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Folgendes vom 25 d. datirtes Schreiben aus Kruſau, das aus der Feder eines Officiers bei dem v. d. Tann’ - ſchen Freicorps gefloſſen iſt, theilen wir Jhnen mit:
Wir ſtehen jetzt ſchon mit unſerer ganzen Armee nördlich von Flensburg. Die letzten Tage haben uns raſch vorwärts gebracht. Der rechte Flügel, das v. d. Tann’ſche Freicorps ging am Freitag nach dem Treffen vor Eckernförde nach Gr. Wittenſee, ruhte dort den folgenden Tag, und marſchirte am Oſter - ſonntag nach Siſebye, um dort über die Schlei zu gehen und dem Feinde in die Flanke oder in den Rücken zu kommen, während gleichzeitig bei Miſſunde und Schleswig angegriffen wurde. Bei Miſſunde kamen wir während der Kanonade vorbei, durch die das v. Zaſtrow’ſche Corps den Uebergang zu erzwin - gen ſuchte. Die däniſchen Kanonen waren ſchon de - montirt. Gleichzeitig wurde bei Schleswig das Haupt - treffen geſchlagen, wo die Dänen ſich lange Zeit gut gehalten haben. Am Abend des Sonntags ging das Ranzau’ſche Freicorps bei Stubbe über die Schlei, am folgenden Morgen das v. d. Tann’ſche bei Siſebye. Um wo möglich den Feind zu überholen, wurde das letztere dann auf Wagen faſt durch ganz Angeln fort - geſchafft und übernachtete in Ausacker, während das Ranzau’ſche Freicorps im nächſten Dorf nördlich lag. Die Dänen hatten ſich nach dem Treffen am Sonn - tag ſo ſchleunig von Schleswig und Miſſunde zurück - gezogen, daß ſie vor uns in Flensburg ankamen, ohne daß ein Zuſammentreffen ſtattfand. Die Bun - destruppen waren raſch gefolgt und am Montag Abend lag unſere Armee nahe zuſammen ſüdlich um Flensburg herum. Wir erwarteten uns heute bei Flensburg zu ſchlagen, fanden Flensburg aber ganz leer. Am Montag Abend etwa um 11 Uhr hatten die Dänen nämlich, auf die Nachricht vom Anrücken der Preußen, in ſolcher Eile Flensburg geräumt, daß der Abzug eigentlich eine vollſtändige Flucht geweſen ſeyn ſoll. Alle Ordnung, alles Commando hat ein Ende gehabt; viele Calleriſten ſollen ohne Stiefeln, ohne Sattel und Zaum fortgejagt ſeyn. Heute Mor - gen gegen 9 Uhr kamen wir vor Flensburg an, als die hannoverſche und braunſchweigſche Artillerie auf die däniſchen Schiffe und Kanonenböte ſchoß, die ſich, nachdem einige Kugeln getroffen hatten, entfernten. Auf dem Flensburger Marktplatz trafen wir ein mecklenburgiſches Grenadier-Bataillon und eben hinter Flensburg preußiſche Jnfanterie und mecklenburgiſche und hannoverſche Jäger und die hannoverſche und braunſchweigſche Artillerie. Jn Flensburg waren faſt alle Häuſer mit kleinen ſchwarz-roth-goldenen Fahnen behangen, die alle ganz gleich waren und fabrikmäßig gemacht zu ſeyn ſchienen. Bei Bau trafen wir mit dem Ranzau’ſchen Freicorps, das einen Seitenweg links gegangen war, zuſammen, und marſchirten dann rechts nach Kruſau. Das v. d. Tann’ſche Freicorps bildet jetzt wieder den rechten Flügel. Morgen iſt leider Ruhetag. Wir würden lieber raſch dem Feind auf dem Fuße gefolgt ſeyn. Jn Angeln, namentlich im ſüdlichen Angeln und in Schwanſen am Schlei - Ufer ſind wir außerordentlich freundlich aufgenommen. Jn Flensburg wurden wir nur von einigen Häuſern aus als Freunde begrüßt, und die vielen deutſchen Fahnen ſchienen nur beſtimmt zu ſeyn, um Pardon zu erbitten. Jn Angeln haben wir einen der däni - ſchen Jäger-Officiere, die in dem Treffen vor Eckern - ſörde gegen uns befehligten, gefangen genommen. Er iſt von Geburt ein Deutſcher, ein Hr. v. Maas. Die Dänen haben überall viel Munition und Proviant im Stich gelaſſen, auch ſind viele Dänen zu Geſange - nen gemacht. Jhr Heer wird ohne Zweifel ganz demoraliſirt ſeyn. Die Officiere wie die Soldaten ſollen ſehr erbittert darüber ſeyn, daß man ſie in Kopenhagen ſo abſcheulich getäuſcht hat durch die Entſtellungen der hieſigen Verhältniſſe, beſonders durch die lügenhafte Erzählung, daß ſie es hier nur mit einigen unruhigen Köpfen zu thun hätten, und daß die Preußen nur erſchienen, um die Herzogthümer vor den Freiſchaaren zu ſchützen.
Bei der großen Entmuthigung der däniſchen Armee wird Schleswig ohne Zweifel in wenigen Tagen rein zu machen ſeyn. Hr. Orla Lehmann und ſeine Mit - renommiſten werden jetzt hart gezüchtigt werden, und das däniſche Volk wird ſie ohne Zweifel ihrer Leicht - fertigkeit wegen ſtreng zur Verantwortung ziehen.
Jn Flensburg ſind im Laufe des heutigen Tages noch ſehr viele unſerer Truppen eingerückt.
Die geſtern Abend im hieſigen deutſchen Verein vorgenommene Vorwahl eines nach Frankfurt zu ſendenden Abgeordneten ergab folgendes Reſultat: Th. O[l]shauſen erhielt 324, Profeſſor Waitz 21, Ad - vocat Bargum 12, Proſeſſor Stein 9, Dahlmann 5, Etatsrath Brinkmann 3, Profeſſor Hanſſen 2, Pro - feſſor Roſſ 2 und Advocat Clauſſen 2 Stimmen. Nachdem dieſe Vorwahl beendet war, hielt Profeſſor Stein einen Vortrag über die Nothwendigkeit der Errichtung einer deutſchen Flotte und trug darauf an, daß eine Commiſſion zur Förderung des ange - gebenen Zweckes niedergeſetzt werde. Der Vorſchlag ward unter großem Beifall angenommen und be - ſtimmt, daß der Vorſtand des deutſchen Vereins un - ter Zuziehung von Sachverſtändigen dieſe bilden möge.
Nach hier eingetroffenen Nachrichten, deren Wahr - heit wir freilich nicht verbürgen können, ſtehen die Unſrigen bereits auch ſchon auf der Jnſel Alſen.
Heute kamen hier 4 Stück mittleres Geſchütz an, welches zur Vertheidigung des Hafens verwendet wer - den ſoll.
Das erſte Bataillon des dritten hannoverſchen Jn - ſanterieregiments ſcheint hier bleiben zu ſollen. Da - gegen rücken von dem vierten ſchleswig-holſteiniſchen Bataillon Detachements zur Beſchützung der Kü - ſten aus.
Die Nachricht der heutigen Schleswig-Holſteini - ſchen Zeitung, daß die Corvette Galathea nicht mehr vor dem hieſigen Hafen ſei, iſt unbegründet. Dieſelbe liegt in Begleitung einer fortwährend kreuzenden Kut - terbrigg noch immer bei Laboe und der Hafen wird ſtreng blokirt gehalten. Die fremden Schiffscapitäne ſind empört darüber, daß von Seiten der däniſchen Regierung keine vorherige Anzeige erlaſſen ſei und ſie nicht einmal mit Ballaſt zu Hauſe ſegeln können. Geſtern und heute ſind mehrere holländiſche und ſchwe - diſche Schiffe zurückgewieſen worden; einem ſegelfertig liegenden Engländer wird es nicht beſſer gehen. Ein heute Morgen nach dem Schleswig-Holſteiniſchen Kanal einſegelnder Holländer kehrte ſich nicht an die Kriegsſchiffe; eine Kanonenkugel ſchlug dicht hinterihm ins Waſſer und da das von der Corvette aus - geſetzte Boot ihn nicht erreichen konnte, ſo entkam er glücklich.
Wie es hier mit der Wahl zur Nationalverſamm - lung werden ſoll, mag der Himmel wiſſen. Ueber - morgen findet dieſelbe ſtatt. Geſtern Abend erklärte ſich im deutſchen Vereine eine der Einſtimmigkeit nahe Majorität (324 Stimmen, der nächſte hatte 21 Stim - men) für Th. Olshauſen. Heute zeigt derſelbe an, daß er die Wahl nicht annehmen könne, weil dieſes ſich nicht mit ſeiner Pflicht als Mitglied der Regie - rung vereinigen laſſe. Hoffentlich wird noch morgen Abend eine Vorwahl ſtattfinden; aber auch dieſe möchte ohne große Erfolge ſeyn, da die mit uns wählenden Stadt - und Landdiſtricte von dem Ausfall nicht in Kenntniß geſetzt werden können.
(Abends.) Mit dem Geſchrei “Preuſerne komme” wurden wir am Montag-Nachmittag und Abend unſere feindlich geſinnten däniſchen Nachbarn in größ - ter Unordnung und Eile los! Dienstag-Morgen zogen unter allgemeinem Jubel die lang erſehnten Preußen ꝛc. ein. Aus jedem Hauſe (aus einigen Nothfahne!) wehte unſere liebe ſchwarz-roth-goldene Fahne; alles war Zeichen innerer Freude. Geſtern hielten die braven deutſchen Freunde in unſerer Mitte einen Raſttag; und zogen heute Morgen muthig und mit “Schleswig-Holſtein meerumſchlungen” wieder dem Feinde entgegen. — Wir wünſchten Alle ein herzliches Glückauf!!
Heute Nachmittag traf ein däniſcher Parlamentär in Begleitung eines däniſchen Huſaren beim preußiſchen General von Sonderburg hier an. Was er gebracht, iſt noch unbekannt. Er wurde mit verbundenen Au - gen wieder weggefahren. Den Huſaren und Poſtillon behielt man einſtweilen hier. Der Däne hat ſich auf Alſen ſtark verſchanzt und man erwartet hier ſchon morgen Nachrichten von der geſtern hingeſandten hannöverſchen Artillerie, und den heute Morgen dort - hin gegangenen preußiſchen Truppen. Andr. Chri - ſtianſen (wahrſcheinlich auch ſeine gute — Frau) iſt nach Sonderburg geflüchtet. Sein Haus iſt augen - blicklich noch in eine “außerordentliche Caſerne” ver - wandelt. Es logiren etwa 1000 Mann darin und kehren das Oberſte nach Unten. Heute morgen zeigte ſich aus einem Fenſter eine Fahne mit der Jnſchrift: “Tydſk Nationaleindom.”
Ein außerordentlicher Zapfenſtreich labte ſo eben unſere Ohren mit lieblichen Tönen. Welch ein greller Abſtand, wenn wir noch vor 8 Tagen einen däniſchen hörten! Jetzt klärt ſich der Himmel wieder über un - ſerer guten Stadt auf! Jetzt werden die Rechte des Vaterlandes bewahrt und geſchützt!
