nachtigall. M. pectore ferrugineo fascia cae - rulea, rectricibus fuscis versus basin ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2. a. b.

Zumahl am Wasser in den gebirgigen Gegenden der mildern alten Welt.

161

10. . Troglodytes. der Zaunkönig, Zaun - schlupfer, Schneekönig, Winterkönig. (Engl. the wren.) M. grisea, alis nigro cinereoque un - dulatis.

Frisch tab. 24. fig. 3.

In der nördlichern Erde. Macht sich ein bedecktes Nest, fast in Gestalt eines Backofens*)Nozemann en Sepp Nederlandsche Vogelen. tab. 59. pag. 111., und legt zahlreiche Eyer.

11. . Regulus. das Goldhähnchen. (Fr. le roi - telet.) M. remigibus secundariis exteriori mar - gine flavis, medio albis, crista verticali crocea.

Frisch tab. 24. fig. 4.

Ebenfalls in der nördlichern Erde. Der kleinste euro - päische Vogel.

12. Sartoria. der Schneidervogel. M. tota pal - lide lutea.

J. R. Forsters Indische Zoologie tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat den Namen von der merkwürdigen Art, wie er sein Nest aus Baumblättern verfertigt, da er einige dürre Blät - ter an ein grünes am äußersten Ende eines Zweiges gleichsam annähet, so daß dadurch eine tutenförmige Höh - lung gebildet wird, die er mit Flaumen ꝛc. ausfuttert.

37. Pipra. Manakin. Rostrum capite brevius, basi subtrigonum integerrimum, apice incur - vum. Pedes gressorii.

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche.) P. crista erecta margine purpurea, corpore croceo, tectricibus rec - tricum truncatis.

Edwards tab. 264.

In Guinea ꝛc.

38. Parus. Meise. (Fr. mésange. Engl. tit - mouse, Tom-tit.) Rostrum integerrimum, basi setis tectum.

162

1. . Maior. die Kohlmeise, Brandmeise. (Fr. la charbonnière. Engl. the great titmouse.) P. capite nigro, temporibus albis, nucha lutea.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alte Welt. Ein muthiges Thier, das weit größere Vögel anfällt, andern kleinen Sang - vögeln die Köpfe aufhackt ꝛc. Man hat bey dieser und andern über Winter bey uns bleibenden Gattungen die - ses Geschlechts angemerkt, daß dann das Horn ihres Schnabels weit härter wird als im Sommer, das ihnen beym Auspicken ihres Futters aus dem gefrornen Erd - reich zu Statten kommt.

2. . Caeruleus. die Blaumeise, Pimpelmeise, Jungfernmeise, der Blaumüller. (Fr. la mesange bleue. Engl. the nun.) P. remigibus caerulescentibus: primoribus margine exteriore al - bis, fronte alba, vertice caeruleo.

Frisch tab. 14. fig. 1.

Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr ein un - zählige Insecten.

3. . Caudatus. die Schwanzmeise, Moormeise, Schneemeise. (Fr. la mesange à longue queue. Engl. the longtailed titmouse.) P. vertice albo, cauda corpore longiore.

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eyer, baut sich ein sackförmiges Nest*)Nozemann en Sepp l. c. tab. 26. p. 49. von Moos, Wolle ꝛc. und bekleidet es von außen mit den nähmlichen Baum - krätzen u. a. Moosen, womit der Baum, an dessen Stamm sie es angelegt, bewachsen ist.

4. . Biarmicus. das Bartmännchen, der in - dianische Sperling. (Fr. le moustache. Engl. the bearded titmouse.) P. vertice cano, cauda corpore longiore, capite barbato.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England ꝛc.

163

5. Pendulinus. die Beutelmeise, Pendulin - meise, der Remitz, Cottonvogel. (Fr. la me - sange de Pologne.) P. capite subferrugineo, fascia oculari nigra, remigibus rectricibusque fuscis mar - gine utroque ferrugineo.

J. D. Titii parus minimus Remiz descriptus. Lips. 1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Oesterreich, Ober-Italien, Polen, Sibirien ꝛc. baut sich ein beutelförmiges Nest von Pap - pelwolle ꝛc., das sie an einem dünnen Aste aufhängt.

39. Hirundo. Schwalbe. Rostrum minimum incurvum, subulatum, basi depressum.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer Bildung durch ihre Lebensart ꝛc. gar sehr von den übrigen Thie - ren dieser Ordnung aus. Bey der bekannten Streit - frage über den Winteraufenthalt unserer hieländischen Schwalben, zumahl der beiden ersten Gattungen, scheint doch nach allem, was darüber geschrieben worden, noch manches nicht vollkommen ins Reine. Schade, daß bey den für die eine*)Die Gründe für das Wegziehen der Schwalben nach wärmern Gegenden hat zumahl Büffon's Gehülfe Guenau de Monbeillard vollständig zusammengestellt und geprüft, in der hist. des oiseaux. vol. IV. p.557. oder für die andere**)Einer der eifrigsten neuern Vertheidiger des Winter - schlafs der Schwalben war Daines Barrington; in s. mis - cellanies. 225.Drey verschiedne Aufsätze zur Behauptung der gleichen Mey - nung finden sich in den Memoirs of the American Academy of arts and sciences zu Boston. Vol. I. p. 494. Vol. II. P. I. p. 93 und 94. Behauptung angeführten Erfahrungen, die Gattungen, an welchen sie gemacht worden, nicht bestimmt genug angegeben sind. Im ganzen hat doch aber immer das Wegziehen dersel - ben nach wärmeren Gegenden bey weiten die größte Wahrscheinlichkeit für sich.

1. . Domestica. die Rauchschwalbe, Feuer - schwalbe. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hiron - delle de cheminée. Engl. the house-swallow, chimney-swallow.) H. rectricibus, exceptis dua -164 bus intermediis macula alba notatis, fronte et gula spadiceis.

Frisch tab. 18. fig. 1.

Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitetsten Vögel auf Erden. Die Benennungen dieser und der folgenden Gattung sind bey den Systematikern auf das seltsamste vermengt und verwechselt worden. Hier diese, mit den nackten unbefiederten Füßen und weißgefleckten Steuerfedern, baut ihr offenes Nest (das oft von Wanzen wimmelt) an die Dachgiebel, Ställe, Scheuern, und auf den Dörfern in den Hausären und unter die Rauchfänge.

2. . Agrestis. die Hausschwalbe, Fenster - schwalbe, Mehlschwalbe, Spyrschwalbe, (hirundo urbica Linn. Fr. l'hirondelle de fenêtre ou de muraille, le martinet à cul blanc. Engl. the martin, martlet.) H. pedibus hirsutis, rec - tricibus immaculatis, dorso nigro caerulescente, tota subtus alba.

Frisch tab. 17. fig. 2.

Zumahl in der nördlichen Erde. Nistet meist auf den Dörfern außerhalb der Häuser unterm Dache, an den Kirchfenstern ꝛc. Macht ihr Nest aus Lehm-Klümpchen, oben zugewölbt.

3. . Riparia. die Uferschwalbe, Erdschwalbe. (Fr. l'hirondelle de rivage. Engl. the sandmar - tin, shore bird.) H. cinerea, gula abdomineque albis.

Frisch tab. 18. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sandhügeln ꝛc.

4. Esculenta. die Salangane. H. rectricibus om - nibus macula alba notatis.

Von der Größe des Zaunkönigs. Auf den sundai - schen u. a. Inseln des indischen Archipelagus bis Neu - Guinea ꝛc. Baut da in die Uferlöcher und Berghöhlen die berufenen indianischen oder Tunkinsnester, deren Stoff der Hausenblase ähnelt. Man sammelt jährlich wohl vier Millionen dieser Nestchen, die größtentheils nach Schina verkauft werden.

165

5. . Apus. die Mauerschwalbe, Steinschwal - be, Pierschwalbe, Thurmschwalbe. (Fr. le martinet. Engl. the black martin, swift.) H. nigricans, gula alba, digitis omnibus quatuor an - ticis.

Frisch tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

40. Caprimulgus. Rostrum modice incurvum, minimum, subulatum, basi depressum; vibris - sae ciliares. Rictus amplissimus; unguis inter - medius introrsum ciliatus.

1. . Europaeus. die Nachtschwalbe, Hexe, der Ziegenmelker, Ziegensauger, Nachtrabe, Tagschläfer. (nycticorax. Fr. l'engoulevent, la tette-chevre. Engl. the goatsucker, night-raven.) C. narium tubis obsoletis.

Frisch tab. 101.

In der alten Welt. Ein animal nocturnum, das im Flug seine schnurrende Stimme hören läßt. Es lebt von Insecten, besonders von Nachtfaltern ꝛc. und die alte Sage, daß es den Ziegen die Milch aussauge, ist ungegründet.

VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße und einen convexen Schnabel, der an der Wurzel mit einer fleischigen Haut überzogen ist, und dessen obere Hälfte zu beiden Seiten über die untere tritt. Sie nähren sich meist von Pflanzensamen, die sie im Kropfe einweichen, legen zahlreiche Eyer; und geben das mehreste Hausgeflügel.

41. Columba. Taube*)Les pigeons, par Mme Knip, le Texte par C. J. Them - minck. Par. seit 1811. gr. Fol.. (Fr. und Engl. pigeon.) Rostrum rectum versus apicem descendens.

166

a) Cauda aequali modica.

1. . Oenas. die Haustaube, Feldtaube, Holz - taube. (vinago, livia. Fr. le biset. Engl. the stock dove.) C. caerulescens, cervice viridi nitente, dorso postico albo, fascia alarum apiceque caudae nigricante.

Sylvan, v. Laurop und Fischer für d. J. 1815.

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten Welt zu Hause. Die in Norden ziehen im Herbst nach etwas südlichern Gegenden. Die in mildern Erdstrichen hin - gegen überwintern scharenweise in Felsen-Klüften, hoh - len Bäumen ꝛc. Das wilde Weibchen brütet zwey Mahl im Jahre, die Haustaube hingegen neun bis zehn Mahl, so daß man von einem einzigen Paar binnen vier Jahren 14762 Tauben ziehen könnte. Die vorzüg - lichsten Abarten (wovon doch manche für besondere Gat - tungen angesehen werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le pigeon pattu. Engl. the rough-footed dove. ) mit lang - befiederten Füßen. Frisch tab. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Kröpfer. (Fr. le pigeon à grosse gorge, le grandgosier. Engl. the cropper pigeon. ) mit theils ungeheu - rem Kropfe. Frisch tab. 146.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon cravate, à gorge frisée. Engl. the turbit. ) mit krausen Brustfedern und ganz kurzem Schnabel. Frisch tab. 147.

d) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon culbu - tant. Engl. the tumbler. ) mit glattem Kopf und einem kahlen rothen Augenring: überschlägt sich im steigenden Fluge. Frisch tab. 148.

e) cucullata, die Schleiertaube, Zopftaube. (Fr. le pigeon nonain. Engl. the jacobine. ) mit vorwärts gerichtetem Kopf-Busche. Frisch tab. 159.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hüner - schwanz. (Fr. le pigeon paon. Engl. the shaker. ) mit aufrechtem, ausgebreitetem Schwanze. Frisch tab. 151.

167

g) tabellaria. die Posttaube, Brieftaube, tür - kische Taube. (Fr. le pigeon messager. Engl. the carrier pigeon. ) mit rothen Fleischwarzen um den Schnabel und die Augen herum. Diese Tau - benart hat ihren Namen daher, weil man sich ihrer vorzüglich ehedem in der Levante bediente, um Brief - chen zu überschicken*)S. den göttingischen Taschen-Kalender 1790..

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens, supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta, hu - meris ferrugineis.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Zumahl auf Neu-Guinea und den Molucken ꝛc. Fast von der Größe des welschen Hahns.

3. . Palumbus. die Ringtaube, große Holz - taube, Schlagtaube, Plochtaube, Kohl - taube, Holztaube. (Fr. le pigeon ramier. Engl. the ring-dove.) C. rectricibus postice atris, re - migibus primoribus margine exteriore albidis, collo utrinque albo.

Sylvan, v. Laurop u. Fischer für d. J. 1815.

Meist in ganz Europa.

4. Turtur. die Turteltaube. (Fr. la tourterelle. Engl. the turtle-dove.) C. rectricibus apice al - bis, dorso griseo, pectore incarnato, macula la - terali colli nigra lineolis albis.

Sylvan, v. Laurop und Fischer für d. J. 1815.

In den warmen und mildern Gegenden der alten Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit und ehelichen Treue die fabelhaften Uebertreibungen abgerechnet, ha - ben sie darin nichts vor andern Vögeln ähnlicher Lebens - art voraus.

5. . Risoria. die Lachtaube. (Fr. la tourterelle à collier. Engl. the indian turtle.) C. supra lu - tescens lunula cervicali nigra.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

b) Cauda longiore cuneata.

168

6. Migratoria. die Zugtaube. C. orbitis denuda - tis sanguineis, pectore rufo.

Frisch tab. 142.

Im nordöstlichen America. Macht zur Zeit ihrer un - ermeßlichen Züge, eine Haupt-Nahrung der dasigen In - dianer aus, die auch Tausende derselben räuchern und dörren.

42. Tetrao. (Engl. grouse.) Macula prope ocu - los nuda, papillosa.

1. . Coturnix. die Wachtel. (Fr. la caille, Engl. the quail.) T. pedibus nudis, corpore griseo maculato, superciliis albis, rectricum mar - gine lunulaque ferruginea.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel, der sich im Zug zuweilen in zahlloser Menge sehen läßt.

2. . Perdix. das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr. la perdrix grise. Engl. the partridge.) T. pe - dibus nudis calcaratis, macula nuda coccinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore subfusco.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Im mittlern Europa und in den mildern Gegenden des asiatischen Rußlands.

3. . Rufus. (Fr. la perdrix rouge, la bartavelle.) T. pedibus nudis calcaratis rostroque sanguineis, gula alba cincta fascia nigra albo punctata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Im südlichen Europa und Orient. Wird auf den Inseln des Archipelagus als Meyergeflügel gehalten.

4. . Bonasia. das Haselhuhn. (Fr. la geli - notte. Engl. the grous.) T. pedibus hirsutis, rec - tricibus cinereis punctis nigris fascia nigra: ex - ceptis intermediis duabus.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1796.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mittlern Eu - ropa. Das Schwedische (Hiärpe) ist wohl das schmack - hafteste von allem wilden Geflügel.

169

5. . Lagopus. das Schneehuhn, Rype. (Fr. la gelinotte blanche. Engl. the white game, ptarmigan). T. pedibus lanatis, remigibus albis, rectricibus nigris, apice albis, intermediis albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In den alpinischen und nördlichsten Gegenden der alten und neuen Welt. Ist im Sommer von grauer Farbe. Namentlich ein überaus wichtiges Thier für die europäischen Colonisten in Labrador und Grönland.

6. . Tetrix. der Birkhahn. (Fr. le petit tetras. Engl. the black cock.) T. pedibus hirsutis, cau - da bisurcata, remigibus secundariis basin versus albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

In der nördlichern alten Welt.

7. . Urogallus. der Auerhahn. (Fr. le coq de bruyere, tetras. Engl. the cock of the wood.) T. pedibus hirsutis, cauda rotundata, axillis albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Im nördlichern Europa; hat ein äußerst scharfes Ge - sicht und Gehör. Seine Zunge und oberer Kehlkopf liegen tief unten im Halse.

43. Numida. Caput cornutum, collum compres - sum coloratum; palearia carunculacea ad la - tera maxillae utriusque.

1. Meleagris. das Perlhuhn. (Fr. la peintade. Engl. the guiney hen.) N. rostro cera instructo nares recipiente.

Frisch tab. 126.

Das so wunderschön weißpunctirte Geschöpf ist ur - sprünglich im nördlichen und westlichen Africa einhei - misch, aber auch längst nach Europa und viele Gegen - den von America verpflanzt.

44. Menura. Cauda elongata, plana, rectrici - bus 16. duabus intermediis angustis, longiori - bus, duabus externis apice dilatato exterius recurvo; reliquis laxis.

170

1. Superba. der Leyerschwanz, Schweifhahn.

Audebert et Vieillot oiseaux de Paradis tab. 14. 15. 16.

Auf Neuholland. Das Männchen wegen seines großen wundersam gebildeten schönfarbigen Schweifes eines der sonderbarsten Thiere der ganzen Classe.

45. Phasianus. Genae cute nuda laevigata.

1. . Gallus. der Haushahn. (Fr. le coq. Engl. the cock.) Ph. caruncula compressa verticis ge - minaque gulae, auribus nudis, cauda compressa ascendente.

Die vermutliche wilde Stammraffe*)Sonnerat voyag. aux Indes. vol. II. tab. 94. 95. ist in Hin - dustan zu Hause; von rothbrauner Farbe; und zeichnet sich durch flache hornichte Blättchen an den Spitzen der Hals - und Flügelfedern aus (die den zinnoberrothen Flügelblättchen des Seidenschwanzes ähneln). Der Haus - hahn hingegen ist meist über die ganze Erde verbreitet. Doch ist er erst durch die Spanier nach America gebracht: hingegen auf vielen Inseln der Südsee bey ihrer Ent - deckung von den Europäern schon vorgefunden worden. Das Huhn ist bey der Menge Eyer, die es legt, und seinem oftmahligen Brüten eins der allernutzbarsten Thiere der ganzen Classe. Und die Hahnen-Gefechte längst und in mehreren Welttheilen ein beliebtes Volks - schauspiel.

Die Hühner sind unter den Hausthieren dieser Classe in die allermannigfaltigsten und auffallendsten Rassen und Spielarten degenerirt. Theils in wahre zum erblichen Schlag gewordene Monstrositäten**)Sogar, daß bey den so genannten Hollen - oder Hau - ben-Hühnern, mit dem dichten Federbusch auf dem Kopfe, der Stirntheil der Hirnschale wie zu einer monströsen das große oder eigentlich sogenannte Gehirn fassenden Blase auf - getrieben wird. Eine in ihrer Art einzige erbliche Abweichung des Bildungstriebes, die ich in der Commentatio de nisus for - mativi aberrationibus genauer beschrieben und durch anatomi - sche Abbildungen erläutert habe.; sowohl per defec - tum ( s. oben S. 19. ), wie der ungeschwänzte171 Kluthahn; als per excessum ( a. a. O. ), wie z. B. mit fünf oder gar sechs Zehen*)Von der bekannten aber doch immer physiologischmerkwür - digen Künsteley, einem Hahn seinen Sporn auf den Kopf ein - zupropfen, s. Duhamel in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris vom Jahr 1746. S. 349 u. f..

Unter den übrigen Abarten verdienen besonders be - merkt zu werden:

a) der Paduanerhahn, wohl noch einmal so groß als der gemeine Haushahn.

b) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum halb so groß als der gemeine.

c) Der Strupphahn, krause Hahn, fries - ländische Hahn, mit krausen auswärts gekrümm - ten Federn.

d) Das Wollhuhn, aus Japan, Schina ꝛc. Seine Federn sind schlicht, fast wie Haare, daher die Fabel von Bastarden, die von Kaninchen und Hüh - nern erzeugt seyn sollten, entstanden ist.

e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut. Vor - züglich auf St. Jago am grünen Vorgebirge, wo auch noch andere Vögelarten diese Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchicus. der Fasan. (Fr. le faisan. Engl. the pheasant.) P. rufus, variegatus, capite viridi caerulescente, cauda cuneata, genis papillosis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Hat den Namen vom Flusse Phasis in Mingrelien, von da ihn die Argonauten zuerst nach Europa gebracht haben sollen.

3. Argus. Ph. fusco-flavescens, nigro punctatus et undulatus, remigum 11 interiorum latere exteriore ocellato, genis nudis, occipite nigro subcristato, rectricibus 2 intermediis longissimis.

Philos. Transact. vol. LV. tab. 3.

In seiner Art wohl das wunderschönste prachtvollste Geschöpf in der Natur. Besonders sind die großen Au -172 gen auf den innern Schwungfedern unbeschreiblich schön schattirt, jedem gleichsam ein Lichtpunkt aufgesetzt ꝛc. ; mißt vom Schnabel zur Schwanzspitze auf 9 Fuß, und ist nebst den beiden folgenden Gattungen zumahl in Schina zu Hause.

4. Pictus. der Goldfasan. Ph. crista flava, pec - tore coccineo, remigibus secundariis caeruleis, cauda cuneata.

Edwards tab. 68. 69.

Bey dieser und der folgenden Gattung zeichnen sich die erwachsenen Männchen durch die ausnehmende Schön - heit ihres Gefieders aus.

5. Nycthemerus. der Silberfasan. Ph. albus, crista abdomineque nigris, cauda cuneata.

Edwards tab. 66.

46. Crax. Rostrum basi cera obductum in utra - que mandibula. Pennae caput tegentes re - volutae.

1. Alector. der Curasso, Hocco. C. cera flava, corpore nigro, ventre albo.

Buffon vol. II. tab. 13.

In Guiana ꝛc.

47. Meleagris. Caput carunculis spongiosis tec - tum, gula caruncula membranacea longitudinali.

1. Gallopavo. der Truthahn, Puter, wälsche Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn. (Fr. le dindon. Engl. the turkey.) M. maris pectore barbato.

Im mittlern und nördlichern America, wo er in großen Herden auf Bäumen lebt; ward 1530 zuerst nach Deutschland gebracht, wo er nun als Meyergeflügel gehalten wird, und in mancherley Varietäten von weißer u. a. Farben ausgeartet ist.

48. Pavo. Caput pennis revolutis tectum, pen - nae caudales elongatae, ocellatae.

173

1. . Cristatus. der Pfau. (Fr. le paon. Engl. the peacock.) P. capite crista compressa, calca - ribus solitariis.

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch, und seit Alexanders des Großen Zeiten nach Europa ver - pflanzt. Das Männchen zeichnet sich vom dritten Jahre an durch die Pracht seiner Schwanz - oder vielmehr Rücken-Federn aus. Unter den Spielarten ist die weiße am auffalendste.

49. Otis. Rostrum mandibula superiore forni - cata; pedes cursorii.

1. . Tarda. der Trappe. (Fr. l'outarde. Engl. the bustard.) O. maris capite juguloque utrin - que cristato.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Dieser größte hieländische Vogel ist in der gemäßigten alten Welt zu Hause. Das Männchen wird wohl gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn am Halse einen weiten verborgenen Sack, der sich unter der Zunge öffnet.

VII. STRUTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbundenen Ze - hen, und kurzen zum Flug ungeschickten Flügeln ohne Schwungfedern.

50. Struthio. Rostrum subconicum: pedes cur - sorii.

1. Camelus. der Straus. (Fr. l'autruche. Engl. the ostrich.) S. pedibus didactylis, digito exte - riore parvo mutico, spinis alarum binis.

Ménag. du Mus. nat. I. tab. 3.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 77.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von 8 Fuß und drüber erreicht, und außer Africa nur in Arabien zu Hause ist. Das Unvermögen zum Flug wird bey174 ihm durch die ausnehmende Schnelligkeit seines Laufs vergütet*)Volat curriculo Plaut.. Von seinen Eyern deren er wohl 30 legt, hält jedes ohngefähr so viel als 24 Hünereyer. Vor - züglich wird er durch seine Federn schätzbar.

Der americanische Straus (Str. rhea) ist zu - mahl in Chili zu Hause.

2. Casuarius. der Casuar, Emeu. S. pedibus tridactylis, galea palearibusque nudis, remigibus spinosis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 97.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner mittlern Klaue. Seine Federn sind hornicht und ähneln Pferde - haaren, und es entspringen immer zwey und zwey Schafte aus einem gemeinschaftlichen Kiele.

Eine eigene Gattung von Casuar ohne Helm (Str. australis) ist neuerlich im fünften Welttheil auf Neu - Südwallis entdeckt worden.

51. Didus. Rostrum medio coarctatum rugis dua - bus transversis: utraque mandibula inflexo apice; facies ultra oculos nuda.

1. Ineptus. der Dudu, Dronte, Walghvogel. (Cygnus cucullatus.) D. pedibus ambulatoriis, cauda brevissima, pennis incurvis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 35.

Ehedem auf Ile de France und Bourbon. Aber nach den Versicherungen von Morel, der deßhalb an Ort und Stelle Untersuchung angestellt hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht mehr. Und das ist nicht un - wahrscheinlich, da er das schwerleibigste, langsamste Thier der ganzen Classe, folglich leicht zu fangen, und doch wegen seines widrigen Fleisches von wenig Nutzen war**)Ich habe von diesem u. a. Beweisen der Veränderlich - keit in der Schöpfung im ersten Theile der Beyträge zur Naturgeschichte S. 24. u. f. gehandelt..

175

So weit die Landvögel. Nun die Wasser - vögel in II. Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese, die Sumpfvögel, haben einen wal - zenförmigen Schnabel von ungleicher Länge, hohe Stelzenartige Beine, und auch mehrentheils einen langen Hals, aber kurzen Schwanz. Sie halten sich in sumpfigem, moorigem Boden auf, leben meist von Amphibien, Fischen, Insecten und Wasserpflanzen, die mehresten nisten auf der Erde oder im Schilf, und werden großentheils durch ihr vorzüglich schmack - haftes Fleisch und durch ihre Eyer nutzbar.

52. Phoenicopterus. Rostrum denudatum, in - fracto-incurvatum, denticulatum, pedes te - tradactyli.

1. Ruber. der Flamingo, Flamant, Korkorre. P. ruber, remigibus nigris.

Sylvan, v. Laurop und Fischer für d. J. 1814.

In Seegegenden der wärmern Erdstriche beider Wel - ten. Wird bey einem mäßig großen Körper, aber ganz auffallend langem Halse und Beinen, wohl mannshoch.

53. Platalea. Rostrum planiusculum: apice di - latato, orbiculato, plano. Pedes tetradactyli, semipalmati.

1. Leucorodia. die Löffelgans, der Löffel - reiher. (Fr. la spatule. Engl. the spoonbill.) P. corpore albo, gula nigra, occipite subcristato.

Frisch tab. 200. u. f.

Hin und wieder, zumahl in der westlichen alten Welt.

54. Palamedea. Rostrum conicum, mandibula superiore adunca. Pedes tetradactyli, fissi.

176

1. Cornuta. (Kamichy, Kamoucle.) P. alulis bis - pinosis, fronteque cornuta.

Latham vol. III. P. I. tab. 74.

In den Savannen des östlichen Süd-America.

55. Mycteria. Rostrum subadscendens, acutum: mandibula superiore triquetra; inferiore trigona acuminata adscendente; frons calua: nares li - neares: pedes tetradactyli.

1. Americana. (Jabiru, Touyou. Fr. le cicogne du Bresil.)

Latham l. c. tab. 26.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

56. Cancroma. Rostrum gibbosum: mandibula superiore cymbae resupinatae forma.

1. Cochlearia. (Fr. la cuilliere. Engl. the boatbill.) C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien ꝛc.

57. Ardea. Rostrum rectum, acutum, longum, subcompressum; pedes tetradactyli.

1. Pavonina. der Kron-Kranich. (Fr. l'oiseau royal.) A. crista setosa erecta, temporibus palea - ribusque binis nudis.

Buffon vol. VII. tab. 11.

Im südlichern Africa. Die Federn in seiner schönen Krone sind sonderbar spiralförmig gewunden.

2. . Grus. der Kranich. (Fr. la grue. Engl. the crane.) A. occipite nudo papilloso, corpore ci - nereo, alis extus testaceis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In der nördlichen alten Welt.

3. . Ciconia. der Storch. (Fr. la cicogne, Engl. the stork.) A. alba, orbitis nudis re -177 migibusque nigris: rostro, pedibus cuteque san - guineis.

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphibien, sondern frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ketten junge Rebhühner u. s. w. schleppt auch nicht selten Leinewand, Garn ꝛc. ins Nest, um es weich auszufuttern*)Treffliche Bemerkungen über die Lebensweise der Störche s. im hannoverschen Magazin 1809. 96. St..

4. . Maior. der Reiher, Fischreiher. (Fr. und Engl. heron.) A. occipite crista nigra depen - dente, corpore cinereo, collo subtus linea fascia - que pectorali nigris.

Frisch tab. 199.

Fast durchgehends in beiden Welten. Schädliche Thiere, die den Fischteichen und besonders der jungen Brut nachtheilig werden. Sie nisten auf hohen Bäu - men, Eichen etc**)Was ich von schwarzen Reiherfedern aus der Levante gese - hen habe, das war bloß in der schönern Schwärze, nicht in Form und Gefüge von den Nackenfedern des hieländischen Reihers verschieden. Die in der Form so wie in der Farbe gänzlich davon verschiednen weißen, kommen hingegen wie gesagt von der Garzetta..

5. Garzetta. (Fr. l'aigrette.) A. occipite cristato, corpore albo, rostro nigro, loris pedibusque vi - rescentibus.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumahl in Persien ꝛc. Mit den kostbaren langen, silberweißen, seidenartigen Rückenfedern.

6. . Stellaris. die Rohrdommel, der Iprump. (Fr. le butor. Engl. the bittern.) A. capite lae - viusculo, supra testacea maculis transversis, subtus pallidior maculis oblongis fuscis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

In den mildern Gegenden der nördlichen Erde.

178

58. Tantalus. Rostrum longum, subulatum, te - retiusculum, subarcuatum: facies nuda ultra oculos: pedes tetradactyli, basi palmati.

1. Ibis. (Tantalus aethiopicus. Latham. Nume - nius ibis Cuvier.*)s. Dess. Détermination des oiseaux nommés Ibis par les anciens Egyptiens im Isten B. seiner Recherches s. les ossemens fossiles pag. CXLI.) T. albus, remigum apici - bus, rostro et pedibus nigris, remigibus secun - dariis elongatis nigro-violaceis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 86.

Das berühmte, von den alten Aeqyptern, als Sym - bol der Ueberschwemmung des Nils**)Weil die Ankunft, Brützeit und Rückzug dieses Vogels gerade mit dem Eintritt, Steigen und der nachherigen Abnahme der jenem Wunderlande so wohlthätigen Ueberschwemmung zu - sammentrifft, s. Jul. Ces. Savigny histoire naturelle et mytho - logique de l'Ibis. Par. 1805. 8. mit Kupf., auf ihren Denk - mählern verewigte, und so wie die damahligen mensch - lichen Leichen und manche Thiere, (wie z. B. verschie - denartige Raubvögel, Falken sowohl als Sperber), zu Mumien bereitete***)Ich habe von einem Paar solcher Ibismumien, die ich in London zu untersuchen Gelegenheit gehabt, in den Philosophical Transactions vom Jahr 1794 Nachricht gegeben.Vergl. auch Chr. Aug. Langguth de mumiis avium in la - byrintho apud Sacaram repertis. Viteb. 1803. 4. mit Kupf. und in besondern Gewölben in größter Menge beygesetzte, aber jetzt so wie das Nil - pferd, der Nilcrocodil ꝛc. in Nieder-Aegypten selten wordne Thier†)Hingegen findet sich dieser Ibis auch im südlichsten Africa, von woher ich ihn durch die Güte des Hrn. Past. primar. Hesse, vormahligen Past. in der Capstadt, erhallen habe..

Der schwarze kleinere Ibis scheint mit dem auch in Europa und selbst im südlichen Deutschland vorkommen - den Tantalus falcinellus einerley zu seyn.

59. Scolopax. Schnepfe. Rostrum teretiuscu - lum, obtusum, capite longius, facies tecta, pe -179 des tetradactyli, postico pluribus articulis in - sistente.

Arquata. die Brachschnepfe, das Brach - huhn. (Numenius. Fr. le courlis. Engl. the curlew.) S. rostro arcuato, pedibus caerulescen - tibus, alis nigris maculis niveis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

Weit verbreitet, zumahl an den Küsten und Ufern der nördlichern Erde.

2. . Rusticula. die Waldschnepfe. (Fr. la be - casse. Engl. the woodcock.) S. rostro basi ru - fescente, pedibus cinereis, femoribus tectis, fascia capitis nigra.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1809.

In den wärmern Gegenden der nördlichern alten Welt.

3. . Gallinago. die Heerschnepfe, Himmels - ziege, der Haberbock, das Haberlämmchen. (Fr. la becassine. Engl. the snipe.) S. rostro recto, tuberculato, pedibus fuscis, frontis lineis fuscis quaternis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

Fast durchgehends in der nördlichern Erde.

60. Tringa. Rostrum teretiusculum longitudine capitis, digito postico uniarticulato, a terra elevato.

1. . Pugnax. der Kampfhahn, Renommist, Hausteufel. (Fr. le combattant, paon de mer. Engl. the ruff.) T. rostro pedibusque rubris, rectricibus tribus lateralibus immaculatis, facie papillis granulatis carneis.

Frisch tab. 232. u. f.

In der nördlichen alten Welt. Hat seinen Namen von der Streitbarkeit, mit welcher die Männchen zur Brunstzeit gegen einander kämpfen.

180

2. . Vanellus. der Kiebitz. (gavia. Fr. levan - neau. Engl. the bastard-plover, lapwing, pea-wit. ) T. pedibus rubris, crista dependente, pectore nigro.

Frisch tab. 213.

Ebenfalls in der nördlichern alten Welt.

61. Charadrius. Regenpfeiffer. (Fr. pluvier, Engl. plover.) Rostrum teretiusculum, obtu - sum. Nares lineares. Pedes cursorii, tri - dactyli.

1. . Hiaticula. die Seelerche, der Brachvo - gel. (Fr. le pluvier à collier. Engl. the sea - lark.) C. pectore nigro, fronte nigricante fas - ciola alba, vertice fusco, pedibus luteis.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nördlichen Erde, namentlich auch auf den Sandwich-Inseln.

62. Recurvirostra. Säbelschnäbler. Rostrum depresso planum, subulatum, recurvatum, acu - minatum apici flexili. Pedes palmati, tri - dactyli.

1. Avosetta. R. albo nigroque varia.

Buffon vol. VIII. tab. 38.

In den mildern Gegenden der alten Welt ꝛc. nährt sich vorzüglich von Wasser-Insecten und Gewürmen, die er mit seinem sonderbar aufwärts gebogenen Schna - bel sehr geschickt zu fangen weiß.

63. Haematopus. Rostrum compressum, apice cuneo aequali: pedes cursorii tridactyli.

1. . Ostralegus. der Austerdieb, Austermann, die Meerälster. (Fr. l'huitrier. Engl. the sea-pie, oyster-catcher.) H. rostro pedibusque rubris.

Latham vol. III. P. I. tab. 84.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welttheile; nährt sich vorzüglich von Muschelthieren.

181

64. Fulica. Wasserhuhn. Rostrum convexum, mandibula superiore margine supra inferiorem fornicata: frons calua, pedes tetradactyli, subpinnati.

1. Porphyrio. (Fr. la Poule Sultane, Engl. the purple Water-hen.) F. Pedibus fissis, fronte pedibusque rubris, corpore viridi subtus vio - laceo.

Buffon vol. III. tab. 17.

Auf vielen Küsten und Inseln der wärmern Zonen in allen fünf Welttheilen. Vom schönsten schlanken Wuchs und prächtigen violet und grün schillenden Gefieder. Wird leicht zahm.

2. . Atra. das schwarze Bläßhuhn. (Fr. la foulque, morelle. Engl. the coot.) F. pedibus pinnatis fronte incarnata, armillis luteis, corpore nigricante.

Frisch tab. 209.

In der mildern nördlichen Erde.

65. Parra. Rostrum teretiusculum, obtusius - culum. Nares ovatae in medio rostri. Frons carunculata, carunculis lobatis. Alulae spi - nosae.

1. Jacana. (Fr. le chirurgien, chevalier.) P. un - guibus posticis longissimis, pedibus viridescentibus.

Buffon vol VIII. tab. 16.

In Westindien, Brasilien ꝛc.

66. Rallus. Rostrum basi crassius, compres - sum, dorso attenuatum apicem versus, aequale, acutum. pedes tetradactyli, fissi.

1. . Crex. der Wachtelkönig, Schnerz, Wie - senschnarcher, Schars. (ortygometra. Fr. le râle de genet. Engl. the rail, dakerhen.) R. alis rufo-ferrugineis.

Frisch tab. 210.

182

In den mildern Gegenden der alten Welt. Wach - telkönig heißt er von der alten irrigen Sage, als ob er dieser Vögel Heerführer im Zuge sey.

67. Psophia. Rostrum cylindrico-conicum, con - vexum, acutiusculum, mandibula superiore longiore. Nares ovatae, patulae. Pedes te - tradactyli, fissi.

1. Crepitans. die Trompete, der Agami, Mackukawa. (Fr. l'oiseau trompette.) P. ni - gra, pectore columbino.

Latham vol. II. P. II. tab. 68.

In Süd-America, vorzüglich häufig am Amazonen - Strom. Wird ausnehmend kirre und ihrem Herrn zu - gethan.

IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch ihre Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr nach hinten zu sitzen, und daher zum Rudern sehr geschickt, aber desto unbequemer zum Gehen sind. Ihr Oberschna - bel endigt sich meist in ein kurzes Häkchen, und ist wie der untere bey den mehresten mit einer ausneh - mend nervenreichen Haut überzogen. ( s. oben S. 120. ) Sie haben eine fleischige Zunge, einen rau - hen stacheligen Gaumen, und bey vielen von ihnen haben die Männchen vorn an der Luftröhre eine be - sondere knorpelige oder knöcherne Capsel. Sie ha - ben dichtes fettes Gefieder, das kein Wasser annimmt, halten sich an den Ufern des Meeres, der Seen, der Flüsse, auf Inseln, Klippen, im Schilf ꝛc. auf, und leben mehrentheils in Polygamie. Sie legen mei - stens nur Ein oder wenige Eyer; sind aber, beson - ders wegen ihres Fleisches, Fettes, Federn ꝛc. von mannigfaltiger Nutzbarkeit.

183

68. Rhinchops. Rostrum rectum, mandibula su - periore multo breviore: inferiore apice truncata.

1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux, Engl. the sea - crow, cut-water.) R. nigricans, subtus alba, rostro basi rubro.

Brisson vol. VI. tab. 21. fig. 2.

In Nord-America. Der Oberschnabel ist kürzer als der untere und dieser liegt in jenem, gleichsam wie ein eingeschlagnes Taschenmesser.

69. Sterna. Rostrum edentulum, subulatum, sub - rectum, acutum, compressiusculum. Nares li - neares, ad basin rostri.

1. Stolida. die Noddy. (Fr. le fou, diable.) S. corpore nigro, fronte albicante, superciliis atris.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beiden Wendezirkeln.

2. Hirundo. die Seeschwalbe. (Engl. the silver - bird.) S. cauda forficata; rectricibus duabus ex - timis albo nigroque dimidiatis.

Frisch tab. 119.

An der ganzen nördlichsten Erde.

70. Colymbus. Taucher. Rostrum edentulum, subulatum, rectum, acuminatum, pedes com - pedes.

1. Grylle. die grönländische Taube. (Engl. the sea-turtle.) C. pedibus palmatis tridactylis, cor - pore atro, rectricibus alarum albis.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nördlichsten Erde.

2. . Troile. die Lumer. (Fr. le guillemot.) C. pedibus palmatis tridactylis, corpore fusco, pec - tore abdomineque niveo, remigibus secundariis extremo apice albis.

184

Frisch tab. 185.

An den Seeküsten der nördlichen Erde.

3. . Urinator. (Fr. la grèbe.) C. capite laevi, palpebra inferiore lutea, macula alarum alba.

Edwards tab. 360. fig. 2.

Im wärmern Europa. Sein am Unterleibe silber - weißes Fell wird, so wie das vom C. cristatus, zu Feder-Muffen, Verbrämungen ꝛc. verarbeitet.

71. Larus. Möve. (Fr. mouette. Engl. gull.) Rostrum edentulum, rectum, cultratum, apice subadunco. Mandibula inferior infra apicem gibba.

Meist an den Küsten der nördlichen Erde, doch finden sich auch welche auf der Südsee und zwar in un - geheueren Schaaren.

1. . Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L. albicans, dorso canescente, rectricum apicibus, excepto ex - tremo, nigris, pedibus tridactylis.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nördlichen Ocean.

72. Plotus. Rostrum rectum, acuminatum, den - ticulatum. Facies tecta, pedes palmati omni - bus digitis connexis.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien ꝛc. Am Leibe von der Größe einer Ente, aber mit einem sehr langen Halse, den das Thier spiralförmig zusammen rollen und so den Kopf gegen die Fische, die es erschnappen will, los schnellen soll.

73. Phaëthon. Rostrum cultratum, rectum, acu - minatum, fauce pone rostrum hiante. Digitus posticus antrorsum versus.

1. Aethereus. der Tropikvogel. (Fr. la paille - en-queue. Engl. the tropic-bird.) P. rectri -185 cibus duabus longissimis, rostro serrato, pedibus aequilibribus; digito postico connexo.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen beiden Wende - zirkeln. Nährt sich meist von den fliegenden Fischen.

74. Procellaria. Rostrum edentulum, subcom - pressum: mandibulis aequalibus, superiore apice adunco; inferiore apice compresso-cana - liculato. Pedes ungue postico sessili absque digito.

1. Pelagica. der Sturmvogel, Ungewitter - vogel. (Fr. le petrel. Engl. the tempestbird, the stormfinch, mother cary's chicken.) P. nigra, vropygio albo.

Linné fauna suecica. tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nördlichen als südlichen Ocean. Meist in offener freyer See fern vom Lande auf Klippen, und die Schiffer sehen es als Zeichen eines bevorstehenden Sturms an, wenn er sich von da nach den Schiffen flüchtet. Die Einwohner der Färöer be - dienen sich seiner statt Lampe, indem sie ihm bloß einen Docht durch den Körper ziehen und anbrennen, da dann die Flamme von dem vielen Fette, das allmählich hin - eindringt, lange Zeit unterhalten wird.

75. Diomedea. Rostrum rectum; maxilla supe - riore apice adunca; inferiore truncata.

1. Exulans. der Albators. (Fr. le mouton du cap.) D. alis pennatis longissimis, pedibus ae - quilibribus tridactylis.

Edwards tab. 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber mit aus - gespannten Flügeln wohl 11 Fuß Breite, fliegt auf 500 deutsche Meilen von irgend einem Lande entfernt, aber selten höher als 10 bis 20 Fuß über der Meeres - Fläche. Nährt sich großentheils von fliegenden Fischen*)Vergl. Pennant's arctic zoology vol. II. p. 507..

186

76. Pelecanus. Rostrum rectum: apice adunco, unguiculato: pedes aequilibres: digitis omni - bus quatuor simul palmatis.

a) Rostro edentulo.

1. . Onocrotalus. die Kropfgans, der Peli - can. (Fr. und Engl. pelican.) P. gula saccata.

Ein Blatt von J. E. Ridinger. 1740.

In den wärmern Gegenden aller fünf Welttheile, (wenn anders die americanische Kropfgans nicht speci - fisch von der in den alten Welt verschieden ist). Hat den griechischen Namen von ihrer Eselstimme, den deutschen aber von dem ungeheueren beutelförmigen Kropfe, der ihr am Unterschnabel hängt, und sich so ausdehnen läßt, daß er wohl 20 Pfund Wasser fassen kann.

2. Aquilus. die Fregatte. (Fr. le tailleur. Engl. the man of war bird.) P. alis amplissimis, cauda forficata, corpore nigro, rostro rubro, orbitis nigris.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Aehnliches mit dem Albatros: nur noch längere Flügel, die aus - gespannt auf 14 Fuß breit sind, und dem fliegenden Thier ein sonderbares Ansehen geben.

3. Carbo. die Scharbe, der Seerabe. (Fr. und Engl. cormoran.) P. cauda rotundata, corpore nigro, rostro edentulo, capite subcristato.

Frisch tab. 187.

Meist in allen fünf Welttheilen. Den Fischen sehr nachtheilig. Vermehrt sich zuweilen an Küsten, wo er sonst unbekannt war, binnen wenigen Jahren zu vielen Tausenden*)s. die oben (S. 69) citirte Commentatio de quorundam animantium coloniis a. a. O. pag. 109..

Eine ihr sehr ähnliche Gattung (Pelecanus sinensis) wird in Schina zum Fischfang abgerichtet. ( Abbild. n. h. Gegenst. tab. 25. )

b) Rostro serrato.

187

4. Bassanus. die Rothgans. (Fr. le fou de bas - san. Engl. the gannet, the soland goose.) P. cauda cuneiformi, corpore albo, rostro remigi - busque primoribus nigris, facie caerulea.

Brisson T. VI. tab. 44.

Häufigst im Norden von Europa und America, zu - mahl auf den schottischen Inseln, und namentlich auf Baß*)Harvey de generat. animal. p. 30., wovon diese Gans den Namen führt. Macht die Hauptnahrung der Insulaner auf St. Kilda, deren Weiber auch die abgestreifte Haut dieses Vogels statt Schuhe tragen, die zwar nur ohngefähr fünf Tage halten aber auch augenblicklich wieder durch neue er - setzt sind**)s. Mart. Martin's voyage to St. Kilda, the remotest of all the Hebrides. Lond. 1698. 8..

77. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum, con - vexum, obtusum: lingua ciliata, obtusa.

1. . Olor. der Schwan, Elbsch. (Fr. le cygne. Engl. the swan, elk.) A. rostro semicylindrico atro, cera nigra, corpore albo.

Frisch tab. 152.

In der nördlichen alten Welt: nährt sich von Fröschen, Wasserpflanzen ꝛc. Man muß diesen, den so genannten stummen oder zahmen Schwan, von dem so genannten wilden. A. cygnus (mit gelber Haut an der Schna - belwurzel und weit längerer krummlaufender Luftröhre), unterscheiden. Dieser letztere Gibt einen hellen weit schallenden nicht unangenehmen Ton von sich.

Der schwarze Schwan mit weißen Schwungfedern (A. nigra) ist an den Küsten des fünften Welltheils zu Hause. Bey Botanybay sowohl als an der West - küste, wo das schöne Thier schon 1697 gefunden und beschrieben worden***)s. Valentyn's Oost-Indien. III. D. 2. St. p. 69. tab. D.

2. Cygnoides. die spanische, türkische oder schinesische Gans. (Fr. l'oye de Guinée. Engl. the swan-goose, chinese goose.) A. rostro se - micylindrico; cera gibbosa, palpebris tumidis.

Frisch tab. 153. 154.

188

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und Schina, und wie es scheint auch auf den Sandwich-Inseln des stillen Oceans. Man unterscheidet mehrere Varietäten.

3. . Anser. die Gans. (Fr. l'oye. Engl. the goose) A. rostro semicylindrico, corpore supra cinereo, subtus pallidiore, collo striato.

Meist in allen fünf Welttheilen wild. Hat unter den warmblütigen Thieren wohl das schnellste Wachsthum. Unter den zahmen soll es wohl häufig völlig schneeweiße Ganserte, aber nur selten eine ganz weiße weibliche Gans geben.

4. Aegyptiaca (chenalopex) A. rostro subcylin - drico, corpore undulato, vertice albo, speculo alari candido fascia nigra.

Ménag. du Mus. nat. V. tab. 4.

Zumahl in Aegypten, auf dessen alten Kunstwelken sie häufig als Symbol der Kinderliebe vorkommt.

5. Canadensis. die Hudsonsbay-Gans. (Engl. the grey goose.) A. cinerea, capite colloque ni - gris, genis gulaque albis.

Edwards tab. 151.

Im kältern Nordamerica. Sehr gesucht wegen ihrer ausnehmenden Flaumen zu Betten. Gibt auch vorzüg - liche Schreibfedern.

6. Bernicla. die Baumgans, Rothgans, schot - tische Gans. A. fusca, capite collo pectoreque nigris, collari albo.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nördlichen Erde, kommt bloß zum Ueberwintern nach Schottland und andern mildern Gegenden, wo sie sich unter andern von dem Thiere der Entenmuschel (Barnacle, Lepas anatifera) nährt, daher die alte seltsame Fabel entstanden, daß dieser Vogel nicht aus einem Ey, sondern aus einer Muschel hervor komme u. s. w. *)Die gleiche Volkssage ging auch ehedem von einer verwand - ten Gattung, Anas erythropus, von grauer Farbe mit weißer Stirne (Frisch tab. 189.), die daher auch bey vielen Ornithologen den Namen Bernicla oder Barnacle führt. Fischer im Sylvan 1820 tab. 3.

189

7. Mollissima. der Eidervogel. (Fr. l'oye à duvet. Engl. the eiderduck, cuthbert duck.) A. rostro cylindrico, cera postice bifida, rugosa.

Brünnichs N. H. des Eidervogels. tab. 1. u. f.

In der nördlichen Erde, zumahl häufig auf Island und in Grönland. Sein Fleisch und Eyer sind sehr schmackhaft; noch wichtiger aber ist sein Fell, womit man Kleider futtert, und die Flaumfedern, die unter dem Namen der Eiderdunen bekannt sind.

8. . Boschas. die Ente. (Fr. le canard. Engl. the duck, mallard. ) A. rectricibus intermediis (maris) recurvatis, rostro recto.

Frisch tab. 158. u. f.

Die wilde Ente findet sich fast in in der ganzen nörd - lichen Erde, theils in ungemein schönen Spielarten. Die zahmen (A. domestica) scheinen große Neigung zu unnatürliches Paarung zu haben, so daß z. B. die En - triche auf Hühner erpicht sind und sie zu reitzen suchen.

9. . Clypeata. die Löffelente. (Fr. le souchet. Engl. the shoveler.) A. rostri extremo dilatato rotundato; ungue incurvo.

Frisch tab. 161. u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen. Die Ränder des Schnabels sind nach innen mit hornigen Borsten besetzt, fast wie kleine Wallfischbarden.

78. Mergus. Taucher, Wasserhuhn. Rostrum denticulatum, subulato-cylindricum, apice adunco.

1. . Merganser. der Kneifer (Fr.[l'harle]. Engl. the goos-ander.) M. crista longitudinali erectius - cula: pectore albido immaculato, rectricibus cine - reis, scapo nigricante.

Frisch tab. 190.

In der ganzen nördlichen Erde. So wie andere Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches Thier für Fischteiche, zumahl zur Leichzeit.

190

79. Alca. (Engl. auk.) Rostrum edentulum, breve, compressum, convexum, transverse sulcatum: mandibula inferior ante basin gibba.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und Klippen der nördlichen Erde.

1. Arctica. der Papageytaucher. (Fr. le ma - careux. Engl. the puffin.) A. rostro compresso - ancipiti, sulcato sulcis 4, oculorum orbita tempo - ribusque albis, palpebra superiore mucronata.

Nistet in Erdhöhlen, oder wühlt sich auch selbst so ein unterirdisches Lager.

80. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin. (Fr. manchot.) Rostrum compressiusculum, sub - cultratum, longitudinaliter oblique sulcatum: mandibula inferior apice truncato: alae impen - nes, pinniformes.

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleichsam flos - senähnlichen, schuppigen, kleinen Flügel, und ihr gera - der, fast aufrechter Gang geben diesen Thieren ein son - derbares Ansehen, deren verschiedene Arten an den süd - lichen Küsten und Inseln von Africa und America, so wie andere um Neu-Holland, Neu-Guinea, und Neu - Seeland zu Hause sind*)J. Reinh. Forster hist. aptenodytae in Commentat. Soc. Sc. Gött. 1780. Vol. III. p. 121. sq.. Finden sich theils in zahlloser Menge beysammen.

1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus fla - vescentibus, crista frontali atra erecta, auricu - lari deflexa flava.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 46.

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland ꝛc.

2. Patagonica. A. rostro pedibusque nigris, ma - cula ad aures aurea.

Forster l. c. tab. 2.

191

In der gleichen Heimath, die größte Gattung ihres Geschlechts. Und von Farbe und Zeichnung des Geste - ders, zumahl am Halse, die schönste.

3. Demersa. A. rostro pedibusque nigris, super - ciliis fasciaque pectorali albis.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap ꝛc.

192

Sechster Abschnitt. Von den Amphibien.

§. 81.

Die Säugethiere und die Vögel unterscheiden sich beides durch die Wärme ihres Bluts (§. 23. und 40.) und durch die größere Menge desselben von den Amphibien und Fischen.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin noch den warmblütigen Thieren, und zeichnen sich hinge - gen von den Fischen vorzüglich dadurch aus, daß sie wie jene auch noch durch Lungen Luft schöpfen; ob - gleich dieselben von weit lockerer Textur, und auch ihre Athemzüge weit unbestimmter, und so zu sagen unordentlicher sind als bey den beiden Classen mit warmen Blute. Auch können sie das Athemhohlen weit länger entbehren als diese, weit länger im so genanten luftleeren Raume, oder auch in einge - sperrter Luft (wie z. B. Kröten in einer engen Höhle mitten in Baumstämmen oder Steinblöcken) und selbst geraume Zeit in einer Atmosphäre von kohlenstoffsauren Gas aushalten, und auffallende Ex - treme von Hitze und von Kälte ausdauern, so daß man z. B. ungezweifelte Beyspiele von Wassermol - chen und Fröschen hat, die sowohl im Magen und Darmcanal von Menschen gelebt haben, als auch ihrem Leben unbeschadet in dichte Eisschollen einge - froren sind.

193

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen ver - sehen sind, so sind sie auch noch fähig Stimme von sich zu geben: doch scheinen einige (wie z. B. unter den hieländischen der wahre Salamander, die grüne Eidexe, die Blindschleiche ꝛc. ) gänzlich stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt herrscht vorzüglich die doppelte Verschiedenheit unter den Amphibien, daß sie entweder, wie die Schildkröten, Frösche, Eidexen ꝛc. mit vier Füßen versehen sind; oder aber, als Schlangen einen langgestreckten, cylin - drischen Körper ohne alle äußere Bewegungswerk - zeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bey den Am - phibien mannigfaltiger als bey den warmblütigen Thieren. Einige sind mit einer knochigen Schale überzogen: andere mit hornartigen Reifen, oder mit zahlreichen kleinen Schildchen, oder mit Schuppen bedeckt: und noch andere haben eine nackte nur mit Schleim überzogne Haut. Die mehresten häuten sich von Zeit zu Zeit. Manche, wie z. B. der Laub - frosch und verschiedene Eidexen, besonders der Cha - mäleon, ändern auch zuweilen plötzlich ihre Farbe.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon die Benennung der ganzen Classe andeutet, Wasser und Land zum gemeinschaftlichen Aufenthalt angewie - sen. Manche gehen willkürlich in beiden ihren Ge - schäften und ihrer Nahrung nach. Andere hingegen194 bringen entweder eine bestimmte Periode ihres Le - bens, oder gewisse Jahrszeiten bloß in einem von beiden zu. Endlich sind aber auch manche entweder bloß für das Wasser, und nicht für beides zugleich bestimmt.

§. 87.

Manche Amphibien, zumahl unter den Schild - kröten und Schlangen, leben von sehr gemischter Nahrung: andere hingegen, wie der Laubfrosch, Chamäleon ꝛc. sind sehr eigen in der Wahl ihrer Speisen, gehen z. B. bloß lebende Insecten von ei - nigen wenigen bestimmten Gattungen an. In der Gefangenschaft nehmen viele gar keine Nahrung zu sich und können dann zum Wunder lange fasten: ich selbst habe z. B. Salamander auf acht Monathe lang ohne Speise und selbst ohne daß sie dabey be - trächtlich abgezehrt wären, erhalten: und von Schild - kröten weiß man, daß sie gegen anderthalb Jahre ohne alle Nahrung ausdauern können.

§. 88.

Die bey vielen Amphibien so ganz ausnehmende Leichtigkeit und Stärke ihrer Reproductionskraft (§. 19.), hat, wo ich nicht irre, in der obgedachten Stärke ihrer Nerven und hingegen respectiven Klein - heit ihres Gehirns (§. 29.) einen Grund; da folg - lich die erstern von letzterem minder abhängig sind; und überhaupt die ganze Maschine zwar schwächere Mobilität, weniger consensus zeigt, das ganze Le - ben der Amphibien einfacher, und mehr bloß vege - tativ scheint, als bey den warmblütigen Thieren, aber dagegen die Glieder mehr mit eigenthümlicher, independenter Lebenskraft versehen sind. Und da folglich bey dieser mehr eigenthümlichen Lebenskraft der einzelnen Theile, nicht gleich jeder Stimulus,195 der auf Einen Theil, oder auf Ein System wirkt, sogleich, wie bey den warmblütigen Thieren, andere in Consensus zieht so erklärt sich auch wohl über - haupt daher ihr zähes Leben, so daß Frösche, denen das Herz ausgerissen worden, doch noch umher hüpfen, und Schildkröten, denen das Gehirn aus dem Kopfe genommen worden, noch Monathe lang leben kön - nen; daher auch wohl die anhaltende Beweglichkeit der den Amphibien abgeschnittenen Theile, wie z. B. der Schwänze von Wassermolchen, Blindschlei - chen ꝛc. *)Ich habe diesen Gegenstand weiter ausgeführt im specimen physiol. comparatae inter animantia calidi et frigidi sanguinis; im VIII. B. der Commentation. Soc. reg. scientiar. Gotting.

§. 89.

Zu Waffen und Vertheidigungsmitteln dient manchen Amphibien, zumahl unter den Schlan - gen, ihr Gift; dem Salamander, der Feuerkröte ꝛc. ihr milchichter Hautschaum den sie im Nothfall von sich geben: vielen auch wohl der specifike Geruch, den sie verbreiten; so zumahl manche Schlangen, Kröten, Eidexen ꝛc.

§. 90.

Die äußern Sinne scheinen bey den mehresten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe zu seyn. Unter den innern zeichnet sich doch bey vielen das Gedächtniß aus, da man Beyspiele selbst von Cro - codilen und Kröten hat, die ihre Wohlthäter kennen gelernt und kirre geworden, und vollends viele Schlangen bekanntlich sich zu allerhand Gaukeleyen abrichten lassen. Hingegen finden sich bey den Thie - ren dieser Classe nur sehr wenige Spuren von wah - ren Kunsttrieben. (§. 36.)

196

§. 91.

Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen täglichen Erhohlungsschlaf zu halten; dage - gen aber wohl alle die kältern Wintermonate in Er - starrung zubringen. Und zwar theils einzeln, theils wie unsere hieländische Frösche und Sala - mander in Haufen. Doch können auch diese gar leicht des Winterschlafs entbehren, und Jahr aus Jahr ein wachend im Zimmer erhalten werden.

§. 92.

Das Fortpflanzungsgeschäfte der Amphi - bien hat ungemein viel Sonderbares. Der Paa - rungstrieb ist bey vielen so heftig, daß man z. B. Frösche gesehen hat, die in Ermangelung eines Weib - chens andere männliche Frösche oder Kröten oder gar todte Weibchen besprungen haben. Bey den mehre - sten Fröschen und See-Schildkröten dauert die Paa - rung mehrere Tage, ja Wochen lang. Die Vipern schlängeln sich in der Paarung mit dem Hinterleibe aufs innigste um einander, und züngeln dabey mit gebogenem Halse auf einander los. Die Wasser - molche hingegen umfassen einander gar nicht, sondern das Männchen schwimmt zur Brustzeit bloß um sein Weibchen herum und bespritzt die Eyerchen, so wie es dieselben von sich gibt, von der Ferne.

§. 93.

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige Aus - nahmen, Eyerlegende Thiere. Aber manche, zu - mahl unter den Schlangen ꝛc. geben die Eyer nicht eher von sich, als bis das darin befindliche Junge schon meist seine völlige Ausbildung erhalten hat. Die Pipa heckt ihre Junge aus dem Rücken aus.

Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom Ende des Sommers an ganzer vier Monathe lang völlig197 isolirt in einem Glase gehalten, hat hierauf um Neujahr herum ganz unerwartet binnen wenigen Tagen 34 Junge geheckt, so daß folglich hier eine ehemahlige Befruchtung, auf eine noch weit längere Zeit hinaus als bey den Hüh - nern, ihre Wirksamkeit erhalten muß.

§. 94.

Die Frösche und Eidexen, die im Wasser jung werden, kommen nicht gleich in ihrer vollkommenen Gestalt, sondern als so genannte Larven zur Welt und müssen sich erst noch einer Art von Metamor - phose unterziehen, ehe sie die Ausbildung und den völligen Gebrauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen. Die kleinen Frösche z. B. (die so genannten Kaul - quappen, gyrini, Fr. tétards, Engl. toadpoles) haben Anfangs noch keine Füße, sondern dafür einen langen Ruderschwanz; auch, so wie die jungen Sa - lamander, eine Art von Fischkiemen (branchiae oder Swammerdam's appendices fimbriatae) zu beiden Seiten des Halses; ferner zum Theil eine kleine Saugeröhre an der Unterlefze u. dgl. m. Lauter Theile, die nur für den Larvenstand des zarten jun - gen Thieres bestimmt sind und mit der zunehmen - den Reife desselben allgemach schwinden.

§. 95.

Die Amphibien haben ein langsames Wachs - thum; so daß z. B. unsere hieländischen Frösche meist erst im vierten Jahre mannbar werden: und doch erreichen diese nur ein, nach Verhältniß dieser späten Pubertät, nicht beträchtliches Alter von 12 bis 16 Jahren. Hingegen weiß man, daß Schild - kröten selbst in der Gefangenschaft über 100 Jahre gelebt haben, so daß hiernach zu schließen, die Cro - codile und großen Schlangen ꝛc. wohl zu einem noch höhern Alter gelangen können.

198

§. 96.

Die Benutzung der Amphibien fürs Men - schengeschlecht ist ziemlich einfach; aber für manche Gegenden theils äußerst beträchtlich. Zumahl der Genuß der Schildkröten und ihrer Eyer, so wie auch verschiedener Frösche und Eidexen ꝛc. auch von Schildkröten Thran; Schildpatt zu Kunst - arbeiten; gegerbte Alligatorshäute zu schönen Sat - teln ꝛc.

§. 97.

Schädlich werden manche ungeheuere Thiere dieser Classe, die Crocodile, Wasserschlangen ꝛc. durch ihre Größe, und andere, zumahl unter den Schlangen, durch ihr Gift, das in keiner andern Thierclasse von einer so gefahrvollen Heftigkeit ist.

§. 98.

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey Ord - nungen:

1. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen. (Die quadrupeda ovipara der ältern Natur - forscher) Schildkröten, Frösche, Eidechsen. Und

2. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle äußere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)

199

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser Classe:

  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734-1765. IV. vol. gr. Fol. ( hierher gehören bloß die beiden ersten Bände).
  2. Jo. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata. Vindob. 1768. 8.
  3. C. de la Cepede histoire naturelle des quadrupèdes ovipares et des serpens. Paris 1788. II. vol. 4.
  4. Deutsch, mit Anmerk. und Zusätzen von J. M. Bechstein. Weim. 1800. V. Th. 8.
  5. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der N. G. der Thiere. III. Th. Leipzig 1798. 8.
  6. J. Gottl. Schneider historiae amphibiorum naturalis et lite - rariae. Fasc. I. II. Jen. 1799. 1801. 8.
  7. Fr. Tiedemann, M. Oppel und Jos. Liboschitz N. G. der Amphibien. Heidelb. seit 1817. Fol.
  8. Blas. Merrem tentamen systematis amphibiorum. Marburg. 1820. 8.
200

I. REPTILES.

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens wenn sie ihre vollkommene Gestalt erlangt haben) mit vier Füßen versehen, die nach dem verschiede - nen Aufenthalt dieser Thiere entweder freye, (pedes digitati) oder durch eine Schwimmhaut verbundene (palmati), oder gar wie in eine Flosse verwachsene Zehen (pinnati) haben.

1. Testudo*)Brogniart's Cheloniens.. Schildkröte. (Fr. tortue. Engl. tortoise, die See-Schildkröten aber turtle, Span. galápago.) Corpus testa obtectum, cauda (plerisque) brevis, os mandibulis nudis eden - tulis**)s. Joh. Gottl. Schneiders N. G. der Schildkrö - ten. Leipz. 1783. gr. 8. mit Kupf.J. D. Schoepff historia testudinum iconibus illustrata. Er - lang. 1792. 4..

Die mehresten Schildkröten sind mit einer knochigen sehr festen Schale bedeckt, deren Obertheil mit dem Rückgrath und den Rippen des Thiers verwachsen, und mit den breiten hornigen Schuppen belegt ist, die bey manchen Gattungen so stark und schönfarbig sind, daß sie zu Kunstsachen verarbeitet werden. Gewöhnlich lie - gen 13 dergleichen Schuppen in der Mitte, und 24 um den Rand herum. Der Untertheil oder das Bauchschild ist etwas kleiner als das obere, und mit Ausschnitten für Kopf, Schwanz und Füße versehen. Ueberhaupt aber dient die so ganz ausgezeichnete eigenthümliche Bil - dung dieses dadurch gleichsam isolirten Geschlechts zu einer bedeutenden Instanz gegen die vermeinte Stufen - folge in der Natur.

201

1. Membranacea. T. pedibus palmatis, unguiculis tribus, testa orbiculari orvata, membranacea gri - sea, striata, scabra.

Schneider l. c. tab. 1.

In Guiana.

2. Imbricata. die Carette. (Engl. the hawks - bill turtle.) T. pedibus pinniformibus, testa cordata subcarinata, margine serrato: scutellis imbricatis latiusculis, cauda squamata.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im An - hang tab. 42.

In beiden Indien; auch im rothen Meere. Gibt das beste Schildpatt*)S. Beckmanns Vorbereitung zur Waarenkunde 1. Th. S. 68 u. f..

3. Mydas. die grüne oder Riesen-Schild - kröte. (viridis Schneider. Fr. la tortue franche. Engl. the green turtle.) T. pedibus pinniformibus, marginibus maxillarum dentatis, testa ovata.

Schöpff tab. 17. fig. 2.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8 Centner am Gewicht. Sie hat ihren gewöhnlichern Namen von ih - rer blaß-olivengrünlichen Schale und der auffallend grünen Farbe ihres schmackhaften Fettes. Lebt bloß vom Seetang u. dergl. Vegetabilien, daher ihr aus - nehmend schmackhaftes gar nicht thraniges Fleisch.

4. . Orbicularis. die gemeine Flußschildkröte (europaea Schneid.) T. pedibus palmatis, te - sta orbiculata planiuscula.

Im mildern Europa.

5. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa postice gibba: margine laterali obtusissimo, scutellis pla - niusculis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 66.

Im südlichen Europa, und nördlichen Africa.

202

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis, te - stae scutellis elevatis truncatis.

Schöpff tab. 10.

In Ostindien, und am Cap. Ungefähr von der Größe einer flachen Hand: hat wegen seines regelmäßi - gen schwarz und gelb gezeichneten hochgewölbten Rücken - schildes ein artiges Ansehen.

2. Rana*)Brongniart's Batraciens (mit Einschluß der Molche.). Frosch (Fr. grenouille. Engl. frog. ) und Kröte (Fr. crapaud. Engl. toad.) Cor - pus nudum pedibus quatuor, posticis longio - ribus**)F. M. Daudin histoire naturelle des rainettes, des grenou - illes et des crapauds. Par. 1803. mit Kupf.Ueber die hieländischen Gattungen dieses Geschlechts s. Rösels natürl. Historie der Frösche hiesigen Landes. Nürnb. 1758. gr. Fol..

1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathiformi, digitis anticis muticis quadridentatis, posticis un - guiculatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 36.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch die überaus sonderbare und ganz anomalische Weise mit der die Mutter ihre Junge ausheckt, merkwürdig. Das Männchen streicht nähmlich den Leich, den das Weib - chen vorher auf die gewöhnliche Art von sich gegeben, demselben auf den Rücken, und befruchtet ihn hierauf mit seinem Samen. Die Eyerchen verwachsen nachher gleichsam in der Haut der Mutter, bis nach Verlauf von beynahe drey Monaten die darin befindlichen an - fangs geschwänzten Kaulquappen***)S. Camper im IX. Bande der commentat. soc. reg. scien - tiar. Gottingens. p. 129 u. f. zum Ausbruch reif sind, und nachdem ihr Schwanz allgemach verschwunden und sie dagegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken ihrer Mutter verlassen können.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

203

In Virginien; hat wegen selner großen stieren Au - gen, und der ungeheueren tutenförmigen obern Augen - lieder ein abentheuerliches Ansehen.

3. Ocellata. (Engl. the bull-frog.) R. auribus ocellatis, pedibus muticis.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nord-America. Fast von der Größe eines Kaninchens. Hat den englischen Namen von sei - ner starken Stimme.

4. Paradoxa. die Jackie. (Rana piscis.) R. fe - moribus postice oblique striatis.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen America. Die Larve (§. 95.) erreicht eine fast spannenlange Größe, ist dann viel größer als der ausgebildete, zu seiner Reife gelangte Frosch, und hat in jenem Larvenzustande zu einer alten Sage, von Fröschen, die sich in Fische verwandelten, Anlaß gege - ben. Auch nachdem schon die vier Beine ihre ganze Größe und Ausbildung erhalten haben, bleibt daß Thier doch noch geraume Zeit geschwänzt.

5. . Buso. die Kröte. R. corpore ventricoso verrucoso lurido fuscoque.

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist unge - gründet. Hingegen ist es unlängbar, daß man ver - schiedentlich lebendige Kröten mitten in durchsägten Baumstämmen, oder in Steinblöcken ꝛc. angetroffen hat.

6. . Bombina. die Feuerkröte. R. corpore verrucoso, abdomine aurantio-caesio maculato, pupilla triquetra.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt, hüpft fast wie ein Frosch.

7. . Portentosa. die Haus-Unke. (Bufo cala - mita. Laurent). R. verrucosa, linea dorsali flava, lateralibus rufescentibus.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen ꝛc. kommt selten zum Vorschein; Gibt aber einen eigenen dumpfen Laut204 von sich, der allerhand abergläubige Sagen veran - laßt hat.

8. . Temporaria. der braune Grasfrosch. R. subfusca dorso planiusculo subangulato.

Rösel tab. 1-8.

Im Gras und Gebüsch ꝛc. von da die Junge nach warmen Sommer-Regen haufenweise hervorkriechen, da dann ihre plötzliche Erscheinung wohl zu der alten Sage vom Froschregen Anlaß gegeben haben mag.

9. Esculenta. der grüne Wasserfrosch, - ling, Marxgöker. (Engl. the gibbous frog. ) R. viridis, corpore angulato, dorso transverse gibbo, abdomine marginato.

Rösel tab. 13-16.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen quaken laut, zumahl des Abends bey schönem Wetter, und treiben dabey zwey große Blasen hinter den Maulwin - keln auf. Sie sind schlau und muthig, verzehren Mäuse, Sperlinge, und selbst junge Enten, Forellen ꝛc. und können sogar über große Hechte Herr werden. Zur Begat - tungszeit bekommen die Männchen dieser und der vo - rigen Gattung schwarze warzige Ballen an den Dau - men der Vorderfüße, womit sie sich äußerst fest um ihrer Weibchen Brust klammern können.

10. . Arborea. der Laubfrosch. (calamites, hyla. Fr. la rainette, grenouille de St. Martin, le graisset). R. corpore laevi, subtus granulato, pedibus fissis, apicibus digitorum lenticulatis.

Rösel tab. 9-12.

Fast in ganz Europa (doch nicht in England), auch in America ꝛc. Der klebrige Schleim, womit er wie die Schnecken überzogen ist, dient ihm bey seinem Auf - enthalt am Laub der Bäume, zur Haltung. Die er - wachsenen Männchen, die an ihrer braunen Kehle kennt - lich sind, haben eine laute Stimme, die sie, wenn das Wetter sich ändern will, aber auch außerdem zur Paarungszeit von sich geben. Sie blähen dabey die Kehle zu einer großen Blase auf.

205

3. Draco*)Fr. Tiedemann's Anat. und N. G. des Drachen. Nürnb. 1811. 4.. Corpus tetrapodum caudatum, alatum.

1. Volans. die fliegende Eidechse. D. brachiis ab ala distinctis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 98.

In Ostindien und Africa.

4. Lacerta**)Brongniart's Sauriens (mit Einschluß des vorigen Ge - schlechts, und ausgenommen die Molche.). Eidechse. (Fr. lezard. Engl. lizard) Corpus elongatum, pedibus quatuor aequalibus.

1. Crocodilus. der (eigentliche) Crocodil. (Cro - codilus vulgaris Cuv.) L. rostro aequali, scutis nuchae 6, squamis dorsi quadratis, sex-fariam positis, pedibus posticis palmatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 26. 27.

Zumahl häufig in den größern Strömen von Africa (namentlich im Ober-Nil und im Niger). Das größte Thier der süßen Wasser, das wohl eine Länge von 30 Fuß erreichen soll***)Norden sagt gar 50. Voyage d'Egypte p.163.: und doch haben seine Eyer kaum die Größe eines Gänse-Eyes. Erwachsen fällt er Menschen und andere große Thiere an. Jung gefan - gen aber läßt er sich doch zähmen†)Von den verschiedenen Gattungen der sogenannten Croco - dile s. Cüvier in den annales du Museum d'histoire naturelle. T. X. 1807.und ebendas. Geoffroy St. Hilaire über zweyerley Gat - tungen von Nil-Crocodilen..

2. Alligator. der Kaiman. (Crocodilus sclerops Cuv.) L. porca transversa inter orbitas, nucha fasciis osseis 4 cataphracta, pedibus posticis semi - palmatis.

Seba vol. I. tab. 104. fig. 10.

Im mittlern America. Weit rundlicher und glatter am Leibe und Schwanz, als der eigentliche Crocodil,206 wird auch nicht so groß als dieser und legt kleinere Eyer. Hat übrigens eben so wie jener fünf Zehen an den Vorderfüßen und viere an den hintern, von wel - chen allen aber nur die drey Innern mit Krallen be - waffnet sind. Die Felle dieser Gattung werden jetzt in Brasilien trefflich gegerbt.

3. Gangetica. der Gavial. L. mandibulis elonga - tis subcylindricis, pedibus posticis palmatis.

Edwards in philos. Transact. vol. XLIX.

Zumahl im Ganges.

4. Monitor. (Fr. la sauve-garde.) L. cauda ca - rinata, corpore mutico squamis marginatis, ma - culis ocellatis.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

In beiden Indien. Ueberaus sauber und regelmäßig schwarz und weiß gefleckt; wird über 3 Ellen lang; hat den Namen daher, daß es sich, wie man sagt, meist in Gesellschaft der Crocodile aufhalten, und durch einen pfeifenden Laut, den es von sich Gibt, diese seine furcht - bare Gefährten verrathen soll.

5. Iguana der Leguan. L. cauda tereti longa, sutura dorsali dentata, crista gulae denticulata.

Seba vol. I. tab. 95. sq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein über - aus schmackhaftes Fleisch und Eyer.

6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis duo - bus tribusque coadunatis.

Jo. Fr. Miller fasc. II. tab. 11.

In Ostindien, Nord-Africa, und nun auch theils in Spanien. Langsam, träge, lebt auf Bäumen und Hecken, währt sich von Insecten, die es mit seiner langen vorn klobigen ausgehöhlten klebrigen Zunge sehr behende zu fangen versteht. Seine Lungen sind ausnehmend groß, und das Thier kann sich damit nach Willkür aufblähen oder dünner machen, daher vermuthlich die Sage der Alten entstanden seyn mag, daß es bloß von Luft lebe. Seine Augen haben die ganz eigene Einrichtung, daß jedes besonders, oder auch beide zugleich nach verschie -207 denen Richtungen, eins z. B. aufwärts, das andere hinterwärts u. s. w. und zwar schnell bewegt werden können. Seine natürliche Farbe ist grünlichgrau, es ändert die - selbe aber zuweilen, zumahl wenn es zornig wird ꝛc. Der zuweilen bemerkte Wiederschein von benachbarten farbigen Gegenständen auf die glänzenden Schuppen des lebendigen Thiers hat Anlaß zu der Fabel gegeben, als ob sich seine Farbe überhaupt nach denselben richte.

7. Gecko. (vermuthlich der wahre stellio*)Daher Stellionatus in Pandect. l.47. tit. 20. oder sau - rus der Alten.) L. cauda tereti mediocri, digitis muticis subtus lamellatis, corpore verrucoso, au - ribus concavis.

Seba vol. I. tab. 109.

In Aegypten, Ostindien, auch auf den Inseln der Südsee und selbst hin und wieder im südlichen Europa, z. B. im Neapolitanischen. Er soll einen giftigen Saft zwischen seinen blätterichten Fußzehen haben, und dieser sich den Eßwaaren, wo das Thier drüber wegläuft, mittheilen.

8. Scincus. (crocodilus terrester.) L. cauda tereti mediocri, apice compressa, digitis muticis lobato - squamosis marginatis.

Im steinigen Arabien, Aegypten ꝛc.

9. . Agilis. die grüne Eidechse, Kupfer-Ei - dechse. L cauda verticillata longiuscula, squamis acutis, collari subtus squamis constricto.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und wie es scheint, auch in beiden Indien und auf den Inseln der Südsee. Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang im Finstern.

10. . Lacustris. der Wasser-Molch, Wasser - Salamander. L. nigra, dorso lateribusque ver - rucosis, abdomine flavo, nigro-maculato.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

208

Die Männchen haben im Frühjahr eine vom Kopf bis zum Schwanz längs des Rückens hinlaufende empor stehende ausgezackte Haut. Von seiner ausnehmenden Reproductionskraft s. oben S. 27.

11. . Salamandra. der Salamander, Molch, die Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron.) L. cauda tereti brevi, pedibus muticis, corpore flavo nigroque vario nudo, poroso.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und orangegelb gefleckt, spannenlang und daumendick. Daß er giftig sey, im Feuer leben könne ꝛc. sind Fabeln.

Interimistisch mögen hier ein Paar anomalische Amphibien ihre Stelle finden, deren sonderbarer Bau zumahl ihre ansehnlichen frey ausstehenden Kiemen immer noch einigen Zweifel läßt, ob wir sie in ihrem vollkommenen Zustande kennen.

A. Proteus. Pedes antici digitis 3; postici bi - nis. Palpebrae indivisae.

1. anguinus.

von Schreibers in den philos. Transact. for 1801*)vergl. P. Configliachi e M. Rusconi del Proteo anguino. Pavia 1809. 4.G. R. Treviranus in den Commentat. Soc. Scientiar. Gottin - gens recentior. vol. IV.und von beiden wundersamen Geschöpfen Cüvier in den voyages de Humboldt IIme P. Obs. d'anat. comparée. Ier vol..

Im unterirdischen Sitticher See in Krain. Höchst lichtscheu.

B. Siren. Pedes tantum antici: digitis 4.

1. lacertina.

Ellis und J. Hunter in den philos. Trans - act. vol. LVI.

In den Gewässern von Carolina.

209

II. SERPENTES*)Brogniart's Ophidiens..

Die Schlangen**)S. Blas. Merrem Beyträge zur Geschichte der Am - phibien. Duisb. 1790-1821. III. Hefte 4.Patr. Rusell's Account of Indian Serpents. together with experiments on their several poisons. Lond. 1796 gr. Fol. haben gar keine äußeren Gliedmaßen, sondern bloß einen cylindrischen lang gestreckten Körper, den sie wellenförmig bewegen; und der mit Schuppen, Schildern, oder Ringen bekleidet ist. Manche leben im Wasser (da sie bey ihren ausnehmend langen und theils blasenförmigen Lungen leicht schwimmen können), andere auf der Erde, andere meist auf Bäumen. Sie legen meh - rentheils an einander gekettete Eyer, und ihre Kinn - laden sind nicht, wie bey andern Thieren, fest ein - gelenkt, sondern zum Kauen ungeschickt, indem sie sich weit von einander dehnen lassen, so daß die Schlangen andere Thiere, die oft weit dicker als sie selbst sind, ganz verschlingen können. Ihre meist gespaltene sehr shlanke Zunge dient ihnen zum Ta - sten***)Aug. Hellman über den Tastsinn der Schlangen. Göttingen, 1817. 8.. Manche sind mit heftigem Gift in beson - dern Bläschen am vordern Rande des Oberkiefers versehen†)Diese sind mit bezeichnet.Die Anzahl aller bis jetzt bekannten giftigen Gattungen scheint sich zu den giftlosen ungefähr wie 1 zu 6 zu verhalten., das in eigenen Drüsen abgeschieden und durch besondere röhrenförmige, einzeln stehende, gegen die Spitze zu mit einer länglichen Oeffnung versehene, Giftzähne ( als durch einen Ausfüh - rungsgang ) beym Biß in die Wunde geflößt wird. ( Abbild. n. h. Gegenst tab. 37. fig. 1. )

210

Diese bloß am vordern Rande des zugleich merklich starken Oberkiefers befindlichen Giftzähne geben auch den zuverlässigsten Character ab um die giftigen Schlangen von den giftlosen zu unterscheiden*)Zu den übrigen zwar nicht ganz exceptionslosen, doch in den bey weiten mehrsten Fällen eintreffenden Kennzeichen, wo - durch sich die giftigen Schlangen auszeichnen, gehört 1) ein breiter gleichsam herzförmiger Kopf mit kleinen flachen Schuppen statt der Schildchen; 2) am Leibe kielförmige Schuppen (d. h. mit einem scharfkantigen Rücken); und 3) ein kurzer Schwanz, der nähmlich weniger als 1 / 5 der Länge des Thiers mißt. S. Dr. Gray in den philosophical Transact. vol. LXXIX. P. I., da bey den letztern der ganze äußere Rand der obern Kinnlade (bis hinten) mit Zähnen besetzt ist ( Abbild. n. h. Gegenst. a. a. O. fig. 2. ); außer - dem haben aber wohl alle Schlangen noch eine dop - pelte Reihe kleiner Gaumen-Zähne mit einander gemein.

5. Crotalus. Klapperschlange. (Fr. serpent à sonnettes. Engl. rattle-snake.) Scuta abdo - minalia. Scuta squamaeque subcaudales. Cre - pitaculum terminale caudae.

1. Horridus. C. scutis 167. scutellis 23.

Seba vol. II. tab. 95. fig. 1.

Zumahl im wärmern Nordamerica: wird auf 6 Fuß lang und fast armsdick. Die Gattungen dieses Ge - schlechts unterscheiden sich von allen andern Schlangen, ja überhaupt von allen übrigen Thieren in der Schöpfung durch die räthselhafte, hornartige, gegliederte Rassel am Ende des Schwanzes. Die Zahl der Glieder an diesem so wunderbar gebauten und in seiner Art so ganz einzigen Organ nimmt mit den Jahren zu, und soll bey Alten wohl auf 40 steigen. Daß kleine Vögel, Eichhörnchen ꝛc. im Gebüsch der darunter liegenden211 Klapperschlange*)Da die Klapperschlangen sehr träge Geschöpfe sind, und nicht auf Bäume kriechen können, so ist Mead's Vermuthung eben nicht unwahrscheinlich, daß die ihnen so ganz ausschließlich eigene sonderbare Klapper wohl dazu dienen könne, die dadurch aufgeschreckten Vögel ꝛc. zu sich herunter zu bringen. ( so wie nach der alten, wenigstens an sich nicht ungereimten Sage, dem Cerasten seine so genannten Hörnchen auch dazu dienen sol - len, kleine Vögel herbey zu ziehen. ) Auch hat wir ein sehr zuverlässiger und genauer Beobachter, der Major Gardner, der sich lange in Ost-Florida aufgehaltne, versichert, daß deßhalb die dasigen jungen Indianer um Eichhörnchen zu fangen, den rasselnden Ton der Klapperschlangen nachahmen.Ausführlicher habe ich davon in Voigt's neuen Magazin gehandelt; I. B. 2. St. S. 37 u. f. über die Zauberkraft der Klap - perschlangen, besonders in Rücksicht einer Schrift des Dr. Barton. Vergl. Home's Lectures on comparative Anatomy. p. 834. von selbst in den Rachen fallen, wird von gültigen Augenzeugen versichert; ist aber keine ausschließliche Eigenheit dieses Geschlechts, da man das nähmliche auch an mehrern andern Schlangen der neuen und alten Welt bemerkt haben will. Die Klapper - schlangen selbst werden häufigst von den Schweinen und Raubvögeln verzehrt. Auch lassen sie sich überaus kirre und zahm machen.

6. Boa. Scuta abdominalia et subcaudalia. Cal - caria analia bina.

1. Constrictor. die Riesenschlange, Abgotts - schlange, Anaconda. (Fr. le devin.) B. scu - tis 240. scutellis 60.

Merrem II. Heft tab. I.

In Ostindien, Africa und Brasilien. Wird nach Adansons Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll lebendigen Antilopen ꝛc. die Rippen und andere Kno - chen entzwey brechen, das Thier nachher mit einem gallertartigen Geifer überziehen, und so hinter würgen. Doch ist sie leicht kirre zu machen und wird, wie die Brillenschlange, von den ostindischen Gauklern zu aller - hand Kunststücken abgerichtet. die Amaru-Schlange in Süd-America, die von den Antis in Peru angebe - tet ward, und auch auf 30 Fuß lang wird, scheint we - nig von dieser verschieden. Hingegen ist wohl die auf Guinea so heilig verehrte so genannte Juda - Schlange von einer andern Gattung.

212

7. Coluber. (Fr. couleuvre.) Scuta abdomi - nalia. Squamae subcaudales.

1. Vipera. C. scutis 118. squamis 22.

Es werden mehrere Schlangen mit dem Namen der Viper belegt. Hier diese von Linné so genannte ist in Aegypten zu Hause und giftlos.

2. Cerastes. die gehörnte Schlange. C. ten - taculis superciliaribus, scutis 145. squamis 44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im Anhang tab. 40.

Diese von den beiden über den Augen stehenden Hörnchen benannte Schlange hat gleiches Vaterland mit der vorigen, und ist allerdings giftig.

3. . Berus. die Otter, Viper. (Engl. the ad - der) C. scutis 146. squamis 39.

Laurenti tab. 2. fig. 1.

Diese ehemals officinelle Viper ist von bräunlicher Farbe und in den wärmern Gegenden der alten Welt, auch schon in Deutschland und in der Schweiz zu Hause. Ihr Biß verursacht zwar heftige Entzündung ꝛc. wird doch aber nur selten tödtlich. Es ist dieselbe Gattung, wo - mit ehedem Redi und neuerlich Fontana so viele merk - würdige Versuche angestellt haben.

4. Natrix. die Ringel-Matter, Schnacke, der Unk. (Fr. la couleuvre à collier. ) C. scu - tis 170. squamis 60.

Stahlfarbig mit weißen Seiten-Flecken, zumahl an den beiden Seiten des Halses. Man hat selbst in Eu - ropa welche von 10 u. m. Fuß gefunden, die dann wohl ehedem Anlaß zu den abenteuerlichen Erzählun - gen von Lindwürmern ꝛc. gegeben haben mögen.

5. Coccineus. die Carmoisin-Schlange. C. scu - tis 175. squamis 35.

Voigts Magazin 5ten B. 1stes St. tab. 1.

Diese ausnehmend schönfarbige und unschuldige Schlange ist in Florida und Neu-Spanien zu Hause. Fingers dick und ungefähr 2 Fuß lang. Längs dem Rücken laufen etliche und zwanzig große und sehr regelmäßige carmoisinrothe Flecken, die mit schwarzen Rändern ein -213 gefaßt, und diese wieder mit citrongelben Queerstreifen von einander abgesondert sind. Die Mädchen in Flo - rida sollen das schöne Thier zum Putz als Halsband oder in die Haare geflochten tragen ꝛc.

6. Naja. die Brillenschlange. (Cobra de Ca - belo.) C. scutis 193. squamis 60.

Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.

In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehnbar, und hinten mit einer brillenähnlichen Figur bezeichnet. Ist eine der giftigsten Schlangen, wird aber häufig vom Ichneumon gefressen, und ist auch leicht zu allerhand Gaukelkünsten abzurichten.

8. Anguis. Squamae abdominales et subcaudales.

1. . Fragilis. die Blindschleiche, Bruch - schlange, der Haselwurm, Hartwurm. (Fr. l'orvet. Engl. the blind-worm, slowworm.) A. squ. abd. 135. totidemque subcaud.

In dumpfigen Gegenden, alten Gemäuer ꝛc. Bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt, und die Stücken bewegen sich doch noch stundenlang. Man findet von ihr mancherley theils sauber gezeichnete Spielarten.

2. Platuros. A. cauda compressa obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 28.

Im indischen Ocean und der Südsee.

9. Amphisbaena. Annuli trunci caudaeque.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200, caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u. a.

In America. Schwarz und weiß gefleckt.

10. Caecilia. Runzelschlange. Rugae trunci caudaeque. Labrum superius tentaculis 2.

1. Tentaculata. C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in America. Hat gar keine Schuppen, sondern run - zelige Ringe in der glatten Haut, fast wie ein Regenwurm.

214

Siebenter Abschnitt. Von den Fischen.

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothem kaltem Blut versehenen Thiere, die sich mittelst wahrer (mit Gräten oder knorplichen Faden versehenen) Flossen bewegen, und mittelst wahrer immer zu beiden Seiten des Halses verwahrt liegenden (nicht wie an den Froschlarven ꝛc. außerhalb desselben frey hervorragenden) Kiemen Athem hohlen.

Anm. Wahre Kiemen und wahre Flossen um sie von den gewisser Maßen analogen Organen der ganz jungen Frösche, Salamander ꝛc. (§. 94.) zu unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiemen oder Kiefen (branchiae) ver - treten bey den Fischen fast vollkommen die Stelle der Lungen. Sie liegen auf beiden Seiten hinter dem Kopfe, meistens unter einer oder mehreren großen halbmondförmigen Schuppen, die deßhalb die Kiemenr-Deckel (opercula branchialia) heißen und bey den mehresten mit der Kiemen-Haut (mem - brana branchiostega) verbunden sind. Die Kie - men selbst sind mit unzähligen der zartesten Blutge - fäße durchwebt, und auf jeder Seite meist in vier Blätter vertheilt, die ungefähr der Fahne an einer Feder ähneln und die an ihrer Basis durch eben so viele bogenförmige Gräten unterstützt werden.

§. 101.

Das Athemhohlen, das die Fische eben so wenig als die mit Lungen versehenen Thiere lange215 entbehren können, geschieht bey ihnen, indem sie die im Wasser aufgelösete Luft durch den Mund in die Kiemen leiten, und dann durch die Kiemen - öffnung (apertura branchialis) wiederum von sich geben; folglich nicht wie die mit Lungen versehenen Thiere durch den gleichen Weg ein - und aus - athmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich folg - lich von selbst, daß ihnen auch keine wahre Stimme zugeschrieben werden kann, obgleich einige von ihnen, wie z. B. der Knurrhahn, der Wetterfisch ꝛc. einen Laut von sich geben können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers, überhaupt genom - men, ist bey den Fischen ungleich mannigfaltiger als bey den beiden vorigen Thierclassen. Bey den meh - resten hat doch der Körper eine verticale Stellung, d. h. er ist auf beiden Seiten zusammen gedrückt (corpus compressum f. cathetoplateum); bey ei - nigen andern hingegen, wie bey dem Rochen, liegt er horizontal, ist in die Breite platt gedrückt (cor - pus depresum f. plagioplateum); bey andern, wie beym Aal ꝛc. ist er mehr rundlich: bey andern, wie bey den Panzerfischen, prismatisch oder vier - kantig ꝛc.

Bey allen aber stoßen Kopf und Rumpf unmit - telbar an einander, ohne durch einen eigentlichen Hals von einander abgesondert zu seyn.

§. 104.

Die Fische sind (bis auf wenige Ausnahmen) mit Schuppen bekleidet; und zwar die Grätenfische mit216 eigentlich so genannten, die von einer ganz eigenen Substanz, und bey den verschiedenen Gattungen von der mannigfaltigsten theils ausnehmend elegan - ten Bildung und Zeichnung, und farbigem Gold - und Silberglanze sind: die mehrsten Knorpelfische hingegen mit mehr knochenartigen Schildern, hakich - ten Stacheln, u. dergl. m.

Die Schuppen werden von außen noch mit ei - nem besondern Schleim überzogen, der großen Theils aus kleinen Schleimhöhlen abgeschieden zu werden scheint, die bey den mehresten Fischen zu beiden Seiten des Körpers in der so genannten Seiten-Linie liegen.

§. 105.

Die Bewegungswerkzeuge der Fische*)Ueber den Mechanismus des Schwimmens der Fische, (so wie auch des Flugs der Vögel,) s. vorzüglich Aug. W. Zacha - riä's Elemente der Luftschwimmkunst. Wittemb. 1807. 8. S. 34 u. f. 89.Und über den Antheil den besonders ihr Ausathmen durch die Kiemen (§ .101. ) daran hat, S. J. Brugmans over de Middlen, door welke de Visschen zich bewegen etc.(Amst. 1813.) 4., die Flossen (an welchen man neuerlich merkwürdige Reproductionskraft wahrgenommen), bestehen aus dünnen knochenartigen oder knorpeligen Gräten, die durch eine besondere Haut mit einander verbunden, an eigenen Knochen befestigt, und durch bestimmte Muskeln bewegt werden. Ihrer bestimmten Lage nach heißen die obern, Rückenflossen (pinnae dor - sales); die seitwärts hinter den Kiemen befindlichen, Brustflossen (pinnae pectorales); die am Bauche vor der Oeffnung des Afters stehenden, Bauchflossen (pinnae ventrales); die hinter dieser Oeffnung, Steißflosse (pinna analis); endlich am Schwanze, die Schwanzflosse (pinna caudalis), die immer eine verticale Stellung hat.

217

Die so genannten fliegenden Fische haben sehr lange und straffe Brustflossen, so daß sie sich damit selbst über die Oberfläche des Wassers erheben und kleine Strecken weit fortfliegen können.

§. 106.

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung der Fi - sche, besonders wohl zum Steigen und Sinken (wie bey den so genannten cartesianischen Teufelchen), ist die Schwimmblase, womit zumahl die Süß - Wasser-Fische versehen sind, und die mittelst eines eigenen Canals (ductus pneumaticus) meist mit dem Schlunde, seltener mit dem Magen in Verbin - dung steht.

§. 107.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man die Fische überhaupt in See - und Süß-Wasser-Fi - sche. Einige können doch auch zuweilen einige Zeit im Trocknen aushalten, wie der Aal, die Muräne ꝛc. Andere theils in warmen mineralischen Quellen*)S. Sonnerat in Rozier Journal de physique. Avr. 1774. pag. 256 u. f. Buffon Supplement Vol. V. pag. 540 u. f..

§. 108.

Die mehresten Fische, zumahl die in der See leben, sind animalia nocturna, die nähmlich ihren Geschäften zur Nachtzeit nachgehen, am Tage hin - gegen sich mehr in der Tiefe ruhig halten. Daher auch die von Fischen lebenden Insulaner und - sten-Bewohner meist des Nachts auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen ver - ändern in gewissen Jahrszeiten ihren Aufenthalt; so218 steigen viele Seefische um zu leichen in die Buchten und Mündungen der Flüsse; manche derselben aber, wie z. B. die Häringe im nördlichen atlantischen Ocean, machen auch noch außerdem anderweitige Züge zu bestimmten Jahrszeiten und in unermeßli - chen Scharen zwischen den Küsten des westlichen Eu - ropa und des nordöstlichen America*)S. Gilpin's Karte in den Transactions of the Ameri - can philos. Soc. at Philadelphia Vol. II. tab. 5. B..

§. 110.

Die Fische sind größten Theils fleischfres - sende Thiere, und sind, da sie keine eigentliche Füße ha - ben ihre Beute damit zu fassen, mit mancherley an - dern Mitteln ihrer Herr zu werden, versehen. Theils nähmlich mit langen Bartfasern (cirri) am Maule, um damit andere kleine Wasserthiere, wie mit einem Köder zu locken, und gleichsam zu angeln. (So der Sternseher, der Froschfisch ꝛc.) Andere, wie der Chaetadon rostratus, mit einer Spritzröhre, um dadurch die über dem Wasser fliegenden Insecten gleichsam herab zu schießen. Andere, wie drey See - fische, der Zitterrochen, Tetrodon electricus und Trichiurus indicus und die beiden Flußfische, der Zitteraal und der Zitterwels, mit einer besondern erschütternden und betäubenden Kraft ꝛc.

§. 111.

Was die äußern Sinne der Fische betrifft, so muß der Geruch bey vielen überaus scharf seyn, da sie den versteckten Köder in weiter Entfernung aus - wittern. Auch ihr Gehör ist scharf, und sie haben dazu ähnliche Organe, wie die im innern Ohr ande - rer rothblütigen Thiere. Besonders aber zeigen sich mancherley Sonderbarkeiten im Baue ihres Auges,219 zahlreichere Häute, ausschließlich eigne Organe u. dergl. m. *)S. Handbuch der vergl. Anatomie S. 423 u. f. der dritten Aufl.

§. 112.

Ueber die Naturtriebe u. a. Seelenkräfte der Fische läßt sich vor der Hand aus Mangel an richtigen Beobachtungen wenig sagen. Doch weiß man, daß manche, wie z. B. die Forellen, überaus kirre werden**)Baster opusc. subseciva. T. I. L. II. p. 88.; andere, z. B. alte Karpfen, sehr listig und verschlagen sind ꝛc.

§. 113.

Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche An - merkung, die bey den Amphibien gemacht worden ist (§. 91.), daß nähmlich wenigstens die mehresten ei - nem Winterschlaf ausgesetzt sind; aber wohl nur sehr wenige einen bestimmten täglichen periodischen Erhohlungsschlaf haben: wie es z. B. vom Gold - brachsen gesagt wird.

§. 114.

Außer den wenigen lebendig-gebährenden Fischen, wohin der Aal und die so genannte Aalmutter gehö - ren, mögen sich wohl wenige Fische wirklich mit ein - ander paaren; sondern bey den mehresten gibt das Weibchen den Rogen noch unbefruchtet von sich, und das Männchen kommt hierauf nach, um denselben mit seiner Milch zu begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Landwirth - schaft benutzen gelernt, indem man auch aus der künstlichen Vermischung von Eyern und Samen der Lachs-Forellen ꝛc. junge Fische erzielen kann***)S. Hauptm. Jacobi im Hannov. Magazin. v. J. 1765. S. 978. u. f..

220

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsgeschäfte der Fische gehört auch noch, daß manche, wie die Lamprete, durchgehends beiderley Sexualorgane haben, so wie man hingegen bey andern, wie namentlich beym Karpfen, ano - malisch einzeln, wirkliche Zwitter gefunden hat.

§. 115.

Die Vermehrung der meisten Fische ist zum Wunder stark, so, daß ungeachtet die Eyerchen der mehresten in Verhältniß zu ihrer Statur ungleich kleiner sind, als in irgend einer andern Thier-Classe, dennoch bey manchen die Eyerstöcke größer sind, als ihr ganzer übriger Körper. Daher zählt man, z. E. beym Häring, zwischen 20 und 37000, beym Kar - pfen über 200000, bey der Schleihe 383000, beym Flinder über eine Million Eyerchen ꝛc. *)Philos. Transact. vol. LVII. pag. 280.

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, so wie sie aus dem Eye kriechen, noch nicht ihre völlige Gestalt: sondern müssen sich ebenfalls, so wie viele Amphi - bien (§. 94.), erst einer Art von Metamorphose unterziehen, wodurch ihre Flossen u. dergl. m. allge - mach ausgebildet werden.

§. 117.

Die Fische gelangen, im Verhältniß zur Größe ihres Körpers, zu einem hohen Alter. Man weiß von Karpfen, Hechten ꝛc. daß sie anderthalb hun - dert Jahre erreichen können. Doch werden einige kleine Fische, wie z. B. der Stichling ꝛc. nur we - nige Jahre alt.

§. 118.

Die Brauchbarkeit der Fische für den Men - schen ist ziemlich einfach, meist bloß zur Speise;221 aber eben von dieser Seite für einen großen Theil des Menschengeschlechts, der theils fast ganz von die - sen Thieren lebt, von der äußersten Wichtigkeit. Selbst wilde Völker, wie z. B. die Kamtschadalen, Brasilianer ꝛc. wissen die Fische auf die mannigfal - tigste Weise, sogar zu einer Art Mehl, zu Kuchen u. s. w. zu bereiten: und bey vielen, wie z. B. un - ter den Insulanern des stillen Oceans, macht der Fischfang ihr Hauptgeschäft, und in Rücksicht der überaus sinnreichen angemeßnen Geräthschaften, die sie sich dazu erfunden haben wirklich eine Art von nachdenkendem Studium aus. Aber auch für einen großen Theil der cultivirten Erde ist der Fang, z. B. des Härings, Kabeljaus, Thunfisches u. dergl. m. von äußerster Wichtigkeit Der Thran von Hayen, Häringen, Kabeljauen ꝛc. wird häufigst in Lampen gebrannt. Die östlichsten Küstenbewohner des mittlern Asien kleiden sich in gegerbte Lachs - häute. Und manche Theile einiger Fische werden zu technischen Gebrauch und Kunstsachen benutzt; wie z. B. die Schuppen des Ukley zu Glasperlen; Fischhaut von Rochen und Hayen ꝛc. ; Hau - senblase ꝛc.

§. 119.

Den mehresten Schaden thun die Raubfische; zumahl in den Weltmeeren die Haye; und in den süßen Wassern die Hechte. Auch sind manche Fische wenigstens in gewissen Gegenden giftig, so daß ihr Genuß tödtlich werden kann. So zumahl einige Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Die systematische Classification der Fische scheint noch mancher Verbesserung zu bedürfen. Inzwischen222 bringt man sie vor der Hand im Ganzen unter zwey Hauptabtheilungen: nähmlich:

A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei) die keine wahren Gräten haben: und

B) mit Gräten versehene oder eigentlich so genannte Fische (Pisces spinosi).

Die Knorpelfische sondert man in folgende zwey Ordnungen, welche Hr. la Cepede nach dem Daseyn oder Mangel des Kiemendeckels bestimmt, und hiernach die darunter gehörigen Geschlechter ver - theilt: nähmlich:

I. Chondropterygii. Ohne Kiemendeckel.

II. Branchiostegi. Mit Kiemendeckel.

Die eigentlich so genannten Fische aber hat Linné nach der Beschaffenheit und Lage der Bauchflossen geordnet: nähmlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchflossen haben.

IV. Iugulares. Die, deren Bauchflossen vor den Brustflossen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchflossen gerade unter den Brustflossen, und

VI. Abdominales, wo sie hinter diesen sitzen.

Zur N. G. der Fische.

  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium natura. Tig. 1558. fol.
  3. Steph. a. Schonevelde ichthyologia. ꝛc. Hamburg. 1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium, ex ed. Rail. Oxon. 1686. fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium. Lond. 1713. 8. Bat. 1738. 8.
  6. 223
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovianum. Lugd. Bat. 1781. P. I III. fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium. Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et de Marre histoire des poissons (traité des pêches ꝛc.) Par. 1770. sq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch öconomische N. G. der Fische Deutschlands. Berl. 1782. III. B. 4.
  11. Dess N. G. ausländischer Fische. ib. 1785. IX. B. 4.
  12. Ej. Systema ichthyologiae, inchoatum absolvit Io. Gottl. Schneider. Berol. 1801. 8.
  13. de la Cépède histoire naturelle des poissons, Par. seit 1798. V. vol. 4.
  14. G. Ad. Suckow. Anfangsgr. der N. G. der Thiere. IVter Th. Leipz. 1799. II. Bände. 8.
  1. Patr. Russels's Descriptions and Figures of 200 Fisches of the coast of Coromandel. Lond. 183. II. vol. fol.
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physiologie der Fische mit dem Bau des Menschen und der übrigen Thiere. Mit vielen Zusätzen vor P. Camper und J. G. Schneider. Leipzig 1787. 4.
224

I. CHONDROPTERYGII.

Die Knorpelfische dieser Ordnung haben keine Kiemendeckel, und bey den mehresten ist das Maul an der Unterseite des Kopfs befindlich.

1. Petromyzon. Spiracula branchialia 7 ad la - tera colli. Fistula in nucha. Pinnae pecto - rales aut ventrales nullae.

1. . Marinus. die Lamprete. (Fr. la lam - proye. Engl. the lamprey.) P. ore intus papil - loso, pinna dorsali posteriori a cauda distincta.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mittländischen u. a. Mee - ren. Steigt aber auch 8 und mehrere Meilen weit in die Flüsse. Wird wohl auf 3 Fuß lang.

2. . Fluvialitis. die Pricke, Neunauge. P. pinna dorsali posteriore angulata.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als die vo - rige Gattung.

2. Gastrobranchus. Bauchkieme. Spiracula branchialia 2 ventralia. Fistula in rostro. Pinnae pectorales aut ventrales nullae.

Dieses räthselhafte Geschlecht ward ehedem unter dem Namen Myxine den Gewürmen beygezählt.

1. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal. (My - xine glutinosa Linn.)

Bloch tab. 413.

An den Küsten des nördlichen atlantischen Oceans. soll gar keine Augen haben.

225

3. Raia. Roche*)Ueber dieses und die beiden folgenden und das Chimaera - Geschlecht s. Ed. Eichwald de Selachis Aristot. Viln. 1819. 8.. (Fr. raie. Engl. ray.) Spi - racula branchialia 5 subtus ad collum; corpus depressum; os sub capite.

Ein seltsam gebildetes und theils gar wunderbar or - ganisirtes Thiergeschlecht. Manche Arten hat man ehe - dem durch allerhand Künsteley zu vorgeblichen Basilis - ken ꝛc. umgestaltet und aufgetrocknet. Manche scheinen auch bey einiger Aehnlichkeit, die der Untertheil ihres Kopfs mit einem Menschengesichte hat, zu der Sage von Meerjungfern etwas beygetragen zu haben**)S. z. B. des Capuciner Cavazzi pesce donna; in seiner Descrizione di Congo ꝛc. p.52.. Unge - achtet sie nur ein Ey auf einmahl legen, so vermehren sie sich doch so stark, daß der Ocean in manchen Ge - genden gleichsam davon wimmelt. Die Eyer haben eine hornige Schale mit vier Spitzen, und heißen See - Mäuse.

1. Torpedo. der Zitterroche, Krampfisch. (Fr. la torpille. Engl. the crampfish.) R. tota lae - vis maculis dorsalibus 5 orbiculatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 57.

Besonders im mittländischen Meere. Der bekannteste von den so genannten elektrischen Fischen. (§. 110.) Wird an theils Orten gegessen.

2. . Batis. der Glattroche, Baumroche, Flete, Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the skate, flair.) R. varia, dorso medio glabro, cauda unico aculeorum ordine.

Bloch tab. 79.

In den europäischen Meeren. Wird auf zwey Cent - ner schwer. Hat ein vorzüglich schmackhaftes Fleisch.

3. Pastinaca. der Stachelroche, Pfeilschwanz. (Fr. la pastenaque, tareronde, raie baïonette.) Engl. the sting-ray) R. corpore glabro, aculeo longo anterius serrato in cauda, et dorso apterygio.

Bloch tab. 82.

226

In vielen Welt-Meeren. Sein Schwanz-Stachel ist zwar nicht giftig; aber er dient dem Thiere und auch wilden Völkern als Waffen.

4. Squalus. Hay. (Fr. chien de mer. Engl. shark.) Spiracula branchialia 5 ad latera colli. Corpus oblongum teretiusculum. Os in inferiore capitis parte.

