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Handbuch der Naturgeschichte
Multa fiunt eadem sed aliter. (quintilian.)
Neunte Ausgabe.
Erste Abtheilung.
Wien1816, bey Rath. Gräffer und Härter.
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[III]

Vorrede zur vorhergehenden achten Auflage.

(Mit einigen Zusätzen.)

Ein bedeutender Kunstrichter seiner Zeit, Gilles Menage, war des Glaubens, daß die Güte eines Buchs mit der Zahl der Ausgaben desselben in Verhältniß stehe, und man von ei - nem bewährt brauchbaren deren acht zählen müsse.

So wenig sich nun zwar absehen läßt, wie der sonst scharfsinnige Mann auf einen so aben - teuerlichen im Allgemeinen so höchst trüglichen ganz unzuverlässigen Maßstab verfallen konnte, so darf es inzwischen der Verfasser eines wissenschaft - lichen, besonders auch zur Grundlage bey akade - mischen Vorlesungen bestimmten Handbuchs, zu - mahl in einer Disciplin, die deren schon vorher gar manches zählte, für ein Zeichen der Brauchbar -IV keit des seinigen ansehen, wenn er die achte ( und nun die neunte ) Ausgabe davon be - sorgen muß, fünf bis sechs Übersetzungen des - selben in fremde Sprachen ungerechnet, die zwi - schendurch davon erschienen sind*)Ins Französische, Englische, Holländi - sche, Dänische, Russische, und der größte Theil desselben, nähmlich die allgemeine Naturge - schichte und Zoologie, auch ins Ungrische..

Das Buch sollte von der allgemeinen Natur - geschichte, gleichsam von ihrer Philosophie, eine faßliche Übersicht, und aus der unübersehlichen Fülle der speciellern so viel des Gemeinnützigsten und Interessantesten in gedrängter Kürze enthal - ten, als der zweckmäßige Zuschnitt eines, wie gesagt, auch als Leitfaden bey akademischen Vor - lesungen brauchbaren Handbuchs gestattet. Da - bey ist unter andern auch besonders darauf Rück - sicht genommen, daß dasselbe zu einem nützlichen Hülfsmittel zum Nachschlagen, und zwar nah - mentlich beym Lesen von Reisebeschrei - bungen dienen möchte, und dazu war denn auch das genaue Register erforderlich, das einige tausend Rahmen von merkwürdigen Naturproduc - ten enthält.

So wie jede neue Ausgabe des Buchs ganz beträchtlichen Zuwachs von neuen EntdeckungenV oder Berichtigungen in der Naturgeschichte, auch von eigenen Ansichten und Bemerkungen des Ver - fassers erhalten hat, so auch diese gegenwärtige, und zwar wie schon die Vergleichung des Re - gisters zu derselben ausweisen könnte nach Ver - hältniß wohl mehr als eine der vorigen.

Folgendes aus den Vorreden zu den letz - tern Ausgaben mag auch in dieser hier seine Stelle finden.

Ich habe in den mineralogischen Abschnitten, so wie im ganzen Buche, von Geschlechtern und den darunter begriffenen Gattungen gesprochen. Denn daß man in der Mineralogie die Fossilien in genera und species eintheilt, und die genera auf Deutsch Geschlechter, so wie die species Gat - tungen nennt, darüber ist meines Wissens un - ter den gelehrten und philosophischen Mineralogen Deutschlands nur eine Stimme. Und so ver - steht sichs wohl von selbst, daß, wenn ich also in einem Theile des Buchs die Benennungen von Geschlecht und Gattung in diesem von je ( und bis vor Kurzem allgemein ) angenommenen Sinne brauchen mußte, ich nicht in einem andern Theile das Wort Gattung im verkehrten SinneVI für genus brauchen durfte, wie doch in der That neuerlich von gar manchen Deutschen Schriftstel - lern in der Zoologie und Botanik versucht worden.

Ich weiß nicht, wer der Reformator ist, der diese Umkehrung der Begriffe und ihrer be - stimmten Zeichen zuerst unternommen haben mag: aber wohl weiß ich, was er mit einem solchen versuchten Eingriffe in den Sprachgebrauch

quem penes arbitrium est, et jus, et norma loquendi

bey andern aufgeklärten. Nationen riskirt hätte: daß es ihm hingegen in meinem theuern Va - terlande Deutscher Nation nicht an Nachahmern gefehlt hat, ist nichts weniger als unerwartet. Genug indeß, daß so viele philosophische Natur - forscher und die größten unserer naturkundigen Philosophen das verba valent sicut numi besser befolgt, und sich also durch diese sonderbare Um - stempelung nicht irre führen lassen. Und war - um auch ich für meine Person es hierin lieber beym Alten lasse, als mich an jene Nachahmer anschließe, dafür habe ich folgende Gründe:

1) Hoffentlich weiß doch ein jeder, der sei - ner Sprache kundige, Deutsche Naturforscher ( und wer es nicht weiß, der kann es aus Ade - lung's Wörterbuche lernen ), was die ersteVII und Fundamentalbedeutung des Wortes Ge - schlecht ist:

Die Aehnlichkeit der verschiedenen Gat - tungen der Dinge:

Dieß ist der wahre eigentliche Sinn des Wortes Geschlecht, wie wir ihn von Kindesbei - nen an, selbst aus des seiner Sprache höchst kundi - gen Luther's Bibel-Übersetzung lernen.

Dem zu Folge wissen wir also in Anwen - dung auf Methodologie in der Naturgeschichte:

Die Gattungen schafft die Natur: der Sy - stematiker bringt sie nach ihren gemeinschaft - lichen Ähnlichkeiten unter Geschlechter.

2) Eben so ausgemacht und bekannt ist aber auch, daß hingegen das Wort Gattung von dem Zeitworte sich gatten, abstammt; und da nun im freyen Naturzustande wohl nur die Thiere von einer species sich mit einander fruchtbar gatten, so versteht sich also von selbst, daß das Wort species, in dem Sinne, wovon hier die Rede ist, durch kein anderes Deutsches Wort passender und bezeichnender und bestimm - ter ausgedrückt werden konnte, als durch Gat - tung.

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3) Daß aber die Homonymie des Deutschen Wortes Geschlecht, indem es sowohl genus als sexus bedeutet, zu Irrung Anlaß geben werde, ist wohl eben so wenig im Ernst zu befürchten als bey dem Lateinischen Worte genus, das, wie wir in den Kinderjahren in der Gramma - tik beym Unterschied der Worte generis ma - sculini oder foeminini lernen, auch statt sexus gebraucht wird.

4) Und wenn aber auch obbesagter Refor - mator im Ernste so etwas befürchten zu müssen meinte, so hätte er immerhin mögen wer weiß was für ein Wort von eigener Fabrik statt des ihm bedenklichen Geschlechts vorschlagen; aber nichts konnte ihn berechtigen, die Landessprache d. h. den bestimmten einmahl festgesetzten Sinn der Deutschen Worte (da man z. B. Men - schen geschlecht ꝛc. sagt so gut wie genus hu - manum) zu verlehren! Denn, wie unser seliger Lichtenberg bey einem ähnlichen Anlaß sich ausdrückt:

Hypothesen zu machen, und sie als seine Stim - me der Welt vorzulegen, darf niemand ge - wehrt seyn, sie gehören dem Verfasser. Aber die Sprache gehört der Nation, und mit dieser darf man nicht umsprin - gen, wie man will.
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Die gleiche schuldige Achtung gegen dieses der Nation gehörige Eigenthum, habe ich auch bey den Deutschen Nahmen der Naturalien beobachtet, und mich daher immer der allgemein angenomme - nen und allgemein verständlichen, nicht aber etwa der Solöcismen einer einzelnen Provinz bedient. Darum brauche ich z. B. nicht das hier zu Lande gewöhnliche Wort Molle, sondern das allgemein angenommene Molch: eben so nicht das im Erz - gebirge gebräuchliche Wort Kobelt, sondern das längst allgemein adoptirte und selbst in andere le - bende und todte Sprachen aufgenommene Kobalt u. s. w.

Anders ist der Fall mit den in der Naturbe - schreibung von unsern neuen Systematikern zur Bezeichnung der Geschlechter und ihrer Gattungen selbsterfundenen Kunst - und Trivial-Nah - men. So billig und vernünftig es freylich ist, auch hierin so viel als möglich die einmahl ziemlich allgemein angenommenen Benennungen beyzube - halten, so können doch Fälle eintreten, wo es noch billiger und vernünftiger ist, einen vorher gewählten Nahmen, wenn er einen durchaus irri - gen Begriff erweckt, gegen einen richtigern umzu - tauschen. Und doch habe ich mich dieser an sich er - laubten, aber auch heut zu Tage so oft gemiß - brauchten und dann das Studium der Naturge -X schichte so äußerst erschwerenden Freyheit nur in äußerst wenigen Fällen, wo es mir unvermeidlich schien, bedient. So habe ich z. B. den Panzer - thieren oder Armadillen ihren einheimischen, allge - mein bekannten und längst von classischen Zoolo - gen angenommenen Nahmen, Tatu, restituirt; da man sonst diesen fast haarlosen Thieren durch einen seltsamen Mißgriff den Nahmen, Rauch - fuß, Dasypus, beygelegt hatte, womit die alten Griechen, ganz passend und völlig nach der Natur, das rauchfüßige Hasengeschlecht be - zeichnet haben. Aus ähnlichen Gründen brauche ich für den schönen Neuseeländischen Nephrit lieber seinen einheimischen Nahmen (Punammustein), unter welchem er zuerst von unsern Antipoden zu uns gebracht und bekannt worden, als die ihm neuerlich beygelegte Benennung Beilstein, da ich im hiesigen akademischen Museum, so wie in den in London befindlichen großen Sammlungen von südländischen Merkwürdigkeiten, zwar wohl die Menge von Hacken und andern Geräthen, so sich die Neuseeländer aus diesem Steine bereiten, aber schlechterdings kein daraus verfertigtes Beil aufgefunden habe. Eben so habe ich diejenige Gattung des Fledermausgeschlechts, Vampyr oder Blutsauger genannt, die wirklich schlafenden Säu - gethieren das Blut aussaugt; da hingegen LinnéXI diesen Nahmen dem fliegenden Hund beygelegt hatte, der wohl, seit die Welt steht, kein Blut gesogen hat, sondern sich ganz allein von Früchten nährt. Aber viele andere, nur nicht gar zu unpassende Kunstnahmen der Art habe ich dennoch beybehalten, um ja nicht die Nomenclatur und Synonymien ohne dringende Noth, zur großen Last der Lernenden, zu häufen.

Daß aber manche bekannte Nahmen von Naturalien hier doch anders geschrieben werden, als es insgemein geschieht, hat auch seinen guten Grund. So schreibe ich z. B. Tofus und nicht Tophus, weil es kein griechisches Wort ist; eben so Manacanit*)Nach der, nie ohne großen Nachtheil für unsre Sprache zu vernachlässigenden Regel: Man muß alle Worte und wie vielmehr noch die Eigennahmen so schreiben, als die Sprache sie schreibt, aus der man sie entlehnt. s. Hrn. Legat. R. Hennicke im allg. Anzeiger der Deutschen 1809. N. 16. und nicht Menacanit, weil der Fundort dieses Fossils in seiner ersten Sylbe ein a hat, so gut wie Hamburg oder Frankfurt.

Im Thierreiche habe ich immer den lateini - schen Nahmen vorausgesetzt, weil da hundert exo - tische Geschöpfe vorkommen, die im Deutschen keinen bekannten verständlichen Nahmen haben. Im Mineralreiche hingegen ist der Fall umgekehrt.

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Da sind gerade die Deutschen Benennungen die bekanntesten und selbst großen Theils in andere Sprachen aufgenommen.

Beym Thierreiche ist denjenigen Gattungen, die sich in Deutschland finden, wieder so, wie in den vorigen Ausgaben, ein vorgesetzt. Im Mineralreich konnte dieß unterbleiben, weil so ein Zeichen bey den allgemein verbreiteten Fossilien überflüssig, bey vielen von denen aber, die in Deutschland selbst ein sehr eingeschränktes Vater - land haben, wie der Boracit ꝛc. unzureichend gewesen wäre.

Die Abbildungen naturhistorischer Gegenstände, die ich in der Verlagshandlung dieses Handbuchs heftweise herausgebe, beziehen sich auf die neuesten Ausgaben desselben und dienen ihnen zu einer zweckmäßigen Erläuterung.

Göttingen, im September 1814.

J. F. Blumenbach.

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Handbuch der Naturgeschichte

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[1]

Erster Abschnitt. Von Naturalien überhaupt und ihrer Eintheilung in drey Reiche.

§. 1.

Alle Körper, die sich auf, und in unserer Erde fin - den, zeigen sich entweder in derselben Gestalt und Be - schaffenheit, die sie aus der Hand des Schöpfers er - halten und durch die Wirkung der sich selbst überlasse - nen Naturkräfte angenommen haben; oder so, wie sie durch Menschen und Thiere, zu bestimmten Absichten, oder auch durch bloßen Zufall verändert und gleichsam umgeschaffen worden sind.

Auf diese Verschiedenheit gründet sich die bekann - te Eintheilung derselben in natürliche (naturalia), und durch Kunst verfertigte (artefacta). Die erstern machen den Gegenstand der Naturgeschichte*)Nur bleiben einige Naturproducte, wie z. B. das Wasser, von den ein Mahl angenommenen Gränzen der eigentlichen Naturgeschichte deshalb ausgeschlossen, weil sie passender in andern Naturwissenschaften abgehandelt werden. aus, und man pflegt alle Körper zu den Natura - lien zu rechnen, die nur noch keine wesentliche Veränderung durch Menschen erlitten ha -2 ben. Artefacten werden sie dann genannt, wenn der Mensch*) Ars, sive additus rebus homo. Bacon de Verulam. de augm. scient. L. II. L'art en géneral est l'industrie de l'homme appliquée par ses besoins, ou par son luxe, aux productions de la Na - ture. Diderot Syst. figuré des connoiss. humaines. absichtlich Veränderungen mit ihnen vorgenommen.

Anm. 1. Daß übrigens jene Begriffe vom Wesent - lichen und vom Absichtlichen im gegenwärti - gen Falle, bey so verschiedentlicher Rücksicht und Mo - dification, nicht anders als relativ seyn können, be - darf wohl keiner Erinnerung. Wie viel kommt nicht z. B. bloß auf den Gesichtspunct des Sammlers an. So kann eine Ägyptische Mumie sowohl in eine Na - turaliensammlung zur anthropologischen Suite, als in eine Sammlung altägyptischer Kunstwerke gehören.

Anm. 2. Zuweilen können Naturalien manchen Kunst - producten so ähnlich seyn, daß sie schwer von einan - der zu unterscheiden sind. Daher z. B. die ehedem getheilten Meinungen, ob der Überzug in der piscina mirabile bey Bajä ein von selbst aus dem Wasser abgesetzter Rindenstein von Kalksinter, oder aber ein absichtlich aufgetragener künstlicher Mörtel sey. ( s. Götting. gel. Anzeigen 1791. 188. S. )

§. 2.

Alle und jede natürliche Körper zeigen, 1) in Rücksicht ihrer Entstehung, 2) ihres Wachs - thums, und 3) ihrer Structur, eine doppelte Verschiedenheit.

Die einen nähmlich sind allemahl von andern na - türlichen Körpern derselben Gestalt und Art hervor ge - bracht; so daß ihre Existenz in einer ununterbrochenen Reihe bis zur ersten Schöpfung**)Oder wenigstens bis zu ihren ersten Stammältern hinauf. Denn ich habe im ersten Theile meiner Beyträge zur Naturgeschichte, Facta angeführt, die es mehr als bloß wahrscheinlich machen, daß auch selbst in der jetzigen Schö - pfung neue Gattungen von organisirten Körpern entstehen, und gleichsam nacherschaffen werden; wohin nahmentlich3 auch die erste Entstehungsweise mancher sehr einfachen und microscopischkleinen organisirten Körper, wie z. B. der mehr - sten sogenannten Infusionsthierchen zu gehören scheint. hinauf, immer an - dere dergleichen Körper voraussetzt, denen sie ihr Da - seyn zu danken haben.

Zweytens nehmen sie allerhand fremde Substan - zen als Nahrungsmittel in ihren Körper auf, assimili - ren sie den Bestandtheilen desselben, scheiden das Über - flüssige wieder aus und befördern mittelst dieser bestän - digen Erneuerung und Wechsel ihr Wachsthum von innen (durch innige Aneignung, intus susceptio, expansio).

Diese beyden Eigenschaften setzen drittens von selbst eine besondere Structur bey dieser Art von natür - lichen Körpern voraus. Sie müssen nähmlich, wenn sie auf diese Weise Nahrungsmittel zu sich nehmen und umwandeln, und mit der Zeit andere Geschöpfe ihrer Art wieder hervor bringen sollen, mancherley diesen Zwecken der Selbsterhaltung und Fortpflanzung entsprechende, deßhalb mit den sogenanten Lebens - kräften versehene, und zu einem zweckmäßigen Ganzen unter einander verbundene, Gefäße, Adern und andere Organe in ihrem Körper haben, die zur Aufnahme bestimmter Säfte, zur Assimilation jener Ali - mente, zur Erzeugung der Nachkommenschaft u. s. w. nothwendig sind.

Dieß alles fehlt bey den natürlichen Körpern der andern Art, nähmlich den Mineralien. Beydes, sowohl ihre Entstehung, als ihr Wachsthum (wenn man es gar nur Wachsthum nennen darf), wird kei - nesweges durch Ernährung, sondern lediglich nach ei -4 gentlich sogenannten bloß physischen (mechanischen und chemischen), Gesetzen, durch Anhäufung oder Ansatz homogener Theile von außen (aggregatio, juxta positio) bewirkt; folglich ist bey ihnen weder ursprüng - liche Organisation noch Lebenskraft zu erwarten.

Und eben deßhalb heißen sie unorganisirte, und jene hingegen organisirte Körper.

§. 3.

Endlich sind nun aber auch jene organisirten Körper selbst, besonders in der Art wie sie ihre Nah - rungsmittel zu sich nehmen, von einer doppelten Ver - schiedenheit.

Die einen nähmlich saugen einen sehr einfachen Nahrungssaft, vorzüglich mittelst zahlreicher Zasern, die sich am untern Ende ihres Körpers befinden, ohne merkliche willkührliche Bewegung in sich.

Da hingegen die andern eine meist einfache Haupt - öffnung am obern oder vordern Ende ihres Körpers ha - ben, die zu einem geräumigen Schlauche führt, wo - hin sie vom innern Gefühle des Hungers getrieben ihre Alimente, die von sehr verschiedener Art sind, mit - telst willkührlicher Bewegung bringen.

Jenes sind die Pflanzen, dieses die Thiere.

Anm. Hingegen gibt die Fähigkeit den Standort zu verändern (locomotivitas) kein hinreichendes Unter - scheidungszeichen der Thiere von den Pflanzen, ab. Denn viele Pflanzen, wie z. B. die gemeinen Was - serlinsen, sind nicht festgewurzelt, sondern können zu gewissen Jahrszeiten ꝛc. ihren Aufenthalt verändern, bald zu Boden sinken, bald wieder auf die Ober - fläche des Wassers steigen u. s. w. Und andererseits gibt es ganze Geschlechter von Wasserthieren, zumahl unter den Conchylien, Korallen ꝛc. die ihren einmahl eingenommenen Platz nie von selbst wieder verlassen können.

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§. 4.

Diese sehr faßliche Einteilung der natürlichen Körper in organisirte und unorganisirte (§. 2.), und der organisirten wieder unter einander (§. 3.) ist nun der Grund der bekannten drey Reiche, worunter man die Naturalien sehr schicklich gebracht hat, und wovon das erste die Thiere, das zweyte die Pflanzen, das dritte die Mineralien begreift.

Die Thiere sind demnach belebte und beseelte organisirte Körper, die sich ihre sehr vielartige Nah - rung mittelst willkührlicher Bewegung suchen, und sel - bige durch den Mund in den Magen bringen.

Die Pflanzen sind zwar ebenfalls belebte or - ganisirte Körper, aber unbeseelt, so daß sie ihren sehr homogenen Nahrungssaft ohne willkührliche Bewegung mittelst der Wurzeln einsaugen.

Die Mineralien endlich sind unbelebte und unorganisirte Körper, die folglich ohne Lebenskraft nach den bloß physischen (mechanischen und chemischen) Gesetzen von Anziehung, Anhäufung, Bildungskraft ꝛc. entstehen.

Anm. Gegen diese Eintheilung in drey Reiche, ist zu - mahl neuerlich, eine doppelte Einwendung gemacht worden.

Manche haben zwar die Kluft zwischen den or - ganisirten und unorganisirten Körpern anerkannt, aber nur keine bestimmten Gränzen zwischen Thieren und Gewächsen zugeben wollen:

Andere hingegen haben die beliebten Metaphern von Stufenfolge der Geschöpfe geradezu dahin gedeu - tet, als ob überhaupt keine bestimmbaren Einthei - lungen der Naturalien in Reiche u. s. w. Statt fänden.

Was das erste betrifft, so sollte man zwar über - haupt nicht vergessen, was so oft bey Gegenständen6 der Erfahrung der Fall ist, daß man sie weit leichter für das, was sie sind*) Facilius plerumque est rem praesentem discernere, quam verbis exacte definire. Gaubius. Allein der Fehler liegt nicht am Unterscheidungsgrunde, welcher stets wahr bleibt, sondern nur an der Schwierigkeit in manchen Fällen zu finden. J. Aug. Unzer., richtig anerkennen und von andern unterscheiden, als ihre einzelnen unterscheiden - den Merkzeichen ausfinden und angeben kann**)Mit dem gemeinen Sprachgebrauch zu reden. Denn daß wir im strengern Sinne bekanntlich nur die Erscheinungen der Dinge kennen, bedarf wohl keiner Erinnerung. Videmus enim, omnes rationes, quibus natura explicari solet, modos esse tantummodo imaginandi, nec ullius rei naturam, sed tan - tum imaginationis constitutionem indicare. Spinoza.. So sagte z. B. Linné: nullum characterem hacte - nus eruere potui, unde Homo a Simia internosca - tur. Nun glaube ich zwar in diesem Buche solche äußere Charaktere der Humanität angegeben zu ha - ben, wodurch sich der Mensch von den noch so men - schenähnlichen Affen (wie man sie nennt), so wie über - haupt von allen andern Säugthieren unverkennbar auszeichnet. Aber auch ohne dieselben wird doch hof - fentlich nie ein Naturforscher in praxi in Verlegen - heit gekommen seyn, Menschen und Affen etwa zu verwechseln. Außerdem aber können ferner Geschö - pfe aus noch so verschiedenen Classen manche theils auffallende und unerwartete Ähnlichkeit mit einander haben, ohne daß dadurch die dessen ungeachtet unver - kennbare Verschiedenheit zwischen diesen Classen selbst wegfallen dürfte. Man theilt z. B. die Thiere sehr natürlich in warmblütige und kaltblütige; und rechnet eben so natürlicher Weise die Säugethiere zu jenen und hingegen die Insecten zu diesen; ohne je deßhalb irre zu werden, daß die Bienen in ihrem Stocke so ganz ohne Vergleich wärmer sind, als etwa ein Igel während seines Winterschlafs. So gibt es in der Classe der Gewürme Geschlechter, wie z. B. die Se - pien, die sich von den übrigen Thieren dieser Classe sehr auszeichnen, und dagegen manche auffallende Ähnlichkeit mit den Fischen haben Aber niemand wird meinen, deßhalb müsse nun die Scheidewand zwischen der Classe der Fische und der Classe der Ge -7 würme aufgehoben werden. Und eben so wenig wird jemand im Ernst in Versuchung gerathen, das Thier - und Pflanzenreich deßhalb mit einander zu verbinden, weil man an gewissen Pflanzen gewisse Ähnlichkeiten mit gewissen Thieren bemerkt hat. Von der Art sind z. B. die sonderbaren Bewegungen man - cher Mimosenarten, und des hedysarum gyrans etc. die, so merkwürdig sie auch an sich bleiben, doch gar nicht einmahl in den oben angegebenen Charakter der Animalität eingreifen. So wenig als hinwiederum diejenigen Ähnlichkeiten, so die Arm-Polypen mit den Gewächsen haben, den oben bestimmten Charak - ter der Vegetabilität betreffen. Sondern, die Arm - Polypen sind Thiere, die so wie der Mensch und die Auster, vom Hunger getrieben, ihre Nahrung durch willkührliche Bewegung in den Mund bringen, was hingegen bey keiner Pflanze, in der bis jetzt bekann - ten Schöpfung, der Fall ist.

Nun und so beantwortet sich die andere Einwen - dung gegen die Naturreiche ꝛc. die sich auf die so gepriesene Metapher von Stufenfolge der Geschöpfe gründet, eigentlich von selbst.

Alle die beliebten Bilder von Kette, von Leiter, von Netz ꝛc. in der Natur, haben zwar für die Me - thodologie im Studium der Naturgeschichte in so fern ihren unverkennbaren Nutzen, als sie den Grund eines so genannten natürlichen Systems abgeben, worin man die Geschöpfe nach ihren meisten und auf - fallendsten Ähnlichkeiten, nach ihrem Totalhabitus und der darauf gegründeten so genannten Verwandt - schaft untereinander, zusammen ordnet.

Aber sie nun, wie doch so oft von wohlmeinenden Physicotheologen geschehen, dem Schöpfer in den Plan seiner Schöpfung hinein legen, und die Voll - kommenheit und den Zusammenhang derselben darin suchen zu wollen, daß die Natur (wie man sich aus - drückt) keinen Sprung thue, weil die Ge - schöpfe in Rücksicht ihrer äußern Form so fein stufenweise auf einander folgten, das wäre doch schon an sich eine vermessene Schwachheit, wenn sie auch nicht, wie doch der Fall ist, bey ernsterer Prü - fung sich selbst widerlegte*)Mehreres hierüber habe ich in der zweyten Ausg. der Beyträge zur Naturgeschichte I. Th. S. 106 u. f. gesagt..

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Denn man braucht bloß die noch so kunstreich und sorgfältig angelegten Entwürfe von solchen Stufen - folgen in der Reihe der Geschöpfe näher zu beleuch - ten, um einzusehen, wie sehr darin einerseits sich gan - ze Haufen von Geschöpfen ähnlicher Bildung in Ge - schlechtern von fast unübersehlich zahlreichen Gattun - gen (zumahl unter den Insecten und Gewürmen, aber auch im Pflanzenreiche) zusammen drängen, und an - dere dagegen gleichsam isolirt stehen, weil sie wegen ihrer ausgezeichneten ganz eigenen Bildung nicht ohne sichtlichen Zwang in einer solchen Leiter der Natur irgendwo eingeschoben und untergebracht, werden kön - nen (wie z. B. die ganze Classe der Vögel; die Schild - kröten, die schon gedachten Sepien u. a.m.) Fer - ner aber finden sich Thiere, bey welchen, wie z. E. bey den Schildläusen, Männchen und Weibchen eine so durch - aus ganz verschiedene Gestaltung haben, daß man folglich in der gedachten Leiter die einen von den an - dern trennen und nach dieser so sehr verschiedenen Se - xualform beyden auf weit von einander entfernten Sprossen ihre verschiedenen Stellen anweisen müßte. Nur dann zeigen sich Lücken in der Leiter, wo of - fenbar ohne einen sehr gewagten Sprung gar nicht überzukommen ist, wie zu Einem Beyspiel statt aller, die zwischen den organisirten Körpern und den Mine - ralien u. s. w.

So mangelhaft aber überhaupt die bildlichen Vor - stellungen von Kette der Natur u. s. w. gerathen müssen, so ganz grundlos ist nun vollends gar die vermessene Behauptung mancher Physicotheologen, als ob kein Glied aus dieser ihrer zu Papier gebrach - ten Kette ausfallen dürfte, wenn nicht die Schöpfung selbst stocken sollte u. s. w. So gut einzelne Gat - tungen von Thieren aus ganzen großen Inseln, wie z. B. die Wölfe aus Großbritannien vertilgt sind, ohne daß die dasige Schöpfung durch diese nunmeh - rige scheinbare Lücke ihren sonstigen Zusammenhang verloren haben sollte, so können andere Geschöpfe aus ganzen Welttheilen und wohl von der ganzen Erde vertilgt werden (wie dieß allem Anschein nach mit manchen, z. B. mit dem Dudu wirklich geschehen), ohne daß durch diesen merklichen hiatus, der dadurch in der Kette der Physicotheologen entsteht, der ewige stille Gang der Schöpfung selbst, im mindesten ge - fährdet werden dürfte.

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Einige Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur N. G. überhaupt.

  1. Aristoteles (lebte ungefähr 400 Jahr vor Christi Geburt.) Ej. opera, gr. lat. ex ed. Gu. du Val. Paris. 1654. IV. vol. fol. zumahl im II. B.
  2. C. Plinius Secundus ( im J. 79. nach Chr. Geb.) Ej. historia mundi. I. xxxvii ein Paar saubere und correcte Handausgaben sind die Leidner, Elzevirische 1635. III. vol. 12. und die Zweybrücker 1783. V. vol. 8.
  3. Conr. Gesner ( 1562.)
  4. Joh. Ray. ( 1705.) Die hierher gehörigen Hauptwer - ke dieser beyden Männer werden anderwärts an - geführt.
  5. C. v. Linné ( 1778) Ej. systema naturae ed. 12. Holm. 1766. IV. vol. 8. und die dazu gehörigen beyden mantissae ib 1767. sq. 8.
  6. ed.13. aucta, reformata cura Jo. Fr. Gmelin. Lips. 1788. IX. vol. 8.
  7. Und zum Verständniß der Linnéischen Kunstsprache; Jo. Reinh. Forster enchiridion historiae naturali inserviens Hal. 1788. 8.
  8. J. K. W. Illiger's Versuch einer systematischen vollstän - digen Terminologie für das Thierreich und Pflanzen - reich. Helmstädt 1800. 8.
  9. G. L. le Clerc C. de Buffon. ( 1788.) Ej. histoire natu - relle. Die Original Ausgabe, Paris, seit 1749. XXXIII. vol. 4. oder LXXII. vol. 12.

Miscellan-Werke.

  1. C. v. Linné amoenitates academicae. Holm. seit 1749 IX. vol. 8.
  2. Oeuvres de Ch. Bonnet. Neuch. 1779. sq. 4. die ersten V. Bd.

Physicotheologische und ähnliche Werke.

  1. Jo. Ray's wisdom of God manifested in the works of the creation. ed.12. Glasgow. 1750. 12.
  2. W. Derham's physicotheology. ed. 4. Lond. 1716. 8.
  3. Ch. Bonnet contemplation de la nature. (als IV. Band der gedachten Ausgabe seiner Werke.)
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Wörterbücher.

  1. Valm. de Bomare Dictionaire d'histoire naturelle. ed.4. Lyon, 1791. VII. vol. 4.
  2. Nouveau Dictionnaire d'histoire naturelle appliquée aux arts etc. par une Société de naturaliste et d'agricul - ture. Par 1804 XXIV. vol. 8.
  3. Dictionnaire des sciences naturrelles, par plusieurs Prof. du Museum National ꝛc. Par. seit 1804. 8.
  4. Ph. Andr. Nemnich allgemeines Polyglotten Lexicon der Naturgeschichte. Hamb. 1793. IV. Bd. 4.

Journale etc.

  1. Journale de physique. Paris seit 1773. 4.
  2. Magazin für das neueste aus der Physik und Naturge - schichte, herausgegeben von L. E. Lichtenberg und J. H. Voight. Gotha, 1781 bis 97. XII. B. und J. H. Voigts Magazin für den neuesten Zustand der Naturkunde. Jena seit 1797 bis 1806. ebenfalls XII. Bände 8.
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Zweyter Abschnitt. Von den organisirten Körpern überhaupt.

§. 5.

Jeder organisirte Körper (§. 2.) wird von seines Gleichen erzeugt, dann durch eigene Kraft lebens - lang ernährt, und dadurch seine Selbsterhaltung und Wachsthum, und wenn er zu seiner Reife gelangt, auch seine Fortpflanzungsfähigkeit bewirkt.

§. 6.

Zu diesen großen Verrichtungen werden die orga - nisirten Körper eben durch die Organisation ihres Baues, und durch die mit derselben verbundenen Le - benskräfte geschickt gemacht. Denn durch diese letz - tern erhalten die Organe sowohl ihre Empfänglichkeit für reitzende Eindrücke (stimuli) als ihr Bewegungsver - mögen, ohne welches beydes weder Ernährung noch Wachsthum, noch wechselseitige Einwirkung der Theile zur zweckmäßigen Erhaltung des Ganzen, und umge - kehrt*)Vergl. Kant's Kritik der Urtheilskraft. S. 285 u. f., denkbar seyn könnte.

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§. 7.

Sich die Entstehung der organisirten Körper zu erklären, hat man, zumahl neuerlich, die so ge - nannte Evolutions-Hypothese bequem gefunden, und gemeint, es werde gar kein Mensch, und kein anderes Thier, und keine Pflanze erzeugt, sondern sie lägen alle schon seit der ersten Schöpfung als völlig präformirte Keime*) Denn (so sagt Haller, das Haupt der neueren Evolutioni - sten ) alle Ein geweide und die Knochen selbst waren schon im unsichtbaren Keim vorhero gebaut gegenwärtig, obgleich in einem fast flüssigen Zustande. Und das ist doch wenigstens bestimmte Sprache.Wenn hingegen einige Neuere, um die Evolutionshypothe - se mit der Lehre von der allmählichen Bildung zu vereinba - ren, zwar zugeben, daß der Zeugungsstoff nicht präformirt sey, aber doch meinen, daß er dessen ungeachtet einen Keim ent - halte, der dennoch was anders sey, als ungeformter Zeu - gungsstoff ꝛc., so sind das unbestimmte, leere Ausdrücke. Wenigstens geht mir es dann mit solchen Quasi-Keimen, wie dem Cicero mit dem quasi corpus des Gottes der Epicuräer, wovon er sagt: corpus quid sit, intelligo: quasi corpus quid sit, nullo prorsus modo intelligo. bey ihren Ältern und Vor - fahren längstens vorräthig, die verschiedenen Genera - tionen steckten, gleichsam wie eingepackte Schachteln, in einander, und würden nur nach und nach, so wie die Reihe an sie käme, durch die Befruchtung entwi - ckelt und ans Licht gebracht. Eine Meinung, die doch schon sowohl durch den dabey erforderlichen Auf - wand von übernatürlichen (hyperphysischen) Anstalten**)S. Kant a. a. Q. S. 372., als durch die, allen Gesetzen einer phi - losophischen Naturforschung zuwiderlaufende unnütze Vervielfältigung der natürlichen (physi - schen)***)Physische Kräfte überhaupt im Gegensatz jener hy - perphysischen Anstalten. Kräfte, und durch die unübersehliche Men - ge von zwecklosen Schöpfungen aller der zahl -13 losen präformirten Keime, die nur nicht zu ihrer Ent - wickelung gelangen konnten, aller präjudizlosen Urtheils - kraft widerstehen müßte, wenn sie auch nicht durch die überwiegenden gegenseitigen Erfahrungs - gründe widerlegt würde.

Anm. Nach der einstimmigen Behauptung der allerbe - rühmtesten und allereifrigsten Verfechter der Evolu - tionshypothese, sollen die präformirten Keime bey der Mutter vorräthig liegen, und während der Befruch - tung durch die Kraft des hinzukommenden männli - chen Zeugungsstoffes erweckt und zur Entwickelung angetrieben werden. Was man Empfängniß nennt, sey folglich nichts als das Erwachen des schlaftrunke - nen Keimes durch den Reitz des auf ihn wirkenden männlichen Samens.

Also bedarf es hier zuvörderst einer erweckenden Kraft.

Nun aber ähneln ja oft Kinder zum Sprechen bloß ihrem Vater; Bätzen, die sich kurz hin - tereinander mit mehreren männlichen Hunden belau - fen haben, werfen oft Junge, die diesen verschiede - nen Vätern ähneln; zweyerley Menschenra - cen, z. B. Neger und Weiße, zeugen mit einander nothwendigen Mittelschlag, nähmlich Mulatten; und wenn nun vollends ungleiche Gattungen (verschiedene Species) von Thieren oder Gewächsen einander befruchten, so entstehen Bastarde, die eben so viel von der väterlichen als von der mütterlichen Gestaltung an sich haben.

Ja das läßt sich freylich nicht wohl verkennen: und dem zu Folge gestehen dann die Evolutionisten dem männlichen Samen, außer seiner erweckenden, nun auch Nr. 2. insofern eine bildende Kraft zu, daß er den bey der Mutter präformirt gelegenen Keim wohl in etwas zur väterlichen Gestaltung umzuformen vermöge.

Demnach wäre folglich zweyerley Kraft im männlichen Samen; 1) die erweckende und 2) doch auch eine bildende.

Aber man kann ja mittelst einer, mehrere Genera - tionen hindurch immer wiederhohlten, künstlichen Ba - stardzeugung endlich die Eine Gattung von organi - sirten Körpern gänzlich in die andere umwandeln. 14So hat man z. B. aus der künstlichen Befruchtung der Einen Pflanzengattung mittelst des männlichen Staubes von einer andern, Samen gezogen, wel - cher fecundabele Bastardpflanzen gegeben; d. h. die sich zur Blühezeit abermahls mit männlichem Staub von jener andern Gattung befruchten lassen, und wie - derum fecundabele Bastarde der zweyten Gene - ration hervorgebracht. Jene Bastarde von der ersten Generation hielten gleichsam das Mittel zwischen bey - den verschiedenen Stammältern von väterlicher und mütterlicher Seite. Die von der zweyten hingegen ähnelten schon weit mehr der väterlichen, als der mütterlichen. Und nachdem die gleiche künstliche Be - fruchtung noch fernerweit durch zwey folgende Gene - rationen eben so wiederhohlt worden, so entstanden endlich Pflanzen, an welchen die ursprüngliche müt - terliche Gestaltung so zu sagen ganz verwischt, und in die väterliche umgewandelt worden. (s. Köl - reuter's dritte Fortsetzung der Nachricht von einigen das Geschlecht der Pflanzen betreffenden Versuchen S 51. §. 24. mit der Überschrift: Gänzlich voll - brachte Verwandlung einer natürlichen Pflanzengattung in die andere. )

Da hat denn sogleich alle Präformation des seit Erschaffung der Welt conservirten mütterlichen Keims am Ende zu nichts geholfen, sondern hat der bilden - den Kraft des männlichen Stoffes (der eigentlich nach der Evolutionshypothese bloß durch seine erwecken - de Kraft auf denselben hätte wirken sollen,) gänzlich weichen müssen!

§. 8.

Und so bleibt es folglich im Ganzen unserem Er - kenntnißvermögen und selbst den Regeln aller philoso - phischen Naturforschung*) Causas rerum naturalium non plures admitti debere, quam quae et verae sint et earum phaenomenis explicandis suf - ficiant: ist ja die erste von Newton's goldenen regulis philosophandi. weit angemessener, wenn man die Entstehung der neuerzeugten organisirten Körper bloß durch allmähliche Ausbildung15 (Epigenesis) des an sich zwar ungeformten, aber un - ter den dazu erforderlichen Umständen organisirbaren Zeugungsstoffes, erklärt.

Nur kommt es bey der vielfachen Vorstellungsart, die man sich von einer solchen allmählichen Bildung machen kann und gemacht hat*)Denn wenn z. B. Mazini meinte, daß die Kinder bey ih - rer Empfängniß im Mutterleibe bloß anschössen (ungefähr wie der Candis-Zucker), so war das auch eine Art Epigenese.Aber das schlechterdings Unstatthafte aller solchen bloß me - chanischen Erklärungsarten der allmählichen Ausbildung or - ganisirter Körper durch eine sogenannte vis plastica (wie es unsere ehrlichen Alten nannten), als welche eben so gut im Mineralreich Statt hat, ergibt sich von selbst aus dem Begriff von organisirten Körpern, als welcher durchaus zugleich Zweck - mäßigkeit involvirt. s. Kant a. a. O. S. 292., darauf an, sie so zu bestimmen, wie sie dem Begriff von organisirten Kör - pern, und dann den Phänomenen, die uns die Be - obachtung bey Entstehung derselben lehrt, am unge - zwungensten entspricht.

§. 9.

Und dieß geschieht, wenn man annimmt, daß der reife, vorher zwar ungeformte, aber organisirba - re Zeugungsstoff der Ältern, wenn er zu seiner Zeit, und unter den erforderlichen Umständen an den Ort seiner Bestimmung gelangt, dann für eine in den - selben nun zweckmäßig wirkende Lebenskraft, nähm - lich den Bildungstrieb (nisus formativus) zu - erst empfänglich wird; für einen Trieb, der sich von aller bloß mechanischen bildenden Kraft (als wel - che auch im unorganischen Reiche Krystallisationen**)Die Krystallisationen unterscheiden sich von den organisirten Kör - pern selbst schon durch die geometrische Regularität ihrer fast immer geradlinichten Umrisse, die auf wenige Fundamentalfor - men reducirbar sind; da hingegen die Gestaltungen der Thie - re und Gewächse eben wegen ihrer unübersehbar vielartigen Zweckmäßigkeit zu bestimmten Verrichtungen auch in unü - bersehlich vielartige Formen (von endlos variirenden Umrissen) gebildet werden mußten.16 u. dgl. hervorbringt) dadurch auszeichnet, daß er nach der endlos mannigfaltig verschiedenen Bestim - mung der organisirten Körper und ihrer Theile, die vielartig organisirbaren Zeugungsstoffe auf eben so mannigfaltig, aber zweckmäßig modificirte Weise in bestimmte Gestalten zu formen vermag und so ( durch die Verbindung des Mechanischen mit dem zweckmäßig Modificirbaren in diesem Triebe*)Von dieser Verbindung der beyden Principien, des mecha - nischen mit dem teleologischen, die man sonst bey Erklä - rung der Entstehungsart organisirter Körper für unvereinbar gehalten, und worin gerade das Auszeichnende im Begriffe von Bildungstrieb liegt; davon gibt zumahl die vergleichen - de Anatomie auffallend einleuchtende Beyspiele in Menge, de - ren ich manche in meinem Handbuch derselben S. 65. und an - derw., auch in Hrn. Hofr. Voigt's neuen Magazin B. II. S. 213. angeführt habe. ) zuerst bey der Empfängniß die allmählige Aus - bildung; dann aber auch die lebenswierige Erhaltung dieser organischen Bildung durch die Ernährung; und selbst wenn dieselbe durch Zufall gelitten haben sollte, so viel möglich die Wiederersetzung derselben durch die Reproduction, bewirkt wird**)Dieß alles habe ich in der dritten Ausgabe der Schrift über den Bildungstrieb. Göttingen 1791. 8. weiter ausge - führt..

Anm. 1. Diese allmählige Ausbildung der neuen or - ganisirten Körper ist am anschaulichsten an solchen zu betrachten, die mit einer ganz ansehnlichen Größe ein schnelles (so zu sagen zusehendes merkliches) Wachs - thum, und eine so zarte halbdurchsichtige Textur ver - binden, daß sie (zumahl im sattsamen Lichte und un - ter mäßiger Vergrößerung) auf das deutlichste, klar - ste durchschaut werden können.

So im Gewächsreiche an manchen einfachen Was - sermoosen, wie z. B. an der Brunnen-Conserve (Conserva fontinalis Ceramium caesnitosum ROTH. ) die sich in den ersten Frühlingstagen fortpflanzt. ( Ab - bild. n. h. Gegenst. tab. 49. )

17

Unter den blutlosen Thieren an den Arm-Polypen.

Und unter den warmblütigen an der ersten Er - scheinung des Küchelchens im bebrüteten Eye und seiner dann von Tag zu Tag fortrückenden Aus - bildung.

Anm. 2. Hoffentlich ist für die mehresten Leser die Er - innerung überflüssig, daß das Wort Bildungstrieb selbst, so gut wie die Benennungen aller anderen Arten von Lebenskräften an sich weiter nichts erklä - ren, sondern bloß eine besondere (das Mechanische mit dem zweckmäßig Modificirbaren in sich vereinen - de) Kraft unterscheidend bezeichnen soll, deren con - stante Wirkung aus der Erfahrung anerkannt wor - den, deren Ursache aber so gut, wie die Ursache aller anderen noch so allgemein anerkannten Natur - kräfte für uns hienieden im eigentlichen Wortverstan - de qualitas occulta bleibt*) Il fallait respecter les qualités occultes; car depuis le brin d'hérbe que l'ambre attira, jusqu'à la route que tant d'a - stres suivent dans l'espace: depuis la formation d'une mite dans un fromage jusqu'à la Galaxie; soit que vous consi - dériez une pierre qui tombe, soit que vous suiviez le cours d'une comète traversant les cieux, tout est qualité occul - te. Voltaire.. Das hindert aber nicht, daß man nicht immer mehr suchen sollte, ihre Wir - kungen durch Beobachtung weiter zu erforschen und zu verfolgen, und sie so auf allgemeine Gesetze zu - rück zu bringen.

§. 10.

Durch die bestimmte zweckmäßige Wirksamkeit des Bildungstriebes in den bestimmten dafür empfäng - lichen orgainsirbaren Stoffen, wird nun die eben so bestimmte Form und der Habitus aller einzelnen Gat - tungen (Species) von organisirten Körpern erhalten; und bey denen, wo es Statt findet, auch ihre Se - xual-Verschiedenheit, durch welche sich nähmlich die männlichen Geschöpfe von den weiblichen in derselben Gattung auszeichnen.

18

§. 11.

Aber freylich kann der Bildungstrieb auch eben sowohl als jede andere in ihrer Thätigkeit gestörte oder fremdartig modificirte Lebenskraft auf mancherley Weise von seiner eigentlichen bestimmten Richtung abweichen*)Ausführlicher habe ich von diesen Abweichungen gehandelt in einer Commentatio de anomalis et vitiosis quibusdam nisus formatiui aberrationibus. Gott. 1813. 4. Mit Kupf..

So entstehen dann ( der bloß krankhaf - ten, nicht in das Gebiethe der Naturgeschichte gehö - rigen Abweichungen, zu geschweigen ) 1) durch ganz gewaltsame Störungen desselben ganz widerna - türliche**)Widernatürliche versteht sich wieder nach dem allgemeinen Sprachgebrauch des Wortes. Man hat gemeint es sey bes - ser ungewöhnlich zu sagen als widernatürlich. Aber das sind zwey sehr verschiedene Begriffe, deren Verwechselung selbst zwar nicht ungewöhnlich aber gewiß nicht natürlich ist. Formen der organisirten Körper, nähmlich die Mißgeburten.

2) Dadurch, daß bei zweyfache Sexual-Cha - rakter, der sonst in den beyden Geschlechtern getrennt seyn sollte, mehr oder weniger in einem und eben demselben Individuum verbunden ist, die Zwitter.

3) Dadurch, daß zwey Geschöpfe ganz verschie - dener Gattung (zweyerley Species) einander befruch - ten, die Bastarde.

Endlich 4) durch den Einfluß der mancherley Ur - sachen der allmählichen Ausartung, die Racen und Spielarten.

§. 12.

Unter Mißgeburt versteht man, nach dem gemeinen Sprachgebrauche, eine widernatürliche, an -19 geborne, leicht in die Augen fallende Verunstaltung in Bildung äußerer, größerer Theile. So mannig - faltig aber diese Mißgestalten seyn können, so lassen sie sich doch alle auf folgende vier Hauptclassen zurück bringen*)Einen abenteuerlich mißgestalteten Ferkelkopf aus meiner Sammlung, an welchem sich alle diese vier Hauptarten von Monstrosität vereint finden, s. in den Abbild. n. h. Gegenst. tab. 61.:

1) M. G. mit widernatürlicher Bildung einzel - ner Glieder. Fabrica aliena.

2) M. G. mit Versetzung oder widernatürlicher Lage einzelner Glieder. Situs mutatus. Die seltensten von allen ( nähmlich unter Mißge - burten in dem angegebenen Sinne. Oft hat man hingegen bey Leichenöffnungen wohlgebildeter Menschen manche ihrer Eingeweide in ganz verkehrter Lage gefunden ).

3) M. G. denen ganze Glieder mangeln. Monstra per defectum. Unter diesen die lehr - reichsten.

4) M. G. mit überzähligen Gliedern. Mon - stra per excessum. Die gemeinsten ( selbst nicht selten unter wilden Thieren, z. B. Ha - sen). Theils gar erblich, wie z. B. in den sechsfingerigen Familien, und bey Hühnern mit fünf oder sechs Zehen.

Anm. Die auffallende Ähnlichkeit unter so vielen Mon - strositäten beweiset, daß auch selbst diese Abweichun - gen des Bildungstriebes dennoch bestimmten Gesetzen folgen müssen; so wie hingegen die bekannte Erfah - rung, daß die Hausthiere seit ihrer Unterjochung und die cultivirten Gartenpflanzen denselben weit mehr als in20 ihrem wilden Zustande unterworfen sind (daß z. B. Mißgeburten unter den Hausschweinen so häufig, unter den wilden Schweinen hingegen fast unerhört sind), sich mit der Lehre der Evolutionisten, daß die Keime dieser Mißgeburten ebenfalls seit der ersten Schöpfung schon monströs präformirt einge - schachtelt gelegen, wohl schwerlich zusammen rei - men läßt.

§. 13.

Zwitter nennt man zwar im engern Sinne bloß solche einzelne Individuen von organisirten Kör - pern, bey welchen widernatürlicher Weise die Spu - ren der zweyfachen eigentlichen Sexual-Organe mehr oder weniger verbunden sind, die sonst, in den männ - lichen und weiblichen Geschöpfen derselben Art, ge - trennt seyn sollten. Dergleichen finden sich selbst zu - weilen unter den warmblütigen Thieren; zumahl un - ter dem Rindvieh, Schafen und Ziegen.

Nächstdem aber verdient auch diejenige Abwei - chung des Bildungstriebes hier einer Erwähnung, wenn andere körperliche Functionen oder Charaktere, die dem einen Geschlechte eigen seyn sollten, sich bey Individuen des andern äußern. Wenn z. B. Hirsch - kühe und Rehe Geweihe aufsetzen; oder Fasan - und Pfau-Hennen mit zunehmenden Jahren männliches Gefieder kriegen; oder Mannspersonen oder andere männliche Säugethiere Milch geben*)Von dieser Anomalie habe ich im Hannoverschen Maga - zin v. J. 1737. S. 753. u. f. gehandelt. u. s. w.

Endlich aber zeigt sich auch zuweilen im ganzen Verhältniß des Körperbaues einzelner, übrigens noch so regelmäßig und schön gebildeter Geschöpfe des einen Geschlechts doch mehr oder weniger vom Totalhabitus21 des andern; z. B. weibliche Weichlichkeit in der To - talform des männlichen .*)Mehr hierüber s. in meinem Specimen historiae naturalis an - tiquae artis operibus illustratae eaque vicissim illustrantis. Gott. 1808. 4. Mit Kupf. S. 14. u. f..

§. 14.

Wenn ein weibliches Geschöpf der einen Gattung von einem männlichen einer andern Gattung befruch - tet worden, so entstehen daraus Bastarde, deren Bildung aus der beyderley Ältern ihrer gleichsam zu - sammengeschmolzen ist**)Blendlinge hingegen heißen zwar ebenfalls bastardartige Geschöpfe, die nur nicht aus der Vermischung von zweyerley specifisch verschiedenen Ältern, sondern nur aus den von verschiedenen Racen der nähmlichen Gattung, erzeugt wer - den; wie z. B. selbst im Menschen-Geschlechte die Mulat - ten ꝛc. (§. 15.). Da aber von der bestimmten Bildung der organisirten Körper, besonders der Thiere, die behörige und für den Gang der Schö - pfung so äußerst wichtige Vollziehung ihrer Geschäfte abhängt, so ist es eine weise Einrichtung in der Na - tur, daß erstens, wenigstens unter den rothblütigen Thieren, in ihrem freyen Natur-Zustande meines Wissens niemahls eine Paarung und Vermischung un - ter zweyerley Gattungen bemerkt worden; zweytens aber die Bastarde überhaupt meistentheils unfruchtbar, und nur sehr selten im Stande sind, ihr Geschlecht weiter fortzupflanzen. Daher gehört es zu den selt - nern Ausnahmen, wenn Maulthiere, oder die Ba - starde von Hänflingen und Canarienvögeln zuweilen fruchtbar sind. Bey den Pflanzen gelingt es leichter, daß durch künstliche Befruchtung verschiedener Gat - tungen Bastarde hervorgebracht werden können, die fruchtbaren Samen tragen (s. oben S. 15.). Hingegen22 bedürfen die fabelhaften Sagen von vermeinten Bastar - den aus der Vermischung vom Rindvieh und Pferden oder Eseln, und von Kaninchen und Hühnern, oder vollends gar von Menschen und Vieh, jetzt hoffentlich keiner weitern Widerlegung.

Anm. Eben in der gedachten notorischen Erfahrung, daß im freyen Natur-Zustande jener Geschöpfe nur die von einer und eben derselben Species sich mit ein - ander gatten, liegt der natürliche Grund, warum das Wort Species im Deutschen am allernatürlichsten durch Gattung übersetzt wird (davon mit mehreren in der Vorrede).

§. 15.

Racen und Spielarten (varietates) sind diejenigen Abweichungen von der ursprünglichen spe - cifiken Gestaltung der einzelnen Gattungen organisir - ter Körper, so diese durch die allmähliche Ausartung oder Degeneration erlitten haben.

Race heißt aber im genauern Sinne ein sol - cher durch Degeneration entstandener Charakter, der durch die Fortpflanzung unausbleiblich und nothwen - dig forterbt, wie z. B. wenn Weiße mit den Negern, Mulatten, oder mit Amerikanischen Indianern Me - stissen zeugen: welches hingegen bey den Spielar - ten keine nothwendige Folge ist; wie z. B. wenn blauäugige Blonde mit braunäugigen Brünetten Kin - der zeugen*)Diesen Unterschied zwischen Racen und Spielarten hat zuerst Kant genau bestimmt, im Deutschen Mercur 1788. I. B. S. 48. S. hiervon ausführlich Girtanner über das Kanti - sche Princip für die Naturgeschichte. Göttingen 1796. 8..

Anm. Wenn sich gewisse Ausartungen feit unabsehlichen Reihen von Generationen fortgepflanzt haben, so23 hält es oft schwer zu bestimmen, ob das bloße Racen oder ursprünglich verschiedene Gattungen (Species sind? Wenigstens gibt es dann zur Entscheidung in dergleichen Fällen keine andern in praxi anwendbare Regeln, als die, so aus der Analogie abstrahirt sind; da hingegen die, so Ray, Büffon und andere angenommen haben, den Charakter von Species darnach zu bestimmen, wenn die Geschöpfe mit ein - ander fruchtbare Nachkommenschaft zeugen, zu diesem Behuf sehr unzulänglich und schwankend ist.

Denn abgerechnet, daß die Anwendung dieser Re - gel ohnehin bey den unzähligen Thieren und Pflanzen wegfällt, die sich ohne Paarung fortpflanzen (s. un - ten §. 20), so findet sie auch in unzähligen andern Fällen wegen unüberwindlicher Schwierigkeiten nicht Statt, wie z. B. bey Entscheidung der Frage, ob der Asiatische und der Afrikanische Elephant zu einerley Species gehören oder nicht? Und selbst da, wo die Erfahrung Statt hat, wie z. B. bey der Vermischung von Pferd und Esel, fragt sich wieder, soll da der gewöhnliche oder aber der äußerst seltene Erfolg als Regel angesehen werden. Denn gewöhnlich sind die Maulthiere steril, und nur in äußerst seltenen Fällen hat man sie zur Fortpflanzung fähig befunden. Wollte man also diesen wunderseltenen Fall als Regel gelten lassen, so müßte man Pferd und Esel für Thiere der - selben Species halten, ungeachtet sie in ihrem ganzen Körperbau zumahl im Innern (und nahmentlich in der ganz auffallend verschiedenen Einrichtung ihrer Stimmwerkzeuge), wenigstens eben so specifisch von einander differiren als Löwe und Katze. Da stimmt hingegen alle Analogie dafür, sie als zwey ganz ver - schiedene Gattungen anzuerkennen. Und eben diesem Grundsatze der Analogie gemäß halte ich auch die ge - dachten beyderley Elephanten für ganz verschiedene Gattungen, weil ihr Gebiß eine so constante auf - fallende Verschiedenheit zeigt, die sich unmöglich als bloße Folge der Degeneration gedenken läßt.

§. 16.

Zu den mancherley Ursachen der Ausartung ge - hören vorzüglichst der Einfluß des Himmelsstriches, der Nahrung, und bey Menschen und Thieren auch der Lebensart.

24

Kaltes Clima z. B. unterdrückt das Wachsthum der organisirten Körper, und darum sind die Grön - länder, Lappländer ꝛc., so wie die Thiere und Ge - wächse kalter Erdstriche, klein, untersetzt. Eben so bringt dieses Clima weiße Farbe an Thieren und Ge - wächsen hervor, und darum sind die Nordländer von Natur von weißer Haut ꝛc., so wie viele warmblü - tige Thiere der kältesten Gegenden anomalisch weiße Haare und Federn, viele Pflanzen daselbst anomalisch weiße Blüthen haben u. s. w. Dagegen tragen die Creolen (d. h. die in Ost - und West-Indien von Europäischen Ältern geborenen Weißen) das un - verkennbare, meist wunderschöne Gepräge ihrer südli - chen Heimath an sich.

Wie sehr aber verschiedene Lebensart, Cultur und Nahrungsmittel nach und nach die Bildung, Farbe und ganze Constitution der organisirten Kör - per umzuändern vermöge, davon sehen wir an unsern Hausthieren*)S. über Menschen-Racen und Schweine-Racen in Voigt's Magazin. VI. B. 1. St. S. 1. u. f., an unserem Getreide, Obst, - chen-Gewachsen, Blumen-Floren ꝛc. am aller - auffallendsten aber bey den Verschiedenheiten im Menschen-Geschlechte selbst, die augenscheinlichsten Beyspiele.

Diese mancherley Ursachen der Degeneration können nun aber nach Verschiedenheit der Umstände einander entweder unterstützen, und die Ausartung um so schneller und auffallender machen, oder aber auch wieder gewisser Maßen einander aufheben u. s. w.;25 daher man in dieser Untersuchung bey der Anwendung auf einzelne Fälle nie zu voreilig urtheilen darf.

Anm. 1. So gibt es z. B. selbst unter der Linie kalte Erdstriche, wie im Innern von Sumatra ꝛc. Hinge - gen bringt Sibirien gar viele Gewächse der wärmern Gegenden hervor, die in weit südlichern Ländern von Europa nicht fortkommen.

Anm. 2. Sonderbar ist die individuelle Wirkung, die einige Climate auf die organisirten Körper, zumahl des Thierreichs, äußern. So, daß z. B. in Syrien die Katzen, Kaninchen, Ziegen ꝛc. so auffallend lan - ges und weißes Haar haben; auf Corsica die Pfer - de, Hunde ꝛc. so auszeichnend gefleckt sind; auf Guinea Menschen, Hunde und Hühner zu Regern in ihrer Art werden u. s. w.

§. 17.

Die Ernährung der organisirten Körper geht auf verschiedene Weise vor sich. Den Pflanzen wird ihre einfache Nahrung durch Wurzeln, die sich au - ßerhalb ihres. Stammes am einen Ende desselben befinden, zugeführt. Die Thiere hingegen haben, wie sich Boerhaave ausdrückte, gleichsam ihre Wur - zeln innerhalb ihres Körpers, nähmlich im Ma - gen und Darmcanal, wo der nahrhafte Theil der Alimente durch unzählige Gefäßchen, fast wie bey den Pflanzen durch Wurzeln, eingesogen und dem übri - gen Körper zugeführt wird.

Der brauchbare Theil der Nahrungsmittel wird durch einen bewunderungswürdigen Proceß dem Stoff der organisirten Körper assimilirt; der überflüssi - ge hingegen ausgedunstet; und bey den Thieren, die keinen so einfachen Nahrungssaft wie die Pflanzen zu sich nehmen, auch durch andere Wege als Unrath ausgeworfen.

26

§. 18.

Das Wachsthum der organisirten Körper ist die Folge ihrer Ernährung. Die meisten erreichen früh die bestimmte Größe ihres Körpers. Von manchen Bäumen aber, wie z. B. von der Norfolkinsel-Fichte (Columnia pinifolia), der Kohlpalme (Areca ole - racea), dem Baobab (Adansonia digitata) ꝛc., auch von einigen andern Gewächsen, z. B. vom Ro - tang (Calamus rotang) und so auch von manchen Thieren, wie z. B. von vielen Gattungen der Band - würmer und selbst von den Krokodillen und großen Wasserschlangen läßt sich schwerlich sagen, ob und wann in ihrem Leben sie aufhören an Länge oder Dicke zuzunehmen.

§. 19.

Zum Wachsthum der organisirten Körper gehört auch ihre Reproductions-Kraft, oder die merkwürdige Eigenschaft, daß sich verstümmelte oder völlig verlorne Theile ihres Körpers von selbst wieder ergänzen. Diese bewundernswerthe Einrichtung in der organisirten Schöpfung sichert die Thiere und die Pflanzen bey tausend Gefahren, wo ihr Körper ver - letzt wird: und ist folglich auch, nebst der Ernährung überhaupt, einer der größten Vorzüge, wodurch die Maschinen aus der Hand des Schöpfers bey weitem über die größten Kunstwerke der Menschen erhoben werden, als welchen ihre Verfertiger keine Kraft mit - theilen können, ihre Triebfedern und Räder, wenn sie verbogen, verstümmelt und abgenutzt würden, von selbst wieder herzustellen: eine Kraft, die hingegen der Schöpfer jedem Thier und jeder Pflanze nur in verschiedenem Maße beygelegt hat.

27

Viele organisirte Körper verlieren zu bestimmten Zeiten, gewisse Theile ihres Körpers von freyen Stü - cken, die ihnen nachher wieder reproducirt werden; wohin das Abwerfen der Geweihe, das Mausern der Vögel, die Häutung der Schlangen, der Raupen, das Schälen der Krebse, das Entblättern der Gewäch - se u. s. w. gehört. Man könnte dieß die gewöhnli - che Reproduction nennen.

Die andere hingegen ist die außerordent - liche, von der hier eigentlich die Rede ist, da nähm - lich dem organisirten Körper, zumahl den Thieren, Wunden, Beinbrüche ꝛc. geheilt, oder gar durch Unfall verstümmelte und verlorene Theile wieder ersetzt werden. Der Mensch und die ihm zunächst verwandten Thiere besitzen eine freylich sehr eingeschränkte Reproductions - kraft: die hingegen bey vielen kaltblütigen Thieren, besonders bey den Wasser-Molchen, Krebsen, Land - Schnecken, Regenwürmern, See-Anemonen, See - Sternen, Arm-Polypen ꝛc. von einer ausnehmenden Stärke und Vollkommenheit ist.

Anm. Vor mehreren Jahren habe ich einem Wassermolch der größern Art (Lacerta lacustris), den ich nun in Spiritus aufbewahre, fast das ganze Auge exstirpirt; nähmlich alle Säfte auslaufen lassen und dann 4 / 5 der ausgeleerten Häute rein ausgeschnitten: und doch hat sich binnen zehn Monathen ein vollkommener neuer Augapfel mit neuer Hornhaut, Augenstern, Krystall-Linse ꝛc. reproducirt, der sich bloß dadurch vom andern gesunden Auge auszeichnet, daß er nur erst ungefähr halb so groß ist. (s. Götting. gel. Anz. 1785. 47. St.)

§. 20.

Wenn die organisirten Körper durch Ernährung und Wachsthum zu ihrer vollen Reife gelangen, so28 erhalten sie dann auch das Fortpflanzungsver - mögen (§. 5.), das aber auf eine sehr verschiedene Weise vollzogen wird. Überhaupt nähmlich ist entwe - der schon jedes Individuum für sich im Stande, sein Geschlecht fortzupflanzen; oder aber müssen sich ihrer zwey mir einander paaren oder begatten, wenn sie neue organisirte Körper ihrer Art hervor bringen sollen.

Die mannigfaltigen besondern Verschiedenheiten in diesen beyderley Hauptweisen der Fortpflanzung las - sen sich doch füglich unter folgende vier Arten bringen:

1) Jedes Individuum vermehrt sich auf die einfach - ste Weise, ohne vorher gegangene Befruchtung: entweder durch Theilung, wie manche Infusions - Thierchen*)J. Ellis in den philos. Transact. vol. LIX. P. I. S. 138 u. f. tab. 6. fig. 1-6. und Blumen-Polypen**)A. Trembley ebendaselbst. vol. XLIII. N. 474. S. 175 u. f. und vol. XLII. N. 484. S. 138. u. f.; oder wie bey der Brunnen-Conserve so, daß das alte fa - denartige Gewächs am einen Ende zu einem kug - lichen Knöpfchen anschwillt, das nachher abfällt und wieder zu einem solchen Faden ausgetrieben und umgebildet wird (Abbild. n. h. Gegenst. tab. 49.); oder durch Sprossen wie die Arm - Polypen und viele Gewächse u. s. w.

2) Jedes Individuum ist zwar auch im Stande sich fortzupflanzen, hat aber als ein wahrer Zwit - ter beyderley Geschlechtstheile an seinem Leibe, und muß vorher, wenn es Thier ist, die bey sich habenden weiblichen Eyerchen mir männlichem Samen und wenn es Pflanze ist, seine weib - lichen Samenkörner mit männlichem Blumenstaub29 begießen und dadurch befruchten, ehe sich ein Junges daraus bilden kann. Dieß ist der Fall bey den mehresten Gewächsen, und im Thierreich, wie es scheint, bey manchen Muscheln.

