“Jch habe die Nach - richt erhalten, mein Herr, daß eine anſehnliche Anzahl Soldaten von verſchiedenen Regimentern die Fahnen derſelben verlaſſen, und ſich mit den Truppen von Paris vereinigt habe. Jch bevollmaͤchtige Sie, alle diejenigen, die ſich zu ſelbigen begeben haben, ehe Sie dieſen Brief empfiengen, zu behalten, es waͤre denn, daß ſie wieder zu ihren reſpectiven Corps, mit einem Billet von Jhnen, zuruͤckkehren wollten, in welchem Fall ſelbigen nichts unangenehmes wiederfahren ſoll. Was die Franzoͤſiſchen Garden betrifft, ſo gebe ich ſel - bigen die Erlaubniß, unter die buͤrgerliche Miliz Mei - ner Hauptſtadt zu gehen, und ihr Sold und Nahrung ſoll fortdauern, bis Meine Stadt Paris Maaßregeln zu ihrer Unterhaltung genommen haben wird. Die 4 Compagnien, welche hier zu Verſailles zu Meiner Wache ſind, werden den Dienſt fortſetzen, und Jch werde Sorge fuͤr ſie tragen.
Dieſer Brief war deſto nothwendiger, da taͤglich eine große Menge Soldaten die Fahnen ihrer Regimen - ter verließ und unter die Buͤrgermiliz gieng, ſo daß die Stadt deren nicht mehr annehmen konnte. Es ſcheint, die Stadt werde, außer den Franzoͤſiſchen Gar - den, nur wenige von den uͤbrigen Soldaten behalten.
Außer den Grafen von Montmorin und St. Prieſt iſt noch kein anderer Miniſter ernannt worden, und dieſe Ernennung duͤrfte auch nicht eher Statt haben, bis Herr Necker zuruͤckgekommen ſeyn wird, den man taͤglich erwartet. Der Graf de la Luzerne verwaltet noch die Geſchaͤffte des Miniſters der Marine, man glaubt aber, er werde dieſe Stelle niederlegen und auf Reiſen gehen.
Jch ſchicke Jhnen hier einen kurzen Abriß von dem,was ſeit meinem vorigen Schreiben in der National - Verſammlung vorgegangen iſt. Jn der Sitzung vom 20ſten nahm der Herzog von Liancourt ſeine Stelle als Praͤſident. Der Biſchof von Chartres, welcher ſich, auf Verordnung der Verſammlung, nebſt einigen anderen Deputirten, nach St. Germain und Poiſſy be - geben hatte, um daſelbſt den Tumult zu ſtillen, ſtattete Bericht ab, wie der Poͤbel einen dortigen Muͤller maſſacrirt habe, von dem er geglaubt hatte, er habe Korn aufgekauft, um es theurer zu machen. (Man weiß jetzt, daß dieſer arme Muͤller unſchuldig geweſen, und ſein Andenken ſoll gerechtfertigt werden.) Als die Deputirten zu St. Germain ankamen, fanden ſie einen Wagen mit Korn, welchen das Volk einem Ackersmann abgenommen hatte, der auch der Aufkaͤu - ferey beſchuldigt ward. Der Landmann war auf dem Wagen mit einem Strick um den Hals, und das Volk wuͤrde ihn gehenkt haben, haͤtten es die Deputirten nicht verhindert. Er iſt nun zu Verſailles im Gefaͤngniß. Jn eben dieſer Sitzung ward die Wahl der Biſchoͤfe von Ypern und Tournay, zu Deputirten, als nichtig erklaͤrt, weil ſie Fremde waͤren. Noch ſtattete in die - ſer Sitzung der erſte Parlements-Praͤſident des großen Raths der Nationalverſammlung den Dank des Par - lements ab fuͤr die getroffenen Maaßregeln zur Wieder - herſtellung der Ruhe. Hierauf hielt der Herr von Lally Tolendal eine Rede, worinn er zu erkennen gab, wie noͤthig es ſey, daß, nach abgelegten Proben des Patriotismus der Buͤrger, und nach empfangenen Be - weiſen der Liebe des Koͤnigs zu ſeinem Volke, nunmehr alle Unordnungen aufhoͤren, und die Geſetze ihre Kraft wieder erhalten muͤßten. Er verlangte zu dem Ende, daß man in allen Staͤdten eine buͤrgerliche Miliz er - richte, aber nicht auf dem Lande, als welches von der Miliz der benachbarten Staͤdte geſchuͤtzt werden ſollte. Er verlangte ferner, die Verſammlung moͤchte veſt -[2]ſetzen, daß derjenige, welcher kuͤnftig die oͤffentliche Ruhe unter irgend einem Vorwand ſtoͤhren wuͤrde, der Juſtiz uͤbergehen, und bloß von ſelbiger beſtraft werden folle. Der Koͤnig ſolle gebeten werden, ſeine Sanction zu dieſem Statute zu geben. Die Berathſchlagung uͤber dieſe Angelegenheit ward den Buͤreaux uͤberlaſſen, um die Meynungen daruͤber zu hoͤren.
Die Sitzung vom 21ſten ward in der heiligen Lud - wigskirche gehalten, weil der Verſammlungsſaal aus - gebeſſert werden mußte. Jn dieſer Sitzung compli - mentirte eine Deputation vom Muͤnzhofe die Ver - ſammlung. Der obengedachte Vorſchlag des Herrn Lally Tolendal ward wieder vorgenommen, aber wieder zu den Buͤreaux geſchickt. Die vorgefallenen traurigen Auftritte, wovon ich bald reden werde, zeigen indeſſen, wie noͤthig es ſey, uͤber dieſen Vorſchlag eine ſchleu - nige Reſolution zu nehmen. Endlich ward in dieſer Sitzung ein von der Stadt Lyon gemachtes Arreté vorgeleſen, welches von folgendem weſentlichen Jnhalt iſt: “Die Stadt Lyon, beſtuͤrzt uͤber die Verwei - ſung des Herrn Necker und die Entlaſſung des Herrn von Montmorin, aber zugleich uͤberzeugt, daß ſich Se. Majeſtaͤt zu ſolchen beunruhigenden Handlungen bloß deshalb entſchloſſen, weil man Hoͤchſtdieſelben auf eine unwuͤrdige Art hintergangen hat, haͤlt alle dieje - nigen Menſchen, die entartet genug geweſen, Se. Ma - jeſtaͤt zu ſolchen unterdruͤckenden, Dero bekannten Ge - ſinnungen entgegen laufenden Handlungen zu rathen, alle Generale der Armee, Officiere und Soldaten, welche vergeſſen, daß ſie Buͤrger ſind, und niedertraͤch - tig und ſtrafbar genug ſeyn wuͤrden, dem Deſpotismus ihre Huͤlfe zu leiſten, fuͤr infam und fuͤr Verraͤther des Vaterlandes. Sie erklaͤrt, daß nach dem Jnhalte des Arrete der Nationalverſammlung vom 13ten, die Miniſter und die buͤrgerlichen und militairiſchen Agen - ten der Gewalt fuͤr alle Unternehmungen ſtehen ſollen, welche gegen die Rechte der Nation ſind. Sollte die Nationalverſammlung gegen alle Erwartung mit Ge - walt getrennt oder zerſtreut werden, ſo erklaͤrt ſie, daß von dem Tage an, da man von dieſer Zerſtreuung Nachricht erhalten wird, die Einnahme aller Abgaben aufhoͤren ſolle und daß ſie alle Glieder der National - Verſammlung unter ihren Schutz nehme, ꝛc.”
Am 22ſten war keine Sitzung, aber die Berathſchla - gungen der Ausſchuͤſſe und Buͤreaux hatten Statt.