1. Acanthias. der Dornhay. (Fr. l'aguillat.) S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis, corpore teretiusculo.

Bloch tab. 85.

In den europäischen Meeren. Hat drey Reihen Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena. der Hammerfisch, Jochfisch. (Fr. le marteau.) S. capite latissimo transverso mal - leiformi.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 99.

In den mehresten Welt-Meeren.

[3]. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin. Engl. the white shark.) S. dorso plano, dentibus ser - ratis.

Bloch tab. 120.

Zumahl häufig im atlantischen Ocean. Wiegt zuwei - len auf zehntausend Pfund, und in seinem Magen hat man wohl eher ganze Pferde gefunden. Hat sechsfache Reihen Zähne in den Kiefern, die (wie überhaupt bey den mehresten Hayen) nicht in die Kinnladen eingekeilt, sondern wie durch eine Art Gelenk mit denselben ver - bunden sind. Die vordere Reihe dieser Zähne macht das eigentliche Gebiß. Die hintern liegen (wenigstens beym jungen Thier) rückwärts gelehrt, gleichsam auf Reserve, damit zufälliger Verlust derer in der vordern Reihe zu wiederhohlten Mahlen ersetzt werden kann.

4. Pristis. der Sägefisch, Schwertfisch. (Fr. la scie de mer. Engl. the saw fish.) S. pinna ani nulla, rostro ensiformi osseo plano utrinque dentato.

Bloch tab. 120.

227

Unter andern im nördlichen atlantischen Ocean. Das breite schwertförmige, oft mehrere Ellen lange Gewehr, das dieses Thier vor dem Kopfe führt, ist an beiden Seiten-Rändern mit 24 oder mehreren starken einge - keilten Zähnen besetzt.

5. Lophius. Seeteufel (Fr. baudroie, di - able de mer. Engl. sea-devil) Pinnae pec - torales branchiis insidentes. Spiracula solita - ria pone brachia.

1. . Piscatorius. der Froschfisch. (rana pisca - trix. Fr. la grenouille pecheuse. Engl. the frog-filsh.) L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den europäischen Küsten. Der ungeheuere Kopf, der die größere Hälfte des ganzen Thiers ausmacht, und dann die fleischigen Angelfaden am Maule (§. 110.) geben ihm ein auffallendes Ansehen.

6. Balistes. Hornfisch. Caput compressum. Apertura supra pinnas pectorales. Corpus compressum, squamis corio coadunatis. Ab - domen carinatum.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife.) B. pinna capitis biradiata, corpore posterius sub - villoso.

Bloch tab. 148. fig. 1.

In beiden Indien.

7. Chimaera. Spiracula solitaria, quadripartita, sub collo. Oris labium superius quinquepar - titum. Dentes primores incisores bini supra infraque.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis pertusis.

Bloch tab. 124.

Im nördlichen atlantischen Ocean.

228

II. BRANCHIOSTEGI.

Die mit Kiemendeckeln versehenen Knorpelfische.

8. Acipenser. Spiracula lateralia solitaria. linea - ria. Os sub capite, retractile, edentulum. Cirri quatuor sub rostro ante os.

1. . Sturio. der Stör. (Fr. l'esturgeon. Engl. the sturgeon.) A. squamis dorsalibus 11.

Bloch tab. 88.

In allen europäischen Meeren, auch im caspischen ꝛc. in der Wolga, im Nil ꝛc. Macht nebst den übrigen Gattungen dieses Geschlechts so wohl wegen des Flei - sches, als des aus dem Rogen bereiteten Caviars, für viele Völker einen wichtigen Fang aus, und kann ge - gen tausend Pfund schwer werden. Oft ziehen ihrer eine Menge in schmalen aber langen Zügen hinter ein - ander, und das soll Anlaß zu der fabelhaften Sage von ungeheueren nordischen Seeschlangen gegeben haben.

2. Ruthenus. der Sterlet. A. squamis dorsa - libus 15.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich am häu - figsten im caspischen Meer und in der Wolga, aber selten über 30 Pfund schwer.

3. Huso. der Hausen, Beluga. (Antacaeus.) A. squamis dorsalibus 13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist nebst dem Wels wohl der größte Süß-Wasserfisch, und vor - züglich wegen des Fischleims oder der Hausenblase merkwür - dig, die man besonders aus der Schwimmblase dessel - ben, doch auch aus dem Stör und noch aus einer an - dern Gattung dieses Geschlechts, nähmlich der Sewruge (Acipenser stellatus), die auch das beste Caviar gibt; ja theils auch aus der Schwimmblase des Wels, u. a. bereitet.

229

9. Ostracion. Panzerfisch (Fr. poisson coffre. ) Corpus osse integro loricatum. Pin - nae ventrales nullae.

1. Bicuspis. O. trigonus, spinis dorsalibus duabus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 58.

An den Küsten von Schina, und, wenn anders der O. stellifer nicht eine eigene Gattung ist, auch in America.

2. Triqueter. O. trigonus muticus.

Bloch tab. 130.

So wie der folgende in Ostindien.

3. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontalibus sub - caudalibus binis.

Bloch tab. 133.

In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier, dessen Panzer aufs regelmäßigste, meist mit Sechsecken wie Bienenzellen, bezeichnet ist.

10. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus subtus muricatum. Pinnae ventrales nullae.

1. Lagocephalus. (Fr. le poisson souffleur.) T. abdomine aculeato, corpore laevi, humeris promi - nentibus.

Bloch tab. 140.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind die, so man oben im Flusse landeinwärts fängt, ein gefun - des gutes Essen. Hingegen die nahe an der See, in der Mündung des Stroms, sehr giftig.

2. Electricus. T. corpore maculoso; pinnis viri - dibus.

Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II. tab. 13.

Einer von den fünf bis jetzt bekannten elektrischen Fi - schen. (§. 110.) In Ostindien an der St. Johanna - Insel.

230

3. Hispidus. der Kugelfisch. (orbis. Engl. the moon-fish. ) T. totus hispidus, papillis setaceis.

Bloch tab. 142.

Im rothen Meere ꝛc. Aber auch in den süßen Was - sern der benachbarten Länder.

4. Mola. der Klumpfisch. (Fr. la lune de mer. Engl. the sun-fish. ) T. laevis com - pressus, cauda truncata: pinna brevissima dorsali analique annexa.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. I.

Häufig im mittländischen und atlantischen Meere. Wiegt zuweilen auf fünf Centner. Hat den deutschen Namen von seiner unförmlichen Gestalt; den französi - schen und englischen aber von dem starken phosphorischen Schein, womit die Seiten und der Unterleib des leben - digen Fisches leuchten.

11. Diodon. Corpus spinis acutis mobilibus un - dique adspersum. Pinnae ventrales nullae.

1. Hystrix der Stachelfisch, Guara. (Engl. the porcupine-fish.) D. oblongus, aculeis tere - tibus.

Bloch tab. 126.

Zumahl im atlantischen Ocean: namentlich auch an den nordamericanischen Küsten.

12. Cyclopterus. Bauch-Sauger. Caput ob - tusum. Pinnae ventrales in orbiculum con - natae.

1. . Lumpus. der See-Hase, Klebpfost, Haf - padde. (Fr. le lievre de mer. Engl. the lump - sucker.) C. corpore squamis osscis angulato.

Bloch tab. 90.

In den nördlichen Meeren der alten Welt. Hängt sich mit seinem gerippten flachen Brustschilde aufs festeste an die Klippen, Schiffe u. s. w. an.

231

13. Centriscus. Messer-Fisch. Caput pro - ductum in rostrum angustissimum. Abdomen carinatum. Pinnae ventrales unitae.

1. [scolopax]. die Meer-Schnepfe. C. corpore squamoso scabro, cauda recta extensa.

Bloch tab. 123 fig. 1.

Im mittländischen Meer ꝛc.

14. Syngnathus. Rostrum subcylindricum, ore operculato, maxilla inferiore mobiliore. Cor - pus cataphractum. Pinnae ventrales nullae.

1. Acus. die Meer-Nadel, Sack-Nadel. (Engl. the pipe.) S. pinnis caudae ani pectoralibusque radiatis; corpore septem-angulato.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord - und Ostsee ꝛc.

2. Hippocampus. das See-Pferdchen, die See - Raupe. (Fr. le cheval marin. Engl. the sea - horse.) S. pinna caudae quadrangulae nulla, cor - pore septemangulato tuberculato.

Bloch tab. 116. fig. 3.

Einer der weitst verbreiteten Seefische. Hat seinen Namen, weil der Vordertheil einem Pferdekopf und Hals, das hintere Ende aber einer Raupe verglichen worden. Im Tode krümmt es sich wie ein S, und ähnelt so dem Springer im Schach.

15. Pegasus. Os proboscide retractili. Rostrum ensiforme, lineare. Corpus articulatum osseis incisuris, cataphractum. Pinnae ventrales ab - dominales.

1. Draconis. der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustflossen ähneln ausgespannten Flügeln, und mögen wohl den Namen veranlaßt haben.

232

III. APODES.

Diese und die drey folgenden Ordnungen begrei - fen nun die mit Gräten versehenen oder eigentlich so genannten Fische. Und zwar hier diese, die so gar keine Bauchflossen haben.

17. Muraena. Caput laeve. Nares tubulosae. Membr. branch. radiis 10, corpus teretiuscu - lum, lubricum. Pinna caudalis coadunata dorsali anique. Spiracula pone caput vel pin - nas pectorales.

1. Helena. die Muräne. M. pinnis pectoralibus nullis.

Bloch tab. 153.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wärmern Mee - ren beider Welten.

2. . Anguilla. der Aal. (Fr. l'anguille, Engl. the eel.) M. maxilla inferiore longiore, corpore unicolore.

Bloch tab. 73.

Einer der allgemeinst verbreiteten Flußfische beider Welten. Geht zuweilen aus Land auf Wiesen, ins Ge - treide ꝛc. Hat ein zähes Leben, und das ihm ausge - schnittene Herz behält wohl noch 40 Stunden lang seine Reitzbarkeit. Nach den genauesten Beobachtungen gebiert er sicher lebendige Junge*)s. Voigt's neues Magazin XII. B. S. 519 /.

[18]. Gymnotus. Caput operculis lateralibus. Ten - tacula duo ad labium superius. Membr. branch. radiis 5; corpus compressum, subtus pinna ca - rinatum.

1. Electricus. der Zitteraal, Zitterfisch, Drill - fisch (Fr. l'anguille electrique.) G. nudus,233 dorso apterygio, pinna caudali obtusissima anali connexa.

Bloch tab. 156.

Besonders bey Surinam und Cayenne, wo ihn van Berkel*)s. Sammlung seltener u. merkw. Reisegeschich - ten. I. Th. Memmingen, 1789. 8. S. 220. zuerst bekannt gemacht hat. Ungefähr Mannslang**)Eine malerische Schilderung der wundersamen Weise, wie die Indianer Maulthiere und Pferde in die von Zitteraalen wim - melnde Sümpfe treiben, damit diese sich erst ihrer erschütternden Kraft entladen und bald darauf ohne Gefahr gefangen werden können, s. in Alex. von Humboldt's Ansichten der Natur 1. B. S. 57 u. f..

[19]. Trichiurus. Caput porrectum, operculis la - teralibus. Dentes ensiformes, apice semisa - gittati: primores maiores. Membr. branchio - stega radiis 7. Corpus compresso-ensiforme. Cauda subulata, aptera.

1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beiden Indien.

2. Indicus. T. mandibulis aequalibus.

Willoughby App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein elektrischer Fisch. (§. 110.)

[20]. Anarrhichas. Caput obtusiusculum. Den - tes primores supra infraque conici, divergen - tes, sex pluresve, molares inferiores palatique rotundati. Membr. branch. radiis 6. Corpus teretiusculum, pinna caudae distincta.

1. . Lupus. der Klippfisch, Seewolf, Stein - beißer. (Engl. the ravenous.) A. pinnis pec - toralibus amplis subrotundis.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

234

[21]. Ammodytes. Caput compressum. Labium superius duplicatum, dentes acerosi. Membr. branch. rad. 7 corpus teretiusculum, cauda distincta.

1. . Tobiannus der Sandfisch, Sandaal, To - biasfisch, Sandspier. (Engl. the sandlaunce) A. maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 75. fig. 2.

Ebenfalls am nördlichen Europa. Wühlt sich in den Küstensand, wo er in England und Holland in Menge herausgestochen wird.

[22]. Ophidium. Caput nudiusculum. Dentes ma - xillis, palato, faucibus. Membr. branch. ra - diis 7 patula. Corpus ensiforme.

1. . Imberbe. der Nugnoge, Fünffingerfisch. O. maxillis imberbibus, cauda obtusiuscula.

Britisch Zoology. App. tab. 93.

Häufig an Austerbänken, da er der gefährlichste Feind der Austern seyn soll. Wird nicht selten in fest ge - schloßnen Austerschalen gefunden*)Götting. gel. Anz. v. J. 1771. S. 1321 u. f..

[23]. Stromateus. Caput compressum. Dentes in maxillis, palato. Corpus ovatum, latum, lubricum. Cauda bifida.

1. Paru. S. unicolor.

Bloch tab. 160.

An America.

[24]. Xiphias. Caput maxilla superiore termina - tum rostro ensiformi. Os edentulum. Membr. branch. rad. 8; corpus teretiusculum, alepi - dotum.

1. . Gladius. der Schwertfisch, Hornfisch. (Fr. l'épée de mer, empereur, espadon. Engl.235 the sword-fish, whale killer.) X. mandibula in - feriore acuta, triangulari.

Bloch tab. 76.

In den nördlichen sowohl als südlichen Meeren. Wird mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und hält dann gegen 5 Centner an Gewicht. Hat ein sehr schmackhaf - tes Fleisch und macht besonders für die Calabrischen und Sicilianischen Fischer einen wichtigen Fang*)Jac. Ph. D'Orville Sicula T. I. p. 272. u. f..

24. Leptocephalus. Caput exile. Corpus elon - gatum, tenuissime compressum. Pinnae pec - torales minutae.

1. Morrisii.

Leach's zoolog. miscell. vol. III. taa. 126.

An den englischen Küsten, wie ein schmaler hell durch - scheinender Rieme**)Eine verwandte Gattung dieses gar sonderbaren Geschlechts, von der südafricanischen Küste, verdanke ich der Güte des Herrn Pastor primar. Hesse..

236

IV. JUGULARES.

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den Brust - flossen sitzen.

25. Callionymus. Caput labio superiore dupli - cato; oculi approximati. Membr. branchio - stega rad. 6.; apertura nuchae foraminibus respirante. Opercula clausa. Corpus nudum. Pinnae ventrales remotissimae.

1. Lyra. (Fr. le lacert Engl. the piper.) C. dorsalis prioris radiis longitudine corporis.

Bloch tab. 161.

Im atlantischen Ocean.

26. Uranoscopus. Caput depressum, scabrum, maius. Os simum, maxilla superior brevior. Membr. branch. rad. 5; anus in medio.

1. Scaber. der Sternseher. (Fr. le boeuf. Engl. the star-gazer.) U. cirris multis in ma - xilia inferiore.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mittländischen Meere.

27. Trachinus. Caput scabriusculum, compres - sum. Membr. branch. rad. 6; anus prope pectus.

1. . Draco das Petermännchen. (Fr. la vive. Engl. the wever, stingfish) Trachinus.

Bloch tab. 61.

Im mittländischen Meere, in der Nordsee ꝛc.

28. Gadus. Corpus laeve. Membr. branch. rad. 7 teretibus; pinnae cute communi vesti - tae, pectorales acuminatae.

237

1. . Aeglefinus. der Schellfisch. (Engl. the had - dock.) G. tripterygius cirratus albicans, cauda biloba, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nördlichen europäischen Ocean, vorzüglich aber an den englischen und schottischen Küsten. Viele Fische phosphoresciren unter gewissen Umständen nach dem Tode: bey diesem hier ist aber dieses Leuchten zu - weilen von ganz auffallender Stärke und langanhalten - der Dauer*)s. Osiander's Denkwürdigkeiten für die Heilkunde u. Geburtshülfe. I. B. S. 417 u. f..

2. Callarias. der Dorsch. G. tripterygius cir - ratus varius, cauda integra, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 63.

Hat meist gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. . Morrhua. der Kabeljau, Steinfisch. Baccaljao. (Asellus. Fr. la morue. Engl. the cod - fish) G. tripterygius cirratus, cauda subaequali, radio primo anali spinoso.

Bloch tab. 64.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Namen mehrere verwandte Gattungen dieses Geschlechts begrif - fen, die wegen der unsäglichen Menge und wegen der mannigfaltigen Zubereitung (als Stockfisch, als La - berdan, und als Klippfisch) und langen Conservation ꝛc. von der äußersten Wichtigkeit sind. Sie finden sich vor - züglich in den nördlichen Gegenden, beides des stillen und atlantischen Oceans, wo sie besonders um Labrador, Neu - Fundland, auch um Island und an den Nordküsten von Großbritannien den wichtigsten Fischfang ausmachen**)du Hamel Traité général des pêches. P. II. sect. I. p. 36. sq..

4. . Merlangus. der Witling, Gadde. (Fr. le merlan. Engl. the whiting.) G. tripterygius imberbis albus, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 65.

238

In den europäischen Meeren.

5. . Lota. die Quappe, Drusche, Rutte, Aal - raupe, Aalputte. (Fr. la lote, Engl. the burbot.) G. dipterygius cirratus, maxillis aequa - libus.

Bloch tab. 70.

Vorzüglich in den Schweizer-Seen. Einer der schmack - haftesten deutschen Fische.

29. Blennius. Schleimfisch Caput declive, tectum. Membr. branch. rad. 6. corpus lan - ceolatum, pinna ani distincta.

1. . Viviparus. die Aalmutter. B. ore ten - taculis duobus.

Bloch tab. 72.

Im mittländischen Meere, in der Nordsee ꝛc. Gebiert lebendige Junge.

239

V. THORACICI.

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter den Brustflossen sitzen.

30. Cepola. Caput subrotundum compressum. Os simum, dentes curvati, simplici ordine. Membr. branch. radiis 6, corpus ensiforme, nudum, abdomine vix capitis longitudine.

1. Taenia. der Bandfisch. (Fr. le ruban) C. pinna caudae attenuata, capite obtusissimo.

Bloch tab. 170.

Im mittländischen Meere.

31. Echeneis. Caput depressum, supra planum marginatum, transverse sulcatum. Membr. branch. rad. 10.

1. Remora. der Saugefisch. (Fr. le sucet. Engl. the sucking-fisch. ) E. cauda bifurca, striis capi - tis 18.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 78.

In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare Thier kann sich mittelst des quergestreiften Hinterkopfs aufs festeste an Schiffe, Hayfische ꝛc. anhalten. Daher die alte Fabel, daß ein einziger ein Schiff in vollem Lauf zu hemmen vermöge.

32. Coryphaena. Caput truncato-declive. Membr. branch. rad. 5; pinna dorsalis longitudine dorsi.

1. Hippurus. der Goldkarpfe. (Fr. la dorade. Engl. the dolphin.) C. cauda bifida, radiis dor - salibus 60.

Bloch tab. 174.

Im atlantischen Meere. Ein prachtvolles Thier, das besonders im Sterben in wunderschöne Farben (aus dem Gelben ins Blaue und Purpurrothe ꝛc. ) spielt.

240

33. Gobius. Caput poris 2 inter oculos appro - ximatos, altero anteriore. Membr. branch. radiis 4; pinnae ventrales unitae in ovatam.

1. . Niger. die Meergrundel. G. pinna dorsali secunda radiis 14.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2. 5.

Im atlantischen und indischen Ocean.

34. Cottus. Caput corpore latius, spinosum. Membr. branch. rad. 6.

1. . Cataphractus. der Knurrhahn, Stein - picker. (Engl. the pogge.) C. loricatus rostro verrucis bifidis, capite subtus cirroso.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

An den nördlichen Küsten von Europa und America.

2. . Gobio. der Kaulkopf, Rotzkolbe, Gropp, Kruppe. (Fr. le chabot. Engl. the bull-head, the miller's thumb.) C. laevis, capite spinis duabus.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner europäischer Flußfisch. Das Weib - chen scharrt sein Leich in eine Höhle am Grund, und bewacht es bis die Jungen ausgekrochen sind aufs sorg - fältigste.

35. Scorpaena. Caput magnum, aculeatum. Oculi vicini. Dentes maxillis, palato, faucibusque. Membr. branch. radiis 7.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

36. Zeus. Caput compressum, declive. Labium superius membrana transversa fornicatum. Lin - gua subulata. Membr. branch. radiis 7 per - pendicularibus: infimo transverso. Corpus compressum.

241

1. Vomer. (Engl. the silvery dory) Z. cauda bifurca, spina ante pinnam analem dorsalemque recumbente.

Bloch tab. 193.

2. Faber. (Engl. the doree, dory.) Z. cauda ro - tundata; lateribus mediis ocello fusco; pinnis ana - libus duabus.

Bloch tab. 41.

Beide im atlantischen Meer.

37. Pleuronectes. Butte, Scholle, Halb - fisch. (Fr. sole. Engl. flounder. ) Oculis utrisque in eodem latere frontis. Membr. branch. rad. 4 7. Corpus compressum, latere altero dorsum, altero abdomen referente.

Die Schollen sind die einzigen Thiere die ihre bei - den Augen auf einer Seite des Kopfs haben; manche Gattungen nähmlich auf der rechten, andere auf der linken; sehr selten finden sich Mißgeburten unter ihnen, die anomalisch auf der unrechten Seite ihre Au - gen haben. Auch beide Nasenlöcher sitzen ebenfalls so schief seitwärts. Sie schwimmen in einer schrägen Lage, die Augenseite in die Höhe gerichtet.

1. . Platessa. die Scholle, Plateis, Gold - butte. (passer. Fr. la plie. Engl. the plaise.) P. oculis dextris, corpore glabro, tuberculis 6 capitis.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nördlichen Meeren.

2. . Flesus. der Flünder. (Engl. the floun - der.) P. oculis dextris, linea laterali aspera, spi - nulis ad pinnas.

Bloch tab. 44.

3. . Limanda. die Glahrke, Kliesche (Engl. the dab.) P. oculis dextris, squamis ciliatis, spi - nulis ad radicem pinnarum dorsi anique, denti - bus obtusis.

Bloch tab. 46

242

4. . Hippoglossus. die Heiligbutte. (Fr. le fletang. Engl. the holibut.) P. oculis dextris, corpore toto glabro.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht; unter andern in größter Menge im nördlichen stillen Ocean.

5. . Maximus. die Steinbutte (Fr. und Engl. turbot.) P. oculis sinistris, corpore aspero.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige. Einer der schmack - haftesten Fische.

38. Chaetodon. Dentes (plurimis) setacei, fle - xiles confertissimi, numerosissimi. Membr. branch. radiis 6; corpus pictum, pinna dorsi anique carnosa squamosa.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pinnae dor - salis 9, maculaque ocellari; rostro cylindrico.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in eine Röhre, wodurch das Thier die Insecten, die an aller - hand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt, daß sie herabfallen und ihm zur Speise werden müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis dorsa - libus 11, radio dorsali quarto filiformi longissimo.

Bloch tab. 200.

In Ostindien.

39. Sparus. Brachse. Dentes primores robu - sti, molares obtusi, conferti. Labia simplicia. Membr. branch. rad. 5; corpus compressum. Pinnae pectorales acuminatae.

1. Aurata. der Goldbrachsen. S. lunula aurea inter oculos.

Bloch tab. 266.

243

Im mittländischen und atlantischen Meer. Hat fast in allen Sprachen seinen Namen von dem goldfarbigen halben Monde vor den Augen.

2. Sargus. der Greißbrachsen. S. ocello sub - caudali, corpore fasciis nigris.

Bloch tab. 264.

Im mittländischen Meer. Die Männchen sollen zur Begattungszeit sehr hitzig wie Säugethiere oder - gel um ihre Weibchen kämpfen.

3. Pagrus. der Seebrachse. S. rubescens, cute ad radicem pinnarum dorsi et ani in sinum pro - ducta.

Bloch tab. 267.

Einer der allgemeinst verbreiteten Seefische. Zuwei - len giftig.

40. Labrus. Lippfisch. Dentes acuti, labia duplicata magna. Membr. branch. rad. 6; pinnae dorsalis radii postice ramento filiformi aucti. Pectorales rotundatae.

1. Iulis. der Meerjunker. L. lateribus caeru - lescentibus, vitta longitudinali fulva utrimque dentata.

Bloch tab. 287.

Im mittländischen Meer. Nur Fingers lang, von ausnehmend schönen Farben. Wird den Badenden durch seinen Biß lästig.

41. Sciaena. Caput totum squamis obtectum. Membr. branch. rad. 6; opercula squamosa. Corpus: fossula dorsi pro pinna dorsali recon - denda.

1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco-albescente.

Bloch tab. 297.

Wie so viele andere Gattungen dieses Geschlechts im rothen Meere.

244

42. Perca. Opercula spinosa, antrorsum ser - rata. Membr. branch. rad. 7; corpus pinnis spinosis. Linea lateralis cum dorso arcuata.

1. . Fluviatilis. der Barsch. (Fr. la perche. Engl. the perch. ) P. pinnis dorsalibus distinc - tis, secunda radiis 16.

Bloch tab. 52.

In Europa und Nordasien.

2. . Lucioperca. der Zander, Sandbarsch, Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis, secunda radiis 23.

Bloch tab. 51.

So wie der folgende im nördlichen Europa. Hier diese Gattung vorzüglich schmackhaft, vor allen die im Plattensee in Ungarn. Von ansehnlicher Größe in der Donau.

3. . Cernua. der Kaulbarsch. (Engl. the ruffe.) P. pinnis dorsalibus unitis radiis 27; spinis 15; cauda bifida.

Bloch tab. 53. fig. 2.

43. Gasterosteus. Membr. branch. rad. 3; cor - pus ad caudam utrimque carinatum. Pinnae ventrales pone pectorales, sed supra sternum.

1. . Aculeatus. der Stichling. (spinarella. Engl. the stickleback.) G. spinis dorsalibus tribus.

Bloch tab. 53. fig. 3.

In Europa; wird fast bloß zum Mästen der Schweine und statt Dünger gebraucht.

2. Ductor. der Lootsmann. (Fr. le pilote. Engl. the pilot-fish.) G.. spinis dorsalibus 4 membrana branchiostega 7-radiata.

Der berühmte kleine Fisch der sich immer als Beglei - ter oder Vorläufer beym furchtbaren Requin (Squalus earcharias) findet. Einige Uebertreibungen abgerechnet245 ist die Hauptsache neuerlich durch treffliche Beobachter vollkommen bestätigt*)s. Geoffroy-Saint-Hilaire sur l'affection mutuelle de quelques animaux, in seinen Mémoires d'histoire naturelle S. 5 u. f..

44. Scomber. Caput compressum, laeve. Membr. branch. rad. 7; corpus laeve, linea laterali postice carinatum. Pinnae spuriae saepe ver - sus caudam.

1. . Scomber. die Makrele. (Fr. le maque - reau. Engl. the mackrel.) S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

Im nordischen und atlantischen Meer ꝛc. Wie der folgende ein gefräßiger aber sehr schmackhafter Raubfisch. Von beiden machten die Alten ein vorzügliches Garum.

2. Pelamys. die Bonite. S. pinnulis inferiori - bus 7; abdomine lineis utrimque 4 nigris.

In allen wärmern Welt-Meeren. Auch dieses Thier phosphorescirt nach dem Tode zuweilen sehr stark, und kann dann so wie manche andere Fische und deren Thran ꝛc. zum Leuchten des Seewassers beytragen.

3. . Thynnus. der Thunnfisch. (Fr le thon. Engl. the tunny.) S. pinnulis utrimque 8.

Bloch tab. 55.

In der Nordsee, dem mittländischen Meer, Ost - und Westindien ꝛc. Wird über Manns lang, und dann wohl gegen 5 Centner schwer. Ist zuweilen giftig**)Von seinem wichtigen Fang s. Houel voyage pittoresque de Sicile. ꝛc. Par. 1782. fol. vol I. tab. XXVIII XXX.. Ihm ähnelt die zumahl aus den Südsee-Reisen be - kannte Albicore.

45. Mullus. Caput compressum, declive, squa - mis tectum. Membr. branch. rad. 3; corpus squamis magnis facile deciduis.

1. Barbatus. die Rothbarbe, die Meerbarbe. (trigla. Fr. le surmulet.) M. cirris geminis, cor - pore rubro.

Bloch tab. 348. fig. 2.

246

Zumahl im mittländischen Meere. Ungefähr fußlang. Berühmt wegen des Luxus, den weiland die römischen Schwelger damit getrieben, so wie wegen des physiolo - gisch merkwürdigen wundersamen Farbenspiels, das die - ser Fisch (so wie der Goldkarpfe S. 239 u. ei - nige andere) im sterben zeigt*)Seneca quaestion. natural. l. III. c. 17. sq. .

Der M. surmuletus (Bloch tab 47.) scheint mir nach genauer Vergleichung gar nicht specifisch von dieser Gattung verschieden.

46. Trigla. Seehahn. Caput loricatum lineis scabris. Membr. branch. rad. 7; digiti liberi ad pinnas pectorales.

1. Volitans. T. digitis vicenis membrana palmatis.

Bloch tab. 351.

Einer der fliegenden Fische in den mildern Welt - Meeren.

247

VI. ABDOMINALES.

Die, deren Bauchflossen hinter den Brustfloß - federn sitzen. Die mehresten Süßwasserfische sind aus dieser Ordnung.

47. Cobitis. Oculi in suprema capitis parte. Membr. branch. rad. 4 6; cauda versus pin - nam minus angustata.

1. Anableps. C. cirris 2; capite depresso, oculis prominulis.

Bloch tab. 361.

Bey Surinam. Gebiert lebendige Junge, und wird besonders durch den ganz einzigen Bau seiner gleichsam in zwey Abschnitte halbirten Hornhaut des Auges, und übrige Einrichtung der Augäpfel, merkwürdig*)Detm. W. Soemmerring de oculor. hominis et animalium sectione horizontali. Gotting. 1818. fol. pag. 68 sqq. tab. III..

2. . Barbatula. der Schmerling, Grundel, Bartgrundel. (Fr. la loche. Engl. the lo - ach.) C. cirris 6, capite inermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

In mehrern Spielarten, mit und ohne Bartfäden ꝛc. Die größten finden sich in der Aar in der Schweiz.

3. . Fossilis. der Wetterfisch, Peizker, Schlammpeizker, die Pipe, Steinpietsche, Kurrpietsche. C. cirris 6, spina supra oculos.

Bloch tab. 31. fig. 1.

In Europa. Kann wie der Knurrhahn einen Laut von sich geben. Wenn man ihn in Gläsern, mit Sand am Boden, erhält, so wird er bey bevorstehender Wet - terveränderung unruhig**)Leisler im Sylvan, von Laurop und Fischer, für d. J. 1814. S. 139..

248

48. Silurus. Caput nudum. Os cirris filiformi - bus tentaculatum. Membr. branch. rad. 4-14; radius pinnarum pectoralium aut dorsalis pri - mus spinosus, retrodentatus.

1. Glanis. der Wels, Schaidfisch. S. pinna dorsali unica mutica, cirris 6.

Bloch tab. 34

In den mildern Strichen der alten Welt. Nebst dem Hausen der größte Süßwasser-Fisch, der wohl 3 Cent - ner am Gewicht hält, und wegen des unförmlich großen und breiten Kopfes und der langen Bartfäden ein son - derbares Ansehen hat.

2. Cataphractus. S. pinna dorsali postica unira - diata, squamis ordine simplici, cirris 6, cauda integra.

Catesby vol. III tab. 19.

In Nordamerica.

3. Electricus. der Zitter-Wels, Raasch. (Fr. le trembleur.) S. pinna dorsali unica lumbari, re - mota absque radiis, cirris 6.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris, 1792. tab. 20.

Ebenfalls ein elektrischer Fisch. (§. 110.) Findet sich im Nil und mehrern andern africanischen Flüssen. Wird ungefähr 20 Zoll lang. Ist eßbar.

49. Loricaria. (Fr. cuirassier.) Caput laeve depressum. Os edentulum retractile. Membr. branch. radiis 6; corpus cataphractum.

1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Südamerica.

50. Salmo. Caput laeve. Dentes in maxillis, lingua. Membr. branch. rad. 4 10; pinna dorsalis postica adiposa: pinnae ventrales mul - tiradiatae.

249

1. Salar. der Lachs, Salm. (Fr. le saumon. Engl. the salmon.) S. rostro ultra inferiorem maxillam prominente.

Bloch tab. 20. 98.

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils wie auf Labrador und im Amur-Lande in unsäglicher Menge. Hält sich des Sommers in den Flüssen, im Winter aber in der See auf. Wächst wohl unter den Fischen am schnellsten. Nur die Männchen haben einen gebo - genen Unterkiefer. Die Weiber der Orotchys-Tun - gusen wissen die Lachshäute durch Gerben ausnehmend geschmeidig zu machen, um sich damit zu kleiden.

2. . Trutta. die Lachs-Forelle. (Fr. la truite saumonée. Engl. the sea trout.) S. ocellis ni - gris iridibus brunneis, pinna pectorali punctis 6.

Bloch tab. 21.

An den Küsten und in den Flüssen von Europa. Wird 8 bis 10 Pfund schwer.

3. . Fario. die Forelle. (Fr. la truite. Engl. the trout.) S. maculis rubris, maxilla inferiore sublongiore.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen Waldbächen des gebirgigen mildern Europa und Asien. Wird selten über 2 Pfund schwer. Variirt sehr an Farbe und Geschmack.

4. . Alpinus. die Alpenforelle, der Roth - fisch. S. dorso nigro lateribus caeruleis, ventre fulvo.

Bloch tab. 104.

Im alpinischen und nördlichen Europa. Ein wichti - ges Thier für die Schwedischen Lappen, deren beynahe einzige Nahrung es zu Zeiten ausmacht; lebt großen - theils von Mücken (culex pipiens).

5. . Eperlanus. der große Stint, Alander. (Engl. the smelt.) S. capite diaphano, radiis pinnae ani 17.

Bloch tab. 28. fig. 2.

Im nördlichen Europa. Fast durchscheinend. Ihm ähnelt der so genannte grönländische Häring, Angmar -250 set (Salmo arcticus) den die Grönländer nächst ih - rer Hauptnahrung, dem Seehundfleische, in größter Menge gleichsam als Brot oder Kuchen verzehren.

6. . Lavaretus. der Gangfisch, Schnepel, Weißfisch. S. maxilla superiore longiore, radiis pinnae dorsi 14.

Bloch tab. 25.

In der Nord - und Ostsee; auch in der Hudsons - bay. Dahin gehören vermuthlich auch die Felchen, und der Aalbock im Thuner-See, der mit der Ferra des Genfer-Sees einerley zu seyn scheint.

7. . Thymallus. die Aesche. (Fr. l'ombre.) S. maxilla superiore longiore, pinna dorsi radiis 23.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

51. Fistularia. Caput: rostrum cylindricum, apice maxillosum. Membr. branch. radiis 7; corpus ....

1. Tabacaria. F. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

Das so gar sonderbar gebildete Thier mit winzig - kleinem Maule an einer mächtig langen Schnauze fin - det sich an den östlichen Küsten vom wärmern America und an Neuholland.

52. Esox. Caput supra planiusculum: mandi - bula superiore plana breviore, inferiore punc - tata: dentes in maxillis, lingua. Membr. branch. rad. 7-12.

1. . Lucius. der Hecht. (Fr. le brochet. Engl. the pike.) E. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

In vielen Flüssen und Seen von Europa, Asien und Nordamerica. Einer der gefräßigsten Raubfische, der nicht nur andere Fische, sondern auch allerhand Am - phibien, Kröten ꝛc. viele Wasservögel und kleine Säu - gethiere, auch zuweilen gar Krebse verschlingt.

251

2. . Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie. Engl. the garpike.) E. rostro utraque maxilla subulato.

Bloch tab. 33.

In den europäischen Meeren, theils in unsäglicher Menge. Hat grünliche Gräten, die durchs Sieden gras - grün werden.

53. Polypterus. Membr. branch. radio unico. Spiracula utrinque bina in vertice. Pinnae dorsales numerosae.

1. Bichir.

Geoffroy-Saint-Hilaire Mémoires d'hi - stoire naturelle tab. 5.

Im Nil. Ungefähr zwey Spannen lang, von meer - grüner Farbe, wie mit knöchernen Schuppen gepanzert. Seine zahlreichen Rückenflossen (16 und darüber); und die gleichsam wie an Beinen ansitzenden Brust - und Bauchflossen, so wie noch mehrere auffallende Eigenhei - ten zeichnen dieses sonderbare Thier zu einem eigenen Geschlechte aus.

54. Elops. Caput laeve. Dentium scabrities in maxillarum margine, palato. Membr. branch. radiis 30; praeterea exterius in medio armata dentibus 5.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

55. Argentina. Dentes in maxillis, lingua. Membr. branch. radiis 8. Corpus ano caudae vicino. Pinnae ventrales multiradiatae.

1. Carolina. A. pinna anali radiis 15.

Catesby vol. II. tab. 24.

Hat den Namen von ihrem Vaterlande.

252

56. Atherina. Caput maxilla superiore planiu - scula. Membr. branch. radiis 6. Corpus fascia laterali argentea.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393. fig. 3.

Im mittländischen Meere.

57. Mugil. Caput: Labia membranacea; infe - rius introrsum carinatum. Dentes nulli. Den - ticulus inflexus supra sinus oris. Membr. branch. rad. 7. curvis. Opercula laevia ro - tundata. Corpus albicans.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quinque - ardiata.

Bloch tab. 394.

Im mittländischen u. a. Meeren.

58. Exocoetus. Caput squamosum, maxillis utro - que latere connexis. Membr. branch. radiis 10. Corpus albicans, abdomen angulatum, pinnae pectorales maxime volatiles, radiis an - tice carinatis.

1. Volitans. der fliegende Häring. E. abdo - mine utrinque carinato.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Ist zahnlos. Findet sich meist in allen wärmern Weltmeeren; theils in großen Scharen.

Die seltenste Gattung dieses Geschlechts, der Exocoe - tus mesogaster ( Abbild. n. h. Gegenst. tab. 100. ) die zumahl im Westen des atlantischen Oceans zu Hause ist, zeichnet sich außer den gezähnelten Kiefern, auch durch die Stellung der Bauchflossen an der Mitte des Unterleibes, und dadurch aus, daß die mittlern Strahlen in denselben die längsten sind.

59. Polynemus. Caput compressum, undique squamosum: rostro obtusissimo prominente. 253Membr. branch. rad. 5. vel. 7. Corpus digi - tis liberis ad pinnas pectorales.

1. Quinquarius P. digitis quinque corpore longio - ribus.

Seba vol. III. tab. 27. fig. 2.

In Westindien.

60. Clupea. Caput maxillarum superiorum my - stacibus serratis. Membr. branch. rad. 8. Bran - chiae interne setaceae. Abdominis carina ser - rata. Pinnae ventrales saepe novemradiatae.

1. Harengus. der Häring, Strömling. (mem - bras? Fr. l'hareng. Engl. the herring.) C. immaculata, maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 29.

Einer der wichtigsten Fische für die nördliche Erde, der zwar von Menschen und sehr vielen Thieren (zu - mahl vom Nordkaper, von manchen Möven-Gattun - gen ꝛc. ) verfolgt wird, sich aber auch dagegen zum be - wundern stark vermehrt. Besonders sind nun seit dem zwölften Jahrhundert bey Gelegenheit ihrer großen äußerst bestimmten, regelmäßigen Sommer-Reisen ( s. oben §. 109. ) nach den europäischen Küsten, zumahl nach den Orcaden, nach Norwegen ꝛc. tausende von Euro - päern mit ihrem Fang beschäftig.

2. . Sprattus. die Sprotte, der Breitling. (Fr. la sardine. Engl. the sprat.) C. pinna dorsali radiis 13.

Bloch tab. 29. fig. 2.

Ebenfalls in den nördlichen Meeren, aber auch im mittländischen. Ist von manchen Naturforschern irrig für den jungen Häring gehalten worden.

3. . Alosa. die Alse, der Mutterhäring, Mayfisch. (Fr. l'alose. Engl. the shad.) C. lateribus nigro maculatis, rostro nigro.

Bloch tab. 30. fig. 1.

254

Vorzüglich häufig im mittländischen Meere; aber auch in der Nord - und Ostsee ꝛc.

4. . Encrasicolus. die Sardelle, der Anscho - vis. (Fr. l'anchois.) C. maxilla superiore lon - giore.

Bloch tab. 30. fig. 2.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen. Wird vorzüglich häufig an Gorgona im Golfo di Livorno ge - fangen.

61. Cyprinus. Caput ore edentulo. Os nasale bisulcum. Membr. branch. rad. 3. Corpus laeve albens. Pinnae ventrales saepe novem - radiatae.

1. . Barbus. die Flußbarbe. C. pinna ani ra - diis 7, cirris 7, pinnae dorsi radio secundo utrin - que serrato.

Bloch tab. 18.

Im mildern Europa und westlichen Asien. Ihr Ro - gen ist giftig, so daß sein Genuß schon oft sehr gefahr - volle Zufälle erregt hat*)s. z. B. Jul. H. Gottl. Schlegels Materialien für die Staats-A. W. IIte Samml. S. 150 u. f..

2. . Carpio. der Karpfe. (Fr. la carpe. Engl. the carp.) C. pinna ani radiis 9, cirris 4, pinnae dorsalis radio postice serrato.

Bloch tab. 16.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Ins nördlichere seit 300 J. allgemach durch die Kunst verpflanzt. Soll mit verwandten Gattungen, zumahl mit der Karausche, Ba - starden geben. Auch finden sich unter den Karpfen häu - figer Mißgeburten als unter irgend einer andern bekann - ten Fischgattung. Die Spiegelkarpfen**)Bloch tab. 17., die sich besonders durch die beständig von Schuppen ent - blößten Theile des Körpers auszeichnen, scheinen doch keine bloße Spielart, sondern eine besondere Gattung dieses Geschlechts zu seyn.

255

3. . Tinca. die Schleihe. (Fr. la tanche. Engl. the tench.) C. pinna ani radiis 25, cauda integra, corpore mucoso cirris 2.

Bloch tab. 19.

Einer der weitstverbreiteten Flußfische. Kann mit den Kiemendeckeln einen Laut von sich geben. Die Gold - schleihe*)Bloch tab. 15. ist einer der schönsten deutschen Fische.

4. . [carassius]. die Karausche. (Fr. le carassin. Engl. the crucian.) C. pinna ani radiis 10, cauda integra, linea laterali recta.

Bloch tab. 11.

In Europa und Mittel-Asien.

5. Auratus. das schinesische Goldfischchen, der Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée. Engl. the goldfish.) C. pinna ani gemina, caudae tri - fida transversa bifurca.

Baster in Haarlem. Verhandel. VII. D. 1. St. mit illum. Fig.

In Japan und Schina, wo sie gleichsam als Haus - thiere gehalten werden, und in mancherley wunderbare, theils fast monströse Varietäten, der vortrefflichsten Far - ben, Zahl und Bildung der Flossen, Größe der Au - gen ꝛc. ausgeartet sind. Sie kommen auch im mildern Europa recht gut fort. Können sogar Jahr und Tag im bloßen Wasser ohne alle weitre Nahrung leben, und ge - ben dabey doch von Zeit zu Zeit Unrath von sich.

6. . Phoxinus. die Elritze. (Fr. le vairon. Engl. the minow.) C. pinna ani radiis 8, macula fusca ad caudam, corpore pellucido.

Bloch tab. 8. fig. 5.

Häufig in der Weser.

7. . Orfus. der Orf, Urf, Würfling, Elft. C. pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

Zumahl im südlichen Deutschland. Schön orange - farben.

256

8. . Alburnus. der Ukley, Lauge, Weißfisch, Schneiderfischchen. (Fr. l'able, ablette. Engl. the bleak.) C. pinna ani rad. 20.

Bloch. tab. 8. fig. 4.

So wie der folgende im mittlern Europa und west - lichen Asien. Meist nur fingerslang. Seine Schuppen werden zur Verfertigung der Glasperlen gebraucht*)S. Beckmanns Beyträge zur Geschichte der Erfindun - gen II. B. S. 325 u. f..

9. . Brama. der Bley, Brachsen. (Fr. la brème.) C. pinna ani rad. 27, pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.

257

Achter Abschnitt. Von den Insecten.

§. 121.

Die Thiere der beiden letzten Classen (§. 40.), die Insecten und Gewürme, unterscheiden sich schon dadurch von den vorhergehenden, daß sie kein rothes Blut, sondern statt dessen einen weißlichen Saft in ihrem Körper führen: weßhalb sie (§. 23.) auch von den Alten Blutlose Thiere (animalia exsanguia) genannt wurden. So wie man sie neuerlich darum, weil sie keine Rückenwirbel so wie überhaupt kein Gerippe haben, auch Wirbellose Thiere (Fr. animaux invertébrés. ) genannt hat.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Namen daher, daß, wenigstens im Zustande ihrer vollkommenen Ausbil - dung, Kopf, Brust und Hinterleib, wie durch Ein - schnitte von einander abgesondert sind, ja bey vie - len fast nur wie durch einen Faden unter einander verbunden werden. Außerdem zeichnen sie sich aber auch (bis auf wenige Ausnahmen unter den Ge - schlechtern der ungeflügelten Ordnung) durch beson - dere theils sehr empfindliche Organe aus, die sie in ihrem vollkommnen Zustande am Kopfe tragen (An - tennae, Fühlhörner), und die alle Mahl an der Wurzel eingelenkt, meist aber auch noch außerdem gegliedert sind; und endlich durch die hornartigen, eingelenkten Füße, und deren größere Anzahl, da die völlig ausgebildeten Insecten zum allermin -258 desten ihrer sechs, manche aber wohl auf anderthalb hundert ꝛc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben die Insecten in ihrem Aeußern wenig, was ihnen allen gemein wäre. Die ganz unermeßliche Anzahl der Gattungen, ihre so unendlich verschiedenen Bestim - mungen, und dahin abzweckende eben so verschiedene Lebensart, Bedürfnisse ꝛc. erfordern eine äußerst viel - artige Bildung, in welcher sie, so wie in der un - gleichen Größe ihres Körpers, ausnehmend von ein - ander abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Körpers ist mannigfaltiger als bey den übrigen Thieren. Sehr viele sind wie mit einem hornartigen Panzer überzogen, der aus mehrern Stücken besteht, die sich wie die Schienen eines Blechhandschuhes über ein - ander schieben lassen; und wodurch diese Thiere vor mancherley Unfällen gesichert, und für den Mangel der Knochen, die bey andern Thieren zur Anlage der Muskeln ꝛc. dienen, entschädigt werden. Manche sind mit seinen Haaren besetzt, und bey den Schmet - terlingen ꝛc. die Flügel mit so genannten Federchen, oder vielmehr Schuppen bedeckt, die zum Theil von den schönsten Farben sind: so wie sich überhaupt unter den Insecten Thiere von unbeschreiblicher Schönheit finden.

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerk - zeuge*)M. Ch. Gottl. Lehmann de sensibus externis animalium exsanguium commentario praemio regio ornata. Goetting. 1798.259 4. F. Jos. Schelvers Versuch einer Naturgeschichte der Sinneswerkzeuge bey den Insecten und Würmern, ebendas. 1798. 8., und also vermuthlich auch in der Art der Empfindung, weichen die Insecten gar sehr von den übrigen Thieren ab, so daß ihnen sogar manche Naturforscher verschiedene von unsern fünf äußern Sinnen, zumahl das Gehör und den Geruch, ohne Grund haben absprechen wollen; da man doch jenes bey vielen die einander zur Paarungszeit durch einen besondern Laut locken, und diesen bey noch weit mehreren, die ihren versteckten Fraß auswittern, un - verkennbar wahrnimmt.

§. 126.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich merk - würdig, und zwar in Rücksicht ihres Baues von zweyfacher Art. Die einen sind große Halbkugeln, die aber meist aus tausenden von Facetten, bey eini - gen auch aus zahlreichen kegelförmigen Spitzen, be - stehen, die auf der innern Seite mit einem theils buntfarbigen oder glänzenden Anstrich überzogen sind. Die mehresten geflügelten Insecten, aber auch manche ungeflügelte, wie der Flußkrebs, Hummer ꝛc. haben dergleichen. Die Augen der andern Art (stemmata, ocelli) sind einfach, klein, und so wohl in Rücksicht ihrer Anzahl als Lage verschieden. Die erstern schei - nen mehr für die Ferne, so wie die letztern für die Nähe bestimmt zu seyn; wenigstens reimt sich dieß damit, daß die Schmetterlinge in ihrem geflügelten, vollkommenen Zustande solche große componirte teles - copische Augen kriegen, da sie vorher als Raupen nur myopische kleine Augen hatten. Nur wenige Insecten, wie z. B. die Krebse, können ihre Au - gen bewegen.

260

§. 127.

Die Fühlhörner*)M. Ch. Gottl. Lehmann de antennis insectorum. Diss. I. II. Lond. 1800. 8. die bey den verschiede - nen Gattungen, und bey manchen selbst nach der Sexualdifferenz derselben, sehr vielartig gestaltet sind, und die manche Naturforscher für Organe des Ge - ruchs oder des Geschmacks ꝛc. angesehen haben, schei - nen doch nichts weiter zu seyn, als was ihr Name andeutet, Werkzeuge des Tastens, Sonden, Tangenten, die ihnen bey ihrer harten unempfind - lichen äußern Decke, und den mehrsten auch bey der Unbeweglichkeit ihrer Augen doppelt wichtig werden. Die Insecten scheinen das feinste Gefühl in ihren Antennen, wie wir in den Fingerspitzen, zu haben; und da sie großentheils im Dunkeln leben, dadurch, so wie Blinde, den Mangel des Lichts durch feines Gefühl zu ersetzen. Hingegen ist der allgemeine Hauptzweck der so genannten Freß - spitzen (palpi), die meist neben den Freßwerkzeu - gen der Insecten sitzen, und nur wenigen gänzlich zu fehlen scheinen, und die auch von manchen für Sinnwerkzeuge dieser Thiere gehalten worden, noch sehr räthselhaft.

§. 128.

Im innern Körperbau**)Swammerdam Biblia naturae. Leid. 1737. fol. Lyonet traité anatomique de la chenille qui ronge le bois de saule. à la Haye. 1762. 4. weichen die In - secten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.

Was man z. E. bey den Raupen für ihr Herz angesehen hat, das ist ein langer Canal von un - gleicher Weite der längs des Rückens liegt, aus welchem aber nicht eine einzige Ader entspringt, so261 daß folglich auch die Ernährung bey diesen Insecten auf eine eigene, von der Nutrition der rothblütigen Thiere ganz verschiedene Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröhren vom erstaunenswürdigsten, feinsten Bau, und mit äußerst zahlreichen Muskeln, die aber auch so wohl in der Bildung als in der Farbe von den Muskeln der rothblütigen Thiere abweichen, versehen.

§. 129.

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als die rothblütigen Thiere, des Umsatzes von Kohlenstoff gegen Sauerstoff (§. 24.) zur Erhaltung ihres Lebens bedürfen; so bemerkt man doch nur bey wenigen (wie z. B. bey den Krebsen, Heuschrecken und manchen Cicaden und Käfern ꝛc. ) eine dem Athemhohlen ähn - liche Bewegung. Ueberhaupt aber schöpft kein In - sect seine Luft durch den Mund, sondern durch man - cherley andere spiracula*)S. Handbuch der vergleichenden Anatomie S. 276 u. f.. Auch können die mei - sten weit länger als jene rothblütigen Thiere im so genannten luftleeren Raume aushalten; und viele le - ben in der den so eben genannten Thieren so schäd - lichen mephitischen Luft, worin animalische und ve - getabilische Stoffe faulen ( dem gekohlten Wasser - stoffgas ꝛc. ) gleichsam als in ihrem Elemente.

§. 130.

Ueberhaupt ist der Aufenthalt der Insecten auf und unter der Erde**)Hingegen hat diese Classe nach Verhältniß der fast zahllosen Menge ihrer Gattungen wenige Wasserthiere: und namentlich finden sich ihrer nur sehr wenige im Ocean, der dagegen den bey weiten allermehrsten Gattungen der vorigen und nächstfolgenden Thierclasse zum Aufenthalt bestimmt ist. weit unbeschränkter, als262 der von irgend einer andern Thierclasse. Es sind fast auf allen warmblütigen Thieren welche anzu - treffen, so daß sogar größere Insecten, wie z. B. - fer, Bienen ꝛc. haben selbst wieder ihre besonderen Milben und Läuse. Auch sind wohl nur sehr wenige Ge - wächse (etwa der Taxus, der Sevenbaum, und die mehrsten Laubmoose ꝛc. ) die gar keinen bekannten In - secten zur Wohnung und Aufenthalt dienen. Da hingegen manche, wie z. B. die Eiche, von mehr als einem hundert verschiedener Gattungen von In - secten bewohnt und besucht werden. So allgemein aber die Insecten, im Ganzen genommen, über die ganze Erde verbreitet sind, so streng ist doch dage - gen vielen einzelnen Gattungen ihr ganz besonderer, eingeschränkter Aufenthalt auf bestimmten Thieren oder Pflanzen, und deren einzelnen Theilen angewiesen.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaft - licher Verbindung, und leisten einander in ihren Geschäften wechselseitige Hülse. Die allermeisten ge - hen einzeln und isolirt ihren Verrichtungen nach und manche, die wie die Spinnen in zahlreicher Gesell - schaft jung worden sind, zerstreuen sich bald nachher, und leben einsiedlerisch, so daß viele außer der Be - gattungszeit kein anderes Geschöpf ihrer Art wieder zu sehen kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Wohnun - gen ꝛc. die sich so viele Insecten zu verfertigen wis - sen, ist schon oben den Anlaß der Kunsttriebe (§. 36.) Erwähnung geschehen. Es sind wenige Thiere dieser Classe, die nicht wenigstens Ein Mahl, in einer ge - wissen Periode ihres Lebens Proben dieser natürlichen Kunstfähigkeit ablegen sollten indem sie entweder263 wie die Kleidermotten und Frühlingsfliegen in ihrer unvollendeten Gestalt als Larven sich ein Gehäuse zum Aufenthalte und zum Schutze verfertigen; oder sich, um die Verwandlung und den langen Todes - schlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich einspin - nen ꝛc., oder die sich wie die Ameisenlöwen Fall - gruben graben, und wie die Spinnen Netze für ihren Raub weben: oder die, wie manche Wasserkäfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nachkommen - schaft, Säcke oder Nester zubereiten, denen sie ihre Eyer anvertrauen können. Manche von denen, die in gesellschaftlicher Verbindung leben, bauen sich mit vereinten Kräften, und nach den Gesetzen einer äußerst regelmäßigen, ihnen angebornen Meßkunst, gemeinschaftliche Wohnungen u. s. w.

§. 133.

Bey der Ernährungsart der Insecten sieht man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bey den aller - mehrsten rothblütigen Thieren, bloß auf ihre Selbst - erhaltung, sondern hauptsächlich darauf abzweckt, daß sie organisirte Materie consumiren sollen. Sie müssen essen, nicht bloß um satt zu werden, sondern um zugleich Aas zu verzehren, um selbst wieder andere lebendige Insecten aufzureiben ꝛc., um Unkraut zu vertilgen ꝛc. eine große Bestim - mung, zu deren Erfüllung außer der fast zahllosen Menge der Gattungen überhaupt, sehr vielen von diesen speciebus, theils äußerst starke Ver - mehrung, theils ihre beyspiellos heftige Freßgierde und schnelle Verdauung bey einem sehr kurzen Darm - canal zu Statten kommt. Man weiß z. B., daß eine Raupe in 24 Stunden das Triplum ihres eige - nen Gewichts verzehren kann. Auch sind die Freßwerkzeuge der Insecten vielartiger als in irgend einer andern Thierclasse: da manche mit seit -264 wärts beweglichen gezähnelten Kinnladen und Freß - zangen (maxillae); andere wie einem zugespitzten, hornartigen Bohrrüssel (rostrum); andere mit einem fleischigen Schlurfrüssel mit breiter Mündung (pro - boscis); manche mit einer spiralförmig aufgerollten (so genannten) Zunge ꝛc. versehen sind.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde sind einige Insecten, wie z. B. die Spannraupen durch ihre täuschende Gestalt; andere dadurch daß sie einerley Farbe mit den Gewächsen haben, worauf sie leben*)Einige auffallende Beyspiele davon s. in Abbot's lepi - dopterous insects of Georgia vol. I. tab. 5. und vol. II. tab. 99., folglich weniger darauf abstechen, und nicht so leicht bemerkt werden können; andere auch wohl durch den heftigen Geruch, den sie im Nothfall verbreiten können; andere durch die Macht des ge - sellschaftlichen Lebens; noch andere durch ihre be - wundernswürdige Stärke ꝛc. gesichert. Und manche sind gar mit Waffen, z. B. mit Hörnern wie Kneipzangen, oder mit Stachel und Gift versehen.

§. 135.

Auch bey der Fortpflanzung der Insecten zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbarkeiten. So z. B., daß oft in einer und eben derselben Gat - tung die beiden Geschlechter einander so äußerst un - ähnlich gebildet sind, daß man sie eher für ganz ver - schiedene Thierarten, als für zusammen gehörige Gat - ten halten sollte: oder daß unter den Bienen und andern ihnen verwandten Insecten immer die größte Anzahl gänzlich geschlechtlos ist; das heißt, daß sie gezeugt und gebohren werden, ohne doch nach dem ordentlichen Laufe selbst die Bestimmung zur Empfängniß oder zur Zeugung zu haben.

265

§. 136.

Ferner hat die Begattung bey verschiedenen Insecten sehr viel Eignes. Bey nicht wenigen Gattungen wird sie z. B. im Fluge vollzogen, und manche derselben sind bloß für diese kurze Paarungs - zeit geflügelt. Ueberhaupt aber leben die mehresten in sofern in einer gezwungenen Monogamie, daß sie schlechterdings nicht mehr als ein einziges Mahl in ihrem Leben sich paaren können: der Tod ist bey ihnen eine so unausbleibliche Folge der ersten Be - gattung, daß man sogar ihr Leben durch verzögerte Paarung verlängern kann.

§. 137.

Zu andern Sonderbarkeiten beym Fortpflanzungs - geschäfte der Insecten gehört auch, daß bey vielen, wie z. B. beym Cochenille-Wurm, beym Sandfloh ꝛc. das trächtige Weibchen zu einer ganz ungeheuren Größe anwächst: so daß man z. B. rechnet, daß bey der weißen Ameise der Hinterleib der zum Gebähren reifen Mutter auf 2000 Mahl dicker und größer ist als er vor der Befruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eyer, die von den Müttern nach einem bewundernswürdigen In - stinct immer aufs genaueste an die bestimmten, der künftigen jungen Brut angemessensten Orte gebracht werden. Manche legen z. B. ihre Eyer bloß in den Körper lebendiger Insecten anderer Art, in Raupen; oder in Puppen; oder gar in anderer Insecten ihre Eyer; denn wirklich kriecht zuweilen aus den Eyern der Ringelraupe statt der jungen Raupe eine eigene Art kleiner Mückchen aus.

Auch sind die Insecten-Eyer zum Theil, zumahl bey den Schmetterlingen, von einer über man -266 nigfaltigen sonderbaren Bildung und Zeichnung, und wenn sie von der Mutter an die freye Luft gelegt werden, mit einer Art Firniß überzogen, damit sie weder vom Regen abgespült noch durch andern Zu - fall leicht zerstört werden können. Einige wenige Insecten gebähren lebendige Junge, und manche, wie die Blattläuse, pflanzen sich auf beyderley Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das fast bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens in den an - dern (§. 72. Anm. 94. 116. ), bey weiten nicht so auffallend wird, ist ihre Metamorphose. Es kommt nähmlich kein einziges geflügeltes Insect un - mittelbar aus dem Ey, sondern diese alle müssen sich ( so wie auch einige ungeflügelte ) erst in gewissen Lebensepochen einer Art von Verwandlung unterziehen. Dabey wird nicht nur ihre äußere Ge - staltung, sondern zugleich ihr innerer Körperbau (ge - gen die gemeine Meynung) auf eine Weise umge - bildet*)Lyonet chenille de saule. p. 585. u. f., die sich schwerlich mit der vorgeblichen Präexistenz präformirter Keime (§. 7.) zusam - men reimen läßt**)Sollte der Schmetterling schon in der Raupe präformirt gewesen seyn, so müßte man doch wohl wenigstens erwarten, daß sich aus ähnlichen Raupen auch ähnliche Schmetterlinge entwickel - ten. So aber kommen z. B. aus manchen americanischen Rau - pen, die manchen Europäischen aufs Täuschendste ähneln, doch ganz anders gestaltete Schmetterlinge; und anderseits entstehen manche einander auffallend ähnliche Schmetterlinge dieser beiden Welttheile aus ganz verschieden gestalteten Raupen. s. Dr. J. Ed. Smith in Abbot's angeführtem Werke I. B. S. 5. und Herold's Entwickelungsgeschichte der Schmetterlinge. Marb. 1815. 4. Mit 33 Kupfertafeln. S. 115 u. f..

267

§. 140.

In der Gestalt, wie diese Insecten, die sich einer Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem Ey krie - chen, heißen sie Larven. Meist kommen sie äußerst klein aus Licht, so daß z. B. eine erwachsene Wei - denraupe 72,000 Mahl schwerer wiegt als da sie eben aus dem Ey gekrochen war. Dagegen wachsen sie aber auch desto schneller, so daß z. B. die Maden der blauen Schmeißfliege 24 Stunden nach dem Aus - kriechen schon 155 Mahl schwerer sind als da sie aus dem Ey kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die Rau - pen und Engerlinge: theils aber keine, wie die Ma - den. Flügel haben sie gar noch nicht. Auch sind sie in diesem Zustande zur Fortpflanzung noch gänz - lich unfähig: sie ernähren sich bloß, und wachsen, und häuten sich mit unter einige Mahl.

§. 141.

In der Gestalt, worein die Larve umgebildet wird, heißt sie Nymphe. Manche können sich während dieses Zustandes herum bewegen, auch Nah - rungsmittel zu sich nehmen. Andere hingegen ver - schließen sich als Puppe (chrysalis, aurelia), und bringen diesen Theil ihres Lebens in einem betäuben - den Todesschlaf, ohne Nahrungsmittel, und ohne sich von der Stelle zu bewegen, zu.

§. 142.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse vergraben scheint, geht mit ihm selbst die große Palingenesie vor, daß es aus seinem Larvenstand zum vollkom - menen Insect (insectum declaratum, imago) umgebildet wird, und zu bestimmter Zeit aus seinem268 Kerker hervorbrechen kann. Manche Insecten absol - viren diese letzte Rolle ihres Lebens in einer sehr kurzen Zeit. Verschiedene bringen, wenn sie aus ihrer Hülse kriechen, nicht ein Mahl einen Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr, sie wachsen nicht weiter; jene beiden Bestimmungen eines orga - nisirten Körpers hatten sie schon als Larven erfüllt; jetzt ist ihnen nur noch die dritte übrig: sie sollen ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann der Nachkom - menschaft Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit*)Kirby and Spence vol. I. p. 250 u. f. der In - secten für den Menschen ist ziemlich einfach: dagegen aber ist der Antheil, den diese kleinen wenig bemerk - ten Thiere an der großen Haushaltung der Natur haben, desto mannigfaltiger und ganz unermeßlich. Sie sind es, die unzählige Arten von Unkraut theils im Keim ersticken, theils, wenn es auch aufgewachsen ist, vertilgen, und seinem fernern Wuchern vor - beugen. Einen andern ebenfalls äußerst wichtigen Nutzen leisten so viele Insecten, die sich von Aas nähren, im Miste leben u. s. w. und die dadurch, daß sie diese widrigen animalischen Substanzen auf - zehren, zerstreuen und durchwirken, von der einen Seite der Infection der Luft vorbeugen, und von der andern die allgemeine Düngung des Erd - reichs befördern. Aus jener Rücksicht werden z. B. die Schmeißfliegen in den heißen Erdstrichen so wohl - thätig. Anderseits befördern auch unzählige Insecten die Befruchtung der Gewächse, auf überaus merk - würdige Weise**)Chr. Conr. Sprengels entdecktes Geheimniß der Na - tur im Bau und in Befruchtung der Blumen. Berlin 1793. 4., und eine Gattung von Gallwes -269 pen benutzt man zur Zeitigung der Feigen. Ver - schiedenartige Insecten werden von den Fischern zu Angelköder gebraucht. Manche Thiere dieser Classe, wie die Krebse, und einige Gattungen von Heuschrecken ꝛc. sind eßbar. So der Honig der Bienen, aus welchen auch in manchen Gegenden von Europa so wie im Innern von Africa der Meth gewonnen wird. Die Seide nutzt zur Kleidung und mancherley anderm Gebrauch. Verschiedene In - secten geben treffliche Farben, wie die Cochenille den Scharlach ꝛc. Die Galläpfel werden zur Tinte, und Wachs zu Kerzen und vielerley andern Ge - brauch benutzt. So das Lack, ein Product gewisser ostindischer Schildläuse, das zu Firniß zum Sie - gellack u. s. w. verbraucht wird. Für die Arzney sind vorzüglich die spanischen Fliegen, die Kelleresel und die Ameisen von Belange, und neuerlich sind auch die so genannten Maywürmer, vom neuen als Hülfsmittel gegen die Wasserscheue, so wie manche andere Käfer gegen Zahnweh, gepriesen worden.

§. 144.

So unermeßlich der Nutze der Insecten ist, so ist aber auch anderseits der Schade*)Kirby and Spence a. a. O. S. 81 u. f. sehr erheblich, denn viele Gattungen derselben anrichten. Viele sind den Feldfrüchten überhaupt gefährlich, verursachen Mißwachs, und verheeren, wie die Zug-Heuschrecken, junge Saat, und alles, wo sie auffallen. Manche sind besonders dem Getreide nachtheilig; andere, wie so viele Raupen, Erdflöhe, Engerlinge ꝛc. den Gartengewächsen; andere Räupen und Käferlarven ꝛc. den Obstbäumen; die Schildläuse besonders der Orangerie; die Larven einiger Dermestes-Gattungen und die Holzraupen270 den Holzungen; die Ameisen, Grasraupen ꝛc. den Wiesen; die Brot-Schaben den Victualien; die weißen Ameisen ꝛc. dem Hausgeräthe ꝛc. ; die Kleidermotten der Wolle, dem Pelzwerk u. s. w. Die Larven vieler kleiner Käferchen den Büchern und Naturaliensammlungen. Endlich werden auch einige Arten von so genanntem Ungeziefer dem Menschen selbst, so wie den Pferden, Schafen, Hüh - nern und andern Hausthieren, ja sogar verschiedenen nutzbaren Insecten, den Bienen, Seidenwürmern ꝛc. auf unmittelbare Weise lästig; und andere, wie manche Scorpione ꝛc. durch ihr Gift, furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge ich auch hier überhaupt dem Linnéischen Systeme, doch daß in der letzten Ordnung, nach dem Vorgange von De Lamarck u. a. neuern französischen Entomolo - gen die Spinnen, Scorpione, Krebse ꝛc. (die Arach - niden und Crustaceen) von den eigentlichen Insecten ganz abgesondert, den Beschluß machen.

I. Ordn. Coleoptera. Käfer. Meist mit horn - artigem Körper. Die Flügel falten sich in der Ruhe zusammen, und sind mit zwey horn - artigen Decken oder Scheiden belegt, die sich in der Mitte in gerader Linie an einander schließen.

II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuzweis zu - sammen gelegten oder gerade ausgestreckten, meist zur Hälfte harten, fast pergamentähnlichen Flü - geln ꝛc. Theils haben sie Freßzangen, theils einen spitzigen Bohr-Rüssel.

III. Lepidoptera. Schmetterlinge. Mit wei - chem behaarten Körper, und vier ausgespann -271 ten Flügeln, die mit bunten Schuppen bedeckt sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen netzför - migen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen ge - aderten Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbe - deckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten.

Zur N. G. der Insecten. Nur wenige von vielen.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum. Lond. 1634. Fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algemeene Verhandeling van de bloedeloose Dierkens. Utr. 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. LB. 1737. Fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Surinamensium. Amst. 1705. Fol. max.
  6. Jac. l'Admiral jun. gestaltverwisselende gekorvene Diertjes. Amst. 1740. Fol.
  7. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand Insecten in Deutschland. Berl. 1720-38. XIII. Th. 4.
  8. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands. Nürnb. seit 1795. 12.
  9. Index entomologicus in Panzeri faunam insectorum Germaniae P. I. 1813.
  10. Aug. Joh. Rösel monatliche Insecten-Belustigungen. Nürnb. 1646-61. IV. B. 4.
  11. Chr. Fr. C. Kleemann Beyträge dazu. Ebendas. seit 1761. 4.
  12. v. Linné fundamenta entomologiae. Ups. 1767. 4. it. im VII. B. von Linne's amoenitatib. academic.
  13. J. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich 1761. 4. Dess. abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur 1776. 4.
  14. Jo. Chr. Fabricii philosophia emtomologica. Hamburg. 1778. 8.
  15. Ej. systema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  16. Ej. genera insectorum. Kilon. 1776. 8.
  17. 272
  18. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol. 8.
  19. Ej. entomologia systematica. Hafn. 1793. V. vol. 8.
  20. P. A. Latreille histoire naturelle des insectes. Par. 1804. XIV. vol. 8. (Als Forts. der Sonninischen Ausg. von Büffon.)
  21. De Lamarck (s. beym folgenden Abschn.)
  22. A. M. C. Duméril considerations générales sur la classe des In - sectes. Par. 1823. 8.
  23. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734-1742. VI. vol. 4.
  24. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752-1778. VII. vol. 4.
  25. Ej. genera et species insectorum: extraxit A. J. Retzius. Lips. 1783. 8.
  26. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris. Par. 1762. II. vol. 4.
  1. Lesser theologie des insectes (trad. de l'allemand) avec des re - marques de P. Lyonet. à la Haye. 1742. II. vol. 8.
  2. W. Kirby's and W. Spence's Introduction to Entomology. ed. 2. Lond. 1818. II. vol. 8.
  1. L. G. Scriba Beyträge zur Insectengeschichte. Frkf. seit 1790. 4.
  1. Magazin für Insectenkunde, herausgegeben von K. Illiger. Braunschw. 1801-07. VI. Th. 8.
  2. E. F. Germar's Magaz. der Entomologie. Halle seit 1813. 8.
  1. Nic. Jos. Brahm Insecten-Calender. Mainz 1790. 11. Th. 8.

Anm. Manchem Insectensammler kann wohl die Nach - richt interessant seyn, daß ein hiesiger geschickter Nadel - macher, Hr. Fehler, nicht nur Insectennadeln von vor - züglicher Gute verfertigt, sondern auch mit Eifer und Kenntniß die Insecten der hiesigen Gegend sammelt und Liebhabern gerne mittheilt.

273

I. COLEOPTERA s. Vaginipennia. (Eleutherata Fabr.)

Die Insecten dieser Ordnung*)Jo. Eus Voet catalogue systematique des coleopteres. à la Haye 1766. u. f. 4.Gu. Ant. Olivier entomologie. Par. seit 1789. 4.Deutsch mit Zusätzen und Anmerkungen von K. Illiger. Braunschw. seit 1800. 4.J. Ch. Fabricii systema Eleutheratorum. Kil. 1801. II. vol. 8. werden überhaupt Käfer genannt, ob man gleich diesen Namen auch dem ersten Geschlechte insbesondere beylegt. Die Larve hat Freßzangen, und bey den mehresten Ge - schlechtern sechs Füße, die an der Brust sitzen: bey einigen, wie unter den Holzböcken ist sie ohne Füße (eine Made). Sie verpuppt sich mehrentheils un - ter der Erde in einer ausgehöhlten Erd-Scholle: oder aber, wie bey den genannten Holzböcken, im Holze. Das vollkommene Insect kriecht zwar weich aus der Puppe; seine Haut verhärtet aber in kurzer Zeit an der Luft; es hat so wie die Larve Kinn - laden am Kopfe, und ist mit harten hornartigen Flügeldecken (elytra) versehen.

1. Scarabaeus. Käfer. (Fr. hanneton. Engl. beetle) Antennae clavatae capitulo fissili. Ti - biae anticae saepius dentatae.

1. Hercules. (Geotrupes Hercules. F.) S. scu - tellatus, thoracis cornu incurvo maximo; subtus unidentato, capitis recurvato; supra multidentato.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Daumen dick. Der Käfer variirt in der Farbe, schmutzig-grün ꝛc.

2. Actaeon. (Geotrupes A. F.) S. scutellatus tho - race bicorni, capitis cornu unidentato, apice bifido.

274

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. . Lunaris. (Copris L. F.) S. exscutellatus, thorace tricorni; intermedio obtuso bifido, capitis cornu erecto, clypeo emarginato.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im Kuhmist, aus dem er, wie andere verwandte Käfergattungen, hohle Kugeln formt, die er einzeln unter die Erde ver - scharrt, an Graswurzeln befestigt und in jede ein ein - ziges Ey legt.

4. . Nasicornis. (Geotrupes N. F:) der Nashorn - käfer. S. scutellatus, thorace prominentia tri - plici, capitis cornu incurvato, antennis hepta - phyllis.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8. 10.

Der größte hieländische Käfer; fliegt selten; als En - gerling findet er sich häufig in Gerberlohe und in hohlen Bäumen; und thut in manchen Gegenden den Reben großen Schaden.

5. . Sacer. (Ateuchus S. F.) S. exscutellatus, clypeo sex-dentato, thorace inermi crenulato, tibiis, posticis ciliatis, vertice subbidentato.

Sulzers Gesch. tab. 1. fig. 3.

Namentlich häufig in Aegypten, wo er von den alten Aegyptiern als Sinnbild der Ober - und Unterwelt ver - ehrt, und auf ihren Obelisken, Mumiensarcophagen und mancherley andern Kunstwerken, theils in coloßaler Größe, vorgestellt worden*)s. G. Zoega de orig. et usu obeliscorum. pag. 446 sq.. Besonders hat man ihn auf die Rückseite der Aegyptischen (und auch der Etrus - kischen) geschnittenen Steine ausgeschnitzt, die deßhalb Käferrücken oder Scarabäen genannt werden.

6. . Fimetarius. (Aphoditus F. F.) S. scutellatus, thorace inermi, capite tuberculato elytris rubris, corpore nigro.

Frisch P. IV. tab. 19. fig 3.

Im Kuhmist.

275

7. . Stercorarius. der Roßkäfer. (Engl. the dung-beetle.) S. scutellatus, muticus, ater, gla - ber; elytris sulcatis; capite rhombeo: vertice pro - minulo; antennis rubris.

Frisch P. IV. tab. 6. fig. 3.

Besonders im Pferdemist: daher häufig auf Fahrwe - gen. Wenn er an heitern Sommerabenden herum fliegt, so ist meist auch für den folgenden Tag gut Wet - ter zu erwarten.

8. . Vernalis. der Mistkäfer. S. scutellatus mu - ticus, elytris glabris laevissimis, capitis clypeo rhombeo, vertice prominulo, antennis nigris.

Sulzer Gesch. tab. 1. fig. 6.

Häufig im Schafmist.

9. . Horticola. (Melolontha H. F.) der Gar - tenkäfer. S. scutellatus muticus, capite thora - ceque caeruleo subpiloso, elytris griseis, pedibus nigris.

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumahl an den Obstbäumen ꝛc.

10. . Melolontha. (Melolontha vulgaris. F.) der Maykäfer, Kreuzkäfer. (Engl. the May - chaffer, cockchaffer.) S. scutellatus muticus testaceus, thorace villoso; cauda inflexa, incisuris abdominis albis.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre lang als Engerling oder Glime unter der Erde lebt, sich von Getreidewurzeln ꝛc. nährt, und zuweilen allgemeinen Mißwachs verursacht hat*)Wie z. B. im Jahr 1479, da die Engerlinge deßhalb in einem förmlichen Monitorio vors geistliche Recht gen Lausanne ci - tirt wurden, das ihnen zwar einen Defensor von Freyburg zu - gestand, sie selbst aber nach genauer Abhörung beider Parteyen, und reiflicher Ueberlegung ganz ernstlich in den Bann that. S. Mich. Stettlers Schweitzer-Chronick. S. 278 u. f.. Nach der Verpuppung kommt es endlich als Maykäfer zum Vorschein, und schadet in dieser Gestalt dem jungen Laub, besonders an Obstbäumen.

276

11. . Solstitialis. (Melolontha S. F.) der Brach - käfer, Juniuskäfer, Johanniskäfer. S. scutellatus muticus testaceus, thorace villoso, ely - tris luteo-pallidis pellucidis; lineis tribus albis parallelis.

Frisch P. IX. tab. 15. fig. 3.

Auch dieses Käfers Larve thut in manchen Jahren der Saat großen Schaden.

12. . Auratus. (Cetonia aurata. F.) der Gold - käfer, Rosenkäfer. S. scutellatus muticus au - ratus, segmento abdominis primo lateribus uni - dentato, clypeo planiusculo.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 1.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in Ameisen - haufen, und hohlen Baumstämmen. Der schöne Käfer selbst aber in Gärten ꝛc. Man hat Beyspiele, daß er mit angefeuchteten Brotrinden gefüttert, über 8 Jahre lebendig erhalten worden.

2. Lucanus. Antennae clavatae; clava compressa latere latiore pectinato fissili. Maxillae por - rectae, exsertae, dentatae.

1. . Cervus. der Hirschkäfer, Hornschröter, Weinschröter. (Fr. le cerf volant. Engl. the stag beetle.) L. scutellatus; maxillis exsertis, apice bifurcatis, latere unidentatis.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das Männchen hat die Geweihen ähnelnden Kneipzangen am Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clavatae; capitulo per - foliato; articulis tribus crassioribus. Thorax convexus, vix marginatus. Caput sub tho - race inflexum latens.

1. . Lardarius. der Speckkäfer. D. niger ely - tris antice cinereis, punctis nigris.

Frisch P. V. tab. 9.

277

Larve und Käfer nähren sich von fetten, weichen Theilen todter Thiere.

2. . Pellio. D. niger coleoptris punctis albis binis.

Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausgestopften Thie - ren ꝛc.

3. . Typographus. (Bostrichus T. F.) der Bor - kenkäfer, Fichtenkäfer, Fichtenkrebs, Holz - wurm. D. testaceus pilosus elytris striatis retu - sis praemorso-dentatis.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Natur - forsch. Freunde. IV. B. tab. 4.

Das den Fichtenwaldungen neuerlich auf dem Harz und in mehrern, Gegenden Deutschlands so furchtbar ge - wordene Thier; das im Splint der Fichten (Pinus abies) theils in solcher Menge hauset, daß man wohl in einem mäßigen Baume über 80000 seiner Larven gezählt hat. Bey der dadurch verursachten Wurmtrock - niß stirbt der Baum vom Wipfel herunter ab, seine Nadeln werden roth, er verliert sein Harz, und taugt dann nicht einmal so gut wie sonst zum Verkohlen, ge - schweige als Bau - oder Brennholz.

4. . Piniperda. (Hylesinus P. F.) der Tannen - käfer, schwarze fliegende Wurm. D. niger subvillosus, elytris piceis integris, plantis rufis.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

5. . Paniceus. (Anobium P. F.) der Brotkäfer. D. oblongus, ferrugineus, oculis rufis.

Frisch P. I. tab. 8.

Seine Larve verzehrt zumahl das Brot, wird daher namentlich auf weiten Seereisen dem Schiffszwieback sehr gefährlich, und ist auch einer der schädlichsten Bücherwürmer.

4. Ptinus. Kümmelkäfer. (Fr. pannache, vrillette.) Antennae filiformes; articulis ulti - mis maioribus. Thorax subrotundus, immar - ginatus, caput excipiens.

278

1. . Pertinax. (Anobium P. F.) P. fuscus uni - color.

Hat seinen Namen daher, weil er, sobald man ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt liegt, und lange durch keinen Reiz von der Stelle zu treiben ist.

2. . Fur. P. testaceus, subapterus, thorace qua - dridentao, elytris fasciis duabus alpis.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturaliensammlun - gen, Hausgeräthe und Pelzwerk.

3. . Fatidicus. (Anobium tesselatum. F.) die Todtenuhr, der Klopfkäfer. (Engl. the death-watch.) P. fuscus subpilosus griseo irre - gulariter maculosus.

Philos. Transact. N. 271. 291.

Eine der sehr verschieden Insectenarten, die durch den klopfenden Laut, womit die Gatten einander zur Paarungszeit locken, zu mancherley Volksaberglauben Anlaß gegeben haben.

5. Hister. Antennae capitatae capitulo soli - diusculo; infimo articulo compresso, decur - vato. Caput intra corpus retractile. Os for - cipatum. Elytra corpore breviora. Tibiae anticae dentatae.

1. . Unicolor. H. totus ater, elytris substriatis.

Sulzers Kennzeichen tab. 2. fig. 8. 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinus. Antennae clavatae, rigidae, ca - pite breviores, oculi 4, duobus supra, duo - bus infra.

1. . Natator. der Schwimmkäfer. G. sub - striatus.

Sulzers Gesch. tab. 2. fig. 10.

279

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der Oberfläche des Wassers. Im Tauchen hat er eine Luftblase am Hintern; gibt einen widrigen Geruch von sich.

7. Byrrhus. Antennae clavatae subsolidae, sub - compressae.

1. . Museorum. (Anthenus M. F.) B. nebulosus, elytris subnebulosis puncto albo.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren ꝛc.

8. Silpha. Antennae extrorsum crassiores. Ely - tra marginata. Caput prominens. Thorax planiusculus, marginatus.

1. . Vespillo. (Necrophorus V. F.) der Tod - tengräber. (Fr. le fossoyeur.) S. oblonga atra clypeo orbiculato inaequali, elytris fascia duplici aurantia.

Frisch P. XII. tab. 3. fig. 2.

Sie haben ihren Namen von der besondern Geschick - lichkeit, womit sie die Aeser von kleinen Thieren, Maul - würfen, Fröschen ꝛc. die sie von weitem auswittern, un - ter die Erde zu vergraben, und ihre Eyer dahinein zu legen verstehen. Ihrer sechse sind wohl im Stande, einen todten Maulwurf binnen vier Stunden, einen Fuß tief in fetten Boden einzuscharren.

9. Cassida. Schildkäfer. Antennae subfili - formes, extrorsum crassiores. Elytra margi - nata. Caput sub thoracis clypeo plano re - conditum.

1. . Viridis. C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde ꝛc. Die Larve und Puppe sind ganz flach und am Rande sonderbar ausgezackt mit Spitzen versehen.

2. . Murraea. C. nigra, clypeo rubro, elytris sanguineis, punctis nigris sparsis.

Besonders häufig am Alant.

280

10. Coccinella. Sonnenkäfer, Marienkuh, Sommerkind, Gotteslämmchen. (Fr. vache à Dieu; bête de la vierge. Engl. Lady - cow, Lady-bird.) Antennae subclavatae, truncatae. Palpi clava semicordata. Corpus hemisphaericum, thorace elytrisque margina - tis, abdomine plano.

1. . 7-Punctata. C. coleoptris rubris; punctis nigris septem.

Frisch P. IV. tab. 1. fig. 4.

Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer und Meloë - Gattungen als wirksames Heilmittel bey mancherley Zahnweh empfohlen worden.

2. . Bipustulata. C. coleoptris nigris; punctis rubris duobus, abdomine sanguineo.

Frisch P. IX. tab. 16. fig. 6.

11. Chrysomela. Blattkäfer. Antennae mo - niliformes, extrorsum crassiores. Thorax, nec elytra, marginatus.

1. . Goettingensis. (Chrys. haemoptera F.) C. ovata atra pedibus violaceis.

Panzer Faun. Germ. Heft 44. t. 3.

Häufig an der Schafgarbe*)s. Prof. Gravenhorst's critische Bestimmung dieser oft verkannten und mit andern verwechselten Gattung in Voigt's 'neuem Magaz. XI. B. S. 201 u. f..

2. . Minutissima. C. ovata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den dritten Theil so groß als ein Floh.

3. . Cerealis. C. ovata aurata, thorace lineis tri - bus, coleoptrisque quinque violaceis, abdomine violaceo.

281

4. . Oleracea. (Galleruca O. F.) C. saltatoria (s. femoribus posticis crassissimis) virescenticae - rulea.

Ein, namentlich der Rübsaat, gar schädliches kleines Thier, das so wie mehrere verwandte Gattungen un - ter dem Namen Erdflöhe oder Erdfliegen be - kannt ist*)s. G. H. Ritter's Göttingische Preisschrift im Hannov - verschen Magaz. 1801..

5. . Merdigera. (Lema M. F.) der Lilienkäfer. C. oblonga rubra, thorace cylindrico utrinque impresso.

Sulzers Gesch. tab. 3. fig. 14.

In Lilien, Mayblumen ꝛc. Die Larve bedeckt sich mit ihrem eignen Unrath. Der kleine rothe Käfer, worein sie sich verwandelt, gibt, wenn man ihn in der hohlen Hand vors Ohr hält, mit seinen Flügeldecken einen durchdringenden hellen Laut von sich.

12. Hispa. Stachelkäfer. Antennae fusifor - mes, basi approximatae, inter oculos sitae. Thorax elytraque aculeata saepius.

1. . Atra. H. corpore toto atro.

Unter der Erde an Graswurzeln.

13. Bruchus. Antennae filiformes, sensim cras - siores.

1. . Pisi. der Erbsenkäfer. B. elytris albo punctatis, podice albo maculis binis nigris.

Thut auch in Nordamerica dem Mais großen Schaden.

2. Nucleorum. B. cinereus, elytris striatis, femo - ribus posticis ovatis, dentatis, tibiis incurvis.

Mém. de l' Ac. des Sc. de Paris 1771, tab. 2.

Im mittlern America. Fast von der Größe des Goldkäfers. Ist oft mit dem weit kleinern Br. bactris verwechselt, und durchbohrt die steinharten, daumens -282 dicken Nußschalen der Cocos lapidea woraus Knöpfe u. dergl. gedreht werden.

14. Curculio. Rüsselkäfer. (Fr. charanson.) Antennae subclavatae, rostro insidentes. Ro - strum corneum prominens.

Sie haben meist einen kurzen rundlichen aber überaus hart gepanzerten Körper, und einen festen mehr oder weniger gebognen Rüssel von verschiedener Länge. Es sind nachtheilige Thiere, von denen besonders die mit dem sehr langen Rüssel den Bäumen, die übrigen aber den Feldfrüchten und Gartengewächsen Schaden thun. Die Larven mancher nennt man Pfeiffer.

1. Palmarum. (Calandra P. F.) der Palmbohrer. C. longiroster ater, thorace ovato planiusculo, elytris abbreviatis striatis.

Sulzers Kennz. tab. 3. fig. 20.

Zumahl in Süd-Indien. Hat fast die Größe des Hornschröters. Die Larve nährt sich vom Sagumarke; wird aber selbst als ein schmackhaftes Gericht gegessen.

2. . Frumentarius. (Attelabus F. F.) der rothe Kornwurm, Reiter, Wippel. C. longiroster sanguineus.

So wie der folgende eine große Plage für die Korn - böden. Er saugt das Mehl aus dem Korn und läßt die Hülse liegen. Das bewährteste Gegenmittel ist, die Fruchtböden und ihre Gebälke ꝛc. mit scharfer Seifen - siederlauge besprengen und abfegen zu lassen. Nicht selten verbreitet er sich auch in Wohnzimmer und Betten.

3. . Granarius. der schwarze Kornwurm. (Ca - landra granaria F.) C. longiroster piceus ob - longus thorace punctato longitudine elytrorum.

4. . Paraplecticus. (Lixus P. F.) C. longiroster cylindricus subcinereus, elytris mucronatis.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung, daß er den Pferden Lähmung verursache, ist ungegründet, und trifft wohl die verdächtigen Pflanzen, aber nicht das darauf wohnende unschuldige Thier.

283

5. . Bacchus. (Attelabus B. F.) der Reben - sticher. C. longiroster aureus, rostro plantisque nigris.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

An Apfelbäumen, Weinstöcken ꝛc.

6. . Pomorum. C. longiroster femoribus anticis dentatis, corpore griseo nebuloso.

Frisch. P. I. tab. 8.

Zerstört in manchen Jahren die mehresten Apfelknofpen.

7. . Nucum. (Rhynchaenus N. F.) C. longiroster, femoribus dentatis, corpore griseo longitudine rostri.

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis. der Juwelenkäfer. (Engl. the Diamond Beetle. ) C. breviroster niger, elytris dentatis, sulcatis punctis excavatis, auro versico - lore distinctis, abdomine aeneo viridi.

In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten. Das gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen, die reihen - weise auf den Flügeldecken eingegraben sind, thut in hellem Lichte, zumahl unter dem Vergrößerungsglase, eine ausnehmende Wirkung.

15. Attelabus. Caput postice attenuatum incli - natum. Antennae apicem versus crassiores.

1. . Coryli. A. niger, elytris rubris.

Sulzers Kennz. tab. 4. fig. 25.

2. . Apiarius. (Trichodes A. F.) der Immen - wolf. A. caerulescens, elytris rubris, fasciis tribus nigris.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

Ist häufig wo viele Bienenzucht ist; thut in manchen Jahren den Stöcken großen Schaden.

16. Cerambyx. Bockkäfer, Holzbock. (capri - cornus). Antennae attenuatae. Thorax spi - nosus aut gibbus. Elytra linearia.

284

Manche Gattungen haben ungeheuer lange Fühlhör - ner, einen ungemein starken Brustschild und ein überaus zähes Leben, so daß man angespießte Holzböcke noch nach vier Wochen lebendig gefunden hat. Meist leben sie in Holz, und geben mittelst des Brustschildes, den sie an den Flügeldecken reiben, einen knarrenden Laut von sich.

1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus, ely - tris basi unidentatis apiceque bidentatis, antennis longis.

Rösel vol. II. Erdkäf. II. tab. 1. fig. a.

So wie die folgende Gattung in Südamerika.

2. Cervicornis. (Prionus C. F.) C. thorace mar - ginato dentato, maxillis porrectis coniformibus utrinque spinosis, antennis brevibus.

Rösel a. a. O. fig. b.

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön gezeich - net, mit Kneipzangen, fast wie am Hornschröter.

3. . Moschatus. C. thorace spinoso, elytris ob - tusis viridibus nitentibus, femoribus muticis, an - tennis mediocribus.

Frisch P. XIII. tab. 11.

Gibt einen bisamänlichen Geruch von sich.

4. . Aedilis. (Lamia A. F.) C. thorace spinoso; punctis 4. luteis, elytris obtusis nebulosis, anten - nis longissimis.

Frisch P. XIII. tab. 12.

Die Fühlhörner sind wohl sechs Mahl so lang als das ganze Thier.

17. Leptura. Antennae setaceae Elytra api - cem versus attenuata. Thorax teretiusculus.

1. . Aquatica. (Donacia crassipes F.) L. deau - rata, antennis nigris, femoribus posticis dentatis.

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der Farbe.

18. Necydalis. Afterholzbock. Antennae se - taceae. Elytra alis minora. Cauda simplex.

285

1. . Maior. (Molorchus abbreviatus F.) N. ely - tris abbreviatis ferrugineis immaculatis, antennis brevioribus.

19. Lampyris. Johanniswürmchen. (cicindela, nitedula. Fr. ver luisant. Engl. glow-worm.) Antennae filiformes Elytra flexilia. Thorax planus, semiorbiculatus, caput subtus occultans cingensque. Abdominis latera plicatopapillosa.

Nur die Männchen sind geflügelt, und diese haben zwey blaulich phosphorescirende lichte Punkte unten am Bauche. Ihre ungeflügelten Weibchen leuchten weit stärker als die Männchen, besonders um die Begat - tungszeit, da ihr Licht vermuthlich den Männchen zur Anzeige dient, sie aufzufinden. Einige Zeit, nachdem das Weibchen seine Eyer gelegt hat (die selbst auch im Finstern leuchten), verliert sich der Schein bey beiden Geschlechtern.

1. . Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo cinereo.

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen ꝛc. Ein paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell genug, um dabey im Finstern lesen zu können.

20. Cantharis. Antennae setaceae. Thorax marginatus capite brevior. Elytra flexilia. Abdominis latera plicato-papillosa.

1. . Fusca. C. thorace marginato rubro, macula nigra, elytris fuscis.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter in der Erde auf, und kommt dann zuweilen, wenn es ge - schneyt hat, zu tausenden hervorgekrochen, da ihre plötz - liche Erscheinung auf dem frischen Schnee zu allerhand fabelhaften Sagen Anlaß gegeben.

21. Elater. Springkäfer, Schmid. (Fr. taupin.) Antennae setaceae. Thorax retror - sum angulatus. Mucro pectoris e foramine abdominis resiliens.

286

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fertigkeit merkwürdig, mit welcher sie, wenn sie auf dem Rücken zu liegen kommen, sich in die Höhe zu schnellen, und wieder auf die Beine zu helfen wissen. Vorzüglich dient ihnen dazu ein Stachel, der vorn an der Brust befe - stigt ist, und in eine Rinne oben am Bauche paßt, aus der er beym Aufschnellen mit Gewalt heraus schnappt; und dann die Spitzen, die rückwärts auf beiden Seiten des Brustschilds heraus stehen, und mit den Flügel - decken auf eine ähnliche Weise eingelenkt sind.

1. Noctilucus. Der Cucuyo. E. thoracis lateribus macula flaua glabra.

Im mittlern America; wohl zwey Zoll lang. Die beiden gelben runden Flecken gegen die Seitenspitzen des Brustschildes leuchten stark im Finstern, und die Caraiben bedienten sich ehedem der Cucuyos und einiger anderer phosphorescirenden Insecten statt der Leuchten.

2. . Niger. E. thorace laevi, elytris, pedibus corporeque nigris.

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela. Sandkäfer. Antennae setaceae. Maxillae prominentes denticulatae. Oculi pro - minuli. Thorax rotundato-marginatus.

Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie der Ameisenlöwe, um andern Insecten aufzulauern, und als Käfer wissen sie ihnen mit ausnehmender Schnelligkeit im Lauf und Flug nachzujagen.

1. . Germanica. O. viridis, elytris puncto lunu - laque apicum albis.

23. Buprestis. Prachtkäfer. Antennae setaceae, longitudine thoracis. Caput dimidium intra thoracem retractum.

1. Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis rugo - sis, thorace marginato laevi, corpore inaurato.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 38.

In beiden Indien. Klein Fingers lang.

287

2. . Chrysostigma. B. elytris serratis longitudi - naliter sulcatis, maculis duabus aureis impressis, thorace punctato.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 39.

3. . Viridis. B. elytris integerrimis sublinearibus punctatis, thorace deflexo, viridi elongato.

Von der Farbe der Spanischen Fliege, aber nur ein Paar Linien lang. Die Larve richtete vor einigen Jah - ren in hiesiger Gegend große Verwüstung in jungen Rothbuchen-Stämmen an. Tödtete sie durch Zerstörung des Splints, worin sie geschlängelte Gänge fraß.

24. Dyticus. Wasserkäfer, Fischkäfer (hy - drocantharus) Antennae setaceae aut clavato - perfoliatae. Pedes postici villosi, natatorii submutici.

1. . Piceus. (Hydrophilus P. F.) D. antennis per - foliatis, corpore laevi, sterno carinato, postice spinoso.

Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.

Eine der größten Gattungen. Wenn der Käfer seine Eyer legen will, so bereitet er dazu eine artige längliche Hülse, die er mit einer braunen Seide überzieht, und die mit den eingeschlossnen Eyern wie ein Schiffchen auf dem Wasser schwimmt, bis die kleinen Larven aus - gekrochen und im Stande sind, in ihr Element über Bord zu springen.

2. . Marginalis. D. niger, thoracis elytrorumque margine flavis (mas.)

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 4.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gattungen dieses Geschlechts,) den Fischteichen gefährlich. Beym Weibchen ist die vordere Hälfte der Flügeldecken längs gefurcht.

25. Carabus. Laufkäfer. Antennae setaceae. Thorax obcordatus apice truncatus marginatus. Elytra marginata.

288

Raubthiere in ihrer Art. Viele geben, wenn man sie anfaßt, einen widerlichen Saft von sich. Die we - nigsten können fliegen; laufen aber desto schneller.

1. . Coriaceus. C. apterus ater opacus, elytris punctis intricatis subrugosis.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 44.

2. . Auratus. der Goldhahn. C. apterus, elytris porcatis; striis sulcisque laevibus inauratis.

Häufig auf Feldern, Wiesen ꝛc.

3. . Sycophanta. (Calosoma S. F.) C. aureo ni - tens, thorace caeruleo, elytris aureo viridibus striatis, abdomine subatro.

Sulzers Gesch. tab. 7. fig. 1.

Der größte hieländische Laufkäfer.

4. . Crepitans. (Brachinus C. F.) der Bombar - dirkäfer. (Fr. le petard). C. thorace capite pedibusque ferugineis, elytris viridi nigrican - tibus.

Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von der vo - rigen Gattung verfolgt, und ist dabey durch die von Dr. Rolander beschriebene ganz eigene Art bekannt ge - worden, womit es sich gegen den C. inquisitor u. a. seiner Feinde zu vertheidigen sucht; da es ihnen mit einem merklich starken Laut einen blaulichen Dunst ent - gegen schießt ꝛc.

5. . Spinipes. der Saatfresser. (C. gibbus F.) C. piceus, thorace linea excavata longitudinali, manibus spinosis.

Olivier T. III. tab. 12. fig. 142.

Die unterirdische Larve verursacht in manchen Jahren (wie z. B. 1776 in der Lombardey und 1812 im Halli - schen Saalkreise) furchtbaren Mißwachs der jungen Ge - treidesaat. Der Käfer hält sich des Nachts in Menge auf den Aehren auf.

289

26. Tenebrio. Antennae moniliformes articulo ultimo subrotundo. Thorax plano-convexus, marginatus. Caput exsertum. Elytra rigi - diuscula.

1. . Molitor. T. alatus niger totus, femoribus anticis crassioribus.

Frisch P. III. tab. 1.

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden sich da - her häufig in Mühlen und Beckerhäusern, heißen Mehl - würmer, und geben das bekannte Nachtigallenfutter ab.

2. . Mortisagus. (Blaps mortisaga. F.) der Todtenkäfer. T. apterus thorace aequali, co - leoptris laevibus mucronatis.

Frisch. P. XIII. tab. 25.

27. Meloē. Antennae moniliformes articulo ul - timo ovato. Thorax subrotundus. Elytra mollia flexilia, caput inflexum gibbum.

1. . Proscarabeus. der Maywurm. (Fr. le scarabé onctueux. Engl. the oil-beetle.) M. apterus, corpore violaceo.

Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bey gewaltsamer Berührung einen stinkenden Saft aus den Kniegelenken der Beine ausfließen läßt.

2. . Vesicatorius. (Lytta vesicatoria F.) die spanische Fliege. (cantharis offic.) M. alatus viridissimus nitens, antennis nigris.

Das wichtige heilsame Geschöpf, das (so wie in Ben - galen die M. trianthemae*)s. Hardwicke u. a. im Vten B. der Asiatic Researches pag. 213. u. f.) zum Blasenziehen ge - braucht wird.

28. Mordella. Antennae filiformes serratae. Caput deflexum sub collo (in territo). Palpi290 compress-clavati, oblique truncati. Elytra deorsum curva apicem versus. Ante femora lamina lata ad basin abdominis.

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht begreift nur wenige Gattungen, die sich noch dazu wenig zu ver - mehren scheinen.

1. . Aculeata. M. atra, ano spina terminato.

Sulzers Kennz. tab. 7. fig. 46.

29. Staphylinus*)J. L. C. Gravenhorst coleoptera microptera ꝛc. Brunsv. 1802. 8. Ej. monograhpia coleopterorum micropterorum. Got - tingae. 1806. 8.. Antennae moniliformes. Elytra dimidiata. Alae tectae. Cauda sim - plex exserens duas vesiculas oblongas.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen merkwür - dig, die sie, sobald sie Gefahr merken, aus dem Hin - terleibe treiben; deren Nutzen aber noch unbestimmt ist.

1. . Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis ci - nereis, maxillis longitudine capitis.

30. Forficula. Antennae setaceae. Elytra di - midiata. Alae tectae. Cauda forcipata.

1. . Auricularia. der Ohrwurm, Oehrling, Ohrhöhler. (Fr. le perce-oreille. Engl. the ear-wig.) F. elytris apice albis.

Frisch P. VIII. tab. 15. fig. 1. 2.

An der ungegründeten Sage, daß dieß Thier gern den Menschen in die Ohren kröche, ist nur so viel, daß sich irgend etwa ein Mahl eins dahin so gut, wie jedes andere Insect, verirren kann. Aber dem jungen Ge - müse, den Nelkenknospen ꝛc. sind sie nachtheilig, so wie da wo sie sich in Menge vermehren dem Grundholz der Gebäude und den Fensterfutterungen ..

291

II. HEMIPTERA. (Ulonata und Rhyngota Fabr.)

Bey den meisten Insecten dieser Ordnung ist der Kopf nach der Brust niedergedrückt, bey einigen mit Kinnladen, bey den mehresten aber mit einem nach dem Unterleibe gebogenen Saugerüssel versehen, weßhalb diese auch von einigen Naturforschern Pro - boscidea genannt werden. Meistens haben sie vier Flügel, von welchen zumahl die obern an der Wur - zel fester und hornartiger, am äußern Ende aber dünner und weicher sind. Bey einigen sind sie grade ausgestreckt, bey andern übers Kreuz zusammenge - faltet. Theils sind sie auch mit einer Art kleiner Flügeldecken belegt. Manche haben nur zwey Flü - gel, und bey verschiedenen sind die Weibchen gänz - lich ungeflügelt. Ihre Verwandlung ist nicht sehr ausfallend: sondern die Larven ähneln dem vollkomm - nern Insect bis auf die Flügel, die erst nach und nach völlig ausgebildet werden.

31. Blatta. Schabe. Caput inflexum. Anten - nae setaceae. Elytra alaeque planae, subcori - aceae. Thorax planiusculus, orbiculatus, margina - tus. Pedes cursorii. Cornicula duo supra caudam.

1. . Orientalis. die Brotschabe, Küchen - schabe, der Kakerlake, Tarokan. (Fr. le cancrelas, ravet. Engl. the black beetle, cock - roach.) B. ferrugineo-fusca elytris abbreviatis sulco oblongo impresso.

Frisch P. V. tab. 3.

Jetzt nun fast in allen Welttheilen. So wie einige andre Gattungen dieses Geschlechts (z. B. die, ich weiß nicht warum, sogenannte Germanica, die Americana ꝛc. ) für manche Gegenden, wo sie sich eingenistet und stark vermehrt hat, eine der lästigsten Hausplagen. Ver -292 zehrt vorzüglich mancherley Victualien, vor allen aber Brot ꝛc. Kann daher in Schiffen auf weiten Seereisen schaudervolles Elend verursachen*)Ein schreckliches Beyspiel gibt Maurelle's Südseereise im voyage de la Perouse autour du monde vol. I. p.279. u. f.. Ist noch am ersten durch Arsenik, Dampf von Schwefel und Assa foetida, kochend Wasser ꝛc. und wo nur wenige in einem Zimmer oder einer Küche sind, dadurch zu vertilgen, daß man über Nacht einen Igel oder eine Ente hinein sperrt.

2. Heteroclita. B. fusca, elytris nigris, sinistro in - tegro 4-pustulato: dextro ad marginem inter - num semipellucido, 3-pustulato.

Pallas spicileg. zoologic. IX. tab. 1. fig. 5.

In Tranquebar ꝛc. Wegen der auffallenden Ungleich - heit in der Zeichnung der beiden Oberflügel merk - würdig.

3. . Lapponica. B. flavescens, elytris nigroma - culatis.

Auch außer Lappland im mildern Europa.

32. Mantis. Caput nutans, maxillosum, palpis instructum. Antennae setaceae. Alae 4 mem - branaceae, convolutae, inferiores plicatae. Pedes antici compressi, subtus serrato-den - ticulati, armati ungue solitario et digito seta - ceo laterali articulato: postici 4. laeves, gres - sorii. Thorax linearis elongatus angustatus.

Alle von einer ungewöhnlichen, lang gestreckten, son - derbaren Bildung**)Natuurlyke Afbeeldingen en Beschryvingen der Spooken, wundelende Bladen ꝛc. door Casp. Stoll. Amst. 1787. 4.. Auch ihr Gang, ihr Betragen ꝛc. hat was Eigenes gleichsam Feyerliches, das wohl zu der abergläubischen Devotion Anlaß gegeben hat, mit der mehrere Gattungen dieses Geschlechts, zumahl im Oriente, angesehen werden.

1. Gigas. [Phasma G. F***)J. C. Fabricii Supplementum entomologiae systematicae. Hasinae, 1798. 8. p. 186.. ] M. thorace teretius - culo scabro, elytris brevissimis, pedibus spinosis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 19. fig. 9. 10.

293

Auf Amboina. Spannenlang, und doch kaum so dick als eine Gänse-Spuhle. Wird von den Indianern gegessen.

2. Gongylodes. M. thorace subciliato, femoribus anticis spina terminatis, reliquis lobo.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 7. fig. 1. 2. 3.

Auf Guinea ꝛc.

3. . Religiosa. (M. oratoria var. ß. F.) die Gottesanbetherinn, das wandelnde Blatt, der Weinhandel, Weinhasel. M. thorace laevi subcarinato elytrisque viridibus immaculatis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 1.2.

Geht meist nur auf den vier Hinterfüßen, und hält die vordern beiden in die Höhe. Man nennt es das wandelnde Blatt, weil seine Oberflügel an Gestalt und Farbe einem Weidenblatte ähneln. Kann wohl zehn Jahre alt werden.

4. Precaria. M. thorace subciliato, elytris flavis ocello ferrugineo.

Abbild. n.h. Gegenst. tab. 88.

Am Cap; wo sie von den Hottentotten heilig ver - ehrt wird.

33. Gryllus. Heuschrecke. (Fr. sauterelle. Engl. grashopper.) Caput inflexum, maxil - losum, palpis instructum. Antennae setaceae s. filiformes. Alae 4 deflexae, convolutae, inferiores plicatae. Pedes postici saltatorii. Ungues ubique bini.

Ein großes Geschlecht, dessen mehreste Gattungen dem Wiesenwachs und Getreide gefährlich sind. Bey manchen geben die Männchen entweder zur Begattungs - zeit, oder wenn sich das Wetter ändern will, einen be - kannten zirpenden Laut von sich, den sie theils mit den Springfüßen, am meisten aber mit den Flügeln her - vorbringen.

