Am abgewichenen Dienſtag Abend langte von dem die zweyte Armee en Chef commandirenden General und Ritter, Fuͤrſten Waßiley Michailowitſch Dolgoru - kow, der Oberſte Gruſchezkoy bey Ihro Kayſerl. Maje - ſtaͤt Hof als Courier an, und uͤberbrachte ſowol den um - ſtaͤndlichen Bericht von der Eroberung der Krimiſchen Linie, als auch die Schluͤſſel der Veſtung Perecop, welche ſich bey dem Einmarſch Ihro Kayſerl. Majeſtaͤt Truppen in die Krim auf Diſcretion ergeben. Dieſe Berichte enthalten Folgendes:
Nachdem dieſe Armee den 23ſten Junii ihr Lager nahe vor der Veſtung Perecop bezogen hatte, wendete der commandirende General en Chef dieſen und den naͤchſt - folgenden Tag dazu an, daß er in Geſellſchaft des General - Majors, Fuͤrſten Proſorowsky, der die Vortruppen an - fuͤhrte, nicht nur die Linie bey Perekop, und die Gegend, die ein beſonders Corps uͤber Siwaſch paßiren ſollte, recognoſcirte, ſondern auch zur Attaque der Linie und zum Uebergang der Truppen in die Krim die noͤthigen Diſpoſitionen vorkehrte. So bald der Feind unſere ganze Armee vor Perekop ihr Lager beziehen ſah, ver - ſuchte er auf ſelbige einen Angriff, und gebrauchte hierzu 3000 Mann der auserleſenſten Cavallerie. Der immer voraus marſchirende General-Quartiermeiſter Kachows - koy detaſchirte den Augenblick alle ſeine zur Bedeckung dienende leichte Truppen dem im Anzug begriffenen Feinde entgegen. Mit obigen vereinigten ſich nicht nur die leichten Truppen vom rechten Fluͤgel, ſondern auf Befehl des Herrn General en Chefs, mußten auch aus dem Corps des General-Majors, Fuͤrſten Proſorowsky, noch einige leichte Truppen zu ihnen ſtoßen, die von einem Corps Jaͤger, unter Anfuͤhrung des Oberſtlieute - nants, Fuͤrſten Dolgorukow, unterſtuͤtzt wurden. Mit ſo vieler Hitze dieſer Haufen ſeinen Angriff auch be - werkſtelligte, ſo wurde derſelbe dennoch durch die Ta - pferkeit unſerer leichten Truppen und des Jaͤger-Corps, mit denen der Oberſtlieutenant, Fuͤrſt Dolgorukow, dieSpitze des Berges occupirt hatte, uͤber den Haufen ge - worfen, und dergeſtalt zuruͤckgetrieben, daß alle leichte Truppen wieder ins Lager ziehen konnten, und auf der beſetzten Anhoͤhe nur ein Jaͤger-Bataillon mit 2 Ka - nonen zuruͤck gelaſſen wurde, indem ſolches hinlaͤnglich genug war, allen weitern Einfaͤllen der Feinde Einhalt zu thun. Der Feind hatte zwar die Dreiſtigkeit, ſich nochmals zu zeigen; allein, unſer Kanonen - und Muſ - queten-Feuer fiel ihm bey dieſem neuen Verſuch ſo be - ſchwerlich, daß er in der groͤßten Unordnung ſeinen Ruͤck - weg nach der Stadt zu nahm. (Die Fortſetzung folgt.)