Die Sitzung vom 23ſten, als geſtern, war lang und intereſſant. Sie hatte vorzuͤglich zum Gegenſtand, kuͤnftig den Abſcheulichkeiten Einhalt zu thun, die den Tag vorher in dieſer Hauptadt vorgiengen, und wovon ich ſogleich reden werde. Der Graf von Mirabeau ſagte, daß es zur Erhaltung der guten Ordnung und zur Unterdruͤckung aller gewaltthaͤtigen Handlungen in der Hauptſtadt nothwendig ſey, ſogleich eine vor - laͤufige Organiſation von Municipalitaͤt einzurichten, daß bey dem etablirten immerwaͤhrenden Rath und den damit correſpondirenden 60 Diſtricten keine Ord - nung und Harmonie herrſche, daß man zur Beobach - tung dieſer Ordnung und Harmonie vorlaͤufig ein Con - ſeil von 120 Gliedern auf dem Hotel de Ville ernennen moͤchte, von welchem 2 aus jedem Diſtrict genommen wuͤrden; — daß 60 Deputirte erwaͤhlt werden moͤch - ten, die ſich ſogleich nach Paris begeben muͤßten; daßein Deputirter ſich heute nach jedem der 60 Diſtricte begeben, deren Mitglieder verſammeln, und ihnen die Nothwendigkeit des zu ernennenden Conſeils erklaͤren, auch ſogleich 2 Glieder in jedem Diſtricte ernennen muͤßte, welche das Conſeil auf dem Hotel de Ville ausmachen ſollten. Dieſer Vorſchlag des Grafen von Mirabeau ward von vielen gebilligt, von andern ver - worfen, noch von andern in Ueberlegung genommen, und noch geſtern Abend iſt ſpaͤt daruͤber debattirt wor - den. — Herr, von Lally Tolendal brachte ſeinen Vor - ſchlag, den er in der 20ſten und 21ſten Sitzung gethan, wieder aufs Tapet, und auch uͤber dieſen ward noch geſtern Abend debattirt. — Man empfieng auch in dieſer Sitzung Dank-Addreſſen von den Staͤdten Bor - deaux, Riom, Havre de Grace, die alle ihr Bedauern uͤber die Verweiſung des Herrn Neckers aͤußern. Die Kaufleute der verſchiedenen Provinzen haben eine aͤhn - liche Addreſſe uͤberſandt, die zu Beaucaire verſammelt geweſen, und welche von mehr als 6000 unterzeichnet war. Noch ward ein Brief des Grafen von St. Prieſt abgeleſen, worinn er Nachricht gab, der Koͤnig habe in der Nachbarſchaft von Troyes 3 Regimenter Halte machen laſſen, damit ſie ſich dahin begeben koͤnnten, wo die Unruhen ihre Gegenwart erfordern moͤchten. — Jn dieſer Sitzung empfieng die Nationalverſammlung abermals Deputationen vom Parlement, von der Rechnungskammer, von der Cour des Aides, &c. welche ihren Dank fuͤr die getroffenen Maaßregeln abſtatteten.
Herr Lambert, Marechal de Camp, eines der Glieder des Kriegs-Conſeils, welches der Koͤnig aufgehoben hat, und welcher unter dem Marſchall von Broglio zum Generalquartiermeiſter beſtimmt war, ward am vori - gen Dienſtag, da er aus Paris gieng, von den Pa - trouillen arretirt, und nach dem Hotel de Ville gebracht. Eine große Menge des Poͤbels hatte ſich auf dem Platze von Greve verſammelt, und verlangte, daß er ſogleich, als ein Feind des Vaterlandes, gehenkt werden moͤchte. Der Marquis de la Fayette und der Herr Bailly hatten große Muͤhe, das Volk zuruͤck zu halten, und erſt in der Nacht konnte man den Herrn Lambert fortgehen laſſen.
Herr Foulon, Staatsrath, der den Tag darauf nach dem Hotel de Ville gebracht ward, war nicht ſo gluͤck - lich. Aber ehe ich von ſeinen traurigen und ſchieck - lichen Auftritten rede, muß ich dieſen Mann bekannter machen. Herr Foulon war zuerſt ein bloſer Commis bey den Lebensmitteln, nachher ward er ſtuffenweiſe Kriegs-Commiſſarius, Jntendant bey den Armeen, und Staatsrath. Er ward beſonders durch Mesdames, die Tanten des Koͤnigs, protegirt, und trachtete ſchon ſeit 3 Jahren nach der Stelle eines General-Controlleurs. Das Publicum hielt ihn fuͤr einen harten Mann, und wuͤnſchte ihm alſo dieſe Stelle nicht. Er war faſt ver - geſſen, als er nach der Entlaſſung des Herrn Necker, unter dem Marſchall von Broglio zum Kriegsminiſter ernannt ward, welche Stelle er nicht annehmen wollte. Er hatte große Reichthuͤmer geſammelt, und mehr als 600000 Livres jährlicher Einkuͤnfte. Man glaubte, er ſey auf eine unrechtmaͤßige Weiſe zu dieſem Reichthum gekommen, und er ward allgemein gehaßt, ſelbſt von ſeinen Unterthanen auf ſeinen Guͤtern, denen er neu -[3]lich, als ſie ſich uͤber die Theurung des Getraides be - klagten, geſagt haben ſoll, ſie koͤnnten Heu freſſen. Er befand ſich zu Morangis, einem ſeiner Guͤter, 5 Stunden von Paris. Dienſtag Abends erhielt er Kundſchaft, daß ſeine Unterthanen ihn in der Nacht arretiren und nach dem Hotel de Ville bringen ſollten. Er gieng alſo verkleidet des Abend um 10 Uhr von ſeinem Gute bis nach Viry, einem Hauſe des Herrn von Sartine, ehemaligen Seeminiſters, um daſelbſt in Sicherheit zu ſeyn. Kaum war er allda angekommen, als ſeine Unterthanen auch ankamen, ſich ſeiner be - maͤchtigten, und ihn auf eine ſchaͤndliche Weiſe und zu Fuß nach dem Hotel de Ville brachten, wo er des Morgens um 4 Uhr anlangte. Der Gerichtsplatz, la Greve, ward bald von einer Menge Volks angefuͤllt, welches mit großem Geſchrey ſeinen Tod verlangte Auf dem Hotel de Ville ſuchte man Zeit zu gewinnen, um das Volk zu beſaͤnftigen, und den Herrn Foulon zu retten, allein umſonſt. Man ſagte dem Volke, er ſollte nach den Gefaͤngniſſen der Abtey St. Germain gebracht werden, die zu einem Nationalgefaͤngniß er - richtet und der Buͤrgerwache anvertraut werden ſolle; daſelbſt ſolle er nach der Strenge verurtheilt werden; man fuͤgte noch hinzu, es ſey von großer Wichtigkeit, daß man ihm nicht ſogleich auf der Stelle das Leben naͤhme, weil man von ihm noch uͤber manche andere Strafbare Aufklaͤrung erhalten koͤnne. Aber das Volk verlangte ſeine Auslieferung, und drohete, das Hotel de Ville in Brand zu ſetzen, wenn man ihn nicht uͤber - liefere. Gegen 4 Uhr, Nachmittags, ſtuͤrmte das Volk das Hotel de Ville, und wollte den Herrn Foulon mit Gewalt fortſchleppen. Der Marquis de la Fayette fiel auf die Knie, und bat fuͤr den Ungluͤcklichen um Gnade. Umſonſt! Man ſchleppte ihn vom Hotel de Ville nach dem Platz la Greve, und henkte ihn auf. Der Strick brach zweymal, und zweymal band man ihn wieder an. Man trieb die Wuth ſo weit, daß man ihm den Kopf abhieb, und ihm Heu in den Mund ſteckte. Man ſchleppte dieſen Kopf hierauf auf einer Miſtgabel im Triumph in den Straßen der Stadt herum, und nach dem Palais Royal. Der Leichnam ward nachge - ſchleppt. — Der Ungluͤckliche hinterlaͤßt 3 Soͤhne, wovon 2 Requetenmeiſter ſind, davon der eine Jnten - dant zu Martinique iſt. Der 3te iſt ein Geiſtlicher und Parlementsrath in Paris. Seine Tochter war an den Herrn Berthier von Sauvigny, Jntendant der Generalitaͤt von Paris, verheyrathet, iſt aber todt.
