Seit dem vorigen Poſttage ſind hier große Veraͤn - derungen vorgegangen. Herr Necker iſt nicht mehr Directeur der Finanzen, und hat das Reich verlaſſen muͤſſen, auch ſind noch andere Veraͤnderungen im Mi - niſterio vorgefallen; doch ich will ihnen die Sachen ſo melden, wie ſie ſich nach der Zeitfolge zugetragen haben:
Jn der Sitzung der National-Verſammlung vom 10ten dieſes ward vorgeſchlagen, Ausſchuͤſſe zur Unter - ſuchung des Finanzweſens und des Commerciums zu ernennen. Des Abends uͤbergaben die Deputirten der Verſammlung dem Koͤnige die neulich gedachte Addreſſe wegen des Abmarſches der Truppen aus dieſen Gegen - den. Der Monarch gab die folgende Antwort: “Je - dermann weiß die aͤrgerlichen Auftritte, die zu Paris und Verſailles unter meinen Augen vorgegangen und erneuert worden. Es iſt nothwendig, daß ich von den in meiner Macht habenden Mitteln zur Wiederher - ſtellung der Ordnung in der Hauptſtadt und deren Nach - barſchaft Gebrauch mache. Es iſt eine meiner vorzuͤg - lichſten Pflichten, fuͤr die oͤffentliche Sicherheit zu wachen, und eben deshalb habe ich Truppen um Paris verſammelt. Sie koͤnnen der Verſammlung der allge - meinen Staͤnde die Verſicherung geben, daß ſie bloß zur Verhuͤtung neuer Unordnungen, zur Erhaltung der Ordnung, zum Schutz der Geſetze und ſelbſt der Frey - heit, die in ihren Verſammlungen herrſchen muß, be - ſtimmt ſind. Alle Art von Zwang, ſo wie alle Furcht von Tumult und Gewalt muß aus ſelbigen verbannt ſeyn. Nur uͤbelgeſinnte Leute koͤnnen meinen Unter - thanen uͤber die Vorſichtigkeitsmittel, die ich ergreife, falſche Begriffe beybringen. Jch habe beſtaͤndig ihr Wohl geſucht, und ich habe immer Urſache gehabt, von ihrer Liebe und Treue verſichert zu ſeyn. Sollte in - deſſen die nothwendige Gegenwart der Truppen in der Nachbarſchaft von Paris noch Argwohn verurſachen, ſo will ich, wenn es die Verſammlung verlangt, die allgemeinen Staͤnde nach Noyon oder Soiſſon verle -gen. Jch werde mich alsdann nach Compiegne bege - ben, um die Gemeinſchaft zu unterhalten, welche zwiſchen den Staͤnden und mir Statt haben muß.”
Den 11ten ward dieſe Antwort in der National - Verſammlung vorgeleſen. Der Graf von Crillon ſagte, man moͤchte ſich auf die Koͤnigl. Verſicherung verlaſſen, und der Graf von Mirabeau fuͤgte noch hinzu, der Koͤ - nig habe nicht auf das, warum man gebeten, geantwor - tet: “Wir haben nicht (ſagte er) vor den Truppen fliehen wollen, ſondern wir haben die Flucht der Trup - pen ſelbſt verlangt.” Uebrigens ward die Deliberation uͤber dieſe Sache ausgeſetzt, doch ſcheint die Verſamm - lung entſchloſſen zu ſeyn, Verſailles nicht zu verlaſſen. Der Marquis de la Fayette las ein Project uͤber die natuͤrlichen Rechte des Menſchen, als das erſte Stuͤck des Plans zur Conſtitution.
Am Donnerſtage wurden einige Huſaren-Officiers in ihrer Uniform in dem Garten des Koͤnigl. Palais vom Poͤbel wiederum gemißhandelt, ſie entkamen aber doch der Wuth deſſelben. Der Sohn des Herzogs von Po - lignac war einer dieſer Officiers.
Die hier angekommene Artillerie-Brigade iſt im Jn - validenhauſe einquartiert. Am Freytage giengen 80 Artilleriſten von da nach dem Palais Royal. Herr von Bellecombe, ihr Oberſter, begegnete ihnen, zog den Degen, drohete, und bat ſie, zuruͤck zu kehren. Alles war umſonſt. Jm Garten des Palais wurden ſie mit großem Jauchzen empfangen, man tractirte ſie mit Wein, Liqueurs, Schinken, Paſteten, ꝛc. ꝛc. welches bis 5 Uhr unter Muſik fortdauerte. Nachher giengen ſie mit dem Volke ſpatzieren, und um Mitternacht be - gaben ſie ſich wieder nach dem Jnvalidenhauſe. Der General Lieutenant von Narbonne Fritzlar gieng dahin mit einem Koͤnigl. Befehl an den Oberſten der Artille - riſten, ſich ſogleich wegzubegeben. Der Oberſte mar - ſchirte hierauf mit dem Bataillon nach Luzarche. Den Tag vorher war ein anderes Bataillon von 400 Kano - niers angekommen, die wir jetzt hier haben.
[2]Am Sonnabend war abermals im Palais Royal eine aufruͤhriſche Scene.
Unſere Kaufleute verſichern, daß das Geld, welches in einem Jahre fuͤr Korn, ꝛc. aus dem Reiche gezogen, 50 Millionen betrage.
Der Marquis von Mirabeau, Vater des Grafen die - ſes Namens, iſt geſtorben. Man ſagt, er habe ſeinen Sohn enterbt.