Heute ſind hier die am 23 und 24 d. gemachten däniſchen Gefangenen eingebracht worden und in der für ihre Aufnahme eingerichteten altſtädter Kirche ein - quartirt worden. Jn der Kirche liegen 400 und ei - nige, im Provianthauſe 82. Die Zahl der gefangenen Offiziere iſt uns auf 13 angegeben worden. Es ſind von allen Truppengattungen, darunter auch etwa 12 Freiſchärler aus Kopenhagen und Odenſe, denen ein abgetheilter Raum in der Kirche beſtimmt worden zu ſeyn ſcheint, auch ein Gardiſt zu Fuß, welcher meinte, daß von ſeinen Cameraden nur 2 gefangen genommen ſind, und auch dieſe nur, weil ſie krank geworden. Namentlich zahlreich iſt aber daſelbſt das 2te Jäger - corps vertreten, welches ſich ſo wacker in dem Ge - fechte zwiſchen Oeverſee und Bilſchau gehalten hat. Nach der Erzählung des die Gefangenen escortiren - den Offiziers, war dieſes Corps auf eine Koppel hinaufgedrängt und hier zuerſt von den mecklenburger Dragonern, aber ohne Erfolg, angegriffen worden, da dieſe in einer ſumpfigen Niederung ſtecken blieben und unfehlbar von den Jägern aus kurzer Entfer - nung niedergeſchoſſen wären, wenn dieſe ſie nicht als Mecklenburger erkannt hätten. Den ſchleswig-holſtei - niſchen Dragonern, wofür man ſie erſt gehalten, war der Tod geſchworen worden. Als nachher das han - noverſche 5te leichte Bataillon und das braunſchwei - giſche 2te Bataillon ſie mit großer Uebermacht ange - griffen, vertheidigten ſie ſich noch lange hartnäckig, was daraus abzuſehen iſt, daß von den 350, die ſich zuletzt ergaben, nur 250 hierher transportirt werden konnten; die übrigen ſind theils todt, theils ſchwer verwundet, wenigſtens transportunfähig. — Den Frei - ſchaaren iſt officiell angezeigt worden, daß, wer wolle, ſich nach Hauſe zu ſeinen friedlichen Beſchäſtigungen zurückbegeben könne; was jetzt noch zu thun ſey, werde mehr Sache des regulären Militärs ſeyn, und für die Freiſchaaren nur noch etwa Vorpoſtendienſt und die Bewachung aufrühreriſcher Bauern übrig bleiben. Jn Folge dieſer Eröffnung haben ſich denn auch ſchon heute gegen 60 Freiwillige, unter ihnen viele aus Hamburg und den Rheingegenden, beim hieſigen Bureau für die Freicorps gemeldet, theils mit Entlaſſungsſcheinen, theils auf 7tägigen Urlaub. Jhre Strapazen ſind nicht geringe geweſen in dieſen heißen Tagen des Kampfes und der Verfolgung. — Bei dem Wetteifer, mit welchem man aller Orten für die Kranken und Verwundeten in unſeren Lazarethen Sammlungen an Geld (eine uns zugekommene Liſte, die wir baldmöglichſt veröffentlichen werden, weiſet 8774〈…〉〈…〉Zeichen nicht darstellbar, Währungszeichen "Mark"1 3 ß auf), ſo wie an Bedürfniſſen der Pflege und Erquickung veranſtaltet hat, verdient das Ver - fahren einer Deputation aus Altona alle Anerken - nung, welche ſich nicht begnügte, ihren mitgebrachten, gegen 2000 Pfund ſchweren Vorrath von Apfelſinen, eingemachten Früchten, Taback, Cigarren ꝛc. hier ab - zuliefern, wo die Lazarethe gewiſſermaaßen an der Quelle reichlich mit Allem verſehen ſind, ſondern ſo - gleich nach Norden weiter reiſete, um ihre Liebes - gaben möglichſt gleichmäßig unter die ihrer mehr be - dürftigen Lazarethe zu vertheilen.
Von einem glaubwürdigen Manne, der heute von Flensburg hier eingetroffen iſt, erfahren wir, daß das Erſcheinen eines däniſchen Parlamentärs daſelbſt am geſtrigen Nachmittage große Aufmerkſamkeit und Span - nung erregt hatte. Vor dem Hauſe des Hrn. Fedder Mumſen, in welchem ſich das Hauptquartier des Ge - nerals Wrangel befindet, harrte man ſtundenlang der Entſcheidung, die noch nicht erfolgt war, als der Rei - ſende Flensburg verließ.
Die Cavallerie lag die Nacht von Donnerſtag auf Freitag in Bau und Kliplev (an der Apenrader Landſtraße) und in Tinglev (nach Tondern zu) die Dänen waren nach dieſer Richtung hin ganz ver - ſchwunden, wie es ſcheint ſelbſt aus Tondern.
Bei Rinkenis ſollen die Hannoveraner 400 Dra - goner gefangen haben. Auf dieſer Seite waren die Dänen bis nach Alſen zurückgedrängt. (S. -H. Z.)
An Chriſtianſens Hauſe in Flensburg hängt eineweiße Fahne mit der Jnſchrift “Tydſk Eiendom.” 1600 Mann Preußen ſind daſelbſt einquartirt.
Jn einer heute Abend hieſelbſt gehaltenen allge - meinen Bürger-Verſammlung wurde einſtimmig be - ſchloſſen, in dem Wahlbezirk der Stadt Rendsburg den Profeſſor Dahlmann in Bonn zum Abgeordneten für das deutſche Parlament ausſchließlich zu berück - ſichtigen, und die erforderlichen Schritte zu thun, ſeine Erwählung für den zweiten holſteiniſchen Wahldiſtrict zu erwirken. ( R. T.)
Bisher ſind keine neuen Nachrichten vom Kriegs - ſchauplatz eingelaufen. Man ſieht auf allen Geſich - tern nur Spannung. Eine gewiſſe Bedächtigkeit und Vorſicht in den progreſſiven Bewegungen unſerer Armee dürſte aber gewiß eben ſo rathſam, als durch die Verhältniſſe geboten ſeyn. Die Theilung der dä - niſchen Armee in zwei Colonnen, von denen ſich die eine dem Norden, die andere dem Oſten (Alſen) zu - gewandt hat, läßt ein langſames Nachrücken der Bundestruppen begreiflich erſcheinen.
Während ihres Aufenthalts in Schleswig haben die Dänen nur den amts-gottorfer Antheil von An - geln, ſo wie einen Theil des flensburger Angeln be - ſetzt gehalten. Jn die adeligen Diſtricte ſind dieſelben nicht gekommen; nur auf dem Gute Toeſtorff iſt von ihnen der Beſitzer, Hr. v. Rumohr, abgeholt worden, welcher ſich edelmüthig für einen Andern, auf deſſen Abholung es abgeſehen war, ausgab und von Schles - wig nach Fredericia geführt iſt.
Oberſt v. Fabricius ſoll bei der Wichtigkeit der Stadt Tondern für die militäriſchen Operationen zum Platz-Commandanten dieſer Stadt deſignirt ſeyn. (A. M.)
Wir müſſen glauben, daß die geſtern Abend nach Ankunft des Bahnzugs angekündigte Nachricht, daß die Bundestruppen in Hadersleben eingerückt ſeyen, eben ſo verfrüht iſt, wie neulich die Nachricht von der Beſetzung Flensburgs. Weiß man doch noch nicht beſtimmt, daß ſie Apenrade inne haben. (A. M. — Brieflichen Nachrichten aus Apenrade vom 28 d. in der Börſen-Halle zufolge, ſoll Hadersleben wirklich beſetzt ſeyn, obgleich Laurids Skau noch am Tage zuvor Quartier für 4000 Dänen beſtellt habe. Der Herzog v. Auguſtenburg war am 28 d. in Apenrade.)
So eben wird von Wangeroog aus rapportirt, daß geſtern Abend eine däniſche Cutterbrigg auf der Jahde erſchienen ſey. Jn Folge deſſen werden ſämmt - liche noch auf der hieſigen Rhede liegenden beladenen Schiffe, als: Frau Margaretha, Hook, Freundſchaft, Eimes, die junge Gretje, und Etta & Helena, Carls, in den hieſigen Hafen zurückkommen. (W. Z.)
Es ſind verſchiedene Gerüchte und Berichte mit heutiger Dampfſchiffspoſt gekommen über eine ſehr aufgeregte Stimmung in Kopenhagen, wornach alle Communication auch mit Travemünde als abgebro - chen zu betrachten wäre. Jedoch muß dabei bemerkt werden, daß abermals ein Gerücht in Kopenhagen, daß hier das däniſche Dampfſchiff Laaland mit Be - ſchlag belegt worden ſei, Glauben fand und zuſammen mit der Nachricht von dem Vorrücken der hannover - ſchen und mecklenburgiſchen Truppen, woran noch vorher gezweifelt worden war, dieſen augenblicklichen Eindruck hervorbrachte.
Das vorgeſtern Abend fällig geweſene Kopenhage - ner Poſtdampfſchiff iſt bis jetzt nicht eingetroffen und es hat daher auch heute kein Dampfſchiff gemäß dem Plane nach Kopenhagen abgehen können. Dagegen iſt heute der Malmö von Kopenhagen gekommen; er hat unter anderm c. 60 deutſche Handwerksgeſellen übergeführt, die in Kopenhagen gearbeitet, nun aber wegen des Kriegszuſtandes zwiſchen Deutſchland und Dänemark von den Kopenhagener Handwerksmeiſtern entlaſſen ſind. Mehrere von ihnen ſind durch die Kopenhagener Polizeibehörde mit den Mitteln für die Ueberfahrt verſehen worden. Ob das Ausbleiben der Poſtdampfſchiffe auf mehr als einer zufalligen Urſache beruht, ob es einer Abbrechung der unterhaltenen Be - ziehungen gleich zu achten iſt, oder nur die Folge eines “Mißverſtändniſſes” iſt, muß ſich in den näch - ſten Tagen ausweiſen. Das Dampfſchiff Malmö wird morgen, Sonntag, Nachmittag drei Uhr ſeine Rückreiſe antreten.
Wenn auch in Travemünde an die Herrichtung von Batterien Hand angelegt wird, ſo glauben wir doch, daß in dieſem Augenblick noch kein Grund vorhanden iſt, anzunehmen, die däniſchen Poſtdampfſchiffe hätten in Travemünde eine ernſte Behelligung zu befürchten. (Lüb. Corr.)
Der heute Abend eingetroffene Bahnzug aus Rends - burg bringt keine beſtimmte Neuigkeit. Man ſprach in Schleswig von Friedens-Unterhandlungen; weni - ger verbürgt von begonnenen oder ſogar ſchon glück - lich beendigten Operationen gegen Alſen. Die Dänen ſcheinen das ſchleswig’ſche Feſtland gänzlich geräumt zu haben.
Achtbaren Privatnachrichten zufolge, iſt dieſer Tage eine Fregatte von Kopenhagen nach der Mündung der Elbe abgegangen.
Das nunmehr ſchleswig-holſteiniſche Oberpoſtamt hieſelbſt nimmt, bis auf weitere Verfügung, die für Dänemark beſtimmten Poſten zur Beförderung über Lübeck nach wie vor entgegen, vorausgeſetzt, daß die Communication von Lübeck nach Kopenhagen nicht unterbrochen wird.
Bisher ſcheint auch bei uns ſehr allgemein voraus - geſetzt zu ſeyn, daß Dahlmann’s Wahl zum Mitgliede der deutſchen National-Verſammlung nicht zweifelhaft ſeyn könne. Viele haben vorausgeſetzt, daß er an mehr als Einem Orte in Deutſchland werde gewählt werden. Aus einem geſtern aus Bonn eingegangenen ſehr zuverläſſigen Schreiben vom 25 April erfahre ich, daß die Wahl von Dahlmann überall ungewiß, und daß ſie namentlich weder in der preußiſchen Rhein - provinz noch in Hannover zu erwarten ſey. Am Rhein ſoll ihm ſeine evangeliſche Confeſſion, in Han - nover der Umſtand entgegenſtehen, daß die preußiſche Regierung ihn als Vertrauensmann nach Frankfurt geſandt hat.
Die Holſteiner, ſo hoffe ich mit Zuverſicht, werden am 1 Mai Dahlmann nicht vergeſſen, der in einer langen Reihe von Jahren die ächt conſtitutionellen Grundſätze in unſerm Lande kräftig und beharrlichentwickelt, gepflegt und verbreitet, der an der Ent - wickelung unſerer Landesſache den größten Antheil gehabt hat. Laſſet uns dafür wirken, daß der Mann zum Aufbau einer neuen deutſchen Verfaſſung berufen werde, der vor Allen die dazu erforderliche Einſicht beſitzt, und wie Wenige wirkſam geweſen iſt, die Zeit unſerer politiſchen Wiedergeburt herbeizuführen.
Holſteiner! Kieler! wählt den Hofrath und Pro - feſſor Dahlmann in Bonn für die Verſammlung in Frankfurt. Er hat in nicht weniger als 17 Jahren unter uns gelebt und für unſer Recht gekämpft. Preußen, das in den Tagen der Gefahr unſre Hülfe geweſen iſt und es fernerhin ſeyn wird, hat Dahl - mann ſein Vertrauen geſchenkt. Schenken wir ihm auch das unſrige. Jch kenne keinen würdigern Can - didaten.