Herr Berthier Sauvigny, Jntendant von Paris und Schwiegerſohn des ungluͤcklichen Foulon, war ſchon ſeit dem 15ten aus Paris verſchwunden. Man giebt vor, (aber es iſt nicht bewieſen) daß man in der Taſche des am 14ten getoͤdteten Gouverneur der Baſtille einen Brief des Jntendanten von Paris von eben dem Tage gefunden, der ihm gerathen haͤtte, auf das Volk zu ſchießen, wenn es nach der Baſtille kaͤme, er ſolle in der Nacht Succurs an Munition, Proviſionen und Mannſchaft erhalten. Der Wagen des Jntendanten ward am 15ten angehalten. Man fand darinn ſein Por - tefeuille, welches auf dem Hotel de Ville deponirt ward. Dieſes Portefeuille enthaͤlt verſchiedene Briefe, in welchen der Prinz von Lambeſc, der Baron von Bezen - val und der Chevalier von Bard, Pulver, Kugeln undPatronen von dem Jntendanten verlangten, der zu - gleich Jntendant der Truppen im Lager war, auch an - zeigten, daß ſie ſo und ſoviel davon erhalten haͤtten. Jn einem andern Briefe ward dem Jntendanten der Vorſchlag gethan, er moͤchte das Korn in der Plaine von St. Denis abmaͤhen laſſen, damit man daſelbſt ein Lager errichten koͤnne. Noch in einem Briefe ver - langte ein Particulier den Antheil, der ihm von dem Gewinne des verkauften Getraides gebuͤhre. Jn der Nacht vom Montag auf den Dienſtag erhielt die Stadt einen Expreſſen von den Einwohnern von Compiegne, welche meldeten, daß man daſelbſt den Jntendanten arretirt habe, und daß man ihn der Stadt uͤbergeben wolle. Von dem Hotel de Ville ward ſogleich ein Waͤhler und 300 Mann Truppen zu Pferde abgeſchickt, um den Jntendanten abzuholen. Am Mittewochen, des Abends um 8 Uhr, kam er in Paris an. Bey dem Thore St. Martin befand ſich eine große Menge Volks, als er in einem Cabriolet in Begleitung des Waͤhlers ankam. Man rief: da iſt der Kornjude, der das Volk hat Hungers ſterben laſſen, da iſt der Verraͤther des Vaterlandes; und nun war man ſo grauſam, daß man den abgehauenen Kopf des Herrn Foulon, ſeines Schwiegervaters, vor ihm hertragen ließ, welchen er kuͤſſen mußte. Als er im Hotel de Ville ankam, ließ man ihn zuerſt hinauf gehen, kaum war er aber hinauf, ſo ſchleppte man ihn, ſo ſehr man es auch zu verhin - dern ſuchte, herunter, und henkte ihn an eben den Galgen, woran man ſeinen Schwiegervater gehangen hatte. Der Strick brach; der Ungluͤckliche wollte ſich retten, aber nun ward er maſſacrirt und in Stuͤcken zerriſſen. Man hieb ihm den Kopf ab, riß ihm das Herz aus dem Leibe, und trug es, ob es gleich Nacht war, im Triumph durch die Straßen nach dem Gar - ten des Palais Royal. — Jedermann ſeufzet uͤber dieſe abſcheuliche Ausſchweifungen, und wuͤnſcht, daß man kraͤftige Maaßregeln nehme, ſolche Grauſamkeiten zu verhuͤten, und den Geſetzen ihre Kraft wieder zu ver - ſchaſſen. Der Mißbrauch der Preßfreyheit reizt jetzt das aufgebrachte Volk noch immer mehr an. Jeden Morgen erſcheint eine Menge aufruͤhriſcher Schriften, in welchen man diejenigen mit Namen anzeigt, die man fuͤr Verbrecher gegen die Nation haͤlt. Man hat eine Liſte gedruckt, worauf die Namen von 60 Perſo - nen vom erſten Range befindlich ſind, die als Schul - dige des Verbrechens der beleidigten Nation angegeben werden, Prinzen und Miniſter, alles durch einander.
Den 21ſten uͤbergab der Koͤnig dem Biſchof von Metz, Herrn von Montmorreney, die von Rom uͤberſandte Cardinalsmuͤtze.
Man ſagt, daß Mesdames Adelaide und Victoire, Tanten des Koͤnigs, Verſailles verlaſſen, und ſich nach der Abtey Fontevraud begeben werden, wo ſie erzogen worden.
Die Gazette de France beſtaͤtigt nun, daß der Her - zog von Chatelet am 16ten ſeine Stelle als Oberſter der Franzoͤſiſchen Garde, und der Siegelbewahrer, Herr Baretin, auch die ſeinige niedergelegt habe; ferner, daß der Graf von St. Prieſt das Departement des Koͤnigl. Hauſes und der Stadt Paris, ſtatt des abgedankten Herrn von Villedeuil, erhalten habe.
Das Parlement von Beſançon, welches beſtaͤndig[4]wider die National-Verſammlung geweſen, hat die beyden Declarationen regiſtriren laſſen, die der Koͤnig in der Koͤnigl. Sitzung vom 23ſten des vorigen Monats leſen ließ, ob ſelbigem gleich dieſe Declarationen nicht beſonders zugeſchickt worden ſind. Man befuͤrchtet, das Volk werde dieſem Parlement daruͤber ſein Miß - vergnuͤgen empfinden laſſen.
Von Rennes hat man die angenehme Nachricht er - halten, daß die Unruhen daſelbſt gaͤnzlich beygeleget ſind. Selbſt der Adel hat daſelbſt und zu Nantes die Waffen ergriffen, ſich mit den Buͤrgern vereiniget, und ſo die oͤffentliche Ruhe wieder hergeſtellet. Man meldet auch, der Adel wolle ſich verſammeln, und ſeine Deputirten zur National-Verſammlung endlich er - nennen. (Den Bericht von den zu Rennes vorgefalle - nen Unruhen haben wir am vorigen Poſttage gemeldet.)
Alle Schauſpiele, welche ſeit dem 12ten dieſes, da man die Entlaſſung des Herrn Neckers erfuhr, aufge - hoͤrt hatten, ſind den 21ſten wieder eroͤffnet worden. Die Einnahme aller Schauſpiele an dieſem Tage ward den armen Arbeitern gegeben. Jndeſſen ſind am 21ſten, 22ſten und 23ſten nur wenige Zuſchauer zugegen ge - weſen. An eben dieſem Tage, als am Dienſtage, ward auch wieder Boͤrſe gehalten, und die Effecten halten ſich ziemlich.
Die Herren de la Fayette und Bailly, wovon der erſte zum General-Commandanten der Buͤrgermiliz, und der zweyte zum Maire der Stadt ernannt worden, haben dieſe Ernennung nicht foͤrmlich genung gefun - den, und deshalb an jeden der 60 Diſtricte geſchrieben, um zu einer neuen, freyen und uͤberlegten Ernennung zu ſchreiten. Die 60 Diſtricte haben die erſte Ernen - nung dieſer beyden Maͤnner beſtaͤtiget.
Der Herzog von Orleans hat verſchiedene ſeiner Hof-Officiers entlaſſen: naͤmlich die Gebruͤder, Grafen de la Chaiſe de la Cour du Pin, die Grafen von Segur und von Vauban, auch Madame von Blot, die bey ſeiner Gemahlinn war. Dieſe Perſonen ſollen bey den gegenwaͤrtigen Umſtaͤnden nicht einerley Geſinnun - gen mit dem Herzog haben.