294

1. . Gryllotalpa. (Acheta G. F.) die Werre, Maulwurfsgrille, der Riehwurm, Reit - wurm, Schrotwurm, Ackerwerbel, Erd - krebs. (Fr. la courtilière. Engl. the mole - crick). G. thorace rotundato, alis caudatis elytro longioribus, pedibus anticis palmatis tomentosis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 14. 15.

In Europa und Nordamerica: theils an Orten wie im Thüringischen ꝛc. ausnehmend häufig. Lebt meist un - ter der Erde, und thut zumahl den Küchengewächsen und der Gerstensaat großen Schaden.

2. . Domesticus. (Acheta D. F.) die Grille, Zirse, Heimchen. (Fr. le grillon. Engl. the cricket.) G. thorace rotundato, alis caudatis ely - tro longioribus, pedibus simplicibus, corpore glauco.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 12.

3. . Campestris. (Acheta C. F.) die Feld - grille. G. thorace rotundato, cauda biseta stylo lineari, alis elytro brevioribus, corpore nigro.

Frisch P. I. tab. 1.

4. . Viridissimus. (Locusta viridissima. F.) der Baumhüpfer. G. thorace rotundato, alis viri - dibus immaculatis, antennis setaceis longissimis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 10. 11.

Von schöner grüner Farbe. Lebt meist auf Gebüschen, springt vorzüglich weit.

5. . Verrucivorus. (Locusta verrucivora. F.) das Heupferd. G. thorace subquadrato laevi, alis viridibus fusco maculatis, antennis setaceis lon - gitudine corporis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 8.

6. Cristatus. die Kammheuschrecke. G. thorace cristato, carina quadrifida.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 5.

In den Morgenländern, Aegypten ꝛc.

7. . Migratorius. die Zugheuschrecke, Strich - heuschrecke, Heerheuschrecke. G. thorace295 subcarinato; segmento unico, capite obtuso, ma - xillis atris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 29.

Das furchtbare Insect, das oft in unsäglichen Zügen auch in Europa eingefallen ist, und allgemeinen Miß - wachs, Hungersnoth ꝛc. verursacht hat. Ursprünglich ge - gehört es wohl (so wie der ihm ähnliche, sich auch zu Zeiten in Unzahl vermehrende Gr. tataricus), in die asiatische Tatarey zu Hause, doch findet es sich auch einzeln in Deutschland, das doch seit 1750 mit großen Invasionen desselben verschont geblieben*)S. außer den allgemein bekannten Quellen zur Geschichte dieses furchtbaren Insects:Joel neu übersetzt und erläutert von C. W. Insti. Leipz. 1792. 8.und Jac. Bryant's observations upon the plagues inflicted upon the Egyptians. Lond. 1794. 8. p. 137.. Auch soll sich diese Heuschrecke (wenn es anders die gleiche Gat - tung ist) in Nord - und Süd-America finden. Daß sie in Arabien und dem nördlichen Africa noch jetzt, so wie in den ältesten Zeiten, in Menge verspeißt wird, ist eine ausgemachte Sache: und daß das einige neuere Reisende in diese Länder für eine Fabel erklärt haben, gibt ein lehrreiches Beyspiel von voreilig dreistem Hy - perscepticismus.

8. . Stridulus. die Holzheuschrecke. G. tho - race subcarinato, alis rubris extimo nigris ne - bulosis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 21. fig. 1.

Leben meist im Gehölze. Die Männchen geben im Fluge einen lauten klappernden Ton von sich.

34. Fulgora**)Zu diesen und den vier nächstfolgenden Geschlechtern s. Natuurlyke Afbeeldingen en Beschryvingen der Cicaden en Want - zen, door Casp. Stoll, Amst. 1780 sq.4.Ueberhaupt J. C. Fabricii Systema Rhyngotorum. Brunsvigae 1803. 8.. Caput fronte producta, inani. Antennae infra oculos, articulis 2, exteriore globoso. Rostrum inflexum, pedes gressorii.

296

Der sonderbare Character dieses Geschlechts ist die hornige Blase vor der Stirne, die bey den nachbe - nannten Gattungen im Leben und einige Zeit nach dem Tode einen Schein verbreitet.

1. Laternaria. der surinamische Laternträ - ger, Leyermann. (Fr. la portelanterne. Engl. the lanthorn-fly.) F. fronte ovali recta, alis lividis; posticis ocellatis.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 28. 29.

Die größte Art; die leuchtende Blase ist fast so groß als der ganze übrige Körper, und scheint so hell, daß sich die Guianischen Wilden ihrer ehedem statt Leuchten bedient haben sollen.

2. Candelaria. der schinesische Laternträger. F. fronte rostrato-subulata adscendente, elytris viridibus luteo-maculatis, alis flavis: apice nigris.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 30.

35. Cicada. (Fr. cigale.) Rostrum inflexum. Antennae setaceae. Alae 4 membranaceae, deflexae. Pedes plerisque saltatorii.

Die männlichen Cicaden geben wie die Heuschrecken einen Laut von sich, der durch besondere, mehr zu - sammengesetzte Werkzeuge an ihrem Unterleibe hervor gebracht wird.

Merkwürdig ist, daß einige Gattungen von Keulen - schwämmen (clavariae) besonders häufig auf den Pup - pen von Cicaden, theils gar auf dem lebendigen Leibe ihrer Larven, so wie andere auf Raupen, Schmetter - lings-Puppen, Laufkäfern ꝛc. wachsen*)Fougeroux in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris, v. J. 1769.Theod. Holmskiold beata ruris otia fungis Danicis im - pensa. Havn. 1790. fol. .

1. Orni. die Manna-Cicade (Tettigonia O. F.) C. nigra flavo-maculata, alis hyalinis, basi flavis maculis nigris.

Rösel vol. II. Heuschr. tab. 25. fig. 1. 2.

297

Im südlichen Europa und in Nordafrica an einigen Gattungen von Eschen, wo sie durch ihren Stich das ausschwitzen der Manna verursachen soll. Wird insge - mein nebst der fast noch ein Mahl so großen C. plebeia (Rösel fig. 3.) für die bey den Alten so beliebten Cicaden gehalten*)Allein die ächt griechische (weiland den Musen ge - heiligte, von den griechischen Dichtern gefeierte) Cicade, die mir einer meiner Zuhörer, Herr Dr. Glarakes, aus Chios kom - men lassen, und die von jenen beiden sehr verschieden ist, finde ich bloß bey Petiver abgebildet. (Gazophylac. tab. 15. fig.[4]. ..

2. . Spumaria. (Cercopis S. F.) der Schaum - wurm, Gäschtwurm. C. fusca, elytris maculis binis albis lateralibus, fascia duplici interrupta albida.

Frisch P. VIII. tab. 12.

Besonders häufig auf Weidenbäumen, denen die Larve im Frühjahr den Saft aussaugt, und ihn in Ge - stalt eines Schaums (des so genannten Kuckuckspeichels), unter welchen sie oft versteckt ist, wieder von sich gibt. Daher auch die Sage von regnenden Weiden.

3. Lanata. (Lystra L. F.) C. alis deflexis ni - gris: punctis caeruleis, fronte lateribusque rubris, ano lanato.

Stoll tab. 10 fig. 49. und D.

In Westindien. Hat den Beynamen von den räth - selhaften, schneeweißen, aber im Wasser gleichsam schmelzenden langen Flocken am Hinterleibe**)Könnten das vielleicht Ueberreste solcher obgedachten Keu - lenschwämme seyn, die vorher auf der Larve oder Puppe des Thiers gewachsen sind?.

36. Notonecta. Wasserwanze. Rostrum in - flexum. Antennae thorace breviores. Alae 4 cruciato-complicatae, antice coriaceae. Pe - des posteriores pilosi natatorii.

1. Glauca. N. grisea elytris griseis margine fusco punctatis apice bifidis.

Frisch P. VI. tab. 13.

298

Schwimmt die mehrste Zeit auf dem Rücken: weiß auch in dieser Lage kleine Mücken ꝛc., von denen sie sich nährt, mit vieler Geschwindigkeit zu haschen.

37. Nepa. Wasserscorpion. Rostrum infle - xum. Alae 4 cruciato-complicatae anticae coriaceae. Pedes anteriores cheliformes; re - liqui 4 ambulatorii.

1. . Cinerea. N. cinerea, thoraci inaequali, cor - pore oblongo-ovato.

Frisch P. VII. tab. 15.

Die Eyer dieses Thieres haben eine überaus sonder - bare Gestalt, an einem Ende mit Häkchen, fast wie Samen von Kornblumen ꝛc.

2. . Cimicoides. (Naucoris C. F.) N. abdominis margine serrato.

Frisch P. VI. tab. 14.

3. Plana. (Nepa rustica F.) N. subfusca: ocu - lis nigris, alis albidis, dorso plano.

Eine gewisse Art Wassermilben legt diesem Thier, das auf Tranquebar zu Hause ist, ihre Eyer auf den Rücken*)Stoll. Wanzen II. D. tab. VII. fig. 6. A. Eine ähnliche Bemerkung hat aber auch schon Swam - merdam an dem hieländischen grauen Wasserscorpion gemacht. S. dess. Bibl. naturae. T. I. p. 230. tab. 3. fig. 4. 5..

38. Cimex. Wanze. Rostrum inflexum. Alae 4 cruciato-complicatae, superioribus antice coriaceis. Dorsum planum thorace marginato. Pedes cursorii**)J. Fr. Wolff icones cimicum descriptionibus illustratae. Fasc. I-V. Erlang. 1800 sqq. 4..

1. . Lectularius. (Acanthia lectularia F.) die Bettwanze, Wandlaus. (Fr. la punaise. 299(Engl. the bug, wall-louse.) C. flavescens, alis nullis.

Sulzers Kennz. tab. 10. fig. 69.

Ueber die ursprüngliche Heimath und den Aufenthalt dieses ekelhaften, lichtscheuen Insects im wilden Zu - stande weiß man wenig Zuverlässiges. Jetzt findet sichs fast in allen Welttheilen (namentlich in Sibirien, Ostin - dien, Nord - und Süd-America ꝛc.) So leicht Wan - zen durch Zufall in ein Haus kommen können, so leicht ist es, sie bald anfangs durch sorgfältige wiederhohlte Anwendung kräftiger Mittel*)Als einige der bewährtesten Mittel werden empfohlenA. Heiße Seifenfiederlauge.B. Absud von Zweigen und Borke des Lärchenbaums.Mit diesen Mitteln wird das Holzwerk gewaschen:Vorzüglich aberC. Räucherungen von oxygenirter Salzsäure in Gas - oder Dunstgestalt, in den ausgeräumten Zimmern bey festverschlossenen - Thüren und Fenstern.Als Palliativmittel auf Reisen dient Citronsaft oder Wein - essig auf die Bettücher ꝛc. gesprengt. auch wieder zu vertrei - ben: was aber äußerst schwer hält, wo man sie einmahl überhand nehmen und sich weit verbreiten lassen.

2. . Corticalis. (Aradus C. F.) C. membrana - ceus, abdominis margine imbricatim secto, cor - pore nigricante.

In Wäldern an Baumstämmen: ist wegen seiner täuschenden, rindenartigen Gestalt und Farbe schwer zu finden.

3. . Baccarum. der Qualster. C. ovatus gri - seus, abdominis margine nigro maculato.

In Gärten, zumahl an Johannisbeeren. Auch diese Wanze stinkt heftig: doch bloß wenn sie berührt wird; da ihr der Gestank, wie manchen andern Wanzen, zum Vertheidigungsmittel zu dienen scheint.

300

4. . Personatus. (Reduvius P. F.) C. rostro arcuato, antennis apice capillaceis, corpore ob - longo subvilloso fusco.

Frisch P. X. tab. 20.

Hält sich in Winkeln auf. Die Larve ist immer wie mit Staub und Kehricht bedeckt.

5. . Apterus. (Lygaeus A. F.) C. ovatus, ru - bro nigroque varius, elytris rubris, punctis duo - bus nigris.

Stoll tab. 15. fig. 103.

Mitunter doch auch geflügelt. Ueberwintert klum - penweiß an Baumwurzeln etc*)s. Hofr. Hausmann in Illiger's Magaz. I. B. S. 229 u. f..

39. Aphis. Blattlaus, Neffe, (vulgo sogenan - ter Mehlthau.) (Fr. puceron. Engl. plant - louse.) Rostrum inflexum. Antennae thorace longiores. Alae 4 erectae aut nullae. Pedes ambulatorii. Abdomen postice saepius bicorne.

Es gibt oft in Einer Gattung, ja in Einer und eben derselben Familie, geflügelte und ungeflügelte Blattläuse, und das ohne alle Beziehung auf den Sex - ualunterschied. Die Männchen sind kleiner als ihre Weibchen: und werden auch in weit minderer Anzahl jung. Sie erscheinen nicht eher als in der letzten Ge - neration jeden Sommers**)s. ebenfalls Hausmann in dem gedachten Magazin. I. B. S. 426.; bey den mehresten Gat - tungen also erst zu Ende desselben, und nur auf kurze Zeit, da sie ihre Weibchen befruchten, die kurz darauf Eyer oder vielmehr Hülsen von sich geben, in welchen zwar die jungen Blattläuse schon völlig ausgebildet lie - gen, aber doch nicht eher als bis im folgenden Frühjahr hervor brechen, und zwar sind alle diese nunmehr aus - gekrochenen Blattläuse durchgehends weiblichen Geschlechts, so daß bis zu dem ebengedachten Termin der letzten Generation keine männliche Blattlaus zu sehen ist. Und dessen ungeachtet sind doch alle jene jungfräulichen Blattläuse im Stande, ohne Zuthun eines Gatten301 Geschlecht fortzupflanzen; so daß jene einmahlige Begattung im Herbste, ihre befruchtende Wirkung im folgenden Frühjahr und Sommer bey vielen bis ins neunte Glied äußert.

1. . Ribis. A. ribis rubri.

Frisch P. XI. tab. 14.

2. . Ulmi. A. ulmi campestris.

3. . Sambuci. A. sambuci nigrae.

Frisch P. XI. tab. 18.

4. . Rosae. A. rosae.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 79.

5. . Bursaria. A. populi nigrae.

Swammerdam Bibl. nat. tab. 45. fig. 22. u. f.

Auf der Schwarzpappel, da sie die sonderbaren Aus - wüchse verursacht, die man Pappelrosen, Alber - knospen ꝛc. heißt.

6. Pistaciae. A. nigra, alis albidis, tibiis longissi - mis, thorace verrucoso.

An Pistacien, Mastix, Terpentinbaum ꝛc. wo sich die Blattläuse in einer spannenlangen, schotenähnlichen Hülse aufhalten.

40. Chermes. Blattsauger. Rostrum pectorale. Antennae thorace longiores. Alae 4 deflexae. Thorax gibbus, pedes saltatorii.

Haben in der Bildung viel Aehnliches mit den ge - flügelten Blattläusen. Als Larven sehen sie fast aus wie Cicaden, hüpfen auch so ꝛc.

1. . Buxi. C. buxi.

2. . Alni. C. betulae alni.

Frisch P. VIII. tab. 13.

41. Coccus. Schildlaus. (Fr. Gallinsecte.) Rostrum pectorale. Abdomen postice seto -302 sum. Alae 2 erectae masculis. Feminae apterae.

Bey keinen andern Thieren sehen die beiden Ge - schlechter einander so auffallend ungleich, als bey den Schildläusen. Das Männchen ähnelt einer kleinen Mücke, das Weibchen hingegen ist ungeflügelt, und sitzt, nach - dem es sich gehäutet hat, fast unbeweglich an den Ge - wächsen, und könnte bey manchen Arten eher für eine Narbe an der Pflanze, als für ein lebendiges Thier an - gesehen werden. Das Männchen schwärmt indeß im Freyen umher, bis es, vom Begattungstrieb gereizt, ein solches einsiedlerisches Weibchen aufsucht und be - fruchtet.

1. Hesperidum. C. hybernaculorum.

Sulzers Kennz. tab. 12. fig. 81.

Das Weibchen hält sich vorzüglich an Orangenbäu - men, auf der Rückseite der Blätter, auf.

2. Adonidum. C. rusa farinacea pilosa.

Wie die vorige in Gewächshäusern, besonders an Caffeebäumen ꝛc. Man vertreibt sie, wenn man die Gewächse nach dem Begießen mit Schwefelblumen be - streut.

3. Ilicis. Kermes. C. quercus cocciferae.

Im südlichen Europa, besonders in Griechenland, in der Provence ꝛc. an Stechpalmen ꝛc. Die beerenförmi - gen, gallapfelartigen Eyer-Nester (Fr. le vermillon. ) dieser Thiere werden mit Essig besprengt, und das Car - moisinroth daraus verfertigt.

4. . Polonicus. Deutsche Cochenille, Johan - nisblut. C. radicis scleranthi perennis.

Frisch P. V. tab. 2.

Macht ebenfalls kermesartige Eyer-Nester an den Wurzeln des Scleranthus perennis und einiger andern Pflanzen; zumahl häufig in Polen und am Don, wo sie gesammelt, und zur Farbe angewandt werden.

5. Cacti. der Scharlachwurm. (Fr. la cochenille, Engl. the cochineal-fly. ) C. cacti coccinelliferi.

Ellis in den philos. Transact. vol. LII. P. II.

303

Ursprünglich in Mexico; findet sich auf mehreren Cactusarten, die deßhalb in großen Plantagen gepflanzt, und die Cochenillwürmer fast wie die Seidenwürmer darauf gezogen, und jährlich zu dreyen Mahlen abge - lesen werden.

6. Lacca. der Gummi-Lackwurm. C. ficus indi - cae et religiosae.

D. Roxburgh in Voigts Magazin VIII. B. 4. St. tab. 1.

Zumahl in den gebirgigen Gegenden von Hindostan zu beiden Seiten des Ganges; von ihm kommt das so genannte Gummilack*)Bey Madras in Indien hat man ein wachsähnliches, weißliches Lack entdeckt, wovon die Proben, die ich besitze, aus einzelnen Zellen bestehen, die an Größe und Form den Caffee - bohnen ähneln; und das für Indien, wo Bienenwachs so theuer ist, sehr wichtig werden kann..

42. Thrips. Rostrum obscurum. Antennae lon - gitudine thoracis. Abdomen sursum reflexile. Alae 4 rectae, dorso incumbentes, longitudi - nales, angustae, subcruciatae.

Ueberaus kleine Insecten, die sich gesellschaftlich in den Blüthen mancher Gewächse aufhalten, und meist nur durch die Munterkeit, mit der sie umher hüpfen und fliegen, bemerkbar werden.

1. . Physapus. T. elytris glaucis, corpore atro.

De Geer in den schwed. Abhandl. v. J. 1744. tab. 4. fig. 4.

Im Getreide, Bohnenblüthen ꝛc.

304

III. LEPIDOPTERA. (Glossata Fabr.) *)Zur Geschichte dieser Ordnung vergleiche man, außer den schon oben genannten, vorzüglich noch folgende Werke:Eug. Joh. Chph. Esper's Schmetterlinge. Erlangen, seit 1776. gr. 4.Jac. Hübner's Schmetterlinge in Abbildungen. Augsb. 4.Systematische Beschreibung der europäischen Schmetterlinge. 1. Th. Rostock, 1785. 8.M. B. Borkhausen's Naturgesch. der europäischen Schmet - terlinge. Frkf 1788 u. f. 8.Ferd. Ochsenheimer's Schmetterlinge von Europa. Dresd. seit 1817. 8.(Denis und Schiffermüller) Systematisches Verzeich - niß der Schmetterlinge der Wiener Gegend. Wien, 1776, gr. 4. 2te verm. Ausg. (von Illiger und Häfeli). Braunschw. 1800 sq. 11. B. 8.Chr. Sepp Nederlandsche Insecten. Amst. seit 1762. 4.C. Clerck icones insectorum rariorum. Holm. 1759. sq. II. vol. 4.P. Cramer uitlandsche Kapellen. Amst. seit 1775. 4.The natural history of the rarer lepidopterous insects of Georgia, collected from Abbot's observations by Jam. E. Smith. Lond. 1797. II. vol. Fol.Joh. Mader's Raupenkalender, Herausgegeben von C. F. C. Kleemann. ed. 2. Nürnb. 1785. 8.

Die Schmetterlinge, eine weitläuftige Ord - nung, die sich durch vier ausgespannte, mit bun - ten Schuppen befiederte Flügel, und einen behaar - ten Körper auszeichnet. Als Raupen haben sie Kinnladen, zwölf Augen am Kopf, einen lang ge - streckten, cylindrischen Körper von zwölf Abschnit - ten, mit neun Luftlöchern auf jeder Seite, drey Paar hakenförmiger Klauen an der Brust, und meist fünf Paar runden fleischiger Füße am Hinter - leibe. Die Raupe häutet sich verschiedentlich, wird305 dann zur Puppe, die mehrentheils unbeweglich, doch bey der Weidenraupe und einigen andern sehr weni - gen Gattungen sich von der Stelle zu bewegen im Stande ist. Hieraus kommt endlich nach einer be - stimmten Zeit der Schmetterling zum Vorschein, der meist lange Fühlhörner, nur drey Paar Füße, statt der Kinnladen eine spiralförmig aufgerollte (so genannte) Zunge, und statt jener zwölf kleinen Au - gen, zwey große halbkugelichte und drey kleine (§. 126.) hat. Alle die zahlreichen Gattungen hat Linné unter drey Geschlechter gebracht.

43. Papilio. Tagvogel. (Engl. butterfly.) Antennae apicem versus crassiores, saepius clavato-capitatae. Alae erectae sursumque conniventes.

Die Raupe ist mehrentheils wie mit Dornen besetzt, und häutet sich gewöhnlich vier Mahl. Sie verpuppt sich ohne ein äußeres Gespinste: die Puppe ist zackig, theils schön goldfarbig (chrysalis, aurelia), und hängt sich mit dem hintern Ende auf. Der Schmetterling fliegt nur am Tage umher, und hält im Sitzen seine vier breiten ausgespannten Flügel in die Höhe, mit der Oberseite (die bey vielen an Farbe und Zeichnung gar sehr von der Unterseite verschieden ist) gegen einander gekehrt. Linné hat das ganze Geschlecht, leichter Faß - lichkeit wegen, wieder in fünf Familien (phalanges) abgetheilt.

a. Equites. Alis primoribus ab angulo postico ad apicem longioribus, quam ad basin: his saepe antennae filiformes.

Tröes. ad pectus maculis sanguineis. (saepius nigri.)

Achivi, pectore incruento, ocello ad angulum ani.

b. Heliconii. Alis angustis integerrimis, saepe denudatis; primoribus oblongis; posticis bre - vissimis.

306

c. Danai. Alis integerrimis.

Candidi, alis albidis.

Festivi, alis variegatis.

d. Nymphales. Alis denticulatis.

Gemmati, alis ocellatis.

Phalerati, alis caecis absque ocellis.

e. Plebeii. Parvi. Larva saepius contracta.

Rurales, alis maculis obscurioribus.

Urbicolae, alis maculis pellucidis.

1. Priamus. P. E. T. alis denticulatis tomentosis supra viridibus: institis atris, posticis maculis sex nigris.

Clerck tab. 17.

Auf Amboina ꝛc. So wie der folgende ein großes prächtiges Thier.

2. Ulysses. P. E. A. alis caudatis fuscis, disco caeruleo splendente dentato. Posticis subtus ocel - lis septem.

Clerck tab. 23. fig. 1.

Auch in Ostindien.

3. . Machaon. der Schwalbenschwanz. P. E. A. alis caudatis concoloribus flavis, limbo fusco, lunulis flavis, angulo ani fulvo.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 1.

4. . Podalirius. der Segelvogel. P. E. A. alis caudatis subconcoloribus flavescentibus: fasciis nigricantibus geminatis: posticis subtus linea au - ratia.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

5. . Apollo. der rothe Augenspiegel. P. H. alis oblongis integerrimis albis: posticis ocellis supra 4: subtus 6, basique rubris.

Sulzers Kennz. tab. 13. fig. 41.

Im wärmern Europa.

307

6. . Crataegi. der Lilienvogel, Baumweiß - ling, Heckenweißling. P. H. alis integer - rimis rotundatis albis: venis nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Eine der schädlichsten Raupen für Obstbäume. Die jungen halten sich gesellschaftlich in einem Gespinnste zu - sammen.

7. . Brassicae. die Kohleule, der Kohlweiß - ling, Buttervogel. P. D. C. alis integerrimis rotundatis albis: primoribus maculis duabus apici - busque nigris, maior.

Herold's Entwickelungsgesch. des Schmetterl. tab. 1.

Nebst den beiden folgenden auf Kohl, Kraut und Rübsaat. Buttervogel heißt der Schmetterling (so wie die Butterblume), von der gelben Farbe der Unter - flügel: ein Name, der aber nachher auch den Papilio - nen überhaupt gegeben worden.

8. . Rapae. der Rübenweißling. P. D. C. alis integerrimis rotundatis: primoribus maculis duabus apicibusque nigris, minor.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 45.

9. . Napi. P. D. C. alis integerrimis rotundatis albis: subtus venis dilatato-virescentibus.

10. Cardamines. der Auroravogel. P. D. C. alis integerrimis rotundatis albis, primoribus me - dio fulvis, posticis subtus viridinebulosis.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 8.

11. . Rhamni. der Citronen-Papilion, das fliegende Blatt. P. D. C. alis integerrimis angulatis flavis: singulis puncto flavo, subtus fer - rugineo.

Rösel vol. III. tab. 46.

12. . Hyperantus. P. D. F. aliis integerrimis fus - cis, subtus primoribus ocellis tribus: posticis duobus tribusque.

13. . Io. das Pfauenauge, der Pfauen - spiegel. P. N. G. alis angulato dentatis-ful -308 vis nigro-maculatis: singulis subtus ocello cae - ruleo.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 3.

Die Puppe wie vergoldet.

14. . Galatea. das Bretspiel. P. N. G. alis dentatis albis nigroque variis, subtus primoribus ocello unico, posticis quinque obsoletis.

Rösel vol. III. tab. 37.

15. . Cardui. der Distelvogel. P. N. G. alis dentatis fulvis albo nigroque variegatis, posticis utrinque ocellis quatuor, saepius coecis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 10.

Die Puppe ebenfalls ganz goldglänzend. In manchen Jahren unsäglich häufig.

16. . Iris. der Schillervogel. P. N. G. alis subdentatis subtus griseis; fasciautrinque alba in - terrupta, posticis supra uniocellatis.

Rösel vol. III. tab. 42.

17. . Antiopa. der Trauermantel. P. N. P. alis angulatis nigris limbo albido.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. I.

18. . Polychloros. der große Fuchs. P. N. P. alis angulatis fulvis, nigro maculatis: primoribus supra punctis quatuor nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 2.

Die Raupe gibt einen bisamähnlichen Geruch von sich.

19. . Urtica. der kleine Fuchs, Nesselvogel. P. N. P. alis angulatis fulvis nigro-maculatis; primoribus supra punctis tribus nigris.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 4.

20. . C. album. der C-Vogel. P. N. P. alis angulatis fulvis nigro maculatis, posticis subtus C. albo notatis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 5.

309

21. . Atalanta. der Mars, 980-Vogel. (Engl. the admirable. ) P. N. P. alis dentatis nigris albo-maculatis: fascia communi purpurea, pri - moribus utrinque, posticis marginali.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 6.

Einer der schönsten deutschen Schmetterlinge.

22. . Paphia. der Silberstrich. P. N. P. alis dentatis luteis nigro-maculatis, subtus lineis ar - genteis transversis.

Rösel vol. I. Tagvögel I. tab. 7.

Auch ein überaus schönes Thier von mittler Größe.

23. . Aglaia. der große Perlenmuttervogel, Violenvogel. P. N. P. alis dentatis flavis ni - gro maculatis: subtus maculis 21 argenteis.

24. . Pruni. P. P. R: alis subcaudatis supra fus - cis: posticis subtus fascia marginali fulva nigro - punctata.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 7.

Auf Zwetschenbäumen.

25. . Argus. P. P. R. alis ecaudatis caeruleis: po - sticis subtus limbo ferrugineo: ocellis caeruleo - argenteis.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 37.

Auf Kreuzdorn ꝛc.

26. . Malvae. der Pappelvogel. P. P. V. alis denticulatis divaricatis nigris albo-maculatis.

Rösel vol. I. Tagvögel II. tab. 10.

44. Sphinx. Abendvogel. Antennae medio crassiores s. utraque extremitate attenuatae subprismaticae. Alae deflexae.

Die Raupen in diesem Geschlechte sind mehrentheils von vortrefflicher Farbe, mit einem hakenförmigen Horn am Ende des Rückens, dessen Spur auch noch an der Puppe sichtbar ist. Sie verpuppen sich unter der Erde, ohne Gespinnste. Die Abendvögel haben ihren310 Namen daher, weil sie meist bloß in der Abenddämme - rung umher fliegen. Die mehresten haben einen lang - samen schweren Flug. Linné hat das ganze Geschlecht, das doch nicht gar zahlreich ist, auf folgende Art un - terabgetheilt:

a. Legitimae alis angulatis.

Alis integris, ano simplici.

Alis integris, ano barbato.

b. Adscitae habitu et larva diversae.

1. . Ocellata. das Abendpfauenauge. S. L. alis repaudis: posticis ocellatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 1.

2. . Nerii. der Oleandervogel. S. L. alis subangulatis viridibus: fasciis variis pallidioribus saturatoribus flavescentibusque.

Rösel vol. III. tab. 16.

3. . Convolvuli. S. L. alis integris: posticis ni - gro fasciatis margine postico albo-punctatis, ab - domine rubro cingulis atris.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 7.

4. . Ligustri. S. L. alis integris: posticis incar - natis fasciis nigris, abdomine rubro cingulis nigris.

5. . Atropos. der Todtenkopf. S. L. alis inte - gris: posticis luteis fasciis fuscis, abdomine luteo cingulis nigris.

Rösel vol. III. tab. 2.

Eins der schädlichsten Thiere für Bienenstöcke. Die Raupe auf Jasmin, Kartoffelkraut ꝛc.

6. . Celerio. der Phönix. S. L. alis integris griseis lineola albo-nigra; inferioribus basi ru - bris maculis sex.

Rösel vol. IV. tab. 8.

311

7. . Elpenor. die Weinraupe, der große Weinvogel. S. L. alis integris virescentibus, fasciis purpureis variis, posticis rubris basi atris.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 4.

8. . Porcellus. die kleine Weinmotte. S. L. alis integris margine rubris; posticis basi fuscis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 5.

9. . Euphorbiae. die Wolfsmilchraupe. S. L. alis integris fuscis, vitta superioribus pallida, inferioribus rubra.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 3.

10. . Pinastri. der Fichtenschwärmer. S. L. alis integris canis, margine postico albo maculato, abdomine fusco cingulis albis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 6.

In Kiefernwäldern, wo die Raupe, die sich in den Gipfeln aufhält, zuweilen große Verheerungen anrichtet.

11. . Stellatarum. (Sesia St. F.) der Tauben - schwanz, Karpfenkopf. S. L. abdomine barbato lateribus albo nigroque variis, alis posticis ferru - gineis.

Rösel vol. I. Nachtvögel I. tab. 8.

12. . Filipendulae. (Zygaena F. F.) die Zirkel - motte. S. A. alis superioribus cyaneis; punctis sex rubris; inferioribus rubris immaculatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 62.

13. . Phegea. (Zygaena quercus F.) die Rin - gelmotte. S. A. viridi-atra, alis punctis fene - stratis: superiorum sex, inferiorum duobus, ab - domine cingulo luteo.

45. Phalaena. Nachtvögel. (Engl. Moth.) Antennae setaceae, a basi ad apicem sensim attenuatae. Alae sedentis saepius deflexae.

Das weitläufigste Geschlecht unter den Insecten. Die Raupen sind mehrentheils behaart; und verpuppen sich meist innerhalb eines besondern seidenartigen Ge -312 spinnstes (folliculus), wozu sie den klebrigen Stoff in zwey darmähnlichen Schläuchen, die längs dem Rücken hinab neben dem Magen liegen, führen; und ihn nach - her, mittelst einer besondern Röhre, die sich hinter dem Munde dieser Raupen findet, zu äußerst feinen Faden spinnen, die ihnen auch außerdem zu andern Zwecken, sich z. B. daran herablassen zu können ꝛc. nutzen*)Lyonet Traité anatomique. tab. 2. fig. 8. 9. 10. S. 54. tab. 5. fig. 1. T. V. X. L. S. 111. und tab. 14. fig. 10. 11. S. 498.. Diese Gehäuse werden bey einigen, wie bey dem Pfauenauge, wegen ihrer überaus künstlichen Einrichtung; bey einigen Arten von Seidenwürmern aber durch ihre große Nutzbarkeit merkwürdig. Die Phalänen selbst, die meist des Nachts ihren Geschäften nachgehen, hat Linné in folgende Familien abgetheilt.

a. Attaci alis patulis inclinatis.

Pectinicornes.

Seticornes.

b. Bombyces alis incumbentibus; antennis pectinatis.

Elingues absque lingua manifeste spirali.

Spirilingues lingua involuto-spirali.

c. Noctuae alis incumbentibus. Antennis se - taceis, nec pectinatis.

Elingues.

Spirilingues.

d. Geometrae alis patentibus horizontalibus quiescentes.

Pectinicornes.

Seticornes.

e. Tortrices alis obtusissimis, ut fere retu - sis, margine exteriore curvo.

f. Pyralides alis conniventibus in figuram deltoideam forficatam.

g. Tineae alis convolutis, fere in cylindrum, front prominula.

313

h. Alucitae alis digitatis fissis ad basin usque.

1. . Atlas. (Bombyx A. F.) P. Att. pectinicornis elinguis, alis falcatis concoloribus luteo-variis, macula fenestrata, superioribus sesquialtera.

Merianae Surinam. tab. 32.

In beiden Indien. Die Flügel größer als an einer hieländischen Fledermaus, aber mit auffallend kleinem Leibe. Man macht aus dem Gespinste dieser und ande - rer großen Phalänen in Schina die sogenannte wilde Seide.

2. Cecropia. (Bombyx A. F.) P. Att. pectinicor - nis elinguis, alis subfalcatis griseis: fascia fulva, superioribus ocello subfenestrato ferrugineo.

Abbot vol. I. tab. 45.

In Nordamerica*)Von einem eifrigen Entomologen, Herr C. M. Sommer Kaufmann in Altona, habe ich ausgezeichnet schöne Exemplare dieses ansehnlichen Nachtvögels erhalten, die er (so wie mehrere exotische Schmetterlinge aus den Eyern gezogen..

3. . Pavonia. (Bombyx P. F.) das Nacht - pfauenauge. P. Att. pectinicornis elinguis, alis rotundatis griseo-nebulosis subfasciatis: ocello nictitante subfenestrato.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 4. 5.

Das Puppengehäuse hat die Gestalt einer runden Flasche, mit einem, dem Anschein nach, offenen abge - stutzten Halse, dessen Eingang aber doch inwendig auf eine überaus artige Weise, mittelst elastischer convergi - render Stacheln, die in eine hervorstehende Spitze zu - sammen laufen, so gut verwahrt ist, daß das vollkom - mene Thier zu seiner Zeit füglich heraus, hingegen kein feindseliges Insect durch diesen Weg hinein dringen kann**)Das Gespinnste der kleinern Gattung, dieses Namens (der sogenannten Ph. pavonia minor oderBombyx carpini) hat Wenz. Heeger zu Berchtolsdorf bey Wien im Großen und fa - brikenmäßig auf vielfache Weise zu benutzen versucht..

314

4. . Quercifolia. (Bombyx Q. F.) das Eich - blatt. P. B. elinguis, alis reversis semitectis dentatis ferrugineis margine postico nigris.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 41.

Im Sitzen hat die Phaläne eine sonderbare bucklige Stellung.

5. . Pini. (Bombyx P. F.) der Kiefernspin - ner, die Fichtenraupe, Föhrenraupe. P. B. elinguis, alis reversis griseis; strigis duabus ci - nereis; puncto albo triangulari.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 59.

Einer der schädlichsten Raupen für die Kiefernwal - dungen.

6. . Vinula. (Bombyx V. F.) der Gabel - schwanz, Hermelinvogel. P. B. elinguis al - bida nigro-punctata, alis subreversis fusco veno - sis striatisque.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 19.

Die Raupe bekommt durch ihren dicken abgestumpf - ten Kopf, und die beiden Schwanzspitzen, die ihr statt des letzten Paars Hinterfüße gegeben sind, ein sonder - bares Ansehen. Sie vermag einen scharfen Saft durch eine Oeffnung unten am Halse von sich zu spritzen, und sich damit im Nothfall zu vertheidigen*)Sepp Nederl. Insecten. IV. St. V. Verhandl. S. 25 Taf. 5..

7. . Fagi. (Bombyx F. F.) P. B. elinguis, alis reversis rufo-cinereis; fasciis duabus linearibus luteis flexuosis.

Rösel vol. III. tab. 12.

Auch dieser ihre Raupe ist ganz anomalisch abenteu - erlich gestaltet. Mit langen Vorderbeinen, zwey hor - nichten Schwanzspitzen ꝛc.

8. Mori. (Bombyx M. F.) der Siedenwurm. P. B. elinguis, alis reversis pallidis; striis tribus obsoletis fuscis maculaque lunari.

Rösel vol. III. tab. 7. 8.

Jac. l'Admiral tab. 9.

315

Der assyrische Bombyx beym Plinius ꝛc. ist wohl sicher unsere Seide; sie kam aber schon zu Stoffen ver - arbeitet heraus; und ist der Wurm selbst erst zu Justi - nians Zeiten in Europa gezogen. Er bleibt 6 bis 7 Wochen lang Raupe; spinnt sich hierauf, nachdem er sich vier Mahl gehäutet hat, in einen Coccon von weißer oder gelber Farbe, der, wenn er drittehalb Gran am Gewicht hält, aus einem 900 Fuß langen Faden besteht (deren 180 dicht neben einander gelegt erst die Breite von einer Linie ausmachen), und kriecht endlich drey Wochen nachher als Schmetterling aus. Nach der Paarung legt das überaus dicke Weibchen bey 500 Eyer, die im folgenden Frühjahr um die Zeit, wenn die weißen Maulbeerbäume zu grünen anfangen, auskriechen. Sie sind wohl ursprünglich in Schina*)Die Seide, woraus hingegen in Japan die äußerst zar - ten, leichten und doch ganz festen Zeuge verfertigt werden, kommt von einer ganz eignen Gattung Seidenwürmer, nämlich von der phalaena (noctua) serici s. Thunberg in den schwedi - schen Abhandl. 1781. II. B. tab. 5. fig. 1. 2. zu Hause, gewohnen aber auch unser Clima recht gut, und man zieht sie nun auch in Nordamerica.

9. . Neustria. (Bombyx N. F.) die Ringel - raupe. P. B. elinguis, alis reversis: fascia sesqui - altera; subtus unica.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 6.

Nebst der folgenden eine sehr schädliche Raupe. Die Phaläne legt ihre Eyer in einer Spirallinie dicht an ein - ander um ein Aestchen herum.

10. . Pityocampa. (Bombyx P. F.) der Fich - tenspinner. P. B. elinguis, alis griseis: strigis tribus obscurioribus, posterioribus pallidis; puncto anali fusco.

Richtet in Nadelhölzern große Verwüstung an.

11. . Caia. (Bombyx C. F.) die schwarze Bärenraupe. P. B. elinguis, alis deflexis fus - cis: rivulis albis, inferioribus purpureis nigro punctatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 1.

316

12. . Monacha. (Bombyx M. F.) die Nonne, der Fichtenspinner. P. B. elinguis, alis de - flexis, superioribus albis atro-undatis, abdominis incisuris sanguineis.

Jördens Geschichte der kleinen Fichtenraupe. fig. 17-19.

Eins der fruchtbarsten Insecten für Fichtenwaldungen.

13. . Dispar. (Bombyx D. F.) P. B. elinguis, alis deflexis: masculis griseo fuscoque nebulosis femineis albidis lituris nigris.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 3.

Hat ihren Namen von der ungleichen Bildung und Größe der beiden Geschlechter.

14. . Chrysorhoea. (Bombyx Ch. F.) die schwarze Winterraupe. P. B. elinguis, alis deflexis albidis, abdominis apice barbato luteo.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 22.

Eine der schädlichsten Raupen für die Obstbäume, die im Herbst aus den Eyern kriecht, und den Winter durch gesellschaftlich in zusammen gesponnenem welken Laube an den Aesten zubringt, ohne daß ihr selbst die strengste Kälte schadet.

15. . Antiqua. (Bombyx A. F.) P. B. elinguis, alis planiusculis: superioribus ferrugineis lunula alba anguli postici.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 39.

Das Weibchen ungeflügelt.

16. . Caeruleocephala. (Bombyx C. F.) P. B. elinguis cristata, alis deflexis griseis: stigmatibus albidis coadunatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 16.

Ebenfalls eine den Obstbäumen sehr schädliche Raupe.

17. . Cossus. (Cossus ligniperda F.) die Wei - denraupe. P. B. elinguis, alis deflexis nebulo - sis, thorace postice fascia atra, antennis lamel - latis.

317

Rösel vol. I. Nachtvögel II. tab. 18.

Dieselbe Raupe von der Lyonet die meisterhafte Zer - gliederung geliefert hat. Sie hält sich in Ulmen, Eichen ꝛc., doch bey weitem am häufigsten an Weiden - stämmen auf, die so von ihr durchfressen werden, daß sie leicht ausgehen oder bey mäßigem Sturme umfallen. Der Schade, den diese Raupe verursacht, wird dadurch vergrößert, daß sie gegen das Beyspiel vielleicht aller übrigen Raupen bey drey Jahr alt wird, ehe sie sich verpuppt. Dabey hat sie ein so äußerst zähes Leben, daß sie ohne Schaden etliche Stunden lang im so ge - nannten luftleeren Raume, und mitten im Sommer fast drey Wochen lang unter Wasser ausdauern kann. Eben so sonderbar ist, daß die Puppe sich von der Stelle bewegen, und wenn die Zeit des Auskriechens herbeynaht, aus der Mitte des Stammes sich vorn bis an die Mün - dung in der Rinde hervor bohren kann.

18. . Graminis. die Grasraupe. (Cossus Gr. F.) P. B. spirilinguis, alis depressis griseis: li - nea trifurca, punctoque albidis.

Schwed. Abh. 1742. tab. 2.

In manchen Jahren für die Wiesen furchtbar ver - heerend.

19. . Aesculi. (Cossus Ae. F.) P. N. elinguis laevis nivea, antennis thorace brevioribus, alis punctis numerosis caeruleo-nigris, thorace senis.

20. . Humuli. (Hepialus H. F.) P. N. elinguis fulva, antennis thorace brevioribus, maris alis niveis.

21. . Pacta. (Noctua P. F.) P. N. spirilinguis cristata, alis grisescentibus, inferioribus rubris, fasciis duabus nigris, abdomine supra rubro.

22. . Meticulosa. (Noctua M. F.) P. N. spiri - linguis cristata, alis erosis pallidis: superioribus basi incarnata, intra triangulum fuscum.

An allerhand Küchengewächsen, auch an Erdbeeren.

23. . Piniaria. der Fichtenspinner. P. G. pectinicornis, alis fuscis flavo-maculatis subtus nebulosis: fasciis duabus fuscis.

318

Auch eins der schädlichsten Insecten für Fichtenhol - zungen.

24. . Wavaria. P. G. pectinicornis, alis cinereis: anticis fasciis 4 nigris abbreviatis inaequalibus.

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 4.

So wie die folgende auf Johannisbeeren, Stachel - beeren.

25. . Grossulariata. P. G. seticornis, alis albidis, maculis rotundatis nigris: anticis strigis luteis.

Rösel vol. I. Nachtvögel III. tab. 2.

26. . Brumata. der Frostschmetterling, Blü - thenwickler. P. G. seticornis, alis griseo-fus - cis: striga nigra postice pallidioribus; femina aptera.

Reaumur T. II. tab. 30.

Eins der schädlichsten Insecten für Obstbäume. Das ungeflügelte Weibchen legt seine Eyer in die Blüth - knospen.

27. . Viridana. (Pyralis V. F.) P. Ti. alis rhombeis, superioribus viridibus immaculatis.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 3.

28. . Farinalis. (Pyralis F. F.) P. P. palpis recurvatis, alis politis fuscescentibus, strigis re - pandis albidis area interiecta glauca.

Clerck phal. tab. 2. fig. 14.

Im Mehl.

29. . Hercyniana. P. P. alis superioribus fuscis, fascia et maculis niveis subinterruptis; posticis ci - nereis.

J. v. Uslar Pyralis Hercyniana. fig. a. b. c.

In Fichtenwaldungen an den Nadeln.

30. . Pinetella. (Crambus pineti. F.) P. Ti - alis superioribus flavis, maculis duabus argenteis, anteriore oblonga, posteriore ovata.

Clerck phal. tab. 4. fig. 15.

Ebenfalls in Fichtenwaldungen.

319

31. . Pellionella. (Tinea P. F.) die Pelz - motte. P. Ti. alis canis, medio puncto nigro, capite subgriseo.

Rösel Vol. I. Nachtvögel IV. tab. 17.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren ꝛc.

32. . Sarcitella. (Tinea S. F.) die Kleider - motte. P. Ti. alis cinereis, thorace utrinque puncto albo.

Besonders in wollenen Kleidungsstücken.

33. . Mellonella. (Tinea M. F.) P. Ti. alis ca - nis postice purpurascentibus, striga alba, scutello nigro apice candido.

Rösel vol. III. tab. 41.

Einer der gefährlichsten Bienenfeinde.

34. . Granella. (Alucita G. F.) der Wolf, weiße Kornwurm. P. Ti. alis albo nigroque maculatis capite albo.

Rösel vol. I. Nachtvögel IV. tab. 11.

Auf Kornböden in der Frucht, die er benagt, ab - hülset, zerschrotet, und sich daher leicht verräth*)Gegenmittel hat der Amtm. A. W. Westfeld im Han - nov. Magazin 1806. 37. St. mitgetheilt..

35. . Goedartella. (Tinea G. F.) P. Ti. alis auratis: fasciis 2 argenteis: priori antrorsum posteriore retrorsum arcuata.

Clerck phal. tab. 12. fig. 14.

36. . Linneella. (Tinea L. F.) P. Ti. alis fus - cis, punctis tribus argenteis elevatis.

Clerck phal. tab. 11. fig. 8.

37. . Pentadactyla. (Pterophorus pentadactylus F.) die Fünffeder. P. Al. alis patentibus fissis quinquepartitis niveis: digito quinto distincto.

Hat wie die übrigen Nachtvögel dieser Familie, we - gen der sonderbaren gespaltenen Flügel, ein ungewöhn - liches Ansehen.

320

IV. NEUROPTERA.

Eine kleine Ordnung, die sich durch vier zarte netzförmige oder gegitterte Flügel auszeichnet, die mehrentheils in allerhand Farben schillern. Die Larve hat sechs Füße.

46. Libellula. Wasserjungfer, Spinne - jungfer, Teufelsnadel. (Fr. demoiselle. Engl. dragon-fly.) Os maxillosum, maxillis pluribus. Antennae thorace breviores. Alae extensae. Cauda maris hamoso-forcipata.

Als Larve leben diese Thiere im Wasser, und haben gleichsam eine bewegliche Maske oder Kappe vor dem Munde, womit sie ihre Beute haschen. Die Paarung der vollkommen geflügelten Wasserjungfern, die über - haupt gar viel Sonderbares hat, wird im Fluge voll - zogen.

1. . Depressa. L. alis omnibus basi nigricantibus, thorace lineis duabus flavis, abdomine lanceolato lateribus flavescente.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 6. 7. fig. 3.

Hat sich zu Zeiten (wie z. B. im Frühling 1806 und 07 am Harz und in Thüringen ꝛc. ) in mächtigen Zügen sehen lassen*)s. Voigt's neues Magazin XII. B. S. 521..

2. . Virgo. (Agrion V. F.) L. alis erectis colo - ratis.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 9.

3. . Puella. (Agrion P. E.) L. alis erectis hyalinis.

Rösel vol. II. Wasser-Ins. II. tab. 10. 11.

47. Ephemera. Uferaas, Hafft, Geschwä - der, Lorenzfliege, Rheinschnake. (heme -321 robius, diaria). Os edentulum absque palpis. Ocelli 2 maximi supra oculos. Alae erectae, posticis minimis. Cauda setosa.

Das Uferaas lebt einige Jahre lang als Larve im Wasser. Nach dieser Zeit kommen mitten im Sommer binnen wenigen Tagen in manchen Gegenden Millionen der vollkommen ausgebildeten Thiere mit einem Mahl aus dem Wasser hervor geflogen, die sich auch alsdann, gegen die Weise anderer Insecten, erst nochmahls häu - ten müssen; überhaupt aber diesen ihren vollkommenern Zustand meist nur kurze Zeit, oft nur wenige Stunden genießen.

1. . Vulgata. E. cauda triseta, alis nebuloso-ma - culatis.

Sulzer's Kennz. tab. 17. fig. 103.

P. Collinson in philos. Transact. N. 481. tab. 2. fig. 2. 3. 4. p. 329 sq.

Das Weibchen legt ein eyförmiges Klümpchen, das aus sehr vielen Eyerchen zusammen gesetzt ist.

2. . Horaria. E. cauda biseta, alis albis margine crassiore nigricantibus.

Swammerdam Bibl. nat. tab. 13. fig. 13.

48. Phryganea. Frühlingsfliege. (Engl. cad - dice, water-moth.) Os edentulum palpis 4. Ocelli 3. Antennae thorace longiores. Alae incumbentes, inferioribus plicatis.

Die Larven, die sich ebenfalls im Wasser aufhalten, werden besonders durch die theils sehr künstlichen (meist cylindrischen theils aber auch vierkantigen) Hülsen merk - würdig, die sie sich verfertigen, und die sie, fast wie die Schnecken ihr Haus, mit sich herum schleppen. Manche machen diese Gehäuse aus Schilfstücken, andere aus Gras, aus Sandkörnchen, aus kleinen Steinchen, andere aus kleinen Flußschneckchen u. s. w.

1. . Bicaudata. (Semblis B. F.) P. cauda biseta, alis venosis reticulatis.

Sulzer's Kennz. tab. 17. fig. 6.

322

2. . Striata. P. nigra, alis testaceis, nervoso - striatis.

Frisch P. XIII. tab. 3.

3. . Rhombica. P alis flavescentibus deflexo com - pressis macula rhombea laterali alba.

Rösel vol. II Wasser-Ins. II. tab. 16.

49. Hemerobius. Florfliege, Landlibelle. Os dentibus 2: palpis 4. Ocelli nulli. Alae deflexae (nec plicatae). Antennae thorace convexo longiores, setaceae porrectae.

Die Larve lebt im Trockenen. Das vollkommene In - sect ähnelt dem vorigen.

1. . Perla. H. luteo-viridis, alis hyalinis; vasis viridibus.

Rösel vol. III. tab. 21. fig. 4.5.

Befestigt seine Eyer auf eine wundersame Weise auf Baumblätter oder an Moos ꝛc. mittelst eines aufrecht - stehenden borstenähnlichen kleinen Stiels*)s. Reaumur. T. III. tab. 33..

2. . Pulsatorius. (Psocus P. F.) die Papierlaus, Holzlaus. (Fr. le pou de bois.) H. apterus, ore rubro oculis luteis.

Sulzer's Gesch. tab. 29. fig. 3.

In Büchern, alten Papieren, auch im Holz. Ward sonst allgemein für ungeflügelt gehalten. Auch sind die geflügelten Individua so äußerst selten bemerkt worden, daß sie höchstens nur auf sehr kurze Zeit mit Flügeln versehen seyn müssen. (§. 136.)

50. Myrmelon. Afterjungfer. Os maxillo - sum: dentibus 2. Palpi 4 elongati. Ocelli nulli. Cauda maris forcipe e filamentis duo - bus rectiusculis. Antennae clavatae longitu - dine thoracis. Alae deflexae.

323

1. . Formicarius. der Ameisenlöwe. (Fr. le fourmilion.) M. alis macula alba marginali po - stica.

Rösel vol. III. tab. 17. u. f.

Das merkwürdige berufene Geschöpf, das sich als Larve eine trichterförmige Fallgrube in Sandboden wühlt, sich selbst unten bis an den Hals hinein scharrt, und da die Ameisen u. a. kleine Insecten empfängt und ver - zehrt, die unversehens an den Rand dieser Grube kom - men, und mit dem lockern Sand hinab schurren.

51. Panorpa. Scorpionfliege. Rostrum cor - neum cylindricum. Palpi 2. Ocelli 3. Anten - nae thorace longiores. Cauda maris chelata.

1. . Communis. P. alis aequalibus nigromaculatis.

Frisch P. IX. tab. 14. fig. 1.

22. Raphidia. Kamelhals. Os dentibus 2 in capite depresso corneo. Palpi 4. Ocelli 3. Alae deflexae. Antennae longitudine thoracis antice elongati cylindrici. Cauda feminae seta recurva laxa.

1. . Ophiopsis. R. thorace cylindrico.

Rösel vol. III. tab. 21. fig. 6. 7.

V. HYMENOPTERA. (Piezata Fabr.)

Insecten mit vier häutigen Flügeln, die mit wenigen aber starken Adern durchzogen, auch meist kürzer und schmäler sind als bey den Insecten der vorigen Ordnung. Bey den mehresten sind die Weibchen und geschlechtlosen Thiere mit einem ver - letzenden Stachel am Hinterleibe, theils auch mit Gift, das sie beym Stich in die Wunde flößen, bewaffnet; daher die ganze Ordnung auch von eini - gen Entomologen Aculeata genannt worden. Die324 Larven sind verschiedentlich gebildet: theils wie Rau - pen mit zwanzig Füßen, theils wie Maden ohne Füße etc*)J. C. Fabricii Systema Piezatorum. Brunsvigae. 1804. 8.J. Jurine nouvelle methode de classer les Hymenoptères. Genèv. 1801. 4..

53. Cynips. Gallwespe. Os maxillis absque proboscide. Aculeus spiralis, saepius recon - ditus.

Das Weibchen legt seine Eyer in besondere Theile gewisser Pflanzen, die dadurch anschwellen, und theils sonderbare Auswüchse bilden, die dann der Larve so lange zum Aufenthalte dienen, bis sie ihre Verwand - lung überstanden hat, und nun als vollkommenes In - sect aus ihrem Kerker hervor brechen kann. Ganz sonderbar ist dabey, daß jene Eyer selbst, nachdem sie von der Mutter in das Gewächs gelegt werden, erst noch wachsen, theils noch Ein Mahl so groß werden, bevor die darin befindliche Larve auskriecht.

1. . Rosae. C. nigra, abdomine ferrugineo po - stice nigro, pedibus ferrugineis.

Frisch P. VI. tab. 1.

An wilden Rosen, wo sie die moosartigen, krausen Auswüchse verursacht, die unter dem Namen Rosen - schwämme oder Schlafäpfel (spongia cynosbati, Bedeguar) ehedem officinell waren.

2. . Quercus folii. C. nigra, thorace lineato, pe - dibus griseis, femoribus subtus nigris.

Frisch P. II. tab. 3. fig. 5.

Am Eichenlaub, wo sie bekanntlich die Galläpfel hervor bringt, die auch oft noch nachher, wenn sie schon von der Nachkommenschaft ihrer Urheberinn verlassen sind, kleinen Wespen verschiedener Art zum Aufenthalt dienen.

3. Psenes. C. ficus Caricae.

Zumahl auf den Inseln des mittländischen Meeres; in den wilden Feigen, die man deßhalb zu den zah -325 men Feigen hängt, damit der cynips von jenen in diese übergehen mag, als wodurch die Zeitigung und Größe derselben befördert wird.

54. Tenthredo. Blattwespe. Os maxillis abs - que proboscide. Alae planae tumidae. Acu - leis laminis duabus serratis, vix prominenti - bus. Scutellum granis duobus impositis di - stantibus.

Die Larven haben Raupengestalt (daher sie Reaumür fausses chenilles nennt), leben vom Laub und fin - den sich besonders auf Rosenstöcken und Weiden; ver - puppen sich aber in der Erde.

1. . Lutea. (Cimbex L. F.) T. antennis clavatis luteis, abdominis segmentis plerisque flavis.

Frisch P. IV. tab. 24.

2. . Capreae. T. salicis.

Frisch P. VI. tab. 4.

55. Sirex. Holzwespe, Sägenfliege. Os maxillis 2 validis. Palpi 2 truncati: Anten - nae filiformes, articulis ultra 24. Aculeus ex - sertus rigens serratus. Abdomen sessile mu - cronatum. Alae lanceolatae, planae omnibus.

Das Weibchen weiß mit seinem sägeförmigen Lege - stachel, sehr geschickt in weiches Holz zu bohren, um seine Eyer da einzulegen. Die Larve hält sich einige Jahre lang im Holze auf*)Fr. Klug monographia siricum Germaniae. Berol. 1803. 4..

1. . Gigas. S. abdomine ferrugineo: segmentis nigris, thorace villoso.

Rösel vol. II. Humm. und Wesp. tab. 9.

56. Ichneumon. Schlupfwespe, Raupen - tödter, Spinnenstecher. Os maxillis abs -326 que lingua. Antennae articulis ultra 30. Ab - domen petiolatum plerisque. Aculeus exser - tus vagina cylindrica, bivalvi.

Zahlreiche Thiere, die sehr vieles zur Vertilgung der Raupen, Spinnen und anderer Insecten beytragen. Sie legen ihre Eyer in lebendige Raupen, die davon erkranken, und vor oder nach ihrer Verpuppung abster - ben. Manche sind auch an andere Gattungen ihres eigenen Geschlechts gewiesen, denen sie als Larven ihre Eyer in den Leib legen, so daß nach Rolanders Be - merkung, von verschiedenen Gattungen die eine bloß zur Vertilgung der andern geschaffen zu seyn scheint.

1. . Luteus (Ophion L. F.) I. luteus thorace striato, abdomine falcato.

2. . Glomeratus. (Cryptus G. F.) I. niger pedi - bus flavis.

Reaumur vol. II. tab. 33.

Legt seine Eyer in die Raupen der Buttervögel, so wie der vorige in die von manchen Phalänen.

3. . Globatus. (Cryptus G. F.) I. niger, pedibus ferrugineis.

Frisch P. IV. tab. 10.

An Grashalmen. Merkwürdig wegen des äußerst zarten baumwolleähnlichen Gespinnstes, von der Größe eines Taubeneyes, worin die zahlreichen kleinen Puppen ihre Verwandlung zusammen bestehn.

57. Sphex. Raupentödter, Afterwespe. Os maxillis absque lingua. Antennae articulis 10. Alae plano-incumbentes (nec plicatae) in omni sexu. Aculeus punctorius reconditus.

Die Weibchen verschiedener Gattungen dieses Ge - schlechts graben sich Höhlen in sandigen Boden, schlep - pen eine große Spinne oder Raupe einer Phaläne hin - ein, die sie meist nur lahm beißen, und legen sodann in jede Höhle ein Ey, da dann nachher die junge Larve dem großen Thiere, das die Mutter dahin begraben327 hatte, den Saft zum Gespinste aussaugt, und sich selbst ein Verwandlungsgehäuse daraus bereitet.

1. . Sabulosa. S. nigra hirta, abdomine fulvo, postice nigro, petiolo longissimo.

Frisch P. II. tab. 1. fig. 6. 7.

2. . Cribraria. (Crabro cribrarius F.) die Sieb - Biene. S. nigra, abdomine fasciis flavis, tibiis anticis clypeis concavis fenestratis.

Goeze im Naturforscher II. St. tab. 2.

Man hat lange die Scheiben an den Vorderfüßen des Männchen für durchlöchert gehalten, und hat auch nicht ermangelt, diesen vermeinten Sieben eine merkwür - dige Bestimmung anzudichten, und viel Schönes über die weise Einrichtung eines gar nicht existirenden Theils zu sagen.

58. Chrysis. (Fr. mouche dorée. Engl. golden fly.) Os maxillis absque proboscide. An - tennae filiformes: articulo 1 longiore, reliquis 11 brevioribus. Abdomen subtus fornicatum, utrinque squama laterali. Anus dentatus acu - leo subexserto. Alae planae. Corpus au - ratum.

1. . Ignita. C. glabra nitida, thorace viridi: ab - domine aureo; apice quadridentato.

Frisch P. IX. tab. 10. fig. 1.

59. Vespa. Wespe. (Fr. guépe. Engl. wasp.) Os maxillis absque proboscide. Alae supe - riores plicatae in omni sexu. Aculeus punc - torius reconditus. Oculi lunares. Corpus glabrum.

Die mehresten Gattungen dieses und des folgenden Geschlechts werden durch die strenge gesellschaftliche Verbindung, in der sie theils zu Tausenden beysammen leben, und durch die überaus kunstreichen Nester und gemeinschaftlichen Wohnungen, die sie sich mit vereinten328 Kräften aus so vielartigen Stoffen ( z. B. die Wespen aus Holzzasern ꝛc., die Immen aus Wachs, die Maurer - Bienen aus Grant ꝛc. ) zu verfertigen wissen, merk - würdig.

1. . Crabro. die Hornisse. (Engl. the hornet.) V. thorace nigro antice ruso immaculato abdomi - nis incisuris puncto nigro duplici contiguo.

Frisch P. IX. tab. 11. fig. 1.

2. . Vulgaris. die Wespe. (Engl. the wasp.) V. thorace utrinque lineola interrupta, scutello quadrimaculato, abdominis incisuris punctis ni - gris distinctis.

Frisch P. IX. tab. 12. fig. 1.

3. Nidulans. (Fr. la guêpe cartonnière. ) V. nigra, thorace striga autica subscutelloque albis, abdominis segmentis margine flavis.

Reaumur vol. VI. tab. 20.

In Guiana. Die äußere Bekleidung ihres kunst - reichen Nestes ähnelt einer feinen, wie mit Schreibpa - pier überzogenen Pappe.

60. Apis. Biene. (Fr. abeille. Engl. bee.) Os maxillis atque proboscide inflexa vaginis duabus bivalvibus. Alae planae in omni sexu. Aculeus feminis et neutris punctorius recon - ditus.

1. . Mellifica. die Honigbiene, Imme. A. pubescens thorace subgriseo, abdomine fusco, ti - biis posticis ciliatis, intus transverse striatis*)Von mancherley andern in Brasilien einheimischen Arten von Honigbienen s. W. Piso de Indice utriusque re naturali p. 111 u. f. und J. Stanes in des jüngern Sam. Purchas's Theatre of politicall Flying-Insects. Lond. 1657. 4. pag. 203 u. f..

Bekanntlich sind unter den Bienen, Wespen, Amei - sen und Termiten, die bey weiten zahlreichsten Indivi - duen geschlechtlos, d. h. sie werden von einem Vater erzeugt, und von einer dadurch befruchteten Mutter329 geboren, ohne doch selbst vollkommene Geschlechtsorgane zu haben*)Bey den bekannten, zumahl seit Schirach und Wil - helmi so vielseitig besprochenen Versuchen, nach welchen man Lar - ven der sonst unfruchtbaren Werkbienen in königliche umwandeln, und zu Ablegern benutzen könne, zeigen sich bis jetzt noch so manche Varianten und Dunkelheiten, daß sie wohl noch erst einer ächtkritischen Revision zu bedürfen scheinen.. Hier bey der Imme hat das Weib - chen, die so genannte Königinn oder Mutter - biene, oder der Weißler, einen schlanken schmalen Leib, länger als die Dronen, kurze Flügel, einen be - haarten Kopf, ein zackiges Gebiß, braune Füße u. s. w. Die männlichen Bienen, oder Dronen (Deck - oder Wasser - oder Holmbienen) sind groß und stark von Leibe, mit langen Flügeln ꝛc. Die Werk - und Arbeits-Bienen hingegen sind weit kleiner als jene beiden, von mittlern Wuchs, nach Verhältniß langen Flügeln, glattem Gebiß, schwarzen Füßen und einer besondern Grube am Hinterschenkel, die zum Eintragen dient, u. s. w. Diese letztern, deren in einem großen Stock wohl auf 10000 seyn können, haben allein die mannigfaltigen Verrichtungen des Eintragens, Bauens und der Besorgung der Brut. Die jüngern sammeln aus Blüthen den Stoff zu Honig und Wachs, den sie als Höschen zum Stocke tragen, wo er ihnen von den ältern abgenommen, und das Wachs vom Honig ge - schieden wird. Sie füttern die Bienen-Larven mit Blumenstaub, halten den Stock rein, und schaffen ihre Todten von da hinaus. Sie sind mit Stachel als Waf - fen versehen, den sie aber wenn sie tief stechen, leicht in der Wunde stecken lassen. Die männlichen Bie - nen (etwa 700 in einem großen Stocke) haben keine andere Bestimmung, als sich mit ihrer Königinn ( und zwar wie es scheint im Fluge ) zu paaren. Manche sterben gleich darauf, die übrigen müssen nachher verhungern, oder werden von den Arbeitsbienen in der so genannten Dronenschlacht umgebracht. Die so reich - lich befruchtete Mutterbiene legt ihre Eyer in die Zellen oder Mutterpfeiffen, von denen schon vorläufig die für die Dronen bestimmten größer als die übrigen gebaut sind. Wenn die Nachkommenschaft nach etlichen und 20 Tagen zur Reife gekommen, so trennt sie sich330 als Colonie vom Stammvolke, sie schwärmt. In der Wildniß bauen die Bienen in hohle Bäume, oder un - ter die Erde ꝛc. Der Mensch hat sie aber sich zum Hausthier zu machen, und durch mannigfaltige scharf - sinnige Erfindungen ihre Vermehrung und Benutzung zu befördern gelernt. Obgleich einzelne Bienen so wenig Wärme haben als andere kaltblütige Thiere; so erhitzen sie doch im Stocke, zuweilen bis zur Wärme des menschlichen Körpers*)Von den unzähligen Schriften, worin die Geschichte der Bienen abgehandelt worden, führe ich nur statt aller an:Swammerdam bibl. nat. pag. 369.Reaumur mém. ꝛc. vol. V. p. 207.J. Hunter in den philos. Transact. 1792. P. I. pag. 128.Huber nouvelles observations sur les abeilles. Genève 1792. 8.Th. Andr. Knight in den philos. Transact. 1807. pag. 234.und über die künstliche Vermehrung der Stöcke durch Ableger, Bonnet oeuvr. vol. V. P. I. p. 61.Eine genaue Beschreibung und Abbildung der vorzüglichsten Art von gläsernen Bienenstöcken zur Beobachtung der Oekonomie dieser bewundernswürdigen Thiere, die mir Bonnet schriftlich mitgetheilt, habe ich in Voigts Magazin III. B. bekannt gemacht..

2. . Centuncularis. (Anthophora C. F.) die Rosenbiene. A. nigra, ventre lana fulva.

Frisch P. XI. tab. 2.

Lebt einsam unter der Erde, und verfertigt sich eine überaus artige Hülse zur Wohnung von Blättern der Rosenbüchse.

3. . Violacea. (Xylocopa V. F.) die Holz - biene. A. hirsuta atra, alis caerulescentibus.

Reaumur vol. VI. tab. 6. fig. 1. 2.

In alten Baumstämmen, wo sie sich ihre Wohnung der Länge nach aushöhlet, und die einzelnen Zellen durch dünne Holzscheibchen von einander absondert.

4. . Terrestris. (Bombus T. F.) die Hummel (bombylius. Engl. the humble-bee.) A. hir - suta nigra thoracis cingulo flavo, ano albo.

Frisch P. IX. tab. 13. fig. 1.

Nistet tief unter der Erde.

331

5. . Muscorum. (Bombus M. F.) die Moos - biene. A. hirsuta fulva abdomine flavo.

Reaumur vol. VI. tab. 2. fig. 3. 4.

Bekleidet ihr Nest von außen mit Moos.

6. . Caementaria. die Maurerbiene. A fulva abdomine nigro (femina nigro-violacea pedibus fuscis).

Baut sich mit bewundernswürdiger Kunst und Festig - keit ihr Nest aus Grant und Mörtel an alten Mauern, die viel Sonne haben. Die eyförmigen Zellen, deren etwa zehn in jedem solchen Gebäude sind, werden mit Gespinste austapezirt, und zuweilen auch vom Atte - labus apiarius, Schlupfwespen ꝛc. bewohnt.

61. Formica*)P. A. Latreille Essai sur l'histoire des fourmis de la France. Brive. 1798. 8. und Dess. histoire naturelle des four - mis. Paris 1802. 8.P. Huber Recherches sur les moeurs des fourmis indigènes. Ebendas. 1810. 8.. Ameise, Emse. (Fr. fourmi. Engl. ant.) Petiolus abdominis elongatus, no - dulosus, aut munitus squamula erecta. Acu - leus feminis et neutris reconditus. Alae ma - ribus et feminis, sed neutris nullae.

Die mehresten hiesigen Ameisen halten sich vorzüglich in Wäldern und Wiesen, theils bey vier - und mehreren tausenden in einem Haufen auf. Die Emsigkeit dieses kleinen Volks, vorzüglich die Sorgfalt, mit der sie ihre Puppen (die fälschlich so genannten Ameisen-Eyer) warten und pflegen, geht so weit, daß man gesehen, wie eine Arbeitsameise, der man den Hinterleib abge - schnitten, doch noch zehn Puppen vor ihrem schmerz - haften Tode in Sicherheit gebracht hat ꝛc.

1. . Herculanea. die Roß-Ameise. F. nigra ab - domine ovato, femoribus ferrugineis.

Sulzers Kennz. tab. 19. fig. 125.

2. . Rufa. F. thorace compresso toto ferrugineo, capite abdomineque nigris.

332

3. . Rubra. F. testacea, oculis punctoque sub ab - domine nigris.

4. . Nigra. (Lasius niger F.) F. tota nigra ni - tida, tibiis cinerascentibus.

Diese Ameisen paaren sich zu Ende des Sommers im Schwärmen, da sie zuweilen in unzähliger Menge und sonderbarer Gestalt der Schwärme als auf - und niederfahrende Säulen zum Vorschein kommen, deren man zuweilen wohl 20 auf Ein Mahl sieht, die sich in der Ferne fast wie ein Nordlicht ausnehmen*)Gleditsch in den Mém. de l'acad. des sc. de Berlin. 1749. Pl. 2..

5. . Caespitum. F. abdominis petiolo binodi: - priore subtus, thoraceque supra bidentato.

Sulzers Gesch. tab. 27. fig. 20.

6. Cephalotes. (Atta C. F.) F. thorace quadrispi - noso, capite didymo magno utrinque postice mu - cronato.

Merianae ins. Surinam. tab. 18.

In Westindien. Von der Größe einer Wespe.

62. Termes. Weiße Ameise, Holz-Emse, Termite. (Fr. fourmi blanche, poux de bois. Engl. white ant, wood-ant, wood - louse.) Squamula intergerina nulla. Alae maribus et feminis temporariae; sed neutris plane nullae.

1. Fatalis. (bellicosus. Soland) T. corpore fusco, alis fuscescentibus: costa ferruginea, stemmatibus subsuperis oculo propinquis, puncto centrali prominulo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 9.

Die Gebäude der guineischen Termiten. Ebenda - selbst tab. 10.

Hier diese Gattung (denn es sind schon jetzt wenig - stens noch vier andere bekannt, die hin und wieder zwi -333 schen den Wendezirkeln zumahl in beiden Indien, im südwestlichen Africa und auf Neuholland zu Hause sind) findet sich besonders in Ostindien und Guinea, und führt aus Thon, Letten ꝛc. kegelförmige, meist mit mehreren Spitzen besetzte, inwendig hoch ausgewölbte Gebäude auf, die zuweilen wohl 10 bis 12 Fuß hoch sind, und theils in solcher Menge beysammen stehen, daß sie von Ferne das Ansehen eines Dorfs kriegen. Mit den Jahren wird so ein hohler Ameisenhaufen von außen ganz mit Gras überwachsen ꝛc. und ist dabey so fest, daß er mehrere Menschen zu tragen im Stande ist, ungeachtet die Wände selbst mit großen weiten Gängen durchzogen sind, die theils über eine halbe Elle im Durchmesser haben. Unaufhörlich wird in die - sen Stöcken gebaut, alte Zellen abgebrochen, neue auf - geführt, andere erweitert u. s. w. Die Zellen des - nigs und der Königinn (als von welchen in jedem Stocke nur Ein Paar befindlich ist) sind im Innersten des Ge - bäudes verborgen. Zunächst um dieselben herum woh - nen die Arbeiter, hierauf folgen die Eyerzellen für die junge Brut und dicht bey diesen die Magazine. Diese Thiere zerbeißen und verzehren Holzwerk, Geräthe, Hütten ꝛc. und können binnen wenigen Wochen mächtige Baumstämme gleichsam vernichten. Daß der Hinterleib der befruchteten Königin 2000 Mahl dicker und größer wird als er vorher war, ist schon oben erwähnt. Sie kann dann binnen 24 Stunden auf 80000 Eyer legen.

63. Mutilla. Alae nullae in plerisque. Corpus pubescens. Thorax postice retusus. Aculeus reconditus punctorius.

1. Occidentalis. (M. coccinea F.) M. coccinea, ab - domine cingulo nigro.

In Nordamerica.

334

VI. DIPTERA*)J. C. Fabricii Systema Antliatorum. Brunsvigae 1805. 8.J. W. Meigen systemat. Beschreib. der europäischen zwey - flüglichen Insecten. Aachen 1818. u. folg. III. Th. 8.. (Antilata Fabr.)

Die Insecten mit zwey Flügeln und einem Paar kleinen Knöpfchen oder so genannter Flügelkölbchen oder Balancirstangen (halteres), die hinter den Flü - geln an der Brust sitzen, und meist noch mit einer kleinen Schuppe bedeckt sind; deren Nutzen aber noch unbestimmt ist, und derentwegen einige Naturkun - diger die ganze Ordnung Halterata benannt haben. Die Larve ist meist eine Made**)Der berüchtigte so genannte Heerwurm, eine Art von Erdmast der wilden Sauen, besteht aus einem bewundernswür - digen Zuge von vielen tausend dicht an einander kriechenden, kaum einen halben Zoll langen Maden von Insecten dieser Ord - nung ( etwa von Tipulis oder Asilis ). Ein solcher Zug ist zuweilen wohl 12 Ellen lang, Hande breit und Daumens hoch, und zieht so in Wäldern an feuchten Gegenden im Som - mer in größter, regelmäßigster Ordnung umher., die Puppe braun, cylindrisch. Das vollkommene Insect hat bey einigen Geschlechtern einen spitzigen harten Sau - gestachel, bey andern einen weichen Schlurfrüssel, bey noch andern bloß eine einfache Mündung u. s. w. Einige Gattungen gebähren lebendige Junge.

64. Oestrus†)Die bisher ganz verworrene Naturgeschichte dieses merk - würdigen Geschlechts, ist nun durch den vortrefflichen Veterinar - arzt, Bracy Clark aufgehellt. s. dess. meisterhafte Ob - servations on the genus oestrus; im III. B. der Transactions of the Linnean Society, p. 289. u. f.. Bremse. Os apertura simplex. Palpi duo, biarticulati, apice orbiculares in depressione oris utrinque siti.

Bey den zunächst benannten Gattungen legt das Weibchen seine Eyer in die Haut der lebendigen Thiere, wodurch gleichsam eine Art von Fontanell (die so ge -335 nannte Dasselbeule) entsteht, in welchem sich die Larve (der Engerling) ernährt.

1. . Bovis. die Ochsenbremse. (Engl. the gad - fly, breeze. ) O. alis immaculatis fuscis, abdo - mine fascia atra media: apice pilis fulvo-flavis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 47. fig. 1. 2.

2. Tarandi. die Renthierbremse. O. alis im - maculatis, thorace flavo fascia nigra, abdomine fulvo apice flavo.

3. . Equi. die Pferdebremse. (Engl. the horse-bee. Oestrus bovis Linn) O. alis al - bidis, fascia media punctisque duobus nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 47. fig. 3. 4. 5.

Legt seine Eyer den Pferden an die Schultern und Vorderschenkel, wo die ausgekrochenen Larven von den - selben abgeleckt und hintergeschluckt werden; die sich dann von dieser und der folgenden Gattung, im Früh - jahr fast allgemein und theils in großer Anzahl im Ma - gen der Pferde finden, wo sie mit dem vordern spitzen Ende ihres an Größe und Form ungefähr einem Dat - telkern ähnelnden Körpers (Engl. Botts) in der in - nern Haut des Magens eingehakt festsitzen.

4. . Haemorrhoidalis. die Pferdebremse. O. alis immaculatis fuscis, abdomine atro, basi albo apiceque fulvo.

Clark l. c. fig. 12. 13.

Legt ihre Eyer den Pferden gleich an die Lippen.

5. . Ovis. die Schafbremse. O. alis pelluci - dis, basi punctatis, abdomine albo nigroque ver - sicolore.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 27. fig. 6. 7.

Die Larve findet sich in den Stirnhöhlen der Hirsche, Rehe, Ziegen, und vorzüglich der Schafe.

65. Tipula. Schnake. (Engl. cranefly.) Os capitis elongati maxilla superiore fornicata: palpi duo incurvi capite longiores. Proboscis recurvata brevissima.

336

Aeußerst dauerhafte Insecten, deren Larven sogar in Schwefelwassern leben können, und die unser Prof. de Lüc in einer Höhe von 1560 Toisen über der Mee - resflüche angetroffen.

1. . Oleracea. T. alis patentibus hyalinis, costa marginali fusca.

Frisch P. IV. tab. 12.

Die Larve thut an den Pflanzenwurzeln, zumahl am Gemüse viel Schaden.

2. . Destructor. (Engl. the Hessian fly*)So ward sie nähmlich vulgo aber ganz irrig in N. America gennant.) T. ca - pite et thorace nigris, alis nigris basi fulvis.

Philadelph. journal of the nat. sciences. 1817. tab. 3.

3. . Plumosa. (Chironomus plumosus F.) T. alis incumbentibus, thorace virescente, alis hya - linis puncto nigro.

Frisch P. XI. tab. 3. 12.

Ihre blutrothe Larve lebt im Wasser und ist eine Speise der Armpolypen.

4. . Phalaenoides. (Psychoda Ph. F.) T. alis deflexis cinereis ovato-lanceolatis ciliatis.

Frisch P. X. tab. 3. 11.

Ein kleines Thier, daß meist an dumpfigen Orten, Abtritten ꝛc. lebt.

66. Musca. Fliege. (Fr. mouche. Engl. fly.) Os proboscide carnosa: labiis 2 lateralibus: palpi duo.

1. . Vomitoria. die Schmeißfliege. M. an - tennis plumatis pilosa, thorace nigro, abdomine caeruleo nitente.

337

2. . Carnaria. M. antennis plumatis pilosa ni - gra, thorace lineis pallidioribus, abdomine niti - dulo tesselato: oculis rubris.

Frisch P. VII. tab. 14.

Gebiert lebendige Maden.

3. . Domestica. die Stubenfliege. M. anten - nis plumatis, pilosa nigra, thorace lineis 5 obso - letis, abdomine nitidulo tesselato, oculis fuscis.

(v. Gleichen) Gesch. der gemeinen Stubenfliege. (Nürnb.) 1784. 4.

Findet sich fast auf der ganzen Erde; und in theils Gegenden, wie auf Utaheiti, Neuholland, am Cap ꝛc. in unsäglich lästiger Menge. Das befruchtete Weib - chen legt seine 80 oder mehr Eyer in Ställe, Mist - haufen. Um ihre Puppenhülse aufzusprengen, kann die zum Auskriechen reife Fliege ihre Stirne wie zu einer Blase auftreiben.

4. . Cellaris. (vinulus, conops) M. antennis setariis pilosa nigra, alis nervosis, oculis ferru - gineis.

Reaumur vol. V. tab. 8. fig. 7.

Sehr kleine Thierchen, in Weinkellern und überhaupt auf süßlichen gährenden Früchten ꝛc.

5. . Meteorica. M. antennis setariis pilosa nigra abdomine subcinereo, alis basi subflavis, oculis brunneis.

In Gärten und Wäldern, haben einen sonderbaren, gleichsam hüpfenden Flug.

6. . Putris. (Tephritis P. F.) M. antennis setariis, subpilosa atra, alarum costa nigra, oculis ferru - gineis.

Frisch P. I. tab. 7.

Die Made lebt im faulen Käse.

67. Tabanus. Blinde Fliege, Breme. (Fr. taon. ) Os proboscide carnosa, terminata la -338 biis duobus. Rostro palpis duobus, subulatis, proboscidi lateralibus, parallelis.

1. . Bovinus. T. oculis virescentibus, abdominis dorso maculis albis trigonis longitudinalibus.

Reaumur vol. IV. tab. 17. fig. 8.

68. Culex. Os aculeis setaceis intra vaginam flexilem.

1. . Pipiens. die Mücke, Schnake. (Fr. le cou - sin. Engl. the gnat. Portug. mosquito.) C. cinereus, abdomine annulis fuscis 8.

Kleemanns Beytr. zu Rösel T. I. tab. 15. 16.

Das beschwerliche Thier hält sich zumahl häufig an Wasser auf. In vielen Erdstrichen, zumahl in heißen (wo ohnedieß alle Insectenstiche wie bey uns in bren - nenden Sommertagen weit heftigere Entzündung ver - ursachen), sind diese Thiere, die von den europäischen Seefahrern, nach dem Portugiesischen, Moskiten ge - nannt werden, in unsäglicher Menge, und werden oft eine recht gefährliche Plage. Oft aber werden auch an - dere mückenartige stechende Insecten mit jenem Namen belegt.

2. Reptans. (Scatopse R. F.) die Beißfliege, Columbachische Mücke, Colombatz. C. niger, alis hyalinis, pedibus nigris annulo albo.

Niemann's Taschenb. für Hausthierärzte II. tab. 1. fig. 1.

Im gebirgigen Lappland, im südlichen Sibirien, vor allen aber im Bannat, wo sie zwey Mahl im Jahre, im Frühjahr und Sommer, in unermeßlichen Schaaren erscheinen und den Pferden u. a. Vieh zu allen Oeffnun - gen des Körpers einkriechen, und dieses oft davon in wenigen Minuten sterben soll. Auch den Menschen werden sie dann wenigstens sehr lästig.

69. Empis. Os rostro corneo, inflexo, bivalvi, thorace longiore, valvulis horizontalibus.

1. . Pennipes. E. antennis filatis, nigra, pedibus posticis longis: alterius sexus pennatis.

Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 137.

339

2. . Maura. E. nigra, tarsis anticis incrassatis ovatis.

Panzer tab. 54. fig. 3.

Schwärmen an Frühlingsabenden, zuweilen in Un - zahl an stehenden Wassern, so daß man dann die Ufer von Teichen mit Millionen Todten, wie mit einer wohl 2 Ruthen breiten und fast Zolldicken Einfassung bedeckt gefunden.

70. Conops. Stechfliege, Pferdestecher. Os rostro porrecto geniculato.

1. . Calcitrans. (Stomoxys C. F.) C. antennis subplumatis, cinerea glabra ovata.

Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 138.

Hat fast ganz die Bildung der Stubenfliege, nur statt des Schlurfrüssels den hervorragenden Bohrstachel. Sie kommt nur wenn es regnen will in Häuser, fliegt niedrig, und setzt sich auch bloß an die Beine, so wie sie draußen auf der Weide sich an die Füge des Viehes zu setzen gewohnt ist, das daher so unruhig wird und aufstampft.

71. Asilus. Raubfliege. Os rostro corneo porrecto, recto bivalvi.

1. . Crabroniformis. A. abdomine tomentoso, antice segmentis tribus nigris, postice flavo in - flexo.

Frisch P. III. tab. 8.

72. Bombylius. Schwebfliege (Fr. bourdon. Engl. buzz-fly. ) Os rostro porrecto, setaceo, longissimo, bivalvi, valvulis horizontalibus, intra quas aculei setacei.

1. . Maior. B. alis dimidiato-nigris.

Sulzers Kennz. tab. 28. fig. 22.

73. Hippobosca. (Fr. mouche-araignée.) Os rostro bivalvi, cylindrico, obtuso, nutante. Pedes unguibus pluribus.

340

1. . Equina. die Pferdelaus. (Engl. the hor - seleech.) H. alis obtusis, thorace albo variegato, pedibus tetradactylis.

Sulzers Kennz. tab. 21. fig. 141.

Die trächtige Mutter wird ungeheuer dick, und legt nur ein einziges Ey oder vielmehr eine Puppe, in wel - cher sich in den ersten Wochen nichts als ein weißer Saft zeigt, der nachher gleich zum erwachsenen Thiere gebildet wird, das nach einiger Zeit als vollkommenes geflügeltes Insect auskriecht.

2. . Ovina. die Schaflaus. (Engl. the sheep - tik, sheepfagg. ) H. alis nullis.

Frisch P. V. tab. 18.

Ein ungeflügeltes Insect, das doch wegen seines ganzen übrigen Habitus diese Stelle behauptet.

341

VII. APTERA.

Die gänzlich ungeflügelten Insecten. Sie sind in Rücksicht der Größe, Bildung, Aufenthalt, Nah - rung, Freßwerkzeuge, Anzahl und Länge der Füße, der Augen u. s. w. gar sehr verschieden, daß daher, nach der schon oben gedachten Anordnung der neuern Französischen Zoologen, die Spinnen - und Krebsar - tigen Insecten, so wie die Tausendfüße ꝛc. auch hier wenigstens als Unterordnungen von den ungeflügelten eigentlichen Insecten gänzlich abgeson - dert werden. Theils legen sie Eyer, theils gebären sie lebendige Junge. Den Floh ausgenommen, be - steht wohl keins der übrigen eine eigentliche Ver - wandlung.

74. Lepisma. Pedes 6 cursorii. Os palpis 2 setaceis et 2 capitatis. Cauda setosa setis ex - tensis. Corpus squamis imbricatum.

1. . Saccharina. der Zuckergast, das Fisch - chen. (forbicina) L. squamosa, cauda triplici.

Ist eigentlich in America zu Hause, aber nun schon fast in gang Europa einheimisch.

75. Podura. (Engl. spring-tail.) Pedes 6 cur - sorii. Oculi 2 compositi ex octonis. Cauda bifurca, saltatrix, inflexa. Antennae setaceae elongatae.

Auch von diesem Insectengeschlecht zeigen sich zuwei - len manche Gattungen (z. B. P. nivais, der so ge - nannte Schneefloh) in Unzahl auf frischgefallenem Schnee*)Und daß sie nicht immer aus der Erde durch den Schnee herausgekrochen seyn können, wird dadurch erwiesen, daß man sie342 manchmahl auch nach heftigem Winde auf frischem Schnee ge - funden, der einen hartgefrorenen See bedeckte, s. de Geer in der Hist. de l'ac. des sc. de Paris vom Jahr 1750. S. 40..

1. . Fimetaria. P. terrestris alba.

Oft haufenweise unter Blumentöpfen.

76. Pediculus. Laus. (Fr. pou. Engl. louse.) Pedes 6 ambulatorii, oculi 2. Os aculeo ex - serendo. Antennae longitudine thoracis. Ab - domen depressum sublobatum.

Vielleicht eines der weitläuftigsten aller Thiergeschlech - ter. Die mehresten Säugethiere und Vögel mögen wohl ihre Läuse haben: und selbst Fische, ja sogar manche Insecten, wie die Bienen ꝛc. sind damit ge - plagt*)s. F. Redi experimenta circa generationem insectorum. Opusculor. ed. Amst. 1686. 12. P. I. tab. 1-24.Auch von diesen parasitischen Insecten sowohl als von den übrigen Epizoen, zumahl aus den beiden nächstfolgenden Ge - schlechtern, s. J. Fr. M. de Olfers de vegetativis et animatis corporibus in corporib. animat. reperiundis. Gotting. 1815. 8. p. 68.und Nitzsch in Germar's Magaz. III. B. S. 261..

1. . Humanus. die Laus. P. humanus.

Ist, außer am Menschen, meines Wissens bloß am Schimpansee (Simia troglodytes) und am Coaita (Cer - copithecus paniscus) gefunden worden. Bey den Moh - ren sind die Läuse schwarz; daß sie sich aber, wie Oviedo u. a behaupten, auf den Schiffen verlören, wenn diese die Linie passiren, ist leider eine Fabel**)Die Kleiderlaus ist von der Kopflaus specifisch verschieden und schwerer zu vertreiben. Ein Mittel finde ich als ganz be - währt in einem Buche angegeben, wo man es nicht eben suchen würde; in Fr. v. d. Mye de morbis popularibus Bredanis tem - pore obsidionis. Antverp. 1627. 4. p. 30. Eine Salbe von 2 Loth grüner Seife mit 2 Quenten Kochsalz..

2. . Pubis. (morpio. Fr. le morpion. Engl. the crab-louse.) P. pubis.

Redi l. c. tab. 10. fig. 1.

343

77. Pulex. Floh. (Fr. puce. Engl. flea.) Pe - des 6 saltatorii: oculi 2. Antennae filiformes. Os rostro inflexo, setaceo, aculeum recon - dente. Abdomen compressum.

1. . Irritans. der Floh. P. proboscide corpore breviore.

Rösel vol. II. Mücken ꝛc. tab. 2. 3. 4.

Außer dem Menschen auch auf Hunden, Füchsen, Katzen, Hasen, Eichhörnchen, Igeln ꝛc. doch nicht im äußerstem Nordamerica, und nur sehr einzeln auf manchen Westindischen Inseln (z. B. auf Martinike) ꝛc. Angeket - tete sind auf 6 Jahr alt worden.

2. Penetrans. der Sandfloh, die Tschike, Ni - gua, Ton, Attun. P. proboscide corporis lon - gitudine.

Catesby N. H. of Carolina. III. tab. 10. fig. 3.

Ein äußerst lästiges Thier im mittlern America, ähnelt dem gemeinen Floh in der Bildung und in den Sprün - gen, ist aber weit kleiner; hält sich besonders im Staube auf, und bohrt sich den Hunden in die Fußballen, und den Menschen besonders unter die Haut der Fußzehen wo dann der Hinterleib des befruchteten Weibchens zu einem Eyersacke von Erbengröße anschwillt, wodurch heftige und zuweilen in Brand übergehende Entzündun - gen entstehen können.

78. Acarus. Milbe. (Fr. tique. Engl. tick.) Pedes 8. Oculi 2 ad latera capitis. Tenta - cula 2 articulata, pediformia.

Ein großes Geschlecht von zahlreichen Gattungen*)J. Fr. Hermann mémoire aptérologique publié par Fr. L. Hammer. Strasb. 1804 fol. mit ausgemalten Kupfern., die sich auch zum Theil, wie die Läuse auf andern Thie - ren finden.

1. . Ricinus. (Ixodes R. F.) die Zangenlaus, Zäcke, der Holzbock. A. globoso-ovatus: macula baseos rotunda: antennis clavatis.

Frisch P. V. tab. 19.

344

2. . Telarius. A. rubicundo hyalinus, abdomine utrinque macula fusca.

Hermann tab. 2. fig. 15.

Unter andern auf den Linden. Eins der schädlichsten Ungeziefer für die Gewächshäuser.

3. . Siro. die Käsemilbe, Miete. (Fr. le ci - ron, la mite. Engl. the mite.) A. lateribus sublobatis, pedibus 4 posticis longissimis, femori - bus capiteque ferrugineis, abdomine setoso.

In Mehl, Käserinden, rohen Schinken ꝛc. Sie wird nur mit drey Paar Füßen gebohren, und das vierte wächst erst nachher dazu*)Ueber die Meynungen von den so genannten Krätz-Mil - ben s. Kirby and Spencer vol. I. pag. 92..

79. Hydrachna. Wasserspinne, Wassermil - be. Pedes 8. Palpi 2 articulati. Oculi 2, 4, 6. Caput, thorax, abdomenque unita.

1. . Despiciens. (Trombidium aquaticum F. Acarus aquaticus Linn.) H. rubra rotundata maculis pluribus; oculis inferis.

Frisch P. VIII. tab. 3.

Fast wie eine kleine blutrothe Spinne.

Nun wie gesagt als ein Paar besondere Unter - ordnungen:

A) Arachnidea.

80. Phalangium. Afterspinne. Pedes 8. Oculi verticis 2 contigui. Frons antennis pedifor - mibus. Abdomen rotundatum.

1. . Opilio. der Weberknecht, Schuster, Geist, Tod, die Holzspinne. (Fr. le fau -345 cheur. Engl. the shepherd.) P. abdomine ovato; subtus albo.

Sulzers Kennz. tab. 22. fig. 140.

Ein animal nocturnum, und eins der wenigen Land - Insecten die Wasser trinken. Die ausgerissenen Beine zeigen noch Tage lang Lebenskraft durch Bewegung. Das zweite Paar derselben scheint ihnen statt Fühlhör - ner zu dienen. Die Augen sitzen dem Thiere zwischen den Schultern.

2. . Cancroides. (Scorpio C. F.) der Bücher - scorpion. (Fr. le scorpion araignée.) P. ab - domine obovato depresso, chelis laevibus, digi - tis pilosis.

Rösel vol. III. tab. 64.

In altem Papier ꝛc. Sieht wegen des flachen platt - gedrückten Körpers und der langen Scheeren sonderbar aus. Kriecht vor - und rückwärts wie ein Krebs.

3. Balaenarum. die Wallfischlaus. P. abdo - mine dilatato muricato, rostro subulato.

Pennant's British zoology P. IV. tab. 18. fig. 7.

4. Araneoides. (Solpuga A. F.) P. chelis dentatis villosis, corpore oblongo.

Pallas spicil. IX. tab. 3. fig. 7-9.

Hin und wieder in heißen Erdstrichen der alten Welt. Sein Biß verursacht heftige Entzündung, zu - weilen mit gefahrvollen Zufällen.

81. Aranea. Spinne, Kanker. (Fr. araignée. Engl. spider.) Pedes 8. Oculi 8. (plerisque). Os unguibus s. retinaculis 2. Anus papillis textoriis.

Ein ansehnliches Geschlecht von zahlreichen Gattun - gen*)Ueber die hieländischen Gattungen dieses Geschlechts s. Th. Martyn's natural History of Sipders. Lond. 1793. 4. enthält Eleaz. Albin's und C. Clerk's Werke darüber., die sich wohl bloß von lebendigen Thieren, zu -346 mahl Insecten, nähren, auch einander selbst auffressen. Die mehresten verfertigen sich ein Gespinnst, entweder bloß gewebt (wie die Fensterspinnen u. a. deshalb so - genannte Ar. textores s. telariae) oder Netzförmig (wie die Kreuzspinne u. a. Ar. geometricae s. retia - riae) bey welchem letztern die regelmäßige Anlage sowohl als die Festigkeit, womit es Wind und Wetter aus - hält, bewundernswürdig ist*)S. die trefflichen eignen Beobachtungen des Dr. Reima - rus in der Einleit. zur IVten Ausg. von seines Vaters classischem Werke über die Triebe der Thiere S. 8 u. f.. Auch hat man mehr - mahls den freylich seltsamen Einfall im Kleinen aus - geführt, aus Spinnwebe, und besonders aus dem Eyer - gespinnste der Kreuzspinne, eine Art Seide zu verar - beiten. Der so genannte fliegende Sommer (Mädchen - Sommer, Mariengarn ꝛc.) (Fr. Filets de St. Mar -. tin, cheveux de la Ste Vierge. Engl. Gossa mer. ) ist wenigstens größtentheils einer kleinen Gat - tung von Spinnen (der A. obtectrix) zuzuschreiben, die zumahl im Frühjahr häufig an Hecken und Büschen umher webt.

1. . Diadema. die Kreuzspinne. A. abdomine subgloboso rubro-fusco: cruce alba punctata.

Rösel vol. IV. tab. 35-40.

Quatremere d' Isjonval erklärte diese und die fol - gende Spinne für die untrüglichsten Wetterpropheten.

2. . Domestica. die Fensterspinne. A. abdo - mine ovato fusco: maculis nigris 5 subcontiguis: anterioribus majoribus.

Martyn tab. 2. fig. 10.

3. . Scenica. (Fr. l'araignée sauteuse.) A. sa - liens nigra: lineis semicircularibus 3 albis trans - versis.

Martyn tab. 6. fig. 1.

Auf Dächern ꝛc. Sie hüpfet: macht aber kein Ge - spinnste.

4. . Saccata. A. abdomine ovato ferrugineo fusco.

Frisch P. VIII. tab. 3.

347

Sie trägt ihre Eyer in einem Sacke am Hinterleibe mit sich umher, und wagt mit einer beyspiellosen Be - harrlichkeit ihr Leben, um ihn, wenn er ihr mit Ge - walt entrissen wird, zu retten*)Bonnet oeuvres. vol. I. p. 545. u. f..

5. Avicularia. die Buschspinne. A. thorace or - biculato convexo: centro transverso excavato.

Kleemanns Beyträge zu Rösel Tom. I. tab. 11. 12.

Zumahl in Westindien. Von der Größe einer kleinen Kinderfaust. Die Fußsohlen schillern in bunte Gold - farben. Sie soll Colibrite tödten, und die Eyer der - selben aussaugen. Ihr Biß kann auch bey Menschen gefahrvolle Entzündung verursachen.

6. Spithamea. A. abdomine oblongo, pedibus lon - gissimis.

Seba thesaur. vol. IV. tab. 90. fig. 9.

In Ostindien. Mit ausgestreckten Beinen vom Um - fang einer ausgespannten Hand.

7. Tarantula. A. fusca, subtus atra, pedibus sub - tus atro fasciatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 38.

In Apulien. Die Fabeln von den unausbleiblichen Folgen ihres Bisses und den musicalischen Heilungs - mitteln dagegen, lösen sich dahin auf, daß es theils Einbildungen hypochondrischer und hysterischer Patienten; mehrentheils aber armselige Betteleyen seyn mögen, womit sich leichtgläubige Reisende haben hintergehen lassen. So viel ist indeß richtig, daß diese Spinne, die sich auf dem Felde in kleinen Erdhöhlen aufhält, den Schnittern zur Erntezeit durch ihren Biß lästig wird: und, so wie der Stich mancher anderer Insecten im brennenden Sommer gefährlich werden (zuweilen eine Art Veits-Tanz erregen) kann, so auch freylich wohl der Tarantel-Biß.

8. Edulis. A. supra grisea; abdomine oblongo la - teribus striatis: pedibus fulvis apicibus nigri - cantibus.

Labillardiére voyage. tab. 12. fig. 4-6.

348

Auf Neu-Caledonien, wo sie von den dasigen In - sulanern zu Hunderten geröstet und gegessen wird.

82. Scorpio. Pedes 8. insuper chelae 2 fron - tales. Oculi 2 in tergo. Palpi 2 cheliformes. Cauda elongata articulata terminata mucrone arcuato. Pectines 2 subtus inter pectus et abdomen.

Die Scorpione haben in der Bildung und Lebensart manches mit den Krebsen gemein, auch werfen sie, so wie diese, jährlich ihre Schale ab. Sie nähren sich von andern Insecten, und hecken lebendige Junge. Der Stich der kleinen europäischen ist, wenn nicht grade schwüle Sonnenhitze u. a. dergl. Umstände dazu kommen, nicht eben gefährlich*)Die Fabel von ihrem vorgeblichen Selbstmord hat unter andern schon unser vortrefflicher Keyßler durch eigne Versuche widerlegt. Reisen II. Theil. S. 231..

1. Afer. S. pectinibus 13-dentatis, manibus sub - cordatis pilosis.

Rösel vol. III. tab. 65.

2. . Europaeus. S. pectinibus 18-dentatis, ma - nibus angulatis.

Rösel vol. III. tab. 66. fig. 1. 2.

B) Crustacea.

83. Cancer. Krebs. (Fr. cancre. Engl. crab.) Pedes 8. insuper manus 2 chelatae. Oculi 2 distantes, plerisque pedunculati, elongati mo - biles. Palpi 2 cheliferi. Cauda articulata inermis.

Ein weitläuftiges Geschlecht, dessen Gattungen nach der verschiedenen Länge und Bedeckung des Schwanzes, von Linné in folgende drey Familien abgetheilt worden**)J. Fr. W. Herbst Versuch über die Naturgeschichte der Krabben und Krebse. Zürich, 1782. u. f. 4.:

349
A) Brachyuri. Krabben, Taschenkrebse, Seespinnen.

1. Pinnotheres. C. brachyurus glaberrimus, tho - race laevi lateribus antice planato, caudae medio noduloso-carinato.

Die Sage, daß sich dieser Krebs innerhalb der Steck - muschel aufhalte, um die Muschel bey Annäherung der Blackfische zu warnen, ist irrig. Er verwirrt sich wohl oft in den Bart dieser Muschel, so wie andere Krebse auch: aber die vorgegebene Absicht fällt weg.

2. Ruricola. die schwarze Landkrabbe. C. bra - chyurus, thorace laevi integerrimo, antice re - tuso: pedum articulis ultimis penultimisque un - dique spinosis.

Catesby vol. II. tab. 32.

In Westindien und den benachbarten Landstrichen. Lebt im Gebüsch in Erdhöhlen; zieht aber im Früh - jahr, theils in großen Scharen nach den Seeufern, um die Eyer in den Sand zu legen.

3. Vocans. die Sandkrabbe. (Engl. the sand - crab.) C. brachyurus, thorace quadrato inermi, chela altera ingenti.

Catesby vol. II. tab. 35.

In Ostindien und im wärmern Nordamerika. Das Männchen*)Banks in Hawkesworth's collection ꝛc. vol. II. p. 32. wird durch die auffallende Ungleichheit sei - ner beiden Scheren merkwürdig, deren eine nicht viel größer als ein Bein des Thieres, die andere hingegen so schwerfällig ist, daß sie der Krebs, wenn er von der Stelle will, auf den Rücken legen, und so forttra - gen soll.

4. . Maenas. die Krabbe. C. brachyurus, tho - race laeviusculo, utrinque quinquedentato, carpis unidentatis, pedibus ciliatis: posticis subulatis.

5. Dromia. C. brachyurus hirsutus, thorace utrin - que dentato, pedibus posticis unguibus geminis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 67.

350

Im Indischen Ocean. Hat so wie manche andere Krabbenarten vier Beine oben auf dem Rücken, wo - mit er eine leere Muschelschale fassen und damit kleine Fische oder Krebse zu seiner Nahrung fangen soll.

6. . Pagurus. der Taschenkrebs, die Tasche. (Engl. the punger. ) C. brachyurus, thorace utrinque obtuse novem-plicato, manibus apice atris.

B) Parasitici, cauda aphylla. Schneckenkrebse.

7. Bernhardus. (Pagurus B. F.) der Einsiedler. C. macrourus parasiticus, chelis cordatis murica - tis: dextra maiore.

Sulzers Gesch. tab. 31. fig. 5.

Bewohnt leere Schneckenhäuser: und zwar, wie es scheint ohne Auswahl besonderer Geschlechter oder Gat - tungen. Oft sind solche ausgestorbene Schneckenhäuser inwendig von einem Einsiedlerkrebs bezogen, und von außen zugleich mit Alcyonien u. a. dergl. Corallen besetzt.

C) Macrouri. Eigentlich so genannte Krebse.

8. Cammarus. (Astacus marinus. F.) der Hum - mer. (Fr. l'homard. Engl. the lobster.) C. ma - crourus, thorace laevi, rostro lateribus dentato: basi supra dente duplici.

In den Meeren der nordlichen Erde: wo er, wie manche Fische, zu gewissen Jahrszeiten hin und her zieht.

9. . Astacus. (Astacus fluviatilis F.) der Fluß - krebs, Edelkrebs. (Fr. l'ecrevisse. Engl. the[craw-fish].) C. macrourus thorace laevi, rostro lateribus dentato: basi utrinque dente unico.

Rösel vol. III. tab. 54-61.

Dieses Thier (wovon es auch von Natur rothe, und andere selbst beym Sieden schwarzbleibende Spielarten gibt), erreicht ein zwanzigjähriges Alter und wirft bekanntlich seine ganze Schale alljährlich ab, wobey zu - gleich seine drey Zähne und selbst sein Magen erneuert werden. Die zwey kalkigen Steine die sich im Sommer351 zu beiden Seiten seines Magens finden (die irrig so ge - nannten Krebsaugen), sind doch wohl der vorzüglichste Stoff, woraus die neue verjüngte Schale verhärtet. Auch der zufällige Verlust von Füßen, Scheeren ꝛc. dieser u. a. Gattungen von Krebsen, wird durch ihre starke Reproductionskraft leicht wieder ersetzt. Sie schnellen so gar Füße und Scheeren, wenn sie ihnen (nur nicht zu nahe am Leibe) gequetscht oder mit ei - nem glühenden Eisen berührt werden, von selbst von sich. (So wie es der Hummer zuweilen bey heftigen Donnerschlägen thun soll.)

10. . Squilla. (Palaemon S. F.) die Granate, Garneele. Fr. la chevrette, crevette, salico - que, le barbot. Engl. the shrimp.) C. macrou - rus, thorace laevi, rostro supra serrato, subtus tridentato, manuum digitis aequalibus.

Mém de l'ac. des sc. de Paris. 1772. P. II. tab. 1. fig. 1. 2.

11. . Crangon. (Crangon vulgaris F.) die Garneele. C. macrourus, thorace laevi rostro integerrimo, manuum pollice longiore.

Rösel vol. III. tab. 63. fig. 1. 2.

So wie die vorige, häufig an den Küsten von Eu - ropa, zumahl in der Nordsee.

12. Arctus. (Scyllarus A. F.) C. macrourus, tho - race antrorsum aculeato, fronte diphylla, mani - bus subadactylis.

Gesner hist. aquatil. pag. 1097.

In allen mildern Weltmeeren.

13. Mantis. (Squilla M. F.) C. macrourus arti - cularis, manibus adactylis compressis falcatis ser - rato-dentatis.

Sulzers Gesch. tab. 32. fig. 2.

Im mittländischen u. a. Meeren der wärmern Erdstriche.

14. . Pulex. (Gammarus P. F.) die Fluß-Gar - neele. C. macrourus articularis, manibus 4 adacty - lis, pedibus 10.

Rösel vol. III. tab. 62.

352

Zumahl häufig in der Brunnenkresse. Aber auch in Unzahl an manchen Seeküsten. Sehr gefräßig, Aaas verzehrend.

15. . Stagnalis. (Gammarus St. F.) C. macrourus articularis, manibus adactylis, pedibus patentibus, cauda cylindrica bifida.

Schäffer's fischförmiger Kiefenfuß. 1754. 4.

In stehenden Wassern.

84. Monoculus. Kiefenfuß. Pedes natatorii. Corpus crusta tectum. Oculi approximati, testae innati.

Alle bis jetzt bekannte Gattungen dieses Geschlechts finden sich bloß im Wasser*)O. Fr. Müller entomostraca s. insecta testacea. Havn. 1785. 4..

1. Polyphemus. (Limulus P. F.) der molucki - sche Krebs (Engl. the horse-shoe, helmedfish.). M. testa plana convexa sutura lunata, postica dentata, cauda subulata longissima.