3) Ebenfalls beyde Geschlechter, wie bey den Her - maphroditen der vorigen Classe, in einem Indi - viduo verknüpft; doch daß keines sich selbst zu be - fruchten im Stande ist, sondern immer ihrer zwey sich zusammen paaren und wechselseitig ein - ander befruchten und befruchtet werden müssen. Diese sonderbare Einrichtung findet sich nur bey wenigen Thieren; beym Regenwurm, bey man - chen Land-Schnecken*)Swammerdam biblia naturae. P. 157. tab. 8. fig. 6. ꝛc.

4) Die beyden Geschlechter in separaten Indivi - duis, von denen das eine die weiblichen Theile oder Eyer, das andere den männlichen befruch - tenden Saft enthält. So alle rothblütige und viele andere Thiere, und so auch manche Pflan - zen, wie die Palmen, der Hopfen, die mehre - sten Moose ꝛc.

Einige Thiere dieser Classe geben die Eyer selbst von sich, in welchen sich erst nachher das Junge vollends ausbildet. Dieß sind die eyerlegenden Thiele (ovipara). Bey andern aber wird dieß Ey so lange in der Gebärmutter zurück behalten, bis das Junge vollkommen ausgebildet worden, und nun von seinen Hüllen befreyt zur Welt kommen kann; lebendig gebärende Thiere (vivipara).

Anm. Quae actu animal pariunt, vivipara dicuntur; quae potentia, ouipara. Harvey.

30

Wie unwesentlich aber der Unterschied zwischen Eyer legen und lebendig gebären sey, erweisen die Beyspiele der Blattläuse und Federbusch-Polypen, die sich nach den verschiedenen Jahrszeiten bald auf die eine, bald auf die andere Weise fortpflanzen; und mancher Schlangen, die zwar Eyer legen, in welchen aber schon das ganz ausgebildete Thier enthalten ist. Gewisser Maßen könnte man mit diesem letztern Falle diejenigen Pflanzen vergleichen, in deren reifen Sa - menkörnern ein grüner Pflanzenkeim eingeschlossen liegt, wie z. B. bey den sogenannten Ägyptischen Bohnen von der Nymphaea nelumbo.

§. 21.

Nachdem die organisirten Körper die Bestimmungen ihres Lebens erfüllt haben, so weicht endlich alle Le - benskraft von ihnen, und sie sterben. Die wenigsten erreichen aber das Ziel, das ihnen die Natur zum Lau - fe ihres Lebens vorgesteckt hat, sondern tausenderley Zufälle verkürzen ihnen diesen Weg, meist lange vor der bestimmten Zeit. So rechnet man z. B., daß von 1000 gebornen Menschen nur ungefähr 76 vor Alter sterben; und von den großen furchtbaren Amphibien, Krokodillen, Riesenschlangen ꝛc. erreicht vielleicht nicht das tausendste sein gesetztes Alter und Größe. Nach dem Tode der Thiere und Pflanzen wird ihr Körper durch Gährung, Fäulniß oder Verbrennen, kurz durch die chemische Zersetzung seiner Urstoffe allmählich auf - gelöset, mithin ihr Organismus zerstört, und ihre Asche endlich mit der übrigen Erde vermengt, die ihnen vorher Nahrung und Aufenthalt gegeben hatte.

31

Dritter Abschnitt. Von den Thieren überhaupt.

§. 22.

So endlos vielartig die Bildung und der Bau der Thiere ist, so scheinen sie doch sämmtlich (oder höch - stens bis auf wenige Ausnahmen mancher sogenann - ten Infusionsthierchen ꝛc. ) den Mund (§. 3.) mit einander gemein zu haben, durch welchen sie dem Körper feine Nahrung zuführen: und statt daß die Pflanzen ihren sehr einfachen Nahrungssaft aus Luft, Wasser und Erde einsaugen, so ist hingegen der Thie - le ihr Futter äußerst mannigfaltig, und wird bey - nahe ohne Ausnahme aus den organisirten Reichen selbst entlehnt; und sie müssen es, durch die peinlichen Ge - fühle des Hungers getrieben, mittelst willkührli - cher Bewegung zu sich nehmen, um dadurch ihre Selbsterhaltung zu bewirken.

§. 23.

Bey den insgemein so genannten vollkomm - neren Thieren wird der abgesonderte Nahrungssaft zu - vor mit dem Blute, das in seinen Adern circulirt, vermischt, und von da erst in die übrigen Bestandthei - le des Körpers abgesetzt. Dieses eigentlich sogenannte Blut ist von rother Farbe, aber in Rücksicht seiner Wärme bey den verschiedenen Classen dieser rothblü -32 tigen Thiere von doppelter Verschiedenheit. Bey den einen (nähmlich bey den Amphibien und Fischen) hält es meist ungefähr die Temperatur des Mediums, in welchem sie sich befinden, daher sie kaltblütig ge - nannt werden. Bey den andern aber, die deßhalb warmblütig heißen (den Sáugethieren und - geln), zeigt es in ihrem vollkommen belebten Zustan - de immer eine Wärme von ungef. 100 Gr. Fahrenh. mehr oder weniger. Der Saft hingegen, welcher bey den sogenannten weißblütigen Thieren (nähmlich bey den Insecten und Gewürmen) die Stelle des Bluts vertritt, unterscheidet sich besonders durch den Mangel der rothen Kügelchen, von jenem eigentlich so genann - ten Blute.

§. 24.

Das Blut der Thiere mag nun aber weiß oder roth, kalt oder warm seyn, so muß es im gesunden Zustande immer mit frischen Portionen eines zum Le - ben nothwendigen Stoffes (des sogenannten Sau - erstoffs oder Oxygens) aus der atmosphärischen Luft oder aus dem Wasser geschwängert werden, wogegen es gleiche Portionen eines andern Stoffes (des Kohlenstoffes) aus dem Körper wiederum fortschafft. Zu diesem merkwürdigen lebenswierigen Proceß in dem belebten thierischen Laboratorium dient vorzüg - lichst das Athemhohlen; welches die rothblütigen Thiere entweder durch Lungen, oder wie die Fische durch Kiemen; die weißblütigen aber mittelst man - cherley anderer analogen Organe verrichten.

§. 25.

Nur diejenigen Thiere, die mit Lungen versehen sind, können auch Stimme (vox) von sich geben. 33Der Mensch hat sich außer der ihm angebornen Stim - me auch noch die Rede (loquela) erfunden.

§. 26.

Die Organe, wodurch die willkührlichen Bewe - gungen unmittelbar vollzogen werden, sind die Mus - keln, die bey den rothblütigen Thieren das eigentlich so genannte Fleisch ausmachen. Nur bey einigen ganz einfach gebauten Thieren, wie die Polypen, sind diese Bewegungs-Organe von dem übrigen gallertigen Stoffe nicht zu unterscheiden.

§. 27.

Außerdem finden sich aber auch einige wenige Muskeln, über welche der Wille nichts vermag. So z. B. das Herz, als welches lebenslang unaufhörlich (beym Menschen ungefähr 4500 Mahl in jeder Stun - de), und zwar ohne wie andere Muskeln zu ermüden, oder endlich zu schmerzen, als Haupttriebfeder des Blutumlaufs, in seiner schlagenden Bewegung ist.

§. 28.

Beyde Arten von Muskeln aber, die unwillkühr - lichen sowohl als die, so sich nach dem Entschlusse des Willens bewegen, bedürfen zu diesem ihren Bewe - gungsvermögen des Einflusses der Nerven.

§. 29.

Diese Nerven entspringen aus dem Gehirn und aus dem Rückenmark, und es scheint, daß die Größe der beyden letzteren in Vergleichung der Dicke der daraus entstehenden Nerven mit den Geisteskräf - ten der Thiere im umgekehrten Verhältniß stehe*)Diese scharfsinnige Bemerkung gehört dem Hrn. Geh. R. Sömmerring. s. Dessen Diss. de basi encephali p.17. Blumenbachs Handbuch 1. Bd.,34 so daß der Mensch von allen das größte Gehirn, in Vergleichung seiner sehr dünnen Nerven, hat; da hin - gegen einfältige Thiere, wie z. B. die hierländischen Amphibien, dicke Nerven bey einem sehr kleinen Ge - hirne haben.

§. 30.

Außer dem Einfluß, den die Nerven auf die Muskelbewegung haben, ist ihr zweytes Geschäft, auch der Seele die äußern Eindrücke auf den thierischen Körper, durch die Sinne mitzutheilen. Die Be - schaffenheit der Sinnenwerkzeuge ist aber in den ver - schiedenen Thier-Classen selbst sehr verschieden. So erhalten z. B. viele Thiere offenbar allerhand sinnli - che Eindrücke, ohne daß wir doch die Sinnwerkzeuge an ihnen entdecken können, die bey andern zu solchen Eindrücken nothwendig sind. Die Schmeißfliege z. B. und viele andere Insecten haben Geruch, ob wir gleich keine Nase an ihnen wahrnehmen u. dergl. m.

Anm. Manche haben die Zahl der fünf Sinne überhaupt auf wenigere einschränken, andere hingegen dieselben mit neuen vermehren wollen. Vanini z. B. und viele nach ihm hielten das Gefühl bey Befriedigung des Sexual-Triebes für einen sechsten Sinn. Jul. Cäs. Scaliger das Gefühl beym Kitzeln unter den Achseln für einen 7ten. So hielt 8tens Spallan - zani das Gefühl, wodurch sich die Fledermäuse bey ihrem Flattern im Finstern für den Anstoß sichern; so wie 9tens Darwin das Gefühl für Wärme und Hälte für besondere Sinne.

§. 31.

Durch den anhaltenden Gebrauch werden Nerven und Muskeln ermüdet, und sie brauchen von Zeit zu Zeit Ruhe zur Sammlung neuer Kräfte, die ihnen der Schlaf gewährt. Dem Menschen und den mehre -35 sten von Gewächsen lebenden Thieren ist die Nacht zu dieser Erhohlung angewiesen; doch halten sich auch manche von diesen, wie z. B. der Siebenschläfer ꝛc., besonders aber viele Raubthiere, wohin zumahl die mehresten Fische gehören, auch manche Insecten und Gewürme, am Tage verborgen und gehen des Nachts ihren Geschäften nach, weßhalb sie animalia noctur - na genannt werden.

§. 32.

Außer diesem Erhohlungsschlaf findet sich in der Ökonomie vieler Thiere noch die sehr bequeme Einrich - tung, daß sie einen beträchtlichen Theil des Jahrs, und zwar gerade die rauhesten Monathe, da es ihnen schwer werden würde, für ihre Erhaltung zu sorgen*) Ergo in hiemes aliis provisum pabulum, aliis pro cibo som - nus. Plinius., in einem tiefen Winterschlaf zubringen. Sie ver - kriechen sich, wenn diese Zeit kommt, an sichere, schaurige Orte; und fallen mit einbrechender Kälte in eine Art von Erstarrung, aus der sie erst durch die erwärmende Frühlingssonne wieder erweckt werden. Diese Erstarrung ist so stark, daß die warmblütigen Thiere während dieses Todtenschlafs nur unmerkliche Wärme übrig behalten (s. oben S. 7.), und daß die Puppen vieler Insecten, die zu gleicher Zeit ihre Verwandlung bestehen, im Winter oft so durchfroren sind, daß sie, dem Leben des darin schlafenden Thie - res unbeschadet, wie Eiszapfen oder Glas klingen, wenn man sie auf die Erde fallen läßt.

So viel bekannt, hält doch kein einziger Vogel, hingegen die mehresten Amphibien, Winterschlaf.

36

§. 33.

Von den Seelenfähigkeiten sind manche dem Menschen mit den mehresten übrigen Thieren ge - mein, wie z. B. die Vorstellungskraft, die Aufmerksamkeit, und so auch die beyden soge - nannten, innern Sinne, Gedachtniß nähmlich und Einbildungskraft.

§. 34.

Andere sind fast bloß den übrigen Thieren eigen, so daß sich beym Menschen nur wenige Spuren davon finden, nähmlich die sogenannten Naturtriebe oder Instincte. Dagegen er hinwieder im aus - schließlichen Besitze der Vernunft ist.

§. 35.

Der Instinct*)Herm. Sam. Reimarus Betr. über die Triebe der Thie - re. 4te Ausg. Hamb. 1798. 8.Dupont de Nemours in seinen Mémoires sur différens sujets ꝛc. Par. 1807. 8. S. 147 373. ist das Vermögen der Thiere, aus einem angebornen, unwillkührlichen, innern Dran - ge, ohne allen Unterricht, von freyen Stücken sich zweckmäßigen, und zu ihrer und ihres Geschlechts Er - haltung abzielenden Handlungen zu unterziehen.

Daß diese wichtigen Handlungen wirklich ganz unüberlegt, bloß nach ursprünglichen Gesetzen der Nothwendigkeit, und gleichsam maschinenmäßig voll - zogen werden, wird durch zahlreiche Bemerkungen er - weislich, wie z. B. daß die Hamster auch todten - geln doch zuerst die Flügel zerbrechen, ehe sie weiter anbeißen; daß junge Zugvögel, die man ganz einsam im Zimmer erzogen hat, doch im Herbst den innern37 Ruf zum Fortziehen fühlen, und im Käfich bey allem guten Futter und Pflege unruhig werden.

§. 36.

Unter den mancherley Arten dieser thierischen Triebe sind besonders die so genannten Kunsttriebe merkwürdig, da sich nähmlich so viele warmblütige Thiere und Insecten ohne alle Anweisung und ohne alle vorgängige Übung*) Nascitur ars ista, non discitur. Seneca., (als welche bey so vielen gar nicht Statt finden kann; wie z. B. bey den Seidenwürmern ꝛc., die nur Ein für alle Mahl in ihrem Leben davon Gebrauch machen können, und wo folglich schlechterdings erster Versuch und Meister - stück eines seyn muß), so ungemein künstliche Woh - nungen, Nester, Gewebe ꝛc. zu ihrem Aufenthalte, zur Sicherheit für ihre Jungen, zum Fang ihres Rau - bes, und zu vielfachen andern Zwecken zu verferti - gen wissen.

§. 37.

Der Mensch zeigt außer den Sexualtrieben we - nig andere Spuren von Instinct: angeborne Kunst - triebe aber hat er vollends ganz und gar nicht. Was ihn hingegen für diesen scheinbaren Mangel entschä - digt, ist der Gebrauch der Vernunft.

Diese mag nun entweder eine ausschließlich ei - genthümliche Fähigkeit der menschlichen Seele, oder aber ein unendlich stärkerer Grad einer Fähigkeit seyn, wovon manche Thiere**)Ch. G. le Roy Lettres philosophiques sur l' intélligence et la perfectibilité des animaux. Par. 1802. 8. auch einige schwache Spur hät - ten; oder eine eigene Richtung der gesammten mensch - lichen Seelenkräfte u. s. w., so liegt wenigstens der38 hohe Vorzug, den der Mensch durch den Besitz dersel - ben erhält, das Vermögen sich selbst zu vervollkomm - nen, unwiderredlich am Tage.

Und da ihm die ganze bewohnbare Erde zum Aufenthalt offen steht, und fast die ganze organisirte Schöpfung zur Speise überlassen ist, so erzeugt frey - lich eben die große Verschiedenheit der Klimate, die er bewohnen soll, und der Nahrung, die ihm der Ort seines Aufenthalts gestattet, eben so verschiedene Be - dürfnisse, die er durch keinen einförmigen Kunsttrieb, aber wohl durch den Gebrauch seiner sich nach den Um - ständen gleichsam accommodirenden Vernunft auf eben so manigfaltige Weise zu stillen vermag.

§. 38.

Wie unendlich aber der Mensch schon durch diesen einzigen Vorzug über die ganze übrige thierische Schö - pfung erhoben werde, beweiset die unbeschränkte Herr - schaft, womit er über alle Triebe und über die Lebens - art, Haushaltung ꝛc., mit einem Worte, über das ganze Naturell dieser seiner Mitgeschöpfe nach Willkühr disponiren, die furchtbarsten Thiere zähmen, ihre heftigsten Triebe dämpfen, sie zu den kunstreich - sten Handlungen abrichten kann u. s. w.

Anm. Um sich überhaupt zu überzeugen, wie sehr der cultivirte Mensch Herr der übrigen Schöpfung auf dieser Erde ist, braucht man sich bloß an die Umschaffung zu erinnern, die er seit Entdeckung der neuen Welt mit ihr und der alten wechselseitig vor - genommen hat! Was für Gewächse und Thiere er aus dieser in jene übergepflanzt hat, wie z. B. Reiß, Caffeh ꝛc. Pferde, Rindvieh ꝛc. und was er v. v. von dorther nun wieder in seinem Welttheile einhei - misch gemacht, wie z. B. Kartoffeln, Tobak, wäl - sche Hühner u. s. w.

39

§. 39.

Am auffallendsten erweist sich die allein auf den Vorzug der Vernunft beruhende Herrschaft des Men - schen über die übrige thierische Schöpfung durch die so - genannten Hausthiere; worunter man in engerer Bedeutung diejenigen warmblütigen Thiere versteht, so der Mensch zur Befriedigung wichtiger Bedürfnisse und überhaupt zu beträchtlicher Benutzung absichtlich ihrer Freyheit entzogen und sich unterjocht hat. Im weitern Sinne kann man aber auch die Bienen und Seidenwürmer, so wie die Cochenill-Insecten da - hin rechnen.

Anm. 1. Unter jenen Hausthieren im engern Sinne ist eine dreyfache Verschiedenheit zu bemerken. Von man - chen nähmlich hat der Mensch die ganze Gattung ih - rem freyen Naturzustande entzogen, und sich unter - würfig gemacht, wie z. B. das Pferd. Von andern, die er sich zwar auch ins Haus zieht, existirt doch aber noch die ursprünglich wilde Stammrace, wie vom Rindvieh, Schwein. Katze, Rennthier, den bey - derley Camehlen der alten Welt, und dem so ge - nannten Meyergeflügel. Der Elephant endlich pflanzt sich gar nicht in der Gefangenschaft fort, sondern je - der, der zum Dienst des Menschen gebraucht werden soll, muß erst aus der Wildheit eingefangen, gezähmt und abgerichtet werden.

Anm. 2. Die eigentlich so genannten Hausthiere varii - ren zwar häufig in der Farbe; und manche der dar - unter gehörigen Säugethiere zeichnen sich auch durch einen hängenden Schwanz und schlappe Ohren aus, aber keines von beyden ist ein beständiges Kennzeichen der Unterjochung. (Uber die Hausthiere s. mit mehrern den Gothaischen Hof-Kalender vom Jahre 1796).

§. 40.

Nach dem Linnéischen System wird das ganze Thierreich unter folgende sechs Classen gebracht:

I. Cl. Säugethiere (mammalia), Thiere mit40 warmem rothen Blut, die ihre Jungen lebendig zur Welt bringen, und sie dann einige Zeit lang mit Milch an Brüsten säugen.

II. Cl. Vögel, Thiere mit warmem rothen Blut, die aber Eyer legen, und Gefieder haben.

III. Cl. Amphibien, Thiere mit kaltem rothen Blut, die durch Lungen Athem hohlen.

IV. Cl. Fische, Thiere mit kaltem rothen Blut, die durch Kiemen, und nicht durch Lungen, athmen.

V. Cl. Insecten, Thiere mit kaltem weißen Blut, die Fühlhörner (antennas) am Kopf, und eingelenkte (hornartige) Bewegungswerk - zeuge haben.

VI. Cl. Gewürme (vermes), Thiere mit kal - tem weißen Blut, die keine Fühlhörner, son - dern meist Fühlfäden (tentacula) und meines Wissens nie eingelenkte Bewegungswerkzeuge haben*)Dieser von der Beschaffenheit der Bewegungswerkzeuge herge - nommene Charakter dünkt mich minder unbestimmt, als die, wodurch man sonst Insecten und Gewürme von einander zu unterscheiden gesucht hat..

Hauptquellen und andere Hülfsmittel zur Thier - geschichte überhaupt.

  1. Aristoteles Histoire des animaux d' Aristote, avec des notes ꝛc. par Camus. Par. 1783. II vol. 4.
  2. Conr. Gesneri icones quadrupedum viviparorum, it. avium et animalium aquatilium cum nomenclaturis singulorum in linguis diversis Europae. ed.2. Tig. 1560. fol.
  3. Aldrovandus.
  4. 41
  5. Jo. Jonston. historia naturalis de animalibus. Francof. 1649 1653. fol.
  6. auch unter dem Titel H. Ruysch (Frid. fil. ) theatrum universale omnium animalium Amst. 1718. II. vol. fol.
  7. Ray.
  8. Buffon.
  9. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der Naturgeschichte der Thiere. Leipz. seit 1797. 8.
  10. G. Cuvier tableau élémentaire de l'histoire naturelle des animaux. Par. 1798. 8.
  11. A. M. Constant Duméril zoology analytique. Par. 1806 8.
  12. Deutschlands Fauna in Abbild. nach der Natur, mit Be - schreibungen von Iac. Sturm. Nürnb. seit 1790. 12.
  13. Linnaei fauna Suecica. ed. 2. Holm. 1761. 8.
  14. Th. Pennant's British Zoology. Lond. 1768 1777. IV. vol. 8.
  15. und Dess. großes Kupferwerk unter gleichem Titel ib. seit 1763. gr. Fol.
  16. C. P. Cl. Fleurieu histoire naturelle des Oiseaux, des Poissons, des Cétacées, des Amphibies ꝛc. marins, im II. und III. Bande des voyage autor du monde par Et. Marchand. Par. 1800. 4.
42

Vierter Abschnitt. Von den Säugethieren.

§. 41.

Die Säugethiere haben das warme rothe Blut mit den Vögeln gemein; aber sie gebären lebendige Jun - ge: und ihr Hauptcharakter, der sie von allen übrigen Thieren unterscheidet, und von dem auch die Benen - nung der ganzen Classe entlehnt ist, sind die Brü - ste, wodurch die Weibchen ihre Jungen mit Milch er - nähren. Die Anzahl und Lage der Brüste ist verschie - den. Meist sind ihrer noch Ein Mahl so viel, als die Mutter gewöhnlicher Weise Junge zur Welt bringt; und sie sitzen entweder an der Brust, oder am Bau - che, oder zwischen den Hinterbeinen*)Überhaupt sind die Brüste von allen Organen der Säugethie - re die einzigen, die nach Verschiedenheit der Gattungen so - wohl in der Anzahl als Lage so vielartig variiren.An manchen, wie meines Wissens z. B. am Stachelschwein, waren sie gar noch nicht aufgefunden. Ich sehe aber an zwey ungebornen der genannten Thiere in meiner Sammlung, daß sie vier Zitzen haben, die paarweise an einer freylich unerwar - teten Stelle, nähmlich seitwärts dicht hinter dem Schulterge - lenk sitzen. Und so findet man sie vielleicht auch noch an irgend einer ungewöhnlichen Stelle beym Schnabelthier, an welchem wunderlichen anomalischen Geschöpf sie bisher ebenfalls noch nicht bemerkt worden..

43

§. 42.

Der Körper der allermehresten (wo nicht aller*)Denn selbst die Haut der Wallfische ist hin und wieder, an den Lippen ꝛc. dünn behaart; auch haben sie Augenwimpern ꝛc.) Säugethiere ist mit Haaren von sehr verschiedener Stärke, Länge und Farbe besetzt; die auch bey einigen als Wolle gekräuselt, oder als Borsten straff und struppig sind, oder gar wie beym Igel ꝛc. steife Sta - cheln bilden. Ben manchen sind die Haare an beson - dern Stellen als Mähne oder Bart verlängert; und bey einigen, wie bey den Pferden, Hunden ꝛc. stoßen sie an bestimmten Stellen in entgegengesetzter Rich - tung an einander und machen so genannte Näthe (suturas). Bey manchen, wie z. B. bey den See - hunden ꝛc. ändert sich die Farbe mit dem Alter. Auch sind manche durch die Kälte (§. 16) bey uns im stren - gen Winter, im Norden aber Jahr ans Jahr ein, entwe - der grau, wie das Eichhörnchen (Grauwerk), oder schneeweiß, wie das große Wiesel (Hermelin) ꝛc. Wenn hingegen diese weiße Farbe zugleich mit licht - scheuen Augen und rochen Pupillen verbunden ist, wie bey den so genannten Kackerlacken im Menschenge - schlecht und unter manchen andern Gattungen von warmblütigen Thieren, so ist es die Folge einer wirk - lich tränklichen Schwäche.

§. 43.

Der Aufenthalt der Säugethiere ist sehr verschie - den. Die mehresten leben auf der Erde; manche, wie die Affen, Eichhörnchen ꝛc., fast bloß auf Bäumen; einige, wie der Maulwurf, als eigentliche animalia subterranea, unter der Erde; andere bald auf dem44 Lande, bald im Wasser, wie die Biber, Seebären; und noch andere endlich bloß im Wasser, wie die Wall - fische. Hiernach sind nun auch ihre Füße oder ähn - liche Bewegungswerkzeuge verschieden. Die mehresten haben vier Füße; der Mensch hat nur zwey, aber auch zwey Hände; die Affen hingegen haben vier Hände. Die Finger und Zehen derjenigen Säugethiere, die im Wasser und auf dem Lande zugleich leben, sind durch eine Schwimmhaut verbunden. Bey den Fleder - mäusen sind sie an den Vorderfüßen ungemein lang und dünne; und zwischen ihnen ist eine zarte Haut aus - gespannt, die zum Flattern dient. Die Füße mancher Wasserthiere aus dieser Classe sind zum Rudern einge - richtet, und bey den Wallfischen ähneln sie gar einiger Maßen den Floßen der Fische; doch daß die Hinterflo - ßen ohne Knochen sind, und horizontal, nicht wie ein Fischschwanz vertical, liegen. Einige wenige Säuge - thiere (solidungula) haben Hufe; viele aber (bisulca) gespaltene Klauen. Die mehresten gehen (zumahl mit den Hinterfüßen) bloß auf den Zehen; einige aber, wie der Mensch, und gewisser Maßen auch die Affen, Bären, Elephanten u. a.m. auf der ganzen Fußsoh - le bis zur Ferse.

§. 44.

Die mehresten Ameisenbären, die Schuppenthiere, und einige Wallfische ausgenommen, sind die übrigen Säugethiere mit Zähnen versehen, die man in Vorderzähne*)Bey den mehresten sitzen die obern Vorderzähne in einem besondern (einfachen oder gepaarten) Knochen, der das os intermaxillare genannt wird; von dessen merkwürdigen Beson - derheiten ich in der 3ten Ausg. der Schrift de generis huma -45 ni varietate nativa S. 34 u. f. und im Handb. der ver - gleichend. Anatomie S. 22 u. f. der 2ten Ausg. ausführ - lich gehandelt habe. In den Abbild. nat. hist. Gegenst. ist er Tab. 52. am Schedel des Orangutangs zu sehen. (primores s. incisores), Eckzähne oder Spitzzähne (caninos s. laniarios), und Backen - zähne (molares), eintheilt. Die letztern zumahl sind nach der verschiedenen Nahrung dieser Thiere auch ver - schiedentlich gebildet. Bey den fleischfressenden nähm - lich ist die Krone scharfkantig fast schneidend; bey den grasfressenden oben breit und eingefurcht; und bey denen, die sich, so wie der Mensch, aus beyden orga - nisirten Reichen nähren, in der Mitte eingedruckt, und an den Ecken abgerundet.

Manche Säugethiere, wie z. B. der Elephant und der Narhwal, haben große prominirende Stoßzähne (dentes exserti); andere, wie z. B. das Wallroß, Hauzähne ꝛc.

§. 45.

Bloß unter den Säugethieren, und zwar nur unter den grasfressenden, gibt es wirklich wiederkauende Gattungen, bey welchen nähmlich das zuerst bloß oben - hin zerbissene und geschluckte Futter bissenweise wieder durch den Schlund zurück getrieben, und nun erst recht durchgekaut und dann zum zweyten Mahl geschluckt wird.

Zu diesem Zweck haben die wiederkauenden Thiere eine eigene Einrichtung des Gebisses; indem ihre Ba - ckenzähne wie mit sägeförmigen Querfurchen ausge - schnitten sind, und die Kronen derselben nicht horizon - tal liegen, sondern schräg ausgeschlägelt sind, so daß an denen im Oberkiefer die Außenseite, an denen im untern aber die nach der Zunge Hingerichtete innere Seite die höchste ist. Dabey haben sie einen schmalen46 Unterkiefer, der eine sehr freye Seitenbewegung ge - stattet, wodurch denn, wie der Augenschein lehrt, der Mechanismus dieser sonderbaren Verrichtung von dieser Seite bewirkt wird.

Anm. 1. Bey den ruminantibus, die zugleich gespaltene Klauen haben (bisulca), kommt nun außerdem noch der vierfache Magen hinzu, dessen innerer Bau und Mechanismus überaus merkwürdig ist. Das zum ersten Mahl geschluckte noch halb rohe Futter gelangt nähmlich in den ungeheuern ersten Magen (rumen, magnus venter, franz. le double, l' herbier, la pan - se, der Pansen, Wanst), als in ein Magazin, wor - in es nur ein wenig durchweicht wird. Von da wird eine kleine Portion dieses Futters nach der andern mittelst des zweyten Magens (reticulum, franz. le bonnet, le reseau, die Haube, Mütze, das Garn), der gleichsam nur ein Anhang des ersten ist, aufge - faßt und wieder durch den Schlund hinauf getrieben. Nun wird der wiedergekaute, zum zweyten Mahl ge - schluckte Bissen durch eine besondere Rinne, ohne wie - der durch die beyden ersten Mägen zu passiren, gleich aus dem Schlunde in den dritten (echinus, centipel - lio, omasus, franz. le feuillet, le pseautier, das Buch, der Psalter, der Blättermagen) geleitet, wo er von da endlich zur völligen Verdauung in den vierten (abomasus, franz. la caillette, der Laab, die Ruthe, der Fettmagen) gelangt, der dem Magen anderer Säugethiere am nächsten kommt*)Mehr davon s. im Handb. der vergleichend Anato - mie S. 136 u. f..

Anm. 2. Der allgemeine, auf alle wiederkauende Thie - re überhaupt passende Haupt-Nutzen der Rumination scheint mir noch gänzlich unbekannt.

§. 46.

Außer den Klauen, Zähnen ꝛc. sind viele Säu - gethiere auch mit Hörnern als Waffen versehen. Bey einigen Gattungen, wie beym Hirsch, Reh ꝛc. sind die Weibchen ungehörnt; bey andern, wie beym47 Rennthier und im Ziegengeschlecht, sind ihre Hörner doch kleiner als der Männchen ihre. Anzahl, Form und Lage, besonders aber die Textur der Hörner, ist sehr verschieden. Beym Ochsen -, Ziegen - und Gazellen - geschlecht sind sie hohl, und sitzen wie eine Scheide über einem knöchernen Zapfen oder Fortsatz des Stirn - beins. Die Hörner der beyderley Rhinocer sind dicht, und bloß mit der Haut auf der Nase verwachsen. Beym Hirschgeschlecht hingegen sind sie zwar ebenfalls solide, aber von mehr knochenartiger Textur, und ästig. Sie heißen dann Geweihe, und werden gewöhnlich all - jährig abgeworfen und neue an ihrer Statt reproducirt.

§. 47.

Die Öffnung des Afters wird bey den mehresten Säugethieren durch den Schwanz bedeckt, der eine Fortsetzung des Guckgucksbeins (coccyx), und von mannigfaltiger Bildung und Gebrauch ist. Er dient z. B. manchen Thieren sich der stechenden Insecten zu erwehren; vielen Meerkatzen und einigen andern Ame - rikanischen und Neu-holländischen Thieren statt einer Hand um sich daran halten, oder damit fassen zu kön - nen (cauda prehensilis, Rollschwanz); den Spring - hasen zum Springen (cauda saltatoria), dem Kängu - ruh zum Gleichgewicht bey seiner aufrechten Stellung und zur Vertheidigung ꝛc.

§. 48.

Auch sind am Körper einiger Thiere dieser Classe besondere Beutel von verschiedener Bestimmung zu merken. So haben viele Affen, Paviane, Meerkatzen, auch der Hamster u. a., Backentaschen (thesauri), fr. salles, um Proviant darin einschleppen zu kön - nen. Beym Weibchen der Beutelthiere liegen die Zi -48 tzen in einer besondern Tasche am Bauche, worein sich die saugenden Jungen verkriechen.

§. 49.

Manche Säugethiere, wie z. B. die mehresten größten grasfressenden, sind gewöhnlich nur mit Einem Jungen auf einmahl trächtig; andere hingegen, wie z. B. die Rauvthiere, und die Schweine mit mehreren zugleich.

Die Leibesfrucht steht mit der Mutter durch die sogenannte Nachgeburt (secundinae) in Verbin - dung, welche aber von verschiedener Gestaltung ist; da sie z. P. im Menschengeschlecht einen einfachen grö - ßern Mutterkuchen (placenta) bildet, hingegen bey den wiederkauenden Thieren mit gespaltenen Klauen (bisulca) in mehrere, theils sehr zahlreiche, zer - streute kleine solche Verbindungsorgane (cotyledones) vertheilt ist u. s. w.

§. 50.

Die Wichtigkeit der Thiere überhaupt läßt sich hauptsächlich aus einem zweyfachen Gesichtspuncte bestimmen; entweder nähmlich, in so fern sie auf die Haushaltung der Natur im Großen auf den ganzen Gang der Schöpfung Einfluß haben; oder in so fern sie dem Menschen unmittelbar nutzbar werden. Aus jener Rücksicht sind, wie wir unten sehen werden, die Insecten und Gewürme die bey weiten wichtigsten Geschöpfe; aus dieser hingegen die Säugethiere; und zwar sowohl wegen der Größe als der Vielartig - keit ihrer Benutzung. Die Verschiedenheit in ihrer Bildung, ihre große Gelehrigkeit, ihre Stärke u. s. w. machen sie für den Menschen auf die mannigfaltig -49 ste Weise brauchbar*)Auch das, daß bey manchen schon das einzelne Individuum von so bedeutendem Werth ist; wie z. B. große Wallfische oder Pottfische; edler Hausthiere zu geschweigen, bey welchen Schön - heit, Feinheit der Wolle, Dressirung ꝛc., den Preis so mäch - tig steigert.. Aus keiner andern Classe von Thieren hat er sich so treue, dienstfertige und arbeit - same Gehülfen zu schaffen gewußt; keine ist ihm zu seinem unmittelbaren Gebrauch und zu seiner Selbsterhal - tung so unentbehrlich als diese. Ganze Völker des Erdbodens können mit einer einzigen Art von Säuge - thieren fast alle ihre dringendsten Bedürfnisse befriedigen. So die Grönländer mit dem Seehund; die Lappen, Tungusen ꝛc. mit dem Rennthier; die Aleuten mit dem Wallfisch.

§. 51.

Die vielfache Brauchbarkeit der Säugethiere für das Menschengeschlecht reducirt sich vorzüglich auf fol - gendes. Zum Reiten, zum Zug, Ackerbau, Lasttragen u. s. w.: Pferde, Maulthiere, Esel, Ochsen, Büffel, Rennthiere, Elephanten, Kamehle, Lama's, Hunde. Zur Jagd, zum Bewachen ꝛc. Hunde. Zum Mausen und Vertilgen anderer schäd - lichen Thiere: Katzen, Igel, Ameisenbären ꝛc. Zur Speise: das Fleisch vom Rindvieh, Schafen, Zie - gen, Schweinen, vom Hirschgeschlecht, von Hasen, Kaninchen, u. s. w. Ferner Speck, Schmalz, Blut, Milch, Butter, Käse. Zur Kleidung, zu De - cken, Zelten ꝛc. Pelzwerk, Leder, Haare, Wolle ꝛc. Zum Brennen: Talg, Fischthran, Wallrath**)Nahmentlich auch das durch die Kunst aus dem macerirten Fleisch von Pferden u. a. Quadrupeden bereitete. S. Voigt's neues Magazin II. B. S. 772. u. f..

50

Zum Schreiben, Bücherbinden ꝛc. Pergament, Leder. Für andere Künstler und zu allerhand Gebrauch: Borsten, Haare (zumahl Menschen - und Pferde-Haare), Geweihe, Hörner, Klauen, Elfenbein u. a. Zähne, Fischbein, Knochen, Blasen. Därme, Sehnen und Knochen zu Tischlerleim. Därme zu Saiten. Blut zu Berlinerblau u. a. Farben. Knochen und Huf zu Beinschwarz, Horn - schwarz ꝛc. Fett und Mark zu Seife. Mist zum Dünger, zur Feuerung, zu Salmiak ꝛc. Endlich zur Arzney: Bisam, Bibergeil, Hirschhorn, Milch ꝛc.

§. 52.

Von der andern Seite sind aber freylich mehrere Thiere dieser Classe dem Menschengeschlecht unmittel - bar oder mittelbar nachtheilig. Manche reißende Thiere, besonders aus dem Katzen-Geschlecht, fallen Menschenan. Eben diese und noch manche andere, z. B. die Wiesel, Marder, Iltisse, Vielfraße, Fischottern, Wallfische ꝛc. vertilgen viele nutzbare Thiere: oder schaden den Gewächsen, Bäumen, Gar - tenfrüchten, dem Getreide u. s. w. wie die Feldmäuse, Hamster, Leming, Hirsche, Hasen, Bi - ber, Affen, Elephanten, Rhinocer, Nilpferde ꝛc. oder gehen andern Eßwaaren nach; wie Ratten, Mäuse, Fledermäuse u. s. w. Gift scheint kein ein - ziges Thier dieser Classe zu besitzen, außer in der Wuth und Wasserscheue, der zumahl die aus dem Hundegeschlecht ausgesetzt sind.

§. 53.

Man hat verschiedene künstliche, d. h. bloß von einzelnen zum Classificationsgrunde gelegten Cha - rakteren entlehnte Systeme (sistemata artificialia),51 nach welchen verdiente Naturforscher die Säugethiere zu ordnen versucht haben. Aristoteles Einthei - lung z. B. ist bloß auf die allgemeinste Verschieden - heit der Zehen und Klauen gegründet, und die haben auch Ray u. a. zum Grunde gelegt, und nach der Zahl der Zehen ꝛc. weiter bearbeitet. Aber hierbey müssen die verwandtesten und im Ganzen noch so ähn - lichen Gattungen von Ameisenbären, Faulthieren ꝛc. getrennt, und in ganz verschiedene Ordnungen versetzt werden, bloß weil die eine mehr, die andere weniger Zehen hat. Linné hat die Zähne zum Classifications - grund gewählt, ein Weg, auf dem man aber nicht minder, bald auf die unnatürlichsten Trennungen, bald auf die sonderbarsten Verbindungen stößt*) Non enim methodicorum scholis se adstringere vo - luit natura systemata artificialia nostra flocci fa - ciens. Pallas. . Das Ge - schlecht der Fledermäuse muß nach des Ritters Ent - wurf, wegen des verschiedenen Gebisses bey einigen Gattungen, wenigstens in drey verschiedene Ordnun - gen zerstückt worden; so die beyderley Nashörner in zwey; dagegen kommt der Elephant mit den Pan - zerthieren, und dem sormosanischen Teufelchen in eine gemeinschaftliche Ordnung ꝛc.

§. 54.

Ich habe daher ein im Ganzen natürlicheres System der Säugethiere zu entwerfen getrachtet, wo - bey ich mehr auf den Totalhabitus dieser Thiere gesehen, doch vorzüglich die Bewegungswerkzeuge, weil sie am leichtesten in die Augen fallen und dem Totalhabitus sehr angemessen sind, zum Grund der52 Ordnungen gelegt, aber zweye derselben, welche viel - artige Geschöpfe begreifen, wieder nach der Verschie - denheit ihres Gebisses in einige Familien unterabge - theilt, und diese mit den bekannten Nahmen einiger Linnéischen Ordnungen bezeichnet: und so die ganze Classe folgender Maßen geordnet:

I. Ordn. Bimanus. Der Mensch mit zwey Händen.

II. Quadrumana. Thiere mit vier Händen. Affen, Paviane, Meerkatzen und Makis.

III. Chiroptera. Die Säugethiere, deren Vorder - füße Flatterhäute bilden (§. 43.). Die Fledermäuse.

IV. Digitata. Säugethiere mit freyen Zehen an allen vier Füßen. Diese Ordnung zerfällt nach der Verschiedenheit des Gebisses in folgende drey Fa - milien:

A) Glires. Mit mauseähnlichem Gebiß. Eichhörn - chen, Hasel - und andere Mäuse, Murmelthie - re, Meerschweinchen ꝛc., Springmäuse, Hasen, Stachelschweine.

B) Ferae. Die eigentlich so genannten reißenden Thiere und einige andere Geschlechter mit ähn - lichem Gebiß. Löwen ꝛc., Hunde ꝛc., Bären, Wiesel, Viverren, Beutelthiere, Igel, Spitz - mäuse, Maulwürfe.

C) Bruta. Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vor - derzähne ꝛc. Faulthiere, Ameisenbären, Schup - penthiere, Panzerthiere.

V. Solidungula. Pferd ꝛc.

VI. Bisulca. Die wiederkauenden Thiere mit gespal - tenen Klauen.

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VII. Multungula. Meist sehr große, aber unförm - liche, borstige oder dünnbehaarte Säugethiere mit mehr als zwey Klauen an jedem Fuß. Schweine (denn auch diese haben im Grunde vier Klauen), Tapir, Elephanten, Nashörner, Nilpferd.

VIII. Palmata. Säugethiere mit Schwimmfüßen. Wieder nach der Verschiedenheit ihres Gebisses in obgedachte drey Familien getheilt:

A) Glires. Biber.

B) Ferae. Seehunde ꝛc., Ottern.

C) Bruta. Das Schnabelthier, Wallroß, der Manate.

Letzterer macht von hier den schicklichsten Über - gang zur letzten Ordnung.

IX. Cetacea. Wallfische. Warmblütige Thiere, die mit den kaltblütigen Fischen fast nichts als den un - schicklichen Nahmen gemein haben, und deren na - türliche Verbindung mit den übrigen Säugethieren schon Ray vollkommen richtig eingesehen hat*) Cetacea quadrupedum modo pulmonibus respirant, coë - unt, vivos foetus pariunt, eosdem que lacte alunt, partium denique omnium internarum structura et vsu cum iis con - veniunt. Raius..

Zur N. G. der Säugethiere.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. I. de quadrupedi - bus viuiparis. Basil. 1551. fol.
  2. Ul. Aldrovandi de quadrudedibus digitatis viuiparis. L. III. Bonon. 1627. fol.
  3. Id. de quadrupedibus solidipedibus ib. 1616. fol.
  4. Id. de quadrupedibus bisulcis. ib. 1613. fol.
  5. Ej. de cetis. L. I. (am Ende seines Werks de piscibus ib.) eod. fol.
  6. 54
  7. Jo. Raii synopsis animalium quadrupedum. Lond. 1613. 8.
  8. Buffon.
  9. Th. Pennant's history of quadupeds. Lond. 1781. II. vol. 4.
  10. Deutsch mit Zusätzen von D. M. Bechstein. Weimar 1799. II. B. 4.
  11. Ej. aretic zoology. vol. I. ib. 1784. 8.
  12. I. Ch. Dan. V. Schreber Säugethiere, Erlang, seit. 1774. 4.
  13. J. Chr. Pol. Erxleben systema mammalium, Lips. 1777. 8.
  14. E. A. W. v. Zimmermann geographische Geschichte des Menschen, und der allgemein verbreiteten vier - füßigen Thiere Leipz, 1778. III. B. 8.
  15. I. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands, I. B. Leipz. 1789. 8.
  16. Marmad. Tunstall's general history of Quadrupeds. The figures engraved on wood by J. Bewik. Newcastle upon Tyne 1790. 8.
  17. Fr. Tiedemanns Zoologie I. B. Landshut. 1808. 8.
55

I. BIMANUS.

1. HOMO. Erectus, bimanus. Mentum pro - minulum. Dentes aequaliter approxima - ti; incisores inferiores erecti.

1. Sapiens.

Zu den äußern Kennzechen, wodurch der Mensch selbst vom menschenähnlichsten Affen, geschweige von den übrigen Thieren zu unterscheiden ist, gehört vor - züglich sein aufrechter Gang (als wozu sein gan - zer Wuchs und Bildung, besonders aber seine becken - ähnlichen Hüftknochen, das Verhältniß seiner Schenkel zu den Armen und seine breiten Fußsohlen, eingerich - tet sind; dann der freyeste Gebrauch zweyer voll - kommenen Hände; ferner sein prominirendes Kinn und die aufrechte Stellung seiner un - tern Schneidezähne.

Das weibliche Geschlecht hat (außer der ihm in der Blüthe des Lebens eigenen Form des Busens) noch ein Paar eigenthümliche Charaktere, die dem männlichen und allen übrigen Thieren abgehen, nähmlich einen periodischen Blutverlust in einer bestimmten Reihe von Lebensjahren; und dann einen besondern Theil an den Sexual-Organen, dessen Mangel oder Zerstörung als ein körperliches Kennzeichen der verletzten jung - fräulichen Integrität anzusehen und wenigstens in der Form und Lage noch bey keinem andern weiblichen Thiere bemerkt ist.

Was aber die Seelenfähigkeiten des Menschen betrifft, so hat er außer dem Begattungstriebe wenig Spuren von Instinct (§. 34 u. f.). Kunsttriebe aber (§. 36.) schlechterdings garnicht. Dagegen ist er aus - schließlich im Besitz der Vernunft (§. 37.), und der dadurch von ihm selbst erfundenen Rede oder Spra - che (loquela), die nicht mit der bloß thierischen Stim - me (vox) verwechselt werden darf (§. 25.), als welche56 auch den ganz jungen und selbst den stummgebornen Kindern zukommt. Und so folgt aus je en beyden aus - schließlichen Vorzügen das große ausschließliche Eigen - thum der Menschenspecies, wodurch sie über die ganze übrige thierische Schöpfung erhoben wird, das Ler - mögen sich selbst zu vervollkommnen.

Der Mensch ist für sich ein wehrloses, hülfsbe - dürftiges Geschöpf. Kein anderes Thier außer ihm bleibt so lange Kind, keins kriegt so sehr spät erst sein Gebiß, lernt so sehr spät erst auf seinen Füßen stehen, keins wird so sehr spät mannbar u. s. w. Selbst seine großen Vorzüge, Vernunft und Sprache, sind nur Keime, die sich nicht von selbst, sondern erst durch frem - de Hülfe, Cultur und Erziehung entwickeln können; daher denn bey dieser Hülfsbedürftigkeit und bey die - sen zahllosen dringenden Bedürfnissen die allgemeine natürliche Bestimmung des Menschen zur gesellschaft - lichen Verbindung. Nicht ganz so allgemein läßt sich hingegen vor der Hand noch entscheiden, ob in al - len Welttheilen die Proportion in der Anzahl der ge - bornen Knäbchen und Mädchen, und die Dauer der Zeit der Fortpflanzungsfähigkeit der beyden Geschlech - ter so gleich sey, daß der Mensch überall so wie in Europa zur Monogamie bestimmt werde.

Sein Aufenthalt und seine Nahrung sind bey - de unbeschränkt; er bewohnt die ganze bewohnbare Er - de, und nährt sich mit den vielartigsten Stoffen aus dem weitesten Umfang der organisirten Schöpfung. Und in Verhaltniß zu seiner mäßigen körperlichen Grö - ße, und in Vergleich mit andern Säugethieren erreicht er ein ausnehmend hohes Alter.

Es gibt nur Eine Gattung (species) im Men - schengeschlecht; und alle uns bekannte Völker aller Zeiten und aller Himmelsstriche können von einer ge - meinschaftlichen Stammrace abstammen*)Ich habe dieß in der 3ten Ausgabe der Schrift: de generi humani varietate nativa weiter ausgeführt.. Alle Na - tional-Verschiedenheiten in Bildung und Farbe des menschlichen Körpers sind um nichts auffallender oder unvegreiflicher als die, worin so viele andere Gattun - gen von organisirten Körpern, zumahl unter den Haus -57 thieren, gleichsam unter unfern Augen ausarten. Alle diese Verschiedenheiten fließen aber durch so mancherley Abstufungen und Übergänge so unvermerkt zusammen, daß sich daher auch keine andere, als sehr willkührliche Gränzen zwischen ihnen festsetzen lassen. Doch habe ich das ganze Menschengeschlecht noch am füglichsten unter folgende fünf Racen zu bringen geglaubt:

1) Die Kaukasische Race:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 3. und 51.

von mehr oder weniger weißer Farbe mit rothen Wangen, langem, weichem, nußbraunem Haar (das aber einerseits ins Blonde, andererseits ins Schwarze übergeht); und der nach den Europäischen Begriffen von Schönheit musterhaftesten Schedel - und Gesichts - Form. Es gehören dahin die Europäer mit Aus - nahme der Lappen; dann die westlichern Asia - ten, dießseits des Ob, des Caspischen Meers und des Ganges; nebst den Nordafrikanern; also ungefähr die Bewohner der den alten Griechen und Römern bekannten Welt.

2) Die Mongolische Race:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 1.

meist waizengelb (theils wie gekochte Quitten, oder wie getrocknete Eitronschalen); mit wenigem, straffem, schwarzem Haar; enggeschlitzten, aber gleichsam aufge - dunsenen Augenliedern, plattem Gesicht; und seitwärts eminirenden Backenknochen. Diese Race begreift die übrigen Asiaten, mit Ausnahme der Malayen, dann in Europa die Lappen, und im nördlichen Ameri - ka, von der Beringsstrasse bis Labrador, die Eskimos.

3) Die Aethiopische Race:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 5.

mehr oder weniger schwarz; mit schwarzem, krausem Haar; vorwärts prominirenden Kiefern, wulstigen Lippen und stumpfer Nase. Dahin die übrigen Afrikaner, nahmentlich die Neger, die sich dann durch die Fulahs in die Mauren ꝛc. verlieren, so wie jede andere Menschen-Varietät mit ihren benach - barten Völkerschaften gleichsam zusammen stießt.

4) Die Amerikanische Race:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 2.

Lohfarb oder zimmtbraun (theils wie Eisenrost oder angelaufenes Kupfer); mit schlichtem, straffem, schwar -58 zem Haar, und breitem aber nicht plattem Gesicht, sondern stark ausgewirkten Zügen. Begreift die übri - gen Amerikaner außer den Eskimos.

5) Die Malaysche Race:

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 4.

von brauner Farbe (einerseits bis ins helle Mahago - ui, andererseits bis in das dunkelste Nelken - und Kasta - nienbraun); mit dichtem schwarzlockigem Haarwuchs; breiter Nase; großem Mund. Dahin gehören die Südsee-Insulaner oder die Bewohner des fünften Welttheils und der Marianen, Philippinen, Molucken, Sundaischen Inseln etc, nebst den eigent - lichen Malayen*) Jede dieser fünf Haupt-Racen begreift übrigens wieder ein und das andere Volk, das sich durch seine Bildung mehr oder minder auffallend von den übrigen derselben Abtheilung aus - zeichnet. Und so könnten z. B. die Hindus von der Kauka - sischen; die Schinesen und Japaner von der Mongoli - schen: die Hottentotten von der Aethiopischen; so wie die Nord-Amerikaner von denen in der südlichen Hälfte der neuen Welt; und die schwarzen Papus auf Neuholland ꝛc. von den braunen Utaheiten u. a. Insula - nern des stillen Oceans, als eigene Unterarten abgesondert werden. Beytr. zur Naturgesch. I. Th. S. 72. der 2ten Ausg.

Von diesen fünf Haupt-Racen muß nach allen physio - logischen Gründen die Kaukasische als die so genannte Stamm - oder Mittel-Race angenommen wer - den. Die beyden Extreme, worin sie ausgear - tet, ist einerseits die Mongolische, andererseits die Aethio - pische. Die andern zwey Racen machen die Ueber - gänge. Die Amerikanische den, zwischen der Kauka - sischen und Mongolischen, sowie die Malayische den, zwischen jener Mittel-Race und der Aethiopischen .**)Versteht sich nähmlich dieß Alles so daß die in den ver - schiedenen Welttheilen verbreiteten Völkerschaften nach der stärkern und längern Einwirkung der verschiedenen Climate und anderer obgedachten Ursachen der Degeneration, entweder um desto weiter von der Urgestalt der Mittel-Race ausgear - tet sind, oder aber auch sich ihr hinwiederum mehr ge - nähert haben. So sind z. B. die Jakuten, Koräken, Eski - mos u. a. dergl. Polarvölker der Mongolischen Race, sehr59 auffallend von der Kaukasischen Mittel-Race abgeartet; da hingegen die (wenn gleich entfernter, aber einen meist mil - dern Erdstrich bewohnende) Amerikanische Race sich derselben wiederum mehr nähert; und nur am südlichsten Ende ihres Welttheils; nähmlich an dem beeisten Feuerlande nochmahls in die Mongolische Gestaltung zurückfallt. Eben so ist ge - genseitig die Aethiopische Race im brennendheißen Afrika zum andern Extrem in der Stufenfolge der Menschenvarietaten ausgeartet, die hingegen in dem schon mildern Neu-Holland und auf den neuen Hebriden ꝛc. zur Malayischen Race übergeht.Wie vielen Einfluß dabey aber auch die Vermischung fremd - artiger durch Völkerwanderung zusammentreffender Ra - cen habe, bedarf kaum erst einer Erwähnung..

Allen den fabelhaften Wust herzuzählen, womit die Men - schen die N. G. ihres Geschlechts verunreinigt haben, lohnt sich jetzt nicht der Mühe; doch nur Weniges von vielem.

Die vermeintlichen Patagonischen Riefen z. B. sind, von Magalhaens Zeiten bis auf die unsri - gen, in den Erzählungen der Reisenden, von zwölf Fuß zu siebenthalb eingekrochen, und bleiben also wenig größer als jeder andere Mensch von guter Statur.

Und daß die noch neuerlich von Commerson für ein Zwergvölkchen ausgegebenen Quimos auf Mada - gascar nichts weiter sind als eine Art Kretine, d. h. kleine Blödsinnige mit dicken Köpfen und langen Ar - men, (dergleichen sich im Salzburgischen, so wie im Walliserlande, zumahl aber im Piemontesischen in Men - ge finden), wird bey pathologischer Prüfung mehr als bloß wahrscheinlich.

Eben so sind die Kackerlacken, Blafards, Albinos, oder weiße Mohren*)Von diesen so genannten weißen Mohren (Nègres blancs) müssen die bloß weißgefleckten Neger genau unterschie - den werden, deren einer, den ich in London gesehen und eine Probe von seinem weiß und schwarzen Wollhaar mitgebracht habe, in den Abbild. n. h. Gegenst. tab. 21. nach dem Le - ben vorgestellt ist. nicht ein Mahl eine Spiel - art, geschweige eine besondere Gattung, sondern gleich - falls Patienten, deren Geschichte mehr in die Patho - logie als in die Naturhistorie gehört.

Linnés Homo troglodytes ist ein unbegreifliches Ge - misch aus der Geschichte jener preßhaften kränklichen weißen Mohren, und des Orangutangs sein Homo lar hingegen ein wahrer Affe.

Die in Wildniß unter Thieren erwachsenen Kin - der**)Ausführlich habe ich von diesen gehandelt im II. Theile der Beytr. zur Naturgesch. p. 13 44. sind klägliche sittliche Monstra, die man eben60 so wenig, als andere durch Krankheit oder Zufall entstellte Menschen zum Muster des Meisterstucks der Schöpfung anführen darf.

Geschwänzte Völker, von Natur geschürzte Hottentottinnen, die vorgebliche natürliche Bartlosigkeit der Amerikaner*)Verschiedenheit im schwächern oder stärkern Haarwuchs ist oben bey der Mongolischen und Malayischen Race angegeben. Aber die gänzliche Bartlosigkeit mancher Amerikaner, die ist Werk der Kunst, so gut als die winzig kleinen Füßchen der Schinesischen Frauenzimmer ( die Struthopodes des Eudo - rus beym Plinius. ), die Sirenen, Centauren, und alle Fabeln von gleichem Schrot und Korn, verzeihen wir der gutherzigen Leichtgläu - bigkeit unserer lieben Alten.

II. QVADRVMANA.

Säugethiere mit vier Händen, wie es ihre Le - bensart und ihr Aufenthalt auf den Bäumen erfordert. Sie sind ursprünglich wohl bloß zwischen den Wende - cirkeln zu Hause**)Histoire naturelle des Singes, peints d'après nature par J. D. Audebert. Par. 1797. gr. Fol..

2. Simia: Affe. Habitus plus minus anthropo - morphus, auriculae et manus fere humanae. Nares anteriores. Dentes primores incisores, supra et infra 4. laniarii solitarii, reliquis lon - giores.

Bloß in der alten Welt; zwar menschenähnlicher als die Thiere der nächstfolgenden Geschlechter, doch aber außer den schon beym Menschengeschlecht angeführten Umständen, in ihrer ganzen Bildung, besonders auch durch die schmalen Hüften und platten Lenden, auf das auffallend sittlichste vom Menschen unterschieden.

a) Ungeschwänzte.

1. Satyrus, der Orangutang. S. rufa, pilis longis raris, capite globoso, fronte tumida, auriculis mino - ribus.

61

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 12. und 52.

Wie es scheint bloß auf Borneo, und auch da in ge - ringer Anzahl*)Folglich eine sehr kleine Species von Säugethieren; so wie hingegen das Menschengeschlecht, von circ. tausend Mil - lionen Köpfen, wohl die größte.; läßt sich, wenn er ganz jung einge - fangen worden, so wie der Schimpansee und andere Affen auch, zu allerhand künstlichen Handlungen ab - richten, die man aber von seinem natürlichen Betragen genau unterscheiden muß.

Ist, wie Camper aus der Zergliederung eines solchen Thiers gezeigt, weder einer menschlichen Rede, noch eines natürlichen aufrechten Ganges fähig.

2. Troglodytes, der Schimpansee, Barris. S. nigra, macrocephala, torosa, auriculis magnis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 11.

Im Innern von Angola, Congo ꝛc. und tiefer land - einwärts; so wie der vorige ungefähr von der Größe eines dreyjährigen Buben.

3. Lar, der Gibbon, Golok, (Linnés Homo lar) S. brachiis longisimis, talos attingentibus.

v. Schreber tab. 3.

Auf beyden Indischen Halbinseln, auch auf den Mo - lucken; hat ein rundliches, ziemlich menschenähnliches Gesicht und ungeheuer lange Arme, und ist von schwärz - licher Farbe.

4. Sylvanus, der gemeine Türkische Affe. S. brachiis corpore brevioribus, natibus caluis, capite subrotundo.

v. Schreber. tab. 4.

In Nordafrika, Ostindien ꝛc. Unter den ungeschwänz - ten Affen der gemeinste und dauerhafteste; der auch leicht in Europa Junge heckt; ist sehr gelehrig ꝛc. Ihm ähnelt der inuus (cyocephalus, Büffons magot) der auch gleiches Vaterland mit ihm hat. Einer von bey - den ist auch auf Gibraltar verwildert, und hat sich da im Freyen fortgepflanzt.

b) Geschwänzte.

5. Rostrata, der langnasige Affe, Kahau, Bantagan, Bantanian, (Fr. le nasique, la guenon à long nez). S. cauda mediocri, naso elon - gato, rostrato.

62

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 13.

Auf den Sundaischen Inseln. Eine simia die nicht sima ist, sondern sich durch eine lange rüsselförmige Na - se auffallend auszeichnet.

6. Silenus, der Bartaffe, Manduru. S. cauda - ta, barbata nigra, barba nigra prolixa.

v. Schreber tab. 11.

Auf Ceilon etc Ältere ganz kenntliche Abbildungen*)Ursprünglich in Bernh. von Breydenbach Reyß in das gelobt Land. Mainz. 1486. Fol. dieses Affen sind durch Verschönerung von spätern Co - pisten**)Z. B. im VI. B. von Martini's Übersetzung von Büffon. zum vorgeblichen geschwänzten Menschen um - gestaltet worden.

7. Cynomolgus, der Macacco, die (insgemein so genannte) Meerkatze. S. cauda longa, arcuata, labio leporino.

v. Schreber tab. 12.

Auf Guinea, Angola ꝛc. beynahe olivengrün. Wird unter den geschwänzten wahren Affen am häufigsten nach Europa gebracht.

3. Papio, Pavian (Fr. babouin, Engl. baboon.) Facies prolongata, minus anthropomorpha, na - sus utrinque tuberosus, natos nudae, coccineae, cauda (plerisque***)Denn der furchtbar große Pavian auf Borneo (papio von - go), ist gänzlich ungeschwänzt; und der Mandril hinge - gen kann wohl langgeschwänzt heißen.) abbreviata. Dentes vt in simiis.

Auch bloß in der alten Welt. Ihr Kopf hat wenig menschenähnliches, bey manchen eher etwas vom Schwein, zumahl in der Schnauze. Meist sind es unbändige, und äußerst geile Thiere.

1. Mormon, der Choras. P. naso miniato ad latera caerulescente.

v. Schreber tab. 8. A. 8. B.

Auf Ceilon ꝛc. Wird gegen fünf Fuß hoch; hat, zu - mahl wegen der hochfarbigen abstechenden Streifen auf und zu beyden Seiten der Nase, ein auffallendes An - sehen.

2. Maimon, der Mandril. P. facie violacea glabra, profunde sulcata.

v. Schreber tab. 7.

63

Auf Guinea, am Cap ꝛc. wo oft ganze Scharen Weinberge und Obstgärten plündern sollen. Viel klei - ner als der vorige.

4. Cercopithecus, Meerkatze. Auriculae et manus minus humanae. Nares laterales. Na - tes tectae. Dentes ut in simiis.

Das ganze Geschlecht ist bloß im wärmern Süd - America einheimisch, wo es den einheimischen India - nern zu einem gemeinen Wildbret dient.

a) Cauda prehensili, die Sapaious.

1. Seniculus, der rothe Brüllaffe (l' Alouate). C. barbatus rufus, gutture tumido.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 91.

Schaarenweis in den großen Waldungen von Guia - na ꝛc., wo er, so wie eine andre Gattung (Cercop. Bel - zebul) zumahl bey Wetterveränderung ein betäubendes Geschrey hören läßt, das durch eine sonderbare knöcher - ne Resonanzblase an dem dadurch gleichsam kropfförmig aufgetriebenen Kehlkopf, hervorgebracht wird.

2. Paniscus, der Coaita C. ater, palmis tetradactylis absque pollice.

v. Schreber tab. 26. A. 26. B.

Hat ungemeines Geschick in seinem langen Roll - schwanze*)Die sonderbare Art, wie sich ihrer mehrere gleichsam ketten - artig an einander hängen sollen, um sich von einem Baume am dießseitigen Ufer eines Flusses, auf einen jenseits gegen über stehenden zu schleudern, ist abgebildet in der Original - Ausgabe von Ant. de Ulloa viage. Madr. 1748. fol. vol. I. p. 144. dergl. mit p. 149.

b) Cauda non prehensili, die Sanguinchen.

3. Iacchus, der Uistiti. C. juba pilosa alba ad genas ante aures, cauda villosa annulata.

v. Schreber tab. 33.

Braun, und so klein, daß er in einer Cocosnuß - Schale Raum hat.

5. Lemvr, Maki. Nasus acutus, dentes primo - res superiores 4. per paria remoti, inferiores 4 6. porrecti, compressi, incumbentes; laniarii solitarii, approximati**)Gotth. Fischer's Anatomie der Maki. I. B. Frankf. 1804 4. mit Kupf..

64

1. Tardigradus, der Loris. (cueang.) L. ecaudatus.

v. Schreber tab. 38.

Auf Ceilon; hat die Größe und Farbe des Eichhörn - chens, schlanke dünne Veine ꝛc. und so wie die folgende Gattung am Zeigefinger der Hinterfüße eine spitzige Kralle, an allen übrigen Fingern aber platte Nägel.

2. Mongoz, der Mongus. L. facie nigra, corpore et cauda griseis.

v. Schreber tab. 39. A. 39. B.

So wie einige verwandte Gattungen auf Madagascar und den benachbarten Inseln. Die Hinterfüße sind viel länger als die vordern. Sein Fell hat, wie bey man - chen Affen, einen specifiken Geruch, fast nach Ameisen - haufen.

III. CHIROPTERA.

Die Finger der Vorderfüße sind, den Daumen aus - genommen, länger als der ganze Körper dieser Thiere; und zwischen denselben ist die zarte Flatterhaut aus - gespannt (§. 43.). Daher können sie eben so wenig als die Affen mit ihren Händen, oder die Faulthiere mit ihren hakenförmigen Kletterkrallen ꝛc. bequem auf der Erde gehen.

6. Vespertilio, Fledermaus. (Fr. chauve - souris. Engl. bat.) Pollex palmarum et digiti plantarum breves, reliqui longissimi, membra - nae expansili intertexti, pro volatu.

Ein weitläufiges Geschlecht von, animalibus noctur - nis, dessen verschiedene Gattungen in alle fünf Welt - theile verbreitet sind.

a) Dentibus primoribus 4. utrinque.

1. Spectrum, der Vampyr. V. ecaudatus, naso in - fundibuliformi lanceolato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 31.

In Südamerika; der Körper von der Größe des Eichhörnchen. Wird dadurch sehr lästig, daß er nicht nur anderen größeren Säugethieren, dem Rindvieh, Pferden ꝛc. sondern auch schlafenden Menschen, bey wel - chen er sich vorzüglich an die Fußzehen setzt, Blut65 aussaugt, woher er denn auch den Nahmen des Vam - pyrs (Blutsaugers) erhalten hat.