Mehrere Blätter enthalten Armee-Berichte bis zur Räumung Flensburgs von den däniſchen Truppen. Jn dem Bericht des Capitäns Paludan an den Ma - rine-Miniſter vom 24 d. Abends heißt es, die Trup - pen hätten Flensburg geräumt und ſich nach Kruſau, General v. Hedemann’s Hauptquartier, zurückgezo - gen, es ſeyen in dem Augenblick noch keine Preußen in Flensburg geweſen. Ein anderer vorläufiger aus dem Hauptquartier Sonderburg vom 26 d. datirter Rapport des Generals Hedemann berichtet über den Rückzug der Truppen, die bei Oeverſee engagirt wa - ren, über Sundewitt nach Alſen. Auch theilen die Blätter die Antwort des Kriegs-Miniſters auf dieſen Rapport mit, in welcher derſelbe dem General ſeine Zufriedenheit mit der beſonnenen Art, in welcher der Rückzug bewirkt wurde, zu erkennen giebt und zu - gleich die Hoffnung äußert, daß die Cavallerie eben - falls glücklich nach Jütland und Fühnen gelangen werde.
Orla Lehmann iſt am 26 d. von London mit an - geblich guten Nachrichten zurückgekehrt. (Man weiß indeſſen, was man von ſolchen Angaben zu hal - ten hat.)
Die Stände-Verſammlung zu Roeskilde iſt geſtern durch den K. Commiſſär, Grafen Sponneck, eröffnet worden. Die Thronrede behandelt den Widerſtand Schleswig-Holſteins gegen die Jncorporation Schles - wigs in Dänemark als offenen Aufruhr. Zum Prä - ſidenten der Verſammlung iſt Etatsrath Schouw, zum Vice-Präſidenten Prof. Clauſen erwählt worden. Der Präſident ſchlug eine Addreſſe an den K[ö]nig und eine andere an das Heer vor, welche beide ein - ſtimmig angenommen wurden.
Fœdrelandet ermahnt ſeine Mitbürger zur Aus - dauer, ſie auf das Gleichgewicht von Europa und auf die ſchweren Gewichte, welche England und Rußland in die Waagſchale werſen würden, verweiſend. Jn einer Mittheilung an dieſes Blatt wird als auf eine Selbſtfolge des Krieges mit dem deutſchen Bunde darauf hingedeutet, daß, ſobald man die Gewißheit habe, daß auch die Hanſeſtädte daran Theil nehmen, der Befehl ertheilt werde, auf alle deutſche Schiffe Jagd zu machen und ſie nicht nur aufzubringen, ſon - dern unbedingt zu condemniren. Eine Elbblockade, meint der Einſender aber doch, könne nicht eher ſtatt - finden, als bis erſt der Krieg gegen mehrere deutſche Staaten, namentlich gegen Hamburg erklärt ſey, auch habe in nautiſcher und militäriſcher Hinſicht eine wirk - liche Elbblockade große Schwierigkeiten, wenn man nicht Herr von Helgoland ſey.
Wie Fœdrelandet bemerkt, hat ſich hier einige Miß - ſtimmung gegen den Marine-Miniſter Zahrtmann ge - äußert, wie es ſcheint, weil man glaubt, daß er daran Schuld ſey, daß die Blockade der Elbe noch nicht in’s Werk geſetzt worden iſt. Es ſcheinen hiezu die Fre - gatte Havfruen und Bellona beſtimmt zu ſeyn, wovon erſtere beinahe ſegelfertig iſt.
Nachdem der Senat geſtern Nachmittag eine außer - ordentliche Verſammlung gehalten, iſt noch ſpät Abends Syndicus Elder von hier abgereiſt. Ueber Beſtim - mung und Zweck dieſer Sendung wird tiefes Ge - heimniß bewahrt. Wir konnten nichts mehr erfahren, als daß der genannte hohe Beamte über Oldsloe den Weg nach Hamburg eingeſchlagen hat. (L. C.)
Die überwiegende Stimmenzahl bei der geſtern voll - zogenen Wahl zur deutſchen National-Verſammlung iſt auf unſern Mitbürger Hrn. C. T. Gevekoth gefallen. (W. Z.)
Obſchon die Abgeordneten der Regierung in Ratze - burg, welche fremde, und zwar hannoverſche Truppen in’s Land ziehen wollten, durch die Freiheitsliebe der hieſigen Einwohner gezwungen wurden, Stadt und Amt Lauenburg damit zu verſchonen, und den bereits an der nahen Gränze ſtehenden Truppen Gegenbefehl ertheilen zu laſſen, ſo haben ſich doch die übrigen Landes - theile den Einmarſch der hannoverſchen Truppen, durch manch[] erlei Vorſpiegelungen überredet, gefallen laſſen. Aber ſchon hat man auch dort die Vorbedeutung dieſer Occupation für die Zukunft und Selbſtſtändig - keit des Landes begriffen, und von der Regierung die Entfernung jenes Militärs begehrt, obſchon — wie voraus zu ſehen war — ohne Erfolg. Man bezeich - net daher als das erſte und wichtigſte Geſchäft der in Ratzeburg bevorſtehenden Verſammlung der Ritter - und Landſchaft und der neuen Deputirten der Städte und des Bauernſtandes, die Entfernung der fremden Truppen, insbeſondere vom Orte der Verſammlung, um nicht nur die Freiheit der Berathungen zu ſichern, ſondern auch die gewiſſen hochſtehenden Perſonen wohl nicht mit Unrecht zugeſchriebene Abſicht wegen even - tueller Anſchließung Lauenburgs an Hannover oder einen andern Staat von vorneherein als eine dem beſtimmteſten Willen der Bevölkerung widerſtreitende Maaßregel zu bezeichnen. Für das zweite Hauptge - ſchäft der Stände-Verſammlung hält man die Be - wirkung der, wenngleich vergleichsweiſen Verzicht - leiſtung der Ritter - und Landſchaft auf die ihr für den kleinſten Theil des Landes den gewählten Volks - vertern gegenüber zuſtehenden Vorrechte. Schließlich verdient noch Erwähnung, daß ziemlich ſicherem Ver - nehmen nach vorgeſtern preußiſche Schiffer die Zah - lung der Zölle verweigert haben, falls auf den Zoll - zetteln nicht das “Königlich Dännemarkiſches” ge - ſtrichen würde, und die deutſche Nationalfahne auf dem Zollgebäude einen Platz bekäme. So wird die Regierung das, was längſt als Wunſch der Bevöl - kerung öffentlich ausgeſprochen wurde, endlich vom Auslande gezwungen thun, und ſich ſtatt Königl, Dänne -[2]markiſche — “Herzoglich Lauenburgiſche Regierung” nennen müſſen.
Durch eine heute Morgen um 7 Uhr begonnene Sitzung der K. Regierung iſt, wie verlautet, auf den Antrag eines hieſigen Kaufmanns, beſchloſſen worden, das für Rechnung der däniſchen Regierung hier la - gernde Schiffsbauholz vorläufig mit Beſchlag zu be - legen, da es ſich beſtätigt, daß bereits preußiſche Kauf - fahrteiſchiffe von den Dänen angehalten worden ſind.
An der großen Parade, welche Se. Maj. der Kö - nig am 3 Mai über die Bürgerwehr abzuhalten ge - denkt, wird das bewaffnete Studenten-Corps auch Theil nehmen.
Morgen, als am allgemeinen Wahltage zum Na - tionalparlament, ſind alle Geſchäfte eingeſtellt.
Der bisherige proviſoriſche Kriegsminiſter General Reyher tritt aus dieſem Verhältniß zurück. Als Kriegsminiſter iſt der General Graf Kanitz, gegen - wärtig am Rhein, deſignirt (und bereits mit dem Te - legraphen hie[h]er beordert).
Von Manchem wird hier die Frage aufgeworfen, ob von deutſcher Seite, bei dem Mangel einer Flotte, hinlängliche Repreſſalien gegen Dänemark geübt wer - den konnten in Betreff der Handelsſchiffe, die es mit Beſchlag belegt hat und noch wegnehmen konnte. Wir haben ſchon bemerkt, daß die Jnſtruction des Ober - befehlshabers der holſtein-ſchleswigſchen Armee, Ge - neral Wrangel, dahin geht, Jütland zu beſetzen, falls Dänemark die deutſchen Schiffe nicht freigiebt. Dieſe Provinz, iſt ſie auch nicht die reichſte des däniſchen Staats, würde dennoch eine immer mehr als genü - gende Entſchädigung für die Verluſte zur See dar - bieten. Aber bei beharrlicher Weigerung Dänemarks l[ä]ßt ſich noch weiter gehen. Der kleine Belt iſt ſelbſt ohne Kriegsſchiffe wohl zu überſchreiten, wenn man die Umſt[ä]nde nützt, und Fühnen alſo gleichfalls zu beſetzen. D[ä]nemark würde dadurch ſeiner ergiebigſten Finanzquellen ſo vollſtändig beraubt, daß es den Kampf zuvorderſt aufgeben müßte. — Alles läßt ſich inzwi - ſchen bis jetzt ſo an, daß dieſes Ergebniß auch früher eintreten wird.
Die Arbeits-Niederlegung der ſämmtlichen hieſigen Setzer - und Druckergeh[ü]lfen wiſſen Sie bereits. Die Voſſiſche und Spenerſche Zeitung ſind nur mit Hülfe einiger Lehrlinge und durch die Freundlichkeit einiger Druckereibeſitzer, welche ſich namentlich dem letztgedachten Jnſtitut geneigt erwieſen, im Stande geweſen, ihren Verpflichtungen gegen das Publicum nachzukommen. Hr. Decker, der geheime Oberhof - und Drucker der Allg. Preuß. Ztg., welcher danach auch Verbindlichkeiten gegen die Regierung hat, muß für jede in dieſer Weiſe ausfallende Zeitungsnummer 100〈…〉〈…〉Zeichen unbekannt, wahrscheinlich Währung "Reichstaler"2 Strafe zahlen. Die Allg. Preuß. Ztg., welche fortan des Sonntags Abends nicht mehr ausgegeben wird, wird, wenn m[ö]glich, morgen davon eine Ausnahme machen; die Voſſiſche und Spenerſche Ztg. ſetzen, den neueren Anordnungen zufolge, Montag aus und dieſes Mal auch Dienstag, wegen des vorhergehenden Wahltages. Uebrigens wird der Streit der Setzer wohl heute noch geſchlichtet; Letztere haben bereits Deputationen an die Druckereibeſitzer betreffs ihrer Forderungen geſandt, und Mitglieder des Magiſtrats haben auf heute Abend die Principale wie Abgeordnete der Ge - hülfen einberufen, um den Zwiſt zu ſchlichten. Die großen Zeitungs-Druckereien von Decker, Leſſing und Spiker haben ihren Arbeitern ſchon vor Einſtellung ber Arbeit und früher immer eine günſtige Lage bereitet.
Heute iſt die Allg. Preuß. Ztg. ausgeblieben und iſt nur ein kleines Flugblättchen ausgegeben, aus welchem hervorgeht, daß die Setzer und Drucker nie - dergelegt haben, weil ſie ſich wegen erhöhter Forde - rungen mit den Principalen nicht einigen konnen. Von der Voſſiſchen Zeitung iſt ein halbes Blatt er - ſchienen und die Spenerſche Zeitung iſt ohne Beila - gen herausgekommen. Letztere enth[ä]lt eine ſehr licht - volle Auseinanderſetzung der Sachlage von Seiten der Committee der Principale. Wie es ſcheint, ſind die Arbeiter an den Zeitungen ohne eigentlich be - gründete Beſchwerden in die Agitation mitgeriſſen worden, die von einem Setzer Namens Born, der lange in Paris gearbeitet, ausgehen ſoll. Es ſind übrigens Maßrege[l]n getroffen, um das Erſcheinen der Zeitungen ſo wie die Befriedigung des dringendſten Bedürſniſſes an Druckarbeiten zu ſichern und iſt zu dieſem Behuf ein Central-Annahme-Bureau gebildet.