Nichts konnte mich auf der Welt mehr ruͤhren, als die Nachricht, die ich von allen Seiten erhielt, daß ein hoͤchſt ſchaͤtzbarer und von mir geliebter Mann in Verdacht ſtehe, als wenn er ſeinem Vaterlande Uebels zu thun gedachte, und die Unruhe unterſtuͤtzte und ver - mehrte, wodurch es verwuͤſtet wird, und ſchon in den Stand des Verderbens gebracht iſt. Iſt es moͤglich, daß ein ſo achtungswuͤrdiger Freund, als ich in Ihrer Perſon gehabt habe, den Verdacht ſolcher Handlungen auf ſich laden koͤnnte? Was wird Europa, das Sie kennet, ſagen? Was wird die Rußiſche Kayſerinn ſa - gen, die Sie allezeit diſtinguirte? Was werden andere angeſehene Maͤnner, die Sie ehren und lieben, ſagen? Doch, es iſt nicht mehr Zeit, ſich vor Ihnen zu verſtel - len, man muß die Larve abnehmen, ob Sie nicht unan - ſtaͤndige Anſchlaͤge ſchmieden, Criminal-Anſchlaͤge, die auf nichts anders, als auf das Ungluͤck des Vaterlandes abzielen. Ich fordere alſo von Ihnen im Namen mei - ner Principalinn, daß Sie ohne Verzug in dieſer Reſi - denz erſcheinen, um aus meinem Munde die unpartheyi -[2]ſche Neigung zu erfahren, welche meine Allerdurchl. Monarchinn heget, dem Vaterlande und Ihnen wohl zu thun. Doch, das iſt nicht genug, ich verlange im Namen dieſer Monarchinn, daß Sie das Corps von 800 Mann, ſo Sie in Chomsk aus den Litthauiſchen Regimentern zuſammengebracht, zertheilen, und in kleinen Haufen in ihre Quartiere verſchicken. Sie werden es nicht vergeſſen haben, daß die Officiers und Soldaten dieſer Corps durch unſere Truppen gefangen genommen, und auf Parole entlaſſen worden. Die von Ihnen ausgeſtellte Reverſe ſind mir wohl bekannt, und nach denſelben werde mich richten. Denken Sie nicht, daß ich mich durch diejenigen, die ſich zur Verwuͤſtung des Vater - landes und zu allerhand Ausſchweifung vorſchreiben ſollen, ſollte hintergehen laſſen; ich werde ganz neue Mittel ergreifen, wozu mich, außer meiner Gelindigkeit; Ihr Verfahren zwingen wird. Bilden Sie ſich nicht ein, daß irgend ein Anſehen meinen genommenen Ent - ſchluß aufhalten koͤnnte. Es iſt, Gott Lob! keine Peſt in Pohlen mehr; die Fortdauer des Cordons iſt alſo nicht mehr noͤthig. Ich bemuͤhe mich aufs eifrigſte, und eben dieſes thue ich, auf Befehl meiner Principalinn, in Berlin, daß der Preußiſche Cordon zuruͤckgezogen werde. Dieſer Vorwand hat aufgehoͤret. Sie koͤnnen mich alſo mit dieſer Urſache, die Truppen in Chomsk zu laſſen, nicht aͤffen. Aus dieſen Bewegungsgruͤnden praͤtendire, daß dieſes ganze Kriegsheer, nebſt dem Corps des Bielak und Korycki, zugleich in ihre alten Quartiere zuruͤckkehren moͤchte. Ich glaube, daß Sie nicht vergeſſen haben, daß Sie den Herrn General Weymar die Parole gegeben haben, wie Sie das Corps des Bielak allezeit in der Brzeſcer Woywodſchaft in Litthauen halten wollten, und ich habe die Ehre, Ihnen zu melden, daß gedachter General verpflichtet iſt, allen Kayſerl. Truppen in Litthauen den Befehl zuzuſchicken, daß Sie den Hn. Bielack fuͤr einen Feind anſehen, ſo bald er aus ſeinem Standorte austreten ſollte. Ich koͤnnte hier bereits ſchließen. Der Rußiſche Geſandte hat Ihnen wei - ter nichts mehr zu melden; dieſer traͤgt den Willen ſeiner Principalinn vor, und hat Ihnen ſchon geantwortet. Aber Ihr geruͤhrter und wahrer Freund, ein Mann, den Sie ſeit ſo vielen Jahren kennen, und Ihnen ergeben iſt, deſſen Herz Ihr Beſtes ſuchet, hat noch ein paar Worte zu ſagen, woferne Ihr Herz nicht verhaͤrtet, der Verſtand nicht verfuͤhret, und die Ohren nicht verſtopft ſind. Wol - len Sie gegen die Stimme eines Freundes taub bleiben, der vor Begierde brennet, ſich mit Ihnen zur Gluͤckſe - ligkeit Ihres Vaterlandes zu verbinden, und der es fuͤr unmoͤglich haͤlt, daß Sie ſich dem Nachdruck der Wahr - heit widerſetzen ſollten, die Sie aus ſeinem Munde er - fahren ſollen? Tauſendmal haben ſich Boshafte zum Ungluͤck des Vaterlandes verbunden. Laßt uns zeigen, daß es noch ehrliche Leute in Pohlen giebt, die ſich zu deſſelben Wohl vereinigen. Sind ſie nicht ein genug ehrlicher Mitbuͤrger, und ein Pohle, um dieſen Ruhm zu erlangen. Ich rufe, begehre, und fordere Sie zum Wohl des Vaterlandes auf. Ich habe alles geſagt, und habe die Ehre ꝛc. (Die Antwort des Großfeldherrn morgen.)
