Bey Hofe ſpricht man jetzt faſt nichts anders, als von dem Mißverſtand zwiſchen dem Pabſt und denen Cardinaͤlen, welches verſchiedenen Catholiſchen Edel - leuten in Engelland die Augen geoͤfnet, um ſich mit der Engellaͤndiſchen Kirchen zu vereinigen, und im Ober - Hauſe Sitz zu nehmen. Der Graf von Macclesfield gab ſeine Antwort, davon geſprochen worden, geſtern ſelbſt an das Ober-Haus. Der Herr Wolſton iſt zum andernmahl unter Buͤrgſchaft entſchlagen, wegen Urſa - che ſeines Buchs, genant: der Moderator; Allein die Cleriſey iſt gegen ihn ſo erregt, daß man ihme den Ge - brauch der Bibliothec des Collegii von Zion verbotẽ hat. Man hat allhier in Frantzoͤſiſch und Engliſch gedruckt, die Rechts-Pflege des Advocaten der Jeſuiten von Thoren, an deren Haupt man dieſe Einleitung geſtel - let hat: „ Jn der Zeit, da alle Proteſtantiſche Poten - „ taten einſtimmig, und mit einem Hertzen Satisfa - „ ction ſuchen uͤber die Unrechtfertigkeit, und den Fre - „ vel, ſo man denen Lutheriſchen zu Thoren angetahn, „ und im Fall der Weigerung ſich bereit machen, dieſe „ klahr-ſcheinliche Schaͤndung des Oliviſchen Tractats „ zu raͤchen; Jn der Zeit, da der Kayſer, Koͤnig von „ Sardinien, und der Pabſt dieſe Antichriſtiſche Frech - „ heit verabſcheuen und verurtheilen, trachten die Je - „ ſuiten allein, gleichſam durch Tapferkeit, oder durch„ Verachtung aller Puiſſancen der Erde, mit einer ih - „ rem Orden eigenen Scham, diß abſcheuliche und blu - „ tige Trauer-Spiel zu vertheidigen, und mit dieſer „ Abſicht kommen ſie eine glimpfliche Schrifft, unter „ dem Namen der Rechts-Pflege ꝛc. ꝛc. auszugeben ꝛc. „ Jn verwichener Wochen hat ſich zu Chelſay bey dem Herren Guerin ein trauriger Zufall begeben, indem als derſelbe in Diſtillirung einiger Spiritus begriffen geweſen, der Deckel vom Brennzeug durch die ſtarcke Aufſteigung dieſer Materie in die Hoͤhe gehoben und umgeſtuͤrtzet worden, wodurch der Spiritus mit ſol - cher Hefftigkeit heraus geflogen, daß nicht allein der Sohn von dem Herrn Guerin dergeſtalt verbrannt worden, daß er des andern Tages ſeinen Geiſt aufge - ben muͤſſen, ſondern auch der Vater, da er ſeinem Sohn zu Huͤlffe kommen wollen, ſich gleichfals der - maſſen verbrannt, daß an ſeinem Leben gezweiffelt wird, und die Mutter des jungen Guerins hierob ei - nen ſolchen Schrecken empfunden, daß ſie davon abor - tiret hat.
Der Marquis de Campo Florido hat an unſern Hof einen Staat von den Financien des Koͤnigs uͤber - geben, ſowohl von dem, was gegenwaͤrtig in Caſſa iſt, als von dem, was noch dieſes Jahr muß empfangen werden, wie auch, was man zu Genua auf die Jndulte[2]von der Flottille, die erwartet wird, noch ſoll heben. Der Koͤnig iſt am 4ten mit der Koͤnigin und Koͤnigl. Familie nach Aranjues gegangen, um allda das Vor - Jahr hinzubringen. Der Koͤnig hat zu dem Biß - tuhm von Mallaga, davon der Cardinal Alberoni Ab - ſtand getahn, Don Diego de Toro de Villalobos er - nennet, und Don Bruno de Zabala zum General-Lieute - nant ſeiner Laͤgers. Die Zeitung von Zuruͤckſendung der Jnfantin macht durch das gantze Koͤnigreich viel Geruͤchts, und ein jeder ſpricht davon nach ſeinem Ver - ſtand und Duͤncken.