2. Caninus, der fliegende Hund. (Linne's vam - pyrus, Büffon's roussette. ) V. ecaudatus, naso simplici, membrana inter femora divisa.

v. Schreber tab. 44.

Weit größer als der Vampyr, so daß er mit ausge - spannten Flatterhäuten gegen 6 Fuß messen soll, lebt aber bloß von Baumfrüchten und kann also schlechter - dings nicht Vampyr genannt werden: findet sich scha - renweise in Hindostan und auf den Ostindischen und Austrat-Inseln; in unzähliger Menge aber auf Neu - Holland. Ist auf den Pelew-Inseln das alleinzige Säugethier.

b) Dentibus primoribus supra 4. infra 6.

3. . Auritus, (Büffon's oreillard.) V. caudatus, au - riculis maximis.

So wie die folgende in den mildern Gegenden der alten Welt. Ihre Ohren, die man insgemein, aber ir - rig, doppelt nennt, sind einfach, nur alle Theile un - geheuer groß.

4. . Murinus, die gemeine Fledermaus, Speck - maus. (Engl. the rearmouse) V. caudatus, auri - culis capite minoribus.

Hängt sich so wie auch die vorige Gattung zu ihrem Win - terschlaf in Höhlen an den Hinterfüßen auf. Vermehrt sich zuweilen in manchen Gegenden binnen kurzer Zeit in Unzahl.

c) Dentibus primoribus superioribus nullis.

5. . Ferrum equinum, die Hufeisennase. V. naso foliato ferrum equini aemulo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 42.

Im mittlern und südlichen Europa.

IV. DIGITATA. (Pododactyla).

Die Säugethiere mit freyen Zehen an allen vier Füßen. Die zahlreichste Ordnung an Geschlechtern und Gattungen, daher jene füglich nach der Verschiedenheit ihres Gebisses erst wieder unter drey Familien gebracht werden.

66

A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires. (Scalpris dentata Jo. Hunter.)

Mit zwey zum Nagen bestimmten meißelartigen Vor - derzähnen in jedem Kiefer, ohne Eckzähne.

7. Sciurus. Cauda pilosa, disticha. Dentes pri - mores utrinque 2. inferiores subulati.

1. Volans, das fliegende Eichhörnchen. (Büf - fon's polatouche.) S. duplicatura cutis lateriali a pedibus anterioribus ad posteriores.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 71.

In Liefland, Rußland und Sibirien. Von der Farbe des petit gris. Das schlaffe Fell, das von den Vorder - füßen nach den Hinterfüßen zu auf der Seite wegläuft, dient ihm nur wie zu einem Fallschirm, um einen wei - tern Sprung von der Höhe herab wagen zu dürfen.

2. . Vulgaris, das Eichhörnchen. (Fr. l'ecureil. Engl the squirrel.) S. auriculis apice barbatis, cau da dorso concolori.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1808.

Wohl in ganz Europa, und fast ganz Asien. Die nordischen, zumahl an den Ufern des Ob - und am Bai - kal-See, werden im Winter grau, und geben dann das echte Grauwerk, (petit gris). Zuweilen finden sich auch hier zu Lande schwarze Eichhörnchen; seltener schneeweiße mit rosenrothen Augen; und noch seltener weiß - und schwarzgefleckte.

Der Virginische Sc. cinereus (Büffon's petit gris) ist größer und ohne Ohrpinsel. Thut zumahl den Mais - feldern großen Schaden.

8. Glis. (Myoxus.) Cauda rotunda, versus api - cem crassior. Dentes ut in sciuris.

1. . Esculentus, der Siebenschläfer, Ratz, Bilch, die Rellmaus. (Fr. le loir. Engl. the rellmouse.) G. grisens, subtus albidus, auriculis ro - tundatis, nudis.

v. Schreber tab. 225.

So wie die folgende Gattung in den mildern Erd - strichen der alten Welt. Es ist der wahre glis der Al - ten, den sie verspeiseten*)Apicius VIII. 9., und in eigenen glirariis**)Varro de R. R. III. 15. mästeten. Lebt in Eichen - und Buchenwäldern, nistet67 in hohle Bäume; und hält langen und sehr festen Win - terschlaf.

1. . Avellanarius, die kleine Haselmaus. (Fr. le muscardin. Engl the dormouse.) G. rufus, pol - lice plantarum mutico, auriculis rotundatis.

v. Schreber tab. 227.

Kleiner am Leibe als die Hausmaus. Zu ihrem Win - terschlaf bereitet sie sich ein kugliches, ziemlich festes Lager von Tangelnadeln, u. a. kleinem Gestrüppe, wor - ein sie sich vergräbt.

9. Mus. Cauda gracilis, subnuda. Dentes ut in praecedentibus.

1. Oeconomus, die Wurzelmaus. M. cauda subses - quiunciali, auriculis nudis vellere molli latentibus, palmis subtetradactylis, corpore, fusco.

v. Schreber tab. 190.

Durch Sibirien, bis nach Kamtschatka. Wird theils durch die großen Wanderungen, die sie, zumahl von Kamtschatka aus, in manchen Jahren, fast wie der Lemming, anstellt, besonders aber durch die Industrie merkwürdig, womit sie eine große Menge meist eßbarer Wurzeln in ihre unterirdischen Höhlen schleppt, denen die Tungusen ꝛc. (wie die Thüringer dem Hamster-Vor - rath) nachgraben.

2. . Sylvaticus, die Waldmaus, große Feld - maus. (Fr. le mulot. Engl the field rat.) M. cauda mediocri, pectore flavescente, abdomine albido.

v. Schreber tab. 180.

Thut den Feldfrüchten und der Holzsaat Schaden.

3. . Amphibius, die Wasserratte, der Erd - wolf. M. cauda longitudine dimidia corporis, auri - bus vix vellere prominulis, pedibus subtetradactylis.

v. Schreber tab. 186.

Ist zumahl den Gärten nachtheilig, besonders dem Wurzelwerk.

4. . Arvalis, die Feldmaus, Stoßmaus. (Fr. le campagnol. Engl. the field mouse.) M. cauda me - diocri, dorso ferrugineo, abdomine cinereo.

v. Schreber tab. 191.

Vermehrt sich in manchen Jahren ungeheuer, und thut zumahl der Wintersaat großen Schaden. Das be - währteste Vertilgungsmittel ist wohl der Englische Erd - bohrer.

5. . Musculus, die Hausmaus. (Fr. la souris. 68Engl. the mouse.) M. cauda elongata, palmis te - tradactylis, police palmarum mutico.

In Europa und den gemäßigten Erdstrichen von Asten und Amerika. Hat sich dem Menschen gewisser Maßen zum Hausthiere aufgedrungen.

Die weißen Mäuse mit rothen Augen sind die Kacker - lacken in ihrer Art, und zuweilen so lichtscheu, daß sie in der Hellung die Augenlieder fest zuschließen, und für blind gehalten werden.

6. . Rattus, die Ratte. (Fr. le rat. Engl. the rat.) M. cauda elongata, palmis tetradactylis cum ungui - culo pollicari.

Ist jetzt fast über alle fünf Welttheile verbreitet; scheint aber ursprünglich im mittleren (Europa zu Hause. Äußerst gefräßig. Frißt sogar Scorpione, und zieht dem Men - schen und seinen Victualien überall nach. Den Berg - leuten in die tiefsten Schachte, so wie den Seefahrern auf die Schiffe. Unter andern gehört diese Land - und Hausplage zu den gefährlichsten Feinden der Zuckerplan - tagen in West-Indien.

An vielen Orten wird sie allgemach durch die ursprüng - lich wohl in Ostindien und Persien einheimische Wan - derrate (M. decumanus. Fr. le surmulot) verdrängt, die von rothlichgrauer Farbe und ihr Fell mit vielen ein - zelnen langen Borstenhaaren durchmengt ist.

10. Marmota. (Arctomys.) Auriculae abbrevia - tae, cauda brevis, aut nulla. Dentes ut in prae - cedentibus.

1. Alpina, das Murmelthier (Granbündnisch murmont vom Lat. mus montanus. Fr. la marmotte.) M. corpore depresso, supra fusco, subtus flavescente.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1812.

In vielen der höhern Alpen von Europa und Asien, Merkwürdig ist, daß man es auf der allé blanche in Savoyen theils auf isolirten Klippen findet, die wie Inseln aus diesem Eismeer hervorragen, Stunden weit von allem unbeeiseten Erdreich entfernt, und im gan - zen Jahr nur etwa sechs Wochen lang vom Schnee ent - blößt sind; so daß scheint, die dasigen Murmelthiere durchschlafen wenigstens zehn Monathe vom Jahre, und bringen nur einen äußerst kleinen Theil ihrer Existenz wachend zu.

2. . Cricetus, der Hamster, Kornferkel. M. abdomine nigro.

69

F. S. Sulzers N. G. des Hamsters. Gött. 1774. 8. Taf. 1. 2.

Hin und wieder in Deutschland, Pohlen, Sibirien ꝛc. Lebt vorzüglich von Getreide, Bohnen ꝛc., wovon er großen Vorrath in den Backentaschen zu seinen unter - irdischen, wohl 7 Fuß tiefen Höhlen, schleppet. Eine Höh - le hält wohl manchmahl auf 60 Pfund solcher Victualien. Er vermehrt sich ausnehmend, und man hat wohl eher im Gothaischen in einem Jahr über 27000 Hamster ge - tödtet. Es gibt eine ganz schwarze Spielart unter die - sen Thieren, so wie auch Kackerlacken mit rothen Pu - pillen.

3. Lemmus, der Lemming. M. capite acuto, corpore - re nigro fulvorque irregulariter maculato.

v. Schreber tab. 195. A. 195. B.

Häufig in Lappland und Sibirien Zuweilen emigri - ren ganze Legionen von einer Gegend in die andere. Ihre unerwartete und unbemerkte Ankunft, und dann auch der Fall, daß, welche von den Raubvögeln in die Lust gehoben und sich doch noch los gearbeitet und her - untergefallen ꝛc., mag zu der alten Sage Anlaß gege - ben haben, daß es mitunter Lemminge vom Himmel regne.

4. Typhlus, die Blindmaus, Slepez, M. ecau - data, palmis pentadactylis, incisoribus supra infra - que latis, palpebrarum aperturis auriculisque nullis.

v. Schreber tab. 206.

Im südlichen Rußland. Lebt mehrentheils unter der Erde. Soll für seine kleinen ganz deutlichen Augäpfel doch gar keine Öffnung in der Gegend der Augenlieder haben, und folglich gänzlich blind seyn.

11. Hyrax. (Daman.) Dentes primores superio - res 2. distantes, inferiores 4. contigui, palmae digitis 4, plantae digitis 3, cauda nulla.

1. Capensis, der Klipdas. (Büffon's marmotte du Cap.) H. palmarum unguibus planis, plantarum unico subulato.

v. Schreber tab. 240.

Am Cap, fast von der Größe des Murmelthiers. La - gert sich auch so in Felsenhöhlen, ist aber seinem eige - nen anomalischen Bau nach zumahl wegen des Gebisses und der Füße schwer zu classificiren.

12. Scavia. Halbkaninchen. Auriculae ro - tundatae, parvae. Cauda nulla aut brevis. Den - tes primores utrinque 2.

70

Das ganze Geschlecht bloß im wärmern Südamerika, zumahl in Brasilien.

1. Porcellus, das Meerschweinchen. Cobaya, (Fr. le cochon d'Inde. Engl. the Guinea pig.) S. ecau - data, corpore variegato.

v. Schreber tab. 173.

Kommt auch in Europa leicht fort, variirt in der Farbe, und ist wohl das fruchtbarste von allen Säuge - thieren.

2. Aguti, (Piculi) das Ferkelkaninchen S. cau - data, corpore ex rufo fusco, abdomine flavescente.

v. Schreber tab. 172.

Größer als ein Kaninchen.

13. Lepvs. Dentes primores utrinque 2. superio - res duplicati.

1. . Timidus, der Hase, (Fr. le liévre, Engl. the hare. ) auriculis apice nigris, corpore et pedibus posticis longioribus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

Fast in der ganzen alten Welt, und auch in Nord-Ameri - ka Ist unter den Fußsohlen, und sogar zum Theil im Munde, behaart. Beyde, Hasennd Kaninchen, scheinen wieder zu kauen*)III. B. Mosis, C. XI. V. 5. u. f..

Sonderbar ist die wundersame, von so vielen braven Naturforschern für wahr angenommene Sage, daß man schon oft und in ganz verschiedenen Gegenden und Zei - ten einzelne gehörnte Hasen mit kleinen Rehgeweihchen gefunden habe**)Meine Zweifel gegen die Echtheit derselben habe ich im Handbuche der vergleichenden Anatomie S. 34, u. f. angegeben..

Der Berghase (Lepus variabilis) in manchen nörd - lichen und Alpinischen Gegenden, unterscheidet sich schon in der Bildung vom gemeinen durch einen dickeren Kopf, kürzere Ohren, und kürzern Schwanz, längere Hinter - beine mit auffallend breiten Pfoten, paart sich auch nicht mit jenem. Im äußersten Norden, wie in Grönland ꝛc. ist er Jahr aus Jahr ein, in den Schweizer - und Ty - roler Alpen ꝛc. aber nur im Winter weiß***)s. Meisners Museum der Naturgesch. Helvetiens Nro. 4..

2. . Cuniculus, das Kaninchen. (Fr. le lapin. Engl. the rabbet.) L. auriculis nudatis, corpore et pedibus posticis brevioribus.

von Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

71

Ursprünglich in den wärmern Zonen der alten Welt, aber nun auch in nordischen Gegenden einheimisch. Sie verwehren sich so stark, daß sie wohl eher [z. B. neuer - lich ums Jahr 1736 auf der St. Peters Insel bey Sar - dinien*)(Cetti) quadrupedi di Sardegna. p. 149.] zur Landplage geworden sind†) Certum est, Balearicos adversus proventum cuniculorum auxilium militare a divo Augusto petiisse. Plinius.; und kom - men auch in ganz wüsten Gegenden, wie auf Volcano, der sonst so öden Liparischen Insel fort. Die wilden sind grau. Die weißen mit rothen Augen sind Kackerlacken in ihrer Art.

Die langhaarigen Angorischen (S 28. Anm. 2.) oder so genannten Englischen Seidenhasen kommen auch hier zu Lande gut fort.

14. Iaculus. (Dipus.) Pedes antici brevissimi, postici elongati. Cauda saltatoria, apice floc - cosa. Dentes primores utrinque 2.

1. Jerbou, der Springhase, Erdhase, die Springmaus, zweybeinige Bergmaus. Palmis tridactylis, plantis tetradactylis.

v. Schreber tab. 228.

Zumahl in Nord-Afrika, Arabien ꝛc. Macht sich Höh - len in die Erde Springt mit der Leichtigkeit einer Heu - schrecke, und wohl 7 bis 8 Fuß weit.

15. Hystrix. Stachelschwein. (Fr. porcepic. Engl. porcupine.) Corpus spinis tectum. Den - tes primores utrinque 2.

[1)] Dorsata, (Urson.) H. spinis brevibus sub pilis occultis.

v. Schreber tab. 169.

In Canada, auf Labrador, um die Hudsonsbau ꝛc. Thut zumahl im Winter den jungen Baumstämmen gro - ßen Schaden.

2. Cristata. H. spinis longissimis, capite cristato, cau - da abbreviata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 81.

Ursprünglich im wärmern Asien und fast ganz Afrika; nähert sich zumahl von Baumrinden; nistet in der Erde. Im Zorn rasselt es mit seinen Stacheln, die ihm zu - weilen, besonders im Herbst, ausfallen; kann sie aber nicht gegen seine Verfolger von sich schießen! **)Der weiland als Panazee berufene köstliche Gallenstein (pie - dra del porco) soll sich in einer noch nicht genau bekannten Ostindischen Gattung von Stachelschweinen finden.

72
B.) Ferae.

Mit spitzen oder zackigen Vorderzähnen, und meist nur einem Eckzahn auf jeder Seite, der aber bey den mehrsten von ansehnlicher Größe und Stärke ist. Die eigentlich so genannten reißenden Thiere und einige an - dere Geschlechter mit ähnlichem Gebiß.

16. Erinaceus. Corpus spinis tectum. Den - tes primores utrinque 6*)Schwerlich nur 2, wie Linné weinte. Denn obere Vor - derzähne sind doch wohl alle die, so im Os intermaxillare ( S. 52. Not * ) sitzen; und untere alle die vorn im Un - terkiefer, auf welche jene obern passen.; laniarii supra 3, in - fra 1. molares 4.

1. . Europaeus, der Igel. (Fr. le hérisson. Engl. the hedge-hog.) E auriculis rotundatis, naribus cri - siatis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ein animal noctur - num. Nährt sich aus beyden Reichen. Mauset wie eine Katze. Kann Spanische Fliegen in Menge fressen. Spießt allerdings (wie die Alten sagen, von den Neuern hinge - gen ohne allen Grund bezweifelt, mir aber nun schon von drey ganz zuverlässigen Augenzeugen versichert wor - den) Früchte an seine Rücken-Stacheln, um sie so in sein Lager zu tragen**)Es bezeugt es auch Dr. Patr. Russel in der neuen Aus - gabe von seines Bruders nat. hist. of Aleppo T. II. p. 419..

17. Sorex. Nasus rostratus, auriculae breves. Dentes primores superiores 6***)So ist es wenigstens bey der Wasserspitzmaus., bifidi; infe - riores 2 4 intermediis brevioribus; laniarii utrinque plures.

1. . Araneus, die Spitzmaus. (Fr. la musaraigne, Engl. the shrew,) S. cauda mediocri, abdomine albido.

v. Schreber tab. 160.

In Europa und Nord-Asien ꝛc. Daß sie giftig sey, oder den Pferden in den Leib krieche ꝛc. sind ungegrün - dete Sagen. Selten finden sich weiße Spitzmäuse.

2. . Fodiens, die Wasserspitzmaus. S. abdomi - mine cinereo, digitis ciliatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 72.

An kleinen Gewässern. Statt einer Schwimmhaut ist jede Zehe zu beyden Seiten mit steifen Härchen besetzt,73 die die Füße zum Rudern ungemein geschickt machen. Die Oeffnung des Gehörganges kann das Thier durch eine Klappe zuschließen, so lange es unter Wasser ist.

3. Exilis. S. minimus, cauda crassissima tereti.

Am Jenisei und Ob. Das kleinste der bis jetzt be - kannten Säugethiere. Wiegt nur 1 / 2 Quentchen.

18. Talpa. Caput rostratum, palmae fossoriae. Dentes primores superiores 6, inferiores 8; la - niarii maior 1, minores 4.

1. . Europaea, der Maulwurf, die Schermaus. (Fr. la taupe. Engl. the mole.) T. cauda breviore, auriculis nullis.

Fast in der ganzen alten Welt. Ist ein vollkomme - nes animal subterraneum, wozu ihm außer andern Ei - genheiten seines Körperbaues, besonders die Schaufel - pfoten zu Staaten kommen. Er hat sehr kleine Augen, kann geschickt schwimmen und bey Überschwemmung auf die Bäume klettern. Eine erbsengelbe Spielart findet sich mitunter in der hiestgen Gegend.

2. Versicolor, (s. aurata). T. ecaudata, palmis tridactylis.

Vosmaer's monogr. 1787.

Bloß am Cap. Kann also nicht (nach Linné) asiati - ca heißen. Ihr Haar schillert, zumahl wenn es naß ist, mit farbigem Goldglanz.

19. Didelphis. (plerisque) Hallux muticus. Fe - minis folliculus abdominalis mammarum.

Auch bey dieses Geschlechts so zahlreichen und einan - der im Ganzen so verwandten Gattungen variirt doch das Gebiß so mannigfaltig, daß dieselben nach dem Lin - néischen System in ganz verschiedene Geschlechter ver - theilt werden müßten.

1. Marsupialis, das Beutelthier, Opossum. D. albida, auriculis, antibrachiis et tibiis nigris, cau - da squamosa longitudine corporis. Dentes primores superiores 10, inferiores 8, laniarii elongati.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 54.

Zumahl im wärmern Nord-Amerika*)Beobachtungen an einem Beutelthier, das ich leßendig beses - sen, habe ich in Voigt's neuent Magazin mitgetheilt, im z. B. S. 683. u. f.. Das Weib - chen von dieser und den mehresten übrigen Gattungen dieses Geschlechts hat eine große Tasche am Bauche, die durch besondere Muskeln geschlossen und geöffnet74 werden kann; und in deren Boden die Zitzen liegen. Die Jungen werden ganz außer Verhältniß klein (gleich - sam nur als unreife Abortus) zur Welt gebracht, dann aber erst lange Zeit in dieser Tasche getragen, wo sie sich ansaugen und von der Muttermilch nähren, bis sie reifer und vollkommener ausgebildet, gleichsam von neuem geboren werden können.

2. Dorsigera, der Surinamische Aeneas. D. cauda basi pilosa, orbitarum marginie fusco. Dentes ut in priori.

v. Schreber tab. 150.

In Süd-Amerika Das Weibchen, das bey dieser Gattung keinen Zitzensack hat, soll seine Jungen, wenn sie noch klein sind, auf dem Rücken tragen, und diese sich dabey mit ihren Nollschwänzen an der Mutter ih - rem anhalten.

3. Gigantea, das Känguruh. Cauda apice attenua - to, pedibus anticis brevissimis, posticis longissimis. Palmis pentadactylis, plantis subtetradaetylis Den - tes primores superiores 6. inferiores 2. laniarii nulli.

v. Schreber, tab. 154.

In Neu-Holland Mausefahl. Ist, wenn es auf - recht sitzt, wohl mannshoch, und 140 Pfund schwer. Lebt in Heerden von 50 und mehr Stück. Ist bloß grasfres - send. Springt in weiten wohl zwey Klafter langen Sätzen. Das Weibchen hat einen Zitzensack. Wirst nur Ein Junges auf einmahl, das bey der Geburt kaum halb so groß als eine Maus ist, dann aber von der Mutter drey Vierteljahr lang in jenem Sacke getra - gen wird, bis es wohl 14 Pfund wiegt.

20. Viverra. Caput vulpinum. Cauda pleris - que felina. Dentes primores utrinque 6. inter - mediis brevioribus. Lingua plerisque retrorsum aculeata. Ungues exserti.

1. Zibetha, die Zibethkatze. (Hyaena odorifera. Fr. la civette. Engl. the civet). V. cauda annulata, dor - so cinereo nigroque undatim striato.

v. Schreber tab. 112.

Im südlichen Asten und nördlichen Afrika. Bey bey - den Geschlechtern sammelt sich in einer besondern Höhle, die zwischen dem After und den Zeugungsgliedern liegt, das Zibeth, eine schmierige, wohlriechende Substanz.

2. Genetta, die Genettkatze. (Fr. la genette. Engl. the genet.) V. cauda annulata, corpore fulvo-nigri - cante maculato.

75

v. Schreber tab. 113.

In der Levante. Wird seines Felles wegen geschätzt.

3. Putorius, das Stinkthier, Conepatl. (Fr. la mouffette. Engl. the skunk, pol-cat.) V. lineis quinque dorsalibus parallelis albis.

v. Schreber tab. 122.

In Virginien, Canada ꝛc. Hat seinen Nahmen von dem unerträglichen Gestank, den es, so wie mehrere verwandte Gattungen seines Geschlechts, im Zorne von sich gibt.

4. Ichneumon, die Pharaonsmaus, der Mun - go (Buffon's große mangouste) V. cauda basi incrassata sensim attenuata apice floccosa.

v. Schreber tab. 45 B.

Hat straffes, fast borstenartiges Haar, mit braunen breit geringelten Streifen. Ist häufig in Ägypten, wo es zumahl den Krokodilleneyern, so wie außer dem den Schlangen, nachstellt; sich aber ausnehmend kirre und häuslich machen läßt.

5. Aurita, das Großohr. (Fennec. Büffon's ani - mal anonyme) V. auriculis amplissimis.

Bruce's Reisen nach den Quellen des Nils, V. B. tab. 22.

In der Barbarey, Nubien ꝛc. Nistet auf den Palmen, und lebt Vorzüglich von Datteln.

21. Mustela. Dentes primores superiores 6, erecti, acutiores, distincti: inferiores 6, obtusio - res, conferti; duo interiores. Lingua laevis.

Die Gattungen dieses Geschlechts haben kurze Füße, und einen lang gestreckten Körper, den sie im Gehen bogenförmig krümmen. Sie sind sehr flink, beißig und blutdürstig.

1. . Martes, der Baummarder, Edelmarder, Tannenmarder, Wildmarder, Feldmar - der. (Fr. la marte. Engl. the pinemartin.) M. cor - pore fulvo-nigricante, gula.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

Zumahl im Schwarzholz der ganzen nördlichen Erde. Sein schönes Fell kommt dem Zobel am nächsten.

2. . Foina, der Hausmalder, Steinmarder, (Fr. la fouine Engl. the martin,) M. corpore fulvo - nigricante, gula alba.

v. Wildungen a. a. O.

Im mittlern und wärmern Europa und dem benach -76 barten Asien. Läßt sich jung eingefangen, so wie auch die vorige Gattung, zum Wunder zahm machen.

3. . Putorius, der Iltis, Ilk, Ratz, Stänker - ratz. (Fr. le putois. Engl. the fithet, polecat.) M. flavonigricans, ore et auricularum apicibus albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Hausmarder. Auch in der Barbarey. Das ganze Thier, und selbst sein abgezogenes Fell geben einen sehr widrigen Geruch von sich.

Das Frettel (furo, Fr. le furet. Engl. the fer - ret) von gelblich weißer Farbe mit rothen Pupillen, ist ein wahrer Kackerlacke in seiner Art, folglich wohl sicher keine ursprüngliche eigene Gattung, sondern eine Ab - art von Iltis, mit welchem es sich auch paart. Taugt gut zum Ratten - und Kaninchen-Fang.

4. Zibellina, der Zobel. (Fr. la zibeline. Engl. the sable.) M. corpore fulvo-nigricante, facie et gula cinereis.

v. Schreber tab. 136.

Zumahl in Sibirien. Die schönste mit recht schwarz - braunen, dickhaarigem und glänzendem Fell finden sich um Jakuzk.

5. . Erminea, das große Wiesel, Hermelin. (Fr. le rosolet, l'hermine. Engl. the stoat, the er - mine. ) M. caudae apice nigro.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

In der nördlichen Erde, vorzüglich in Sibirien, Grö - ßer als das gemeine Wiesel. Ändert aber eben so wie dieses die Farbe, so daß es im Sommer bräunlich, im Winter aber (als Hermelin) weiß ist.

6. . Vulgaris, das gemeine Wiesel. (Fr. la be - lette. Engl. the weesel.) M. corpore ex rufo fusco subtus albo.

v. Wildungen a. a. O.

Im Norden von Europa und Asien. Die Mutter trägt oft ihre Junge im Maule umher (daher die alte Fabel. als ob sie dieselben durch diesen Weg zur Welt brächte.)

22. Ursus. Dentes primores superiores 6. intus excavati alterni, inferiores 6, laterales 2, longio - res lobati, laniarii primarii slotarii (minimi 1 - 2 inter hos et primos molares), lingua laevis.

2. . Arctos, der Bär. (Fr. l'ours. Engl. the bear). V. fusco nigricans, cauda abrupta.

Abbild n. h. Gegenst. tab. 32.

77

In der nördlichen Erde, doch auch in Ost-Indien und Nord-Afrika. In der Jugend lebt er meist von Gewächsen; nach dem dritten Jahr aber mehr vom Fleisch. Zum Gefecht bedient er sich mehr seiner Vor - dertatzen, als des Gebisses. Ein ausgewachsener kann wohl vier Centner und darüber, am Gewicht halten.

Zu den merkwürdigsten Spielarten unter den - ren gehören: die großen schwarzen Ameisenbären; die kleinen hellbraunen Honigbären; und die noch kleinern weißlichen Silberbären; sämmtlich zottig, und zumahl unter dem Halse langbehaart.

Hingegen macht der Nordamerikanische Bär mit schwarzem, schlichtem, atlasglänzendem Haar, und flachern Kopf mit spitzerer Schnauze, wohl eine eigene Gattung, die sich gewöhnlich von Früchten und in man - chen Jahrszeiten fast ausschließlich von Ameisen nährt.

2. Maritimus, (glacialis). der Eisbär, Polarbär. V. albus, collo et rostro elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 33.

An den Küsten und beym Treibeis der nördlichsten Erde. Darf nicht mit der weißen Spielart des gemei - nen Bären verwechselt werden. Er wird bey zwölf Fuß lang, und auf 15 Centner schwer; schwimmt und taucht sehr geschickt, und ist fast bloß fleischfressend*)Viel Merkwürdiges über dieses und andere Thiere auf Labra - dor findet sich in G. Gariwright's Journal during a Resi - dence of nearly 6 years on the Coast of Labrador. Ne - wark 1792. III. vol. 4..

3. Gulo, der Vielfraß, Rosomack. (Fr. le glouton. Engl. the glutton,) V. corpore rufofusco, medio dor - si nigro.

Pallas Spicileg, zoologie. XIV. tab. 2.

In der nördlichen Erde, besonders in Sibirien. Sei - ne Freßgierde hat zu allerhand Fabeln Anlaß gegeben.

Das Wolverene oder Quickhatch (Ursus luscus) auf Labrador und an der Hudsonsbay scheint wenig von ihm verschieden zu seyn.

4. . Taxus, der Dachs. (Fr. le blaireau. Engl. the badger,) V. cauda concolore, abdomine nigro.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1797.

In Europa und Asien bis gegen Schina. Ein ani - mal omnivorum. Baut unter der Erde einen tiefen Kes - sel, zu welchem verschiedene Röhren oder Gänge führen. Verschläft den größten Theil seines Lebens, und hält78 besonders langen und festen Winterschlaf, wobey er sei - ne Schnauze in den Fettbeutel am Hinterleibe steckt.

5. Mellivorus, der Honig-Dachs, Rattel. V. dorso cinereo, fascia laterali nigra, abdomine nigro.

Sparmann in den schwed. Abhandl. 1777. tab. 4. fig. 3.

Am Cap; lebt vom Honig und Wachs der wilden Vienen, die in den Höhlender Stachelschweine ꝛc. nisten. Er gibt auf den Flug der heim eilenden Bienen acht. oder folgt auch bloß der Anweisung des Honig Guckucks. Hat ein zottiges Fell, mit einer ungemein starken sehr beweglichen schiebbaren Haut, wodurch er einerseits vor den Bienenstichen, und anderseits vor tiefen Bissen der Hunde etc, gesichert ist.

6. Lotor, der Waschbär, Rackun, Sjupp, Coa - ti. (Büffon's Raton. ), V. cauda annulata, fascia palpebrarum transversali nigra.

Abbild. n. h. Gegens. tab. 62.

Ein animal nocturnum, im wärmern nordöstlichen Amerika ꝛc. Frißt mancherley. Bedient sich der Vor - derpfoten sehr geschickt zum Fassen, auch zum Einwei - chen oder Aufsischen seines Futters*)Ich habe dieß täglich an einem gesehen, den ich Jahre lang lebendig besessen; und eben so sahen es Ol, Worm, Linné, Rolof, Büffon, J. Dom. Schulze, Götze, Bech - stein u. a.m. ꝛc. Wird überhaupt sehr kirre. Sein Haar ist nächst des Bibers seinen, das vorzüglichste für Hutmacher.

23. Canis. Dentes primores superiores 6, latera - les longiores dostantes, intermedii lobatil; infe - riores 6, lobati omnes; laniarii solitarii, incur - vati.

1. . Familiaris, der Hund. (Fr. le chien. Engl. the dog,) C. cauda recurvata; subinde digito spurio ad pedes posticos.

Dieser treue Gefährte des Menschen, der sich beson - ders durch die ausnehmende Schärfe seiner Sinne, ver - bunden mit seiner großen vielartigen Gelehrigkeit (so - gar zum Fisch - und Robbenfang), aber auch durch man - cherley andere Brauchbarkeit empfiehlt, ist längst mit ihm über alle fünf Welttheile verbreitet, und gibt den größten Beweis von der Perfectibilität der Thiere, wenn der Mensch ihre Anlagen durch lange Reihen von Ge - nerationen ausbildet.

79

Ob alle die verschiedenen Hunde-Racen als bloße Varietäten einer und derselben Gattung anzusehen sind, und ob diese selbst vom Wolf oder Schakal abstamme, ist schwerlich zu entscheiden. Wir scheinen manche Ra - cen, z. B. der Dachshund, das Windspiel ꝛc. viel Ei - genes zu besondern Funktionen Abzweckendes in ihrer Bildung zu haben, so daß ich diese zweckmäßigen Ei - genheiten nicht wohl für zufällige Folge der bloßen Ausartung halten kann.

Zu den Hauptracen gehören wohl

a) Fricator, der Wops. (Fr. le doguin. Engl. the pugdog,) mit untersetzten, kurzem Leibe, schwarzem Flecken an den Backen und hängenden Ohren.

Den Übergang von dieser zur nächstfolgenden Ra - ce macht der eigentliche Bullenbeißer, Wacht - hund, Bluthund, molossus (Engl. the bull dog), bey welchem der Unterkiefer vor dem obern etwas hervortritt.

b) Mastivus, die Englische Dogge (Fr. le do - gue. Engl. the mastiff. ) mit stumpfem Kopfe, hän - genden lappichten Oberlefzen und glattem Haar. Vellt dumpfig und kurz. Ihm scheint der Metz - gerhund (Fr. le matin) nahe verwandt.

c) Terrae novae, der Neufundländer, ( Ab - bild. n. h. Gegenst. tab. 6. ) Zeichnet sich durch seine ausnehmende Größe, langes seidenartiges Haar, langflockigen, meist aufwärts gekrümmten Schwanz, besonders aber durch die Art von Schwimmhaut zwischen den Zehen aus, die bey ihm ungleich grö - ßer ist, als bey andern Hunden. Daher sein un - gemeines Geschick zum Schwimmen. Meist sind die - se Hunde weiß und schwarz; und ausnehmend ge - lehrig.

d) Sagax, venaticus, der Jagdhund. (Fr. le chien-courant. ) mit langem, dickem Körper, einge - furchtem Hinterkopfe, langen hängenden Ohren. Das Haar bald schlicht, bald zottig. Hierher auch die Bracke, (Engl. the spanish, pointer. ), der Hühnerhund, Wachtelhund und die schön getiegerten Corsicanerhunde.

e) Aquaticus, der Budel (Fr. le barbet. Engl. the water-dog. ) mit stumpfem Kopfe, und wollich - tem Haar.

f) Pastoralis, domesticus, villaticus, der Schäfer - hund, Haushund. (Fr. le chien de berger. Engl. the cur. ) mit aufrechten Ohren; der Schwanz80 an der untern Seite lang behaart. Hierzu auch der Isländische Hund, und der Spitz oder Pommer. (Fr. le chien-loup). Auch der nun, wie es scheint, ausgestorbene große St. Bern - hards-Hund. Und der kleinere, den die Kamt - schadalen ꝛc. zum Zug in Schlitten gebrauchen. Auch die auf manchen Insel-Gruppen der Südsee einheimischen Hunde, die von den Einwohnern als Mastvieh gezogen werden, und bloß vegetabilische Nahrung genießen, scheinen zu dieser Race zu gehören.

g) Meliteus, das Bologneserhündchen. (Fr. l'epagneul, le bichon. Engl. the lap dog the shok. ) mit sehr langem, seidenartigem Haar, zu - mahl im Gesichte.

h) Vertagus, der Dachshund (Fr. le basset. Engl. the tumbler, the turnspit) mit langer Schnau - tze, hängenden Ohren, lang gestrecktem Körper, kurzen, krummen Vorderfüßen, und rothbraunen Flecken über den Augen. Ihm scheint der En - glische Terrier (terrarius), mit borstigem Haar und struppiger Schnautze nahe verwandt.

i) Dingo, der Neuholländische Hund Ähnelt, zumahl in der Bildung des Kopfs und Schwanzes, mehr dem Fuchs.

k) Leporarius, das Windspiel (Fr. le levrier. Engl the grey-hound. ) mit langem, zugespitztem Kopfe, hängenden Ohren, dicker Brust, sehr schlan - kem Leib und Beinen.

l) Graius,*)So nannten Ray, Linné u. a. das eigentliche Windspiel, das aber die alten Griechen gar nicht gekannt zu haben scheinen. der Spartanische Hund (cànis la - conicus), sehr groß; hält in der Bildung das Mit - tel zwischen Jagdhund und Windspiel.

Ihm ähnelt der große Dänische und der nun ausgestorbene Irländische Hund.

m) Aegyptius, der Guineische Hund. (Fr. le chien turc. Engl. the Indian dog, the naked dog. ) ähnelt dem Windspiel, hat aber nur im Gesichte ge - krullte Haare, der übrige Körper ist meist kahl, und schwarz, oder rußigbraun, fast wie Negerhaut. (s, S. 28. Anm. 2.)

Diese verschiedenen Haupt-Racen paaren und ver - mischen sich aber nicht nur unter einander, sondern auch81 mit Wölfen und Füchsen, mit welchen sie sogar zuwei - len fruchtbare Bastarde erzeugen.

2. . Lupus, der Wolf. (Fr. le loup. Engl. the wolf.) C. cauda incurvata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber in einigen Ländern, wie z. B. in Groß-Britannien und Irland, ausgerottet. Hat einen schleppenden doch dabey schnel - len und nicht leicht zu ermüdenden Gang. Aus Hun - ger fressen die Wölfe sogar Schilf und Erde; graben auch Leichen aus, und da mag etwa ihre nächtliche Er - scheinung auf Kirchhöfen ꝛc. den Anlaß zu der alten Sa - ge von Währwölfen gegeben haben.

3. Aureus, der Schakal, Thos (Büffon's Adi - ve.) C. corpore fulvo, pedibus longioribus, caudae api - ce nigro.)

v. Schreber tab. 94.

In ganz Nordafrika und Orient, besonders in Na - tolien und Bengalen; zieht des Nachts scharenweise um - her; frißt Thiere, Lederwaaren ꝛc. ; gräbt Leichen aus. Manche Naturforscher haben den Schakal für den ur - sprünglich wilden Hund, und manche Exegeten Sim - sons Füchse für Schakale gehalten.

4. . Vulpes, der Fuchs, Birkfuchs. (Fr. le re - nard. Engl. the fox.) C. cauda recta, apice discolore.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Zumahl in der nördlichern alten Welt. In Unzahl auf den östlichen Aleuten, die davon den Nahmen der Fuchsinseln erhallen haben. Frißt unter andern Früchten nahmentlich sehr gern Weintrauben.

Der Brandfuchs (alopex) ist wohl sicher nur eine Abart davon.

Ob aber auch der wegen seines kostbaren Felles be - rühmte schwarze Fuchs mit weißer Schwanzspitze, der in Sibirien, aber auch in Menge auf Labrador zu Hause ist [und der, wenn seine Haare gleichsam silber - weiße Spitzen haben, Silberfuchs genannt wird*)Ein extraschönes Fell eines Labradorischen Silberfuchses ist wohl eher in London mit 300 Thalern und darüber bezahlt worden.], für eine bloße Abart des gemeinen Fuchses oder für eine besondere Gattung anzusehen sey, läßt sich vor der Hand noch nicht mit Gewißheit bestimmen.

5. Lagopus, der weiße Fuchs, Polarfuchs, Steinfuchs, Eisfuchs. (Isatis. Engl. the arctic82 fox. Russ. Pesez.) C. cauda recta, apice concolore, palmis plantisque pilosissimis.

v. Schreber tab. 93. A. 93. B.

In den Polarländern, zumahl auf Spitzbergen, Neu - Zembla, Grönland ꝛc. Die mehresten sind weiß. Die so genannten blauen Füchse hingegen bläulich - grau.

6. Hyaena, die Hyäne. C. nigricans, maculis vir - gatis, facie nigra, juba cervicis dorsique, pedibus tetradactylis.

Der Indianische Wolf, von J. El. Ridinger.

Hat meist einerley Vaterland mit dem Schakal, dem sie auch in der Lebensart ähnelt. Hat ihr Ablager un - ter der Erde oder in Felsenhöhlen und Berg-Klüften.

Die gefleckte Hyäne (Canis crocuta) ist viel grö - ßer*)Eine zehnjährige Löwinn, die ich im vorigen Frühjahr zerglie - dert, maß von der Schnauze bis zum Anfang des Schwanzes 4 Fuß 10 Zoll; und eine noch nicht völlig erwachsene Cro - cuta, die in Ld. Valentia's Reisen beschrieben wird, eben so gemessen 4 Fuß 3 Zoll.Ein vortrefflicher Schedel einer solchen gestreiften Hyäne, womit der Hr. Forstconservateur von Wildungen meine Sammlung bereichert hat, ist wenigstens vollkommen so groß als der von meiner Löwinn. als jene gestreifte; findet sich zumahl in großer Menge in Habessinien und von da südlich bis zum Cap.

Beyde machen in ihrem Körperbau einen Übergang zum folgenden Geschlecht.

24. Felis. Ungues retractiles, caput rotundius, lingua aspera. Dentes primores 6 acutiusculi, exterioribus majoribus, laniarii solitarii, supra a primoribus, infra a molaribus remoti.

1. Leo, der Löwe. (Fr. le lion. Engl. the lion.) F. cauda elongata floccosa, corpore fulvo.

v. Schreber tab. 97. A. 97. B.

In den heißen Zonen der alten Welt, vorzüglich in Afrika; weiland aber auch im Pelopones und Aetolien. Auch neulich haben Löwinnen in Menagerien in Deutsch - land und sonst im mildern Europa Junge geworfen. Dem Männchen bricht die Mähne erst im zweyten Le - bensjahre aus. Das Fleisch des Löwen wird von den Hottentotten gegessen und eine Horde Araber zwischen Tunis und Algier soll sich fast bloß davon nähren.

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2. Tigris, der Tieger. F. cauda elongata; capite, cor - pore et cruribus nigro-virgatis.

the Tiger, von G. Stubbs.

Blöß in Asien und vorzüglich von Bengalen bis Schi - na, auch auf Sumatra ꝛc. Überaus regelmäßig gestreift. Läßt sich allerdings zähmen, und muß auch vor dem Elephanten erliegen.

3. Pardus, der Panther. Parder*)Die Pelzhändler nennen alle Felle von Thieren dieses Ge - schlechts, die geringelte Flecken haben, Panther, und hin - gegen alle gefleckte ohne Ringform, Tieger.. F. cauda subelongata, maculis obtuse angulatis, passim con - fluentibus et annulatis.

v. Schreber. tab. 99.

In Afrika und Ostindien, Die Flecken seines Fells sind hin und wieder wie zusammengeflossen, theils in Hufeisenform, oder geringelt u. s. w.

Leopard nennt man eine etwas kleinere Abart, mit kleinern Flecken, deren meist drey bis vier auf fast gold - gelbem Grunde beysammen stehen.

4. Panthera. der kleine Panther. (Büffon's once. ) F. cauda elongata, corpore albido, maculis ir - regularibus nigris.

v. Schreber. tab. 100.

In der Barbarey und Ostindien. Weit kleiner als die vorige Gattung. Auch leicht zu zähmen, und zur Jagd (der Rehe, Gazellen ꝛc. ) abzurichten, wozu sie im Orient verlangst, und in den mittlern Zeiten auch in Italien und Frankreich gebraucht worden.

5. Onca, der Jaguar, Amerikanische Tieger. F. cauda subelongata, corpore fusco lutescente, ma - culis angulatis, ocellatis, medio flavis.

v. Schreber tab. 102.

In Südamerika. Größer als der Panther, dem er sonst sehr ähnelt.

6. Concolor, der Amerikanische Löwe, Puma, Cuguar. F. cauda mediocri, corpore immaculata fulvo.

v. Schreber tab. 104.

In Peru, Brasilien ꝛc. ; zeichnet sich durch sein roth - gelbes, ungeflecktes Fell (weßhalb er mit dem Nahmen eines Löwen belegt worden) und kleinen Kopf aus.

7. . Lynx, der Luchs. (Fr. le loup-cervier. Engl. the mountain cat. ) F. cauda abbreviata, apice atro,84 auriculis apice barbatis, corpore maculato, plantis palmisque amplissimis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In der nördlichen Erde; doch auch häufig im Nea - politanischen; thut den Wildbahnen größern Schaden als der Wolf.

8. . Catus, die Katze. (Fr. le chat. Engl. the cat.) F. cauda elongata, striis dorsalibus longitudinalibus, lateralibus spiralibus.

Fast in der ganzen alten Welt; ist aber erst von da durch die Spanier nach Amerika überbracht worden. Die wilde*)v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799. ist größer, als die zahme, von grauröth - licher Farbe, mit schwarzen Lefzen und Fußsohlen. Die Hauskatze begattet sich äußerst selten unter den Augen der Menschen, und verwildert sehr leicht wieder, wenn sie zufällig in Wildniß geräth. Zu den Besonderheiten der Katzen gehört ihre starke Elektricität; das Leuchten ihrer Augen im Dunkeln; ihre seltsame Gierde auf ge - wisse Pflanzen, wie z. B. auf die Nepeta cataria und aufs Teucrium marum ꝛc. ; ihr Schnurren oder Spin - nen, das durch ein Paar eigene zarte, gespannte Häut - chen in ihrem Kehlkopf bewirkt wird; die ängstliche un - überwindliche Antipathie vieler Menschen gegen diesel - ben ꝛc. Zu den vorzüglichsten Spielarten gehört die Angorische oder Persische Katze mit dem langen, seidenartigen Haar, die gewöhnlich schwer hört; die bläulichgraue Carthäuser - oder Cyperkatze; und die Spanische oder schildpattfarbige Katze (Tortoiseshellcat); unter welchen letztern man häufig weibliche Katzen von drey ganz verschiedenen Far - ben (z. B. schwarz, weiß und gelb), aber äußerst selten einen dergleichen Kater findet.

C) Bruta.

Ohne Gebiß oder wenigstens ohne Vorderzähne.

25. Bradypus. Faulthier. (Ignavus Fr. pares - seux. Engl. sloth.) Caput rotundatum, crura an - tica lóngiora. Dentes primores nulli utrinque; laniarii (?) obtusi, solitarii; morales cylindrici. obtusi.

4. Triadactylus, der Ai. B. pedibus trydactilis, cauda brevi.

85

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 53.

In Guiana ꝛc. Freylich ein äußerst langsames schwer - fälliges, aber bey aller dieser Trägheit listiges und im Nothfall muthiges und starkes Geschöpf; hat dabey ein äußerst zähes Leben, und wenige Bedürfnisse. Frißt Laub, säuft gar nicht ꝛc.

26. Myrmecophaga. Ameisenbär. (Fr. four - miller. Engl. ant-eater.) Rostrum productius, lingua Iumbriciformis; dentes nulii.

1. Iubata, der große Tamandua. M. palmis te - tradactylis, cauda longa jubata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 82.

Zumahl in Brasilien. Am Leibe so groß als ein Flei - scherhund, und lebt doch so wie die folgende kleine Gattung in der Wildniß einzig von den dortigen großen Ameisen.

2. Didactyla, der kleine Tamandua. M. palmis didactylis, ungue exteriore maximo, plantis tetradac - tylis; cauda prehensili.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 22.

Ebenfalls in Südamerika; von der Größe und auch fast von der Farbe des Eichhörnchens.

27. Manis. Schuppenthier, Formosani - sches Teufelchen. Corpus squamis tectum; lin - gua terzes; dentes nulli.

Die Bekleidung ausgenommen, haben die Thiere die - ses Geschlechts in ihrer Bildung, Lebensart ꝛc. viel Ähn - liches mit den Ameisenbären. Von vielen altern Na - turforschern wurden sie unter die Eidexen gezählt.

1. Tetradactyla, der Phatagin. M. cauda logiore: ungulis bifidis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 14.

Auf Formosa und dem benachbarten Asien. Ungefähr von der Größe des eben gedachten kleinen Ameisenbä - ren. Sein kastanienbraun geschuppter Körper ähnelt ei - nem Tannenzapfen.

28. Tatu. Armadill, Panzerthier, Gür - telthier. (dasypus Linn.) Corpus testis zonis - que osseis cataphractum: dentes primores et la - niarii nulli.

1. Novemcinctus, der Caschicame. T. zonis dor - salibus 9; palmis tetradatylis; plantis pentadactylis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 83.

In Südamerika, bis an die Magellanische Straße. 86Baut unter die Erde, wird sehr kirre, rollt sich bey Gefahr, so wie die Schuppenthiere und der Igel, ku - gelicht zusammen.

V. SOLINDVNGVLA.

Thiere mit Hufen. Ein einziges Geschlecht von wenigen Gattungen.

29. Equus. Pedes ungula indivisa, cauda fetosa, Dentes primores superiores 6. obtuse truncati; interiores 6. prominentiores: laniarii solitarii utrinque remoti.

1. . Caballus, das Pferd. (Fr. le cheval. Engl. the horse.) E. cauda undique setosa.

Ursprünglich wilde Pferde gibt es schwerlich mehr, aber häufig und theils in großen Heerden ver - wilderte; so z. B. in der Mongoley, vollends aber in unermeßlicher Menge in Paraguay, wohin die Pfer - de (so wie überhaupt nach Amerika) erst durch die Spa - nier überbracht worden u. s. w. Unter den zahmen Pferde-Racen zeichnen sich die Araber (zumahl die von der Zucht der Anneey um Palmyra herum, und vom Libanus bis gegen den Horeb ꝛc. ) durch ihren wunder - schönen Bau, so wie durch äußerste Leichtigkeit und Dauerhaftigkeit aus. Ihnen folgen die Persianer und Barben. Unter den Europäischen sind die Spanischen (besonders die aus Andalusien), die Neapolitanischen und Englischen die vorzüglichsten. Die letztern haben be - sonders den Vorzug der Schnelligkeit, wodurch sie sich in den Wettrennen auszeichnen*)Das neuerlich so berühmte Englische Rennpferd, Eclipse, leg - te in einer Secuunde 58 Fuß zurück: bedeckte nähmlich bey der größten Streckung 25 Fuß, und wiederhohlte diese Action 2 1 / 3 Mahl in einer Secunde s. an Essay on the Proportions of Eclipse; in den Works of. Ch. Vial de Sainbel London, 1795. 4.. Ganzer beritte - nen Nationen zu geschweigen, wie z. B. die Cosacken, Tataren, Kalmücken, die Pferde-Tungusen, die Abi - poner ꝛc. so ist auch für die cultivirtesten Völker der87 Werth dieses Thiers für Landwirthschaft, Cavallerie, Postwesen ꝛc. unermeßlich. Manche der gedachten be - rittenen Völker leben auch großen Theils vom Fleisch und Milch der Pferde. Die letzters gibt, wenn sie zu - sammen geronnen, vollends aber wenn sie abgezogen worden, das berauschende Kumiß der Mongolen.

2. . Asinus, der Esel. (Fr. l'âne. Engl. the ass.) E. cauda extremitate setosa, cruce dorsali nigra.

Der wilde Esel, von welchem das zahme Haus - thier abstammt, ist der wahre onager der Alten; und findet sich jetzt zumahl in der Tatarey, unter dem Nah - men Kulan*)Pallas in Act. Acad. Petropol. 1777. P. II. p. 228. sq., von da er jährlich im Herbst in gro - ßen Heerden südlich nach Indien und Persien zuzieht und daselbst überwintert. Er ist größer und schlanker als der zahme Esel, und von ausnehmender Schnellig - keit. Ins nördlichste Europa ist der Esel bis jetzt noch gar nicht verpflanzt. Auch artet er wenig aus. Höchstens etwa in der Farbe, da es z. B. weiße Esel gibt.

Pferd und Esel lassen sich zusammen begatten, und geben zweyerley Bastarde, die von großer Dauerhaftig - keit und Stärke, und zuweilen (aber sehr selten) frucht - bar sind. Eins ist das gemeine Maulthier [mulus, Fr. le mulet**)Buffon, supplem. vol. 3. tab. 1.], das vom männlichen Esel gezeugt, und von der Stute geworfen wird. Das andere ist der Maulesel [hinnus. Fr. le bardeau***)Ebendaselbst tab. 2.], der vom Hengste gezeugt, und von der Eselinn geworfen ist. Dieser letztere ist seltener, und hat Gelegenheit zur Sa - ge von den fabelhaften Jumarn, oder vorgeblichen Bastarden vom Pferde - und Ochsengeschlecht, gegeben.

3. Zebra. E. zonis fuscis et albidis, maxime regularibus.

The Sebra, von G. Stubbs, 1771.

Das Zebra (wovon es zwey ganz verschiedene Gat - tungen gibt, deren eine man fälschlich für die Weibchen der andern gehalten hat), ist im südlichen Afrika zu Hause. Es lebt heerdenweis, ist ungemein schnell, aber wild und unbändig. Gezähmt hat die Stute sowohl mit Esel als Pferdehengsten Bastarde gezeugt.

88

VI. BISULCA. (Pecora.)

Die wiederkauenden Thiere mit gespaltenen Klauen, unter welchen sich die wichtigsten Haus - thiere finden.

30. Camelus. Cornua nulla, labium lepori - num, pedes subbisulci*)III. B. Mosis Kap. XI. V. 4.. Dentes primores in - feriores 6 spathiformes; superiores 2; laniarii distantes, superiores 3, inferiores 2.

1. Dromedarius, das gemeine Kamehl. [Fr. le dro - madaire**)Von vielen Schriftstellern und Reisenden wird hingegen das Kamehl mit zwey Buckeln Dromedar genannt.]. C. tofo dorsi unico.

v. Schreber tab. 303.

Findet sich noch hin und wieder in Asien, zumahl in den Wüsteneyen zwischen Schina und Indien, wild, ist aber für den ganzen Orient und für das nördliche und mittlere Afrika das wichtigste Hausthier. (Das Schiff für die Wüsten nennen es die Araber.) Die gewöhn - liche Last der Karavanen-Kamehle ist gegen sechs Cent - ner, und damit legen sie täglich gegen vier Deutsche Meilen zurück. Das nutzbare Thier frißt dorniges Buschwerk, was in den Wüsten in Menge wächst, und für kein anderes Säugethier zur Nahrung taugt. Auch kann es, wie versichert wird, den Durst mehrere Wo - chen lang erdulden, säuft aber dafür ungeheuer viel auf ein Mahl, da sich dieses Wasser lange Zeit in seinem Magen ziemlich unverändert erhalten soll. Beyde, so - wohl diese, als die folgende Gattung, haben eine große Schwiele vorn an der Brust, vier kleine an den Vor - derfüßen, und zwey dergleichen an den Hinterfüßen, die ihnen zum Aufstemmen dienen, wenn sie müde sind, und sich niederlegen.

2. Bactrianus, das Trampelthier. (Fr. le cha - meau. Engl. the camel) C. tofis dorsi duobus.

v. Schreber tab. 304.

89

Im mittlern Asien, bis gen Schina, zumahl in gan - zen großen Herden in Bessarabien etc, wird daselbst seines schnellen Trabes und natürlichen Sattels wegen, mehr als die vorige Gattung zum Zuge gebraucht.

3. Llama, das Liama, die Kamehlziege Gua - naco. C. dorso laevi, toso pectorali.

v. Schreber tab. 306.

So wie die folgende Gattung im südlichen Amerika, besonders dem gebirgigen Peru. Ward als Lastthier gebraucht, und kann bey seiner mäßigen Größe doch bis anderthalb Centner tragen.

4. Vicunna, das Schafkamehl. (Fr. la vigogne.) C. tofis nullis, corpore lanato.

v. Schreber tab. 307.

Kleiner als das Liama. Läßt sich nicht zähmen, son - dern wird wegen seines zimmtbraunen Haares, das die bekannte Vigogne-Wolle gibt, jährlich in großen Treib - jagden haufenweis gefangen. Auch soll der Occiden - talische Bezoarstein am öftesten in dieser Gat - tung gefunden werden.

31. Capra. Cornua cava rugosa scabra. Den - tes primores superiores nulli, inferiores 8, lania - rii nulli.

1. . Ovis, das Schaf. (Fr. le brebis. Engl. the sheep.) C. mento imberbi, cornibus compressis lunatis.

Findet sich wohl nirgends mehr ursprünglich wild; scheint auch nicht ein Mahl nur so wie die Ziege wie - der verwildern zu können: wird aber fast in der ganzen alten Welt als eins der allernutzbarsten Haus - thiere gehalten, und ist auch bald nach der Entdeckung von Amerika dorthin verpflanzt worden.

Unter den verschiedenen Racen der Schafe sink vor allen die Spanischen, aus Segovien, und dann die Englischen wegen ihrer ausnehmenden Wolle; die Isländischen mit vier, sechs oder acht Hörnern; und die Arabischen und Ägyptischen mit dem großen und wohl 40 Pfund schweren Fett-Schwanze, zu merken. Die Ostfrisischen Marsch-Schafe sind ungehörnt; groß, wollreich, mit kahlen kurzen Schwän - zen; die Lüneburger Heidschnucken hingegen klein, und beyde Geschlechter gehörnt. Die zwischen den Wendezirkeln haben mehrentheils statt der krausen90 Wolle schlichtes Ziegenhaar; und die in Südafrika noch überdieß lang herab hängende Ohren.

2. Ammon, das Muffelthier, (musimon Büf - fon's mouflon) C. cornibus arcuatis circumflexis subtus planiusculis, palearibus laxis pilosis.

v. Schreber tab. 268.

Auf Corsica und Sardinien, in Griechenland, in der Barbarey; eine verwandte, weit größere Art aber (das Argali) in Sibirien bis Kamtschatka und dann im nordwestlichen Amerika. Letzteres, ein sehr schmackhaftes Wildbret, hat mächtig starke und schwere*)Ein einzelnes und nicht einmahl vollständiges dergleichen Horn im akademischen Museum wiegt volle 9 Pfund. Hörner, und wird von einigen Naturforschern für das Stamm - thier zu unserm Schaf gehalten.

3. . Hircus, die Ziege. (Fr. la chevre. Engl. the goat.) C. mento barbato, cornibus arcuatis carinatis.

Die Hausziege scheint von dem aegagrus abzustam - men, der im Caucasus und den daran glänzenden östli - chen Gebirgen lebt, und in dessen Wägen, (so wie bey manchen Gattungen von Antilopen) zuwellen der Ori - entalische Bezoarstein gefunden wird, daher das Thier selbst mit dem Nahmen des Bezoarbocks belegt worden**)Pallas spicileg. zoolog. XI. tab. 5. fig. 2. 3.. Die Hausziege ( das wichtige Haus - thier der alten Guanchen auf den Canarischen In - seln ) verwildert leicht wieder, und ist nun meist eben so weit als das Schaf auf der Erde verbreitet. Die Angorische Ziege oder das Kämmelthier hat langes sei - denartiges Haar und gibt das beste so genannte Kamehl - garn, so wie aus dem äußerst feinen Wollhaar, das die schönen kleinen geradhörnigen Bergziegen in Kashmir und Tibet unter ihrem gröbern, langen Haar tragen, die allerköstlichsten Shawls in jenem paradiesischen Wunderlande gewebt werden***)Ich habe von dieser wunderschönen Shawlziege im Göt - ringischen Taschenbuch für das J. 1813. Nachricht ge - geben..

4. . Ibex, der Steinbock. (capricornus. Fr. le bouquetin. Engl. the wild goat. ) C. mento barba - to, cornibus lunatis maximis, supra nodosis, in dor - sum reclinatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

91

In den höchsten Schneegebirgen von Savoyen, so wie in den Sibirischen Alpen. Das Gehörn eines be - jahrten Steinbocks wiegt wohl 8 Pfund, und hat meist eben so viel knorrige Ringe auf feder Seite.

32. Antilope. Cornuacava, teretia, annulata, vel spiralia. Dentes ut in capris.

Ein weitläufiges Geschlecht, wovon sich zahlreiche Gattungen im mittlern und südlichen Asien und Afrika, zumahl aber am Cap finden.

1. . Rupicapra, die Gemse. (Fr. le chamois, l'Izard.) A. cornibus erectis uncinatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1803.

In den alpinischen Gegenden des mildern Europa und westlichen Asiens, Zahm gemachte Gemsen sollen sich mit den Ziegen gepaart und Bastarde erzeugt haben. Von den unverdaulichen Zasern ihres Futters, bilden sich in ihren Mägen die ehedem berühmten so genann - ten Gemsballen (aegagropilae).

2. Dorcas, die Gazelle. C. cornibus teretibus an - nulatis, medio flexis, apicibus laevibus approximatis.

v. Schreber tab. 269.

Im ganzen Orient und Nordafrika. Das schlanke flinke Thier macht die Lieblingsjagd der Morgenländer, und gibt ihrer Dichtersprache das reihende Bild weibli - cher Schönheit.

3. Pygarga, der Springbock, Prunkbock. A. cornibus liratis, linea laterali faciei et trunci fusca, clunibus albis.

Vosmaer descr. de la Grazelle de parade.

Im Innern des südlichen Afrika, von wannen er jähr - lich in Heerden von vielen Tausenden gegen das Cap zu und nach einigen Monathen wieder zurück zieht.

4. Oreas, das Cudu. A. cornibus subulatis rectis ca - rinato-contortis. corpore griseo.

Vosmaer descr. d'un animal appellé Canna.

In Südafrika und Ostindien. Die Form und Länge seiner geraden Hörner ähnelt der von dem fabelhaften Einhorn, wozu es vielleicht den Anlaß gegeben.

33. Bos. Cornua concava, lunata, laevia. Den - tes ut in generibus praecedentibus.

1. . Taurus, der Ochse. (Fr. le boeuf. Engl. the92 ox.) B. cornibus teretibus extrorsum curvatis, pale - aribus laxis.

Der Auerochse (urus, bonasus und Bison der al - ten Welt) wird noch jetzt in Poylen, Litauen, Sibirien gefunden, und war ehedem auch in Deutschland ein - heimisch. Daß er die wilde Stammrace von unserem gezähmten Hornvieh sey, ist doch wegen bestimmter Ei - genheiten in seinem Bau, unwahrscheinlich. Zu den merkwürdigsten Varietäten des domesticirten Rindviehs gehört die halbWilde weiße Race mit braunen oder schwarzen Ohren, auf den Ladronen, und hin und wie - der in Großbritannien; die mit den ausnehmend gro - ßen Hörnern in Sicilien: die gänzlich ungehörnte in einigen Provinzen von England u. a.m.

Hingegen scheints noch zweifelhaft, daß auch die In - dische (von den Hindus heilig verehrte) Buckelkuh, der bos indicus, oder Zebu ( v. Schreber tab. 298. ) eine bloße Varietät dieser Gattung seyn folle.

In den Wagen des Rindviehs finden sich zuweilen Ballen aus Haaren, die sie sich abgeleckt und einge - schluckt haben. Die ihnen eigene, furchtbare, pestartige Viehseuche, hat zumahl seit 1711 zuweilen lange und weit und breit grassirt. Hingegen sind die Kuhpocken seit 1798 durch Dr. Jenner als wohlthätiges Sicherungs - mittel für die Kinderblattern bewährt wurden.

2. Buffelus, der Büffel. (Engl. the Buffato.) B. cornibus resupinatis intortis antice planis.

v. Schreber tab. 300.

Stammt wohl ursprünglich aus Tibet, ist nun aber nach und nach durch den größten Theil von Asien und Nordafrika verbreitet, und wird auch hin und wieder in Europa, wie z. B. seit dem siebenten Jahrhundert in Italien, in Ungarn, und auch im Salzburgischen gezogen, und zum Zuge gebraucht. Hat ein schwarzes dünn behaartes Fell, das ausnehmend stark und vor - züglich zu Schläuchen tauglich ist.

3. Grunniens, der Büffel mit dem Pferde - schweif, Ziegenochse. B. cornibus teretibus, introrsum curvatis, vellere propendente, cauda un - dique iubata.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 23.

Ebenfalls in Tibet zu Hause, wird aber auch in Hindostan als Hausthier gehalten. Kleiner als unser Hornvieh, zeichnet sich außerdem durch seine grunzende93 Stimme, durch sein zottiges Ziegenhaar, und durch ei - nen büschligen sehr langhaarigen Schwanz aus, der, wenn er schön ist, in Indien hoch geschätzt und theuer bezahlt wird.

4. Arni. der Riesenbüffel. B. cornibus divarica - tis, lunatis, longissimis.

In den gebirgigten Gegenden von Nord-Hindostan. Ungeheuer groß, so daß ein junger 15 Centner gewogen.

5. Bison, der Nordamerikanische Bison. B. cornibus divaricatis brevibus, juba longissima, dorso gibboso.

v. Schreber tab. 296.

Das größte Landthier der neuen Welt; lebt herden - weise in den sumpfigen Wäldern des mildern Nordame - rika. Im Winter ist es über den ganzen Körper behaart, im Frühjahr hingegen wird er am Rücken und Hinter - leibe kahl, und behält bloß seine ungeheure Brust - und Nacken-Mähne.

6. Moschatus, der Bisamstier. (Fr. le boeuf mus - qué. Engl. the musk ox.) B. cornibus deflexis, ba - sibus latissimis complanatis ad frontem contiguis; apicibus reflexis.

v. Schreber tab. 302.

Sein Vaterland ist bloß aufs äußerste Nordamerika im Westen der Hudsonsbay vom 66 bis 73° der Breite eingeschränkt. Ein Paar seiner Hörner soll zuweilen über einen halben Centner wiegen.