In Calabrien hat ſich folgende abſcheuliche Begeben - heit zugetragen: Eine Wittwe wollte ſich mit einem jungen Menſchen zum zweytenmal verheirathen. Da ſie aber ſahe, daß er wegen zweyer noch unerzogener Kin - der, welche ſie aus der erſten Ehe haͤtte, Schwierig -keiten machte; ſo faßte ſie den grauſamen Entſchluß, dieſe beyden Kinder zu ermorden, welches ſie auch wirk - lich bewerkſtelligte. Sie iſt aber ſchon zu Caſenza in Verhaft genommen, um den verdienten Lohn fuͤr dieſe unmenſchliche Grauſamkeit zu empfangen.
Der Franzoͤſiſche Hof hat an die Caſſe der Catechu - menen alle ruͤckſtaͤndige Forderungen von ihrem Gehalte, welches auf den Staat von Avignon angewieſen, aus - bezahlen laſſen. Der Hof von Neapolis hat vom Pabſt ein Indult verlangt, um einen General-Vicarius an ſeine im Kirchenſtaat eingepfarrte Unterthanen zu deputiren, damit die Juſtiz beſſer verwaltet werden moͤge. Die Regierung hat einen Cavalier, der von den Streitigkeiten zwiſchen dem heil. Stuhl und den Bourbonniſchen Hoͤfen zu frey geſprochen, arretiren, und ihm nachdruͤckliche Verweiſe daruͤber geben laſſen.
Am Sonntage, Abends, kam die juͤngſt erwaͤhnte Rußiſche Kriegsfregatte, der Archipelagus, gefuͤhret von Capitain Corel, in den hieſigen Haven zuruͤck. Geſtern giengen von hieſiger Rheede 5 Hollaͤndiſche Kriegsſchiffe nach dem Mittellaͤndiſchen Meere unter Segel, um da - ſelbſt die Kauffahrdenſchiffe ihrer Nation gegen alle be - ſorgliche Gefahr zu ſchuͤtzen. Der dieſer Tagen aus Petersburg bey dem hieſigen Rußiſchen Agenten, Herrn Rutterfort, angelangte Courier hat, nach Abgebung ſeiner Briefſchaften an ſelbigen, dieſen Morgen auf einem Engliſchen Packetboot ſeine Reiſe nach dem Ar - chipelago fortgeſetzet, um dem Grafen von Orlow einige wichtige Depeſchen zu uͤberliefern.
Nachrichten aus der Levante zufolge, koͤmmt der Prinz Salomon mit allen ſeinen Truppen auf der oͤſtlichen Seite des ſchwarzen Meeres wiederum zum Vorſchein, und Prinz Heraclius laͤßt ſich das Intereſſe der Ruſſen mit einem neuen Eifer angelegen ſeyn. Die Truppen des Aly-Bey campiren in der Nachbarſchaft von Berack, in Syrien, und in den Ebenen von Damaſcus. Der Baſſa am letztern Orte duͤrfte von den Tuͤrken abgeſetzt werden.
Von dem Aufſtande der Galeeren-Sklaven auf dem Schiffe, die ſchoͤne Rahel, iſt noch nachzuholen, daß ſich alle dieſe Sklaven, außer zween, welche freywillig geblieben, in Freyheit geſetzt haben. Die Fiſcherbarke, welche ſie einneh - men mußte, ſetzte ſie an den Kuͤſten von Iſtrien, nahe an den Inſeln von Orſera, ans Land. Hier theilten ſie ſich. Einige verbargen ſich in den Buͤſchen, andere flohen auf die Gebirge. Mehr als 40 wurden zu Piſin auf Oeſterrei - chiſchem Gebiete arretiret, und viele andere in dem Staate unſerer Republik. Bis jetzt hat man 66 davon ergrif - fen, die von neuem in Ketten gelegt worden, und hieher gebracht werden ſollen, zu welchem Ende ſchon ein großes bewaffnetes Fahrzeug abgegangen. Unſere Nachrichten aus den Haͤven der Levante ſind von keiner Wichtigkeit.