Der Herzog von Guiche, Eidam des Herzogs von Polignac, welcher Verſailles verlaſſen hatte, iſt wieder bey Hofe erſchienen. Er hat die Anwartſchaft auf eine Stelle des Capitains von der Leibgarde, die aber, wie man ſagt, nicht unter ihm dienen wird.
Der Herzog von Luxenburg, Herr Depremenil, und Herr von Cazales, alle 3 Deputirte des Adels, die ſich durch ihre Widerſetzung gegen die Vereinigung des Adels mit den beyden uͤbrigen Staͤnden bekannt ge - macht haben, ſind aus Verſailles abgereiſet. Der erſte iſt nach England gegangen.
Es iſt unbeſchreiblich, mit welcher Ungeduld Herr Necker hier erwartet wird. Der Herzog von Liancourt, Praͤſident der National Verſammlung, ſchrieb am Dienſtage an den immerwaͤhrenden Rath des Hotels de Ville einen Brief, der gedruckt und angeſchlagen worden, worinn er meldet, daß Herr du Fresne, welcher dem Herrn Necker das Koͤnigl. Schreiben zu ſeiner Zuruͤckberufung uͤberbringt, einen Courier geſchickt, und mit ſelbigem berichtet habe, daß er den 18ten dieſes den Herrn Necker zu Bruͤſſel nicht mehr gefunden, der ſeine Reiſe uͤber Frankfurt fortgeſetzt haͤtte. Er wolleihm aber folgen. Der Graf von Montmorin hat ſchon verſchiedene Couriers nach Baſel und Genf abgeſchickt, mit dem Duplicat des Koͤnigl. Schreibens und des Schreibens der National-Verſammlung. Geſtern er - hielten verſchiedene der hieſigen großen Handelshaͤuſer Briefe aus Baſel vom 20ſten dieſes, worunter einer folgendermaßen lautet: “Heute fruͤh, bey Eroͤffnung des Thors, traf ein Franzoͤſiſcher Courier fuͤr den Herrn Necker hier ein; 3 Stunden darauf kam Herr Necker ſelbſt an. Man glaubt, er werde ſich den Wuͤnſchen der Nation ergeben, und die Ruͤckreiſe nach Paris an - treten.” Die Poſt geht von Baſel Vormittags um 10 Uhr. Man glaubt, daß geſtern Abend zu Verſailles ein Courier angekommen ſeyn wird, der die Nachricht bringt, daß Herr Necker auf der Ruͤckreiſe begriffen ſey.
“Da die National-Verſammlung, mein Herr, es ſchon in einer feyerlichen Acte aufgezeichnet hat, daß Sie ihre Achtung und ihr Bedauern mitnehmen; ſo iſt Jhnen dieſes ehrenvolle Zeugniß bereits nachgeſandt worden, und Sie muͤſſen es ſchon empfangen haben. Heute fruͤh hatte ſie beſchloſſen, den Koͤnig zu bitten, Sie ins Miniſterium zuruͤck zu rufen. Dieſes war ihr Wunſch, und zugleich der Wunſch der Hauptſtadt, welche Sie mit lauter Stimme zuruͤck ruft. Der Koͤnig hat geruhet, unſerm Bitten zuvor zu kommen. Jhre Zuruͤckberufung iſt uns von Jhm angekuͤndiget worden. Die Erkenntlichkeit hat uns ſogleich zu Sr. Majeſtaͤt gefuͤhrt, und Sie haben uns einen neuen Beweis Dero Vertrauens gegeben, indem Sie uns den Brief uͤberſchickt, welchen Hoͤchſt. dieſelben an Sie geſchrieben, und den Sie uns zur Beſtellung an Sie aufgetragen haben. Die National-Verſammlung bittet Sie inſtaͤndigſt, mein Herr, den Wunſch Sr. Majeſtaͤt zu erfuͤllen. Jhre Talente und Tugenden konnten keine glorreichere Belohnung und keine maͤchtigere Aufmunterung er - halten. Sie werden unſer Zutrauen rechtfertigen. Sie werden ihre eigene Ruhe der oͤffentlichen Ruhe nicht vorziehen. Sie werden ſich den wohlthaͤtigen Geſinnungen Sr. Majeſtaͤt fuͤr Dero Unterthanen nicht entziehen. Alle Augenblicke ſind koſtbar. Wir haben die Ehre zu ſeyn, ꝛc.
Zu Ryſſel iſt auch ſchon Unruhe geweſen, als man daſelbſt von der hier vorgefallenen Revolution Nach - richt erhalten. Der Commandant hat die Cokarde der Nation anſtecken muͤſſen, und iſt bey dieſer Gelegenheit ſehr uͤbel behandelt worden. Man hat die Sturm - glocken gelaͤutet. Die Buͤrger haben das Zeughaus in Beſitz genommen, und ſich bewaffnet. Jeder muß die Cokarde der Nation tragen. Die bewaffneten Buͤrger bewahren das Getraide. Das Haus des Herrn Deſourſin iſt gepluͤndert; ihn ſelbſt wollte man auf - henken, er entkam aber durch die Flucht. Das Haus des Herrn Druez, Ritter des Ludwigs-Ordens und Schoͤppens, iſt auch gepluͤndert. Alles Silberzeug, Meublen, ꝛc. iſt ins Waſſer geworfen. Der Jntendant hat ſich gefluͤchtet. Auch ſein Haus iſt gepluͤndert worden.
[5]Man will jetzt wiſſen, daß die Nacht vom 14ten auf den 15ten dazu beſtimmt geweſen, die Nationalver - ſammlung zu trennen, und verſchiedene Glieder derſel - ben nach der Baſtille zu tranſportiren. Der Herzog von Orleans hatte Befehl erhalten, auf dem Schloſſe zu ſchlafen. Er merkte aber die Unternehmungen der Ariſtokraten, und gieng nach Paris. Der Graf von Mirabeau ſollte zuerſt aufgehoben werden; man warnte ihn. Er ſagte: Wollen die Tyrannen meinen Tod; ſo ſoll mein Kopf hier in ihrer Mitten rollen. Die Scene in Paris mit dem Gouverneur der Baſtille, ꝛc. zerriß hierauf den ganzen Plan. Es ſoll an einem ge - wiſſen Orte eine Niederlage von Moudirungen fuͤr 3000 Franzoͤſiſche Garden gefunden ſeyn, womit man die Huſaren, ꝛc. bekleiden wollen, damit dieſe, als Freunde der Buͤrger in der Kleidung der Franzoͤſiſchen Garden unerkannt, gegen die Buͤrger ſelbſt feindlich agiren koͤnnen. Ob dieſe Anekdote gegruͤndet iſt, kann nicht verbuͤrgt werden.
Das Geruͤcht, daß die Gemahlinn des Grafen von Montmorin zur Gouvernantinn der Kinder von Frank - reich ernannt worden, bedarf noch Beſtaͤtigung.
Die in der Baſtille gefundenen Papiere enthalten ſonderbare Begebenheiten; aber es iſt auch wahr, daß man jetzt ſchon viele Papiere fuͤr gefunden in der Baſtille ausgiebt, die es nicht ſind, und man wird noͤthig haben, kuͤnftig ſich um die Authenticitaͤt derer zu bekuͤmmern, die als gefundene Stuͤcke bekannt gemacht werden duͤrften.