Wie wir h[ö]ren, ſind die Durchzüge der Polen durch Preußen auf dem Bahnhofe zu Groß-Oſchersleben, dem erſten preußiſchen von Braunſchweig her, ge - hemmt worden. Ein Piquet Soldaten wies geſtern jeden Polen zurück, deſſen Paß nicht von der preußi - ſchen Geſandtſchaft in Paris viſirt war. Bis jetzt hatten die Polenzuge durch unſere Stadt ungehindert fortgedauert. Nur vor mehreren Tagen war der Bahnhof von einem Bataillon Soldaten beſetzt, auch ein Theil der Bürgerwehr aufgeboten, um, wie man ſagt, ein auf mehrere Hundert ſteigendes Corps Po - len, Franzoſen und als Studenten verkleidete Gr[iſ]et - ten zurückzuweiſen. Das Corps iſt aber hier nicht ſichtbar geworden, hat alſo wahrſcheinlich wohl eine andere Richtung eingeſchlagen. (Aach. Z.)
Der Stadtdirector Rumann iſt, dem Vernehmen nach, von der Regierung, deren Anſichten er vertritt, zum Landdroſten in Hildesheim ernannt. An die Stelle des dortigen Kanzlei-Directors v. Avemann iſt der Ober-Appellationsrath Hagemann befördert. (Hann. M. -Ztg.)
Eine Verordnung vom 26 d. betrifft die Aufhebung der Verordnung vom 5 Nov. 1841 wegen der Form der Annahme der Wahl eines Deputirten zur allge - meinen Stände-Verſammlung.
Heute iſt unſere St[ä]nde-Verſammlung, nach dem ſie die nothwendigſten und dringendſten Arbeiten be - endigt, bis zum 20 Juni vertagt. Es iſt nicht zu läugnen, daß dieſelbe reichlich ein Drittheil der Zeit hätte ſparen können. Der Landſyndi[c]us Oeſterreich arbeitet eben ſo wie früher, wo die Verhandlungen nicht ſtenographirt wurden, ein weitläuftiges, ziemlich die ganzen Debatten enthaltendes Protokoll aus, deſſen Vorleſung in jeder Sitzung reichlich ¾ Stunden, auch wohl eine Stunde dauert, eine Zeit, die wirklich nicht nützlich angewandt iſt. Eben ſo nimmt die übertrie - bene Breite der Debatten, wo längſt Bekanntes und hundert Mal und eben noch Geſagtes wiederholt wird, erſtaunlich viel Zeit weg. Von mehreren Sei - ten war ein Mißtrauens-Votum und eine Anklage gegen den Miniſter Schulz wegen des Finanzgeſetzes von 1846 beabſichtigt, jedech unterlaſſen, weil man in der dazu beſtimmten Sitzung vom 22 d. die Nachricht erhielt, er habe abgedankt. Da aber ſeitdem von ſei - nem Abſchiede nichts verlautete, im Gegentheil nach einem unbeſtimmten Gerüchte anzunehmen war, er werde im Amte bleiben, ſo hat die Stände-Verſamm - lung vor ihrer Vertagung ſich ihr Recht auf eine Anklage deſſelben zu Protokoll vorbehalten.
Heute Abend ſind hier einige Unruhen vorgefallen. Einige jüngere Mitglieder der Familie v. Veltheim hatten ſich erſt anonym, und dann, auf entſchiedene Provocation, unter Nennung ihres Namens, auf einen Federkampf mit einigen Vorkämpfern der guten Sache eingelaſſen, und einer, der Sohn des abgetre - tenen Miniſters, Grafen v. Veltheim, ein geiſtreicher, aber, wie es ſcheint, coriolaniſtiſch-ariſtokratiſcher jun - ger Mann, eine Karrikatur auf einige jener Männer lithographirt und einem hieſigen Kunſth[ä]ndler in Ver - lag gegeben. Dies hatte b[ö]ſes Blut erregt und man warf daher erſt dem Kunſthändler Meyer, dann dem Grafen v. Veltheim, ſerner dem Stadtphyſik[u]s und Stadtrathe Franke, dem Polizeicommiſſär Pricelius und dem Polizei-Jnſpector Stiddien die Fenſter ein. Die Bürgergarde zerſtreute überall die Unruheſtifter, verhütete großere Exceſſe, ſperrte die Straßen ab und verhaſtete mehrere Perſonen, ohne daß man ſich ihr widerſetzt hätte.
Jn der heutigen zweiten Sitzung des außerordent - lichen Landtages kamen folgende Gegenſtände zur Ver - handlung. Nachdem der Beſchluß gefaßt war, daß die Verſammlung in der Regel um 11 Uhr beginnen ſolle, ward ein Großherzogliches Reſcript verleſen, dahin lautend, daß wegen der drückenden Zeitverh[ä]lt - niſſe die auf den 1 Mai fällige außerordentliche Con - tribution nicht executoriſch eingetrieben, ſondern den Reſtanten eine Friſt gewährt werden ſolle. Hierauf folgte eine auch an die Regierung gerichtete Petition aus Wismar (die ſpäterhin auch als vom Flecken Daſſow überreicht, verleſen wurde), ſo wie eine Peti - tion der am 24 d. zu Güſtrow ſtattgeſundenen Ge - werbe-Verſammlung. Erſtere will bei dem neuen Wahlgeſetze die National-Jntereſſen vertreten und dieſe wieder nach den verſchiedenen Ständen in ſechs Klaſſen getheilt wiſſen; letztere ſpricht ſich gegen un - bedingte Freizügigkeit und Gewerbefreiheit aus, ver - langt jedoch, daß ein tüchtiger Handwe[r]ker, der die Mittel zu ſeiner Niederlaſſung aufzuweiſen habe, überall in den Städten aufgenommen werde. Beide Petitionen wurden an die Committee verwieſen. Demnach ſtellte Bürgermeiſter Mau-Neukalden die Propoſition, daß die Landeskloſter ſchon von den jetzigen St[ä]nden dem Staate überwieſen werden möch - ten, weil der kunftige Landtag rückſichtlich der Privat - Jntereſſen nicht befugt ſeyn würde, über die Klöſter zu verfügen. Ein donnerndes Bravo! von den Galle - rieen folgte dieſem Vortrage, wodurch der dirigirende Landrath (unter einigem Murren des Auditoriums) zu der Bemerkung veranlaßt wurde, daß es von Seiten des Publicums nicht zuläſſig erſcheine, ſeinen Beifall oder ſein Mißfa[ll]en zu erkennen zu geben. Ein Amendement von Pohle-Schwerin, daß dieſer Antrag einer beſonderen Committee[ü]bergeben werden mochte, veranlaßte eine ſehr lange Discuſſion, an der ſich insbeſondere Ebert-Grevismühlen, v. Blücher - Kuppentin, Langfeldt-Güſtrow, Flörcke-Grabow, Meyer-Malchow und Oertzen-Jürgenſtorff bethe[i]- ligten. Das Amendement wurde nicht genehmigt und der Mau’ſche Antrag kam in die aus ſehr ariſtokra - tiſchen Elementen beſtehende (ſ. u.) allgemeine Com - mittee. Ein Antrag (v. Glöden-Hohenkirchen), daß der dirigirende Landrath den Gegenſtand der Discuſ - ſion feſtſtellen und die Redner, welche ſich melden würden, nach der Reihe aufrufen ſolle, wurde ein - ſtimmig verworfen, weil man auf dieſem letzten ſtän - diſchen Landtage keine Neuerung einf[ü]hren wolle. Genehmigung ſand dagegen nach einiger Debatte ein Regiminal-Reſeript, dahin lautend, “daß in Fällen, wo Aufruhr oder Auflehnung gegen die Obrigkeit ſtattgefunden, das Criminal-Collegium ohne präpara - toriſches Verfahren einſchreiten und daß zu dieſem Zwecke ein Mitarbeiter beim Criminal-Collegio an - geſtellt werden ſolle. St[ä]nde beantragten dabei eine m[ö]glichſt allgemeine Publication der betreffenden Ver - ordnung. Nachdem Bencard-Roſtock angezeigt hatte, daß der Syndicus Böcler c. f. s. den Senator Flörcke der geſtern gewählten Committee von Seiten der Stadt Roſtock beigeordnet ſey und nachdem ein Re - giminal-Reſcript wegen Einberufung der Deputirten der Stiftsſt[ä]dte und Wismar’s verleſen war, wurde die Verſammlung geſchloſſen.
Die geſtern gewählte Committee beſteht aus folgenden Mitgliedern: Mecklenburgiſcher Kreis: v. Blücher - Kuppentin c. f. s. ; Rettig-Roſenhagen; v. P[ä]pcke - L[ü]tgenhof; Ebert-Grevismühlen c. f. s. ; Wulfleff - Sternberg; Brandt-Parchim c. f. s.; Pohle-Schwerin. Wendiſcher Kreis: v. d. Kettendorf-Matgendorf (hat reſignirt und dafür iſt heute erwählt Hillmann-Schar - ſtorff); v. Oertzen-Leppin; Langfeldt-Güſtrow c. f. s.; Burmeiſter-Güſtrow; Müller-Malchin c. f. s.; Born - Goldberg. Stargardſcher Kreis: Landrath v. Rie - ben; v. Oertzen-Leppien; Schr[ö]der-Friedland; Rath Bruckner Neubrandenburg.
Die auf dem St[ä]dtetage zu Güſtrow zur Ueber - wachung des Landtages beſchloſſene Zwölfer-Commiſ - ſion wird ſich heute Abend um 7½ Uhr zum erſten Male verſammeln. Wie aus glaubwürdiger Quelle verſichert wird, haben wieder zur Ueberwachung der Zwolfer-Commiſſion einzelne Reſorm-Vereine Depu - tirte hieher geſendet. Jn der Volks. Verſammlung zu Roſtock iſt geſtern eine ſehr energiſche Proteſtation gegen das neue Wahlgeſetz beſchloſſen worden.
Jn ihrer heutigen Sitzung beſchloß die Bundes-Ver - ſammlung: Diejenigen Regierungen, in deren Landen die Wahlen nicht ſchon fr[ü]her vollendet ſeyn k[ö]nnen, aufzufordern, dieſelben in der Weiſe zu beſchleunigen, daß die Sitzungen der National-Verſammlung am 18 Mai beginnen können, und demgemäß die ſämmt - lichen Regierungen zu erſuchen, alle gewählten Abge - ordneten einzuladen, ſich ſpäteſtens bis zum 18 Mai in Frankfurt einzufinden.
Auf eine Mittheilung des F[ü]nfziger-Ausſchuſſes, daß es wünſchenswerth ſey, daß in keinem Bundes - ſtaate die Annahme der Wahl zur conſtituirenden Verſammlung von einer Regierungs-Erlaubniß ab - hängig gemacht, daß ferner während der Dauer der conſtituirenden Verſammlung die Landtage der einzel - nen Staaten vor der Beendigung des Verfaſſungs - werks in Deutſchland nicht beruſen werden mochten, wird beſchloſſen: die Bundesregierungen auf dieſe Wünſche aufmerkſam zu machen.
Jn der geſtrigen Sitzung des Funſziger-Ausſchuſſes kam u. A. Folgendes vor: Hamburger B[ü]rger be - ſchweren ſich, daß die B[ö]rſen-Ariſtokratie durch Ueber - eilung der Wahlen die dazu n[ö]thige Vorbereitung und Ueberlegung verhindert habe. Die Commiſſion empfahl: a) den Proteſt der Hamburger der conſti - tuirenden Verſammlung aufzubewahren; b) davon, daß dies geſchehen, den Beſchwerdeführern ſo wie dem Hamburger Senate Anzeige zu machen. Heckſcher beantragte eine Ausſetzung der Beſchlußfaſſung bis nach vorgängiger Mittheilung der Eingabe an den Vertreter des betreffenden Staats und Begutachtung durch denſelben; zugleich verſuchte er, die Grundloſig - keit der Beſchwerde darzuthun. Schuſelka unterſtützte den Antrag der Commiſſion durch Vorlegung einer Eingabe aus Bergedorf bezüglich derſelben Sache. Der Antrag zu a) ward (nachdem Heckſcher ſeinen Antrag zur[ü]ckgenommen) angenommen. Den Antrag zu b) nahm die Commiſſion ſelbſt zurück, auch be - merkte der Vorſitzende, daß überhaupt in der Regel parlamentariſche Verhandlungen mit Privatperſonen nicht correſpondiren.