Der Graf von Firmian wird im Auguſt nach Mayland kommen, und die feyerliche Anwerbung um die Prin - zeßinn von Eſte fuͤr den Erzherzog Ferdinand thun. Nach - her wird ſich die Prinzeßinn nach Mantua begeben, wo das Beylager in Gegenwart der Hoͤfe von Parma und Florenz mit vieler Pracht wird vollzogen werden, wor - auf beyde hohe Vermaͤhlte ſich nach Mayland verfuͤgen, um daſelbſt zu reſidiren.
In unſern Kirchen haben die gewoͤhnlichen Fuͤrbitten fuͤr die gluͤckliche Entbindung Ihrer Koͤnigl. Hoheit, der Großherzoginn, ihren Anfang genommen.
Capitain Daumas, der im May von Theſſalonich gekommen, iſt im Archipelago von einem Fahrzeuge mit Rußiſcher Flagge angehalten worden. Er hat ſeinen Seconde-Capitain mit 3 Mann an Bord deſſelben ſchicken muͤſſen, dagegen 13 bewaffnete Perſonen von dem Fahrzeuge zum Capitain Daumas gekommen ſind. Nachdem ſie ſeine Ladung unterſuchet, haben ſie ſich Rauchtoback ausgebeten. Der Capitain hat ihnen et - was gegeben, womit ſie aber nicht zufrieden geweſen, ſondern ſich 10 Ballen davon reichen laſſen. Hierauf haben ſie ſich wieder nach ihrem Schiff begeben, und dem Capitain ſeine Leute zuruͤckgeſchickt, welche auf dieſem Schiffe die Berathſchlagungen mit angehoͤret haben, ob man ſich des Franzoͤſiſchen Fahrzeuges bemaͤch - tigen ſollte. Blos die Ladung, die aus Wolle und Cattun beſtanden, wobey ſie eben keine Rechnung gefunden, hat ſie bewogen, das Schiff wieder fahren zu laſſen.
Den 17ten dieſes, Abends um 10½ Uhr, erſchien der Horizont von einem ſehr lebhaften und glaͤnzenden Lichte erleuchtet, welches ungefaͤhr ein paar Minuten dauerte.
Beym Kriegsdepartement ſind von neuem 12 Millionen, und beym Seedepardement 8 Millionen eingezogen wor - den. Kuͤnftig ſind alſo fuͤr letzteres nur 25 Millionen, und fuͤr erſteres nur 54 Millionen noͤthig. Die Trup - penverminderung, welche zu dieſer Erſparung noͤthig iſt, wird dem Ackerbaue deſto vortheilhafter ſeyn.
Das Publicum iſt ſehr begierig, die Remonſtranz des neuen Parlements zu ſehen. Es bezahlt mit deſto we - nigerm Murren die verlangten Abgaben, wenn es ſieht, daß dem Koͤnige aller Schaden, der daraus entſtehen kann, iſt vorgeſtellet worden.
Der Prinz Xaver von Sachſen iſt den 13ten dieſes aus Italien hier eingetroffen.
Bey den Audienzen des Parlements hoͤret man den General-Advocaten de Verges mit Vergnuͤgen reden. Dieſer Mann iſt wegen ſeiner Rechtſchaffenheit eben ſo bekannt, als wegen ſeines anſehnlichen Vermoͤgens.
Seit der Aufhebung der Oſtindiſchen Compagnie ha - ben ſich 200 Officiers, welche bey ſelbiger in Dienſt waren, ohne Amt und ohne Mittel zu ihrer Unterhaltung befunden. Der Herr von Boynes, Miniſter beym See - Departement, will aber nun fuͤr ſelbige ſorgen. Einige haben ſchon den Ludwigsorden vom Koͤnige erhalten, und man ſagt, es werde zu l’Orient fuͤr ſie eine beſon - dere Marine errichtet, weil ſie mit der Koͤnigl. Marine ohne viele Unbequemlichkeite nicht koͤnnen verbunden werden.