Der Herr Graf von Artois iſt noch in Namur, ſeine beyden Soͤhne, die Herzoͤge von Angouleme und von Berry, befinden ſich hier mit ihrem Gouverneur. Unſer Herzog Albert von Sachſen-Teſchen hat am Montag dieſe Prinzen beſucht, welche Dienſtag und geſtern bey unſern Generalgouverneurs zu Schoonenberg zugebracht haben. Die uͤbrigen hier befindlichen Prinzen und Prinzeßinnen ſind auch bey Hofe geweſen, und unſere Erzherzoginn hat ſie den Tag darauf beſucht. Geſtern Abend iſt der Herzog Albert von Sachſen Teſchen nach Namur geweſen, um bey Sr. Koͤnigl. Hoheit, dem Grafen von Artois, einen Beſuch abzuſtatten.
Die hier befindlichen Franzoſen ſind folgende: Prinz von Conde, die Herzoͤge von Bourbon, von Enghien, von Angouleme, von Berry, der Marquis und die Marquiſinn von Sevan, die Prinzeßinn Louiſe von Conde, die Graͤfinn Amalie, der Marquis und die Marquiſinn von Antichamp, der Graf Dueayla, die Grafen von Eſpinghal und von Auteuil, Herr de la Robert, der Marquis von Belſunce, der Ritter von Virieux, der Graf von Choiſeul-meuſe, der Marquis von Chatelet, Oberſter der Franzoͤſiſchen Garden, der Biſchof von Tarpes, der Herr de la Grece mit den Kindern der Madame von Polignae. Zu Namur be - finden ſich: der Graf von Artois, der Prinz von Henin, der Marquis von Polignac, (der krank iſt) der Herr von Vaudrenil.
Geſtern ſind hier zu Bruͤſſel noch angekommen: der Baron von Breteuil mit ſeiner Tochter und Enkelinn, die Herzoginn von Brancat und Madam Nieu - wenheim.
Geſtern erſchienen hier einige aufgebotene Schuͤtzen, um den ſogenannten Patrioten Major in ſeinem Hauſe zu uͤberfallen, und in Verhaft zu fuͤhren. Dieſes gab zu einem Auflaufe Anlaß, waͤhrend welchem von den Patrioten in einer Stunde Zeit gegen 30 ſogenannte Royaliſtenhaͤuſer rein ausgepluͤndert wurden. Der Patrioten-Major mußte ſchon voraus von dem vorha - benden Ueberfalle Wind bekommen haben. Denn es heißt, er habe ſich bereits Morgens in der Fruͤhe nach Maſtricht gefluͤchtet, wohin ihm ſeine Anhaͤnger mit ihrem Raube gefolgt ſind. Zween Leute von den auf - geboten Schuͤtzen haben waͤhrend dem Auflaufe ihr Leben verlohren.
Die Kaufleute in Amſterdam wollen eine Caiſſe d’Eſcompte errichten, ſo wie die in Paris iſt. Herr Hop iſt an ihrer Spitze. Das baare Geld iſt rar. Die Patrioten wollen den Prinzlichgeſinnten nichts geben, und beyde Partheyen ſchaden ſich.
Obgleich die dritte Vorleſung der Bill zur Feyer des Andenkens der Revolution unter Wilhelm von Oranien am Montage im Unterhauſe war abgeſchlagen worden, ließ ſich Herr Beaufoy, der ihr Befoͤrderer iſt, dennoch dadurch nicht abſchrecken, ſondern erneuerte ſeinen An - trag dazu am folgenden Tage. Sir Joſeph Shawby, einer unſerer groͤßten Schweinhaͤndler, widerſetzte ſich demſelben von neuen, und fieng an, ſeinen ihm eigenen Witz auf ſolche Art zu uͤben, daß ihn der Sprecher zur Ordnung und Anſtaͤndigkeit anweiſen mußte. Zuletzt erreichte Herr Beaufoy dennoch ſeine Abſicht; denn ſein Antrag ward mit 23 Stimmen gegen 14 geneh - miget. Die Bill ward zum drittenmale vorgeleſen, und gieng ins Oberhaus.
Es gieng die Rede, es werde ein neues Parlements - haus fuͤr die Gemeinen erbauet werden; allein, eine vom Unterhauſe verordnete Committee zur Unterſuchung des Gebaͤudes hat den Bericht abgeſtattet, daß daſſelbe nach einigen Reparaturen noch mehrere Jahre zu ſeiner bisherigen Abſicht dienen koͤnne. — Herr Wyndham trug von neuem im Unterhauſe darauf an, den Fran - zoſen eine Beyhuͤlfe an Getraide zukommen zu laſſen. Was ſie verlangt haͤtten, waͤre nicht mehr, als was in England an einem einzigen Tage verzehret wuͤrde. — Herr Grenville, der Staats Secretaͤir, ruͤhmte die leutſeligen Geſinnungen, die Herr Wyndham geaͤußert, war aber dagegen, weil die Kornpreiſe bey uns ſelbſt ſtiegen. Die Sache hatte hiebey ihr Bewenden. — Jm Oberhauſe ward vor einigen Tagen eine Bittſchrift von den Tobacks Fabrikanten eingegeben, darinn ſie erſuchten, durch Advocaten gegen die im Unterhauſe paßirte Bill gehoͤret zu werden. Einige Lords von der Miniſterial Parthey waren aus dem Grunde dawider, daß es eine Finanz-Bill ſey, um Gelder zu heben, und folglich allein fuͤr das Unterhaus gehoͤre; dagegen aber der Großkanzler behauptete, es ſey billig, daß man die Leute vernaͤhme, um zu erfahren, ob ſie mit Grunde etwas einzuwenden haͤtten. Er behielt die Oberhand,[6]und die Advocaten wurden geſtern wirklich vernommen, worauf die Lords ihre Sitzungen bis heute verſchoben. —
Der Koͤnig mit ſeiner Begleitung befindet ſich voll - kommen wohl zu Weymouth, badet und macht kleine Seefahrten. Am Mittewochen gieng die Koͤnigl. Ge - ſellſchaft in der Fregatte, Southampton, unter Segel, um die Landſpitze Peverel zu beſichtigen, wo das Oſtin - diſche Schiff Halſewell, verlohren gieng. Der Wind legte ſich indeſſen ſo ſehr, daß die Fregatte unverrich - terer Sache nach Weymouth zuruͤckkehrte.
Obgleich ein großer und auf mehrere Monate hin - laͤnglicher Vorrath an Korn hier vorhanden iſt, ſo haben dennoch die Speculanten und ſogenannten Korn - juden den Preis ziemlich hoch getrieben. Da indeſſen die Stadt London eine Praͤmie auf die Korn Einfuhr vor ein paar Tagen geſetzt, und das Wetter, das bisher ſo regnigt geweſen, angefangen hat, beſſer zu werden; ſo ſtehet zu hoffen, daß gewinnſuͤchtige Menſchen ihre Abſicht, ſich auf Unkoſten der Armen zu bereichern, nicht erreichen werden.
Herr Pitt iſt von ſeinen podagriſchen Zufaͤllen ſo weit wieder hergeſtellet, daß er die gewoͤhnlichen Staatsge - ſchaͤffte wieder betreiben kann. Jm Parlemente iſt er indeſſen noch nicht wieder gegenwaͤrtig geweſen.
Von Terreneuve angekommene Nachrichten melden, daß die dortigen Fiſchereyen dieſes Jahr ſehr wohl ausgefallen, und daß ſchon viele Schiffe mit guten Ladungen geſalzener Fiſche nach Portugal und dem Mittellaͤndiſchen Meere abgegangen ſind.
Aus Boſton, in America, wird gemeldet, daß die Handlung daſelbſt ungemein bluͤhe; daß vier America - niſche Oſtindienfahrer mit guten Ladungen wohlbe - halten angekommen ſind, und ſie geſchwinde und vor - theilhaft verkauft hatten. Die Wanderungen in den Americaniſchen Freyſtaaten nach Weſten zu vermehren ſich. Die Etabliſſements am Ohio und Mißißippi werden ſo haͤufig, daß es nicht lange dauern duͤrſte, ehe die Schiffahrt auf dieſen beyden Fluͤſſen ſich gaͤnz - lich in den Haͤnden der freygewordenen Americaner befindet. Die Spanier ſehen ſehr ſcheel dazu.