Geſtern ward folgendes oͤffentlich angeſchlagen: “Da der Koͤnig die ſeit einiger Zeit durch uͤbelgeſinnte Leute geſtoͤhrte Ruhe auf eine dauerhafte Art aufrecht erhal - ten will; ſo hat er Truppen bey ſeiner Perſon und in der Nachbarſchaft dieſer Hauptſtadt kommen laſſen. Weil aber die allgemeinen Staͤnde hieruͤber einige Un - ruhe bezeigt haben; ſo hat er ſelbige zu beruhigen ge - ſucht, und ihnen ſeine wohlthaͤtigen Abſichten bekannt gemacht, die dahin gehen, die Freyheit und Ruhe ihrer Verſammlungen aufrecht zu erhalten. Der Koͤnig, der immer einerley Geſinnungen gegen ſein Volk hegt, deſſen Wohl der beſtaͤndige Wunſch ſeines Herzens iſt, erklaͤrt, daß er ſich nie ſeiner Macht, als bloß zur Auf - rechthaltung der Ordnung und der Ruhe, bedienen werde; zugleich aber erneuert er alle Verordnungen gegen Zuſammenrottirungen und gegen die Stoͤhrer der oͤffentlichen Ruhe. Er verſichert alle ſeine treue Unterthanen, und beſonders die Einwohner ſeiner guten Stadt Paris, ſeiner Gewogenheit und ſeines Schutzes.”
Geſtern Vormittag um 11 Uhr verbreitete ſich zu Verſailles und hier das Geruͤcht, daß Herr Necker aus dem Miniſterio entlaſſen, auch wirklich ſchon abgegan - gen ſey. Erſt des Nachmittags, zwiſchen 4 und 5 Uhr, ward das Volk in Paris voͤllig von dieſer Neuigkeit unterrichtet. Ehe ich von der Wirkung rede, die ſel - bige hervorbrachte, muß ich die Art und Weiſe melden, wie dieſe Entlaſſung des Herrn Necker bewirkt worden. Am Sonnabend, gegen 3 Uhr, einen Augenblick vor - her, ehe ſich Herr Necker zur Tafel ſetzte, begab ſich der Graf de la Luzerne zu ihm, uͤbergab ihm einen Brief, den der Koͤnig mit eigener Hand geſchrieben, worinn der Monarch ihm fuͤr ſeine Dienſte dankte, ihm meldete, daß er ſeine Entfernung aus dem Reiche fuͤr nothwendig hielte, um die oͤffentliche Ruhe wieder herzuſtellen, und ihm empfohl, uͤber den Befehl, abzureiſen, und uͤber ſeine Abreiſe ſelbſt das tiefſte Stillſchweigen zu beobachten. Herr Necker ſetzte ſich mit ſeiner Ge - mahlinn, ſeiner Tochter, ſeinem Bruder und einigen Deputirten zur Tafel, und ſchien beym Eſſen ganz munter. Nachmittags begaben ſich ſeine Tochter und ſein Bruder nach Paris, und er ſelbſt ſchlug ſeiner Ge - mahlinn einen Spatziergang vor. Man ſtieg in die Kutſche, und nun machte er derſelben den Koͤnigl. Be - ſehl bekannt. Er ſagte zum Kutſcher, bis nach Seve zu fahren, und als er da angekommen war, noch bis zu ſeinem Landgut St. Ouen, von da er ſeinen Kut - ſcher nach Paris zuruͤck ſchickte. Er ſchrieb hierauf einige Briefe, ſchickte einen Courier nach Verſailles, und einen andern nach Paris. Seine Tochter und ſein Bruder wurden von dem Vorfall erſt geſtern un - terrichtet. Die erſte begab ſich ſogleich auf den Weg zu ihrem Vater, der aber mit ſeiner Gemahlinn ſchon Poſtpferde genommen, um ſich nach Beauvais zu bege - ben; wenigſtens will man ſie auf dieſem Wege ange - troffen haben, von da ſie ſich vermuthlich nach Holland,und ſo weiter nach ihrem Landgut Copel, bey Genf - begeben werden.
Zu Paris befanden ſich viele Deputirte, die ſogleich nach Empfang dieſer Nachricht nach Verſailles zuruͤck - giengen, wo ſie ſich geſtern Abend um 6 Uhr haben verſammeln wollen. Man befuͤrchtet, der Hof werde mit Nachdruck gegen die Verſammlung agiren, im Fall ſie gegen die Rechte des Monarchen handeln ſollte. Jndeſſen ſcheinen die Deputirten entſchloſſen zu ſeyn, die Rechte der Nation auf Koſten ihres Lebens zu ver - theidigen. Uebrigens iſt der Eindruck und die Senſa - tion, welche die Fortſchickung des Herrn Neckers ver - urſacht hat, unglaublich, und man zittert, Nachrich - ten aus den Provinzen zu hoͤren. Es iſt noch zu vor - eilig, dasjenige zu melden, was hier uͤber dieſe Bege - benheit geurtheilt wird. Die Zukunft wird es lehren, was fuͤr Folgen daraus entſtehen werden.
Ehe Herr Necker abreiſete, ſchickte er dem Koͤnige noch verſchiedene Papiere zuruͤck, nebſt einem Briefe, worinn er meldete, daß er im Schatze 12 Millionen ließe, und daß bis zu Ende des Septembers fuͤr Korn hinlaͤnglich geſorgt ſey. Der Herr Baron von Breteuil, welcher ſeit einigen Tagen verſchiedene Conferenzen mit dem Koͤnige gehabt hat, iſt von Sr. Majeſtaͤt zum Praͤ - ſidenten der Finanzen ernannt worden. Die Herren Chaumont de la Galaiſiere, Jntendant vom Elſaß, und le Febure d’Ammecourt, Parlementsrath zu Paris, ſind Directeurs der Finanzen, unter dem Baron von Breteuil, geworden, der gleichſam Principalminiſter iſt. Der Marſchall von Broglio hat an die Stelle des Grafen von Puyſegur das Kriegsdepartement erhalten. Er wird den Staatsrath von Foulon unter ſich haben. Der Herzog de la Vauguyon, Ambaſſadeur zu Madrid, koͤmmt an die Stelle des Miniſters der auswaͤrtigen Angelegenheiten. Man ſagt auch, daß der Staats - rath, Herr de la Porte, Seeminiſter an die Stelle des Grafen de la Luzerne geworden ſey; doch dies bedarf noch Beſtaͤtigung.