Herr Pibrac, ein beruͤhmter Wundarzt, iſt an einer Aderlaſſe, deren er ſich wegen eines heftigen Seitenſte - chens, das aber bloß von Unverdaulichkeit herruͤhrte, bedienet hat, geſtorben.
Als Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt bey Hoͤchſtdero letzten Auf - fenthalt allhier die Zeughaͤuſer und den Seehaven be - ſuchet, ſo erhoben Sie ſich auch in eine Matroſenhuͤtte, zu eben der Zeit, da die Matroſen zu Mittag ſpeiſten. Sie ſtunden alle ploͤtzlich auf; aber Se. Majeſtaͤt noͤthig - ten ſie, ſitzen zu bleiben, ſagend, ich werde heute euer Gaſt ſeyn, und eure Erbſen-Suppe verſuchen. Hoͤchſt -dieſelben bedienten ſich auch wirklich hiezu des hoͤlzernen Loͤffels eines Matroſen, welchen Sie ihm hernach, nebſt einem Geſchenk, mit folgenden Worten wieder zuruͤck - gaben: Es iſt billig, daß ich euch den Leihelohn dafuͤr bezahle. Ein Admiral forderte nachher gedachten Loͤffel von dem Matroſen, um ihn zu ewigem Angeden - ken dieſer Begebenheit in ſeinem Schiff aufzubewahren; aber der Matroſe wollte ihn nicht herausgeben. Der Admiral bot ihm 2 Ducaten. “Nicht fuͤr die ganze La - dung eures Schiffes, antwortete der Matroſe: er ſoll in meinem Hauſe bleiben. Ich werde mit meiner Meſſer - ſpitze hinein graben, daß der Koͤnig mit ſolchem gegeſſen, damit es meine ſpaͤten Enkel erfahren.” Der Admiral, vergnuͤgt uͤber dieſe Antwort, ließ ihm den Loͤffel und die 2 Ducaten.
Geſtern wurde das Geburtsfeſt der regierenden Koͤ - niginn, welche in das 21ſte Jahr Ihres Alters tritt, bey Hofe auf Hirſchholm mit gewoͤhnlicher Pracht gefeyert. Nachmittags zwiſchen 5 und 6 Uhr wurde die neugebohrne Prinzeßinn in dem Zimmer der Koͤniginn von dem Hof - prediger Quiſt getauft. Sie empfieng die Namen Louiſe Auguſta. Die verwittwete Koͤniginn Juliana Maria hielte ſie uͤber der Taufe, waͤhrender Zeit die Glocken auf den hieſigen Kirchthuͤrmen gelaͤutet wurden. Nach dem Tauf-Actus war im Ritterſaale Koͤnigl. Tafel von 25 Couverts, und 2 Cavalierstafeln, jede von 40 Cou - verts. Der Capellmeiſter Sarti fuͤhrte bey der Tafel ein Concert auf, wobey ſich die Italieniſchen Operiſten mit ſehr ſchoͤnen Singeſtuͤcken hoͤren ließen. Auf Hirſch - holm war des Abends eine praͤchtige Illumination; auch wurde ein ſehr ſchoͤnes Feuerwerk abgebrannt.
Der Koͤnig hat den geheimen Cabinetsminiſter, Joh. Friedrich Struenſee, und den Kammerherrn, Envold von Brandt, in den Grafenſtand erhoben.
Der Miniſter einer gewiſſen Macht bey einem der Kreiſe Deutſchlandes hat an ſeinen Hof einen Expreſſen geſchickt, um ihm von einem ungluͤcklichen Vorfall Nach - richt zu geben. Eine Perſon von vornehmem Range iſt im Kopfe verruͤckt geworden. Als ſie von der Tafel aufgeſtanden, hat ſie alle Glaͤſer, Porcellain ꝛc. zerſchla - gen, und zween Domeſtiken aus dem Fenſter geworfen. Man hatte beſchloſſen, ſelbige bis zu ihrer Geneſung im Zimmer zu behalten; ſie hat aber, nach erhaltener Nachricht hievon, ſogleich den Ort ihres Aufenthalts verlaſſen. Man erwartet naͤchſtens die Folgen dieſer Begebenheit.