34. Giraffa. Cornua simplicissima pelle tec - ta, fascicula pilorum nigro terminata. Dentes lati, extimo bilobo; laniarii nulli.

1. Cameleopardalis, die Giraffe.

Cptn Carteret in den philos. Transact. Vol. LX. tab. 1.

Im innern Afrika. Sie hat, wegen ihres langen Halses, kurzen Körpers, abhängigen Rückens, und we - gen ihres röthlichen, schön gefleckten Felles, ein sehr auszeichnendes Anschen; sie soll im Schreiten, wie die Paßgänger, immer den Vorder - und Hinterfuß der ei - nen Seite zugleich heben, und daher einen sonderbaren Gang haben, von dem die Bewegung des Springers94 im Schachspiel entlehnt worden; und ist, wenn sie auf - recht steht, über sechszehn Fuß hoch.

35. Cervus. Cornua solida multifida. Dentes ut in generibus praecedentibus (interdum ta - men laniarii solitarii superiores).

1. Alces, das Elennthier. (Fr. l'elan. Engl. the elk.) C. cornibus planis acaulibus, palmatis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde (wenn anders daß Nord-Amerikanische Elenn, Fr. l'original. Engl. the moose-deer*)Jo. Fr. Miller fasc. II. tab. 10. keine eigene Gattung macht), ist sehr hochbeinig; erreicht die Größe vom Pferd, wiegt wohl über 1200 und sein Gehörn über 50 Pfund; läßt sich zähmen und heerdenweise auf die Weide treiben. Die alten Sagen, daß das Elennthier oft von Epilepsie be - fallen werden, brauchen jetzt keiner Widerlegung.

2. . Damma, der Damhirsch, Tannhirsch. (Fr. le daim. Engl. the buck fa low-deer.) Cornibus subramosis compressis, summitate palmata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Im mildern Europa. Kleiner als der gemeine Hirsch; variirt in der Farbe.

3. Tarandus, das Rennthier. (rangifer. Fr. le renne. Engl. the rein.) C. cornibus (in utroque sexu) lon - gis, simplicibus, teretibus, summitatibus subalmatis, juba gulati pedula.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der ganzen nördlichen Erde. Theils, wie in Kamt - schatka in Heerden von tausend und mehr Stück; kann in wärmern Gegenden nicht ausdauern, lebt von dür - rem Laub, und vorzüglich von Rennthier-Moos das es unter dem Schnee hervorscharrt. Dient zumahl den Lappländern, Samojeden, Tungusen und Koräken zur Befriedigung aller der dringendsten Bedürfnisse des Lebens.

4. . Elaphus, der Edel-Hirsch. (Fr. le cerf. Engl the stag) C. cornibus ramosis totis tereti - cus recurvatis apicibus multifidis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Hat meist gleiches Vaterland mit dem Elenn, nur95 unter mehr südlicher Breite. Die Zahl der Enden seines Geweihes richtet sich nicht genau nach dem Aller des Thiers: nach dem achten Jahre ist sie unbestimmt. Die größten natürlichschönen Geweihe sind höchst selten von mehr als 24 wahren Enden. Der Hirsch wird unge - fähr 30 Jahre oder etwas darüber alt.

5. . Capreolus, das Reh. (Fr. le chevreuil. Engl. the roe) C. cornibus ramosis, teretibus, erectis, summitate bifida.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

In den mildern und wärmern Erdstrichen von Eu - ropa und Asien. Das Gehörn des Rehbocks wird zu - mahl nach Castration, auffallender als bey andern Gat - tungen dieses Geschlechts durch sonderbare Exostosen entstellt.

36. Moschus. Cornua nulla. Dentes primores ut in praecedentibus generibus; laniarii supe - riores solitarii exserti.

1. Moschifer, das Bisamthier. (Fr. le musc. Engl. the musk.) M. folliculo umbilicali.

v. Schreber tab. 242.

In den Schwarzwäldern und bergigen Gegenden von Tibet und dem südlichen Sibirien. Das Männchen hat in der Nabelgegend einen Beutel fast von der Größe eines Hühnereyes, worin sich der Bisam, dieses wich - tige Arzneymittel, sammelt.

2. Pygmaeus, das kleine Guineische Rehchen. M. supra fusco-rufus, subtus albus, ungulis succen - turiatis nullis.

Seba, thes. I. tab. 45, fig. 1.

In Ostindien und auf Guinea. Das kleinste Thier dieser Ordnung. Seine ganzen Beine sind nur Fin - gers lang, und haben ungefähr die Dicke eines Pfei - fenstiels.

VII. MULTUNGULA (Belluae.)

Meist sehr große, aber unförmliche, borstige oder dünn behaarte Säugethiere, mit mehr als zwey Klauen96 an jedem Fuß. Also mit Inbegriff der Schweine, denn auch diese haben im Grunde vier Klauen.

37. Sus. Rostrum truncatum, prominens, mo - bile. Dentes primores (plerisque) superiores 4, convergentes, inferiores 6, prominentes; lania - rii superiores 2, inferiores 2, exserti.

1. . Scrofa, das Schwein, (Fr. das wilde, le san - glier, das zahme le cochon. Engl jenes the wild boar, dieses the hog. ) S. dorso setoso, cauda pilosa.

Das wilde Schwein*)v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795. hat eine längere Schnauze und überhaupt eine andere Form des Schädels, kürzere aufrechte Ohren, größere Fangzähne als das Haus - schwein, auch keinen Speck, und niemahls Finnenwür - mer, und ist fast immer von schwarzgrauer Farbe.

Wenige Thiere sind so allgemein fast über die ganze Erde verbreitet, als das Hausschwein. Es hat einen ungemein scharfen Geruch, und ist beynahe ein animal omnivorum. Das Weibchen wirft nicht selten zwey Mahl im Jahr und wohl eher bis 20 Junge aus ein Mahl. In Amerika, wohin die Schweine aus Eu - ropa übergebracht worden, sind sie theils verwildert, (Fr. cochons marons). Auf Cuba wurden sie mehr als noch ein Mahl so groß, als ihre Europäischen Stamm - ältern; auf Cubagua arteton sie in eine abentheuerliche Race aus mit Klauen, die auf eine halbe Spanne lang waren ꝛc. Die Schinesischen (Fr. cochons de Siam) haben kürzere Beine und einen ausgeschweiften Rücken ohne Mähne. In Schweden und Ungarn findet sich nicht selten eine Spielart mit ungespaltenen Klauen, die schon den Alten bekannt war, so wie man auch wel - che mit fünf Klanen gesehen hat.

2. Aethiopicus, das Emgalo. (Büffon's sanglier du Cap. verd. ) S. dentibus primoribus nullis; lania - riis superioribus lunatis extrorsum curvatis; saeculis verrucosis sub oculis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 92.

Im Innern von Süd-Afrika. Auch auf Madagaskar. Ein furchtbar wildes Thier, mit mächtig großen Kopf, spannen-breiten Rüssel, großen warzigen Fleischlappen unter den Augen ꝛc.

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3. Tajassu, das Nabelschwein, Visamschwein, (Pecari, Pakira). S. cauda nulla, folliculo moschife - ro ad extremum dorsi.

v. Schreber tab. 325.

Herdenweise in den wärmern Gegenden von Süd - amerika. Wird höchstens nur 60 Pfund schwer.

4. Babirussa,*)Baba heißt auf Malayisch das Schwein, russa, der Hirsch. S. dentibus laniariis superioribus ma - ximis, parallelis retrorsum arcuatis.

v. Schreber tab. 328.

Zumahl auf den Moluckischen Inseln. Lebt am Was - ser, kann sehr geschickt selbst nach ziemlich entlegenen Inseln schwimmen. Es hält schwer, zu bestimmen, wo - zu ihm die fast zirkelförmigen großen Eckzähne des Oberkiefers dienen mögen? beym Weibchen sind sie weit kleiner.

38. Tapir. Dentes primores utrinque 6; laniarii 4; palmae ungulis 4, plantae ungulis 3.

1. Americanus, der Tapir, Anta.

v. Schreber. tab. 319.

Das größte Landthier in Süd-Amerika, von der Statur eines mittelmäßigen Ochsen, Kopf und Schen - kel sind ungefähr wie beym Schwein; die Oberlippe zugespitzt und sehr beweglich. Gewöhnlich setzt sich's auf die Hinterfüße wie ein Hund. Geht gern ins Wasser, schwimmt sehr gut ꝛc.

39. Elephas. Elephant. Proboscis longissima, prehensilis; dentes primores superiores exserti.

1. Asiaticus, E capite elongato, fronte concava, auri - culis minoribus, dentium molarium corona lineis un - dulatis parallelis distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. B.

Im südlichen Asien, vorzüglich auf Ceilon. Ist das größte von allen Landthieren, wird wohl 15 Fuß hoch, und wiegt im zwanzigsten Jahre auf 7000 Pfund Sei - ne auf dem Rücken fast Daumens dicke Haut ist doch selbst gegen Insectenstiche empfindlich; gewöhnlich von grauer Farbe. Das Hauptorgan des Elephanten ist sein Rüssel, der ihm zum Athemhohlen, zum äußerst feinen Geruch, zum Wasserschöpfen, sein Futter damit zu fassen und ins Maul zu stecken, und zu vielerley andern Verrichtungen, statt der Hände dient. Er kann98 ihn drey Ellen lang ausstrecken, und bis zu ander - halb Ellen wieder einziehen. Am Ende ist derselbe, wie mit einem biegsamen Haken versehen, und hiermit kann er ungemein feine kunstreiche Handlungen verrichten, z. B. Knoten aufknüpfen, Schnallen auflösen, mehrere Stücke Geld mit Einem Mahl aufheben u. s. w. Sei - ne Nahrung besteht vorzüglich aus Laub der Bäume, Reiß und andern Gräsern. Er schwimmt mit ungemei - ner Leichtigkeit selbst durch schnelle Ströme. Bey der Begattung soll er sich wie die mehrsten übrigen Säu - gethiere bespringen. Das neugeworfene Junge saugt mit dem Maule (nicht mit dem Rüssel, wie viele ge - meint haben). Ungefähr im dritten, vierten Jahre kom - men den beyden Geschlechtern die zwey großen Stoß - zähne zum Ausbruch, die das Elfenbein geben. Sie werden wohl 7 bis 8 Fuß lang und einer derselben kann bis auf 200 Pfund wiegen. Wahrscheinlich wird der Elephant auf 200 Jahre alt. Am häufigsten nutzt man ihn zum Lasttragen, da er zum mindesten 20 Centner zu tragen, und schwere Ballen ꝛc. Berge hinauf zu wälzen im Stande ist. Sein Gang ist gleichsam ein schnelles Schieben der Beine, und dabey so sicher, daß er auch auf ungebahnten Wegen doch niche strauchelt.

2. Africanus. E capite subrotundo, fronte convexa, au - riculis amplissimis; dentium molarium corona rhom - bis distincta.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 19. fig. C.

Diese im mittlern und südlichern Afrika einheimische Gattung, wird jetzt höchstens nur noch im Innern die - ses Erdtheils als Hausthier gehalten, im übrigen aber bloß des Fleisches und vorzüglich des Elfenbeins we - gen gefangen und geschossen.

40. Rhinoceros. Nashorn. Cornu soli - dum, conicum, naso insidens.

1. Asiaticus. Rh. dentibus primoribus utrinque quater - nis, inferioribus conicis, superioribus sublobatis; laniariis nullis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. B.

In Ostindien Das bey dieser Gattung mehrentheils einzelne Horn ist bey ihm so wie das doppelte beym Afrikanischen nicht am Knochen fest gewachsen, sondern bloß auf demselben aufsitzend.

2. Africanus. Rh. dentibus primoribus et laniariis nullis.

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Abbild. n. h. Gegenst. tab. 7. fig. A.

In Süd-Afrika, am Cap ꝛc. Das zweyte Horn ist kleiner, und sitzt hinter dem erstern.

41. Hippopotamus. Dentes primores supe - riores remoti (inferiores procumbentes); laniarii inferiores incurvati, oblique truncati.

1. Amphibius. das Nilpferd. (Am Cap Seekuh genannt).

Buffon. Supplement vol. III. tab. 62. 63. vol. VI. tab. 4. 5.

Häufig im südlichen Afrika, wo sie ehedem im Nil. Äußerst plump, mit einem unförmlichen großen Kopfe, ungeheuern Rachen, dicken Leibe, kurzen Beinen ꝛc. Ein erwachsenes wiegt wenigstens vierthalb tausend Pfund. Nährt sich von Vegetabilien und Fischen.

VIII. PALMATA.

Säugethiere mit Schwimmfüßen, deren Ge - schlechter wieder nach der Verschiedenheit ihres Ge - bisses (so wie oben die Digitata) in drey Familien zer - fallen. A) Glires. B) Ferae. C) Bruta.

A) Glires.

Mit meißelförmigen Nagezähnen.

42. Castor. Pedes postici palmati. Dentes primores utrinque 2.

1. . Fiber, der Biber. (Fr. le castor. Engl. the beaver.) C. cauda depressa, ovata, quasi squamosa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 43.

In der nördlichern Erde, in einsamen Gegenden an Land-Seen und größern Flüssen. Er wird wegen sei - ner feinen Haare für die Handlung, und für die Arz - neykunst wegen des so genannten Bibergeils wichtig, das sich bey deyden Geschlechtern in besondern Behäl - tern am Ende des Unterleibes findet. Am berühmtesten sind aber diese Thiere durch die ausnehmende Kunstfer -100 tigkeit, mit welcher sie, da wo sie sich (wie im Innern von Canada) noch im Menge beysammen finden, ihre dauerhaften Wohnungen, besonders aber, da wo sie es nöthig finden, die dazu gehörigen bewundernswür - digen Dämme aufführen. Denn, zugegeben, daß frey - lich in den Erzählungen mancher Reisebeschreiber vom Bau der Biber vieles verschönert und übertrieben wor - den, so wissen sich doch diese Thiere, nach dem einstim - migen Zeugniß der unverdächtigsten Beobachter aus ganz verschiedenen Welttheilen, dabey so nach zufälli - gen Umstanden zu bequemen, daß sie sich dadurch weit über die einförmigen Kunsttriebe anderer Thiere erheben.

B) Ferae.

Mit dem Gebiß der reißenden Thiere.

43. Phoca. Pedes postici exporrecti, digiti co - aliti. Dentes primores superiores 6, inferiores 4; laniarii solitarii.

Nebst den Thieren des vorigen Geschlechts gleichsam die Amphibien unter den Säugethieren, deren ganzer Körperbau darnach eingerichtet ist, um in beyden Ele - menten leben zu können*)So habe ich z. B. a. 1784, bey der Zergliederung eines See - hund-Auges eine merkwürdige Einrichtung entdeckt, wodurch diese Thiere im Stande sind, nach Willkühr die Achse dessel - ben zu verlängern oder zu verkürzen, um durch zweyerley me - dium von so verschiedener Dichtigkeit, durchs Wasser nähmlich eben so gut als durch die Luft deutlich sehen zu können. s. Handbuch der vergleichend. Anatomie §. 274. tab. 6..

1. Vitulina, der Seehund, die Robbe, das Seekalb. (Fr. le veau marin. Engl. the seal,) P. capite laevi, auriculis nullis, corpore griseo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 73.

In den nördlichen Meeren. Ist für die Finnischen Insulaner, so wie für die Kamtschadalen, besonders aber für die Gronländer und für die Labradorischen Es - quimos, ein äußerst wichtiges Geschöpf: die beyden letz - tern Völker zumahl, nähren sich von seinem Fleisch, kleiden sich in sein Fell, beziehen ihre Sommerhütten und Fischerbothe damit ꝛc. Sein Fang macht ihr vorzüg - lichstes Geschäft, und die darin erworbene Geschicklich - keit ihr Glück und ihren Stolz aus.

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2. Ursina. der Seebär. P. auriculata, collo laevi.

Buffon, Supplement, vol. VI. tab. 47.

Im Sommer herdenweise, auf den Inseln des Kamt - schatkischen Inselmeers, überwintert aber vermuthlich auf den benachbarten, etwas südlichern Inseln des stil - len Oceans. Lebt in Polygamie, so daß jedes Mäna - chen wohl dreyßig bis vierzig Weibchen hat, die es mit vieler Eifersucht bewacht, und grimmig gegen seine Ne - benbuhler zu behaupten sucht*)G. W. Stellers Beschreibung von sonderbaren Meerthie - ren. Halle, 1753. 8. (aus den nvv. Comment. Petropolit.).

3. Iubata, der Stellersche Seelöwe. P. auricula - ta, collo jubato.

Buffon. Supplement. vol. VI. tab. 48.

Im ganzen stillen Ocean. Die größte Gattung die - ses Geschlechts; hat den Nahmen von der beym Männ - chen gewisser Maßen löwenartigen Mähne.

4. Cristata, der Ansonsche Seelöwe**)Linnés Phoca cristata und seine jubata sind einerley Thier.. P. ca - pite antice cristato.

Anson's voyage round the world. tab. 19.

Im Atlantischen sowohl als im stillen Ocean. Nur das Männchen hat den häutigen Kamm auf der Nase.

44. Lutra. Palmae plantaeque natatoriae. Den - tes primores utrinque 6; superiores distincti, inferiores conferti.

1. . Vulgaris, die Fischotter. (Fr. la loutre. Engl. the otter.) L. plautis nudis, vauda corpore dimidio breviore.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1798.

In den mildern Gegenden der nördlichen Erde. Die schönsten in Canada.

2. Brasiliensis, die Brasilische Flußotter, der Wasserwolf. (le Saricovienne.) L. badia, macula alba submentali, cauda corpore dimidio breviore.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 93.

Diese gemeiniglich mit der folgenden verwechselte Gattung lebt in den Flüssen und Landseen des östlichen und innern Südamerika.

102

3. Marina, die Seeotter. (Fr. le castor marin. Engl. the sea-otter.) L. nigra, plantis pilosis, cau - da corpore quadruplo breviore.

Cook's voyage to the northern hemisphere vol. II. tab. 43.

Besonders um Kamtschatka und an der jenseitigen Küste vom nordwestlichen Amerika bis hinunter nach Nutka-Sund, doch auch um Corea, und zumahl im gelben See. Ihr schwarzes und silbergraues Fell ist für die Schinesen das kostbarste aller Rauchwerke.

C) Bruta.

Ohne Gebiß, oder wenigstens ohne Vorderzähne.

45. Ornithorhynchus. Mandibulae rostra - tae (anatinae). Dentes nulli*)Denn die Organe, die Hr. Ever. Home für Backenzähne des Schnabelthiers ausgegeben, können doch, da sie weder substantia vitrea noch ossea, weder Wurzeln noch Zahnzel - len haben, und er sie ihrer Structur nach vielmehr mit der von der innern Haut des Hühnermagens vergleicht, wohl we - der nach dem gemeinen Sprachgebrauch, noch nach der wissen - schaftlichen anatomischen und naturhistorischen Terminologie für wirkliche Zahne eines warmblutigen Quadruped's gehal - ten werden..

1. Paradoxus, das Schnabelthier. (Engl. the duck-bill.)

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 41.

Dieses so ganz abenteuerliche Geschöpf zeichnet sich von allen bisher bekannten Säugethieren durch die bey - spiellose Bildung seiner Kinnladen aus, die im äußern aufs vollkommenste einen breiten platten Entenschna - bel ähneln, auch eben so mit einer weichen nervenrei - chen zum Tasten bestimmten Haut überzogen, auch an den Seitenrändern gezähnelt sind. Beyderley Füsse sind mit einer Schwimmhaut versehen, die an den Vordern noch vor den Krallen hervorragt, und sich mittelst der - selben fächerartig zusammenfalten oder ausbreiten läßt. Noch hat man an keinem von beyden Geschlechtern eine Spur von Zitzen gefunden. Dieses Wunderthier lebt in Landseen des an sonderbaren Formen seiner Geschö - pfe so reichen fünften Welttheils, unweit Botanybay.

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46. Trichechus. Pedes posteriores compedes coadunati.

1. Rosmarus, das Wallroß. (Fr. le morse. Engl. the walrus.) T. dentibus laniariis superioribus exsertis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 15.

Bey dem Treibeis des Nordpols: oft zu hunderten beysammen. Nährt sich vom Seetang und Schalthie - ren, die er mit seinen Hauzähnen loskratzt Die alten Normannen machten ihre fast unverwüstlichen Ankertaue von Wallroßriemen*)S. Ohthere's Reise in J. Spelmanni vita Aelfredi ma - gni Anglor. regis. p. 205..

2. Manatus, die Seekuh. (Fr. le lamantin. ) T. den - tibus laniariis inclusis.

v. Schreber tab. 80.

In Flüssen und an den Seeküstender wärmerm Erde, z. B. häufig im Orinoco. Scheint zu manchen der Sa - gen von Sirenen und Meerjungfern Anlaß gegeben zu haben**)Die fälschlich so genannten Lapides manati sind gar nicht von diesem Thiere, sondern gewöhnlich ein Theil des äußeren Gehörganges und der Pauke des Wallfisches..

IX. CETACEA.

Die ehedem so ganz widersinnig zu den Fischen gerechneten Säugethiere***)G. Hrn. Prof. Schneiders vermischte Abhandl. zur Auf - klärung der Zoologie ꝛc. Berlin, 1784. 8. S. 175 304.C. Lacepede histoire naturelle des cetaceés Par. an 12. 4..

47. Monodon. Dens alteruter maxillae su - perioris exsertus longissimus, rectus spiralis.

1. Narhwal, das See-Einhorn.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 44.

Meist im nördlichen Atlantischen Ocean. Das jun - ge hat ursprünglich zwey Zähne (in jedem Oberkiefer -104 knochen Einen), die aber von ungleicher Größe sind, und beym Erwachsenen sehr selten zusammen gefunden werden, sondern gewöhnlich nur einer von beyden. Zu - weilen so lang, als der Körper des Thieres, d. h. wohl 18 Fuß und darüber.

48. Balaena. Dentes nulli. Laminae loco su - periorum corneae.

1. Mysticetus, der Wallfisch. (Fr. la baleine Engl. the black whale.) B. dorso impinni.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 94.

Das größte aller bekannten Thiere*)Denn von der vermeinten Riefen-Krake s. unten bey der Asterias caput medusae., das über 100000 Pfund an Gewicht halt, ist theils gegen den Nordpol, aber auch in südlichen Gegenden im Atlantischen Ocean, und im stillen Meere zu Hause. Die heutiges Tages gefangen werden, sind selten über 60 bis 70 Fuß lang. Der ungeheure Kopf macht wohl ein Drittel des gan - zen Thiers aus. Die Haut ist meistens schwarz der mit weiß gemarmelt ꝛc., hin und wieder dünn behaart, und oft mit Muscheln besetzt. Den Kamtschadalischen Insulanern und den nordwestlichen Amerikanern giht dieses ungeheure Thier victus et amictus ꝛc. Die Eu - ropäer hingegen fangen den Wallfisch (wovon ein gro - ßer 5000 Rthlr werth seyn kann) des Fischthrans und der Barden wegen, deren er auf 700 im Oberkiefer hat, die das Fischbein geben, und von denen die mittelsten wohl zwanzig Fuß lang werden.

2. Boops, einer der verschiedenen Finnfische (Fr. la jubarte). B. pectore sulcato, prinna dorsali obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 74.

Die Haut an Hals und Brust und Vordertheil des Bauchs, ist bey dieser und einigen andern Gattungen dieses Geschlechts sehr regelmäßig nach der Länge ge - furcht**)Ein solcher Finnfisch (mit welchem Nahmen von den Wall - fischfängern alle Gattungen dieses Geschlechts belegt werden, die eine Rückensinne haben, wie physalus u. a. ) den ich frischgestrandet zu sehen die mir unverhoffte Gelegenheit ge - habt, war 2 Fuß lang und hatte 64 solche mehr als Daumens - breite und eben so tiefe Brustfurchen..

49. Physeter. Dentes in maxilla inferiore.

1. Macrocephalus, der Caschelot, Pottfisch. 105(Engl. the white whale. ) P. dorso impinni, dentibus inflexis, apice acutiusculo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 84.

Meist in den südlichern Weltmeeren; zumahl an den Küsten von Brasilien und von Neu-Südwallis. Er erreicht die Größe des Wallfisches, hat einen ungeheu - ren Rachen und kann klafterlange Hayfische verschlin - gen Sein Oberkiefer ist sehr breit, der untere hinge - gen überaus schmal. Er wird vorzüglich des Wallraths (sperma ceti) wegen aufgesucht, das in Gestalt eines milchweißen Öhls theils im Körper des Thiers bey dem Thran, theils aber, und zwar in größter Menge in be - sondern Behältern am Kopfe desselben, zumahl vorn auf den Oberkiefern gefunden wird, und an der Luft zu einem halb durchsichtigen Talg verhärtet. Die köstliche wohlriechende graue Ambra ist eine Stercorolnerhär - tung, die sich zumahl im dicken Darm mancher davon erkrankender Caschelotte findet.

50. Delphinus. Dentes in maxilla utraque.

1. Phocaena, das Meerschwein, der Braunfisch. (tursio Plinn Fr. le marsouin. Engl. the porpoise.) D. corpore subconiformi, dorso lato pinnato, rostro subobtuso.

v. Schreber tab. 342.

So wie die folgende Gattung in den Europäischen Meeren: wird so wie diese 1 / 2 Klafter lang, und ist zu - mahl für die Lachse ein schädliches Raubthier.

2. Delphis, der Delphin, Tümmler. (Fr. le dau - phin. Engl. the porpesse.) D. corpore oblongo sub - tereti, dorso pinnato, rostro attenuato, acuto.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 95.

Der eigentliche Delphin der Alten.

3. Orca, der Nordcaper, Speckhauer. (Fr. l'epaulard, Engl. the grampus) D. pinna dorsi al - tissima; dentibus subconicis, parum incurvis.

v. Schreber tab. 340.

Mehr im nördlichen Weltmeere, doch auch im mittel - ländischen; wird 20 Fuß lang.

106

Fünfter Abschnitt. Von den Vögeln.

§. 55.

Die Säugethiere zeigen in ihrer Bildung, mithin auch in ihrer Lebensart ꝛc. so sehr viel Verschieden - heit, daß sich nur wenig Allgemeines von ihnen über - haupt sagen läßt, und man sich folglich bey ihrer spe - ciellen Geschichte desto umständlicher zu seyn gedrun - gen sieht. Bey den Vögeln ist der Fall anders. Bey - des, so wohl ihre Gestalt, als auch ihre Lebensart hat im Ganzen genommen mehr Übereinstimmendes, daher man sich bey der besondern Geschichte ihrer ein - zelnen Geschlechter und Gattungen schon kürzer fassen kann.

§. 56.

Alle Vögel kommen in Rücksicht ihrer Bildung darin mir einander überein, daß sie zwey Füsse, zwey Flügel, einen ganz oder doch zum Theil hornigen Schnabel, und einen mit Federn bedeckten Körper haben. Sie zeichnen sich zu - gleich durch diese vier Charaktere von allen andern Thie - ren aufs kenntlichste aus, und machen eine gleichsam isolirte Classe von Geschöpfen aus, die mit keiner an - dem zusammen stießt, und sich daher in die vermeinte107 Kette oder Leiter der natürlichen Körper (S. 9.) nicht ohne Zwang einpassen läßt.

§. 57.

Unter jenen Charakteren sind die Federn den Vögeln ausschließlich eigen, die in regelmäßigen Rei - hen (in quincunce) in die Haut verwachsen, und mit vielem Fette durchzogen sind; aber in gewisser Jahrs - zeit, gewöhnlich im Herbste, ausfallen und neue an ihrer Statt regenerirt werden. Viele, zumahl die meisten Wasservögel, auch die Schneehühner ꝛc. mau - sern sich gar zwey Mahl im Jahr, im Frühling und Herbst. Bey manchen Gattungen hat der junge Vo - gel, zumahl vor der ersten Mause (als avis hornoti - na) andere Farben oder Zeichnungen des Gefieders, als im reifern Alter. Bey manchen herrscht auch hier - in große Sexualverschiedenheit. Von den Haaren un - terscheiden sie sich besonders auch dadurch, daß sie, so viel bekannt, wenn sie beschnitten oder sonst verstüm - melt worden, alsdann nicht so wie diese, wieder er - gänzt werden.

§. 58.

Die stärksten Federn sind in den Fittigen und im Schwänze. Jene heißen Schwungfedern (remi - gés), diese Steuerfedern (rectrices). Die Schwung - federn bilden bey ausgespannten Flügeln gleichsam breite Fächer, womit sich die Vögel in die Luft heben und fliegen können. Einige wenige Vögel (aves im - pennes), wie die Pinguine ꝛc. haben gar keine Schwungfedern, und sind daher zum Fluge ungeschickt. So fehlen auch einigen Vögeln, wie dem Casuar, den Taucherchen ꝛc. die Steuerfedern.

108

§. 59.

Im innern Körperbau*)Vom Eigenthümlichen des innern Körperbaues der Vögel habe ich ausführlich in dem Specimen physiologiae comparatae inter animantia calidi sanguini vivipara et ovi - para gehandelt, das im IX B. der commentation, societ reg. scientiar. Gottingens. p. 108-128 befindlich ist. zeichnen sich die Vögel besonders durch die merkwürdigen Luftbehälter aus, die in ihrem Körper vertheilt, und vorzüglich zum Fluge von äußerster Wichtigkeit sind. Die meh - resten stehen mit den Lungen, andere aber bloß mit dem Rachen in Verbindung, und der Vogel kann sie nach Willkühr mit Luft laden oder ausleeren. Zu die - sen Luftbehältern gehören vorzüglich große aber zarte häutige Zellen, die theils im Unterleibe, theils unter den Achseln und sonst noch unter der Haut ver - breitet sind, und durchs Einathmen mittelst der Lun - gen voll Luft gepumpt werden können. Außerdem dienen den Vögeln auch gewisse markleere hohle Knochen, wie die Schulterknochen im Flügel ꝛc. und manchen selbst die Hirnschale, zu ähnlichen Zwe - cken; und endlich sind auch die Ungeheuern Schnä - bel der Pfefferfraße, Nashornvögel ꝛc. ebenfalls da - hin gehörig.

§. 60.

Durch diese merkwürdigen Einrichtungen werden die Vögel zum Flug geschickt, bey welchem die Ge - schwindigkeit so wohl als die lang anhaltende Dauer gleich merkwürdig sind. Nur wenige Vögel, wie der Strauß, der Casuar, die Pinguine und andere aves impennes (§. 58.) können gar nicht fliegen.

109

§. 61.

Der Anfenthalt der Vögel ist beynahe eben so verschieden als der Säugethiere ihrer. Die mehre - sten leben auf Bäumen, andere auf dem Wasser, sehr wenige bloß auf der Erde: aber kein einziger Vögel (so wie der Maulwurf in der vorigen, und andere Ge - schöpfe in den beyden letztern Thier-Classen) bloß un - ter der Erde. Die Bildung der Füße ist auch bey den Vögeln, so wie bey den Säugethieren, ihrem verschiedenen Aufenthalte angemessen*)Die Kunstnahmen dieser verschiedenen, Bildung der Vogelfüße sind in Forsieri euchiridion p.15. und in Illigers Ter - minologie S. 187 erklärt, und im 3ten Th. von Bechsteins ornitholog. Taschenbuch durch treffliche Abbildungen erläutert..

§. 62.

Sehr viele Vögel verändern ihren Wohn - platz zu gewissen Jahrszeiten; die meisten zwar bloß in so fern, daß sie nur wenige Meilen weit in die be - nachbarten Gegenden streichen, und bald darauf in ihre alte Heimath zurückkehren; andere aber, wie die Hausschwalben, die Kraniche, Störche ꝛc. so, daß sie im Herbst große Wallfahrten, weit übers Meer und über einen beträchtlichen Theil der Erdkugel weg, an - stellen, und den Winter bis zur Rückkehr im folgen - den Frühjahre in wärmern Zonen zubringen.

§. 63.

Kein Vogel hat Zähne, sondern diese Thiere müssen ihre Speise entweder mit dem Schnabel zer - beißen, oder ganz schlucken. Bey denjenigen samen - fressenden Vögeln, die ihre Körner ganz, unzerbissen einschlucken, gelangen diese nicht sogleich in den Ma -110 gen, sondern werden vorher im drüsenreichen Kröpfe (ingluvies, prolobus) eingeweicht, und von da nur allmählich an den Magen überlassen: der bey diesen Thieren äußerst musculös, und so stark ist, daß er sogar, nach Reaumur's u. a. merkwürdigen Versu - chen, verschluckte Haselnüsse und Olivenkerne zu zer - drücken und Münzen so glatt wie Papier abzuscheuern vermag. Sehr viele Vögel verschlucken aber auch über - dieß noch kleine Kieselsteinchen, die ebenfalls die Zer - malmung und nachherige Verdauung der Speisen be - fördern*)Über den Zweck und Nutzen, weßhalb diese Vogel solche Stein - chen schlucken müssen, sind die Meinungen der Physiologen sehr verschieden. Manche haben gar gewähnt, es geschehe aus Stupidität. Nach meinen Untersuchungen ist es ein un - entbehrliches Hülfsmittel, um die eingeschluckten Körner da - durch zu tödten und ihrer Lebenskraft zu berau - ben, die sonst der Digestionskraft widersteht.. Verschiedene fleischfressende Vögel, wie die Falken, Eulen, Eisvögel ꝛc. können die Knochen, Haare und Graten der kleinen Thiere, die sie verzehrt haben, nicht verdauen, sondern brechen sie, in eine runde Kugel (das Gewölle) geballt, nach der Mahl - zeit wieder von sich**)Einen ähnlichen Ursprung haben auch die vulgo so genann - ten Sternschnuppen, nähmlich die graulichweißen, gal - lertartigen, weist darmförmig gewundenen Klumpen, die man oft haufenweise auf Wiesen ꝛc. antrifft, und halbverdaute Ein - geweide von Fröschen sind, die von Krähen, Sumpf - und Wasservögeln wieder ausgebrochen worden. s. Hrn. Dr. Persoon in Hrn. Hofr. Voigts neuem Magazin I. B. 2. St. S. 56 u. f..

§. 64.

Zu den besondern Eigenheiten der Sinnwerk - zeuge der Vögel in Vergleichung zu den Säugethie - ren, gehört unter andern der Mangel der knorpligen, zur Auffassung des Schalls dienenden, äußern Ohren;111 der aber, zumahl bey den nächtlichen Raubvögeln, durch die äußerst regelmäßige zirkelförmige Stellung und bestimmte Richtung der Federchen in der Gegend des Ohres und bey manchen derselben auch noch über - dieß durch eine bewegliche Klappe am äußern Gehör - gange vergütet wird.

Anm. Nur sehr wenige Vögel, die Enten nähmlich u. a. verwandte Gattungen, scheinen den wirklichen Sinn des Tastens d. h. des Gefühls im en - gern Verstände) zu besitzen; und das Organ dazu ist wohl die weiche Bedeckung ihres Schnabels, die mit ausnehmend starken Hautnerven versehen; und beym lebendigen Thier äußerst empfindlich ist. Auch sieht man, wie die Enten in den Pfützen, wo sie bey Aussuchung des Fraßes weder dem Gesichte, noch dem Geruche nachgehen können, mit dem Schnabel wirklich sondiren.

§. 65.

Die Stimme ist zumahl bey den kleinen so ge - nannten Sangvögeln mannigfaltig und anmuthig, doch darf man nicht sowohl sagen, daß sie singen ( denn natürlicher Gesang ist ein ausschließliches Vorrecht des Menschen ) als, daß sie pfeifen. Außer den ob - gedachten Luftbehältern (§. 59.) kommt ihnen dazu vorzüglich die Einrichtung ihres Kehlkopfs (larynx) zu Statten, der bey den Vögeln nicht bloß, so wie den Säugethieren und Amphibien, am obern Ende, nähm - lich an der Zungenwurzel befindlich, sondern gleich - sam in zwey abgesonderte Hälften an die beyden En - den der Luftröhre vertheilt ist. Die Papageyen, Ra - ben, Stahre, Dompfaffen ꝛc. hat man die Menschen - stimme nachahmen und Worte aussprechen gelehrt; so wie auch die Sangvögel im Käficht leicht fremden Ge - sang annehmen, Lieder pfeifen lernen, und sich sogar112 zum Accompaganement abrichten lassen, so, daß man mit mehreren Dompfaffen zugleich schon wirklich klei - ne Concerte hat geben können. Überhaupt aber scheint auch der Waldgesang der Sangvogel doch erst durch Übung und Nachahmung recht ausgebildet zu werden.

§. 66.

Die mehreren Vögel begatten sich im Früh - jahr; manche aber, wie der Kreuzschnabel in der käl - testen Jahrszeit nach Weihnachten. Das Hausgeflü - gel ist gar an keine bestimmte Zeit gebunden, sondern läßt sich Jahr aus Jahr ein zu diesem Geschäft willig finden. Manche halten sich nur zur Begattungszeit, andere aber, wie die Tauben und Hausschwalben, für immer paarweise zusammen: noch andere aber leben, wie der Haushahn, und unter den wilden Vögeln der Strauß, in Polygynie.

§. 67.

Das befruchtete Weibchen wird vom Instinct ge - trieben, für die Zukunft zu sorgen, und zu nisten, wovon eigentlich vielleicht außer dem Guckguck wohl nur sehr wenige andre, z. B. die Nachtschwalbe ausgenom - men sind. Bey den polygynischen Vögeln, wie bey den Hühnerarten, nimmt das Männchen gar keinen Antheil an diesem Geschäfte; bey denen aber, die sich paarweise zusammen halten, zumahl unter den Gang - vögeln, trägt es doch Baumaterialien herbey, und verpflegt sein Weibchen während ihrer Arbeit.

§. 68.

Die Auswahl des Ortes, an dem jede Gat - tung ihr Nest anlegt, ist ihren Bedürfnissen und ihrer ganzen Lebensart aufs genaueste angemessen. Und113 eben so sorgfältig wählt auch jede Gattung die Bau - materialien zu ihrem Neste.

§. 69.

Die Form der Nester ist bald mehr bald min - der künstlich. Manche Vögel, wie die Schnepfen - Trappen, Kibitze ꝛc. machen sich bloß ein dürres La - ger von Reisholz, Strohhalmen ꝛc. auf der platten Erde: andere tragen sich nur ein weiches kunstloses Bett in Löcher der Mauern, Felsenritzen und hohle Bäume; so die Spechte, Heher, Dohlen, Sperlin - ge ꝛc. Sehr viele, zumahl unter den Hühnern, Tau - ben und Sangvögeln, geben ihrem Neste die Gestalt einer Halbkugel oder einer Schüssel: andere, wie der Zaunkönig, ungefähr die Form eines Backofens: noch andere, wie manche Meisen, Kernbeißer ꝛc. die von einem Beutel u. s. w.*)Ad. L. Wirsing Sammlung von Nestern und Eyern ver - schiedener Vögel, beschrieben von Fr. Chr. Günther. Nürnb. 1772 Fol..

§. 70.

Wenn endlich das Geschäft des Nesterbaues voll - endet ist, so legt die Mutter ihre Eyer hinein; de - ren Anzahl bey den verschiedenen Gattungen der - gel sehr verschieden ist. Viele Wasservögel z. B. le - gen jedes Mahl nur ein einziges Ey; die Taucher - chen und mehresten Tauben ihrer zwey; die Möven drey; die Raben vier; die Finken fünf; die Schwal - ben sechs bis acht; die Repphühner und Wachteln vier - zehn; das Haushuhn aber, besonders wenn man ihm die Eyer nach und nach wegnimmt**)In diesem Fall scheint also das Eyerlegen eine willkühr - liche Handlung, wodurch es sich folglich vom durchaus un - willkührlichen Gebähren der Säugethiere auffallend auszeichnet., bis funfzig und114 darüber. Zuweilen geben auch manche Vögel, ohne vorher gegangene Befruchtung, Eyer von sich, die aber zum Brüten untauglich sind und Windeyer heißen.

§. 71.

Die Ausbildung des jungen Thieres, die bey den Säugethieren noch im Mutterleibe vollzogen wird, muß hingegen bey den Vögeln im schon gelegten Ey, mittelst des Brütens bewirkt werden. Nur der Guckguck brütet seine Eyer nie selbst aus, sondern über - läßt es den Grasmücken oder Bachstelzen ꝛc., in deren Nest er sein Ey gelegt hat. Hingegen weiß man, daß selbst Kapaunen und Hunde und sogar Menschen Vo - geleyer ausgebrütet haben*)Plin. L. X. cap. 55. Livia Augusta, prima sua juventa Tiberio Caesare ex Nerone gravida, cum parere virilem se - xum admodum cuperet, hoc usa est puellari augurio, ovum in sinu fovendo, atque cum deponendum haberet, nutrici per finum tradendo, ne intermitteretur tepor. . Auch bloß durch künst - liche Wärme, und erhitzten Mist**)Aristot. hist. animal. L. VI. c. 2.L'Art de faire éclore des oiseaux domestiques, par Mr. de Reaumur. Par. 1741, 3 Vol. 12.(des Abbé Copineau) Ornithotrophie artificielle. Par. 1780. 12., und durch Lam - penfeuer in so genannten Brüt-Maschinen***)Eine genaue Beschreibung dieser nützlichen, gar nicht kostba - ren Maschine, und die doch so ausnehmend interessante und lehrreiche Unterhaltung gewährt, s. in unsers sel. Holl - manns Unterricht von Barometern und Thermometern. Göt - tingen, 1783. 8. S. 206 u. f. 271 u. f. und in Brütöfen, kann man leicht Hühnchen auskriechen las - sen. Die Vögel werden durch das anhaltende Brüten abgemattet, und nur bey solchen, die sich paarweise115 zusammen halten, wie bey den Tauben, Schwalben ꝛc. nimmt auch das Männchen an diesem Geschäfte An - theil. Die Hähne unter den Canarienvögeln, Hänflin - gen, Stieglitzen ꝛc. überlassen zwar das Brüten bloß ihren Weibchen, versorgen sie doch aber während der Zeit mit Futter und ätzen sie theils aus dem Kropfe.

§. 72.

Während des Brütens geht nun im Eye selbst die große Veränderung vor, daß das Küchelchen darin allmählich gebildet, und von Tag zu Tag mehr zur Reift gebracht wird*)Von dieser Ausbildung des bebrüteten Küchelchen, und den zu seiner Öconomie gehörigen Organen des Eyes s. den XXVII. Abschn. des Handb. der vergleichend. Ana - tomie.. Zu dieser Absicht ist nicht nur der Dotter überhaupt specifisch leichter als das Eyweiß, sondern auch wieder diejenige Stelle auf seiner Oberfläche (der so genannte Hahnentritt, cicatricula), neben welcher das künftige Hühnchen zu liegen kommt, selbst noch leichter als die entgegen ge - setzte Seite, so daß folglich bey jeder Lage des Eyes doch immer jene Stelle dem Leibe des bebrütenden Vo - gels zugekehrt ist. Die erste Spur des neuen Küchel - chens zeiget sich immer erst eine geraume Zeit, nachdem das Brüten seinen Anfang genommen. Beym Hüh - nerey z. B. kaum vor Ende des ersten Tages: so wie am Ende des zweyten das berühmte Schauspiel der ersten Bewegung des dann noch sehr unvollkommenen Herzchens (das punctum saliens) seinen Anfang nimmt. Zu Ende des fünften Tages ficht man schon das ganze kleine gallertartige Geschöpf sich bewegen. Am vierzehnten brechen die Federn aus; zu Anfang116 des fünfzehnten schnappt das Hühnchen schon nach Luft: und ist am neunzehnten Tage im Stande einen Laut von sich zu geben.

Anm. Beym Vogel im Ey ist die erste Gestalt, worin er sich zeigt, noch weit mehr von seiner nachmahli - gen Form, wenn er zum Auskriechen reif wird, ver - schieden, als die früheste Gestalt des neuempfange - nen Säugethiers von seiner nachherigen Bildung; so daß man sagen kann, das Küchelchen im Eye ge - lange erst durch eine Art von Metamorphose zu sei - ner vollkommenen Gestalt, und das sowohl in Rück - sicht einzelner Eingeweide (z. B. des Herzens) als in der Totalbildung. ( vergl. die Abbild. n. h. Gegenst. tab. 64. )

§. 73.

Unter den mancherley zur bewunderungswürdi - gen Ökonomie des bebrüteten Küchelchens dienenden Organen, sind die beyden allerwichtigsten zwey sehr gefäßreiche Membranen, die zumahl um die Mitte der Brütezeit in ganz ausnehmender Schönheit sich zeigen. Nähmlich die Nabelhaut (chorion) die dann unter der Eyerschale ausgebreitet ist; und die Dotterhaut (membrana valvulosa vitelli), die mit dem Darmcanal des zarten Geschöpfes zusammen - hängt. Jene dient ihm statt der Lungen zum sogenann - ten phlogistischen Prozeß, (S. 37 u. f. ) und diese zur Ernährung mittelst des Dotters, der allgemach durch das sich ihm beymischende Eyweiß verdünnt wird. ( Abbild. n. h. Gegenst. tab. 34. )

§. 74.

Jede Gattung Vögel hat zwar ihre bestimmte Brütezeit von verschiedener Länge, die aber doch nach Verschiedenheit des Klima und der wärmern oder käl - tern Witterung verzögert oder beschleunigt wird. Beym Huhn ist das Küchelchen gewöhnlich zu Ende des ein117 und zwanzigsten Tages zum Auskriechen aus dem Eye reif.

§. 75.

Die jungen Vögel werden einige Zeit von der Mutter, und bey denen, die in Monogamie leben, auch vom Vater, mit vieler Zärtlichkeit gefüttert, und zumahl bey den mehresten körnerfressenden aus dem Kropfe geätzt, bis sie befiedert, und überhaupt für ihren eigenen Unterhalt zu sorgen im Stande sind.

§. 76.

Die Vögel erreichen, nach Verhältniß ihrer kör - perlichen Größe, und in Vergleich mit den Säugethieren, ein sehr hohes Alter, und man weiß, daß selbst in der Gefangenschaft Adler und Papageyen über hun - dert, Buchfinken, Stieglitze über 24 Jahre ꝛc. leben können.

§. 77.

Die Vögel sind für die Haushaltung der Natur im Großen ungemein wichtige Geschöpfe, obgleich ihre unmittelbare Brauchbarkeit fürs Menschen - geschlecht ohne Vergleich einfacher ist, als der Säu - gethiere ihre. Sie vertilgen unzählige Insecten, und das unbedingte Wegfangen mancher vermeintlich schädlichen Vögel, der Sperlinge, Krähen ꝛc. in man - chen Gegenden, hat meist eine ungleich schädlichere Vermehrung des Ungeziefers nach sich gezogen. An - dere verzehren größere Thiere, Feldmäuse, Schlangen, Frösche, Eidexen ꝛc. oder Aeser. Viele helfen Unkrautausrotten. Von der andern Sei - te wird auch die Vermehrung und Fortpflan - zung der Thiere so wohl, als der Gewächse, durch Vögel befördert. So weiß man z. B., daß die118 wilden Enten bey ihren Zügen befruchteten Fischrogen in entfernte Teiche übertragen, und sie dadurch zu - weilen fischreich machen. Sehr viele Vogel verschlu - cken Samenkörner, die sie nachher wieder ganz von sich geben, und dadurch die Verbreitung derselben be - fördern: so z. B. die Tauben auf Panda die Muscat - nüsse ꝛc. Der Mist der Seevögel düngt kahle Fel - senklippen und Küsten, daß nachher nützliche Gewäch - se da fortkommen können. Manche Falkengattungen lassen sich zur Jagd, so wie die Scharben zum Fisch - fang, abrichten ꝛc. So sehr viele Vögel, ihre Eyer, ihr Fett ꝛc. dienen zur Speise. Die ganzen Felle der Seevögel zur Kleidung mancher der nördlichsten Völker. Die Federn zum Füllen der Betten, zum Schreiben, und zu mancherley theils kostbarem Putz, so wie sie auch bey vielen wilden Völkern, zumahl auf den Inseln des stillen Oceans, einen beträchtlichen Handelsartikel ausmachen.

§. 78.

Der Schade, den die Vögel stiften, läßt sich fast gänzlich auf die Vertilgung nutzbarer Thie - re und Gewächse zurück bringen. Der Condor, der Lammergeyer u. a. Raubvögel tödten Kälber, Zie - gen, Schafe ꝛc. Der Fischadler und so viele Wasser - vögel sind den Fischen und ihrem Leich, so wie die Ha - bichte, Sperber, Älstern ꝛc. dem Hausgeflügel ge - fährlich. Die Sperlinge und andere kleine Sangvögel schaden der Saat, den Weintrauben und Obstbäu - men u. s. w. Und endlich werden freylich nicht bloß brauchbare Gewächse, sondern auch eben so wohl wu - cherndes Unkraut durch die Vögel verpflanzt. Gif -119 tige Thiere finden sich aber in dieser Classe von Thieren eben so wenig, als in der vorigen.

§. 79.

Da die Bildung der Vögel, im Ganzen genom - men, ziemlich einförmig ist, und gewisse Theile ihres Körpers, wie der Schnabel und die Füße, die sich auf ihre ganze Lebensart, Nahrung ꝛc. beziehen, schon an sich so viel von ihrem Total-Habitus bestimmen; so haben die mehresten Ornithologen auch ihre Classi - fication auf die Verschiedenheit des einen oder des an - dern von den genannten Theilen gegründet; Klein z. B. auf die Bildung der Zehen, Möhring auf die Bedeckung der Beine, Brisson auf beydes in Verbindung mit der Beschaffenheit des Schnabels u. s. w. Linné nimmt in dem Plan seines Systems der Vögel auch auf die Bildung mehrerer Theile zu - gleich, und so ziemlich auf den ganzen Habitus, Rück - sicht; nur scheint er sich in der Ausführung zu - weilen vergessen zu haben: wenigstens begreift man nicht, wie Papageyen, Colibrite und Krähen bey ihm in eine Ordnung verbunden, hingegen Tauben und Hühner in zwey Ordnungen von einander gerissen, und mehr Verbindungen oder Trennungen dieser Art zugelassen werden dürften.

§. 80.

Ich habe mir also hier einige Abänderung von dem Linnéischen System erlaubt, und die ganze Classe in folgende neun Ordnungen abzutheilen versucht.

A) Landvögel.

I. Accipitres. Die Raubvögel: mit krummen, star - ken Schnäbeln, meist mit kurzen, starken, knor -120 rigen Füßen, und großen, gebogenen, scharfen Klauen.

II. Levirostres. Mit kurzen Füßen, und meist sehr großen, dicken, aber mehrentheils hohlen, und da - her sehr leichten Schnäbeln.

Papageyen, Tucane ꝛc.

III. Pici. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig langen und schmahlen Schnäbeln, und theils wurmförmiger, theils fadenförmiger Zunge. Wendehals, Spechte, Baumkletten, Colibrite ꝛc.

IV. Coraces. Mit kurzen Füßen, mittelmäßig lan - gem, und ziemlich starkem, oben erhabenem Schna - bel. Raben, Krähen ꝛc.

V. Passeres. Die so genannten Sangvögel nebst den Schwalben ꝛc. Sie haben kurze Füße, und einen mehr oder weniger kegelförmigen, zugespitzten Schna - bel, von verschiedener Länge und Dicke.

VI. Gallinae. Vögel mit kurzen Füßen, oben etwas erhabenem Schnabel, der an der Wurzel mit einer fleischigen Haut bewachsen ist. Auch die Tauben habe ich unter diese Ordnung gebracht, da sie bey weiten mehr mit den Hühnern als mit den Sang - vögeln, denen sie Linné zugesellete, verwandt sind.

VII. Struthiones. Die großen, zum Flug ungeschick - ten Landvögel. Der Strauß, Casuar und Dudu.

B) Wasservögel.

VIII. Grallae. Sumpfvögel, mit langen Füßen, langem, fast walzenförmigem Schnabel, und mei - stens langem Halse.

121

IX. Anseres. Schwimmvögel mit Ruderfüßen, einem stumpfen, mit Haut überzogenen, am Rande meist gezähnelten Schnabel, der sich an der Spitze des Oberkiefers mit einem Häkchen endigt.

Zur N. G. der Vögel.

  1. Conr. Gesneri historiae animalium L. III. qui est de avium natura, Figur. 1555. fol.
  2. Ulyss. Aldrovandi ornithologiae. Bonon. 1599. sq. Vol. III. fol.
  3. F. Willughby ornithologiae L. III. ex ed. Raji. Lond. 1676. fol.
  4. J. Edwards's natural history of birds. Lond. 1743. sq. Vol. IV. 4.
  5. Ej. gleanings of natural history. ib. 1758 sq. Vol. III. 4.
  6. Brissom ornithologie. Paris. Vol. VI. 4.
  7. Buffon.
  8. Daubenton planches des oiseaux. Paris 1775 sq. fol. (1008 Bl.)
  9. Th. Pennant's genera of birds. Lond. 1781. 4.
  10. Ej. arctic zoology. II. Band. ib. 1784. 4.
  11. (Jo. Latham's general synopsis of birds. ib. 1781. Vol. VI. 4. und das Supplement dazu ib. 1787.)
  12. F. M. Daudin Traité elementaire et complement d'ornitholo - gie. Par. 1800. Vol. II. 4.
  1. Joh. Leonh. Frisch Vorstellung der Vögel in Deutsch - land. Berlin, 1733 bis 1763. Fol. 242 Taf.
  2. J. M. Bechsteins gemeinnützige N. G. Deutschlands II. IV. B. Leipzig, 1791. 8.
  3. Dess. ornithologisches Taschenbuch von und für Deutsch - land. Leipz. 1802. u. f. III. Th. kl. 8.
  4. J. P. A. Leislers Nachträge zu Bechsteins N. G. Deutschlands. 1. H. Hanau 1812. 8.
  5. J. Wolf u. J. Fr. Frauenholz Abbildungen u. Ve - schreibung der in Franken brütenden Vögel. Nürnb. seit 1799. Fol. u. 4.
  6. 122
  7. Deutsche Ornithologie, herausgeg, von Borkhausen, Lichthammer und Becker dem Jüng. Darmst. seit 1800. Fol.
  8. Taschenbuch der deutschen Vögel-Kunde, oder kurze Be - schreibung aller Vögel Deutschlands, von Meyer. u. Wolf Frankf. a. M. 1810. II. B. 8.
  9. Corn. Nozemann Nederlandsche Vogelen, door Chr. Sepp. en Zoon. Amst. 1770 sq. fol.
  10. Marc. Catesby's natural history of Carolina. Lond. 1731. Vol. II. fol.
  11. Andr. Sparrmann Museum Carlsoniarum. Holm. 1786. Fasc. II. fol.
123

Erst also die Landvögel in VII. Ordnunger.

I. ACCIPITRES.

Fast alle mit kurzen, starken Füßen, großen, scharfen Krallen und starkem, gekrümmtem Schnabel, der meist oben auf der Seite in zwey stumpfe, schnei - dende Spitzen ausläuft, und an der Wurzel mehren - theils mit einer fleischigen Haut (cera) bedeckt ist. Sie nähren sich theils von Aas, theils vom Raube leben - diger Thiere, leben in Monogamie, nisten an erha - benen Orten, und haben ein wilderndes, widerliches Fleisch.

1. Vultur. Geyer. Rostrum rectum, apice aduncum; plerisque caput et collum impenne. Lingua bifida.

1. Gryphus, der Condor, Cuntur. V. ca - runcula verticali longitudine capitis.

de Humboldt Recueil d'observations de Zoologie tab. 8. 9.

Hauptsächlich im westlichen Südamerika. Hält mit ausgespannten Flügeln auf 12 Fuß in die Brei - te, und seine Schwungfedern sind am Kiel wohl singersdick. Er ist schwarzbraun von Farbe mit ei - nem weißen Halskragen. Nistet zumahl an felsigen Ufern, stiegt ausnehmend hoch, lebt meist vom Raube unter den Viehheerden, und von den todten Fischen, die die See auswirft.

2. Papa, der Geyerkönig, Kuttengeyer, Sonnengeyer. V. naribus carunculatis, ver - tice colloque denudato.

124

Buffon oiseaux Vol. I. tab. 6.

In Westindien und Südamerika. Nur von der Größe eines Welschen Huhns; zumahl am Kopf von schönen gelben, rothen und schwarzen Farben, mit langen, fleischigen Lappen über dem Schnabel. Kann den nackten Hals ganz in den dickbefiederten Schul - terkragen einziehen.

3. . Barbatus, der Lämmergeyer, Bart - geyer, Goldgeyer, Jochgeyer. V. rostri dorso versus apicem gibboso, mento barbato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 85.

In den Tyroler - und Schweizer Alpen: auch in Sibirien und Habessinien. Der größte Europäische Vogel, dessen ausgespannte Flügel bey 10 Fuß messen, und der sich vorzüglich durch seinen start - haarigen Bart, und durch den befiederten Kopf, be - sonders aber durchden gewölbten Rücken vorn am Ober - schnabel von andern Geyern auszeichnet*)Viele unserer neuern Naturforscher, z. B. Büffon, Fortis, und andere, auch Bomare, Molina ꝛc. hielten ihn (ganz irrig) für einerley mit dem Condor..

4. Percnopterus, der Aasgeyer. V. remigi - bus nigris, margine exteriore, practer exti - mas, canis.

Besonders häufig in Palästina, Arabien und Ägypten. Verzehrt unzählige Feldmäuse, Amphi - bien ꝛc. Die alten Ägyptier haben diesen Vogel, so wie einige andere ihnen vorzüglich nutzbare Thie - re, heilig gehalten, und ihn häufig in ihrer Bil - derschrift auf Obelisken, Mumienbekleidungen u. s. w. vorgestellt.

2. Falco. (Span. Açor.) Rostrum aduncum, basi cera instructum; caput pennis tectum; lin - gua bifida.

1. Serprentarius, der Secretär. (sagittarius. Fr. le messager.) F. cera alba cruribus longis -125 simis, crista cervicali pendula, rectricibus in - termediis elongatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 55.

Vom Cap landeinwärts, auch auf den Philippi - nen. Mit langen Beinen, wie ein Sumpfvogel*)Daher auch manche Schriftsteller gemeint, er gehöre eher un - ter die Sumpfvögel. Ich habe aber ein trefflich ausgestopftes Exemplar im akademischen Museum vor mir, und habe den Vogel in London lebendig gesehen; und weiß daher nun ans seinem Bau sowohl, als aus seiner Lebensart, das hier die ganz richtige Stelle ist, die ihm im Systeme gebührt..

2. . Melanaëtus, der schwarzbraune Ad - ler. (Büffon's aigle commun. Engl. the black eagle.) F. cera lutea, pedibusque se - milanatis, corpore ferrungineo nigricante, striis flavis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In Europa. Beträchtlich kleiner als der folgende.

3. . Chrysaëtos, der Goldadler, Stein - adler. (Büffon's grand aigle, Engl. the golden eagle.) F. cera lutea, pedibusque la - natis luteo ferrugineis, corpore fusco ferru - gineo vario, cauda nigra, basi cinereo undu - lata.

Buffon Vol. I. tab. 1.

Im gebirgigen Europa. Nistet auf hohen Felsen und versorgt seine Jungen mit Wildbret von Hasen, Gemsen ꝛc.

4. . Ossifragus, der Fischadler, der Bein - brecher. (Fr. l'orfraie, Engl. the seaeagle, the osprey.) F. cera lutea pedibusque semila - natis, corpore ferrugineo, rectricibus latere in - teriore albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1801.

An den Europäischen Küsten, auch in Nordame - rika und theils auf der Südsee. Fast von der Grö - ße des Goldadlers. Lebt fast bloß von Fischen.

126

5. . Haliaëtus, der Entenstößer, Moos - weih. (Fr. le balbuzard, Engl. the osprey.) F. cera pedibusque ceruleis, corpore supra fusco, subtus albo, capite albido.

Buffon Vol. I. tab. 2.

Mehr an den Ufern der Flüsse als an den See - küsten. Ist oft mit dem Fischadler verwechselt worden.

6. . Milvus, die Weihe, der Gabelgeyer, Milan, Scherschwänzel, Schwalben - schwanz, Taubenfalke. (Fr. le milan, Engl. the kite.) F. cera flava, cauda forsicata, corpore ferrugineo, capite albidiore.

Frisch tab. 72.

Fast in der ganzen alten Welt.

7. Gentilis, der Edelfalke. (Fr. le faucon. Engl. the falcon.) F. cera pedibusque flavis, corpore cinereo maculis fuscis, cauda fasciis quatuor nigricantibus.

Frisch tab. 47.

In gebirgigen Gegenden der nördlichen Erde; va - riirt in zahlreichen Spielarten, deren einige auch von manchen für besondere Gattungen angenommen werden. Wird vorzüglich (so wie freylich manche andere verwandte Gattungen dieses Geschlechts auch) zum Fang kleiner Säugethiere und Vogel, nah - mentlich in den Morgenländern zur Gazellenjagd, und in Europa zur Reiherbeitze abgerichtet.

8. . Palumbarius, der Habicht, Tauben - falke. (Aaccipiter. Fr. l'autour, Engl. the gooshawk.) F. cera nigra, margine pedibusque flavis, corpore fusco, rectricibus fasciis palli - dis, superciliis albis.

Frisch tab. 81. 82.

Hat meist gleiche Heimath mit der vorigen Gat - tung.

9. Nisus, der Sperber, Vogelfalke. (Fr. l'epervier. Engl. the sparrow hawk. (F. cera127 viridi, pedibus flavis, abdomine albo griseo undulato, cauda fasciis nigricantibus.

Frisch tab. 90. 91. 92.

In Europa.

3. Strix. Eule. Rostrum breve, aduncum, nu - dum absque cera; nares barbatae; caput grande; lingua bifida; pedes digito versatili; remiges ali - quot ferratae.

1. . Bubo, der Uhu, Schubut, die Ohr - eule. (Fr. le grand duc. Engl. the great hornowl, the eagle-owl.) S. auribus pennatis, iridibus croceis, corpore rufo.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

Das größre Thier seines Geschlechts. Im mil - dern Europa und westlichen Asien*)Linné und viele andre Naturforscher, aber auch Antiquarier hielten den Uhu für den Minervens-Vogel. Daß dem nicht so, sondern daß das eine glattköpfige Eule sey, habe ich aus den alten griechischen Kunstwerken gezeigt im Specimen histo - riae naturalis antiquae artis operibus illustratae p. 20. sq..

2. Nyctea, die Schnee-Eule, Harfang. S. capite laevi, corpore albido, maculis lunatis distantibus fuscis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 75.

In der nördlichsten Erde. Ein prachtvolles Thier.

3. . Flammea, die Schleyereule, Kir - cheneule, Thurmeule. (Fr. l'effraie). S. corpore luteo punctis albis, subtus albido punc - tis nigricantibus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In den gemäßigtern Zonen der alten und neuen Welt. Von ausnehmend schönen und sanftem Ge - fieder.

4. . Passerina, das Käutzlein. (Fr. la che - vêche. Engl. the little owl.) S. capite laevi, remigibus maculis albis quinque ordinum.

128

Frisch tab. 100.

In Europa und Nordamerika.

4. Lanius. Rostrum rectiusculum, dente utrin - que versus apicem, basi nudum; lingua lacera.

1. . Excubitor, der Würger, Bergalster. (Fr. la pie-grieche grise. Engl. the great shrike.) L. cauda cuneiformi, lateribus alba, dorso cano, alis nigris macula alba.

Frisch tab. 59.

In Europa und Nordamerika. Ahmt, so wie die folgende Gattung, anderer Vögel Stimme sehr ge - schickt nach.

2. . Collurio, der Neuntödter. (Fr. l'ecor - cheur, Engl. the red-backed shrike.) L. cau - da subcuneiformi, dorso griseo, rectricibus quatuor intermediis unicoloribus, rostro plum - beo.

Frisch tab. 60.

In Europa. Nährt sich hauptsächlich von In - secten, zumahl Käfern, Grashüpfern ꝛc., die er zum Vorrath an Schwarzdorn und anderes dorniges Ge - büsche anspießt.

II. LEVIROSTRES.

Die Vögel dieser Ordnung sind fast bloß den wärmsten Erdstrichen eigen, und werden durch die theils sehr großen, dicken, aber in Verhältniß meist sehr leichten Schnäbel, kenntlich, deren oben (§. 59) bey Gelegenheit der Luftbehälter gedacht worden.

5. Psittacus. Papagey, Sittig, (Fr. perroquet, Engl. parrot.) Mandibula superior129 adunca, cera instructa, lingua carnosa, integra. Pedes scansorii. *)Histoire naturelle des Perroquets par F. Levaillant. Par. 1801 u. fg. gr. Fol.

Merkwürdig ist, daß manche einzelne Gattun - gen dieses Geschlechts eine so überaus, eingeschränkte Heimath haben, daß sich, z. B. auf den Philippi - nen, verschiedene derselben bloß einzig und allein auf der einen oder andern Insel, und hingegen nie auf den noch so nahe liegenden, benachbarten finden. Überhaupt haben die Papageyen viel Aus - zeichnendes, Eigenes in ihrem Betragen. Sie wis - sen sich z. B. ihrer Füße fast wie Hände zu bedienen, bringen ihre Speise damit zum Schnabel, krauen sich damit hinter den Ohren, und wenn sie auf dem Boden gehen, so treten sie, nicht wie andere - gel bloß mit den Krallen, sondern mit der ganzen Ferse auf ꝛc. Ihr hakenförmiger Oberschnabel ist ein - gelenkt und sehr beweglich, und nutzt ihnen zuwei - len fast statt eines dritten Fußes zum Klettern, An - halten u. s. w. Beyde Geschlechter lernen leicht Wor - te nachsprechen, und manche hat man, wenn gleich höchst selten, sogar singen gelehrt.