Der Eindruck, welchen die Nachricht von der Ent - fernung des Herrn Necker auch auf das Volk in dieſer Hauptſtadt machte, war ganz außerordentlich. Eben ſollten die Schauſpiele angehen, aber das Volk ließ alle Schauſpielhaͤuſer ſchließen. Man nahm 2 Wachs - figuren; die eine ſtellte den Herzog von Orleans, die andere Herrn Necker vor. Man fuͤhrte ſie in der gan - zen Stadt herum. Vor der Figur des Prinzen ward eine weiße, vor der des Herrn Necker eine ſchwarze Fahne getragen. Jm Palais-Royal hielt ein aufruͤhre - riſcher Schwaͤrmer eine Rede, nach deren Endigung er ein Piſtol aus der Taſche zog, die er nebſt einem Degen in der Hand hielt, und ſchwur, das Blut des Mar - ſchalls von Broglio zu vergießen. Seine Zuhoͤrer ließ er eben dieſen Schwur thun. Man hatte nach den Platz von Louis XV. Truppen und Kanonen geſchickt, wohin ſich viel Volk begeben hatte. Der Prinz von Lambeſe drang mit einem Detaſchement Cavallerie durch das Volk, welches auf die uͤbrigen Truppen los - gieng. Dieſe ſchoſſen hierauf, doch nur bloß mit Pulver. Man ſchoß auch einige Kanonen, bloß mit Pulver ab. Jndeſſen wurden einige Dragoner und Huſaren verwundet, auch nahm das Volk ein Pferd weg, welches im Triumph nach dem Garten des Palais Royal gefuͤhrt ward. Endlich nahm das Volk die Flucht, und die Cavallerie verfolgte es, bis 400 Schritte[3]in den Garten der Thuilleries. Von dem Volke iſt keiner getoͤdtet. Ein Particulier iſt verwundet; und als dieſer ſagte, der Prinz von Lambeſe habe es mit ſeinem Degen gethan, ſo ward deſſen Tod geſchworen. Es wollten keine Truppen in die Stadt Paris ſelbſt hinein, weil ſie befuͤrchteten, man wuͤrde ſie aus den Fenſtern todtſchießen. Geſtern um 10 Uhr, und die ganze Nacht hindurch, ſtuͤrmte man in verſchiedenen Kirchſpielen, und der Laͤrm dauerte unaufhoͤrlich fort. Alle Laden, Caffeehaͤuſer und Boutiquen ſind ver - ſchloſſen, — man wagt ſich nicht, auszugehen, — und man ſieht nichts als bewaffnete Leute. — Jn der vori - gen Nacht iſt es ſehr unruhig hergegangen. Einer von der Franzoͤſiſchen Garde, der fuͤr das Volk geweſen, iſt getoͤdtet, auch 12 Dragoner und Huſaren. — Der Himmel ſey uns gnaͤdig, und ſchenke uns bald die Ruhe wieder!
Es gehen von allen Seiten erwuͤnſchte Nachrichten ein. Der Herzog Carl von Suͤdermannland, iſt den 6ten dieſes von Carlskrona mit der Flotte 21 Linien - Schiffe, 9 ſchwere und 5 kleinere Fregatten, uͤber - haupt 40 Segel ſtark, ausgelaufen; eine See - macht, die nicht in 100 Jahren ſo groß aus einem Schwediſchen Haven ausgelaufen iſt. Sie iſt ſehr gut bemannet, ſowol mit Land - als See-Truppen, und mit gehoͤriger Artillerie und Proviſion reichlich verſehen. Der Herzog iſt am Bord des Admiral-Schiffes Guſtav III. und hat bey ſich den Contre-Admiral Nordenſkioͤld. Die Avantgarde ſtehet unter dem Be - fehl des Contre-Admirals Liljehorn, welcher als Vice - Landmarſchall auf dem letzten ſo merkwuͤrdigen Reichs - tage das Wort fuͤhrte. Die Arriergarde wird von dem Herrn Oberſten oder Schoutbynacht Modee comman - dirt. Unter den Schiffen, ſo dieſe Flotte ausmacht, ſind auch die 3 Rußiſchen, Wladislav, Jaroslav und Hector, die verwichenes Jahr von den Ruſſen genom - men, und unſerer Seemacht einverleibet wurden.
Es iſt nun zuverlaͤßig, das die Krone Daͤnnemark ſich verbunden hat, in dieſem ganzen Nordiſchen Kriege neutral zu verbleiben, und Rußland weder zu Lande noch zu Waſſer beyzuſtehen. Der Daͤniſche Envoyé, Graf Reventlow, wird eheſtens auf Urlaub nach Hauſe reiſen, welches auch als ein Merkmaal an - gegeben wird, daß die Zwiſtigkeiten zwiſchen den beyden Reichen beygelegt worden.