Nunmehro hat das Waſſer bereits an 6 Fuß vor un - ſerm Deichthore abgenommen. Man kann ſelbiges ſchon zu Fuß und Wagen wieder paßiren; und obgleich das Waſſer noch uͤber die beyden Enden der Bruͤcke gehet, die zum Deich fuͤhret, ſo iſt die Paſſage uͤber dieſelbe doch ſchon frey, indem uͤber die noch uͤberſchwemmten Stellen Bretter gelegt worden. Zur Wiederherſtellung der Deichbruͤche werden die beſten Vorkehrungen ge - macht.
“Samuel Bourns geiſtliche Reden uͤber einige “auserleſene Parabeln unſers Heilandes. Aus dem
“Engliſchen. Erſter Band. Herausgegeben von J. J. “Duſch, Profeſſor und Rector in Altona. Altona und “Bremen. 1771.” Ob es uns gleich an Erklaͤrungen[4]der Parabeln, in welchen unſer Heiland das Volk gekeh - ret, und welche den Inhalt unſerer meiſten ſogenannten Sonntags-Evangelien ausmachen, nicht fehlet; ſo ſind dieſe geiſtlichen Reden des Herrn Bourns doch mit ſo vieler Einſicht geſchrieben, daß Leſer, denen es um den wahren eigentlichen und ungekuͤnſtelten Verſtand dieſer Gleichniſſe zu thun iſt, ſelbige zu ihrer großen Erbauung leſen, und dem Herrn Profeſſor Duſch fuͤr die beſorgte Ausgabe derſelben vielen Dank wiſſen werden. Es iſt bekannt, wie ſehr und auf welche verſchiedene Art ſich der Witz mancher Prediger an dieſen Gleichniſſen geuͤbet hat, die, zuweilen auch da, wo der Heiland ſelbſt die Erklaͤrung davon gegeben, ſolche Deutungen heraus - gebracht haben, wozu ihnen weder die Worte, noch die Abſicht des himmliſchen Lehrers, noch die Gelegenheit und Umſtande, unter welchen ſie ausgeſprochen worden, Anlaß geben. Dergleichen weit hergeholte Deutun - gen und Erklaͤrungen wird man in den gegenwaͤrtigen Reden gewiß nicht antreffen. Der Verfaſſer erklaͤrt die Parabeln kurz, und ſtreut allenthalben Betrachtungen ein, die fuͤr den Zuhoͤrer oder Leſer eben ſo nuͤtzlich ſind, als ſie von des Redners Einſicht und großen Kenntniß des menſchlichen Herzens einen Beweis abgeben. Die Art, unter Fabeln, Allegorien oder Parabeln zu lehren, ſcheint zu allen Zeiten in großer Achtung, und nicht nur geringen Leuten, ſondern auch Perſonen von der beſten Erziehung und dem feinſten Geſchmacke angenehm ge - weſen zu ſeyn. Unſer Heiland aber hat, nach dem Ge - ſtaͤndniſſe unſers Verfaſſers, alle Lehrer dieſer Art weit uͤbertroffen, wenn man auf die eigenthuͤmlichen Eigen - ſchaften ſeiner Parabeln ſehen will, wodurch ſie ſich von allen andern Fabeln, Allegorien, ꝛc. unterſcheiden. Seine handelnden Perſonen ſind nicht geringere Geſchoͤpfe, ſondern Menſchen. Die Gleichniſſe zeichnen ſich in nachdruͤcklicher Kuͤrze, Mannichfaltigkeit und Deutlich - keit vor andern aus. — Oefters wird in ſelbigen ſein eigener Charakter, als die Hauptfigur, und in ſo man - nichfaltigen wichtigen und bedeutenden Augpunkten, eingefuͤhret. — Er ſagte dieſe Parabeln, gerade wie ſich ihm in dem ordentlichen Verfolg ſeiner Unter - redung mit andern, und ſeines Unterrichts die Gelegen - heiten anboten.