Das allergrößte Insect, das wohl eine Länge von 4 Fuß erreichen kann. Daß es Einäugig genannt worden, ist lächerlich, da es über 2000 Augen hat. Auch fin - det es sich nicht allein in Ostindien, sondern auch an den Küsten des nordöstlichen America, zumahl häufig in der bahamischen Meerenge.

2. . Apus. (Limulus lacustris Müll.) M. testa subcompressa, antice retusa, postice truncata, cauda biseta.

Schäffer's krebsartiger Kiefenfuß tab. 1.

Nur in wenigen Gegenden von Deutschland. Aber daselbst in nassen Jahren nach Ueberschwemmungen ꝛc. in auffallender Menge. Wie es scheint ein wahrer Zwitter**)Stralsund. Magaz. I. B. S. 239., dem Schäffer über 2 Millionen Gelenke angerechnet hat.

353

3. . Pulex. der Wasserfloh. (Daphnia pen - nata Müll.) M. antennis dichotomis, cauda inflexa.

Sulzers Gesch. tab. 30. fig. 10.

In Flüssen und Deichen, auch im Brunnenwasser: theils an Orten so häufig, daß er bey seiner Ziegel - rothen Farbe wohl eher die Sage von Wasser, das in Blut verwandelt sey, veranlaßt hat.

4. . Conchaceus. (Cypris pubera Müll.) M. testa bivalvi ovali tomentosa.

Müller tab. 5. fig. 1-5.

Ebenfalls in unsern süßen Wassern. Bey dieser und einigen verwandten Gattungen steckt das Thierchen in seinen zarten Schalen wie in einer Klaffmuschel.

85. Oniscus. Pedes 14. Antennae setaceae. Corpus ovale.

1. Ceti. (Cymothoa C. F.) die Wallfischlaus. O. ovalis segmentis distinctis, pedibus tertii quar - tique paris linearibus ovaticis.

Pallas spicileg. zoolog. Fasc. IX. tab. 4. fig. 14.

Zumahl eine Plage der Wallfische, bey welchen dieses Insect, besonders an den Finnen und Zeugungstheilen, aufs festeste sich einnistelt.

2. . Asellus. der Kelleresel. (millepeda. Fr. la cloporte. Engl. the wood louse.) O. ova - lis, canda obtusa, stylis simplicibus.

86. Scolopendra. Assel. Pedes numerosi, to - tidem utrinque quot corporis segmenta. An - tennae setaceae. Palpi 2 articulati. Corpus depressum.

1. . Lagura. S. pedibus utrinque 24, corpore ovali, cauda penicillo albo.

Leach vol. III. tab. 135. B.

Unter alten Baumrinden, Moos, Pilzen ꝛc. Merk - würdig ist, daß verschiedene Gattungen dieses und des354 folgenden Geschlechts ihre zahlreichen Füße erst nach und nach erhalten, und nur wenige Paare derselben mit aus dem Ey bringen.

2. . Gigantea. S. pedibus utrinque 22.

In Westindien ꝛc. Der folgenden sehr ähnlich, aber Fußlang und drüber.

3. Morsitans. S. pedibus utrinque 20.

Sulzers Gesch. tab. 30. fig. 14.

In den heißen Zonen: und selbst schon in Spanien. Ihr Biß verursacht gefährliche Entzündung.

4. . Electrica. die Feuerassel, der Feuer - wurm. S. pedibus utrinque 70.

Frisch P. XI. tab. 2. 8. fig. 1.

Phosphorescirt stark, und sogar der Fleck wo sie ge - legen, leuchtet noch geraume Zeit nachher. Lebt vor - züglich in feuchtem Erdreich, kriecht aber auch zuweilen auf Blumen, und dadurch lassen sich wohl die nicht gar seltenen Fälle erklären, wo sich dieses Thiel in die Stirnhöhlen bey Menschen eingenistelt und wohl Jahre lang unerträgliches Kopfweh ꝛc. verursacht hat.

87. Iulus. Vielfuß. Pedes numerosi: duplo utrinque plures quam corporis segmenta. An - tennae moniliformes. Palpi 2 articulati. Cor - pus semicylindricum.

1. . Terrester. (Engl. the hundred-legs). S. pedibus utrinque 100.

Sulzers Gesch. tab. 30. fig. 16.

Meist unter der Erde in fettem Boden oder im Miste; besonders schädlich für die Kohlarten.

355

Neunter Abschnitt. Von den Würmern.

§. 146.

Die Insecten haben so bestimmte und faßliche, die Würmer hingegen so wenig allgemein passende positive Charactere, daß man die letztern vielleicht am kürzesten durch diejenigen weißblütigen Thiere de - finiren könnte, die keine Insecten sind; als von wel - chen sie sich sowohl durch den Mangel der Fühlhör - ner als der eingelenkten Bewegungswerkzeuge unter - scheiden. (§. 40. 122.)

§. 147.

Sie haben mehrentheils einen weichen, theils gleichsam gallertartigen Körper: nur wenige sind, wie die Aphroditen, mit Haaren, einige, wie die See-Igel, mit einer kalkartigen Schale bedeckt. Manche Amphitriten verfertigen sich eine kunstreiche Hülse von Sandkörnchen ꝛc. viele andere Thiere die - ser Classe aber (die Conchylien nähmlich und manche Polypen) bewohnen ein ihnen angebornes festes, fast porzellan - oder steinartiges Gehäuse, das ihnen zum Schutz und Aufenthalt dienet: und theils von dem Thiere umher getragen wird, theils aber unbe - weglich fest sitzt.

§. 148.

Kein einziges Thier dieser Classe ist wirklich ge - flügelt (denn daß der Tintenfisch ziemlich große Sätze356 aus dem Wasser heraus thun kann, ist kein Flug zu nennen), auch kann man ihnen keine eigentliche Füße zum Aufstützen des Körpers und zum Fortschreiten zugestehen. Doch haben die Regenwürmer, See - Igel, Seesterne ꝛc. besondere Organe, die gewisser Maßen eine ähnliche Bestimmung haben. Und dann wird auch der Mangel dieser äußern Bewegungs - werkzeuge bey vielen Würmern durch die bey ih - nen ausnehmende Kraft, ihren Körper wechselsweise weit auszustrecken, und wieder enge zusammen zu ziehen, ersetzt.

§. 149.

Statt der Fühlhörner haben viele Würmer so genannte Fühlfaden (tentacula), oder biegsame ungegliederte, meist weiche fleischige Faden am Kopfe, die bey einigen von ansehnlicher Länge, über - haupt aber von mannigfaltiger Bestimmung sind. Vielen nutzen sie zum Tasten; manchen zum Fang: u. s. w.

§. 150.

Uebriges läßt sich über die Sinne dieser Thiere und deren Werkzeuge noch weniger Bestimmtes, als über der Insecten ihre, sagen. Doch haben einige ungezweifelt wahre Augen (wie die Tinten - fische ꝛc. ), und andere, wie z. B. die Polypen, haben ohne Augen doch das feinste Gefühl von Licht und Hellung.

§. 151.

Im innern Körperbau weichen die mehresten Gewürme wieder eben so sehr von der Insecten ihrem, als diese von dem der rothblütigen Thiere ab.

Auch unterscheidet sich diese Classe im Ganzen schon dadurch von der vorigen, daß meines Wissens357 kein einziges Thier derselben sich (so wie hingegen die allermehrsten Insecten) einer Verwand - lung unterzieht.

§. 152.

Der Aufenthalt dieser Thiere ist meist im Wasser: und zwar der bey weiten allermehrsten ihrer im Ocean. Einige leben bloß unter der Erde: und viele ausschließlich im lebendigen Körper anderer Thiere, wie die Darmwürmer, Samenthierchen u. s. w.

§. 153.

Zur Selbsterhaltung dient vielen Thieren dieser Classe die ganz ausnehmende Stärke ihrer Reproductionskraft, und einige, wie z. B. der Klei - steraal, das Räderthier ꝛc. besitzen eine Art von Re - viviscenz, wodurch sie gewisser Maßen unzerstörbar scheinen.

§. 154.

Die meisten thierischen Eingeweidewürmer, auch die Tintenfische ꝛc. ausgenommen, sind wohl die aller - mehrsten Würmer wahre Hermaphroditen, von denen jedes Individuum sein Geschlecht auf eine der oben angegebenen Weisen (§. 20. S. 28.) fortzu - pflanzen im Stande ist*)Auch die Paarung hat bey manchen Thieren dieser Classe ungemein viel Eigenes, wie z. B. bey den gemeinsten Garten - und Wald-Schnecken (helix arbustorum, nemoralis etc.), als welche zur Brunstzeit mit einem überaus sonderbaren kleinen Pfeile versehen sind, der von kalkartiger Substanz ist, und un - gefähr die Gestalt eines vierschneidigen Lanzenschaftes hat. (tab. 1. fig. 8.) Dieser Liebespfeil steckt ihnen dann ganz locker in ei - ner Oeffnung des Halfes, und wenn ihrer zweye einander aufgefunden haben, so drückt jedes seinen Pfeil dem andern in die Brust, und erst auf diese vorgängige Auswechselung dieser Pfeile und dadurch verursachte Anreitung erfolgt die wahre Paarung..

358

§. 155.

Die unübersehliche Menge von Seegeschöpfen in dieser Classe (§. 152.), zumahl die Conchylien und Corallen, werden in der großen Haushaltung der Natur vorzüglichst dadurch äußerst wichtig, daß sie im Ocean [ so wie die Insecten auf und in der Erde (§. 143.) ] unendlich mannigfaltigen über - flüssigen oder nachtheiligen Stoff verzehren, durch - wirken, gleichsam umwandeln u. s. w. Dem Menschen insbesondere werden sie dadurch nutzbar, daß Viele derselben, zumahl unter den Mollusken und Conchylien, eßbar sind, und vorzüglich einige (wie z. B. namentlich venus mercenaria und my - tilus bidens) manchen Küstenbewohnern und See - fahrenden zu einer Hauptnahrung dienen. Von ei - nigen Schnecken wurde ehedem mehr als jetzt die Purpur-Farbe genommen*)s. Schneiders Abhandl. hierüber im II. B. von Ant. de Ulloa Nachr. von America. Leipz. 1781. 8. S. 377-431.. Aus dem den Black - fischen eigenen Saft kann Tinte und Tusche be - reitet werden. Der Bart der Steckmuschel gibt eine Art brauner Seide, die verarbeitet wird. Meh - rere Muschelarten führen Perlen**)Zumahl beym mytilus margaritifer, mya margaritifera etc. Die Perlen sitzen meist im Thiere selbst, zuweilen doch auch inwendig an der Schale fest. Noch ist ihre wahre Entstehungsart nicht aufgeklärt. Die allerschönsten werden bekanntlich auf Cei - lon und im persischen Meerbusen gefischt. Die westindischen, californischen, so auch die von Utaheiti ꝛc. sind schon weniger schön: vollends die meisten von denen aus europäischen Flüssen ꝛc. Doch finden sich unter letztern und namentlich unter den hielän - dischen Cellischen so wie unter den Lievländischen auch welche von ungemeiner Schönheit.. Das rothe Corall gibt einen wichtigen Handelsartikel, zumahl nach Ostindien. Verschiedne Schneckchen oder Muscheln ꝛc. cursiren ganz oder in Stückchen ge - schnitten bey einigen fernen Völkern statt Scheide -359 Münze. Aus ähnlichen Muschelstückchen von ver - schiedenen Farben machen die Irokesen u. a. nord - americanische Indianer ihre Denkschnüre (wam - pum) ꝛc. die ihnen statt Urkunden dienen*)s. Loskiels Gesch. der Brüder-Mission in Nordamerica. S. 54. u. f. 173. ꝛc.. Viele Wilde brauchen Muschelschalen und Schneckenhäuser statt Trinkgeschirre, Löffel ꝛc. Die Südsee - Insulaner machen daraus ihre sinnreichen Angeln und mancherley anderes Fischergeräthe (§. 118.). Die nordwestlichen Americaner schärfen ihre Har - punen mit scharfgeschliffenen Stücken von Muschel - schalen. Zu Kunstarbeiten dienen vorzüglich manche Archen-Muscheln und Kinkhornschnecken, die die auf Onyx-Manier zu Cameen verarbeitet werden: auch Perlenmutter. Die große beinartige Schuppe des Blackfisches (os sepiae) wird von Künstlern und Handwerkern benutzt. Der Badeschwamm dient zu mancherley häuslichem Gebrauche; Madreporen zu Quader-Bausteinen z. B. an beiden Küsten des rothen Meeres. Unzählige Conchylien und Co - rallen werden zu Kalk gebrannt; einige große dünne Muschelschalen im südlichen Schina statt und der Indi - schen Halbinsel statt Fensterscheiben gebraucht u. s. w. Auch dienen die Conchylien zum allgemein - sten Putz der wilden Völker**)In der großen südländischen Sammlung, die S. Maj. unser voriger König an das hiesige academische Museum geschenkt haben, findet sich unter vielen andern dergleichen Putzstücken, sogar ein Halsband von niedlichen, mühsam polirten, durchbohr - ten, und mit Sehnen kunstreich zusammen geflochtenen Schnecken - häuschen von demjenigen Volke, das vulgo für den kümmerlich - sten Auswurf des Menschengeschlechts verschrieen wird, nähmlich von den[Pescheräs] auf dem Feuerlande.. Die Blutigel endlich sind ein überaus wichtiges chirurgisches Ge - nesmittel.

360

§. 156.

Zu den schädlichsten Thieren dieser Classe ge - hören vorzüglich alle die furchtbaren Würmer des menschlichen Körpers, die sich entweder wie die Mastwürmer, Spulwürmer, Trichuriden und Bandwürmer im Darmcanal, oder wie der Nerven - wurm nahe unter der Haut aufhalten*)Hingegen kann ich den abenteuerlichen Erzählungen von der höllischen Furie, einem von niemand zuversichtlich gesehenen, und doch sehr genau beschriebenen, und wie es heißt, mit Wi - derhäkchen bewaffneten, und ohne Flügel in der Luft herum flie - genden Würmchen, was auf Menschen und Vieh herabstürzen, und sie durchbohren soll u. s. w., keinen Glauben beymessen.. Sodann auch die Egelschnecken, die sich bey den Schafen ꝛc., die Finnen bey den Schweinen, die Blasenwür - mer und so viele andere Würmer, zumahl bey den vierfüßigen Hausthieren und bey Fischen finden, und sie krank machen. Die Regenwürmer und Schnecken schaden Gewächsen. Der Pfahlwurm, die Bohr-Pholade ꝛc. durchbohren Schiffe und Dämme.

§. 157.

Ich habe auch bey dieser Classe bis auf einige wenige Abänderungen im Ganzen die Ordnung des Linnéischen Systems befolgt:

I. Intestina. Längliche Würmer, ohne merklich sichtbare äußere Gliedmaßen.

II. Molusca. Nackte weiche Würmer, mit deutlichen, theils sehr zahlreichen Gliedmaßen; viele derselben haben große Aehnlichkeit mit den Bewohnern der Schneckenhäuser und Muschel - schalen in der folgenden Ordnung.

III. Testacea. Die den Würmern der vorigen Ordnung ähnlichen Bewohner der Conchylien.

361

IV. Echinodermata (Crustacea). Mit einem beynahe knorpeligen Körper, und theils mit ei - ner festen (gleichsam kalkartigen) Rinde. See -- Igel, Seesterne, Seepalme.

V. Corallia. Die Polypen und andere Pflan - zenthiere, die einen Corallenstamm oder andere ähnliche Gehäuse bewohnen.

VI. Zoophyta. Die nackten Pflanzenthiere ohne Gehäuse. Nebst den Infusionsthierchen.

Das von den neuern französischen Zoologen ge - gründete System der Thiere dieser Classe ist weit mehr als das Linnéische dem innern Baue derselben entsprechend. Daher die nackten Mollusken und die Bewohner der Conchylien mit einander in eine ge - meinschaftliche Ordnung verbunden, und diesen über - dem noch vor den Insecten ihre Stelle angewiesen worden; so wie eine andere Abtheilung, welche die Geschlechter Serpula, Sabella, Amphitrite, Nereis, Aphrodita, Lumbricus, Nais, Hirudo und die mehrsten Gattungen von Gordius begreift, vor die Krebse und Spinnen (Crustaceen und Arachniden) zu stehen kommt. Der übrigen Ordnungen, die dann den Schluß des ganzen Thierreichs machen, sind folgende fünf:

1) Echinodermata.

2) Intestina (Entozoa).

3) Acalephae. Die Geschlechter Actinia, Me - dusa und Holothuria.

4) Die Zoophyta und Corallia.

362

5) Infusoria mit Einschluß von Furcularia, Brachionus, Vibrio, Volvox ꝛc.

Zur N. G. der Würmer.

  1. J. B. De Lamarck Système des animaux sans vertèbres. Par. 1801. 8.
  2. Ej. Histoire naturelle des animaux sans vertebres. ib. 1815-22. VII T. 8.
  3. J. Gu. Bruguiere histoire naturelle des vers. in der Encyclopé - die methodique. ib. 1789. 4.
  4. Aug. Fr. Schweigger's Handbuch der Naturg. der skeletlosen ungegliederten Thiere, Leipz. 1820. 8.
  5. O. Fr. Müller historia vermium terrestrium et fluviatilium Havn. 1773. 4.
  6. Alb. Seba thesaurus (s. S. 197.) vol. III.
363

I. INTESTINA.

Die mehrsten haben theils einen cylindrischen, theils einen bandförmigen Körper. Die Eingeweide - würmer des menschlichen Körpers sind (die Samen - thierchen ausgenommen) alle aus dieser Ordnung*)Joh. Aug. Ephr. Goeze Versuch einer Naturgeschichte der Eingeweidewürmer thierischer Körper. Blankenburg, 1782. 4.Nachträge dazu, von J. G. H. Zeder. Leipz. seit 1800. 4.Vermium intestinalium praesertim taeniae humanae brevis expositio, auctore P. Chr. Wernero. Lips. 1782. 8. nebst der dazu gehörigen dreyfachen continuatio. ib. 1782. u. f. 8.J. G. H. Zeder's Naturgeschichte der Eingeweidewürmer. Bamberg, 1803. 8.Aber nun vor allen: C. Asm. Rudolphi entozoorum s. ver - mium intestinalium historia naturalis. Amst. 1808. II. vol. 8. mit Kupf.Ej. entozoorum Synopsis. Berol. 1819. 8. mit Kupf.Und J. G. Bremser über lebende Würmer im lebenden Menschen. Wien, 1819. 4. mit Kupf.Ej. Icones helminthum systema Rudolphi entozoologicum illu - strantes. ib. seit 1824. fol. .

1. Gordius. Fadenwurm. Filaria. (Engl. hair - worm.) Corpus filiforme, teres, aequale, laeve.

1. . Aquaticus. das Wasserkalb. (Seta equina.) G. pallidus extremitatibus nigris.

Spannenlang, von der Dicke eines starken Zwirnfa - dens. In lettigem Boden und im Wasser. Zuweilen aber auch wie der folgende tropische Nervenwurm bey Menschen in Geschwüren ꝛc.

2. Medinensis. der Nervenwurm, Farenteit. (dracunculus, vena Medinensis. Fr. le ver de Guinée.) G. totus pallidus.

Sloane nat. hist. of Jamaica. vol. II. tab. 134. fig. 1.

364

Am persischen Meerbusen, in Aegypten, Ost - und West-Indien, auf Guinea ꝛc. Wohl zwey Ellen lang. Zeigt sich unter der Haut, zumahl an den Knöcheln, Knieen, Armen ꝛc. wo er schmerzhafte Beulen, Ent - zündung u. s. w. verursacht, und äußerst vorsichtig (da - mit er nicht abreiße) ausgewunden werden muß; eine langwierige oft mehrere Wochen dauernde Operation*)s. von diesem berühmten Thiere, (dessen eigenthümliche Animalität schon alte griechische Aerzte ohne Grund haben be - zweifeln wollen,) außer den beiden vorzüglich classischen Werken:Kämpfer amoenit. exotic. p. 526.und Winterbottom on the native Africans in the Neigh - bourhood of Sierra Leone. vol. II. p. 82.besonders noch sechs verschiedene Aufsätze im IIten B. des Edinburgh medical and surgical Journal 1806. Kann der Wurm mit einem Mahle ganz herausgebracht werden, so zeigt er noch viele Minutenlang Leben und Bewegung. (S. 302.).

3. Papillosus. F. ore orbiculari colloque papillo - sis, corpore subaequali, postice attenuato, cauda incurvata.

Bey Pferden in mehreren Eingeweiden; und, wenn es anders die gleiche Gattung ist, zumahl in Ostindien auch nicht selten in der vordern Augenkammer.

2. Ascaris. Corpus aequale teres ore trinodo, intestinis conspicuis.

1. . Vermicularis. der Mastwurm, Maden - wurm, Springwurm. A. cauda subulata, cute ad latera corporis subtilissime crenata.

(tab. I. fig. 1.)

Hält sich im Mastdarm bey Menschen auf, saugt mit dem stumpfern Ende.

2. . Lumbricoides. der Spulwurm, Herzwurm. (lumbricus teres. Fr. le strongle. Engl. the round worm.) A. cauda obtusa, ani rima trans - versa intestino aurantio.

(tab. I. fig. 2.)

365

Der allergemeinste Darmwurm im menschlichen Kör - per, zumahl in den dünnen Därmen; zuweilen in un - säglicher Menge.

3. Trichocephalus. Corpus inaequale, teres; antice capillare, postice incrassatum.

1. . Dispar. die (vulgo so genannte) Trichuride. T. supra subcrenatus, subtus laevis, anterius subtilissime striatus.

(tab. 1. fig. 3.)

Beym Menschen in den dicken Därmen; saugt mit dem dünnen haarförmigen Ende.

4. Echinorhynchus. Kratzerwurm*)A. H. L. Westrumb de helminthibus acanthocephalis. Hannov. 1821. fol. mit Kupf.. Corpus teres, proboscide cylindrica retractili echinata.

1. . Gigas. E. candidus, collo nullo, proboscide vaginata: aculeorum uncinatorum ordinibus plu - ribus, papillis suctoriis senis.

Goeze Eingeweidewürmer tab. 10. fig. 1-6.

In den Därmen des Hausschweins.

5. Lumbricus. Corpus teres annulatum, longi - tudinaliter exasperatum aculeis conditis.

1. . Terrester. der Regenwurm. (Fr. le ver de terre. Engl. the earth-worm, dew-worm.) L. ephippio circulari, 8 seriebus aculeorum abdo - minalium.

(tab. 1. fig. 7.)

Das bekannte, den jungen Küchengewächsen schädliche Thier: ein wahres animal subterraneum, unter dessen Haut selbst wieder eine Gattung kleiner Intestinalwür - mer (ascaris minutissima) nistet.

2. . Variegatus. L. rufus, fusco-maculatus, sex - fariam aculeatus.

Bonnet Tr. d'Insectol. II. (oeuvr. vol. I.) tab. 1. fig. 1-4.

366

Ein überaus schönfarbiges etwa 1 ½ Zoll langes Thier. In Teichen, Gräben ꝛc. Hat, so wie der gemeine Re - genwurm auch, ausnehmende Reproductionskraft. So - gar ein abgeschnittnes 1 / 26 des Thieres kann binnen ei - nigen Monaten wieder zu einem ganzen Thiere von vollkommener Länge reproducirt werden. Seine natür - liche Fortpflanzung geschieht sowohl indem er lebendige Junge gebiert, als auch durch junge Brut, die er wie Sprossen austreibt.

6. Fasciola. Corpus gelatinosum, planiusculum, poro ventrali duplici.

1. . Hepatica. die Egelschnecke. (Fr. la douve. Engl. the fluke.) F. depressa, ovata fusca, an - tice tubulo instructa.

J. C. Schäffers Egelschnecken ꝛc. fig. 1-8.

In den Lebergallengängen der Schafe und mancher - ley andrer grasfressenden Säugethiere.

2. . Intestinalis. der Riemenwurm, Fisch - rieme, Fick. F. corpore taeniolari marginibus undulatis.

Journal des savans 1726. p. 102.

Wie ein schmaler Rieme; ungegliedert: in der Bauch - höhle bey manchen Fischen. Ist selbst, nachdem diese ge - sotten waren, noch lebendig in ihnen gefunden worden.

7. Taenia. Bandwurm, Nestelwurm, Ket - tenwurm (lumbricus latus. Fr. ver solitaire. Engl. tape-worm, jointed worm.) Corpus planiusculum, geniculatum. Os quadrilobum.

Ein weitläuftiges, sowohl wegen der ausnehmend son - derbaren Einrichtung seines Baues, als wegen der hartnäckigen und mannigfaltigen Zufälle, die durch die nachgenannten Gattungen im menschlichen Körper ver - ursacht werden, überaus merkwürdiges Thiergeschlecht. Der gegliederte Wurm saugt sich mittelst des aus sei - nem vierkolbigen Kopfe (tab. 1. fig. 4) heraus ragen -367 den zugespitzten Saugerüssels im Darmcanal fest*)Allerdings scheint aber, daß sich auch bey abgerissenen Stücken von Bandwürmern aus ihrem Vorderende wieder ein neuer Kopf bildet. S. Carlisle's treffliche Beobachtungen über diese Thiere im II. B. der Transactions of the Linnean Society. p. 256.. Zunächst aus den Kopf folgt (wenigstens bey den nach - benannten Gattungen) ein überaus schmaler fast fa - denförmiger Hals (tab. 1. fig. 4.), der allgemach mit immer deutlichern und größern Gliedern in den übrigen Körper des Wurms übergeht. In jedem der größern Glieder, die dann bey weitem den längsten Theil des Thiers ausmachen (tab. 1. fig. 5. 6. ), zeigt sich ein besonderer Eyerstock, meist von einer sehr eleganten Form, wie Laubwerk ꝛc. der seine Eyerchen durch eine am Rande oder auf der breiten Seite befindliche ein - fache oder doppelte Oeffnung von sich geben kann. Uebrigens ist der Bandwurm nichts weniger als soli - taire, sondern man hat gar oft bey Einem Menschen oder Einem Thiere viele ganze Bandwürmer zugleich gefunden.

1. . Solium. der langgliedrige Bandwurm. (T. curcurbitina.) T. humana articulis oblongis, orificio marginali solitario, ovario pinnato.

(tab. 1. fig. 5.)

Diese Gattung ist in Deutschland die gemeinste. Fin - det sich, so wie der folgende, im dünnen Darme beym Menschen.

Die so genannten Kürbskernwürmer (vermes curcurbitini, ascarides Couleti) sind abgesetzte Hin - terglieder dieses Wurm.

2. . Vulgaris. der kurzgliedrige Band - wurm. [Bothriocephalus latus**)Ueber die unter dem Namen der Grubenköpfe, Bothrio - cephali, zu einem besondern Geschlechte verbundenen Gattungen von Bandwürmern, s. Dr. Leuckart's zoologische Bruchstücke I. Helmst. 1820. 4.] T. humana articulis abbreviatis transversis, orificio laterali duplici, ovario stellato.

(tab. 1. fig. 6.)

368

In andern Gegenden von Europa, zumahl häufig in der Schweiz und in Frankreich.

8. Hydatis. Blasenwurm. Corpus taeniforme desinens in vesicam lymphaticam. Os qua - drilobum.

Kopf und Vordertheil dieser ebenfalls überaus son - derbaren Thiere, die sich meist an und in verschiedenen Eingeweiden vielerley Säugethiere finden, hat bey den mehrsten Gattungen viele Aehnlichkeit mit denen vom Bandwurm. Der Hintertheil aber endigt sich in eine eyförmige Wasserblase verschiedener Größe.

1. . Finna. die Finne. (Cysticercus cellulosae Rudolph.) H. conica, vesicae duplici inclusa, interiori basi sua adhaerens, capite versus collum vesicae directo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 39.

Sehr selten bey Menschen*)s. Hofr. Himly im Journal der practischen Arzney - kunde 1809. II. B. 12. St. p. 115. tab. 1-3 und Affen auf den Muskeln, auf dem Hirne ꝛc. Am gemeinsten aber im Schweinefleisch. Ihre thierische Natur hat schon Mal - pighi außer Zweifel gesetzt. Da sie sich bloß bey dem vom Menschen unterjochten Hausschwein, aber nicht bey der wilden Sau findet, so gibt sie ein Beyspiel von organisirten Körpern, die erst lange nach der ersten Schöpfung gleichsam nacherschaffen zu seyn scheinen.

2. . Globosa. H. simplex ovata, corpore distincte articulato, rugoso, imbricato.

Goeze Eingeweidewürmer tab. 17.

Die Blase oft größer als ein Hühnerey. Am häu - figsten am Bauchfell und an der Leber der Schweine.

3. . Cerebralis. die Queese. H. multiplex, cor - pusculis pluribus, cauda biseta vesicae communi adnatis.

Leske vom Drehen der Schafe. Leipz. 1780. 8.

Im Gehirn der drehenden Schafe (Queesenköpfe, Segler. Engl. staggers.)

369

4. T. Erratica. H. multiplex, corpusculis pluri - bus, ovatis, vesicae communi innatantibus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 79.

So habe ich sie z. B. in den strotzenden Hydatiden gefunden, womit viele Eingeweide eines Macacco (Si - mia cynomolgus) besetzt waren.

9. Hirudo. Blutegel. (Fr. sangsue. Engl. leech.) Corpus oblongum, promovens se ore caudaque in orbiculum dilatandis*)J. F. P. Braun's systematische Beschreibung einiger Egelarten. Berl. 1805. 4..

1. . Medicinalis. H. depressa nigricans, supra lineis flavis 6: intermediis nigro-arcuatis, sub - tus cinerea nigro maculata.

Dillenius, in Eph. N. C. Cent. VII. tab. 5.

Die brauchbarste Gattung zum Blutsaugen**)P. Thomas histoire naturelle des Songsues. Par. 1806. 8.Jam. Rawl. Johnson on the medicinal Leech. Lond. 1817. 8.. Da - her jetzt für manche Gegenden ein bedeutender Handels - artikel.

2. . Octoculata. H. depressa fusca, punctis 8 nigris supra os.

Schwed. Abhandl. 1757 tab. 6. fig. 5-8.

Legt nur ein einziges Ey, das anfangs bloße Lymphe enthält, aus welchem aber nachher, 8 bis 10, und mehr Junge heraus kommen.

II. MOLLUSCA.

Nackte Würmer, die sich durch einen mehr schlei - migen Körper und deutlichere äußere Gliedmaßen von denen in der vorigen Ordnung auszeichnen†)Ein Paar Hauptwerke zur Kenntniß dieser Ordnung sind:370Jo. Bapt. Bohadsch de quibusdam animalibus marinis. Dresd. 1761. 4. Deutsch mit Anmerk. von Nath. Gottfr. Leske. Ebendaselbst 1776. 4.Petr. Forskål icones rerum naturalium, quas in itinere orientali depingi curavit. edidit Carst. Niebuhr. Havn. 1776. fol.Oth. Fr. Müller icones zoologiae Danicae. ibid. 1777. sq. fol.L. A. G. Bosc histoire naturelle des vers. Par. 1801. III. vol. 8.Cuvier Mémoires sur les Mollusques Par. 1807. 4.Und d'Audebard de Ferussac histoire naturelle des mol - lusques terrestres et fluviatiles. Paris. seit 1819. fol. mit Kupf.. Manche haben große Aehnlichkeit mit den Bewoh - nern der Schneckenhäuser und Muschelschalen.

10. Limax. Weg-Schnecke. (Fr. limace. Engl. slug. ) Corpus oblongum, repens: supra cly - peo carnoso: subtus disco longitudinali plano: foramen laterale dextrum pro genitalibus et excrementis. Tentacula 4 supra os.

Diese nackten Schnecken haben die starke Repro - ductionskraft mit den ihnen ähnlichen Schnecken mit dem Haus, aus dem Helix-Geschlechte, gemein.

1. . Ater. L. ater.

Lister. ex edit. Huddesfordi. tab. 101. fig. 102.

2. . Rufus. L. subrufus.

Lister tab. 101. a. fig. 103.

3. . Maximus. L. cinereus maculatus.

Lister tab. 101. a. fig. 104.

4. . Agrestis. die Ackerschnecke. L. cinereus immaculatus.

Lister tab. 101. fig. 101.

Diese, zumahl in nassen Frühjahren, eine furchtbare Plage für die Feldfrüchte*)s. die Preisschrift von J. C. Leuchs im Hannoverschen Magazin von 1820. S. 1 bis 140. Auch einzeln, Nürnb. eod. 8..

11. Aplysia. Corpus repens. Clypeo dorsali membranaceo. Foramen laterale dextrum pro genitalibus. Anus supra extremitatem dorsi.

371

1. Depilans. die Giftkuttel. (lepus marinus der Alten.) A. tentaculis 4.

Pennant's Brit. zool. IV. tab. 21. fig. 21.

Wie das folgende Thier im mittländischen Meere.

12. Doris. Corpus repens, oblongum, subtus planum. Os antice subtus. Anus postice supra cinctus ciliis. Tentacula 2, supra cor - pus antice, intra foramina retractilia.

1. Argo. (lepus marinus minor Columnae.) D. ovalis, corpore laevi, tentaculis 2 ad os, ano ci - liato phrygio.

Pennant l. c. tab. 22. fig. 22.

13. Glaucus. Corpus oblongum, pertusum fo - raminulis lateralibus duobus. Tentacula 4. Brachia 8 palmata.

1. Atlanticus. Glaucus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 48.

Im atlantischen und indischen Ocean.

14. Aphrodita. Seeraupe. Corpus repens, ob - longum subdepressum, articulatum: articuli utrinque fasciculati, setiferi, pilosi. Os re - tractile. Tentacula (siphunculi) 2 annulata.

1. Aculeata. der Goldwurm (Fr. la taupe de mer, la grosse scolopendre de mer.) A. ovalis hirsuta aculeata, pedibus utrinque 32.

Swammerdam bibl. nat. tab. 10. fig. 8.

Unter andern in der Nordsee. Die Stacheln und Haare, womit er an beiden Seiten besetzt ist, schillern, zumahl im Sonnenschein, mit feurigen Farben: theils wie blaue Schwefelflammen u. s. w.

15. Amphitrite. Corpus protensum in tubulo, annulatum. Pedunculi verrucosi. Tentacula acuminata approximata; plumosa.

372

1. Auricoma. der Sandköcher. A cirris binis utrinque, anterius tentaculis pectiniformibus au - ratis rigidis.

Pallas miscell. zoolog. tab. 9. fig. 3.

In der Nordsee ꝛc. Diese und verschiedene andere Gattungen dieses Geschlechts bewohnen überaus zarte, etwas conische Gehäuse, die meist aus einer einzigen Schicht unzähliger dicht aneinander liegender kleiner Körnchen auf eine bewundernswürdige Weise zusammen - gesetzt sind.

16. Nereis. Corpus repens oblongum lineare. Pedunculi laterales penicillati. Tentacula sim - plicia.

1. Noctiluca. N. segmentis 23, corpore vix con - spicuo.

Im Seewasser, zu dessen nächtlichem Leuchten sie in manchen Gegenden etwas beytragen mag.

17. Nais. Wasserschlängelchen. (Fr. Mille - pied d'eau.) Corpus lineare pellucidum, de - pressum, setis pedunculacum. Tentacula nulla.

Diese Würmer pflanzen sich auf eine eigne Weise fort:*)O. Fr. Müller von Würmern des süßen und salzigen Wassers. Kopenh. 1771. 4. das letzte Gelenk des gegliederten Wurms dehnt sich nähmlich allmählig aus, und erwächst zu ei - nem ganzen Thiere, das sich nach einiger Zeit vom übrigen Körper der alten Naide absondert, oder auch selbst noch vorher wieder andere Junge auf gleiche Weise durch die Ausdehnung seines letzen Gelenkes hin - ten austreibt: doch können sich wenigstens manche Gat - tungen, wie z. B. die nachstehende, auch außerdem durch Eyerstöcke, die durch eine wahre Paarung be - fruchtet werden, fortpflanzen.

1. . Proboscidea. (Nereis lacustris Linn.) N. setis lateralibus solitariis, proboscide longa.

Rösel Hist. der Polypen tab. 78. fig. 16. 17.

373

18. Ascidia. Corpus fixum teretiusculum, va - ginans. Aperturae binae ad summitatem: al - tera humiliore.

Sie sitzen an Uferfelsen, und vermögen das Wasser in langen Strahlen von sich zu spritzen.

1. Intestinalis. A. laevis alba membranacea.

So wie das folgende Thier im nördlichen Weltmeere.

19. Actinia. Seeanemone, Meernessel, Klipprose. (urtica marina. Fr. cul d'ane.) Corpus se affigens basi, oblongum, teres, apicis margine dilatabili intus tentaculato, os terminale centrale ambiente.

Hat ausnehmende Reproductionskraft.

1. Senilis. A. subcylindrica transverse rugosa.

Philos. Transact. vol. LXIII tab. 16 sq. fig. 10 sq.

20. Holothuria. Corpus liberum, cylindri - cum, coriaceum. Os terminale, tentaculis subramosis cinctum.

1. Tubulosa. die Röhren-Holothurie. (H. tremula Linn.) H. tentaculis fasciculatis, cor - pore papillis hinc subconicis, illinc cylindricis.

Tiedemann*)Fr. Tiedemann's Anat. der Röhren-Holothurie, des Pomeranzfarbigen Seesterns und Stein-See-Igels. Landsh. 1816. fol. mit Kupf. tab. 1.

Im mittländischen u. a. Meeren.

21. Tethys. Corpus liberum, oblongiusculum, carnosum, apodum. Os proboscide terminali,374 cylindrico, sub labio explicato. Foramina 2 ad latus colli sinistrum.

1. Leporina. (lepus marinus major Columnae.) T. labro ciliato.

Fab. Columna l. c. pag. XXVI.

Im mittländischen Meere.

22. Physalia. Seeblase. Corpus liberum, ve - sicam oblongam aëream referens, dorso cri - stato velificans. Tentacula abdominalia nu - merosa filiformia, pendula, cava, ore termi - nali peltato instructa*)s. Tilesius's Monograhie über die Seeblasen in A. J. von Krusenstern Reise um die Welt. III. Th. p. 1..

1. Arethusa. (Fr. la fregatte, galère, velette, Engl. the Portuguese man of war.) H. cor - pore pyriformi, rostro conico, tentaculis longis - simis.

v. Krusenstern's Atlas. tab. 23.

Im atlantischen Ocean ꝛc. Von dem Faustgroßen mit Luft gefüllten zarthäutigen blau und roth spielenden Körper des wundersamen Thieres hängen lange ausneh - mend dehnbare Fäden herab, die die Magenstelle ver - treten, aber wenn man sie berührt, empfindlicher als Nesseln brennen. Längs des Rückens der Blase läuft eine kammförmige Segelhaut, die das Thier im Schwim - men nach dem Winde richtet.

23. Thalia. (Salpa**)s. Adelb. de Chamisso de Salpa. Berol. 1819. 4.) corpus liberum, oblongum, gelatinosum, diaphanum. Tubus alimentarius distinctus. Tentacula nulla.

1. Lingulata. Th. corpore depresso, antice in apicem acutum desinente.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 30.

Im atlantischen Ocean.

375

24. Terebella. Steinbohrer. Corpus filiforme. Os anticum, praeputio glandem pedunculatam tubulosam exserente. Tentacula circum os, capillaria, plura.

1. Lapidaria. T. cirris ad anteriora corporis 8. circa os 4.

Schwedische Abhandl. 1754. tab. III. fig. A-E.

Im mittländischen Meere.

25. Lernaea. Corpus se affigens tentaculis, ob - longum teretiusculum. Ovaria bina. Tenta - cula brachiformia.

Schädliches Ungeziefer für Fische, in deren Kiemen es vorzüglich nistet.

1. . Cyprinacea. L. corpore obclavato, thorace cylindrico bifurco, tentaculis apice lunatis.

Linnaei fauna suec. tab. 2. fig. 2100.

26. Scyllaea. Corpus se affigens, compressum, dorso canaliculato. Os foramine edentulo, terminali. Tentacula s. brachia subtus trium parium.

1. Pelagica. Scyllaea.

Seba thesaur. vol. I. tab. 74. fig. 7.

Zumahl am Sargasso (fucus natans.)

27. Clio. Corpus natans, oblongum. Pinis duabus membranaceis, oppositis.

1. Limacina. C. nuda corpore obconico.

Ellis et Solander tab. 15. fig. 9. 10.

Bey Spitzbergen, Neufundland ꝛc. Diese und ähn - liche Gattungen im nördlichsten Ocean sollen fast die einzige Nahrung des Wallfisches (Balaena mysticetus) ausmachen.

28. Sepia. Tintenfisch Blackfisch. (Engl. Ink-fish, squid.) Brachia 8 interius ad -376 spersa cotyledonibus. Rostrum inter brachia terminale, corneum. Venter (plerisque) ve - sica atramentifera instructus, infra scissura transversa ad basin apertus, supra quam fi - stula excretoria eminet.

Die Tintenfische, die sich meist in allen Welt-Meeren finden*)J. G. Schneider Samml. vermischter Abhandl. zur Zoologie und Handlungsgeschichte. Berlin, 1784. 3. S. 7-134., weichen in sehr vielen Stücken, zumahl in Rücksicht ihres innern Baues, der so vollkommen aus - gebildeten Eingeweide, Paarungs-Werkzeuge, besonders aber auch der Augen und sogar der Gehörwerkzeuge gänzlich von andern Thieren dieser Classe ab.

Die Anzahl der Saugnäpfchen an ihren Armen wächst mit dem Alter der Thiere, und steigt dann bey manchen Gattungen über 1000. Sie haften damit fest an, gleichsam wie mit Schröpfköpfen. Die Arme, die diesen Thieren oft von Muscheln abgekneipt, und von Fischen abgebissen werden, haben, wie schon die Alten wußten, Reproductionsvermögen. Die mehresten Gattungen werden auch durch den schwarzbraunen Saft merkwür - dig, den sie in einem besondern Behälter im Leibe führen, willkürlich von sich lassen, und dadurch das Wasser zunächst um sich verdunkeln können**)Die Dinte der alten Römer, und wahrscheinlich auch das Hauptingrediens zur Schinesischen Tusche.. Prof. Schneider hat das ganze Geschlecht schicklich in folgende zwey Familien abgetheilt:

A) Promuscidibus binis; ventre pinnato; ossi - culo dorsi.

1. Officinalis. der Kuttelfisch, die Seekatze. (Fr. la seiche.) S. ventre latissimo rotundato undique pinna cincto, osse dorsali maximo.

Swammerdam Biblia nat. tab. 50. fig. 1.

Besonders von dieser Gattung kommt das häufigste os sepiae (das so genannte weiße Fischbein, das auch in manchen Gegenden Meerschaum heißt) eine breite knochige Schulpe von sehr sonderbarer Textur, im Rücken des Thiers. Manche Arten der so genann -377 ten Seetrauben (uvae marinae) sind die Eyerstöcke dieser und verwandter Gattungen.

2. Loligo der Calmar. (Fr. le casseron.) S. ventre stricto subulato, pinna angulari media, osse dorsali penniformi.

Pennant's Brit. zoolog. IV. tab. 27. fig. 43.

B) Pedibus basi palmatis, absque promuscidi - bus, pinnis et osse dorsali.

3. Octopodia. (polypus. Fr. le poupe.) S. acc - tabulorum in interna pedum superficie ordine duplici, in basi singulis acetabulis, paullatim in - crescentibus.

Pennant l. c. tab. 28. fig. 44.

Diese wegen ihres schmackhaften Fleisches beliebte Gattung findet sich in manchen Gegenden, besonders in Ostindien und im mexicanischen Meerbusen theils von ausnehmender Größe.

29. Medusa. Qualle, Meernessel, See - lunge, Seeflagge. (Engl. blubber.) Cor - pus gelatinosum, orbiculatum, supra conve - xum, subtus cavum. Os inferum, centrale, labiatum. Tentacula plerisque marginalia, saepius retractilia*)s. Tilcsius im Jahrbuche d. N. G. I. S. 166 u. f..

Manche Gattungen tragen auch zum Leuchten des Meeres bey**)Vergl. Mitchill in Albers's americanischen Annalen I. S. 119. u. f..

1. Aequorea. M. orbicularis planiuscula, margine inflexo villoso tentaculato.

Baster op. subsec. II. tab. 5. fig. 2. 3.

In der Nord-See ꝛc.

2. Velella. (urtica marina Columnae.) M. ova - lis concentrice striata, margine ciliato, supra velo membranaceo.

Fab. Columna l. c. pag. XXII.

378

3. Octostyla. M. hemisphaerica, marginis tenta - culis nullis, subtus columna quadriplicata: apice lobis 8 multifidis, laterumque appendicibus 16.

Forskål icones tab. 30.

Im rothen Meer. Spannengroß. Vom schönsten Veilchenblau.

III. TESTACEA. Die Conchylien.

Man unterscheidet bey diesen äußerst zahlreichen Geschöpfen zwey Haupttheile, nähmlich die Schalen und die darin befindlichen Thiere. Die Letztern sind von mannigfaltiger Bildung; doch großentheils den Würmern der vorigen Ordnung ähnlich. Die Schalen bestehen anfänglich aus einer häutigen, theils fast hornartigen Grundlage, die ihre nachhe - rige Festigkeit durch die allgemach in sie abgesetzte Kalkerde erhält. Die neugebornen Schneckenhäuser haben aber (nach Reaumur's, Kämmerer's u. a. Beobachtungen) noch nicht ihre vollzähligen Win - dungen, sondern diese werden mit zunehmendem Wachsthume des Thieres allgemach nacherzeugt und an dem Mündungssaume der Schale abgesetzt. ( Bey weiten nicht etwa aus der jugendlichen Schale als Keime entwickelt. ) Und bey den Muscheln ist ceteris paribus die gleiche Einrichtung. Viele dieser Schalen sind wegen ihres wunderbaren Baues*)s. J. Sam. Schröter über den innern Bau der See - u. a. Schnecken. Frankf. 1783. 4., andere wegen ihres porzellanartigen glänzenden Schmel -379 zes, wegen ihrer vortrefflichen Farben*)Viele zeigen auch, wenn sie angeschliffen werden, eine ganz andere Farbe, als die von ihrer sonstigen natürlichen Oberfläche., regelmäßi - gen, saubern Zeichnung u. a. dergl. Schönheiten, merkwürdig**)Zu den vorzüglichern Werken über diesen ( nach der gemeinen sonstigen Behandlungsweise freylich nicht eben aller - fruchtbarsten ) Theil der N. G. gehören unter andern:Mart. Lister synopsis methodica conchyliorum. Lond. 1685 sq. Fol.Ed. 2. (recensuit et indicibus auxit Gu. Huddesford.) Oxon. 1770. Fol.Index testarum conchyliorum, quae adservantur in museo Nic. Gualtieri. Florent. 1742. Fol. Desall. d'Argenville conchyliologie. Paris. 1757. 4.Ed. 3. par de Favanne de Montcervelle. ib. 1780. 4.F. Mich. Regenfuß Sammlung von Muscheln, Schnecken ꝛc. Kopenhagen 1758. gr. Fol.Fr. H. W. Martini systematisches Conchyliencabinet (fort - gesetzt durch J. H. Chemnitz). Nürnb. 1768 sq. XI. B. 4.Ign. a Born testacea musei Caesarei Vindobonensis. Vin - dob. 1780. fol.C. Schreibers Versuch einer vollständigen Conchylien - kenntniß, nach Linnes System. Wien, 1793. II. vol. 8.L. A. G.. Bosc histoire naturelle des Coquilles. Par. 1802. V. vol. 8.Chr. Fr. Schumacher Essai d'un nouveau systême des ha - bitations des vers testacés. Copenh. 1817. 4. mit Kupf.Fr. Chr. Schmidt's Versuch über die beste Einrichtung der Conchylien-Sammlungen ꝛc. Gotha 1818. Fol.Sam. Brookes's Introduction to the study of Conchology. Lond. 1820. 4. Deutsch mit Zusätzen von C. Gust. Carus. Leipz. 1823. 4.Adolph. Murray fundamenta testaceologiae. Upsal. 1771. 4 (it. in Linné amoenitat. acad. vol. VIII.)C. L. Kaemmerer Conchylien im Cabinette des Erbpr. von Schwarzburg-Rudolstadt. Rudolst. 1786. 8.Jacq. Ph. Raym. Draparnaud histoire naturelle des mollus - ques terrestres et fluviatiles de la France. Par. 1806. 4. 380d'Audebard de Ferussac s. oben S. 370.C. Pfeiffer's systematische Anordnung und Beschreibung Deutscher Land - und Wasser-Schnecken. Cassel 1821. 4. mit Kupf.Th. Martyn's Figures of Shells collected in the different voyages to the South-Seas. Lond. 1784. gr. Fol.Jos. Xav. Poli testacea utriusque Siciliae eorumque historia et anatome. Parmae. 1791. II. vol. Fol..

Gar viele Gattungen von mancherley Geschlech - tern der Muscheln und Schnecken sind immer mit einer theils sehr nett organisirten Oberhaut bekleidet, die nicht mit den oft zufällig darauf sitzenden Mille - poren, Flustren u. dergl. verwechselt werden darf.

Man vertheilt die weitläuftige Ordnung am füg - lichsten nach der Anzahl und Bildung der Schalen in folgende vier Familien:

A) Vielschalige Conchylien,

B) Zweyschalige oder Muscheln,

C) Einschalige mit bestimmten Windungen, nähmlich die Schnecken, und

D) Einschalige ohne dergleichen Windungen.

A) Vielschalige Conchylien. MULTIVALVES.

Leben bloß in der See.

30. Chiton. Käfermuschel. Testae plures, longitudinaliter digestae, dorso incumbentes.

1. Tuberculatus. Oscabrion. C. testa septem - valvi, corpore tuberculato.

31. Lepas. (Engl. acorn-shell). Animal rostro involuto spirali, tentaculis cristatis. Testa multivalvis, inaequivalvis.

381

Manche Gattungen, wie z. B. hier die beiden ersten, sitzen mit der Schale selbst unbeweglich fest; bey an - dern hingegen, wie bey den zwey letztern, hängt die vielschalige Muschel an einem darmähnlichen Eingeweide, das irgendwo fest sitzt. Eine Verschiedenheit die so auffallend ist, daß man wohl zwey besondere Geschlech - ter darnach bestimmen sollte*)s. Tilesius a. a. O. S. 222-419..

A) Sessiles.

1. Balanus. die Meertulpe, See-Eichel. L. testa conica fulcata fixa, operculis acuminatis.

Chemnitz vol. VIII. tab. 97. fig. 820.

In vielen Weltgegenden an Klippen, am Kiel der Schiffe, oder auch an Thieren, auf Muscheln, Kreb - sen ꝛc.

2. Ceti (diadema. ) die Wallfisch-Pocke. L. testa subrotunda sexlobata sulcata fixa.

Chemnitz vol. VIII. tab. 99. fig. 843. sq.

So wie einige andere Gattungen dieses Geschlechts auf der Haut des Nordkapers u. a. Wallfische.

B) Pedatae.

3. Polliceps. die Fußzehe. (Fr. le pousse-pied. Engl. the horn of plenty.) L. testa valvis 20 (aut pluribus) polymorphis, intestino squamulis granulato.

Chemnitz vol. VIII. tab. 100. fig. 351.

Das überaus sonderbar gebauete Geschöpf ist beson - ders an den Küsten der Barbarey zu Hause.

4. Anatifera. die Entenmuschel. (Engl. Bar - nacle.) L. testa compressa quinquevalvi, inte - stino insidente laevi.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 68.

Sie ist vorzüglich durch die fabelhaften Sagen be - rüchtigt worden, deren schon bey der Baumgans (S. 188.) gedacht worden. Die fünfsache Muschelschale hängt mit dem darin wohnenden Thiere an einer fleischigen darm -382 ähnlichen Röhre, auch wohl ihrer mehrere wie Zweige eines Stammes an einem gemeinschaftlichen solchen Darme, der gewöhnlich auf faulen Weiden, altem Schiffwrack ꝛc. fest sitzt.

32. Pholas. Bohrmuschel. (Fr. dail. Engl. pierce-stone. ) Testa bivalvis, divaricata, cum minoribus accessoriis difformibus ad car - dinem. Cardo recurvatus, connexus carti - lagine.

Sie bohren sich Gänge in die Uferfelsen, selbst in den härtesten Marmor, auch in starke Corallenstämme, Austerschalen, Schiffskiele ꝛc. und höhlen sich am Ende des Ganges ihre Wohnung aus.

1. Dactylus. die Dattelmuschel. Ph. testa ob - longa hinc reticulato-striata.

Chemnitz vol. VIII. tab. 101. fig. 859.

Das Thier selbst leuchtet im Dunkeln mit hellem Scheine.

2. Pusilla. die Bohr-Pholade. Ph. testa ob - longa rotundata arcuato-striata.

Spengler in den Schriften der Berl. Naturf. Gesellsch. IV. B. tab. 5. fig. 1-5.

In vielen Gegenden der Weltmeere.

B) Zweyschalige Conchylien. Muscheln. CONCHAE. (Mollusca testacea acephala.)

Leben sämmtlich im Wasser.

Die Hauptverschiedenheit der Geschlechter beruht auf der Gleichheit oder Ungleichheit der beiden Schalen und ihrer Ränder, und der Beschaffenheit des Schlosses (cardo).

33. Mya. Klaffmuschel. (Fr. moule. Engl. muscle, gaper.) Testa hivalvis, hians altera extremitate. Cardo dente (plerisque) solido,383 crasso, patulo, vacuo, nec inserto testae op - positae.

1. . Pictorum. die Flußmuschel, Mahler - muschel. M. testa ovata, cardinis dente pri - mario crenulato; laterali longitudinali; alterius duplicato.

Chemnitz vol. VI. tab. 1. fig. 6.

2. . Margaritifera. die Perlenmuschel. M. testa ovata antice coarctata, cardinis dente pri - mario conico, natibus decorticatis.

Chemnitz vol. VI. tab. 1. fig. 5.

34. Solen. Messerscheide. (Fr. manche de couteau, coutelier. Engl. razor-shell. ) Testa bivalvis, oblonga, utroque latere hians. Cardo dens subulatus, reflexus, saepe duplex, non insertus testae oppositae; margo lateralis ob - soletior.

1. Siliqua. S. testa lineari recta: cardine altero bi - dentato.

Chemnitz vol. VI. tab. 4. fig. 29.

35. Tellina. Sonne. Testa bivalvis, antice hinc ad alterum latus flexa. Cardo dentibus ternis: lateralibus planis alterius testae.

1. Radiata. T. testa oblonga longitudinaliter sub - tilissime substriata nitida, sutura anali canaliculata.

Chemnitz vol. VI. tab. 11. fig. 102.

2. . Cornea. T. globosa, transversim striata, costa fusca transversali.

Eine gemeine kleine Flußmuschel.

36. Cardium. (Fr. coeur. Engl. cockle. ) Te - sta bivalvis, subaequilatera, aequivalvis. Cardo dentibus mediis binis alternatis: lateralibus re - motis insertis.

384

1. Costatum. C. testa gibba aequivalvi: costis ele - vatis carinatis concavis tenuissimis.

Chemnitz vol. VI. tab. 15. fig. 151. sq.

An der guineischen Küste.

2. Echinatum. C. testa subcordata, sulcis exaratis linea ciliata aculeis inflexis plurimis.

Chemnitz vol. VI. tab. 15. fig. 158.

3. . Edule. C. testa antiquata, sulcis 26 obsolete re - curvato-imbricatis.

Chemnitz vol. VI. tab. 19. fig. 194.

Häufig an den Küsten des mildern Europa.

37. Mactra. Backtrog. Testa bivalvis inae - quilatera, aequivalvis. Cardo dente medio complicato cum adiecta foveola: lateralibus remotis insertis.

1. Solida. die Strandmuschel. M. testa opaca laeviuscula subantiquata.

Chemnitz vol. VI. tab. 23. fig. 229. sq.

38. Donax. (Fr. came tronquée. ) Testa bi - valvis, margine antico obtusissimo. Cardo den - tibus duobus; marginalique solitario, subre - moto sub ano.

1. Scripta. die Letter-Schulpe. D. testa ovata compressa laevi, scripta lineis purpureis undatis, rima acuta, marginibus crenulatis.

Chemnitz vol. VI. tab. 26. fig. 261. sq.

39. Venus. Testa bivalvis, labiis margine an - tico incumbentibus. Cardo dentibus 3 omni - bus approximatis, lateralibus apice diver - gentibus.

1. Dione. die echte Venusmuschel. V. testa subcordata, transverse sulcata, antrorsum spinosa.

Chemnitz vol. VI. tab. 27. fig. 271. sq.

385

2. Mercenaria. (Engl. the clam. Irokes. wam - pum.) V. testa cordata solida transverse sub - striata laevi, margine crenulato, intus violacea, ano ovato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 69.

Hat sehr dicke schwere Schalen, woraus die Irokesen u. a. nordamericanische Wilde die Corallen zu ihren Denkschnüren, Putz ꝛc. schleifen, ( s. oben S. 359.) und das dann befindliche Thier auf ihren weiten Fuß - reisen im Munde führen, auskauen ꝛc.

3. Tigerina. die Tigerzunge. V. testa lenti - formi; striis crenatis decussatis, ano impresso ovato.

Chemnitz vol. VI. tab. 37. fig. 390 sq.

40. Spondylys. (Fr. huitre epineuse.) Testa inaequivalvis, rigida. Cardo dentibus 2 re - curvis, cum foraminulo intermedio.

1. Gaederopus. die Lazarusklappe. (Fr. le claquet de Lazare. ) S. testa subaurita spinosa.

Chemnitz vol. VII. tab. 44. fig. 495.

Die eine Schale läuft hinten beym Gewinde weit über die andere hinaus, und ist wie abgesägt. Eben so merkwürdig ist auch die Einlenkung des Gewindes selbst, dessen Zähne so sonderbar in einander gefügt sind, daß sich die Muschel zwar öffnen kann, aber die Schalen sich nicht ohne Zerbrechen des Schlosses von einander ablösen lassen.

41. Chama. Gienmuschel. (Engl. cockle. ) Testa bivalvis, crassior. Cardo callo gibbo, oblique inserto fossulae obliquae.

1. Cor. das Ochsenherz. C. testa subrotunda laevi, processibus retrorsum recurvatis, rima hiante.

Chemnitz vol. VII. tab. 48. fig. 483.

2. Gigas. die Hohlziegel, Nagelschulpe, Rie - senmuschel, Vater-Noah Schulpe. (Kima386 Fr. le grand benitier. ) C. testa plicata, forni - cata, squamosa.

Chemnitz vol. VII. tab. 49. fig. 492 sq.

Die größte bekannte Couchylie, deren Schalen wohl gegen 6 Centner und das Fleisch 30 Pfund wiegen. Letzteres wird von den ostindischen Insulanern, so wie von den Küstenbewohnern am rothen Meere ꝛc. häufig gegessen.

3. Gryphoides. die Felsenmuschel. (Fr. l'huitre de la mer rouge. ) C. testa orbiculata, muricata; valvula altera planiore: altera nate productiore subspirali.

Chemnitz vol. VII. tab. 51. fig. 110 sq.

4. Bicornis. C. testa valvulis conicis, natibus cu - neiformibus obliquis tubulosis valvula longioribus.

Chemnitz vol. VII. tab. 52. fig. 516 sq.

42. Arca. Testa bivalvis, aequivalvis. Cardo dentibus numerosis, acutis, alternis, insertis.

1. Noae. die Arche. A. testa oblonga striata apice emarginata, processibus incurvis remotissi - mis, margine integerrimo hiante.

Chemnitz vol. VII. tab. 53. fig. 529 sq.

2. Pilosa. (Fr. la noix de mer.) A. testa sub - orbiculata aequilatera pilosa, natibus incurvis: margine crenato.

Poli T. II. tab. 26. fig. 1-4.

Im mittländischen Meere. Die Schalen, zumahl am Außenrande, wie mit einem braunen sammtartigen Ueber - zuge bekleidet. (s. oben S. 380.)

43. Ostrea. Auster. (Fr. huitre. Engl. oyster, scallop. ) Testa bivalvis, inaequivalvis, (ple - risque) subaurita. Cardo edentulus fossula cava ovata, striisque lateralibus transversis.

Auch die so sehr verschiedenen Gattungen dieses Ge - schlechts könnten füglicher in zwey andere vertheilt wer -387 den, deren eins die Kamm-Muscheln (wohin die ersten beiden Gattungen gehören), das andere aber die Austern begreifen müßte.

1. Jacobaea. O. testa inaequivalvi radiis 14 angu - latis longitudinaliter striatis.

Chemnitz vol. VII. tab. 60. fig. 588.

2. Pleuronectes. die Compaßmuschel. (Fr. l'evan - tail. ) O. testa aequivalvi radiis 12 duplicatis, extus laevi.

Chemnitz vol. VII. tab. 61. fig. 595.

3. Pallium. der Königsmantel, die Jacobs - muschel. O. testa aequivalvi radiis 12 convexis, striata scabra squamis imbricata.

Chemnitz vol. VII. tab. 64. fig. 607.

4. Malleus. der polnische Hammer, das Cru - cifix. (Fr. le marteau noir. ) O. testa aequi - valvi triloba, lobis transversis.

Chemnitz vol. VII. tab. 70. fig. 655 sq.

5. Folium. das Lorbeerblatt. O. testa inae - quivalvi ovata, lateribus obtuse plicata parasitica.

Chemnitz vol. VIII. tab. 71. fig. 662 sq.

6. Edulis. die gemeine Auster. O. testa inae - quivalvi semiorbiculata, membranis imbricatis un - dulatis, valvula altera plana integerrima.

Wird zumahl an den Küsten des nordwestlichen Eu - ropa auch am mittländischen und adriatischen Meere ꝛc. auf Austerbänken gehegt*)Nachricht von den vorzüglicheren Austerbänken an den eu - ropäischen Küsten s. in Beckmann's Vorbereit. zur Waaren - kunde l. B. S. 93-111., und besonders in Rücksicht auf diese, und die davon abhängende Verschiedenheit des Geschmacks in Berg -, Sand - und Thon-Austern eingetheilt.

7. Ephippium. der polnische Sattel. O. testa aequivalvi orbiculata compressa membranacea.

Chemnitz vol. VII. tab. 59. fig. 576 sq.

388

Im indischen Ocean. Hält zuweilen Perlen, aber meist mißfarbige, und ungestaltete.

8. Crista galli. der Hahnenkamm, das Schweinsohr. O. testa aequivalvi plicata, spi - nosa, labro utroque scabro.

Chemnitz vol. VIII. tab. 75. fig. 683 sq.

44. Anomia. Bastardmuschel. Testa inae - quivalvis: valvula altera planiuscula (saepe basi perforata), altera basi magis gibba. Cardo edentulus cicatricula lineari prominente, in - trorsum dente laterali. Radii 2 ossei pro basi animalis.

1. Ephippium. das Fensterduplet, die weiße Zwiebelschale, der Sattel. A. testa subor - biculata rugoso-plicata; planiore perforata.

Chemnitz vol. VIII. tab. 76. fig. 692 sq.

2. Cepa. die Zwiebelschale. A. testa obovata inaequali violacea; superiore convexa, inferiore perforata.

Chemnitz l. c. fig. 694 sq.

3. Vitrea. die Glas-Bohrmuschel. (Fr. le coq et la poule. ) A. testa ovata, ventricosa, alba, tenerrima, valvula altera rostro incurvata, per - forata. Margine acuto integerrimo, undique clauso.

Chemnitz l. c. tab. 78. fig. 707 sq.

Im mittländischen Meere, atlantischen Ocean u. s. w. Eins von den wenigen Seethieren der jetzigen Schöpfung, das als ein Original zu einem wirklich ähnlichen Petre - fact der Vorwelt in den Flötzkalk-Gebirgen angesehen werden kann.

45. Mytilus. Miesmuschel. (Fr. moule. Engl. sea-muscle, mussel.) Testa bivalvis rudis, saepius affixa bysso. Cardo edentulus, di - stinctus linea subulata excavata longitudinali.

389

1. Margaritifer. die Perlenmuttermuschel. (Fr. la coquille de nacre. ) M. testa compresso - plana suborbiculata, basi transversa imbricata tu - nicis dentatis.

Chemnitz vol. VIII. tab. 80. fig. 717 sq.

Theils wegen der ausnehmend schönen Perlen, die sich in diesem Thiere finden, und theils der Schale wegen merkwürdig, die das gemeinste Perlenmutter gibt; so wie aus dem sehnigen Schloßbande derselben der wie Labradorstein schillernde so genannte Pfauenstein (gemma penna pavonis s. helmintholithus androda - mas Linn.) geschnitten wird.

2. Lithophagus. der Steinbohrer, Steindat - tel. (Fr. la moule pholade, la date. ) M. testa cylindrica utrinque extremitatibus rotundatis.

Chemnitz vol. VIII. tab. 82. fig. 729 sq.

Bohren sich in Uferklippen, Corallenstämme u. s. w. *)Selbst in den härtesten Marmor, wie z. B. das berühmte, immer noch räthselhafte und schwer zu begreifende Phänomen an den drey großen Säulen von Cipollino antico im Serapis Tem - pel zu Pozzuolo zeigt, die in einer Höhe von 87 Fuß über dem Spiegel des benachbarten mittländischen Meeres Ringsherum von diesen Steindatteln angebohrt sind. s. P. Ant. Paoli Antichità di Pozzuoli tab. 15. D. Andr. de Jorio sul tempio di Serapide in Pozzuoli. Nap. 1820. 4. pag. 52. tav. 7. von Hoff's Gesch. der durch Ueberliefer. nachgewiesenen natürl. Veränderungen der Erdoberfläche. I. Th. S. 455. und von Goethe zur Naturwis - sensch. II. B. S. 79.

3. Edulis. der Blaubart, die Schille. M. testa laeviuscula violacea, valvulis antice subca - rinatis, postice retusis.

Chemnitz vol. VIII. tab. 84. fig. 750 sq.

Eine zweydeutige Speise, deren Genuß zuweilen tödt - lich gewesen ist.

4. Bidens. die gestreifte magellanische Mies - muschel. M. testa striata subcurvata, margine posteriore inflexo, cardine terminali bidentato.

Chemnitz vol. VIII. tab. 83. fig. 742 sq.

390

5. Modiolus. die Papusmuschel. M. testa laevi margine anteriore carinato, natibus gibbis cardine sublaterali.

Chemnitz vol. VIII. tab. 85. fig. 757.

Vorzüglich schön bey Neuguinea. Sonst aber auch an den nordischen europäischen Küsten.

46. Pinna. Steckmuschel, Schinke, Sei - denmuschel. (Fr. jambon, coquille portesoie. ) Testa subbivalvis, fragilis, erecta, emittens barbam byssinam. Cardo edentulus, coalitis in unam valvulis.

Diese Muscheln sind wegen ihres Barts berühmt, womit sie sich befestigen können, und der eine braune Seide (lana penna) gibt, die in Smyrna, Tarent, Palermo ꝛc. zu Handschuhen u. dergl. verarbeitet wird.

1. Rudis. P. testa sulcata; squamis fornicatis, per series digestis.

Chemnitz vol. VIII. tab. 88. fig. 773 sq.

2. Nobilis. P. testa striata; squamis canaliculato tubulosis subimbricatis.

Chemnitz vol. VIII. tab. 89. fig. 775 sq.

C) Einschalige Conchylien mit bestimmten Windungen. Schnecken. COCHLEAE. (Mollusca testacea cephalopoda et gasteropoda.)

Die Richtung der Schneckenwindungen ist fast durch - gehends gleichförmig; so nähmlich, daß, wenn man die Spitze unterwärts und die Mündung nach oben gerich - tet hält, diese letztere einem alsdann links zugekehrt ist, und die Windungen von oben nach unten rechts, (der scheinbaren Bewegung der Sonne gleich) laufen.

Einige wenige Gattungen haben von Natur eine ge - genseitige Windung; ( s. Abbild. n. h. Gegenst. tab. 20. ) und dann finden sich auch, obschon äußerst selten, unter andern Schnecken zuweilen völlig links -391 gewundene Mißgeburten (anfractibus sinistris s. contrariis)*)s. Chemnitz Conchylien-Cabinet. IX. B. 1 Abschnitt von den Linksschnecken..

Einige Schnecken vermögen ihr Gehäuse mittelst eines besondern Deckels (operculum) zu zuschließen, und an - dere ziehen bey Annäherung des Winters eine Kalk - scheibe vor die Mündung ihres Hauses.

47. Argonauta. Testa univalvis spiralis, invo - luta, membranacea, unilocularis.

1. Argo. der Papiernautilus, Reißbrei. (nau - tilus papyraceus. Engl. the paper-sailor. ) A. carina subdentata. (Animal sepia?)

Martini vol. I. tab. 17. fig. 156. sq.

Eine milchweiße, überaus dünne, leichte, aber große Schale, die angeblich von einem blackfischähnlichen Thier bewohnt werden, und dieses mittelst einer ausgespann - ten Haut sehr geschickt auf der Oberfläche des Meers zu segeln, aber auch unterzutauchen ꝛc. verstehen soll.

48. Nautilus. Testa univalvis, isthmis perfora - tis concamerata, polythalamia.

Die Gehäuse sind in Kammern abgetheilt, in deren vorderen das Thier wohnt, und durch Wasser, das es in die übrigen ein - und auspumpt, sich nach Willkür leichter oder schwerer machen kann.

1. Pompilius. das Schiffboth, die Schiffku - tel, Perlenmutterschnecke. (Fr. le burgau. Engl. the sailor. ) N. testa spirali apertura cor - data, anfractibus contiguis obtusis laevibus.

Martini vol. I. tab. 18.

2. Calcar. N. testa spirali, apertura lineari, an - fractibus contiguis; geniculis elevatis.

Martini vol. I. tab. 19. fig. 168. sq.

Eins von den sehr kleinen Schneckchen im Sande von Rimini.

392

49. Conus. Tute. Testa univalvis, convoluta, turbinata. Apertura effusa longitudinalis, li - nearis, edentula, basi integra. Columella laevis.

1. Marmoreus. das Herzhorn, der Contread - miral, Schout by Nacht. C. testa conica fusca, maculis ovatis albis, spirae anfractibus ca - naliculatis.

Martini vol. II. tab. 62. fig. 685-88.

2. Ammiralis summus. der Oberadmiral. C. testa ferruginea maculis albis squamatis sparsis; fasciisque 3 flavis tenuissime reticulatis: media cingulo ferrugineo itidem squamulis albis inter - rupto.

Martini vol. II. tab. 57. fig. 634.

In Ostindien.

3. Locumtenens. der Viceadmiral. C. testa fer - ruginea maculis albis squamatis tota reticulata.

Besonders häufig im rothen Meere.

4. Aurisiacus. der Orange-Admiral. C. testa pallide aurantia, fasciis fuscis catenulatis: lineis - que punctatis.

Martini vol. II. tab. 57. fig. 636.

5. Textile. das Haselhuhn. (Fr. le drap d'or. ) C. testa venis reticulatis luteis, maculis luteis fuscisque.

Martini vol. II. tab. 54. fig. 598. sq.

50. Cypraea. Porcellane. (Concha veneris, s. cytheriaca, s. paphia.) Testa univalvis, in - voluta, subovata, obtusa, laevis. Apertura utrinque effusa, linearis, utrinque dentata, longitudinalis.

Die Thiere dieses Geschlechts werfen ihr Schnecken - haus zu gewissen Zeiten ab und erhalten dafür ein neues, das bey manchen Gattungen mit zunehmendem393 Alter dem jugendlichen so unähnlich wird, daß dadurch manche Irrung in die Conchyliensysteme gekommen*)z. B. Bulla cypraea Linn. ist die junge Schale (so zu sagen die Larve) von Cypraea tigris..

1. Arabica. der Bastard-Harlekin. C. testa subturbinata characteribus inscripta, macula lon - gitudinali simplici.

Martini vol. I. tab. 31. fig. 328 sq.

2. Mauritiana. der große Schlangenkopf. C. testa obtusa triquetro-gibba, postice depressa - acuta: subtus nigra.

Martini vol. I. tab. 30. fig. 317 sq.

3. Tigris. (Engl. the Leopard cowry-shell. ) C. testa obtusa ovata, postice obtusa, antice ro - tundata, linea longitudinali testacea.

Martini vol. I. tab. 24. fig. 232 sq.

In Ost - und Westindien, auch auf der Südsee, nah - mentlich bey Utaheiti, wo sie den Einwohnern zur Trinkschale dient.

4. Moneta. das Schlangenköpfchen, Kauri, Simbipuri. (Fr. le pucelage. Engl. the cowry, trussed fowl, blackmoor's teeth. ) C. testa marginato-nodosa albida.

Zumahl an den Philippinen und Maldiven, aber auch an der guineischen Küste und an manchen Süd - seeinseln. Ist bekanntlich die Scheidemünze mancher ostindischen Völker**)In Bengalen gelten ihrer 2500 ohngefähr einen halben Gulden, und doch giebts dort Waaren (z. B. Betelblätter, Arek - nüsse ꝛc. ) die man für ein einziges Kauri auf dem Markte kaufen kann. s. Rennell's geographical Illustrations of M. Park's Journey. p.86., so wie der Neger in einem großen Theil von Africa und Westindien. Und die Braminen bedienen sich ihrer statt Rechenpfennige u. s. w.

51. Bulla. Blasenschnecke. (Engl. Dipper. ) Testa univalvis, convoluta, inermis. Aper -394 tura subcoarctata, oblonga, longitudinalis, basi integerrima. Columella obliqua, laevis.

1. Ovum. das Hühnerey. B. testa ovata ob - tuse subbirostri, labro dentato.

Martini vol. I. tab. 22. fig. 205 sq.

2. Physis. die Prinzenflagge, Orangeflagge. B. testa rotundata glaberrima pellucida lineis crispata, spira retusa.

Martini vol. I. tab. 21. fig. 196.

3. Ficus. die Feige. B. testa obovato-clavata, reticulato-striata, cauda exserta, spira obliterata.

Martini vol. III. tab. 66. fig. 733 sq.

In beiden Indien.

52. Voluta. Walze. (Engl. Rhomb-shell. ) Testa unilocularis, spiralis. Apertura ecau - data subeffusa. Columella plicata; labio um - bilicove nullo.

1. Auris Midae. V. testa coarctata, ovali-oblonga, spira rugosa columella bidentata.

Martini vol. II. tab. 43. fig. 436 sq.

2. Oliva. die Mohrinn, das Prinzenbegräb - niß. V. testa emarginata cylindroide laevi, spi - rae basi reflexa, columella oblique striata.

Martini vol. II. tab. 45. fig. 472 sq.

In Ostindien; auch in Nordamerica ꝛc.

3. Mitra. die Bischofsmütze. V. testa emar - ginata fusiformi laevi, labro denticulato, colu - mella quadriplicata.

Martini vol. IV. tab. 147. fig. 1360.

4. Musica. die Notenschnecke. V. testa margi - nata fusiformi, anfractibus spinis obtusis, colu - mella octoplicata, labro laevi crassiusculo.

Martini vol. III. tab. 96. fig. 926 sq.

395

5. Pirum. die Tsjanko-Schnecke, das Opfer - horn. V. testa obovata subcaudata; spirae an - fractibus striatis: apice producto glaberrimo, co - lumella triplicata.

Martini vol. III. tab. 95. fig. 916. 917.

Chemnitz vol. IX. P. I. tab. 104. fig. 884 sq. (linksgewunden.)

Besonders an der Küste von Coromandel. Wird hauptsächlich zu Arm - und Fingerringen verarbeitet, die von den ärmern Hindus durch ganz Indien getra - gen und nach deren Tode von ihren Verwandten in einen heiligen Fluß geworfen und von Niemandem die - ses Volks, der sie wieder findet, aufgehoben werden. Daher der große Absatz dieser Ringe und die Wichtig - keit der Fischerey der Schnecke woraus sie verfertigt werden.

6. Vexillum. die Orange-Flagge. V. testa ventricosa flavicante aurantio striata: anfractu primo reliquis triplo maiore tuberculato.

Chemnitz vol. X. Vign. 20. A. B.

Im indischen Ocean. Ein durch die Sammlerlieb - haberey sehr vertheuertes Schneckenhaus.

53. Buccinum. Sturmhaube, Kinkhorn. (Engl. whelk. ) Testa univalvis, spiralis, gib - bosa. Apertura ovata, desinens in canalicu - lum dextrum, cauda retusum. Labium inte - rius explanatum.

Manche Gattungen legen ihre Eyer als so genannte Seetrauben, andere als Seehopfen, noch andere aber in einer langen Reihe hornartiger flacher Kapseln, die mit dem einen Rande an einer gemeinschaftlichen wohl Fuß langen Rippe befestigt an einander liegen.

1. Harpa. die Davidsharfe. B. testa varici - bus aequalibus longitudinalibus distinctis mucro - natis, columella laevigata.

Martini vol. III. tab. 119. fig. 1090.

396

2. Lapillus. B. testa ovata acuta striata laevi, co - lumella planiuscula.

Martini vol. III. tab. 121. fig. 1111 sq.

Das Thier gibt eine Purpurfarbe, deren sich die Normänner noch jetzt bedienen.

3. Undatum. das Wellenhorn, Bartmänn - chen. B. testa oblonga rudi transversim striata: anfractibus curvato-multangulis.

Martini vol. IV. tab. 126. fig. 1206 sq.

4. Maculatum. das große Tigerbein, die Pfrieme. B. testa turrita subfusiformi, an - fractibus laevibus indivisis integerrimis.

Martini vol. IV. tab. 153. fig. 1440.

54. Strombus. Flügelschnecke. (Engl. screw.) Testa univalvis, spiralis, latere ampliata. Apertura labro saepius dilatato, desinens in canalem sinistrum.

1. Fusus. die Sternspindel, Zahnspindel. S. testa turrita laevi, cauda subulata, labio dentato.

Martini vol. IV. tab. 158. fig. 1493 sq.

2. Chiragra. die Teufelsklaue, der Boths - hake. S. testa labro hexadactylo, digitis curvis, cauda recurvata.

Martini vol. III. tab. 86 sq. fig. 853 sq.

3. Lentiginosus. der Kickfrosch. S. testae labro antice trilobo incrassato, dorso verrucoso coro - nato, cauda obtusa.

Martini vol. III. tab. 78. fig. 800.

Der Deckel dieser u. a. verwandten Schnecken (die so genannte Räucherklaue, unguis odoratus oder blatta byzantina), war ehedem officinell.

55. Murex. Stachelschnecke. (Engl. caltrop, rock-shell. ) Testa univalvis, spiralis, exas - perata suturis membranaceis. Apertura desi - nens in canalem integrum, rectum s. subas - cendentem.

397

1. Tribulus. der Spinnenkopf. M. testa ovata spinis setaceis trifariis, cauda elongata subulata recta similiter spinosa.

Martini vol. III. tab. 113. fig. 1055 sq.

2. Brandaris. der dornige Schnepfenkopf. M. testa subovata spinis rectis cincta, cauda me - diocri subulata recta spinisque oblique circumdata.

Martini vol. III. tab. 114. fig. 1058 sq.

So wie die folgende im mittländischen Meere.

3. Trunculus. M. testa ovata nodosa anterius spi - nis cincta, cauda breviore truncata perforata.

Lister tab. 947. fig. 42.

Nebst der vorigen eine der Purpurschnecken der Alten*)vergl. Mich. Rosa delle porpore degli antichi. Moden. 1786. 4. mit Kupf..

4. Antiquus. das nordische Kinkhorn. M. testa patulo-caudata oblonga, anfractibus 8 teretibus.

Martini vol. IV. tab. 138. fig. 1292 sq.

An den Küsten von Großbritannien, Island ꝛc.

5. Vertagus. der Entenschnabel, die Schnau - zennadel. M. testa turrita, anfractibus superne plicatis, cauda adscendente, columella intus plicata.

Martini vol. IV. tab. 156 sq. fig. 1479 sq.

56. Trochus. Kräuselschnecke. (Engl. top - shell, button-shell. ) Testa univalvis, spira - lis, subconica. Apertura subtetragono-angu - lata s. rotundata, superius transversa, coarc - tata; columella obliquata.

1. Perspectivus. die Perspectivschnecke, das Wirbelhorn. (Engl. the stair case. ) T. testa convexa obtusa marginata, umbilico pervio cre - nulato.

Chemnitz vol. V. tab. 172. fig. 1691 sq.

398

Eine sonderbare Schnecke mit ausnehmend saubern Windungen, die in der Mitte einen trichterförmigen Raum zwischen sich lassen ꝛc .*)Linné nennt dieses Nabelloch (umbilicus) stupendum naturae artificium "und neuere Archäologen halten die schöne Schnecke für das Urbild der Volute an den Jonischen Säulen..

2. Magus. T. testa oblique umbilicata convexa: anfractibus supra obtuse nodolusis.

Chemnitz vol. V. tab. 171. fig. 1656 sq.

3. Telescopium. die Seetonne. T. testa im - perforata turrita striata, columella exserta spirali.

Chemnitz vol. V. tab. 160. fig. 1507 sq.

4. Iridis. (Fr. la cantharide. Engl. the beauty. ) T. testa imperforata ovata, subcaerulea, laevi, oblique striata.

Martyn's South-Sea shells. tab. 21. (24) m.

Wenn der blauliche Ueberzug von dieser schönen neu - seeländischen Schnecke abgebeitzt ist, spielt sie in die lebhaftesten Goldfarben, zumahl vom höchsten Grün.

5. Lithophorus. die Trödelschnecke. (Fr. la fripiere, maçonne. ) T. testa imperforata ru - gosa, quisquiliarum impressionibus scabra.

Chemnitz vol. V. tab. 172. fig. 1688 sq.

An den westindischen Inseln. Hat ihren Namen da - her, weil ihre Schale mit einer Menge Steinchen, Stückchen von andern Schneckenhäusern ꝛc. dicht belegt ist, die unebene Eindrücke auf die Oberfläche derselben (fast wie Hammerschläge oder Pockennarben) verur - sachen.

57. Turbo. Mondschnecke. (Engl. whirl, wreath. ) Testa univalvis, spiralis, solida. Apertura coarctata, orbiculata, integra.

1. Littoreus. T. testa subovata acuta striata, mar - gine columnari plano.

Chemnitz vol. V. tab. 185. fig. 1852.

399

In vielen Meeren. Unter andern im Adriatischen; dessen Anwohner das Thier in Unzahl verspeisen.

2. Cochlus. die Schlangenhaut. T. testa im - perforata ovata striata; stria unica dorsali cras - siore.

Chemnitz vol. V. tab. 172. fig. 1805 sq.

Der Deckel dieser und einiger verwandten Gattun - gen ist die so genannte Meer-Bohne. (umbilicus veneris.)

3. Scalaris. die echte Wendeltreppe. (Sca - lata. ) T. testa cancellata conica anfractibus di - stantibus.

Martini vol. IV. tab. 152. fig. 1426 sq.

Vorzüglich an der Küste von Coromandel. Zeichnet sich durch die von einander abstehenden gleichsam durch - brochenen Windungen aus.

4. Clathrus. die unechte Wendeltreppe. T. testa cancellata turrita exumbilicata, anfractibus contiguis laevibus.

Martini vol. IV. tab. 152. fig. 1434 sq.

5. Terebra. die Trommelschraube. T. testa turrita; anfractibus carinis 6 acutis.

Das Titelkupfer zu Martyn's South-Sea shells.

6. . Perversus. das Linkshörnchen. T. testa turrita pellucida; anfractibus contrariis, aper - tura edentula.

Chemnitz vol. IX. tab. 112. fig. 959.

Diese kleine linksgewundene Schnecke (die übri - gens dem immer rechtsgewundenen Turbo mus - corum sehr ähnlich ist) findet sich häufig an alten Wei - den und andern Baumstämmen.

7. . Nautileus. T. testa planiuscula anfractibus annulatis, dorso cristatis.

Rösel Polypen-Historie. tab. 97. fig. 7.

In süßen Wassern.

400

58. Helix. Schnirkelschnecke. (Fr. escar - got. Engl. snail, periwincle. ) Testa unival - vis, spiralis subdiaphana, fragilis. Apertura coarctata, intus lunata s. subrotunda; seg - mento circuli demto.

Meist Land - und Süßwasser-Schnecken.

1. . Hispida. T. testa umbilicata convexa hispida diaphana, anfractibus quinis, apertura subrotundo - lunata.

2. . Pomatia. die Weinbergsschnecke. (Fr. le vigneron. ) H. testa umbilicata subovata, ob - tusa decolore, apertura subrotundolunata.

Chemnitz vol. IX. tab. 128. fig. 1138.

In manchen Gegenden, zumahl in der Schweitz, wird gegen die Fastenzeit ein beträchtlicher Handel mit diesen Schnecken getrieben. Auch hat man da besondere Schneckengärten, worin sie zu Tausenden gefüttert wer - den ꝛc. Ihrer starken Reproductionskraft ist schon oben gedacht worden.

3. . Arbustorum. H. testa umbilicata convexa acu - minata, apertura suborbiculari bimarginata, antice elongata.

Chemnitz vol. IX. tab. 133. fig. 1102.

4. Ianthina. die Purpurschnecke, der blaue Kräusel, das Qualle-Bothchen. H. testa subimperforata subrotunda obtusa diaphana fra - gilissima, apertura postice dilatata, labro emar - ginato.

Fab. Columna p. XXII.

Im mittländischen so wie im atlantischen Meere, auch auf der Südsee. Das Thier gibt, so wie manche an - dere Schnecken, Purpursaft von sich. Die Schale selbst ist purpurblau.

5. . Vivipara. (Cyclostoma viviparum.) H. im - perforata subovata obtusa cornea, cingulis fusca - tis: apertura suborbiculari.

Frisch Insecten P. XIII. tab. 1.

401

6. . Nemoralis. die Waldschnecke. (Fr. la livrée. ) H. testa imperforata subrotunda laevi diaphana fasciata, apertura subrotundo-lunata.

Chemnitz vol. IX. tab. 133. fig. 1196 sq.

7. Decollata. H. testa imperforata turrita: spira mutilato-truncata, apertura ovata.

Chemnitz vol. IX. tab. 136. fig. 1254 sq.

8. Haliotoidea. der Milchnapf, die weiße Ohr - schulpe. H. testa imperforata depresso-pla - niuscula striis undatis: apertura ovali dilatata us - que in apicem.

Martini vol. I. tab. 16. fig. 151 sq.

59. Nerita. Schwimmschnecke. Testa uni - valvis spiralis, gibba, subtus planiuscula. Apertura semiorbicularis; labio columellae transverso, truncato, planiusculo.

1. Canrena. der Knotennabel. (Fr. l'aile de papillon. ) N. testa umbilicata laevi, spira sub - mucronata, umbilico gibbo bifido.

Chemnitz vol. V. tab. 186. fig. 1860 sq.

2. . Fluviatilis N. testa purpurescente, maculis albis tesselata.

Ein überaus sauber gezeichnetes Schneckchen, das so, wie die folgende Gattung, seine Brut außen auf der Schale mit sich herum trägt*)Rappolt im Commerc. Nor. 1738. p. 177 und Pfeif - fer S. 107..

3. Pulligera. N. testa laevi rudi, spirula exca - vato-oculato, labio interiore laevi crenulato.

Eine ostindische Fluß-Schnecke.

60. Haliotis. Seeohr. (Engl. sea-ear, Ve - nus's ear. ) Testa auriformis, patens; spira occultata laterali: disco longitudinaliter po - ris pertuso.

402

1. Tuberculata. H. testa subovata dorso transversim rugoso tuberculato.

Martini vol. I. tab. 15 sq. fig. 145 sq.

2. Iris. das neuseeländische Seeohr. (hipaiia.) H. testa ovata, dorso gibbo, spira alte pro - minula.

Martyn's South-Sea shells. tab. 61. a. a.

Dieses über alle Beschreibung prachtvoll schillernde Seeohr ist bey unsern Antipoden zu Hause.

D) Einschalige Conchylien ohne be - stimmte äußere Windungen.

Bloß im Wasser; und zwar die bey weiten aller - mehresten in der See.

61. Patella. Napfschnecke, Klippkleber. (Engl. limpet. ) Testa univalvis subconica absque spira externa.

1. Neritoidea. P. testa integra ovata apice subspi - rali, labio laterali.

2. Vulgata. P. testa subangulata; angulis 14 ob - soletis; margine dilatato acuto.

Martini vol. I. tab. 5. fig. 38.

3. . Lacustris. P. testa integerrima ovali, ver - tice mucronato reflexo.

4. Fissura. P. testa ovali striato-reticulata, ver - tice recurvo, antice fissa.

Martini vol. I. tab. 12. fig. 109.

5. Graeca. das Ziegenauge. P. testa ovata con - vexa; margine introrsum crenulato, vertice perforato.

Tournefort voy. du Levant. vol. I. p. 294.

Wird häufig auf den Inseln des Archipelagus ge - gessen.

403

62. Dentalium. Meerzahn, Meerröhre. (Engl. tooth-shell. ) Testa univalvis, tubu - losa, recta, utraque extremitate pervia.

1. Entalis. D. testa tereti subarcuata continua laevi.

Martini vol. I. tab. 1. fig. 1 sq.

2. Minutum. D. testa tereti erectiuscula laevi minuta.

Im Sande von Rimini.

63. Serpula. Wurmröhre. (Engl. worm-shell.) Testa univalvis, tubulosa, adhaerens.

1. Filigrana. die geflochtene Fadenröhre. S. testis capillaribus fasciculatis ramoso-glomera - tis cancellatisque.

Seba vol. III. tab. 100. fig. 8.

2. Contortuplicata. der Fischdarm. S. testa se - mitereti rugosa glomerata carinata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 59.

Das kleine Thier, das ich zu untersuchen Gelegen - heit gehabt habe, hat eine überaus artige Bildung, mit sieben langen in Bogen gekrümmten und convergirenden Armen, die an der Wurzel mit 60 kurzen geraden - den besetzt sind.

3. Perforata. der Venusschacht, Neptunus - schacht, die Gießkanne. (Engl. the watering pot. ) S. testa tereti recta, extremitatis disco po - ris pertuso, margine reflexo, tubuloso.

Museum Leersianum tab. 1.

Eine sonderbare Art von Wurmröhren, (die doch auch manche Aehnlichkeit mit den Tubiporen hat) deren Mündung dem Ende einer Gießkanne ähnelt, und die am Rande wie mit einem Kranze von kurzen Röhrchen eingefaßt ist. Das hintere Ende ist fast immer ab - gebrochen.

404

4. Gigantea. Testa subflexuosa lente attenuata violacea, intus laevi lutea: apertura alba undula - tim striata dente conico munita.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 9.

In Westindien. Das Thier selbst ähnelt den Stein - bohrern. Bewohnt ausgehöhlte Gänge in großen Ma - dreporen.

64. Teredo. Darmröhre. Testa teres, flexuosa, lignum penetrans.

1. Navalis. der Schiffwurm, Pfahlwurm, Bohrwurm. (Fr. le taret. ) T. corpore tereti elongato, ore attenuato, extremitate postica pho - ladiformi, quadrivalvi.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 89.

Das gefährliche Thier wird ungefähr Fußlang. Wohnt in Eichen -, Ellern -, Tannen - u. a. Holz, worin es sich fingersweite Gänge bohrt, die es mit einer zarten Kalkschale auskleidet. Hat, zumahl 1730, für Holland groß Unglück gedroht, da es die Dämme in Seeland und Frießland so durchwühlte, daß sie der Gewalt der Wellen nicht widerstehen konnten: richtet auch noch jetzt, zumahl im Westkappler Damm, zuweilen arge Verwüstungen an.

405

IV. ECHINODERMATA (Crustacea.)

Ich habe die nachstehenden Thiere unter eine be - sondere Ordnung gebracht, da sie zu sehr von andern Würmern abweichen, und im Ganzen hingegen viel Uebereinstimmendes unter einander zeigen.

Sie halten sich bloß in der See auf: so wie überhaupt kein Thier der noch übrigen Ordnungen im Trocknen zu leben bestimmt ist.

65. Echinus*)Jac. Theod. Kleinii naturalis dispositio echinodermatum ex ed. Nath. God. Leske. Lips. 1778. 4.. See-Igel. (Engl. sea hed - gehog.) Corpus subrotundum, crusta spatacea tectum, spinis mobilibus saepius aculeatum. Os quinquevalve subtus.

Die Schale der See-Igel (deren Textur bey man - chen den Krebsschalen ähnelt) ist meist mit beweglichen Stacheln besetzt, die aber nicht mit den eigentlichen Bewegungswerkzeugen des Thiers verwechselt werden dürfen. Diese sind um ein Drittel länger als die Stacheln, aber nur so lange sichtbar, als das Thier unter Wasser ist, es zieht sie ein, wenn es aus seinem Elemente genommen wird. Ein See-Igel, der etwa 2000 Stacheln hat, hat ungefähr 1400 solcher Bewe - gungswerkzeuge. Die hochgewölbten See-Igel haben in ihrem Innern ein sonderbares, knöchernes Gestelle, das unter dem seltsamen Namen der Laterne des Ari - stoteles bekannt ist. Ueberhaupt variiren aber die zahl - reichen Gattungen dieses weitläuftigen Geschlechts gar sehr, sowohl in der Bildung ihrer Schale als der so genannten Stacheln, womit dieselbe besetzt ist.

1. Esculentus. (Engl. the sea-egg. ) E. hemi - sphaerico-globosus: areis obsolete verrucosis.

Klein tab. 1. et 38. fig. 1.

406

2. Cidaris. E. haemisphaerico-depressus: ambu - lacris 5 repandis linearibus: areis alternatim bi - fariis.

Klein tab. 7. A. et 39. fig. 2.

3. Orbiculus. E. planus suborbiculatus: ambulacris 5 ovalibus, ano subremoto.

Klein tab. 21. sq.

66. Asterias*)J. H. Linkius de stellis marinis. Lips. 1733 Fol. . See-Stern. Corpus depres - sum, crusta subcoriacea, tentaculis muricata. Os centrale, quinquevalve.

Die Bewegungswerkzeuge der See-Sterne sind der See-Igel ihren ähnlich. Doch können sie nicht so schnell wie diese, sondern nur langsam wie die Schnecken fortkommen. Manche Gattungen thun den Dorschen u. a. Fischen, andere den Austern Schaden.

1. Rubens. A. stellata, radiis lanceolatis gibbis, undique aculeata.

Link tab. 4. fig. 5. et al.

Vorzüglich bey dieser Gattung ist die ausnehmende Reproductionskraft dieser Thiere auffallend. Unter ei - ner ganzen Folge solcher in der Reproduction stehenden See-Sterne dieser Gattung besitze ich einen, der von seinen fünf Strahlen viere völlig verloren hatte, und die alle viere schon wieder ergänzt zu werden anfingen.

2. Glacialis. A. stellata, radiis angulatis, angulis verrucoso-aculeatis.

Link tab. 38. 39.

3. Ophiura. A. radiata radiis 5 simplicibus, stella orbiculata quinqueloba.

Link tab. 37. fig. 65. et al.

4. Caput Medusae. (Gorgono-cephalus). A. ra - diata, radiis dichotomis.

Link tab. 18. fig. 28. et al.

407

In vielen Meeren der alten Welt, auch im Caspi - schen. Doch scheint das im nordischen Ocean von dem Südindischen ꝛc. specifisch verschieden zu seyn. Ein überaus träges und sonderbar gebildetes Thier, an des - sen Umfange man auf 82000 Endzweige gezählt hat*)Unter den Normännern geht eine Volkssage, als ob dieses Medusenhaupt das Junge des famosen Kraken sey, wovon Pontoppidan in s. N. G. von Norwegen so viel Abenteuer - liches erzählt hat. Dieses vermeinte Seeungeheuer soll nähm - lich in der Tiefe des Meeres hausen, aber zu Zeiten empor stei - gen, zur großen Gefährde der Schiffe, die sich dann etwa gerade über ihm befänden; da dann auch sein über der Meeresfläche herausragender Rücken für eine schwimmende Insel angesehen worden sey u. s. w.Wenn man alles, was von diesem Dinge gesagt worden, kritisch vergleicht, so zeigt sich, daß sehr verschiedene und zugleich sehr mißverstandene Erscheinungen dazu Anlaß gegeben haben mögen.Manches darunter paßt auf den Wallfisch ( s. z. B. einen Unglücksfall, der sich durchs Aufsteigen eines solchen Thiers un - ter einem bemannten Fahrzeug ereignet in Watk. Tench's account of the settlement at Pt. Jackson p.52. ) Manches hingegen auf dicke, niedrigstehende Nebel, dergleichen zuweilen selbst von sehr erfahrenen Seeleuten für Küsten ꝛc. angesehen worden: ( einen merkwürdigen Fall der Art s. im voyage de la Pérouse autour du monde vol. III. p.10 ) Und so löst sich das auf, was vorlängst der alte Thormod Torfesen in s. Groenlandia antiqua p. 100. vom Kraken sagt: Tracta haec fabula vide - tur ex insula aliquando conspicua, saepius tamen incon - spicua..

67. Encrinus. Stirps elongata, corpore termi - nali radiato.

1. Asteria. die See-Palme. (isis asteria Linn.) E. stirpe spatacea articulata pentagona, ramis verticillatis; stella terminali sexfida ad basin, tum dichotoma.

Guettard in Mém. de l'ac. des sc. 1755.

Das bis jetzt wenigstens noch sehr seltene Thier soll sich an der Küste von Barbados finden. Es ähnelt zwar den versteinten Pentacriniten oder Medusen-Pal - men, aber ohne ihnen specifisch zu gleichen. Sein so genannter Kopf hat viel Aehnlichkeit mit dem letzt genannten Medusenhaupte.

408

2. Radiatus. (Vorticella encrinus Linn.) E. stirpe cartilaginea continua, stella terminali octoradiata.

Chr. Mylius Schreiben an Haller. Lond. 1755. 4.

V. CORALLIA.

Die gegenwärtige Ordnung verhält sich zu der folgenden letzten, beynahe wie die Conchylien zu den Molluscis. Die Thiere selbst haben wenigstens in manchen Geschlechtern beider Ordnungen viel Ueber - einstimmendes. Nur sind sie in der letzten nackt, unbedeckt und können sich von der Stelle bewegen: da sie hingegen hier in dieser besondere festsitzende Gehäuse bewohnen, die bey den mehresten Arten von steinartiger Substanz sind, und Corallen*)Zur Geschichte der Corallen vergl.P. S. Pallas elenchus zoophytorum. Hag. 1766. 8. Deutsch mit Zusätzen von Chr. Fr. Wilkens. Nürnb. 1787. 4.J. Ellis's natural history of the corallines ꝛc. Lond. 1753. 4. Deutsch mit Zusätzen von J. G. Krünitz. Nürnb. 1767. 4.Ej. natural history of many curious and uncommon zoophy - tes ꝛc. systematically arranged and described by D. Solan - der. Lond. 1786. 4. ( Ich citire hier dieses vortreffliche Werk, um es von dem vorigen zu unterscheiden, unter Solan - der's Namen ).Vital. Donati della storia naturale marina dell 'Adriatico. Ven. 1750. 4.Fil. Cavolini memoria per servire alla storia de polipi ma - rini. Nap. 1785. 4. Deutsch durch W. Sprengel. Nürnb. 1813. 4.E. J. Chr. Espers Pflanzenthiere ꝛc. Nürnb. seit 1788. 4.Und als brauchbares Handbuch: J. E. Roques de Mau - mont sur les polypiers de mer. Zelle, 1782. 8.J. Alb. H. Reimarus von der Natur der Pflanzenthiere (als Anhang an Herm. Sam. Reimarus Betr. über die besondern Arten der thierischen Kunsttriebe). Hamburg, 1773. 8.409 heißen. Doch muß man sich diese Gehäuse nicht als von ihren Bewohnern erbaut, sondern vielmehr als einen ihnen angebornen Theil vorstellen, und sie daher nicht etwa mit Bienen-Zellen, sondern eher mit Schnecken-Schalen vergleichen: nur daß bey ihrer Fortpflanzung das junge Thier zugleich mit sei - nem kalkigen Gehäuse vom alten wie ein Zweig aus dem Stamme hervorgetrieben wird; und sich daher beym schnellen Wachsthum*)Ich weiß von Augenzeugen, daß man oft in Westin - dien ꝛc. Schiffwrack ausfischt, das binnen ¾ Jahren über und über mit Madreporen u. a. Corallen dicht bepflanzt ist. So ist auch der sonst so treffliche Hafen von Bantam nun großentheils von Corallen eingenommen. und Vermehrung die - ser merkwürdigen Geschöpfe die ungeheure Größe und Umfang derselben**)Viele vulkanische Inseln der Südsee, auch westindische, wie z. B. Barbados, sind wie mit einer Corallen-Rinde über - zogen; und wie furchtbar die zu einer unermeßlichen Höhe aus dem Boden des Meeres emporrankenden Corallen-Stämme den Seefahrenden in unkundigen Gegenden werden können, hat Capit. Cook auf seiner ersten Reise um die Welt an der von ihm entdeckten Ost-Küste von Neu-Holland lange genug erfahren. erklären läßt.

68. Tubipora. Röhren Corall. Corallium tubis cylindricis, cavis, erectis, parallelis.

1. Musica. das Orgelwerk. T. tubis fascicula - tis combinatis; dissepimentis transversis distan - tibus.

Solander tab. 27.

Bloß in Ost - und Süd-Indien.

69. Madrepora. Stern-Corall. Corallium cavitatibus lamelloso-stellatis.

1. Fungites. M. simplex acaulis orbiculata, stella convexa; lamellis simplicibus longitudinalibus, subtus concava.

Solander tab. 28.

410

2. Muricata. M. ramoso composita subimbricata, stellis oblique truncatis prominentibus adscenten - tibus.

Solander tab. 57.

3. Oculata. das weiße Corall. M. caulescens tubulosa glabra flexuosa oblique substriata, ramis alternis, stellis immersis bifariis.

70. Millepora. Punct-Corall. Corallium poris turbinatis teretibus.

1. Lichenoides. M. caulescens decumbens bifarie dichotoma, ramis denticulatis binis porosis scabris.

Ellis tab. 35. fig. b. B.

2. Cellulosa. die Neptunus-Manschette. M. membranacea reticulata umbilicata, turbinato-un - dulata, hinc porosa pubescens.

Ellis tab. 24. fig. d.

Cavolini tab. 3. fig. 12 sq.

71. Cellepora. Corallium foraminulis urceolatis, membranaceis.

1. Spongites. der Schwammstein. (Adarce. Lapis spongiae offic.) C. lamellis simplicibus un - dulato-turbinatis cumulatis: cellulis seriatis; os - culo marginato.

72. Isis. Stauden-Corall. Stirps radicata solida, cortice molli habitabili obducta*)Von diesen und den übrigen folgenden Corallengeschlech - tern s. J. V. F. Lamouroux histoire des polypiers coralligènes flexibles. Caen. 1816. 8. mit Kupf..

1. Hippuris. das Königs-Corall. I. stirpe ar - ticulata, geniculis attenuatis.

Solander tab. 3. fig. 1. sq. tab. 9. fig. 3. 4.

2. Nobilis. das rothe Corall. I. stirpe con - tinua, aequali, striis obsoletis obliquis, ramis vagis.

Cavolini tab. 2. fig. 1-6.

411

Wird vorzüglich an den Küsten des mitländischen Meeres gefischt, und in Marseille ꝛc. zu kostbaren Kunstsachen verarbeitet, die nach Ostindien verführt, und zumahl in Japan und Schina fast den Edelsteinen gleich geschätzt werden.

73. Gorgonia. Crusta calcarea corallina stir - pem vegetabilem obducens.

Die Stämme selbst scheinen wahre Vegetabilien (deren holzige Natur, zumahl an den starken Wurzelstämmen nicht zu verkennen ist), die bloß mit Corallencruste überzogen sind. Man findet den so genannten Venus - fliegenwedel gar häufig ohne den thierischen Ueberzug, und da zeigt er schlechterdings nichts ausschließlich Ani - malisches. *)Das bestätigt auch Prof. Gravenhorst in Okens Isis 1823. VII. H. S. 725.

1. Antipathes. das schwarze Corall. G.. pani - culato-ramosa ligno extus flexuose striato.

Seba thesaur. T. III. tab. 104. fig. 2.

2. Flabellum. der Venusfliegenwedel G.. re - ticulata, ramis interne compressis, cortice flavo.

Ellis tab. 26. fig. K.

74. Alcyonium. See-Kork. Stirps radicata, stuposa, tunicato-corticata. Animal hydra.

1. Exos. die Diebshand. (manus marina. Fr. la main de ladre. ) A. stirpe arborescente co - riacea coccinea superne ramosa, papillis stellatis.

Gesner de aquatilib. pag. 619.

75. Spongia. Sauge-Schwamm. (Fr. Epon - ge.) Stirps radicata, flexilis, spongiosa, bi - bula.

Ob dieses Geschlecht wirklich ins Thierreich gehört, wird mir immer zweifelhafter.

1. Officinalis. der Badeschwamm. S. forami - nulata subramosa difformis tenax tomentosa.

412

2. . Fluviatilis. (Ruß. Badiäga.) S. conformis polymorpha, fragilis, granulis repleta.

Diese hieländische Gattung verbreitet einen sehr star - ken specifischen Geruch; und ist oft, aber nur zufällig, mit Stämmen von Federbusch-Polypen durchwirkt. Wenn sie jung ist, liegt sie meist nur flach am Ufer, an Dämmen ꝛc. an. Mit der Zeit aber treibt sie Aeste wie Finger oder Geweihe. Getrocknet ist sie ganz mürbe und zerreiblich. Ich habe diese Gattung im hiesigen Stadtgraben gefunden, und seitdem oft allerhand Ver - suche mit ihr angestellt, ohne bis jetzt irgend ein ent - scheidendes Zeichen einer wirklich animalischen Natur an ihr gewahr zu werden.

76. Flustra. Stirps radicata foliacea, undique poris cellulosis tecta.

1. Foliacea. F. foliacea ramosa, laciniis cuneifor - mibus rotundatis.

Ellis tab. 29. fig. a.

77. Tubularia. Stirps radicata, filiformis, tu - bulosa.

Dieses Geschlecht begreift unter andern die Corallen der süßen Wassers, nähmlich die Federbusch-Poly - pen (Fr. polypes à panache), an welchen man, so wie bey denen im Meere, die Hülse und das darin wohnende Thierchen unterscheidet, das sich durch einen ungemein saubern weißen Federbusch auszeichnet, den es aber bey der mindesten Erschütterung oder im Tode einzieht. Die Hülse ist anfangs gallertartig, verhärtet aber mit der Zeit, und zeigt sich oft bey der gleichen Gattung unter sehr verschiedenen Gestalten. Ich habe einzelne dergleichen Röhrchen, wie kleine Därme an Wasserpflanzen, umherranken sehen: andere, die wie Bäumchen mit Zweigen zwischen der obigen Badiäga in die Höhe gewachsen waren: andere die sich zu Tausen - den flach neben einander an Dämme ꝛc. angelegt hat - ten: andere, die in dichten Klumpen in unzähliger Menge neben einander empor standen, u. s. w.