Der Koͤnig hat in dem Roßiſchen Finnland einen doppelten Sieg davon getragen. Die Armee paßirte den 25ſten Junii die Kymene, ſchlug die Rußiſchen Poſtirungen, und drang vor bis Davidsſtadt, einen mitten im Rußiſchen Finnland gelegenen Ort, wo ein Rußiſches Corps auf dem Uttismalm oder Heide ſich zur Gegenwehr geſetzt hatte, aber es wurde nach einem fuͤnfſtuͤndigen Gefechte zuruͤckgeſchlagen. Dieſes ge - ſchahe den 28ſten dieſes. Der Koͤnig war uͤberall mit - ten im Feuer, und behauptete das Schlachtfeld, wo der Feind ſein Lager und Bagage uns uͤberließ. Das Weſtmannlaͤndiſche Regiment zeichnete ſich hier durch eine große Bravour aus. Nachdem marſchirte der Koͤnig weiter, und traf den 3ten Julii den Feind bey Likala, einem Dorfe und Paß auf dem Wege nach Friedrichshamn, wo die Leibgarde den Paß mit ſtuͤr - mender Hand eroberte. Als der Courier mit dieſenNachrichten abreiſete, ſtand der Koͤnig noch anderthalb Meilen von Friedrichshamn. Zur See machte die Finniſche Eskadre einen Beſuch nicht weit von jetzt benannter Veſtung, und nahm 20 Rußiſche Haupt - Fahrzeuge mit Mundproviſionen, welche, die Fahr - zeuge unberechnet, einen Werth von 25000 Thaler ausmachten. An Gefangenen haben wir keinen einzi - gen verlohren, und von den Ruſſen 25 bis 30 erhal - ten. An geſchlagenen Ruſſen auf den beyden Wahl - plaͤtzen haben wir ungefaͤhr 100 begraben.
Durch die Veranſtaltung des Herzogs von Suͤder - mannland iſt unſere Flotte mit vielen Drehbaſſen ver - ſehen, um dadurch dem Feind das Entern zu erſchweren.
Alle Stellen in den hieſigen Scheeren, wo der Feind eindringen koͤnnte, ſind mit Batterien und Mannſchaft beſetzt, um die Hauptſtadt zu ſichern.
Aus dem Jnneren des Reichs und von der Norwegi - ſchen Grenze kommen noch immer Truppen in den Einſchiffungsoͤrtern an, welche nach Finnland gebracht werden.
Jn einer Beylage zur heutigen Zeitung iſt der aus - fuͤhrliche Bericht von der Eroberung von St. Michael, wo man nach Loͤſchung der Feuersbrunſt in den Maga - zinen viele Lebensmittel, Butter, Schinken, Grau - pen, Mehl, Branntewein, mehr als 300 Tonnen Heeringe, viel Kriegsgeraͤth, Kugeln, 46 Tonnen Pulver, Flinten, Piſtolen, Degen, ꝛc. vorfand. Wir haben eine Standarte und 2 Fahnen erobert. Gefan - gen genommen ſind 2 Majors, 5 Oberofficiers, 2 Staabs - Chirurgi, 1 Chirurgus und uͤber 100 Gemeine, nach deren Ausſage ſich das in St. Michael geſtandene feindliche Corps auf 3000 Mann belief. Außer dem, ſind die bey der erſten Action fuͤr todt erklaͤrte Ver - wundete und in den feindlichen Haͤnden gebliebene: Der Secondmajor Schleevoigt und 37 Gemeine wieder gefunden. Von den Schweden ſind bis 400 Mann auf der Stelle geblieben, die ausgenommen, die ſich in Kaͤhne warfen, und wegen zu großer Schwere verſan - ken, wie auch die, welche im Walde Rettung ſuchten, und daſelbſt von den Jaͤgern erſchoſſen wurden. Unſer Verluſt beſteht in 5 Todten und 30 Verwundeten. Nunmehr iſt dem feindlichen Savolakskiſchen Corps die Vereinigung mit der Schwediſchen Hauptarmee abge - ſchnitten. Nach Erhaltung des Sieges bey St. Mi - chael ſetzte der General-Lieutenant Michelſon ſeinen Weg nach Jokas fort, wohin ſich der Feind fluͤchten mußte, der bey dieſer Gelegenheit einen nicht gerin - gen Verluſt an Gebliebenen erlitt, darunter ſich ein Officier befindet, wobey noch 19 Mann gefangen ge - nommen ſind. (Das Mehrere morgen.)
Wir koͤnnen nunmehr die frohe und zuverlaͤßige Nach - richt mittheilen, daß die Geſundheitsumſtaͤnde des Kayſers auf das gluͤcklichſte ſich geaͤndert haben, und Se. Majeſtaͤt auf dem Wege der Geneſung die er - wuͤnſchteſten Fortſchritte machen. Es zeigt ſich nicht der geringſte Anfall der Krankheit mehr, und in der Maaße, wie ſich die beſchwerliche Mattigkeit in den Gliedern verlohren, nehmen auch die Kraͤfte wieder zu. Seine beyden Aerzte, den Leibmedicus, Freyherrn von Stoͤrk, und den Wundarzt, Herrn Hofrath von Bram - billa, hat der Monarch bereits am 8ten wieder von[4]ſich entlaſſen, ſo daß ſie nunmehr auch ihre Geſchaͤffte in der Stadt wieder verrichten koͤnnen, und nicht mehr die Obliegenheit haben, ihren Aufenthalt in Laxenburg bey der Perſon des Kayſers zu nehmen. Die - ſer Umſtand ſcheint es zu verbuͤrgen, daß kein Ruͤckfall mehr zu befuͤrchten ſey.
Von dem Kriegs-Theater im Bannat hat man keine weitere Privat-Nachrichten, als daß die Haupt-Armee gegenwaͤrtig damit zu thun habe, ihre großen Maga - zine in Sicherheit zu bringen, damit ſie den Verwuͤ - ſtungen des Feindes weniger ausgeſetzt ſeyn. Es hat das Anſehen, der Feldmarſchall Haddick finde es eben ſo wenig rathſam, ſich dem Eindringen des Feindes in dieſen gefaͤhrlichen Gegenden zu widerſetzen, als man es im vorigen Jahre thunlich gefunden hatte.