Auf der Jnſel St. Vincent iſt ein Aufſtand unter den Neger Sclaven geweſen, der nicht eher hat ge - daͤmpft werden koͤnnen, als bis Truppen anruͤckten, und feuerten, wodurch die Ruhe wieder hergeſtellet wurde.
Man behauptet hier mit einem Anſcheine von Zu - verlaͤßigkeit, daß das Anſuchen des Franzoͤſiſchen Ge - ſandten bey unſerer Regierung um 20000 Saͤcke Mehl, ſich nicht auf die Erleichterung der Franzoͤſiſchen Armuth, ſondern auf die Unterhaltung der auslaͤndi - ſchen Truppen bezogen habe, die gegen Paris anruͤcken mußten.
Zu Calais hat man allerley Unordnungen angefan - gen. Einige Englaͤnder, die von da nach Dover uͤber - gehen wollten, wurden von einer Menge Franzoͤſiſcher Matroſen umgeben, und genoͤthiget, ſich in einem Franzoͤſiſchen Poſtſchiffe uͤber den Canal bringen zu laſſen, ob ſie ſich gleich in ein Engliſches Packetboot, das eben abgieng, verdungen hatten. Wie ſie in Dover ankamen, raͤcheten ſie ſich dadurch, daß ſie die gewoͤhn - liche halbe Guinee fuͤr die Ueberfahrt nicht dem Fran -zoͤſiſchen, ſondern dem Engliſchen Poſt-Capitain, zu - ſtelleten.
Man ſagt nun, daß die Reiſe des Kronprinzen nach Holſtein auf den 10ten naͤchſten Monats veſtgeſtellt ſeyn ſoll.
Der Juſtizrath und General Procureur Colbioͤrnſen iſt von dem Koͤnig zum wirklichen Etatsrath erhoben worden.
Da ſich in dem vorigen Jahr bey der Flotte einige Maͤngel gezeigt haben, welche auf die Geſundheit der Matroſen Bezug hatten, ſo werden ſolche von der Ad - miralitaͤt mit aller Sorgfalt verbeſſert, und unter an - dern ſollen 4000 Matratzen und Decken fuͤr die See - leute gemacht werden, um ſich derſelben zum Schlafe zu bedienen.
Der Cutter, der fliegende Fiſch, iſt unter dem Capi - tain-Lieutenant Kaas nach der Oſtſee unter Segel gegangen.
Da man die gewiſſe Nachricht hat, daß die Rußiſche und Schwediſche Flotte vor ein paar Tagen einander bey Bornholm im Geſicht waren, und man eben ſo ſicher weiß, daß beyde Chefs Befehl haben, ſich zu ſchlagen, ſo iſt man in ſtuͤndlicher Erwartung, etwas von Wichtigkeit zu hoͤren.
Ein von Gothland zu Roſtock angekommener Schiffer hat ausgeſagt, daß die Rußiſche und Schwediſche Flotten am Sonntage, als den 26ſten dieſes, zwiſchen Bornholm und Gothland heftig an einander geweſen, und daß die Kanonade bis des Abends um 9 Uhr ge - dauert habe. Der Wind ſey ganz ſtille geweſen, und er, der Schiffer, habe viel Feuer geſehen. Da die Briefe von Copenhagen vom 28ſten dieſes noch nichts hievon erwaͤhnen, ſo verdient dieſe Schiffer-Nachricht noch große Beſtaͤtigung.
Vor einigen Tagen iſt der Cardinal-Staatsſecretair nach Bologna abgereiſet. Der hier reſidirende Miniſter des Koͤnigs von Neapolis, Ritter Ricciardelli, hat vor einigen Tagen an Monſignor Federici, welcher einſt - weilen die Stelle des Staatsſecretairs vertritt, ein verſiegeltes Packet von Schriften geſchickt, von dieſem aber unentſiegelt wieder zuruͤck erhalten, mit dem Be - deuten, dieſes waͤre der ausdruͤckliche Befehl Sr. Hei - ligkeit. Man glaubte naͤmlich, daß in dieſem Packete eine Anweiſung der 7000 Ducaten enthalten ſeyn koͤnnte, welche der Koͤnig anſtatt des ſolennen jaͤhr - lichen Tributs zahlen will. — Man will hier ver - ſichern, daß Monſignor Tondadari, Paͤſtbl. Nuntius in den Niederlanden, der ſich jetzt unweit Luͤttich auf - haͤlt, nach Rom ſoll zuruͤckberufen, und als Secretair von Fortpflanzung des Glaubens angeſtellt werden.
Se. Hochfuͤrſtl. Durchlaucht, der Herzog Ferdinand von Braunſchweig und Luͤneburg, ſind, nach einer faſt 4 woͤchentlichen Abweſenheit, am 23ſten dieſes Gott Lob! beym beſten Wohlſeyn zu unſerer allgemeinen Freude allhier wieder eingetroffen. Hoͤchſtderſelbe war am 25ſten Junii von hier nach Sans-Souci abgegangen, woſelbſt Sie von Jhro Majeſtaͤten, dem Koͤnige und der regierenden Koͤniginn, Jhro Koͤnigl. Hoheit, der Frau[7]Erbſtatthalterinn, und den uͤbrigen Koͤniglichen und Oranienſchen Herrſchaften mit ausgezeichneter Gnade und Freundſchaft aufgenommen worden. Se. Durchl. haben in dem neuen Palais die Zimmer des hoͤchſtſel. Koͤnigs bis zum 1ſten Julii - bewohnt, und waren bey allen Feſtivitaͤten waͤhrend der Zeit und in der Folgezeit Jhres eigentlichen Sejours bey Jhro Majeſtaͤt, der ver - wittweten Koͤniginn, Dero Frau Schweſter, die Spek - tackel in Berlin ausgenommen, gegenwaͤrtig, als zu Hoͤchſtderſelben nach Schoͤnhauſen Se. Durchl. am 1ſten Julii abgiengen, und allda bis zum 20ſten ver - blieben, nachdem Sie Sich inzwiſchen am 15ten Julii nach der Johanniter Ordens Commenthurey Litzen erhoben hatten, von da aus Se. Durchl. am 17ten ſich nach der Jhnen angefallenen Commenthurey Gorgaſt begaben, und nach Dero daſelbſt am 17ten er folgten Jntroduction den 18ten wieder nach Schoͤn - hauſen zuruͤckkehrten. Se. Durchl. traten am 21ſten Dero Ruͤckreiſe hieher am.