413

1. Indivisa. T. culmis simplicissimis, geniculis contortis.

Ellis tab. 16. fig. c.

2. Acetabulum. T. culmis filiformibus, pelta ter - minali striata radiata calcarea.

Donati tab. 2.

3. . Campanulata. T. crista lunata, orificiis va - ginae annulatis, corpore intra vaginam abscondito.

Rösel Hist. der Ploypen. Taf. 73. 75.

So wie die folgende Gattung im Flußwasser. Hat gegen 60 Arme oder Faden im Federbusche.

4. . Sultana. T. crista infundibuliformi, ad ba - sin ciliata.

(tab. 1. fig. 9.)

Ein überaus niedliches Geschöpf, das ich im hiesigen Stadtgraben gefunden habe. Es hat 20 Arme, die äußerst regelmäßig wie ein kleiner Federbusch gestellt sind*)Götting. Magaz. I. Jahrg. 4. St. S. 117 u. f..

78. Corallina. Stirps radicata, geniculata, fila - mentosa, calcarea.

1. Opuntia. C. trichotoma; articulis compressis subreniformibus.

Solander tab. 20. fig. b.

2. Officinalis. C. subbipinnata, articulis subtur - binatis.

Ellis tab. 24. fig. b.

3. Rubens. C. dichotoma capillaris fastigiata; ar - ticulis superioribus elevatis.

Ellis tab. 24. fig. f. g.

79. Sertularia. Stirps radicata, tubulosa, cor - nea, nuda, articulata; denticulis calyciformi - bus obsita.

414

Ein weitläuftiges Geschlecht, wovon sich mancherley Arten auf der gewölbten Schale der gemeinen Austern finden. Die Stämme sind meist ausnehmend sein, und alle ihre Schönheit kaum dem bloßen Auge sichtbar. Sie pflanzen sich durch Blasen fort, die man mit Eyer - stöcken vergleichen kann.

1. Abietina. S. denticulis suboppositis tubulosis, ovariis ovalibus, ramis pinnato-alternis.

Ellis tab. 1. fig. b.

2. Falcata. S. denticulis secundis imbricatis trun - catis, ovariis ovatis, ramis pinnatis alternis.

Ellis tab. 7. fig. a.

3. Polyzonias. S. denticulis alternis subdenticula - tis, ovariis obovatis polyzoniis, stirpe ramosa.

Ellis tab. 3. fig. a.

Trembley hat die Bewohner dieser Sertularie (ihre ungleich kleinere Statur abgerechnet) seinen Armpolypen der süßen Wasser sehr ähnlich gefunden.

80. Cellularia. Stirps crustacea, lapidescens, e cellulis seriatis composita: plerumque ramosa et articulata, tubulis adhaerens.

1. Fastigiata. (Sertularia fastigiata Linn.) C. denticulis alternis acutis, ramis dichotomis erectis fastigiatis.

Ellis tab. 18. fig. a.

2. Cirrata. C. lapidea articulata ramosa dicho - toma, articulis subciliatis, ovato-truncatis, uno latere planis celliferis.

Solander tab. 4. fig. d.

415

VI. ZOOPHYTA.

Man hat den Namen Zoophyt oder Thierpflanze den Geschöpfen dieser und der vorigen Ordnung ge - meinschaftlich beygelegt. Und in der That sehen auch, wie schon erinnert worden, manche Polypen dieser Ordnung den Bewohnern mancher Corallen in der vorigen gar sehr ähnlich. Nur haben sie in der gegenwärtigen einen unbedeckten Körper, und nie ein solches Corallengehäuse als in der vorigen. Auch können wenigstens die bey weiten allermehresten (wo nicht alle) ihren Standpunct verändern (haben stirpem liberam, wie man es nennt). Einige sind doch dabey in einen gemeinschaftlichen Stamm verbunden, andere hingegen einzeln. Außerdem werden aber auch die Infusionsthierchen u. a. dergl. Geschöpfe mit in dieser Ordnung begriffen.

81. Pennatula. Seefeder. Stirps libera, pen - niformis.

Man unterscheidet an den beiden ersten Gattungen dieses merkwürdigen Geschlechts, wie an einer Vogel - feder, zwey Haupttheile, den Kiel nähmlich und die Fahne. Letztere besteht aus 40, 60 oder noch mehr bogenförmigen Armen, womit die obere Hälfte des Kiels zu beiden Seiten besetzt ist. Auf jedem dieser Arme stehen nun wieder 10, 12 und mehr überaus sau - bere kleine am Rande zackige Hülsen, in deren jeder ein gallertartiger zarter Polype mit acht Fangarmen fest sitzt; so daß an einer Spannen langen Seefeder wenigstens über 500 solcher kleinen Armpolypen gezählt werden.

1. Grisea. P. stirpe carnosa, rachi laevi, pinnis imbricatis plicatis spinosis.

B. S. Albini annot. acad. L. I. tab. 4. fig. 1. 2.

416

2. Phosphorea. P. stirpe carnosa, rachi scabra, pinnis imbricatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 90.

Leuchtet so wie die folgenden stark im Finstern.

3. Cynomorium. (Alcyonium epipetrum Linn. Veretillum Cuv.) P. stirpe cylindrica, subcla - vata, seminuda, superne polypos minutos exerens

Pallas miscell. zool. tab. 13. fig. 1. 4.

Wie die vorigen zumahl im mittländischen Meere, aber in der mehr cylindrischen Form und in der weichen Textur des ganzen, doch sehr von jenen verschieden.

82. Hydra. Armpolype, Vielarm. Corpus gelatinosum conicum. Os terminale cinctum cirris filiformibus.

Diese so allgemein berühmten Thiere*)S. Abr. Trembley Mémoires pour servir à l'hist. d'un genre de polypes d'eau douce à bras en forme de cornes. Leid. 1744. 4.H. Baker's natural history of the polype. Lond. 1743. 8.Rösel's Historie der Polypen ꝛc. Nürnb. 1754. 4. (am III. B. seiner Insecten-Belustigungen.)Jac. Chr. Schäffer's Armpolypen in den süßen Wassern um Regensburg. 1754. 4. sind gallert - artig, halb durchsichtig, und daher von ungeübten Au - gen nicht immer gleich zu erkennen. In der Ruhe haben sie den Körper und die Arme ausgestreckt: bey einer gewaltsamen Berührung aber, oder außer dem Wasser, ziehen sie sich in ein unförmliches Klümpchen zusammen. Sie sind von den ersten warmen Frühlings - tagen an bis in den Herbst in sanft fließenden Wassern und Teichen zu finden, und sitzen mit dem hintern Ende an Wasserpflanzen, Schnecken ꝛc. fest. Ihr ganzer Körper ist eigentlich bloß ein mit Fangarmen versehener Magen. Den Sommer hindurch vermehren sie sich, indem sie die lebendigen Jungen wie Sprossen aus ihrem Körper treiben, die sich oft erst, wenn ihnen selbst schon wieder Junge ausgewachsen sind, von der Mutter losreissen. Bey Annäherung des Winters aber417 mögen sie wohl Eyer legen*)Pallas elenchus Zoophytor. p. 28., aus denen im Frühjahr die junge Brut hervorbricht. Man kann sie in sechs und mehr Stücke zerschneiden, und jedes Stück wird binnen einigen Tagen wieder zu ganzen Polypen er - wachsen. Man kann ihnen den Kopf oder den Hin - tertheil der Länge nach spalten, und sich vielköpfige oder vielgeschwänzte Polypen schaffen. Man kann meh - rere in einander stecken, und so oder auf andere Weise zu wunderlichen monströsen Gruppen zusammen heilen. Man kann sie durch einen, freylich Uebung und Ge - duld erfordernden, Handgriff wie einen Handschuh um - kehren. Man kann sie der Läuge nach aufschlitzen, und wie ein Stückchen Band ausbreiten, und doch können auch dann, wie Rösel zuerst bemerkt hat, mehrere auf eine schwer zu begreifende Weise einander verzehren, oder eigentlich in einander schmelzen. Man kann sie, nach den merkwürdigen Versuchen des sel. Hofr. Lich - tenberg**)s. Götting. Magaz. III. Jahrg. 4 St. S. 565 u. f., mit Schlingen von Haaren durchschnüren, und während daß die Schlinge allmählig durchschneidet, werden die derweile getrennten Theile doch schon wieder an einander wachsen u. s. w.

1. . Viridis. der grüne Armpolype. H. vi - ridis tentaculis brevioribus.

(tab. 1. fig. 10.)

Diese Gattung scheint mehr als die übrigen in Rück - sicht der Stärke und Länge des Körpers und der Arme zu variiren. Die hier abgebildete Art findet sich in unserer Nachbarschaft; und die Beobachtung ihrer Re - production hat mich zuerst auf die Untersuchungen über den Bildungstrieb geführt.

2. . Fusca. der braune Armpolype. H. fusca, corpore longiore, cirris longissimis.

Rösel tab. 84. sq.

3. . Grisea. der orangegelbe Armpolype. H. aurantia, corpore longiore, cirris longioribus.

Rösel tab. 78. sq.

418

83. Brachionus. Blumenpolype. (Fr. polype à bouquet. ) Stirps ramosa, polypis terminali - bus ore contractili (plerisque ciliato).

Die Blumenpolypen leben an einem gemeinschaftlichen Stamme als Aeste, da eine solche Colonie dem bloßen Auge wie ein Kügelchen Schimmel vorkömmt, das aber bey der mindesten Erschütterung für einen Augenblick ganz zusammen fährt, und zu verschwinden scheint.

1. . Anastatica. B. stirpe multifida, floribus cam - panulatis.

(tab. 1. fig. 11.)

Diese überaus zarten kleinen Thierchen pflanzen sich auf die einfachste Weise durch Theilung fort (§. 20. S. 27).

2. . Umbellarius. (Vorticella umbellaria Linn.) B. stirpe umbellata, floribus ciliatis globosis mu - ticis.

Rösel tab. 100.

Wie die vorige Gattung und das folgende Geschlecht in Gräben und Teichen an Wasserpflanzen, Schnecken - häusern ꝛc.

84. Vorticella. Afterpolype. Corpus nudum, simplex, vagum.

Die mehresten Afterpolypen leben gesellig, so daß oft tausende derselben beysammen sind, und dann fast das Ansehen von Schimmel haben. Ich habe selbst lebendige Wassermolche längs dem Rücken mit unzähli - gen dieser Thiere dicht überzogen gesehen.

1. . Stentorea. (Hydra stentorea Linn.) V. cor - pore infundibuliformi, tentaculis ciliaribus.

Rösel tab. 94. fig. 7. 8.

2. . Socialis. (Hydra socialis. linn.) V. mu - tica torosa rugosa.

Rösel tab. 95.

85. Furcularia. Corpus liberum nudum oblon - gum, tentaculis rotatoriis ciliatis, cauda bi - cuspidata.

419

1. . Rotatoria. das Räderthier. (Engl. the wheel-animal.)

(tab. 1. fig. 12.)

Dieses überaus sonderbare mikroscopische Thierchen findet sich in stehenden Wassern und mancherley Infu - sionen, schwimmt überaus behende, verändert dabey fast alle Augenblicke seine Gestalt; soll Jahre lang im Trockenen für todt liegen können, und doch nachher in jedem Tropfen Wasser zu 10-12 wiederholten Mahlen wieder aufleben ꝛc. Der dunkele Körper in seinem Vorderleibe, den so viele Naturforscher seiner willkürli - chen Bewegung ungeachtet fürs Herz gehalten haben, ist, wie ich mich genau überzeugt zu haben glaube, ein zum Speisecanal gehöriges Organ, und kein Herz*)s. Handbuch der vergl. Anatomie S. 248..

86. Vibrio. Corpus liberum, teres, elongatum.

1. . Aceti. der Essigaal. V. subrigidus, cauda longiore tenuiore acuminata; mucrone retractili ad basin prominente.

Goeze im Naturforscher XVIII. tab. 3. fig. 12. u. f.

Dieser ist in mancherley Essig. Eine verwandte Gat - tung in altem Buchbinderkleister**)Auch diese sind also Thiergattungen die erst lange nach der ersten allgemeinen Schöpfung gleichsam nacherschaffen worden. Denn sie finden sich so viel bekannt bloß im Essig und Kleister, und beides sind späte Kunstproducte des cultivirten Menschengeschlechts..

87. Volvox. Corpus liberum, rotundatum, ge - latinosum, gyratile. Tubus alimentarius vix ullus.

1. . Globator. das Kugelthier. V. globosus, superficie granulata.

Rösel tab. 101. fig. 1-3.

Ein kleines Kügelchen, von gelber, grüner, oder anderer Farbe, das sich ohne alle sichtbare Bewegungs - werkzeuge doch im Wasser fortwälzt und umher dreht. Man kann die Nachkommenschaft schon im Leibe der Erwachsenen bis ins vierte Glied erkennen.

420

88. Chaos. Corpus liberum ...... (generi po - lymorphon, speciebus uniforme.)

Wir fassen der Kürze wegen mit Linné, zum Be - schluß der ganzen Thiergeschichte unter diesem Ge - schlechtsnamen die unzählbaren*)Schon in den 70er Jahren des vorigen Sec. kannte O. Fr. Müller auf 400 Gattungen von Infusionsthierchen., dem bloßen Auge unsichtbaren Geschöpfe zusammen, wovon sich manche Gattungen schon im See - und süßen Wasser, andere erst im Aufguß von allerhand thierischen und vegetabili - schen Substanzen (daher diese dann Infusionsthier - chen heißen), und noch andere im reifen Samen männ - licher Thiere finden**)Vergl. G. R. Treviranus Biologie lI. B. S. 264 u. f. und Chr. L. Nitzsch Beytrag zur Infusorienkunde. Halle 1817. 8. mit Kupf..

Hiernach lassen sie sich füglich in drey Familien abtheilen, deren jede aber zahlreiche Gattungen begreift:

A) Aquatile.

Die im See - und stagnirenden süßen Wasser. [ zumahl in solchem, worin die Priestleysche so ge - nannte grüne Materie†)Die ohngefähr so für die unterste erste Staffel von Ve - getation, wie das dabey befindliche Chaos aquatile für die un - terste erste Staffel von eigenthümlicher Animalität angesehen wer - den kann. vegetirt ].

B) Infusorium.

Die eigentlich so genannten Infusionsthierchen.

C) Spermaticum. (Cercaria spermatica.)

Die Samenthierchen, wovon die im männlichen Samen des Menschengeschlechts befindliche Gattung tab. 1. fig. 13. stark vergrößert abgebildet ist††)Unser sel. Hollmann hat berechnet daß die Milch eines zweypfündigen Karpen über 253000 Millionen Samenthierchen halten könne..

421

Zehnter Abschnitt. Von den Pflanzen.

§. 158.

Wir kommen zum zweyten Reiche belebter oder organisirter Körper, nähmlich zu den Gewächsen, die sich nach den oben (§. 3 und 4.) festgesetzten Be - griffen schon dadurch von den Thieren auffallend un - terscheiden, daß sie ihren sehr homogenen Nahrungs - saft ohne irgend merkliche, willkürliche Bewegung, und zwar hauptsächlich durch die Wurzel einsaugen, die daher auch unter allen äußern Theilen der Pflan - zen bey weiten der allgemeinste ist, worin sie (höch - stens bis auf einige äußerst wenige Ausnahmen des Nostocks, der Trüffeln ꝛc. ) sämmtlich mit einander überein kommen.

§. 159.

Uebrigens ist die Bildung der Gewächse über - haupt auch darin von der der allermehresten Thiere ih - rer verschieden, daß ihr Wuchs, besonders aber die Anzahl ihrer einzelnen Theile, der Aeste, Blätter, Blüthen ꝛc. nicht so bestimmt, sondern im Ganzen ungleich veränderlicher ist*)Extensio minus definita. .

§. 160.

Um so einförmiger scheint hingegen ihr innerer Bau, als welcher nichts von alle dem zeigt, was422 man mit den, für die thierische Oekonomie so wich - tigen, eigentlich so genannten Eingeweiden, noch auch mit Nerven oder mit wahren Muskeln, mit Knochen ꝛc. vergleichen könnte: sondern es reducirt sich ihre Organisation am Ende nur auf eigentlich so genannte Gefäße (Adern) und auf das dazwischen liegende Zellgewebe*)s. hierüber vorzüglich die beiden Göttingischen Preisschrif - ten, von Rudolphi (Berlin 1807. 8. ), und Link (Götting. 1807, mit Nachträgen 1809. 8.) So wie auch L. C. T. Tre - viranus vom inwendigen Bau der Gewächse. Götting. 1806. 8. ; und von frühern Abhandlungen I. I. Bernhardi's Beobach - tungen über die Pflanzengefäße. Erf. 1805. 8.Von des sel. Osiander's glücklichen Versuchen Pflanzen mit Quecksilber einzuspritzen s. Commentat. Societat. Reg. scientiar. Gottingens. vol. XVI. pag. 100 u. f..

§. 161.

Dieses, das Zellgewebe, hat seinen Namen mit mehrerem Rechte als das ihm übrigens ziemlich ana - loge Schleimgewebe der Thiere, da es, wenigstens in vielen Theilen der Gewächse, ein wirklich zellu - löses, theils Luft theils Säfte haltendes Gefüge zeigt. Es ist zumahl in der Borke und im so genannten Mark mancher Gewächse deutlich zu erkennen, und enthält häufig einzelne dazwischen vertheilte größere Bläschen (utriculi), und bildet auch theils lange Röhrenförmige Höhlen.

§. 162.

Die eigentlich so genannten Gefäße (die übrigens manchen Familien und Geschlechtern von kryptoga - mischen Gewächsen so wie im Thierreich den Zoophyten und auch wohl manchen Mollusken gänzlich abzugehn scheinen), zeichnen sich (wenigstens423 bey weiten größtentheils) besonders dadurch aus, daß ihre Wände aus spiralförmig gewundenen Fäden (oder Röhrchen?) bestehen, und so gleichsam das Ansehn von besponnenen Saiten haben.

§. 163.

So vielartig aber die Netzförmigen u. a. Ver - bindungen (Anastomosen) dieser Gefäße unter einan - der sind, so zeigt sich doch kein solches Verhältniß zwischen denselben, daß ein wahrer Kreislauf der Säfte, wie bey allen rothblütigen und so vielen weißblütigen Thieren, dadurch unterhalten werden könnte.

§. 164.

Aus der einförmigen Identität jener wenigen organischen Bestandtheile der Gewächse (ih - rer so genannten partium similarium) erklärt sich die leichte Umwandlung der daraus zusammenge - setzten Theile (der partium dissimilarium) in einander; der Blätter z. B. in den Kelch oder in die Krone der Blüthe, zumahl bey gefüllten Blu - men ꝛc. *)s. von Goethe Versuch die Metamorphose der Pflanzen zu erklären. Gotha, 1790. 8.Und besonders über die Identität der Knollen (z. B. der Cartofelln) und ihrer Stängel Dr. Westfeld in Voigt's neuem Magazin VI. B. S. 371 u. f.; auch daß man Bäume umgekehrt in die Erde pflanzen und dadurch ihre Aeste in Wur - zeln und diese hingegen in belaubte Aeste umwan - deln kann**)Ein Herr Marcellis hat auf seinem Landgute, Vogel - sang, am leidner Kanal bey Haarlem, eine ganze Linden-Allee auf diese Weise gepflanzt..

§. 165.

Die aus jenen organischen Bestandtheilen zusam - mengesetzten besondern Theile der Pflanzen, und ihre424 Geschäfte, lassen sich am füglichsten in die zur Selbsterhaltung, und in die zur Fortpflanzung ge - hörigen, abtheilen. Von jenen zuerst.

§. 166.

Die Pflanzen ziehen die zu ihrer Selbsterhaltung nöthigen Stoffe theils aus der Atmosphäre, theils aus dem Wasser oder dem damit getränkten Bo - den. Aus jener saugen sie Nahrung mittelst der unter ihrer Oberhaut, zumahl auf den Blättern, in unsäglicher Menge verbreiteten absorbirenden Gefäße: aus dem Wasser aber mittelst der all - jährlich neureproducirten Wurzelzasern, womit die allermehrsten unmittelbar in der Erde, manche aber (wie z. B. der Mistel, die Flachsseide, die Vanille ꝛc. ) als so genannte Schmarotzer-Pflanzen (plantae parasiticae) an andern Gewächsen*)Auch gibt es Pflanzen, die in der Erde eingewurzelt zu seyn scheinen, und doch mit ihren Wurzelzasern immer an den Wurzeln gewisser anderer benachbarten Pflanzen ansitzen, und sich durch dieselbe nähren. So z. B. die hydnora africana an der euphorbia mauritanica u. a. S. schwed. Abhandl. XXXIX. B. S. 132. fest - sitzen; da hingegen noch andere, wie die Wasserlinsen (s. §. 3. Anm.) bloß auf dem Wasser schwimmen.

§. 167.

Uebrigens scheint es bey aller dieser Verschieden - heit des Aufenthalts der Gewächse im Grunde doch immer darauf hinaus zu kommen, daß ihnen das Wasser, sey es nun in tropfbar flüssiger Form oder in Dünste aufgelöst, als Vehikel dient, wodurch ih - nen die Kohlensäure zugeführt wird, welche nach In - gen-Housz's Untersuchungen**)s. Voigts neues Magazin. I. B. 2tes St. 1798. S. 101. u. f. wahrscheinlich einen425 Hauptnahrungsstoff der Pflanzen ausmacht. Und so wird begreiflich, wie sich Gewächse, die sonst mit ihren Wurzelzasern in der Erde sitzen, nicht nur, wie Hyacinthenzwiebeln auf bloßem Wasser, oder Kresse auf angefeuchtetem Flanell ziehen lassen: son - dern manche andere, wie das Hauslauch auf den Dächern, und so viele eben so saftvolle Pflanzen der dürresten, heißesten Erdstriche, z. B. die Aga - ven, Aloën, Cactusgattungen ꝛc. auch bloß durch Einsaugung aus der Atmosphäre für lange Zeit hin - längliche Nahrung erhalten können*)So z. B. das Epidendrum flos aëris in Cochinchina. s. Jo. de Loureiro flora Cochinchinens. T. II. p. 525. mirabilis hujus plantae proprietas est, quod ex sylvis domum delata, et in aëre libero suspensa, in multos annos duret, crescat, floreat, et germinet. Vix crederem, nisi diuturna experientia comprobassem..

§. 168.

Die allgemeinsten äußern Nutritions - oder ei - gentlich Ingestions-Organe der Pflanzen, die Wur - zelzasern, treiben bey vielen Gewächsen gleich über der Erde die Blätter aus; bey andern aber treten sie vorher erst in einen Wurzelstrunk und dieser wird dann bey vielen in einen Stamm oder Stängel, Halm (wie man es bey manchen Pflanzen nennt) verlängert, der aber im Grunde meist die gleiche Structur, wie der Wurzelstrunk selbst, behält.

§. 169.

Der Stamm der Bäume und Stauden ist zu äußerst mit einer feinen Oberhaut bedeckt, un - ter welcher die Borke und der Bast (liber) liegt, welcher letztere fast ganz aus den thätigsten Saftge - fäßen besteht, und daher für die Erhaltung der426 Pflanze einer der allerwichtigsten Theile ist. Weiter hinein folgt der Splint (alburnum) und hierauf die eigentlich holzige Substanz, und dann theils zwischen dieser, theils aber auch besonders längs der Mitte des Stammes, das so genannte Mark, wel - ches letztere aber mit zunehmendem Alter an Menge abzunehmen und gleichsam zu schwinden pflegt. Auch wird bey diesen Gewächsen, alljährlich eine oder ei - gentlich zwey neue Holzlagen, und zwar wahr - scheinlich aus dem gedachten Splint erzeugt, daher man bekanntlich aus der Anzahl dieser concentrischen Lagen (pectines) ungefähr das Alter der Stämme schätzen kann.

Anm. Von dieser Einrichtung sind doch die Hölzer der Palmen ausgenommen, als welche keine solche con - centrische Lagen bilden, sondern durchaus gleichförmig dicht, sehr hart und wie mit partiellen Splintröhren durchzogen sind. Eine Bemerkung die auch für die Bestimmung der versteinten Hölzer von Wichtigkeit ist.

§. 170.

Der Stamm theilt sich mehrentheils in Aeste, diese wieder in Zweige, an welchen endlich die Blätter ansitzen, die doch im Grunde aus den gleichen Theilen, wie die Wurzel oder der Stamm, zusammengesetzt sind: indem man auch an ihnen Oberhaut, Rinde, holzige Substanz und markiges Zellgewebe unterscheiden kann. Letzteres liegt in der Mitte des Blattes, zwischen dem (meist doppelten) holzigen Netze, von welchem man durch Einbeitzen u. a. Handgriffe die übrigen Theile absondern und dadurch die so genannten Blätter-Skelette verferti - gen kann. Dieses holzige Netz ist auf beiden Sei - ten des Blattes mit einer besondern Haut überzogen, die man insgemein die Cutikel nennt, die aber noch von dem eigentlichen Oberhäutchen, was endlich427 zu alleräußerst die Blätter überzieht, gar sehr ver - schieden, und vorzüglich mit absorbirenden Gefäßen (§. 166.) durchzogen ist.

§. 171.

Diese Organisation der Blätter wird um so merkwürdiger, je größer und wichtiger die Functio - nen derselben für die damit versehenen Gewächse sind. Sie dienen ihnen nähmlich wohl vorzüglichst zur Unterhaltung des so genannten phlogistischen Prozesses, der bey den Thieren hauptsächlich durchs Einathmen des respirabeln Theils der Luft oder sei - ner Grundlage, des Sauerstoffs, vollzogen, bey den Pflanzen aber wohl hauptsächlich eben durch die Blätter bewirkt wird.

§. 172.

Denn auch den Gewächsen ist dieses respirable Gas oder seine Grundlage zum Lebensunterhalte un - entbehrlich; besonders um (wie es Ingen-Housz's Untersuchungen wahrscheinlich machen) sich dadurch in ihrem belebten Laboratorium ihren Hauptnah - rungsstoff, die Kohlensäure (§. 167.) zu bereiten; wovon sie hernach den Ueberfluß als kohlengesäuertes Gas wieder ausdunsten*)Die wichtigen Folgerungen, die dieser scharfsinnige Na - turforscher daraus für practische Landwirthschaft gezogen. s. in Voigts neuem Magazin a. a. O..

§. 173.

Dieser wichtige Prozeß wird, zumahl in der Dunkelheit, in seiner größten Stärke betrieben. Bey Tage hingegen, und vollends im Sonnenscheine geht er langsamer von Statten; daher die Pflanzen428 alsdann weniger Kohlensäure bereiten und verbrauchen; und dagegen während der Zeit aus ihren Blättern Sauerstoffgas, den respirablen Theil der atmosphä - rischen Luft, entbinden*)J. Ingen-Housz's Experiments upon vegetables. Lond. 1779. 8..

§. 174.

Inzwischen sind doch die Blätter, die so wich - tigen Organe, bey den mehresten Gewächsen der kältern Himmelsstriche, ein vergänglicher Schmuck, womit sie bloß den Sommer hindurch versehen sind, der hingegen mit Annäherung des Winters vertrock - net, welkt und theils abfällt. Daß dieses Ent - blättern hauptsächlich durch den Frost bewirkt werde, der die Gewächse in ihren Winterschlaf ver - senkt, und so wie bey den Thieren den Lauf ihrer Säfte verzögert, die Gefäße zusammen zieht, so daß die Blätter nun an ihrer sonstigen Verrichtung gehindert werden und absterben, wird dadurch wahr - scheinlich, weil die Gewächse der heißen Zonen (bis auf wenige Ausnahmen) diesem Abfallen des Laubes nicht so ausgesetzt sind: und weil auch selbst in den kältern diejenigen Pflanzen, die ein sehr festes harz - reiches Blatt haben, wie z. B. die mehresten Tan - gel - oder Nadelhölzer, der Epheu, die Preußel - oder Mehlbeeren (vaccinium vitis idaea), das Heidekraut, der Buxbaum u. s. w. dasselbe den Winter über grün behalten.

Anm. So wie es aber hinwiederum Thiere gibt, die gerade im Winter am lebhaftesten sind, sich da paa - ren ꝛc. so gibt es auch manche Pflanzen, die dann am stärksten vegetiren, wie die schwarze Nieswurzel, die Zeit - losen, Schneeglöckchen ꝛc.

429

§. 175.

Bey vielen Gewächsen ist es auffallend, wie sich ihre Blätter und bey manchen die Blüthen des Abends zusammen legen oder doch niedersenken, und sich gleichsam zur Ruhe begeben, und fast wie in eine Art von Schlaf fallen; der übrigens nicht etwa bloß von der kühlen Abendluft herrührt, da er im Treibhause eben so gut wie im Freyen erfolgt: auch schwerlich bloß von der Dunkelheit, denn manche Pflanzen schlafen schon im Sommer des Nachmit - tags ein: ja, so wie die animalia nocturna (§. 31.) den Tag zum Schlaf verwenden, so ist dieß auch der Fall mit den Blüthen einiger Pflanzen, z. B. des cactus grandiflorus, mesembryanthemum noctiflorum, der hesperis tristis ꝛc.

§. 176.

Außerdem zeigen auch noch viele Pflanzen ver - schiedene andere Arten von eigenthümlicher Bewe - gung; wohin z. B. meist bey allen ihr Zug nach dem ihnen auf so vielfache Weise so äußerst wohl - thätigen Lichte*)s. Placid. Heinrich's Petersburgische Preisschrift von der Natur und den Eigenschaften des Lichts. 1806. 4. gehört, als welcher Zug bey wei - ten nicht bloß an den Sonnenblumen, sondern fast an allen Gewächsen zu merken ist: zumahl in Treib - häusern, wo sich oft die Blüthen so sehr nach der Hellung an die Glasfenster drängen, als ob sie dawider gepreßt wären**)Ein Beyspiel statt vieler von der Stärke dieses Zugs nach dem Lichte: In einem Keller, in welchem Wurzelwerk über Winter aufbewahrt worden, und der nur oben an einer Seite ein kleines Lichtloch hatte, war beym Ausräumen im Früh - jahr unten in einem entgegengesetzten Winkel eine Kartoffel liegen geblieben, die nun einen Auslaufer getrieben hatte, der erst 20 Fuß weit auf dem Boden hin, dann an der Wand in die Höhe430 und so gerade nach dem Lichtloche fortgerankt war. s. die Memoirs of the American Academy of arts and sciences zu Boston Vol. II. P. I. p. 147.s. auch F. J. Bertuch's Beobachtungen an der India - nischen Kresse im allgem. teutschen Garten-Magaz. 1804. 5 St. S. 226 u. f.. Ferner bewegen sich manche Theile gewisser Gewächse sehr lebhaft, wenn sie berührt werden; wie z. B. die Blätter und Zweige des Fühlkrauts (mimosa pudica), oder der averrhoa carambola, oder die vordern Blatt-Ansätze der Venus-Fliegenfalle (dionaea muscipula), welche, wenn sich auch nur eine Mücke darauf setzt, augen - blicklich zusammenklappen und das Insect zerdrücken.

§. 177.

Besonders merkwürdig ist aber die theils aus - nehmend lebhafte Bewegung, die zur Befruchtungs - zeit an den Geschlechtstheilen in vielen Zwitterblü - then bemerkt wird; da z. B. die Staubfäden der gemeinen Berberis, wenn sie auf ihrer innern Seite (wo sie nach den Fruchtknoten hingerichtet sind) be - rührt werden, (wenn sich z. B. ein Insect auf die Blüthe setzt, um den Honigsaft aus dem Boden derselben zu ziehen) einwärts schnellen und ihre männlichen Staubbeutel gegen die weibliche Narbe treiben, und dadurch ihre Befruchtung bewirken.

§. 178.

So auffallend inzwischen alle diese Bewegungen sind, und so sinnliche Beweise sie von der Thätig - keit der Lebenskräfte in den Gewächsen abgeben, so unterscheiden sie sich doch bey genauer physiolo - gischer Prüfung aufs deutlichste von dem ausschließ - lichen Eigenthume der Thiere, nämlich der will - kürlichen Bewegung, als von welcher auch bey431 den, wegen ihrer Bewegung, berufensten Pflanzen, (wie z. E. beym hedysarum gyrans*)Vergl. davon C. W. Hufeland's kleine medizinische Schriften 1ter B. Taf. 1. fig. 1. 2.) keine echte Spur zu erkennen ist.

Anm. Wenigstens kenne ich kein einziges Thier, das seine Nahrung ohne willkürliche Bewegung, und hin - gegen keine einzige Pflanze, welche die ihrige mittelst der - selben zu sich nähme.

§. 179.

Aus den gedachter Maßen von den Gewächsen eingesogenen und assimilirten Nahrungsstoffen werden nun die ihnen eigenen specifiken Säfte abgeschieden, da z. B. manche einen milchigen, theils ätzenden Saft enthalten; andere Gummi geben; verschiedene Bäume, zumahl unter den Nadelhölzern, im höhern Alter Harz bereiten. Andere Pflanzentheile ent - halten Mehl, Manna, Wachs, fette und ätherische Oehle, Kampher ꝛc. Einige wenige das so genannte Federharz (cahutchuc) u. s. w.**)Zu den allerauffallendsten Producten des Secretionsge - schäfts der Gewächse gehört wohl das längst berühmte, aber erst neuerlich recht untersuchte Tabaschir, eine meist milchblaue, an den Kanten durchscheinende, halbharte, spröde Substanz, die sich zuweilen in einzelnen Absätzen des Bambusrohrs findet, und sowohl im äußern Ansehen, und daß sie im Wasser durch - sichtig wird, als auch sogar in Rücksicht ihrer Bestandtheile, dem mineralischen Hydrophan oder Weltauge ähnelt. s. Dr. Patr. Russel und Jam. L. Macie in den philosoph. Transact. Vol. LXXX. und LXXXI. und Dr. Dav. Brewster in eben diesen Transact. von 1819..

Anm. Hierher gehören auch die specifiken Ausdün - stungen gewisser Pflanzen, wie z. B. die harzigen entzünd - baren des weißen Diptams ꝛc.

§. 180.

Daß aber diese verschiedenen Säfte durch man - cherley Abscheidungen (secretiones) und Verände -432 rungen der eingesogenen Nahrungssäfte in den Ge - wächsen selbst bereitet werden müssen, erhellet schon daraus, weil im gleichen Erdreich und auf dem - selben Gartenbeete die Raute ihre bittern, der Sauer - ampfer seine sauren und der Lattich seine kühlenden Säfte erhält, und weil selbst die Säfte in den ver - schiedenen Theilen ein und eben derselben Pflanze, ja in einer und eben derselben Frucht, dennoch so äußerst verschieden seyn können.

§. 181.

Freylich aber trägt auch allerdings die Verschie - denheit des Bodens*)Der Boden und sein Verhältniß zu den Gewächsen: von G. Fr. W. Crome. Hannov. 1812. 8. und des Climas zur ver - schiedenen Beschaffenheit der Säfte in den Pflanzen vieles bey: daher denn eines Theils manche in frem - den Boden verpflanzte Gewächse so wie in ihrer Bil - dung, so auch in der Beschaffenheit ihrer Säfte verändert werden, dadurch von ihren Kräften ver - lieren ꝛc., andere hingegen eben dadurch noch ge - winnen und veredelt werden.

§. 182.

Ueberhaupt nährt fast jeder Boden seine bestimm - ten, ihn angemessenen Pflanzen**)Fr. Stromeyer historiae vegetabilium geographicae spe - cimen. Goett. 1800. 4.Al. de Humboldt Essai sur la Géographie des plantes. Par. 1807. fol. Ej. Prolegomena de distributione geographica plantarum vor seinen Nova genera et species. , so daß man zuweilen schon aus den einheimischen Gewächsen einer Gegend die Beschaffenheit ihres Bodens errathen kann; doch hat die Vorsehung manchen, für das433 Menschengeschlecht allerwichtigsten Gewächsen den großen Vorzug verliehen, sich entweder leicht an je - des fremde Clima zu gewöhnen, so daß z. B. die schwächlich scheinenden Getreidearten ꝛc. besser als Eichen u. a. noch so robust aussehende Bäume in ganz verschiedenen Himmelsstrichen; die aus Chili abstammenden Kartoffeln nun in allen fünf Welt - theilen fortkommen ꝛc. ; oder wenn sie auch an ein bestimmtes Clima gebunden sind, doch daselbst in jeder Art von Boden gedeihen, wie z. B. die Co - cospalme, die eben so üppig im steinigen und Sand - land als im fetten Erdreich vegetirt.

§. 183.

Anderseits ist aber auch auffallend, daß gewisse Länder (wie z. B. das Cap und Neu-Holland) eine so große Mannigfaltigkeit von recht ausgezeichneten Pflanzen-Geschlechtern ausschließlich hervorbringen, und dagegen ansehnliche Ordnungen von Gewächsen großen Erdstrichen gänzlich abgehen. So hat der heiße Erdgürtel fast keine Kohl - und Rübenarten. So finden sich auf den westindischen Inseln verglei - chungsweise wenige Laub-Moose (musci frondosi) und hingegen desto mannigfaltigere Farnkräuter ꝛc.

§. 184.

Endlich ist auch noch die Verschiedenheit in Rück - sicht der Vegetation der Gewächse anmerkenswerth, die ebenfalls im Thierreich, zumahl bey den In - secten, Statt hat, daß nähmlich manche nur isolirt und einsam leben, da hingegen andere dicht beysam - men bleiben und theils (wie die gemeine Heide) große Erdstriche, oder (wie das Sargasso) weite Meeres - strecken überziehen.

434

§. 185.

Wir kommen zur Fortpflanzung der Ge - wächse, deren mannigfaltige Arten sich im Ganzen doch auf drey Hauptwege zurückbringen lassen. Auf die Fortpflanzung durch Wurzeln oder Zweige; zwey - tens durch Augen; und endlich durch Samen.

§. 186.

Die erste Art der Propagation, nähmlich durch Zweige, von der wir auch schon im Thierreiche bey den Polypen und sonst einige Spuren bemerkt haben, ist im Pflanzenreiche desto gewöhnlicher. Manche Gewächse nähmlich vermehren sich von selbst auf diese Weise. Bey vielen andern hat es die Kunst durch Absenken oder Ablegen nachgeahmt. Es gibt z. B. eine Art Feigenbaum (der Banianbaum, ficus indica) dessen Zweige herab hangen, und wenn sie dann den Boden berühren, von selbst Wurzel schlagen; so daß ein einziger solcher Baum mit der Zeit ein kleines Wäldchen, dessen Stämme oben durch Bogen verbunden sind, vorstellen könnte.

Anm. Einige Meilen von Patna in Bengalen steht ein solcher Banianbaum von 50 bis 60 zusammenhängen - den Stämmen, der auf 370 Fuß im Durchschnitt, und sein Schatten den er Mittags wirft, über 1100 Fuß im Umfang hält.

§. 187.

Anders ist hingegen die zweyte Fortpflanzungs - art, durch Augen. So nennt man nähmlich die kleinen Knöpschen, die im Herbste an den Bäumen, da wo die Blattstiele ansitzen, zum Vorschein kom - men, aber bey den mehresten erst im folgenden Früh - jahr sich öffnen und ausschlagen. Sie finden sich meist nur an den Bäumen der kältern Erdstriche,435 und fallen bey einigen von selbst ab: sollen auch theils, wenn man sie vorsichtig säet, wie ein Same aufkeimen. Man kann bekanntlich diese Augen an - dern Stämmen inoculiren, oder auch das davon ausgeschossene Reis einpfropfen.

§. 188.

Viel Aehnliches mit den Augen haben die Zwie - beln, nur daß die Augen am Stamm der Bäume und also über der Erde, die eigentlich an lilienarti - gen Gewächsen befindlichen Zwiebeln aber unter der Erde unmittelbar an der Wurzel entstehen; bey je - nen der Stamm fortlebt und den Augen Nahrung gibt; bey diesen hingegen das Uebrige der alten Pflanze bis auf Wurzel und Zwiebel im Herbste abstirbt. Eine Fortpflanzungsweise mit welcher hin - wiederum die der Knollengewächse (Kartoffeln ꝛc. ) manche Aehnlichkeit zeigt.

§. 189.

Weit allgemeiner aber, als alle diese Fortpflan - zungswege und beynahe im ganzen Pflanzenreiche verbreitet, ist endlich die dritte Art (§. 185.) mit - telst der Blüthe, die darnach zum Theil zur Frucht, oder auf andere Weise zu Samen reift. Diese nähmlich, sie mag übrigens gestaltet seyn wie sie will, sie mag einzeln stehen, oder mehrere zusammen in einer Traube oder Aehre oder Kätzchen ꝛc. ver - bunden seyn, enthält in ihrer Mitte auf dem so ge - nannten Fruchtboden (receptaculum), verschie - dene ausgezeichnet gebildete Theile, von welchen ei - nige männlich, andere weiblich sind; und diese müs - sen, wenn die Zeit der Fortpflanzung herbey gekom - men ist, von jenen befruchtet werden. In Rück - sicht ihrer Bestimmung und Verrichtung haben also436 diese vegetabilischen Organe viele Aehnlichkeit mit den Zeugungswerkzeugen der Thiere. Doch unterscheiden sie sich schon dagegen sehr auffallend, daß sie den Gewächsen nicht so wie den Thieren angeboren und lebenslang bleibend sind, sondern daß sich zu jeder neuen Zeugung auch jedes Mahl neue Werkzeuge bilden müssen.

Anm. Was oben (§. 136.) gesagt worden, daß man das Leben vieler Insecten durch verzögerte Paarung ver - längern könne, findet gewisser Maßen auch bey den Blü - then vieler Gewächse Statt. Die Geschlechtstheile im weiblichen Hanf z. B. halten sich lange, wenn sie nur von keinem Blumenstaube des männlichen befruchtet werden. Sobald dieß geschehen, welken sie dahin.

§. 190.

Die weiblichen Theile liegen meist in der Mitte; werden der Staubweg (pistillum) ge - nannt, und bestehen aus dem Fruchtknoten (ger - men), dem Griffel (stylus), und der Narbe (stigma). Der Fruchtknoten sitzt entweder mit den übrigen Theilen innerhal der Blumenblätter (germen superum), oder wie bey der Rose, bey den Aepfeln ꝛc. unten außerhalb derselben (germen inferum): und enthält immer die Samenkörner der Pflanze, da - her man diesen Behälter gewisser Maßen mit dem Eyer - stock der Thiere vergleichen kann. Der hohle Griffel sitzt auf diesem Samenbehälter, und bis Narbe endlich zu oberst auf dem Griffel, so daß sie durch den Griffel mit dem Fruchtknoten verbunden ist, und alle drey eine gemeinschaftliche Höhlung ausmachen.

§. 191.

Um diese weiblichen Theile sitzen nun die männ - lichen oder die Staubfäden (stamina) herum: und bestehen aus dem Faden (filamentum), und437 dem darauf ruhenden Staubbeutel (anthera). Dieser letztere ist mit einem mehligen häufigst gel - ben Staube (pollen) überzogen, der aber (wie man unter starker Vergrößerung sieht) eigentlich aus zar - ten Bläschen besteht, die bey vielen Pflanzen eine überaus sonderbare Bildung haben, und ein unend - lich feineres, duftiges Pulver enthalten, welches seiner Bestimmung nach mit dem männlichen Sa - men der Thiere verglichen zu werden pflegt*)Der gelbe Blumenstaub mancher Gewächse wird zuweilen zur Blüthenzeit und zwar zumahl bey Gewitterregen in Menge abgeweht und abgeschwemmt, wo er sich dann besonders auf stehenden Wassern, Gossen ꝛc. zeigt, und wohl ehe zur Sage von vermeintem Schwefelregen Anlaß gegeben..

§. 192.

Bey der Befruchtung fällt jener Blumen - staub auf die weibliche Narbe: scheint da sich zu öffnen, und sein duftiges Pulver zu verschütten, wel - ches dann vermuthlich durch den Griffel in den Fruchtknoten dringt und die daselbst vorräthig lie - genden, bis dahin aber unfruchtbar gewesene Sa - menkörner fecundirt. Wenn man die Blüthe vor der Befruchtungszeit eines dieser wesentlichen Theile beraubt, so wird sie dadurch, so gut als ein ver - schnittenes Thier, unfruchtbar.

§. 193.

Bey den mehresten Gewächsen sind diese beider - ley Geschlechtstheile in der gleichen Blüthe, die folglich zwitterartig ist (§. 20. S. 33.), verbunden. Bey einigen hingegen in verschiedenen Blüthen, wo - von die einen bloß männlichen, die andern weib - lichen Geschlechts, aber doch am gleichen Stamme befindlich sind, getrennt (Monoecia Linn.), wie438 z. B. bey der Haselstaude, Wallnußbaum, Gurken, Brotbaum ꝛc. Andere Gewächse, wie z. B. der Ahorn, die Esche ꝛc. haben gar dreyerley Blüthen, bloß männliche, bloß weibliche, und überdem auch Zwitterblüthen (Polygamia). Bey noch andern aber, wie z. E. bey den Palmen, dem Hanf, Hopfen ꝛc. sind die beiden Geschlechter in den Pflan - zen selbst, so wie bey allen rothblütigen und vielen andern Thieren abgesondert: so daß die eine Pflanze bloß männliche, eine andere aber, die übrigens von dergleichen Art ist, bloß weibliche Blumen trägt: und die Blüthen des weiblichen Stammes nicht anders befruchtet werden, als wenn der Blumen - staub von der männlichen Pflanze durch den Wind oder durch Insecten oder auch durch die Kunst ihnen zugeführt worden ist (Dioecia Linn.)

§. 194.

Unter den übrigen, nicht ganz so allgemeinen, Theilen der Blüthe ist besonders der doch bey den mehresten befindliche Blumen-Kelch (calyx), und die so genannten nectaria, u. a.m. zu merken. Ueberhaupt aber theilt man die Blüthen nach ihrer Bildung und nach der Lage ihrer Theile in regel - mäßige und irreguläre. Bey jenen nähmlich sind die einzelnen Theile derselben Art, z. B. die Blumenblätter ꝛc. von gleicher Gestalt, Größe und Verhältniß; bey diesen hingegen von ungleicher Pro - portion.

§. 195.

Bey den eigentlich so genannten oder Laub - Moosen (musci frondosi etc.) ist, nach Hedwig's Entdeckungen die Aehnlichkeit der Befruchtungswerk - zeuge mit denen bey andern Gewächsen weit größer,439 als man vorher geglaubt hatte. Das saubere, fast becherförmige Köpfchen (capitulum) derselben, ent - hält gleichsam als Fruchtknote (§. 190.) die Samen - körnchen; die mittelst des kleinen spitzigen Hutes (ca - lyptra), der die Stelle des Griffels und der Narbe vertritt, von dem männlichen Blumenstaube beson - derer, theils rosen - oder sternförmiger Theile be - fruchtet, und nachher ausgeschüttet werden.

§. 196.

Von denjenigen einfachern Aftermoosen hin - gegen, die bloß im Wasser leben, wie bey den Tre - mellen, Ulven, Conserven, und beym See-Tang (fucus) ist die Fortpflanzungsart wohl sehr verschie - den, obschon bey den wenigsten noch genau genug untersucht; bey manchen aber, wie z. B. bey der oben erwähnten Brunnen-Conserve ( s. oben S. 16. und 27. ), zur Bewunderung einfach. ( Ab - bild. n. h. Gegenst. tab. 49. )

§. 197.

Noch weniger aufgeklärt ist bis jetzt die Fort - pflanzungsweise der Pilze, Pfifferlinge, der Trüf - feln ꝛc. und des Schimmels, deren ganze Natur - geschichte annoch viel räthselhaftes Dunkles hat*)Dr. Persoon ist geneigt, dieselben für Pflanzen zu halten, die sich bloß als nackte Fructificationstheile darstellen. S. Voigts Magaz. VIII. B. 4. St. S. 80 u. f..

§. 198.

Bey den vollkommenen, im eigentlichen Sinne blühenden Gewächsen fallen nach der Befruchtung die übrigen nun überflüssigen, Theile der Blüthe ab (§. 189.): der beschwängerte Fruchtknote aber fängt440 an aufzuschwellen, und seinen theils erstaunlich zahl - reichen Samen nach und nach zur Reise zu bringen*)L. Cl. Richard Analyse der Frucht - und des Samen - korns, übers. mit Zusätzen des Verf. ꝛc. von F. S. Voigt. Leipz. 1811. 8..

§. 199.

Die Bildung sowohl der verschiedenen Samen - körner selbst**)Jos. Gaertner de fructibus et seminibus plantarum. Stutg. 1788-91. II. vol. 4. und vol. III. s. t. C. Fr. Gaertner carpologia. Lips. 1805. 4., als auch der Gehäuse, worin sie eingeschlossen sind, ist eben so mannigfaltig als der Blüthen ihre, und in Rücksicht auf ihre weite Ver - breitung†)s. Rösels Insecten-Belustigungen II. B. Vorrede zu den Wasser-Insecten der zweyten Classe. und auf ihr weiteres Bekleiben ꝛc. der Erhaltung der Gattungen aufs weiseste angemessen. Auch ist der bekannte Trieb merkwürdig, womit die Samen bey jeder Lage, die sie im Boden erhalten, dennoch, wenn sie aufkeimen, alle Mahl die ersten Wurzelzäserchen oder das so genannte Schnäbelchen (rostellum) unter sich, und hingegen den Blattkeim (plumula) über sich treiben††)s. merkwürdige Versuche hierüber bey Jo. Hunter on the blood, inflammation, and gun-shot wounds. pag. 237.. Zur allerersten Er - nährung des neuen Pflänzchens dienen ihm dann die bey den mehresten Gewächsen doppelten Samenlappen oder Kernstücke (cotyledones), die vorher die Hauptmasse des Samenkerns ausmachten.

§. 200.

Viele Samen sind in eine holzartige, aber theils noch weit härtere Schale eingeschlossen, die, wenn sie von beträchtlicher Größe und Härte ist, eine Nuß genannt wird: und wenn die bloßen Samen -441 körner unmittelbar mit einem saftreichen Zellgewebe oder so genannten Fleische überzogen sind, so heißt dieß eine Beere ( sey sie übrigens noch so groß und an einem großen Baume, wie z. B. die Brot - frucht ). Zuweilen liegen auch die bloßen Sa - menkörner von außen auf dem großgewachsenen flei - schigen Fruchtboden auf, wie bey den Erdbeeren, die folglich nach der Kunstsprache nicht sollten Beeren genannt werden.

§. 201.

Besonders machen die Obstbäume eine eigene und sehr ansehnliche Familie von Gewächsen aus, deren Frucht entweder, wie bey den Birnen, Aepfeln und Quitten, ein Kernhaus oder Kröbs einschließt, die dann Kernfrüchte (und die Bäume dieser gan - zen Ordnung pomaceae) heißen; oder aber, wie bey den Pflaumen, Kirschen, Abrikosen und Pfirschen, eine Nuß enthält, die dann Steinfrüchte (die Bäume drupaceae) genannt werden.

§. 202.

Die Ursachen der Degeneration (§. 15. 16. ) schei - nen bey den Gewächsen leichter als bey den Thieren auf den Bildungstrieb wirken, und ihm eine abwei - chende veränderliche Richtung geben zu können*)s. Dav. Hopkirk on the anomalies in the vegetable king - dom. Glasg. 1817. 8.: daher viele theils in ihrer ganzen Bildung, beson - ders aber in Rücksicht der Blüthe und der Frucht in so zahlreiche Spielarten ausgeartet sind. So zählt man z. B. jetzt auf drey tausend Varietäten von Tuli - panen, wovon doch vor dritthalbhundert Jahren bloß die gelbe Stammart in Europa bekannt war.

442

So ist der Stängel (§. 168.) bey manchen Pflanzen bloß Folge der Degeneration, den sie erst im culti - virten Zustande treiben, da sie hingegen im wilden Naturzustande acaules sind (z. B. carlina acaulis u. a.m.). Anderseits verlieren manche Gewächse durch die Cultur gewisse Theile, die sie im Natur - zustande hatten. So wird z. B. die indische wilde Lawsonia spinosa in Syrien durch die Cultur inermis Ueberhaupt sind auch die Gewächse manchen Arten von Degeneration ausgesetzt, die bey den Thieren gar nicht Statt haben können, wie z. B. die Ausartung der männlichen Befruchtungs - theile in den gefüllten Blumen u. dergl. m.

§. 203.

Vorzüglich merkwürdig ist die Abartung der Ge - wächse durch Bastardzeugung (§. 14.), wor - über bekanntlich Kölreuter die scharfsinnigsten Ver - suche angestellt, und sogar durch wiederhohlte Erzeu - gung fruchtbarer Bastardpflanzen, die Eine Gattung von Tobak (nicotiana rustica) endlich vollkommen in eine andere (nicotiana paniculata) verwandelt und umgeschaffen hat*)Dritte Fortsetzung der vorläufigen Nachricht. S. 51 u. f.: welches sich freylich mit der Lehre von vermeinten präformirten Keimen schlech - terdings nicht, aber wo ich nicht irre, ganz wohl mit der vom Bildungstriebe (§. 9.) reimen läßt.

Anm. So können auch durch Zufall Bastardpflanzen in Gärten entstehen; wenn zwey verschiedene, aber doch verwandte Gattungen zur Blühezeit nahe beysammen waren.

§. 204.

Auch die Mißgeburten (§. 12.) sind im Ge - wächsreiche ungleich zahlreicher, als unter den Thie -443 ren und zwar bekanntlich bey den cultivirten Gewäch - sen ohne Vergleich häufiger als bey den wildwach - senden. ( s. oben §. 12. Anm. ). Es ist kein Theil der Pflanze, an welchem man nicht zuweilen, an einigen aber sehr häufig, Monstrositäten be - merkte*)G. Fr. Jäger über die Mißbildungen der Gewächse. Stuttg. 1814. 8. mit Kupf.. Am meisten sind es überzählige, wu - chernde Theile (monstra per excessum S. 19.); doppelte an einander gewachsene Stämme, doppelte oder vielfache Früchte ꝛc. vielfache Kornähren; Ro - sen, aus deren Mitte andere kleine Rosen hervor - schießen u. s. w.

§. 205.

Das Alter der Gewächse ist so verschieden, daß es sich bey manchen kaum über eine Stunde, und bey andern hingegen auf lange Jahrhunderte erstreckt**)s. Hufeland's Makrobiotik. 1. Th. S. 58 u. f. der drit - ten Aufl.. Ueberhaupt aber theilt man die Pflan - zen in perennirende und Sommergewächse, welche letztere nähmlich schon mit dem Ende ihres ersten Sommers absterben.

Anm. Auch von dem Wiederaufleben nach einem lan - gen Vertrocknen, das im Thierreich vom Räderthier (S. 357. 419. ) und vom Kleisteraal behauptet worden, fin - den sich unter den Gewächsen ähnliche Beyspiele: besonders an der deßhalb längst berufenen Himmelsblume oder Stern - schnuppe (tremella nostoc). Ich habe von dieser merk - würdigen Erscheinung in der Abhandl. de vi vitali san - guini deneganda ꝛc. Gotting. 1795. 4. pag. 8. gehandelt.

§. 206.

Vom Nutzen des Gewächsreichs gestattet der Raum hier nur etwas Weniges kurz zu erwähnen.

444

Der unermeßlich große Einfluß ist schon oben (§. 172 u. f.) berührt, den die Pflanzen durch ihren phlogistischen Prozeß auf die atmosphärische Luft äußern, indem sie derselben einerseits das aus dem Thierreich unablässig zufließende irrespirable kohlen - saure Gas eben so unaufhörlich wieder entziehen und zu ihrer Selbsterhaltung verwenden; und ander - seits derselben durch ihre Blätter in der Hellung Sauerstoffgas liefern.

§. 207.

Für gewisse Weltgegenden, besonders für niedere Inseln der heißen Zonen, wird die Vegetation, zu - mahl der Waldungen, dadurch von wohlthätigster Wichtigkeit, daß durch dieselben die Regenwolken angezogen und der Boden gewässert wird*)s. J. R. Forsters Stoff zur künstigen Entwerfung einer Theorie der Erde S. 14. vergl. mit dem voyage de la - rouse autour du monde. vol. II. p.81..

§. 208.

Die mancherley Futterkräuter (und theils auch Wurzeln, Früchte ꝛc. ) dienen zur Nahrung der dem Menschen wichtigsten, eigentlich so genannten Hausthiere; und der beiden nützlichen Insecten-Gat - tungen die er sich zieht, der Bienen nähmlich und der Seidenwürmer.

§. 209.

Was aber die unmittelbare Benutzung der Gewächse für den Menschen selbst betrifft, so gibt es erstens einige derselben, mit welchen ganze Na - tionen die mannigfaltigen Bedürfnisse des Lebens fast eben so zu befriedigen im Stande sind, als andere445 mit gewissen Säugethieren (den Seehunden, dem Renthier ꝛc.). Von der Art ist z. B die Cocos - palme, zumahl für die malayische Menschen-Rasse ( S. 57. ) und gewisser Maßen auch die Dat - tel-Palme für manche Völker von der caucasischen, so wie die gemeine Birke für manche von der mon - golischen ( S. 56. ).

§. 210.

Zu den vegetabilischen Nahrungsmitteln des Menschengeschlechts gehören zuvörderst die so - gleich ohne weitere Bereitung genießbaren mancher - ley Früchte. Zumahl in den heißen Erdstrichen die Feigen, die Datteln (von phoenix dactylifera); und die verschiedenen Gattungen Pisang (zumahl die Plantanen von musa paradisiaca und die Bananes oder Bacoves von der musa sapientum). Für die malayische Menschen-Rasse die Brotfrucht [von ar - tocarpus incisa*)Dieser so wichtige Baum ist seit a.1792. durch den be - rühmten Seefahrer, Cptn. Bligh, glücklich nach den westindischen Inseln verpflanzt worden. Von seinem trefflichen Gedeihen daselbst habe ich in Voigts neuem Magazin I. B. 2. St. S. 110. u. f. einige Nachricht gegeben.], die nur bloß vorher geschält und geröstet zu werden braucht. In Hindostan, Ceilon ꝛc. die Jacca, ebenfalls eine Art Brotfrucht von artocarpus integrifolia.

So die vielen andern Gattungen von Beeren (denn die Brotfrucht ist nach dem obigen Begriff auch eine Beere), die ebenfalls für manche Völker (wie z. B. für die Lappen) eins der wichtigsten Nah - rungsmittel abgeben.

Desgleichen die Castanien, Cocosnüsse ꝛc.

446

§. 211.

Ferner die schon einige Zubereitung erfordernden Wurzeln, Rüben, Möhren, Kartoffeln, Erdäpfel (helianthus tuberosus); in beiden Indien die Ba - taten (convolvulus batatas); im wärmern Ame - rica die Yams-Wurzeln (dioscorea alata, sativa ꝛc. ), Caßawi-Wurzel (jatropha manihot) und dergl. m.; so mancherley Hülsenfrüchte und Gemüse.

Dann die sich nirgend mehr ursprünglich wild findenden, eigentlichen Getreidearten, nebst dem Mais (zea mays); Buchwaizen oder Heidekorn (po - lygonum fagopyrum); Reis (oryza sativa und montana), zumahl für die Morgenländer; so wie Moorhirse (holcus sorghum, Engl. Barbadoes millet) besonders für viele africanische Völkerschaf - ten und für die Schinesen ꝛc. ; das Teff (poa abys - sinica) für die Habessinier ꝛc.

So auch die berühmten Lotus-Beeren (von rhamnus lotus) der Lotophagen*)Noch jetzt bereiten sich die Neger im Innern von Africa eine schmackhafte Art von Pfefferkuchen und ein sehr beliebtes Getränk daraus. s. Mungo Park's Travels in the interior Districts of Africa. Lond. 1799. 4. p. 100. tab. 1..

Und einige andere besondere Pflanzen - theile, die von manchen Völkern als gewöhnliches Nahrungsmittel verspeißt werden, wie das Sagu - mark (von cycas circinalis etc.); das Senegal - Gummi (von mimosa senegal) u. s. w.

§. 212.

Hierzu die mancherley Arten von Gewürzen. Auch der Zucker; der eigentliche nähmlich aus dem Zuckerrohr; außerdem aber auch aus manchen andern447 Gewächsen, z. B. aus der Runkelrübe u. a.m. So in Nord-America aus acer saccharinum (der Maplezucker); auf Sumatra ꝛc. aus der Anu-Palme; auf Island aus dem fucus saccharinus; in Kamt - schatka aus dem heracleum sibiricum u. s. w.

Dann ebenfalls als Zusatz zu den Speisen, Oehl, Essig ꝛc.

Die vortreffliche Butter (shea toulou) aus dem Butterbaume im Innern von Africa*)s. Mungo Park a. a. O. S. 224 u. 352. tab. V..

Betel (piper betle) zum Kauen, Tobak zum Schnupfen.

§. 213.

Als Getränk erst die natürliche Pflanzenmilch in der unreifen Cocosnuß, und die mancherley Biere, (unter andern das Spruce - Bier aus der pinus ca - nadensis ꝛc.)

Dann die verschiedenen weinigen Getränke: der Rebensaft; der Palmwein von der weiblichen Wein - palme (borassus flabellifer) oder auch von der weiblichen Cocospalme. Andere berauschende Ge - tränke, Brantwein, Arak, Rum, Kirschwasser ꝛc. ꝛc.

Die gegohrenen Getränke aus gekauten Wurzeln, wie z. B. bey den Brasilianern ꝛc. aus ihrem Caßa - wi-Brot; bey den Insulanern der Südsee aus piper latifolium etc.

Auch zu gleichem Zweck Opium.

Und der Rauchtobak; und der auf gleiche Weise genossene Hanf ꝛc.

Endlich unsere dreyerley warmen Getränke. Und dann in Süd-America der Paraguay-Thee448 (von einigen Gattungen des Cassine-Geschlechts), und bey den Mongolen der schinesische Ziegel-Thee (von vogelkirschähnlichen Blättern eines noch nicht genau bestimmten wilden Strauchs).

§. 214.

Zur Kleidung vorzüglich Baumwolle (die wol - lichten Fäden womit die Samenhaut in den Frucht - capseln bewachsen ist) von den verschiedenen Gattun - gen gossypium und bombax; die zu Leinewand präparirten Saftgefäße des Flachses, Hanfs, meh - rerer Gattungen von Nesseln ꝛc. Der treffliche neu - seeländische Seidenflachs vom phormium tenax; die südländischen Zeuge vom Baste der Broussonetia papyrifera und des Brotbaums ꝛc.

§. 215.

Zur Feuerung außer dem vielerley gemeinen Brennholze in manchen Gegenden besondere Arten; wie z. B. auf den Alpen rhododendron ferrugi - neum, auf den Heiden erica vulgaris etc.

Der Torf (großentheils von conferua rivula - ris, sphagnum palustre, carex caespitosa, my - riophyllum spicatum etc.).

Kohlen, Zunder, Lunten ꝛc.

§. 216.

Zum Bau der Häuser und Schiffe das man - cherley Bauholz (in Ostindien auch bambos arun - dinacea).

Zum Dachdecken und vielfachen andern Ge - bräuch, Schilf, Stroh, bey den Südsee-Insu - lanern die Palmetto-Blätter (von pandanus tec - torius).

449

Vielerley Gesträuche zu Befriedigungen, Hecken, Lauben, Hütten ꝛc.

Zur Verwahrung der Dämme gegen Pfahl - würmer ꝛc., das Seewier (zostera marina).

Das nähmliche auch zum Auspolstern der Küssen.

§. 217.

Zu dem mannigfaltigsten Gebrauche für Künst - ler und Handwerker alle das verschiedene Nutz - holz*)Und hierzu auch namentlich für die Küstenbewohner der Nordischen Polarländer das wundersame Treibholz (von Pap - peln, Lärchen ꝛc. ) ohne welches jene Eisgegenden, wo kein Baum wächst, ganz unbewohnbar bleiben müßten. für Tischler, Ebenisten, Wagner, Drechs - ler, Faßbinder ꝛc. So auch die mancherley Rohre**)Von der vielartigen Benutzung des Bambusrohres bey den Schinesen s. van Braam voyage de l'Ambassade ꝛc. Philad. 1797. 4. T. I. p. 314. sq.. Beides auch bey vielen Völkern zu ihren Waffen (so z. B. das schöne Holz des Keu - lenbaumes, casuarina equisetifolia, zu den kunst - reichen Lanzen u. a. Gewehren der Südsee-Insu - laner).

Cocosnußschalen, Calabassen-Kürbisse (von der crescentia cujete) und mehr dergleichen zu Trink - geschirren.

Rohre, Weiden, Bast der Cocosnuß und dergl. zum Korbflechten ꝛc. Kork ꝛc.

Mancherley vegetabilische Substanzen zur Fär - berey (wie zu Einem Beyspiel statt aller der In - dig ), zum Gärben, Waschen ꝛc. andere zu Packpapier, Pappen, Papiertapeten und dergl.

Gummi zu so vielfachem Gebrauch.

Harz, Pech, Theer, Kienruß ꝛc.

450

Wachs (von myrica cerifera ꝛc.)

Talg (z. B. vom croton sebiferum).

Oehle, Firnisse ꝛc. (der allerköstlichste Japa - nische Lack-Firniß von demjenigen rhus vernix wel - cher bey Jassino gezogen wird.)

Sode und Pottasche.

§. 218.

Auch die mehresten Schreibmaterialien sind aus dem Gewächsreich genommen. Schreibrohr, Papier - schilf (cyperus papyrus), malabarische Oltjes von Palmblättern der Weinpalme ꝛc.

§. 219.

Endlich gehören auch die so zahlreichen und so wohlthätigen Arzneykräuter hierher, deren Kennt - niß die ganze Arzneywissenschaft der ältesten und vie - ler jetzigen Völker des Erdbodens ausmacht.

§. 220.

Schädlich sind dagegen hauptsächlich alles Un - kraut im weitläuftigsten Sinne ( also z. B. mit Einschluß der verwüstenden Holzschwämme, meru - lius destruens und vastator etc. so wie der mi - kroskopischen Schwämme uredo segetum etc. welche den Brand, und Krebs und Rost am Getreide ver - ursachen und dergl. m. ) und die giftigen Gewächse.

§. 221.

Unter den zahlreichen Pflanzensystemen, die man seit Cäsalpins Zeiten zu entwerfen versucht hat, sind neuerlich zumahl das Linnéische Sexual - system und das Jussieusche am allgemeinsten adoptirt und befolgt worden. Jenes ist bekanntlich451 den oben angezeigten Befruchtungswerkzeugen, nach deren verschiedener Anzahl und Verhältniß ange - paßt. Das Jussieusche hingegen gründet sich zuförderst auf den Mangel oder Daseyn und Be - schaffenheit der Samenlappen, dann auf die respec - tive Stellung der Staubfäden, und auf den Mangel oder Daseyn und Form der Blumenkrone.

Nur einige wenige botanische Schriften als Hülfsmittel.

Zur Terminologie.

  1. C. à Linné termini botanici explicati 1762. Lips. 1767. 8. (auch im VI. B. der Linnéischen amoenitat. academicar.)
  2. Theod. Leonh. Oskamp tabulae plantarum terminologicae ꝛc. Lugd. Bat. 1793. Fol.
  3. Fr. S. Voigt Handwörterbuch der botanischen Kunstsprache. 2te Aufl. Jena 1824. 8.

Anfangsgründe und Systemkunde.

  1. C. à Linné philosophia botanica. Holm. 1751. 8.
  2. Ej. genera plantarum. ib. 1764. 8.
  3. Ej. species plantarum. ib. 1762. II. vol. 8.
  4. Ej. systema vegetabilium. ed. XV. curante C. H. Persoon. Gotting. 1797. 8.
  5. Synopsis plantarum s. Enchiridium botanicum, cur. C. H. Per - soon. Par. 1805 sq. II. vol. 12.
  6. J. Miller's illustration of the sexual system of Linnaeus. Lond. 1775. II. vol. Fol. und 1799. 8.
  7. Sal. Schinz erster Grundriß der Kräuterwissenschaft. Zürich 1775. Fol.
  8. Nic. Jos. von Jacquin Anleitung zur Pflanzenkenntniß nach Linné's Methode. Wien 1800. 8.
  9. G.. Ad. Suckow Anfangsgründe der theoretischen und ange - wandten Botanik. 2te Auflage. Leipz. 1797. II. Th. 8.
  10. Aug. Joh. G.. C. Batsch Versuch einer Anleitung zur Kennt - niß und Geschichte der Pflanzen. Halle 1787. II. Th. 8.
  11. C. L. Willdenow Grundriß der Kräuterkunde. 3te Aufl. Ber - lin 1802. 8.
  12. J. E. Smith's introduction to the study of botany ed. 4. Lond. 1819. 8.
  13. 452
  14. Fr. S. Voigt System der Botanik. Jena 1808. 8.
  15. K. Sprengel Anleitung zur Kenntniß der Gewächse. Halle, 2te Ausg. 1817. II. Th. 8.
  16. J. B. Wilbrand Handbuch der Botanik nach Linné's System. Gießen 1819. 8.
  17. C. G.. Nees von Esenbeck Handbuch der Botanik. Nürnb. 1820. II. Th. 8.
  18. G.. W. F. Wenderoth Lehrbuch der Botanik. Marb. 1821. 8.
  19. E. P. Ventenat tableau du regne végétal selon la methode de de Jussieu. Par. 1799. IV. vol. 8.
  20. Darstellung des natürlichen Pflanzensystems von Jussieu, nach seinen neuesten Verbesserungen, in Tabellen. Herausgegeben von Fr. S. Voigt. Leipz. 1806. Fol.

Besonders zur Kenntniß unserer einheimischen Gewächse.

  1. Alb. v. Haller historia stirpium Helvetiae indigenarum. Bern. 1768. III. vol. Fol.
  2. G.. Chr. Oeder icones florae Danicae. Havn. 1761 sq. Fol.
  3. Alb. W. Roth tentamen florae Germanicae. Lips. 1788 sq. III vol. 8.
  4. Chr. Schkuhr botanisches Handbuch. Wittenb. seit 1791. 8.
  5. Deutschlands Flora oder botanisches Taschenbuch von G.. Fr. Hoffmann. Erlangen seit 1791. 12.
  6. H. Ad. Schrader Flora Germanica. T. I. Gotting. 1806. 8. mit Kupf.

Zur Physiologie der Gewächse.

  1. Nehem. Grew's anatomy of plants. Lond. 1682. Fol.
  2. Marcell. Malpighii anatome plantarum. ib. 1686. Fol.
  3. Steph. Hales's vegetable statiks. ib. 1738. 8.
  4. Du Hamel physique des arbres. Par. 1778. II. vol. 4.
  5. Joh. Ingen-Housz Versuche mit Pflanzen; übers. von Joh. Andr. Scherer. Wien 1786-1790. III. Th. 8.
  6. Theod. v. Saussüre chemische Untersuchungen über die Ve - getation, übers. mit einem Anhange und Zusätzen von Fr. S. Voigt. Lpz. 1805. 8. mit Kupf.
  7. Fr. Alexand. v. Humboldt Aphorismen aus der chemischen Physiologie der Pflanzen. Leipzig 1794. 8.
  8. C. Gottl. Rafn Entwurf einer Pflanzenphysiologie. Aus dem Dänischen. Kopenh. 1798. 8.
  9. 453
  10. J. Senebier physiologie végétale. Genev. 1800. V. vol. 8.
  11. C. F. Brisseau-Mirbel Traité d'anatomie et de physiologie végétales. Par. 1802. II. vol. 8.
  12. J. v. Uslar Fragmente neuerer Pflanzenkunde. Braunschweig 1794. 8.
  13. Fr. Cas. Medicus kritische Bemerkungen über Gegenstände aus dem Pflanzenreiche. Mannheim seit 1793. 8.
  14. Dess. Beyträge zur Pflanzen-Anatomie und Physiologie. Leipz. seit 1799. VII. Hefte. 8.
  15. Dess. Pflanzenphysiologische Abhandlungen. Leipz seit 1803. 12.
  16. K. Sprengel von dem Bau und der Natur der Gewächse. Halle 1812. 8.
  17. H. Fr. Link kritische Bemerkungen zu K. Sprengel's Werk. Ebendas. 1812. 8.
  18. D. G.. Kieser Grundzüge der Anatomie der Pflanzen. Jena. 1815. 8.
  19. Joh. Hedwig Sammlung seiner zerstreuten Abhandlungen und Beobachtungen ꝛc. Leipz. 1793. und 1797. II. Th. 8.
454

Eilfter Abschnitt. Von den Mineralien überhaupt.

§. 222.

Mineralien oder Fossilien sind die unorgani - schen Naturkörper (§. 2. 4. ), die nähmlich nach den bloß-physischen und chemischen Gesetzen, auf und in der Erde gebildet werden.

§. 223.

Außer einigen wenigen tropfbar flüssigen Mine - ralien, wie Quecksilber und Erdöhl, sind die übrigen fest; aber doch sämmtlich erst im flüssigen Zu - stande gewesen.

§. 224.

Denn es ist erweislich, daß wenigstens die jetzige feste Felsenrinde unsers Planeten, so tief wir sie kennen (und das ist freylich noch nicht 1 / 6000 des Halbdurchmessers der Erde), anfangs selbst flüssig gewesen seyn muß*)Ueber diese zum philosophischen Studium der Mine - ralogie unentbehrliche geogenische Prämissen, s. J. A. de Lüc Lettres sur l'histoire physique de la terre, Par. 1798. 8., die in Voigts Magazin (VIII. und folg. B) aus der französischen Handschrift übersetzt sind, und Hofr. Mayer's Lehrbuch über die physische Astronomie, Theorie der Erde ꝛc. Götting. 1805. 8..

§. 225.

Und mehr als bloß wahrscheinlich ist es, daß jenes Primordialfluidum auch als Universalsolution455 die Stoffe der nachher daraus niedergeschlagenen Fos - silien in sich aufgelöst enthalten hat.

§. 226.

Durch die successiven Niederschläge und an - dere chemische Processe, die dann allgemach in jenem Fluidum erfolgt sind, haben folglich die verschiede - nen Arten von Gebirgs - und Erdlagern ihre Ent - stehung erhalten, die sich im Ganzen aus chrono - logischer Rücksicht unter zwey Hauptabthei - lungen bringen lassen: nähmlich

A) die primitiven, so vor der organisirten Schöpfung gebildet worden: und

B) die secundären, so erst seit der Zeit, da Thiere und Pflanzen existirt, entstanden sind.

Jede von beiden zerfällt wieder in zwey Classen:

Die der primitiven nähmlich in

a) die Granitgebirge; und in

b) die Ganggebirge.

Die der secundären aber in

c) die Flözgebirge; und in

d) die aufgeschwemmten Erdlager.

Von jeder dieser vier Classen ein Wort insbe - sondere.

§. 227.

Der erste große und allgemeine Niederschlag, von welchem wir die unverkennbarsten Spuren finden, gab wohl dem echten Granit seine Entstehung; als welcher nur die selbstständige, uranfängliche, feste Rinde unsers Planeten auszumachen, und den später gebildeten Gebirgen und Erdschichten gleichsam zur Unterlage zu dienen scheint; zwischen welchen er auch456 hin und wieder, zumahl in den größten und höchsten Gebirgsketten zu Tage hervorragt.

Deßhalb werden denn die Granitgebirge auch in der Geologie Urgebirge oder Grundgebirge genannt.

§. 228.

Die zunächst auf jenen ersten Niederschlag ab - gesetzten Arten von Gebirgslagern, mußten, so wie das Mischungsverhältniß im Primordialfluidum (§. 224.) durch die jedesmahligen Präcipitationen verändert ward, sowohl von dem Granit der Ur - gebirge, als unter einander selbst, verschieden aus - fallen. Diese Gebirgsarten der zweyten Classe sind größtentheils von schieferigem Gefüge (wie z. B. der Gneis, Glimmerschiefer, Thonschiefer ꝛc. ), und in mächtigen Lagen stratificirt; welche Lagen sich überdem mehrentheils durch eine sehr abhängende, gestürzte Richtung auszeichnen.

In diesen, an die Urgebirge gleichsam angelehn - ten Lagen, zeigen sich auch häufig ehemahlige Risse und Spalten, die allgemach mit fremdartigen Ge - stein späterer Entstehung (das sich nach der Hand darin abgesetzt) wiederum mehr oder weniger ausge - füllt worden*)A. G.. Werner's neue Theorie von der Entstehung der Gänge. Freyberg 1791. 8.. Und in eben diesen spätern Aus - füllungen oder so genannten Gängen (Fr. filons, Engl. veins) hat sich auch das allermehrste Erz er - zeugt, daher sie den wichtigsten Hauptgegenstand des praktischen Bergbaues ausmachen.

Von ihnen haben auch diese Gebirge der zweyten Classe selbst den Namen, Gang-Gebirge (Fr.,457 montagnes à filons), weil sich in ihnen, zwar nicht ausschließlich, aber doch die mehresten und er - giebigsten Erzgänge finden.

§. 229.

Durch diese beiden Classen von primitiven Gebirgen ist, wie gesagt, die feste Rinde unsers Planeten gebildet worden, ehe er durch Vegeta - tion belebt und mit thierischer Schöpfung beseelt worden. Denn in keiner von beiden findet sich ir - gend eine Spur von versteinten, vormahls organi - schen Körpern.

Anders verhält es sich hingegen mit den beiden übrigen Classen der secundären Gebirge und Erdlager.

§. 230.

Die Flözgebirge (Fr. montagnes à couches) nähmlich sind zwar mehrentheils auch stratificirt, aber meist in flächeren Lagen, als die Ganggebirge, und von mehr abwechselnder Mannigfaltigkeit der Bestandtheile. Auch machen sie insgemein*)Insgemein: denn hin und wieder finden sich auch Ge - birge dieser dritten Classe (wie z. B. selbst in Europa auf den Pyrenäen und manchen savoyischen und Schweizer-Alpen) weit über 1000 Klaster hoch über der Meeresfläche; und anderer Seite weit niedrigere Urgebirge, wie z. B. unser Brocken auf dem Harze, dessen oberste Fläche nur 573 Klaster über des Meeres sei - ner erhaben ist. nur die niedern Bergrücken, gleichsam die Vorgebirge aus. Besonders aber unterscheiden sie sich dadurch von den Primordial-Gebirgen der vorigen beiden Classen, daß sie großentheils von versteinten Resten organisirter Körper gleichsam wimmeln. Die mehre - sten dieser Petrefacten sind so genannte Incognita,458 zu welchen sich nähmlich in der jetzigen organisirten Schöpfung keine Originale mehr finden; so z. B. die Belemniten, ein Paar hundert verschiedene Gat - tungen von Ammoniten u. s. w. Diese Incognita sind aber, wie alle Analogie lehrt, größtentheils See - geschöpfe gewesen, und sie finden sich jetzt in diesen Gebirgslagen meist in ruhiger, ungestörter Lage (die Conchyliolithen gleichsam wie in ihrer Austerbank, die Coralliolithen wie in einem Corallenrief ꝛc. ), so daß man aus allem diesen schließen muß, unser jetzi - ges festes Land sey einst der Meeresboden der Vor - welt gewesen, und durch gewaltsame plötzliche Revo - lutionen aufs Trockene versetzt worden.

Die gedachter Maßen in diesen Gebirgen man - nigfaltig abwechselnden Lagen werden von den deut - schen Bergleuten Flöze genannt, und daher hat diese Classe von Gebirgen selbst ihren Namen erhalten.

§. 231.

Von diesen drey Hauptclassen von eigentlichen Gebirgen, die sämmtlich, aber in sehr verschie - denen Zeiträumen, durch Niederschlag aus dem Wasser gebildet worden, und zusammen die feste Rinde unseres Planeten ausmachen, unterscheidet man nun viertens auch die so genannten aufge - schwemmten Erdlager (Fr. montagnes et ter - reins de transport, couches meubles), die sich hin und wieder, zumahl im niedern Lande, aber theils in mächtigen Schichten und weit verbreiteten Strecken finden. Es gehören dahin z. B. die so ge - nannten Seiffenbänke und Schuttgebirge, die Lager von Sand, Raseneisenstein, Lehm, Mergeltuff ꝛc., welche letztere gar häufig auch calcinirte und doch theils zum Bewundern gut erhaltene Reste von See -459 conchylien, und zwar an manchen Orten in unüber - sehlicher Menge*)So z. B. in der Falüniere in Touraine; einer Lager sol - cher calcinirten Seeconchylien, das nach Reaumür's Berech - nung auf 130 Millionen Cubic-Klastern halten soll. enthalten.

§. 232.

Außer diesen vier Hauptclassen von Gebirgen und Erdlagern, die sämmtlich durch Niederschlag aus dem Wasser, oder wie man zu sagen pflegt, auf dem nassen Wege entstanden sind, zeigen sich aber auch fünftens hin und wieder theils ganze Berge, theils flache Fossilien-Lager, die, seit sie auf jene Weise entstanden waren, nun durch Einwirkung unterirdischen Feuers, oder wie man es zu nennen pflegt, auf dem trockenen Wege, große Verände - rung erlitten, gleichsam umgewandelt worden, und dadurch ihren jetzigen Habitus erhalten haben.

Die Berge jener Art heißen bekanntlich Vulcane.

Die flachen Lagen aber nennt man durch Erd - brände verschlacktes Land, und die ihm eige - nen Fossilien (zum Unterschied von denen der wirk - lich feuerspeyenden Berge) pseudo-vulcanische Producte.

§. 233.

So leicht und deutlich aber diese fünf Classen von Geburts - und Lager-Stätten**)Geburtsstätte bedeutet hier metaphorisch so viel als wirk - licher Entstehungsort; und Lagerstätte hingegen so viel als bloßer Fundort. Beyde müssen in der Mineralogie sorgfältig von einander unterschieden werden. Denn so ist z. B. von den gediegenen Eisen-Massen und von den Aërolithen die in so ge - nannten Steinregen herabgefallen, der Fundort hienieden ihr Entstehungsort aber außerhalb unserer Erde. der Fossilien im Ganzen von einander zu unterscheiden sind; so begreift sich doch aus dem, was über ihrer Entstehung460 gesagt worden, von selbst, daß sie an den Gränzen, wo die einen an die andern stoßen, zuweilen durch unmerkliche Uebergänge gleichsam zusammen fließen müssen*)Von den mancherley Gebirgsarten und ihrer Classification s. mit mehreren.J. C. W. Voigts Briefe über die Gebirgslehre. Zweyte Ausgabe. Weimar 1768. 8.C. Haidinger's Entwurf einer systematischen Eintheilung der Gebirgsarten. 1785. 4.A. G.. Werner's kurze Classification und Beschreibung der verschiedenen Gebirgsarten. Dresden 1787. 8.C. A. S. Hoffmann's kurzer Entwurf einer Gebirgslehre in A. W. Köhler's bergmännischem Kalender für das Jahr 1790. S. 163 u. f.;Auch den orologischen Theil der systematisch-tabellarischen Uebersicht der Mineralkörper von Leonhard, Merz und Kopp. Frankf. 1806. Fol.Vorzüglich aber K. C. von Leonhard Charakteristik der Felsarten. Heidelb. 1823. 8.Vergl. auch G. S. O. Lasius's Beobachtungen über die Harzgebirge. Hannover 1798. 8. nebst der dazu gehörigen pe - trographischen Charte des Harzgebirgs, und dem Ca - binet der harzischen Gebirgsarten.Aehnliche Sammlungen von deutschen Gebirgsarten sind z. B. die Voigtischen, die Charpentierische, und die des Past. Heim zu Gumpelstadt im Meiningischen..

§. 234.

Ueberhaupt aber ergibt sich aus dem genetischen Character von der Entstehungsweise der unorgani - schen Körper oder Fossilien, im Gegensatz der durch Zeugung fortgepflanzten organisirten, von selbst, daß, wenn man etwa die einfachsten Fossilien ausnimmt (wie z. B. Diamant, Schwefel, gediegene Metalle ꝛc. ) bey den übrigen keine so scharf bestimmbare Cha - racteristik der Gattungen (species)**)Deod. Dolomieu sur la philosophie minéralogique, et sur l'espèce minéralogique. Par. 1801. 8. als bey den organisirten Körpern; mithin aber weit mehr Will -461 kürliches in der Vertheilung derselben unter ihre Ge - schlechter (genera) ja sogar unter ihre Classen Statt hat, so daß z. B. Chlorit, Röthel etc von manchen Mineralogen unter die Erze, von andern unter die Steinarten gebracht werden können.

§. 235.

Denn da erstens sowohl das ursprüngliche Mischungsverhältniß der Bestandtheile, als auch die Verbindungsart etc vieler einander übrigens sehr ähnlichen Fossilien in den mannigfaltigsten Ab - stufungen variirt, so entstehen schon dadurch eben so mannigfaltige und theils durch fast unmerkliche Nüan - cen gleichsam zusammenfließende Uebergänge, in de - ren Stufenfolge zwar die Extreme auffallend genug sich auszeichnen, aber zwischen den Mittelgliedern, zumahl in einzelnen Exemplaren, bey weiten keine so bestimmten Grenzen als bey den organisirten Kör - pern sich ziehen lassen. Besonders ist dieß der Fall bey den vererzten Metallen, doch auch bey sehr vie - len Steinarten gemischten Gehalts.

§. 236.

Zweytens aber werden diese Uebergänge auch durch die Decomposition und Auflösung vieler schon ge - bildeten Fossilien vervielfältigt, da manche Steinar - ten durch den Verlust ihres so genannten Krystalli - sationswassers, manche Erze durch die Einwirkung von Säuren ꝛc. allmählich verwittern, und so z. B. Feldspath in Porcellanerde, Kupferkies in Kupfer - schwärze gleichsam umgewandelt werden.

§. 237.

Um so einleuchtender wird daher das dringende Bedürfniß, zur gründlichen Kenntniß der Mineralien462 die genaue Bestimmung ihrer äußeren Kennzeichen, mit der Untersuchung ihrer (ohnehin mit diesen Kenn - zeichen in sehr constantem Bezug stehenden*)J. Fr. L. Hausmann de relatione inter corporum natu - ralium anorganicorum indoles chemicas atque externas im IIten B. der Commentat. Societ. Regiae scientiar. Gottingens. recen - tior. 1813.) Be - standtheile durch die chemische Analyse zu verbinden**)(Fr. Bouterwek) über die Möglichkeit einer philo - sophischen Classification der Mineralkörper. Ein Gutachten aus keiner Schule. Götting. 1808. 8..

§. 238.

Unter den äußeren Kennzeichen***)Abr. Gottl. Werner von den äußerlichen Kennzeichen der Fossilien. Leipz. 1774. 8.J. Fr. L. Hausmann Versuch eines Entwurfs zu einer Einleitung in die Oryktognosie. Braunschw. 1805. 8. sind für die mineralogische Diagnostik die allerwichtigsten und sichersten: das specifische Gewicht†)Pesanteur specifique des corps. par M. Brisson. Par. 1787. 4. Deutsch durch Blumhof. Leipz. 1796. 8.Anm. Die specifischen Gewichte, die ich in der Folge an - führe, sind nach Tausendtheilen angegeben, das Gewicht des Wassers zu 1000 in einer Temperatur von ungefähr 64° Fah - renh. angenommen. Wo ein L. dabey steht, bedeutet es des sel. Hofr. Lichtenberg's Wägung., die Härte, und zumahl, wo sie Statt hat, die Krystallisation††)Die mit schärfster Genauigkeit und in zweckmäßiger Größe (von 1 1 1 / 2 zolliger Länge) aus Holz geschnittene Modelle der wichtigsten Krystallisationen, die in der hiesigen Industrie - Schule unter der Leitung des Hofr. Hausmann, verfertigt werden, sind nebst der dazu gehörigen gedruckten Beschreibung daselbst in Lieferungen zu 25 St. zu haben.Eine große Mannigfaltigkeit derselben s. in der Crystallogra - phie par M. de Romé de l'Isle. 2de Edit. Par. 1783. IV. Bände. 8. Dieser hat sich mehr an die äußern Krystallisations - formen gehalten. Weit tiefer ist hingegen Haüy in den unten anzuführenden Werken mittelst der Stereotomie der Fossilien in das innere Gefüge (Structur) der Krystalle und in die Bestim - mung der Formen ihrer Kerne oder Grundgestalten, und dieser ihrer Maßentheilchen (molécules intégrantes) eingedrungen.,463 d. h. eine bestimmte Form aus einer bestimmten An - zahl und eben so bestimmten Verbindungsart von Faßetten*)Versteht sich, daß ursprüngliche Krystalle von so ge - nannten After-Krystallen unterschieden werden müssen, wo nähmlich ein Fossil die Stelle und Form eines vorher da befind - lich gewesenen, aber allgemach aufgelösten, verwitterten oder aus - gefallenen Krystalls anderer Art eingenommen hat. So z. B. die so genannten krystallisirten Hornsteine von Schneeberg ꝛc., und der so genannte Durchgang der Blätter (oder die Richtung der natürlichen Tren - nungsflächen), der sich bey vielen Arten von Kry - stallisationen nach dem Verhältniß der Außenflächen derselben zu ihrer Grundgestalt (Forme primitive) oder so genannten Kerne richtet**)S. Théorie sur la structure de cristaux: par R. J. Haüy im Journal de Physique T. XLIII. p. 103 u. f.J. Fr. L. Hausmann's krystallogische Beyträge. Braun - schweig 1803. 4.Und nun vor allen Dess. Untersuchungen über die Formen der leblosen Natur I. B. Göttingen 1821. gr. 4.. Minder allge - mein constant und zuverlässig sind hingegen Farbe, Grad der Durchsichtigkeit, Art des Glanzes und Bruchs, der Strich den manche Fossilien geben, wenn sie gekratzt werden, u. dergl. m.

§. 239.

Auch helfen zur Bestimmung vieler Fossilien ihre physikalischen Kennzeichen, die nähmlich erst einen physikalischen Versuch voraussetzen, wie z. B. nächst der Schmelzbarkeit im Feuer und Auf - lösbarkeit im Wasser, die Phosphorescenz, Elektri - cität, das Verhalten zum Magnet ꝛc., und bey den durchsichtigen, ob sie eine einfache Brechung machen, oder aber das Bild der dadurch angesehenen Gegen - stände verdoppeln. Und mitunter sind auch für den ersten Anlauf die so genannten empirischen Kennzeichen brauchbar, die von beygemengten be -464 kannten Fossilien, oder von dem Fundorte abstrahirt werden*)Und in der Petrefactenkunde sind gerade diese em - pirischen Kennzeichen von der höchsten Bedeutsamkeit. s. z. B. die Götting. gel. Anzeigen v. J. 1815. S. 1753 u. f..

§. 240.

Zur chemischen Untersuchung ihrer Bestandtheile aber (§. 237.) dient theils das weitere Verhalten derselben im Feuer, das auf dem so genannten trocke - nen Wege, besonders auch mittelst des Löthrohrs**)Jac. Berzelius von der Anwendung des Löthrohrs in der Chemie und Mineralogie übers. von H. Rose Nürnb. 1821. 8., erkannt wird; vorzüglich aber die Zerlegung derselben auf dem nassen Wege mittelst der Reagentien ꝛc .†)s. J. F. Westrumb im zweyten Heft des II. B. und ersten Heft des III. B. seiner kleinen physicalisch-chemischen Ab - handlungen: undJ. F. A. Göttling's chemisches Probir-Cabinet zum Hand - gebrauche. Jena 1790. 8. nebst der dazu gehörigen kleinen Kiste mit Reagentien ꝛc..

Anm. Daß die Resultate der von verschiedenen Che - mikern angestellten Analysen eines und eben desselben Fos - sils zuweilen so sehr von einander abweichend ausgefallen sind, zeigt nur, wie viel Vorsicht, Behutsamkeit und vor allem öftere Wiederholung der Versuche dazu gehört, um dabey gegen Selbsttäuschung und Irrthum gesichert zu seyn.

Nur das muß man selbst bey den unübertrefflich ge - nauesten Analysen nie vergessen, daß sie durchaus nichts weiter zeigen können und sollen, als Art und Menge (Qualität und Quantität) der Stoffe, worin sie sich zer - legen lassen. Aber nichts von dem, was doch gerade den wahren eigenthümlichen Charakter so vieler Fossilien ausmacht, nämlich die bewundernswürdige Zusammensetzung und specifische Verbindungsart jener Stoffe, wodurch z. B. die Thonerde zum Saphir, und in Verbindung mit ein Paar andern eben so gemeinen Stoffen, zum Turma - lin wird! oder wodurch die Natur aus Kieselerde in Ver - bindung mit Thonerde den Bildstein und hingegen in Ver - bindung mit Talkerde den demselben übrigens so täuschend465 ähnlichen Speckstein hervorbringt u. dergl. m. s. Lich - tenberg's vermischte Schriften Vter B. S. 161 u. f. de Lüc in Voigts Magazin IX. B., 1. St. S. 74. u. f. und Klaproth im I. B. seiner Beyträge S. 89.

§. 241.

Ueberhaupt aber lassen sich alle Mineralien nach der alten ( meines Wissens zuerst von Avicenna beobachteten ) Eintheilung unter folgende vier Clas - sen bringen; deren Unterschiede und Eigenschaften zu Anfange der folgenden vier Abschnitte näher be - stimmt werden.

I. Steine und erdige Fossilien.

II. Salze.

III. Eigentlich so genannte brennliche Mineralien.

IV. Metalle.

Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur Mineralogie.

  1. G. Agricola de re metallica. L. XII it. de natura fos - silium L. X. ꝛc. Basil 1546. Fol.
  2. Ax. Cronstedt's Versuch einer Mineralogie, aus dem Schwed. vermehrt durch M. Thr. Brünnich. Kopen - hagen, 1770. 8.
  3. mit äußern Beschreib. ꝛc. von A. G.. Werner. I. Th. Leipz. 1780. 8.
  4. J. Gottsch. Wallerii systema mineralogicum. Holm. 1772. II. Vol. 8.
  5. D. L. G. Karsten mineralogische Tabellen. Berlin 1808. Fol.
  6. F. Ambr. Reuß Lehrbuch der Mineralogie nach Karsten's Tabellen. Leipz. 1801-06. VIII. B. 8.
  7. Systematisch-tabellarische Uebersicht und Characteristik der Mine - ralkörper; von C. C. Leonhard, K. F. Merz und J. H. Kopp. Frkf. 1806. Fol.
  8. 466
  9. Propädeutik der Mineralogie; von C. C. Leonhard, J. H. Kopp und C. L. Gärtner. daselbst 1817. Fol.
  10. Taschenbuch für die gesammte Mineralogie, mit Hinsicht auf die neuesten Entdeckungen, herausgegeben von C. C. Leonhard. daselbst seit 1807. 8.
  11. Dess. Handbuch der Oxyktognosie. Heidelb. 1821. 8.
  12. C. A. E. Hoffmann Handbuch der Mineralogie. Freyberg. seit 1811. 8.
  13. J. Fr. L. Hausmann Entwurf eines Systems der unorgani - sirten Naturkörper. Cassel 1809. 8.
  14. Dess. Handbuch der Mineralogie. Göttingen 1813. III. B. 8.
  15. J. Chr. Ullmann systematisch-tabellarische Uebersicht der mi - neralogisch-einfachen Fossilien. Cassel 1814. 4.
  16. Haüy Traité de Minéralogie. 2 ed. Par. 1822. IV. Vol. 8. Die erste Ausg. mit Anm. von D. L. G. Karsten und Chr. S. Weiß. Par. u. Leipz. 1804-10. V. B. 8.
  17. Ej. (Haüy) Traité de Cristallographie. Par. 1822. II. vol. 8.
  18. Tableau méthodique des Espèces minérales extrait du Traité de Minéralogie de M. Haüy, et augmenté des nouvelles - couvertes: par J. A. H. Lucas. Par. 1806. 8.
  19. Al. Brongniart Traité élèmentaire de minéralogie, avec des applications aux arts. Par. 1807. II. vol. 8.
  20. Rob. Jameson's System of Mineralogy. ed. 2. Edinb. 1816. III. vol. 8.
  21. Park. Cleaveland's Treatise on Mineralogy and Geology. 2. ed. Boston 1822. II. vol. 8.
  22. M. H. Klaproth Beyträge zur chemischen Kenntniß der Mine - ralkörper. Berlin seit 1795. VI. B. 8.
  23. Fr. Stromeyer Untersuchungen über die Mischung der Mine - ralkörper I. B. Göttingen 1821. 8.

Ueber die Benutzung der Fossilien.

  1. C. Schmieder Versuch einer Lithurgik oder ökonomischen Mineralogie. Leipz. 1803. II. B. 8.
  2. C. Pr. Brard mineralogie appliquée aux arts. Par. 1821. III. vol. 8.

Zur Geologie.

  1. J. A. de Luc Traité élémentaire de Géologie. Lond. 1809. 8.
  2. Essay on the Theory of the Earth, by M. Cuvier, with mine - ralogical Notes by Prof. Jameson, and Observations on467 the Geology of N. America by Prof. Mitchill. New - York. 1818. 8.
  3. Scip. Breislak's Lehrbuch der Geologie, mit Anm. von Fr. K. von Strombeck. Braunschw. seit 1819. 8.
  4. G. B. Greenough's critical examination of the first principles of Geology. Lond. 1819. 8.
  5. D'Aubuisson de Voisins Traité de Geognosie. Par. 1819. II. vol. 8.
  6. Al. de Humboldt Essai geognostique sur le Gisement des roches Par. 1823. 8. Deutsch von Leonhard.

Einige hierher gehörige Journale ꝛc. außer den oben (S. 10.) angeführten.

  1. Chemische Annalen von L. von Crell.
  2. Journal der Chemie von N. Al. Scherer.
  3. Neues allgemeines Journal der Chemie. Herausgegeben von Ad. Ferd. Gehlen.
  4. Magazin der Bergbaukunde (herausgegeben von J. F. Lempe). Dresden seit 1805. 8.
  5. Bergmännisches Journal. Herausgegeben von A. W. Köhler. und C. A. S. Hoffmann. Freyberg seit 1788. 8.
  6. Journal des mines. Par. seit 1794. 8.
  7. C. Ehrenb. von Moll Jahrbücher der Berg - und Hütten - kunde. Salzb. seit 1797. 8.
  8. Dess. Annalen derselben. seit 1801.
  9. Dess. Fortsetzung von diesen: (auch unter dem Titel Efe - meriden ꝛc.)
  10. von Hoff Magazin für die gesammte Mineralogie Leipz. 1800. 8.
  11. Transactions of the geological Society of London. seit 1811. 8.

Auch einige der vorzüglichst instructiven Verzeichnisse von Mineralien-Sammlungen.

  1. An attempt towards a natural history of the fossils of Eng - land ꝛc. in the collection of J. Woodward. Lond. 1729. II. Vol. 8.
  2. Lithophylacium Bornianum. Prag. 1772. sqq. II. Vol. 8.
  3. Catalogue de la collection des fossiles de Mlle. de Raab par M. de Born. Vienne. 1790. II. Vol. 8.
  4. 468
  5. N. G. Leske's Mineralien-Cabinet, beschrieben von D. L. G. Karsten. Leipz. 1789. II. B. 8.
  6. Verzeichniß des Mineralien-Cabinets des B. H. M. Pabst von Ohain. Herausgegeben von A. G. Werner. Freyberg, 1791. II. B. 8.
  7. (Gianv. Petrini) Gabinetto mineralogico del collegio Nazareno. Rom. 1791. II. Vol. 8.
  8. Mineralien-Cabinett, gesammelt und beschrieben von dem Ver - fasser der Erfahrungen vom Innern der Gebirge. Claus - thal, 1795. 8.
  9. W. Babington's new System of Mineralogy in the Form of a catalogue. Lond. 1799. 4.
  10. Des Hrn. J. F. von der Null Mineraliencabinet, als Hand - buch der Oxyctognosie brauchbar gemacht von F. Mohs. Wien, 1804. III. B. 8.

Da im Studium der Mineralogie die Autopsie noch weit un - entbehrlicher ist, als bey der Zoologie und Botanik (wo doch getreue Abbildungen noch aushelfen können und in hundert Fällen schlechterdings aushelfen müssen), und doch das Selbstsammeln für die mehresten Anfänger eine schwierige Sache seyn muß; so ist es für diese eine große Erleichte - rung, daß man nun bey der Mineralien-Niederlage zu Freyberg, und beym Mineralien - Tausch - und Hand - lungscomtoir zu Hanau, so wie hier in Göttingen beym Mineralienhändler Geisler und beym Universitäts-Me - chanikus Apel, kleine Mineralien-Sammlungen, zu ver - schiedenen sehr billig bestimmten Preisen, zu Kauf haben kann.

469

Zwölfter Abschnitt. Von den Steinen und erdigen Fossilien.

§. 242.

Steine und erdige Fossilien heißen die - jenigen trockenen Mineralien, die sich, wenn sie rein sind, für sich*)Aber wohl durch Beytritt von Säuren oder Alkalien, besonders in erhöheter Temperatur Denn daß sich z. B. selbst die Kieselerde in Verbindung mit Natron in manchen heißen Quel - len aufgelöst finde, zeigt der an manchen derselben ( zumahl in Kamtschatka und Island ) sich ansetzende Kieselsinter, von welchem unten die Rede seyn wird, so wie auch die Analyse dieser Wasser selbst. s. Black in den Transact. of the Roy. Soc. of Edinburgh. Vol. III. S. 119. u. f., nicht wie die Salze im Wasser oder wie die eigentlich so genannten Erdharze im Oehl auflösen lassen; noch auch wie diese letztern, schon im bloßen Glühfeuer verbrennen; noch sich wie Metalle hämmern und breitschlagen lassen**)Terrae characteres vix nisi privativi habentur. Bergman.. Ueber - haupt sind sie sehr feuerbeständig und strengflüssig; wenn sie aber schmelzen, so sind sie dabey durchsich - tig. Ihre specifische Schwere übersteigt des Wassers seine höchstens vier bis fünf Mahl.

§. 243.

Gegenwärtig kennt man neun primitive oder Grund-Erden, wornach die sämmtlichen Fossilien dieser Classe unter folgende, davon benannte Ge - schlechter geordnet worden:

470

I. Kieselgeschlecht.

II. Zircongeschlecht.

III. Gadolingeschlecht.

IV. Glücingeschlecht.

V. Thongeschlecht.

VI. Talkgeschlecht.

VII. Kalkgeschlecht.

VIII. Strontiangeschlecht und

IX. Barytgeschlecht.

I. Kieselgeschlecht.

Die Kiesel-Erde (terra silicea) wovon die - ses Geschlecht den Namen hat, ist für sich im Feuer nicht schmelzbar, und bleibt auch an der Luft und im Wasser unveränderlich: auch wird sie von keiner an - dern als der Spathsäure angegriffen: schmilzt aber mit beiderley feuerfestem Laugensalz (des Natron und Kali) zu Glas, daher sie auch glasartige oder vitrescible Erde genannt wird.

1. Quarz.

Der krystallisirte, eigentlich als doppelt sechsseitige Pyramide, mit längerer oder kürzerer Zwischensäule, deren Flächen meist in die Quere feingestreift sind. ( tab. II. fig. 19. ). Er ist hart, und gibt meist ein phosphorisches Licht, wenn man zwey Stücke im Finstern aneinander reibt.

Er begreift zwey Hauptarten; nähmlich 1) den ed - len und 2) den gemeinen Quarz.

1) Edler Quarz, Bergkrystall. (Fr. crystal de roche).

Eigentlich farbenlos und wasserhell; von Glasglanz; flachmuschelichem Bruche, die Krystallen meist mit dem471 einen Ende im Mutter-Quarz festgewachsen; und dann theils in centnerschweren Krystallen (so zumahl in der Schweiz und auf Madagascar); oft aber auch lose, und rein auskrystallisirt, d. h. mit den beiderseitigen Endspitzen; darunter besonders die kleinen, aber aus - nehmend wasserhellen mit sehr kurzer Mittelsäule zu merken (z. B. die ungarschen aus der marmaroscher Ge - spanschaft). Endlich auch häufig als Gerölle, theils von vorzüglicher Härte und Klarheit (so z. B. die cei - lanischen Keys oder Kiesel. ) Sein specifisches Ge - wicht = 2653. Gehalt (nach Bucholz) = 99,37 Kie - selerde, 0,63 Alaunerde, nebst einer Spur Eisenoxyd. Nicht selten hält er fremdartige Fossilien eingeschlossen, z. B. Chlorit-Erde, Asbest, Strahlstein, Glimmer, Graubraunsteinerz, Titanschörl ꝛc. : zuweilen Wasser - tropfen. Selten findet er sich mit sechskantigen gera - den hohlen Röhrchen durchzogen (so namentlich am St. Gotthard).

Zu den ausgezeichnet farbigen Abarten des edlen Quarzes gehören vorzüglich:

a. Citrin. (Engl. Topazine Quartz.)

Meist von weingelber Farbe, selten krystallisirt. Von der Art sind die vorgeblichen pfundschweren Topase.

b. Rauchkrystall, vulgo Rauchtopas.

Rauchbraun durch alle Abstufungen. Der schwärzeste wird auch Morio genannt.

c. Amethyst.

Meist violet in mancherley Abstufungen; zuweilen von stänglig zusammengehäuftem Gefüge, theils mit festungs - förmigen Ablosungen. Die schönstfarbigen in Ostindien und Persien.

2) Gemeiner Quarz.

Eins der uranfänglichsten und allgemeinst verbreiteten Fossilien. Meist milchweiß: aber auch in mancherley andern Farben; mehr oder weniger durchscheinend. Meist von Glasglanz, theils aber fettglänzend; häu - figst ungeformt; theils aber krystallisirt; zuweilen als Afterkrystall [S. 463. not. *)]; hin und wieder in be - sonderer äußerer Gestalt, wie gehackt, zellig ꝛc. Der472 Bruch meist muschelig; theils ins Splitterige, Körnige ꝛc. Zuweilen kriegt er durch dicht eingemengte feine Glimmerblättchen oder durch eine eigene Art von schup - pigem Gefüge ein besonderes schimmerndes Ansehen; so vorzüglich der zimmtbraune spanische Avanturinquarz vom Cabo de Gates (das natürliche Avanturino wie es nach der Aehnlichkeit mit dem Avanturinfluß, der bekannten Glascomposition genannt wird.)

Ein paar besonders merkwürdige Abarten sind

a. Rosenquarz.

Hat den Namen von seiner blaßrothen Farbe, und diese vom Braunstein. Bricht meist ungeformt, und theils mit schaligen Ablosungen; besonders in Baiern und am Altai, in starken Lagern.

b. Prasem.

Hat den Namen von seiner lauchgrünen Farbe, und diese vom innig beygemengten Strahlstein. Meist un - geformt; bricht besonders bey Breitenbrunn im Erz - gebirge.