Aus einem Handbillet zu urtheilen, das der Monarch vor einigen Tagen an die Ungariſch-Siebenbuͤrgiſche Hof-Kanzley erlaſſen, hat man keine Hoffnung zu einem nahen Frieden. Se. Majeſtaͤt geben naͤmlich dieſer hohen Stelle darinn den Auftrag, bey Zeiten und unverweilt fuͤr den Einkauf und die Lieferungen der Lebensmittel und Fourage fuͤr den kuͤnftigen Feld - zu ſorgen, und dazu beſſere Anſtalten zu treffen, als bisher geſchehen iſt. Obſchon mein Koͤrper krank iſt, ſagt der Monarch in dieſem Schreiben, ſo iſt doch mein Geiſt geſund, und gar wol im Stande, fuͤr die Befolgung meiner Befehle und guten Ordnung zu wachen.
Die heutige Wiener-Zeitung hat eine Beylage von Kriegsvorfaͤllen, worinn gemeldet wird, 1) daß der Prinz von Coburg mit ſeinem Corps nach Parava vor - geruͤckt, und daß den 23ſten des vorigen Monats bey einer Recognoſcirung 25 Tuͤrken niedergehauen, mehrere verwundet, und 3 gefangen genommen worden; 2) daß der Feldmarſchall Laudon die noͤthigen Batterien vor Berbir errichtet, und die Veſtung in Brand ge - ſchoſſen habe. Dieſe Nachricht geht bis zum 4ten dieſes.
Dieſer Tagen kam ein von den aufgehobenen Bra - bantſchen Staͤnden abgefertigter Courier in Laxenburg an, der den Auftrag hatte, ſeine Depeſchen unmittel - bar dem Kayſer zu uͤbergeben. Der Monarch nahm ihm ſein Packet ab, und ſagte: Graf Trautmannsdorf wird die Antwort darauf ertheilen; indeſſen melde er den Staͤnden von Brabant, daß ich weder todt ſey, noch auf den Tod liege.
Es beſtaͤtigt ſich, daß das Lager bey Weißkirchen den 29ſten des v. M. durch ein großes Hagelwetter gleichſam unter Waſſer geſetzt worden.
So eben geht die Nachricht ein, daß die Ruſſen un - weit Bender ein anſehnliches Tuͤrkiſches Corps gaͤnzlich geſchlagen haben. Es ſollen viele Tuͤrken geblieben, und auch einige Gefangene gemacht worder ſeyn. Den Ruſſen ſind unter andern 2 Fahnen in die Haͤnde ge - fallen.
Der Koͤnig iſt dieſe Nacht von Kozienice wieder nach ſeiner Sommer Reſidenz Lazienki zuruͤck gekehrt.
Aus Volhynien wird unterm 7ten dieſes geſchrieben, daß den 1ſten zwey Tuͤrkiſche Compagnien nach Olvio - pol, wo ſich der Fuͤrſt Potemkin gegenwaͤrtig aufhaͤlt, gebracht werden.
Der Fuͤrſt Poninski wird gegenwaͤrtig in den Ca - ſernen der Kron-Artillerie aufbewahrt. Der Officier, der den Fuͤrſten zuruͤckgebracht hat, ein junger Faͤhnrich, hat ſich gegen ſeine Collegen, naͤmlich diejenigen Offi -ciers, die die Wache bey dem Fuͤrſten gehabt haben, als er entlief, und die jetzt arretirt ſind, ſehr groß - muͤthig bewieſen, indem er die ihm von der Kriegs - Commißion zugedachte Belohnung ausſchlug, und ſich dagegen die Erlaſſung der Strafe ſeiner Collegen ausbat.
Der Prinz Carl von Heſſen und die Daͤniſchen Majors, Graf von Bernſtorf und von Koͤppern, ſind aus Copen - hagen hier angekommen.
Den 14ten dieſes nahm die Prinzeßinn von Oranien den Marſtall in Augenſchein, gieng von da nach der Ritter-Academie, ritte ſelbſt 2 Pferde, und erhob ſich von da zu Pferde in Begleitung der Graͤfinn von Dohna, des Hollaͤndiſchen Geſandten, des Ober Stall - meiſters, Grafen von Lindenau, und verſchiedener der Koͤnigl. Stallmeiſter nach dem Thiergarten Mittags war bey der vetwittweten Koͤniginn, und Abends bey der regierenden Koͤniginn große Tafel, wo auch der Herzog von Mecklenburg-Strelitz und der Prinz Carl von Heſſen zugegen waren.
Geſtern Morgen gab die verwittwete Koͤniginn in Schoͤnhauſen ein großes Dejeuner. Die Frau Erbſtatt - halterinn erhoben ſich in dieſer Abſicht mit ihren beyden Prinzen von hieraus dahin zu Pferde, und wurden von dem Kronprinzen und dem Prinzen Louis begleitet. Die regierende Koͤniginn, die Prinzeß inn Friderike und ſaͤmmtliche Prinzeßinnen des Koͤnigl. Hauſes folgten in ihren Wagen. Auch der Oberſtallmeiſter, Graf von Lindenau, die Graͤfinn von Dohna, und viele der Koͤnigl. Stallmeiſter begleiteten dieſen Zug ſaͤmmtlich zu Pferde.
Am vergangenen Donnerſtage hielt die Koͤnigl. Aca - demie der Wiſſenſchaften zu Ehren der Frau Erbſtatt - halterinn eine oͤffentliche Verſammlung, welche gebachte Jhro Koͤnigl. Hoheit, die Prinzeßinn Wilhelmine, die Erbprinzeßinn von Oranien, der Kronprinz, der Prinz Louis, die Herren Soͤhne des Prinzen Ferdinand, der Prinz Carl von Heſſen, der Herzog Friedrich von Braun - ſchweig und der Erbprinz von Oranien nebſt deſſen Herrn Bruder, mit Dero hohen Gegenwart beehrten.