Die Sitzung des F[ü]nfziger-Ausſchuſſes von heute Morgen war ohne allgemeines Jntereſſe. Es wurden darin großentheils nur Eingaben aus verſchiedenen Gegenden Deutſchlands vorgetragen, welche faſt ſämmt - lich Berichte über den Zuſtand der Dinge an dem reſpectiven Vorſprungsorte enthielten, und ihre Form ſo wie ihre Abfaſſung auch für wenig oder gar nicht zuverläſſig gehalten werden konnten. Auf ein Geſuch eines Bewohners von Poſen um Zulaſſung zu den Sitzungen des F[ü]nfziger-Ausſchuſſes wurde beſchloſſen, denſelben als berathendes Mitglied einer Committee zuzuweiſen, da es außer der Competenz des Ausſchuſſes liege, ihm Stimme zu geben, aber auf der anderen Seite ſein Beirath ſehr willkommen erſcheine.
Robert Blum wurde wegen Ver[ö]ffentlichung eines Schreibens aus Freiburg, welches er von einem hie - ſigen Handlungshauſe während der Sitzung erhalten hatte, und worin dem heſſen-darmſtädtiſchen Militär der Vorwurf der ärgſten Grauſamkeiten gegen die Jnſurgenten gemacht wurde, und deſſen Jnhalt, wie ſich als ſehr wahrſcheinlich ergab, lügenhaft war, von Mathy und Biedermann ſtark angegriffen. Es iſt bemerkenswerth, daß ihm ſeine Vertheidigung ſchlecht gelang.
Jn der Sitzung von heute Nachmittag 4 Uhr wurde beſchloſſen, die Frage, ob und welche Gebietstheile von Poſen dem deutſchen Bunde einzuverleiben ſeyen, der conſtituirenden Verſammlung zur Entſcheidung zu überlaſſen. Jm Allgemeinen neigte ſich die An - ſicht dahin, daß nicht Alles, was früher polniſch ge - weſen, unbedingt an Polen abzutreten ſey, ſondern daß darüber die wohlverſtandenen Jntereſſen Deutſch -lands, nicht bloß das ſchwärmeriſche Rechtsgefühl zu entſcheiden habe.
Es wurde ferner beſchloſſen, morgen über einen Antrag, ich glaube des Vorſitzenden v. Soiron, zu berathen, welcher dahin geht, dem jetzigen Bundes - tage drei weitere Männer des Volksvertrauens, welche dem Volke verantwortlich ſeyn ſollen, beizugeſellen, um gemeinſchaftlich mit dem Bunde die ſo ſehr im Argen liegenden auswärtigen Angelegenheiten Deutſch - lands zu ordnen. Der Bundestag ſoll angegangen werden, die Regierungen zu ſchleuniger Abordnung dieſer Männer zu veranlaſſen, deren Zulaſſung aber nur mit Zuſtimmung des F[ü]nfziger-Ausſchuſſes ge - ſchehen ſoll. Morgen Näheres.
Heute ſind viel heſſiſche Truppen in der Umge - gend von Frankfurt einquartirt. Dieſelben ziehen morgen weiter gegen die Jnſurgenten. Hecker hat, das iſt zuverläſſig, 5000 Mann unter ſeinen Fahnen, Herwegh iſt mit 1500 Mann zu ihm geſtoßen.
Jn der heutigen Sitzung des F[ü]nfziger-Ausſchuſſes unter dem Vorſitze von Abegg wurde beſchloſſen:
den Bundestag durch drei M[ä]nner zu verſtär - ken, welchen die Leitung der auswärtigen Ange - legenheiten des Vaterlandes und die executive Ge - walt anvertraut werden ſolle,
die Männer ſollen vom Bunde in Vereinbarung mit den ſiebzehn Männern des Vertrauens und dem Ausſchuſſe gewählt werden, und zwar aus neun Männern, welche die einzelnen Regierun - gen der Bundesſtaaten vorzuſchlagen erſucht oder veranlaßt werden ſollen.
Es wurde ferner beſchloſſen, bei dem Bundestage die Wahl eines Bundes-Oberfeldherrn ſchon jetzt vorzu - nehmen.
Die drei Männer ſollen dem deutſchen Volke, in’s - beſondere der conſtituirenden Verſammlung, welche über deren Beibehaltung zu entſcheiden habe, ver - antwortlich ſeyn.
Die Bundes-Verſammlung hat durch ihren Aus - ſchuß ſich mit den obigen Beſchl[ü]ſſen einverſtanden erkl[ä]rt, die Beſchl[ü]ſſe wurden mit 23 gegen 15 Stim - men angenommen, letztere geh[ö]ren der entſchieden liberalen, oder beſſer radikalen Partei an. Die drei Männer werden wahrſcheinlich ein Oeſterreicher, ein Preuße und der Hr. v. Gagern ſeyn.
Geſtern am Oſter-Montage iſt Freiburg mit Sturm genom - men worden. Schon Morgens haben die Aufſtändi - ſchen, deren Zahl wir nicht anzugeben verm[ö]gen, die aber offenbar ſehr ſtark waren, mit ihren der Stadt genommenen Kanonen den Kampf begonnen und auf die Truppen gefeuert. Nun gab der General Lieute - nant Hoffmann den Befehl zu einem allgemeinen An - griffe. Die Geſchütze feuerten zun[ä]chſt mit Kartatſchen und zerſt[ö]rten die errichteten Barrikaden. Die Wir - kung muß aber eine ſehr kräftige geweſen ſeyn; denn alsbald rückten die heſſiſchen Scharfſchützen vor und brachten den Republikanern viele Verluſte bei. Hinter den Heſſen d’rein ſt[ü]rmte die übrige badiſche Jnfan - fanterie vor, wobei namentlich die 5te Compagnie des 4ten Regiments mit gefälltem Bajonett eindrang. Der Kampf mag ein ſehr blutiger geweſen ſeyn; denn die Republikaner ſtanden nicht bloß in den Straßen den Truppen gegen[ü]ber, ſondern es wurde ſogar aus den Kellerl[ö]chern und von den D[ä]chern auf dieſelben geſchoſſen. Aber die heſſiſchen und die badiſchen Trup - pen haben mit einem Muthe und mit einer Ausdauer gefochten, die bewundernswerth waren, vor Allem aber zeichnete ſich die 5te Compagnie des 4ten Regi - ments aus, welche eine al[t]e Scharte ruhmvoll aus - gewetzt. Die Republikaner wurden durch die Straßen bis auf den Karlsplatz getrieben. Dort hat ein Pe - lotonfeuer ſie v[ö]llig geworfen. Es ſollen ihrer eine große Anzahl geblieben ſeyn. Der Reſt fl[ü]chtete ſich auf die nahen Anh[ö]hen in die Wälder. So viel über die blutige Entſcheidung. Nähere Einzelheiten wer - den die amtlichen Berichte wohl heute ſchon bringen. (F. J.)
Die Zahl der in dem Ge - fechte gegen die Freiſchaaren und dem Sturm der Stadt Gefallenen und Verwundeten konnte noch nicht genau ermittelt werden. Trotz eins Kanonendonners, der die Erde erdröhnen machte, ſpricht man übrigens von einer verhältnißmäßig kleinen Zahl. Auf Seiten des Militärs wiſſen wir bis jetzt nur von etwa 14 Todten und 20 Verwundeten (unter letzteren ein Herzogl. naſſauiſcher Lieutenant), auf Seiten der Freiſchaa - ren vielleicht eben ſo viel. (Auf der hieſigen Ana - tomie liegen 11 Leichen von den Freiſchärlern. ) — Heute iſt dahier eine allgemeine Entwaffnung in Folge des nun eingetretenen Kriegszuſtandes vorgenommen worden. — Man hat eine Menge gefangener Frei - ſchärler eingebracht. Man wird ihnen den Prozeß machen und dem Rechte ſeinen Lauf laſſen, übrigens zwiſchen Verführern und Verführten wohl unterſchei - den, und Letztere mit der Milde, die mit der Gerech - tigkeit vertraglich iſt behandeln. — Heute ſind die HH. Dr. Karl v. Rotteck, Buchhändler Emmerling, Schriſt-Verfaſſer Reich und Hafner Kraus jun. mit Militär-Begleitung nach Raſtatt abgeführt worden. — Geſtern ſind Arbeiter-Schaaren in der Nähe von Hüningen her[ü]ber gekommen, aber alsbald entwaff - net worden. (Freib. Z.)
Geſtern Nachmittag be - ſtatteten wir unter Hagelſchlag und Regenguß unſere Gefallenen, acht Mann, in ein gemeinſames Grab. Schwer Verwundete, darunter ein naſſauiſcher Offi - c[i]er, liegen im Hoſpital.
Daß Hecker, Weißhaar und Conſorten ſich in die Schweiz geflüchtet haben, iſt bekannt; nicht aber, daß Hecker am 24 d. bei Lieſtal geſehen worden iſt, wo er an der Spitze neuer (freilich ſehr geringer) Haufen aus der Schweiz ſteht. Die Nachrichten von Frei - burg ſcheinen ihn ermuthigt zu haben. Das Ende des Dramas war ihm noch nicht bekannt. Zugleich vernehmen wir, daß vorgeſtern Arbeiterſchaaren in der Nähe von Hüningen herübergekommen, aber als - bald entwaffnet worden ſind. (Karlsr. Ztg.)
Heute Mittag um 2 Uhr ſind wenigſtens 25 Freiſch[ä]rler, welche bei dem Gefecht bei Freiburg geſangen genommen wurden, unter ge - h[ö]riger Bedeckung in die Kaſematten unſerer Feſtung gebracht worden. Ein Soldat, der den Transport der Geſangenen hieher begleitete, hat eine Fahne der Aufrührer, mit IV. R. bezeichnet, erbeutet. General - lieutenant Hoffmann zog ſeine Uhr aus und machte ſie dem Soldaten zum Geſchenk. Die Fahne hat dieſer mit hieher gebracht. (F. J.)
Von einem zuverläſſigen Manne wird verſichert, daß er geſtern Mittag Herwegh und deſſen Frau in Kan - dern geſprochen habe und Letztere ſich auf das Leb - haſteſte für die Sache der Republik intereſſire. Sie trägt Piſtolen. Jn dieſem Augenblicke h[ö]ren wir rechts und links um uns ſchießen, wiſſen aber nichts Genaues über den Stand der Dinge; allgemein hofft man, daß am heutigen Tage dem Bürgerkriege bei uns ein Ende gemacht werde. Die Soldaten ſind[ü]ber die fremden Eindringlinge ganz erboßt, was dieſen theuer zu ſtehen kommen d[ü]rfte. Auf der Schuſter - Jnſel ſoll ſich eine Schaar von mehreren Hundert Freiſchärlern, die geſtern von Hüningen kamen, ver - ſchanzt haben. (Karlsr. Ztg.)
Die ſchweizeriſchen Behörden haben bei der republikani - ſchen Schilderhebung im Seekreiſe längs der Rhein - gränze alles M[ö]gliche gethan, um Gr[ä]nzverletzungen durch betreffende Schaaren abzuhalten. Schaffhauſen hat ſein geſammtes Contingent unter die Waffen ge - rufen, Zürich ſeine Gränzen unter die Obhut des Oberſten Ziegler geſtellt, Aargou in die Rheinbezirke Munition geſendet, die Commandanten derſelben be - vollmächtigt, n[ö]thigen Falles Truppen aufzubieten und die Stromübergänge zu ſchützen, was in wenigen Stunden bewerkſtelligt werden kann; in Baſel l[ä]ßt Oberſt Frei ſowohl die deutſche als die franzöſiſcheGränze ſcharf bewachen, und hat die beabſichtigte Verſammlung deutſcher Bewaffneter ſtrenge unter - ſagt. Sowohl den Aufſtändiſchen als den württem - bergiſchen Truppen, welche in Verfolgung der Repu - blikaner ſchon bis Waldshut vorgedrungen ſind, wurde von der Regierung von Schaffhauſen der Durchzug durch ſchweizeriſches Gebiet abgeſchlagen. Die Ver - bindung zwiſchen Hecker und Herwegh ſcheint haupt - ſächlich durch die Frau dieſes Letzteren ſtattgefunden zu haben, welche mehrere Male zwiſchen Baſel und Konſtanz hin - und her gereiſet ſeyn ſoll. (S. M.)