2. Kieselsinter, Quarzsinter, Kieseltuff. (Engl. stalagmitical quartz.) Tofus siliceus thermalis.

Kiesel-Erde in heißen Quellen, durch die erhöhte Temperatur und vermuthlich auch durch die Verbindung mit Natron aufgelöst [§. 242. not. *)] und dann als Sin - ter abgesetzt. Er ist weiß, theils ins Milchblaue, theils ins Wachsgelbe ꝛc. Wenig durchscheinend. Wie der Kalksinter von mancherley besonderer Gestalt und Bruch; theils wie über einander getropft oder geflos - sen; traubig ꝛc. Meist von lockerem Gefüge, theils blätterig ꝛc. Gewicht = 1917. Gehalt eines isländi - schen (nach Klaproth) = 98 Kieselerde, 1,50 Alaun - erde, 0,50 Eisenoxyd. In vorzüglicher Menge und Mannigfaltigkeit an den heißen Quellen in Island und Kamtschatka, und der Perlsinter oder Fiorit zu Sta Fiora im Florentinischen.

3. Gummistein, Hyalit, Glasopal, mül - lerisches Glas.

473

Weißlich, in mancherley Abstufungen: mehr oder weniger durchscheinend; glasglänzend; theils wie ge - tropft oder geflossen, kleintraubig ꝛc. An Farbe und Form zuweilen einem Baumharz oder Gummi ähnelnd; meist als Ueberzug auf Tuffwacke. Gehalt (nach Bucholz) = 92 Kieselerde, 6,33 Wasser, mit einer Spur von Thon. Fundort zumahl bey Frankfurt am Mayn.

4. Chalcedon.

Mit Inbegriff des Onyx, des Carneols, Heliotrops, Chrysopras's und des Achats; Denn die ersten viere differiren fast bloß in der Farbe vom gemeinen Chalce - don, und Achat ist nur aus mehreren von diesen und einigen andern Steinarten zusammen gemengt oder ge - mischt.

1) Gemeiner Chalcedon.

Meist milchblau; theils bis ins Himmelblaue; aber auch ins Honiggelbe und Rothe des Carneols, ins Rauchbraune des Onyx ꝛc. Oft auch streifig, wolkicht ꝛc. In manchen Gegenden häufig mit dendritischen*)Diese dendritischen Zeichnungen sind (besonders bey man - chen orientalischen) zuweilen carneol - und onyxfarbig; häufigst scheinen sie hingegen vom Braunstein herzurühren; manche isländische enthalten aber auch ein grünes Gewebe, das selbst unter dem Vergrößerungsglase vollkommen das Ansehen vom Wasserfaden-Moos (Conferven) zu haben scheint. Zeich - nungen (Moosachat, Dendrachat, Mochhastein). Ueberhaupt mehr oder weniger durchscheinend; von Fett - glanz; meist ebenem Bruch; oft von mancherley beson - derer Gestalt, zumahl stalactitisch, oder in ursprüngli - cher Nierenform, in Mandeln, Kugeln ꝛc. Letztere (im Vicentinischen) nicht selten mit eingeschlossenen Höhlun - gen, und in diesen zuweilen Wassertropfen (Fr. Hy - drocalcedoine); anderwärts auch theils wie gehackt, zellig ꝛc. auch mit fremden Krystallisations-Eindrücken, theils auch in eigenthümlicher, meist cubischer Krystalli - sation. Gewicht = 2615. Auch viele Chalcedone phos - phoresciren, wenn sie an einander gerieben werden. Gehalt eines Färöer (nach Bergmann) = 84 Kiesel -474 erde, 16 Alaunerde. Uebergang in Quarz, Hornstein, Opal. Bricht häufig im Trapp.

2) Onyx.

Rauchbraun, theils ins Schwarzblaue: oft mit scharf abwechselnden Schichten von milchblauen gemeinen Chal - cedon (arabischer oder so genannter blinder Sardonix; ital. Niccolo.) Hauptgebrauch bey den alten - mern zu Siegelsteinen.

3) Carneol, Corneol, Sarda.

Incarnatroth, einerseits bis ins Wachsgelbe oder Hornbraune, anderseits ins dunkelste Granatroth. Von letzterer Art vor allen die köstliche antike Carniola no - bile (Fr. cornaline de la vieille roche), die mit auffallendem Lichte schwarzroth, mit durchfallendem Lichte aber blutroth, wie ein böhmischer Granat oder Pyrop und fast eben so durchsichtig, ihr Fundort aber jetzt un - bekannt ist, und worin die bey weiten größten Meister - werke von alten griechischen und etruskischen Siegelstei - nen oder Intaglios gegraben sind.

Der indische Sardonyx, woraus hingegen die köst - lichsten antiken Cameen gearbeitet sind, ist meist horn - brauner Carneol mit Chalcedonschichten.

4) Heliotrop.

Dunkel lauchgrün, meist mit blutrothen Puncten; wenigstens an den Kanten durchscheinend; Fettglanz; muscheliger Bruch; ungeformt. Gewicht = 2633. Fund - ort vorzüglich in Aegypten. Häufig unter den antiken Intaglios.

Vermuthlich gehört auch zu dieser Gattung das Plasma, oder der Smaragd-praser. (Fr. prime d'Emeraude. Ital. plasma di smeraldo gemma - rio. ) Licht lauchgrün, meist mit weißen oder gelb - lichen kleinen Flecken; durchscheinend. Fundort jetzt unbekannt, doch vermuthlich Aegypten; häufig von den alten Römischen Künstlern zu Petschirsteinen ꝛc. ver - arbeitet*)Ausführlicher habe ich von dieser merkwürdigen von neuern Schriftstellern oft verkannten und mit andern verwechselten475 Steinart gehandelt im Specimen historiae naturalis antiquae artis operibus illustratae p.30. u. f.. Von der Art sind auch die mehresten an - tiken so genannten Smaragde.

5) Chrysopras.

Meist apfelgrün, theils ins Blauliche spielend; hat seine schöne aber im Feuer sehr vergängliche Farbe vom Nickelkalk; ist durchscheinend; ungeformt. Gehalt (nach Klaproth) = 96, 16 Kieselerde, 1 Nickeloxyd. Fund - ort vorzüglich bey Kosemitz in Schlesien.

Achat ist, wie gesagt, ein Gemengsel von mehreren der vorigen Arten, außerdem aber auch zuweilen von Quarz (zumahl Amethyst) Jaspis ꝛc. in endloser Man - nigfaltigkeit der Zusammensetzung, Farben und Zeich - nung. Daher die mancherley Benennungen, von Achat - onyx, Jaspachat, Bandachat, Kreisachat, Punctachat, Festungsachat ꝛc. Trümmer - achat, der Bruchstücke von jenen Steinarten enthält, die durch Quarzcäment zusammen verbunden sind. Re - genbogenachat, mit buntem Farbenspiel bey durch - fallendem Lichte. Ueberhaupt häufig in Kugelform; oft hohl. In größter Menge und Mannigfaltigkeit in Deutschland, zumahl in der Pfalz.

5. Opal. Quarz-résinite.

Die Farbe ist in den nachbenannten Abarten ver - schieden: alle sind mehr oder weniger durchscheinend; haben meist Fettglanz, theils stärker, theils matter: ihr Bruch ist muschelig; sie finden sich bloß derb; und sind meist nur halbhart. Die beiden Hauptarten sind; 1) der eigentliche Opal, und 2) der Halb - opal.

1) eigentlicher Opal

mit folgenden Abarten: nähmlich

a. Edler Opal.

Bey durchfallendem Lichte mehrentheils gelb; bey auf - fallendem milchblau, mit einem eigenen feurigen Spiel von Regenbogenfarben: Gewicht = 2114. Gehalt476 (nach Klaproth) = 90 Kieselerde, 10 Wasser. Fund - ort zumahl Ober-Ungarn.

b. Gemeiner Opal.

Minder durchscheinend; und ohne jenes Farbenspiel. Eine rahmgelbe Abart hat den mongolischen Namen Kascholong (d. h. schöner Stein). Gehalt eines Kosemitzer (nach Klaproth) = 98,75 Kieselerde, 1 Alaun - erde, 1 Eisenoxyd. Fundort im Erzgebirge, Schlesien, den Färöern ꝛc. Uebergang in Chalcedon, Chrysopras ꝛc.

c. Hydrophan, Weltauge, oculus mundi, lapis mutabilis.

Meist rahmgelb; wohl durch Verwitterung aus der vorigen Abart entstanden; daher gleicher Fundort, und ähnlicher Gehalt; weicher als diese; klebt an der Zunge; saugt Wasser ein; wird dabey durchsichtig; theils mit Regenbogenfarben*)Vom vegetabilischen Hydrophan s. oben S. 483. not. **).

2) Halbopal

in zwey Abarten: nähmlich

a. Pechopal, Telkobanjerstein.

Gemeiniglich wachsgelb (Wachsopal); aber auch theils braunroth, olivengrün ꝛc. ; mehr oder weniger durchscheinend; theils Glasglanz, theils Fettglanz; muscheliger Bruch. Uebergang in gelben Chalcedon, Pechstein und in Feuerstein. Vorzüglich in großer Man - nigfaltigkeit bey Telkobanja in Ober-Ungarn. Gehalt eines solchen (nach Klaproth) = 93,50 Kieselerde, 1 Eisenoxyd, 5 Wasser.

b. Holzopal.

In eine Art Wachsopal versteintes Nadelholz; gelb - lich, braunlich ꝛc. Der Längenbruch theils noch faserig; und zuweilen mit schaligen Ablosungen der Holz-Jahre. Fundort zumahl in Ungarn bey Schemnitz.

6. Katzenauge, Schillerquarz. Quarz-aga - the chatoyant. (Oeil de chat).

477

Meist gelblich oder grünlich, theils ins Rauchgraue; mit einem eigenen Widerschein, daher der Name; we - nig durchscheinend; Fettglanz; meist als Gerölle auf Ceilon und Malabar, von wannen er meist schon in so genannte Talgtropfen (en goutte de suif) oder muglich zu Ringsteinen geschliffen kommt. Gewicht = 2657. Gehalt (nach Klaproth) = 95 Kieselerde, 1,75 Alaunerde, 1,50 Kalkerde, 0,25 Eisenoxyd.

7. Pechstein. Petrosilex résinite.

In mancherley Farben; doch meist ins Braune; meist wenig durchscheinend; Fettglanz; muscheliger Bruch; meist derb; theils in Nieren; halbhart. Gewicht = 2314. Gehalt des von Meißen (nach Klaproth) = 73 Kie - selerde, 14,50 Alaunerde, 1 Kalkerde, 1 Eisenoxyd, 0,10 Manganoxyd, 1,75 Natron, 8,50 Wasser. Ue - bergang in Wachsopal; theils mit eingemengten Feld - spath - und Quarz-Körnern (Pechstein-Porphyr).

8. Menilit, Knollenstein, Leberopal. vulgo blauer Pechstein.

Haarbraun, fettglänzend; nur an den dünnesten Kan - ten durchscheinend; der Bruch aus dem Flachmuscheligen ins Grobsplittrige; ritzt in Glas. Gehalt (nach Klap - roth) = 85,50 Kieselerde, 1 Alaunerde, 0,50 Kalk - erde, 0,50 Eisenoxyd, 11 Wasser und kohlenartiger Stoff. In Nieren und knolligen Stücken, im Polir - Schiefer von Menil-Montant bey Paris.

9. Polirschiefer, Saugkiesel, Klebschiefer.

Meist gelblichweiß, theils ins Bräunliche, oft ge - streift; wenig abfärbend; von schiefrigem Bruch; fein - erdig; mager anzufühlen; hängt nicht an der Zunge; sehr weich; leicht. Gehalt (nach Klaproth) = 66,50 Kieselerde, 7 Alaunerde, 1,50 Talkerde, 1,25 Kalkerde, 2,50 Eisenkalk, 19 Wasser. Fundort zumahl bey Me - nil-Montant.

10. Tripel.

Meist schwarzgrau; erdig; mager; weich. Gehalt (nach Haase) = 90 Kieselerde, 7 Alaunerde, 3 Eisenoxyd. 478Fundort unter andern bey Ronneburg im Altenbur - gischen.

11. Schwimmstein. Quarz nectique.

Gelblichgrau; matt; undurchsichtig; erdiger Bruch; sehr weich; milde. Gewicht = 0,800. Gehalt (nach Vauquelin) = 98 Kieselerde, 2 kohlensaure Kalkerde. Fundort bey Paris, meist in kuglichten Stücken oder Knollen.

12. Bimsstein. Pumex. (Fr. pierre ponce. Engl. pumice stone.)

Meist weißlichgrau; von Seidenglanz; schwammicht; meist krummfaseriges Gefüge; spröde; scharfes Korn; sehr leicht. Gehalt des liparischen (nach Klaproth) = 77,05 Kieselerde, 17,50 Alaunerde, 1,75 Eisenoxyd. Fundort zumahl in vielen vulcanischen Gegenden*)Schon Agricola sagt, de natura fossilium pag. 614: in locis autem, qui olim arserunt aut etiam nunc ardent, pumex reperitur. Sicut in Vesuvio, Aetna, insulis Aeoli - cis. Ad Coblenz, et in inferiore Germania., wie bey Lipari, Santorini, Veracrux in Mexico ꝛc.

12. Porcellan-Jaspis. Thermantide por - cellanite.

Meist perlgrau oder lavendelblau, aber auch theils strohgelb, ziegelroth ꝛc. Rissig; fettglänzend; musche - liger Bruch. Ein pseudovulcanisches Product, vermuth - lich aus Schieferthon entstanden. Fundort unter andern bey Stracke in Böhmen. Gehalt desselben (nach Rose) = 60,75 Kieselerde, 27,25 Alaunerde, 3 Talkerde, 2,50 Eisenoxyd, 3,66 Kali.

14. Obsidian, Opsian, isländischer Achat, tockayer Lux-Saphir, Lavaglas. Lave vitreuse obsidienne. (Span. Pietra del galli - nazzo.)

Aus dem Rauchgrauen bis ins Kohlschwarze; mehr oder weniger, theils aber nur an den dünnsten Kanten479 (und zwar bey den Antiken von der Sarbo-Bucht an der Westküste des rothen Meeres*)Von diestm wahren Opsian der Alten habe ich in den Commentat. Soc. Reg. Gotting. recentior. vol. III. pag. 76 u. f. Nachricht gegeben., aus dem Schwarz - grauen ins Lauchgrüne) durchscheinend; glasglänzend; muscheliger Bruch; ungeformt; Gehalt (nach Vauque - lin) = 78 Kieselerde, 10 Alaunerde, 2 Eisenoxyd, 6 Kali, 1 Kalkerde, 1,16 Manganoxyd. Hält theils Quarz - und Feldspath-Körner eingemengt (Obsidian - Porphyr). Fundort zumahl bey Vulcanen, z. B. auf Island, Insel Ascension, Oster-Insel ꝛc.

15. Feuerstein, Kreide-Kiesel. Pyrrhoma - chus. (Fr. pierre à feu, pierre à fusil. Engl. flint.)

Meist grau, ins Schwärzliche, Gelbliche ꝛc. wenig durchscheinend; muscheliger, scharfkantiger Bruch; theils in dichten Knollen, theils in hohlen Kugeln (zu letztern gehören die so genannten Melonen vom Berge Carmel); härter als Quarz. Giebt, wenn er ge - schlagen wird, einen eigenen Geruch. Gewicht = 2595. Gehalt (nach Klaproth) = 98 Kieselerde, 0,50 Kalk - erde, 0,29 Alaunerde, 0,25 Eisenoxyd. Uebergang in Hornstein, Halbopal ꝛc .**)Aus seinem Feuerstein mit reinen Schichten von rahm - gelben Halbopal werden in Rom nette Cameen gearbeitet.. Häufig in Kreide-Lagern. Enthält oft Versteinerungen, zumahl von See-Igeln und zarten Corallen (Cellularien ꝛc.). Als Gerölle im Puddingstein von Hertfordshire. Ein Hauptgebrauch zu Flintensteinen. †)s. B. Hacquets physische und technische Beschreibung der Flintensteine. Wien, 1792. 8.

16. Hornstein, Felskiesel. Petrosilex, cor - neus. (Fr. pierre de corne. Engl. chert.)

Meist grau, in allerhand andere meist auch unansehn - liche Farben übergehend. Am Altai milchweiß mit sau - bern dendritischen Zeichnungen (so gennanter weißer Jaspis). Höchstens nur an den Kanten durchscheinend. 480Meist splitteriger Bruch; ungeformt; doch theils in Af - terkrystallen [S. 463. not. *)] nach Kalkspath gemo - delt; minder hart als Quarz. Gewicht = 2708. Ge - halt (nach Kirwan) = 72 Kieselerde, 22 Alaunerde, 6 Kalkerde. Uebergang in Feuerstein, Chalcedon, Jas - pis ꝛc. Macht die Grundmasse mancher Porphyre aus.

Sinopel (Ferrum jaspideum Bornii) ist ein braunrother, sehr eisenschüssiger Hornstein, der bey Schemnitz eine Hauptgangart ausmacht.

Holzstein oder Kieselholz ist in eine Art von Hornstein petrificirtes Holz; von mancherley Farben; unter andern zuweilen coschenillroth, selten apfelgrün. Fundort zumahl im aufgeschwemmten Lande; theils aber auch in Flözgebirgen (im rothen todten liegenden).

17. Kieselschiefer, Hornschiefer.

Schwarz, rauchgrau, theils auch von andern doch meist matten Farben; nur an den Kanten durchschei - nend; matter schimmernder Fettglanz; meist grobsplitte - riger, theils schuppiger Bruch; schiefriges Gefüge; un - geformt; hart; oft mit Quarzadern durchzogen. Ueber - gang in Thonschiefer.

Eine jaspisähnliche Abart des Kiefelschiefers, die Werner lydischen Stein nannte, ist zumahl schwarz - grau, bis ins Kohlschwarze, mit mehr ebnem Bruch, und findet sich häufig als Gerölle.

18. Eisenkiesel. Quarz hématoïde.

Meist leberbraun; undurchsichtig; Fettglanz; meist un - geformt; zuweilen in kleinen Crystallen von sechsseitigen Säulen sowohl mit sechs - als dreyseitigen Endspitzen; hart. Gehalt eines Leberbraun (nach Bucholz) = 92 Kieselerde, 5,75 Eisenoxyd, 1 Manganoxyd, 1 flüchtige Theile. Fundort zumahl Böhmen und das sächsische Erz - gebirge.

19. Jaspis. (Ital. Diaspro.)

Von allen Farben und Zeichnungen; daher die Bey - nahmen Bandjaspis ꝛc. undurchsichtig; matter mu - scheliger Bruch; meist ungeformt: selten in ursprüng - licher Nierenform; sehr hart. Gewicht = 2691. Ge -481 halt (nach Kirwan) = 75 Kieselerde, 20 Alaunerde, 5 Eisenoxyd. Uebergang in Hornstein, Eisenkiesel ꝛc.

Eine besonders merkwürdige Abart ist der Aegypti - sche Jaspis, Aegypten-Kiesel, silex Niloticus. (Fr. Caillou d'Egypte. ) Braun in allerhand Ab - stufungen; theils streifig oder geadert; auch mit den - dritischen Zeichnungen; in ursprünglicher Kiesel - form; trefflich polirbar. Gewicht = 2564. Fundort zumahl in Ober-Aegypten.

20. Arendalit.

Dunkel lauchgrün; undurchsichtig; theils derb, theils krystallisirt, und das in breiten sechsseitigen Säulen, die Enden mit zwey oder vier Flächen zugeschärft oder auch zugespitzt. Die Krystalle glasglänzend; der Bruch fettgläuzend; Längenbruch blätterig; Querbruch musche - lig. Gewicht = 3640. Gehalt (nach Vauquelin) = 37 Kieselerde, 21 Alaunerde, 15 Kalkerde, 24 Eisen - oxyd, 1,5 Manganoxyd. Fundort in den Eisengruben zu Arendal in Norwegen.

Ihm ähnelt der Epidot oder Thallit oder so ge - nannte grüne Schörl von Dauphiné; daher auch Werner beide Fossilien unter den gemeinschaftlichen Namen des Pistacits vereinigte.

21. Axinit, Thumerstein, Glasstein.

Nelkenbraun; durchscheinend; Glasglanz; kleinmusche - liger Bruch; sowohl ungeformt als auch in flachen Rau - ten krystallisirt. Gewicht = 3166. Gehalt (nach Klap - roth) = 50,5 Kieselerde, 17 Alaunerde, 17 Kalkerde, 9,5 Eisenoxyd, 5,25 Manganoxyd, 0,25 Kali. Fund - ort zumahl Dauphine und Thum im Erzgebirge.

22. Kreuzstein, Kreuzkrystall. Harmotome.

Meist milchweiß, und nur durchscheinend; selten was - serhell; der Langenbruch blätterig, der Querbruch mu - schelig; immer krystallisirt*)s. Leop. von Buch über den Kreuzstein. Leipz. 1794. 8. : und J. Fr. L. Hausmann in Weber's und Mohr's Archiv fur die Naturg. I. B. S. 111., und zwar ursprunglich als482 schmale, dicke, rechtwinkelige, vierseitige Tafel oder Säule, an den Enden zugeschärft und zugespitzt; aber fast immer als Zwillingskrystall so, daß ihrer zwey und zwey einander der Länge nach gleichsam durchschneiden ( tab. II. fig. 15. ) und sie dann zusammen auf dem Querbruch ein Kreuz vorstellen. Gewicht = 2355. Gehalt (nach Klaproth) = 49 Kieselerde, 18 Schwer - erde, 16 Alaunerde, 15 Wasser. Fundort zumahl An - dreasberg am Harz.

23. Ichthyophthalmit, Fischaugenstein. Apophyllite.

Meist graulichweiß; durchscheinend, theils durchsichtig; blätteriger Bruch, von dreyfachem rechtwinklichten Durch - gang; ritzt schwach ins Glas. Gewicht = 2467. Ge - halt (nach Stromeyer) = 51,8 Kieselerde, 25,1 Kalk - erde, 5,1 Kali, 16 Wasser. Fundort besonders zu Uton in Roslagen in Schweden, und im Faßathal in Tyrol.

24. Prehnit.

Meist apfelgrün; durchscheinend; mit schwachem Perl - mutterglanz; theils ungeformt; theils in kurzen viersei - tigen Säulen stänglich zusammengehäuft. Gewicht = 2942. Gehalt (nach Klaproth) = 43,83 Kieselerde, 30,33 Alaunerde, 18,33 Kalkerde, 5,66 Eisenoxyd, 1,83 Wasser. Fundort zumahl am Cap und in Dau - phiné; auch an mehreren Orten am Harz; z. B. kry - stallisirt bey Goslar.

25. Zeolith. Mesotype.

Hat den Namen (Brausestein) von seiner Haupteigen - schaft, daß er sich auf der Kohle vor dem Löthrohre zweigartig aufbläht, ohne zu einer Perle zu fließen. Ist weist in mancherley Schattirungen, auch theils zie - gelroth, grün; der frische mehr oder weniger durch - scheinend; meist perlmutterglänzend, so zumahl der Stil - bit; (der verwitterte hingegen undurchsichtig, erdig, oder mehlicht;) sein Gefüge meist divergirend strah - licht; theils blätterig; häufig ungeformt: oft nieren - förmig; oft krystallisirt, und dieß meist in sechsseiti -483 gen Tafeln oder Säulen, seltner cubisch (Würfelzeo - lith, Cubicit, Analcime) und rhomboidal (Chaba - sie) ꝛc. theils nadelförmig (so der seltene wasserhelle Isländische Glaszeolith oder Nadelstein), theils faserig (Faser - und Haarzeolith); meist halbhart. Gewicht = 2134. Gehalt eines Färöer (nach Smith - son) = 49 Kieselerde, 27 Alaunerde, 17 Natron, 9 Wasser. Fundort unter andern zumahl auf Island und den Färöern im Trapp. Sonst auch in manchem Ba - salt ꝛc.

Zum Faserzeolith gehört auch der Natrolith; Isa - bell - und orangegelb; nierenförmig und mamellonnirt, von divergirend strahligem Gefüge. Auf dem Porphyr - schiefer von Hohentwyl im Würtembergischen.

26. Marekanit.

Meist rauchgrau, theils wolkicht; mehr oder weniger durchscheinend; selten wasserhell und durchsichtig; glas - glänzend; in runden und stumpfeckigen Körnern, meist ungefähr von Erbsengröße, doch theils auch so groß als Haselnüsse und darüber. Gewicht = 2365. Gehalt (nach Klaproth) = 81 Kieselerde, 9,50 Alaunerde, 0,33 Kalkerde, 0,60 Eisenoxyd, 2,70 Kali, 4,50 Na - tron, 0,50 Wasser (folglich hierin dem Obsidian sehr ähnlich). Fundort zumahl beym Ausfluß der Marekanka ins ochotskische Meer; liegen als Kerne in einer blätte - rigen Rinde von Perlstein; beides Kern und Rinde blähen sich vor dem Löthrohre wie Zeolith.

27. Perlstein. Lave vitreuse perlée.

Meist aschgrau, theils ziegelroth, beides in mancher - ley Schattirungen; wenig durchscheinend; theils von Seiden - theils von Perlmutterglanze; besieht theils aus kornigen abgesonderten, theils aus krummschaligen blät - terigen bröckligen und zerreiblichen Stücken, welche letz - tere die eben gedachte Rinde der Marekanitkörner bil - den. Gehalt (nach Klaproth) = 75 Kieselerde, 12 Alaunerde, 4,50 Kali, 1,60 Eisenoxyd, 4,50 Wasser.

28. Lasurstein. Lazulite. Lapis lazuli. Sap - phirus der Alten. (Fr. pierre d'azur.)

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Hat den Namen aus dem Persischen von seiner vor - trefflichen blauen Farbe; ist undurchsichtig; von mattem fast erdigen Bruch; oft mit eingesprengten Schwefel - kies-Puncten; ungeformt. Gewicht = 2771. Gehalt (nach Klaproth) = 46 Kieselerde, 14,50 Alaunerde, 28 kohlensaure Kalkerde, 6,50 schwefelsaure Kalkerde (Gyps), 3 Eisenoxyd, 2 Wasser. Fundort unter andern in aus - nehmender Schönheit und großen Blöcken am Baikal. Gebrauch zu mancherley Kunstarbeiten und namentlich zur Ultramarin-Farbe.

29. Haüyn. Latialite*)Leop. Gmelin de Hauyna. Heidelb. 1814. 8..

Aus dem Lasurblauen bis ins Spangrüne; mehr oder minder durchscheinend; glasglänzend; hart; meist in Körnern. Gewicht = 3333. Gehalt (nach Leop. Gme - lin) = 35,48 Kieselerde, 18,87 Alaunerde, 12 Kalk - erde, 12,39 Schwefelsäure, 15,45 Kali, 1,16 Eisen - oxyd, 1,20 Wasser. Fundort zumahl bey Albano mit Glimmer.

30. Augit. Pyroxène.

Aus dem Dunkel-lauchgrünen und Colophoniumbrau - nen ins Schwarze; wenig durchscheinend; starkglänzend; blätteriger Längenbruch; muscheliger Querbruch; theils derb; theils aber krystallisirt in flachen, kurzen sechssei - tigen Säulen mit vierseitigen Spitzen. Gehalt (nach Vauquelin) = 52 Kieselerde, 13,20 Kalkerde, 10 Talk - erde, 3,33 Alaunerde, 14,66 Eisenoxyd, 2 Mangan - oxyd. Meist eingewachsen in Basalt, Tuffwacke, und vorzüglich in den Laven vom Vesuv und Aetna.

Der Coccolith, eine körnige Abart des Augits, sindet sich zumahl bey Arendal in Norwegen.

31. Vesuvian. Idocrase.

Meist pechbraun, theils ins Dunkel-olivengrüne; wenig durchscheinend; von außen meist Fettglanz; in - wendig Glasglanz; immer krystallisirt; besonders in vierseitigen kurzen Säulen mit abgestumpften Kanten und sehr stumpfen Endspitzen. Gehalt (nach Klaproth) =485 35,50 Kieselerde, 33 Kalkerde, 22,25 Alaunerde, 7,50 Eisenoxyd, 0,25 Manganoxyd. Fundort unter den Primordial-Fossilien des Vesuvs; vorzüglich aber (in rein auskrystallisirten theils daumensdicken Krystallen) an der Mündung der in den Wiluj fallenden Achtaragda.

Der Loboit (wie ihn Berzelius nach dem Grafen Lobo da Oriola benannt hat, dem wir die erste ge - naue Kunde von diesem merkwürdigen Fossil verdan - ken*)s. Leonhard's Taschend. V. Jahrg. S. 16.) unterscheidet sich von dem ihm in manchen äußern Kennzeichen ähnelnden Vesuvian, außer seinem andern Verhalten vor dem Löthrohre und daß er keine Spur von Elektricität zeigt, besonders durch einen bedeuten - den Gehalt von Talkerde. Fundort in einem Kalkbruche ohnweit den Daunemora Eisengruben in Upland.

32. Leucit, weißer Granat, vulcanischer Granat. Amphigène.

Graulich weiß, milchicht; durchscheinend; aber meist rissig, und daher trübe; von außen rauh; inwendig glasglänzend, zeigt auf dem Bruche concentrische Tex - tur. Gemeiniglich krystallisirt, weist als doppelt acht - seitige Pyramide mit vier Flächen an jeder Endspitze ( tab. II. fig. 14. ); sehr spröde. Gewicht = 2468. Gehalt (nach Klaproth) = 54 Kieselerde, 23 Alaun - erde, 22 Kali. Fundort vorzüglich in Unter-Italien, in mancherley Laven und Tuffwacken.

33. Pyrop, Böhmischer Granat.

Blutroth; mehr oder weniger durchsichtig; glasglän - zend; muscheliger Bruch; nie krystallisirt, sondern in rundlichen Körnern, lose oder eingewachsen in Serpen - tin ꝛc. Gewicht = 3941. Gehalt (nach Klaproth) = 40 Kieselerde, 28,50 Alaunerde, 10 Talkerde, 3,50 Kalkerde, 16,50 Eisenoxyd, 2 Chromoxyd, 0,25 Man - ganoxyd. Fundort zumahl Böhmen und Sachsen.

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34. Granat. Carbunculus. (Fr. Grenat. Engl. Garnet.)

Aus dem Colombin - und Karmensinrothen durchs Pech - braune ins Olivengrüne; eben so verschiedene Grade der vollkommnern oder mindern Durchsichtigkeit; meist Glasglanz; muscheliger Bruch; sowohl ungeformt als krystallisirt; letzteres in mancherley Form; doch meist als Dodecaëder mit rautenförmigen Flächen ( tab. II. fig. 13 ); auch wie der Leucit ( tab. II. fig. 14. ).

Nach den Hauptfarben unterscheidet man folgende drey Arten des Granats; wovon ersterer edler, die andern beiden aber gemeiner Granat genannt werden.

1) Rother Granat, orientalischer Granat, Almandin.

Meist von der gedachten rothen Farbe. Gewicht = 4188. Gehalt (nach Klaproth) = 35,75 Kieselerde, 27,25 Alaunerde, 36 Eisenoxyd, 0,25 Manganoxyd. Findet sich vorzüglich in Pegu; wird gemeiniglich als Zweckenkopf (en cabochon) geschliffen.

2) Brauner Granat, Eisengranat.

Pechbraun, theils ins Zimmtbraune ꝛc. Unter andern vorzüglich schön am St. Gotthard; auch beym Vesuvian vom Vesuv.

3) Grüner Granat, grüner Eisenstein.

Lauchgrün, olivengrün ꝛc. Gewicht = 3754. Gehalt (nach Wiegleb) = 36,45 Kieselerde, 30,83 Kalkerde, 28,75 Eisenoxyd. Unter andern als so genannter Großular rein auskrystallisirt in der Leucit-Form ( tab. II. fig. 14. ) beym Vesuvian vom Wiluj. Gemeine Abarten häufig in Thüringen und Meisen, auch nebst dem braunen am Spitzenberg am Harz.

35. Eudialyt*)Stromeyer's Untersuchungen I. B. S. 438..

Aus dem blaßrosenrothen ins Hyacinthrothe; an den Kauten durchscheinend; ins Fettglänzende; Bruch aus dem muschligen ins splittrige; theils ungeformt, theils487 krystallisirt als Dodekaëder mit rautenförmigen Flächen. Gewicht = 2,903. Gehalt (nach Stromeyer) = 54,39 Kieselerde, 11,30 Zirconerde, 9,50 Kalkerde, 6,71 Ei - senoxyd, 1,51 Manganoxyd. Fundort an der West - küste von Grönland.

36. Stavrolith, Granatit, Stavrotide.

Rothbraun ins Schwarzbraune; wenig durchscheinend; immer krystallisirt, meist in flachen sechsseitigen Säu - len; zuweilen als Zwillingskrystall, theils in rechten Winkeln, theils wie ein Andreaskreuz (dieß der so ge - nannte Basler Taufstein*)s. Chr. Bernoulli in Voigt's neuem Magazin IV. B. S. 524. tab. 8. fig. *.). Gehalt (nach Vau - quelin) = 30,59 Kieselerde, 47 Alaunerde, 3 Kalk - erde, 15,30 Eisenoxyd. Fundort in Bretagne und am St. Gotthard, in Glimmerschiefer, theils mit krystalli - sirtem Cyanit.

37. Cyanit, blauer Schörl. Disthène.

Meist himmelblau, theils ins Graue, Silberweiße; durchscheinend; fast perlmutterglänzend; der Bruch lang - splitterig, strahlig und blätterig; meist ungeformt; theils krystallisirt, meist in flachen sechsseitigen Säulen; auf dem Querbruch theils so hart, daß er am Stahl Fun - ken gibt; dagegen er sich im Längenbruch mit dem Na - gel zerreiben läßt. Gehalt (nach Klaproth) = 43 Kie - selerde, 55,5 Alaunerde, 0,5 Eisenoxyd nebst einer Spur von Kali. Fundort zumahl am St. Gotthard, im Zillerthal im Salzburgischen.

II. Zircongeschlecht.

Die vom Klaproth entdeckte Zirconerde, von welcher dieß Fossilien-Geschlecht den Namen hat, wird in Schwefelsäure und im concentrirten Essig, aber nicht in Laugensalzen aufgelöst. Sie gibt vor dem Löthrohre mit Borax eine wasserhelle488 Perle, und findet sich in zwey so genannten Edel - steinen, dem Zircon und dem Hyacinth.

1. Hyacinth. Lyncurium veterum?

Meist orangegelb, feuerfarben; durchsichtig; gewöhn - lich rein auskrystallisirt; und zwar meist in vierseitigen Säulen, die mit vier auf den Kanten aufsitzenden Flächen zugespitzt sind ( tab. II. fig. 20. ). Ge - wicht = 3687. Gehalt (nach Klaproth) = 70 Zircon - erde, 25 Kieselerde. Fundort vorzüglich Ceilon*)Aus Africa ist bis jetzt überhaupt wenig von eigentlich so genannten Edelsteinen bekannt, doch habe ich vom Baronet Banks einen grobkörnigen Sand erhalten, den der Botaniker W. Braß am Cape Coast auf Guinea gesammelt, und worin sich be - sonders eine Menge Körner finden, die dem Hyacinth vollkom - men gleichen. Außerdem auch unter andern kleine dem Spinell ähnelnde Gerölle..

2. Zircon, Sargon.

Meist gelblichbraun; theils in allerhand blassen Far - ben, zumahl ins Gelbliche, Blauliche ꝛc. ; durchsichtig; von einem eigenen, fast metallischen, doch etwas fetti - gen Glanze; krystallisirt in vierseitigen Säulen, die mit vier auf den Seiten aufsitzenden Flächen zugespitzt sind ( tab. II. fig. 7. ); sehr hart. Gewicht = 4475 L. Manche werden stark vom Magnet angezogen. Gehalt (nach Klaproth) = 69 Zirconerde, 26,50 Kieselerde, 0,50 Eisenoxyd. Fundort Ceilon und Norwegen; hier nähmlich bey Friedrichswärn, in einem aus opalisiren - dem Feldspath und Hornblende gemengten Halbgranit.

III. Gadolingeschlecht.

Die nach ihrem Entdecker Profess. Gadolin benannte Erde unterscheidet sich von der Glücin - und Thonerde, mit welchen sie sonst in manchen Eigenschaften überein kommt, unter andern durch ihre Unauflösbarkeit in den ätzenden festen Laugen -489 salzen, und daß ihre salzsaure Auflosung sowohl durch blausaure Neutralsalze als auch durch Gerbestoff ge - fällt wird.

1. Gadolinit, Ytterit.

Schwarz; undurchsichtig; glänzend; kleinmuscheliger Bruch; halbhart; wirkt lebhaft auf den Magnet. Ge - halt (nach Ekeberg) = 55,5 Gadolinerde, 13 Kieselerde, 4,5 Glücinerde, 16,5 Eisenoxyd. Fundort Falun, und Ytterby in Roslagen in Schweden.

IV. Glücingeschlecht.

Die von Vauquelin entdeckte Glücin - erde (Süßerde) unterscheidet sich von der Thon - erde, mit welcher sie manche Eigenschaften gemein hat, schon dadurch, daß sie mit der Schwefelsäure nicht wie diese Alaun macht; und hat ihren Namen von der Eigenheit, daß sie mit Säuren süße und leicht zusammenziehende Salze bildet.

1. Beryll, Aquamarin. (Fr. Aigue marine.)

Meergrün in mancherley Schattirungen, einerseits bis ins Himmelblaue, anderseits dis ins Honiggelbe; durch - sichtig; Längenbruch muschelig; Querbruch blätterig; in sechsseitigen Säulen von mancherley Varietät krystalli - sirt. Gewicht = 2683. Gehalt (nach Vauquelin) = 16 Glücinerde, 69 Kieselerde, 13 Alaunerde, 0,5 Kalk - erde, 1 Eisenoxyd. Fundort vorzüglichst auf dem Adon - schelo zwischen Nertschinsk und dem Baikal, und eine gemeine grünlichgraue ꝛc. fast undurchsichtige, Abart in großen Säulen bey Chanteloupe in Haute-Vienne.

2. Smaragd. (Fr. Emeraude. Engl. Emerald.)

Seine Hauptfarbe hat von ihm selbst den Namen: seine Krystallisation ist eine sechsseitige Säule ( tab. II. fig. 10. ) in mancherley Abänderungen. Gewicht = 2775. Gehalt (nach Vauquelin) = 13 Glücinerde, 46,490 60 Kieselerde, 14 Thonerde, 2,56 Kalkerde, 3,50 Chro - miumkalk. Fundort vorzüglichst in Peru.

3. Euclasit.

Meist grünlich weiß; durchsichtig; glasglänzend; Län - genbruch blätterig; mit zweyfachem Durchgang der Blät - ter; leicht darnach zu spalten. Querbruch muschelig; krystallisirt als geschobene vierseitige Säule; hart. Ge - wicht = 3062. Gehalt (nach Berzelius) = 21,78 Glü - cinerde, 43,22 Kieselerde, 30,56 Alaunerde, 2,22 Ei - senoxyd, 0,70 Zinnoxyd. Fundort Brasilien.

V. Thongeschlecht.

Die Thonerde (terra argillosa) heißt auch Alaunnerde (terra aluminosa, Fr. alumine), weil sie mit der Schwefelsäure den Alaun bildet. Sie wird außerdem auch in der Salpetersäure und Salzsäure aufgelöst, und aus der Auflösung durch Kali wieder gefällt. Für sich ist sie im Feuer un - schmelzbar, verhärtet aber darin; und wird dabey (und zwar nach Verhältniß des Grades der Hitze) in einen kleinern Raum zusammen gezogen. Viele thonartige Fossilien geben, wenn sie angehaucht wer - den, den eigenen Thongeruch von sich. Die weichen kleben meist an der Zunge, und manche derselben saugen das Wasser ein, und werden darin zähe.

In dieses Geschlecht gehören zuförderst so auf - fallend es auch auf den ersten Blick scheinen muß manche farbige Edelsteine (Argilo-gemmes), deren einige, wie ihre genaueste Analyse gelehrt hat, fast aus bloßem Thone bestehen, der auf eine un - begreifliche Weise, zu so ausnehmend harten, durch - sichtigen, feurigen, edlen Steinalten verbunden ist (§. 240. S. 464.)

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1. Chrysoberyll. Cymophane.

Meist aus dem Weingelben ins Spargelgrüne; opa - lisirt ins Blaue; durchsichtig; glasglänzend; muscheliger Bruch; meist ungeformt in Körnern; selten krystallisirt als achtseitige Säule mit dergleichen Endspitze. Ge - wicht = 3710. Gehalt (nach Klaproth) = 71,50 Alaun erde, 18 Kieselerde, 6 Kalkerde, 1,50 Eisenoxyd. Fund - ort Brasilien.

2. Topas.

1) Edler Topas.

Gelb in mancherley Abstufungen; theils aber auch einerseits ins Rosenrothe, anderseits ins Meergrüne, Blauliche ꝛc. ; der Langenbruch muschelig; der Quer - bruch blätterig. Meist krystallisirt, und zwar gewöhn - lich als vier - oder achtseitige Säule, die beym brasili - schen mit vier, acht oder auch sechs Flächen zugespitzt ( tab. II. fig. 16. ), beym Sächsischen aber meh - rentheils mit einer sechsseitigen Fläche abgestumpft ist ( tab. II. fig. 9. ). Gewicht des brasilischen = 3515 L. Dieser zeigt auch die Elektricität des Turma - lins. Gehalt des Sächsischen (nach Vauquelin) = 49 Alaunerde, 29 Kieselerde, 20 Flußsäure. Fundort, in Europa zumahl bey Auerbach im Voigtlande auf dem Schneckenstein, in einem eigenen, merkwürdigen Mutter - gestein (dem Topasfels); in Asien vorzüglich bey Mukla in Natolien und am Ural in Sibirien; in America in Brasilien[ und in Neuholland jenseits der blauen Berge im Westen von Botanybay].

2) gemeiner Topas, Leucolith, Stangen - stein, weißer Stangenschörl, schörlartiger Beryll, Pyrophysalith. Pyctine.

Gelblich und grünlich-weiß, theils auch röthlich; we - nig durchscheinend; blätteriger Querbruch; in stänglich zusammengehäuften Säulen, theils in sechsseitigen Kry - stallen. Gewicht = 2530. Gehalt (nach Klaproth) = 49,50 Alaunerde, 43 Kieselerde, 4 Flußsäure, 1 Ei - senoyyd, 1 Wasser. Fundort vorzüglich im Stockwerk bey Altenberge im Erzgebirge, in einem gemengten Muttergestein von Glimmer und Quarz.

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3. Rubin, Spinell.

Roth in mancherley Abstufungen; daher die beson - dern Benennungen, da der pouceaurothe Spinell ge - nannt wird, der rosenrothe Balais, der ins Hya - cinthenrothe fallende Rubicell ꝛc., zuweilen geht er aber auch ins Blauliche, ins Weiße ꝛc. ; seine Krystalli - sation mannigfaltig; doch meist als doppelt vierseitige Pyramide ( tab. II. fig. 5. ) oder als sechsseitige Säule oder Tafel, in mancherley Abänderungen. Mit - tel-Gewicht 3700. Gehalt (nach Klaproth) = 74,50 Alaunerde, 15,50 Kieselerde, 8,25 Talkerde, 0,75 Kalk - erde, 1,50 Eisenoxyd*)Nach Vauquelin nur Thonerde mit 8,78 Talkerde und 6,18 Chromiumkalk.. Fundort Ceilon, Pegu ꝛc.

4. Gahnit, Automolit. Spinelle zincifère.

Schwarzgrün; an dünnen Kanten durchscheinend; zwischen Fett - und Glasglanz; muschliger Bruch; Kry - stallisation als doppelt vierseitige Pyramide; Gewicht = 4,177. Gehalt (nach Ekeberg) = 60 Alaunerde; 24,25 Zinkoxyd, 9,25 Eisenoxyd, 4,25 Kieselerde. Fund - ort bey Falun in Talkschiefer.

5. Saphir. Télésie.

Meist blau in mancherley Abstufungen; bis ins Weiße (ächter Luxsaphir) und zuweilen gar weingelb**)Manchmahl sogar gelb und blau am gleichen Stücke: s. z. B. im Inventaire des diamans de la couronne ꝛc. imprimé par ordre de l'Assemblée nationale. Par. 1791 8. T. I. p. 200. n. 4. Un saphir d'orient couleur saphir des deux bouts, et topaze au milieu., wozu vielleicht mancher so genannte ostindische Topas ge - hört; eigentlich durchsichtig; zuweilen in etwas opalisi - rend; seine Krystallisation als sechsseitige einfache oder doppelte Pyramide ( tab. II fig. 18. ). Ist der härteste Stein dieses Geschlechts. Mittel-Gewicht = 4000. Gehalt (nach Klaproth) = 98,50 Alaunerde, 1 Eisenoxyd, 0,50 Kalkerde. Findet sich wohl bloß als Gerölle; zumahl auf Ceilon.

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6. Demantspath und Corund*)s. Ch. Greville on the Corundumstone from Asia; in den Philos. Transact. 1798. P. I..

Ersterer rauchgran, letzterer meist apfelgrün, selten ins Haarbraune; beide wenig durchscheinend; von so genanntem Demant-Glanz, und spathartigem Gefüge; krystallisirt in sechsseitigen (zuweilen etwas conisch zu - laufenden) kurzen Säulen. Mittel-Gewicht, sowohl des schinesischen als hindostanischen, = 3911 L. Gehalt des letztern (nach Klaproth) = 89,50 Alaunerde 5,50 Kieselerde, 1,25 Eisenoxyd. Fundort Coromandel und Schina, im Granit. Gebrauch in jenen Ländern zum Schneiden und Poliren der Edelsteine und des Stahls**)Ich finde dieses merkwürdige Fossil schon in den voyages de Thevenot. T. III. Par. 1684. 4. p. 292..

Unter dem Namen von edlen Corund kann man die schönfarbigen, zumahl Rubinrothen und Saphir - blauen Abarten begreifen, die sich ebenfalls in Ostin - dien finden und wovon die erstern Salamrubine, die letztern aber vulgo Sternsaphire genannt wer - den, well sie, zumahl wenn sie an den Enden der Säule rundlich angeschliffen werden, bey auffallendem Lichte mit einem beweglichen sechsstrahligen Sterne spielen.

Dem Demantspath ist der Andalusit, Feldspath apyre, nahe verwandt, der weist Pfirschblüthroth, theils (namentlich in Tyrol) in vierseitigen Säulen krystalli - sirt, in Gneis und Glimmerschiefer bricht.

7. Smirgel. Smiris. (Fr. emeril. Engl. emery.)

Schwarzgrau, theils ins Indigblaue ꝛc. ; an den Kan - ten durchscheinend; schimmernd, theils fast metallisch glänzend; kleinkörniger theils splitteriger Bruch. Sehr hart. Gewicht ungleich. = 3922. Auch der Gehalt ungleich; doch (nach Tennant) immer sehr viel Alaunerde, mit weniger Kieselerde und Eisenkalk. Fund -494 ort des wahren Smirgels*)Denn sonst werden auch manche ganz heterogene Fossilien (z. E. in einigen Gegenden von Thüringen der Holzstein) wegen des ähnlichen Gebrauchs zum Schleifen harter Steine, des Glases, Stahls ꝛc. Smirgel genannt. unter andern Naxos, Estremadura und Eibenstock im Erzgebirge.

8. Türkis, Agaphit, dichter Thonhydrat.

Aus dem Himmelblauen ins Spangrüne; jene die kostbarsten; (verwittert ins Berggrüne;) undurchsichtig; in kleintraubigen knospigen Nierchen. Gewicht = 2900. Gehalt (nach John) = 73 Alaunerde, 18 Wasser, 4,5 Kupferoxyd, 4 Eisenoxyd. Kommt vorzüglich von Nischabur in Ostpersien. Bricht in Thonlagern zwischen Gangschiefer. Ward vulgo, aber irrig, für ein Petre - fact, nemlich für versteinte Fischzähne gehalten.

9. Schörl und Turmalin.

In den nachbenannten Farben; theils Glasglanz, theils Fettglanz; meist muscheliger Bruch. Theils als Gerölle, meist aber in drey - oder sechs - oder neunsei - tigen der Länge nach gestreiften Säulen, mit dreyseiti - ger kurzer Endspitze ( tab. II. fig. 12. ). Manche Abarten zeigen die sonderbare Elektricität, daß sie, wenn sie nur bis zu einer gewissen Temperatur erwärmt sind, Asche ꝛc. anziehen und abstoßen, und diese heißen Turmaline**)s. Curiöse Speculationes bey schlaflosen Nächten zu eigener nächtlicher Zeit-verkürzung, aufgezeichnet von einem Liebhaber der Immer Gern Speculirt. Chemnitz, 1707. 8. S. 269 u. f. wo der Verf. Dr. Garmann (lange vor L. Lemery) die erste bestimmte Nachricht vom ceilonischen Turmalin, gibt..

1) Schwarzer gemeiner Schörl und Tur - malin.

Meist kohlschwarz, undurchsichtig; doch theils in dün - nen Splittern braun oder grün durchscheinend. Hat glasartigen Bruch. Meist in langen Säulen (Stan - genschörl), theils nadelförmig; theils in kurzen dicken Säulen (Graupenschörl). Gehalt des Grön - ländischen (nach Gruner) = 41 Kieselerde, 32 Alaun - erde, 3 Talkerde, 5 Eisenoxyd, 1 Manganoxydul, 9 Bo -495 raxsäure, 5 Lithion. Bricht sowohl im Granit, als in manchen Ganggebirgsarten, zumahl im Gneis, Schnei - destein, Topasfels ꝛc. Fast in allen Welttheilen; na - mentlich in Tyrol, Grönland, auf Madagascar ꝛc.

2) Brauner Turmalin.

Bey auffallendem Lichte schwarzbraun, bey durchfal - lendem fast colophoniumbraun, durchsichtig; auch wie der schwarze theils in langen Säulen (so z. B. auf den Pyrenäen), theils in Graupen (z. B. auf Ceilon). Gehalt (nach Bergmann) = 39 Alaunerde, 37 Kiesel - erde, 15 Kalkerde, 9 Eisenoxyd.

3) Rother Schörl, Sibirit, Daürit, Ru - bellit.

Meist carmoisinroth; halbdurchsichtig; die Säulen in die Lange gestreift, theils stänglicht zusammengehäuft. Gewicht 3043. Gehalt (nach Vauquelin) = 40 Alaun - erde, 42 Kieselerde, 10 Natron, 7 Braunsteinkalk. Fundort Permien. Es gehört aber auch dazu der sonst so genannte krystallisirte Lepidolith von Rozena in Mähren.

4) Blauer Schörl, Indicolith.

Meist dunkel indigblau; nur an den Kanten durch - scheinend; Glasglanz, dem metallischen sich nährend; hart; meist in nadelförmigen, zusammengehäuften, der Länge nach gestreiften Säulen. Fundort Utön in Südermanland.

5) Grüner Turmalin, Peridot.

Meist lauchgrün; theils ins Stahlblaue; durchsichtig; die Säulen meist tief gefurcht. Gewicht = 3600. Ge - halt (nach Bergmann) = 50 Alaunerde, 34 Kieselerde, 11 Kalkerde, 5 Eisenoxyd. Fundort Brasilien.

10. Dichroit. Jolithe.

Dunkelveilchenblau; an den Kanten durchscheinend; Glasglänzend; hart; selten krystallisirt in kleinen sechs - seitigen Säulen. Gewicht = 2560. Gehalt (nach Stro - meyer) = 49,17 Kieselerde, 33,10 Alaunerde, 11,48 Talkerde, 4,33 Eisenoxyd. In Bayern, Spanien, Grönland ꝛc.

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11. Hornblende. Amphibole.

Schwarz und grün, in mancherley Abstufungen und Uebergängen. Undurchsichtig oder wenig durchscheinend; meist blätteriger Bruch; gibt grünlichgrauen Strich. Gewicht = von 3600 bis 3900. Gibt, wenn sie ange - haucht wird, den eigenen Thongeruch von sich.

Als besondere Arten verdienen angemerkt zu werden:

1) gemeine Hornblende (Fr. roche de corne striée).

Theils strahlig, büschelförmig ꝛc. Gehalt (nach Klap - roth) = 42 Kieselerde, 12 Alaunerde, 11 Kalkerde, 2,25 Talkerde, 30 Eisenoxyd, 0,25 Manganoxyd. Eins der weitest verbreiteten ältesten Fossilien auf unserem Planeten; das einen der gemeinsten Gemengtheile vie - len Aftergranits ausmacht.

2) Hornblendeschiefer.

Meist mit kurzen durch einander laufenden strahligen Fasern; in scheibenförmigen Bruchstücken.

3) Basaltische Hornblende.

Meist in kurzen sechs - oder achtseitigen Säulen, die theils tafelartig, und mit zwey oder drey Endflächen zugeschärft oder zugespitzt sind. Meist eingewachsen in Basalt und Tuffwacke; auch eingemengt in Laven.

12. Schillerstein, Schillerspath. (Fr. Dial - lage metalloide.*)s. J. C. Freiesleben über das schillernde Fossil von der Baste bey Harzburg. Leipz. 1794. 8. ; und J. Fr. L. Hausmann in den Norddeutschen Beyträgen zur Berg - und Huttenkunde 1. St. S. 1.).

Messinggelb, ins Grünliche; kaum merklich durchschei - nend; von metallischem, schillerndem Glanze; geradblät - terig; weich. Gehalt (nach J. Fr. Gmelin) = 17,9 Alaun - erde, 43,7 Kieselerde, 11,2 Talkerde, 23,7 Eisenoxyd. Fundort im harzburger Forst am Harz, in einem grün - lichschwarzen, mit Serpentin und Asbest durchzogenen Urgrünstein.

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13. Glimmer. Mica.

Meist rauchgrau in mancherley Abstufungen, theils mit Silber - oder Messing-Glanz, oder tombackbraun bis ins Schwarze; mehr oder weniger durchsichtig; meist geradeblätterig, selten krummblätterig (wie z. B. Mica hemisphaerica Linn.) Jene theils in Bogengröße; so z. B. das russische Frauenglas oder Fenster - glimmer [Engl. Isinglass. Russ. Sliuda*)Von der merkwürdigen Eigenschaft des russischen Frauen - glases, daß es den Lichtstrahl ungebrochen und vollkommen pa - rallel durchgehen läßt, und dem nützlichen Gebrauch den man folglich davon bey astronomischen Instrumenten machen kann, s. des B. von Zach monatl. Corresp. III. B. p. 239 u. f.]; die Blätter elastisch biegsam; meist ungeformt, theils aber krystallisirt und dieß gewöhnlich in sechsseitigen Tafeln. Gewicht = 2934. Gehalt des russischen Frauenglases (nach Klaproth) = 34,25 Alaunerde, 48 Kieselerde, 8,75 Kali, 4,50 Eisenoxyd, 0,5 Talkerde und Mangan - oxyd. Auch eins der primitivsten und allgemeinst ver - breiteten Fossilien in unserer Erdrinde; in allen dreyen Hauptarten von Gebirgen (§. 227-230).

14. Lepidolith, Lillalit. (Fr. Mica grenu)

Lillaroth, theils ins Graue, Bräunliche ꝛc. ; an den Kanten durchscheinend; schimmernd; fast metallischer Glanz; unebner, kleinschuppiger, fast glimmeriger Bruch; halbhart. Gehalt (nach Klaproth) = 38,25 Alaunerde, 54,50 Kieselerde, 4 Kali, 2,50 Wasser, 0,75 Mangan - und Eisenoxyd. Fundort bey Rozena in Mähren, in einer gemengten Gebirgsart von Feldspath und großen Quarzbrocken.

15. Kryolith, flußsaurer Thon.

Fast milchweiß; durchscheinend; glasglänzend; von dickschaligem Gefüge; weich. Gewicht = 2957. Schmilzt sehr leicht vor dem Löthrohre zu milchweißen Kügelchen. Gehalt (nach Klaproth) = 24 Alaunerde, 40 Fluß - säure, 36 Natron. Fundort Grönland.

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16. Tetraklasit, Skapolith mit Wernerit oder Fettstein, und Sodalit ꝛc. Paranthine.

Aus dem Grünlichgrauen ins Gelblichgraue und Lauch - grüne ꝛc. ; durchscheinend; hart; derb oder in vierseiti - gen Säulen krystallisirt. Gehalt (des Skapoliths, nach John) = 50,25 Kieselerde, 30 Allaunerde, 10,45 Kalk - erde, 3 Eisenoxyd, 1,45 Manganoxyd, 2 Kali, 2,85 Wasser. Meist im Gneis in Norwegen und Schweden; der Sodalit in Grönland.

17. Feldspath. (Fr. Spath étincelant, Engl. Field spar.)

Von mancherley, doch meist blassern Farben; meist nur wenig durchscheinend; meist mit wahren Spathgefüge; theils ungeformt, theils verschiedentlich krystallisirt; häu - fig als Bestandtheil gemengter Gebirgsarten; theils mit andern Fossilien (z. B. mit Quarz oder Hornblende) innig gemengt.

Man unterscheidet folgende fünf Arten desselben:

1) Dichter Feldspath.

D.h. ohne merkliches Spathgefüge: von der Art ist z. B. der blaßlauchgrüne im ägyptischen Serpentino verde antico.

2) Gemeiner Feldspath.

Meist weißlich, gelblich, röthlich ꝛc. doch theils auch in andern und selbst hohen Farben, z. B. smaragdgrün mit mattem Perlenmutterglanz im so genannten Amazo - nenstein aus dem Catharinburgischen; mit deutlichen Spathgefüge; häufig krystallisirt, zumahl in sechsseitigen (einfachen oder zu Zwillingskrystallen verbundenen) Tafeln mit zugeschärften oder zugespitzten Enden, oder in Rhomben, in vierseitigen Säulen ꝛc. Manche Abarten verwittern leicht (zu Porcellanthon). Gewicht des sma - ragdgrünen sibirischen = 2573 L. Und der Gehalt des nähmlichen (nach Vauquelin) = 65 Kieselerde, 17 Alaunerde, 3 Kalkerde, 13 Kali. Ueberhaupt aber ist der gemeine Feldspath wiederum eine der uranfäng - lichsten Fossilienarten unsers Erdkörpers, als Hauptge -499 mengtheil des Granits, wo er in manchen Abarten den bey weiten vorwaltenden Theil ausmacht*)So z. B. in dem merkwürdigen Portsoy-Granit aus Aberdeenshire, wo die Feldspathmasse nur wie mit Quarz - blättchen und Splittern so sonderbar durchzogen ist, daß das Fossil, nach bestimmter Richtung angeschliffen, gleichsam das Ansehen einer cufischen Steinschrift erhalt, daher es auch den Namen, pierre graphique, erhallen hat. s. Voigt's Ma - gazin. VI. B. 4. St. S. 21..

3) Glasiger Feldspath.

Theils farbenlos, und wasserhell; theils weiß; glas - glänzend; theils ungeformt (so z. B. eingewachsen, in man - chen hieländischen Basalt); theils säulen - oder ta - felförmig krystallisirt (so z. B. in ersterer Form im Gra - nit vom Drachenfels am Rhein, in letzterer am Vesuv).

4) Adular, Mondstein.

Meist weiß; durchscheinend; perlmutterglänzend; opa - lisirend; seine Krystallisation meist wie am gemeinen Feldspath. Gewicht = 2561. Fundort zumahl auf der Adula am St. Gotthard (theils in großen Krystallen), und der eigentliche Mondstein als Gerölle auf Ceilon**)Ihm ähnelt das seltene Feldspath-Avanturino (Avanturinspath) vom weißen Meere. Ein blaßfleischro - ther Feldspath, der mit zarten, goldglänzenden Glimmerblätt - chen durchmengt ist, und dessen geschliffene Oberfläche mit einem schönen blauen Widerscheine opalisirt..

5) Labradorstein.

Seine Grundfarbe meist schwärzlichgrau, aber bey auffallendem Lichte in mancherley, theils hohe Farben schillernd, theils mit Messing - oder Tombackglanz; durch - scheinend. Gewicht = 2692. Gehalt (nach Klaproth) = 55,75 Kieselerde, 26,50 Alaunerde, 11 Kalkerde, 1,25 Eisenoxyd, 4 Natron, 0,50 Wasser. Fundort vorzüglich auf Labrador und in Ingermanland.

Auch zum Feldspath rechnete Werner 6) den Hohl - spath, Chiastolith, Macle, ein sonderbares Fossil von weißer oder gelblichgrauer Farbe, in langen dün - nen vierseitigen Säulen die im Querbruch in der Mitte500 einen schwarzen ebenfalls viereckten Kern zeigen der von seinen Ecken nach den Kanten der Säule ausläuft. Es hat Fettglanz, feinsplitterigen Bruch, und ritzt ins Glas. Gewicht = 2944. Es ist in Thonschiefer ein - gewachsen. Fundort zumahl Bretagne, und Gefrees im Bayreuthschen.

18. Kieselspath*)Hausmann in den Götting. gel. Anz. 1817. S. 1401. nd Stromeyers Untersuchungen I. B. S. 300., Albit, Cleavelandit.

Aehnelt im äußern dem Adular; hat aber eine aus - gezeichnet blätterige Textur. Gehalt (nach Stromeyer) = 70,67 Kieselerde, 59,80 Alaunerde, 9 Natron ꝛc. Fundort in Massachusets.

19. Aluminit, (so genannte) reine Thonerde.

Kreideweiß; erdiger Bruch; mürbe; abfärbend; ma - ger anzufühlen; meist in kleinen Nieren. Gewicht = 1669. Gehalt (nach Stromeyer) = 30,26 Alaunerde, 23,36 Schwefelsäure, 46,37 Wasser. Fundort zumahl bey Halle.

20. Porcellanerde, Kaolin der Schinesen.

Weißlich, in allerhand blasse Farben übergehend; mager; sanft anzufühlen; von verschiedenem Zusammen - hange. Gehalt verschieden; z. B. der Passauer (nach Fuchs) = 45 Kieselerde, 32 Alaunerde, 0,74 Kalkerde, 0,90 Eisenoxyd, 18 Wasser. Fundort in vielen Län - dern von Europa und Asien. Ist wenigstens großen - theils aus verwittertem Feldspath entstanden.

21. Gemeiner Thon.

Meist von grauer Farbe, und aus derselben durch mancherley Uebergänge in andere; matt; weich; fettig anzufühlen; der Bruch häufig ins Schieferige; gibt angehaucht den eigenen Thongeruch. Es gehören dahin

1) Töpferthon. (Fr. l'argile plastique.)

Sehr weich; wird im Wasser zähe; brennt sich im Feuer mehrentheils ziegelroth; variirt mannigfaltig in501 Ansehen, Feinheit, Gehalt und der davon abhängenden vielfachen Brauchbarkeit, z. B. zu Terra cotta, Fayence, Steingut, so vielartiger anderer Töpferwaare*)Zu den besonders merkwürdigen Abarten des Töpferthons, die sich durch auffallende Eigenheiten der daraus gebrannten Ge - fäße auszeichnen, gehören vorzüglich1) die, woraus die bewundernswürdigen antiken griechischen und so genannten etruskischen Vasen gearbeitet worden, die sich besonders durch ihre so ausnehmende Leichtigkeit un - terscheiden.2) Die, aus welcher die Portugiesischen Rucaros de Estremoz gedreht werden, welche einen angenehmen abstringirenden Geschmack haben, und selbigen auch dem daraus genossenen Getränk mittheilen.3) Die, woraus man in Szent-Laszlo in Siebenbürgen die sonderbaren Blasentöpfe mit großen aufgetriebenen Bla - sen in ihren Wänden verfertigt., Ta - backspfeifen, türkischen Pfeifenköpfen, Schmelztiegeln, Ziegeln, auch zum Walken schlechter Tücher, zum Raf - finiren des Zuckers ꝛc. Findet sich meist in aufge - schwemmtem Lande, nahe unter der Dammerde.

2) Verhärteter Thon, Thonstein.

Von verschiedener Farbe und Festigkeit; meist fein - erdigem Bruche; macht theils den Grundteig mancher Porphyre aus. Gebrauch in theils Gegenden als Baustein.

3) Schieferthon, Zechstein.

Meist rauchgrau, ins Schwarze, der Bruch schieferig, scheibenförmig; manche Abarten hängen stark an der Zunge**)Vor allen bis jetzt bekannten Fossilien thut dieß der von jüngern Lowitz 1772 bey Dmitriewsk an der Mündung der Kamyschinka in die Wolga entdeckte überaus merkwürdige asch - graue Hygrometer Schiefer, der von der äußerst scharfsin - nigen Anwendung den Namen hat, die dieser treffliche Chemiker davon gemacht, und in Lichtenberg's Göttingischem Magazin 3ten Jahrg. 4tem Stück, S. 401 u. f. genau beschrieben hat.; oft mit Kräuterabdrücken (Kräuterschie - fer). Ein gewöhnlicher Gefährte der eigentlichen Steinkohlen. Uebergänge in Thonschiefer, Porcellan - Jaspis.

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Wenn er stark mit Erdharz durchdrungen ist, heißt er Brandschiefer, Kohlenschiefer, Schistus carbonarius, (Engl. slag, cleft); dieser brennt mit Harzgeruch und wird dabey heller. Kann auch sehr gut zu mancher Art von Feuerung gebraucht werden, weß - halb er denn auch von manchen Mineralogen den Stein - kohlen selbst beygezählt wird

22. Lehmen, Leimen. Limus. (Engl. Loam.)

Meist leberbraun; groberdig; im Wasser erweichbar; innig gemengt mit Sand und Kalk, daher er mit Säuern braust, und theils leicht im Feuer schmilzt; meist eisenhaltig. Fundort in aufgeschlemmtem Lande.

23. Bolus [der Mineralogen*)Denn vom officinellen armenischen Bolus s. die folg. S.], lemnische Erde, Siegelerde. Terra Lemnia s. si - gillata.

Meist leberbraun, theils ins Fleischrothe; fettig; muscheliger Bruch; glänzender Strich; weich; hängt stark an der Zunge; zerfällt im Wasser mit Aufstoßen von Luftblasen und Geräusch, gibt angehaucht den Thongeruch. Gehalt (nach Klaproth) = 66 Kieselerde, 14,50 Alaunerde, 6 Eisenoxyd, 3,50 Natron, 0,35 Kalkerde, 0,25 Talkerde, 8,50 Wasser. Fundort vor - züglich auf der Insel Stalimene (Lemnos).

24. Walkererde. Argilla fullonum. (Engl. ful - ler's earth.)

Meist leberbraun, aber auch in andern Farben; theils streifig, oder fleckig; matter, erdiger Bruch; fettig anzufühlen; gibt glänzenden Strich, und Thongeruch; saugt leicht Fett ein; daher ihre wichtige Benutzung. Gehalt (nach Klaproth) = 53 Kieselerde, 10 Alaun - erde, 0,50 Kalkerde, 1,25 Talkerde, 0,75 Eisenoxyd, 0,10 Kochsalz, 24 Wasser. Fundort der vorzüglichsten in Hampshire.

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25. Bergseife.

Theils bräunlich schwarz, theils gelblich weiß mit grauen und leberbraunen Adern; seifenartiger Bruch; sehr fettig anzufühlen; hängt stark an der Zunge, und läßt sich spähneln. Gehalt (nach Bucholz) = 44 Kie - selerde, 26,5 Alaunerde, 0,5 Kalkerde, 8 Eisenoxyd, 20,5 Wasser. Fundort in Thüringen, auch bey Med - ziana Gera in Polen ꝛc.

26. Steinmark. Lithomarga. (Engl. stone - marrow.)

Weißlich, aber in allerhand Uebergängen zu allen drey Grundfarben; theils streifig, oder marmorirt (so z. B. die meist veilchenblaue ist genannte Wundererde von Planitz bey Zwickau) von sehr verschiedener Festig - keit; vom Zerrelblichen bis zum Halbharten*)Von der Art besitze ich ein rahmgelbes, ausnehmend fein - körniges Steinmark von der Insel St. Helena, das selbst seine schärfsten Kanten in einer Hitze die Eisen schmilzt, unverän - dert erhält.; letzteres mit muscheligem Bruche. Gehalt desselben (nach Klap - roth) = 45,25 Kieselerde, 36,50 Alaunerde, 2,75 Ei - senoxyd, 14 Wasser.

Auch der officinelle ziegelrothe meist weißlich gespren - kelte armenische Bolus gehört hierher.

Und diesem ähnelt, wenigstens im äußern, die bey den Alten so berühmte, von ihrem Fundorte benannte Sinopische Erde, (Sinopis pontica).

Besonders merkwürdig ist das vom sel. von Trebra im tiefen Georgstollen bey Clausthal auf Grauwacke entdeckte milchweiße Steinmark, welches mittelst eines Federkiels einen phosphorescirenden Strich gibt.

27. Bildstein, schinesischer Speckstein. Agalmatolithe.

Aus dem Weißen ins Gelbliche, Grünliche, Rothe; mehr oder weniger durchscheinend; Gewicht = 2600; ähnelt überhaupt im Aeußern dem eigentlichen Speck - steine; enthält aber keine Talkerde, sondern (nach Klap -504 roth) = 36 Alaunerde, 54 Kieselerde, 0,75 Eisenoxyd, 5,50 Wasser. Fundort in Schina, wo er bekanntlich zu mancherley kleinen Kunstsachen verarbeitet wird.

28. Röthel. Rubrica. (Fr. crayon rouge. Engl. red-chalk.)

Blutroth, ziegelroth ꝛc. ; erdig; abfärbend; meist schieferiger Bruch. Gewicht = 3931. Innig gemengt mit rothem Eisenocher (doch nur in wenigen pro Centen).

29. Gelberde.

Ochergelb; theils ziegelroth; erdig; abfärbend; weich; gibt starken Thongeruch. Fundort zumahl in der Ober - lausitz, in ganzen Flözen.

30. Grünerde, grüne Kreide.

Verggrün in verschiedenen Abstufungen; erdiger Bruch; etwas fettig; theils derb (so bey Verona); theils als Ueberzug in Drusenlöchern im Trapp (Mandelstein) und auf den darin liegenden Chalcedon - und Zeolith-Nieren (so z. E. bey Ilfeld und auf den Färöern).

31. Wavellit, Hydrargillit, phosphorsau - rer Thon. Diaspore.

Weiß in allerhand Farben; meist Perlmutterglän - zend; theils erdig; theils divergirend strahlig und durch - scheinend; letzterer halbhart. Gehalt (nach Fuchs) = 37,2 Alaunerde, 35,12 Phosphorsäure, 28 Wasser. Fundort in Devonshire (in Kieselschiefer) und Böhmen (auf Sandstein).

32. Alaunthon.

Ganz in den nähmlichen drey Abarten wie der ge - meine Thon, von dem er sich aber unter andern auch meist schon durch einen süßlich zusammenziehenden Alaun - geschmack auszeichnet.

1) Alaunerde, Lebererz.

Meist schwarzbraun; erdiger Bruch; glänzender Strich; theils in ganzen Flözen. Uebergang in Braunkohle.

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2) Alaunstein.

Weiß, ins Gelbliche, Grauliche ꝛc. (im Feuer brennt er sich röthlich); theils an den Kanten etwas durch - scheinend (mehr noch wenn er im Wasser liegt); halb - hart; theils abfärbend. Gehalt (nach Vauquelin) = 43,92 Alaunerde, 24 Kieselerde, 25 Schwefelsäure, 3,80 Kali, 4 Wasser. In ganzen Flözen bey Tolfa im Kirchenstaat.

3) Alaunschiefer.

Graulich, theils ins Schwarze; bricht scheibenförmig; theils gerade-theils krumm-blätterig; theils in Ku - geln; der Bruch theils matt, theils glänzend; hält häufig Schwefelkies eingemengt; bricht theils ( aber bey weiten nicht ausschließlich ) in Ganggebirgen als Thonschiefer, von dem er im Aeußern oft kaum zu un - terscheiden ist; und theils hingegen unläugbar in Flötz - gebirgen mit Abdrücken von Versteinerungen aus beiden organisirten Reichen; so z. B. als Kräuterschiefer im Saarbrückischen; und als Trilobitenschiefer bey Andra - rum. Gehalt des von Garphytta in Schweden (nach Berzelius und Hisinger) = 44,70 Kieselerde, 10,30 Thon, 26,77 Erdharz, 18,23 Schwefelkies.

21. Thonschiefer, Layenstein, Wacke. Schi - stus. (Fr. Ardoise. Engl. Slate.)

Grau, in mancherley andere Farben übergehend, bis ins Schwarze; theils gestreift, oder fleckig ꝛc. ; schim - mernd, theils mit Seidenglanz; von sehr verschiedener Feinheit des Korns; der Bruch theils gerade theils wellenförmig; die Bruchstücke meist scheibenförmig; doch theils auch nur in dicken und undeutlichen Ablosungen; selten trapezoidisch; weich oder halbhart. Gibt graulich - weißen Strich (scriptura) Ueberhaupt aber in endlo - ser Mannigfaltigkeit von Abarten, die theils von ih - rem Gebrauch den Namen haben, z. B. Probirstein (Ital. pietra paragone, die ein wahrer Thonschie - fer ist ), Tafelschiefer, Dachschiefer ꝛc. Auch mancherley Uebergänge in Kieselschiefer, Glimmerschie - fer ꝛc. Hauptsächlich in Ganggebirgen. Doch auch theils in Flözgebirgen ( so z. B. der glarner Tafel - schiefer vom Blattenberge ).

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Eine besondere Abart ist der Zeichenschiefer oder die schwarze Kreide, ampelites; sehr weich; ab - färbend.

34. Wetzschiefer. (Fr. pierre à rasoir. Engl. whet-stone.)

Meist grünlich - oder gelblich-grau; theils ins rahm - gelbe und graulich-schwarze; nur an den Kanten wenig durchscheinend; schwachschimmernd; schiefriger Bruch; theils splitterig; halbhart; bricht in Ganggebirgen; vor - züglich in der Levante, in Deutschland unter andern im Bayreuthschen.

35. Klingstein. (Fr. Phonolithe.)

Grau in mancherley Schattirungen, zumahl ins Grün - liche; mattschimmernd; an den Kanten durchscheinend; von schiefrigem Gefüge; der Bruch grobsplitterig; halbhart: zähe; Gewicht = 2575. Gehalt (nach Klap - roth) = 23,50 Alaunerde, 57,25 Kieselerde, 2,75 Kalk - erde, 3,25 Eisenoxyd, 0,25 Manganoxyd, 8,10 Natron, 3 Wasser. Hat den Namen vom Klange den dünne Scheiben beym Anschlagen von sich geben; macht die gewöhnliche Grundmasse des Porphyrschiefers. Fundort unter andern in Böhmen und Lausitz.

36. Trapp, Wacke. Saxum trapezium Linn. Corneus trapezius Waller. (Engl. Whin - stone.)

Meist graulichschwarz, aber auch ins Grünliche und ins Rothbraune; undurchsichtig; matter feinkörniger Bruch, theils ins Erdige; ungeformt; Härte und Ge - wicht verschieden. Macht oft die Grundmasse einer porphyrähnlichen gemengten Gebirgsart aus, da er an - dere Fossilien eingemengt enthält, z. B. basaltische Hornblende, Glimmer, Zeolith, Chalcedon, Kalkspath - nieren ꝛc. Dahin gehören also die mehresten Man - delsteine, wie z. B. die von Ilfeld; der Blatter - stein (Perlstein) von Lerbach am Harz, der Toad - stone von Derbyshire. Uebergang in Grünstein, Ba - salt ꝛc. Eine durch die entferntesten Weltgegenden ver - breitete Gebirgsart; findet sich z. B. nördlich bis Is -507 land, Kamtschatka ꝛc. und so auch fast im äußersten von Europäern besuchten Süden auf Kerguelen-Land.

Vermuthlich gehören noch hierher:

a. Manche vulgo so genannte dichte Lava vom Vesuv.

Meist braunroth; mit eingemengter schwarzer oder grüner basaltischen Hornblende und kleinen Kalkspath - körnern. Scheint das Urgestein zu vielen vesuvischen Laven, denen sie insgemein (aber irrig) selbst beyge - zählt wird.

Und auch wohl b. der so genannte Variolit.

Dunkellauchgrün, mit eingesprengten blaßberggrünen Nierchen, die dem Stein ein pockenartiges Ansehen ge - ben. Fundort zumahl im Bayreuthischen und als Ge - rölle in der Durance bey Briançon.

37. Basalt, Beilstein.

Aus dem Schwarzen ins Grauliche, Blauliche und theils auch ins Grünliche: von sehr ungleichem Korn; mehr oder weniger dicht; theils in unebnen schieferigen Ablosungen, theils wie aus runden Körnern zusammen - gebacken ꝛc. Ueberhaupt aber entweder ungeformt, oder säulenförmig. Diese Säulen, von drey bis neun Sei - ten, stehen theils zu taufenden dicht aneinander; meist schräg, wie angelehnt, theils aber auch aufrecht: theils gebogen; theils gar aufs regelmäßigste gegliedert*)So vor allen die unzähligen mächtig großen Basaltsäu - len, die eins der prodigiosesten Phänomene in der physischen Erdkunde, nähmlich den Riesendamm (Ciant's Causeway) an der Nordküste von Irland ausmachen. Ich besitze von die - sem berühmtesten aller Basalte vier zusammenpassende Glieder, die zusammen auf 400 Pfund wiegen, und wovon ich eine ge - naue Zeichnung im zweyten Hefte der Abbildungen naturhist. Gegenstände tab. 18. geliefert habe. Immer bleibt die äußerst regelmäßige Articulation dieser Säulen eines der räthselhaftesten und merkwürdisten Phänomene der Geogenie.; und diese Glieder zuweilen durch Verwitterung kuge - licht abgerundet. Ueberhaupt von sehr verschiedener Härte, specifischem Gewicht ꝛc., wirkt theils sehr stark auf den Magnet. Gehalt eines Böhmischen Säulen - basalts (nach Klaproth) = 16,75 Alaunerde, 44,50508 Kieselerde, 9,50 Kalkerde, 2,25 Talkerde, 20 Eisenoxyd, 0,12 Manganoxyd, 2,60 Natron, 2 Wasser. Hält ge - meiniglich eine oder mehrere Gattungen von mancherley andern Fossilien eingemengt, zumahl Olivin, Augit, Speckstein, Feldspath, Zeolith, basaltische Hornblende ꝛc. Uebergänge zumahl in Trapp, Tuffwacke und Lava; auch theils in den eigentlichen Grünstein eine aus Hornblende und Feldspath innig gemengte Gebirgsart (Fr. Roche amphibolique)*)Dahin scheinen die mehresten antiken ägyptischen Ba - salte zu gehören. In manchen Abarten derselben, zumahl unter den schwarzen, sind die Gemengstoffe noch von einander zu un - terscheiden, und diese gehen dann in den aus Hornblende und Feldspath bestehenden Halbgranit über. Mehr davon habe ich in dem Specimen historiae naturalis antiquae artis operi - bus illustratae p. 29. gesagt.. Gemeiniglich in ein - zelnen Bergen (Kuppen); die aber in theils Gegenden ganze Züge machen.

Beides Basalt und Trapp, die zu den weitest ver - breiteten Flözgebirgsarten der Urwelt gehören, werden leicht vom Feuer angegriffen; und da sich man seit der Schöpfung unseres Planeten so mancherley unterirdische Selbstentzündungen in seiner Rinde ereignet, so begreift sich wohl, wie dieselben an manchen Orten, vorzüglich auf jene beiden so leichtflüssigen Steinarten, gewirkt, und diese dadurch hin und wieder die unverkennbarsten. Spuren ihrer im Feuer erlittenen Veränderung er - halten haben.

38. Tuffwacke, Basalttuff (Ital. Tufa).

Meist aschgrau, theils ins Gelbliche, theils Roth - braune ꝛc. ; erdiger Bruch; verschiedene Festigkeit; leicht; großentheils vulcanischen Ursprungs. Daher auch ihr gewöhnlicher Fundort bey Vulcanen und ehemahligen Erdbränden.

Ueberhaupt lassen sich die mancherley Verschiedenhei - ten derselben unter folgende zwey, freylich theils in einander übergehende, Hauptarten bringen;

1) Schwammige Tuffwacke.

Von löcherigem, bläserigem, lockerem oder dichterem Gefüge, und mehrerer oder minderer Festigkeit.

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Zu der lockerern Abart gehört z. B. die roth - braune mit Leucit durchmengte, woraus Pompeji großen - theils erbaut war; und die mit basaltischer Hornblende, welche in der Gegend von Andernach die Mittellage, zwischen dem Traß und dem so genannten Rheinländi - schen Mühlstein ausmacht.

Zur dichtern hingegen das aschgraue vielen Feld - spath haltende Piperno der Phlegräischen Felder, und die mehreste der besonders mit Olivin gemengten Tuff - wacke vom Habichtswalde ohnweit Cassel.

2) Erdige Tuffwacke.

Dahin gehören nahmentlich folgende zwey, wegen ihrer Brauchbarkeit zum Wasserbau, besonders merk - würdige Abarten:

a. Pozzolana. Pulvis puteolanus Vitruv. Ther - mantide cimentaire.

Aschgrau; theils staubartig, theils aber in Brocken. Fundort zumahl bey Pozzuolo. Scheint auch das Haupt-Ingrediens zu Faxe's Steinpapier zu seyn.

b. Traß, Tarras.

Gelblichgrau; hält häufig Bimssteinbrocken; auch zu - weilen Aeste oder kleine Stämme von verkohltem Holze*)So wie sich dergleichen auch zuweilen im Piperno findet. s. Sir Will. Hamilton's Campi phlegraei tab. 40. nr. 3.. Fundort zumahl bey Andernach am Rhein.

39. Lava und Erdschlacke. Scoria Vulcani.

Versteht sich bloß die durch unterirdische Selbstent - zündungen mehr oder weniger vom Feuer angegriffe - nen, theils verschlackten, theils verglasten Fossilen, zumal basaltischen Ursprungs; wodurch in den Vul - canen die Laven, in andern Erdbränden aber die Erdschlacken entstehen**)s. K. W. Nose's Beyträge zu den Vorstellungen über vul - canische Gegenstände. Frankf. 1792-94. III. Th. 8..

Meist sind sie schwarz, doch auch theils ins Graue, Rothbraune ꝛc. ; höchstens nur in zarten Splittern durch - scheinend; von sehr verschiedenem Gewicht und Ge -510 halt, nach Verschiedenheit der Primordialfossilien, wo - raus sie gebildet und des Grades und der anhalten - den Dauer des Feuers, dem sie ausgesetzt worden. Die Laven enthalten, so wie der Basalt und die Tuff - wacke, oft basaltische Hornblende, Olivin, Leucit ꝛc. eingeschlossen.

Im Ganzen lassen sie sich unter folgende zwey Haupt - arten bringen:

1) Schlackenartige Laven.

Die gemeinsten; meist eisenschwarz; auf dem Bruche mattglänzend; schwer; theils auf mancherley Weise ge - flossen, getropft, ästig*)Unter denen vom Vesuv verdient die seilförmige, spiralartig gedrehte vom Atrio di Cavallo und die eyförmige Bombe, die zumahl bey der großen Eruption von 1790 ausge - worfen worden, besondere Erwähnung. Von jener s. die Campi phlegraei tab. 13 und 33, und von dieser das Supplement dazu tab. 4..

Unter den hierher gehörigen Erdschlacken ist nament - lich der so genannte Rheinländische Mühlstein aus der Gegend von Andernach zu merken.

2) Glasartige Laven.

Rauchgrau, schwarz, braun ꝛc. ; meist glasglänzend; mit muscheligem Bruch; manche ähneln dem Obsidian, andere dem Pechstein. Fundort zumahl auf den lipari - schen Inseln, auf den neu entstandenen vulcanischen bey Santorini, auf der Insel Ascension im atlantischen Ocean, auf der Oster-Insel in der Süd-See ꝛc.

VI. Talkgeschlecht.

Die Talkerde, deren auszeichnende Eigenschaft zuerst von Prof. Black genau bestimmt worden, heißt auch Bittererde (terra magnesialis), weil aus ihrer Verbindung mit der Schwefelsäure das Bittersalz entsteht; und terra muriatica, weil sie häufig aus der Muttersole (muria) gewonnen wird,511 die nach der Krystallisation des Kochsalzes zurück bleibt. Sie schlägt alle andere Erden aus ihren Auflösungen in Säuren nieder, löst sich selbst leicht in Säuren auf, und theilt denselben einen bitteren Geschmack mit. Blaue Pflanzensäfte färbt sie grün. Ihr Verhalten im Feuer kommt großentheils mit der Alaunerde ihrem überein.

Sonderbar, daß bey den unter dieses Geschlecht gehörigen Fossilien mehrentheils die grüne Farbe vorwaltet. Meist fühlen sie sich fettig an. Die mehresten finden sich ungeformt, und bloß in Gang - gebirgen, daher sie nie Versteinerungen enthalten.

1. Chlorit.

Berggrün, lauchgrün ꝛc. ; undurchsichtig; mattschim - mernd; theils schuppig; weich; gibt angehaucht den Thongeruch von sich.

Diese Gattung begreift folgende drey Arten:

1) Chloriterde, Sammeterde.

Locker zusammen gebacken, oder staubig; schimmernd; nicht abfärbend; mager anzufühlen. Gehalt (nach Vau - quelin) = 8 Talkerde, 26 Kieselerde, 18,50 Alaunerde, 43 Eisenoxyd. Findet sich zumahl zwischen und im Bergkrystall, vorzüglich auf Madagascar und dem St. Gotthard.

2) Gemeiner Chlorit, verhärtete Chlorit - erde.

Fettglänzend; mit feinerdigem, theils blätterigem oder krummschieferigem Bruch. Meist als Ueberzug über mancherley krystallisirte Fossilien, z. B. über Gra - naten, Bitterspath, Bergkrystall, magnetischem Ei - senstein ꝛc.

3) Chloritschiefer.

Theils schwarzgrün; fettglänzend; schieferig; gibt grünlichgrauen Strich; hält oft Granaten, Stangen - schörl ꝛc. eingewachsen. Gehalt (nach Gruner) = 29,50 Kieselerde, 15,62 Alaunerde, 21,39 Talkerde, 1,50512 Kalkerde, 7,38 Wasser. Uebergang in Thonschiefer, Talkschiefer ꝛc. Fundort zumahl in Tyrol, Norwegen und auf Corsica.

Mancher so genannte Schneidestein gehört hierher, mancher hingegen zur nächstfolgenden Gattung, und wiederum zum Talkschiefer.

2. Topfstein, Lavezzstein, Weichstein. La - pis ollaris, s. lebetum, s. Comensis.

Meist grünlichgrau; undurchsichtig; erdiger Bruch, theils wenig schimmernd; fettig anzufühlen; fast blätte - riges Gefüge; weich. Gewicht (eines von Neu-Ca - ledonien auf der Süd-See) 2622 L. Gehalt (nach Wiegleb) 38,54 Talkerde, 38,12 Kieselerde, 6,66 Alaunerde, 12,2 Eisenoxyd. Fundort zumahl Grau - bünden und Grönland. Gebrauch vorzüglichst zu Kes - seln, Töpfen, Lampen; auf Neu-Caledonien zu Schleu - dersteinen; wo auch eine weichere zerreibliche Abart von den dasigen Insulanern häufig und zu ganzen Pfunden gegessen wird.

Der Giltstein am St. Gotthard hat ein gröberes Korn, und mehr splitterigen Bruch; ist spröder, und wird in dicke Platten zu unvergänglichen Stubenöfen gehauen.

3. Talk.

Meist silberweiß ins blaß Apfelgrüne; wenig durch - scheinend; glänzend; fettig anzufühlen.

Davon folgende drey Arten:

1) Erdiger Talk.

Wie in kleinen Schuppen; lose oder zusammenge - backen, und dann leicht zerreiblich; abfärbend. Fundort unter andern in Grönland.

2) Gemeiner Talk. Talcum Venetum.

In mancherley Abstufungen der grünen Farbe; meist Perlmutterglänzend; krummblätterig, biegsam. Gewicht = 2780. Gehalt des Gottharder (nach Klaproth) = 30,5 Talkerde, 62 Kieselerde, 2,5 Eisenoxyd, 2,75 Kali, 0,5 Wasser. Uebergang in Topfstein ꝛc.

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3) Talkschiefer.

Meist grünlichgrau; fettglänzend; schieferig; oft mit eingesprengtem Schwefelkies. Uebergang in Chlorit - schiefer.

4. Magnesit, so genannte reine Talkerde.

Aus dem Kreideweißen ins Grauliche und Gelbliche; undurchsichtig; meist flachmuschlicher Bruch; halbhart; mager; abfärbend; klebt an der Zunge; meist in kug - licht zusammengeballten Knollen. Gehalt (nach Klap - roth) = 48 Talkerde, 49 Kohlensäure, 3 Wasser. Fund - ort unter andern in Steiermark und im Bisthum Durham.

5. Meerschaum. Spuma marina. Leucaphrum. (Fr. Ecume de mer. Türk. Kefekil. oder Killkeffi, d. h. Schaumthon oder leichter Thon.)

Meist blaß Isabellgelb; matter, feinerdiger Bruch; fettig anzufühlen; gibt glänzenden Strich; ist sehr weich; und sehr leicht. Gehalt (nach Klaproth) = 17,25 Talk - erde, 50,50 Kieselerde, 25 Wasser, 5 Kohlensäure. Hauptfundort Kiltschik (d. h. Thonort) bey Konie in Anatolien. *)s. Beckmann in den Commentat. Soc. Reg. scient. Got - ting. Vol. IV. 1791. pag. 46 sq. und des Colleg. R. Reineggs Brief aus Persien an den Baron von Asch in Voigts Ma - gazin IV. B. 3. St. S. 13 u. f.

6. Speckstein. Steatites. (Fr. pierre de lard.)

In mancherley, meist blassen Farben; theils marmo - rirt oder mit dendritischen Zeichnungen; an den Kanten wenig durchscheinend; von mattem Fettglanz; fettig an - zufühlen; stumpfsplitteriger Bruch; meist ungeformt; der bayreuther selten in kleinen Krystallen, und dann meist in sechsseitiger Säule mit dergleichen Spitze ( tab. II. fig. 19. ) auch rhomboidal ꝛc. ; weich in ver - schiedenem Grade, verhärtet aber in Feuer so, daß er dann am Stahl Funken gibt**)s. Ueber die Brauchbarkeit des Steatits zu Kunstwerken der Steinschneider. Von C. v. Dalberg. Erfurt 1800. 8.. Gewicht eines bay -514 reuther = 2614. Gehalt (nach Klaproth) = 30,50 Talkerde, 59,50 Kieselerde, 2,50 Eisenoxyd, 5,50 Wasser.

Zu den weichern Abarten gehört die spanische und Briançoner-Kreide.

7. Seifenstein. Smectis. (Engl. soap-rock.)

Theils milchweiß und an den Kanten durchscheinend, theils gelblich, schwärzlichgrau ꝛc., seifenartig anzufüh - len; theils blätterig; leicht mit dem Nagel zu schaben; läßt sich spähneln wie Seife. Gehalt (nach Klaproth) = 24,75 Talkerde, 45 Kieselerde, 9,25 Alaunerde, 1 Eisenoxyd, 0,75 Kali, 18 Wasser. Fundort in Corn - wall. Gebrauch besonders zum Englischen Steingut (Staffordshire-ware).

8. Serpentin. (Ital. Gabbro.)

In mancherley meist schwarz - oder graulichgrünen Farben, theils ins Dunkelrothe ꝛc. ; geadert, marmo - rirt, fleckig ꝛc. ; meist nur an den Kanten durchschei - nend; kleinsplitterig; fettig anzufühlen; theils politur - fähig. Mittel-Gewicht = 2700. Gehalt (nach Vau - quelin) = 44 Talkerde, 44 Kieselerde, 18 Alaunerde, 7,3 Eisenoxyd, 1,5 Manganoxyd, 2 Chromoxyd. Hält zuweilen Pyrop eingemengt. Fundort zumahl Zöblitz im Erzgebirge, Bayreuth, Sörmeland ꝛc.

Besonders merkwürdig ist der von Alex. von Hum - boldt bey Erbendorf am Fichtelberge entdeckte Serpen - tinfels, wovon manche Stücke selbst in kleinen Frag - menten auffallende Polarität zeigen.

Edlen Serpentin nennte Werner eine (dem Ne - phrit ähnelnde) meist dunkel lauchgrüne Abart, die durch - scheinend und etwas härter ist als der gemeine, und sich auch in manchen italiänischen Marmorarten einge - mengt findet, namentlich in einer Art von so genanntem verde antico und im Polzevera.

9. Nephrit, Nierenstein. (Fr. jade.)

Meist lauchgrün in mancherley Abstufungen, einer - seits ins Lichtberggrüne, anderseits ins Schwarzgrüne (so besonders der unter dem Namen der pietra d'Egitto bekannte schöne antike ägyptische, dessen Ge -515 wicht = 2655 L.); mehr oder weniger durchscheinend; fettglänzend; splitteriger Bruch; Härte verschieden; meist polirbar. Gehalt (nach Kastner) = 50,50 Kie - selerde, 31 Talkerde, 10 Alaunerde, 5,50 Eisenoxyd, 2,75 Wasser.

Eine besonders merkwürdige Abart ist der Punam - mustein, Beilstein. Lauchgrün in mancherley Ab - stufungen; mancher gibt am Stahl Funken. Gewicht = 3000 L. Fundort zumahl auf Tavai-Punammu (der südlichen von den beiden neu-seelandischen Inseln) wo - selbst unsere dasigen Antipoden ihre Hacken, Meisel, Ohrgehänge ꝛc. (aber keine Beile) daraus verfertigen.

Auch gehört zum Nephrit der berühmte Schinesische Stein . Er ist molkenfarbig; folglich wenig durch - scheinend; fettglänzend; ritzt ins Glas. Gebrauch zu Kunstsachen, namentlich zu Petschirsteinen.

10. Chrysolith, Peridot.

Meist pistaziengrün; durchsichtig; glasglänzend; mu - scheliger Bruch; die Außenfläche längsgestreift; krystalli - sirt in breiten viereckigen Säulen, mit abgestumpften Seitenkanten und meist sechsseitigen Endspitzen. Mittel - Gewicht = 3375. Gehalt (nach Klaproth) = 43,50 Talkerde, 39 Kieselerde, 19 Eisenoxyd. Fundort nicht genau bekannt; vermuthlich in den türkischen Morgen - ländern.

11. Olivin, basaltischer Chrysolith.

Olivengrün, in mancherley Abstufungen (verwittert wird er ochergelb); durchscheinend; glasglänzend; mu - scheliger, theils blätteriger Bruch; rissig; eingesprengt in Trapp; Basalt und Tuffwacke. Gewicht = 3225. Gehalt (nach Klaproth) = 38,50 Talkerde, 50 Kiesel - erde, 0,25 Kalkerde, 12,50 Eisenkalk.

Ihm ähnelt, sowohl den äußern Kennzeichen als dem Gehalte nach, das merkwürdige Fossil, welches die Bla - senräume der berühmten von Pallas 1772 am Jenisei wiedergefundenen großen Eisenmasse füllt*)Das hiesige akademische Museum besitzt in der alten Schlü - terschen Sammlung zwey kleine Stücken gediegen Eisen von516 Johanngeorgenstadt, die unvollkommen ästig, wie an manchen Stellen das Sibirische, und ebenfalls mit einem fast Olivinähn - lichen Fossil gemengt sind., und (nach Howard) = 27 Talkerde, 54 Kieselerde, 17 Eisenoxyd und 1 Nickeloxyd halt*)Nun und hiermit kommt wieder der Gehalt der so wun - derbaren Aërolithen oder Meteorsteine, nähmlich der Steinmassen überein, die schon so manchmal zu ganz verschiede - nen Zeiten, in ganz verschiedenen Weltgegenden, aber meist un - ter gleichen Umständen, bey Explosion eines Meteors, vom Him - mel gefallen sind; und wovon diejenigen, welche man bis jetzt genauer untersucht, sowohl im äußern als in ihrem Gehalt ein - ander eben so auffallend ähneln, als sie sich hingegen von allen bekannten tellurischen Fossilien auszeichnen. .

12. Asbest.

Weißlich, gelblich, grünlich ꝛc. ; ungeformt; von fa - serigem oder blätterigem Gefüge.

Man unterscheidet folgende vier Arten:

1) Amiant, Bergflachs, vulgo reifer Asbest.

Meist grünlichweiß; wenig durchscheinend; stark - schimmerd, theils mit Seidenglanz; in zarten theils spannenlangen Fasern; elastisch biegsam. Gehalt eines schwedischen (nach Bergmann) = 17,2 Talkerde, 64 Kieselerde, 13,9 Kalkerde, 2,7 Alaunerde, 1,2 Eisen - oxyd. Fundort unter andern in Graubünden, auf Cor - sica, und besonders häufig in Schina, wo man sich sei - ner gewöhnlich zu Lampendochten bedient.

2) Gemeiner Asbest, vulgo unreifer.

Meist ins Lauchgrüne; wenig durchschneinend; glas - glänzend; in langsplitterigen Bruchstücken; unbiegsam. Gehalt (nach Wiegleb) = 48,45 Talkerde, 46,66 Kie - selerde, 4,79 Eisenoxyd. Bricht oft in und bey Ser - pentinstein.

3) Bergkork, Bergleder. Suber montanum, aluta montana. (Fr. liége fossile, cuir fossile.)

Meist ins Isabellgelbe; undurchsichtig; theils blätte - rig, theils dicht; der Bruch theils verworren faserig; sehr weich; elastisch biegsam. Mittelgewicht = 0,836. 517Gehalt (nach Bergmann) = 26,1 Talkerde, 56,2 Kie - selerde, 12,7 Kalkerde, 2 Alaunerde, 3 Eisenoxyd. Fundort unter andern in sehr großen Stücken bey Dan - nemora in Upland und im Olonezkischen. *)Das hiesige akademische Museum besitzt dergleichen unter den Aschischen Geschenken, als Saalband zu großen dendritischen gediegenen Kupferschollen.

4) Bergholz, Holzasbest.

Holzbraun ins Graue ꝛc. ; undurchsichtig; matt schim - mernd; von völlig holzähnlichem Gefüge; weich; hängt an der Zunge; etwas biegsam; gibt glänzenden Strich. Dieses aus mancher Rücksicht noch räthselhafte Fossil bricht bey Sterzingen in Tyrol.

13. Strahlstein. Actinote. (Rayonnante.)

Meist berg - oder olivengrün, theils ins Graue; mehr oder weniger durchscheinend; faserig oder strahlig.

In folgenden drey Arten:

1) Gemeiner Strahlstein, (Schwed. Horn - blenda.)

Von mancherley Grün; durchscheinend; glänzend; der Länge nach gestreift; das Gefüge theils gleichlaufend, theils divergirend strahlig; meist krystallisirt in langen, breitgedruckten, theils nadelförmigen vier - oder sechs - seitigen Säulen; halbhart. Gewicht = 3250. Gehalt (nach Bergmann) = 20 Talkerde, 64 Kieselerde, 9,3 Kalkerde, 2,7 Alaunerde, 4 Eisenoxyd.

Daß der Prasem ein mit diesem Strahlstein innig gemengter Quarz sey, ist schon oben erinnert. (S. 472.)

2) Asbestartiger Strahlstein.

Grünlich, graulich ꝛc. sehr wenig durchscheinend; matt - schimmernd; meist divergirend faserig; ungeformt; weich; etwas fettig anzufühlen. Uebergang in Asbest. Fund - ort unter andern am Fichtelberge.

3) Glasartiger Strahlstein, Glasamiant.

Meist grünlichweiß; durchscheinend; glasglänzend; meist von faserigem Gefüge; sehr spröde. Gehalt des518 dasigen (nach Laugier) = 50 Kieselerde, 19,25 Talk - erde, 9,75 Kalkerde, 0,75 Alaunerde, 11 Eisenoxyd, 5 Chromoxyd, 3 Wasser. Fundort unter andern im Zillerthal.

14. Sahlit, Malacolith.

Grunlichgrau ins Lichtlauchgrüne; an den Kanten durchscheinend; fast von Wachsglanz; theils ungeformt, theils krystallisirt; auch meist in vierseitigen Säulen mit abgestumpften Kanten. Gewicht = 3236. Gehalt (nach Vauquelin) = 19 Talkerde, 53 Kieselerde, 20 Kalk - erde, 3 Alaunerde, 4 Eisen - und Manganoxyd. Fund - ort Arendal.

Ihm ähnelt der Baikalit, olivengrün in mancher - ley Abstufungen; wenig durchscheinend; glasglänzend; der Langenbruch blätterig mit einfachem Durchgang; der Querbruch muschelig; meist krystallisirt als vierseitige Säule mit abgeschärften Kanten; theils in sehr großen Krystallen. Gewicht = 2200. Gehalt (nach Lowitz) = 30 Talkerde, 44 Kieselerde, 20 Kalkerde, 6 Eisenoxyd. Bricht zwischen Kalkspath und großblätterigem Glimmer an den Quellen der Sljudenka im S. W. des Baikals.

15. Tremolit. [Grammatite].

Weiß in allerhand Schattirungen; mehr oder weniger durchscheinend; strahliges oder faseriges, theils blätte - riges Gefüge; meist divergirend; bricht meist in einem Muttergestein von weißem, körnigem, theils sandartigem kohlensauern Kalk (Dolomit).

In folgenden drey Arten (fast wie beym Strahlstein):

1) Gemeiner Tremolit.

Meist graulichweiß, theils schneeweiß; wenig durch - scheinend; meist mit Seidenglanz; theils krummfaserig; meist ungeformt, theils aber krystallisirt in sehr gescho - benen vier - oder sechsseitigen Säulen, meist mit Quer - rissen; selten sternförmig. Gehalt (nach Lowitz) = 14 Talkerde, 60,50 Kieselerde, 23,25 Kalkerde. Mit der Nadel im Finstern gekritzelt gibt er leuchtenden Strich. Fundort zumahl das Levantinerthal am St. Gotthard.

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2) Talkartiger Tremolit.

Ins Silberweiße; perlmuttergänzend; fast undurch - sichtig, theils blätterig; fettig anzufühlen; silberweiß abfärbend; weich; phosphorescirt nicht wie die vorige Art (aus deren Verwitterung sie aber entstanden seyn mag). Fundort ebenfalls am St. Gotthardsberge.

3) Glasartiger Tremolit.

Ins Graulich - und Gelblichweiße; durchscheinend; glasglänzend; blätterig; der Längenbruch aus dem Fa - serigen ins Splitterige; sehr spröde; hart; phospho - rescirt stark auf die gedachte Weise. Fundort unter andern auf Ceilon.

16. Boracit.

Dieses aus jeder Rücksicht so sonderbare Fossil, fin - det sich selten farbenlos und wasserhell; meist weiß, theils rauchgrau, und mehr der weniger durchscheinend; frisch ist es glasglänzend; verwitternd aber rauh und matt; bricht muschelig; immer rein auskrystallisirt, ei - gentlich als Würfel mit abgestumpften Kanten und Ecken, so daß die Flächen der letztern abwechselnd Sechsecke und Dreyecke bilden, und so der ganze Kry - stall gewöhnlich 26 Flachen hat ( tab. II. fig. 3. ). Frisch ist er hart. Gewicht = 2566. Gehalt (nach Arfwedson) = 30,3 Talkerde, 69,7 Boraxsäure. Bey erhöheter Temperatur zeigt er die Elektricität des Tur - malins, aber mit vier Axen, deren jede von einer der sechsseitigen stark abgestumpften Eckflächen nach der ge - genüberstehenden schwachabgestumpften dreyseitigen der gleichen Fläche liegt, und wovon jenes Ende der Axe positive, und hingegen das letztere negative Elektricität zeigt. Dieses in seiner Art so einzige Fossil findet sich (zuweilen nebst sehr kleinen ebenfalls reinauskrystallisirten Rauchkrystallen) besonders im schuppigen Gypsstein des so genannten Kalkbergs bey Lüneburg.

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VII. Kalkgeschlecht.

Die Kalk-Erde (der so genannte lebendige, caustische, gebrannte oder ungelöschte Kalk) hat brennenden Geschmack, erhitzt sich mit Wasser; ist für sich nicht schmelzbar (aber sehr leicht mit an - dern, zumahl mit Thon - und Kieselerde); hat starke Anziehungskraft zur Kohlensäure; verbindet sich mit der Schwefelsäure zu Gyps, mit der Flußsäure zu Fluß ꝛc. ; und färbt blaue Pflanzensäfte grün.

Die hierher gehörigen Fossilien sind meist nur halbhart, theils gar weich*)So wie aber die Thonerde in den gefärbten Edelsteinen ꝛc. ausnehmend hart verbunden ist so kann allerdings auch der Kalk zu einer Härte verbunden werden, daß er am Stahl Funken gibt. s. Loquez in den Mém. de l'Acad. de Turin. T. V. p. 870. (Es thut dieß selbst zuweilen der thierische phosphorhal - tige Kalk im Schmelz der Zähne.); sie werden im Feuer mürbe gebrannt; sind großentheils animalischen Ur - sprungs; und machen eins der allgemeinst verbreite - ten Steingeschlechter aus.

Die mancherley Gattungen dieses Geschlechts werden am natürlichsten nach ihrer Verbindung mit den verschiedenen Säuren eingetheilt:

A) Kohlensaure Kalkarten. Chaux car - bonatées.

1. Kalkspath**)Traité complet de la Chaux carbonatée et de l'Arrago - nite, par le Cte. de Bournon. Lond. 1808. III. Vol. 4..

Theils farbenlos und wasserhell, meist aber weiß; sel - ten farbig; mehr oder weniger durchsichtig; starkglän - zend; hat rhomboidale Textur, und größere klare Stücken davon zeigen auffallend starke doppelte521 Stralenbrechung*)s. Newton's optice, pag. 271. 356. 376. und 394. der Clar - keschen Ausgabe von 1719.; daher denn der Name Doppel - spath, Spatum disdiaclasticum (ehedem irrig so ge - nannter isländischer Krystall, Androdamas etc.); bricht theils ungeformt, theils stalaktitisch; theils wie stängelich zusammengehäuft; häufigst aber auch krystalli - sirt; zumahl in sechsseitigen Säulen als so genannte Canondrusen ꝛc. ( tab. II. fig. 10. ); theils verschiedentlich zugespitzt, zumahl mit dreyseitiger stumpf - winkeliger Spitze ( tab. II. fig. 11. ); oder in sechsseitigen Tafeln, die dann theils in die Säule über - gehen, oder in einfachen oder doppelten dreyseitigen Pyramiden ( tab. II. fig. 1. ), letztere theils so platt niedrig, daß sie Linsen bilden, als so genannter Nagelkopfspath ꝛc., theils in Rhomben; theils in sechsseitigen Pyramiden, als so genannte Schweins - zähne ꝛc. Gewicht = 2715. Gehalt (nach Stro - meyer) = 56,15 Kalkerde, 43,70 Kohlensäure. Ueber - gang in körnigen Kalkstein, in Braunspath ꝛc.