Der erſte Theil dieſes Bandes enthaͤlt 7 Reden uͤber die Parabeln im 13ten Kapitel Matthaͤi: Von dem auf die Oberflaͤche geſaͤeten Saamen, von der Erndte, oder der Abſonderung des Unkrauts von dem Waizen. Von dem Netze, welches von allerley Gattung fieng, oder vom Fiſchfang und der Auswahl der Fiſche. Von dem im Felde verborgenen Schatz und der koſtbaren Perle. Von dem Senfkorn, welches zur groͤßten Staude wurde, und dem Sauerteig, der ſich unter den uͤbrigen Teig miſchte. Der zweyte Theil enthaͤlt 9 Reden uͤber die Parabeln im 15ten und 16ten Kapitel Lucaͤ. Von dem ſorgſa - men Hirten. Von dem verlohrnen Sohn und ſeinem erbarmenden Vater. Von dem verſchlagenen Haus - halter, oder verhaͤrteten Betruͤger. Von dem lieblo - ſen reichen Juden und ſeinen Bruͤdern. Die letzte Rede handelt von dem, wie unſer Heiland den Apoſteln ihre Eitelkeit verweiſet.
Da die allgemeine Handlungs-Compagnie zu Copen - hagen von nun an alle die Schiffe, welche bishero jaͤhr - lich mit ihren Ladungen von Platfiſch und andern Is - laͤndiſchen Producten aus Island auf die Elbe deſtini - ret geweſen, directe hier auf Copenhagen beſtimmet hat; folglich dieſe Art Waaren nach dieſem hieſelbſt, und ankeinem andern Orte, aus der erſten Hand zu bekommen ſind: So wird ſolches jedermaͤnniglich zur beliebigen Nachricht bekannt gemacht, um ſich desfalls an dero hieſigen Freunde addreßiren zu koͤnnen. Ueberdem wird man die Preiſe gleichfalls nach geſchehener Ankunft der Schiffe publique bekannt machen.
In dem General-Lotterie-Comtoir zu Hamburg auf Kayſers Hof werden fuͤr folgende Zahlen-Lotterien Billets ausgegeben:
Zu der dritten Claſſe der dritten extraordinairen Hannoͤveriſchen Geld-Lotterie, als auch zu der zwey - ten Claſſe der 18ten Braunſchweigiſchen Geld-Lot - terie ſind noch einige ganze und Viertel-Looſe, und zwar unter dem im Plan beſtimmten Einſatz zu erhalten. Die Plane davon ſind gratis abzulangen. Beliebige Einſaͤtze zu unterſchiedlichen hier gangbaren Zahlen - Lotterien koͤnnen bey mir gemacht werden.
In der 57ſten Ziehung der Reichsſtadt Augsburgiſchen Zahlen-Lotterie, welche den 20ſten dieſes mit bekannter Accurateſſe vollzogen worden, ſind folgende 5 Nummern zum Vorſchein gekommen, als:
| 51. | 65. | 70. | 41. | 90. |
Alle hieher gefallene ſehr betraͤchtliche Gewinnſte wer - den nun, wie jederzeit, alſogleich gegen Einlieferung der gewonnenen Original-Billets prompt ausbezahlt. Die 58ſte Ziehung dieſer ſehr vortheilhaften Lotterie geſchiehet den 9ten Auguſt. Der Schluß allhier iſt den naͤmlichen Tag, Abends um 8 Uhr.
Da am 10ten des bevorſtehenden Auguſt-Monats die zu Neuendorf unweit Elmshorn befindliche und mit betraͤchtlichen Emolumentis verſehene Korn-Windmuͤhle anderweit auf zehen Jahre, ſo May-Tag 1772. ihren Anfang nehmen, verhaͤuert werden ſoll: Als werden die etwanigen Liebhaber dieſes Pachtſtuͤcks zu der zu ſo - thanem Endzweck beſagten Tages, fruͤh um 10 Uhr, hieſelbſt vorzunehmenden Licitation hiedurch eingeladen.
Der ſeit 18 Jahren abweſende Caſpar Gottfried Schwarzenberg wird ad inſtantiam ſeiner Inteſtat - Erben edicaliter und ſub poena, daß er im Außenblei - bungsfall Pro mortuo werde declariret werden, vor die Fuͤrſtl. Quedlinburgiſche Stifts-Regierung adcitiret.
Quedlinburg, den 19ten Julii, 1771.
Britt-Marie SchusterManuel WilleArnika LutzFabienne WollnyNote: Bereitstellung der Texttranskription.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2014-07-07T12:30:46Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
Fraktur
Die Transkription erfolgte nach den unter http://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat formulierten Richtlinien.Verfahren der Texterfassung: manuell (einfach erfasst).I/J in Fraktur: Lautwert transkribiert
Distributed under the Creative Commons Attribution-NonCommercial 3.0 Unported (German) License.