Geſtern ſind über hundert Repu[b]likaner aus Baden hier angelangt. Die Ent - fernung der Fl[ü]chtlinge von der Gränze wurde durch das Commando der eidgenöſſiſchen Truppen verfügt. (S. M.)
Geſtern war unſere Stadt in großer Beſtürzung. Um die Mittagszeit kam eine Zahl von etwa 200 mit Flinten, Senſen, Miſtgabeln ꝛc. bewaffneter Bauern, aus der Gegend von Sinsheim her, in die Stadt. Da die Mannſchaſt, welche das Thor beſetzt hatte, zu ſchwach war, konnte dieſe Schaar nicht zurückgehalten werden. Doch hatte man im Allgemeinen Kunde von ihrem Herannahen erhalten, und ſo war denn auch unſere Bürgerwehr, unter der Leitung ihres tüchtigen Commandanten Rummer, ſchnell verſammelt. Die Schaar, welche auf dem Markte Poſto gefaßt hatte, wurde umringt und gezwungen, ihre Waffen niederzulegen. Nach ihrer Ausſage wären ſie von hier aus eingeladen worden, um gegen fremdes Militär zu kämpfen und die Republik zu proclamiren. Als ſie ſich hintergangen ſahen, ſchmähten ſie ihre Verführer. Später erhielten ſie ihre Waffen wieder und zogen ruhig aus der Stadt. Zwei ſpätere Züge wurden vor dem Thore von der Bürgerwehr zurückgewieſen. Die hieſigen Bürger, welche keine Republik wollen, waren feſt ent - ſchloſſen, Gewalt zu gebrauchen, wenn die Schaaren ſich widerſetzen würden, was jedoch, wie wir ſo eben bemerkt, nicht der Fall war. Einzelne von der auf dem Markte verſammelten Schaar, welche zu ent - fliehen ſuchten, wurden eingeholt, und da fehlte es denn auch nicht an leichten Wunden. Dieſes kräftige Auftreten unſerer wackern Bürger, welchen ſich auch die Studenten angereiht hatten, hat einen gewaltigen Eindruck gemacht, und es wird wohl jetzt nicht mehr verſucht werden, die Republik hier auszurufen. Die Nacht verlief ganz ruhig, doch blieben die ſämmtlichen B[ü]rger unter den Waffen. — Jn dem hieſigen Eiſen - bahnhofe liegen 150 Mann Naſſauer, deren Hülfe jedoch geſtern gar nicht in Anſpruch genommen wurden. (F. J.)
Die ſeit mehreren Tagen gen[ä]hrte Erbitterung zwi - ſchen dem hier liegenden naſſauiſchen Regiment und den niederen Bürgerklaſſen brach heute Morgen gegen 12 Uhr zu offenem Kampfe aus. Es kam an der Rheinbrücke zwiſchen dem dort aufgeſtellten naſſauiſchen Wachtpoſten und den Bürgern zum blutigen Kampfe. Letztere nämlich wollten, um den Zuzug von baieri - ſchen Truppen von Ludwigshafen her zu verhindern, die Schiffbrücke abf[ü]hren. Dem widerſetzten ſich die naſſauiſchen Soldaten, zogen ſich ſpäter, als ſie ſich in Gefahr ſahen, übermannt zu werden, auf das am anderen Ende der Brücke aufgeſtellte baieriſche Piket und gaben Feuer. Dieſem Beiſpiele folgten alsbald die Baiern, bis endlich Parlamentäre von beiden Seiten in der Mitte der Brücke zuſammentraten. Während dieſe noch unterhandelten, ſchwammen von Mannhei - mer Seite mehrere der Brückenkähne ruhig den Rhein hinunter und die Verbindung mit dem baieriſchen Gebiete iſt fürs Erſte unterbrochen. Nach Karlsruhe iſt ſofort eine Bürger-Deputation abgegangen, um von dort die Entfernung der naſſauiſchen Truppen zu erlangen. Der Brückenkampf hat einen Todten und vier ſchwer Verwundete gekoſtet. Von den Sol - daten ſah ich zwei Verwundete nach Ludwigshaſen abführen. (F. J.)
§. 34. Der Reichstag, welcher im Vereine mit dem Kaiſer die geſetzgebende Gewalt ausübt, iſt in zwei Kammern, den Senat und die Kammern der Abge - ordneten getheilt. Die Dauer des Reichstages wird auf fünf Jahre mit jährlicher Einberufung deſſelben feſtgeſetzt. §. 35. Der Senat beſteht: a) aus Prinzen des Kaiſerl. Hauſes nach vollendetem 24ſten Jahre. b) Aus den, von dem Kaiſer ohne Rückſicht auf Stand und Geburt für ihre Lebensdauer ernannten Mitglie - dern. c) Aus hundertfünfzig Mitgliedern, welche von den bedeutendſten Grundbeſitzern für die ganze Dauer der Wahlperiode aus ihrer Mitte gewählt werden. §. 36. Die Kammer der Abgeordneten beſteht aus dreihundert drei und achtzig Mitgliedern. Die Wahl ſämmtlicher Mitglieder der Kammer der Abgeordneten beruht auf der Volkszahl und auf der Vertretung aller ſtaatsbürgerlichen Jntereſſen. §. 37. Die Wahlen der Mitglieder beider Kammern werden für den erſten Reichstag nach einer proviſoriſchen Wahlordnung vor - genommen. §. 38. Das definitive Wahlgeſetz wird von dem verſammelten Reichstage beſchloſſen, und darin auch die Beſtimmungen über die, den Abge - ordneten zur zweiten Kammer zu gewährenden Ent - ſchädigungen ausgeſprochen werden. §. 39. Jede Kammer erwählt ihre Präſidenten und übrigen Func - tionäre, ihr allein ſteht die Prüfung und Entſcheidung über die Gültigkeit der Wahlen zu. §. 40. Die Mit - glieder beider Kammern k[ö]nnen ihr Stimmrecht nur perſönlich ausüben, und dürfen von ihren Committen - ten keine Jnſtructionen annehmen. §. 41. Die Sitzun - gen beider Kammern ſind[ö]ffentlich, eine Ausnahme davon kann nur durch Beſchluß der Kammer ſtatt - finden, welche darüber auf Verlangen von zehn Mit - gliedern oder dem Präſidenten in geheimer Sitzung entſcheidet. §. 42. Kein Kammer-Mitglied kann wäh - rend des Reichstages ohne ausdrückliche Zuſtimmung der Kammer, welcher es angehört, den Fall der Er - greifung auf der That ausgenommen, gerichtlich ver - folgt oder verhaftet werden. §. 43. Ein Kammer - Mitglied, welches eine, vom Staate beſoldete Dienſt - ſtelle annimmt, hat ſich einer neuen Wahl zu unter - ziehen; die Regierung wird keinem gewählten Mitgliede den Eintritt in die Kammer verweigern. §. 44. Die Kammern verſammeln ſich nur auf Einberufung des Kaiſers und haben nach erfolgter Auflöſung oder Vertagung keine Geſchäfte zu verhandeln.
§. 45. Alle Geſetze bedürfen der Zuſtimmung beider Kammern und der Sanction des Kaiſers. §. 46. Beim erſten abzuhaltenden Reichstage und nach jedem neuen Regierungs-Antritte wird die Civilliſte des Kaiſers für ſeine ganze Regierungsdauer feſtgeſetzt. Apanagen und Ausſtattungen für die Mitglieder des Kaiſerhauſes werden von Fall zu Fall dem Reichs - tage zur Schlußfaſſung vorgelegt. §. 47. Die jähr - lichen Bewilligungen zur Ergänzung des ſtehenden Heeres, die Bewilligung zur Erhebung von Steuern und Abgaben, die Contrahirung von Staatsſchulden, die Veräußerung von Staatsgütern, die Prüfung und Feſtſtellung des jährlichen Voranſchlages der Staats - Einnahmen und Ausgaben und des jährlichen Ge - bahrungs-Abſchluſſes kann nur durch ein Geſetz er - folgen. Dieſe Geſetz-Vorſchläge ſind zuerſt bei der Kammer der Abgeordneten einzubringen. §. 48. Beide Kammern können Geſetz-Vorſchläge machen, oder unter Nachweiſung der Gründe bei der Regie - rung auf die Vorlage eines Geſetz-Entwurfes an - tragen. Sie konnen Petitionen annehmen und zur Verhandlung bringen, jedoch dürfen ſolche Petitionen von Privaten und Corporationen nicht perſönlich über - reicht, ſondern ſie müſſen durch ein Mitglied der Kam - mer vorgelegt werden. §. 49. Zur Gültigkeit eines - Beſchluſſes iſt in jeder Kammer die Anweſenheit von wenigſtens Dreißig in dem Senate, und von Sechszig in der zweiten Kammer erſorderlich. §. 50. Geſetzes -[3]Vorſchläge, durch welche die Beſtimmungen der Ver - faſſungs-Urkunde ergänzt, erl[ä]utert oder abgeändert werden ſollen, bedürfen in jeder der beiden Kammern der Zuſtimmung von zwei Drittheilen der anweſenden Mitglieder. §. 51. Bei allen anderen Geſetzes-Vor - ſchlägen genügt die abſolute Stimmenmehrheit. §. 52. Jn beiden Kammern wird die Regierung durch die verantwortlichen Miniſter oder von ihrem den Kam - mern zu bezeichnenden Regierungs-Commiſſäre ver - treten. Entſcheidende Stimme ſteht Beiden aber nur dann zu, wenn ſie Mitglieder der Kammern ſind. §. 53. Ein beſonderes, von jeder Kammer zu be - ſchließendes Reglement wird die Geſchäſts-Ordnung für dieſelben feſtſetzen; bis zu deſſen Zuſtandebringung wird ein proviſoriſches Reglement für jede der beiden Kammern von der Regierung erlaſſen.