Geſtern, gegen Abend, trafen Se. Koͤnigl. Hoheit, der Prinz Heinrich, aus Rheinsberg hier ein. Heute haben Jhro Koͤn. Hoheit, die Prinzeßinn von Oranien, ſich nach Charlottenburg erhoben. Der Zulauf des Volks war ungemein groß, um den Einzug dieſer Fuͤrſtinn zu ſehen. Sie ward von der Buͤrgerſchaft eingeholt. Am kuͤnftigen Dienſtag wird daſelbſt bey Sr. Majeſtaͤt, dem Koͤnige, Ball und Sopper ſeyn, wohin alle Prinzen und Prinzeßinnen, ſo wie alle Per - ſonen vom Stande eingeladen ſind. Selbigen Abend wird daſelbſt ein Feuerwerk abgebrannt. Zum Behuf deſſelben ſind 6000 Thaler angewieſen worden.
Wie verlautet, wird die Prinzeßinn von Oranien bis zum 10ten Auguſt bey Jhrem Koͤnigl. Bruder verbleiben.
Den 17ten gieng ein von Petersburg kommender Rußiſcher Courier hier durch nach Copenhagen.
Schiffer Pauw iſt mit 163 Tonnen neuer Preußi - ſchen; Heith mit 29 Tonnen Engliſcher, und K〈…〉〈…〉 es mit 145 Tonnen Daͤniſcher Heeringe aus der Nord - See angekommen.
Nachdem ſich ein Theil der Armee unter dem Befehl des General-Lieutenant von Platen den 22ſten Junii bey Elima, und ein anderer Theil unter dem Befehl des General-Lieutenants, Baron Siegroth, bey Kan - ſala zuſammengezogen hatte, ſetzte ſich die ganze Armee den 23ſten in Marſch nach den Grenzen. Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt folgten ſelbſt der Diviſion des General-Lieu - tenants von Platen, und fuͤhrten das erſte Bataillon Jhrer Leibgarde. Dieſes Corps, ſammt dem Artille - riepark, nahm ſeinen Weg nach Willikela, campirte den 24ſten bey Ummeljoki, von da es um 11 Uhr Abends in der Stille nach Werele gieng. Dem Sieg - rothſchen Corps folgten 12pſuͤndige Kanonen. So - bald beyde Corps den 25ſten, fruͤh um 4 Uhr, bey dem gemeinſchaftlichen Sammelplatz hinter Werele ange - langt waren, ward ſogleich der Anfang mit Anlegung der Batterien gemacht. Jn den darauf erfolgten klei - nen Angriffen blieben verſchiedene Feinde, auch kamen einige Ueberlaͤufer zu uns. Den 26ſten, des Morgens, gieng die ganze Armee uͤber den Fluß, und ſchlug auf beyden Seiten des Dorfs Makikowola ein Lager auf. Es ward bald bekannt, daß die Rußiſchen Poſtirungen mehrere Verſtaͤrkung zuſammengezogen, und wir den 28ſten oder 29ſten angegriffen werden ſollten. Dieſes bewog Se. Majeſtaͤt, dem Feind zuvorzukommen, und der Aufbruch geſchahe den 28ſten, fruͤhe um 3 Uhr. Das Dorf Welkiala, welches vom Feinde verlaſſen worden, ward von den unſrigen beſetzt, und um 7½ Uhr waren wir nur 4 Werſte vom feindlichen Lager ent - fernt. Als der Feind ſolches erfuhr, brach er auf aus dem Lager, marſchirte 3 Werſte, und ſtellte ſich in Schlachtordnung. Das Weſtmannlaͤndiſche Regiment marſchirte durchs Gehoͤlze, das dem Feinde zur Seite war, um ſich der Avantgarde zu naͤhern. Man fieng den Angriff mit großer Heftigkeit von feindlicher Seite an; es widerſtand aber ſelbigem mit der groͤßten Bra - vour und Standhaftigkeit. Bey dieſem Angriff ward der Capitain Kroͤningswaͤrd im Munde bleßirt, Lieu - tenant Roſen geroͤdtet, und der Faͤhnrich, Baron Le - hauſen, verwundet. Als der Koͤnig Nachricht erhielt, daß der Feind ſich gegen den linken Fluͤgel des Weſt - mannlaͤndiſchen Regiments zoͤge, ward demſelben ein Bataillon des Weſterbottniſchen Regiments zur Huͤlfe geſandt, und das zweyte Bataillon marſchirte, den Berg, den der Feind am rechten Fluͤgel hatte, zu be - ſetzen; weil aber die feindlichen Jaͤger den unſrigen, welche den rechten Fluͤgel des Weſtmannlaͤndiſchen Regiments bedeckten, heftig zuſetzten, ließ der Koͤnig die zu ſeiner eigenen Bedeckung dienenden 24 Leibdra - goner abſitzen und in den Wald gehen, um unſere Jaͤger zu unterſtuͤtzen Unter dieſer Zeit eilte der General - Lieutenant von Platen mit ſeinem Coros dem Koͤnigezu Huͤlfe. Die 6pfuͤndigen Kanonen, die derſelbe bey ſich hatte, wurden ſogleich vorwaͤrts geſchickt, und der General ſelbſt mit dem Kroneborgſchen Regimente ſuchte den feindlichen linken Fluͤgel einzuſchließen; das eine Bataillon Oſtgothen gieng zur Huͤlfe des Weſter - bottniſchen Regiments, den Berg zu erreichen. Dieſes Manoeuvre zwang den Feind, der ſich in der Flanke an - gegriffen ſahe, ſich zuruͤckzuziehen. Der Ruͤckzug ge - ſchahe in der beſten Ordnung bis zu ſeinem Lager auf Uttismalm, 3 Werſte, wo er ſich wieder in Schlacht - Ordnung ſetzte. Die unſrigen verfolgten ihn, und griffen ihn auf verſchiedenen Seiten an, ſo daß er zur Flucht gebracht ward, und verſchiedene Todte und Bleßirte auf dem Wahlplatz ließ, außer 2 erſchoſſenen Officieren, die er mit ſich fortnahm. Die Quartier - fahne des Welikelutſchiſchen Regiments, Ammunitions - Wagen, viel Proviant, auch Kleidungsſtuͤcke, welche