1. Macao, der Aras, Indianische Rabe. (Aracanga). P. macrourus ruber, remigibus supra caeruleis subtus rufis, genis nudis ru - gosis.

Edward's birds tab. 158.

In Südamerika.

2. Alexandri. P. macrourus viridis, collari pec - toreque rubro, gula nigra.

Edwards. I. c. tab. 292.

In Ostindien.

3. Cristatus, der Kakadu. P. brachyurus, cry - sta plicatili flava.

130

Frisch tab. 50.

In Ostindien, zumahl auf den Molucken.

4. Erithacus, der Jaco, aschgraue Papa - gey. P. brachyurus canus, temporibus nudis albis, cauda coccinea.

Frisch tab. 51.

Auf Guinea, Congo und Angola.

5. Ochrocephalus, (Fr. l'amazone à tête jaune.) P. viridis, vertice flavo, tectricibus alarum puniceis, remigibus ex viridi, nigro, violaceo et rubro variis, rectricibus duabus extimis basi intus rubris.

Daubenton Pl. 312.

In Westindien ꝛc.

6. Pullarius, (Fr. l'inseparable.) P. brachyurus viridis, fronte rubra, cauda fulva fascia nigra, orbitis cinereis.

Frisch tab. 54. fig. 1.

Auf Guinea und in Ostindien. Nicht viel größer als ein Blutfink. Hat den Französischen Nahmen von der irrigen Sage, als ob er immer Paarweis gehalten werden müßte, weil keiner den Verlust sei - nes Gatten überleben könnte.

6. Ramphastos. Tucan, Pfefferfras. Rostrum maximum, inane, extrorsum serratum, apice incurvatum. Pedes scansorii plerisque.

Der ungeheure Schnabel, der alle Gattungen dieses sonderbaren Geschlechts Südamerikanischer - gel auszeichnet, ist ausnehmend leicht, und von ungemein weichem Horn. Ihre Zunge ist eine hal - be Spanne lang, wie von Fischbein, an der Wur - zel kaum eine Linie breit, und an den Seiten vor - wärts gezasert. Das Gefieder variirt sehr, nach Verschiedenheit der beyden Geschlechter, auch nach dem Alter ꝛc.

1. Tucanus, R. nigricans rostro flavéscente131 versus basin fascia nigra, fascia abdominal flava.

7. Bvceros. Der Nashornvogel, Calao. (hydrocorax) Rostrum maximum, inane, ad basin versus frontem recurvatum; pedes gressorii.

Die sämmtlichen Gattungen dieses ebenfalls eben - teurlich gebildeten Geschlechts, sind in Ostindien und Neu-Holland zu Hause.

1. Rhinoceros, B. processu rostri frontali re - curvato.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 24.

III. PICI.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße, und meist einen geraden, nicht dicken Schnabel von mittelmäßiger Länge.

8. Picus. Specht. (Fr. pic. Engl. wood-pe - cker.) Rostrum polyedrum, apice cuneato; lin - gua teres lumbriciformis, longissima, mucro - nata, apice retrorsum aculeato; pedes scansorii.

Die Spechte haben vorzüglich den sonderbaren Bau der Zunge, daß sich das Zungenbein in zwey lange grätenförmige Knorpel verlauft, die von hin - ten nach vorn über den ganzen Hirnschädel unter der Haut liegen, und sich an der Stirne nahe an der Schnabelwurzel endigen. Diese Knorpel sind also gleichsam elastische Federn, mittelst welcher diese Vögel ihre wurmförmige Zunge desto leichter her - vorschießen, und an der hornigen Spitze derselben Insecten anspießen können.

1. . Martius, der Schwarzspecht, gemei - ne Specht, die Hohlkrähe. P. niger, ver - tice coccineo.

132

Frisch tab. 34. fig. 1.

Nebst den folgenden Gattungen im mildern Eu - ropa und nördlichen Asien.

2. . Viridis, der Grünspecht, Grasspecht. P. viridis, vertice coccineo.

Frisch tab. 35.

3. . Major, der große Bunt - oder Roth - specht. P. albo nigroque varius, occipite rubro.

Frisch tab. 36.

4. . Minor, der kleine Bunt - oder Roth - specht. P. albo nigroque varius, vertice rubro.

Frisch tab. 37.

9. Iynx. Rostrum teretiusculum, acuminatum; lingua lumbriciformis, longissima, mucronata; pedes scansorii.

1. . Torquilla, der Drehhals, Wendehals, Natterwindel. (Fr. le torcol, Engl. the wryneck.) F. cauda explanata, fasciis fuscis quatuor.

Frisch tab. 38.

Hat seinen Nahmen von der ungemeinen Gelenk - samkeit seines Halses, und meist die gleiche Hei - math wie die vorgedachten Spechte.

10. Sitta. Spechtmeise. Rostrum subulatum, teretiusculum, apice compresso, mandibula su - periore paullo longiore; pedes ambulatorii.

1. . Europaea, der Blauspecht. (Fr. la sittele, le torchepot, Engl. the nut-hatch, the wood-cracker.) S. rectricibus nigris, late - ralibus quatuor infra apicem albis.

Frisch tab. 39.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

11. Todus. Rostrum subulatum, depressiuscu - lum, obtusum, rectum, basi setis patulis; pedes gressorii.

1. Viridis, (Fr. te todier, Engl. the green spar - row.) T. viridis, pectore rubro.

Im mittlern Amerika.

133

2. Paradisaeus. T. capite cristato nigro, corpo - re albo, cauda cuneata, rectricibus interme - diis longissimis.

In Südafrika, auf Madagascar ꝛc.

12. Alcedo. Rostrum trigonum, crassum, rec - tum, longum; pedes breves, gressorii.

1. . Ispida, der Eisvogel. (Alcyon. Fr. le martin pecheur, Engl. the kingsfisher.) A. supra cyanea, fascia temporali flava, cauda brevi.

Frisch tab. 223.

Fast in der ganzen alten Welt. Nährt sich von Fischen, deren Gräten er dann als Gewölle (§. 63.) ausbricht. Daß er nach dem Tode leicht vertrocknet ohne in Fäulniß überzugehen, ist nicht wie Para - celsus und so viele nach ihm meinten, eine Eigenheit dieses Vogels, sondern zeigt sich unter ähnlichen Umständen auch am Kreuzschnabel, Canarienvo - gel u. a.

13. Merops. Rostrum curvatum compressum, carinatum; pedes gressorii.

1. Apiaster, der Immenwolf, Bienen - fresser. (Fr. le guépier, Engl. the bee-eater.) M. dorso ferrugineo, abdomine caudaque vi - ridi caerulescente, gula lutea, fascia tempo - rali nigra.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1808.

Im südlichen Europa und mildern Asien. Lebt von Insecten.

14. Upupa. Rostrum arcuatum, convexum, sub - compressum, obtusiusculum, pedes ambulatorii.

1. . Epops, der Wiedehopf, Rothhahn. (Fr. la hupe, Engl. the hoopoe.) U. crista variegata.

Frisch tab. 43.

In Europa und Ostindien. Nährt sich von Re -134 genwürmern und mancherley Insecten. Nistet in hohle Bäume, und, wie schon Aristoteles anmerkt, oft auf eine Grundlage von Menschenkoth*)Nozemann en Chr. Sepp. Nederlandsche Vogelen. p. 129 sq..

15. Certhia. Baumläufer. Rostrum arcuatum, tenue, subtrigonum, acutum; pedes ambulatorii.

1. . Familiaris, die Baumklette, der Grü - per, Grauspecht, Baumkleber. (Fr. le grimpereau, Engl. the creeper.) C. grisea. subtus alba, remigibus fuscis; rectricibus decem.

Frisch tab. 39. fig. 1.

In Europa. Klettert fast wie die Spechte an den Baumstämmen herum, um Insecten und ihre Pup - pen zu suchen ꝛc.

2. . Muraria, der Mauerspecht. C. cinerea, rectricibus roseis, remigibus rectricibusque fuscis, maculis alarum fulvis niveisque.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 76.

Das ausnehmend schöne Thier hat Sperlings Größe, und lebt einsam im wärmern Europa. Nah - mentlich im C. Bern. In Deutschland ists äußerst selten. Nistet in altem Gemäuer, auf Thürmen ꝛc.

3. Coccinea. C. coccinea, rectricibus remigibus - que nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 16.

Auf den Sandwich-Inseln, deren kunstreiche Einwohner mit den Federchen dieses kleinen carme - sinrothen Vogels mancherley prachtvollen Putz und andere Kleidungsstücke, Helme ꝛc. sogar ganze Män - tel ꝛc. überziehen.

4. Sannio. C. olivacea, vertice subviolaceo, re - migibus caudaque subfurcata fuscis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 8.

Auf Neu-Seeland.

135

16. Trochilus*)Histoire naturelle des Colibris et des Oiseaux mouches, par J. B. Audebert Par. seit. 1800. fol. Colibri, Honigsauger, Blumenspecht. (Fr. oiseau-mouche. Engl. humming bird.) Rostrum subulatofiliforme lon - gum. Manbibula inferiore tubulata, superiore vaginante inferiorem. Lingua filis duobus coa - litis tubulosa; pedes ambulatorii, brevissimi.

Das ganze Geschlecht ist, so viel man bis jetzt weiß, allein in Amerika zu Hause. Aber nicht bloß im wärmern, sondern theils auch nördlich bis Nut - ka-Sund und südlich bis zur Westküste von Pata - gonien.

A) Curvirostres (eigentliche Colibris).

1. Pella. (Fr. le colibri-topase.) Tr. ruber, rec - tricibus intermediis longissimis, capite fusco - gula aurata uropygioque viridi.

Edwards tab. 32.

In Guiana. Wohl 6 Zoll lang.

B) Rectirostres (Fr. oiseaux-mouches.)

2. Minimus. T. corpore viridi nitente, subtus al - bido; rectricibus lateralibus margine exterio - re albis.

Edwards tab. 105.

Der allerkleinste bekannte Vogel, der aufgetrock - net nur ungefähr 30 Gran wiegt. Sein Nest ist von Baumwolle, und hat die Größe einer Wallnuß; und seine zwey Eyer etwa die von einer Zuckererbse.

3. Mosquitus, der Juwelen-Colibri. (Fr. le Rubis-topase.) T. viridescens vertice pur - pureo aurato, gutture auroreo rutilo.

Seba thes. tab. 37. fig. 1.

Stirn und Scheitel des Männchens glänzen mit rubinrothem Feuer, und seine Kehle wie glühendes Gold.

136

IV. CORACES.

Die Vögel dieser Ordnung haben einen starken, oben erhabenen Schnabel von mittelmäßiger Größe, und kurze Füße. Sie leben theils von Getreide u. a. Pflanzensamen ꝛc. theils von Insecten, und auch von Aas; und haben mehrentheils ein wilderndes, un - schmackhaftes Fleisch.

17. Buphaga. Rostrum rectum, subquadran - gulare: mandibulis gibbis, integris, extrorsum gibbosioribus. Pedes ambulatorii.

1. Africana. (Fr. le pic boeuf Engl. the beefater.)

Latham Vol. I. P. I. tab. 12.

In Senegambien ꝛc.

18. Crotophaga. Rostrum compressum, se - miovatum, arcuatum, dorsatocarinatum. Man - dibula superiore margine utrinque angulata. Na - res perviae.

1. Ani. (Fr. le bout de petun. Engl. the razor - billed blackbird.) C. pedibus scansoriis.

Latham I. c. tab. 13.

In Westindien. Lebt in gesellschaftlicher Verbin - dung, und es sollen sogar mehrere Weibchen sich zusammen halten, und ein gemeinschaftliches Nest bauen, mit einander brüten ꝛc.

19. Corvus. Rostrum convexum cultratum, na - res mystace tectae; pedes ambulatorii.

1. . Corax, der Kolk-Rabe. (Fr. le corbeau. Engl. the raven.) C. corpore atronitente, ro - stri apice subincurvo, cauda semirhombea.

Frisch tab. 63.

Wie die nächstfolgende Gattung fast durchgehends137 in beyden Welten. Hat einen überaus scharfen Ge - ruch, rauht Fische, Krebse, junge Enten, selbst junge Hasen ꝛc. schleppt auch andere Sachen zu Neste, die er nicht fressen kann.

2. Corone, . die Raben-Krähe. (Fr. la corneil - le, Engl. the carrion crow.) C. atrocaerules - cens totus, cauda rotundata: rectricibus acutis.

Buffon Vol. III. tab. 3.

3. . Frugilegus, die Saatkrähe, der Ka - rechel. (Fr. le freux, la frayonne, Engl. the rook.) C. ater, fronte cinerascente, cauda subrotunda.

Frisch tab. 64.

Meist im ganzen mildern Europa. Vergütet den mäßigen Schaden, den sie der Saat thut, durch die weit beträchtlichere Vertilgung unzähliger Feldmäu - se, Engerlinge, Grasraupen ꝛc.

4. . Cornix, die Krähe, Nebelkrähe, Hau - benkrähe. (Fr. la corneille mantelée. Engl. the hooded crow, royston crow.) C. cinera - scens, capite jugulo alis caudaque nigris.

Frisch tab. 65.

In den mildern Zonen der alten Welt. Haust in manchen Gegenden als Standvogel Jahr aus Jahr ein, in andern läßt er sich bloß über Winter nieder, ohne daß man noch recht weiß, wo er von da im Frühjahr hinzieht. Wird ebenfalls durch die Ver - tilgung unzähligen Ungeziefers nutzbar, thut doch aber auch den Maisfeldern großen Schaden.

5. . Monedula, die Dohle. (Fr. le choucas, Engl. the jackdaw.) C. fuscus, occipite in - cavo, fronte alis caudaque nigris.

Frisch tab. 67.

Im nordwestlichen Europa.

6. . Glandarius, der Holzheher, Nußbei - ßer, Marcolph, Hetzle, Herrenvogel. (Fr. le geai. Engl. the jay.) C. rectricibus138 alarum caeruleis, lineis transversis albis ni - grisque, corpore ferrugineo variegato.

Frisch tab. 55.

Im mildern Europa.

7. . Caryocatactes, der Nußheher. (Fr. le casse noix. Engl. the nut cracker.) C. fus - cus alboque punctatus, alis caudaque nigris: rectricibus apice albis: intermediis apice de - tritis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1805.

In der nördlichen Erde.

8. . Pica, die Älster, Atzel, Ägerste, Hei - ster. (Fr. la pie. Engl. the magpie.) C. albo nigroque varius, cauda cuneiformi.

Frisch tab. 58.

In Europa und Nordamerika. Ein schädliches Thier für junges Meiergeflügel, aber für Felder und Gärten sehr nützlich, das zahllose Raupen, Schnecken ꝛc. vertilgt. Zudem einer der unterhal - tendsten Stubenvögel.

20. Coracias. Rostrum cultratum, apice in - curvato, basi pennis denudatum; pedes breves ambulatorii.

1. Garrula, die Mandelkrähe, Racke, Blau - racke, der Birkheher. (Fr. le rollier, Engl. the roller.) C. caerulea, dorso rubro, remi - gibus nigris.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1807.

Im mildern Europa und in Nordafrika. Läßt sich in der Erntezeit, wenn die Frucht in Mandeln steht, haufenweise auf den Feldern sehen.

21. Gracula. Rostrum convexo-cultratum, ba - si nudiusculum. Lingua integra, acutiuscula, carnosa. Pedes ambulatorii.

1. Religiosa (Fr. le mainate, Engl. the minor139 grakle.) G. nigro violacea, macula alarum alba, fascia occipitis nuda, flava.

Buffon Vol. III. tab. 25.

In Ostindien. Hat eine schöne Stimme, und lernt leicht Worte nachsprechen.

2. Quiscula, der Maisdieb. G. nigro-viola - cea, cauda rotundata.

Catesby vol. 1. tab. 12.

In Nordamerika.

22. Paradisea*)Histoire naturelle des Grimpereaux sucriers, des Prome - rops, et des Oiseaux de Paradis. par L. P. Vieillot, J. B. Au - debert et C. Sauvages. Par. seit 1801. fol.Histoire naturelle des Oiseaux de Paradis, des Rolliers et des Promerops, suivie de celle des Toucans et des Barbus. par F. Le-Vaillant, eben das. seit 1801. fol. Paradiesvogel. (manu - codiatta. ) Rostrum basi plumis tomentosis tec - tum. Pennae hypochondriorum longiores. Rec - trices duae superiores singularrs denudatae.

Das ganze Geschlecht von zahlreichen Gattungen hat ein überaus eingeschränktes Vaterland, da es wohl bloß auf Neu-Guinea zu Hause ist, von da diese Thiere als Zugvögel nach den Molucken u. a. benachbarten Inseln streichen. Noch jetzt schneiden die Papus diesen Thieren, die wegen ihres pracht - vollen Gefieders in Indien als Putz getragen wer - den, wenn sie sie zu dieser Absicht verkaufen, die Füße ab, die daher die leichtgläubigen Alten den Paradiesvögeln überhaupt abzusprechen wagten**)J. R. Forster von den Paradiesvögeln und dem Phönix; in der Indischen Zoologie. Halle 1795. Folio (2te Ausg.) S. 26 u. f..

1. Apoda. (Fr. l'Émeraude.) P. brunnea pen - nis hypochondriis luteis corpore longioribus. rectricibus duabus intermediis longis setaceis.

Edwards tab. 110.

2. Alba, der weiße Paradiesvogel. (Fr. le manucode à 12 filets.) P. anterius nigra-vio -140 lacea, posterius alba, humeribus viride virga - tis, rectricibus 12 nigris.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 96.

Eine der schönsten und zugleich die seltenste Gat - tung dieses Geschlechts, am Leibe ohngefähr von der Größe einer Drossel.

23. Trogon. Curucuru. Rostrum capite bre - vius, cultratum, aduncum, margine mandibu - larum serratum. Pedes scansorii.

1. Viridis. T. viridi aureus, subtus luteus, gu - la nigra.

Edwards tab. 331.

In Guiana.

24. Bucco. Bartvogel. (Fr. barbu, Engl. bar - bet.) Rostrum cultratum, lateraliter compres - sum apice utrinque emarginato, incurvato, rictu infra oculos protenso.

1. Atroflavus. B. niger, jugulo, pectore et li - neis supra - et infraorbitalibus luteis, abdomine griseo.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 65.

In Sierra Liona.

25. Cuculus. Rostrum teretiusculum. Nares margine prominulae. Pedes scansorii.

1. . Canorus, der Guckguck. (Fr. le coucou. Engl. the cuckow.) C. cauda rotundata ni - gricante albo punctata.

Frisch tab. 40 u. f.

In der nördlichen alten Welt; wo er aber doch nur im Frühling und Sommer zu sehen ist. Er be - brüter das halbe Dutzend Eyer, das er jedes Früh - jahr nach und nach legt, nicht selbst, sondern legt sie einzeln in die Nester der Grasmücken und Bach - stelzen ꝛc. zwischen dieser ihre eigenen Eyer, da sich dann diese kleinen Vögel an seiner Statt dem Brüt - Geschäfte unterziehen. Merkwürdig ist, daß seine141 Eyer, die doch um vieles größer sind, als dieser so weit kleinern Vögel ihre, dennoch eben nicht län - ger als diese bebrütet zu werden brauchen. Der junge Guckguck wächst aber dagegen sehr schnell, und wirft die mit ihm zugleich ausgebrüteten jungen Grasmücken aus ihrem mütterlichen Nest. Sein Winteraufenthalt ist noch nicht zuverlässig bekannt.

2. Indicator, der Honigguckguck, Sengo, Mook. C. cauda cuneiformi fusco et albido - maculata, alis fuscis maculis flavis, pedibus nigris.

Jo. Fr. Miller fasc. IV. tab. 24.

Im südlichern Afrika vom Cap landeinwärts. Hat seinen Nahmen von der Fertigkeit, mit welcher er, wie der Honig-Dachs, seine liebste Nahrung, aus den wilden Bienennestern auszusuchen weiß.

26. Oriolus. Rostrum conicum, convexum, acutissimum, rectum: mandibula superiore pau - lo longiore, obsolete emarginata; pedes ambu - latorii.

1. . Galbula, die Golddrossel, Goldam - sel, der Kirschvogel, Bülow, Pirol. (Fr. le loriot.) O. luteus, pedibus nigris, rec - tricibus exterioribus postice flavis.

Frisch tab. 31.

Hin und wieder in der alten Welt. Das Männ - chen goldgelb und schwarz, das Weibchen olivengrün. Macht sich ein künstliches, napfförmiges, sehr dauer - haft zwischen zwey Ästchen befestigtes Nest.

2. Phoecenius, der Maisdieb. (Engl. the black bird.) O. niger, alarum rectricibus coccineis.

Catesby vol. I. tab. 13.

Im mildern Nordamerika. Hält sich gemeinig - lich zu dem obgedachten Maisdieb (Gracula quisculo.)

3. Jupujuba. (Persicus Linn.) O niger, dorso postico maculaque rectricum alarum basique rectricum luteis.

142

Brisson vol. II. tab. 9. fig. 1.

In Brasilien ꝛc. Baut sich, wie die vorige und mehrere andere Gattungen dieses Geschlechts, ein langes beutelförmiges Nest von Schilf und Bin - sen*)Besonders auch von der Tillandsia usneoides, die fast wie Pferdehaar aussieht. deren man zuweilen mehrere Hundert an Ei - nem Baume hängen sieht.

V. PASSERES.

Kleine Vögel, mit kurzen schlanken Füßen, und legelförmigem, scharf zugespitztem Schnabel von ver - schiedener Größe und Bildung. Sie leben in Mono - gamie, nähren sich von Insecten und Pflanzen-Sa - men, haben ein zartes, schmackhaftes Fleisch, und die meisten von ihnen singen (wie mans insgemein nennt).

27. Alauda. Rostrum cylindrico-subulatum, rectum, mandibulis aequalibus, basi deorsum dehiscentibus. Unguis posticus rectior digito langior.

1. . Arvensis, die Feldlerche, Himmels - lerche, Bardale. (Fr. l'alouette. Engl. the field-lark, sky-lark.) A. rectricibus extimis duabus extrorsum longitudinaliter albis: in - termediis inferiore latere ferrugineis.

Frisch tab. 15. fig. 1.

Fast in der ganzen alten Welt. Badet sich so wie der Strauß, die Hühner und viele andere deßhalb so genannte Scharrvögel (aves pulveratrices) im Sande.

2. . Cristala, die Haubenlerche, Kobel -143 lerche, Heidelerche. (Fr. le cochevis.) A. rectricibus nigris: extimis duabus margine ex - teriore albis, capite cristato.

Frisch tab. 15. fig. 2.

In Deutschland und den benachbarten Ländern.

28. Sturnus. Rostrum subulatum, angulato - deoressum, obtusiusculum: mandibula superio - re integerrima, marginibus patentiusculis.

1. . Vulgaris, der Staar, die Sprehe. (Fr. l'etourneau. Engl. the stare, starling.) S. rostro flavescente, corpore nigro punctis sagittatis albis.

Frisch tab. 217.

Meist in der ganzen alten Welt. Ein nutzbares Thier, das unzählige schädliche Insecten vertilgt.

29. Turdus. Rostrum tereti-cultratum: mandi - bula superiore apice deflexo, emarginato.

1. . Viscivorus, die Schnarre, Mistel - drossel, der Ziemer, Mistler. (Fr. la draine. Engl. the missel bird, shrite.) T. dor - so fusco, collo maculis albis, rostro flaves - cente.

Frisch tab. 15.

Hin und wieder in der alten Welt. Nährt sich von Mistelbeeren, die auch häufig durch sie fortge - pflanzt werden.

2. . Pilaris, der Krammetsvogel. (Fr. la litorne, tourdelle. Engl. the field fare.) T. rectricibus nigris: extimis margine interiore apice albicantibus, capite uropygioque cano.

Frisch tab. 26.

Im nördlichen Europa, streicht aber ins südliche. Nährt sich vorzüglich von Wachholder - (Krammets) - Beeren.

3. . Iliacus, Zipdrossel, Rothdrossel. 144(Fr. le mauvis. Engl. the redwing.) T. alis subtus ferrugineis, superciliis flavescentibus.

Frisch tab. 28.

Im mildern Europa. Glättet sein Nest mit Let - ten und faulem Holze aus; und da letzteres theils im Finstern leuchtet, so könnte vielleicht so ein qui pro quo den Anlaß zur Erzählung der Alten, von einer ave hercynica noctu lucente gegeben haben.

4. . Musicus, die Sangdrossel, Wein - drossel, Weißdrossel. (Fr. la grive. Engl. the throstle, song thrush.) T. remi - gibus basi interiore ferrugineis.

Frisch tab. 27.

Hat ungefähr gleiches Vaterland mit der vori - gen. Zuweilen findet sich eine weißgraue Spielart von ihr.

5. Polyglottus, die Amerikanische Nachti - gall, Sisonte. (Fr. le moqueur. Engl. the mock-bird.) T. fusco-cinereus, subtus al - bidus, maculis verticis, alarum et caudae can - didis.

Catesby vol. I. tab. 27.

In Louisiana, Carolina, auch auf Jamaica ꝛc. Ahmt anderer Vögel Stimme leicht und täuschend nach.

6. Roseus. T. subincarnatus, capite, alis cau - daque nigris, occipite cristato.

Edwards tab. 20.

Im mittlern Europa und Asien. Vertilgt un - zählige Zugheuschrecken.

7. . Merula, die Amsel, Schwarzdrossel. (Fr. le merle. Engl. the blackbird.) T. ater, rostro palpebrisque flavis.

Frisch tab. 29.

Im mildern Europa. Lebt einsam, nährt sich von Wachholderbeeren, hat ein vorzüglich treues Ge - dächtniß.

145

30. Ampelis. Rostrum rectum, convexum: mandibula superiore longiore, subincurvata, utrinque emarginata.

1. Garrulus, der Seidenschwanz, Pfeffer - vogel, Sterbevogel, Böhmer. (Fr. le jaseur de Bohème. Engl. the bohemian chat - terer.) A. occipite cristato: remigum secun - dariorum apice coccineo lanceolato.

Frisch tab. 32.

Im nördlichsten Europa, kommt aber in man - chen Jahren zur Herbstzeit häufig nach Deutschland: zumahl auf den Harz.

31. Loxia. Rostrum conico-gibbum, frontis basi rotundatum; mandibula inferior margine laterali inflexa.

1. . Curvirostris, der Kreutzschnabel, Krumm - schnabel, Krünitz, Tannenpapaqey. (Fr. le bec croisé. Engl. the cross-bill, sheld - apple.) L. rostro forsicato.

Frisch tab. 11. fig. 3. 4.

In den Schwarzwäldern der nördlichern Erde. Brütet mitten im Winter zu Ende des Jänners.

2. . Coccothraustes, der Kernbeißer, Kirsch - fink. (Fr. le gros bec. Engl. the hawfinch.) L. linea alarum alba, remigibus mediis apice rhombeis, rectricibus latere tenuiore baseos nigris.

Frisch tab. 4. fig. 2. 3.

Hin und wieder in Europa.

3. . Pyrrhula, der Dompfaff, Blutfink, Liebig, Gimpel. (rubicilla. Fr. le bouvreuil. Engl. the bullfinch.) L. artubus nigris, tec - tricibus caudae remigumque posticarum albis.

Frisch tab. 2. fig. 1. 2.

In der nördlichern alten Welt. Beyde Geschlech -146 ter lernen leicht Lieder pfeifen, selbst einander ac - compagniren, und sogar Worte nachsprechen.

4. Gregaria. L. ex griseo flavescens, fronte oli - vacea, nucha, humeris, alis et cauda fuscis.

Paterson's journeys pag. 133.

Am Cap, wo Heerden von mehreren Hunderten ihre Nester auf einen Baum dicht zusammen bauen, und das wunderbare Gebäude mit einem gemeinschaft - lichen überhängenden Dache bedecken.

5. Pensilis. L. viridis, capite et gutture flavis, fascia oculari viridi, abdomine griseo, rostro, pedibus, cauda remigibusque nigris.

Sonnerat voy. aux Indes T. II. tab. 112.

Ebenfalls am Cap, so wie auf Madagascar. Bauet auch eins der wundersamsten Nester, am Wasser, fast retortenförmig mit abwärts hängendem Halse zum Ein - und Ausflug, so daß die Mün - dung nahe über der Wasserfläche zu hängen kommt.

6. Philippina, die Baya. L. fusca, subtus al - bido flavicans, vertice pectoreque luteis, gula fusca.

Daubenton Planches, tab. 135. fig. 2.

In Ostindien; sehr gelehrig, daher sie in der In - dischen Halbinsel, zu mancherley kleinen Künsten abgerichtet wird. Bauet gleichfalls ein sehr kunst - reiches hängendes Nest aus Binsen ꝛc.

7. Cardinalis, der Indianische Hauben - fink, die Virginische Nachtigall. (Engl. the red-bird.) L. cristata rubra, capistro ni - gro, rostro pedibusque sanguineis.

Frisch tab. 4. fig. 1.

In Nordamerika, wird wegen seines rothen Ge - fieders und seines Gesanges häufig nach Europa ge - bracht.

8. . Chloris, der Grünfink, Grünling, Grünschwanz, die Zwuntsche. (anthus147 florus. Fr. le verdier. Engl. the greenfinch.) L. flavicanti-virens, remigibus primoribus antice luteis, rectricibus lateralibus quatuor basi luteis.

Frisch tab. 2. fig. 3. 4.

Hin und wieder in Europa.

9. Orix, der Feuervogel. L. grisea, rostro, fronte abdomineque nigris, collo uropygio - que fulvis.

Daubenton Planches, tab. 6. fig. 2. und tab. 134. fig. 1.

Am Cap ꝛc. das Männchen im Frühling und Sommer feuerroth und sammtschwarz; im Herbst und Winter hingegen von der graulichbraunen Farbe des Weibchens.

32. Emberiza. Ammer. Rostrum conicum, man - dibulae basi deorsum a se invicem discenden - tes: inferiore lateribus inflexo-coarctata, supe - riore angustiore.

1. Nivalis, die Schneeammer, der Schnee - vogel. (Fr. l'ortolan de neige. Engl. the snow bunting.) E. remigibus albis, primori - bus extrorsum nigris: rectricibus nigris, late - ralibus tribus albis.

Frisch tab. 6. fig. 1. 2.

In der nördlichsten Erde. Kommt nur zum Überwintern nach Deutschland, wo sie sich aber zu - weilen mit ein Mahl in unermeßlichen Zügen sehen läßt.

2. . Miliaria, die graue Ammer. (Fr. le proyer. Engl. the bunting.) E. grisea, sub - tus nigro maculata, orbitis rusis.

Frisch tab. 6. fig. 4.

Meist durch ganz Europa.

3. . Hortulana, der Ortolan, Kornfink, die Fettammer, windsche Goldammer. 148E. remigibus nigris, primis tribus margine albidis: rectricibus nigris, lateralibus duabus extrorsum nigris.

v. Wildungen Taschenbuch für d. J. 1803.

In den wärmern Gegenden von Europa und dem benachbarten Asien.

4. . Citrinella, die Goldammer, Gelb - gans, der Emmerling. (Fr. le bruant. Engl. the yellow hammer.) E. rectricibus ni - gricantibus: extimis duabus latere interiore macula alba acuta.

Frisch tab. 5. fig. 1. 2.

Meist durch ganz Europa.

5. Aureola. E. citrina, vertice, torque dorso - que spadiceis, crisso albido, rectricibus dua - bus utrinque extimis fascia oblinqua alba.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 56.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. Paradisea, die Witwe. (Fr. la veuve à collier d'or. Engl. the whidah bird.) E. fus - ca, pectore rubro, rectricibus intermediis qua - tuor elongatis acuminatis: duabus longissimis, rostro rubro.

Edwards tab. 86.

Hat den Englischen, nachher in andern Spra - chen aus Mißverstand verunstalteten Nahmen von ihrer Heimath, dem Königreich Whydah (oder Ju - dah) auf der Guineischen Küste.

33. Tanagra. Rostrum conicum, acumina - tum, emarginatum, basi subtrigonum, apice declive.

1. Jacapa. (Fr. le cardinal poupré, le bec d'ar - gent. Engl. the red-breasted blackbird.) T. atra, fronte, jugulo pectoreque coccineis.

Edwards tab. 267.

In Westindien und dem benachbarten Amerika.

149

34. Fringilla. Fink. Rostrum conicum rec - tum acuminatum.

1. . Caelebs, der Buchfink, Gartenfink. Rothfink, Waldfink. (Fr. le pinçon. Engl. the chaffinch.) F. artubus nigris, remigibus utrinque albis, tribus primis immaculatis: rectricibus duabus oblique albis.

Frisch tab. 1. fig. 1. 2.

In Europa und Afrika: hat maningfaltigen Ge - sang, so daß oft die Finken in einem Revier von sechs oder mehr Meilen in die Runde überein, und in benachbarten Gegenden wieder anders schlagen.

2. . Montifringilla, der Bergfink, Tan - nenfink, Rothfink, Mistfink, Schnee - fink, Winterfink, Quäkfink, Böhei - mer. (Fr. le pinçon d'Ardennes. Engl. the bramble.) F. alarum basi subrus flavissima.

Linné fauna suec. tab. 2. fig. 198.

Im nördlichen Europa, Kommt, wenn die Buch - mast gut gerathen, im Spätherbst zu vielen Tau - senden nach manchen Gegenden Deutschlands.

3. Nivalis, der Schneefink. (Fr. la niverolle.) E. fusca, subtus nivea, remigibus secundariis tectricibusque albis.

Brisson vol. III. tab. 15. fig. 1.

Auf dem Caucasus, und in den Europäischen Alpen.

4. . Carduelis, der Stieglitz, Distelfink. (Fr. le chardonneret. Engl. the goldfinch, the thistlefinch.) F. fronte et gula coccineis, remigibus antrorsum flavis: rectricibus dua - bus extimis medio, reliquisque apice albis.

Frisch tab. 1. fig. 3. 4.

Fast durch ganz Europa und in den benachbarten Ländern der übrigen alten Welt. Gibt mit der Ca - narien-Sie schöne Bastarde*)Frisch tab. 12. fig. 5..

150

5. Amandava, der Finke von Bengalen. (Fr. le Bengali piqueté. Engl. the Amedabad finch.) F. fusca rufescensque albo punctata.

Buffon vol. IV. tab. 2. fig. 1.

In Ostindien. Daß seine Knochen, wie man be - hauptet, gelb seyn sollen, habe ich bey denen, die ich zu untersuchen Gelegenheit gehabt, nicht bestä - tigt gesunden.

6. Canaria, der Canarienvogel, ehedem Zuckervögelein. (Fr. le serin de Canarie.) F. rostro albido, corpore subfusco, pectore flavescente, rectricibus remigibusque vires - centibus.

Frisch tab. 12. fig. 1-4.

Scheint zu Anfang des sechzehnten Jahrhun - derts aus den Canarischen Inseln zuerst nach Euro - pa gebracht worden zu seyn: ist aber seitdem daselbst in mancherley Varietäten ausgeartet. Die wilde Stamm-Race ist bräunlichgrau mit gelber Brust. Unter den übrigen sind besonders die mit der Holle oder Federbüschchen auf dem Kopfe (so genannte Kapp-Vögel), und die Kackerlacken mit rothen Augen zu merken.

7. . Spinus, der Zeisig, Erlenfink. (li - gurinus, acanthis. Fr. le tarin. Engl. the siskin.) F. remigibus medio luteis: primis quatuor immaculatis, rectricibus basi flavis, apice nigris.

Frisch tab. 11. fig. 1. 2.

Nistet in den Gipfeln der hohen Tannen und Fichten in dichten Schwarzwäldern; daher sein Nest selten gefunden wird*)Günthers Nester und Eyer verschiedener Vögel, durch Wirsing. Taf. X..

8. . Cannabina, der Hänfling, Leinfink, die Artsche. (Fr. la linotte. Engl. the grea -151 ter linnet.) F. remigibus primoribus rectrici - busque nigris, utroque margine albis.

Frisch tab. 9. fig. 1. 2.

In Europa und Nordamerika.

9. . Linaria, das Citrinchen, der Flachs - fink, Carminhänfling. (Fr. le sizerin. Engl. the lesser linet.) F. remigibus rectri - cibusque fuscis, margine obsolete pallido, litura alarum albida.

Frisch tab. 10. fig. 3. 4.

In der ganzen nördlichen Erde.

10. . Domestica, der Sperling, Spatz, passer. (Fr. le moineau. Engl. the sparrow.) F. remigibus rectricibusque fuscis, gula ni - gra, temporibus ferrugineis.

In ganz Europa und den benachbarten Ländern der übrigen alten Welt fast allgemein verbreitet. Doch daß er sich in einzelnen Gegenden, wie z. B. an manchen Orten in Thüringen (und zwar auch an solchen, wo es doch weder an Laubholz noch Obst - stämmen ꝛc. fehlt) nicht findet. Er brütet vier Mahl im Jahre. Freylich für Gärten und Feld ein schäd - liches Thier, das aber doch auch unzähliges Unge - ziefer vertilgt. Zuweilen finden sich ganz weiße Sperlinge.

35. Muscicapa, Fliegenfänger. (Fr. gobe mouche. Engl. flycatcher.) Rostrum subtri - gonum utrinque emarginatum, apice incur - vo; vibrissae patentes versus fauces.

1. . Atricapilla, der Fliegenschnäpper. M. nigra, subtus, frontis macula alarumque speculo albis, rectricibus lateralibus extus albis.

Frisch tab. 24. fig. 1.

Hin und wieder in Europa.

36. Motacilla. Rostrum subulatum rectum: mandibulis subaequalibus.

152

1. . Luscinia, Nachtigall. (Fr. le rossignol Engl. the nightingale.) M. rufo-cinerea ar - millis cinereis.

Frisch tab. 21. fig. 1. 2.

In den mildern Erdstrichen von Europa und Asien. Kommt im April in unsern Gegenden an, und zieht zu Ende Augusts wieder von dannen, man weiß noch nicht gewiß, wohin; wenigstens, so viel be - kannt, nicht nach Afrika.

2. . Curruca, die Grasmücke, der He - ckenschmatzer, Weidenzeisig. (Fr. la fauvelle. Engl. the hedge sparrow.) M. su - pra fusca subtus albida, rectricibus fuscis: extima margine tenuiore alba.

Frisch tab. 21. fig. 3.

Im mildern Europa.

3. . Ficedula, die Beccafige. M. subfusca, subtus alba, pectore cinereo maculato.

Frisch tab. 22. fig. 3. 4.

Im mildern und wärmern Europa, zumahl auf Cyprus, von wannen sie wegen ihres schmackhaften Fleisches weit verführt wird.

4. . Alba, die weisse oder graue Bach - stelze, das Ackermännchen. (Fr. la la - vandiere. Engl. the white waterwagtail.) M. pectore nigro, rectricibus duabus lateralibus dimidiato oblique albis.

Frisch tab. 23. fig. 4.

Meist in der ganzen alten Welt.

5. Calliope. M. mustelina, oblivaceo-macula - ta, subtus ex flavescente alba, gula miniata, linea alba nigraque cincta, loris nigris, su - perciliis albis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 45.

In Sibirien, bis Kamtschatka.

6. . Atricapilla, der Klosterwenzel, Mönch. 153(Fr. la fauvette â téte noire. Engl. the black - cap.) M. testacea, subtus cinerea, pileo ob - scuro.

Linné fauna suecica. tab. 1. fig. 256.

Im mildern Europa. Einer der lieblichsten Sang - vögel.

7. . Phoenicurus, das Schwarzkehlchen. (Fr. le rossignol de muraille. Engl. the red - start.) M. gula nigra, abdomine caudaque rufis, capite dorsoque cano.

Frisch tab. 19. fig. 1.

Hat meist gleiches Vaterland mit der Nachtigall; kommt und geht auch zu gleicher Zeit mit ihr.

8. . Rubecula, das Rothkehlchen, Roth - brüstchen, der Rothbart. (erithacus Fr. le rougegorge. Engl. the robin-redbreast.) M. grisea, gula pectoreque ferrugineis.

Frisch tab. 19. fig. 2.

Meist in ganz Europa. Bleibt auch über Winter bey uns, und wird durch Vertilgung unzähliger schädlicher Insecten sehr nutzbar.

9. . Troglodytes, der Zaunkönig, Zaun - schlupfer, Schneekönig, Winterkönig. (Engl. the wren.) M. grisea, alis nigro cine - reoque undulatis.

Frisch tab. 24. figur. 3.

In der nördlichern Erde. Macht sich ein bedecktes Nest, fast in Gestalt eines Backofens*)Nozemann en Sepp Nederlandsche Vogelen. tab. 59. pag. 111., und legt zahlreiche Eyer.

10. . Regulus, das Goldhähnchen. (Fr. le roitelet.) M. remigibus secundariis exteriori margine flavis, medio albis, crista verticali crocea.

Frisch tab. 24. fig. 4.

154

Ebenfalls in der nördlichem Erde. Der kleinste Europäische Vogel.

11. Sartoria, der Schneidervogel. M. tota pallide lutea.

J. R. Forsters Indische Zoologie tab. 8.

In Indien. Kleiner als der Zaunkönig. Hat den Nahmen von der merkwürdigen Art, wie er sein Nest aus Baumblättern verfertigt, da er einige dürre Blätter au ein grünes am äußersten Ende eines Zweiges gleichsam annähet, so daß dadurch eine tutenförmige Höhlung gebildet wird, die er mit Flaumen ꝛc. ausfüttert.

37. Pipra, Manakin. Rostrum capite brevius, basi subtrigonum integerrimum, apice incur - vum. Pedes gresorii.

1. Rupicola. (Fr. le coq de roche) G. crista erecta margine purpurea, corpore croceo, tectricibus rectricum truncatis.

Edwards tab. 264.

In Guiana ꝛc.

38. Parus, Meise. (Fr. mésage, Engl. tit - mouse, Tom-tit.) Rostrum integerrimum, basi setis tectum.

1. . Maior, die Kohlmeise, Brandweise. (Fr. la charbonnière, Engl. the great lit - mouse.) P. capite nigro, temporibus albis, nucha lutea.

Frisch tab. 13. fig. 1. 2.

Meist durch die ganze alle Welt. Ein muthiges Thier, das weit größere Vögel anfällt, andern kleinen Sangvögeln die Köpfe aufhackt ꝛc. Man hat bey dieser und andern über Winter bey uns blei - benden Gattungen dieses Geschlechts angemerkt, daß dann das Horn ihres Schnabels weit härter wird als im Sommer, das ihnen beym Auspicken ihres Futters aus dem gefrornen Erdreich zu Stat - ten kommt.

155

2. . Caeruleus, die Blaumeise, Pimpel - meise, Jungfernmeise, der Blaumül - ler. (Fr. la mesange bleue. Engl. the nun.) P. remigibus caerulescentibus: primoribus margine: exteriore albis, fronte alba, vertice caeruleo.

Frisch tab. 14. fig. 1.

Häufig in Europa. Vertilgt Jahr aus Jahr ein unzählige Insecten.

3. . Caudatus, die Schwanzmeise, Moor - meise, Schneemeise. (Fr. la mesange à longue queue. Engl. the longtailed titmouse.) P. vertice albo, cauda corpore longiore.

Frisch tab. 14. fig. 3.

In Europa und Westindien. Legt wohl 20 Eyer, laut sich ein sackförmiges Nest*)Nozemann en Sepp l. c. tab. 26. p. 40. von Moos, Wolle ꝛc. und bekleidet es von außen mit den nähm - lichen Baumkrätzen u. a. Moosen, womit der Baum, an dessen Stamm sie es angelegt, bewach - sen ist.

4. . Biarmicus, das Bartmännchen, der Indianische Sperling. (Fr. le moustache. Engl. the bearded titmouse.) P. vertice cano, cauda corpore longiore, capite barbato.

Frisch tab. 8. fig. 3.

Im nordwestlichen Europa, England ꝛc.

5. Pendulinus, die Beutelmeise, Pendu - linmeise, der Remitz, Cottonvogel. (Fr. la mesange de Pologne.) P. capite subferrugi - neo, fascia oculari nigra, remigibus rectrici - busque fuscis margine utroque ferrugineo.

J. D. Titii parus minimus Remiz descript - tus. Lips. 1755. 4. tab. 1. 2.

Hin und wieder in Ober-Italien, Pohlen, Si - birien ꝛc. baut sich ein beutelförmiges Nest von156 Pappelwolle et. das sie an einem dünnen Aste auf - hängt.

39. Hirundo. Schwalbe. Rostrum minimum incurvum, subulatum, basi depressum.

Die Schwalben zeichnen sich auch außer ihrer Bildung durch ihre Lebensart ꝛc. gar sehr von den übrigen Thieren dieser Ordnung aus. Bey der be - kannten Streitfrage über den Winteraufenthalt un - serer hierländischen Schwalben, zumahl der beyden ersten Gattungen, scheint doch nach allem, was darüber geschrieben worden, noch manches, nicht voll - kommen in das Reine. Schade, daß bey den für die eine*)Die Gründe für das Wegziehen der Schwalben nach wärmern Gegenden hat zumahl Büffon's Gehülfe Gue - nau de Monbeillard vollständig zusammengestellt und geprüft, in der hist. des oiseaux. vol. VI. p.557. oder für die andere**)Einer der eifrigsten neuern Vertheidiger des Winter - schlafs der Schwalben war Daines Barrington; in s. miscellanies. p.225.Drey verschiedene Aufsätze zur Behauptung der gleichen Meinung finden sich in den Memoirs of the American Aca - demy of arts an sciences zu Boston. Vol. I. p. 494. Vol. II. P. I. p. 93 u. 94. Behauptung angeführten Erfahrungen, die Gattungen, an welchen sie gemacht worden, nicht bestimmt genug angegeben sind. Im Ganzen hat doch aber immer das Wegziehen derselben nach wärmeren Gegenden bey weiten die größte Wahrscheinlichkeit für sich.

1. . Domestica, die Rauchschwalbe, Feu - erschwalbe. (hirundo rustica Linn. Fr. l'hi - rondelle de cheminée. Engl. the house swal - low, chimney-swallow.) H. rectricibus, ex - ceptis duabus intermediis macula alba nota - tis, fronte et gula spadiceis.

Frisch. tab. 18. fig. 1.

Nebst der Uferschwalbe einer der weitverbreitet - sten Vögel auf Erden. Die Benennungen dieser und der folgenden Gattung sind bey den Systematikern157 auf das seltsamste vermengt und verwechselt worden. Hier diese, mit den nackten unbefiederten Füßen und weißgefleckten Steuerfedern, baut ihr offenes Nest (das oft von Wanzen wimmelt) an die Dach - giebel, Ställe, Scheuern, und auf den Dörfern in den Hausären und unter die Rauchfänge.

2. . Agrestis, die Hausschwalbe, Fenster - schwalbe, Mehlschwalbe, Spyrschwal - be. (hirundo urbica Linn. Fr. l'hirondelle de fenétre ou de muraille, le martinet à cul blanc. Engl. the martin.) H. pedibus hirsu - tis, rectricibus immaculatis, dorso nigro caerulescente, tota subtus alba.

Frisch. tab. 17. fig. 2.

Zumahl in der nördlichen Erde. Nistet meist auf den Dörfern außerhalb der Häuser unter dem Da - che, an den Kirchfenstern ꝛc. Macht ihr Nest aus Lehm-Klümpchen, oben zugewölbt.

3. . Riparia, die Uferschwalbe, Erd - schwalbe. (Fr. l'hirondelle de rivage. Engl. the sandmartin, shore bird.) H. cinerea, gula abdomineque albis.

Frisch. tab. 13. fig. 2.

Baut in Fluß-Ufern, Lehmgruben, Sandhü - geln ꝛc.

4. Esculenta, die Salangane. H. rectricibus omnibus macula alba notatis.

Von der Größe des Zaunkönigs. Auf den Sundai - schen u. a. Inseln des Indischen Archipelagus bis Neu-Guinea ꝛc. Baut da in die Uferlöcher und Berghöhlen die berufenen Indianischen oder Tun - kinsnester, deren Stoff der Hausenblase ähnelt und vermuthlich aus halbverdauten, dadurch für Fäu - lung gesicherten und so regurgitirten molluscis be - steht. Man sammelt jährlich wohl vier Millionen dieser Nestchen, die größtentheils nach Schina ver - kauft werden.

158

5. . Apus, die Mauerschwalbe, Stein - schwalbe, Pierschwalbe, Thurmschwal - be. (Fr. le martinet. Engl. the black mar - tin, swift.) H. nigricans, gula alba, digitis omnibus quatuor anticis.

Frisch. tab. 17. fig. 1.

In allen drey Welttheilen der nördlichen Erde.

40. Caprimulgus. Rostrum modice incurvum, minimum, subulatum, basi depressum: vi - brissae ciliares. Rictus amplissimus; unguis in - termedius introrsum ciliatus.

1. . Europaeus, die Nachtschwalbe, Hexe, der Ziegenmelker, Ziegensauger, Nachtrabe, Tagschläfer. (nycticorax. Fr. l'engoulevent, la tette-chevre. Engl. the goatsucker, night-raven.) C. narium tubis obsoletis.

Frisch tab. 101.

In der alten Welt. Ein animal nocturnum, das im Flug seine schnurrende Stimme hören läßt. Es lebt von Insecten, besonders von Nachtfaltern ꝛc. und die alte Sage, daß es den Ziegen die Milch aussauge, ist ungegründet.

VI. GALLINAE.

Die Vögel dieser Ordnung haben kurze Füße und einen convexen Schnabel, der an der Wurzel mit ei - ner fleischigen Haut überzogen ist und dessen obere Hälf - te zu beyden Seiten über die untere tritt. Sie nähren sich meist von Pflanzensamen, die sie im Kropfe ein - weichen, leben in Polygamie, legen zahlreiche Eyer, und geben das mehreste Hausgeflügel.

159

41. Columba, Taube. (Fr. und Engl. pi - geon.) Rostrum rectum versus apicem descen - dens*)Les pigeons, par Mme. Knip, le Texte par C. J. Trem - mingk. Par. seit 1811. gr. Fol..

a) Cauda aequali modica.

1. . Oenas, die Haustaube, Feldtaube, Holztaube. (vinago, livia. Fr. le biset Engl. the stock dove.) C. caerulescens, cervi - ce viridi nitente, dorso postico albo, fascia alarum apiceque caudae nigricante.

Die Holztaube ist meist in der ganzen alten Welt zu Hause. Die in Norden ziehen im Herbst nach etwas südlichern Gegenden. Die in mildern Erdstrichen hingegen überwintern scharenweise in Felsen-Klüften, hohlen Bäumen ꝛc. Das wilde Weibchen brütet zwey Mahl im Jahre, die Haus - taube hingegen neun bis zehn Mahl, so daß man von einem einzigen Paar binnen vier Jahren 4762 Tau - ben ziehen könnte. Die vorzüglichsten Abarten (wo - von doch manche für besondere Gattungen angesehen werden) sind folgende:

a) dasypus, die Trommeltaube. (Fr. le pigeon pattu. Engl. the rough-footed dove. ) mit langbefiederten Füßen. Frisch tab. 145.

b) gutturosa, die Kropftaube, der Krö - pfer. (Fr. le pigeon à grosse gorge, le grand - gosier. Engl. the cropper pigeon. ) mit theils ungeheurem Kropfe. Frisch. tab. 146.

c) turbita, das Möwchen. (Fr. le pigeon cra - vate, à gorge frisée. Engl. the turbit.) Mit krausen Brustfedern und ganz kurzem Schnabel. Frisch. tab. 147.

d) gyratrix, der Tümmler. (Fr. le pigeon culbutant, Engl. the tumbler.) Mit glattem Kopf und einem kahlen rothen Augenring: über - schlägt sich im steigenden Fluge. Frisch. tab. 148.

160

e) cuculata, die Schleyertaube, Zopf - taube. (Fr. le pigeon nonain, Engl. the jacobine.) Mit vorwärts gerichtetem Kopf - Busche. Frisch. tab. 159.

f) laticauda, die Pfauentaube, der Hüh - nerschwanz. (Fr. le pigeon paon, Engl. the shaker.) Mit aufrechtem, ausgebreitetem Schwanze. Frisch. tab. 151.

g) tabellaria, die Posttaube, Brieftau - be, Türkische Taube. (Fr. le pigeon mes - sager. Engl. the carrier pigeon.) Mit rothen Fleischwarzen um den Schnabel und die Augen herum. Diese Taubenart hat ihren Nahmen da - her, weil man sich ihrer vorzüglich ehedem in der Levante bediente, um Briefchen zu über - schicken*)S. den Göttingischen Taschen-Kalender 1790..

2. Coronata. der Kronvogel. C. caerulescens, supra cinerea, orbitis nigris, crista erecta, humeris ferrugineis.

Jo. Fr. Miller fasc. III. tab. 16.

Zumahl auf Neu-Guinea und den Molucken ꝛc. Fast von der Größe des welschen Hahns.

3. . Palumbus, die Ringtaube, große Holztaube, Schlagtaube, Plochtau - be, Kohltaube, Holztaube. (Fr. le pi - geon ramier, Engl. the ring-dove.) C. rec - tricibus postice atris: remigibus primoribus margine exteriore albidis collo utrinque albo.

Frisch. tab. 138.

Meist in ganz Europa.

4. . Turtur, die Turteltaube. (Fr. la tour - terelle, Engl. the turtle-dove.) C. rectricibus161 apice albis, dorso griseo, pectore incarnato, macula laterali colli nigra lineolis albis.

Frisch tab. 140.

In den warmen und mildern Gegenden der alten Welt. Von ihrer gepriesenen Keuschheit und eheli - chen Treue die fabelhaften Übertreibungen abgerech - net, haben sie darin nichts vor andern Vögeln ähn - licher Lebensart voraus.

5. . Risoria, die Lachtaube. (Fr. la tour - terelle à collier, Engl. the indian turtle.) C. supra lutescens lunula cervicali nigra.

Frisch tab. 141.

Im mildern Europa und in Ostindien.

b) Cauda longiore cuneata.

6. Migratoria, die Zugtaube. C. orbitis de - nudatis sanguineis, pectore rufo.

Frisch tab. 142.

Im nordöstlichen Amerika. Macht zur Zeit ihrer unermeßlichen Züge, eine Haupt-Nahrung der da - sigen Indianer aus, die auch Tausende derselben räuchern und dörren.

42. Tetrao. (Engl. grous.) Macula prope oculus nuda, papillosa.

1. . Coturnix, die Wachtel. (Fr. la caille, Engl. the quail.) T. pedibus nudis, corpore griseo maculato, superciliis albis, rectricum margine lunulaque ferruginea.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1802.

Fast in der ganzen alten Welt; ein Zugvogel, der sich im Zug zuweilen in zahlloser Menge sehen läßt.

2. . Perdix, das Rebhuhn, Feldhuhn. (Fr. la perdix grise. Engl. the partridge.) T. pedibus nudis calcaratis, macula nuda coc - cinea sub oculis, cauda ferruginea, pectore subfusco.

162

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1799.

Im mittlern Europa und in den mildern Gegen - den des Asiatischen Rußlands.

3. . Rufus, (Fr. la perdrix rouge, la barta - velle.) T. pedibus nudis calcaratis rostroque sanguineis, gula alba cincta fascia nigra albo punctata.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Im südlichen Europa und Orient. Wird auf den Inseln des Archipelagus als Meiergeflügel gehalten.

4. . Bonasia, das Haselhuhn. (Fr. la ge - linotte.) T. pedibus hirsutis, rectricibus cine - reis punctis nigris fascia nigra: exceptis inter - mediis duabus.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1796.

Lebt einsam in den Haselgebüschen des mittlern Europa. Das Schwedische (Hiärpe) ist wohl das schmackhafteste von allem wilden Geflügel.

5. . Lagopus, das Schneehuhn, Rype. (Fr. la gelinotte blanche. Engl. the white game.) T. pedibus lanatis, remigibus albis, rectricibus nigris, apice albis: intermediis albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1800.

In den alpinischen und nördlichsten Gegenden der alten und neuen Welt. Ist im Sommer von grauer Farbe. Nahmentlich ein überaus wichtiges Thier für die Europäischen Colonisten in Labrador und Grönland.

6. . Tetrix, der Birkhahn. (Fr. le petit te - tras, Engl. the black cock.) T. pedibus hir - sutis, cauda bifurcata, remigibus secundariis basin versus albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1795.

In der nördlichern alten Welt.

7. . Vrogallus, der Auerhahn. (Fr. le coq163 de bruyere, tetras. Engl. the cock of the wood.) T. pedibus hirsutis, cauda rotundata, axillis albis.

v. Wildungen Taschenbuch f. d. J. 1794.

Im nördlichern Europa; hat ein äußerst scharfes Gesicht und Gehör. Seine Zunge und oberer Kehl - kopf liegen tief unten im Halse.

43. a). Numida. Caput cornutum, collum com - pressum coloratum; palearia carunculacea ad la - tera maxillae utriusque.

1. Meleagris, das Perlhuhn. (Fr. la peintade. Engl. the guiney hen.) N. rostro cera instruc - to nares recipiente.

Frisch tab. 126.

Das so zum wundern schön weißpunctirte Geschöpf ist ursprünglich im nördlichen und westlichen Afrika einheimisch, aber auch längst nach Europa und vie - le Gegenden von Amerika verpflanzt.

43. p). Menura. Cauda elongata, plana, rectri - cibus 16. duabus intermediis angustis, longiori - bus, duabus externis apice dilatato exterius re - curvo; reliquis laxis.

1. Superba, der Leyerschwanz, Schweif - hahn.

Audebert et Vieillot oiseaux de Paradis tab. 14. 15. 16.

Auf Neuholland. Das Männchen wegen seines mächtig großen wundersam gebildeten schönfarbigen Schweifes eines der prachtvollsten Thiere der gan - zen Classe.

44. Phasianus. Genae cuta nuda laevigata.

1. . Callus, der Haushahn. (Fr. le coq. Engl. the cock.) Ph. caruncula compressa verticis geminaque gulae, auribus nudis, cauda com - pressa ascendente.

164

Die vermuthliche wilde Stammrace*)Sonnerat voyag. aux Indes. vol. II. tab. 94. 95. ist in Hindustan zu Hause; von rothbrauner Farbe, und zeichnet sich durch flache hornichte Blättchen an den Spitzen der Hals - und Flügelfedern aus (die den zinnoberrothen Flügelblättchen des Seidenschwan - zes ähneln). Der Haushahn hingegen ist meist über die ganze Erde verbreitet. Doch ist er erst durch die Spanier nach Amerika gebracht: hingegen auf vielen Inseln der Südsee bey ihrer Entdeckung von den Europäern schon vorgefunden worden. Das Huhn ist bey der Menge Eyer, die es legt, und seinem oftmahligen Brüten eines der allernutzbarsten Thiere der ganzen Classe. Und die Hahnen-Gefechte längst und in mehreren Welttheilen ein beliebtes Volks - schauspiel.

Die Hühner sind, unter den Hausthieren dieser Classe in die allermannigfaltigsten und auffallendsten Racen und Spielarten degenerirt. Theils in wahre zum erblichen Schlag gewordene Monstrositäten**)Sogar, daß bey den sogenannten Hollen - oder Hauben - Hühnern, mit dem dichten Federbusch auf dem Kopfe, der Stirntheil der Hirnschale wie zu einer monströsen das große oder eigentlich sogenannte Gehirn fassenden Blase aufgetrieben wird. Eine in ihrer Art einzige erbliche Abweichung des Bil - dungstriebes, die ich in der Commentatio de nisus formativi abberationibus genauer beschrieben und durch anatomische Ab - bildung erläutert habe.; sowohl per defectum ( s. oben S. 22 ), wie der ungeschwänzte Kluthahn; als per excessum ( a. a. O. ), wie z. B. mit 5 oder gar 6 Zehen***)Von der bekannten, aber doch immer physiologisch merkwür - digen Künsteley, einem Hahn seinen Sporn auf den Kopf einzupfropfen, s. Duhamel in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris vom Jahr 1746. S. 349 u. f..

Unter den übrigen Abarten verdienen besonders bemerkt zu werden:

a) Der Paduanerhahn, wohl noch einmahl so groß als der gemeine Haushahn.

165

b) Der Zwerghahn, Krup-Hahn, kaum bald so groß als der gemeine.

c) Der Struphahn, krause Hahn, Fries - ländische Hahn, mit krausen auswärts ge - krümmten Federn.

d) Das Wollhuhn, aus Japan Schina ꝛc. Seine Federn sind schlicht, fast wie Haare, daher die Fabel von Bastarden, die von Kanin - chen und Hühnern erzeugt seyn sollten, ent - standen ist.

e) Das Negerhuhn, mit schwarzer Haut. Vorzüglich auf St. Jago am grünen Vorgebir - ge, wo auch noch andere Vogelarten diese Sonderbarkeit haben sollen.

2. Colchcus, der Fasan. (Fr. le faisan. Engl. the pheasant.) Ph. rusus, variegatus, capite viridi caerulescente, cauda cuneata, genis papillosis.

v. Wilgungen Taschenbuch f. d. J. 1797.

Hat den Nahmen vom Flusse Phasis in Mingre - lien, von da ihn die Argonauten zuerst nach Euro - pa gebracht haben sollen.

3. Argus. Ph. fusco-flavescens, nigro puncta - tus et undulatus, remigum 11 interiorum la - tere exteriore ocellato, genis nudis, occipite nigro, subcristato, rectricibus 2 intermediis longissimis.

Philos. Transact. vol. LV. tab. 3.

In seiner Art wohl das wunderschönste, prachtvoll - ste Geschöpf in der Natur. Besonders sind die großen Augen auf den innern Schwungfedern unbeschreiblich schön schattirt, jedem gleichsam ein Lichtpunct auf - gesetzt etc; mißt vom Schnabel zur Schwanzspitze auf 9 Fuß, und ist nebst den beyden folgenden Gat - tungen zumahl in Schina zu Hause.

4. Pictus, der Goldfasan. Ph. crista flava,166 pectore coccineo, remigibus secundariis cae - ruleis, cauda cuneata.

Edwards tab. 68. 69.

Bey dieser und der nächstfolgenden Gattung zeich - nen sich die erwachsenen Männchen durch die ausneh - mende Schönheit ihres Gefieders aus.

5. Nycthemerus, der Silberfasan. Ph. albus crista abdomineque nigris, cauda cuneata.

Edwards tab. 66.

45. Crax. Rostrum basi cera obductum in utra - que mandibula. Pennae caput tegentes revo - lutae.

1. Alector, der Curasso. C. cera flava, cor - pore nigro, ventre albo.

Buffon Vol. II. tab. 13.

In Guiana ꝛc.

46. Meleagris. Caput carunculis spongiosis tectum, gula caruncula membranacea longitudi - nali.

1. Gallopavo, der Truthahn, Puter, wäl - sche Hahn, Kalekuter, Kuhnhahn. (Fr. le dindon, Engl. the turkey.) M. maris pectore barbato.

Im mittlern und nördlichem Amerika, wo er in großen Herden zu Hunderten auf Bäumen lebt, ward 1530 zuerst nach Deutschtand gebracht, wo er nun als Meiergeflügel gehalten wird, und in man - cherley Varietäten von weißer u. a. Farben ausge - artet ist.

47. Pavo. Caput pennis revolutis tectum, pen - nae caudales elongatae, ocellatae.

1. . Cristatus, der Pfau. (Fr. le paon, Engl. the peacock.) P. capite crista com - pressa, calcaribus solitariis.

Ist wohl ursprünglich in Ostindien einheimisch, und seit Alexanders des Großen Zeiten nach Europa167 verpflanzt. Das Männchen zeichnet sich von dritten Jahre an durch die Pracht seiner Schwanz - oder vielmehr Rücken-Federn aus. Unter den Spielar - ten ist die weiße die auffallendste.

48. Otis. Rostrum mandibula superiore fornica - ta; pedes cursorii.

1. . Tarda, der Trappe. (Fr. l'outarde, Engl. the bustard.) O. maris capite ingulo - que utrinque cristato.

Frisch tab. 106 u. f.

Dieser größte hierländische Vogel ist in der gemä - ßigten alten Welt zu Hause. Das Männchen wird wohl gegen 30 Pfund schwer, und hat vorn am Hal - se einen weiten verborgenen Sack, der sich unter der Zunge öffnet.

VII. STRUTHIONES.

Große Landvögel, mit freyen unverbundenen Ze - hen, und kurzen zum Flug ungeschickten Flügeln ohne Schwungfedern.

49. Struthio. Rostrum subconicum, pedes cursorii.

1. Camelus, der Strauß. (Fr. l'autruche, Engl. the ostrich.) S. pedibus didactylis, di - gito exteriore parvo mutico, spinis alarum binis.

Latham Vol. III. P. I. tab. 71.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 77.

Der allergrößte Vogel, der eine Höhe von acht Fuß und darüber erreicht, und außer Afrika nur in Arabien zu Hause ist. Das Unvermögen zum Flug wird bey ihm durch die ausnehmende Schnelligkeit seines Laufs vergütet*)Volat curriculo. Plaut.. Von seinen Eyern, deren er168 wohl 30 legt, hält jedes ungefähr soviel als 24 Hünereyer. Vorzüglich wird er durch seine Federn schätzbar.

Der Amerikanische Strauß (Str. rhea) ist zumahl in Chili zu Hause.

2. Casuarius, der Casuar, Emeu. S. pedi - bus tridactylis, galea palearibusque nudis, re - migibus spinosis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 97.