Se. Majeſt. hat geſtern die General-Munſterung der Frantzoͤſiſchen und Schweitzeriſchen Guarde vor dem Caſteel von Verſailles gehalten; Er hat Made - moiſ. von Clermont, Schweſter des Hertzogs von Bourbon, zur Ober-Aufſeherin des Hauſes der kuͤnf - tigen Koͤnigin ernennet, und ſoll dieſe Printzeßin fort - hin Madame von Bourbon genennet werden: Die Marſchallin von Bouflers ſoll beſagter Koͤnigin er - ſte Staats-Jungfer ſeyn; Madame von Prie Da - me d’ Atour; der Marquis de Nangis Staats - Edelmann, der Graf von Teſſe ihr erſter Stall-Mei - ſter, und der Hr. Paris de Vernay Secretair von Jhr. Majeſt. Befehlen. Man hoͤret noch nicht von Rom, daß der Pabſt die geringſte Bewegung mache uͤber die Zuruͤckſendung der Jnfantin nach Spanien; und zufolge letzterer Briefe von dar, ſo handelt der alte Vater dieſe Sache ſehr gleichguͤltig, ob ſchon der Catholiſche Koͤnig einen zweyten Expreſſen an Don Cornejo, ſeinen Miniſter daſelbſt, ſol geſandt ha - ben, um deswegen an Se. Heil. Klage zu tuhn. Der Hertzog von Richelieu zieht ſeine Tag-Gelder eben als ob er zu Wien waͤre; Man ſagt, daß er auf ſeinen Abzug dahin begriffen. Die junge verwittw. Koͤnigin von Spanien und die Printzeßin von Beau - jolois, ihre Schweſter, werden gegen den 5. kuͤnf - tigen Monats hier erwartet. Hier iſt wohl ein Ge - ruͤcht gelaufen, als ob die Printzeßin von Beaujo - lois alle Geſchencke des Koͤnigs und der Koͤni - gin von Spanien ihnen haͤtte muͤſſen wiederge - ben, doch daſſelbe iſt unwahr und ohne Grund be - funden. Am vergangenen Montage Morgens ſandte der Printz von Conty einen ſeiner Pagen an die Printzeßin ſeine Gemahlin, um zu vernehmen den Zuſtand ihrer Geſundheit; die Printzeßin ließ antworten, daß ſie die Ehre wuͤrde haben, dieſen A - bend in ſeinem Pallais ſchlafen zu kommen, ihn er - ſuchende, ſich da finden zu laſſen. Der Printz be - gab ſich darauf zum erſten nach dem Kloſter vonPort Royal, und hielt mit ſeiner Gemahlin das Mittags-Mahl, kahmen darauf mit einander ins Hauß Conty; ſo daß die Haͤuſer von Conde und Conty nun voͤllig verſoͤhnet ſind: Bey dieſer Ge - legenheit wurden den Abend viele Freuden-Zeichen getrieben: die Printzeßin von Conty, die Mutter, gab ihnen eine groſſe Abend-Mahlzeit, und ein Muſicaliſches Concert: Dieſe Verſoͤhnung iſt ge - ſchehen ohne einige derer Conditionen zu fordern, die man vorhin vorgeſtellet hat. Vor zwey Tagen ward hier ein weitlaͤuftiger Arreſt des Koͤ - niglichen Staats-Rahts, ein neues und ſcharfes Reglement, die Einbringung, Gebrauch und Tragen der Jndianiſchen, Chineſiſchen und Levantiſchen Stof - fen, ꝛc. zu verhuͤten, abgekuͤndiget. Von