Hierher gehört auch der irrig so genannte krystal - lisirte Sandstein (Fr. grès crystallisé) von Fon - tainebleau. Gelblichgrau; nur in Splittern durchschei - nend; inwendig mattschimmernd; ohne deutliches Spath - gefüge; sondern mit splitterigem Bruche; rhomboidal krystallisirt mit rauher Außenfläche. Gewicht = 2611.

2. Arragonit.

Meist graulichweiß, ins Blauliche; durchscheinend; von Glasglanz und blätterigem Bruch; krystallisirt in sechsseitigen Säulen ( tab. II. fig. 10. ) häufig als Zwillingskrystal (Fr. macle); theils wie aus mehreren kleinen stängelicht zusammengehäuft; sein Gefüge der Länge nach concentrisch. Gewicht = 2778. Gehalt (nach Stromeyer**)Im II. B. der Commentat. Societ. Regiae scientiar. Got - tingens. recentior. 1813.Hausmann im Magazin der Berliner naturforsch. Ge - sellsch. III. Jahrg. I. Quart.) = 53,62 Kalkerde, 2,31 Stron - tianerde, 42,44 Kohlensäure, 0,30 Wasser. Hat den Namen von seinem Fundort, wo er nesterweise in zi gelrothem Gyps bricht.

522

3. Schieferspath.

Meist schneeweiß; an den Kanten durchscheinend; von mattem Perlmutterglanz; der Bruch blätterig ins schie - ferige; bloß ungeformt; weich; braust stark mit Säuren. Gewicht = 2474. Gehalt (nach Bucholz) = 55 Kalk - erde, 3 Manganoxyd, 41,66 Kohlensäure. Fundort be - sonders Schwarzenberg im Erzgebirge.

4. Braunspath. (Fr. Spath perlé).

Weiß, in mancherley Farben übergehend, zumahl ins Rahmgelbe, Braune, meist nur an den Kanten durch - scheinend; glasglänzend, mit blätterigem Bruch; und rhomboidalen meist sehr geschobenen Bruchstücken; häufig ungeformt; theils aber krystallisirt, in kleinen Linsen oder Rhomben ꝛc. ; etwas härter als Kalkspath; braust auch schwächer mit Säuren. Gewicht 2880 L. Gehalt (nach Hisinger) = 27,97 Kalkerde, 21,14 Talkerde, 3,40 Eisenoxyd, 1,50 Manganoxyd, 44,60 Kohlensäure.

Dahin gehört auch nach Hausmanns neuerlichen Un - tersuchungen der so genannte faserige Kalkstein vom Harz.

5. Bitterspath, Rautenspath.

Rauchgrau, honiggelb, tombackbraun ꝛc. ; durchschei - nend; glasglänzend; in Rhomben krystallisirt; meist mit einem kalkartigen Ueberzug. Gewicht = 2480. Gehalt (nach Klaproth) = 52 kohlensaure Kalkerde, 45 kohlensaure Talkerde, 3 Eisenoxyd. Fundort zumahl im Salzburgischen und Steyermärkischen; meist im talkar - tigen Schneidestein.

Eine besondere Abart ist der spargelgrüne, stänge - lichte Bitterspath (Miemit), auf der Außen - fläche in fast rechtwinkeligen Tetraëdern mit abge - stumpften Seitenkanten drusig krystallisirt. Gewicht = 2880 L. Gehalt (nach Klaproth) = 33 Kalkerde, 14,50 Talkerde, 2,50 Eisenoxyd, 47,25 Kohlensäure, 2,75 Wasser ꝛc. Fundort bey Glücksbrunn im Gothaischen.

Und auch hierher gehört der schöne weiße Atlas-Spath (Engl. satin spar) von Alstonmore in Northumber - land, wo er zu allerhand Putz verarbeitet wird.

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6. Kalksinter. Tofus calcareus.

Von mancherley Farben; doch an den mehresten Or - ten nur weißlich; mehr oder weniger durchscheinend; theils undurchsichtig; aus kalkigem Wasser regenerirt*)Tales sunt aquae qualis est natura terrae per quam fluunt.Plin. XIV. 4.; der Bruch dicht, oder faserig oder schalig; und hier - nach also drey Arten; die sich namentlich im Carlsbad in zahllosen Spielarten der Farben, Zeichnungen ꝛc. fin - den; die ersten beiden unter dem gemeinschaftlichen Na - men des dasigen Sprudelsteins, die dritte als Erb - senstein.

1) Dichter Kalksinter.

Von sehr ungleichem Korn und Festigkeit; theils mar - morartig**)Daher man den feinkörnigen aus den Bagni di San Fi - lippo im Florentinischen sich absetzenden Kalksinter (albâtre factiee) zum Abformen marmorähnlicher Basreliefs und Medaillons be - nutzt; s. von dieser Sinter-Plastik die deutschen Schriften der göttingischen königl. Soc. der Wiss. I. Th. S. 94. und Fiorillo's Gesch. der zeichnenden Künste I. B. S. 463. polirbar; theils aber auch erdig, zerreib - lich; auch sehr verschieden in Rücksicht seines Gehalts. Meist als Rindenstein, da er an die Wände der in Kalkgebirgen befindlichen Sinterhöhlen, oder auch solcher Cisternen ꝛc. die kalkiges Wasser enthalten†)So z. B. in der berühmten piscina mirabile, davon oben S. 2., abgesetzt wird; oder auch andere fremde Körper überzieht; oder sich sonst in mancherley zufälligen Gestalten (wie z. B. unter dem mancherley Travertino das so genannte Confetto di Tivoli) anlegt; oder auch Klüfte und andere Zwischenräume dicht ausfüllt, wie z. B. im Knochenfels von Gibraltar, wo er die Osteolithen und Steintrümmer zusammencämentirt††)Vom Guadeloupe-Sinter (the Galibi stone) worin sich die Menschenknochen eingesintert finden, s. unten im Abschnitt von den Versteinerungen..

2) Faseriger Kalksinter.

Häufig honiggelb, ins Braune; von faserigem Ge - füge; gleichlaufend oder divergirend; der frische Bruch meist schimmernd; häufig stalactitisch als Tropfstein;524 theils in mancherley zufälliger Gestalt, als so genannte Naturspiele. Fundort zumahl in den gedachten Berghöhlen: z. B. in der auf Antiparos, in der Bau - mannshöhle am Unterharz ꝛc.

Dahin gehört auch der theils ausnehmend schöne fein - körnige, polirbare alabastrites der Alten. (Ital. ala - bastro antico. Fr. albâtre calcaire oder oriental.)*)Von den berühmten zu Tabriz in Persien und seiner Formation s. Jam. Morier's second Journey through Persia. Lond. 1818. 4. p. 284..

Eine besonders merkwürdige Abart aber ist die so genannte Eisenblüthe, ein corallenförmiger Kalksin - ter, von schneeweißer Farbe, seideglänzendem Bruche mit krummlaufenden, theils wie durcheinander gewirrten Fasern; und krummästiger zackiger Gestalt. Fundort zumahl an den Seitenwänden der Schatzkammer des Arz - berges zu Eisenerz in Steyermark, beym Spatheisen - stein.

3) Blätteriger Kalksinter.

Meist kreidenweiß; in blätterigen Schalen; theils als eine Art Rindenstein, meist krummschalig oder wel - lenförmig; meist aber als Ueberzug über Sandkörner; so z. B. die so genannten Drageen von Radicofani.

Von der Art ist vorzüglich der gedachte carlsbader Erbsenstein, pisolithus, der sich großentheils in Masse zusammengebacken findet, theils polirbar ist, und nicht mit dem unten anzuführenden Rogenstein ver - wechselt werden darf.

7. Mondmilch, Mehlkreide, Bergguhr, Bergzieger. Lac lunae, Morochthus.

Weiß; feinerdig, wie eine stärkenartige Kreide; stark abfärbend; mager; sehr leicht. Fundort unter andern namentlich im Mondloch am lucerner Pilatusberge.

Eine besondere Abart ist die lockere Glanzerde oder Schaumerde von Rubitz bey Gera, die sich durch ein fast talkähnliches Ansehen und einen eigenen matten Silberglanz auszeichnet. Lippert bediente sich ihrer zu seinen Abdrücken von geschnittenen Steinen. 525Gehalt (nach Bucholz) = 90,5 kohlensaurer Kalk, 5,71 Kieselerde, 3,28 Eisenoxyd, 1 Wasser.

8. Kreide. Creta. (Fr. craie. Engl. chalk.)

Feinerdig, weich, doch fester als die Mondmilch; stark abfärbend; hängt stark an der Zunge. Mittelge - wicht = 2525. Hält auf 43 p. C. Kohlensäure. In ihr findet sich oft Feuerstein (s. oben S. 479.) und Ver - steinerungen von Seethieren der Vorwelt; bildet theils ganze Flözgebirge, zumahl an Seeküsten (daher Albion seinen Namen hat).

9. Kalkstein (und Marmor).

In mancherley Farben und Zeichnungen; meist wenig oder gar nicht durchscheinend; immer ungeformt; meist polirbar, da dann die feinern Sorten Marmor ge - nannt werden.

Begreift besonders nach Verschiedenheit des Korns folgende zwey Hauplarten:

1) Körniger Kalkstein, salinischer Marmor, Glanzmarmor. (Fr. marbre saccaroide.)

Meist weiß (theils blendend schneeweiß) oder doch nur in blassern Farben; und einfärbig (nicht marmo - rirt); wenigstens an den Kanten durchscheinend; auf dem Bruche schimmernd, theils wie geschlagener Zucker; das Korn verschieden, theils schuppicht ꝛc. Daher Ueber - gänge einerseits in den umgeformten Kalkspath, ander - seits in den dichten Kalkstein. Hält nur sehr selten Versteinerungen; aber der carrarische (marmor Lu - nense) zuweilen wasserhelle Bergkrystalle. Gebrauch zu Bildhauerey und Baukunst; zumahl die herrlichen Sorten von bianco antico und unter diesen vor allen der berühmte Parische, durchscheinend wie gebleichtes Wachs; das Gewicht desselben = 2837.

2) Faseriger Kalkstein. (Fr. chaux carbonatée fibreuse.)

Meist weiß in mancherley Abstufungen. Unter an - dern bey der Porta Westphalica.

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3) Dichter Kalkstein (und Marmor).

Als gemeiner Kalkstein meist grau in mancher - ley Abstufungen; hingegen als feinkörniger, polirbarer Marmor sowohl fast in allen einfachen Farben, als auf die vielartigste Weise bunt, marmorirt, geadert ꝛc. in endloses Mannigfaltigkeit. So z. B. vom einfar - bigen die vorzüglichen antiken Arten, giallo, rosso, nero etc.; vom zweyfarbigen pavonazzo, weiß mit rothen Streifen; mit drey Farben, fiorito, weiß, roth und gelb geflammt; mit vieren, brocca - tello, weiß, roth, gelb und grau; u. s. w. So unter denen mit besondern Zeichnungen, z. B. Dendriten - Marmor (alberino); Ruinen-Marmor (citta - dino ruderato, paësino, Rimaggio ꝛc. ) der schon in Mergelstein übergeht ꝛc. So unter denen, die fremde Körper enthalten, besonders die Petrefacten-Marmor, und unter diesen wieder namentlich der Muschel-Mar - mor (lumacchella); und der Corallen-Marmor, wo - hin die pietra stellaria gehört ꝛc. Mancher besteht als Breschen-Marmor als zusammencämentirten Trümmern von andern Marmorarten. Mancher ist mit talkartigen Fossilien durchzogen; entweder gemarmelt, wie der Polzevera (S. 514), oder geflammt, wie der ausnehmend schöne lauchgrüne Cipollino antico u. s. w. Ueberhaupt hat der dichte Kalkstein und Marmor meist splitterigen Bruch; theils schieferiges Gefüge ( so z. B. der neuerlich zur Lithographik oder Steindruckerey angewandte Pappenheimer Kalkschiefer, in welchem sich auch die merkwürdigen Abdrücke von tropischen Seege - schöpfen der Vorwelt finden ). Mittelgewicht = 2675. Uebergang in Mergelstein. (So z. B. der ältere Flöz - kalkstein, der auch in manchen Gegenden Zechstein heißt). Bildet große durch alle Welttheile verbreitete Flözgebirgsketten, die gemeiniglich auf der Außenseite (nicht leicht in beträchtlicher Teufe) mit dem gemeinen Petrefactenstein überzogen sind, welcher die allgemeinste Grabstätte der Seethiere aus den Zeiten der Vorwelt ausmacht.

Zu den besonders merkwürdigen Abarten des gemei - nen Kalksteins gehört namentlich:

a) der so genannte Rogenstein, Hammites, der nicht mit dem Erbsenstein verwechselt werden darf, son -527 dern aus mächtigen, theils ganze Flözlagen bildenden Massen von gleichgroßen Körnern dichten (selten con - centrisch schaligen) Kalksteins besteht, die durch ein kal - kiges oder mergelartiges Cäment zu einem festen Ge - stein zusammen verbunden sind.

b) Die dem Korne nach gleichsam Sandsteinähnlichen Kalksteinarten; wie z. B. die wegen ihrer Versteine - rungen von vielartigen Seethieren so berühmte Ge - birgsart des Petersberges bey Maestricht; der so ge - nannte marmo arenaceo vom Vesuv; der theils fast zur Hälfte kohlensaure Talkerde haltende Dolomit, unter andern besonders im Levantinerthal am St. Gotthard, wo er das Muttergestein des dasigen Tre - molits ausmacht, und in dünnen Tafeln biegsam ist.

10. Mergel. Marga. (Fr. marne. Engl. marl.)

Ein inniges Gemenge von Kalk, Thon, Sand ꝛc. Meist grau in andere unansehnliche Farben; undurch - sichtig; von verschiedenem Zusammenhang und Festigkeit. Daher besonders drey Hauptarten desselben zu unter - scheiden sind:

1) Erdiger Mergel, Düngmergel.

Mehr oder weniger los oder zusammengebacken; ma - ger; meist rauh anzufühlen; läßt sich durch Rühren im Wasser zertheilen; zieht an der Luft Feuchtigkeit an und zerfallt früher oder später. Nach dem vorwaltenden Bestandtheile werden die Abarten benannt (Kalkmergel, Thonmergel*)Zu welchem auch der Niederägypten befruchtende Nil - schlamm gehört. ꝛc. ), und auch ihr Gebrauch zur Ver - besserung verschiedener Arten von Boden bestimmt.

2) Mergeltuff, Tuchstein.

Von lockerem, durchlöchertem, theils gleichsam schwam - michtem Gefüge; meist erdigem Bruch; zerfällt nicht an der Luft, sondern verhärtet vielmehr. Fast immer voll Reste und Spuren vegetabilischer Körper die davon in - crustirt worden; besonders Blätterabdrücke, Wurzelge - strüppe und Schilf (letzteres zumahl im röhrförmigen so genannten Beinwell oder Beinbrech, osteo -528 colla); aber auch in manchen Gegenden kleine Fluß - schnecken; in andern calcinirte See-Conchylien (s. oben S. 458.) ꝛc. Bildet hin und wieder große Lager von niederem aufgeschlemmten Lande; in welchem sich häu - fig die Reste der fossilen Elephanten, Rhinocere, u. a. tropischen Landthiere finden, die nun in unsern Zonen in so großer Menge ausgegraben werden.

3) Mergelstein, Hammerkalk ꝛc.

Dicht, und zwar theils derb, theils schieferig; zu - mahl letzterer oft dendritisch; auch in mancherley beson - derer Gestalt, als Mergelnüsse, so genannte Ingwer - steine ꝛc. hat erdigen Bruch. Uebergang in dichten Kalkstein.

Besonderer Erwähnung verdient der bey Jena brechende, durch Reiben phosphorscirende Sandmergel - stein*)s. Voigts neues Magaz. I. B. 1. St. S. 113 u. f.: und der wegen seiner eigenen Gestaltung al - lerdings merkwürdige Ludus Helmontii (Fr. Dés de van-Helmont, Engl. waxen-vein), der sich nur in wenigen Gegenden, wie z. B. um Antwer - pen und im Fränkischen findet, und aus Würfeln eines leberbraunen Mergelsteins besteht, die durch Scheide - wände von grauem dichten Kalksinter von einander ab - gesondert sind, und im Ganzen theils kopfgroße, etwas plattgedruckte kugelichte Massen bilden.

11. Bituminoser Mergelschiefer.

Mehr oder weniger mit Erdharz durchdrungen; meist graulichschwarz; undurchsichtig; schimmernd; schieferig; häufig mit Abdrücken von Süßwasserfischen (so die Rie - gelsdorfer, Eisleber ꝛc. ), auch theils mit Kräuterab - drücken, die aber ganz von denen auf dem Schieferthon verschieden sind; selten enthält er hingegen unbekannte Seegeschöpfe, wie z. B. der bey Boll in Schwaben die colossale Medusen-Palme (helmintholithus portento - sus Linn.). Oft ist er stark kupferhaltig, da er dann Kupferschiefer heißt (Fr. ardoise cuivreuse, Engl. slaty copperore); und theils ansehnliche Flöze bildet, die einen wichtigen Gegenstand des Bergbaues ausmachen.

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12. Stinkstein, Saustein, Lucullan. La - pis suillus. (Fr. pierre puante.)

Meist grau; einerseits ins Gelbliche, anderseits ins Schwarze; meist undurchsichtig, sehr selten durchschei - nend; meist erdiger, theils splitteriger Bruch; theils marmorartig, polirbar; meist ungeformt, und zwar so - wohl derb als schieferig; selten spathartig [wie z. B. der Stinkspath oder Leberspath von Lissabon*)s. Tilesius Jahrbuch der N. G. I. Th. S. 473.]. Wenn er geschabt oder scharf gekratzt wird, gibt er ei - nen Geruch, wie gebranntes Horn. Hält häufig Ver - steinerungen, und zwar sowohl unbekannte Seethiere der Vorwelt, zumahl Belemniten, als auch organisirte Land - und Flußgeschöpfe beider Relche, wie z. B. im Oeninger Stinkschiefer.

B) Schwefelsaure Kalkarten. Chaux sul - fatées.

Die verschiedenen Gattungen dieser Abtheilung des Kalkgeschlechts sind den vorigen, im Ganzen genommen, analog; nur sind sie ceteris paribus weit weicher.

13. Gypsspath, Selenit, Fraueneis, Ma - rienglas. (Ital. scagliola.)

Theils farbenlos, wasserhell; meist aber weißlich, ins Rauchgraue, Honiggelbe ꝛc. und mehr oder weniger durchsichtig; theils mit Perlmutterglanz; blätteriges Ge - füge; ein wenig biegsam, doch ohne merkliche Schnell - kraft; läßt sich leicht mit dem Messer spalten; häufig ungeformt; theils aber auch krystallisirt**)Im hiesigen akademischen Museum ist eine Sprosse von einer Bergleiter befindlich, die man beym Ausräumen einer, höch - stens 100 Jahre lang verlassen gewesenen Grube im Rammels - berge am Harze vorgefunden, um welche sich während dieser Zeit eine Gypsspath-Druse von 7 Zoll im Durchmesser und von einer ausnehmenden Schönheit angesetzt hat.; zumahl in Linsenform, oder in rautenförmigen Tafeln mit zuge - schärften Kanten ( tab. II. fig. 17. ) oft auf man - cherley Weise als Zwillingskrystall; selten in achtseitiger530 Säule mit achtseitiger Spitze u. s. w. Gehalt = 32 Kalkerde, 46 Schwefelsäure, 22. Wasser.

14. Gypssinter.

So wie der Kalksinter regenerirt als Tropfstein, oder Rindenstein, oder sonst als Ueberzug über andere Kör - per ꝛc. ; theils faserig, theils dicht. Letzterer theils alabasterartig.

15. Gypsmehl, Gypsguhr, Himmelsmehl. Farina fossilis.

Aehnelt der Mondmilch; theils schneeweiß; theils ins Grauliche ꝛc. ; staubartig. Fundort in den Klüften der Gypsberge.

16. Gypsstein.

Meist weißlich oder graulich, doch auch in andere, meist unansehnliche Farben; mehr oder weniger durch - scheinend; immer ungeformt.

Davon folgende drey Arten:

1) Schuppiger Gypstein, auch schlechtweg Gyps, und in manchen Gegenden Kalk genannt. Gypsum lamellosum.

Meist rauchgrau, theils ziegelroth ꝛc. ; wenig durch - scheinend; schuppig, theils ins Blätterige. Gewicht = 2167. (Gehalt nach Kirwan) = 32 Kalkerde, 30 Schwefelsäure, 38 Wasser. Theils mit andern Fossilien inniger oder gröber gemengt, z. B. mit Quarz (bey Wisbaden), mit Hornstein (bey Montmartre). Oft hält er andere Fossilien, theils ausschließlich in sich ein - gewachsen; so z. B. bey Lüneburg den Boracit, in Ara - gonien den Arragonit; und in gleichem Königreich auch die zimmtbraunen kleinen Quarzkrystalle (die irrig so genannten Hyacinthen von Compostella) ꝛc.

2) Faseriger Gypsstein, Strahlgyps, Katzen - stein. Gypsum fibrosum, lapis inolithus, stirium.

Meist weiß; durchscheinend; auf dem Querbruch theils gerade -, theils krumm-faserig; meist schimmernd;531 theils mit Perlmutterglanz; theils zerreiblich: meist in dünnen Lagen. Gewicht = 2305.

3) Dichter Gypsstein, Alabaster. Gypsum densum.

Theils blendendweiß; aber auch in mancherley andere, doch meist trübe Farben, bis ins Schwarze; theils streifig, oder geadert, marmorirt ꝛc. ; der weiße theils stark durchscheinend; matt; der Bruch aus dem Split - terigen ins Erdige.

17. Anhydrit, Muriacit, Karstenit.

Begreist zwey schwefelsaure Kalkarten, die sich außer ihrem äußern Habitus vorzüglich durch den Mangel des Krystallisationswassers von den übrigen auszeichnen.

1) Späthiger Anhydrit, Würfelspath.

Meist milchweiß; sehr durchscheinend; perlmutterglän - zend; dreyfacher rechtwinklichter Durchgang der Blät - ter; sehr leicht zersprengbar; Gewicht = 2964. Ge - halt (nach Vauquelin) = 40 Kalkerde, 60 Schwefel - säure. Fundort beym Steinsalz im Salzburgischen und im C. Bern.

2) Dichter Anhydrit, blauer Gyps.

Meist himmelblau, ins Graue ꝛc. ; wenig durchschei - nend; spröde; Gewicht = 2940. Gehalt (nach Klap - roth) = 42 Kalkerde, 57 Schwefelsäure mit etwas Kieselerde und Eisenkalk. Fundort zumahl Sulz am Neckar.

18. Gypsleberstein.

Begreift die dem Stinkstein (S. 641.) analogen, mit Erdharz durchzogenen Gypse und Selenite, die, wenn sie geschabt werden, wie Schwefelleber riechen; sind meist von rauchgrauer Farbe.

C) Flußsaure Kalkarten. Chaux fluatées.

19. Flußspath. (Fr. Spath fluor).

Hat den Namen von dem Gebrauche, den man beym Hüttenwesen davon macht. Findet sich von den mehr -532 sten Farben der Edelsteine; selten ungefärbt; mehr oder weniger durchsichtig; glasglänzend; mit spatharti - gem Gefüge; theils ungeformt; selten stängelicht zu - sammengehäuft (so der honey-comb spar von Der - byshire); häufig krystallisirt, zumahl cubisch; selten in doppelt vierseitigen Pyramiden ( tab. II. fig. 5. ); meist polirbar. Gewicht eines smaragdgrünen = 3481. Gehalt des von Gersdorf in Sachsen (nach Klaproth) = 67,75 Kalkerde, 32,25 Flußsäure, und eine Spur Eisenoxyd. Auf glühende Kohlen gebröckelt phospho - rescirt er meist mit einem Lichte; vorzüglich thut dieß (auch schon in größern Stücken und ohne dadurch zu zerspringen) ein violetter und grünlichweißer von Nert - schinks (der deßhalb so genannte Chlorophan oder Pyrosmaragd).

Der dichte Fluß unterscheidet sich durch den Man - gel des Spathgefüges; findet sich meist grünlich - oder blaulich-weiß; schwach durchscheinend; mit schimmern - dem Bruche; ungeformt. Fundort zumahl Derbyshire, und Strasberg am Harz.

D) Phosphorsaure Kalkarten. Chaux phosphatées.

20. Apatit.

In mancherley Farben, fast wie der Flußspath, nur blasser; meist durchsichtig; glasglänzend; der Querbruch blätterig, der Längenbruch ins muschelige. Gewöhnlich krystallisirt, meist in sechsseitigen Säulen von mancherley Abartung. Gewicht = 3218. Gehalt (nach Klaproth) = 55 Kalkerde, 45 Phosphorsäure und etwas Braun - steinkalk; auf Kohlen gebröckelt phosphorescirt er eben - falls mit grünem Lichte. Fundort zumahl die Zinn - werke bey Ehrenfriedersdorf und Schlackenwalde.

Auch der Spanische Spargelstein und der Nor - wegische Moroxit gehören zu dieser Gattung.

21. Phosphorit, erdiger Apatit.

Gelblich-weiß; undurchsichtig; von magerm Korn; erdigem auch splitterigem Bruche, der theils auch ins Faserige übergeht; halbhart; schwer; im Dunkeln mit533 scharfem Eisen gekratzt gibt er leuchtenden Strich, und auf Kohlen gebröckelt, so wie der Apatit, grünes Licht. Fundort bey Truxillo in Estremadura in abwechselnden Schichten von gemeinem Quarz; und lose staubartig bey Sigeth in Ungarn.

E) Boraxsaure Kalkart. Chaux boratée.

20. Datolith.

Milchweiß; durchscheinend; fettglänzend; Bruch aus dem Kleinmuschligen ins Splittrige; derb und krystalli - sirt (wie's scheint würflich mit abgestumpften Kanten). Gehalt (nach Klaproth) = 35,5 Kalkerde, 36,5 Kie - selerde, 24 Boraxsäure, 4 Wasser. Fundort Arendal.

VIII. Strontiangeschlecht.

Die Strontianerde ist zuerst vom geh. Hofr. Sulzer in Ronneburg und Dr. Crawford für eine besondere Grunderde anerkannt worden. Zu den Haupteigenschaften derselben gehört, daß sie mit Salzsäure nadelförmige Krystallen bildet, und daß eine Auflösung derselben in Weingeist carminroth brennt, wenn Papier, Baumwolle ꝛc. damit einge - tränkt und angezündet worden. Die salpetersaure Auflösung derselben gibt sechsseitige, dicke, tafelför - mige Krystallen.

Diese Erde findet sich mit zweyerley Säuren, mit der Kohlen - und Schwefelsäure, verbunden. Also.

A) Kohlensaure Strontianart. Strontiane carbonatée.

1. Strontianit.

Meist blaß spargelgrün, theils weißlich; durchschei - nend; schimmernd; theils glasglänzend; faserig; theils534 stängelicht zusammengehäuft; meist in keilförmigen Bruch - stücken; meist ungeformt; äußerst selten in nadelför - migen abgesonderten Krystallen. Gewicht = 3591 L. Gehalt (nach Klaproth) = 69,50 Strontianerde, 30 Kohlensäure, 0,50 Wasser. Halbhart. Fundort im Bleygange des Granitgebirgs bey Strontian in Schott - land, meist in Schwerspath eingewachsen.

B) Schwefelsaure Strontianart. Stron - tiane sulfatée.

2. Cälestin, Schützit.

Nicht bloß, wie der erste Name andeutet, blau, sondern auch weiß, gelblich, graulich ꝛc. ; mehr oder weniger durchscheinend und auch undurchsichtig; sowohl von dichtem, als faserigem und blätterigem Gefüge; theils derb, theils in geschobenen vierseitigen Tafeln krystallirt. Gewicht des faserigen aus Pensylvanien = 3714 L. Gehalt des Sicilianischen von Girgenti (nach Stromeyer) = 36,35 Strontianerde, 43 Schwefel - säure, 0,18 Wasser. Andre Fundorte (zumahl der blätterigen Abart), der Süntel bey Münder im Hannö - verschen; [deren Gehalt (nach Stromeyer) = 97 Schwe - felsaure Strontianerde, 1,30 schwefelsaure Baryterde, 0,74 schwefelsaure Kalkerde;] Bristol in Sommersetshire; und der derben erdigen bey Montmartre.

IX. Barytgeschlecht.

Die dieses Geschlecht charakterisirende Schwer - erde (terra ponderosa, barytes) ist zuerst von Bergmann für eine eigene Grunderde erkannt worden, und hat den Namen von ihrem ansehnlichen specifischen Gewichte = 4000. Sie wird, so wie die Kalkerde, nach dem Brennen caustisch; schmilzt in hoher Temperatur für sich zu Glas; verbindet sich mit der Schwefelsäure zu Schwerspath; und wird aus ihren Auflösungen in der Salpeter - und Salz - säure durch die Blutlauge gefällt.

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Auch sie findet sich, wie die Strontianerde, so - wohl mit der Kohlen - als mit der Schwefelsäure verbunden.

A) Kohlensaure Barytart. Baryte carbo - natée.

1. Witherit.

Weiß, ins Grauliche, theils ins Röthlichgelbe; durchscheinend; ähnelt im äußern Totalhabitus fast dem Alaun; ist fettglänzend; meist ungeformt, springt in keilförmige Bruchstücke, auf dem Längenbruch schwach - divergirend gestreift; sehr selten krystallisirt; und dann meist in sechsseitiger Säule mit sechsseitiger Spitze ( tab. II. fig. 19. ). Gewicht = 4271 L. Gehalt (nach Kirwan) = 78 Schwererde, 20 Kohlensäure. Fundort vorzüglich in den Bleywerken zu Anglezark bey Chorley in Lancashire, und zu Steinbauer in Ober - steiermark. Innerlich genossen ist er warmblütigen Thie - ren ein Gift, aber auch, wie so viele andere Gifte, zweckmäßig versetzt und in kleinen Gaben, ein kräftiges Heilmittel.

B) Schwefelsaure Barytarten. Barytes sulfatées.

2. Schwerspath. (Fr. spat pésant. Engl. cawk, ponderous spar.)

Gemeiniglich von Spathgefüge; außerdem aber auch wie mancher Gypsspath, faserig; und wie mancher Flußspath, dicht; daher dann folgende drey Arten:

1) Gemeiner Schwerspath, schaliger Schwer - spath.

Meist weiß, aber auch in mancherley andere, doch nur unansehnliche, Farben; selten farbenlos und wasser - hell; meist mehr oder weniger durchscheinend; theils undurchsichtig; häufig ungeformt; theils in dickschaligen Ablosungen; aber auch in sehr vielartigen Krystallisatio - nen; sowohl in Säulen als Tafeln meist von vier oder sechs Seiten und mancherley Zuschärfung und Zuspitzung;536 auch als doppelt vierseitige Pyramide ( tab. II. fig. 5. ) ꝛc. Die Säulen theils nadelförmig, wohin z. B. der so genannte Stangenspath von Freyberg gehört. Die Tafeln häufig sechsseitig mit zugeschärften Enden, die theils wieder mit kleinen Flächen zugespitzt sind ( tab. II. fig. 8 ); theils in sehr kleinen, wie an Fäden angereihten, tafelförmigen Krystallen als Haardrusen; oder sonst in mannigfaltiger besondern Gestalt zusammengehäuft, z. B. als Hahnenkamm - drusen ꝛc. Gewicht = 4430. Gehalt eines krystal - lisirten weingelben aus Surrey (nach Stromeyer) = 65,53 Schwererde, 33,85 Schwefelsäure ꝛc. Ueberhaupt häufig auf Gängen, wo er eine der gemeinsten Gang - arten vieler Erze macht; aber auch hin und wieder in Flözen.

Eine besonders anzuführende Abart ist der so genannte Aehrenstein oder fälschlich so genannte Strausasbest (Lapis acerosus), ein weißer Schwerspath, blumicht wie Aehrenbüschel, womit sein aschgraues, thonartiges Muttergestein gleichsam durchwachsen ist. Fundort, ehe - dem bey Osterode.

2) Faseriger Schwerspath, Bologneserspath.

Von faserigem Gefüge auf dem Querbruch; rauch - grau, wenig durchscheinend, in rundlichen, gleichsam plattgedrückten Nieren (von Größe und Form meist wie getrocknete Feigen). Gewicht = 4440. Gehalt (nach Arvidson) = 62 schwefelsaure Schwererde, 16 Kiesel - erde, 14,75 Alaunerde, 6 schwefelsaure Kalkerde, 0,25 Eisenoxyd, 2 Wasser. Findet sich bloß am Berge Pa - terno bey Bologna; auch hat man aus dieser Abart des Schwerspaths zuerst die so genannten Lichtmagnete verfertigt.

3) Dichter Schwerspath.

Rauchgrau, gelblich, ziegelroth ꝛc. meist nur an den Kanten oder in Splittern durchscheinend; matter meist splitteriger Bruch; ungeformt. Gehalt des Rammels - berger (nach Westrumb) = 83,5 schwefelsaure Schwer - und Strontianerde, 6,5 Kieselerde, 1,5 Alaunerde, 2 schwefelsaurer Kalk, 2 Wasser und Erdharz. Fundort wie gesagt der Rammelsberg, aber auch Derbyshire ꝛc.

537

3. Erdiger Baryt, mulmichter Schwer - spath.

Meist gelblichgrau; erdig; mager, rauh. Besonders bey und auf gemeinem Schwerspath.

4. Hepatit, Schwerleberstein. Baryte sul - fatée fétide. Lapis hepaticus Cronst.

Theils bräunlichschwarz, theils graulichgelb; nur an den Kanten durchscheinend, oder undurchsichtig; glän - zend; in Nieren oder stumpfeckigen ungeformten Stücken. Gibt, wenn er mit Eisen geschabt oder gekratzt wird, einen Geruch nach Schwefelleber. Fundort besonders Kongsberg in Norwegen. Gehalt (nach John) = 92,75 schwefelsaurer Baryt, 2 Kohle und Erdharz, 2 schwe - felsaurer Kalk, 1,50 Eisenoxyd, 1,25 Wasser.

538

Uebersicht von den merkwürdigsten ge - mengten Gebirgsarten.

§. 244.

Wir haben bisher die Erden und Steine als homogene (mechanisch einfache) Fossilien betrachtet. Häufigst aber finden sich auch Fossilien verschiedener Gattungen und selbst aus verschiedenen Geschlechtern auf mannigfaltige, aber bestimmte Weise und meist in ansehnlichen Massen und Gebirgslagern unter ein - ander gemengt, daher es, besonders für den geogno - stischen Theil der Mineralogie, überaus wichtig ist, auch diese aus heterogenen Gattungen von Fossilien gemengten Gebirgsarten (saxa s. petrae heteroge - neae) unter eine systematische Uebersicht zu bringen.

§. 245.

Doch schränken wir uns hier bloß auf diejenigen ein, die in ihren bestimmten Mengungsverhältnissen ganze Gebirgslager bilden, mit Ausschluß derer, wo sich nur selten oder einzeln ein Fossil in einem an - dern gleichsam eingewachsen findet, wie z. B. zuwei - len Bergkrystall im carrarischen Marmor (S. 000.) ꝛc., oder wo irgend in Höhlen und Drusenlöchern eines ältern Gesteins andere Fossilien von weit neuerer Entstehung abgesetzt worden, wie z. B. Kalksinter in alten Erdschlacken oder Laven ꝛc.

§. 246.

Jene eigentlich so genannten gemengten Gebirgs - arten lassen sich nach der verschiedenen Verbindungs -539 art ihrer Gemengstoffe unter folgende drey Haupt - classen bringen:

A) Wo die verschiedenen Gemengtheile bey gleich - zeitigem Niederschlag aus ihrem Primordialflui - dum (§. 227 u. f.) ohne alles fremde Cäment oder Grundteig ursprünglich wie in einander krystallisirt und innig zusammen verwachsen sind, wie beym Granit; daher angeschliffene Stücke desselben gleichsam einem Mosaik ähneln.

B) Wo bloß einzelne Brocken von Fossilien in einen Grundteig oder Hauptmasse von anderer Steinart gleichsam eingeknetet sind, wie beym Porphyr.

C) Endlich, wo dicht zusammengehäufte Körner und Gerölle durch ein Cäment gleichsam zu - sammengekittet sind, wie in den Breschen und im Sandstein.

Bey den beiden ersten Classen find wohl alle Ge - mengstoffe von gleichzeitiger Entstehung.

Bey der dritten hingegen müssen, wenigstens bey den Breschen, die Körner und Gerölle früher gebildet gewesen seyn, ehe sie durch ein - ment unter einander verbunden worden.

§. 247.

Ich habe versucht, wo es sich thun ließ, die Hauptarten wieder in folgende Unterarten abzutheilen:

a) Die eigentliche Art, die aus denen ihr ei - gentlich zukommenden Stoffen rein gemengt ist, wie z. B. eigentlicher Granit aus Feldspath, Quarz und Glimmer.

540

b) Afterarten, die, statt eines oder des an - dern der ihr eigentlich zukommenden Stoffe, einen oder den andern fremden enthalten.

c) Uebermengte Arten, denen außer ihren ei - gentlichen Stoffen überdieß noch fremde über - zähliche beygemengt sind.

d) Halbarten, denen einer oder der andere ih - rer eigentlichen Stoffe mangelt, ohne daß da - für ein fremder eingemengt wäre.

A) Gemengte Gebirgsarten mit ursprüng - lich in einander gewachsenen Stoffen.

1. Granit.

In derben Gebirgsmassen, oder nur in mäch - tigen Bänken geschichtet; aber von mannigfaltiger Ver - schiedenheit des grob - oder feinkörnigen Gemenges; oder des ungleichen Verhältnisses der Gemengstoffe; oder des mehr oder minder festen und frischen Korns u. s. w.

a. Eigentlicher Granit. Syenites*)Diesen Namen hat derjenige Granit, aus welchem die bewundernswürdigsten Denkmahle der altägyptischen Kunst, die Obelisken, gehauen worden, von seinem Fundort bey der Stadt Syene am Nil in Ober-Aegypten erhalten. s. das Ga - binetto del collegio Nazareno 1792. T. II. p. 238. I graniti delle nostre guglie Egiziane hanno per base un felspato rossigno con quarzo fragile semitrasparente, e mica nero. Voll - kommen so sind die Proben von rothem antiken Granit in meiner Sammlung; namentlich eine vom Obelisk des Rameses, und eine von der Säule Kais. Antonin's. Und Hr. Prof. Wad, der die echten frischen Bruchstücke, die sich von den berühmtesten römischen Obelisken in der Sammlung des Cardinal Borgia befinden, aufs genaueste geprüft, sagt ausdrücklich:Ex his spe - ciminibus clare patet Syeniten Plinii esse granitem nostrum stricte sic dictum (ex quarzo, feldspato, et mica).s. Dess. Fossilia Aegyptiaca musei Borgiani. Velitris 1794. 4. pag. 1.541 u. f. Vergl. auch H. Petrini bey Zoega de origine obelis - corum. Rom. 1797. fol. pag. 648. Zumahl aber W. Hamil - ton's Aegyptiaca. Lond. 1809. 4. pag. 68. not. ); und de Rozière in der großen Descr. de l'Egypte. Hist. nat. T. II. 1813. pag. 45. und T. III. 1818. pag. 461. Plin.

Wie gesagt, bloß aus Feldspath, Quarz und Glim - mer. s. z. B. der antike Granito rosso. So auch das berühmte ungeheure Geschiebe aus einem Sumpfe am finnischen Meerbusen, das seines Gewichtes von drey Millionen Pfund ungeachtet nach St. Petersburg trans - portirt worden, um der Statüe Czaar Peters des großen zur Basis zu dienen*)Die schwerste Last, die je durch Menschenkunst bewegt worden. Der große vaticanische Obelisk, den Fontana auf - gerichtet, hält kaum den dritten Theil; nur 973537 Pfund. s. des Grafen Carbury monument élévé à la gloire de Pierre le grand. Par. 1777. fol..

Das berühmte Pe-tun-tse der Schinesen, ein Haupt-Ingrediens ihres Porcellans, ist ebenfalls ein eigentlicher Granit, dessen Feldspath in Verwitterung steht.

b. Aftergranit.

So z. B. der statt des Glimmers Hornblende ent - hält, wohin auch manche antike Arten gehören (nur nicht der wahre Syenit).

c. Uebermengter Granit.

Der z. B. außer dem Feldspath, Quarz und Glim - mer auch noch Hornblende oder Stangenschörl, Gra - naten, Demantspath, Zinnstein, magnetischen Eisen - stein**)So namentlich, obschon nur in geringer Menge, in eini - gen magnetischen Granitfelsen am Brocken auf dem Harz, die an gewissen Stellen, und selbst in kleinen Stücken, so wie der ob - gedachte vom Hrn. von Humboldt entdeckte polarische Serpentin - fels die Richtung der Magnetnadel invertiren. s. Hausmann im Hannöverischen Magazin 1801. St. 84 u. f. ꝛc. enthält.

d. Halbgranit.

Der z. B. bloß aus Hornblende und Feldspath be - steht, welcher dann, wenn er innig gemengt ist, nach oryctognostischer Ansicht in den Grünstein (S. 508) übergeht; oder aus Feldspath und Glimmer, wohin man das Feldspath Avanturino vom weißem Meere [S. 499 not. *)] rechnen kann ꝛc.

542

2. Gneis. (Fr. Granit feuilleté.)

Die Gemengstoffe wie beym Granit, an welchen er auch meist angränzt, und daher theils in ihn übergeht (zumahl durch den von Saussüre so genannten Granit veiné); insgemein aber geschichtet, dickfaserich, theils gar schieferig; bricht in Ganggebirgen. Seine Unter - arten übrigens wie beym Granit:

3. Glimmerschiefer.

Die Gemengstoffe dieser Ganggebirgsart sind eigent - lich bloß Quarz mit vorwaltendem Glimmer in schiefe - rigem Gefüge. Häufig erzführend, theils alaunhaltig.

Mancher wird wegen seines Gebrauchs für hohe Oefen Gestellstein (saxum fornacum) genannt.

Eine vorzüglich schöne zimmtbraune, und avanturin - artig Goldschimmernde Art bricht bey Catharinburg in Sibirien.

Auch findet der berühmte sogenannte biegsame Sandstein von villa rica in der Brasilischen Provinz minas geraes nach neuern Untersuchungen*)Von Spix und von Martius Reise in Brasilien 1ter Th. S. 352. wohl hier seine passende Stelle.

Der so genannten Murkstein ist ein mit Grana - ten übermengter Glimmerschiefer.

B) Gemengte Gebirgsarten, bey welchen einzelne Brocken von gewissen Fossilien in einer homogenen Hauptmasse, wie in einem Grundteige, liegen.

4. Porphyr. (Ital. porfido).

Die Grundmasse ist vielartig; z. B. häufig Horn - stein; aber auch verhärteter Thon; oder Trapp; der Pechstein ꝛc. ; gehört mehrentheils, wie die bei - oden vorigen, zu den Ganggebirgsarten, und bricht meist in derben Massen: doch theils auch kugelich.

543

a. Eigentlicher Porphyr.

Feldspath und Hornblende, in eine der gedachten Grundmassen eingemengt.

Der wegen seiner Schönheit, ausnehmenden Härte ꝛc. vorzüglich und eigentlich so genannte antike Porphyr, ist, wie schon der Name anzeigt, von rothbrauner Farbe und Grundmasse, die aus einem eigenen hornsteinar - tigen, dem Jaspis sich nähernden Gestein besteht, und kleine Brocken eines von dieser Grundmasse röthlich tingirten, dichten Feldspaths und schwarzer Hornblende enthält. Fundort vorzüglichst Nieder-Aegypten und das steinige Arabien.

b. Afterporphyr.

Wo z. B. außer der Hornblende statt des Feldspaths Kalkspath eingemengt ist, wie in manchen irrig so ge - nannten dichten Laven des Vesuvs (S. 507).

c. Uebermengter Porphyr.

Mit mehr als zweyerley Gemengstoffen in der Grund - masse.

Von der Art ist z. B. der ungarische Graustein (Saxum metalliferum Born. ), der aus einer Grund - masse von verhärtetem Thon mit eingemengter Horn - blende, Feldspath, Glimmer und zuweilen Quarz, be - sieht. Fundort in Nieder-Ungarn, wo er das Haupt - ganggebirge und das Muttergestein der mehresten dasigen reichen Gold - und Silbererze ausmacht*)Auch zum übermengten Porphyr gehört wohl die ganz ei - gene merkwürdige Gebirgsart, worin ihrer ausnehmenden Härte ohngeachtet die prodigiosesten und vermuthlich ältesten aller be - kannten Denkmahle menschlicher Kunst, nemlich die wunderbaren mächtig großen Felsenpagoden auf Elephanta bey Bombay mit ihren abenteuerlichen theils colossalen Idolen nicht erbaut, son - dern in den lebendigen Felsen selbst aus dem Ganzen gehauen find. Die Probe die ich davon besitze, die mir Chs. Townley von der berühmten Gruppe in seinem Museum von Alterthümern absägen lassen, besteht, so wie andre aus diesem Felsentempel ausgeschlagne Idole, die ich in London gesehen, aus einer Grund - masse von überaus hartem leberbraunen eisenschüssigen Thon, worin vieler Feldspath, weniger Quarz und noch weniger Horn - blende eingemengt ist. Mehr davon habe ich in dem Speci - men historiae naturalis archaeologicum p. 28 u. f. gesagt..

544

d. Halbporphyr.

Mit einem einzigen Gemengstoff in der Grundmasse.

So der schöne antike ägyptische grüne Porphyr (das fälschlich so genannte Serpentino verde antico), mit lauchgrüner, hornsteinähnlicher, (zuweilen auch grün - steinartiger) Grundmasse und darein gemengten mittel - mäßig großen Feldspathbrocken, die davon blaßgrün gefärbt sind.

5. Porphyrschiefer, Hornschiefer.

Die Grundmasse des eigentlichen Porphyrschiefers ist meiste der obgedachte Klingstein (S.[506].). Eingemengt ist in sehr kleinen Körnern Feldspath, Quarz ꝛc. Das Gefüge, wie schon der Name zeigt, schieferig.

Hingegen beym Weißstein oder (wie er von seinem Fundort in Mähren genannt wird) Namiesterstein der auch meist schieferige Textur hat, macht weißer dichter Feldspath die Grundmasse, in welcher kleine Granaten, theils auch Glimmer ꝛc. Porphyrartig eingemengt liegen.

C) Gemengte Gebirgsarten, aus dicht zu - sammengehäuften Körnern und Geröllen, die durch ein bloßes Cäment gleichsam zu - sammen gekittet sind.

6. Bresche, Trümmerstein, Conglomerat. (Ital. Breccia).

Ungleichförmige Gerölle und Brocken in eine oft sandsteinartige Hauptmasse eingebacken. Von großer Man - nigfaltigkeit des Cäments sowohl als der inliegenden Gemengstoffe. Jenes ist aber immer derb, nicht von schieferigem Gefüge.

Zu den besonders merkwürdigen Arten gehören:

Die so schöne und köstliche antike Breccia verde d'Egitto; eine grünsteinartige Grundmasse mit grünem dichten Feldspath, Hornstein, Serpentinstein ꝛc. ; wor - aus unter andern altägyptischen Kunstwerken der im britischen Museum befindliche, unter dem Namen des545 Sargs Alexanders berühmte herrliche Sarcophag gear - beitet ist.

Der Puddingstein. Eine Grundmasse von einem meist graulichgelben, durch Quarz-Cäment ver - bundenen Sandstein, in welchem Gerölle von Feuer - stein, Kieselschiefer ꝛc. fest eingewachsen sind*)Er scheint von ziemlich neuer Entstehung; wenigstens be - sitze ich Stücke davon, wo die eingewachsene Feuersteingerölle ver - steinte Cellularien enthalten.. Fund - ort vorzüglich in England; der schönste bey St. Alban's in Hertfordshire.

Das so genannte Rothe todte liegende der deutschen Bergleute. Meist eine Grundmasse von stark eisenschüssigem durch Thon-Cäment verbundenen Sandstein, in welchem Quarz, Kieselschiefer ꝛc. in un - gleichförmigen Körnern fester oder lockerer eingemengt liegen. Es macht häufig, die unterste Flözlage in Berg - werken; bildet aber auch theils ganze weite Berglage - rungen; zumahl in der Schweiz, denn die dasige Na - gelfluhe**)Die Lagerung der Nagelfluh-Gebirgsstrecken ist mehr oder weniger horizontal oder gesenkt; und ihre Grundmasse von sehr ungleicher Härte. Die Mergelartige allgemach erweichte des schräggelegnen dergleichen Schuttgebirges am Roßberge im C. Schwyz hat den schrecklichen Absturz desselben am 2. Sept. 1806 verursacht, der das Goldauerthal überschüttete. ist von dieser Art.

Die Grauwacke (Fr. grès gris). Eine Grund - masse von meist grauem, durch Thon-Cäment verbun - denem Sandstein, in welchem Quarz von ungleichför - migen Geröllen oder Körnern und theils sehr verschiede - ner Größe, fester oder lockerer eingemengt liegt. Ue - bergang in Sandstein, und zwar namentlich in denjeni - gen, welcher bey den Steinkohlenflözen bricht, und deß - halb (zum Unterschied vom gemeinen neuern Flözsand - stein) Kohlensandstein genannt wird. Macht eine Haupt - gebirgsart des Oberharzes, wo sie reiche Erzgänge führt, und ins Flözgebrige übergeht.

7. Breschenschiefer.

Die Gemengtheile, wie bey den letzgedachten Arten der Breschen, aber mit schieferigem Gefüge.

546

So z. B. Grauwacken-Schiefer, der in manchen Gegenden des Oberharzes, z. B. am Burgstetterzug bey Clausthal, schilfähnliche Abdrücke enthält, die für die Geogenie um so merkwürdiger werden, da es wahrschein - licher Weise die allerältesten Spuren von organisirter Schöpfung aus unserm Planeten sind.

8. Sandstein.

Quarz in meist gleichförmigen Körnern dicht zu - sammen gekittet. Das Cäment ist von verschiedener Art; z. B. kalkartig: oder thonartig; oder eisenschüs - sig; zuweilen aber auch selbst quarzartig, da dann sol - cher Sandstein in körnigen gemeinen Quarz (S. 472.) übergeht.

a. Eigentlicher Sandstein.

Theils in mächtigen Lagern; theils mit krystallini - schem Korn; theils mit Abdrücken von Petrefacten der Vorwelt und zwar aus beiden Reichen organisirter Körper.

Zum Sandstein von besonderer Gestalt gehört vor - züglich der, so sich bey Clausenburg in Kugeln der ver - schiedensten Größe findet.

Des so genannten krystallisirten Sandsteins von Fon - tainebleau ist oben gehörigen Orts beym Kalkspath (S. 521.) Erwähnung geschehen. Eher verdient derje - nige hier seine Stelle, der im Wirtembergischen bey Stuttgart und Tübingen bricht.

b. Uebermengter Sandstein.

Am allermeinsten mit Glimmer.

Aber auch mit manchen andern Fossilien, z. B. außer dem Glimmer mit kleinen Brauneisenstein-Würfelchen in dem sonderbaren Muttergestein des rothen Bleyerzes von Beresofsk im Catharinburgischen.

Und so findet auch wohl der Topasfels des Schneckensteins im Voigtlande (S. 491.) hier füglich seine Stelle, der aus einem in körnigen Quarz über - gehenden Sandstein zu bestehen scheint, welcher mit nadelförmigem schwarzem Stangenschörl, gemeinem dich -547 ten Quarz, theils auch mit ungeformtem Topas und gelbem Steinmark durchzogen ist.

9. Sandsteinschiefer.

Der sich also wegen seines Gefüges zum derben Sandstein verhält, wie der Porphyrschiefer zum Por - phyr, oder wie der Grauwackenschiefer zur Grauwacke ꝛc.

Der eigentliche Sandsteinschiefer ist gemeiniglich mit Glimmer übermengt und meist damit im schieferigen Bruche durchzogen (so z. B. namentlich im englischen Yorkstone, Bremingstone etc.) Nur variirt dabey das Verhältniß des Quarzes zum Glimmer sowohl in Rücksicht der Menge als der Vertheilung gar vielartig.

548

Dreyzehnter Abschnitt. Von den mineralischen Salzen.

§. 248.

Die in der Mineralogie aufzuführenden Salze unterscheiden sich von andern Körpern vorzüglich durch ihre leichte Auflösbarkeit im Wasser, und durch ihren specifiken Geschmack.

§. 249.

Alle diese hieher gehörigen Salze (die sich näm - lich von Natur fossil finden), gehören zu den soge - nannten Neutral - oder zu den Mittel - oder zu den Metall-Salzen; die nämlich aus einer Säure be - stehn, verbunden, entweder A) mit einem Laugen - salze, oder B) mit einer sogenannten Erde, oder C) mit den Oxyden (sonst sogenannten Kalken) einiger Metalle.

Anm. Im Grunde gehören also auch der Gyps u. a. aus einer Erde mit einer Säure verbundene Fossilien in diese Classe; sie werden aber wegen ihrer Geschmacklosig - keit und mindern Auflösbarkeit, hier in der Mineralogie, füglich wie oben geschehen, den Erden und Steinen bey - gezählt.

§. 250.

Die mineralischen Salze werden am natürlich - sten nach den verschiedenen Säuren, die sie enthalten, unter folgende fünf Geschlechter gebracht:

549

I. Salzsaure Mittel-Salze.

II. Schwefelsaure Mittel-Salze.

III. Salpetersaures Mittel-Salz.

IV. Boraxsaures Mittel-Salz; und

V. Kohlensaures Mittel-Salz.

I. Salzsaures Geschlecht.

1. Steinsalz, natürliches salzsaures Na - tron. Sal gemmae, muria montana. Sal ammoniacum vet. Soude muriatée.

Theils farbenlos und wasserhell, häufiger aber grau - lich; selten ziegelroth, oder saphirblau ꝛc. ; meist mehr oder weniger durchscheinend; theils nur schimmernd, theils aber glänzend; der Bruch theils dicht, theils blätterig, theils faserig, theils körnig; meist unge - formt; selten krystallisirt, und dann cubisch; zuweilen mit eingeschlossenen Wassertropfen ꝛc. Gewicht = 2143. Gehalt = 33 Salzsäure, 50 Natron, 17 Wasser. Zer - springt im Feuer mit Knistern. Bildet theils mächtige Flöze und Lager*)Von der Entstehung derselben s. de Luc's geologische Briefe; im Voigtischen Magazin IX. B. 4. St. S. 37. (Salz-Stöcke), wie z. B. zu Boch - nia und Wieliczka bey Krakau ꝛc. Theils aber wird es auch (als Seesalz) an den Ufern salziger Land - seen durch die Sonne als eine feste Rinde gradirt, wie z. E. in Aegypten**)s. Hornemann's Tagebuch S. 10. 20. und am Baikal.

2. Natürliches Salmiak, salzsaures Am - moniak. Sal ammoniacum. Ammoniaque muriaté.

Weiß, graulich ꝛc. theils gelb von beygemischtem Schwefel ꝛc. Meist nur mattschimmernd; theils meh - lich; theils in undeutlichen kleinen Krystallen; zeigt ei -550 nige Ductilität und Schnellkraft. Gewicht = 1420. Geschmack kühlendstechend, laugenhaft; geht auf Koh - len als weißer Rauch in die Höhe. Fundort nament - lich in Vulcanischen Gegenden. Gehalt des krystallisir - ten vesuvischen (nach Klaproth) = 99,5 salzsaures Am - moniak, 0,5 salzsaures Natron.

II. Schwefelsaures Geschlecht

und zwar

A) in Verbindung mit Laugensalz.

1. Natürliches Glaubersalz, schwefelsau - res Natron. Sal mirabile Glaub. Soude sulfatée.

Weißlich, theils durchscheinend, theils erdig. Gehalt des von Eger (nach Reuß) = 67,02 schwefelsaures Natron, 16,33 kohlensaures Natron, 11 Kochsalz, 5,64 kohlensaure Kalkerde. Geschmack bittersalzig, küh - lend. Fundort unter andern bey der natürlichen Na - tron von Debrezin.

2. Polyphalit, schwefelsaures Kali.

Dieses erst zum Gyps, nachher zum Anhydrit ge - rechnete und nun erst von Stromeyer genau untersuchte Fossil ist ziegelroth; wachsglänzend; theils faserig; durch - scheinend; von salzig bitterm Geschmack; ausneh - mend leichtflüssig. Gehalt = 27,63 schwefelsaures Kali, 28,46 schwefelsaures Kalkhydrat, 22,22 schwefel - saure Kalkerde, 20,03 schwefelsaure Talkerde, 0,29 schwefelsaures Eisenoxydul, 0,19 salzsaures Natron, 0,19 Eisenoxyd. Fundort in den Steinsalzlagern zu Ischel in Oberösterreich*)Fr. Stromeyer de polyhalite, nova e salium classe fossilium specie. im IVten B. der Commentat. Soc. Gotting. re - centior. p. 139..

551

B) In Verbindung mit Erden.

3. Natürliches Bittersalz, schwefelsaure Talkerde. Magnesia vitriolata. Magnesie sulfatée.

Meist weißlich; durchscheinend; meist in nadelförmigen zusammengehäuften Krystallen. Gehalt = 33 Schwe - felsäure, 19 Talkerde, 48 Wasser. Geschmack sehr bit - ter. Fundort unter andern bey Jena.

Eine besondere Abart ist das so genannte Haarsalz (Halotrichum) von Idria, daß sich durch seine langen haarförmigen Krystallen, silberweiße Farbe und Seiden - glanz auszeichnet.

4. Natürlicher Alaun, schwefelsaure Thon - erde. Alumen, argilla vitriolata. Alumine sulfatée.

Meist graulich; theils durchscheinend; meist nur schim - mernd; theils seideglänzend; theils erdig. Gewicht = 2071. Gehalt ungleich: z. B. der von Frauenwalde (nach Klaproth) = 15,25 Alaunerde, 0,25 Kali, 7,50 Eisenoxydul, 77 Schwefelsäure. Geschmack zusammen - ziehend, herbe, hintennach süßlich. Fundort vorzüglich im Neapolitanischen. Zuweilen auch auf den so genann - ten Alaunerzen. Gebrauch hauptsächlichst zur Färberey ꝛc.

C) In Verbindung mit Metalloxyden.

5. Natürlicher Vitriol.

Schwefelsaure Metalloxyde, zumahl von Kupfer, Ei - sen, Zink und Kobalt; und zwar meist mehrere dieser verschiedenen Metalloxyde zusammen verbunden; doch werden sie auch dann a potiori benannt.

1) Kupfervitriol, blauer Vitriol, schwefel - saures Kupfer. Cuivre sulfaté. (couperose bleue.)

Blau, ins spangrüne; durchscheinend; glasglänzend; meist stalactitisch. Gewicht = 2230. Gibt im Feuer grüne Flamme; seine Auflösung färbt das damit ge - riebene Eisen kupferroth. Herber, zusammenziehender,552 ekelhafter Kupfergeschmack. Fundort z. E. bey Herren - grund in Ungarn ꝛc.

2) Eisenvitriol, grüner Vitriol, Kupfer - wasser, schwefelsaures Eisen. Fer sulfaté. (couperose verte.)

Meist spangrün ꝛc. verwittert aber ochergelb; theils auch als weißer Beschlag auf Schwefelkies ꝛc. ; meist durchscheinend; herber zusammenziehender Tintengeschmack. Fundort z. B. im Rammelsberge bey Goslar, aber auch bey Vulkanen, Steinkohlen ꝛc .*)Der so genannte Atramentstein oder Kupferrauch ist ein aus fremdartigen, zum Ausfüllen leerer Räume in den Gruben gebrauchten, zusammengebackenes Gestein, so mit Vitriol - wasser durchzogen worden, und woraus dann (z. B. in Goslar) der mehrste Vitriol gesotten wird.Daß dieser Atramentstein wahrscheinlich das alumen der Alten sey, zeigt Beckmann in den Beyträgen zur Geschichte der Er - findungen, II. Th. S. 92..

Als eine besondere Abart verdient die Bergbutter, Steinbutter (Russ. Kamenoemaslo) genannt zu werden, die gelb, durchscheinend, wachsglänzend, blät - terig, fettig anzufühlen ist und sich besonders häufig in Sibirien, auf dem Altai, Ural ꝛc. findet.

3) Zinkvitriol, weißer Vitriol, schwefel - saurer Zink. Zinc sulfaté (couperose blanche.

Gelblicht weiß; schimmernd; meist faseriger Bruch; theils als mehlicher Beschlag; theils haarförmig (als mancher so genannte Feder-Alaun); theils stalacti - tisch ꝛc. Fundort z. B. ebenfalls im Rammelsberge.

4) Kobaltvitriol, schwefelsaurer Kobalt. Co - balt sulfaté.

Blaß rosenroth; glasglänzend, durchscheinend stalacti - tisch. Fundort bey Herrengrund in Ungarn, und zu Bieber bey Hanau. Gehalt des letztern (nach Kopp) = 38,71 Kobaltoxyd, 19,74 Schwefelsäure, 41,55 Wasser.

553

III. Salpetersaures Geschlecht.

1. Natürlicher Salpeter, salpetersaure Pottasche. Nitrum prismaticum. Potasse nitratée.

Weißlich; meist durchsichtig; theils glänzend, theils schimmernd; meist in zarten Nadeln, oder wollicht; theils stalactitisch. Gewicht = 1920. Geschmack bitter - lich und kältend. In Feuer schmilzt er und auf glü - henden Kohlen verpufft er; mehrentheils ist er mit Kalkerde gemischt (als so genannte Salpetererde). Fundort vorzüglichst in Ludamar (im Innern von Africa), in Hindustan, außerdem auch hin und wieder in Europa, z. B. in Ungarn, Apulien ꝛc., bey Homburg im Würz - burgischen, und auch bey Göttingen am Reinhauser Sandstein ꝛc .*)s. C. F. Becker's Anleitung zur künstlichen Erzeugung des Salpeters. Braunschw. 1814. 8. S. 8.. Hauptgebrauch bekanntlich zu Schieß - pulver, zu Scheidewasser ꝛc.

IV. Boraxsaures Geschlecht.

1. Tinkal, roher Borax, boraxsaure Soda. Swaga der Tibbetaner. Soude boratée.

Meist grünlichgrau; durchscheinend; wachsglänzend; krummblätteriger Bruch; krystallisirt in sechsseitigen plat - ten Säulen mit schräg zugeschärften Enden. Geschmack anfangs süßlich, hintennach brennend; schmilzt leicht im Feuer. Gehalt (nach Klaproth) = 14,5 Natron, 37 Boraxsäure, 47 Wasser. Fundort an einigen alpini - schen Seen in den Schneegebirgen von Tibet und Nepal. Gebrauch besonders zum Löthen ꝛc.

2. Sassolin, natürliches Sedativsalz.

In gelblich weißen fast silberglänzenden schuppigen oder glimmerähnlichen Blättchen. Gehalt (nach Klap -554 roth) = 86 Boraxsäure, 11 schwefelsaurer Braunstein, 3 Gyps. Fundort an den heißen Quellen (Lagoni) bey Sasso im Florentinischen.

Die natürliche Boraxsäure in einer Felsenhöhle der Lipparischen Insel Vulcano, aus welcher ebenfalls heiße Quellen entspringen, ist hingegen (nach Stromeyer)*)s. Götting. gel. Anz. 1818. S. 2073. mit 5 bis 20 p. C. Schwefel verbunden.

V. Kohlensaures Geschlecht.

1. Natürliches Natron, kohlensaure Soda, vulgo natürliches mineralisches Laugen - salz, Natrum. Bòrech der Persianer. Trona in der Barbarey. Nitrum der Alten. Soude carbonatée.

Weißlich; ins Gelbliche, Grauliche ꝛc. ; meist erdig; doch theils derb, durchscheinend, mattglänzend; theils auf dem Bruche stängelich zusammengehäuft; leicht im Wasser auflösbar; Geschmack laugenhaft. Gehalt des Aegyptischen (nach Klaproth) = 32,5 kohlensaures Na - tron, 20,8 schwefelsaures Natron, 15 salzsaures Na - tron, 31,6 Wasser. Fundort besonders an den Natron - Seen in Aegypten ꝛc. Außerdem auch auf den Heiden um Debrezin, bey Erzen unweit Hameln ꝛc. Die alten Aegyptier beizten ihre Leichen einen Monath lang in diesem Salze ein, ehe sie dieselben zu Mumien be - reiteten**)Ich habe dieses Mumiensalz bey Gelegenheit einiger ägypti - schen Mumien näher untersucht, die ich den 18. Febr. 1792. im britischen Museum zu öffnen Erlaubniß erhalten. s. philosoph. Transactions for 1794. pag. 183. tab. XVI. fig. 4. und Beytr. zur Naturgesch. II. Th. S. 53.; und den schiffbrüchigen Kaufleuten am Ufer des Belus soll es bekanntlich zur Erfindung des Glasmachens Anlaß gegeben haben. Noch jetzt wird es in den Morgenländern häufig zu diesem letztern555 Zweck, so wie zur Seife, zum Bleichen und Färben der Zeuge, auch in Aegypten zum Brodteig und sonst an die Speisen verwandt.

Das Mauer-Salz, aphronitrum, alcali calca - rium, das aus feuchten Mauren wie wollichter Schim - mel ausschlägt (und hin und wieder, aber irrig, Sal - peter genannt wird), ist eines mit Kalkerde vermischtes, unreines natürliches Natron.

556

Vierzehnter Abschnitt. Von den (eigentlich sogenannten) brennlichen Mineralien.

§. 251.

Brennlich oder combustibel heißen im Grunde alle diejenigen Fossilien, die sich so schnell mit dem Sauerstoff verbinden, daß dabey Wärmestoff und Lichtstoff frey werden. Folglich gehören, genau ge - nommen, auch die Metalle darunter. Allein, da sich diese außerdem noch durch manche andere auffallende und ihnen ausschließlich eigene Charaktere von allen übrigen mineralischen Körpern auszeichnen, so werden sie nach der alten einmahl allgemein angenommenen Eintheilung (§. 241.) unter eine besondere Classe gebracht, und nur nachstehende vier Geschlechter zu den eigentlich so genanten brennlichen Mineralien gerechnet:

I. Natürlicher Schwefel.

II. Erdharz.

III. Graphit.

IV. Demant.

§. 252.

Das erste dieser Geschlechter und die mehrsten Gattungen des zweyten haben das mit einander ge - mein und hingegen von den übrigen beiden verschie -557 dene, daß sie sich, wenn sie rein sind, in Oehl auf - lösen lassen, und schon im Glühfeuer mit Rauch und Flamme und eigenem Geruch brennen oder wenigstens glimmen, und zur Unterhaltung des Feuers dienen können. Vom Erdharz ist eine Gattung, nähmlich das Erdöhl, flüssig. Die übrigen trockenen sind stark idioelektrisch.

I. Schwefelgeschlecht.

1. Natürlicher Schwefel. Sulphur. (Fr. Soufre. Engl. Brimstone.)

In mancherley Abstufungen seiner bekannten Farbe; mehr oder weniger durchscheinend; Fettglanz; muscheli - ger Bruch; spröde; meist ungeformt und zwar sowohl locker als dicht; theils krystallisirt, in dreyseitigen oder doppelt vierseitigen Pyramiden. Gewicht = 2033. Schmilzt bey 244° Fahrenh. und bricht den 414° in Flamme aus. Oft unrein, als Schwefelerde ꝛc. Fund - ort zumahl in Gypsflözen, z. E. bey Lauenstein im Han - noverischen; und dann auf und bey Vulcanen ꝛc.

II. Erdharzgeschlecht.

1. Honigstein. Mellite.

Dieses vor der Hand immer noch ziemlich problema - tische Fossil, ist meist Honiggelb; durchscheinend; glas - glänzend; sehr spröde, von kleinmuscheligem Bruch; immer krystallisirt, häufigst als doppelt-vierseitige Py - ramide, und zeigt beym Reiben Harzelectricität. Ge - wicht = 1666. Gehalt (nach Klaproth) = 16 Thon - erde, 46 einer eigenen Säure die davon den Namen erhalten hat, 39 Wasser. Fundort (theils zwischen na - türlichem Schwefel) in bituminösen Holz und dergl. Holzerde, bey Artern im Mansfeldischen.

558

2. Bernstein Agtstein. Succinum, electrum, lyncurium, glessum Tacit. (Fr. succin, ambre jaune, carabé.)

Vom Weißen bis ins dunkel Orangenrothe; und vom durchsichtigen bis ins völlig undurchsichtige; selten was - serhell, meist öhlklar*)Hingegen ist der oft damit verwechselte Copal immer was - serhell, nie öhlklar; fließt in Tropfen wenn er angebrannt wird, was der Bernstein nicht thut; dagegen springen brennende Stück - chen von diesem in die Höhe wenn man sie fallen läßt, was hin - wiederum nicht mit dem Copal geschieht., theils Glasglanz, theils Wachs - glanz; muscheliger Bruch; theils in besonderer Gestalt als birnförmige oder kugelichte Tropfen. Läßt sich dre - hen, poliren ꝛc. Gewicht eines durchsichtigen Weingel - ben = 1083. Ist vermuthlich als Folge einer der frühern Erdrevolutionen**)In einer überaus instructiven Suite zur Naturgeschichte des Bernsteins, womit der Graf von Finkenstein Schön - burg meine Sammlung bereichert hat, finden sich unter andern manche vollkommen deutliche, aber theils unbekannte theils tropischen Gattungen ähnelnde Insecten, zumahl Staphylini, Blattae, etc. aus Baumharz entstanden; hält nicht selten fremde Körper eingeschlossen; zumahl Wald-Insecten ꝛc. Fundort vorzüglichst. Samland in Ostpreußen; theils in Flözen von bituminosem Holz†)Zwischen diesem findet sich zuweilen, aber sehr selten, eine bis jetzt ebenfalls ganz unbekannte mandelförmige Samenkapsel des ehemahligen Bernsteinbaumes, dergleichen ich durch die Güte des Medicinalraths Hagen zu Königsberg besitze. und Braunkohle; theils am Seestrande.

3. Erdöhl, Bergöhl, Steinöhl. Petroleum. Bitume liquide (Engl. fossile Tar.)

Mehr oder weniger flüssig; theils nähmlich vollkom - men tropfbar (so die Naphtha); theils hingegen sehr zähe, wie ein verdickter Theer (so der Bergtheer, Maltha); eben so verschieden in Farbe und Durchsich - tigkeit; jenes z. B. von mancherley gelber Farbe; dieser hingegen bis ins Schwarzbraune (der echte Barbados - Theer grünlich-braun); jenes durchsichtig; dieser hinge - gen kaum in dünnen Faden durchscheinend. Mittel - Gewicht = 0,850. Starkriechend. Gehalt des Persi -559 schen (nach Thomson) = 82,2 Kohlenstoff, 14,8 Wasser - stoff. Fundort, zumahl die Naphtha auf den brennen - den Feldern am caspischen Meer, das Bergtheer beson - ders auf Barbados, aber auch hier zu Lande z. E. bey Edemißen im Amte Meinersen. Gebrauch der Naphtha zum Brennen, selbst zur Feuerung ꝛc. des Berghteers zu Arzney ꝛc. *)Der von Barbados wird als ein bewährtes Heilmittel bey hartnäckigen Hautkrankheiten und sogar bey krebsartigen Uebeln gebraucht.

4. Erdpech. Bitume.

1) Gemeines Erdpach, Asphalt, Judenpech.

Meist schwarz und nur in Splittern braun durchschei - nend; theils Fettglanz, theils Glasglanz; meist musche - liger Bruch; sehr spröde, brüchig; gibt leberbraunen Strich; hat einen eigenen meist bitterlichen Geruch; brennt mit dickem Dampf. Gewicht = 1104. Fund - ort zumahl auf dem todten Meere, das davon seinen griechischen Namen hat. Ward von den alten Aegyp - tiern zu ihren Compositionen zur Mumienbereitung ge - nommen. Jetzt brauchen es die Türken, Araber ꝛc. häufigst in Oehl aufgelöst zum Bestreichen ihres Pferde - geschirres, um die Stechfliegen ꝛc. abzuhalten. Unter den Abarten verdient der berühmte kostbare, wohlrie - chende feste Bergbalsam, oder die mineralische Mumie [Pers. Muminahi**)Diese persische Benennung des Bergbalsams ist erst im 13ten Jahrhundert von den alten ägyptischen balsamirten Leichen gebraucht, und diese seitdem allgemein Mumien genannt worden.] aus den Bergklüfren in Khorassan am Fuß des Caucasus, Erwähnung.

2) Elastisches Erdpech, fossiles Federharz.

Dieses sonderbare Fossil ist braun, glanzlos, und auffallend elastisch, so, daß es sich zwar nicht, wie das vegetabilische Federharz, ohne zu zerreißen, dehnen, aber doch fast wie weicher Kork zusammendrucken läßt und dann in seine vorige Gestalt zurückschnellt. Fund - ort bey Castletown in Derbyshire, zumahl in folgenden beiden Abarten.

560

a) Dicht.

Schwarzbraun, theils ins Olivengrüne; wird in der Wärme weich; und ähnelt überhaupt in dem äußern Habitus mehr noch als das folgende dem vegetabilischen Cahutschuk.

b) Locker.

Haarbraun: von einem schwammichten, theils ins Fa - serige übergehenden Gefüge; ist zäher als die dichte Abart.

5. Bituminöses Holz. Oryctodendron, lignum fossile bituminosum.

Haarbraun; theils ins Schwarzbraune (wie z. B. das isländische Surtar-brandr oder Schwarzholz); mit mehr oder minder deutlicher Holztextur. Uebergang in Braunkohle und Pechkohle; theils in mächtigen Flözen*)Man hat die bituminösen Holzflöze diese großen für die Geogenie so merkwürdigen Denkmahle einer catastrophirten Vorwelt für eine Art Treibholz halten wollen, das, so wie das frische an den Küsten der jetzigen nordischen Erde (davon oben S. 449. not. *) durch Strömungen ꝛc. in solche mächtige Lagen zusammengeschwemmt worden sey. Mir scheint hingegen manches Treibholz, wie z. B. dasjenige so hier zu Lande bey Stade angeschwemmt wird, dessen Risse und Spalten ich oft mit Blau-Eisen-Erde gefüllt gefunden habe, selbst erst aus Flözlagen von bituminösen fossilen Holze losgerissen und an die Küsten getrieben zu seyn.; theils alaunhaltig.

Die bituminose Holzerde, wohin auch manche Umber (namentlich die Cölnische) gehört, ist durch Verwitterung dieses Holzes entstanden und findet sich theils bey dem - selben in Flözen, theils aber auch in aufgeschwemmten Lande, Torfmooren**)Der Torf selbst (Fr. tourbe. Engl. peat) besteht aus vermoderten, oder auch nur dicht zusammengefilzten, mit Erdharz mehr oder weniger durchzogenen Pflanzen, zumahl von Mooßen und Gräsern (S. 448.); in theils Gegenden auch von Heide - kraut ꝛc. und diese Torfarten sind freylich großentheils von neuer Entstehung, wodurch denn manche Naturforscher bewogen worden, den Tors überhaupt gar nicht zu den Fossilien zu zählen. Indeß, da doch mancher inländische Torf auch aus Seepflanzen, fucis etc. besteht, die folglich von einem weit höheren (auf Erd -561 revolutionen zurückführenden) Alter desselben zeugen, mancher auch ganz deutlich in Braunkohle übergeht, so scheint hier doch immer für denselben die passendste Stelle in der Naturgeschichte zu bleiben. ꝛc.

6. Steinkohle. Lithantrax. (Fr. houille, char - bon de terre. Engl. coal.)

Ohne Zweifel vegetabilischen Ursprungs; theils noch mit unverkennbarem Holzgefüge; oder mit Eindrücken fremdartiger Gewächse*)Dergleichen ich von ausnehmender Schönheit in Pech - kohle von Reigoldswyl im C. Basel vom sel. Prof. D'An - none besitze.; theils auch mit fest einge - mengten Holzkohlen; brennt mit schwarzem Dampfe; besteht aus Erdharz und Kohlenstoff, nach Verschieden - heit der Abarten in eben so verschiedenem Verhältniß, variirt aber gar sehr in Farbe, Glanz, Gefüge ꝛc. be - sonders in folgende sechs Abarten: die sich aus geogno - stischer Rücksicht unter zwey Hauptarten bringen lassen; da die vier erstern sich mehr oder weniger dem bitumi - nösen Holze nähern, in mächtigern Lagern vorkommen, meist auf gemeinen Flözsandstein oder dichtem Kalkstein aufliegen und gewöhnlich von Basalt bedeckt sind: die beiden letztern aber in weit schwächern Flözen, meist nur von wenigen Fuß Mächtigkeit vorkommen, deren aber dagegen mehrere übereinander mit Schichten von Schie - ferthon oder Kohlensandstein (S. 545.) abwechseln. Auch findet sich diese letztere Hauptart mehr in der Nähe der Ganggebirge, und ist fast immer mit Kohlensandstein oder mit Schieferthon (zumahl mit Pflanzenabdrücken) und Brandschiefer (S. 502.) bedeckt.

1) Braunkohle, Erdkohle. (Engl. Boveycoal.)

Dunkelbraun; mattglänzend; Uebergang in Alaunerde so wie ins bituminöse Holz, von welchem sie sich doch durch das minder kenntliche Holzgefüge unterscheidet.

2) Pechkohle, Fettkohle, Harzkohle, Glas - kohle.

Kohlschwarz (so wie auch die folgenden Abarten); starkglänzend; mit kleinmuscheligem Bruch.

562

3) Stangenkohle.

In stängelich abgesonderten Stücken; meist fettglän - zend; weich; spröde. Fundort vorzüglich am Meißner in Hessen.

4) Gagatkohle, schwarzer Bernstein. (Fr. jayet, jais. Engl. jet.)

Kohlschwarz; mattglänzend; flachmuscheliger Bruch; fest, so daß sie sich drehen und poliren läßt.

Ihr ähnelt die cannel - oder kennel-coal aus Lancashire. Dieser ihr Gewicht = 1275.

5) Schieferkohle, Blätterkohle.

Von schieferigem Gefüge; wachsglanz; weich, und sehr spröde. Uebergang in Brandschiefer.

6) Glanzkohle.

Eisenschwarz; von fast metallischem Glanze; großmu - scheligem Bruche; würftiger Gestalt der Bruchstücke; zur Feuerung die vorzüglichste, zumahl häufigst in Großbri - tannien.

Gebrauch der letztgedachten beiden Arten (außer dem allgemein bekannten der Steinkohlen überhaupt), unter andern auch zum Theerschwelen und zur Gewinnung des Salmiaks.

III. Graphitgeschlecht.

1. Kohlenblende, (schiefrige Glanzkohle). Anthracolithus. (Fr. Anthracite, plombagine charbonneuse.)

Aehnelt im Aeußern der Glanzkohle, wofür sie auch ehedem oft angesehen worden; färbt stark ab; ist sehr spröde; ihr Bruch theils schieferig, theils stängelich in kleinen vierseitigen Säulen. Gewicht = 1468. Gehalt (nach Guyton Morveau) = Kohlenstoff mit wenigem Sauerstoff und etwa 4 p. C. Alaunerde. Bricht meist bey und mit Quarz; unter andern bey Gera, Chem - nitz, Kongsberg (hier theils mit gediegnem Sil - ber) ꝛc.

563

2. Graphit, Reißbley, Schriftbley. Plum - bago. (Fr. fer carburé, plombagine, cra - yon noir, crayon d'Angleterre. Engl. black lead, Keswik lead, wad.)

Meist bleygrau; theils eisengrau; mehr oder weniger metallischglänzend; abfärbend; fettig anzufühlen; theils dicht, theils körnig, theils schuppig, oder krummblätte - rig, oder dünnschieferig; weich. Mittelgewicht = 2089. Gehalt (nach Vauquelin) = Kohle mit 8 p. C. Eisen. Im starken offenen Feuer verfliegt er großentheils, und hinterläßt bloß etwas Eisen - und Kieselerde*)Ich habe bey den Versuchen, die ich über die so genann - ten Galvanismus angestellt, im Herbst 92 gefunden, daß der Graphit denselben eben so gut als Metalle oder Holzkohle erregt, er mag nun zur Belegung der entblößten Nerven, oder als Con - ductor gebraucht werden.. Fund - ort zumahl in der größten Menge und Feinheit bey Keswick in Cumberland**)Doch besitze ich auch vom sel. Baron von Asch, als eine exotische Seltenheit, ausnehmend feinen Graphit vom äußer - sten Ende des nordöstlichen Asiens, dem Tschukotskoinoß, dessen sich die Tschuktschen und andere benachbarte Polarmenschen, auch auf der gegenüberliegenden Küste des nordwestlichen America, zur Schminke und statt Farbe an ihren Geräthen und Kleidungs - stücken bedienen.. Gebrauch des feinern, festen vorzüglich zu Bleystiften (auch zur Spitze auf die Stangen der Gewitterableiter), des gemeinsten aber zu Ipser Schmelztiegeln, Ofenschwärze ꝛc. Auch zum Ein - schmieren hölzerner Schrauben und Räderwerks.

IV. Demantgeschlecht.

1. Demant. Adamas. (Fr. Diamant. Engl. Diamond.)

Aus jeder Rücksicht einer der merkwürdigsten, wun - derbarsten so wie der kostbarste Körper in der Na - tur. Eigentlich farbenlos und mit der äußersten Klarheit wasserhell, wie eine Thautropfe; doch theils blaß tingirt, und das fast in allen Farben; von einem eigenem dem metallischen sich nähernden Glanze; ur -564 sprünglich immer krystallisirt; und zwar eigentlich als doppelt vierseitige Pyramide ( tab. II. fig. 5. ), deren Flächen aber mehrentheils gewölbt und theils gar in der Mitte so stark zugespitzt sind, daß dadurch der octoëdrische Krystall in das Dodecaëder mit rautenför - migen Flächen ( tab. II. fig. 13. ) umgewandelt wird. Sein Gefüge ist blätterig, und der Durchgang der Blätter richtet sich allemahl und einzig nach den acht Seiten der octoëdrischen Grundkrystallisation; da - her sich auch der Demant bloß nach diesen Richtungen spalten oder kloven läßt*)Die Identität des Durchgangs der Blätter in den beider - ley Krystallisationen dieses Edelsteins, der octoëdrischen und dode - caëdrischen, ergibt sich deutlich in einer Folge von Demanten in meiner Sammlung die ich dem berühmten Demantschleifer Be - melmann in Amsterdam verdanke, der sie nach den verschiedenen Richtungen geklovt hat.. Er ist der härteste aller bekannten Körper, der von keiner Feile angegriffen wird, hingegen alle andere Edelsteine ritzt, und daher nur mit seinem eigenen Pulver, dem Demant-Boord, geschliffen werden kann. Gewicht = 3521. Er ist stark idioelektrisch; und manche saugen besonders leicht Licht ein. Was Newton aus der ausnehmend starken Strahlenbrechung des Demanten a priori geahndet**)Optice pag. 270. 272. der oben (S. 521.) angeführten Ausgabe., daß er eine brennbare Substanz sey, ist nun durch Er - fahrung aufs vollkommenste bestätigt, und dadurch er - wiesen, daß er ein wunderbar verdichteter Kohlenstoff ist, so daß man sogar aus Stabeisen durch Verbrennen von zugesetztem Demant, Gußstahl gemacht hat. Fundort Ostindien (zumahl Hindustan und Borneo†)s. Hofr. Osiander's Nachricht in den Götting. gel. An - zeigen vom Jahr 1805. S. 1777 u. f.) und Brasilien.

565

Funfzehnter Abschnitt. Von den Metallen.

§. 253.

Daß auch die Metalle im Grunde unter die brennlichen Fossilien gehören, ist schon oben erwähnt (§. 251). Sie unterscheiden sich aber durch folgende Eigenheiten gar sehr von denen im vorigen Abschnitte abgehandelten sowohl, als von den übrigen Minera - lien der andern beiden Classen.

Sie sind unter den Fossilien die allerundurchsich - tigsten; sie haben alle den deßhalb so genannten me - tallischen Glanz; meist hakigen Bruch; und viele auch eine dreyfache Art von geschmeidiger Ductilität. Sie sind nähmlich erstens biegsam (so besonders Bley und Zinn); zweytens dehnbar oder malleabel, daß sie sich in dünne Blättchen treiben lassen (so zumahl Gold und Silber); und drittens zähe, daß sie sich nach ihrer verschiedenen Tenacität im Draht - zug mehr oder weniger strecken lassen, und gleichstarke Drahte aus den verschiedenen Metallen größere oder geringere Lasten tragen können, ehe sie davon gerissen werden (so vorzüglichst Platin, Gold und Eisen).

Sie schmelzen in der Hitze; doch das Quecksilber schon in einer so niedern Temperatur, daß es ge - wöhnlich flüssig erscheint, die übrigen Metalle hinge - gen erfordern erhöhte Temperatur, und manche der - selben (z. B. Platin, Eisen, Mangan, Wolfram ꝛc. ) eine sehr große Hitze, ehe sie in Fluß kommen. Alle schmelzen undurchsichtig und mit gewölbter Oberfläche.

566

Bis auf eine oder die andre Ausnahme unter den neuerlich entdeckten Metallen lassen sich die übrigen entweder in Salpetersäure oder in Salzsäure (oder dem aus beiden zusammengesetzten Königswasser) auf - lösen; und sind die vollkommensten elektrischen Leiter.

§. 254.

So verschieden und mannigfaltig auch das An - sehen ist, unter welchen sich die mehresten Metalle in der Natur zu finden pflegen, so lassen sich doch alle diese Verschiedenheiten auf zwey Hauptarten zu - rück bringen:

Entweder nähmlich finden sich die Metalle ge - diegen (metallum nativum, Fr. metal vierge) in ihrer wahren vollkommen metallischen Gestalt: oder aber vererzt im weitläuftigern Sinn (metal - lum mineralisatum), so, daß ihnen mehr oder we - niger von ihrem metallischen Habitus benommen ist.

§. 255.

Doch hat auch beym gediegenen Zustande eines Metalls mancherley besondere Verschiedenheit Statt. Es findet sich z. B. dasselbe entweder sichtbar, oder aber in unmerklich kleinen Partikeln zwischen andern Fossilien versteckt und durch dieselben ver - larvt. Ferner findet sich entweder Ein gedie - genes Metall (z. B. Quecksilber) rein, für sich; oder aber mehrere im gediegenen Zustande zusammen gemischt (z. B. natürliches Amalgama).

§. 256.

Die Vererzung, im weitläuftigen Sinne (§. 254.), erfolgt gleichfalls auf verschiedene Weise:

Erstens nähmlich bloß durch Verbindung eines Metalls mit einem andern verbrennlichen Stoffe,567 dem Schwefel; da sie dann geschwefelt oder ver - erzt im engern Sinne genannt werden; und bey die - ser Verbindung mehrentheils noch einen metallischen Glanz behalten.

§. 257.

Zweytens hingegen durch eine weit wesentli - chere Veränderung, nähmlich durch Verbindung des Metalls mit Säuren; da sie ihres metallischen Glan - zes beraubt, und gesäuert oder verkalkt genannt werden.

Und zwar erfolgt diese Verkalkung wiederum, entweder durch den unmittelbaren Beytritt des reinen Sauerstoffs, oder so, daß derselbe schon mit einer Grundlage verbunden ist, und dadurch eine eigentlich so genannte Säure bildet.

§. 258.

Nur neun Metalle (nähmlich Silber, Quecksil - ber, Kupfer, Eisen, Wismuth, Spießglanz, Ar - senik, Tellurium und Palladium) hat man bis jetzt in beiderley Hauptgestalt gefunden; so wohl gediegen als vererzt. Von den übrigen hingegen die mehrsten bloß vererzt.

§. 259.

Daß die ehemahlige Eintheilung der Metalle, in Ganze - und Halb-Metalle, aus bloß relativen, unbestimmten Verhältnissen abstrahirt und nicht in der Natur gegründet war, bedarf jetzt kaum noch einer Erwähnung.

§. 260.

Bis jetzt kennt man nun folgende hieher gehö - rige, eigentlich sogenannte Metalle, die auch, mit568 Ausnahme des Ceriums, die schwersten Körper in der Natur sind.

I. Platin.

II. Gold.

III. Silber.

IV. Quecksilber.

V. Kupfer.

VI. Eisen.

VII. Bley.

VIII. Zinn.

Diese achte hießen vor Alters ganze Metalle; von den folgenden hingegen die vormahls schon be - kannten, Halb-Metalle:

IX. Zink.

X. Wismuth.

XI. Spießglanz.

XII. Kobalt.

XIII. Nickel.

XIV. Mangan.

XV. Arsenik.

XVI. Molybdän.

XVII. Scheel.

XVIII. Uranium.

XIX. Titanium.

XX. Tellurium.

XXI. Chromium.

XXII. Tantalum.

XXIII. Cerium.

XXIV. Iridium.

XXV. Palladium.

XXVI. Cadmium.

XXVII. Osmium.

XXVIII. Rhodium.

Da sich aber letztre beide vor der Hand bloß mit dem rohen Platin und dem Iridium und Palladium verbunden569 finden, so werden sie hier in der Mineralogie nur bey - läufig angeführt. Ein mehreres von denselben s. in Gil - bert's Annalen XXIV. B. 1806. S. 209 u. f.

I. Platingeschlecht.

Der vollkommen gereinigte Platin-König ist sil - berweiß; sein Gewicht = 20850 (folglich der schwerste aller bekannten Körper in der Natur*)Im Drahtzug gestreckt oder stark gehämmert steigt das specifische Gewicht dieses merkwürdigen Metalls sogar auf = 23286.); so gereinigt ist er auch ausnehmend dehnbar und zähe**)So besitze ich z. B. vom Dr. Wollaston Platin - drahte von der bewundernswerthen Feinheit von 1 / 3260, 1 / 6200, und sogar 1 / 8100 Zoll Dicke. Auch vom sel. Dr. Ingen-Houß Kupferblech auf einer Seite mit Silber, auf der andern mit Platina platirt ꝛc. (alle drey Lagen dieser verschiedenen Metalle zusammen von der Dicke eines Blattes Papier); auch einen aus Platina scharf und nett ausgeprägten Bracteaten, den er dem Astronomen Hell zu Ehren verfertigen lassen. (§. 253.); wird in Königswasser aufgelöst und amalgamirt sich mit siedendem Quecksilber; ist das strengflüssigste Metall; und nächst dem Eisen das härteste; läßt sich auch so wie dieses, schweißen. Gebrauch vor - züglich zu Maasstäben, Mikrometerfäden, Schmelz - tiegeln, Pendelkugeln, Pyrometern, Davy's Sicher - heitslampe, Clarke's Nachtlicht ohne Flamme, - derwerk in Taschenuhren, mit Kupfer und Arsenik versetzt zu Teleskopspiegeln ꝛc.

1. Gediegen, Polyxen.

Unter dem Namen von Platina (dem Spanischen Diminutiv von plata, Silber) seit 1736 bekannt. Ge - wöhnlich nur in kleinen, fast stahlgrauen, theils rund - lichen, theils eckigen, meist aber platten Körnern; die aber außer der Platina noch achterley andere Metalle ( nämlich: Kupfer, Eisen, Titanium, Chromium,570 Iridium, Osmium, Rhodium und Palladium ) hal - ten; und in einem mit magnetischem Eisensande, Wasch - gold, Quecksilberkügelchen, und kleinen Hyacinthen ꝛc. vermengten Sande, vorzüglich bey Santa in Mexico gefunden werden.

II. Goldgeschlecht.

Das Gold ist ausnehmend ductil in aller drey - fachen Rücksicht (von Biegsamkeit, Dehnbarkeit und Zähigkeit), weich, doch daß es sich durch anhalten - des Hämmern selbst zu Uhrfedern stählen läßt. Ge - wicht = 19257. Wird in Königswasser aufgelöst; und aus der Solution durch Salmiak als Knallgold, und durch Zinnauflösung als mineralischer Purpur, gefällt. Amalgamirt sich sehr leicht mit Quecksilber. Ist nächst dem Eisen und Braunstein wahrscheinlich das allgemeinst verbreitete Metall.

1. Gediegen.

Dunkler oder heller, nach Verschiedenheit der ihm in größerer oder geringerer Menge beygemischten andern Metalle, Kupfer, Silber, Eisen, oder Tellurium. In mancherley besonderer Gestalt z. B. blätterig, gestrickt ꝛc. Theils krystallisirt, in mancherley Formen, z. B. cubisch, octoëdrisch ꝛc. ; theils dendritisch ꝛc.

Zuweilen in Seifenwerken (davon unten beym Zinn - geschlecht), wie z. E. das bey Wicklow in Irland.

Häufig als Waschgold im Sande vieler Flüsse.

Sehr oft ist es aber auch bloß versteckt oder ver - larvt (§. 255.), wie z. B. im Brauneisenstein von Beresofsk, im rammelsberger Braunerz, in vielem Schwefelkies, Bleyglanz, Zinkblende ꝛc. Namentlich auch in der goldhaltigen Kohle (dem so genannten Brand - stein) von Verespatak in Siebenbürgen.

571

III. Silbergeschlecht.

Das Silber läuft von Schwefeldämpfen gelb - schwarz an. Gewicht = 10474. Ausnehmend dehn - bar; auch sehr zähe; hat nächst dem Kupfer den stärksten Klang; wird in Salpetersäure aufgelöst, und aus der Solution durch Salzsäure als Hornsil - ber, und durch Quecksilber als so genannter Dianen - baum gefällt.

1. Gediegen.

In mancherley besonderer Gestalt; blätterig, zäh - nicht, haarförmig, gestrickt ꝛc., theils krystallisirt, und zwar auch meist als doppelt vierseitige Pyramide; theils dendritisch; theils bey metallisirten Petrefacten, wie z. B. bey den frankenberger Kornähren ꝛc.

Findet sich auch nie ganz rein, sondern mit andern Metallen gemischt.

So z. B. mit Gold bey Kongsberg und am Schlan - genberg (das Electrum des Grafen von Veltheim).

2. Arseniksilber.

Mittelfarbe zwischen zinnweiß und silberweiß; blätte - riger Bruch; theils krystallisirt in sechsseitigen Säulen und Pyramiden; weich. Gehalt sehr ungleich z. B. in einem andreasberger (nach Klaproth) = 12,75 Silber, 35 Arsenik, 44,25 Eisen, 4 Spießglas.

3. Spießglanzsilber.

Zinnweiß; theils derb; theils krystallisirt in vier - und sechsseitigen Säulen und sechsseitigen Tafeln. Gehalt (nach Klaproth) = 76 Silber, 24 Spießglanz. Fund - ort ebenfalls bey Andreasberg am Harz und bey Alt - Wolfach im Fürstenbergischen.

4. Glaserz, Glanzerz, Weichgewächs, Sil - berkies. Argent sulfuré.

Schwärzlich bleygrau; mattschimmernd; gibt glänzen - den Strich; theils krystallisirt; meist in doppelt viersei -572 tigen Pyramiden; auch cubisch ꝛc. ; weich; sehr geschmei - dig; läßt sich späneln; ist theils so dehnbar, daß es sich prägen läßt. Gewicht = 7215. Gehalt (nach Klap - roth) = 85 Silber, 15 Schwefel. Fundort vorzüglich im Erzgebirge.

5. Sprödes Glaserz, Röschgewächs, Sil - berkies.

Meist eisenschwarz, theils rußig, theils krystallisirt, und das meist in sehr kleinen sechsseitigen Säulen oder Tafeln; theils zellicht; spröde. Gewicht = 7208. Ge - halt (nach Klaproth) = 66,50 Silber, 12 Schwefel, 10 Spießglanz, 5 Eisen. Fundort zumahl in Ungarn.

6. Silberschwärze, erdiges Glaserz. Ar - gent noir.

Blaulich schwarz; abfärbend; feinerdig; sehr weich; scheint aus einer Auflösung des Schwarzgülden und Glaserzes entstanden zu seyn. Findet sich meist in der Nachbarschaft dieser beiden.

7. Hornerz. Argent muriaté.

Perlgrau; theils ins Braune, theils ins Pistazien - grüne, an den Kanten durchscheinend; fast wachsglän - zend, theils knospig; theils cubisch krystallisirt; theils dendritisch (so vorzüglich das sibirische vom Schlangen - berge); weich; geschmeidig; läßt sich späneln. Gewicht = 4840. Gehalt (nach Klaproth) = 67,75 Silber, 21 concentrirte Salzsäure, 6 Eisenoxyd, 1,75 Alaun - erde. Fundort, außer dem eben gedachten, Johann - georgenstadt im Erzgebirge, Cornwall ꝛc.

8. Rothgülden, Silberblende. (Fr. argent rouge, rosiclair.)

Von verschiedener Röthe, vom lichten Blutroth bis ins dunkel Coschenillrothe, und dieß selbst ins Bleygraue und Eisenschwarze; mehr oder weniger durchscheinend; theils mit auffallendem Lichte schwarzroth, mit durch - fallendem aber blutroth, (Engl. ruby ore); fast me - tallisch glänzend; theils krystallisirt, meist in sechsseitigen Säulen mit stumpfer sechsseitiger oder dreyseitiger Spitze; theils dendritisch; gibt rothen Strich. Mittelgewicht =573 5563. Gehalt eines dunkeln von Andreasberg (nach Klaproth) = 60 Silber, 19 Spießglanz, 17 Schwefel, 4 Sauerstoff. Andre sind auch arsenikhaltig. Fund - ort, vorzüglich am gedachten Orte.

IV. Quecksilbergeschlecht.

Das Quecksilber, hydrargyrum (Fr. mercure, vif-argent. Engl. quicksilver) behält seinen Sil - berglanz an der Luft unverändert; ist flüssig ohne zu netzen; und wird erst bey 39° unter 0 Fahr. fest und malleabel. Gewicht des flüssigen = 13568*)Des festen = 14391 (Gehlens Journ. IV. B. S. 434.). Wird am vollkommensten von der Salpetersäure auf - gelöst; phosphorescirt im so genannten luftleeren Raume; amalgamirt sich am leichtesten mit Gold, Silber, Zinn und Bley; daher sein Gebrauch zum Anquicken der Erze, zum Vergolden, zur Spiegel - folie ꝛc. Außerdem bekanntlich auch zu meteorologi - schen Werkzeugen, Vertreibung und Tödtung man - cher Insecten, und als wichtiges Heilmittel.

1. Gediegen. Jungfern Quecksilber.

Meist in kugelichten Tropfen in Klüften und Zwischen - räumen von Quecksilbererzen. Fundort, in Europa zu - mahl Idria und das Zweybrückische.

2. Natürliches Amalgama. Mercure ar - gental.

Jungfern-Quecksilber mit gediegenem Silber amalga - mirt. Meist nur als Ueberzug; doch theils derb, knospig ꝛc. ; weich. Gehalt sehr ungleich; z. B. (nach Klaproth) 64 Quecksilber, 36 Silber. Fundort zumahl im Zwey - brückischen.

3. Zinnober, Quecksilberblende. Cinnaba - ris. Mercure sulfuré.

574

Vom Lichtscharlachrothen ins dunkel Coschenillrothe ꝛc. ; theils undurchsichtig, theils mehr oder weniger durchschei - nend; theils erdig, theils derb und dann theils von einem fast metallischen Glanze; theils faserig; theils kry - stallisirt, und zwar meist in vierseitigen Pyramiden ꝛc. ; gibt scharlachrothen Strich. Gehalt und Gewicht sehr ungleich. Ersterer z. B. (nach Kirwan) = 80 Quecksil - ber, 20 Schwefel. Fundorte zumahl Idria, das Zwey - brückische, Almaden, Schina und Mexico.

Das so genannte Quecksilber-Branderz von Idria ist ein mit Zinnober innig gemengter Brandschiefer.

Das eben daselbst brechende, selten Stinkzinno - ber (Fr. cinabre alcalin) ist scharlachroth; durchschei - nend; von spathartigem Gefüge; und gibt, wenn er gerieben wird, Schwefellebergeruch.

4. Quecksilber-Leber-Erz, Quecksilber - blende. Mercure sulfuré bituminifère.

Vom dunkel Coschenillrothen ins Eisenschwarze; un - durchsichtig; mit schimmerndem, mattem Glanze; gibt coschenillrothen Strich; ist weich; dem Gefüge nach von zwey Hauptarten: nähmlich a) dicht, und b) schalig, mit concentrischen Ablosungen, wie mancher Glaskopf*)Zu den sonderbaren mineralogischen Irrthümern, die aus Vernachlässigung der solidern Petrefacten-Studiums entstanden sind, gehört unter andern, daß manche neuere übrigens sehr verdienstvolle Mineralogen diese concentrischen Ablosungen des schaligen Quecksilber-Leber-Erzes, oder fälschlich so genannten Corallen-Erzes, für wirkliche Versteinerungen gehalten haben.. Gewicht = 7937. Gehalt (nach Klaproth) = 81,80 Quecksilber, 13,75 Schwefel, 2,30 Kohle, 0,65 Kiesel - erde, 0,55 Alaunerde, 0,20 Eisenoxyd, 0,73 Wasser ꝛc. Fundort zumahl bey Idria, wo es das gewöhnlichste Quecksilbererz ausmacht.

5. Quecksilber-Horn-Erz, natürliches Tur - peth, natürlicher Sublimat. Mercure muriaté.

Rauchgrau, gelblichgrau ꝛc. ; durchscheinend; von fast metallischem Glanze; meist als Drusenhäutchen in Klüf - ten anderer Quecksilbererze; theils in sehr kleinen cubi -575 schen oder säulenförmigen Krystallen; weich. Gehalt (nach Klaproth) = 76 Quecksilberoxyd, 16,4 Salzsäure 7,6 Schwefelsäure. Fundort zumahl im Zweybrückischen.

V. Kupfergeschlecht.

Das Kupfer ist sehr hart und elastisch, und hat unter allen Metallen den stärksten Klang. Ge - wicht = 7788. Wird von allen Säuren aufgelöst; brennt mit grüner und blauer Flamme: verbindet sich leicht mit andern Metallen, und gibt dadurch die mancherley vorzüglichen Compositionen; wie z. B. mit Gold, das Similor und das malayische Suasso; mit Zink, das Messing und Tomback (von Tom - bago, dem malayischen Worte für Kupfer); mit Zinn die antike Bronze, das Glockengut und Stück - gut; mit Arsenik das argent haché und die Com - position zu Telescopspiegeln; mit Nickel, das schine - sische Packfong u. s. w. Dient daher auch beym Münzwesen zur Karatirung und Legirung des Gol - des und Silbers ꝛc.

1. Gediegen.

Theils güldisch, oder silberhaltig ꝛc. ; daher Abstu - fungen der Röthe; in mancherley besonderer Gestalt; theils krystallisirt; und dann meist als doppelt viersei - tige Pyramide. Fundort, in Europa besonders Corn - wall und Ungarn, außerdem aber vorzüglich Sibirien, die Küsten der Kupfer-Insel (Mednoi ostrow) im kamtschatkischen Meere, die Ufer des Kupferflusses im N. W. der Hudsonsbay, Brasilien ꝛc .*)Cämentkupfer, oder gediegen Kupfer von der zwey - ten Formation, heißt das so auf vitriolischen Kupfer - wassern (z. B. bey Neusohl in Ungarn, im Rammelsberge bey Goslar ꝛc. ) mittelst des Eisens gefällt wird..

576

2. Kupferglas, Kupferglanz, Lecherz. (Fr. cuivre sulfuré, mine de cuivre vitreuse.)

Bleygrau, ins Eisenschwarze, theils ins Violette, dunkel Leberbraune ꝛc. ; theils metallischer Glanz; der Bruch theils ins Blätterige; meist ungeformt; theils aber krystallisirt, z. B. in sechsseitigen Säulen ( tab. II. fig. 10. ); weich, milde, schneidbar; gibt glänzenden Strich; schmilzt leicht. Mittel-Gewicht = 5074. Gehalt des Sibirischen (nach Klaproth) = 78,50 Kupfer, 18,50 Schwefel, 2,25 Eisen, 0,75 Kieselerde. Fundort, in Europa zumahl Cornwall und der Bannat.

3. Bunt-Kupfer-Erz (Kupferlasur.) Cuivre pyriteux hepatique.

Tombackbraun, theils ins Kupferrothe; meist tauben - hälsig angelaufen; metallisch glänzend; spröder als das Kupferglas; gibt braunrothen Strich; findet sich wohl nur ungeformt. Gehalt (nach Phillips) = 61 Kupfer, 14 Eisen, 23,75 Schwefel ꝛc. Fundort, unter andern Lauterberg am Harz, und der Schlangenberg in Si - birien.

4. Kupferkies, gelb Kupfer-Erz, Gelf. (Fr. cuivre pyriteux, mine de cuivre jaune.)

Goldgelb in mancherley Abstufungen; theils grünlich; auch oft taubenhälsig angelaufen; meist ungeformt; theils mit Spiegelfläche; oder geflossen, nierenförmig, traubig ꝛc. ; zuweilen krystallisirt, z. B. als dreyseitige Pyramide ( tab. II. fig. 1. ). Mittel-Gewicht = 3980. Gehalt des Cornwaller (nach Phillips) = 30,50 Kupfer, 32 Eisen, 35,16 Schwefel, 2,14 Bley, Arse - nik ꝛc. Ist das allergemeinste Kupfererz; findet sich, so wie auch theils die beiden vorigen Gattungen, oft im bituminösen Mergelschiefer, der dann Kupferschiefer genannt wird. (s. oben S. 528.)

5. Weiß Kupfererz. (Fr. mine de cuivre blanche.)

Aus dem Zinnweißen ins Speisgelbe; mattglänzend; spröde; gibt theils am Stahl Funken; hält (nach Hen - kel) 40 p. C. Kupfer und außerdem Eisen und Arsenik. 577Uebergang in Kupferkies und in Fahlerz. Findet sich überhaupt selten; unter andern bey Freyberg.

6. Fahlerz, Graugültigerz, auf dem Harz so genanntes Weißgülden. (Fr. mine de cuivre grise. Engl. grey copper-ore.)

Stahlgrau, ins Eisenschwarze; gibt einen grauröth - lichen Strich; meist ungeformt; theils krystallisirt; z. B. in dreyseitigen Pyramiden, sechsseitigen Säulen u. a.m. Gehalt eines Freybergischen (nach Klaproth) = 41 Kupfer, 22,5 Eisen, 24,10 Arsenik, 0,40 Silber, 10 Schwefel ꝛc. Findet sich sehr häufig in vielen Ländern von Europa und Asien.

7. Schwarzgülden.

Eisenschwarz, theils ins Stahlgraue; metallischglän - zend; kleinmuscheliger Bruch; hart; spröde; theils derb; theils krystallisirt in dreyseitigen Pyramiden (tab. II. fig. 1.) bey Clausthal. Gehalt des Kapnicker (nach Klaproth) = 37,75 Kupfer, 22 Spießglanz, 3,25 Ei - sen, 5 Zink, 28 Schwefel.