In Ostindien. Hat große Stärke in seiner mit - lern Klaue. Seine Federn sind hornicht und ähneln Pferdehaaren, und es entspringen immer zwey und zwey Schafte aus einem gemeinschaftlichen Kiele.

Eine eigene Gattung von Casuar ohne Helm (Str australis) ist neuerlich im fünften Welttheil auf Neu-Südwallis entdeckt worden.

50. Didus. Rostrum medio coarctatum rugis duabus transversis: utraque mandibula inflexo apice; facies ultra oculos nuda.

1. Ineptus, der Dudu, Dronte, Walgh - vogel. (Gygnus cucullatus.) D. pedibus am - bulatoriis, cauda brevissima, pennis incurvis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 35.

Ehedem auf Ile de France und Bourbon. Aber nach den Versicherungen des Hrn. Morel, der deßhalb an Ort und Stelle Untersuchung an - gestellt hat, existirt dieser Vogel jetzt nicht mehr. Und das ist nicht unwahrscheinlich, da er das schwer - leibigste, langsame Thier der ganzen Classe, folg - lich leicht zu fangen, und doch wegen seines widri - gen Fleisches von wenig Nutzen war*)Ich habe von diesen u. a. Beweisen der Veränderlich - keit in der Schöpfung im ersten Theile der Beyträge zur Naturgeschichte S. 24 u. f. gehandelt..

169

So weit die Landvögel. Nun die Wasservö - gel in II Ordnungen.

VIII. GRALLAE.

Diese die Sumpfvögel, haben einen walzen - förmigen Schnabel von ungleicher Länge, hohe stel - zenartige Beine, und auch mehrentheils einen langen Hals, aber kurzen Schwanz. Sie halten sich in sum - pfigem, moorigem Boden auf, leben meist von Am - phibien, Fischen, Insecten und Wasserpflanzen, die mehresten nisten auf der Erde oder im Schilf, und werden großentheils durch ihr vorzüglich schmackhaftes Fleisch und durch ihre Eyer nutzbar.

51. Phoenicopterus. Rostrum denudatum, in - fracto-incurvatum, denticulatum, pedes tetra - dactyli.

1. Ruber, der Flamingo, Flamant, Kor - korre. P. ruber, remigibus nigris.

Catesby vol. I. tab. 73 sq.

In Seegegenden der wärmern Erdstriche beyder Welten. Wird bey einem mäßig großen Körper, aber ganz auffallend langem Halse und Beinen, wohl mannshoch.

52. Platalea. Rostrum planiusculum; apice dilatato, orbiculato, plano. Pedes tetradactyli, semipalmati.

1. Leucorodia, die Löffelgans, der Löf - felreiher. (Fr. la spatule, Engl. the spo - onbill.) P. corpore albo, gula nigra, occipite subcristato.

Frisch tab. 200 u. f.

Hin und wieder, zumahl in der westlichen alten Welt.

170

53. Palamedea. Rostrum conicum, mandibu - la superiore adunca. Pedes tetradactyli, fissi.

1. Cornuta. (Kamichy, Kamoucle.) P. alulis bispinosis, fronteque cornuta.

Latham Vol. III. P. I. tab. 74.

In den Savannen des östlichen Süd-Amerika.

54. Mycteria. Rostrum subadscendens, acu - tum: mandibula superiore triquetra: inferiore trigona acuminata adscendente: frons calva - nares lineares: pedes tetradactyli.

1. Americana. (Jabiru, Touyouyou. Fr. la cicog - ne du Bresil.)

Latham l. c. tab. 26.

Hat mit dem vorigen Vogel gleiches Vaterland.

55. Cancroma. Rostrum gibbosum; mandi - bula superiore cymbae resupinatae forma.

1. Cochlearia. (Fr. la cuilliere. Engl. the boat - bill.) C. ventre rufescente.

Latham l. c. tab. 26.

Ebenfalls in Brasilien ꝛc.

56. Ardea. Rostrum rectum, acutum, longum, subcompressum; pedes tetradactyli.

1. . Grus, der Kranich. (Fr. la grue. Engl. the crane.) A. occipite nudo papilloso, cor - pore cinereo, alis extus testaceis.

Frisch tab. 194.

In der nördlichen alten Welt.

2. . Ciconia, der Storch. (Fr. la cicogne, Engl. the stork.) A. alba, orbitis nudis re - migibusque nigris: rostro, pedibus cuteque sanguineis.

In den mildern Gegenden fast der ganzen alten Welt. Nährt sich nicht bloß von Amphibien, sondern frißt auch nutzbare Thiere, ganze Ketten junger Repp - hühner u. s. w. schleppt auch nicht selten Leinwand,171 Garn ꝛc. in das Nest, um es weich auszufüttern*)Treffliche Bemerkungen über die Lebensweise der Störche s. im Hannoverschen Magazin 1809. 96. St..

3. . Major, der Reiher, Fischreiher. (Fr. und Engl. heron.) A. occipite crista nigra de - pendente, corpore cinereo, collo subtus linea fasciaque pectorali nigris.

Frisch tab. 199.

Fast durchgehends in beyden Welten. Schädliche Thiere, die den Fischteichen und besonders der jun - gen Brut nachtheilig werden. Sie nisten auf hohen Bäumen, Eichen ꝛc .**)Was ich von schwarzen Reiherfedern aus der Levante gesehen habe, das war bloß in der schönern Schwärze, nicht in Form und Gefüge von den Nackenfedern des hierländischen Reihers verschieden. Die in der Form so wie in der Farbe gänzlich davon verschiedenen weisen, kommen hingegen wie gesagt von der Garzetta..

4. Garzetta. (Fr. l'aigrette. ) A. occipite cristato, corpore albo, rostro nigro, loris pedibusque virescentibus.

Buffon T. VII. tab. 20.

Zumahl in Persien ꝛc. Mit den kostbaren langen, silberweißen, seidenartigen Rückenfedern.

5. . Stellaris, die Rohrdommel, der Iprump. (Fr. le butor. Engl. the bittern.) A. capite laeviusculo, supra testacea maculis transversis, subtus pallidior maculis oblongis fuscis.

Frisch tab. 205.

In den mildern Gegenden der nördlichern Erde.

57. Tantalus. Rostrum longum, subulatum, teretiusculum, subarcuatum: facies nuda ultra oculos; pedes tetradactyli, basi palmati.

1. Ibis. (Tantalus aethiopicus Latham. Nu - menius ibis Cuvier.) T. albus, remigum172 apicibus, rostro et pedibus nigris, remigibus secundariis elongatis nigro-violaceis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 86.

Das berühmte, von den alten Ägyptern, als Symbol der Überschwemmung des Nils*)Weil die Ankunft, Brützeit und Rückzug dieses Vogels gerade mit dem Eintritt, Steigen und der nachherigen Abnähme der jenem Wunderlande so wohlthätigen Überschwemmung zusam - mentrifft. s. Jul. Ces. Savigny, histoire naturelle et mytholo - gique de l'Ibis. Par. 1805. 3. mit Kupf., auf ihren Denkmählern verewigte, und so wie die da - mahligen menschlichen Leichen zu Mumien bereitete**)Ich habe von einem Paar solcher Ibismumien, die ich in London zu untersuchen Gelegenheit gehabt, in den philosophi - cal Transaction vom Jahr 1794. Nachricht gegeben.Vergl. auch Chr. Aug. Langguth de mumiis avium in la - byrintho apud Sacaram repertis. Viteb. 1803. 4. mit Kupf. und in besondern Gewölben in größter Menge bey - gesetzte, aber jetzt wenigstens in Nieder-Ägypten ziemlich seltene Thier***)Hingegen findet sich dieser Ibis auch im südlichsten Afrika von woher ich ihn durch die Güte des Hrn. Past. Hesse in der Capstadt erhalten habe..

Der schwarze kleinere Ibis scheint mit dem auch in Europa und selbst im südlichen Deutschland vor - kommenden Tantalus falcinellus einerley zu seyn.

58. Scolopax. Schnepfe. Rostrum teretius - culum, obtusum, capite longius, facies tecta, pedes tetradactyli, postico pluribus articulis in - sistente.

1. . Rusticula, die Waldschnepfe. (Fr. la becasse. Engl. the woodcock.) S. rostro basi rufescente, pedibus cinereis, femoribus tectis, fascia capitis nigra.

Frisch tab. 226 u. f.

In den wärmern Gegenden der nördlichern alten Welt.

2. . Gallinago, die Heerschnepfe, Him - melsziege, der Haberbock, das Haber -173 lämmchen. (Fr. la becassine. Engl. the sni - pe.) S. rostro recto, tuberculato, pedibus fus - cis, frontis lineis fuscis quaternis.

Frisch tab. 229.

Fast durchgehends in der nördlichern Erde.

59. Tringa. Rostrum teretiusculum longitudine capitis, digito postico uniarticulato, a terra elevato.

1. . Pugnax, der Kampfhahn, Renom - mist, Hausteufel. (Fr. le combattant, paon de mer. Engl. the ruff.) T. rostro pe - dibusque rubris, rectricibus tribus lateralibus immaculatis, facie papillis granulatis carneis.

Frisch tab. 232 u. f.

In der nördlichen alten Welt. Hat seinen Nahmen von der Streitbarkeit, mit welcher die Männchen zur Brunstzeit gegen einander kämpfen.

2. . Vanellus, der Kybitz. (gavia. Fr. le van - neau. Engl. the bastard-plover, lapwing, pee-wit.) T. pedibus rubris, crista depen - dente, pectole nigro.

Frisch tab. 213.

Ebenfalls in der nördlichem alten Welt.

60. Charadrius. Regenpfeifer. (Fr. plu - vier, Engl. plover.) Rostrum teretiusculum, obtusum. Nares lineares. Pedes cursorii, tridac - tyli.

1. . Hiaticula, die Seelerche. (Fr. le plu - vier à collier. Engl. the sea-lark.) C. pectore nigro, fronte nigricante fasciola alba, vertice fusco, pedibus luteis.

Frisch tab. 214.

Hin und wieder an den Flüssen der nördlichen Erde, nahmentlich auch auf den Sandwich-Inseln.

61. Recurvirostra. Säbelschnäbler. Ro - strum depresso planum, subulatum, recurva -174 tum, acuminatum, apice flexili. Pedes palmati tridactyli.

1. . Avosetta. R. albo nigroque varia.

Buffon Vol. VIII. tab. 38.

In den mildem Gegenden der alten Welt ꝛc. nährt sich vorzüglich von Wasser-Insecten und Gewürmen, die er mit seinem sonderbar aufwärts gebogenen Schnabel sehr geschicht zu fangen weiß.

62. Haematopus. Rostrum compressum, apice cuneo aequali: pedes cursorii tridactyli.

1. . Ostralegus, der Austerdieb, Auster - mann, die Meerälster. (Fr. l'huitrier Engl. the sea-pie, pied oyster-catcher.) H. rostro pedibusque rubris.

Latham Vol. III. P. I. tab. 84.

Hin und wieder an den Seeufern aller Welttheilen nährt sich vorzüglich von Conchylien.

63. Fulica, Wasserhuhn. Rostrum conve - xum, mandibula superiore margine supra infe - riorem fornicata; frons calva, pedes tetradac - tyli, subpinnati.

1. Porphyrio. (Fr. la Poule Sultane. Engl. the purple Water-hen.) F. pedibus fissis, fronte pedibusque rubris, corpore viridi subtus vio - laceo.

Buffon Vol. VIII. tab. 17.

Auf vielen Kusten und Inseln der wärmern Zonen in allen fünf Welttheilen. Vom schönsten schlanken Wuchs und prächtigen violet und grün schillernden Gefieder. Wird leicht zahm.

2. . Atra, das schwarze Bläßhuhn. (Fr. la foulque, morelle. Engl. the coot.) F. pe - dibus pinnatis fronte incarnata, armillis luteis, corpore nigricante.

Frisch tab. 209.

In der mildern nördlichen Erd.

175

64. Parra. Rostrum teretiusculum, obtusiuscu - lum. Mares ovatae in medio rostri. Frons carun - culata, carunculis lobatis. Alulae spinosae.

1. Jacana. (Fr. le chirurgien, chevalier.) P. un - guibus posticis longissimis, pedibus viridescen - tibus.

Buffon Vol. VIII. tab. 16.

In Westindien, Brasilien ꝛc.

65. Rallus. Rostrum basi crassius, compres - sum, dorso attenuatum apicem versus, aequale, acutum; pedes tetradactyli, fissi.

1. . Grex, der Wachtelkönig, Schnerz, Wiesenschnarrer, Schars. (ortygometra. Fr. le râle de genet. Engl. the rail, daker - hen.) R. alis rufo-ferrugineis.

Frisch tab. 210.

In den mildern Gegenden der alten Welt. Wach - telkönig heißt er von der alten irrigen Sage, als ob er dieser Vögel Heerführer im Zuge sey.

66. Psophia. Rostrum cylindrico-conicum, convexum, acutiusculum, mandibula superiore longiore. Nares ovatae, patulae. Pedes tetradac - tyli, fissi.

1. Crepitans, die Trompete, der Agami, Mackukawa. (Fr. l'oiseau trompette.) P. nigra, pectore columbino.

Latham. Vol. II. P. II. tab. 68.

In Süd-Amerika, vorzüglich häufig am Amazo - nen-Strom. Wird aufnehmend kirre und ihrem Herrn zugethan.

IX. ANSERES.

Die Vögel dieser Ordnung werden durch ihre Schwimmfüße kenntlich, die ihnen mehr nach hinten zu sitzen, und daher zum Rudern sehr geschickt, aber176 desto unbequemer zum Gehen sind. Ihr Oberschnabel endigt sich meist in ein kurzes Häkchen, und ist wie der untere bey den mehresten mit einer ausnehmend nervenreichen Haut überzogen. ( s. oben S. 145. ) Sie haben eine fleischige Zunge, einen rauhen stache - ligen Gaumen, und bey vielen von ihnen haben die Männchen vorn an der Luftröhre eine besondere knor - pelige oder knöcherne Kapsel. Sie haben dichtes fettes Gefieder, das kein Wasser annimmt, halten sich an den Ufern des Meeres, der Seen, der Flüsse, auf Inseln, Klippen, im Schilf ꝛc. auf, und leben meh - rentheils in Polygamie. Sie legen meistens nur Ein oder wenige Eyer; sind aber, besonders wegen ihres Fleisches, Fettes, Federn ꝛc. von mannigfaltiger Nutz - barkeit.

67. Rhinchops. Rostrum rectum, mandibula superiore multo breviore; inferiore apice trun - cata.

1. Nigra. (Fr. le bec en ciseaux. Engl. the sea - crow, cut-water.) R. nigricans, subtus alba, rostro basi rubro.

Brisson. T. VI. tab. 21. fig. 2.

In Nord-Amerika. Der Oberschnabel ist kürzer als der untere und dieser liegt in jenem, gleichsam wie ein eingeschlagenes Taschenmesser.

68. Sterna. Rostrum edentulum, subulatum. subrectum, acutum, compressiusculum. Nares lineares, ad basin rostri.

1. Stolida, die Noddy. (Fr. le fou, diable.) S. corpore nigro, fronte albicante, supercili - is atris.

Brisson T. VI. tab. 18. fig. 2.

In allen Meeren zwischen den beyden Wendezir - keln.

177

2. Hirundo, die Seeschwalbe. (Engl. the silver-bird.) S. cauda forficata: rectricibus duabus extimis albo nigroque dimidiatis.

Frisch tab. 119.

An der ganzen nördlichsten Erde.

69. Colymbus. Taucher. Rostrum edentulum, subulatum, rectum, acuminatum, pedes com - pedes.

1. Grylle, die Grönländische Taube. (Engl. the sea-turtle.) C. pedibus palmatis tridac - tylis, corpore atro, rectricibus alarum albis.

Frisch tab. 185.

Ebenfalls an der ganzen nördlichsten Erde.

2. . Troile, die Lumer. (Fr. le guillemot.) C. pedibus palmatis tridactylis, corpore fusco, pectore abdomineque niveo, remigibus secun - dariis extremo apice albis.

Frisch tab. 185.

An den Seeküsten der nördlichen Erde.

3. . Urinator. (Fr. la grébe.) C. capite laevi, palpebra inferiore lutea, macula alarum alba.

Edwards tab. 360 fig. 2.

Im wärmern Europa. Sein Fell wird, so wie das vom C. cristalus, zu Feder-Muffen ꝛc. verar - beitet.

70. Larus. Möve. (Fr. mouette, Engl. gull.) Rostrum edentulum, rectum, cultratum, apice subadunco. Mandibula inferior infra apicem gibba.

Meist an den Küsten der nördlichen Erde, doch finden sich auch welche auf der Südsee und zwar theils in ungeheuren Scharen.

1. . Tridactylus. (Engl. the tarrock.) L. albi - cans, dorso canescente, rectricum apicibus, excepto extremo, nigris, pedibus tridactylis.

Brisson T. VI. tab. 17. fig. 2.

Am nördlichen Ocean.

178

71. Plotus. Rostrum rectum, acuminatum, denticulatum. Facies tecta, pedes palmati om - nibus digitis connexis.

1. Anhinga. P. ventre albo.

Willoughby tab. 72.

In Brasilien ꝛc. Am Leibe von der Größe einer Ente, aber mit einem sehr langen Halse, den das Thier spiralförmig zusammen rollen und so den Kopf gegen die Fische, die es erschnappen will, los schnellen soll.

72. Phaëthon. Rostrum cultratum, rectum, acuminatum, fauce pone rostrum hiante. Digi - tus posticus antrorsum versus.

1. Aethereus, der Tropikvogel. (Fr. la pail - leen-queve. Engl. the trobic-bird.) P. rectri - cibus duabus longissimis, rostro ferrato, pe - dibus aequilibribus: digito postico connexo.

Brisson T. VI. tab. 42. fig. 1.

An der offenbaren See, zwischen den beyden Wendezirkeln. Nährt sich meist von den fliegenden Fischen.

73. Procellaria. Rostrum edentulum, sub - compressum: mandibulis aequalibus, superiore apice adunco; inferiore apice compresso-cana - liculato. Pedes ungue postico sessili absque di - gito.

1. Pelagica, der Sturmvogel, Ungewit - tervogel. (Fr. le petrel. Engl. the tempest - bird, stormfinch, mother cary's chicken.) P. nigra, uropygio albo.

Linné fauna suecica. tab. 2. fig. 143.

Sowohl im nördlichen als sudlichen Ocean. Meist in offener freyer See fern vom Lande auf Klippen, und die Schiffer sehen es gemeiniglich als Zeichen eines bevorstehenden Sturms an, wenn er sich von da nach den Schiffen flüchtet. Die Einwohner der179 Färöer bedienen sich seiner statt Lampe, indem sie ihm bloß einen Docht durch den Körper ziehen und anbrennen, da dann die Flamme von dem vielen Fette, das allmählich hinein zieht, lange Zeit un - terhalten wird.

74. Diomedea. Rostrum rectum: maxilla su - periore apice adunca; inferiore truncata.

1. Exulans, der Albatros. (Fr. le mouton. du cap.) D. alis pennatis longissimis, pedi - bus aequilibribus tridactylis.

Edwards tab. 88.

Von der Größe eines Schwans, hält aber mit ausgespannten Flügeln wohl 11 Fuß Breite, fliegt auf 500 Deutsche Meilen von irgend einem Lande entfernt, aber selten höher als 10 bis 20 Fuß über der Meers-Fläche. Nährt sich großentheils von fliegenden Fischen*)Vergl. Pennant's arctic zoology. Vol. II. p. 507..

75. Pelecanus. Rostrum rectum: apice adun - co, unguiculato: pedes aequilibres: digitis om - nibus quatuor simul palmatis.

a) Rostro edentulo.

1. . Onocrotalus, die Kropfgans, der Pelican. (Fr. und Engl. pelican.) P. gula saccata.

Ein Blatt von J. E. Ridinger 1740.

In den wärmern Gegenden aller fünf Welttheile, (wenn anders die Amerikanische Kropfgans nicht spe - cifisch von der in der alten Welt verschieden ist). Hat den Griechischen Nahmen von ihrer Eselsstimme, den Deutschen aber von dem ungeheuren beutelför - migen Kropfe, der ihr am Unterschnabel hängt, und sich so ausdehnen läßt, daß er wohl 20 Pfund Wasser fassen kann.

180

2. Aquilus, die Fregatte. (Fr. le tailleur Engl. the man of war bird.) P. alis amplis - simis, cauda forficata, corpore nigro, rostro rubro, orbitis nigris.

Edwards tab. 309.

Hat in der Bildung und Lebensart viel Ähnliches mit dem Albatros: nur noch längere Flügel, die ausgespannt auf 14 Fuß klafftern, und dem fliegen - den Thier ein sonderbares Ansehen geben.

3. Carbo, die Scharbe, der Seerabe. (Fr. und Engl. cormoran.) P. cauda rotundata, corpore nigro, rostro edentulo, capite sub - cristato.

Frisch tab. 187.

Meist in allen fünf Welttheilen. Eine ihr sehr ähnliche Gattung (Pelecanus sinensis) wird in Schina zum Fischfang abgerichtet.

(Abbild. n. h. Gegenst. tab. 25.)

b) Rostro serrato.

4. Bassanus, die Rothgans. (Fr. le fou de bassan. Engl. the gannet, the soland goose.) P. cauda cuneiformi, corpore albo, rostro remigibusque primoribus nigris, facie caerulea.

Brisson T. VI. tab. 44.

Häufigst im Norden von Europa und Amerika, zumahl auf den Schottischen Inseln, und nahment - lich auf Baß*)Harvey de generat. animal. p. 30., wovon diese Gans den Nahmen führt. Macht die Hauptnahrung der armen Insu - laner auf St. Kilda, deren Weiber auch die abge - streifte Haut dieses Vogels statt Schuhe tragen, die zwar nur ungefähr fünf Tage halten, aber auch augenblicklich wieder durch neue ersetzt sind**)s. Mart. Martin's voyage to St. Kilda, the remotest of all the Hebrides. Lond. 1698. 8..

181

76. Anas. Rostrum lamelloso-dentatum, con - vexum, obtusum; lingua ciliata, obtusa.

1. . Olor, der Schwan, Elbsch. (Fr. le cygne. Engl. the swan, elk.) A. rostro se - micylindrico atro, cera nigra, corpore albo.

Frisch tab. 152.

In der nördlichen alten Welt: nährt sich von Fröschen, Wasserpflanzen ꝛc. Man muß diesen, den so genannten stummen oder zahmen Schwan, von dem so genannten wilden, A. cygnus (mit gelber Haut an der Schnabelwurzel und weil län - gerer krummlaufender Luftröhre), unterscheiden. Dieser letztere gibt einen hellen, wen schallenden, nicht unangenehmen Ton von sich.

Der schwarze Schwan mir weißen Schwung - federn (A. nigra) ist an den Küsten des fünften Welttheils zu Hause. Bey Botanybay sowohl als an der Westküste, wo das schöne Thier schon 1697 gefunden und beschrieben worden*)s. Valentyn's Oost-Indien. III. D. 2. St. pag. 69. tab. D..

2. Cignoides, die Spanische, Türkische oder Schinesische Gans. (Fr. l'oye de Guinée. Engl. the swan-goose, chinese goose.) A. rostro semicylindrico: cera gibbosa, palpe - bris tumidis.

Frisch tab. 153. 154.

Auf Guinea, am Cap, dann in Sibirien und Schina, und wie es scheint auch auf den Sandwich - Inseln des stillen Oceans. Man unterscheidet meh - rere Varietäten.

3. . Anser, die Gans. (Fr. l'oye. Engl. the goose.) A. rostro semicilyndrico, corpore su - pra cinereo, subtus pallidiore, collo striato. Meist in allen fünf Welttheilen wild. Unter den zahmen soll es wohl häufig völlig schneeweiße Gan -182 serte, aber nur selten eine ganz weiße weibliche Gans geben.

4. Canadensis, die Hudsonsbay-Gans. (Engl. the grey goose.) A. cinerea, capite colloque nigris, genis qulaque albis.

Edwards tab. 151.

Im kältern Nordamerika. Sehr gesucht wegen ihrer ausnehmenden Flaumen zu Betten. Gibt auch vor - zügliche Schreibfedern.

5. Bernicla, die Baumgans, Rothgans, Schottische Gans. A. fusca, capite collo pectoresque nigris, collari albo.

Frisch tab. 156.

In den kältesten Ländern der nördlichen Erde; kommt bloß zum Überwintern nach Schottland und andern mildern Gegenden, wo sie sich unter andern von dem Thier der Entenmuschel (Barnacle, Lepas anatifera) nährt, daher die alle seltsame Fabel entstanden, daß dieser Vogel nicht aus einem Ey, sondern aus einer Muschel hervor komme u. s. w.*)Die gleiche Volkssage ging auch ehedem von einer verwandten Gattung, Anas erythropus, von grauer Farbe mit weißer Stirne (Frisch tab. 189.), die daher, auch bey vielen Orni - thologen den Nahmen Bernicla oder Barnacle führt..

6. Mollissima, der Eidervogel. (Fr. l'oye à duvet. Engl. the eiderduck, cuthbert duck.) A. rostro cylindrico, cera postice bifida, ru - gosa.

Brünnichs N. H. des Eidervogels tab. 1. u. f.

In der nördlichen Erde, zumahl häufig auf Is - land und in Grönland. Sein Fleisch und Eyer sind sehr schmackhaft; noch wichtiger aber ist sein Fell, womit man Kleider futtert, und die Flaumfedern, die unter dem Nahmen der Eiderdunen bekannt sind.

7. Boschas, die Ente. (Fr. le canard. Engl. the duck, mallard.) A. rectricibus interme - diis (maris) recurvatis, rostro recto.

Frisch tab. 158 u. f.

183

Die wilde Ente findet sich fast in der ganzen nördlichen Erde, theils in ungemein schönen Spiel - arten. Die zahme (A. domestica) scheint große Neigung zu unnatürlicher Paarung zu haben, so daß z. B. die Entriche auf Hühner erpicht sind und v. v. Enten den wälschen Hahnen nachlaufen und sie zu reitzen suchen.

8. . Clypeata, die Löffelente. (Fr. le sou - chet. Engl. the shoveler.) A. rostri extremo dilatato rotundato; ungue incurvo.

Frisch tab. 161 u. f.

Hat meist gleiches Vaterland mit der vorigen. Die Ränder des Schnabels sind nach innen mit hor - nigen Borsten besetzt, fast wie kleine Wallfischbarden.

77. Mergus. Taucher, Wasserbuhn. Ro - strum denticulatum, subulato-cylindricum, apice adunco.

1. . Merganser, der Kneifer. (Fr. l'harle. Engl. the goos-ander.) M. crista longitudi - nali erectiuscula: pectore albido immaculato, rectricibus cinereis, scabo nigricante.

Frisch tab. 190.

In der ganzen nördlichen Erde. So wie andere Gattungen dieses Geschlechts ein schädliches Thier für Fischteiche, zumahl zur Leichzeit.

78. Alca. (Engl. auk.) Rostrum edentulum, breve, compressum, convexum, transverse ful - catum, mandibula inferior ante basin gibbosa.

Das ganze Geschlecht an den Küsten und Klippen der nördlichen Erde.

1. Arctica, der Papageytaucher. (Fr. le macareux. Engl. the puffin.) A. rostro com - presso-ancipiti, sulcato sulcis 4, oculorum orbita temporibusque albis, palpebra supe - riore mucronata.

184

Nistet in Erdhöhlen, oder wühlt sich auch selbst so ein unterirdisches Lager.

79. Aptenodytes. Fettgans, Pinguin. (Fr. manchot.) Rostrum compressiusculum: subcultratum, longitudinaliter oblique fulcatum, mandibula inferior apies truncato: alae impen - nes, pinniformes.

Ihr glattes glänzendes Gefieder, die gleichsam flossenäbulichen, schuppigen, kleinen Flügel, und ihr gerader, fast aufrechter Gang geben diesen Thie - ren ein sonderbares Ansehen, deren verschiedene Arten an den südlichen Küsten und Inseln von Afri - ka, und Amerika, so wie andere um Neu-Hol - land, Neu-Guinea und Neu-Seeland zu Hause sind*)J. Reinh. Forster hist. aptenodytae in Commentat. Soc. Sc. Gött. 1780. Vol. III. p. 121 sq.. Finden sich theils in zahlloser Menge bey - sammen.

1. Chrysocome. A. rostro rufo-fusco, pedibus flavescentibus, crista frontali atra erecta, au - riculari deflexa flava.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 46.

Auf den Falklands-Inseln, Neu-Holland ꝛc.

2. Demersa. A. rostro pedibusque nigris, su - perciliis fasciaque pectorali albis.

Edwards tab. 94.

Häufig am Cap ꝛc.

185

Sechster Abschnitt. Von den Amphibien.

§. 81.

Die Säugethiere und Vogel unterscheiden sich beydes durch die Wärme ihres Bluts (§. 23 und 40.) und durch die größere Menge desselben von den Am - phibien und Fischen.

§. 82.

Die Amphibien aber ähneln doch darin noch den warmblütigen Thieren, und zeichnen sich hingegen von den Fischen vorzüglich dadurch aus, daß sie wie jene auch noch durch Lungen Luft schöpfen; obgleich dieselben von weit lockerer Textur, und auch ihre Athemzüge weit unbestimmter, und so zu sagen unor - dentlicher sind als bey den beyden Classen mit warmem Blute. Auch können sie das Athemhohlen weit länger entbehren als diese, weit länger im so genannten luft - leeren Raume, oder auch in eingesperrter Luft (wie z. B. Kröten in einer engen Höhle mitten in Baum - stämmen oder Steinblöcken) und selbst geraume Zeit in einer Atmosphäre von kohlengesäuerter Luft aushal - ten, und auffallende Extreme von Hitze und von Kälte ausdauern, so daß man z. B. ungezweifelte Beyspiele von Wassermolchen und Fröschen hat, die sowohl im186 Magen und Darmcanal von Menschen gelebt haben, als auch ihrem Leben unbeschadet in dichte Eisschollen eingefroren sind.

§. 83.

Und eben weil die Amphibien mit Lungen verse - hen sind, so sind sie auch noch fähig Stimme von sich zu geben: doch scheinen einige (wie z. B. unter den hierländischen der wahre Salamander, die grüne Eidexe, die Blindschleiche ꝛc. ) gänzlich stumm zu seyn.

§. 84.

In Rücksicht der Bildung überhaupt herrscht vorzüglich die doppelte Verschiedenheit unter den Am - phibien, daß sie entweder, wie die Schildkröten, Frösche, Eidexen ꝛc. mit vier Füßen versehen sind; oder aber, als Schlangen einen langgestreckten, cy - lindrischen Körper ohne alle äußere Bewegungswerk - zeuge haben.

§. 85.

Die äußern Bedeckungen sind bey den Amphibien mannigfaltiger als bey den warmblütigen Thieren. Einige sind mit einer knochigen Schale über - zogen: andere mit hornartigen Reifen, oder mit zahl - reichen kleinen Schildchen, oder mit Schuppen bedeckt: und noch andere haben eine nackte nur mit Schleim überzogene Haut. Die mehresten häuten sich von Zeit zu Zeit. Manche, wie z. B. der Laubfrosch und verschiedene Eidexen, besonders der Chamäleon, än - dern auch zuweilen plötzlich ihre Farbe.

§. 86.

Den mehresten Amphibien ist, wie schon die Benennung der ganzen Classe andeutet, Wasser und187 Land zum gemeinschaftlichen Aufenthalt angewie - sen. Manche gehen willkührlich in beyden ihren Geschäf - ten und ihrer Nahrung nach. Andere hingegen bringen entweder eine bestimmte Periode ihres Lebens, oder gewisse Jahrszeiten bloß in einem von beyden zu. End - lich sind aber auch manche entweder bloß für daß Wasser, und nicht für beydes zugleich bestimmt.

§. 87.

Manche Amphibien, zumahl unter den Schild - tröten und Schlangen, leben von sehr gemischter Nahrung: andere hingegen, wie der Laubfrosch, Chamäleon ꝛc. und sehr eigen in der Wahl ihrer Spei - sen, gehen z. B. bloß lebende Insecten von einigen wenigen bestimmten Gattungen an. In der Gefan - genschaft nehmen viele gar keine Nahrung zu sich und können dann zum Wunder lange fasten: ich selbst habe z. B. Salamander auf acht Monathe lang ohne Speise und selbst ohne daß sie dabey beträchtlich abgezehrt wären, erhalten: und von Schildkröten weiß man, daß sie gegen anderthalb Jahre ohne alle Nahrung ausdauern können.

§. 88.

Die bey vielen Amphibien so ganz ausnehmende Leichtigkeit und Stärke ihrer Reproductions - kraft (§. 19) hat, wo ich nicht irre, in der ob - gedachten Stärke ihrer Nerven und hingegen respecti - ven Kleinheit ihres Gehirns (§. 29.) einen Grund; da folglich die erstern von letzterem minder abhängig sind; und überhaupt die ganze Maschine zwar schwächere Mobilität, weniger consensus zeigt, das ganze Leben der Amphibien einfacher, und mehr bloß vegetativ188 scheint, als bey den warmblütigen Thieren, aber dagegen die Glieder mehr mit eigenthümlicher, inde - pendenter Lebenskraft versehen sind. Und da folglich bey dieser mehr eigenthümlichen Lebenskraft der einzel - nen Theile, nicht gleich jeder Stimulus, der auf Einen Theil, oder auf Ein System wirkt, sogleich, wie bey den warmblütigen Thieren, andere in Con - sensus zieht, so erklärt sich auch wohl überhaupt daher ihr zähes Leben, so daß Frösche, denen das Herz aus - gerissen ist, doch noch umher hüpfen, und Schildkrö - ten, denen das Gehirn aus dem Kopfe genommen worden, noch Monathe lang leben können; daher auch wohl die anhaltende Beweglichkeit der den Amphibien abgeschnittenen Theile, wie z. B. der Schwänze von Wassermolchen, Blindschleichen ꝛc. *)Ich habe diesen Gegenstand weiter ausgeführt im specimen physiologiae comparatae inter animantia calidi et frigidi sanguinis; im VIII. B. der Commentation. Soc. reg. scien - tiar. Gottingens.

§. 89.

Zu Waffen und Vertheidigungsmit - teln dient manchen Amphibien, zumahl unter ten Schlangen, ihr Gift; dem Salamander, der Feue - kröte ꝛc. ihr milchichter Hautschaum, den sie im Noth - fall von sich geben: vielen auch wohl der specifike Ge - ruch, den sie verbreiten; so zumahl manche Schlan - gen, Kröten, Eidexen ꝛc.

§. 90.

Die äußern Sinne scheinen bei den mehresten Amphibien von keiner sonderlichen Schärfe zu seyn. Unter den innern zeichnet sich doch bey vielen das Ge - dachtniß aus, da man Beyspiele selbst von Crocodilen189 und Kröten hat, die ihre Wohlthäter kennen gelernt und kirre geworden, und vollends viele Schlangen be - kanntlich sich zu allerhand Gaukeleyen abrichten lassen. Hingegen finden sich bey den Thieren dieser Classe nur sehr wenige Spuren von wahren Kunsttrieben. (§. 36.)

§. 91.

Auch scheinen die wenigsten Amphibien einen täg - lichen Erhohlungsschlaf zu halten. Dagegen aber wohl alle die kältern Wintermonathe in Erstar - rung zuzubringen. Und zwar theils einzeln, theils wie unsere hierländischen Frösche und Salamander in Haufen. Doch können auch diese gar leicht des Win - terschlafs entbehren, und Jahr aus Jahr ein wachend im Zimmer erhalten werden.

§. 92.

Das Fortpflanzungsgeschäft der Amphi - bien hat ungemein viel Sonderbares. Der Paarungs - trieb ist bey vielen so heftig, daß man z. B. Frösche gesehen hat, die in Ermangelung eines Weibchens an - dere männliche Frösche oder Kröten oder gar todte Weibchen besprungen haben. Bey den mehresten Frö - schen und See-Schildkröten dauert die Paarung meh - rere Täge, ja Wochen lang. Die Vipern schlängeln sich in der Paarung mit dem Hinterleibe auf das in - nigste um einander, und züngeln dabey mit geboge - nem Halse auf einander los. Die Wassermolche hinge - gen umfassen einander gar nicht, sondern das Männ - chen schwimmt zur Brunstzeit bloß um sein Weibchen herum und bespritzt die Eyerchen, so wie es dieselben von sich gibt, von der Ferne.

190

§. 93.

Die Amphibien sind, bis auf sehr wenige Aus - nahmen, Eyerlegende Thiere. Aber manche, zu - mahl unter den Schlangen ꝛc. geben die Eyer nicht eher von sich, als bis das darin befindliche Junge schon meist seine völlige Ausbildung erhalten hat. Die Pipa heckt ihre Jungen auf dem Rücken aus.

Anm. Ein Salamander, den ich wenigstens vom Ende des Sommers an ganzer vier Monathe lang völlig isolirt in einem Glase gehalten, hat hierauf um Neu - jahr herum ganz unerwartet binnen wenigen Tagen 34 Junge geheckt, so daß folglich hier eine ehemah - lige Befruchtung, auf eine noch weit längere Zeit hinaus als bey den Hühnern, ihre Wirksamkeit erhal - ten muß.

§. 94.

Die Frösche und Eidexen, die im Wasser jung werden, kommen nicht gleich in ihrer vollkommenen Gestalt, sondern als so genannte Larven zur Welt, und müssen sich erst noch einer Art von Metamor - phose unterziehen, ehe sie die Ausbildung und den völligen Gebrauch aller ihrer Gliedmaßen erlangen. Die kleinen Frösche z. B. (die so genannten Kaul - quappen, gyrini, Fr. tetards, Engl. toadpoles) haben anfangs noch keine Füße, sondern dafür einen langen Ruderschwanz; auch, so wie die jungen Sala - mander, eine Art von Fischkiemen (branchiae oder Swammerdams appendices simbriatae) zu bey - den Setten des Halfes; ferner zum Theil eine kleine Saugeröhre an der Unterlefze u. dergl. m. Lauter Theile, die nur für den Larvenstand des zarten jungen191 Thieres bestimmt sind und mit der zunehmenden Reife desselben allgemach schwinden*)Ein Paar noch immer räthselhafte, im Ganzen Eidechsenähn - liche Amphibien, der Proteus anguinus in dem unterirdischen Sittichersee in Krain, und die Siren lacertina in den Gewäs - sern von Carolina, haben ganz anomalischer weise zugleich ansehnliche Lungen und doch auch solche Kiemen, wie sie sich sonst nur im Larvenzustande der oben gedachten Reptilien zeigen.Vom Proteus s. Hrn. von Schreibers (dem ich selbst ein treff - liches Exemplar des eben so wundersamen als seltenen Thieres verdanke) in den Philosophical Transactions v. J. 1801. Von der Sirene Ellis und J. Hunter im LVIten B. eben dieser Societätsschriften und von beyden Hrn. Cüvier in dess. Recherches anatomiques sur le reptiles regardés encore comme douteux ꝛc. Par. 1807. 4..

§. 95.

Die Amphibien haben ein langsames Wachs - thum; so daß z. B. unsere hierländischen Frösche meist erst im vierten Jahre mannbar werden: und doch erreichen diese nur ein, nach Verhältniß dieser späten Pubertät, nicht beträchtliches Alter von 12 bis 16 Jahren. Hingegen weiß man, daß Schildkröten selbst in der Gefangenschaft über 100 Jahre gelebt haben, so daß hiernach zu schließen, die Crocodile und großen Schlangen ꝛc. wohl zu einem noch höhern Alter gelan - gen können.

§. 96.

Die Benutzung der Amphibien für das Men - schengeschlecht ist ziemlich einfach; aber für manche Ge - genden theils äußerst beträchtlich. Zumahl der Ge - nuß der Schildkröten und ihrer Eyer, so wie auch verschiedener Frösche und Eidexen ꝛc. auch von Schildkröten Thran; und Schildpart zu Kunstar - beiten ꝛc.

192

§. 97.

Schädlich werden manche ungeheure Thiere dieser Classe, die Crocodile, Wasserschlangen ꝛc. durch ihre Größe, und andere, zumahl unter den Schlan - gen, durch ihr Gift, das in keiner andern Thierclasse von einer so gefahrvollen Heftigkeit ist.

§. 98.

Die ganze Classe zerfällt bloß in zwey Ordnun - gen:

I. Reptiles. Die Amphibien mit vier Füßen. (Die quadrupeda ovipara der altern Naturforscher) Schildkröten, Frösche, Eidexen. Und

II. Serpentes. Die Schlangen, ohne alle äu - ßere Bewegungswerkzeuge. (§. 84.)

Einige wenige Quellen zur N. G. dieser Classe:

  1. Alb. Seba rerum naturalium thesaurus. Amst. 1734. 1765. IV. vol. gr. Fol. ( hierher gehören bloß die bey - den ersten Bände.)
  2. Joh. Nic. Laurenti synopsis reptilium emendata. Vindob. 1786. 8.
  3. C. de la Cepéde histoire naturelle des quadrupédes ovi - pares et des serpens. Paris. 1788. II. vol. 4.
  4. Deutsch, mit Anmerk. und Zusätzen von J. M. Bech - stein. Weim. 1800. V. Th. 8.
  5. G. Ad. Suckow Anfangsgründe der N. G. der Thiere. III. Th. Leipz. 1798. 8.
  6. J. Gottl Schneider historiae amphibiorum naturalis et literariae. Fasc. I. II. Jen. 1799 1801. 8.
193

I. REPTILES.

Alle Thiere dieser Ordnung sind (wenigstens wenn sie ihre vollkommene Gestalt erlangt haben) mit vier Füßen versehen, die nach dem verschiedenen Aufent - halt dieser Thiere entweder freye (pedes digitati), oder durch eine Schwimmhaut verbundene (palmati), oder gar wie in eine Flosse verwachsene Zehen (pinnati) haben.

1. Testudo, Schildkröte. (Fr. tortue. Engl. lortoise, die See-Schildkröten aher turtle, Span. galàpago) Corpus testa obtectum, cauda (plerisque) brevis, os mandibulis nudis eden - tulis*)T. Joh. Gottl. Schneiders N. G. der Schildkröten. Leipz. 1783. gr. 8. mit Kupf.J. D. Schoepff historia testudinum iconibus illustrata. Erlang. 1702. 4.

Die mehresten Schildkröten sind mit einer kno - chigen sehr festen Schale bedeckt, deren Obertheil mit dem Rückgrath und den Rippen des Thiers ver - wachsen, und mit den breiten hornigen Schuppen belegt ist, die Hey manchen Gattungen, so stark und schönfarbig sind, daß sie zu Kunstsachen verarbei - tet werden. Gewöhnlich liegen 13 dergleichen Schup - pen in der Mitte, und 24 um den Rand herum. Der Untertheil oder das Bauchschild ist etwas klei - ner, als das obere, und mit Ausschnitten für Kopf, Schwan; und Füße versehen. Überhaupt aber dient die so ganz auszeichnete eigenthümliche Bildung dieses dadurch gleichsam isolirten Geschlechts zu einer bedeutenden Instanz gegen die vermeinte Stufenfolge in der Natur.

1. Membranacea. T. pedibus palmatis, ungui -194 culis tribus, testa orbiculari ovata, membra - nacea, grisca, striata, scabra.

Schneider l. c. tab. I.

In Guiana.

2. Imbricata, die Carette. (Engl. the hawks - bill turtle.) T. pedibus pinniformibus, testa cordata subcarinata, margine serrato: scu - tellis imbricatis latiusculis, cauda squamata.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im Anhang tab. 42.

In beyden Indien; auch im rothen Meere. Gibt das beste Schildpatt*)S. Beckmanns Vorbereitung zur Waarenkunde. I. Th. S. 68 u. f..

3. Mydas, die grüne oder Riesen-Schild - kröte. (viridis Schneider. Fr. la tortue fran - che. Engl. the green turttle.) T. pedibus pin - niformibus, marginibus maxillarum dentatis, testa ovata.

Schöpff tab. 17. fig. 2.

Diese See-Schildkröte hält zuweilen 8. Centner am Gewicht. Sie hat ihren gewöhnlichern Nahmen von ihrer blaß-olivengrünlichen Schale und der auffallend grünen Farbe ihres schmackhaften Fettes. Lebt bloß vom Seetang u. dergl. Vegetabilien, daher ihr ausnehmend schmackhaftes, gar nicht thra - niges Fleisch.

4. . Orbicularis, die gemeine Flußschild - kröte. (europaea Schneid.) T. pedibus pal - matis, testa orbiculata planiuscula.

Im mildern Europa.

5. Graeca. T. pedibus subdigitatis, testa postice gibba: margine laterali obtusissimo, scutellis planiusculis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 66.

Im südlichen Europa und nördlichen Afrika.

195

6. Geometrica. T. pedibus posticis palmatis, testae scutellis elevatis truncatis.

Schöpff tab. 10.

In Ostindien, und am Cap. Ungefähr von der Größe einer flachen Hand: hat wegen ihres regel - mäßigen schwarz und gelbgezeichneten, hochgewölb - ten Rückenschildes ein artiges Ansehen.

2. Rana. Frosch (Fr. grenouille. Engl. frog. ) und. Kröte (Fr. crapaud. Engl. toad.) Cor - pus nudum pedibus quatuor, posticis lan - gioribus*)Über die hierländischen Gattungen dieses Geschlechts s. - sels natürl. Histoire der Frösche hiesigen Landes. Nürnb. 1758. gr. Fol..

1. Pipa. R. corpore plano, rostro spathiformi, digitis anticis muticis quadridentatis, posti - cis unguiculatis.

Abild. n. h. Gegenst. tab. 36.

In den Gewässern von Guiana. Wird durch die überaus sonderbare und ganz anomalische Weise, mit der die Mutter ihre Jungen ausheckt, merke - würdig. Das Mannchen streicht nähmlich den Leich, den das Weibchen vorher auf die gewöhnliche Art von sich gegeben, demselben auf den Rücken, und befruchtet ihn hierauf mit seinem Samen. Die Eyerchen verwachsen nachher gleichsam in der Haut der Mutter, bis nach Verlauf von beynahe drey Monathen die darin befindlichen anfangs geschwänz - ten Kaulquappen**)S. Camper im IX. Bande der comment. soc. reg. scientiar. Göttingens. p. 129. u. f. zum Ausbruch reif sind, und nachdem ihr Schwanz allgemach verschwunden und sie dagegen ihre vier Füße erhalten, den Rücken ihrer Mutter verlassen können.

2. Cornuta. R. palpebris conicis.

Seba vol. I. tab. 72. fig. 1. 2.

In Virginien; hat wegen seiner großen stieren196 Augen, und der Ungeheuren tutenförmigen obern Augenlieder ein abenteuerliches Ansehen.

3. Ocellata. (Engl. the bull - frog.) R. auribus ocellatis, pedibus muticis.

Catesby vol. II. tab. 72.

In Nord-Amerika. Fast von der Größe eines Meerschweinchens. Hat den Englischen Nahmen von seiner starken Stimme.

4. Paradoxa, die Jackie. (Rana piscis.) R. fe - moribus postice oblique striatis.

Seba vol. I. tab. 78.

Im südlichen Amerika. Die Larve (§. 95.) er - reicht eine fast spannenlange Größe, ist dann viel größer als der ausgebildete, zu seiner Reife gelang - te Frosch, und hat in jenem Larvenzustande zu einer alten Sage, von Fröschen, die sich in Fische ver - wandelten, Anlaß gegeben. Auch nachdem schon die vier Beine ihre ganze Größe und Ausbildung er - halten haben, bleibt das Thier doch noch geraume Zeit geschwänzt.

5. . Bufo, die Kröte. R. corpore ventrico - so verrucoso lurido fuscoque.

Rösel tab. 20. 21.

Daß ihr Harn ein heftiges Gift seyn soll, ist un - gegründet. Hingegen ist es unläugbar, daß man verschiedentlich lebendige Kröten mitten in durchsäg - ten Baumstämmen, oder in Steinblocken ꝛc. Ange - troffen hat.

6. . Bombina, die Feuerkröte. R. corpore verrucoso, abdomine aurantio-caesio macu - lato, pupilla triquetra.

Rösel tab. 22.

Am Bauche schön blau und gelb gemarmelt, hüpft fast wie ein Frosch.

7. . Portentosa, die Haus-Unke. (Buso ca -197 lamita. Laurent.) R. verrucosa, linea dor - sali flava, lateralibus rufescentibus.

Rösel tab. 24.

In feuchten Kellern, Ufer-Höhlen ꝛc. kommt selten zum Vorschein; gibt aber einen eigenen dum - pfen Laut von sich, der allerhand abergläubige Sa - gen veranlaßt hat.

8. . Temporaria, der braune Grasfrosch. R. subfusca dorso planiusculo subangulato.

Rösel tab. 1 8.

Im Gras und Gebüsch ꝛc. von da die Jungen nach warmen Sommer-Regen haufenweise hervor - kriechen, da dann ihre plötzliche Erscheinung wohl zu der alten Sage vom Froschregen Anlaß gegeben haben mag.

9. . Esculenta, der grüne Wasserfrosch, Röling, Marxgöker. R. viridis, corpore angulato, dorso transverse gibbo, abdomine marginato.

Rösel tab. 13 16.

In Teichen und Sümpfen. Die Männchen qua - ken laut, zumahl des Abends bey schönem Wetter, und treiben dabey zwey große Blasen hinter den Maulwinkeln auf. Sie sind schlau und muthig, verzehren Mäuse, Sperlinge, und selbst junge Enten, Forellen ꝛc. und können sogar über Hechte Herr werden. Zur Begattungszeit bekommen die Männchen dieser und der vorigen Gattung schwarze warzige Ballen an den Daumen der Vorderfüße, womit sie sich äußerst fest um ihrer Weibchen Brust klammern können.

10. . Arborea, der Laubfrosch. (calamites, hyla. Fr. la raine, grenouille de St. Martin, le graisset.) R. corpore laevi, subtus granu - lato pedibus fissis, apicibus digitorum lenti - culatis.

Rösel tab. 9 12.

198

Fast in ganz Europa (doch nicht in England, auch in Amerika ꝛc. Der klebrige Schleim, womit er wie die Schnecken überzogen ist, dient ihm bey seinem Aufenthalt am Laub der Bäume zur Hal - tung. Die erwachsenen Männchen, die an ihrer braunen Kehle kenntlich sind, haben eine laute Summe, die sie, wenn das Wetter sich ändern will, aber auch außerdem zur Paarungszeit von sich geben. Sie blähen dabey die Kehle zu einer großen Blase auf.

3. Draco. Corpus tetrapodum caudatum, alatum.

1. Volans, die fliegende Eidexe. D. bra - chiis ab ala distinctis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 98.

In Ostindien und Afrika.

4. Lacerta. Eidexe. (Fr. lezard. Engl. lizard.) Corpus elongatum, pedibus quatuor aequalibus.

1. Crocodilus, der (eigentliche) Krokodil. (Cro - codilus vulgaris Cuv.) L. rostro aequali, scutis nuchae 6, squamis dorsi quadratis, sex-fariam positis, pedibus posticis palmatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 26. 27.

Zumahl häufig in den großern Strömen von Afrika (nahmentlich im Ober Nil und im Niger). Das größte Thier der süßen Wasser, das wohl eine Länge von 30 Fuß erreichen soll*)Norden sagt gar 50. Voyage d'Egypte p.163.: und doch, haben seine Eyer kaum die Größe eines Gänse-Eyes. Erwach - sen fällt er Menschen und andere große Thiere an. Jung gefangen aber läßt er sich doch zähmen**)Von den verschiedenen Gattungen der sogenannten Crocodile s. Hrn. Cüvier in den annales du Museum d'histoire na - turelle T. X. 1807.und ebendas. Hrn. Geoffroy St. Hilaire über zwey - erloy Gattungen von Nil-Krokodilen..

199

2. Alligator, der Kaiman. (Crocodilus scler - ops Cuv.) L. porca transversa inter orbitas, nucha fasciis osseis 4 cataphracta, pedibus postici semipalmatis.

Seba. vol. I. tab. 104. fig. 10.

Im mittlern Amerika. Weit rundlicher und glat - ter am Leihe und Schwanz, als der eigentliche Krokodil, wird auch nicht so groß als dieser und legt kleinere Eyer. Hat übrigens eben so wie jener fünf Zehen an den Vorderfüßen und viere an den hintern, von welchen allen aber nur die drey innern mit Krallen bewaffnet sind.

3. Gangetica, der Gavial. L. mandibulis elongatis subcylindricis, pedibus postici pal - matis.

Edwards in philos. Transact. Vol. XLIX.

Zumahl im Ganges.

4. Monitor. (Fr. la sauve-garde.) L. cauda carinata, corpore mutico squamis marginatis, maculis ocellatis.

Seba vol. I. tab. 94. fig. 1. 2. 3.

In beyden Indien. Ueberaus sauber und regel - mäßig schwarz und weiß gefleckt; wird über 3 Ellen lang; hat den Nahmen daher, daß es sich, wie man sagt, meist in Gesellschaft der Krokodile auf - halten, und durch einen pfeifenden Laut, den es von sich gibt, diese seine furchtbaren Gefährten verrathen soll.

5. Iguana, der Leguan. L. cauda tereti lon - ga, sutura dorsali dentata, crista gulae denti - culata.

Seba. vol. I. tab. 95 sqq. tab. 98. fig. 1.

In Westindien. Ein flinkes Thier. Hat ein über - aus schmackhaftes Fleisch und Eyer.

6. Chamaeleon. L. cauda prehensili, digitis duo - bus tribusque coadunatis.

Jo. Fr. Miller fascic. II. tab. 11.

200

In Ostindien, Nord Afrika, und nun auch theils in Spanien. Langsam, träge, lebt auf Bäu - men und Hecken, naht sich von Insecten, die es - mit seiner langen vorn kolbigen ausgehöhlten klebri - gen Zunge sehr behende zu fangen versteht. Seine Lungen und ausnehmend groß, und das Thier kann sich damit nach Willkühr aufblähen oder dünner machen, daher vermuthlich die Sage der Alten ent - standen seyn mag, das ei bloß von Luft lebe. Seine Augen haben die ganz eigene Einrichtung, daß jedes besonders, oder auch beyde zugleich nach ver - schiedenen Richtungen, eines z. B. aufwärts, das andere hinterwärts u. s. w. und zwar schnell bewegt werden können. Seine natürliche Farbe ist grünlich - grau, es ändert dieselbe aber zuweilen, zumahl wenn es zornig wird ꝛc. Der zuweilen bemerkte Wiederschein von benachbarten farbigen Gegenständen auf die glänzenden Schuppen des lebendigen Thiers hat Anlaß zu der Fabel gegeben, als ob sich seine Farbe überhaupt nach denselben richte.

7. Gecko (vermuthlich der wahre stellio oder sau - rus der Alten) L. cauda tereti mediocri, di - gitis muticis subtus lamellatis, corpore verruco - so, auribus concavis.

Seba vol. 1. tab. 109.

In Ägypten, Ostindien, auch auf den Inseln der Südsee und selbst hin und wieder im südlichen Europa, z. B. im Megapolitanischen. Er soll einen giftigen Saft zwischen seinen blättrichen Fußzehen haben, und dieser sich den Eßwaaren, wo das Thier drüber wegläuft, mittheilen.

8. Scincus, (crocodilus terrester.) L. cauda tereti mediocri, apice compressa, digitis muticis lobato-squamosis marginatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 87.

Im steinigen Arabien, Ägypten ꝛc.

9. . Agilis, die grüne Eidexe, Kupfer -201 Eidexe. L. cauda verticillata longiuscula, squamis acutis, collari subtus squamis con - stricto.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Im wärmern Europa, und, wie es scheint, auch in beyden Indien und auf den Inseln der Südsee. Ihre Eyer leuchten eine Zeitlang im Finstern.

10. . Lacustris, der Wasser-Molch, Was - ser-Salamander. L. nigra, dorso lateri - busque verrucosis, abdomine flavo, nigro - maculato.

Laurenti tab. 2. fig. 4.

Die Männchen haben im Frühjahr eine vom Kopf bis zum Schwanz längs des Rückens hinlau - fende empor stehende ausgezackte Haut. Von seiner ausnehmenden Reproductionskraft s. oben S. 31.

11. . Salamandra, der Salamander, Molch, die Molle, Ulme. (Fr. le sourd, mouron) L. cauda tereti brevi. pedibus mu - ticis, corpore flavo nigroque vario, nudo, po - roso.

Rösel Gesch. der Frösche, Titelkupf.

Schwarz und citrongelb gefleckt, spannenlang und daumendick. Daß er giftig sey, im Feuer leben kenne ꝛc. sind Fabeln.

202

II. SERPENTES.

Die Schlangen*)S. Blas. Merrem Beyträge zur Geschichte der Amphibien. Duisb. 2 Hefte 4.Patr. Russell's Account of Indian Serpents together with experiments on their several poisons. Lond. 1796. gr. Fol. haben gar keine äußeren Glied - maßen, sondern bloß einen cylindrischen lang gestreck - ten Körper, den sie wellenförmig bewegen; und der mit Schuppen, Schildern, oder Ringen bekleidet ist. Manche leben im Wasser (da sie bey ihrer ausnehmend langen und theils blasenförmigen Lunge leicht schwim - men können), andere auf der Erde, andere meist auf Bäumen. Sie legen mehrentheils an einander gekette - te Eyer, und ihre Kinnladen sind nicht, wie bey an - dern Thieren, fest eingelenkt, sondern zum Kauen ungeschickt, indem sie sich weit von einander dehnen lassen, so daß die Schlangen andere Thiere, die oft weit dicker als sie selbst sind, ganz verschlingen können. Manche sind mit heftigem Gift in besondern Bläschen am vordern Rande des Oberkiefers versehen**)Diese sind mit bezeichnet.Die Anzahl aller bis jetzt bekannten giftigen Gattungen scheint sich zu den giftlosen ungefähr wie 1 zu 6 zu verhalten., das in eigenen Drüsen abgeschieden und durch besondere röhrenförmige, einzeln stehende, gegen die Spitze zu mit einer länglichen Öffnung versehene, Giftzähne ( als durch einen Ausführungsgang ) beym Biß in die Wunde geflößt wild. ( Abbild. n. h. Ge - genst. tab. 37. fig. 1. ) Diese bloß am vordern Rande des zugleich merklich starken Oberkiefers befind - lichen Giftzähne geben auch den zuverlässigsten Cha -203 rakter ab, um die giftigen Schlangen von den giftlo - sen zu unterscheiden*)Zu den übrigen zwar nicht ganz exceptionslosen, doch in den bey weiten mehrsten Fällen eintreffenden Kennzeichen, wodurch sich die giftigen Schlangen auszeichnen, gehört 1) ein breiter gleichsam herzförmiger Kopf mit kleinen flachen Schup - pen statt der Schildchen; 2) am Leibe kielförmige Schuppen d. h. mit einem scharfkantigen Rücken); und 3) ein kurzer Schwanz, der nähmlich weniger als 1 / 5 der Lange des Thiers mist. S. Dr. Gray in den philos. Transact. Vol. LXXIX. P. 1., da bey den letztern der ganze äußere Rand der obern Kinnlade (bis hinten) mit Zäh - nen besetzt ist ( Abbild. n. h. Gegenst. a. a. O. fig. 2. ); außerdem haben aber wohl alle Schlan - gen noch eine doppelte Reihe kleiner Gaumen-Zähne mit einander gemein.

5. Crotalus. Klapperschlange. (Fr. ser - pent à sonnettes. Engl. rattle-snake. ) Scuta abdominalia. Scuta squamaeques subcaudales. Crepitaculum terminale caudae.

1. Horridus. C. scutis 167. scutellis 23.

Seba. vol. II. tab. 95. fig. 1.

Zumahl im wärmern Nordamerika: wird auf 6 Fuß lang und fast armsdick. Die Gattungen dieses Geschlechts unterscheiden sich von allen andern Schlan - gen, ja überhaupt von allen übrigen Thieren in der Schöpfung durch die räthselhafte, hornartige, ge - gliederte Raffel am Ende des Schwanzes. Die Zahl der Glieder an diesem so wunderbar gebauten und in seiner Art so ganz einzigen Organ nimmt mit den Jahren zu, und soll bey alten wohl auf 40 steigen. Daß kleine Vögel, Eichhörnchen ꝛc. im Gebüsch der darunter liegenden Klapperschlange**)Da die Klapperschlangen sehr träge Geschöpfe sind, und nicht auf Bäume kriechen können, so ist Mead's Vermuthung eben nicht unwahrscheinlich, daß die ihnen so ganz ausschließlich ei - gene sonderbare Klapper wohl dazu dienen könne, die dadurch aufgeschreckten Vögel ꝛc. zu sich herunter zu bringen. ( so wie nach der alten, wenigstens an sich nicht ungereimten Sage,204 dem Cerasten seine so genannten Hörnchen auch dazu dienen soller, kleine Vögel herbey zu ziehen. ) Auch hat mir ein sehr zuverlässiger und genauer Beobachter, Hr. Major Gard - ner, der sich lange in Ost-Florida aufgeholten, versichert, daß deßhalb die dasigen jungen Indianer um Eichhörnchen zu fangen, den raffelnden Ton der Klapperschlangen nachahmen.Ausführlicher habe ich davon in Hr. Hofr. Voigts neuen Magazin gehandelt; I. B. 2. St. S. 37. u. f. über die Zau - berkraft der Klapperschlangen, besonders in Rücksicht einer Schrift des Hrn. Dr. Barton. gleichsam von selbst in den Rachen fallen, wird von gültigen Augenzeugen versichert; ist aber keine aus - schließliche Eigenheit dieses Geschlechts, da man das nähmliche auch an mehrern andern Schlangen der neuen und alten Welt bemerkt haben will. Die Klapperschlangen selbst werden häufigst von den Schweinen und Raubvögeln verzehrt. Auch lassen sie sich überaus kirre und zahm machen.

6. Boa. Scuta abdominalia et subcaudalia.

1. Constrictor, die Riesenschlange, Ab - gottsschlange, Anaconda. (Fr. le devin) B. scutis 240. scutellis 60.

Merrem II. Heft. tab. 1.

In Ostindien und Afrika. Wird nach Adanson's Versicherung auf 40 bis 50 Fuß lang. Soll leben - digen Rehen ꝛc. die Rippen und andere Knochen entzwey brechen, das Thier nachher mit einem gal - lertartigen Geifer überziehen, und so hinter würgen. Doch ist sie leicht kirre zu machen und wird, wie die Brillenschlange, von den Ostindischen Gauklern zu allerhand Kunststücken abgerichtet. Die Amaru - Schlange in Süd-Amerika, die von den Antis in Peru angebethet ward, und auch auf 30 Fuß lang wird, scheint wenig von dieser verschieden. Hin - gegen ist wohl die aus Guinea so heilig verehrte so genannte Juda-Schlange von einer andern Gattung.

7. Coluber. (Fr. couleuvre.) Scuta abdomi - nalia, squamae subcaudales.

1. Vipera. C. scutis 118. squamis 22.

205

Es werden mehrere Schlangen mit dem Nahmen der Viper belegt. Hier diese von Linné so genannte, ist in Ägypten zu Hause.

2. Cerastes, die gehörnte Schlange. C. tentaculis superciliaribus, scutis 145. squa - mis 44.

Bruce's R. nach den Quellen des Nils, im Anhang tab. 40.

Diese von den beyden über den Augen flehenden Hörnchen benannte Schlange hat gleiches Vaterland mit der vorigen, und ist allerdings giftig.

3. . Berus, die Otter, Viper. (Engl. the adder.) C. scutis 146. squamis 39.

Laurenti tab. 2. fig. 1.

Diese ehemahls officinelle Viper ist von bräunli - cher Farbe und in wärmern Gegenden der alten Welt, auch schon in Deutschland und in der Schweiz zu Hause. Ihr Biß verursacht zwar heftige Entzün - dung, wird doch aber nur selten tödtlich. Es ist die - selbe Gattung, womit ehedem Redi und neuerlich Fontana so viele merkwürdige Versuche angestellt haben.

4. . Natrix, die Ringel-Natter, Schna - cke, der Unk. (Fr. la couleuvre à collier.) C. scutis 170. squamis 60.

Stahlfarbig mit weißen Seiten-Flecken, zumahl an den beyden Seiten des Halses. Man hat selbst in Europa welche von 10 u. m. Fuß gefunden die dann wohl ehedem Anlaß zu den abenteuerlichen Erzählungen von Lindwürmern ꝛc. gegeben haben mögen.

5. Coccineus, die Carmoisin-Schlange. C. scutis 175. squamis 35.

Voigts Magazin 5ten Bdes. 1stes Stück. tab. 1.

Diese ausnehmend schönfarbige und unschuldige206 Schlange ist in Florida und Neu-Spanien zu Hause. Fingers dick und ungefähr 2 Fuß lang. Längs dem Rücken laufen etliche und zwanzig große und sehr regelmäßige carmoisinrothe Flecken, die mit schwarzen Rändern eingefaßt, und diese wieder mit citrongelben Querstreifen von einander abgeson - dert sind. Die Mädchen in Florida sollen das schöne Thier zum Putz als Halsband oder in die Haare ge - flochten tragen ꝛc.

6. Naja, die Brillenschlange. (Cobra de Cabelo. ) C. scutis 193. squamis 60.

Russell's Indian Serpents tab. 5. 6.

In Ostindien. Der Hals ist weit ausdehnbar, und hinten mit einer brillenähnlichen Figur bezeichnet. Ist eine der giftigsten Schlangen, wird aber häufig vom Ichneumon gefressen, und ist auch leicht zu - allerhand Gaukelkünsten abzurichten.