§. 54. Jn den einzelnen Ländern haben Provinzial - Stände zur Wahrnehmung der Provinzial-Jntereſſen und zur Beſorgung der, für dieſe Jntereſſen ſich er - gebenden Erforderniſſe, ſo weit ſolche nicht unter den allgemeinen Staats-Erforderniſſen begriffen ſind, zu beſtehen. Den bisherigen Provinzial-Ständen wird, in ſoferne die Verfaſſungs-Urkunde keine Aenderung enthält, ihre Einrichtung und Wirkſamkeit erhalten. §. 55. Eine der erſten Aufgaben des Reichstages wird es ſeyn, die Prüfung und Würdigung der von den Provinzial-St[ä]nden vorzulegenden zeitgemäßen Aende - rungen ihrer bisherigen Verfaſſungen und der Vor - ſchl[ä]ge über die Art der Erſatzleiſtung der abl[ö]sbar erklärten Grundlaſten in Verhandlung zu nehmen. §. 56. Zur Wahrnehmung der beſonderen Jntereſſen der Kreiſe und Bezirke in jeder Provinz wird die Ge - ſetzgebung eigene Munizipal-Einrichtungen feſtſetzen. §. 57. Die Gemeinde-Verfaſſungen ſind nach dem Grundſatze zu ordnen, daß in denſelben alle Jntereſſen der Gemeinde und ihrer Glieder vertreten werden. §. 58. Jn dem ganzen Umfange der Monarchie wird die National-Garde nach den durch ein beſonderes Geſetz zu regelnden Normen errichtet, bleibt jedoch der Civil-Autorität und den Civil-Gerichten unterge - ordnet. §. 59. Die National-Garde und ſämmtliche Beamte leiſten dem Kaiſer auf die Verfaſſung den Eid. Der Eid der Armee auf die Verfaſſung wird in den Fahneneid aufgenommen. — Gegeben in Un - ſerer Kaiſerl. Haupt - und Reſidenzſtadt Wien, den 25 April im Eintauſend Achthundert acht und vier - zigſten; Unſerer Reiche im vierzehnten Jahre. —
Se. K. K. Majeſtät haben an den Miniſter des Jnnern nachſtehendes Allerh[ö]chſtes Handſchreiben zu erlaſſen geruhet: “Lieber Frhr. v. Pillersdorff! Den geſtrigen Tag werde Jch ſtets zu denjenigen zählen, an welchen die Vorſehung Meinem Herzen die wohl - thuendſten Eindrücke und die freudigſten Empfindungen geſchenkt hat. Die zufriedene und dankbare Aufnahme der Verfaſſungs-Urkunde, wodurch Jch das Glück der Mir anvertrauten V[ö]lker dauernd begründet zu haben hoffe, die edle imponirende Haltung der National - Garde, und die freiwilligen Merkmale ihrer Anhäng - lichkeit an Mein Haus und an Meine Perſon, die aufopfernden Beſtrebungen mehrerer für rühmliche Zwecke gebildeten Vereine, namentlich des juridiſch - politiſchen Leſevereines, des Künſtlervereines, des Männer-Geſangsvereines, welchen ſich die National - Garde, die akademiſche Legion und ein zahlreicher Theil der Bevölkerung der Reſidenz angeſchloſſen hat, Mir durch einen großartigen Fackelzug ihre Liebe und ihren Dank zu erkennen zu geben, beweiſen Mir, daß ſie Meine Sorgfalt und Meinen Wunſch, ihrem Wohle Mein Leben zu widmen, richtig erkennen, und dieſem Wunſche mit Vertrauen entgegen kommen. Jch er - kenne und fühle eben ſo den hohen Werth, zur Lenkung der Schickſale eines ſolchen Volkes berufen zu ſeyn, und trage Jhnen auf, dieſen aus dem innerſten Grunde Meines Herzens entſprungenen Ausdruck Meinen getreuen Einwohnern der Reſidenz zur Kenntniß zu bringen. Wien, den 26 April 1848. Ferdinand m. p. — Der Unterzeichnete fühlt ſich gl[ü]cklich und geehrt, dieſen ihm ſo eben zugekommenen Auftrag des con - ſtitutionellen Kaiſers zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. Frhr. v. Pillersdorff, Miniſter des Jnnern.
Der nach Prag beſtimmte präſumtive Thron-Erbe, Erzherzog Franz Joſef, iſt vorerſt nach Verona, in das Hauptquartier des Marſchalls Grafen Radetzky abgereiſet.
Die Wiener Zeitung berichtigt einen allerdings argen Druckfehler in der Erklärung der Regierung über die Art des Anſchluſſes Oeſterreichs an Deutſchland. Näm - lich im Schlußſatz: “Jn ſofern letzteres mit der Weſent - heit eines Staatenbundes” u. ſ. w. muß dieſes Wort durch “Bundesſtaaten” erſetzt werden. Dadurch ge - winnen wir erſt die rechte Folgerung der ganzen Er - klärung. Jn ſofern nämlich die Bedingung Oeſter - reichs, wonach es ſich ſeine beſondere Beiſtimmung zu jedem Bundesverſammlungs-Beſchluß unbedingt vorbehält, mit der Weſenheit eines Bundesſtaats nicht vereinbar befunden würde, könnte Oeſterreich dieſem nicht beitreten.
Der Kaiſer hat nachtr[ä]glich zu dem letzten Mani - feſt erklären laſſen, daß die darin ausgeſprochene De - fenſive ſoweit zu verſtehen ſey: daß ſelbſt dann, wenn Freiſchaaren die ruſſiſche Gränze überſchreiten wür - den, dieſe bloß zurückgeſchlagen werden ſollen, ohne daß Rußland in ſolchen einen Friedensbruch erkennen würde. Gleich nach der Erklärung Carl Albert’s hat Rußland den ruſſiſchen Geſandten von Turin zurück - berufen und dem ſardiniſchen Geſandten zu St. Pe - tersburg ſeine Päſſe zuſtellen laſſen. (A. Z.)
Es iſt doch endlich eine Deputation von polniſchen Einwohnern nach St. Petersburg abgegangen, die den Kaiſer auf dem Wege nach Warſchau getroffen haben und mit ihm dorthin zurückgekehrt ſeyn ſoll. — Die Deſertion im ruſſiſchen Heere in Polen ſoll be - deutend zunehmen, überhaupt zeigen die in den Gränz - ländern poſtirten ruſſiſchen Truppen wenig Anhäng - lichkeit für ihre Regierung. — Nach Privat-Nachrich - ten aus Kamieniec ſollen dort Handels-Nachrichten aus St. Petersburg und Moskau angelangt ſeyn, die von dem Ausbruche eines Militär-Aufſtandes unter der St. Petersburger Garde und einem andern Aufſtande unter der Bev[ö]lkerung Moskau’s melden. Wolhynien und Podolien ſollen nur auf den günſti - gen Moment zum Aufſtande warten, die dortigen Juden begünſtigen, im Gegenſatz zu ihren Poſener Glaubensgenoſſen, die polniſchen Bewegungen, und betheiligen ſich daran thatig. (Breel. Ztg., nach einer Lemberger polniſchen Zeitung.)
(Abends 11 Uhr.) Es iſt heute ſehr blutig herge - gangen. Oeſterreichiſche Soldaten beſetzten die Werkſtatt des von Frankreich zurückgekehrten Schmieds Müller, nahmen die dort vorgefundenen, nur eben angefertig - ten Piken und Senſen in Beſchlag, und wollten ſich mit dieſem Funde auf’s Schloß zurückziehen, als Po - len ſich auf ſie ſtürzten und einen Theil der Waffen erbe[u]teten. Es blieben bereits einige Mann bei die - ſem Scharmützel. Die Lärmſchüſſe fielen ſofort vom Schloſſe, und die auf der nahen Blonja verſammelte Nationalgarde rückte auf den Markt hin, woſelbſt große Militärmaſſen bereits aufgeſtellt waren, und ſofort ein anhaltendes Feuer eine Stunde lang auf die faſt unbewaffnete Volksmenge eröffneten. Dieſe behielt aber dennoch den Platz, und das Militär zog ſich auf das Schloß zurück, von wo aus mehrere Brandraketen in die Stadt geſchleudert wurden, die an zwei Orten zündeten, indeſſen keinen beſonderen Schaden verurſachten. Jn wenigen Minuten waren zahlloſe Barricaden in den zum Ringe führenden Straßen von den in dieſem Fache auf den Straßen zu Paris und Berlin letzter Zeit erprobten Männernerrichtet, welche wohl ſchwerlich hätten genommen werden können. Es trat ein Waffenſtillſtand auf 1½ Stunde ein, während deſſen dem Anſinnen des verwundeten Generals Caſtiglione, die nicht einhei - miſchen Emigranten zur Abreiſe aus dem Gebiete zu veranlaſſen, durch die Letzteren ſelbſt Genüge geſchah, indem dieſelben die Stadt durch ihre längere Anwe - ſenheit nicht den Gefahren des ſonſt angedroheten Bom - bardements ausſetzen wollten. (Bresl. Ztg.)
(Am 27 d., Morgens, iſt eine aus Polen beſtehende Deputation nach Wien abgegangen, um bei dem Kai - ſer über die Maaßregeln der hieſigen Militär - und Civil-Behörde Beſchwerde zu führen.)
Die Nachrichten aus Jrland lauten günſtiger. Die Beh[ö]rde ſetzt ihr gerichtliches Verfahren gegen die Anfrührer fort. Dublin ſoll in Kriegsſtand erklärt und in allen Häuſern nach Waffen geforſcht werden. Eine Chartiſten-Verſammlung am 24 d. iſt gänzlich fehlgeſchlagen. Jm Norden bieten ſich tauſende von Bewaffneten der Regierung an.
Orla Lehmann hat ſich mit dem preußiſchen Ge - ſandten Hrn. Bunſen in einen Briefwechſel eingelaſſen, welcher auf den Wunſch beider Herren der Oeffent - lichkeit übergeben iſt. Der däniſche Miniſter beklagt ſich über den preußiſchen Geſandten, daß dieſer in ſeiner Denkſchrift geſagt, gewiſſe in den Times er - ſchienene Briefe wären wahrſcheinlich von dem Manne geſchrieben, der vollſtändig bezeichnet ſey durch ſeinen blutigen Ausſpruch: “Laßt uns die däniſchen Geſetze mit dem Schwerte auf den Rücken der Schleswiger und Holſteiner ſchreiben!” Hr. Bunſen antwortet mit großer Gewandtheit.
Das Geſchwader des Admirals Napier ſoll bedeu - tend verſtärkt werden und im Canal kreuzen.
Die Nachrichten aus Portugal ſind beunruhigend. Die Deputirten-Kammer hat ſich für directe Wahlen entſchieden. Die Oppoſition verlangt ein neues Wahl - geſetz und Auflöſung der Cortes. Die K. Familie hat 40,000 £ für die Staatsbedürfniſſe hergegeben. Aufrühreriſche Proclamationen, welche die Entfernung der Königin verlangten, waren in der ganzen Stadt angeſchlagen. Man erwartete das engliſche Linien - ſchiff Prince Regent im Tajo. Lord Palmerſton hat die Regierung ſehr ernſtliche Vorſtellungen wegen Nichtzahlung der Dividenden gemacht.
Briefe von Sierra Leone berichten leider, daß das Meer dort mit Sklavenſchiffen bedeckt ſei. Ein eng - liſches Kriegs-Dampfſchiff brachte drei derſelben auf; eines war ein Amerikaner mit 850 Sklaven an Bord, die während der achtſtündigen Verfolgung alle in die unteren Räume gepackt wurden. Jn Folge davon ſtarben gegen 100 dieſer armen Neger.
Die proviſoriſche Regierung hat folgenden wichtigen Beſchluß gefaßt: “Jn Erwägung, daß die Verſamm - lungen der Deutſchen, die ſich in den Oſtdepartementen bilden trotz der entgegenſtehenden Befehle der Behörden; in Erwägung, daß dieſe Verſammlungen auf einem ein - zelnen Punkte den Bev[ö]lkerungen dieſer Departemente zur Laſt ſind; in Erwägung, daß ſie ferner ein Gegen - ſtand der Beunruhigung, ein Vorwand zur Bewaff - nung, und ein Gegenſtand zu Mißverſtändniſſen zwi - ſchen Deutſchland und der Republik ſind; in Erwä - gung, daß wir in Frieden leben, und daß ſich die gu - ten Beziehungen zwiſchen den Staaten des deutſchen Bundes und der Republik feſter bilden ſollen, und daß es nicht von dem Willen einiger fremden Bewaff - neten abhängen kann, die Geſinnungen des republika - niſchen Frankreichs gegen Deutſchland zu alter[i]ren: — aus dieſen Gründen beſchließt die proviſoriſche Regie - rung: die Verſammlungen der Deutſchen in den Oſt - departementen werden aufgel[ö]ſt.” Dieſes Decret dürfte wohl die beſte Antwort auf alle die Anſchuldigungen und Verläumdungen ſeyn, die ſich in letzter Zeit in dieſer Hinſicht gegen die proviſoriſche Regierung Frank - reichs erhoben. So lange die deutſche Legion in Paris war oder unbewaffnet durch das Jnnere Frankreichs zog, konnte die Regierung nichts thun; ſo wie ſich aber die Legion in Waffen an der Gränze ſammelte, ſchritt die Regierung raſch und offen ein und die Un - terſchrift ſämmtlicher Mitglieder der Regierung unter dem Decrete zeigt, daß keines derſelben in dieſer Hin - ſicht etwas zu desavouiren hat. Um jedoch die Maaß - regel ſo ſchonend als möglich auszuführen, hat Hr. Lamartine Hrn. C. L. Bernays, als franzöſiſcher Bürger naturaliſirt, nach Straßhurg und Karlsruhe mit der ſpeciellen Miſſion geſchickt, die Aufl[ö]ſung der Legion auf friedlichem und freiwilligen Wege zu be - wirken, dafür zu ſorgen, daß diejenigen, die in Frank - reich bleiben wollen, dieſes ungehindert thun k[ö]nnen, jene aber, die es vorziehen, einzeln und ohne Waffen nach Deutſchland zurückzukehren, von den deutſchen Regierungen mit Wohlwollen und Rückſicht empfan - gen werden. Hr. Bernays iſt zu dieſem Zwecke bei dem Regierungs-Commiſſar Liechtenberger in Straß - burg und bei dem franzoſiſc[ h] en Geſandten in Karls - ruhe, Hrn. Lefèvre, accreditirt.