unſern Trouppes ſind noch keine in Bewegung nach denen Spaniſchen Grentzen. Vor etlichen Tagen fand man des Nachts in der Straſſe St. Paul den Coͤrper ei - nes gewiſſen Partheygaͤngers liegen, welcher in dem letztern Kriege von weyland Koͤnig Ludewig XIV. fuͤr die Bekandtmachung ſeines Anſchlags, den Dau - phin aufzuheben, mit einer Penſion begnaͤdiget war; da ihm aber dieſe Penſion in 3. Jahren nicht bezah - let worden, und er nun mit unter denen Caßirten begriffen geweſen, ſo iſt er dadurch zur Deſperation gebracht, aus ſeinem Fenſter herunter zu ſpringen. Man hat auf neulichem Jahr-Marckte zu St. Ger - main ein von weiſſem ausgeſchnittenen und durch - geſtochenen Papier verfertigtes Werck geſehen, ſo wol fuͤr einen Triumph der Geduld, und Geſchick - lichkeit der Hand kan geachtet werden: Es ſeynd 7. Tafeln, ohngefehr 18. Zoll breit und 12. hoch in Viereck, von niedriger erhoͤheter Arbeit; worauf man durch ein Spiegel-Glas einige Figuren von Thieren, Baͤumen, Kutſchen, Bruͤnnen und andern Sachen, ſo von einander abgeſondert ſeynd, ſehen kan. Das Erſte ſtellet das Schloß Loo in der Provintz Geldern vor, woran alle Teile der Bau-Kunſt, ſamt allen Zierahten gar genau vorgebildet werden, daß man uͤber deſſelben Zaͤrtlichkeit erſtaunen muß. Man ſiehet auch daran die Hoͤfe, Gaͤrten und Behter, und dergleichen. Das Andere bildet ab die groſſe Facciata von eben demſelben Schloſſe, mit ſeinen Gaͤrten, Waſſer-Spruͤngen und Faͤllen, ꝛc. Das Dritte das praͤchtige Schloß Honslardyk in Holland mit deſſen Gaͤrten Lauben, Gelaͤntern, ꝛc. Das Vierte, ein von einem gewaltſamen Ungeſtuͤm bewegtes Meer; viele groſſe Schiffe und ander Fahr-Zeug, mit allen ihren Zuruͤſtungen uͤberhaupt, ſeynd in Gefahr Schiff-Bruch zu leiden, und wenden[3]alle Kraͤfte und erſinnliche Hand-Griffe an, darvon zu kommen; Man ſiehet an denſelben denen Bots - Leuten ihre Furcht und Schrecken mercklich an, ꝛc. Das Fuͤnfte, die Meer-Gegend zu Scheveling; Viele Schiffe, Schaluppen, ꝛc. mit ihrem Volck und allem ausgeruͤſtet; einige, ſo im Begrif abzurei - ſen, ſpannen die Segel auf; die andern werfen den Ancker aus, ꝛc. viele Perſohnen zu Fuß, zu Pferde, und in Kutſchen ſiehet man an dem Ufer herum ſpa - tzieren. Die zwey letzten Bilder ſeynd Contrafait, in Bruſt-Stuͤcken, des verſtorbenen Koͤnig Wilhelms, und der Koͤnigin Maria, deſſen Gemahlin, welche ihnen vortreflich gleichen, und mit allem Zierraht und Eigenſchaften ihrer Wuͤrde ausſtaffiret ſeynd. Alles iſt mit ſolcher Kunſt und Zaͤrtlichkeit ausgema - chet, daß man ſich deſſen nicht bereden kan, wenn man es nicht mit Augen ſiehet.