der Feind aus dem Lager nicht mitnehmen koͤnnen, fielen in unſere Haͤnde. Der ſtarke Marſch in einem erſchrecklichen Regen, der nicht eher aufhoͤrte, als eine halbe Stunde nach der erſten Kanonade, ſo wie die 5ſtuͤndige blutige Schlacht, hatten die Truppen ſo ab - gemattet, daß ſie den Feind nicht weiter verfolgen konnten. Aber nachdem ſie Gott auf dem Wahlplatz gedankt, ließ der Koͤnig die Eſcadron Leib-Dragoner, von einem Bataillon Oſtgothen unterſtuͤtzt, den Feind recognoſciren, welche hierauf meldeten, daß er ſich ganz bis nach Kaipias zuruͤckgezogen habe. Nachdem die Todten begraben, die Gefangenen und Bleßirten zum Lager gefuͤhret, die Truppen ausgeruhet und auf dem Wahlplatz gegeſſen hatten, 8 Stunden allda ver - weilet, auch die noͤthigen Berichte eingezogen waren, die darinn uͤbereinſtimmten, daß der Feind ſich bis Kaipias zuruͤckgezogen; ſo gieng der Koͤnig wieder zum Lager zuruͤck, und ließ ein Bataillon zu Korsmalmen. Auf dem Wahlplatz ernannte der Koͤnig zum Comman - deur des Schwerdtordens den Oberſten des Weſterbott - niſchen Regiments, Pauli, der mit der groͤßten Stand - haftigkeit und Muth die Avantgarde anfuͤhrte, und das feindliche Feuer aushielt, und zu Rittern des Schwerdtordens den Major Freyberg beym Weſtmann - landſchen Regiment, Major von Donner beym We - ſterbottniſchen Regiment, Baron Hjerta beym Arm - feltſchen Jaͤger-Bataillon, Major von Platen, der als Ober-Adjutant unter dem Vater, den General-Lieute - nant von Platen, diente, Capitain Gyllenſchwaͤrd beym Kronoborgs Regiment, Capitain Wisbelh beym Oſt - gothſchen, Lieutenant Brunnow beym Abolehns Jnfan - terie-Regiment, die Lieutenants Calmberg und Tall - berg bey der Artillerie. Zum Ober-Lieutenant beym Kronovorgs Regiment, den Major und Ritter des Koͤnigl. Schwerdtordens, Palman, der das Bataillon anfuͤhrte; zum Major des Weſtmanlandſchen Regi - ments, Capitain Kroͤningswaͤrd; zum Lieutenant bey der Oſtgothſchen Jnfanterie, Faͤhnrich Misbeth. Zum Faͤhnrich des Kronoborgs Regiments, die Sergeanten[6]von Heyn und Malmén; zum Unter-Lieutenant bey der Artillerie, den Sergeanten Kytteus. Se. Majeſtaͤt bezeigten hiernaͤchſt in einer gnaͤdigen Unterredung Dero hoͤchſte Zufriedenheit uͤber des General-Lieute - nants von Platen, Oberſten von Klingſporens, der die Dienſte eines General-Adjutanten beym Koͤnige ver - richtete, ſo wie aller uͤbrigen Officiers Wohlverhalten, dankten jedem Regiment und Corps fuͤr ſich, und gaben den Soldaten und Unter-Officiers eine Gratification. Der Verluſt an unſerer Seite war ein Officier, Faͤhn - rich Roſen beym Weſtmannlaͤndiſchen Regiment, und 2 Bleßirte, naͤmlich Capitain Kroͤningswaͤrd, und Faͤhnrich, Baron Lehauſen; an Soldaten 14 Todte, und 86 Verwundete. Wir begruben 40 Rußiſche Todte. Wegen des dichten Waldes, und da der Feind gewohnt iſt, ſeine Todten mit ſich fortzunehmen, kann man die mehrere Zahl nicht genau angeben. Von den Ueberlaͤufern aber weiß man, daß ein großer Theil ihrer Kanonenbedienungen geblieben iſt. Verſchiedene ſchoͤne Pferde ſind von den unſrigen erbeutet worden, darun - ter eins mit reichem Sattelzeug und geſticktem Na - menszug der Kayſerinn befindlich iſt. Die eigentliche Abſicht des Uebergangs uͤber den Komenefluß war, den Feind in Ungewißheit zu ſetzen, wohin wir eigentlich wollten, um hiernaͤchſt deſto leichter nach Davidtsſtadt oder Willmannſtrand zu kommen. Um aber des ſtaͤr - kern Feindes wegen vorſichtig zu gehen, ſo ward be - ſchloſſen, nach Friedrichshamn zu marſchiren, um die Truppen aufzuſuchen, die, wie es hieße, von der Wiala-Seite uns angreifen wollten. Jn dieſer Abſicht iſt die Armee den 1ſten Julii von Maͤkikowolo abmar - ſchirt, nachdem der Koͤnig und unter demſelben Ge - neral-Lieutenant von Platen den Tag vorher mit der Avantgarde den Feind aus dem Dorfe Wiala delogirt hatte. Jn Werele ward zur Beſetzung der Bruͤcke ein ſtarkes Corps unter dem Oberſten von Eſſen zuruͤckge - gelaſſen. Den 2ten Julii traf der uͤbrige Theil der Armee aus dem Lager zu Wiala unter des General - Lieutenant, Baron Siegroths, Befehl ein. Um ſich genau von der feindlichen Poſition zu unterrichten, und die Strandgegenden zu erfahren, machte der Ober - Admiral, Graf Ehrenſwaͤrd, den 26ſten Junii Mine, bey Kymenegrod zu landen. Er naͤherte ſich mit ſei - nen Galeeren, Kanonenſchaluppen, ꝛc. und gieng eine Strecke laͤngs dem Fluſſe, unter beſtaͤndigem Feuer von feindlicher und unſerer Seite, dabey, wie wir er - fahren, vom Feinde ziemlich viele, von unſern aber wenige geblieben ſind. Da aber die Feinde ſich gut verſchanzt, ſo zogen unſere Truppen ſich wieder nach ihren Grenzen zuruͤck.