8. Kupferschwärze.

Bräunlichschwarz; erdig; zerreiblich; mager; meist als Ueberzug auf Kupferkies und Fahlerz; wohl bloß aus Verwitterung derselben entstanden. Fundort unter an - dern am Harz bey Lauterberg ꝛc.

9. Roth Kupfererz, roth Kupfer-Glas, Kupfer-Lebererz. (Fr. cuivre oxydé rouge, mine de cuivre rouge.)

Vom Leberbraunen durchs lichte Coschenillroth bis ins Bleygraue; das Coschenillrothe theils durchscheinend; selten durchsichtig; theils fast metallischglänzend; theils dicht; theils blätterig; theils krystallisirt und dann meist in doppelt vierseitigen Pyramiden; theils haarförmig, faserig, seideglänzend, als Kupferblüthe (Fr. fleurs de cuivre). Gehalt des Cornwaller (nach Chenevix) = 88,5 Kupfer, 11,5 Sauerstoff. Fundort vorzüglich Cornwall und Catharinburg; die Kupferblüthe aber be - sonders bey Rheinbreidbach im Cölnischen.

578

10. Ziegelerz. (Fr. ochre de cuivre rouge.)

Aus dem Hyacinthrothen ins Pechbraune und Gelbe; matt oder mit Pechglanz; theils erdig; theils verhärtet als Kupfer-Pecherz; letzteres mit kleinmuscheligem Bruche. Eigentlich aus der vorigen Gattung mit brau - nem Eisenocher innig gemengt. Fundort, unter andern der Bannat, Lauterberg am Harz ꝛc.

11. Kupferlasur, Kupferblau, Bergblau. (Fr. cuivre carbonaté bleu, azur de cuivre, bleu de montagne.)

Vom Himmelblauen bis ins Indigblaue; theils matt, erdig, zusammengebacken, abfärbend; theils aber glän - zend, zuweilen durchscheinend; theils strahlig; theils nierenförmig, traubig ꝛc. ; theils krystallisirt, zumahl in kurzen vierseitigen Säulen. Hält (nach Kirwan) auf 69 p. C. Kupfer, wie in den drey nächstfolgenden Gat - tungen durch Kohlensäure verkalkt. Fundort vorzüglich im Bannat und am Ural.

12. Malachit. Cuivre carbonaté vert.

Vorzüglich in zwey Hauptarten:

Erstens nähmlich als Atlaserz (Fr. mine de cuivre soyeuse); smaragdgrün; seidenglänzend; faserig; theils in abgesonderten, haarförmigen Krystallen, büschelför - mig divergirend ꝛc. Fundort zumahl Lauterberg am Harz und der Bannat.

Zweytens als eigentlich so genannter Malachit, dicht, polirbar, meist nierenförmig, mamelonirt in concentrischen Schalen, theils traubig, stalactitisch, röh - renförmig ꝛc. Gewicht = 3641. Gehalt eines sibiri - schen (nach Klaproth) = 58 Kupfer, 18 Kohlensäure, 12,50 Sauerstoff, 11,50 Wasser. Fundort zumahl Ca - tharinburg in Sibirien.

13. Kupfergrün, Kieselmalachit. Aerugo nativa, chrysocolla, lapis armenus. (Fr. cuivre carbonaté vert, verd de montagne.)

Spangrün, theils ins Blauliche; nur selten an den Kanten durchscheinend; theils erdig, zerreiblich; theils dicht mit muscheligem Bruche; meist nur in kleinen Par -579 tien bey andern Kupfererzen; hält außer dem kohlensau - ren Kupfer meist noch Thonerde. Fundort unter andern Saalfeld, Dillenburg und Catharinburg. Gehalt des letztern (nach Klaproth) = 50 Kupferoxyd, 7 Kohlen - säure, 26 Kieselerde, 17 Wasser.

14. Phosphorsaures Kupfererz, Pseudo - malachit. (Fr. Cuivre phosphaté.)

Aus dem Spangrünen ins Smaragdgrüne; undurch - sichtig, meist seidenglänzend, schimmernd; zartfaseriger Bruch; meist traubig, nierenförmig; selten in sehr klei - nen sechsseitigen Krystallen; weich. Gehalt (nach Klap - roth) = 68,13 Kupferoxyd, 30,95 Phosphorsäure. Fundort Virneberg bey Rheinbreidbach im Cölnischen.

15. Olivenerz, Pharmakochalcit, arsenik - saures Kupfererz. Cuivre arseniaté.

Meist olivengrün, aber auch einerseits ins dunkel Lauchgrüne und anderseits ins Spangrüne; durchscheinend oder durchsichtig; fettglänzend; meist krystallisirt, theils in spangrünen sechsseitigen Tafeln (Kupferglimmer oder blätteriges Olivenerz), theils in sehr flachen Octo - ëdren (Linsenerz), theils in kleinen sechsseitigen Säu - len ꝛc. und diese theils büschelförmig divergirend, theils in kleinen kugelichten Nieren mit büschelförmig, faserig seidenglänzendem Bruch (faseriges Olivenerz Engl. wood copper.) Gehalt = Kupfer, mit etwas Eisen durch Arseniksäure verkalkt. Fundort zumahl Carrarach in Cornwall.

16. Salzkupfererz, Smaragdochalcit. (Fr. cuivre muriaté, muriate de cuivre oxygené.)

Von mancherley grüner Farbe; vom Undurchsichtigen bis zum Durchsichtigen; theils matt, erdig; theils ver - schiedenartiger Glanz. So der Atacamit, als sma - ragdgrüner Sand, von sehr kleinen doch unglelchförmi - gen Körnern; durchscheinend; glasglänzend; gibt auf Kohlen eine schöne blaue und grüne Flamme. Gehalt (nach Proust) = 70,50 Kupferoxyd, 11 Salzsaure, 18 Wasser. Fundort im westlichen Süd-America in einem kleinen Flusse in der Sandwüste Atacama zwischen Peru und Chili.

580

VI. Eisengeschlecht.

Reines oder so genanntes Frisch-Eisen hat eine aus dem Stahlgrauen ins Silberweiße fallende Farbe und ist äußerst zähe. Gewicht = 7807. Es wird vom Magnet gezogen, und selbst leicht attracto - risch; läßt sich schweißen; wird von allen Säuren angegriffen und gibt ihnen einen Tintengeschmack; wird aus diesen Solutionen durch die Galläpfelsäure schwarz, und durch die Blausäure blau gefällt. Ist unter allen Metallen am allgemeinsten in der Erde und selbst in der organisirten Schöpfung verbreitet; auch wird kein anderes Metall von den cultivirten Völkern in so unsäglicher Menge verarbeitet; sowohl als eigentlich so genanntes Eisen in seinen beiden Hauptverschiedenheiten (Guß-Eisen nähmlich und Stab-Eisen), als auch nachdem beide zu Stahl geschmolzen oder gebrannt worden. *)s. Dr. Pearson's Remarks on the properties and compo - sition of the different states of Iron; in den philosoph. Trans - actions v. J. 1795. S. 337 u. f. bey Gelegenheit seiner Unter - suchung des Wootz, des merkwürdigen Guß-Stahls der Hindus bey Bombay.

1. Gediegen.

Zu den berühmtesten, ungeheueren Massen gediegenen Eisens, die neuerlich bekannt worden und von denen schon oben die Rede gewesen [S. 459. not. **) und S. 515], gehört besonders 1772 von Pallas zwi - schen Krasnojarsk und Abekanks auf dem Rücken eines Schiefergebirgs wieder gefundene. Sie hat ein sonder - bares theils ästiges, theils gleichsam zelliges Gefüge, und enthält in ihren bläserigen Zwischenräumen das ob - gedachte grüngelbes, glasartiges, dem Olivin ähnelnde Fossil (S. 515). Das Eisen selbst in dieser auf 1600 Pfund schweren Masse hält (nach Stromeyer) = 10 p. C. Nickel und Kobalt.)

581

Eine andere noch ungleich größere findet sich unweit des Paranastroms in Chaco, im spanischen Süd-America, wo sie 1782 durch Don Mich. Rubin de Celis unter - sucht und ihr Gewicht auf 30000 Pfund angeschlagen worden*)Eine Probe von diesem berühmten süd-amerikanischen Eisenblock, die ich als eine ausnehmende Seltenheit der Güte des Baronet Banks verdanke, unterscheidet sich von dem sibirischen besonders durch eine hellere dem Zinnweißen sich nähernde Farbe., und dieses Eisen hält ebenfalls 10 p. C. Nickel.

Hingegen hält das von diesem so genannten Meteor - eisen verschiedene tellurische gediegen Eisen vom Eisernen Johannes zu Groscamsdorf im Neustäd - tischen Kreise in Sachsen (nach Klaproth) = 92,50 Ei - sen, 6 Bley, 1,50 Kupfer.

2. Schwefelkies, Eisenkies, Marcasit. Pyrites. Fer sulfuré. (Engl. mundick.)

Speisgelb, in mancherley Abstufungen; einerseits ins Goldgelbe, anderseits fast ins Stahlgraue; oft tauben - hälsig oder tombackbraun angelaufen; metallischglänzend; meist so hart, daß er am Stahle Funken gibt, mit Schwefelgeruch; hält, außer dem durch Schwefel ver - erzten Eisen zuweilen auch Gold, Silber, Arsenik ꝛc. findet sich in mancherley besonderer Gestalt, z. B. als Kiesnieren, Kiesbälle ꝛc. oder traubig, pilzförmig ꝛc. häufig krystallisirt in mancherley Form, z. B. als dop - pelt vierseitige Pyramide ( tab. II. fig. 5. ); oder als Dodecaëder mit fünfseitigen Flächen und zwanzig Ecken ( tab. II. fig. 4. ) oder in einer der selten - sten krystallinischen Formen der Fossilien, als Icosaëder mit gleichen dreyseitigen Flächen und zwölf Ecken ( tab. II. fig. 6. ); häufig hingegen cubisch mit gestreif - ten Flächen, und das so sonderbar, daß immer nur die Streifen von zwey einander gerade entgegenstehenden Flächen einerley Richtung haben, hingegen die von den dreyen in eine Ecke des Würfels zusammenstoßenden Flächen in conträrer Richtung wider einander laufen ( tab. II. fig. 2. ). Mittel-Gewicht = 4700. Ueber - gang in dichten Brauneisenstein. Gehalt (nach Hatchett) = 47,85 Eisen, 52,15 Schwefel. Fundort in aller Welt als die gemeinste aller Erzarten.

582

Das Wasserkies ist meist heller von Farbe; häufig in Nierenform; entweder dicht (Leberkies) krystallisirt meist als doppelt vierseitige Pyramide, und zwar in man - cherley Abarten zusammengrupirt, z. B. als Hahnen - kammkies ꝛc. *)Jo. Fr. L. Hausmann de pyrite giluo (hepatico ac ra - diato auctor. ) im IIIten B. der Commentat. recentior. Societ. Reg. scientiar. Gottingens.; oder strahlig (Strahlkies), theils als mancher Haarkies (z. E. bey St. Andreas - berg auf dem Harz) in abgesonderten haarförmigen Nadeln; theils in mancherley besonderer Gestalt, z. B. stalactitisch, röhrenförmig, gestrickt, zellig ꝛc. ; theils als metallisirte Petrefacten der Vorwelt, zumahl als Am - moniten. Gehalt des Strahlkieses (nach Berzelius) = 45,07 Eisen, 0,70 Mangan, 53,35 Schwefel, 0,80 Kieselerde.

Gebrauch zur Gewinnung des Schwefels, Alauns und Eisenvitriols; ehedem statt Feuerstein an deutschen Büch - sen ꝛc.

3. Magnetkies.

Aus dem Tombackbraunen ins Speisgelbe; metallisch - glänzend; doch meist angelaufen; ungeformt; sehr selten (am Harz) krystallisirt, in sechsseitigen Tafeln und Säulen die zuweilen an den Endkanten abgestumpft sind**)s. Hausmann de relatione inter corpor. natur. anorganic. indol. chemicas atque externas im IIIten B. der gedachten Com - mentat. p.34.Stromeyer in den Götting. gel. Anz. 1814. St. 147.. Ist wie so manche andere Eisenerze retracto - risch, d. h. er wird vom Magnet gezogen. Gehalt des von der Treseburg am Harz (nach Stromeyer) = 59,85 Eisen, 40,15 Schwefel.

4. Magnet-Eisenstein, natürlicher Mag - net, attractorisches Eisenerz. (Fr. Ai - mant, fer oxydulé. Engl. Load-stone.)

Eisenschwarz; meist ungeformt; theils aber in kleinen Krystallen als doppelt vierseitige Pyramiden; hart; spröde; zeichnet sich durch die beiden großen physikali - schen Eigenschaften aus, daß er das Eisen zieht, und sich in freyschwebender Lage nach den Polen richtet;583 auch beiderley Kraft dem Eisen selbst mittheilt. Ge - wicht = 4243. Ist natürliches schwarzes Eisenoxyd oder eine Verbindung von Eisenoxydul mit Eisenoxyd. Hält aber häufigst noch andere Metalloxyde, besonders Titanoxyd, Manganoxyd und Kieselerde. Fundort vor - züglichst der Magnetberg in Werchoturien; außerdem unter andern auch in unserer Nachbarschaft der Spritzen - berg am Harz*)Daß hier Magnet breche, sagt schon G. Agricola de na - tura fossilium, L. V. p. 604..

Der Magnet-Eisensand, magnes glareosus, findet sich in kleinen stumpfeckigen Körnern, entweder in Gebirgsarten eingesprengt [so z. B. in manchem Gra - nit (s. oben S. 541.), Porphyr, Basalt ꝛc. ]; oder aber, und zwar häufiger in manchem Sande des Meeres oder der Seen und Flüsse.

5. Titaneisen. (Fr. Fer titanié.)

Theils bräunlich - theils eisenschwarz; jenes wenig - glänzend; dieses von Eisenglanz; der Bruch theils ins Muschlige, theils ins Blättrige, theils vieleckigkörnig; hart; spröde; Gewicht = 4667. Gehalt (nach Klaproth) = 78 Eisenoxyd, 22 Titanoxyd. Fundort am Spessart und bey Eggersund, Krageröe ꝛc. in Norwegen.

6. Chromeisen. (Fr. Fer chromaté.)

Aus dem Stahlgrauen ins Schwärzlichbraune; matt - schimmernd; aschgrauer Strich; rauher unebner Bruch; hart; spröde; meist ungeformt; für sich unschmelzbar, schmilztaber mit Borax, den es grün färbt. Gewicht = 4032. Fundort besonders im Departement Var, und in Octoödern krystallisirt bey Baltimore. Gehalt des letztern (nach Seybert) = 39,51 Chromoxyd, 36 Eisenoxyd, 13 Alaunerde, 10,60 Kieselerde.

7. Eisenglanz, Spiegeleisen. (Fr. Fer oli - giste, fer speculaire, fer noir.)

Stahlgrau; theils taubenhälsig angelaufen; von star - kem metallischem Glanze; sowohl ungeformt als krystalli -584 sirt; letzteres z. B. in doppelt dreyseitigen Pyramiden, die dann in Linsenform übergehen; oder in sechsseitigen Tafeln ꝛc. Gewicht = 5158. Ist reines Eisenoxyd, bestehend aus 70 Eisen und 30 Sauerstoff. Fundort vorzüglich in großer Mannigfaltigkeit und Schönheit der Krystallisationen auf der Insel Elba.

Der Eisenglimmer ist mehr eisenschwarz; von blätterigem Gefüge; sowohl ungeformt als krystallisirt in kleinen sechsseitigen Tafeln, die theils zellig zusam - mengehäuft sind. Fundort unter andern zuweilen im Holzstein vom Kiefhäuserberg, und in manchen vesuv - schen Laven.

8. Roth-Eisenstein. Fer oxydé rouge.

Meist bräunlichroth, einerseits bis ins Kirschrothe, anderseits bis fast ins Strahlgraue. Gehalt im ganzen wie in der vorigen Gattung.

Davon drey Arten:

1) Roth-Eisenram.

Mulmig, zerreiblich; fettig anzufühlen; stark abfär - bend; theils derb; theils als Ueberzug über andere Eisenerze dieser Gattung; sehr leicht.

2) Dichter Roth-Eisenstein.

Meist ungeformt; theils krystallisirt, cubisch; (so z. B. am Cap.) meist abfärbend; gibt blutrothen Strich.

Erdig und zerreiblich wird er Roth-Eisenocher genannt.

3) Rother Glaskopf, Blutstein. Haematites.

Meist nierenförmig, mit mamelonirter Außenfläche und schaligen Ablosungen; theils stalactitisch; keilför - mige Bruchstücke von strahligem Gefüge. Gebrauch un - ter andern als Pulver zum Poliren der Stahlwaaren.

9. Braun-Eisenstein. Fer oxydé rubigineux.

Meist nelkenbraun oder haarbraun, einerseits ins Gelbe, anderseits ins Schwarzbraune. Ist natürliches Eisenoxydhydrat.

1) Dichter Braun-Eisenstein.

Meist ungeformt; theils stalactitisch ꝛc. ; theils kry - stallisirt in zweyen der beym Schwefelkies (S. 581.) ge -585 dachten Formen, nähmlich als Dodecaëder mit den fünf - seitigen Flächen ( tab. II. fig. 4. ) und als Wür - fel mit der sonderbaren Richtung der Streifen auf sei - nen sechs Flächen ( tab. II. fig. 2. ). Theils auch als Petrefact von Incognitis der Vorwelt; so z. B. bey Rübeland am Harz als Schraubenstein, Fungit ꝛc. Uebergang des ungeformten in Spath-Eisenstein, Thon - Eisenstein ꝛc.

Auch Braun-Eisenocher wie bey der vorigen Gattung, wohin denn auch die eigentliche oder so ge - nannte türkische Umber gehört.

2) Brauner Glaskopf.

Die Farbe abgerechnet, übrigens meist wie der rothe. Der Bruch theils seidenglänzend, faserig. Gehalt des von Bergzabern (nach D'Aubuisson) 79 Eisenoxyd, 2 Manganoxyd, 3 Kieselerde, 15 Wasser.

10. Spath-Eisenstein, Eisenspath, Stahl - stein, Flinz. Chaux carbonatée ferrifère.

Vom Gelblichgrauen bis ins Bräunlichschwarze; theils an den Kanten durchscheinend; häufig krystallisirt, und zwar meist in Rhomben oder Linsen. Meist rhomboi - dale Gestalt der Bruchstücke; spröde. Gewicht = 3784. Ist natürliches kohlensaures Eisenoxydul. Gehalt eines Dankeröder (nach Klaproth) = 57,50 Eisenoxydul, 3,50 Manganoxyd, 1,25 Kalkerde, 36 Kohlensäure.

11. Sphärosiderit.

Aus dem weingelben ins gelblichbraune; durchschei - nend; inwendig glänzend; halbhart; kugelich, oft mit krummschaaliger Absonderung. Gewicht = 3,915. Ge - halt (nach Stromeyer) = 59,62 Eisenoxydul, 1,89 Manganoxyd, 0,22 Kalkerde, 0,14 Talkerde, 38 Koh - lensäure. Fundort Steinheim bey Hanau.

12. Thon-Eisenstein.

Aus dem Gelblichen durchs Rothbraune ins Schwarz - braune; aber auch theils rauchgrau; meist erdig; weich; mager; theils ungeformt; aber auch in mancherley, be - sonderer Gestalt; theils mit Petrefacten der Vorwelt; z. B. mit Conchylien oder mit Kräuterabdrücken (so z. B. die berühmten so genannten Katzenköpfe von Col -586 brookdale, deren viele inwendig ein kleines Farnkraut einschließen). Ueberhaupt meist reich an Eisengehalt bis 40 p. C.

Als besondere Abarten verdienen bemerkt zu werden:

a. Stängelicher Thon-Eisenstein, Nagelerz, Schindelnägel.

Rothbraun; in stängelich abgesonderten Stücken; theils wie Miniaturen von Säulenbasalt. Vermuthlich pseudovulcanischen Ursprungs. Fundort bey Hoschenitz in Böhmen.

b. Eisen-Niere, schaaliger Thoneisenstein, Adlerstein, Klapperstein. Aëties (Fr. Géode).

Meist gelbbraun; nierenförmig; theils mit schaaligen Ablosungen; meist hohl; theils mit eingeschlossenen losen und daher klappernden Brocken und Körnern; theils dicht, kuglich*)So die sonderbaren kopfsgroßen mit Scheidewänden von Braunspath durchzogenen Kugeln von Aberlady in Lothian, die durch Dr. Hutton's Theorie der Erde berühmt worden. s. Faujas-Saint-Fond in s. Voyage en Angleterre ꝛc. T. I. p. 124 und Girtanners Darstellung des Darwinschen Sy - steme. II. B. S. 324 u. f..

c. Bohnenerz, kuglicher Thoneisenstein.

Meist dunkelbraun; fettglänzend; in großen meist stumpfeckigen Körnern; theils plattgedruckt, abgerun - det; so z. B. wie in großen runden Bohnen ausneh - mend sauber am Vorgebirge der guten Hoffnung. Ge - halt des aus der Högau (nach Klaproth) = 53 Eisen - oxyd, 23 Kieselerde, 6,5 Alaunerde, 1 Manganoxyd, 14,5 Wasser.

d. Linsenerz, Körniger Thoneisenstein.

In kleinen zusammengebackenen Körnern, theils fast wie ein lockerer Rogenstein.

Des Röthels ist schon oben S. 504 gedacht.

12. Rasen-Eisenstein. Ortstein. Tofus Tubalcaini Linn. Minera ferri subaquosa Waller. (Fr. mine de fer limoneuse.)

587

Gelblichbraun, theils ins Schwärzliche; matt oder fettglänzend; meist in löcherigen Brocken zusammenge - backen, knollig; erdig; theils in allerhand besonderer Gestalt, röhrenförmig ꝛc., theils allerhand Vegetabilien von neuerem Datum, Moos, Wurzelgestrüppe ꝛc. darein umgewandelt. Gehalt des von Klempnow (nach Klap - roth) = 66 Eisenoxyd, 1,5 Manganoxyd, 8 Phosphor - säure, 23 Wasser. Findet sich meist nahe unter der Dammerde, im aufgeschwemmten Lande und im Moor - grunde.

13. Eisenblau, vulgo natürliches Berliner - blau. (Fr. Fer azuré, Prussiate de fer natif.)

1. blättriges.

Meist Indigblau; durchscheinend; blättrich; auf dem Bruche Glasglänzend; weich; theils krystallisirt in klei - nen vierseitigen Säulen. Gehalt des von Bodenmais in Baiern (nach Vogel) = 41 Eisenoxydul, 26,4 Phos - phorsäure, 31 Wasser. Fundort außer dem eben ge - dachten*)s. Hausmann im VIten B. der Denkschr. der K. Akad. der Wiss. zu München. 11. Abth. S. 233. vorzüglich schön (als sogenannter Vivia - nit) in Cornwall.

2) erdiges.

Unter der Erde meist weißlich; wird aber an der Luft blau in mancherley Abstufungen; ist erdig, staubartig oder zusammengebacken; abfärbend; mager. Gehalt der Eckardsberger (nach Klaproth) 47,5 Eisenoxyd, 32 Phosporsäure, 20 Wasser. Fundort unter andern im Hannoverschen am Ufer der Stecknitz, und so auch im fossilen Treibholz bey Stade (s. oben S. 560. not. *).

14. Grün-Eisenerde.

Meist zeisiggrün; erdig; meist zerreiblich, abfärbend; selten verhärtet. Das Vererzungsmittel noch nicht zu - verlässig bekannt. Fundort zumahl bey Schneeberg im Erzgebirge.

588

15. Würfelerz, arseniksaures Eisen.

Olivengrün; durchsichtig; fettglänzend; weich; in kleinen cubischen Krystallen von mancherley Abänderung. Meist auf Brauneisenstein zu Carrarach in Cornwall. Gehalt desselben (nach Vauquelin) = 48 Eisenoxydul, 18 Arseniksäure, 2 Kalkerde, 32 Wasser.

16. Pittizit, Eisenpecherz. Fer oxydé résinite.

Meist Dunkel-Leberbraun, an den rissigen Kanten feuerroth durchscheinend; von Pechglanz; muschelichem Bruche. Gibt citrongelben Strich. Gewicht = 2407. Gehalt (nach Stromeyer) = 33,46 Eisenoxyd, 0,59 Manganoxydul, 26,6 Arseniksäure, 10,75 Schwefelsäure, 28,48 Wasser. Fundort bey Freyberg und in Ober - Schlesien.

VII. Bleygeschlecht.

Das Bley läuft an der Luft an, und färbt, stark gerieben, mit einem eigenen Geruche ab. Ist das weichste der festen Metalle; leicht biegsam, aber nicht sehr dehnbar, und gar wenig zähe (§. 253.). Gewicht = 11,352. Schmilzt ehe es glühet: brennt leicht zu Kalk; wird in stark erhöheter Temperatur allgemach verglast; und von allen Säuren aufgelöst, die davon einen süßlichen Geschmack erhalten. Ge - brauch (außer dem allgemein bekannten zu Kugeln und Schrot, Dachdecken, Wasserröhren, Schrift - gießen ꝛc. ) besonders beym Hüttenwesen und in der Probirkunst; auch zu mancherley Farbe ꝛc.

1. Bleyglanz. Galena. Plomb sulfuré. (Engl. blue lead-ore.)

Bleygrau, theils taubenhälsig angelaufen; meist mit starkem metallischem Glanze; meist ungeformt; theils589 mit Spiegelfläche; theils wie geflossen, zellig ꝛc. ; theils dendritisch oder gestrickt*)Ein solcher gestrickter Bleyglanz von der Insel Ila, den ich von der Güte des Hrn. Dr. Crichton aus London erhalten, über - trifft an ausnehmender Eleganz alles was ich von noch so netten Fossilien in dergl. besondern Gestalt gesehen habe.; häufig krystallisirt; und zwar meist cubisch; selten in doppelt vierseitigen Pyra - miden, oder sechsseitigen Säulen ꝛc. ; sämmtliche Kry - stallisationen wieder in mancherley Abarten; bricht in cu - bische Stücken; hat meist blätteriges Gefüge; gröberes oder feineres Korn. Mittelgewicht = 7290. Gehalt sehr verschieden: z. B. 85 Bley, 13 Schwefel, außerdem auch (z. B. das Harzer) etwas Schwefel-Silber. Ue - berhaupt eins der gemeinsten Erze.

Der Bleyschweif, plumbago (Fr. mine de plomb compacte) ist mehr stahlgrau, schimmernd, wei - cher als der Bleyglanz, mehr abfärbend; immer unge - formt, und etwas Schwefel-Spiesglanz haltend. Fundort unter andern bey Clausthal, und in Derbyshire**)Die berühmten Slickensides in den derbyshirer Gruben sind spiegelglatte Saalbandflächen des dasigen dichten Flusses (S. 532.), die wie mit einem dünnen bleyfarbigen Anstrich überzogen sind, der aus Bleyglanz mit gephosphortem Wasserstoff bestehen soll. Beym Brechen desselben entstehen durch Beytritt der atmosphäri - schen Luft oft gewaltsame, den Arbeitern leicht tödtliche Explosio - nen. s. W. Jones's physiological disquisitions. Lond. 1781. 4. p. 5. 11 u. f..

2. Schwarz Bleyerz.

Graulich schwarz; theils durchscheinend; gibt graulich weißen Strich; hat einen eigenen fast dem metallischen sich nähernden Glanz; meist krystallisirt, in kleinen sechs - seitigen Säulen. Fundort unter andern bey Freyberg, wo es auf 60 p. C. Bley hält.

3. Weiß Bleyerz, weißer Bleyspath. He - terochrom. Plomb carbonaté.

Aus dem Schneeweißen ins Gelblichgraue; mehr oder weniger durchscheinend; meist gleichsam demantglänzend; sowohl derb, als krystallisirt in Nadeln oder vier - und sechsseitigen Säulen. Gehalt des von Leadhills in Schottland (nach Klaproth) = 82 Bleyoxyd, 16 Koh -590 lensäure, 2 Wasser. Fundort vorzüglich auch bey Zeller - feld am Harz.

4. Bleyerde, Bleyocher. Plomb carbonaté terreux.

Theils staubartig, theils zusammengebacken, doch zer - reiblich; in dreyerley Farben, nähmlich schwefelgelb; (Fr. massicot natif); weißlich grau, bräunlich roth ꝛc. ; Gehalt der von Tarnowitz (nach John) = 66 Bleyoxyd, 12 Kohlensäure, 2,25 Wasser, 10,50 Kieselerde, 4,50 Alaunerde, 2,25 Eisen - und Manganoxyd.

5. Grün Bleyerz, grüner Bleyspath. Plomb phosphaté.

Meist zeisiggrün, in mancherley Abstufungen und Uebergängen; theils ins Nelkenbraune ꝛc. durchscheinend; fettglänzend; meist krystallisirt, zumahl in sechsseitigen Säulen. Gewicht = 6270. Gehalt des von Tschopau (nach Klaproth) = 78,40 Bleyoxyd, 18,37 Phosphor - säure, 1,70 Salzsäure, 0,10 Eisenoxyd. Fundort außer dem eben genannten auch bey Clausthal, bey Wanlock - head in Schottland, und bey Beresofsk im Catharin - burgischen (letzterer hält nach Vauquelin auch Chromi - umoxyd.)

6. Roth Bleyerz, rother Bleyspath, Kal - lochrom. Plomb chromaté.

Morgenroth, ins Hyacinthrothe; durchscheinend; gäln - zend; meist krystallisirt, zumahl als vierseitige Säule in mancherley Abartung; gibt gelben Strich. Gewicht = 6026. Gehalt (nach Vauquelin) = 63,96 Bleyoxyd, 36,40 Chromiumsäure. Fundort Beresofsk im Catharin - burgischen meist in der obgedachten eigenen Art von übermengten Sandstein (S. 546.)

7. Gelb Bleyerz, Bleygelb. Plomb mo - lybdaté.

Meist Wachsgelb; wenig durchscheinend; fettglänzend; meist krystallisirt, zumahl in vierseitigen Tafeln ꝛc. Hält (nach Klaproth) = 64,42 Bleyoxyd, 34,25 Molybdän - oxyd. Fundort zumahl Bleyberg in Kärnthen.

591

8. Vitriolbleyerz, Bleyvitriol, Bley - glas. Plomb sulfaté.

Selten Farbenlos und durchsichtig; gemeiniglich durch - scheinend ins Gelbliche oder Apfelgrüne ꝛc. ; Glasglanz, theils Demantglanz; muschliger Bruch; meist krystallisirt, zumahl als doppelt vierseitige Pyramide: theils in man - cherley Abänderungen, als Rhomboëder ꝛc. Gewicht = 6300. Gehalt (nach Stromeyer) = 73 Bleyoxyd, 26 Schwefelsäure und etwas Eisen - und Manganoxyd. Fundort Zellerfeld und Anglesey bey Wales.

VIII. Zinngeschlecht.

Das Zinnist sehr biegsam, sehr dehnbar, aber wenig zähe; er knirscht zwischen den Zähnen und knarrt, wenn es gebogen wird*)Doch thut dieß das reine Zinn von Malacca nicht. (le cri d'étain); gibt erwärmt oder gerieben einen eigenen Geruch; Gewicht = 7857; verkalkt sehr leicht zu Zinnasche; wird in Königswasser aufgelöst; und findet sich nur in wenigen Weltgegenden; aber daselbst meist in ausnehmender Menge. Gebrauch unter andern zu Silberpapier, Glockengut, Stückgut, zur Scharlach - färberey ꝛc.

1. Zinnkies. (Fr. étain sulfureux, or mussif natif. Engl. bellmetal ore.)

Aus dem Stahlgrauen ins Speisgelbe; metallischglän - zend; spröde; bloß ungeformt. Gewicht = 4350. Ge - halt (nach Klaproth) = 26,5 Zinn, 30 Kupfer, 12 Ei - sen, 30,5 Schwefel. Fundort bis jetzt bloß St. Agnes in Cornwall.

2. Zinnstein (Fr. étain oxydé, etain vi - treux.)

Braun, einerseits ins Schwarze, anderseits ins Hya - cinthgelbe und gelblichgraue; theils durchscheinend, zu -592 weilen fast durchsichtig (so z. B. das rosin-tin aus Cornwall); theils ungeformt; theils als Gerölle in Seifenwerken*)Seifenwerke (Engl. stream-works), sind eine eigene Art von Bergbau in Thälern zwischen erzführenden Ganggebirgen, die theils zu mehreren Lachtern hoch mit abgerissenen Geschieden und theils abgerundeten Geröllen dieser Gebirge und ihrer Gänge gefüllt sind; und wovon z. B. die bey Eibenstock im Erzgebirge, und die bey St. Austel ꝛc. in Cornwall sehr ergiebig an Zinn - erzen sind. Von jenen s. Charpentier's mineralog. Geogr. der Chursächs. Lande S. 270. Von diesen aber das bergmänn. Journal III. Jahrg. 2. B. S. 143. (Engl. stream-tin), oder als Zinn - sand; häufig aber krystallisirt (so genannte Zinngrau - pen) zumahl als sehr kurze vierseitige Säule an beiden Enden vierseitig zugespitzt; oft als Zwillingskrystalle (Visirgraupen). Mittel-Gewicht = 6900. Ge - halt eines Cornwaller (nach Klaproth) = 99 Zinnoxyd, 0,25 Eisenoxyd, 0,75 Kieselerde. Fundort zumahl das sächsische und böhmische Erzgebirge, Cornwall, Malacca, die Insel Banca bey Sumatra ꝛc.

3. Holz-Zinn, cornisches Zinnerz. (Fr. étain limoneux, hématite d'étain. Engl. wood-tin.)

Holzbraun, haarbraun ꝛc. undurchsichtig; auf dem Bruche divergirend faserig; in kleinen Nieren mit con - centrischen deutlich absetzenden Schichten; keilförmige Bruchstücke; hart, daß es am Stahl Funken gibt. Ge - wicht = 6450. Gehalt (nach Vauquelin) = 91 Zinn - oxyd, 9 Eisenoxyd. Fundort Gavrigan in Cornwall.

IX. Zinkgeschlecht.

Der Zink (Engl. spelter) hat eine Mittelfarbe zwischen Bley und Zinn, einen breitstrahligen zacki - gen Bruch, und beträchtliche Dehnbarkeit. Gewicht = 7190. Er schmilzt ehe er glüht, und entzündet sich im offenen Feuer mit einer blaulichgrünen Flamme. Wird von allen Säuren aufgelöst, ohne sie zu fär - ben. Wichtigster Gebrauch zum Messingmachen.

593

1. Blende. Pseudogalena. (Fr. Zinc sulfuré. Engl. black jack.)

Braun; einerseits ins Schwarzbraune, anderseits ins Gelbe; auch theils ins Rothe und Grüne; daher die Benennungen von Pechblende, Colophoniumblende, Ru - binblende ꝛc. ; mehr oder weniger durchscheinend; von verschiedener Art des Glanzes; meist ungeformt; doch auch häufig krystallisirt, z. B. als dreyseitige, oder als doppelt vierseitig Pyramide ꝛc. ; spathähnlicher Bruch; manche Abarten geben, wenn sie gerieben werden, Schwe - fellebergeruch; manche phosphoresciren, wenn sie im Fin - stern mit Eisen gekratzt werden. Mittel-Gewicht = 4000. Gehalt einer braunen aus Cornwall (nach Thom - sos) = 59,09 Zink, 12,05 Eisen, 28,86 Schwefel; theils auch gold - und silberhaltig mit innig eingemeng - tem Bleyglanze (so z. B. das so genannte Braunerz vom Rammelsberge). Ueberhaupt ein sehr allgemein verbreitetes Erz.

2. Galmey. Lapis calaminaris. (Fr. zinc oxydé, calamine.)

Meist aus dem Bleygrauen ins Gelbliche durch mancherley Abstufungen; theils undurchsichtig; theils mehr oder weniger durchscheinend; meist ungeformt, und zwar sowohl erdig als derb; theils wie gestoßen, traubig, nierenförmig, oder auch wie durchlöchert, zerfressen ꝛc. Gehalt eines Breisgauer (nach Berthier) = 64,5 Zink - oxyd, 25,5 Kieselerde, 10 Wasser. Fundorte in ver - schiednen Gegenden von Deutschland, Großbritannien, Ungarn, Polen ꝛc.

3. Zinkspath.

Aus dem Weißen ins Gelbliche, Grünliche ꝛc. ; durch - scheinend; krystallisirt, als doppelt vierseitige Pyramide, oder als sechsseitige Säule ꝛc. Gehalt eines Derbyshi - rer (nach Smithson Tennant) 65,2 Zinkoxyd, 34,8 Koh - lensäure. Fundorte meist wie beym Galmey.

594

X. Wismuthgeschlecht.

Der Wismuth, marcasita officinalis (Fr. étain de glace, Engl. tin-glass), hat eine aus dem Silberweißen ins Röthliche fallende Farbe; blätteriges Gefüge; ist sehr spröde; Gewicht = 9822; schmilzt ehe er glüht*)Den Wismuth mit halb so viel Zinn und halb so viel Bley zusammengeschmolzen gibt das so genannte rosensche Me - tall, das schon im kochenden Wasser schmilzt.; Ueberhaupt ein nicht häufiges Erz. Gebrauch unter andern zum Schnell - oder Zinn-Loth.

1. Gediegen.

Meist taubenhälsig angelaufen; meist ungeformt; theils gestrickt; selten krystallisirt in kleinen Würfeln ꝛc. ; blätteriger Bruch. Findet sich doch häufiger als die fol - folgenden Gattungen, und nebst denselben zumahl im säch - sischen und böhmischen Erzgebirge.

2. Wismuthglanz, grau Wismutherz. Bis - muth sulfuré.

Bleygrau; meist gelblich angelaufen; blätteriger, theils strahliger Bruch; meist ungeformt; selten in spießigen der Länge nach eingewachsenen Krystallen oder in haarförmigen Nadeln; sehr weich, schneidbar. Ge - halt (nach Rose) = 80,98 Wismuth, 18,72 Schwefel.

3. Nadelerz.

Stahlgrau; lauft gelblich an; metallischglänzend; kleinkörniger Bruch. Gehalt (nach John) = 43,20 Wismuth, 24,32 Bley, 12,10 Kupfer, 1,58 Nickel?, 1,32 Tellur?, 11,58 Schwefel. Meist in Milchquarz eingewachsen als nadelförmige Krystallen; zuweilen mit gediegenem Golde, so im Catharinburgischen.

595

4. Wismuthocher. Bismuth oxydé.

Gelblich ins Grünliche oder Graue; meist erdig; an - geflogen oder eingesprengt. Gehalt (nach Lampadius) = 86,3 Wismuthoxyd, 5,2 Eisenoxyd, 4,1 Kohlensäure, 3,4 Wasser.

XI. Spießglanzgeschlecht.

Das Spießglas oder der Spießglanz, antimonium, stibium, hat eine Mittelfarbe zwischen Zinnweiß und Silberweiß; blätteriges, strahliges Ge - füge; ist spröde; Gewicht = 6702; schmilzt leicht; verdampft in anhaltendem Feuer, wird von den Säuren nur unvollkommen aufgelöst; und aus der Solution in Königswasser durch Laugensalze weiß ge - fällt. Gebrauch unter andern um weichen Metallen mehr Härte zu geben; also z. B. zum Schriftgießen.

1. Gediegen.

Meist zinnweiß; der Bruch theils körnig, theils blät - terig, theils schalig. Fundort unter andern bey Andre - asberg. Gehalt desselben (nach Klaproth) = 98 Anti - monium, 1 Silber, 0,25 Eisen.

2. Grau Spießglanzerz, Spießglanzkies. Antimoine sulfuré.

Bleygrau, stahlgrau ꝛc. ; theils ungeformt; und zwar sowohl dicht als blätterig; häufiger aber strahlig und zwar meist in nadelförmigen Krystal - len; theils aber auch in stärkern vier - oder sechsseitigen Säulen. Schmilzt und brennt am Lichte mit blauer Flamme. Gewicht = 4200. Gehalt (nach Thomson) = 73,77 Antimonium, 26,23 Schwefel. Fundort vor - züglich in Ungarn und Siebenbürgen.

Das Federerz, von graulich schwarzer oder bley - grauer Farbe, ist ein zartfaserichtes oder haariges (theils silberhaltiges), hierher gehöriges Spießglanzerz, das sich unter andern zu St. Andreasberg und bey Nagybanya in Siebenbürgen findet.

596

3. Nickelspießglanzerz.

Aus dem Bleygrauen ins Zinnweiße; unvollkommen blättrig; glänzend; unebner Bruch; halbhart. Gewicht = 6546. Gehalt (nach Klaproth) = 47,75 Spieß - glanz, 25,25 Nickel, 11,75 Arsenik, 15,25 Schwefel. Fundort im Nassauischen.

4. Roth Spießglanzerz. Spießglanz - blende. Antimoine hydrosulfuré.

Mordoreroth; mit einer Art metallischen Glanzes; theils ungeformt, theils in nadelförmigen, strahligen Krystallen, die theils sternförmig zusammengehäuft sind. Gewicht = 4090. Gehalt des Bräunsdorfer (nach Klaproth) = 67,50 Spießglanzmetall, 10,80 Sauerstoff, 19,70 Schwefel. Fundort wie gedacht Bräunsdorf bey Freyberg und in Ungarn.

Eine besondre blättrige Abart ist das so genannte Zundererz das sich in Drusenhöhlen und als Ueber - zug auf Quarz, Bleyglanz ꝛc. bey Clausthal findet.

5. Weiß Spießglanzerz. Antimoine oxydé.

Aus dem weißen ins Gelbliche oder Graue; meist perlmutterglänzend; meist in sternförmig zusammenge - häuften nadelförmigen Krystallen; ähnelt im Aeußern so wie (nach Klaproth) im Gehalt den präparirten weißen Spießglanzblumen (Nix antimonii). Fundort bey Malaczka in Siebenbürgen und Przibram in Böhmen.

6. Spießglanzocher. (Fr. Kermes mineral.)

Gewöhnlich zitrongelb; erdig; zerreiblich. Fundort bey Freyberg und in Ungarn, meist auf und zwischen strahligem Grauspießglanzerz.

XII. Kobaltgeschlecht.

Das Kobalt-Metall*)Kobalt, vermuthlich aus dem böhmischen kowalty, Erz - haltig. s. Adelungs Wörterbuch., oder die so ge - nannte Kobalt-Speise ist fast eisenfarbig ins597 Stahlgraue und ein wenig ins Rothe ziehend; gibt in Königswasser aufgelöst die sympathetische Tinte. Gewicht = 7811. Ist sehr strengflüssig, und wenn es völlig rein ist, magnetisch. Durchs Rösten ver - kalkt es zu schwarzem Pulver, welches mit Glas - fritten das für die Blaufarbenwerke wichtige Smal - teglas gibt.

1. Weißer Speiskobalt. Galena cobalti. Cobalt gris.

Zinnweiß; theils ungeformt; auch zuweilen als Spie - gel; auch theils gestrickt; theils baumförmig; nicht sel - ten krystallisirt, und zwar meist cubisch in mancherley Abartungen als Kobaltgraupen; minder hart als die folgende Gattung. Gehalt (nach Stromeyer) = 20,3 Kobalt, 74,2 Arsenik, 3,4 Eisen ꝛc. Fundort unter andern Glücksbrunn im Gothaischen, Riegelsdorf in Hessen ꝛc. Eins der häufigsten Kobalterze.

2. Grauer Speiskobalt, stahlderber Ko - balt. Cobalt arsenical.

Lichtstahlgrau; meist ungeformt; zuweilen mit glatter Spiegelfläche; theils gestrickt; sein Bruch ähnelt dem vom englischen Stahl; sehr hart; hält ebenfalls außer dem Kobalt auch Arsenik und Eisen. Fundort unter andern im sächsischen und böhmischen Erzgebirge.

3. Glanzkobalt.

Zinnweiß ins blaßröthliche; meist ungeformt; theils nierenförmig, und in kleinen undeutlichen Krystallen. Gehalt (nach Stromeyer) = 33,1 Kobalt, 43,4 Arse - nik, 3,2 Eisen, 20 Schwefel. Findet sich an wenigen Orten, z. B. im Stiftamte Christiania in Norwegen.

4. Schwarzer Erdkobalt, Kobaltschwärze. Cobalt oxydé noir.

Schwarz ins Schieferblauliche, oder theils ins Braun - liche; theils staubartig oder doch zerreiblich, als Ruß - kobalt; theils verhärtet als Schlackenkobalt; theils traubig, nierenförmig, schalig ꝛc. ; matt oder schimmernd; wird durch den Strich glänzend; leicht;598 vermuthlich durch Kohlensäure verkalkt. Findet sich unter andern auch an den bey der ersten Gattung angegebe - nen Orten.

5. Brauner Erdkobalt.

Vom Leberbraun durch mancherley Abstufungen ins Gelblichgraue (gelber Erdkobalt, Lederkobalt). Ungeformt; erdig; weich; gibt fettglänzenden Strich. Fundort unter andern zumahl im Saalfeldischen.

6. Rother Erdkobalt. Cobalt arseniaté.

Pfersichblüthroth, das aber an der Luft verschießt; entweder ungeformt, erdig, matt, als Kobaltbe - schlag; oder in nadelförmigen, theils sammetartigen, theils sternförmig zusammengehäuften, glänzenden, durch - scheinenden Krystallen, als Kobaltblüthe. Gehalt der letztern, von Riegelsdorf (nach Bucholz) = 39 Kobaltoxyd, 38 Arseniksäure, 23 Wasser. Fundort unter andern auch bey Schneeberg im Erzgebirge.

XIII. Nickelgeschlecht.

Der Nickel hat eine aus dem Graulichweißen ins Blaßrothe fallende Farbe; ist sehr hart; sehr strengflüssig; und wenn er völlig rein ist, allerdings magnetisch, löst sich vorzüglich in Salpetersäure auf, und färbt die Auflösung grün; sein Kalk aber den Salmiakgeist blau. Gewicht = 7807. Gebrauch zum schinesischen Packfong (S. 575).

1. Nickelkies, Haarkies.

Aus dem Stahlgrauen ins Speisgelbe; in abgeson - derten haarförmigen Nadeln (wie der oben S. 582 ge - nannte haarförmige Strahlkies). Gehalt (nach Arfwed - son) = 64,35 Nickel, 34,26 Schwefel, nebst Spuren von Eisen und Arsenik. Fundort in den Drusen - löchern des Hornsteins zu Johanngeorgenstadt im Erz - gebirge.

599

2. Kupfernickel. Nickel arsenical.

Meist blaßkupferroth; ungeformt; stumpfeckiger, gleich - sam facettirter Bruch, selten strahlig, (so bey Riegels - dorf in Hessen). Gewicht = 7560. Gehalt (nach Stro - meyer) = 44,2 Nickel, 54,7 Arsenik, mit etwas Eisen, Bley und Schwefel. Fundort gemeiniglich bey Glanz - kobalt.

3. Nickelocher, Nickelblüthe. Nickel oxydé.

Apfelgrün; meist zerreiblich; selten verhärtet (so bey Riegelsdorf); mager; abfärbend; meist als Ueberzug; gewöhnlich beym Kupfernickel. Gehalt (nach Stro - meyer) = 37,35 Nickeloxyd mit Kobaltoxyd, 1,13 Ei - senoxyd, 36,97 Arseniksäure, 24,32 Wasser. Daß der Chrysopras seine Farbe von ihm habe, ist oben erwähnt (S. 475), so wie auch, daß sich Nickeloxyd in dem olivin - ähnlichen Fossil des Pallasischen gediegenen Eisens, und in den Aërolithen findet (S. 516).

XIV. Mangangeschlecht.

Das Mangan - oder Braunstein-Metall, magnesium (Fr. manganèse), ist stahlgrau, sehr hart, spröde, und strengflüssig. Gewicht = 6850. Verbindet sich leicht mit dem Eisen; hat unter allen Metallen das stärkste Anziehungsvermögen zum Sauer - stoff; so daß es an der Luft sehr bald zu schwar - zem Pulver verkalkt; ist sehr allgemein in der Erde verbreitet; selbst in der vegetabilischen Schöpfung. Gebrauch vorzüglich zur Verfertigung des weißen Glases, zur Bereitung der Lebensluft, der übersau - ren Salzsäure ꝛc.

1. Manganblende, Schwarzerz, Mangan - glanz.

Eisenschwarz, theils ins Rußbraune; undurchsichtig; glänzend; unebner, kleinkörniger, mattschimmernder Bruch; halbhart; spröde. Gewicht = 3950. Gehalt600 des Siebenbürgischen (nach Klaproth) = 82 Mangan, 11 Schwefel, 5 Kohlensäure. Fundort zumahl beym Siebenbürgischen Rothbraunsteinerz.

2. Grau Manganerz. Manganèse oxydé me - talloide ꝛc.

Stahlgrau ins Eisenschwarze; mit hellerem oder mat - terem, metallischem Glanze; theils ungeformt, häufig aber strahlig, und zwar meist büschelförmig, oder sternförmig; theils in nadelförmigen Krystallen, oder in vierseitigen Säulen mit zugeschärften oder zu - gespitzten Enden. Fundort des strahligen zumahl bey Ilfeld am Harz. Gehalt desselben (nach Klaproth) = 90,50 schwarzes Manganoxyd (verbunden mit dem Maximum an Sauerstoff, den es im Feuer figirt an sich halten kann), 2,25 Sauerstoffgas, 7 Wasser.

3. Schwarz Manganerz. Manganèse oxydé noir etc.

Bräunlichschwarz, eisenschwarz ꝛc. ; feinerdig; sehr weich: abfärbend; theils staubartig, rußig; (so z. B. das black wad von Winstsr in Derbyshire, das mit Leinöhl angerieben in Selbstentzündung geräth; und häufig zur schwarzen Oehlfarbe gebraucht wird); theils verhärtet, nieren - oder staudenförmig ꝛc. theils von schlackenförmigem Ansehen (so das von Saska im Bannat). Gehalt eines von Clausthal am Harze (nach Klaproth) = 68 Manganoxyd, 6,50 Eisenoxyd, 8 Kie - selerde, 1 Schwererde, 1 Kohle, 17,50 Wasser.

Die mehresten schwarzen dendritischen Zeichnungen in mancherley Steinarten rühren von dieser Gattung des Braunsteingeschlechts her.

4. Roth Manganerz. Manganèse oxydé rose.

Rosenroth in mancherley Abstufungen; theils dichter, theils blätteriger Bruch; theils matt, theils glänzend, mehr oder weniger hart. Gehalt (nach Klaproth) Manganoxyd mit einer Spur von Kieselerde. Fundort zumahl bey Nagyag und Kapnik in Siebenbürgen (als Gangart der dasigen Gold - und Tellurerze) und zu Catharinburg in Sibirien.

601

XV. Arsenikgeschlecht.

Das Arsenik-Metall hat eine Mittelfarbe zwischen Zinnweiß und Bleygrau; einen schuppig blät - terigen Bruch. Gewicht = 8308. Ist das flüch - tigste aller Metalle. Wird im Feuer in einen dicken weißen Dampf ausgelöst, der wie Knoblauch riecht, süßlich schmeckt und das Kupfer weiß färbt; so wie überhaupt die farbigen Metalle durch Versetzung mit Arsenik weiß werden. Sein Kalk, der eine eigene Säure enthält, läßt sich im Wasser auflösen.

1. Gediegen.

Lichtbleygrau; lauft aber an der Luft gelblich, dann tombackbraun, und endlich schwarz an; häufig in Nie - renform, oft mit krummschaligen Ablosungen als irrig so genannter Scherbenkobalt oder Näpfchenkobalt (Fr. arsenic testacé); sehr selten gestrickt, dendri - tisch ꝛc. ; in dünnen Schalen klingend; meist eisenhaltig. Fundort unter andern zu St. Andreasberg am Harz.

2. Arsenikkies, Giftkies, Mißpickel. Fer arsenical. (Engl. arsenical mundick.)

Aus dem Silberweißen ins Zinnweiße; oft angelau - fen; meist ungeformt, sowohl derb als eingesprengt; theils krystallisirt, zumahl vierseitigen Säulen, hart; gibt gerieben oder zerschlagen starken Knoblauchsgeruch. Gehalt des krystallisirten von Freyberg (nach Stro - meyer*)s. Götting. gel. Anz. 1814. 47. St.) = 42,88 Arsenik, 36,04 Eisen, 21,08 Schwefel.

3. Rauschgelb, Arsenikblende. Arsenic sulfuré.

Nach seinen Hauptfarben in zwey Arten:

1) Gelbes Rauschgelb, Operment. Auripig - mentum. (Fr. orpiment.)

602

Meist zitrongelb; durchscheinend; theils von einem fast talkartigen Ansehen und fast metallischen Glanze; blätterig; weich; biegsam; meist ungeformt theils kry - stallisirt, zumahl in vierseitigen, aber meist undeutlichen kleinen zusammen verwachsenen Säulen. Gewicht = 3313. Gehalt (nach Klaproth) = 62 Arsenik, 38 Schwefel. Fundort zumahl in Siebenbürgen und im Bannat.

2) Rothes Rauschgelb, Rubinschwefel, Sandarac, Realgar.

Meist morgenroth; durchscheinend; glasglänzend; gibt gelben Strich; häufig krystallirt in kleinen vier - oder sechsseitigen Säulen; theils aber auch nur angeflogen über andere Fossilien (so z. B. auf St. Andreasberg über Kalkspath - und Zeolithdrusen ꝛc.). Gewicht = 3225. Gehalt (nach Klaproth) = 69 Arsenik, 31 Schwefel. Fundort, vorzüglich auf dem Vesuv und in Siebenbürgen.

4. Arsenikblüthe, arsenichte Säure. Ar - senik oxydé.

Meist milchweiß; theils mulmig; kleintraubig, theils in haarförmigen, büschelig zusammengehäuften. seiden - glänzenden, durchscheinend theils Krystallen. Im Wasser auflösbar. Besteht bloß aus Arsenik und Sauerstoff.

Hingegen ist der Gehalt des ihr im äußern sehr ähn - lichen und daher sonst mit ihr verwechselten Pharma - koliths (nach John) = 45,68 Arseniksäure, 23,86 Wasser und 27,28 Kalkerde; folglich nicht im Wasser aber wohl in Salpetersäure auflösbar. Fundort von beiden Arten St. Andreäsberg am Harz, und von der letztern vorzüglich Riegelsdorf in Hessen und Wittichen im Fürstenbergischen.

XVI. Molybdängeschlecht.

Das Molybdän-Metall ist fast stahlgrau; und sehr spröde; nicht sonderlich hart. Gewicht = 6963. Sein Kalk hält ebenfalls eine eigene Säure.

603

1. Wasserbley; Molybdänkies. Molybdène sulfuré.

Dieses oft mit dem Graphit verwechselte Erz ist bley - grau; von metallischem Glanze; und meist krummblätte - rigem Gefüge; fertig anzufühlen; weich; abfärbend; in dünnen Blättchen biegsam. Gewicht = 4738. Gehalt (nach Klaproth) = 60 Molybdänsäure, 40 Schwefel. Finder sich an wenigen Orten; aber einzeln in sehr verschiedenen Weltgegenden. Zumahl bey Altenberg im Erzgebirge und bey Kolywan in Sibirien.

XVII. Scheelgeschlecht.

Das Scheel - oder Wolfran-Metall (Fr. Tungstène), ist erst neuerlich aus seinen Erzen als König reducirt worden; dessen Farbe aber sowohl als sein Gewicht sehr verschieden angegeben werden. Ist sehr strengflüssig; sein Kalk enthält eine eigene Säure und bildet mit Ammoniac (dem flüchtigen Alkali) ein eigenes Mittelsalz.

1. Tungstein, Schwerstein, irrig so genannte weiße Zinngraupen. Schéelin calcaire.

Meist milchweiß oder gelblichweiß; durchscheinend; fettglänzend; fast muscheliger Bruch; ungeformt; oder in doppelt vierseitigen Pyramiden krystallisirt. Gewicht = 6066. Gehalt des Schlackenwalder (nach Klaproth) = 77,75 Scheelsäure, 17,60 Kalkerde, 3 Kieselerde. Fundort vorzüglich an gedachtem Orte in Böhmen.

2. Wolfram. Spuma lupi. Schéelin ferruginé.

Bräunlichschwarz; gibt rostfarbenen Strich; mattglän - zend; blätteriger Bruch; meist schalig; ungeformt; oder krystallisirt, zumahl in platten sechsseitigen Säulen und vierseitigen Tafeln. Gewicht = 7130. Gehalt = Scheelsäure mit Eisen und etwas Mangan. Fundort zumahl im Erzgebirge und in größter Menge auf Dol - coath in Cornwall. Ueberhaupt (so wie auch der Tung - stein) meist bey Zinnstein.

604

XVIII. Urangeschlecht.

Das Urangeschlecht, das 1789 von Klap - roth entdeckt worden, ist dunkelgrau, von mattem, metallischem Glanze; weich; spröde; Gewicht = 6440, äußerst strengflüssig; wird in Salpetersäure und in Königswasser aufgelöst, und durch Laugensalz daraus als ein gelber Kalk gefällt, der dem Glase eine hellbraune Farbe gibt.

1. Pecherz, Pechblende. Uranium sulphura - tum. Urane oxydulé.

Bräunlichschwarz; undurchsichtig; fettglänzend; spröde. Gewicht = 7500. Gehalt (nach Pfaff) = 84,52 Uranoxydul, 8,24 Eisenoxydul, 1,45 Kobaltoxyd, 2,02 Kieselerde, 4,20 Schwefelbley. Fundort nebst den fol - genden Gattungen zumahl im sächsischen und böhmi - schen Erzgebirge.

2. Uranglimmer, Uranspath, Chalcolith. Uranium spathosum. Urane oxydé.

Aus dem Grasgrünen ins Spangrüne, Zeisiggrüne ꝛc. ; durchscheinend; theils erdig, zerreiblich, matt; theils glänzend, fest, krystallisirt, zumahl in vierseitigen Ta - feln. Gehalt des aus Cornwall (nach Phillips) = 60 Uranoxyd, 9 Kupferoxyd, 16 Phosphorsäure, 0,5 Kie - selerde, 14,5 Wasser.

3. Uranocher. Uranium ochraceum. Urane oxydé.

Meist citrongelb; undurchsichtig; erdig; weich; ma - ger; löst sich in Salpetersäure ganz auf. Meist auf und zwischen dem Pecherz. Dem Gehalte nach eben - falls ein Phosphorsaures Uranoxyd.

605

XIX. Titangeschlecht.

Das Titan-Metall hat zwar W. Gregor schon 1791 im Manacanit zu finden geglaubt, aber Klaproth 1795 erst ganz außer Zweifel gesetzt. Es zeigt in seiner metallischen Gestalt eine dunkele Kupferfarbe; nimmt gute Politur an; ist spröde; äußerst strengflüssig; hat starkes Anziehungsvermö - gen zum Sauerstoffe; wird leicht von der Salpeter - säure, Salzsäure und Schwefelsäure aufgelöst; und durch Laugensalze aus diesen Auflösungen weiß hingegen durch Galläpfelaufguß kermesbraun nie - dergeschlagen; mit Salpeter verpufft es lebhaft; die Laugensalze aber scheinen weder auf dem trocknen noch nassen Wege etwas davon aufzulösen.

1. Anatas, Oisanit, Octaedrit.

Indigblau; durchscheinend, fast metallischglänzend; in kleine längliche Octaëder krystallisirt. Gewicht = 3857. Fundort zumahl bey l'Oisans in Dauphiné.

2. Titan-Schörl, Rutil. Titane oxydé.

Braunroth; theils mit einem dem Metallischen sich nähernden Glanze; meist nadelförmig; zumahl in und auf Bergkrystall und gemeinem Quarz; theils aber in stärkern, vierseitigen, der Länge nach gestreiften, stan - genförmigen Krystallen; so vorzüglich bey Boinik in Un - garn in einem aus Glimmerschiefer und milchweißem Quarz geschichteten Lager.

Der ihm nahe verwandte Nigrin oder Eisentitan findet sich in stumpfkantigen Körnern und kleinen Ge - schieben in den Goldseifenwerken bey Olahpian in Sie - benbürgen, und hält (nach Klaproth) = 84 Titanoxyd, 14 Eisenoxyd, 2 Manganoxyd.

3. Titan-Spath, Titanit, Brunon. Sphène.

606

Nelkenbraun, etwas durchscheinend; fettglänzend; kry - stallisirt in kurzen gleichsam linsenförmig zusammenge - druckten vierseitigen an beiden Enden mit zwey Flächen zugeschärften Säulen. Am St. Gotthard theils als vollkommner Kreuzkrystall. Gehalt des norwegischen (nach Abildgaard) = 58 Titanoxyd, 22 Kieselerde, 20 Kalkerde. Fundorte außer dem eben genannten auch im Passauischen in einer gemengten Gebirgsart aus vor - waltenden Feldspath mit Quarz, Hornblende ꝛc. und bey Arendal in Norwegen in Quarz.

4. Titan-Sand, Manacanit. Titane oxydé ferrifère.

Schwarz; undurchsichtig; mattglänzend; in kleinen ungleichförmigen eckigen Körnern; auf dem ersten, Blick grobkörnigem Schießpulver ähnelnd; wird theils vom Magnet gezogen. Gewicht = 4427. Gehalt (nach Klaproth) = 45,25 Titanoxyd, 51 Eisenoxyd, 0,25 Manganoxyd, 3,50 Kieselerde. Fundort besonders als Flußsand im Kirchspiel Manacan in Cornwall und an der Providenz-Insel bey Botanybay.

Der Iserin, ein ähnlicher Titansand aus dem Iser - grund in Böhmen hält (nach Klaproth) = 84 Titan - oxyd, 72 Eisenoxyd.

XX. Tellurgeschlecht.

Das Tellurium (Sylvanium), dessen eigen - thümliche Metallität zuerst von Müller von Rei - chenstein entdeckt, und nun von Klaproth vollkommen bestätigt worden, hat eine aus dem Zinn - weißen ins Bleygraue fallende Farbe; ist starkglän - zend; hat blätterigen Bruch; ist sehr spröde; und leicht flüssig. Gewicht nur = 6115. Also das leichteste von allen Metallen.

1. Gediegen (aurum problematicum s. para - doxum). Tellure natif ferrifère.

Von der angegebenen Farbe, Glanz und Bruch. Ge - halt (nach Klaproth) = 92 Tellurium, 7 Eisen, und607 ein weniges Gold. Meist eingesprengt in grauen, horn - steinähnlichen Quarz von Fatzebay in Siebenbürgen.

2. Schrifterz (das so genannte aurum graphi - cum). Tellure natif aurifère et argentifère.

Zinnweiß; abfärbend, in dünnen säulen - oder tafel - förmigen Krystallen, die meist mit einer Seitenfläche auf - und gewöhnlich ihrer mehrere durch einander ge - wachsen sind. Gehalt (nach Klaproth) = 60 Tellu - rium, 30 Gold, 10 Silber. Fundort bey Offenbanja in Siebenbürgen, in Quarz und Graustein.

3. Blättererz, Nagyagererz. Tellure natif aurifère et plombifére.

Ins Bleygraue; meist blätteriges Gefüge; weich; etwas abfärbend; in etwas biegsam Gehalt (nach Klaproth) = 32,2 Tellurium, 54 Bley, 9 Gold, 1,8 Silber und Kupfer, 3 Schwefel. Fundort bey Nagyag in Siebenbürgen, in Quarz und Roth Man - ganerz.

XXI. Chromiumgeschlecht.

Das Chromium-Metall, das 1797 von Klaproth und fast um gleiche Zeit auch von Vau - quelin entdeckt worden, ist fast bleygrau, spröde, sehr hart und strengflüssig. Sein Kalk enthält eine eigene Säure.

1. Chromocher. Chrome oxydé natif.

Meist apfelgrün; erdig; gibt grünlichgrauen Strich; innig mit Quarz gemengt. Fundort im Departement der Sarne und Loire; meist in einem breschenartigen Gestein.

608

XXII. Tantalumgeschlecht.

Dieses Metall ward von Ekeberg 1802 ent - deckt und ist von schwärzlichgrauer Farbe; in den Säuren unauflöslich; aber auflösbar in den Alkalien.

1. Tantalit.

Eisenschwarz; fast metallischglänzend; von dichtem Bruch; hart; in undeutlichen, wie es scheint octoëdri - schen Krystallen meist von Haselnußgröße. Gewicht = 7953. Hält (nach Ekeberg und Wollaston) außer dem Tantaloxyd auch Eisen - und Manganoxyd. Fund - ort in Baiern, in Finnland in einem granitartigen Ge - menge, und in Nordamerica (als vordem so genannter Columbit), vermuthlich in Massachusetsbay.

2. Ytterotantalit.

Im Aeußern so wie im Vorkommen dem vorigen äh - nelnd. Aber Gehalt (nach Vauquelin) = 45 Tantal - oxyd. 55 Eisenoxyd und Gadolinerde. Fundort bey Ytterby. (s. S. 489.)

XXIII. Ceriumgeschlecht.

Von Hisinger und Berzelius 1804 ent - deckt. Dieses Metall ist von graulichweißer Farbe, blättrigem Bruch, sehr spröde; wird in Königs - wasser aufgelöst und in starkem Feuer verflüchtigt.

1. Cerit, Ochroit.

Rothbraun, theils ins Gelbe; mattschimmernd; von splittrigem Bruch; halbhart; spröde. Gewicht = 4733. Gehalt (nach Vauquelin) = 67 Ceriumkalk, 17,5 Kie - selerde, 2 Kalkerde, 2 Eisenoxyd, 2 Wasser und Koh - lensäure. Fundort bey der Ritterhütte in Westmanland.

2. Allanit.

Schwarzbraun; undurchsichtig. ; Pechglänzend; halb - hart; theils krystallisirt in vierseitigen Säulen. Gewicht609 = 3500. Gehalt (nach Thomson) = 33,9 Ceriumoxyd, 35,4 Kieselerde, 9,2 Kalkerde, 4,1 Alaunerde, 25,4 Eisenoxyd. In Granit - und Gneisartigen Gemenge in Grönland*)Eins von vielen merkwürdigen Fossilien, womit der ver - diente Sir Charles Lewis Giesecke bey seinem fast acht - jährigen Aufenthalt daselbst die Wissenschaft bereichert hat..

XXIV. Iridiumgeschlecht.

Dieses von Tennant 1803 entdeckte Metall ist silberweiß, sehr hart, spröde und strengflüssig; wird von einfachen Säuren gar nicht und selbst vom Königswasser nur schwach angegriffen; aber durch die festen Alkalien läßt sichs auflösen und gibt ihnen eine rothe und blaue Farbe.

1. Gediegen.

Nähmlich bloß mit Osmium (S. 568.) verbunden, in einzelnen Körnern unter der rohen Platina, außerdem aber auch in Verbindung mit den (S. 569 u. f.) gedachten sieben andern Metallen.

XXV. Palladiumgeschlecht.

Ebenfalls 1803 von Wollaston und Chene - vix. entdeckt. Das Metall ist lichtstahlgrau ins Silberweiße, von faserigen Gefüge. Gewicht = 11, 300. Gibt mit Salpetersäure eine rothe Auflösung.

1. Gediegen.

Mit Iridium verbunden; ebenfalls wie dieses in ein - zelnen Körnern unter der gediegnen Platina.

610

XXVI. Cadmiumgeschlecht.

Das neueste, 1818 von Hofr. Stromeyer zuerst in der strahligen Zinkblende von Przibram in Böhmen entdeckte Metall, ist fast Zinnweiß, sehr weich, biegsam, doch zähe; färbt stark ab; ist sehr leichtflüssig; verflüchtigt in der Hitze so leicht als Quecksilber. Gewicht = 8604.*)Götting. gel. Anz. 1818. S. 1521..

611

Sechszehnter Abschnitt. Von den Versteinerungen.

§. 261.

Die Petrefactenkunde, oder so genannte Orykto - logie im engern Sinn, ist wenn sie anders aus dem rechten Gesichtspunkte angesehen und benutzt wird ein sehr wichtiger und fruchtbarer Theil der Mineralogie, da sie mannigfaltiges, aufklärendes Licht über Geogenie, über die verschiedenen successi - ven, mehr oder weniger allgemeinen Katastrophen*)Ausführlicher habe ich davon gehandelt im Specimen ar - chaeologiae telluris 1. Götting. 1803. 4. mit Kupf. und im XV. B. der Commentat. Soc. Reg. Scient. Gottingens., die mit unserer Erde vorgegangen, folglich über das relative Alter der Gebirgsarten überhaupt, über die Entstehungsart mancher Arten von Flözgebirgen ins - besondere u. s. w. verbreitet, ohne welches alles kein philosophisches Studium des mineralogischen Theils der Naturgeschichte gedacht werden kann.

§. 262.

Man nennt aber Petrefacten oder Verstei - nerungen (Engl. extraneous fossils) im weitern Sinn alle abgestorbene Thiere und Gewächse, die entweder ihren Tod in einer solchen ( mehr oder weniger allgemeinern, oder aber localern ) Erd - katastrophe gefunden, oder doch nachher durch eine dergleichen in eine so günstige Lage gekommen, daß dadurch ihr Körper öder einzelne Theile desselben,612 statt zu verwesen, seine Bildung mehr oder minder vollkommen erhalten, und mehrentheils noch über - dem mit fremden steinartigen oder metallischen Stof - fen, oder aber mit Erdharzen durchzogen worden.

Anm. Also muß eine Menge Zeugs streng davon abgesondert werden, was weiland damit vermengt ward. Vor allen die bloßen so genannten Naturspiele, lusus naturae, an denen sich ehedem die Einbildungskraft übte und die Unwissenheit und der Aberglaube sich weideten. der leibhafte Dr. Luther im mansfelder Kupferschiefer den Val. Alberti 1675 beschrieben; des alten Dr. Nic. Lange zu Luzern lapicidina sacra u. dergl. m. Ferner offenbare Artefacten, wie z. B. die badner Würfelchen; oder vollends absichtliche Betrügereyen, wie die so ge - nannten würzburger Versteinerungen, womit einst der ehr - liche Beringer angeführt worden, s. Dess. lithographia Wirceburgensis 1726. Fol. zumahl S. 5.

§. 263.

Nach der verschieden Weise dieser Conservation, pflegt man folgende viererley Arten zu unterscheiden. Die Versteinerungen finden sich nähmlich:

1) Bloß calcinirt, wenn Knochen, Conchy - lien ꝛc. ihren thierischen Leim und mit demselben ei - nen großen Theil ihrer sonstigen Festigkeit verloren haben*)Ja zuweilen finden sich sogar noch weiche Theile meist unverändert an thierischen Stücken erhalten, die dessen ungeach - tet wegen ihrer Lage, worein sie durch große Erdrevolutio - nen der Vorzeit gerathen sind, ohne Widerrede zu den Verstei - nerungen im weitläuftigen Sinne gezählt werden müssen. So zu einem Beyspiele statt vieler das 1806 am Ausfluß der Lena ins Eismeer noch mit Haut und Haar ausgegrabene Mammut der alten Welt (Elephas primigenius), dessen ausgestopftes Fell so wie sein Skelet im Museum der Akad. der Wissensc. zu St. Petersburg aufgestellt ist., da sie statt derselben nur höchstens mit Kalksinter, Mergeltuff u. dergl. durchzogen worden; mithin gemeiniglich mürbe und leicht sind. Sie613 finden sich gemeiniglich im aufgeschwemmten Lande (S. 458. 520) und zwischen dem Kalksinter der Berghöhlen und Klüfte (S. 523).

2) Wirklich petrificirt, als eigentlich so ge - nannte Versteinerungen oder Petrefacte im engern Sinne, die in den festern Steinlagen der Flözge - birge eingeschlossen sind, und daher großentheils selbst Steinhärte erlangt haben. Dahin gehören zu - vörderst die meisten der unbekannten Seegeschöpfe der Vorwelt, wovon zumahl die Kalkflözgebirge auf dem jetzigen festen Lande, das den Meeresboden der Vorwelt ausmachte, so zu sagen wimmeln. Nächstdem aber auch die in Hornstein oder Wachs - opal versteinten Hölzer ꝛc.

Bey den endlos mannigfaltigen Conchylien, die sich auf diese Weise wirklich versteinert finden, ist selten die Schale selbst noch erhalten ( wie dieß z. E. bey dem feurig opalisirenden Muschelmarmor aus Kärnthen der Fall ist ), sondern bey den mehrsten zeigt sich bloß der innere Abguß von dem versteinerten Schlamme, der die nachher allgemach zerstörte Schale ausgefüllt hat. So z. E. bey den allermehrsten Ammoniten, Hysterolithen ꝛc. Man nennt dergleichen Petrefacten zum Unterschied Stein - kerne, nucleos (Fr. pierres moulées). Spu - rensteine hingegen, typolithi (Fr. pierres im - primées) heißen die, von welchen bloß der Ab - druck der äußern Oberfläche übrig ist; wie bey den allermehrsten Kräuterschiefern.

3) metallisirt (Fr. petrifications pyriteu - ses, bronzées), wenn die Versteinerungen mit me - tallischen Stoffen durchzogen sind; besonders mit Schwefel - und Kupferkies, oder mit Fahlerz, Thon - Eisenstein ꝛc.

Und 4) verharzt, nähmlich mit Erdpech ꝛc. durchzogen, wie das bituminöse Holz ꝛc. Und614 dahin gehören auch allerdings die im Bernstein ein - geschlossenen Insecten ꝛc. da es ebenfalls nach dem Tode erhaltene organisirte Körper sind, die bey ir - gend einer partiellen Erdkatastrophe dieses ihr köstli - ches Grab gefunden haben müssen.

§. 264.

Wichtiger und für die Geogenie lehrreicher ist hingegen der zweyfache große Gesichtspunct, da man die Versteinerungen einerseits nach dem Verhältniß der Lagerstätte, worin sie sich gegenwärtig finden, und anderseits nach der mehrern oder mindern Aehn - lichkeit, oder aber völligen fremdartigen Verschieden - heit mit den organisirten Körpern der jetzigen Schöpfung, betrachtet*)Doch habe ich eine sonst von mir befolgte eigne Unterein - theilung der Versteinerungen in Petrificata superstitum, dubio - rum und incognitorum jetzt, als nicht mehr genug zusagend, aufgegeben..

§. 265.

Aus dem ersten dieser beiden Gesichtspuncte ist es zu bewundern, und in Bezug auf die Größe der Revolutionen, die einst mit unserm Planeten vorge - gangen seyn müssen, von wichtiger Bedeutung, wenn man sieht, in welcher Höhe über der jetzigen Mee - resfläche, und in welcher Tiefe unter derselben sich noch Versteinerungen finden. Nur ein paar Bey - spiele von denen in Europa zu geben, so hat unser de Lüc auf den savoyischen Alpen, in einer Höhe von 7844 Fuß über der Meeresfläche versteinte Seegeschöpfe (Ammoniten) gefunden**)Der Güte des Hofr. Stromeyer verdanke ich blaulich - schwarze Ostraciten in bräunlichgrauen splittrigen Flözkalk die am Taillon auf den Pyrenäen in einer noch beträchtlichern Höhe, nämlich von 8400 Fuß brechen., und in615 Whitehaven in Cumberland gräbt man hingegen mehr als 2000 Fuß tief unter derselben die Ab - drücke von Waldgewächsen (Farnkräuter) aus! Außerdem gehören zu den besonders merkwürdigen Verschiedenheiten der Lagerstätte selbst, worin die Versteinerungen vorkommen, vorzüglich folgende: Sie finden sich nähmlich

1) im aufgeschwemmten Lande, meist lose liegend. So z. B. die mehrsten fossilen Elephan - ten, Rhinocere ꝛc. und so auch das Nordamericani - sche Mammut.

Oder 2) in stalactitischen Felsenmassen, meist in Trümmern, durch Kalktofus gleichsam breschen - artig zusammengesintert. So die prodigiösen Knochenfelsen an einigen Küsten des mittländischen und adriatischen Meeres, an Cerigo, Dalmatien, und Gibraltar.

Oder 3) in Berghöhlen, wie z. B. am Harz, am Thüringer Wald, am Fichtelberge, an den Carpathen, und in Yorkshire ꝛc.

Oder endlich 4) in den Flözlagern von Kalk - stein, Stinkschiefer, bituminösen Mergelschiefer, Gyps, Schieferthon, Grauwackenschiefer, Kohlen - sandstein u. dergl. m.

§. 266.

In Vergleichung aber zu den organisirten Kör - pern der jetzigen Schöpfung, finden sich manche (selbst unter den präadamitischen Conchylien des hie - sigen Muschelkalks) die den jetztlebenden so gut wie völlig gleichen; andere, die den gegenwärtig existi - renden zwar ähneln; aber sich von denselben theils durch ihre auffallende Größe, theils durch mancher - ley kleine aber doch constante Abweichungen in der616 Bildung einzelner Theile, theils aber auch dadurch auszeichnen, daß die damit mehr oder minder über - einstimmenden jetzt lebenden Urbilder bloß in tropi - schen Zonen fern von der fossilen ihrem Fundorte einheimisch sind. Unter diese Kategorie können wenigstens einstweilen viele Osteolithen, auch manche Seegeschöpfe (z. B. unter denen im Pappenheimer Kalkschiefer) und viele der Insecten im Bernstein gebracht werden.

Und davon unterscheiden sich wieder die Verstei - nerungen von völlig unbekannten Geschöpfen der Vorwelt, d. h. zu welchen sich bis jetzt nicht einmahl nur ein ähnelndes, geschweige ein gleiches Urbild gefunden. So z. B. die Phaciten, Belem - niten u. a.m.

Einige vorzügliche Hülfsmittel zur Petrefactenkunde.

  1. (Bourguet) traité des petrifications. Par. 1742. 4.
  2. J. E. Imm. Walchs und G. W. Knorrs Naturgeschichte der Versteinerungen. Nürnberg 1755 u. f. IV. B. in Fol.
  3. J. Beckmann de reductione rerum fossilium ad geners naturalia protyporum; in den nouis comment. soc. scient. Gotting. T. II. und III.
  4. God. Gv. Leibnitii protogaea. Gott. 1749. 4.
  5. Sam. Chr. Hollmann commentationum in Reg. scient. Soc. recensitarum sylloge. Goett. I. 1762. II. ed. 2. 1784. 4.
  6. Fr. Xav. Burtin sur les revolutions générales qu' a subies la surface de la terre; im VIII. St. der Verhandelingen nitgegeeven door Teyler's tweede Genoetschap. Haarl. 1790. 4.
  7. Faujas St. Fond Essai de Géologie. Paris. 1803. u. f. III. B. 8.
  8. (Andreä) Briefe aus der Schweiz nach Hannover ge - schrieben. Zürich 1776. 4.
  9. Gust. Brander fossilia Hantoniensia. Lond. 1766. 4.
  10. Cas. Chr. Schmiedel Verstellung merkwürdiger Ver - steinerungen. Nürnb. seit 1780. 4.
  11. 617
  12. Jam. Parkinson's organic Remains of a former world. Lond. 1804-11. III. vol. 4.
  13. G. Cuvier Recherches sur les Ossemens fossiles de Quadrupè - des ꝛc. Par. 1821 u. f. VII. vol 4.
  14. C. F. B. v. Schlotheim Petrefactenkunde. Gotha 1820. 8. m. Kupf. in 4. und Nachträge dazu seit 1822.
  15. F. H. Link's Urwelt (s. oben S. 9).
  16. W. Buckland's Reliquiae diluvianae; or observations on the organic Remains contained in caves, fissures, and diluvial Gravel ꝛc. Lond. 1823. 4.
618

A. Versteinerungen des Thierreichs.

I. Von Säugethieren.

Die so oft und viel pro und contra besprochnen so genannten Anthropolithen wie z. B. die theils fast completen Menschengerippe an der Küste von Gua - deloupe in einem festen Kalksinter mit Muschelsand, der auch Milleporen und Schnecken aus der jetzigen Schöpfung enthält*)Ch. König on a fossil human Skeleton from Guadaloupe in den Philos. Transactions for 1814. tab. 3.und in meinem Specimen archaeologiae telluris alterum (1816.) das Epimetrum p. 22. u. f.Zwar bedarf des alten Scheuchzer's vermeynter homo diluvii testis und die Pfoten von Palmatis in bituminösen Mergelschie - fer, die der sel. Bergr. Ries für Kinderhändchen angesehen, jetzt kei - ner Berichtigung mehr; aber wohl hat Hrn. Spallanzani's zuversicht - liche Behauptung (im III. B. der Memorie della Società italiana S. 452 u. f), daß die zusammengefinterten Knochenbreschen auf Cerigo von Anthropolithen wimmeln sollen, noch neuerlich manche Mineralogen irre geführt. Ich habe aber durch die Freund - schaft des besondere durch seine gelehrten Reisen nach den Mor - genländern berühmten Hrn. Hawkins einen Vorrath von diesen famosen Knochenbreschen erhalten, und nach aller streng osteologi - schen Prüfung eben so wenig eine Spur von Menschengebeinen darin gefunden, als in den ihnen oryktognostisch und geognostisch völlig ähnlichen, die ich von Gibraltar und der Küste von Dal - matien besitze., sind wohl von zu modernen Datum als daß sie in die eigentliche Petrefactenkunde gezogen werden dürftenö so wenig als die Knochen von Füchsen, Schwei - nen ꝛc. im hieländischen Mergeltuff.

Hingegen gehören zu den fossilen Resten von solchen Quadrupeden der Vorwelt, welchen verwandte Gattungen in der jetzigen Schöpfung ähneln, um nur einige Bey - spiele anzuführen, 1) die von einer Gattung von - ren (Ursus spelaeus) und zwar in unsäglicher Menge in den oben (§. 265.) genannten Berghöhlen.

619

So 2) in einigen derselben (wie namentlich in der von Yorkshire, aber auch am Harze) die von einer großen Hyäne*)s. Buckland a. a. O..

3) Von einer eigenen Gattung des Hirschgeschlechts, dem so genannten Riesen-Elenn, Cervus gigan - teus, die zumahl in Irland ausgegraben wird, und sich durch ihre mächtige Größe auszeichnet. Von manchen ist der Schedel fast eine Elle lang und stehen die Enden der beyden (zuweilen etliche Centner wiegenden) Ge - weihe auf 14 Fuß aus einander**)von Wildungen Taschenbuch für Forst - und Jagd - freunde, für 1800. S. 159 u. f. und J. Weib. Neergaard Beyträge zur vergleich. Anatomie. Gött. 1807. 8. S. 127. u. f..

4) Von dem schon gedachten (S. 612. Note*) Mammut der alten Welt, einer Elephantengattung (Ele - phas primigenius) [die vermeinten Riesenknochen***)s. Voigts Magazin. V. B. 1. St S. 16 u. f. unserer ehrlichen Alten]; unter andern auch in Menge in Deutschland†)(Kriegsr. Merk) lettres sur les os fossiles d'elephans et de rhinoceros qui se trouvent en Allemagne etc.I-III. St. Darmst. 1783 u. f. 4. und Cüvier in dem angeführten clas - sischen Werke.. Das Elfenbein der Sibirischen, die zumahl am Eismeere ausgegraben werden (das so ge - nannte (Mammontovaiakost), ähnelt dem frischesten von den beiden jetzt existirenden Elephantengattungen, und wird in Archangel und von den Schinesischen Künst - lern in Canton u. s. w. auch eben so verarbeitet.

5) Von einer Gattung Nashorn (Rhinoceros an - tiquitatis). Häufig mit dem eben gedachten Elephan - ten z. E. in Sibirien; aber auch in Deutschland z. E. bey Herzberg am Harz††)Hollmann in comment. Societ. scientiar. Gottingens. T. II. pag. 215-280. und Cüvier a. a. O. s. Voigts neues Magazin. XII. B. S. 97 u. f., (a. 1750 fünf Individua im Umfang einer Meile); bey Thiede im Braunschweigi - schen; bey Burg-Tonna†††)S. Voigt in seinem Magazin III. B. 4. St. S. 2 u. f. im Gothaischen u. a.

620

Und von völlig fremdartig gestalteten auch nur we - nige von vielen:

So 6) das colossale Land-Ungeheuer der Vorwelt, das Nordamericanische Mammut (Mammut ohioti - cum, Mastodonte Cuv. ), dessen Gebeine beson - ders am Ohio ꝛc. in Menge ausgegraben werden; und das sich unter andern schon durch die eigene auffallende Form seiner enormen Backzähne ( Abbild. n. h. Ge - genst. tab. 19. ) von der übrigen thierischen Schöpfung der Vorwelt auszeichnet*)Rembr. Peale's Account of the Skeleton of the Mam - moth Lond. 1802. 4. Cüvier. a.a. O. und A. C. Bonn in den natuurlyke Verhandel. der Maatsch. der Wesensch. to Haarlem. IV. B. 2. St..

7) Das besonders durch die abenteuerliche Mißgestalt des Kopfs, Beckens, der Beine und Krallen auffallende Megatherium americanum, dessen Gebeine hin und wieder in Südamerica ausgegraben werden**)Chr. Panders's und E. d'Alton's Riesenfaulthier, Bradypus giganteus. Bonn 1821. quer Fol..

8) Das ganze Geschlecht der Paläotherien wovon Hr. Baron Cüvier im Gypsflöz von Montmartre schon mehrere Gattungen entdeckt hat; unbekannte Mittelge - schöpfe zwischen den Nashorn - Tapir - und Schweine - geschlechlern***)Cüvier a. a. O..

Die im Pappenheimer Kalkschiefer gefundenen kleinen Skelete eines fliegenden Thiergeschlechts der Urwelt zei - gen einen so zweydeutigen Bau, daß dasselbe von Söm - merring unter dem Namen ron Ornithocephalus zu den Chiropteris hier dieser Classe gerechnet†)Im VI. B. der Denkschriften der Königl. Acad. der Wissensch. zu München., hingegen von Cüvier††)In den Annal. du Mus. T. XIII. und Oken†††)In der Isis 1818 u. 19. unter dem von Ptero -621 dactylus für ein geflügeltes Amphibium angesprochen wird*) Es ist deutlich (sagt Link a. a. O. Th. I. S. 21), daß dieses Thier zwischen drey Thierclassen in der Mitte stand, den Säugethieren, den Amphibien, und auch den Vögeln..

II. Von Vögeln**)S. Geh. Assist. Rath v. Hoff in s. Magazin über die ge - sammte Mineralogie. 1. B. S. 283 und Cüvier s. les Ossem. fossiles..

Ueberhaupt nur wenige, doch z. B. im öninger Stink - schiefer Knochen von Sumpfvögeln, und von man - cherley andern in eben gedachten Gyps von Montmartre.

III. Von Amphibien.

Frösche und Kröten im öninger Stinkschiefer. ***)Andreä a. a. O. tab. 15. fig. 16.

Schildkrötenschalen, dergleichen ich aus der gleichen Gegend von Burg-TOnna besitze, wo auch fossile die Elephanten - und Rhinocer-Knochen gefunden werden****)S. Geh. Hofr. Voigt a. a. O. tab. 1. fig. 1..

Die Gebeine eines ungeheuren, crocodillartigen Ge - schöpfs (Lacerta gigantea)†)S. Geh. Rath von Sömmerring über die Lac. gi - gantea der Vorwelt; und über den Crocodilus priscus. Jenen im VI. und diesen im V. B. der Denksckr. der Königl. Akad. der Wissensch. zu München., zumahl im Petersberge bey Mastricht††)Faujas St. Fond histoire naturelle de la Mon - tagne de St. Pierre de Maestricht. Par. an VII. 4..

Und die neuerlich in England bey Lyme und Bath entdeckten Arten vom Protesaurus†††)Home in den Philosophical Transactions for 1819. tab. 15. pag. 209. u. a.m.

622

IV. Von Fischen*)M. H. de Blainville sur le poissons fossiles im nouveau Dictionn. d'hist. nat. übers. mit Anmerk. von G. F. Krüger. Quedlinb. 1823. 8..

Zu den merkwürdigsten Arten des Vorkommens der Ichthyolithen gehören die einzelnen so sonderbar in länglichen Thonschollen gleichsam mumisirten Fischchen [Angmarset? (Salmo arcticus) S. 249.] vom Zucker - top auf der Westküste von Grönland**)Nehem. Grew museum Reg. Soc. Lond. tab. 19.

Die versteinerten Fische im Tafelschiefer vom Blatten - berg im Canton Glaris und die im Mansfeldischen und Hessischen bituminösen Mergelschiefer zeigen selten die zur specifischen Charakteristik wichtigsten Theile deutlich ge - nug, daß man die Gattungen wie Zuversicht bestimmen könnte.

Die meist sehr gut erhaltenen Fischgerippe in Stink - schiefer vom Bolcaberg im Veronesischen***)S. des Grafen Gazzola prächtige Ittiolitologia Veronese 1794. gr. Fol. und G. Graydon in den Transactions of the Royal Irish Academy. Vol. V. 1794. p. 281. werden zwar insgemein sehr bestimmt auf bekannte Urbilder referirt. Aber schon das scheint dabey bedenklich, daß dem zu Folge jener Berg die gemeinschaftliche Niederlage nicht nur von Flußfischen sowohl, als von Seefischen, son - dern unter den letztern zumahl, zugleich von Thieren aus den weitst von einander entfernten Oceanen seyn soll. Von Utaheiti sowohl als aus dem mittländischen Meere und von den Küsten von Japan, Brasilien, dem nordöstlichen America, Africa ꝛc.

Was sich aber im dichten Flöz-Kalkstein von ver - steinten Fischen findet, sind meist nur einzelne Wirbel, Gräten und Zähne. Unter letztern zumahl die so ge - nannten Schlangenzungen (glossopetrae) aus dem Hayfischgeschlechte, und die Bufoniten oder so genann - ten Schlangenaugen (Fr. crapaudines), wovon manche mit den stumpfen Zähnen des Klippfisches (Anar - rhichas lupus) Aehnlichkeit haben.

623

V. Von Insecten.

So z. B. im öninger Schiefer, Larven von Libellen, Wasserwanzen und dergl.

Dann die Mannigfaltigkeit der in Bernstein, theils wie in wundersamer Lebendigkeit eingeschloßnen Insec - ten [s. oben S. 558. not. **)].

Ferner die versteinten Krebse (Camarrolithen).

Und besonders die berühmten Trilobiten*)von diesen und den versteinten Krebsen Al. Brong - niart et Ans. Gaet. Desmarest Hist. nat. des crustacés fos - siles Par. 1822. 4. oder fälschlich so genannten Käserwuscheln oder Cacadumu - scheln (entomolithus paradoxus Linn. Engl. Dud - ley-fossil) die hin und wieder (s. z. B. oben S. 505.), aber nirgend schöner als bey Dudley in Worcestershire und zwar theils noch mit der natürlichen krebsartigen Schale gefunden werden. ( Abbild. n. h. Gegenst. tab. 50. )

VI. Von Würmern.

Fast ohne Ausnahme aus den drey Ordnungen Te - stacea, Echinodermata (oder Crustacea) und Corallia.

Doch scheinen die fossilen Schnäbel die sich auf dem Hein - berg bey Göttingen, so wie im Petersberge bey Mastricht und bey Bath finden, einem Mollusken-Geschlechte, nähmlich den Sepien zugehört zu haben**)Specimen archaeologiae telluris I. (1803.) tab. 2. fig. 5..

I. Testacea.

In zahllosen Gattungen***)s. z. B. einen Reichthum nur allein von denen in einigen Strichen in Italien gelagerten, im G. Brocchi Conchiologia fossile subapennina. Milan. 1814. II vol. 4. und Al. Brongni - art Mém. sur les terrains de sediment supérieurs du Vicentin. Par. 1823. 4.: und was dabey besonders merkwürdig, mitunter auch Lagen von Flußconchylien624 abwechselnd zwischen solchen, die nach aller Analogie im Meere gelebt haben müssen*)vergl. G. Cuvier et Alex. Brogniart Essai sur la Géographie mineralogique des Environs de Paris. 1811. 4..

von vielschaligen Conchylien der schöne Balanites porosus aus dem Osnabrückischen**)Specimen archaeolog. tellur. I. t. 1. fig. 1. der besonders durch den merkwürdigen Umstand für die Ar - chaologie unsers Planeten lehrreich wird, daß er nicht selten in aller seiner Integrität auf einzelnen glatt abgerundeten Geröllen aufsitzt***)Eine Art des Vorkommens das der gelehrte Mineraloge Guettard bey fossilen Conchylien ganz bezweifelte. s. Mém. de l'Acad. des scienc. de Paris v. J. 1759. S. 204. 206..

Unter den Muscheln z. B.

1) Der feurig opalisirende Ostracit im kärnthner Muschelmarmor. (Engl. fire marble).

2) Der dickschalig ostracites, pinnigenus den de Lüc nebst dem folgenden auf dem Saleveberg bey Genf ent - deckt hat. ****)S. de Saussure voyages dans les Alpes vol. I. tab. 2. fig. 5. 6.

3) Der große fast herzförmige Anomit. †)de Saussure l. c. fig. 1-4.

4) Die Gryphiten.

5) Die Hysterolithen.

6) Die so genannte Langue fourrée aus Saint - Onges. ††)S. de Lüc's Briefe über die Geschichte der Erde und des Menschen, I. B. S. 262 u. f.

7) Die Pantoffel-Muschel des Hrn. von Hüpsch†††)s. Dess. neue in der N. G. des Nieder-Deutschlands gemachten Entdeckungen. Frankf. 1768. 8. tab. 1..

8) Die so genannten versteinten Ziegenklauen aus dem Blattensee in Ungarn††††)C. D. Bartsch in Ungrischen Magazin. II. B. S. 135 u. f. u. a.m.

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So wie auch 9) zu einem Beyspiele statt mehrerer diejenige, übrigens noch so gemeine Gattung von Te - rebratuliten im Flöz-Kalkstein gerade dadurch merk - würdig wird, daß sie der jetztlebenden Glasbohrmuschel (Anomia vitrea S. 388.) gleicht, und nach dem vor - mahligen Typus aus der Urwelt nun auch in der nach - wärtigen Schöpfung gleichsam reproducirt worden.

Von einschaligen Conchylien aber erst die so ge - nannten polythalamiae, deren Schale nähmlich inwen - dig durch Scheidewände in Kammern oder Fächer ab - getheilt ist:

So z. B. 1) die Phaciten, Lenticuliten oder Linsensteine, in theils Gegenden auch Pfennig - steine, Kümmelsteine und Fruchtsteine genannt, porpites, lapis numularis, helicites einiger Schriftstel - ler (Fr. camérine, pierre lenticulaire oder numis - male, monnoie du diable), die außen mit flachge - wölbten blätterigen Schalen belegt sind, inwendig aber eine überaus zarte vielkammerige Spiralwindung von ansehnlicher Länge enthalten ( Abbild. n. h. Gegenst. tab. 40. ). Sind meist von Linsengröße, theils aber auch wohl wie ein halber Gulden. Finden sich in vielen Weltgegenden und theils in mächtigen Lagen; namentlich in Nieder-Aegypten, wo die Pyramiden großentheils daraus erbauet sind.

2) Das unübersehliche Heer von Ammoniten (Engl. Snake-stones)*)s. unter andern J. C. M. Reinecke cornua ammonis in agro Coburgico et vicino reperiunda. Coburg. 1818. 8..

3) Die eben so merkwürdigen als seltenen Ortho - ceratiten, die sich theils fußlang, und vorzüglich im Meklenburgischen finden.

4) Die Belemniten oder Luchssteine, dactyli idaei (Engl. thunder-stones, fairies-fingers), un - ter welchen es aber auch Gattungen ohne Scheidewände oder Alveolen gibt. Uebrigens eine der allgemeinsten Versteinerungen der Kalkflözgebirge, wo sie häufig mit schwarzem Stinkstein durchzogen sind (S. 529); aber auch in andern Flözlagen, wie z. B. in den Kreide - bergen von Kent brechen.

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5) Des Dr. W. Thomson's cornu copiae von Capo Passaro an Sicilien*)s. Wiedemanns Archiv für Zoologie ꝛc. IV. B. S. 1. tab. 1. und Karsten im Magaz. der Berlin naturforsch. Ge - sellsch. 3ter Jahrg. 19. Quart. S. 95.

Von solchen einschaligen Conchylien, die keine innere Scheidewände haben, z. B. vor so vielen andern

1) die räthselhaften Doppelröhren (Bitubulites problematicus vom Heinberg bey Göttingen**)Specimen archaeol. tellur. I. tab. 2. fig. 9..

2) Die merkwürdigen linksgewundenen Muri - citen am Ufer von Harwich. ( Abbild. n. h. Ge - genst. tab. 20. )

3) Der überaus sonderbare kleine Muricites defor - mis Soland., aus Hampshire, dessen Spitze sich im - mer wie in eine irreguläre Wurmröhre verläuft***)Brander l. c. tab. 2. fig. 37. 38..

4) Die ansehnlichen sonderbaren Dentaliten aus dem Lucerner Gebieth, die dort in unsäglicher Menge und unvermengt im dichten Kalkfels liegen†)s. Voigts Magazin V. B. 1. St. S. 14. u. f. tab. 2..

5) Der kleine Serpulites coarcevatus der am Dei - ster im Hannöverschen in ganzen Flözlagen von Stink - stein zusammengehäuft ist††)Specimen archaeol. tellur. I. tab. 2. fig. 8..

II. Echinodermata (crustacea.)

1) Unter den mancherley See-Igeln, zumahl die - jenigen, so statt der Stacheln mit den ehedem so räth - selhaften Judensteinen besetzt sind†††)s. Andreä a. a. O. tab. 14. fig. d. S. 265 u. f..

Dann 2) die Enkriniten und 3) die Pentakri - niten zwey ansehnliche Petrefactenarten, die der Seepalme aus der jetzigen Schöpfung (S. 407.) zwar ähneln, aber nicht gleichen; und aus einem vielarmi - gen Körper bestehen, der auf einem langen geglieder - ten Stängel sitzt.

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Bey den Enkriniten oder Seelilien*)Mich. Reinh. Rosini tentaminis de lithozois ac lithophy - tis prodromus. Hamb. 1719. 4.Sam. Chr. Hollmann descriptio pentacrinorum. Goett. 1784. 4.Voigts Magazin. VI. B. 4. St. S. 1. u. f. tab. 1.Hauptsächlich aber J. S. Miller's natural history of the Crinoidea, or Lily-shaped animals etc. Bristol 1821. 4. mit 50 Steindrucktafeln., ( Ab - bild. n. h. Gegenst. tab. 60. ) die sich meist in dichtem Kalkstein finden, sind die Arme des Körpers gewöhnlich zusammengefaltet, da er dann einige Aehnlichkeit mit einer Maiz-Aehre oder einer noch unaufgeblühten Lilie hat, und deßhalb Lilienstein genannt wird. Der astlose Stängel muß mit seinem untern Ende auf dem Meeres - boden der Vorwelt festgesessen haben. Seine wirbelar - tigen Glieder, welche die Gestalt kleiner Mühlsteine mit sonnenförmiger Zeichnung haben, sind unter dem Namen der Entrochiten, Rädersteinchen, Bonifaciuspfennige, Hünenthränen, Spangensteinchen, (Engl. St. Cuth - bert's beads) allgemein bekannt, und der Flözkalkstein mancher Gegenden wimmelt gleichsam davon.

Die Pentakriniten oder die Medusenpalme**)Act. acad. Palatinae T. III. P. phys. Die Platte voller Medusenpalmen, die in dem walchischen Petrefactenwerke T. I. tab. 11. b. abgebildet ist, befindet sich jetzt in meiner Sammlung. ( Abbild. n. h. Gegenst. tab. 70 ) bestehen aus einem großen, vielarmigen, quastenförmigen Körper, der auf einem gegliederten einfachen Stängel ohne Aeste sitzt, welcher wenigstens über 8 Fuß lang ist. Dieses merkwürdige Petrefact fand sich ehedem vorzüglich im bituminösen Mergelschiefer bey Boll im Wirtembergischen (S. 528).

Die bekannten Astroiten sind fünfeckige Wirbel vom gegliederten und dabey ästigen Stängel eines ähnlichen, aber noch nicht ganz bekannten Petrefacts.

III. Corallia.

Zumahl 1) Madreporiten in theils Gegenden als in wahren Corallenriefen der Vorwelt, in unermeß -628 licher Menge und großer Mannigfaltigkeit. So z. B. im dichten Kalkstein und Marmor auf dem Saleveberge bey Genf, auf dem Harz bey Blankenburg und bey Grund ꝛc. Von letzterm Orte verdient namentlich der ansehnliche schön geformte Madreporirtes cristatus*)Specimen archaeologiae telluris I. tab. 3. fig. 12. Erwähnung; so wie von der berühmten Perte du Rhône der sonderbare kleine Madreporites lenticul - ris ( Abbild. n. h. Gegenst. tab. 80.) der zu man - cherley mineralogischen Irrthümern Anlaß gegeben.

Ausnehmend schöne und große Madreporiten in muscheligem Hornstein, theils mit Milchblauen Chalce - don durchzogen, auf der W. Indischen Insel Antigua.

Andre in sandartigem Kalkstein im Petersberge bey Mastricht. In Kreide als so genannte Fungiten in Kent. In Brauneisenstein und eisenschüssigem Quarz, auch als Fungiten und Schraubensteine ( eine Art Tubiporiten? ) bey Rübeland am Harz. Letztere auch im Catharinburgischen in Sibirien.

2) Milleporiten und andere zarte Corallenarten vorzüglich eben gedachten sandigen Kalkstein des Petersbergs bey Mastricht. In Feuerstein (S. 479.) bey Celle im Hannöverschen**)Specimen alterum fig. 7., und im Puddingstein in Hertfordshire (S. 545. not. *) ꝛc.

B. Versteinerungen des Pflanzenreichs.

I. Abdrücke von Pflanzen und Blättern. ***)E. Fr. von Schlotheim Beschreibung merkwürdiger Kräuterabdrücke und Pflanzenversteinerungen. 1ste Abthl. Gotha. 1804. 4.629J. G. Rhode Beiträge zur Pflanzenkunde der Vorwelt. Berl. seit 1820. gr. Fol.Graf Kasp. Sternberg Versuch einer geognostisch-bota - nischen Darstellung der Flora der Vorwelt. Leipz. auch seit 1820. Fol.

So z. B. die manchen hieländischen Baumblättern ähnelnden, im öninger Stinkschiefer, im Sandstein bey Blankenburg ꝛc.

Ferner die mancherley Farnkräuter ꝛc. im Schieferthon und Thoneisenstein (S. 585 u. f.)

Und von den ganz fremdartigen nur zu Einem Beyspiele statt aller die äußerst merkwürdigen, ganz räthselhaften, theils ästigen oft ungeheuer großen schuppigen Abdrücke, die hin und wieder, zumahl auf Steinkohlengruben, in Schieferthon (Kohlenschiefer); aber auch bey Edinburgh in Kohlensandstein (S. 545), und bey Clausthal in Grauwacken - und Thonschiefer*)Von einem überaus lehrreichen Stücke der Art, das auf der Grube Dorothea zu Clausthal mitten im Gange in 160 Lachter Tiefe gebrochen und sich jetzt in meiner Sammlung befindet, s. das Mineralien-Cabinet, gesammelt und beschrieben von dem Verfasser der Erfahrungen vom Innern der Gebirge. S. 41 u. f. gefunden werden.

II. Fossile Samen, Früchte u. dergl.

in dem oft genannten öninger Stinkschiefer, wo sich sogar unverkennbare Abdrücke von Blüthen (eines Ranunculus) gefunden haben.

Ferner die so genannten frankenberger Korn - ähren, Sterngraupen u. a. daselbst brechende in Silber - und Kupfererze metallisirte Fruchttheile.

So wie eins der schönsten und zugleich seltensten Petrefacten, der vulgo so genannte Madenstein in gelblichen und röthlichen Hornsteingeschieben im Plauischen Grunde bey Dresden, das den Samencapseln einer tro - pischen Onoklea ähnelt**)Specimen alterum fig. 3. 4. wo ich auch fig. 1. 2. einen ächten Karpachat mit einigen unverkennbaren stachlichten Pe - rikarpien (der Form nach fast wie von Bunias orientalis) in einem orientalischen Chalcedon abgebildet habe..

Und die mandelförmigen Fruchtcapseln, die sich zu - weilen zwischen dem fossilen Holze in den preußischen Bernsteingruben***)Im gleichen Specimen p. 15 u. f. finden [s. oben S. 558 not. )];630 so wie die kleinen Palmnüsse aus den Cölnischen Um - bergruben*)Faujas St. Fond im Journal des mines 1797. an V. Trimestr. 4. tab. 25. u. a.m.

III. Fossile Hölzer (Lithoxyla).

das in Holzstein petrificirte so genannte Staarholz von Hilbersdorf bey Chemnitz, das sich durch seine gleichförmige dichte Textur ohne Spur con - centrischer Lagen (S. 426 Anm.) auszeichnet, und über - dem gleichsam, wie mit parallellaufenden Röhren (meist von der Dicke einer Gänsespuhle) durchzogen gewesen scheint.

Andre Fossile Hölzer sind entweder wie der oben ge - dachte wirklich versteint, z. B. in Kalkstein, Sand - stein, besonders aber in Holzstein (S. 480) und in Holzopal (S. 476); oder aber noch brennbar, wohin vor allem das bituminose Holz (S. 560) in den mächtigen Flözlagen so vieler Gegenden der nördlichen Erde gehört Doch ist auch dieses zuweilen an manchen Stellen mit Quarz durchzogen, so daß es da am Slahl Funken schlägt.

Ueberhaupt aber stehen manche Arten von fossilem Holz zwischen dem wirklich petrificirten und dem bitumi - nösen in sofern gleichsam in der Mitte, daß sie mit kohlensaurem Kalk durchzogen sind und daher mit Säuren brausen, und doch auch auf Kohlen mit Harzgeruch brennen; wie z. B. das merkwürdige so genannte Sünd - fluthholz, das im Trap zu Joachimsthal in einer Teufe von 150 Lachter bricht.

Schließlich verdient auch noch die mineralische Holzkohle Erwähnung die sich in manchen Steinkohlen (S. 661), so wie im Traß und Piperno (S. 509) und zuweilen (als so genannte Goldkohle) beym gediege - nen Golde von Verespatak in Siebenbürgen findet.

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Register.

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TextHandbuch der Naturgeschichte
Author Johann Friedrich Blumenbach
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Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

Akademie der Wissenschaften zu GöttingenNote: Projektträger Editura GmbH & Co.KG, BerlinNote: Volltexterstellung und Basis-TEI-Auszeichung Bearbeiter des Projekts Johann Friedrich Blumenbach – onlineNote: Bearbeitung Johann Friedrich Blumenbach – onlineNote: Bereitstellung der Bilddigitalisate2013-08-26T09:00:15Z Frank WiegandNote: Konvertierung nach DTA-Basisformat2013-08-26T09:00:15Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

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Bibliographic informationHandbuch der Naturgeschichte Johann Friedrich Blumenbach. 11. rechtmäßige Auflage. Dieterich'sche BuchhandlungGöttingen1825.

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