Gegenwaͤrtig ſagt man, wie dieſes zur Verſoͤhnung des Printzen und der Printzeßin von Conty am meiſten beygetragen, weil die Printzeßin gehoffet, zur Ober - Aufſeherin bey der kuͤnftigen Koͤnigin erneñt zu wer - den, allein man hat Madem. von Clermont darzu er - kohren, welche in der Qualitaͤt inſtehenden Dienſtag den Eid der Treue ablegen ſoll, alsdann man auch die 12. Hof-Dames beniemen wird. Man vernimt, daß die junge verwittibte Koͤnigin nebſt ihrer Schweſter kleine Tag-Reiſen tuhn, um zu gleicher Zeit mit der Jnfantin zu arriviren, die in der Spanier Haͤnde, wel - che die 2. Printzeßinnen hieher begleiten, ſoll uͤbergeben werden. Allem Anſehen nach ſeynd Ordres ergangen, um in Franckreich die Ehr-Beweiſungen, ſo man de - nen 2. Printzeßinnen ſchuldig iſt, zu erzeigen. Man ſagt nun, daß die Sachen in Spanien dahin gediehen, daß ein Koͤniglich Decret heraus gekommen, welches den Spaniern bey Strafe des Lebens verbietet, denen Frantzoſen Uberlaſt zu tuhn. Der Hertzog von Par - ma hat, als man ſagt, an den Koͤnig von Spanien ge - ſchrieben, wie er die Ruͤckſendung der Jnfantin ſich nicht muͤſte befremden laſſen, in Anſehung der Ungleich - heit von Jahren. Hier iſt ein Geruͤcht, daß der Pabſt den Cardinal Fabroni, der von einem ſehr unruhigen Geiſte iſt, habe auf das Caſteel von St. Ange in Verſi - cherung nehmen laſſen, um die Ehre des H. Stuls im Stande zu erhalten, weil er ſich nicht entzogen mit Sr. Heiligk. aus Urſach der Auslegung von der Bulle, die er voͤllig ein Janſeniſt zu ſeyn abſchildert, den Spott zu treiben. Der Cardinal von Althan, Beſchirmer der Reichs-Sachen, ſcheinet auch in Sr. Heiligk. Un - gunſt gerahten zu ſeyn, weil er den Kayſer erſuchet,Se. Eminentz nach Hauſe zu rufen. Die Hertzogin von Ventadour komt in den Pallais der Thuilleries zu wohnen, allwo groſſe Reparation geſchiehet; weil man vorgibt, daß die kuͤnftige Koͤnigin, bevor ſie mit dem Koͤnig getrauet iſt, auch da logiren ſoll. Hier iſt ein Arreſt von dem Koͤnigl. Staats-Raht heraus gekom - men, um die unmaͤßige Gewinnſucht der Buchhaͤnd - ler bey den Einſchreibungen der Buͤcher zu zaͤhmen.
Die Herren Staaten von Holland und Weſt-Frieß - Land ſind dieſen Mittag bis inſtehenden Dienſtag uͤber 8. Tage geſchieden, um den folgenden Tag ſich wieder zu verſam̃len. Die Herren General-Staaten haben ei - nen Schluß gefaſſet, kuͤnftighin keinen jungen Cadets bey denen Regimentern, die unter 10. Jahren und Offi - ciers Kinder ſind, Penſiones mehr zu geben, gleichwie bisher geſchehen iſt. Hieſiger Hof iſt auf die Affai - ren, welche in Franckreich und Spanien, wegen de - rer an beyden Hoͤfen ruͤckgaͤngigen Mariagen, ſich ereignen, ſehr attent, und vernimt man, daß gleich - wie von Seiten Franckreichs der merckliche Unter - ſcheid des Alters zwiſchen Sr. Majeſt. dem Koͤnig, (welcher den 15. Febr. in ſein 16. Jahr getreten, und der jungen Koͤnigin, ſo den 31. Mart. erſt das 7. Jahr ihres Alters zuruͤck geleget, mithin der Koͤnig dermahlen noch einmal ſo alt als die Jnfantin) da - zu Anlaß gegeben; alſo auch von Seiten Spaniens aus eben dem Fundament eines diſproportionirten Alters (da der Jnfant Don Carlos, ſo den 20. Jan. 1716. gebohren, erſt das 9. Jahr ſeines Alters er - reichet, die Princeßin von Beaujolois aber, ſo den 14. Decembr. 1714. geboren, bereits ins 11. Jahr ihres Alters gienge,) die Zuruͤckſchickung dieſer Prin - ceßin reſolviret ſey. Man wil aber, daß die Raiſon des Frantzoͤſiſchen Hofes, bey des Koͤnigs oͤfters zu - ſtoſſenden Unpaͤßlichkeit, die Erlangung einer bal - digen Succeßion zum Grund habe, fuͤr nachdruͤck - licher als die Spaniſche, und dieſe mehr fuͤr Re - preſſalien, als wahre Motiven der Diſſolvirung ſol - cher letztern Heyraht halten, anerwogen die Princeſ - ſin von Beaujolois nur 1. Jahr und etliche Wo - chen aͤlter als der Jnfant Don Carlos iſt.