Den 2ten Julii, Morgens um 4 Uhr, ſetzte die Armee in 3 Colonnen ſich wieder in Marſch. Die erſte unter den Befehlen des Koͤnigs, und unter ihm der General - Lieutenant von Platen mit der Leibgarde, Croneborgs und Weſterbotlands Regiment, und der Haͤlfte der Leibdragoner. Des Oberſt-Lieutenant Armfelts Jaͤger, die Carelſche Esquadron und die Leibgarde Jaͤger machten die Avantgarde. Dieſe Colonne fuͤhrte, außer den Regiments-Kanonen, eine anſehnliche Anzahl 6pfuͤndiger Kanonen und 16 Haubitzen und Ricochet - Moͤrſer bey ſich. Des General Siegroths Colonne be - ſtand aus den Weſtmannland und Oſtgothiſchen Regi - mentern, und der andern Haͤlfte der Leibdragoner undden Armfeltſchen Jaͤgern mit der uͤbrigen Artillerie. Die 3te Colonne beſtand aus der leichten Bagage mit den Joͤnkoͤpingſchen Regiment, unter dem Oberſt-Lieu - tenant, Baron Frieſendorf; ſie war uͤber die Bruͤcke bey Werele gegangen, und folgte dem Strom auf der Schwediſchen Seite bis Anjula. Dieſe Colonne nahm auf einer Weite von einer Werſte den Landweg nach Friedrichsham, aber des Koͤnigs Colonne zog ſich zur Rechten, durch einen ſehr bergigten Waldweg, der nach Maͤmmele fuͤhrt, ſo daß auch die Feinde nicht glaubten, daß durch dieſe engen Wege mit Bagage durchzukommen ſey. General Siegroth marſchirte zur Linken grade auf Likola, machte Halt, und nahm eine Stellung, um dem Koͤnige Zeit zu geben, die Hoͤhe ſeiner Tete wegen des Umwegs mit ſeiner Colonne zu gewinnen. Die Bagage Colonne folgte 3 Werſte nach, und ſcharmuzirte beſtaͤndig mit den feindlichen Jaͤgern. Der gemachte Weg war aͤußerſt beſchwerlich. Der Koͤnig eilte immer hin und her, die Colonnen in Ord - nung zu halten. Nachdem nun alle wieder auf dem großen Wege waren, ließ der Koͤnig die Colonne wen - den, und marſchirte nach dem Wege auf Likola. Die Truppen nahmen inzwiſchen eine ſehr vortheilhafte Stellung, und weil die Bagage langſam nachkam, ruheten die Truppen die Nacht uͤber. Den 3ten Julii, um 6 Uhr, marſchirten die beyden Colonnen grade auf Likola zu. Zwey Werſte von dem Dorfe ſtieß die Tete auf die feindlichen Vorpoſten, die eine aufgeworfene Bruͤcke, eine Werſte von da, und eine Hoͤhe mit Ka - nonen beſetzt hatten. Hier fieng ſich der Angriff an, um 7½ Uhr Morgens, und dauerte 2 Stunden. Die feindliche vortheilhafte Stellung, der ſchlechte Boden, auf welchem die Schwediſchen Truppen manoͤvriren mußten, ſchien ein blutiges Treffen vorher zu ſagen; aber unſere gute Artillerie und der Truppen Tapferkeit gab uns ſchnellern Sieg als wir vermuthen konnten; denn waͤhrend, daß unſer ſchweres Geſchuͤtz das feind - liche zum ſchweigen brachte, forcirten beyde Garde - Bataillons, unter Anfuͤhrung des Oberſt-Lieutenants, Freyherrn von Cederſtroͤm, und des Oberſt Lieutenants von Numers, die Hoͤhe, und zwangen den Feind, ſich zu retiriren, welche Retraite durch die abgeworfenen Bruͤcken beguͤnſtigt wurde. Da dieſes aber in Eile und nicht vollkommen geſchehen war, ſo wurden dieſe bald wieder hergeſtellt. Die Schwediſche Armee zog alſo hierauf in Likola ein, 18 Werſte von Friedrichshamn, ſchlug ihr Lager hinter dem Strom auf, und nahm die Hoͤhe an beyden Seiten ein. Wir haben 3 Todte und 18 Verwundete gehabt. Unter den letztern befinden ſich Oberſt-Lieutenant Numers, Baron Rappe, und ein Artillerie-Officier. Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt, unter deren Augen dieſe Affaire geſchahe, bezeigten der Garde, der Artillerie und dem Croneborgſchen Regiment ihr gnaͤdiges Wohlgefallen daruͤber, welches mit vielen Hurras beantwortet wurde. Der Koͤnig gab der Garde die zum erſten mal in dieſem Feldzug im Feuer war, eine Gratification. Von den eingebrachten 6 Gefan - genen hat man erfahren, daß der Feind aus 4 Com - pagnien Jaͤger, 4 Compagnien Narvaſchen, 4 von Skoppſchen Regiment, 60 Coſacken und 4 Kanonen beſtanden habe. Se. Koͤnigl. Majeſtaͤt haben den Oberſt - Lieutenant Numers zum Ritter des Schwerdt-Ordens ernannt.
Britt-Marie SchusterManuel WilleArnika LutzNote: Bereitstellung der Texttranskription.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2014-07-07T10:32:49Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
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