Der verdienſtvolle Herr Verfaſſer beſchenkt uns hier mit einem Werke, welches wir getroſt den beſten Pro - ducten unſrer Nachbarn an die Seite ſetzen zu koͤnnen glauben, naͤmlich mit der Geſchichte eines Mannes, der, wie aus der Vorrede erhellet, mit dem Grundſatze in die Welt tritt, “daß jeder gluͤcklich ſeyn, und ſeine guten Endzwecke durchſetzen koͤnne der immer weiſe und immer redlich handelte,” und dem bey allen Schritten, die er thut, dieſer Grundſatz zur Luͤge zu werden ſcheint. Die Unterſuchung, die ihn bey jedem neuen Ungluͤcksfalle beſchaͤfftigt, ob er ſeinen erſten Grundſaͤtzen treu bleiben, oder die Vorſehung anklagen ſoll, leitet ihn auf die wichtige Frage: Ob er auch ſtets zugleich klug und redlich gehandelt habe, und da er - faͤhrt er dann zu ſeiner Beſchaͤmung, daß er doch immer von Einer Seite gefehlt haͤtte Mit Sehnſucht erwarten wir die folgenden Theile, worinn die Schick - ſale unſers Helden mehr entwickelt werden, — indeß haben wir uns ſchon zu unſerm Vergnuͤgen, aus dem vor uns liegenden Theile und dem angefuͤhrten Zweck des Ganzen, genugſam uͤberzeugt, daß es kein hoͤheres Weſen in menſchlicher Geſtalt iſt, vor deſſen unerſchuͤt - terlicher Veſtigkeit und unerreichbarer Tugend wi[r]zuruͤckbeben muͤßten. Wer die uͤbrigen Schriften des Herrn Verfaſſers kennt, (und billig ſollte ſie jeder Deutſche kennen, den vaterlaͤndiſche Litteratur in - tereßirt) wird ſchon, ohne unſer Erinnern, erwarten, daß alle Charaktere aufs richtigſte gezeichnet und kolo - rirt ſind, und daß die feinſte Welt und Menſchen - kenntniß (die in den meiſten Deutſchen Romanen, be - ſonders was die hoͤhern Staͤnde betrifft, ſo ſelten an - getroffen wird) vorzuͤglich darinn herrſcht. Der Ver - faſſer iſt mit dem Tone, den Tugenden und Laſtern der Großen bekannt genug, um ſie auf das lebhafteſte, natuͤrlichſte und belehrendſte zu ſchildern.
Vorzuͤglich empfehlen wir den 17ten Brief, S. 257, welcher das Jdeal eines vollkommenen Frauenzimmersund das Vorzuͤglichſte alles deſſen enthaͤlt, was ſich Gutes und Richtiges uͤber weibliche Erziehung ſagen laͤßt, allen Eltern, denen das Gluͤck ihrer Toͤchter am Herzen liegt, und allen edlen Maͤdgen Deutſchlands, die ihren Beruf gerne ganz erfuͤllen wollen. (Koſtet bey Herold im Dom 4 Mk. 8 ßl.)
Jch habe in dem 2ten Bande meiner Arzeneyen ohne Maske ein Buch unter folgendem Titel: Der gluͤckliche und geſchwind heilende Arzt, auf Praͤnu - meration angekuͤndiget. Da ich nun bereits mit dem Manuſcripte deſſelben fertig bin, ſo wiederhole ich hiermit oͤffentlich mein gethanes Verſprechen, daß, wenn ſich binnen hier und Michaelimeſſe eine hinlaͤng - liche Anzahl Praͤnumeranten finden ſollten, ſo ſoll mit dem Druck ſogleich der Anfang gemacht werden. Die - ſes fuͤr jedermann, er ſey Arzt oder nicht Arzt, be - ſtimmtes mediciniſch praktiſches Handbuch, das uͤber zwey Alphabet ausmachen, und mit aller typographi - ſchen Schoͤnheit gedruckt werden wird, wird von der Art ſeyn, daß ſich ein jeder, der auch nicht die minde - deſten Kenntniſſe von Krankheiten und Arzeneyen hat, durch Beyhuͤlfe dieſes Buchs mit leichter Muͤhe ſich ſelbſt und andere ſeine kranke Nebenmenſchen wird heilen koͤnnen. Vorzuͤglich wird dieſes Buch denenje - nigen, die auf dem Lande und von Aerzten entfernt wohnen, als adeliche Herrſchaften, Prediger, Beamte und uͤbrigen Hauswirthen, ſehr gut zu Statten kom - men. Weil nicht nur alle und jede Krankheiten, ſie moͤgen auch heißen und Namen haben wie ſie wollen, in demſelben ſehr deutlich, faßlich und ſehr richtig be - ſchrieben, ſondern auch die wahren und ſehr einfachen fuͤr eine jede Krankheit helfenden Arzeneyen vorge - ſchrieben finden werden. Der ungekuͤnſtelte Vortrag, die Einfachheit in Behandlung der Krankheiten, und deren angefuͤhrten Huͤlfsmittel, der kuͤrzeſte Weg naͤm - lich, die ſchwerſten Krankheiten geſchwinde zu heilen, dis in dieſem meinem Buch der Wahrheit gemaͤß auf - richtig gelehrt werden, wird dieſes Buch von allen uͤbrigen aͤhnlichen Buͤchern unterſcheiden. Mit einem Wort, es wird bey Anſichtigung dieſes Buchs, er ſey Arzt oder nicht Arzt, das Praͤnumerationsgeld, welches pro Exemplar 2 Thaler betraͤgt, niemand gereuen. Wer nicht Luſt zu praͤnumeriren haͤtte, kann auch ſub - ſcribiren, nur mit dem Unterſchiede, daß die, die ſub - ſcribiren, bey Ablieferung, des Buchs 2 Thlr. 6 Ggr. zu bezahlen ſich werden gefallen laſſen. Es werden nicht mehr Exemplare gedruckt als beſtellt werden. Darum erſuche ich alle diejenigen, die ſich dieſes in jedem Betracht ſehr nuͤtzliche Buch anzuſchaffen geden - ken, daß ſie ihre Beſtellungen grade bey mir, und das je eher je lieber, zu machen belieben, und Briefe und Gelder frey an mich einſenden moͤchten. Und weil die Namen dem Werke vorgedruckt werden, ſo bitte, daß auch dieſe, nebſt dem Wohnorte und Charakter, ſehr deutlich und leſerlich an mich moͤgen uͤberſchrieben merden.
Bey Orell, Geßner, Füßli und Compagnie in Zürich wird nächſtens der Anfang einer guten Deutſchen Ueberſetzung der[8]wichtigſten Schriften über die gegenwärtige Revolution in Frankreich und über den Fortgang der Franzöſiſchen National - Verſammlungen gemacht, und im Druck bis ans Ende conti - nuiret werden. Der Ueberſetzer iſt ein Mann, der nicht nur mit beyden Sprachen, ſondern auch mit den Sachen wohl und genau bekannt iſt; der zwar bey der Wahl dieſer Sammlung auch die minder erheblichen und allzuweitläuftigen Pieçen nicht ganz übergehen, ſolche aber mehr anzeigen und im Bus - zuge liefern, als ganz überſetzen wird. Sobald ein Stück fertig iſt, wird es von der Verlags-Handlung öffentlich ange - zeigt, und dafür geſorgt werden, daß man auch die ganze Sammlung nach Abtheilungen in Bände zuſammen binden laſſen kann.
Dem hieſigen Wohllöblichen Niedergerichte haben Teibche Wallich, cum Curatore, Meyer Jonas Goldſchmidt, uxor. nom. Teile, geb. Wallich, Jacob Simon Neuſtädel, ux nom. Hanna, geb. Wallich, Philipp Jſaat Gaus, ux. nom. Eſter, geb. Wallich, Golde & Lutzee Wallich, cum Curatore. Elias Wulff Abrabam von Halle, Jacob Moſes Schleſinger und Leoin Hertz, tut. nom. Moſes, Levin & Beile Schleſinger, durch ihren[An]wald abermals implorando zu vernehmen gegeben, welcherge - ſtalt am 10ten April dieſes Jahrs hieſelbſt der weyland Herzogl. Mecklenburgiſche Hof-Agent, Daniel Salomon Wallich, mit Hinterlaſſung ihrer der Jmplorantiſchen Wittwe und Erben verſtorben wäre. Ohnerachtet nun bey der genaueſten Unter - ſuchung deſſen Verlaſſenſchaft ſolche in der größten und pünkt - lichſten Ordnung befunden worden, und aus den Handlungs - büchern nichts hervorgienge, daß irgend iemand einige An - ſprache daran zu machen hätte; ſo wollten ſie dennoch in Hinſicht ausgebreiteten Handlungsverkehrs, worinn ihr Erb - laſſer geſtanden, und zur völligſten Sicherſtellung gegen etwa - nige unbekannte Gläubiger, nach Ablauf des erſten, um ein öffent - liches ſecundum Proclama dahin geziemend bitten, daß alle und jede welche an den Nachlaß des allhier verſtorbenen weyland Herzogl. Mecklenburgiſchen Hof-Agenten, Daniel Salomon Wallich, ex quocunque capitevel cauſa Anſprache und Forderung zu haben vermeynten, ſich damit in termino peremtorie præfi - gendo ſub pœna præcluſi et perpetui ſilentii zu melden, und ſolche rechtlicher Art nach zu juſtificiren ſchuldig ſeyn ſollten. Dieſem Petito Proclamatis iſt gerichtlich deferiret, und der 31ſte Auguſt a. c. pro termino peremtorio angeſetzet worden.