Weil nun zu Cammerich die Spaniſche mit denen Frantzoͤſiſ. Miniſtern gar keine Gemeinſchafft mehr halten, ſo vernimt man, daß letztere mit denen Kay - ſerl. Bevollmaͤchtigten deſto mehrere Conferentzien hiel - ten. Nachdeme auch der Groß-Brittanniſche Hof einer Seits von dem Frantzoͤſiſ. Hof des den 4. Jan. 1717. errichteten Triple-Alliantz-Tractats, weilen die[4]Ruptur mit Spanien nunmehro ohnvermeidlich zu ſeyn ſchiene, erinnert wuͤrde; und ander Seits hinge - gen ermeldtem Groß-Brittanniſchen Hof von der Cron Spanien, an ſtatt deren vormahls gemachten Praͤten - ſionen wegen Gibraltar und Port-Mahone, anjetzo die vortheilhafteſten Verſprechungen geſchehen; ſo wuͤ - ſte erſterer Hof kaum zu finden, welches deſſen Nation ſowohl, als dem Commercio, am vortraͤglichſten, und was desfals zum Beſten zu erwaͤhlen ſeye.
Am 22. verwichenen Monahts iſt in dieſer Stadt das Koͤnigl. Bernardiner Nonnen-Kloſter, welches bey nahe vor 500. Jahren durch die Koͤnigin Donna Ma - falda geſtifftet worden, auf den Grund abgebrandt: Es war ſolches ſowohl wegen des Alters, beſonders reichen Einkuͤnfften und davon dependirender Gerichtsbarkeit, als auch wegen der praͤchtigen Gebaͤude, eines der vor - treflichſten Kloͤſter im gantzen Koͤnigreich. Der Brand iſt von einer Feuer-Kohle, welche aus Verwahr - loſung in eine Holtz-Scheuer gefallen, entſtanden. Die Nonnen haben ſich mit hoͤchſter Noht, nebſt ihrer Aeb - tißin Donna Louſia Dacunha, einer Schweſter des Secretaire vom Kriegs-Raht, gerettet, deren an der Zahl, auſſer denen Penſionarien und Dienſt-Maͤdgen, ſich bey 130. im Kloſter befunden, auch iſt die Kirche nebſt einem Boden und Schlaff-Gemach, welche uͤber - woͤlbt geweſen, von dem Feuer verſchonet blieben.
Vorgeſtern iſt der Kayſerliche Abgeſandter, Herr Graf von Rabutin, allhier angelanget. Jn ver - wichener Woche iſt die Frau eines hieſigen Buͤr - gers und Schuſters mit zweyen geſunden Soͤh - nen und einer Tochter ins Kind-Bette gekom - men, welche auch alle drey in der Petri-Kirche am Sontag getaufet worden.
Allhier iſt man mit Exercirung der Trouppen ſowol Vor - als Nachmittags occupiret, und iſt an die Land - Milice ein gleiches zu tuhn die Ordre ergangen. Ge - ſtern, als am 24. huj. haben wir allhie 2. Aufzuͤge, ei - nen von der Tiſchler - oder Schreiner Zunfft, den andern von den Schuſtern gehabt, der letzte war wie ordinair gebraͤuchlich, der erſte aber, weil es laͤnger als in 40. Jahren nicht geſchehen, war uͤberaus wohl anzuſehen, womit dieſelben Ruhm eingeleget; die Ordnung war folgender maſſen: 1) Gingen 2. Maͤnner, der eine als ein Harlequin, der andere aber als ein Bauer bekleidet, denen folgenden Platz zu machen. Worauf 2) Die Spiel-Leute folgeten, und mit ihren Muſical. Jnſtru - menten ſich hoͤren lieſſen. Alsdann kamen 3) Zweywilde Maͤnner, mit gruͤnen Kraͤntzen auf dem Kopf, in den Haͤnden einen ziemlich langen Dannen-Baum fuͤhrende, mit welchen ſie allerhand Lectiones machten. Hiernechſt trugen 4) Zwey einen groſſen ſchoͤn verguͤl - deten Circul. Denen folgeten 5) Die nach der Archi - tectur ausgearbeitete 5. Saͤulen, welche gleichfalls ſchoͤn verguͤldet und von ſo viel Geſellen getragen wur - den. Darauf