8. Anguis. Squamae abdominales et subcau dales.

1. . Fragilis, die Blindschleiche, Bruch - schlange, der Haselwurm, Hartwurm. (Fr. l'orvet. Engl. the blind-worm, slow - worm) A. squ. abd. 135. totidemque subcaud.

In dumpfigen Gegenden, altem Gemäuer ꝛc. Bricht leicht entzwey, wenn man sie anfaßt, und die Stücke bewegen sich doch noch Stunden lang. Man findet von ihr mancherley theils sauber gezeich - nete Spielarten.

2. Platuros. A. cauda compressa, obtusa.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 28.

Im Indischen Ocean und der Südsee.

9. Amphisbaena. Annuli trunci caudaeque.

1. Fuliginosa. A. ann. tr. 200. caudae 30.

Seba vol. I. tab. 88. fig. 3. u. a.

In Amerika. Schwarz und weiß gefleckt.

207

10. Caecilia. Runzelschlange. Rugae trun - ci caudaeque. Labrum superius tentaculis 2.

1. Tentaculata. C. rugis 135.

Seba vol. II. tab. 25. fig. 2.

Auch in Amerika. Hat gar keine Schuppen, son - dern runzelige Ringe in der glatten Haut, fast wie ein Regenwurm.

208

Siebenter Abschnitt. Von den Fischen.

§. 99.

Die Fische sind diejenigen mit rothem kalten Blut versehenen Thiere, die sich mittelst wahrer (mit Gräten oder knorplichen Faden versehenen) Flossen bewegen, und mittelst wahrer immer zu beyden Seiten des Halses verwahrt liegenden (nicht wie bey den Froschlarven außerhalb desselben frey hervorragenden) Kiemen Athem hohlen.

Anm. Wahre Kiemen und wahre Flossen um sie von den gewisser Maßen analogen Organen der ganz jungen Frösche, Salamander ꝛc. (§. 94.) zu unterscheiden.

§. 100.

Diese Kiemen oder Kiefen (branchiae) ver - treten bey den Fischen fast vollkommen die Stelle der Lungen. Sie liegen auf beyden Seiten hinter dem Kopfe, meistens unter einer oder mehreren großen halbmondförmigen Schuppen, die deßhalb die Kiemen - Deckel (opercula branchialia) heißen, und bey den mehresten mit der Kiemen-Haut (membrana bran - chiostega) verbunden sind. Die Kiemen selbst sind mit unzähligen der zartesten Blutgesäße durchwebt, und auf jeder Seite meist in vier Blätter vertheilt, die ungefähr der Fahne an einer Feder ähneln, und die an ihrer Basis durch eben so viele bogenförmige Gräten unterstützt werden.

209

§. 101.

Das Athemhohlen, das die Fische eben so wenig als dietmit Lungen versehenen Thiere lange ent - behren können, geschieht bey ihnen, indem sie die im Wasser aufgelösete Luft durch den Mund in die Kiemen leiten, und dann durch die Kiemenöffnung (apertura branchialis) wiederum von sich geben; folg - lich nicht wie die mit Lungen versehenen Thiere durch den gleichen Weg ein - und ausathmen.

§. 102.

Da sie keine Lungen haben, so versteht sich folg - lich von selbst, daß ihnen auch keine wahre Stimme zugeschrieben werden kann, obgleich einige von ihnen, wie z. B. der Knurrhahn, der Wetterfisch ꝛc. einen Laut von sich geben können.

§. 103.

Die Bildung des Körpers, überhaupt genom - wen, ist bey den Fischen ungleich mannigfaltiger als bey den beyden vorigen Thierclassen. Bey den mehresten hat doch der Körper eine verticale Stellung, d. h. er ist auf beyden Seiten zusammen gedrückt (corpus com - pressum s. cathetoplateum): bey einigen andern hingegen, wie bey den Rochen, liegt er horizontal, ist in die Breite platt gedruckt (corpus depressum s. plagioplateum); bey andern, wie beym Aal ꝛc. ist er mehr walzenförmig: bey andern, wie bey den Pan - zerfischen, prismatisch oder vierkantig ꝛc.

Bey allen aber stoßen Kopf und Rumpf unmittel - bar an einander, ohne durch einen eigentlichen Hals von einander abgesondert zu seyn.

§. 104.

Die Fische sind (bis auf wenige Ausnahmen) mit Schuppen bekleidet; und zwar die Grätenfische mit eigentlich sogenannten, die von einer ganz eigenen Substanz, und bey den verschiedenen Gattungen von210 der mannigfaltigsten theils ausnehmend eleganten Bil - dung und Zeichnung, und farbigen Cold - und Silber - glanze sind: die mehrsten Knorpelfische hingegen mit mehr knochenartigen Schildern, hakichten Stacheln, u. dgl. m.

Die Schuppen weiden von außen noch mit einem besondern Schleim überzogen, der großen Theils aus kleinen Schleimhöhlen abgeschieden zu werden scheint, die bey den mehresten Fischen zu beyden Sei - len des Körpers in der sogenannten Seiten-Linte liegen.

§. 105.

Die Bewegungswerkzeuge der Fische*)Über den Mechanismus des Schwimmens der Fische, (so wie auch des Flugs der Vögel), s. vorzüglich Aug. W. Zacha - ria's Elemente der Luftschwimmkunst. Wittenb. 1807. 8. S. 34 u. f. 89 u. f.Und über den Antheil, den besonders ihr Ausathmen durch die Kiemen (§. 101.) daran hat, S. J. Brugmans over de Middelen, door welke de Visschen sich bewegen ꝛc. (Amst. 1813.) 4., die Flo - ßen (an welchen man neuerlich merkwürdige Repro - ductionskraft wahrgenommen), bestehen aus dünnen knochenartigen oder knorpeligen Gräten, die durch eine besondere Haut mit einander verbunden, an eigenen Knochen befestigt, und durch bestimmte Muskeln be - wegt werden. Ihrer bestimmten Lage nach heißen die odern, Rückenfloßen (pinnae dorsales); die seitwärts hinter den Kiemen befindlichen, Brustfloßen (pinnae pectorales; die am Bauche vor der Öffnung des Af - ters stehenden, Bauchfloßen (pinnae ventrales; die hinter dieser Öffnung, Steißfloße (pinna analis); endlich am Schwanze, die Schwanzfloße (pinna cau - dalis), die immer eine verticale Stellung hat.

Die sogenannten fliegenden Fische haben sehr lange und straffe Brustfloßen, so daß sie sich damit selbst über die Oberfläche des Wassers erheben und kleine Strecken weit fortfliegen können.

211

§. 106.

Ein anderes Hülfsmittel zur Bewegung der Fische, besonders wohl zum Steigen und Sinken (wie bey den sogenannten Cartesianischen Teufelchen), ist die Schwimmblase, womit zumahl die Süß-Wasser - Fische versehen sind, und die mittelst eines eigenen Ca - nals (ductus pneumaticus) meist mit dem Schlunde, seltener mit dem Magen in Verbindung steht.

§. 107.

In Rücksicht ihres Aufenthalts theilt man die Fische überhaupt in See - und Süß-Wasser-Fische. Einige können doch auch zuweilen einige Zeit im Trock - nen aushalten, wie der Aal, die Muräne ꝛc. Andere theils in warmen mineralischen Quellen*)S. Sonnerat in Rozier Journal de physique Avr. 1774. pag. 256. u. f. Buffon Supplement Vol. V. pag. 54. u. f..

§. 108.

Die mehresten Fische, zumahl die in der See le - ben, sind animalia nocturna, die nahmlich ihren Ge - schiften zur Nachtzeit nachgehen, am Tage hingegen sich mehr in der Tiefe ruhig halten. Daher auch die von Fischen lebenden Insulaner und Küsten-Bewoh - ner meist des Nachts auf den Fang ausgehen.

§. 109.

Eine große Anzahl Gattungen von Fischen verän - dert in gewissen Jahrszeiten ihren Aufenthalt; so stei - gen viele Seefische um zu leichen in die Buchten und Mündungen der Flüsse; manche derselben aber, wie z. B. die Häringe im nördlichen Atlantischen Ocean, machen auch noch außerdem anderweitige Züge zu bestimmten Jahreszeiten und in unermeßlichen Scharen zwischen den Küsten des westlichen Europa und des nordöstlichen Amerika**)S. Gilpin's Karte in den Transactions of the American. philos. Soc. at. Philadelphia. Vol. II. tab. 5. B. .

212

§. 110.

Die Fische sind größten Theils fleischfressen - de Thiere, und da sie keine eigentlichen Füße haben, ihre Beute damit zu fassen, mit mancherley andern Mitteln, ihrer Herr zu werden, versehen. Theils nähm - lich mit langen Bartfasern (cirri) am Maule, um damit andere kleine Wasserthiere, wie mit einem - der zu locken, und gleichsam zu angeln. (So der Sternseher, der Froschfisch ꝛc.) Andere, wie der Chae - todon rostrarus, mit einer Spritzröhre, um dadurch die über dem Wasser fliegenden Insecten gleichsam her - ab zu schießen. Ändere, wie drey Seefische, der Zitterrochen, Tetrodon electricus und Trichiurus indicus und die beyden Flußfische, der Zitteraal und der Zitterwels, mit einer besondern erschütternden und betäubenden Kraft u. s. w.

§. 111.

Was die äußern Sinne der Fische betrifft, so muß der Geruch bey vielen überaus scharf seyn, da sie den versteckten Köder in weiter Entfernung auswittern. Auch ihr Gehör ist scharf, und sie haben dazu ähnliche Organe, wie die im innern Ohr anderer rothblütigen Thiere. Besonders aber zeigen sich mancherley Sonder - barkeiten im Baue ihres Auges, zahlreichere Häute, ausschließlich eigene andere Organe u. dergl. m.*)S. Handbuch der vergleichenden Anatomie S. 404 u. f..

§. 112.

Über die Naturtriebe u. a. Seelenkräfte der Fische läßt sich vor der Hand aus Mangel an rich - tigen Beobachtungen wenig sagen. Doch weiß man, daß manche, wie z. B. die Forellen, überaus kirre werden**)Aster opusc. subseciva. T. I. L. II. p. 8.; andere z. B. alle Karpfen, sehr listig und verschlagen sind u. s. w.

213

§. 113.

Von ihrem Schlafe gilt meist die gleiche An - merkung, die bey den Amphibien gemacht worden ist (§. 91.), daß nähmlich vermuthlich alle einem Win - terschlaf ausgesetzt sind; aber wohl nur sehr wenige einen bestimmten täglichen periodischen Erhohlungs - schlaf haben: wie es z. B. vom Goldbrachsen gesagt wird.

§. 114.

Außer den wenigen lebendig-gebärenden Fischen, wohin der Aal und die sogenannte Aalmutter gehören, mögen sich wohl wenige Fische wirklich mit einander paaren; sondern bey den mehresten gibt das Weib - chen den Rogen noch unbefruchtet von sich, und das Männchen kommt hierauf nach, um denselben mit sei - ner Milch zu begießen.

Man hat diese Einrichtung für die Landwirthschaft benutzen gelernt, indem man auch aus der künstlichen Vermischung von Eyern und Samen der Lachs-Forel - len ꝛc. junge Fische erzielen kann*)s. Hauptm. Jacobi im Hannov. Magazin v. J. 1765. S. 978. u. f..

Anm. Zu andern Merkwürdigkeiten im Zeugungsge - schäfte der Fische gehört auch noch, daß man einzeln unter denselben, nahmentlich beym Karpfen wirkli - che Zwitter gefunden hat.

§. 115.

Die Vermehrung der meisten Fische ist zum Wunder stark, so, daß ungeachtet die Eyerchen der mehresten im Verhältniß zu ihrer Statur ungleich klei - ner sind, als in irgend einer andern Thier-Classe, dennoch bey manchen die Eyerstöcke größer sind, als ihr ganzer übriger Körper. Daher zahlt man, z. B. beym Häring, zwischen 20 und 37000, beym Karpfen214 über 200000, bey der Schleihe 383000, beym Flin - der über eine Million Eyerchen ꝛc. *)Philos. Transact. vol. LVII. p.280.

§. 116.

Theils haben die jungen Fische, so wie sie aus dem Eye kriechen, noch nicht ihre völlige Gestalt: son - dern müssen sich ebenfalls, so wie viele Amphibien (§. 94.), erst einer Art von Metamorphose un - teziehen, wodurch ihre Floßen u. dgl. m. allgemach vollends ausgebildet werden.

§. 117.

Die Fische gelangen, im Verhältniß zur Größe ihres Körpers zu einem hohen Alter. Man weiß von Karpfen, Hechten ꝛc., daß sie anderthalb hundert Jah - re erreichen können. Doch werden einige kleine Fische, wie z. B. der Stichling ꝛc. nur wenige Jahre alt.

§. 118.

Die Brauchbarkeit der Fische für den Men - schen ist ziemlich einfach, meist bloß zur Speise; aber eben von dieser Seite für einen großen Theil des Men - schengeschlechts, der theils fast ganz von diesen Thieren lebt, von der äußersten Wichtigkeit. Selbst wilde Völ - ker, wie z. B. die Kamtschadalen, Brasilianer ꝛc. wissen die Fische auf die mannigfaltigste Weise, sogar zu einer Art Mehl, zu Kuchen u. s. w. zu bereiten: und bey vielen, wie z. B. unter den Insulanern des stillen Oceans, macht der Fischfang ihr Hauptge - schöft, und in Rücksicht der überaus sinnreichen angemessenen Geräthschaften, die sie sich dazu erfunden haben, wirklich eine Art von nachdenkendem Studium aus. Aber auch für einen großen Theil der cultivirten Erde ist der Fang, z. B. des Härings, Kabeljaus, Thunnfisches u. dgl. m. von äußerster Wichtigkeit. Der Thran von Hayen, Häringen, Kabeljauen ꝛc.215 wird häufig in Lampen gebrannt. Die östlichsten Küstenbewohner des mittlern Asiens kleiden sich in gegärbte Lachshäute. Und manche Theile einiger Fische werden zu technischem Gebrauch und Kunstsa - chen benutzt; wie z. B. die Schuppen des Ukley zu Glasperlen; Fischhaut von Rochen und Hayen ꝛc. ; Hausenblase ꝛc.

§. 119.

Den mehresten Schaden thun die Raubfische; zumahl in den Weltmeeren die Haye; und in den süßen Wassern die Hechte. Auch sind manche Fische wenig - stens in gewissen Gegenden giftig, so daß ihr Genuß tödtlich werden kann. So zumahl einige Gattungen von Tetrodon.

§. 120.

Die systematische Classification der Fische scheint noch mancher Verbesserung zu bedürfen. Inzwischen bringt man sie vor der Hand im Ganzen unter zwey Hauptabtheilungen: nähmlich:

A) Knorpelfische (Pisces cartilaginei), die keine wahren Gräten haben: und

B) mit Gräten versehene oder eigentlich so - genannte Fische (Pisces spinosi).

Die Knorpelfische sondert man in folgende zwey Ordnungen, welche Hr. Gr. la Cepede nach dem Daseyn oder Mangel des Kiemendeckels bestimmt, und hiernach die darunter gehörigen Geschlechter ver - theilt: nähmlich:

I. Chondropterygii. Ohne Kiemendeckel.

II. Branchiostegi. Mit Kiemendeckeln.

Die eigentlich sogenannten Fische aber hat Anns nach der Beschaffenheit und Lage der Bauchfloßen geordnet: nähmlich:

III. Apodes. Die gar keine Bauchfloßen haben.

216

IV. Jugulares. Die, deren Bauchstoßen vor den Brustfloßen sitzen.

V. Thoracici. Die, wo die Bauchstoßen gerade unter den Brustfloßen, und

VI. Abdominales, wo sie hinter diesen sitzen.

Zur N. G. der Fische.

  1. Guil. Rondelet de piscibus. Lugd. 1554. P. II. 1555. fol.
  2. Conr. Gesner de piscium et aquatilium animantium natu - ra Tig. 1558. fol.
  3. Steph. a Schonevelde ichthyologia. ꝛc. Hamburg. 1624. 4.
  4. F. Willoughbeii historia piscium. ex ed. Raii. Oxon. 1686 fol.
  5. Jo. Raii synopsis methodica piscium Lond. 1713. 8.
  6. Petr. Artedi ichthyologia. ex ed Linnaei Lugd. Bat. 1738. 8.
  7. Laur. Theod. Gronovii Zoophylacium Gronovianum. Lugd. Bat. 1781. P. I-III fol.
  8. Ant. Gouan historia piscium Argent. 1770. 4.
  9. Du Hamel et de Marre histoire des poissons (traité des pêches etc.) Par. 1770 sq. III. vol. fol.
  10. M. El. Bloch öconomische N. G. der Fische Deutsch - lands. Berl. 1782. III. B. 4.
  11. Dess. N. G. ausländischer Fische. ib. 1785 IX. B. 4.
  12. Ej. Systema ichthyologiae, inchoatum absolvit Jo. Gottl. Schneider. Berol. 1801. 8.
  13. De la Cépède histoire naturelle des poissons. Par. 1798. V vol. 4.
  14. G. Ad. Suckow Anfangsgr. der N. G. der Thiere. IVter Th. Leipz. 1799. II Bände. 8.
  1. Al. Monro Vergleichung des Baues und der Physio - logie der Fische mit dem Bau des Menschen und der übrigen Thiere. Mit vielen Zusätzen vou P. Cam - per und J. G. Schneider. Leipz. 1787. 4.
217

I. CHONDROPTERYGII.

Die Knorpelfische dieser Ordnung haben keine Kiemendeckel, und bey den mehresten ist das Maul an der Unterseite des Kopfs befindlich.

1. Petromyzon. Spiracula branchialia 7 ad latera colli. Fistula in nucha. Pinnae pectora - les aut ventrales nullae.

1. . Marinus, die Lamprete. (Fr. la lam - proye. Engl. the lamprey.) P. ore intus distincta.

Bloch tab. 77.

In der Nordsee so wie im mittelländischen u. a. Meeren. Steigt aber auch 20 und mehrere Meilen weit in die Flüsse. Wird wohl auf 3 Fuß lang.

2. . Fluviatilis, die Pricke, Neunauge. P. pinna dorsali posteriore angulata.

Bloch tab. 78.

In größern Flüssen. Nur halb so groß als die vorige Gattung.

2. Gastrobranchus, Bauchkieme. Spira - cula branchialia 2 ventralia. Fistula in rostro. Pinnae pectorales aut ventrales nullae.

Dieses räthselhaste Geschlecht ward ehedem un - ter dem Nahmen Myxine den Gewürmen beygezählt.

1. Coecus. der Blindfisch, Schleimaal. (My - xine glutinosa Linn.)

Bloch tab. 413.

An den Küsten des nördlichen Atlantischen Oceans. Soll gar keine Augen haben!

3. Raia, Roche. (Fr. raie. Engl. ray.) Spira - cula branchialia 5 subtus ad collum; corpus depressum; os sub capite.

218

Ein seltsam gebildetes und theils gar wunderbar organisirtes Thiergeschlecht. Manche Arten hat man ehedem durch allerhand Künstelen zu vorgeblichen Basilisken ꝛc. umgestaltet und aufgetrocknet. Man - che scheinen auch bey einiger Ähnlichkeit, die der Untertheil ihres Kopfes mit einem Menschengesichte hat, zu der Sage von Sirenen etwas beygetragen zu haben*)S. z. B. des Capuciner Cavazzi pesce donna; in seiner Descrizione di Congo etc. p. 52.. Ungeachtet sie nur ein Ey auf ein - mahl legen, so vermehren sie sich doch so stark, daß der Ocean in manchen Gegenden gleichsam davon wimmelt. Die Eyer haben eine hornige Schale mit vier Spitzen, und Heißen See-Mäuse.

1. Torpedo, der Zitterroche, Krampffich. (Fr. la torpille. Engl. the chrampfish.) R. tota laevis maculis dorsalibus 5 orbiculatis.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 57.

Besonders im mittelländischen Meere. Der be - kannteste von den sogenannten electrischen Fischen (§. 110.). Wird an mehrern Orten gegessen.

2. . Batis, der Glattroche, Baumroche, Flete, Tepel. (Fr. la raie lisse. Engl. the skate, flair.) R. varia, dorso medio glabro, cauda unico aculeorum ordine.

Bloch tab. 79.

In den Europäischen Meeren. Wird auf zwey Cent - ner schwer. Hat ein vorzüglich schmackhaftes Fleisch.

3. Pastinaca, der Stachelroche, Pfeil - schwanz. (Fr. la pastenaque, tareronde, raie baionette, Engl. the sting-ray.) R. corpore glabro, aculeo longo anterius serrato in cau - da, et dorso apterygio.

Bloch tab. 82.

219

In vielen Welt-Meeren. Sein Schwanz-Stachel ist zwar nicht giftig; aber er dient dem Thiere und auch wilden Völkern als Waffen.

4. Sqvalus, Hay. (Fr. chien de mer. Engl. shark.) Spiracula branchialia 5 ad latera colli. Corpus oblongum teretiusculum. Os in infe - riore capitis parte.

1. Acanthias, der Dornhay. (Fr. l'aguillat.) S. pinna anali nulla, dorsalibus spinosis, cor - pore teretiusculo.

Bloch tab. 85.

In den Europäischen Meeren. Hat drey Reihen Zähne in jedem Kiefer.

2. Zygaena, der Hammerfisch, Jochfisch. S. capite latissimo transverso malleiformi.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 99.

In den mehresten Weltmeeren.

3. Carcharias. (lamia, tiburo. Fr. le requin Engl. the white shark.) S. dorso plano, den - tibus serratis.

Bloch tab. 120.

Zumahl häufig im Atlantischen Ocean. Wiegt zu - weilen auf zehntausend Pfund, und in seinem Ma - gen hat man wohl eher ganze Pferde gefunden. Hat sechsfache Reihen Zähne in den Kiefern, die (wie überhaupt bey den mehresten Hayen) nicht in die Kinnladen eingekeilt, sondern wie durch eine Art Gelenk mit denselben verbunden sind. Die vordere Reihe dieser Zähne macht das eigentliche Gebiß. Die hintern liegen (wenigstens beym jungen Thier) ruck - wärts gekehrt, gleichsam auf Reserve, damit zu - fälliger Verlust derer in der vordern Reihe zu wie - derhohlten Mahlen ersetzt werden kann.

4. Pristis, der Sägefisch, Schwertfisch. (Fr. la scie de mer. Engl. the saw fish.) S. pinna ani nulla, rostro ensiformi osseo plano utrin - que dentato.

220

Bloch tab. 120.

Unter andern im nördlichen Atlantischen Ocean. Das breite schwertförmige, oft mehrere Ellen lan - ge Gewehr, das dieses Thier vor dem Kopfe führt, ist an beyden Seiten-Rändern mit 24 oder mehre - ren starken eingekeilten Zahnen besetzt.

5. Lophius, Seeteufel. (Fr. baudroie, diab - le de mer. Engl. sea-devil.) Pinnae pecto - rales branchiis insidentes. Spiracula solitaria pone brachia.

1. . Piscatorius, der Froschfisch, (rana pisca - trix. Fr. la grenouille pecheuse. Engl. the frog-fish.) L. depressus capite rotundato.

Bloch tab. 87.

An den Europäischen Küsten. Der ungeheure Kopf, der die größere Hälfte des ganzen Thieres ausmacht, und dann die fleischigen Angelfaden am Maule (§. 110.) geben ihm ein auffallendes Ansehen.

6. Balistes, Hornfisch. Caput compressum. Apertura supra pinnas pectorales. Corpus com - pressum, squamis corio coadunatis. Abdomen carinatum.

1. Tomentosus. (Engl. the little old wife.) B. pinna capitis biradiata, corpore posterius subvilloso.

Bloch tab. 148, fig. 1.

In beyden Indien.

7. Chimaera. Spiracula solitaria, quadripar - tita, sub collo. Oris labium superius quinque - partitum. Dentes primores incisores bini supra infraque.

1. Monstrosa. C. rostro subtus plicis pertusis.

Bloch tab. 124.

Im nördlichen Atlantischen Ocean.

221

II. BRANCHIOSTEGI.

Die mit Kiemendeckeln versehenen Knorpelfische.

8. Acipenser. Spiracula lateralia solitaria, li - nearia. Os sub capite, retractile, edentulum. Cirri quatuor sub rostro ante os.

1. . Sturio, der Stör. (Fr. l'esturgeon. Engl. the sturgeon.) A. squamis dorsalibus 11.

Bloch tab. 88.

In allen Europäischen Meeren, auch im Caspi - schen ꝛc. in der Wolga, im Nil ꝛc. Macht nebst den übrigen Gattungen dieses Geschlechtes sowohl wegen des Fleisches, als des aus dem Rogen berei - teten Caviars, für viele Völker einen wichtigen Fang aus, und kann gegen tausend Pfund schwer werden. Oft ziehen ihrer eine Menge in schmalen aber langen Zügen hinter einander, und das soll Anlaß zu der fabelhaften Sage von ungeheuren nor - dischen Seeschlangen gegeben haben.

2. Ruthenus, der Sterlet. A. squamis dor - salibus 15.

Bloch tab. 89.

Dieser vorzüglich schmackhafte Fisch findet sich am häufigsten im Caspischen Meere und in der Wolga, aber selten über 30 Pfund schwer.

3. Huso, der Hausen, Beluga. (Antacaeus). A. squamis dorsalibus 13. caudalibus 43.

Bloch tab. 129.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen. Ist vorzüglich wegen des Fischleims oder Hausenblase merkwürdig, die man besonders aus der Schwimm - blase desselben, doch auch aus dem Stör und noch aus einer andern Gattung dieses Geschlechts, nähm - lich der Sewruge (Acipenser stellatus), die auch den besten Caviar gibt, ja theils auch aus der Schwimmblase des Wels, bereitet.

222

9. Ostracion, Panzersisch. (Fr. poisson coffre) Corpus osse integro loricatum. Pinnae ventra - les nullae.

1. Bicuspis. O. trigonus, spinie dorsalibus duabus.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 58.

An den Küsten von Schina, und, wenn anders der O. stellifer nicht eine eigene Gattung ist, auch in Amerika.

2. Triqueter. O. trigonus muticus.

Bloch tab. 150.

So wie der folgende in Ostindien.

3. Cornutus. O. tetragonus, spinis frontalibus subcaudalibusque binis.

Bloch tab. 133.

In Ostindien. Ein niedliches kleines Thier, dessen Panzer aufs regelmäßigste, meist mit Sechsecken wie Bienenzellen, bezeichnet ist.

10. Tetrodon. Stachelbauch. Corpus sub - tus muricatum. Pinnae ventrales nullae.

1. Lagocephalus, (Fr. le poisson souffleur.) T. abdomine aculeato, corpore laevi, humeris prominentibus.

Bloch tab. 140.

Besonders häufig im Senegal. Und zwar sind die, so man oben im Flusse landeinwärts fängt, ein gesundes gutes Essen. Hingegen die nahe an der See, in der Mündung des Stroms, sehr giftig.

2. Electricus. T. corpore maculoso: pinnis vi - ridibus.

Philos. Transact. Vol. LXXVI. P. II. tab. 13.

Einer von den fünf bis jetzt bekannten electrischen Fischen (§. 110.). In Ostindien an der St. Johan - na-Insel.

3. Hispidus, der Kugelfisch. (orbis. Engl. the moon-fish.) T. totus hispidus, papillis setaceis.

223

Bloch tab. 142.

Im rothen Meere ꝛc. Aber auch in den süßen Wassern der benachbarten Länder.

4. Mola. der Klumpfisch. (Fr. la lune de mer. Engl. the sun fish -) T. laevis compressus, cauda truncata; pinna brevissima dorsali ana - lique annexa.

Hamburg. Magaz. XVIII. B. tab. 1.

Häufig im mittelländischen und Atlantischen Meere. Wiegt zuweilen auf fünf Centner. Hat den Deut - schen Nahmen von seiner unförmlichen Gestalt; den Französischen und Englischen aber von dem starken phosphorischen Schein, womit die Seiten und der Untrleib des lebendigen Fisches leuchten.

11. Diodon. Corpus spinis scutis mobilibus undique adspersum. Pinnae ventrales nullae.

1. Histrix, der Stachelfisch, Guara. (Engl. the porcupine-fish) D. oblongus, aculeis te - retibus.

Bloch tab. 126.

Zumahl im Atlantischen Ocean: nahmentlich auch an den nordamerikanischen Küsten.

12. Cyclopterus. Bauch-Sauger. Caput obtusum. Pinnae ventrales in urbiculum connatae.

1. . Lumpus, der See-Hase, Klebpfost, Hafpadde. (Fr. le liévre de mer. Engl. the lump - sucker.) C. corpore squamis osseis an - gulato.

Bloch tab. 90.

Im den nördlichen Meeren der alten Welt. Hängt sich mir seinem gerippten flachen Brustschilde aufs festeste an die Klippen, Schiffe u. s. w. an.

13. Centriscvs. Messer-Fisch. Caput pro - ductum in rostrum angustissimum. Abdomen carinatam. Pinnae ventrales unitae.

224

1. Scolapax, die Meer-Schnepfe. C. corpore squamoso scabro, cauda recta extensa.

Bloch tab. 123. fig. 1.

Im mittelländischen Meer ꝛc.

14. Syngnathus. Rostrum subcylindricum, ore operculato, maxilla inferiore mobiliore. Cor - pus cataphractum. Pinnae ventrales nullae.

1. Acus, die Meer-Nadel, Sack-Nadel, (Engl. the pipe.) S. pinnis caudae ani pecto - ralibusque radiatis; corpore septemangulato.

Bloch tab. 91. fig. 2.

In der Nord - und Ostsee ꝛc.

2. Hippocampus, das See-Pferdchen, die See-Raupe. (Fr. le cheval marin. Engl. the sea-horse. ) S. pinna caudae quadrangulae nulla, corpore septemangulato tuberculato.

Bloch tab. 116. fig. 5.

Einer der weitverbreiteten Seefische. Hat seinen Nahmen, weil der Vordertheil einem Pferdekopf und Hals, das Hintere Ende aber einer Raupe ver - glichen worden. Im Tode krümmt er sich wie ein S, und ähnelt so dem Springer im Schach.

15. Pegasvs. Os proboscide retractili. Rostrum ensiforme, lineare. Corpus articulatum osseis incisuris, cataphractum. Pinnae ventrales ab - dominales.

1. Draconis, der Seedrache. P. rostro conico.

Bloch tab. 109. fig. 1. 2.

In Ostindien. Die großen breiten Brustfloßen ähneln ausgespannten Flügeln, und mögen wohl den Nahmen veranlaßt haben.

225

III. APODES.

Diese und die drey folgenden Ordnungen begrei - fen nun die mit Graten versehenen oder eigentlich so genannten Fische. Und zwar hier diese, die gar keine Bauchflossen haben.

16. Muraena. Caput laeve. Nares tubulosae. Membr. branch. radiis 10, corpus teretiuscu - lum, lubricum. Pinna caudalis coadunata dor - sali anique. Spiracula pone caput vel pinnas pectorales.

1. Helena, die Muräne. M. pinnis pectorali - bus nullis.

Bloch tab. 153.

Ein sehr gefräßiger Raubfisch, in den wärmern Meeren beyder Welten.

2. . Anguilla, der Aal. (Fr. l'anguille. Engl. the eel.) M. maxilla inferiore longiore, cor - pore unicolore.

Bloch tab. 73.

In den Flüssen beyder Welten. Geht zuweilen ans Land auf Wiesen, ins Getreide ꝛc. Hat ein zähes Leben, und das ihm ausgeschnittene Herz be - hält wohl noch 40 Stunden lang seine Reitzbarkeit. Nach den genauesten Beobachtungen gebährt er sicher lebendige Junge*)S. Voigts neues Magazin XII. B. S. 519..

17. Gymnotvs. Caput operculis lateralibus. Tentacula duo ad labium superius. Membr. branch. radiis 5; corpus compressum, subtus pinna carinatum.

226

1. Electricus, der Zitteraal, Zitterfisch, Drillfisch. (Fr. l'anguille electrique.) G. nu - dus, dorso apterygio, pinna caudali obtusissi - ma anali connexa.

Bloch tab. 156.

Besonders bey Surinam und Cayenne, wo ihn van Berkel*)S. Sammlung seltener und merkwürdiger Rei - segeschichten. I. Th. Memmingen, 1789. 8. S. 220. zuerst bekannt gemacht hat. Un - gefähr mannslang**)Eine mahlerische Schilderung der wundersamen Weise, wie die Indianer Maulthiere und Pferde in die von Zitteraalen wimmelnden Sümpfe treiben, damit diese sich erst ihrer er - schütternden Kraft entladen, und bald darauf ohne Gefahr gefangen werden können; s. in Alex. von Humboldts Ansichten der Natur I. B. S. 37 u. f..

18. Trichiurus. Caput porrectum, operculis lateralibus. Dentes ensiformes, apice semisagit - tati: primores maiores. Membr. branchiostega radiis 7. Corpus compresso-ensiforme. Cauda subsulata, aptera.

1. Lepturus. T. mandibula inferiore longiore.

Bloch tab. 158.

In beyden Indien.

2. Indicus. T. Mandibulis aequalibus.

Willoughby. App. tab. 3. fig. 3.

In Ostindien. Ebenfalls ein electrischer Fisch. (§. 110.)

19. Anarrhichas. Caput obtusiusculum. Den - tes primores supra infraque conici, divergentes, sex pluresve, molares inferiores palatique rotun - dati. Membr. branch. radiis 6. Corpus teretius - culum, pinna caudae distincta.

1. . Lupus, der Klippfisch, Seewolf, Stein - beißer. (Engl. the ravenous.) A. pinnis pec - toralibus amplis subrotundis.

Bloch tab. 74.

An den Küsten des nördlichen Europa.

227

20. Ammodytes. Caput compressum. Labium superius duplicatum, dentes acerosi. Membr. branch. rad. 7. Corpus teretiusculum, cauda distincta.

1. . Tobianus, der Sandfisch, Sandaal, To - biassfsch. (Engl. the sand-launce.) A. ma - xilla inferiore longiore.

Bloch tab. 75 fig. 2.

Ebenfalls am nördlichen Europa. Wühlt sich in den Küstensand, wo er in England und Holland in Menge herausgestochen wird.

21. Ophidivm. Caput nudiusculum. Dentes maxillis, palato, faucibus. Membr. branch, radiis 7 patula. Corpus ensiforme.

1. . Imberbe, der Nugnoge, Fünffingerfisch. O. maxillis imberbibus, cauda obtusiuscula, British Zoology. App. tab. 93.

Häufig an Austerbänken, da er der gefährlichste Feind der Austern seyn soll. Wird nicht selten in fest geschloßnen Austerschalen gefunden*)Götting, gel. Anz. v. J. 1771. S. 13 21 u. f..

22. Stromateus. Caput compressum. Dentes in maxillis, palato. Corpus ovatum, latum, lu - bricum. Cauda bifida.

1. Paru. 8. unicolor.

Bloch tab. 160.

An Amerika.

23. Xiphias. Caput maxilla superiore termina - tum rostro ensiformi. Os edentulum. Membr. branch. rad. 8; corpus teretiusculum.

1. . Gladius, der Schwertfisch, Hörnfisch. (Fr. l'epee de mer, l'empereur, l'espandon. Engl. the sword-fish, whale killer. ) X. mandibula inferiore acuta, triangulari.

Bloch tab. 76.

228

In den nördlichen sowohl als südlichen Meeren. Wird mit seinem Schwerte auf 18 Fuß lang, und hält dann gegen 5 Centner an Gewicht. Hat ein sehr schmackhaftes Fleisch und macht besonders für die Calabrischen und Sicilianischen Fischer einen, wichtigen Fang*)Jac. Ph. d'Orville Sicula T. I. p. 272 u. f..

IV. JUGULARES.

Fische, deren Bauchfloßfedern vor den Brust - floßen sitzen.

24. Callionymus. Caput labio superiore du - plicato; oculi approximati. Membr. branchio - stega rad. 6; apertura nuchae foraminibus re - spirante. Opercula clausa. Corpus nudum. Pin - nae ventrales remotissimae.

1. Lyra. (Fr. le lacert. Engl. the piper.) C. dor - salis prioris radiis longitudine corporis.

Bloch tab. 161.

Im Atlantischen Ocean.

25. Uranoscopus. Caput depressum, scabrum, maius. Os simum, maxilla superior brevior, Membr. branch. radiis 5; anus in medio.

1. Scaber, der Sternseher. (Fr. le boeuf. Engl. the star - gazer.) U. cirris multis in maxilla inferiore.

Bloch tab. 163.

Vorzüglich häufig im mittelländischen Meere.

26. Trachinus. Caput scabriusculum, com - pressum. Membr. branch. rad. 6; anus prope pectus.

229

1. . Draco, das Petermänchen. (Fr. la vive Engl. the wever, stingfish.) Trachinus.

Bloch tab. 61.

Im mittelländischen Meere, in der Nordsee ꝛc.

27. Gadus. Corpus laeve. Membr. branch. rad. 7 teretibus; pinnae cute communi vestitae, pec - torales acuminatae.

1. . Aeglefinus, der Schellfisch. (Engl. the hadock.) G. tripterygius cirratus albicans, cau - da biloba, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 62.

Im ganzen nördlichen Europäischen Ocean, vor - züglich aber an den Englischen und Schottischen - sten. Viele Fische phosphoresciren unter gewissen Umständen nach dem Tode: bey diesem hier ist aber dieses Leuchten zuweilen von ganz auffallender Stär - ke und lang anhaltender Dauer*)T. Hrn. Hofr. Ofiander's Denkwürdigkeiten für die Heil - kunde u. Geburtshülfe I. B. S. 417 u. f..

2. . Callarias, der Dorsch. G. tripterygius cirratus varius, cauda integra, maxilla supe - riore longiore.

Bloch tab. 63.

Hat meist gleichen Aufenthalt mit dem vorigen.

3. . Morrhua, der Kabeljau, Steinfisch. Baccaljao (Asellus. Fr. la morue. Engl. the cod-fish.) G. tripterygius cirratus, cauda subaequali, radio primo anali spinoso.

Bloch tab. 64.

Es werden unter diesen gemeinschaftlichen Nah - men mehrere verwandte Gattungen dieses Geschlechts begriffen, die wegen der unsäglichen Menge und we - gen der mannigfaltigen Zubereitung (als Stock - fisch, als Laberdan, und als Klippfisch) und langen230 Conservation ꝛc. von der äußersten Wichtigkeit sind. Sie finden sich Vorzüglich in den nördlichen Gegen - den, beydes des stillen und Atlantischen Oceans, wo sie besonders um Labrador, Neu-Fundland, auch um Island und an den Nordküsten von Großbrita - nien den wichtigsten Fischfang ausmachen*)du Hamel Traité genéra des pêches. P. II. sect. I. p. 36. sq..

4. . Merlangus, der Witling, Gadde (Fr. le merlan Engl. the whiting) G. tripterygius imberbis albus, maxilla superiore longiore.

Bloch tab. 65.

In den Europäischen Meeren.

5. . Lota, die Quappe, Drusche, Rutte, Aalraupe Aalputte. (Fr. la lote. Engl. the burbot.) G. dipterygius cirratus, maxillis aequalibus.

Bloch tab. 70.

Vorzuglich in den Schweizer-Seen. Einer der schmackhaftesten Deutschen Fische.

28. Blennius, Schleimfisch. Caput declive, tectum. Membr branch. rad. 6; corpus lance. olatum. pinna ani distincta.

1. . Viniparus, die Aalmutter. B. ore ten - taculis duobus.

Bloch tab. 72.

Im mitelländischen Meere, in der Nordsee ꝛc. Gebärt lebendige Junge.

V. THORACICI.

Fische, deren Bauchfloßfedern gerade unter den Brustfloßer sitzen.

29. Cepola. Caput subrotundum compressum. Os simum, dentes curvati, simplici ordine. 231Membr. branch, radiis 6; corpus ensiforme, nu - dum, abdomine vix capitis longitudine.

1. Taenia, der Bandfisch. (Fr. le ruban.) C. pinna caudae attenuata, capite obtusissimo.

Bloch tab. 170.

Im mittelländischen Meere.

30. Echeneis. Caput depressum, supra pla - num marginatum, transverse sulcatum. Membr. branch. rad. 10.

1. Remora, der Saugefisch. (Fr. le sucet. Engl. the sucking-fish.) E. cauda bifurca, striis capitis 18.

Abbild. n. h. Gegenst. tab. 78.

In den mildern Weltmeeren. Das sonderbare Thier kann sich mittelst des quergestreiften Hinter - kopfs aufs festeste an Schiffe, Hayfische ꝛc. anhal - ten. Daher die alte Fabel, daß ein einziger ein Schiff im vollem Lauf zu hemmen vermöge.

31. Coryphaena. Caput truncatodeclive. Membr. branch. rad. 5; pinna darsalis longitu - dine dorsi.

1. Hippurus, der Goldkarpfe. (Fr. la dorade. Engl. the dolphin.) C. cauda bifida, radiis dorsalibus 60.

Bloch tab. 174.

Im Atlantischen Meere. Ein prachtvolles Thier, das besonders im Sterben in wunderschöne Farben (aus dem Gelben ins Blaue und Purpurrothe ꝛc. ) spielt.

32. Gobius. Caput poris a inter oculos appro - ximatos, altero anteriore. Membr. branch. rad. 4; pinnae ventrales unitae in ovatam.

1. Niger, die Meergrundel. G. pinna dor - sali secunda radiis 14.

Bloch tab. 36. fig. 1. 2. 5.

Im Atlantischen und Indischen Ocean.

232

33. Cottus. Caput corpore latius, spinosum. Membr. branch. rad. 6.

1. . Cataphractus, der Knurrhahn, Stein - picker. (Engl. the pogge.) C. loricatus rostro verrucis bifidis, capite subtus cirroso.

Bloch tab. 38. fig. 3. 4.

An den nördlichen Küsten von Europa und Amerika.

2. . Gobio, der Kaulkopf, Kotzkolbe, Gropp, Kruppe. (Engl. the bull-head, the miller's thumb.) C. laevis, capite spinis duabus.

Bloch tab. 38. fig. 1. 2.

Ein sehr gemeiner Europäischer Flußfisch. Das Weibchen scharrt sein Leich in eine Höhle am Grund, und bewacht es, bis die Jungen ausgekrochen sind, aufs sorgfältigste.

34. Scorpaena. Caput magnum, aculeatum. Oculi vicini. Dentes maxillis, palato, faucibus - que. Membr. branch. radiis 7.

1. Horrida. S. tuberculis callosis adspersa.

Bloch tab. 183.

In Ostindien.

35. Zevs. Caput compressum, declive. Labium superius membrana transversa fornicatum. Lin - gua subulata. Membr. branch. radiis 7 perpen - dicularibus: infimo transverso. Corpus com - pressum.

1. Vomer. Z. cauda bifurca, spina ante pinnam analem dorsalemque recumbente.

Bloch tab. 193.

2. Faber. (Engl. the doree, dory.) Z. cauda rotundata; lateribus mediis ocello fusco: pin - nis analibus duabus.

Bloch tab. 41.

Beyde im Atlantischen Meer.

233

36. Pleuronectes, Butte, Scholle, Halb - fisch. (Fr. sole. Engl. flounder.) Oculis utris - que in eodem latere frontis. Membr. branch. rad. 4-7; corpus compressum, latere altero dorsum, altero abdomen referente.

Die Schollen sind die einzigen Thiere in der Na - tur, die ihre beyden Augen auf einer Seite des Kopfs haben; manche Gattungen nähmlich auf der rechten, andere auf der linken; sehr selten finden sich Mißgeburten unter ihnen, die anomalisch auf der unrechten Seite ihre Augen haben. Auch beyde Nasenlöcher sitzen ebenfalls so schief seitwärts. Sie schwimmen in einer schrägen Lage, die Augenseite in die Höhe gerichtet.

1. . Platessa, die Scholle, Plateis, Gold - butte (passer. Fr. la plie. Engl. the plaise.) P. oculis dextris, corpore glabro, tubercu - lis 6 capitis.

Bloch tab. 42.

Nebst den folgenden besonders in den nördli - chen Meeren.

2. . Flesus, der Flünder. (Engl. the floun - der.) P. oculis dextris, linea laterali aspera, spinulis ad pinnas.

Bloch tab. 44.

3. . Limanda, die Glahrke, Kliesche. ( Engl.) the dab. P. oculis dextris, squamis ciliatis, spinulis ad radicem pinnarum dorsi anique, dentibus obtusis.

Bloch. tab. 46.

4. . Hippoglossus, die Heiligbutte. (Fr. le fletang. Engl. the holibut.) P. Oculis dex - tris, corpore toto glabro.

Bloch tab. 47.

Theils von vier Centnern an Gewicht; unter234 andern in größter Menge im nördlichen stillen Ocean.

5. . Maximus, die Steinbutte. (Fr. und Engl. turbot. ) P. oculis sinistris, corpore aspero.

Bloch tab. 49.

Doch weit kleiner als die vorige. Einer der schmack - haftesten Fische.

37. Chaetodon. Dentes (plurimis) setacei, flexiles confertissimi, numerosissimi. Membr. branch. radiis 6; corpus pictum, pinna dorsi anique carnosa squamosa.

1. Rostratus. C. cauda integra, spinis pin - nae dorsalis 9., maculaque ocellari; rostro cylindrico.

Bloch tab. 202.

In Ostindien. Der Oberkiefer endigt sich in ei - ne Röhre, wodurch der Fisch die Insecten, die an allerhand Wasserpflanzen sitzen, bespritzt, daß sie herabfallen und ihm zur Speise werden müssen.

2. Macrolepidotus. C. cauda integra, spinis dor - salibus 11, radio dorsali quarto filiformi lon - gissimo.

Bloch tab. 200.

In Ostindien.

38. Sparus, Brachse. Dentes primores robu - sti, molares obtusi, conferti. Labia simplicia. Membr. branch. rad. 5; corpus compressum. Pinnae pectorales acuminatae.

1. Aurata, der Goldbrachsen. S. lunula au - rea inter oculos.

Bloch tab. 266.

Im mittelländischen und Atlantischen Meer. Hat235 fast in allen Sprachen seinen Nahmen von dem gold - farbigen halben Monde vor den Augen.

2. Sargus, der Greißbrachsen. S. ocello subcaudali, corpore fasciis nigris.

Bloch tab. 264.

Im mittelländischen Meere. Die Männchen sollen zur Begattungszeit sehr hitzig wie Säugethiere oder Vögel um ihre Weibchen kämpfen.

3. Pagrus, der Seebrachse. S. rubescens, cu - te ad radicem pinnarum dorsi et ani in sinum producta.

Bloch tab. 267.

Einer der am allgemeinsten verbreiteten Seefische. Zuweilen giftig.

39. Labrus, Lippfisch. Dentes acuti, labia du - plicata magna. Membr. branch. rad. 6; pin - nae dorsalis radii postice ramento filiformi aucti Pectorales rotundatae.

1. Julis, der Meerjunker. L. lateribus cae - rulescentibus, vitta longitudinali fulva utrim - que dentata.

Bloch tab. 287.

Im mittelländischen Meer. Nur Fingers lang, von ausnehmend schönen Farben. Wird den Baden - den durch seinen Biß lästig, der wie Mückenstiche schmerzt.

40. Sciaena. Caput totum squamis obtectum. Membr. branch. rad. 6; opercula squamosa. Corpus: fossula dorsi pro pinna dorsali recon - denda.

1. Nigra. S. tota nigra, ventre fusco-albes - cente.

Bloch tab. 297.

Wie so viele andere Gattungen dieses Geschlechts im rothen Meere.

236

41. Perca. Opercula spinosa, antrorsum serra - ta. Membr. branch. rad. 7. corpus pinnis spino - sis. Linea lateralis cum dorso arcuata.

1. . Fluviatilis, der Barsch. (Fr. la perche, Engl. the perch.) P. pinnis dorsalibus di - stinctis, secunda radiis 16.

Bloch tab. 52.

In Europa und Nordasien.

2. . Lucioperca, der Zander, Sandbarsch, Schiel. P. pinnis dorsalibus distinctis se - cunda radiis 32.

Bloch. tab. 51.

So wie der folgende im nördlichen Europa. Hier diese Gattung vorzüglich schmackhaft, vor allen die im Plattensee in Ungarn. Von ansehnlicher Größe in der Donau.

3. . Cernua, der Kaulbarsch. (Engl. the ruffe.) P. pinnis dorsalibus unitas radiis 27: spinis 15: cauda bifida.

Bloch tab. 53 fig. 2.

42. Gasterosteus. Membr. branch. rad. 3; corpus ad caudam utrimque carinatum. Pinnae ventrales pone pectorales, sed supra sternum.

1. . Aculeatus, der Stichling. (spinarella. Engl. the stickleback.) G. spinis dorsalibus tribus.

Bloch tab. 53. fig. 3.

In Europa; wird fast bloß zum Mästen der Schweine und statt Dünger gebraucht.

2. Ductor, der Lootsmann. (Fr. le pilote. Engl. the pilot-fish.) G. spinis dorsalibus 4, membrana branchiostega 7-radiata.

Der berühmte kleine Fisch der sich immer als Be - gleiter oder Vorläufer beym furchtbaren Requin (Squalus carcharias) findet. Einige Übertreibun -237 gen abgerechnet, ist die Hauptsache neuerlich durch treffliche Beobachter vollkommen bestätiget*)s. Hrn. Geoffroy-Saint-Hilaire sur l'affection mutuelle de quelques animaux, in seinen Mémoires d'histoire natu - relle S. 5 u. f..

43. Scomber. Caput compressum, laeve. Membr. branch. rad. 7; corpus laeve, linea laterali postice carinatum. Pinnae spuriae saepe versus caudam.

1. . Scomber, die Makrele. (Fr. le maque - reau. Engl. the mackrel.) S. pinnulis 5.

Bloch tab. 54.

Im nordischen und Atlantischen Meere ꝛc. Wie der folgende ein gefräßiger aber vorzüglich schmack - hafter Raubfisch. Von beyden machten die Alten ein Vorzügliches Garum.

2. Pelamys. Die Bonite. S. pinnulis inferio - ribus 7; abdomine lineis utrimque 4 nigris.

In allen wärmern Weltmeeren. Auch dieses Thier phosphorescirt nach dem Tode zuweilen sehr stark, und kann dann so wie manche andere Fische und de - ren Thran ꝛc. zum Leuchten des Seewassers beytragen.

3. . Thynnus der Thunfisch. (Fr. le thon. Engl. the tunny.) S. pinnulis utrimque 8.

Bloch tab. 55.

In der Nordsee, dem mittelländischen Meer, Ost - und Westindien ꝛc. Wird über Manns lang, und dann wohl gegen 5 Centner schwer. Ist zuweilen giftig**)Von seinem wichtigen Fange s. Houel voyage pittoresque de Sicile etc. Par. 1782. fol. vol. I. tab. XXVIII-XXX.. Ihm ähnelt die zumahl aus den Süd - see-Reisen bekannte Albicore.

44. Mullus. Caput compressum, declive, squa - mis tectum. Membr. branch. rad. 3; corpus squamis magnis facile deciduis.

238

1. Barbatus, der Rothbart, die Meerbar - be. M. cirris geminis, corpore rubro.

Bloch tab. 328. fig. 2.

Ein schöner schmackhafter Fisch des mittelländischen Meeres. Ungefähr fußlang.

45. Trigla. Caput loricatum lineis scabris. Membr. branch. rad. 7; digiti liberi ad pinnas pectorales.

1. Volitans. T. digitis vicenis membrana pal - matis.

Bloch tab. 351.

Einer der fliegenden Fische in den mildern Welt - meeren.

VI. ABDOMINALES.

Fische, deren Bauchfloßen hinter den Brustfloß - federn sitzen. Die mehresten Süßwasser-Fische sind aus dieser Ordnung.

46. Cobitis. Oculi in suprema capitis parte. Membr. branch. rad. 4-6; cauda versus pinnam minus angustata.

1. Anableps. C. cirris 2; capite depresso, oculis prominulis.

Bloch tab. 361.

Bey Surinam. Gebärt lebendige Junge, und wird besonders durch den ganz einzigen Bau seiner gleichsam in zwey Abschnitte halbirten Hornhaut des Auges, und übrige Einrichtung der Augäpfel, merk - würdig*)Seba thesaur. T. III. tab. 34. p. 108..

239

2. . Barbatula, der Schmerling, Grundel, Bartgrundel. (Fr. la loche. Engl. the loach.) C. cirris 6, capite inermi compresso.

Bloch tab. 31. fig. 3.

In mehrern Spielarten, mit und ohne Bartfä - den ꝛc. Die größten finden sich in der Aar in der Schweiß.

3. . Fossilis, der Wetterfisch, Peizker, Schlammbeisker, die Pipe, Stein - pietsche, Kurrpietsche. C. cirris 6, spina supra oculos.

Bloch tab. 31. fig. 1.

In Europa. Kann wie der Knurrhahn einen Laut von sich geben. Wenn man ihn in Gläsern, mit Sand am Boden, erhält, so wird er bey bevorste - hender Wetterveränderung unruhig.

47. Silurus. Caput nudum. Os cirris filiformi - bus tentaculatum. Membr. branch. rad. 4-14; radius pinnarum pectoralium aut dorsalis pri - mus spinosus, retrodentatus.

1. . Glanis, der Wels, Schaidfisch. S. pin - na dorsali unica mutica, cirris 6.

Bloch tab. 34.

In den mildern Strichen der alten Welt. Der größte Süßwasser-Fisch, der wohl 3 Centner am Gewicht hält, und wegen des unförmlich großen und breiten Kopfes und verlangen Bartfäden ein sonder - bares Ansehen hat.

2. Cataphractus. S. pinna dorsali postica uni - radiata, squamis ordine simplici, cirris 6, cauda integra.

Catesby vol. III. tab. 19.

In Nordamerika.

3. Electricus, der Zitter-Wels, Raasch. (Fr.240 le trembleur.) S. pinna dorsali unica lumbari. remota absque radiis, cirris 6.

Broussonet in den Mém. de l'ac. des sc. de Paris 1792. tab. 20.

Ebenfalls ein elektrischer Fisch (§. 110). Findet sich im Nil und mehrern andern Afrikanischen Flüs - sen. Wird ungefähr 20 Zoll lang. Ist eßbar.

48. Loricaria. (Fr. cuirassier.) Caput laeve depressum. Os edentulum retractyle. Membr. brauch. radiis 6; corpus cataphractum.

1. Plecostomus. L. pinnis dorsi duabus.

Bloch tab. 374.

In Südamerika.

49. Salmo. Caput laeve. Dentes in maxillis, lingua. Membr. branch. rad. 4-10; pinna dor - salis postica adiposa; pinnae ventrales multira - diatae.

1. . Salar, der Lachs, Salm. (Fr. le saumon. Engl. the salmon.) S. rostro ultra inferiorem maxillam prominente.

Bloch tab. 20. 98.

In den nordischen Meeren und Flüssen, theils wie auf Labrador und im Amur-Lande in unsäglicher Menge. Hält sich des Sommers in den Flüssen, im Winter aber in der See auf. Nur die Männchen haben einen gebogenen Unterkiefer. Die Weibchen der Orotchys-Tungusen wissen die Lachshäute durch Gerben ausnehmend geschmeidig zu machen um sich damit zu kleiden.

2. . Trutta, die Lachs-Forelle. (Fr. la truite saumonée. Engl. the sea trout.) S. ocel - lis nigris iridibus brunneis, pinna pectorale punctis, 6.

Bloch tab. 21.

241

An den Küsten und in den Flüssen von Europa. Wird 8 bis 10 Pfund schwer.

3. . Fario, die Forelle. (Fr. la truite. Engl. the trout.) S. maculis rubris, maxilla inferio - re sublongiore.

Bloch tab. 22. 23.

In schattigen Waldbächen des gebirgigen mildern Europa und Asien. Wird selten über 2 Pfund schwer. Variirt sehr an Farbe und Geschmack.

4. . Alpinus, die Alpenforelle, der Roth - fisch. S. dorso nigro lateribus caeruleis, ven - tre fulvo.

Bloch tab. 104.

Im Alpinischen und nördlichen Europa. Ein wich - tiges Thier für die Schwedischen Lappen, deren bey - nahe einige Nahrung es zu Zeiten ausmacht; lebt großentheils von Mücken (culex pipiens).

5. . Eperlanus, der große Stint, Alander. (Engl. the smelt.) S. capite diaphano, radiis pinnae ani 17.

Bloch tab. 28. fig. 2.

Im nördlichen Europa. Fast durchscheinend. Ihm ähnelt der sogenannte Grönländische Häring, Angmarset (Salmo arcticus), den die Grönlän - der nächst ihrer Hauptnahrung, dem Seehundflei - sche, in größter Menge gleichsam als Brod oder Kuchen verzehren.

6. . Lavaretus, der Gangfisch, Schnepel, Weißfisch. S. maxilla superiore longiore, radiis pinnae dorsi 14.

Bloch tab. 25.

In der Nord - und Ostsee; auch in der Hudsons - bay. Dahin gehören vermuthlich auch die Fel - chen, und der Aalbock im Thuner-See, der mit der Ferra des Genfer-Sees einerley zu seyn scheint.

242

7. . Thymallus, die Äsche. (Fr. l'ombre. ) S. maxilla superiore longiore, pinna dorsi ra - diis 23.

Bloch tab. 24.

Im mittlern Europa und Sibirien.

50. Fistularia. Caput: rostrum cylindricum, apice maxillosum. Membr. branch. radiis 7: corpus ....

1. Tabacaria, F. cauda bifida setifera.

Bloch tab. 387.

Das so gar sonderbar gebildete Thier mit win - zig kleinem Maule an einer mächtig langen Schnau - tze findet sich an den östlichen Küsten vom wärmern Amerika und an Neuholland.

51. a) Esox. Caput supra planiusculum; mandi - bula superiore plana breviore, inferiore puncta - ta: dentes in maxillis, lingua. Membr. branch. rad. 7-12.

1. . Lucius, der Hecht. (Fr. le brochet. Engl. the pike.) Q. rostro depresso subaequali.

Bloch tab. 32.

In vielen Flüssen und Seen von Europa, Asien und Nordamerika. Einer der gefräßigsten Raub - fische, der nicht nur andere Fische, sondern auch al - lerhand Amphibien, Kröten ꝛc., viele Wasservögel und kleine Säugethiere, auch zuweilen gar Krebse verschlingt.

2. . Belone. der Hornfisch. (Fr. l'orphie Engl. the garpike.) L. rostro utraque ma - xilla subulato.

Bloch tab. 33.

In den Europäischen Meeren, theils in unsägli - cher Menge. Seine Gräten sind grün, als wenn sie mit Saftfarbe angestrichen wären.

243

51. b) Polypterus. Membr. branch. radio unico. Spiracula utrinque bina in vertice. Pin - nae dorsales numerosae.

1. Bichir.

Geoffroy-Saint-Hilaire Mémoires d'hi - stoire naturelle tab. 5.

Im Nil. Ungefähr zwey Spannen lang, von meergrüner Farbe, wie mit knöchernen Schuppen gepanzert. Seine zahlreichen Ruckenfloßen (16 und darüber); und die gleichsam wie an Beinen ansitzen - den Brust - und Bauchfloßen, so wie noch mehrere auffallende Eigenheiten qualificiren dieses sonderbare Thier zu einem eigenen Geschlechte.

52. Elops. Caput laeve. Dentium scabrities in maxillarum margine, palato. Membr. branch. radiis 30; praeterea exterius in medio armata dentibus 5.

1. Saurus. E. cauda supra infraque armata.

Bloch tab. 393.

Auf Jamaica.

53. Argentina. Dentes in maxillis, lingua. Membr. branch. radiis 8. Corpus ano caudae vicino. Pinnae ventrales multiradiatae.

1. Carolina. A pinna anali radiis 15.

Catesby. vol. II. tab. 24.

Hat den Nahmen von ihrem Vaterlande.

54. Atherina. Caput maxilla superiore pla - niuscula. Membr. branch. radiis 6. Corpus fascia laterali argentea.

1. Hepsetus. A. pinna ani radiis fere 12.

Bloch tab. 393, fig. 3.

Im mittelländischen Meere.

55. Mugil. Caput: Labia membranacea: in -244 ferius introrsum carinatum. Dentes nulli. Den - ticulus inflexus supra sinus oris. Membr. branch rad. 7. curvis. Opercula laevia rotundata. Cor - pus albicans.

1. Cephalus. M. pinna dorsali anteriore quin - queradiata.

Bloch tab. 394.

Im mittelländischen u. a. Meeren.

56. Exocoetus. Caput squamosum. Os eden - tulum, maxillis utroque latere connexis. Membr. branch. radiis 10. Corpus albicans, abdomen angulatum, pinnae pectorales maxime volatiles, radiis antice carinatis.

1. Volitans, der fliegende Häring. E. ab - domine utrinque carinato.

Der gemeinste aller fliegenden Fische. Findet sich meistens in allen wärmern Weltmeeren; theils in großen Scharen.

Die seltenste Gattung dieses Geschlechtes, der Exocoetus mesogaster (Abbild. n. h. Gegenst. tab. 100.), die zumahl im Westen des Atlantischen Oceans zu Hause ist, zeichnet sich durch die Stel - lung der Bauchfloßen an der Mitte des Unterleibes, und dadurch aus, daß die mittlern Strahlen in denselben die längsten sind.

57. Polynemus. Caput compressum, undique squamosum: rostro obtusissimo prominente. Membr. branch. rad. 5. vel 7. Corpus digitis liberis ad pinnas pectorales.

Quinquarius. P. digitis quinque corpore longio - ribus.

Seba vol. III. tab. 27, fig. 2.

In Westindien.

245

58. Clupea. Caput maxillarum superiorum my - stacibus serratis. Membr. branch. rad. 8. Bran - chiae interne setaceae. Abdominis carina serra - ta. Pinnae ventrales saepe novemradiatae.

1. Harengus, der Häring, Strämling, membras? (Fr. l'hareng. Engl. the herring.) C. immaculata, maxilla inferiore longiore.

Bloch tab. 29.

Einer der wichtigsten Fische für die nördliche Er - de, der zwar von Menschen und sehr vielen Thie - ren (zumahl vom Nordkaper, von manchen Möven - Gattungen ꝛc. ) verfolgt wird, sich aber auch dage - gen zum Bewundern stark vermehrt. Besonders sind nun seit dem zwölften Jahrhundert bey Gelegenheit ihrer großen äußerst bestimmten, regelmäßigen Sommer-Reisen (s. oben §. 109.) nach den Euro - päischen Küsten, zumahl nach den Orcaden, nach Norwegen ꝛc. so viele tausend Europäer mit ihrem Fang beschäftigt.

2. . Sprattus, die Sprotte, der Breit - ling. (Fr. la sardine. Engl. the sprat.) C. pinna dorsali radiis 13.

Bloch tab. 29, fig. 2.

Ebenfalls in den nördlichen Meeren, aber auch im mittelländischen. Ist von manchen Naturforschern irrig für den jungen Häring gehalten worden.

3. . Alosa, die Alse, der Mutterhäring, Mayfisch. (Fr. l'alose. Engl. the shad.) C. lateribus nigro maculatis, rostro nigro.

Bloch tab. 30, fig. 1.

Vorzüglich häufig im mittelländischen Meere.

4. . Enerasicolus, die Sardelle, der An - schovis. (Fr. l'anchois.) C. maxilla supe - riore longiore.

Bloch tab. 30, fig. 2.

246

Hat meist gleiches Vaterland mit dem vorigen. Wird vorzüglich häufig an Gorgona im Golfo di Livorno gefangen.

59. Cyprinus. Caput ore edentulo. Os nasale bisulcum. Membr. branch. rad. 3. Corpus lae - ve albens. Pinnae ventrales saepe novemra - diatae.

1. . Barbus, die Barbe. C. pinna ani ra - diis 7, cirris 7, pinnae dorsi radio secundo utrinque serrato.

Bloch tab. 18.

Im mildern Europa und westlichen Asien. Ihr Rogen ist giftig, so daß sein Genuß schon oft sehr gefahrvolle Zufälle erregt hat*)S. z. B. Jul. H. Gottl. Schlegels Materialien für die Staats-A. W. 2te Samml. S. 150 u. f..

2. . Carpio, der Karpfe. (Fr. la carpe. Engl. the carp.) C. pinna ani radiis 9, cir - ris 4, pinnae dorsalis radio secundo postice serrato.

Bloch tab. 16.

Jetzt nun meist in ganz Europa. Ins nördlichere seit 300 Jahren allgemach durch die Kunst verpflanzt. Soll mit verwandten Gattungen, zumahl mit der Karausche, Bastarden geben. Auch finden sich un - ter den Karpfen häufiger Mißgeburten als unter ir - gend einer andern bekannten Fischgattung. Die Spiegelkarpfen**)Bloch tab. 17., die sich besonders durch die beständig von Schuppen entblößlen Theile des Körpers auszeichnen, scheinen doch keine bloße Spielart, sondern eine besondere Gattung dieses Geschlechts zu seyn.

3. . Tinca, die Schleihe. (Fr. la tanche,247 Engl. the tench.) C. pinna ani radiis 25, cauda integra, corpore mucoso cirris 2.

Bloch tab. 19.

Einer der weitestverbreiteten Flußfische. Kann mit den Kiemendeckeln einen Laut von sich geben. Die Goldschleihe*)Bloch tab. 16. ist einer der schönsten Deut - schen Fische.

4. . Carassus, die Karausche (Fr. le ca - rassin. Engl. the crucian.) C. pinna ani radiis 10, cauda integra, linea laterali recta.

Bloch tab. 11.