Hamburg, den 16ten Julii 1789.
Demnach Wir Dechant, Senior und Capitularen des Domſtifts hieſelbſt, Unſers juͤngſt verſtorbenen Subpræfecti, Gerhard Nicolaus Olde, nachgelaſſene Geſchwiſter, nament - lich Johann Peter, Margaretha Dorothea, Maria Mag - dalena und Catharina Eliſabeth Olde, cum Curatore, per Decretum befugt haben, die Verlaſſenſchaft ihres verſtorbe - nen Bruders, des beſagten Subpræfecti Olde, cum beneſicio legis et Inventarii anzutreten, des Endes ſie auch als Bene - fitial-Erben ihres verſtorbenen Bruders um ein oͤffetliches Proclama angeſucht haben, und ſolchem Petito deferiret worden:
So heiſchen und laden Wir alle diejenigen, welche an des verſtorbenen Subpræfecti, Gerhard Nicolaus Olde, Rachlaß ex capito hereditatis, debiti vel crediti, vel ex alia quacunque cauſa, einige Anſprache und Forderung zu haben vermeyen, hiemit peremtorie ſub pœna præcluſi et perpetui ſilentii, und zwar die ſich hier Aufhaltenden innerhalb Sechs Wochen, die Auswaͤrtigen innerhalb Zwoͤlf Wochen a dato, um in dieſer Friſt entweder in Perſon oder durch einen unter des Stifte Jurisdiction ſortirenden Bevollmaͤchtigten vor Uns zu erſcheinen, und ſich gehoͤrig zu legitimiren, des Endes bey Unſerm Herrn Secretario Johann Joachim Bolten, J. U. Dre., ihre Anſpruͤche oder Forderungen, durch Vorzeigung der Ori - ginal-Documente, und mit Zuruͤcklaſſung vidimirter Copeyen, zu profitiren, ſelbige gehoͤrig zu juſtificiren, und rechtlicher Entſcheidung zu gewaͤrtigen, mit der Verwarnung, daß alle und jede, die ſich in der gehoͤri - gen Friſt nicht gemeldet haben, ipſo jure und mit Ver - luſt des beneficii reſtitutionis in integrum praͤcludiret, und ihnen ein ewiges Stillſchweigen aufgeleget werden ſoll.
Weſſen zur Urkunde Wir Unſers Herrn Secretaril Bolten, Dris. eigenhaͤndige Unterſchrift hierunter ſetzen, und Unſer Stifts-Jnſiegel beydrucken laſſen.
Demnach Endesunterzeichneter als gerichtlich conſtituirten Curator des ſeit mehr als 30 Jahren ohne Nachricht von ſeinem Aufenthalte aus Curland abweſenden Koͤnigl, Pohl - niſchen Major. Ernſt Baumann, Obrigkeitlich befehliget worden, denſelben, oder falls er nicht mehr am Leben, deſſen etwannige Lei[beserben], zur Legitimation und zum Empfang der demſelben aus der Verlaſſenſchaft ſeiner vor vielen Jah - ren unbeerbt verſtorbenen Schweſter, der wayland Rathsver - wandtinn Elswich, gebohrne Baumann, zu Liebau, zuge - fallenen Erbportion edictaliter und peremtorie zu adcitiren, und ſolches auch prævio præfixo Termino vor einem hohen Oder - und Appellationsgericht hieſelbſt vom 27ſten Julii bis zum 8ten Auguſt d. J. bereits gebuͤhrend und Landuͤblich er - folget iſt; ſo dienet es noch hiemit zur Nachricht, und haben ſich alsdann der obgedachte Majer, Ernſt Baumann, oder deſſen etwannige Leibeserben, entweder in Perſon oder Voll - macht, auch, wo noͤthig, in Aſſiſtence und Vormundſchaft, erforderlich zu melden, und zu gewaͤrtigen, daß im Ausblei - bungsfall zwar ein Terminus ſecundus et quidem præcluſi - vus zur Angabe fuͤr ſie noch anberaumet worden, dann aber auch ergehen werde, was Recht ſeyn wird.
Thun kund und fuͤgen euch dem Erbpaͤchter, Johann Frie - drich Muth, Unſers Erbpacht-Vorwerks Goersdorff, Amts Beeſekow, oder im Fall ihr verſtorben ſeyn ſolltet, den von euch hinterlaſſenen unbekannten Erben, hiermit zu wiſſen, daß, nachdem Unſer Kriegs - und Domainenrath und Kammer-Fiſcal Schmucker, Namens Unſers Fiſci, weil ihr die euch aus dem mit Unſerer Churmaͤrkiſchen Kriegs, und Domainenkammer geſchloſſenen Erbpacht-Contract vom 18ten Junii 1765 obliegenden Verbindlichkeiten nicht erfuͤllet habt, vielmehr 727 Rthlr. 3 Gr. 3 Pf. Erbpachtsgelder iſchuldig geblieben ſeyd, dahingegen auch klagbar geworden und gebe - ten hat, den erwaͤhnten Erbpachts-Contract vom 18ten Junii 1765 fuͤr aufgehoben, und euch des Erbpachtsrechts von Goersdorff fuͤr verluſtig zu erklaͤren, Wir einen Termin zu eurer Vernehmung hieruͤber auf den 16ten December 1789, Nachmittags um 3 Uhr, in Unſerer Churmaͤrkiſchen Kammer vor dem Kammer-Aßiſtenzrath Witte anberaumet haben, wozu Wir euch, den Johann Friedrich Muth, oder euch, die von ihm hinterlaſſene unbe - kannte Erben, hierdurch mit dem Befehle vorladen, euch ge - dachten Tages entweder in Perſon oder durch einen von der Sache unterrichteten und bevollmaͤchtigten Juſtiz-Commiſſa - rius zu geſtellen, oder euch ſonſt ſchriftlich zu melden, eure Gerechtſame gegen die Klage auszufuͤhren, und alle, ſowol zur Unterſtuͤtzung derſelben, zur Aufklaͤrung und Abkuͤrzung der Sache, dienlche Documente und Beweismittel zur Stelle zu bringen, von den etwanigen abzuhoͤrenden Zeugen aber deren Namen, Aufenthalt und Gerichts-Obrigkeit anzuzeigen und ſodann rechtliche Einleitung der Sache, außenbleibenden Falls aber, ſo wie, wenn ihr durch perſoͤnliche Hinderniſſe in dieſen Termin zu erſcheinen abgehalten werden ſolltet, und deſſen Verlaͤngerung bey Unſerer Juſtiz-Deputation nachzu - ſuchen unterlaſſet, zu gewaͤrtigen: Daß der vorhandene Erb - pacht-Contract fuͤr aufgehaben, und ihr ſowol als eure Erben aller aus ſothanem Contract euch zugeſtandene Rechte fuͤr verluſtig erkannt werden ſollet. Signatum.
Britt-Marie SchusterManuel WilleArnika LutzNote: Bereitstellung der Texttranskription.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2014-07-07T10:32:49Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
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