folgeten 6) Die Geſellen in ihrer Ord - nung, welche alle von Hobel-Spaͤnen recht artig ge - faͤrbete und wohl gemachte Plumagen auf den Huͤten trugen, deren ein jeder ein zu dem Handwerck gehoͤri - ges Jnſtrument und Werckzeug, als Saͤge, Hobel, Hammer, Leim-Topf, alles wohl verguͤldet, in den Haͤnden hielten. Denen folgete 7) Die Fahne, welche von Hobel-Spaͤnen, mancherley Farbe, kuͤnſtlich durch einander geflochten war, und uͤberaus wohl ausſahe. Darauf folgete 8) Jhre Gil-Lade, welche von 6. Alt - Geſellen auf den Nacken getragen wurde, oben uͤber derſelben wurde der Hertzogl. Nahme, geſchlungen und kuͤnſtlich aus Holtz geſchnitten, von 2. andern ge - tragen. Die Lade war von Nuß-Baum Holtze, von recht galanter fouruier Arbeit. 9) Die uͤbrigen Ge - ſellen, welche 6. groſſe ſilberne und verguͤldete Becher trugen, die andern aber ihre ordinairen Trinck-Kannen, Kruͤge und Glaͤſer. Darauf kamen 10) Acht ausge - kleidete Berg-Leute, welche das Tiſchler-Schild, wel - ches neu und wohl gemahlet war, trugen. 11) Zwey Geſellen mit bloſſen Degen, auf denen Spitzen eine groſſe Citrone ſteckte. Und hierauf beſchloſſen 12) Die Spiel-Leute abermahl den Reyhen. Se. Hochfuͤrſtl. Durchl. der regierende Hertzog von Blanckenburg haͤlt ſich noch alhie auf, und hat obgedachte Tiſchler-Geſel - ſchafft, welche ihre Reverence vor Deroſelben gemacht, reichlich beſchencket.
Bey ſeligen Thomas von Wierings Erben / im guͤldenen A B C, in Hamburg / iſt in Commißion der herrliche Schwind - ſuchts Lungen und Leber Bruſt-Saft / nebſt der zugehoͤrigen Bruſt-Eſſentz; es curiret dieſe Sache die Schwindſucht / ſowol an alten bereits abgezehrten / als auch jungen Leuten und Kin - der / hebet alle Bruſt-Seuchen / Huſten / Blutſpeyen / daͤmpfet die Schaͤrfe / Hitze / Schmertzen und Stiche / loͤſet den Schleim und die Winde; iſt eine ſanfte Nahrung fuͤr die Lunge / Leber Miltz und Nieren / maſſen dieſer kraͤftige Saft aus lauter Saͤfften der ſchoͤnſten Wurtzeln / Saamen und Kraͤuter beſte - het / daher auch derſelbe dem Magen ſehr angenehm und nuͤtz - lich; praͤſervative der Bruſt-Saft allein / bey dieſem ohnedem variablen und der Bruſt ſehr empfindlichen Wetter / gebraucht / hintertreibet er den Stich-Fluß bewahret die Bruſt fuͤr Ver - kaͤltung und allen andern Zufaͤllen; komt ja ein Huſten / ſo iſt er in 3. Tagen geholfen; Ein Pfund Bruſt Saft in weiſſen Hol - laͤndiſchen Kruken / ſo ohne Gefahr kan verſchicket werden / koſtet 4. Marckl. / ein halbes Pfund / ſo aber in ein Glas / 2. Marckl. / und ein Glas Bruſt Eſſentz 1. Marck 8. Schilling.
Gedruckt in der Hochfuͤrſtl. Schleßwig-Holſteini - ſchen privilegirten Buchdruckerey zu Schiffbeck bey Hamburg.
Britt-Marie SchusterNote: Bereitstellung der Texttranskription.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2014-07-01T14:43:40Z Manuel WilleNote: Bereitstellung der Texttranskription.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2014-07-01T14:43:40Z Arnika LutzNote: Bereitstellung der Texttranskription.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2014-07-01T14:43:40Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
Fraktur
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