In Europa und Mittel-Asien.

5. Auratus, das Schinesiche Goldfischen, der Goldkarpfe, Kin-ju. (Fr. la dorée. Engl. the goldfish.) C. pinna ani gemina, caudae trifida transversa bifurca.

Baster in Harlem. Verhandel. VII. D. 1. St. mit illum. Fig.

In Japan und Schina, wo sie gleichsam als Hausthiere gehalten werden, und in mancherley wunderbare, theils fast monströse Varietäten, der vortrefflichsten Farben, Zahl und Bildung der Flos - sen, Größe der Augen ꝛc. ausgeartet sind. Sie kommen auch im mildern Europa recht gut fort. Können sogar Jahr und Tag im bloßen Wasser ohne alle weitere Nahrung leben, und geben dabey doch von Zeit zu Zeit Unrath von sich.

6. . Phoxinus, die Elritze. (Fr. le vairon. Engl. the minow.) C. pinna ani radiis 8, macula fusca ad caudam, corpore pellucido.

Bloch tab. 8, fig. 5.

Häufig in der Weser.

7. . Orfus, der Orf, Urs, Würfling, Elft. C. pinna ani radiis 13.

Bloch tab. 96.

248

Zumahl im südlichen Deutschland. Schön orange - farben.

8. . Alburnus, der Ukley, Lauge, Weiß - fisch. (Fr. l'able, ablette. Engl. the bleak.) C. pinna ani rad. 20.

Bloch tab. 8, fig. 4.

So wie der folgende im mittlern Europa und westlichen Asien. Seine Schuppen werden zur Ver - fertigung der Glasperlen gebraucht*)S. Beckmanns Beyträge zur Geschichte der Erfindungen. II. B. S. 325. u. f..

9. . Brama, der Bley, Brachsen. (Fr. la brème.) C. pinna ani rad. 27, pinnis fuscis.

Bloch tab. 13.

249

Achter Abschnitt. Von den Insecten.

§. 121.

Die Thiere der beyden letzten Classen (§. 40), die Insecten und Gewürme, unterscheiden sich schon da - durch von den vorhergehenden, daß sie kein rothes Blut, sondern statt dessen einen weißlichen Saft in ihrem Körper führen: weßhalb sie (§. 23) auch von den Alten Blutlose Thiere (animalia exsanguia) genannt wurden. So wie man sie neuerlich darum, weil sie keine Rückenwirbel so wie überhaupt kein Gerippe haben, auch Wirbellose Thiere (Fr. ani - maux invertébrés) genannt hat.

§. 122.

Die Insecten haben ihren Nahmen daher, weil wenigstens im Zustande ihrer vollkommenen Ausbil - dung, Kopf, Brust und Hinterleib, wie durch Ein - schnitte von einander abgesondert sind, ja bey vie - len fast nur wie durch einen Faden unter einander verbunden werden. Außerdem zeichnen sie sich aber auch (bis auf wenige Ausnahmen unter den Geschlechtern der geflügelten Ordnung) durch besondere theils sehr empfindliche Organe aus, die sie in ihrem vollkomm -250 nen Zustande am Kopfe tragen (Antennae, Fühl - hörner), und die alle Mahl an der Wurzel einge - lenkt, meist aber auch noch außerdem gegliedert sind; und endlich durch die hornartigen, eingelenkten Füße, und deren größere Anzahl, da die völlig aus - gebildeten Insecten zum allermindesten ihrer sechs, manche aber wohl auf anderthalb hundert ꝛc. haben.

§. 123.

Außer den angegebenen Merkzeichen, haben die Insecten in ihrem Äußern wenig, was ihnen allen gemein wäre. Die ganz unermeßliche Anzahl der Gat - tungen, ihre so unendlich verschiedenen Bestimmungen, und dahin abzweckende eben so verschiedene Lebensart, Bedürfnisse ꝛc. erfordern eine äußerst vielartige Bil - dung, in welcher sie, so wie in der ungleichen Größe ihres Körpers, ausnehmend von einander abweichen.

§. 124.

Selbst die äußere Bedeckung ihres Körpers ist mannigfaltiger als bey den übrigen Thieren. Sehr viele sind wie mit einem hornartigen Panzer über - zogen, der aus mehreren Stücken besteht, die sich wie Schienen eines Blechhandschuhes über einander schie - ben lassen; und wodurch diese Thiere vor mancherley Unfällen gesichert, und für den Mangel der Knochen, die bey andern Thieren zur Anlage der Muskeln ꝛc. dienen, entschädigt werden. Manche sind mit feinen Haaren besetzt, und bey den Schmetterlingen ꝛc. die Flügel mit sogenannten Federchen, oder vielmehr Schuppen bedeckt, die zum Theil von den schönsten Farben sind: so wie sich überhaupt unter den Insecten Thiere von unbeschreiblicher Schönheit finden.

251

§. 125.

Auch in der Einrichtung der Sinnwerkzeu - ge*)M. Ch. Gottl. Lehmann de sensibus externis animalium exsanguium: commentatio praemio regio ornata. Goetting. 1708. 4. F. Jos. Schelvers Versuch einer Naturge - schichte der Sinneswerkzeuge bey den Insecten und Würmern, ebendas. 1798. 8., und also vermuthlich auch in der Art der Em - pfindung, weichen die Insecten gar sehr von den übrigen Thieren ab, so daß ihnen sogar manche Na - turforscher verschiedene von unsern fünf äußern Sin - nen, zumahl das Gehör und den Geruch, ohne Grund haben absprechen wollen; da man doch jenes bey vie - len, die einander zur Paarungszeit durch einen beson - dern Laut locken, und diesen bey noch weit mehreren, die ihren versteckten Fraß auswittern, unverkennbar wahrnimmt.

§. 126.

Die Augen der Insecten sind vorzüglich merk - würdig. und zwar in Rücksicht ihres Baues von zwey - facher Art. Die einen sind große Halbkugeln, die aber meist aus Tausenden von Facetten, bey einigen auch aus zahlreichen kegelförmigen Spitzen bestehen, die auf der innern Seite mit einem theils buntfarbigen oder glänzenden Anstrich überzogen sind. Die mehre - sten geflügelten Insecten, aber auch manche ungeflü - gelte, wie der Flußkrebs, Hummer ꝛc. haben derglei - chen. Die Augen der andern Art (stemmata, ocelli) sind einfach, klein, und so wohl in Rücksicht ihrer Anzahl als Lage verschieden. Die erstern scheinen mehr für die Ferne, so wie die letztern für die Nähe be - stimmt zu seyn; wenigstens reimt sich dieß damit, daß252 die Schmetterlinge in ihrem geflügelten, vollkomme - nen Zustande solche große componirte teleskopische Au - gen kriegen, da sie vorher als Raupen nur myopische kleine Augen hatten. Nur wenige Insecten, wie z. B. die Krebse, können ihre Augen bewegen.

§. 127.

Die Fühlhörner*)M. Ch. Gottl. Lehmann de antennis insectorum. Diss. I. II. London 1800. 8., die bey den verschiede - nen Gattungen, und bey manchen selbst nach der Se - xualdifferenz derselben, sehr vielartig gestaltet sind, und die manche Naturforscher für Organe des Geruchs oder des Geschmacks ꝛc. angesehen haben, scheinen doch nichts wetter zu seyn, als was ihr Nahme andeutet, Werkzeuge des Tastens, Sonden, Tangenten, die ihnen bey ihrer harten, unempfindlichen, äußern De - cke, und den mehresten auch bey der Unbeweglichkeit ihrer Augen doppelt wichtig werden. Die Insecten scheinen das feinste Gefühl in ihren Antennen, wie wir in den Fingerspitzen zu haben; und da sie größ - tentheils im Dunkeln leben, dadurch, so wie Blinde, den Mangel des Lichts durch feines Gefühl zu ersetzen. Hingegen ist der allgemeine Hauptzweck der so ge - nannten Freßspitzen (palpi), die meist neben den Freßwerkzeugen der Insecten sitzen, und nur wenigen gänzlich zu fehlen scheinen, und die auch von manchen für Sinnwerkzeuge dieser Thiere gehalten worden, noch sehr räthselhaft.

§. 128.

Im innern Körperbau**)Swammerdam Biblia naturae. Leid. 1737. fol. Lyonet traité anatomique de la chenille qui ronge le bois de saule, à la Haye 1762. 4. weichen die In - secten gar sehr von den rothblütigen Thieren ab.

253

Was man z. E. bey den Raupen für ihr Herz angesehen hat, das ist ein langer Canal von ungleicher Weite, der längs des Rückens liegt, aus welchem aber nicht eine einzige Ader entspringt, so, daß folglich auch die Ernährung bey diesen Insecten auf eine ei - gene, von der Nutrition der rothblütigen Thiere ganz verschiedene Art vor sich gehen muß.

Hingegen sind sie mit unzähligen Luftröhren vom erstaunenswürdigsten, feinsten Bau, und mit äußerst zahlreichen Muskeln, die aber auch sowohl in der Bildung als in der Farbe von den Muskeln der rothblütigen Thiere abweichen, versehen.

§. 129.

Ungeachtet die Insecten eben so wohl als die roth - blütigen Thiere, des Umsatzes von Kohlenstoff gegen Sauerstoff (§. 24) zur Erhaltung ihres Lebens bedür - fen; so bemerkt man doch nur bey wenigen (wie z. B. bey den Krebsen, Heuschrecken und manchen Cicaden und Käfern ꝛc. ) eine dem Athemhohlen ähnliche Bewe - gung. Überhaupt aber schöpft kein Insect seine Luft durch den Mund, sondern durch mancherley andere spi - racula*)S. Handbuch der vergleichenden Anatomie S. 266. u. f.. Auch können die meisten weit länger als jene rothblütigen Thiere im sogenannten luftleeren Raume aushalten; und viele leben in der, den so eben genannten Thieren so schädlichen, mephitischen Luft, worin animalische und vegetabilische Stoffe faulen ( dem gekohlten Wasserstoffgas ꝛc. ) gleichsam als in ihrem Elemente.

254

§. 130.

Überhaupt ist der Aufenthalt der Insecten auf und unter der Erde*)Hingegen hat diese Classe nach Verhältniß der fast zahllosen Menge ihrer Gattungen wenige Wasserthiere: und nahment - lich finden sich ihrer nur sehr wenige im Ocean, der dagegen den bey weiten allermehrsten Gattungen der vorigen und nächst - folgenden Thierclasse zum Aufenthalt angewiesen ist. weit unbeschränkter, als der von irgend einer andern Thierclasse. Es sind fast auf allen warmblütigen Thieren welche anzutreffen, und sogar größere Insecten, wie z. B. Käfer, Bienen ꝛc. haben selbst wieder ihre besondern Milben und Läuse. Auch sind wohl nur wenige Gewächse (etwa der Ta - xus, der Sevenbaum, und die mehrsten Laubmoose ꝛc. ), die gar keinen bekannten Insecten zur Wohnung und Aufenthalt dienen. Da hingegen manche, wie z. B. die Eiche, von mehr als einem hundert verschiedener Gattungen von Insecten bewohnt und besucht werden. So allgemein aber die Insecten, im Ganzen ge - nommen, über die ganze Erde verbreitet sind, so streng ist doch dagegen vielen einzelnen Gattungen ihr ganz besonderer, eingeschränkter Aufenthalt auf bestimmten Thieren oder Pflanzen, und deren einzelnen Theile angewiesen.

§. 131.

Nur wenige Insecten leben in gesellschaftli - cher Verbindung, und leisten einander in ihren Geschäften wechselseitige Hülfe. Die allermeisten ge - hen einzeln und isolirt ihren Verrichtungen nach und manche, die wie die Spinnen in zahlreicher Gesellschaft jung worden sind, zerstreuen sich bald nachher, und leben einsiedlerisch, so daß viele außer der Begat -255 tungszeit kein anderes Geschöpf ihrer Art wieder zu sehen kriegen.

§. 132.

Der überaus merkwürdigen Gebäude, Woh - nungen ꝛc., die sich so viele Insecten zu verfertigen wissen, ist schon oben bey Anlaß der Kunsttriebe (§. 36) Erwähnung geschehen. Es sind wenige Thiere dieser Classe, die nicht wenigstens ein Mahl, in einer ge - wissen Periode ihres Lebens Proben dieser natürlichen Kunstfähigkeit ablegen sollten, indem sie entweder, wie die Kleidermotten und Frühlingsfliegen, in ihrer unvollendeten Gestalt, als Larven sich ein Gehäuse zum Aufenthalte und zum Schutze verfertigen; oder sich, um die Verwandlung und den langen Todes - schlaf zu bestehen, ein Lager bereiten, sich einspin - nen ꝛc., oder die, sich wie die Ameisenlöwen Fallen, und wie die Spinnen Netze für ihren Raub verferti - gen; oder die wie manche Masserkäfer und Spinnen, zur Sicherheit für ihre Nachkommenschaft, Säcke oder Nester zubereiten, denen sie ihre Eyer anvertrauen können. Manche von denen, die in gesellschaftlicher Verbindung leben, bauen sich mit vereinten Kräften, und nach den Gesetzen einer äußerst regelmäßigen, ih - nen angebornen Meßkunst, gemeinschaftliche Woh - nungen u. s. w.

§. 133.

Bey der Ernährungsart der Insecten sieht man offenbar, daß dieselbe nicht, wie bey den aller - mehrsten rothblütigen Thieren, bloß auf ihre Selbst - erhaltung, sondern hauptsächlich darauf abzweckt, daß sie organisirte Materie consumiren sollen. Sie256 müssen essen, nicht bloß um satt zu werden, sondern um zugleich Aas zu verzehren, um selbst wieder ande - re lebendige Insecten aufzureiben ꝛc., um Unkraut zu vertilgen u. s. w. eine große Bestimmung, zu de - ten Erfüllung außer der fast zahllosen Menge der Gat - tungen überhaupt, sehr vielen von diesen speciebus, theils ihre äußerst starke Vermehrung, theils ihre bey - spiellos heftige Freßgierde und schnelle Verdauung bey einem sehr kurzen Darmcanal zu Statten kommt. Man weiß z. B., daß eine Raupe in 24 Stunden das Tri - plum ihres eigenen Gewichts verzehren kam. Auch sind die Freßwerkzeuge der Insecten vielartiger als in irgend einer andern Thierclasse: da manche mit seitwärts beweglichen gezähnelten Kinnladen und Freß - zangen (maxillae); andere mit einem zugespitzten horn - artigen Bohrrüssel (rostrum); andere mit einem flei - schigen Schlurfrüssel mit breiter Mündung (probos - cis); manche mit einer spiralförmig aufgerollten (soge - nannten) Zunge ꝛc. versehen sind.

§. 134.

Vor den Nachstellungen ihrer Feinde sind einige Insecten, wie z. B. die Spannraupen durch ihre täuschende Gestalt; andere dadurch, daß sie einer - ley Farbe mit den Gewächsen haben, worauf sie le - ben*)Einige auffallende Beyspiele davon s. in Abbot's lepidopterous insects of Georgia vol. I. tab. 5. und vol. II. tab. 99., folglich weniger darauf abstechen, und nicht so leicht bemerkt werden können; andere auch wohl durch den heftigen Geruch, den sie im Nothfall ver - breiten können; andere durch die Macht des gesell -257 schaftlichen Lebens; noch andere durch ihre bewun - dernswürdige Stärke ꝛc. gesichert. Und manche sind gar mit Waffen, z. B. mit Hörnern wie Kneipzangen, oder mit Stachel und Gift versehen.

§. 135.

Auch bey der Fortpflanzung der Insecten zeigen sich ungemein viele eigene Sonderbarkeiten. So z. B., daß oft in einer und eben derselben Gattung die beyden Geschlechter einander so äußert unähnlich gebildet sind, daß man sie eher für ganz verschiedene Thierarten, als für zusammen gehörige Gatten halten sollte: oder daß unter den Bienen und andern ihnen verwandten Insecten immer die größte Anzahl gänzlich geschlechtlos ist; das heißt, daß sie gezeugt und geboren werden, ohne doch nach dem ordentlichen Laufe selbst die Bestimmung zur Empfängniß oder zur Zeu - gung zu haben.

§. 136.

Ferner hat die Begattung bey verschiedenen Insecten sehr viel Eigenes. Bey nicht wenigen Gat - tungen wird sie z. B. im Fluge vollzogen, und manche derselben sind, bloß für diese kurze Paarungszeit geflü - gelt. Überhaupt aber leben die mehresten in so fern in einer gezwungenen Monogamie; daß sie schlechter - dings nicht mehr als ein einziges Mahl in ihrem Leben sich paaren können: der Tod ist bey ihnen eine so un - ausbleibliche Folge der ersten Begattung; daß man sogar ihr Leben durch verzögerte Paarung verlängern kann.

§. 137.

Zu andern Sonderbarkeiten beym Fortpflanzungs - geschäfte der Insecten gehört auch, daß bey vielen;258 wie z. B. bey dem Cochenille Wurm, bey dem Sand - floh ꝛc. das trächtige Weibchen zu einer ganz ungeheu - ren Größe anwächst: so daß man z. B. rechnet, daß bey der weißen Ameise der Hinterleib der zum Gebäh - ren reifen Mutter auf 2000 Mahl dicker und größer ist als er vor der Befruchtung war.

§. 138.

Die mehresten Insecten legen Eyer, die von den Müttern nach einem bewundernswürdigen Instinct immer aufs genaueste an die bestimmten der künftigen jungen Brut angemessensten Orte gebracht werden. Manche legen z. B. ihre Eyer bloß in den Körper lebendiger Insecten anderer Art, in Raupen; oder in Puppen; oder gar in anderer Insecten ihre Eyer! denn wirklich kriecht zuweilen aus den Eyern der Rin - gelraupe statt der jungen Raupe eine eigene Art kleiner Mückchen aus.

Auch sind die Insecten-Eyer zum Theil, zumahl bey den Schmetterlingen, von einer überaus mannig - faltigen sonderbaren Bildung und Zeichnung, und wenn sie von der Mutter an die freye Luft gelegt werden, mit einer Art Firniß überzogen, damit sie weder vom Regen abgespühlt, noch durch andern Zufall leicht zerstört werden können. Einige wenige Insecten gebähren lebendige Junge, und manche, wie die Blattläuse, pflanzen sich auf beyderley Weise fort.

§. 139.

Ein äußerst merkwürdiges Phänomen, das fast bloß dieser Thierclasse eigen, wenigstens in den andern (§. 72. Anm. 94. 116. ), bey weiten nicht so auffal - lend wird, ist ihre Metamorphose. Es kommt259 nähmlich kein einziges geflügeltes Insect unmittelbar aus dem Ey, sondern diese alle müssen sich ( so wie auch einige ungeflügelte ) erst in gewissen Lebens - epochen einer Art von Verwandlung unterziehen. Dabey wird nicht nur ihre äußere Gestattung, sondern zugleich ihr ganzer innerer Körperbau (gegen die gemeine Mei - nung) auf eine Weise umgebildet*)Lyonet chenille de faule. p. 585 u. f. die sich schwerlich mu der vorgeblichen Präexistenz präformirter Keime (§. 7.) zusammen reimen läßt**)Sollte der Schmetterling schon in der Raupe präformirt ge - wesen seyn, so müßte man doch wohl wenigstens erwarten, daß sich aus ahn ichen Raupen auch ähnliche Schmetterlinge entwickelten. So aber kommen z. B. aus manchen Ameri - kanischen Raupen, die manchen Europäischen aufs täuschendste ähneln, doch ganz anders gestaltete Schmetterlinge: und an - dererseits entstehen manche einander auffallend ähnliche Schmet - terlinge dieser beyden Welttheile aus ganz verschieden gestalte - ten Raupen. s. Dr. J. Ed. Smith in Abbot's ange - führtem Werke. I. B. S. 5..

§. 140.

In der Gestalt, wie diese Insecten, die sich einer Metamorphose unterziehen, zuerst aus dem Ey kriechen, heißen sie Larven. Meist kommen sie äußerst klein ans Licht, so daß z. B. eine erwachsene Weidenraupe 72,000 Mahl schwerer wiegt, als da sie eben aus dem Ey gekrochen war. Dagegen wachsen sie aber auch desto schneller, so daß z. B. die Maden der blauen Schmeiß - fliege 24 Stunden nach dem Auskriechen schon 155 Mahl schwerer sind, als da sie aus dem Ey kamen.

Theils haben diese Larven Füße, wie die Raupen und Engerlinge: theils aber keine; wie die Maden. Flügel haben sie gar noch nicht. Auch sind sie in diesem Zustande zur Fortpflanzung noch gänzlich unfähig: sie260 ernähren sich bloß, und wachsen, und häuten sich mitunter einige Mahl.

§. 141.

In der Gestalt, worein die Larve umgebildet wird, heißt sie Nymphe. Manche können sich wäh - rend dieses Zustandes herum bewegen, auch Nahrungs - mittel zu sich nehmen. Andere hingegen verschließen sich als Puppe (chrysalis, aurelia), und bringen diesen Theil ihres Lebens in einem betäubenden Todes - schlaf, ohne Nahrungsmittel, und ohne sich von der Stelle zu bewegen, zu.

§. 142.

Allein während der Zeit, da das Geschöpf so ganz fühllos und erstarrt in seiner Hülse vergraben scheint, geht mit ihm selbst die große Palingenesie vor, daß es aus seinem Larvenstand zum vollkommenen Insect (insectum declaratum, imago) umgebildet wird, und zu bestimmter Zeit aus seinem Kerker her - vorbrechen kann. Manche Insecten absolviren diese letzte Rolle ihres Lebens in einer sehr kurzen Zeit. Ver - schiedene bringen, wenn sie aus ihrer Hülse kriechen, nicht ein Mahl einen Mund mit zur Welt, sie fressen nicht mehr, sie wachsen nicht weiter; jene beyden Be - stimmungen eines organisirten Körpers hatten sie schon als Larven erfüllt; jetzt ist ihnen nur noch die dritte übrig: sie sollen ihr Geschlecht fortpflanzen, und dann der Nachkommenschaft Platz machen, und sterben.

§. 143.

Die unmittelbare Brauchbarkeit der Insec - ten für den Menschen ist ziemlich einfach: dagegen261 aber ist der Antheil, den diese kleinen wenig bemerk - ten Thiere an der großen Haushaltung der Natur haben, desto mannigfaltiger und ganz unermeßlich. Sie sind es, die unzählige Arten von Unkraut theils im Keim ersticken, theils, wenn es auch aufgewachsen ist, vertilgen, und seinem fernern Wuchern vor - beugen. Einen andern ebenfalls äußerst wichtigen Nu - tzen leisten so viele Insecten, die sich von Aas nähren, im Miste leben u. s. w. und die dadurch, daß sie diese widrigen animalischen Substanzen aufzehren, zerstreuen und durchwirken, von der einen Seite der Insec - tion der Luft vorbeugen, und von der andern die allgemeine Düngung des Erdreichs befördern. Aus jener Rücksicht werden z. B. die Schmeißfliegen in den heißen Erdstrichen so wohlthätig. Andererseits be - fördern auch unzählige Insecten die Befruchtung der Gewächse, auf überaus merkwürdige Weise*)Chr. Conr. Sprengels endecktes Geheimniß der Natur im Bau und in Befruchtung der Blumen. Berlin 1793. 4., und eine Gattung von Gallwespen benutzt man zur Zeiti - gung der Feigen. Verschiedenartige Insecten werden von den Fischern zu Angelköder gebraucht. Manche Thiere dieser Classe, wie die Krebse, und einige Gat - tungen von Heuschrecken ꝛc. sind eßbar. So der Ho - nig der Bienen, aus welchem auch in manchen Ge - genden von Europa so wie im Innern von Afrika der Meth gewonnen wird. Die Seide nutzt zur Klei - dung und mancherley anderem Gebrauch. Verschiedene Insecten geben treffliche Farben, wie die Cochenille den Scharlach ꝛc. Die Galläpfel werden zur Tinte, und Wachs zu Kerzen und vielerley andern Gebrauch262 benutzt. So das Lack, ein Product gewisser Offindi - scher Schildläuse, das zu Firniß, zum Siegellack u. s. w. verbraucht wird. Für die Arzney sind vorzüg - lich die Spanischen Fliegen, die Kellevesel und die Amei - sen von Belange, und neuerlich sind auch die soge - nannten Maywürmer, von Neuem als Hülfsmittel ge - gen den tollen Hundsbiß, so wie manche andere Käfer gegen Zahnweh, gepriesen worden.

§. 144.

So unermeßlich der Nutzen der Insecten ist, so ist aber auch andererseits der Schaden sehr erheblich, den viele Gattungen derselben anrichten. Viele sind den Feldfrüchten überhaupt gefährlich, verursachen Mißwachs, und verheeren, wie die Zug-Heuschre - cken, junge Saat, und alles, wo sie auffallen. Manche sind besonders dem Getreide nachtheilig; an - dere, wie so viele Raupen, Erdflöhe, Engerlinge ꝛc. den Gartengewächsen; andere Raupen und Käfer - larven ꝛc. den Obstbäumen; die Schildläuse beson - ders der Orangerie; die Larven einiger Derme - stes-Gattungen und die Holzraupen den Holzun - gen; die Ameisen, Grasraupen ꝛc. den Wiesen; die Brot Schaben den Victualien; die weißen Ameisen ꝛc. dem Hausgeräthe ꝛc. ; die Kleidermotten der Wolle, dem Pelzwerk u. s. w. Die Larven vieler kleiner Käferchen den Büchern und Naturalien - sammlungen. Endlich werden auch einige Arten von sogenanntem Ungeziefer dem Menschen selbst, so wie den Pferden, Schafen, Hühnern und andern Hausthieren, ja sogar verschiedenen nutzbaren Insec - ten, den Bienen, Seidenwürmern ꝛc. auf unmittel -263 bare Weise lästig; und andere, wie manche Skorpio - ne ꝛc. durch ihr Gift, furchtbar.

§. 145.

In der systematischen Anordnung folge ich in dieser Classe dem Entwurf des R. Linné, wie es die Einrichtung eines solchen, besondere auch zu halbjährigen Vorlesungen über die ganze N. G. be - stimmten, Handbuchs wohl nicht anders gestattet.

I. Ordn. Coleoptera, Käfer. Meist mit horn - artigem Körper. Die Flügel falten sich in der Ruhe zusammen, und sind mit zwey hornarti - gen Decken oder Scheiden belegt, die sich in der Mitte in gerader Linie an einander schließen.

II. Hemiptera. Mit vier entweder kreuzweis zu - sammen gelegten oder gerade ausgestreckten, meist zur Hälfte harten, fast pergamentähnlichen Flü - geln ꝛc. Theils haben sie Freßzangen, theils einen spitzigen Bohr-Rüssel.

III. Lepidoptera, Schmetterlinge. Mit weichem behaarten Körper, und vier ausgespann - ten Flügeln, die mit bunten Schuppen bedeckt sind.

IV. Neuroptera. Mit vier durchsichtigen, netzför - migen oder gegitterten Flügeln.

V. Hymenoptera. Mit vier durchsichtigen gea - derten Flügeln.

VI. Diptera. Die Insecten mit zwey (unbedeckten) Flügeln.

VII. Aptera. Die völlig ungeflügelten.

264

Zur N. G. der Insecten.

  1. Th. Mouffet theatrum insectorum Lond 1634. Fol.
  2. Jo. Raii historia insectorum. Lond. 1710. 4.
  3. Jo. Swammerdam algeméene Verhandeling van de bloede - loose Dieckens. Utr. 1669. 4.
  4. Ej. biblia naturae. LB. 1737. Fol.
  5. Mar. Sib. Merian metamorphosis insectorum Surinamen - sium. Amst. 1705. Fol. max.
  6. Jac. l'Admiral iun. gestaltverwisselnde gekorvene Diertjes. Amst. 1740. Fol.
  7. Joh. Leonh. Frisch Beschreibung von allerhand In - secten in Deutschland. Berl. 1720 38. XIII. Th. 4.
  8. G. W. Panzer's Insectenfaune Deutschlands seit 1795. 12. Index entomologicus in Panzeri faunam insectorum Ger - manie P. I. 1813.
  9. Aug. Joh. Rösel monathliche Insecten-Belustigun - gen. Nürnb. 1746 61 IV. B. 4.
  10. Chr. Fr. E. Kleemann Beyträge dazu. Ebendas. seit 1761. 4.
  11. V. Linné fundamenta entomologiae. Ups. 1767. 4. it. im VII B. von Linnés amoenitatib. academic.
  12. J. H. Sulzers Kennzeichen der Insecten. Zürich 1761. 4.
  13. Dess abgekürzte Geschichte der Insecten. Winterthur 1776. 4.
  14. Jac. Chr. Schaeffer elementa entomologica. Ratish. 1766. 4.
  15. Ej. icones insectorum Ratisbonensium. ib. 1767. 4.
  16. Jo. Ant. Scopoli entomologia Carniolica. Vindob. 1763. 8.
  17. Jo. Chr. Fabricii philosophia entomologica. Hamburg. 1778. 8.
  18. Ej. sistema entomologiae. Flensb. 1775. 8.
  19. Ej. genera insectorum Kilon. 1776. 8.
  20. Ej. species insectorum. Hamb. 1781. II. vol 8.
  21. Ej. entomologia systematica. Hafn. 1793. V. vol. 8.
  22. P. A. Latreille histoire naturelle des insectes. Par. 1804. XIV. vol. 8. (als Forts. der Sonninischen Ausg. von Büffon.)
  23. de Reaumur histoire des insectes. Par. 1734 1742. VI. vol. 4.
  24. de Geer histoire des insectes. Stockh. 1752. 1778. VII. vol. 4.
  25. Ej. genera et species insectorum; extraxit A. J. Retzius. Lips. 1783. 8.
  26. 265
  27. Geoffroy histoire des insectes des environs de Paris. Par. 1762. II. vol. 4.
  1. Lesser theologie des insectes (trad. de l'allemand) avec des remarques de P. Lyonet. à la Haye. 1742. II. vol. 8.
  1. J. G. Scriba Beyträge zur Insectengeschichte Frkf. seit 1790. 4.
  1. Magazin für Insectenkunde, herausgegeben von K. Illiger. Braunschw. seit 1801. 8.
  1. Nic. Jos. Brahm Insecten-Kalender. Mainz. 1790. II. Th. 8.

Anm. Manchem Insectensammler kann wohl die Nach - richt interessant seyn, daß ein hiesiger geschickter Na - delmacher, Hr. Fehler, nicht nur Insectennadeln von vorzüglicher Güte verfertigt, sondern auch mit Eifer und Kenntniß die Insecten der hiesigen Gegend sammelt und Liebhabern gerne mittheilt.

266

I. COLEOPTERA, s. Vaginipennia. (Eleutherata Fabr.)

Die Thiere dieser Ordnung*)Jo. Eus. Voet catalogue systematique des coleopteres, à la Haye 1766 u. f. 4.Gu. Ant. Olivier entomologia. Par. seit 1789. 4.Deutsch mit Zusätzen und Anmerkungen von K. Illi - ger. Braunschw. seit 1800. 4.J. Ch. Fabricii systema Eleutheratorum. Kil. 1801. II. vol. 8. werden überhaupt Käfer genannt, ob man gleich diesen Nahmen auch dem ersten Geschlechte ins besondere beylegt. Die Larve hat Freßzangen, und bey den mehresten Ge - schlechtern sechs Füße, die an der Brust sitzen: bey ei - nigen, wie unter den Holzböcken, ist sie ohne Füße (eine Made). Sie verpuppt sich mehrentheils unter der Erde in einer ausgehöhlten Erd-Scholle: oder aber, wie bey den genannten Holzböcken, im Hohe. Das vollkommene Insect kriecht zwar weich aus der Puppe; seine Haut verhärtet aber in kurzer Zeit an der Luft; es hat so wie die Larve Kinnladen am Kopfe, und ist mit harten hornartigen Flügelde - cken (elytra) versehen.

1. Scarabaeus, Käfer. (Fr. hanneton. Engl. beetle.) Antennae clavatae capitulo fissili. Ti - biae anticae saepius dentatae.

1. Hercules. (Geotrupes Hercules. F.) S. scu - tellatus, thoracis cornu incurvo maximo; sub - tus unidentato, capitis recurvato; supra multi - dentato.

Rösel vol. IV. tab. 5. fig. 3.

In Brasilien. Die Larve einen starken Daumen267 dick. Der Käfer variirt in der Farbe, meist schmutzig - grün ꝛc.

2. Actaeon. (Geotrupes A. F.) S. scutellatus thorace bicorni, capitis cornu unidentato, apice bifido.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. A. fig. 2.

Hat gleiches Vaterland mit dem vorigen.

3. . Lunaris. (Copris L. F.) S. exscutellatus, thorace tricorni; intermedio obtuso bifido, capitis cornu erecto clypeo emarginato.

Frisch P. IV. tab. 7.

Auf Wiesen und Viehweiden, vorzüglich im Kuh - mist, aus dem er, wie andere verwandte Käfer - gattungen, hohle Kugeln formt, die er einzeln un - ter die Erde verscharrt, an Graswurzeln befestigt und in jede ein einziges Ey legt.

4. . Nasicornis. (Geotrupes N. F.) der Nas - hornkäfer. S. scutellatus, thorace promi - nentia triplici, capitis cornu incurvato, an - tennis heptaphyllis.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 7. fig. 8, 10.

Der größte hierländische Käfer, fliegt selten; als Engerling findet er sich häufig in Gerberlohe und in hohlen Bäumen; und thut in manchen Gegenden den Reben großen Schaden.

5. . Sacer. (Ateuchus S. F.) S. exscutellatus, clypeo sex-dentato, thorace inermi crenula - to, tibiis posticis ciliatis, vertice subbiden - tato.

Sulzers Gesch. tab. I. fig. 3.

Nahmentlich häufig in Ägypten, wo er von den alten Ägyptiern als das heiligste ihrer mythischen Symbole, als Sinnbild der Ober - und Unterwelt verehrt, und auf ihren Obelisken, Mumiensarco - phagen und mancherley andern Kunstwerken vorge - stellt worden. Besonders hat man ihn auf die Rück -268 seite der Ägyptischen (und auch der Etruskischen) ge - schnittenen Steine ausgeschnitzt, die deßhalb - ferrücken oder Scarabäen genannt werden.

6. . Fimetarius. (Aphodius F. F.) S. scutella - tus, thorace inermi, capite tuberculato, ely - tris rubris, corpore nigro.

Frisch P. IV. tab. 19, fig. 3.

Im Kuhmist.

7. . Stercorarius, der Roßkäfer. (Engl. the dung-beetle.) S. scutellatus, muticus, ater, glaber; elytris sulcatis; capite rhombeo; ver - tice prominulo; antennis rubris.

Frisch P. IV. tab. 6, fig. 3.

Besonders im Pferdemist; daher häufig auf Fahr - wegen. Wenn er an heitern Sommerabenden her - um fliegt, so ist meist auch für den folgenden Tag gut Wetter zu erwarten.

8. . Vernalis, der Mistkäfer. S. scutellatus muticus, elytris glabris laevissimis, capitis clypeo rhombeo, vertice prominulo, anten - nis nigris.

Sulzers Gesch. tab. 1, fig. 6.

Häufig im Schafmist.

9. . Horticola. (Melolontha H. F.) der Gar - tenkäfer. S. scutellatus muticus, capite tho - raceque caeruleo subpiloso, elytris griseis, pedibus nigris.

Frisch P. IV. tab. 14.

Zumahl an den Obstbäumen ꝛc.

10. . Melolontha. (Melolontha vulgaris F.) der Maykäfer, Kreuzkäfer. (Engl. the May-chaffer, Cock chaffer.) S. scutellatus muticus testaceus, thorace villoso; cauda in - flexa, incisuris abdominis albis.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 1.

269

Eins der gemeinsten Insecten, das vier Jahre lang als Engerling oder Glime unter der Erde lebt, sich von den Getreidewurzeln ꝛc. nährt, und zuwei - len allgemeinen Mißwachs verursacht hat*)Wie z. B. im Jahre 1479, da die Engerlinge deßhalb in ei - nem förmlichen Monitorio vor das geistliche Recht gegen Lau - sanne citirt wurden, das ihnen zwar einen Defensor von Freyburg zugestand, sie selbst aber nach genauer Abhörung beyder Parteyen, und reiflicher Überlegung ganz ernstlich in den Bann that. S. Mich. Stettlers Schweizer-Chro - nik. S. 278. u. f.. Im sechsten Jahr kommt es endlich als Maykäfer zum Vorschein, und schadet in dieser Gestalt dem jun - gen Laub, besonders an Obstbäumen.

11. . Solstitialis. (Melolontha S. F.) der Brach - käfer, Juniuskäfer, Johanniskäfer. S. scutellatus muticus testaceus, thorace villoso, elytris luteo-pallidis pellucidis; lineis tribus al - bis parallelis.

Frisch P. IX. tab. 15, fig. 3.

Auch dieses Käfers Larve thut in manchen Jahren der Saat großen Schaden.

12. . Auratus. (Cetonia aurata. F.) der Goldkä - fer, Rosenkäfer. S. scutellatus muticus au - ratus, segmento abdominis primo lateribus uni - dentato, clypeo planiusculo.

Frisch P. XII. tab. 3, fig. 1.

Die Larve und Puppe findet sich häufig in Amei - senhaufen und hohlen Baumstämmen. Der schöne Käfer selbst aber in Gärten ꝛc. Man hat Beyspiele, daß er sich über 8 Jahr lebendig erhalten und mit angefeuchteten Brotrinden füttern lassen.

2. Lucanus. Antennae clavatae; clava com - pressa latere latiore pectinato fissili. Maxillae porrectae, exsertae, dentatae.

1. . Cervus, der Hörnschröter, Wein - schröter. (Fr. le cerf-volant. Engl. the270 stag beetle.) L. scutellatus; maxillis exsertis, apice bifurcatis, latere unidentatis.

Rösel vol. II. Erdkäf. I. tab. 5.

Nächst dem Krebsen das größte Deutsche Insect, lebt vorzüglich in Eichenwäldern. Nur das Männ - chen hat die Geweihen ähnelnden Kneipzangen am Kopfe.

3. Dermestes. Antennae clavatae: capitulo perfolio; articulis tribus crassioribus. Thorax convexus, vix marginatus. Caput sub thorace inflexum latens.

1. . Lardarius, der Speckkäfer. D. niger elytris antice cinereis, punctis nigris.

Frisch P. V. tab. 9.

Larve und Käfer nähren sich von fetten, weichen Theilen todter Thiere.

2. . Pellio. D. niger coleoptris punctis albis binis.

Zieht sich zumahl nach Pelzwerk, ausgestopften Thieren u. s. w.

3. . Typographus, (Bostrichus T. F.) der Borkenkäfer, Fichtenkäfer, Fichten - krebs, Holzwurm. D. testaceus pilosus elytris striatis retusis praemorso-dentatis.

v. Trebra in den Schr. der Berl. Ges. Na - turforsch. Freunde. IV. B. tab. 4.

Das den Fichtenwaldungen neuerlich auf dem Harz und in mehreren Gegenden Deutschlands so furchtbar gewordene Thier; das im Splint der Fichten (Pinus abies) theils in solcher Menge hau - set, das man wohl in einem mäßigen Baume über 80,000 seiner Larven gezählt hat. Bey der dadurch verursachten Wurmtrockniß stirbt der Baum vom Wipfel herunter ab, seine Nadeln werden roth, er verliert sein Harz, und taugt dann nicht einmahl271 so gut wie sonst zum Verkohlen, geschweige als Bau - oder Brennholz.

4. . Piniperda. (Hylesinus P. F.) der Tan - nenkäfer, schwarze fliegende Wurm. D. niger subvillosus, elytris piceis integris, plantis rufis.

Kaum halb so groß als die vorige Gattung.

5. . Paniceus. (Anobium P. F.) der Brot - käfer. D. oblongus, ferrugineus, oculis rufis.

Frisch P. I. tab. 8.

Seine Larve verzehrt zumahl das Brot, wird daher nahmentlich auf weiten Seereisen dem Schiffs - zwieback sehr gefährlich, und ist auch einer der schädlichsten Bücherwürmer.

4. Ptinus. Kümmelkäfer. (Fr. pannache, urillette.) Antennae filiformes; articulis ultimis majoribus. Thorax subrotundus, immarginatus, caput excipiens.

1. . Pertinax. (Anobium P. F.) P. fuscus unicolor.

Hat seinen Nahmen daher, weil er, sobald man ihn berührt, die Füße anzieht, wie todt liegt, und lange durch keinen Reitz von der Stelle zu treiben ist.

2. . Fur. P. testaceus, subapterus, thorace quadridentato, elytris fasciis duabus albis.

Sulzers Gesch. tab. 2, fig. 8.

Eins der furchtbarsten Thiere für Naturaliensamm - lungen, Hausgeräthe und Pelzwerk.

3. . Fatidicus. (Anobium tesselatum. F.) die Todtenuhr, der Klopfkäfer. (Engl. the death-watch.) P. fuscus subpilosus griseo irregulariter maculosus.

Philos. Transact. N. 271, 291.

272

Eine der sehr verschiedenen Insectenarten, die durch den klopfenden Laut, womit die Gatten ein - ander zur Paarungszeit locken, zu mancherley Volks - aberglauben Anlaß gegeben haben.

5. Hister. Antennae capitatae capitulo soli - diusculo; infimo articulo compresso, decurva - to. Caput intra corpus retractile. Os forcipa - tum. Elytra corpore breviora. Tibiae anticae dentatae.

1. . Unicolor. H. totus ater, elytris substriatis.

Sulzers Kennzeichen tab. 2, fig. 8, 9.

In sandigem Boden und auf Viehweiden.

6. Gyrinus. Antennae clavatae; rigidae, capi - te breviores, oculi 4, duobus supra, duobus infra.

1. . Natator, der Schwimmkäfer. G. sub - striatus.

Sulzers Gesch. tab. 2, fig. 10.

Schwimmt mit großer Schnelligkeit auf der Oberfläche des Wassers. Im Tauchen hat er eine Luftblase am Hintern; gibt einen widrigen Geruch von sich.

7. Byrrhus. Antennae clavatae subsolidae, subcompressae.

1. . Museorum. (Anthenus M. F.) B. nebulo - sus, elytris subnebulosis puncto albo.

In Pelzwerk, ausgestopften Thieren ꝛc.

8. Silpha. Antennae extrorsum crassiores. Elytra marginata. Caput prominens. Thorax planiusculus, marginatus.

1. . Vespillo. (Necrophorus V. F.) der Tod - tengräber. (Fr. le fossoyeur.) S. oblonga273 atra, clypeo orbiculato inaequali, elytris fascia duplici aurantia.

Frisch P. XII. tab. 3, fig. 2.

Sie haben ihren Nahmen von der besondern Ge - schicklichkeit, womit sie die Äser von kleinen Thie - ren, Maulwürfen, Fröschen ꝛc., die sie von wei - ten auswittern, unter die Erde zu vergraben, und ihre Eyer dahinein zu legen verstehen. Ihrer sechs sind wohl im Stande, einen todten Maulwurf binnen vier Stunden, einen Fuß tief in fetten Boden einzuscharren.

9. Cassida, Schildkäfer. Antennae subfili - formes, extrorsam crassiores. Elytra marginata. Caput sub thoracis clypeo plano reconditum.

1. . Viridis. C. viridis, corpore nigro.

Rösel vol. II. Erdkäf. III. tab. 6.

Auf Disteln, Feldmelde ꝛc. Die Larve und Pup - pe sind ganz flach und am Rande sonderbar ausge - zackt mit Spitzen versehen.

2. . Murraea. C. nigra, clypeo rubro, ely - tris sanguineis, punctis nigris sparsis.

Besonders häufig am Alant.

10. Coccinella, Sonnenkäfer, Marien - kuh, Sommerkind, Gotteslämmchen. (Fr. vache à Dieu, bête de la vierge. Engl. Lady-cow, Lady-bird.) Antennae subclava - tae, truncatae. Palpi clava semicordata. Cor - pus hemisphaericum, thorace elytrisque mar - ginatis, abdomine plano.

1. . 7. Punctata. C. coleopteris rubris; punc - tis nigris septem.

Frisch P. IV. tab. 1, fig. 4.

Ist neuerlich, so wie einige Rüsselkäfer - und Me -274 loë-Gattungen als wirksames Heilmittel bey man - cherley Zahnweh empfohlen worden.

2. . Bipustulata. C coleoptris nigris; punctis rubris duobus, abdomine sanguineo.

Frisch P. IX. tab. 16, fig. 6.

11. Chrysomela, Blattkäfer. Antennae moniliformes, extrorsum crassiores. Thorax, nec elytra, marginatus.

1. . Goettingensis. (Chrys. haemoptera. F.) C. ovata atra pedibus violaceis.

Panzer Faun. Germ. Heft 44, t. 3.

Häufig an der Schafgarbe.

2. . Minutissima. C. ovata nigra opaca.

Eins der kleinsten Käferchen. Kaum den dritten Theil so groß als ein Floh.

3. . Cerealis. C. ovata aurata, thorace lineis tribus, coleoptrisque quinque violaceis, ab - domine violaceo.

4. . Oleracea. (Galleruca O. F.) C. saltatoria (s. femoribus posticis crassissimis) virescenti - caerulea.

Ein schadliches kleines Thier, das so wie mehrere verwandte Gattungen unter dem Nahmen Erd - flöh - oder Erdfliegen bekannt ist.

5. . Merdigera. (Lema M. F.) der Lilien - käfer. C. oblonga rubra, thorace cylindrico utrinque impresso.

Sulzers Gesch. tab. 3, fig. 14.

In Allen, Mayblumen ꝛc. Die Larve bedeckt sich mit ihrem eigenen Unrath. Der kleine rothe Käfer, worein sie sich verwandelt, gibt, wenn man ihn in der hohlen Hand vors Ohr hält, mit seinen Flügeldecken einen durchdringenden hellen Laut von sich.

275

12. Hispa, Stachelkäfer. Antennae fusifor - mes, basi approximatae, inter oculos sitae. Thorax elytraque aculeata saepius.

1. . Atra. H. corpore toto atro.

Unter der Erde an Graswurzeln.

13. Bruchus. Antennae filiformes, sensim crassiores.

1. . Pisi, der Erbsenkäfer. C. elytris albo punctatis, podice albo maculis binis nigris.

Thut auch in Nordamerika dem Mais großen Schaden.

2. Nucleorum. B. cinereus, elytris striatis, fe - moribus posticis ovatis, dentatis, tibiis in - curvis.

Mém. de l'Ac. des Sc. de Paris 1771. tab. 2.

Im mittlern Amerika. Fast von der Größe des Goldkäfers. Ist oft mit dem weit kleinem Br. bac - tris verwechselt, und durchbohrt die steinharten, daumensdicken Nüsse der Cocos lapidea, woraus Knöpfe u. dergl. gedreht werden.

14. Curculio, Rüsselkäfer. (Fr. charanson.) Antennae subclavatae, rostro insidentes. Ro - strum corneum prominens.

Sie haben meist einen kurzen rundlichen, aber überaus hart gepanzerten Körper, und einen festen mehr oder weniger gebogenen Rüssel von verschiede - ner Länge. Es sind nachtheilige Thiere, von denen besonders die mit dem sehr langen Rüssel den Bäu - men, die übrigen aber den Feldfluchten und Gär - tengewächsen Schaden thun. Die Larven mancher Gattungen nennt man Pfeiffer.

1. Palmarum. (Calandra P. F.) der Palmhoh - rer. C. longiroster ater, thorace ovato pla - niusculo, elytris abbreviatis striatis.

Sulzers Kennz. tab. 3. fig. 20.

276

In beyden Indien. Hat fast die Größe des Horn - schröters. Die Larve nährt sich vom Sagumarke; wird aber selbst als ein schmackhaftes Gericht ge - gessen.

2. . Frumentarius, (Attelabus F. F.) der schwar - ze oder rothe Kornwurm, Reiter, Wip - pel. C. longiroster sanguineus.

Eine große Plage für die Kornböden. Er saugt das Mehl aus dem Korn und läßt die Hülse liegen. Das bewährteste Gegenmittel ist, die Fruchtböden und ihre Gebälke ꝛc. mit scharfer Seifensiederlauge besprengen und abfegen zu lassen. Nicht selten verbreitet er sich auch in Wohnzimmer und Betten.

3. . Granarius. (Calandra granaria. F.) C. lon - giroster piceus oblongus thorace punctato lon - gitudine elytrorum.

Auch auf Kornböden, in Mühlen ꝛc.

4. . Paraplecticus. (Lixus P. F.) C. longiroster cylindricus subcinereus, elytris mucronatis.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 7.

Auf Wasserpflanzen. Die Beschuldigung, daß er den Pferden Lähmung verursache, ist ungegrün - det, und trifft wohl die verdächtigen Pflanzen, aber nicht das darauf wohnende unschuldige Thier.

5. . Bacchus. (Attelabus B. F.) der Reben - sticher. C. longiroster aureus, rostro plan - tisque nigris.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

An Apfelbäumen, Weinstöcken ꝛc.

6. . Pomorum. C. longirostris femoribus anti - cis dentatis, corpore griseo nebuloso.

Frisch P. I. tab. 8.

Zerstört in manchen Jahren fast alle Apfelknospen.

7. . Nucum. (Rynchaenus N. F.) C. longiro -277 ster, femoribus dentatis, corpore griseo lon - gitudine rostri.

Rösel vol. III. Erdkäf. IV. tab. 67.

Macht die Haselnüsse wurmstichig.

8. Imperialis, der Juwelenkäfer. C. brevi - roster niger, elytris dentatis, sulcatis punctis excavatis, auro versicolore distinctis, abdo - mine aeneo viridi.

In Brasilien. Eins der prachtvollsten Insecten. Das gefärbte Gold in den unzähligen Grübchen, die reihenweise auf den Flügeldecken eingegraben sind, thut in hellem Lichte, zumahl unter dem Vergrö - ßerungsglase, eine unbeschreibliche Wirkung.

15. Attelabus. Caput postice attenuatum in - clinatum. Antennae apicem versus crassiores.

1. . Coryli. A. niger, elytris rubris.

Sulzers Kennz. tab. 4. fig. 25.

2. . Apiarius, (Trichodes A. F.) der Immen - wolf. A caerulescens, elytris rubris, fasciis tribus nigris.

Sulzers Gesch. tab. 4. fig. 4.

Ist häufig, wo viel Bienenzucht ist, thut in man - chen Jahren den Stöcken großen Schaden.

16. Cerambyx. Bockkäfer, Holzbock, (ca - pricornus). Antennae attenuatae. Thorax spino - sus aut gibbus Elytra linearia.

Manche Gattungen haben ungeheuer lange Fühl - hörner, einen ungemein starken Brustschild und Flü - geldecken, und ein überaus zähes Leben, so daß man angespießte Holzböcke noch nach vier Wochen lebendig gefunden hat. Meist leben sie in Holz, und geben Mittelst des Brustschildes, den sie an den Flü - geldecken reiben, einen knarrenden Laut von sich.

1. Longimanus. C. thorace spinis mobilibus,278 elytris basi unidentatis apiceque bidentatis, antennis longis.

Rösel vol. II. Erdkäf II. tab. 1 fig. a.

So wie die folgende Gattung in Südamerika.

2. Cervicornis. (Prionus C. F.) C. thorace mar - ginato dentata, maxillis porrectis coniformi - bus utrinque spinosis, antennis brevibus.

Rösel a. a. O. fig. b.

Noch größer als der vorige. Ebenfalls schön ge - zeichnet, mit Kneipzangen, fast wie am Hornschröter.

3. . Moschatus. C. thorace spinoso, elytris ob - tusis viridibus nitentibus, femoribus muticis, antennis mediocribus.

Frisch P. XIII. tab. 11.

Gibt einen bisamähnlichen Geruch von sich.

4. . Aedilis. (Lamia A. F.) C. thorace spino - so; punctis 4 luteis, elytris obtusis nebulosis, antennis longissimis.

Frisch P. XIII. tab. 12.

Die Fühlhörner sind wohl sechs Mahl so lang als das ganze Thier.

17. Leptura. Antennae setaceae. Elytra apicem versus attenuata. Thorax teretiusculus.

1. . Aquatica. (Donacia crassipes F.) L. deau - rata, antennis nigris, femoribus posticis den - tatis.

An allerhand Wasserpflanzen. Variirt in der Farbe.

18. Necydalis, Afterholzbock. Antennae setaceae. Elytra alis minora. Cauda simplex.

1. . Maior. (Molorchus abbreviatus F.) N. ely - tris abbreviatis ferrugineis immaculatis, an - tennis brevioribus.

19. Lampyris, Johanniswürmchen, (ci - cindela, nitedula). (Fr. ver luisant. Engl. glow -279 worm.) Antennae filiformes. Elytra flexilia. Tho - rax planus, semiorbiculatus, caput subtus oc - cultans cingensque. Abdominis latera plicato - papillosa.

Nur die Männchen sind geflügelt, und diese ha - ben zwey blaulich phosphorescirende lichte Puncte unten am Bauche. Ihre ungeflugelten Weibchen leuchten weit stärker als die Männchen, besonders um die Begattungszeit, da ihr Licht vermuthlich den Männchen zur Anzeige dient, sie aufzufinden. Einige Zeit, nachdem das Weibchen seine Eyer ge - legt hat (die selbst auch im Finstern leuchten) ver - liert sich der Schein bey beyden Geschlechtern.

1. . Noctiluca. L. oblonga fusca, clypeo ci - nereo.

Unter Wachholdersträuchen, Rosenbüschen ꝛc. Ein Paar in ein Gläschen gethan, leuchten hell genug, um dabey im Finstern lesen zu können.

20. Cantharis. Antennae setaceae. Thorax marginatus capite brevior. Elytra flexilia. Ab - dominis latera plicato-papillosa.

1. . Fusca. C. thorace marginato rubro, ma - cula nigra, elytris fusceis.

Die Larve dieses Thiers hält sich über Winter in der Erde auf, und kommt dann zuweilen, wenn es geschneyt hat, zu Tausenden hervorgekrochen, da ihre plötzliche Erscheinung auf dem frischen Schnee zu allerhand fabelhaften Sagen Anlaß gegeben.

21. Elater, Springkäfer, Schmied. (Fr. taupin. ) Antennae setaceae. Thorax retrorsum angulatus. Mucro pectoris e foramine abdomi - nis resiliens.

Diese Thiere sind wegen der sonderbaren Fertig - keit merkwürdig, mir welcher sie, wenn sie auf dem Rücken zu liegen kommen, sich in die Höhe zu280 schnellen, und wieder auf die Beine zu helfen wis - sen. Vorzüglich dient ihnen dazu ein Stachel, der vorn an der Brust befestigt ist, und in eine Rinne oben am Bauche paßt, aus der er heym Aufschnel - len mit Gewalt heraus schnappt; und dann die Spi - tzen, die rückwärts auf beyden Seiten des Brust - schildes heraus stehen, und mit den Flügeldecken auf eine ähnliche Weise eingelenkt sind.

1. Noctilucus, der Cucuyo. E. thoracis la - teribus macula flava glabra.

Im mittlern Amerika; wohl zwey Zoll lang. Die beyden gelben runden Flecken gegen die Seitenspi - tzen des Brustschildes leuchten stark im Finstern, und die Caraiben bedienten sich ehedem der Cucuyos und einiger anderer phosphorescirenden Insecten statt der Leuchten.

2. . Niger. E. thorace laevi, elytris, pedibus corporeque nigris.

Häufig auf Viehweiden.

22. Cicindela, Sandkäfer. Antennae seta - ceae. Maxillae prominentes denticulatae. Oculi prominuli. Thorax rotundato-marginatus.

Als Larven scharren sie sich in Sand, fast wie der Ameisenlöwe, um andern Insecten aufzulauern, und als Käfer wissen sie ihnen mit ausnehmender Schnelligkeit im Lauf und Flug nachzujagen.

1. . Germanica. C. viridis, elytris puncto lu - nulaque apicum albis.

23. Buprestes, Prachtkäfer. Antennae se - taceae, longitudine thoracis. Caput dimidium intra thoracem retractum.

1. . Gigantea. B. elytris fastigiatis bidentatis rugosis, thorace marginato laevi, corpore in - aurato.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 38.

In beyden Indien. Wohl Fingers lang.

281

2. . Chrysostigma. B. elytris serratis longitudi - naliter sulcatis, maculis duabus aureis impres - sis, thorace punctato.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 39.

3. . Viridis. B. elytris integerrimis sublineari - bus punctatis, thorace deflexo, viridi elon - gato.

Von der Farbe der Spanischen Fliege, oder nur ein Paar Linien lang. Die Larve richtete vor eini - gen Jahren in hiesiger Gegend große Verwüstung in jungen Rothbuchen-Stämmen an. Tödtete sie durch Zerstörung des Splints, worin sie geschlängel - le Gänge fraß.

24. Dyticus, Wasserkäfer, Fischkäfer, (hydrocantharus). Antennae setaceae aut clava - to-perfoliatae. Pedes postici villosi, natatorii submutici.

1. . Piceus. (Hydrophilus P. F.) D. antennis perfoliatis, corpore laevi, sterno carinato, postice spinoso.

Frisch P. II. tab. 6. fig. 1.

Eine der größten Gattungen. Wenn der Käfer seine Eyer legen will, so bereitet er dazu eine ar - tige längliche Hülse, die er mit einer braunen Sei - de überzieht, und die mit den eingeschlossenen Eyern wie ein Schiffchen auf dem Wasser schwimmt, bis die kleinen Larven ausgekrochen und im Stande sind, in ihr Element über Bord zu springen.

2. . Marginalis. D. niger, thoracis elytrorum - que margine flavis (mas).

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 42.

Ist (so wie vermuthlich die mehresten Gattungen dieses Geschlechts,) den Fischteichen gefährlich. Beym Weibchen ist die vordere Hälfte der Flügeldecken längs gefurcht.

282

25. Carabus, Laufkäfer. Antennae setaceae Thorax obcordatus apice truncatus marginatus. Elytra marginata.

Raubthiere in ihrer Art. Viele geben, wenn man sie anfaßt, einen widerlichen Saft von sich. Die wenigsten können fliegen; laufen aber desto schneller.

1. . Coriaceus. C. apterus ater opacus, elytris punctis intricatis subrugosis.

Sulzers Kennz. tab. 6. fig. 44.

2. . Auratus, der Goldhahn. C. apterus. elytris porcatis; striis sulcisque laevibus inau - ratis.

Häufig auf Feldern, Wiesen ꝛc.

3. . Sycophanta. (Calosoma S. F.) C. aureo nitens, thorace caeruleo, elytris aureo viridi - bus striatis, abdomine subatro.

Sulzers Gesch. tab. 7 fig. 1.

Der größte hierländische Laufkäfer.

4. . Crepitans, (Brachinus C. F.) der Bom - bardirkäfer. (Fr. le petard, Schwed. Styckjunkare.) C. thorace capite pedibusque ferrugineis, elytris viridi nigricantibus.

Schwedische Abhandl. 1750. tab. 7. fig. 2.

Ein kleines Käferchen. Wird besonders von der vorigen Gattung verfolgt, und ist dabey durch die von Dr. Rolander beschriebene ganz eigene Art de - kannt geworden, womit es sich gegen den C. inqui - sitor u. a. seiner Feinde zu vertheidigen sucht; da es ihnen mit einem merklich starken Laut einen blau - lichen Dunst entgegen schießt ꝛc.

5. . Spinipes, der Saatfresser. (C. gibbus E.) C. piceus, thorace linea excavata longi - tudinali, manibus spinosis.

Olivier T. III. tab. 12. fig. 142.

Die unterirdische Larve verursacht in manchen Jah - ren, wie z. B. 1776 in der Lombardey und 1812283 im Hallischen Saalkreise furchtbaren Mißwachs der jungen Getreidesaat. Der Käfer hält sich des Nachts in Menge auf den Ähren auf.

26. Tenebrio. Antennae moniliformes articu - lo ultimo subrotundo. Thorax plano-convexus, marginatus. Caput exsertum. Elytra rigidiuscula.

1. . Molitor. T. alatus niger totus, femoribus anticis crassioribus.

Frisch P. III. tab. 1.

Die Larven halten sich im Mehl auf, finden sich daher häufig in Mühlen und Beckhäusern, heißen Mehlwürmer, und geben das bekannte Nachti - gallenfutter ab.

2. . Mortisagus, (Blaps mortisaga. F.) der Todtenkäfer. T. apterus thorace aequali, coleoptris laevibus mucronatis.

Frisch P. XIII. tab. 25.

27. Meloë. Antennae moniliformes articulo ul - timo ovato. Thorax subrotundus. Elytra mollia flexilia, caput inflexum gibbum.

1. . Proscarabaeus, der Maywurm. (Fr. le scarabé onctueux, Engl. the oil-beetle.) M. apterus, corpore violaceo.

Frisch P. VI. tab. 6. fig. 5.

Ein weiches Thier, das bey gewaltsamer Berüh - rung einen stinkenden Saft aus den Kniegelenken der Beine fließen läßt.

2. . Vesicatorius, (Lytta vesicatoria F.) die spanische Fliege. (cantharis offic.) M. ala - tus viridissimus nitens, antennis nigris.

Das wichtige heilsame Geschöpf, das zum Bla - senziehen gebraucht wird.

28. Mordella. Antennae filiformes serratae. Caput deflexum sub collo (in territo). Palpi com - presso clavati, oblique truncati. Elytra deorsum284 curva apicem versus. Ante femora lamina lata ad basin abdominis.

Kleine Käferchen. Das ganze Geschlecht begreift nur wenige Gattungen, die sich noch dazu wenig zu vermehren scheinen.

1. . Aculeata. M. atra, ano spina terminato.

Sulzers Kennz. tab. 7. fig. 46.

29. Staphylinus. *)J. L. C. Gravenhorst coleoptera microptero etc. Brunsv. 1802. 8. Ej. monographia coleopterorum micropterorum, Geotting. 1806. 8.Antennae monilifor - mes. Elytra dimidiata. Alae tectae. Cauda sim - plex exserens duas vesiculas oblongas.

Sind besonders wegen der kleinen Blasen werk - würdig, die sie, so bald sie Gefahr merken, aus dem Hinterleibe treiben; deren Nutzen aber noch unbestimmt ist.

1. . Maxillosus. S. pubescens niger, fasciis cinereis, maxillis longitudine capitis.

30. Forficula. Antennae setaceae. Elytra di - midiata. Alae tectae. Cauda forcipata.

1. . Auricularia, der Ohrvurm, Öhrling, Ohrhöhler. (Fr. le perce-oreille. Engl. the car-wig.) F. elytris apice albis.

Frisch P. VIII. tab. 15. fig. 1, 2.

An der ungegründeten Sage, daß dieß Thier gern den Menschen in die Ohren kröche, ist nur so viel, daß sich irgend etwa ein Mahl eins dahin so gut wie jedes andere Insect, verirren kann. Aber dem jungen Gemüse, den Nelkenknofpen ꝛc. sind sie nachtheilig, so wie da, wo sie sich in Menge ver - mehren, dem Grundholz der Gebäude und den Fen - sterfutterungen.

285

II. HEMIPTERA. (Ulonata und Rhyn - gota Fabr.)

Bey den meisten Insecten dieser Ordnung ist der Kopf nach der Brust niedergedrückt, bey einigen mit Kinnladen, bey den mehresten aber mit einem nach dem Unterleibe gebogenen Saugerüssel versehen, weß - halb diese auch von einigen Naturforschern Probosci - dea genannt werden. Meistens haben sie vier Flügel, von welchen zumahl die obern an der Wurzel fester und hornartiger, am äußern Ende aber dünner und weicher sind. Bey einigen sind sie gerade ausgestreckt, bey andern übers Kreutz zusammengefaltet. Theils sind sie auch mit einer Art kleiner Flügeldecken belegt. Manche haben nur zwey Flügel, und bey verschiede - denen sind die Weibchen gänzlich ungeflügelt. Ihre Verwandlung ist nicht sehr auffallend: sondern die Larven ähneln dem vollkommenern Insect bis auf die Flügel, die erst nach und nach völlig ausgebilder werden.

31. Blatta, Schabe. Caput inflexum. Anten - nae setaceae. Elytra alaeque planae, subcoria - cae. Thorax planiusculus, orbiculatus, margi - natus. Pedes cursorii. Cornicula duo supra caudam.

1. . Orientalis, die Brotschabe, Küchen - schabe, der Kakerlake, Tarokan. (Fr. le cancrelas, ravet. Engl. the black beetle, cockroach.) B. ferrugineo-fusca elytris ab - breviatis sulco oblongo impresso.

Frisch P. V. tab. 3.

286

Jetzt nun fast in allen Welttheilen. So wie eini - ge andere Gattungen dieses Geschlechts (z. B. die Germanica, Americana etc. ) für manche Gegen - den, wo sie sich eingenistet und stark vermehrt hat, eine der lästigsten Hausplagen. Verzehrt vorzüglich mancherley Victualien, vor allen aber Brok ꝛc. Kann daher in Schiffen auf weiten Seereisen schau - dervolles Elend verursachen*)Ein schreckliches Beyspiel gibt Maurelle's Südseereise im voyage de la Perouse autour du monde vol. I. p. 279 u. f.. Ist noch am ersten durch Arsenik, Dampf von Schwefel und Assa foetida, kochend Wasser ꝛc., und wo nur wenige in einem Zimmer oder einer Küche sind, dadurch zu vertilgen, daß man über Nacht einen Igel oder eine Ente hinein sperrt.

2. Heteroclita. (B. Petiveriana F.) B. fusca, elytris nigris, sinistro integro 4-pustulato; dextro ad marginem internum semipellucido, 3-pustulato