Die General-Ueberſicht der Wahlreſultate wird morgen auf dem Stadthauſe mit großer Feierlichkeit vorgenommen werden und wohl zwei Tage wegneh - men. Jn Paris ſelbſt haben von 260,000 W[ä]hlern 210 000 an den Wahlen Theil genommen. Jn den drei erſten Arrondiſſements zeigt ſich bereits als Re - ſultat eine ungeheure Majorität für Lamartine und ſeine Partei, während Ledru Rollin und ſeine Anhän - ger in einer auffallenden Minorit[ä]t geblieben ſind. Jn den anderen neun Arrondiſſements ſoll der Fall umgekehrt ſeyn. Die Sciſſion zwiſchen beiden Theilen iſt übrigens entſchieden, man kennt jetzt keine Scho - nung mehr und es unterliegt auch keinem Zweifel, daß die Partei Lamartine-Marraſt, auf die Bourgeoiſie geſtützt, jetzt den Sieg davon trägt; wie lange ſie ſich aber halten wird, iſt eine andere Frage; und das Wahrſcheinlichſte iſt, daß aus den neuen Männern der National-Verſammlung eine neue volksthümliche und zeitgemäße Partei entſtehen und die beiden alten Parteien abſorbiren wird. Uebrigens will Ledru - Rollin noch immer ſeine Entlaſſung einreichen.
Die aus den Departements bis jetzt eingelaufenen Nachrichten beſt[ä]tigen, daß die Wahlen überall mit Ruhe und Ordnung vorgenommen worden ſind. Die Zahl der Wähler war überall beträchtlich, — man rechnet im Durchſchnitte, daß von 100 eingeſchriebenen Wählern 90 an dem Wahl-Acte Theil nehmen.
Das Journal l’Assemblèe nationale beſchwert ſich, daß eine Deputation der Societé centrale republicaine (Club Bla[n]qui) mit Drohungen und Lärmen in ihre Bureaux gekommen und[t]umultuariſch den Widerruf eines am Morgen in dieſem Blatte erſchienenen Ar - tikels über dieſen Club verlangt habe. Später ſey eine Deputation der Arbeiter des Luxembourg ge - kommen und habe ein gleiches Verlangen in Bezug auf einen Artikel gegen Louis Blanc geſtellt. Beide Deputationen ſeyen auf heute wieder beſtellt worden, um ſich mit der verſammelten Redactions Committee zu verſtändigen, worauf ſie ſich entfernten.
Der Club der Clubs, aus den Delegirten von 200 Clubs beſtehend, hat eine Proclamation an das Volk erlaſſen, wachſam zu ſeyn, — die Legitimiſten und die Orleaniſten erhöhen das Haupt, um die Reaction und den Despotismus zurückzuführen. Noch ſei zu hoffen, daß dieſe Partei ihre Schwäche erkennen und von ihrem Vorhaben abſtehen werde; ſollte ſie es aber dennoch wagen, den Zorn des Volkes zu reizen, ſo werde dieſes die Verſchwörer zu vernichten und die Republik zu vertheidigen wiſſen.
Die Militair-Journale beſprechen die Bildung der Rhein-Armee, die mit großter Thätigkeit betrieben wird. — Von den 17 Diviſionen, die dieſe Armee bilden werden, ſind die Cadres von 12 Diviſionen ſchon organiſirt. Die Generale ſind ernannt und die Regimenter bezeichnet. Dieſe Armee wird ſich in die eigentliche Rhein-Armee und in die Nordoſt-Armee theilen, und ſich in ihrer Aufſtellung von Calais bis an den Jura erſtrecken, wo ſie mit der Alpen-Armee in Verbindung tritt; ihre Stärke iſt vorläufig auf 180 000 Mann feſtgeſetzt.
Ein Decret der proviſoriſchen Regierung im Mo -niteur de l’Armee ruft die Reſerve von den Jahren 1842 bis 1846 in die Waffen. Sie beträgt 99,360 Mann. Der beſoldete Effectivſtand beläuft ſich heute auf 377[,]000 Mann, endlich die einberufene Altersklaſſe von 1847 70,000 Mann. Jm Ganzen 546,360 Mann.
So wie bereits ein Committee der National-Ver - theidigung zu Lande beſteht, ſo wird nun auch eine Committee für die Marine errichtet, welches die Aufgabe hat, ſowohl die Flotte als die Küſten-Vertheidigung auf einen den Bedürfniſſen des Augenblicks entſpre - chenden Standpunkt zu bringen.
Jn Beauvais ſollen abermals ernſte Unruhen aus - gebrochen ſeyn; zwei Bataill[o]ne Jnfanterie und ein Dragoner-Regiment ſind auf der Eiſenbahn dahin abgeſchickt worden.
Unbekannte richten folgendes offenes Sendſchreiben an Lamartine, Miniſter des Auswärtigen: “Es iſt wichtig, zu wiſſen, wo ſich die Glieder der ehemaligen Königsfamilie im gegenwärtigen Augenblick aufhalten? Wir fordern Sie daher hiermit auf, uns öffentlich zu erklären: a. wo die Herzogin von Orleans mit ihren Kindern wohnt, b. wo ſich der Prinz Joinville ſeit ſeiner Einſchiffung in Algier und Liſſabon aufhält, c. wo die übrigen Glieder der exköniglichen Familie wohnen? Nach prompter Beantwortung dieſer Fra - gen werden andere folgen.”
Zu Algier zogen die Mitglieder eines dortigen Clubs am 16 d., nachdem ſie die angeſehenſten Geiſtlichen ge - zwungen hatten, ſie zu begleiten, zum Palaſte des General-Gouverneurs, wo ſie einen Freiheitsbaum aufpflanzten und demſelben eine rieſige rothe Mütze aufſetzten. Dies letztere erregte nicht bloß bei Cavaigne und den Behörden, ſondern auch bei der ungeheuren Mehrzahl der Bevölkerung ſolche Entrüſtung, daß zwei Tage darauf der Freiheitsba[ u] m unter lauten Verwünſchungen gegen die Anarchiſten niedergeriſſen wurde.
Man verſichert heute, daß eine Offenſiv - und De - fenſiv-Allianz zwiſchen der franzöſiſchen Republik und den Ver. Staaten in Unterhandlung ſey, um den Uebergriffen Englands zur See endlich die gebührenden Schranken zu ſetzen. Die Seemachte zweiten Ranges in Europa, namentlich die Jtaliens, werden einge - laden werden, dieſer Allianz beizutreten.
Es hat ſich hier das Ge - rücht verbreitet, daß Carl Albert und ſeine ganze Armee die Abſicht geäußert hätten, den Krieg aufzu - geben, welchen ſie zu Gunſten der undankbaren Lom - barden führten. Dieſe Nachricht verurſachte in Mai - land einen tiefen Schmerz, und es wurde beſchloſſen, alsbald eine Addreſſe an den König abzuſenden, um ihn der herzlichen Erkenntlichkeit der Lombarden für ihren Befreier zu verſichern. Dieſelbe wurde augen - blicklich mit Tauſenden von Unterſchriften bedeckt. (Tur. Conc.) (Anderer Seits meldet eine Correſpon - denz aus Genua vom 18 April im Schw. Mercur: Carl Albert erwartet noch immer Entſchädigung für die ungeheuren Kriegskoſten — man ſpricht von 500,000 Lire — durch den freiwilligen Anſchluß der Mailänder an Sardinien.)
So wären denn nun auch die Thore des Ghetto gefallen, welche die Judenſtadt von der Gemeinſchaft mit der katholiſchen Chriſtenheit ſtreng geſondert hielten. Geſtern Abend 10 Uhr ſind ſie auf Befehl des Cardinal-Vicars niedergeriſſen worden und das Juden-Viertel geht von nun an in dem neuen Rom auf. (Köln. Z.)
Geſtern Vormittag 11 Uhr langte Lord Minto aus Neapel in Rom an, und wird heute Abend ſeine Reiſe nach Piemont fortſetzen. Kurz nach ſeiner Ankunft beſchied er den hieſigen engliſchen Conſul, Bankier Freeborn, zu ſich und be - auftragte ihn, ſämmtlichen B[ü]rgern von Rom be - kannt zu machen: England habe weder bei der nea - politaniſchen noch bei der piemonteſiſchen Regierung auf irgend eine Art gegen die von Seiten Piemont’s bereits erfolgte und von Neapel aus zu erwartende Jntervention in die venetianiſch-lombardiſchen Ange - legenheiten proteſtirt: es betrachte vielmehr den Ein - zug der Piemonteſen in die Lombardei mit Gleichgül - tigkeit. Es habe dies bei beiden H[ö]fen auf die unter ſolchen Umſtänden übliche Weiſe durch ſeine Reprä - ſentanten über ihr ferneres Benehmen die nöthige Aufklärung verlangt, und da dieſe vollkommen ge - nügend ausgefallen ſey, ſo bleibe es mit England bei dem bisherigen guten Vernehmen.
Heute wird eine mit vielen tauſend Unterſchriften verſehene Addreſſe Sr. Heiligkeit überreicht, in welcher man die Entfernung der beiden noch übrigen Miniſter geiſtlichen Standes, Cardinal Antonelli und Mon - ſignor Morrichin, verlangt, indem ſie im Miniſter - rathe fortwährend ein Hinderniß der Jdeen der ſecu - lären Miniſter ſeyen und mithin am gew[ü]nſchten Fortſchreiten hemmten. (N. C.)
Jn Livorno ſind am 16 April abermals 1100 Mann neapolitaniſcher Truppen und Freiwilliger für die Lom - bardei angekommen. Sie hatten Neapel am 14 d. verlaſſen. (N. C.)
Nach einem öſterreichiſchen Kriegsberichte iſt es während der letzten Tage in Tyrol lebhafter als in Jtalien zugegangen. Die Pie - monteſen ſtanden laut Nachrichten vom 18 und 19 d. noch immer hinter dem Mincio. Zu Varone bei Riva wurde eine Jnſurgentenſchaar von 600 Mann durch die Oeſterreicher geſchlagen; bei Sclemo am 19 d. eine zweite von 1200, die nach Stenico zurück - wich und hier am 20 d. den Oeſterreichern in einem um 10 Uhr Vormittags noch unentſchiedenen Gefecht Stand hielt. Cles wurde am 19 d. von den Oeſter - reichern wieder eingenommen, Malè von ihnen am 20 d. beſetzt, nachdem 5, bis 600 Jnſurgenten ohne ernſthaften Kampf entſlohen waren.
Den 22 April. Die Jnſurgenten ſind gegen den Tonale, dann von Stenico nach Tione, von Riva bis Condino zurückgeworfen, haben am 21 d., bei 2000 Mann ſtark, mit vielen Bleſſirten Tione geräumt und ſind über Condino nach Lodron zurückgegangen. (A. Z.)
Mailand. Alle Nachrichten vom Kriegsſchauplatz deuten auf einen nahe bevorſtehenden Hauptſchlag. Jmmer mehr concentriren ſich die Truppen. Faſt t[ä]glich finden mehr und minder lebhafte Vorpoſtenge - fechte ſtatt. Am 18 d. ſchlug man ſich in der N[ä]he von Mantua ziemlich ernſthaft. Die Artillerie mußte mitwirken. Es ſollen die Oeſterreicher von den Pie - monteſen mit nicht geringem Verluſte zurückgeſchlagen worden ſeyn. Sind die erwarteten toscaniſchen und päpſtlichen Truppen an ihren Poſten, ſo wird der Hauptſchlag erfolgen. Von Radetzky meint man, er gedenke ſich durch Tyrol zu ziehen und einer Haupt - ſchlacht auszuweichen. (N. Z. Z.)
Eben eingehenden Nachrich - ten aus Trieſt vom 24 d. zufolge, war der bisherige engliſche Conſul in Venedig dort eingetroffen. Er hatte der Regierung der Republik Venedig erklärt, England wurde dieſe Republik nie anerkennen. Manin hetzte in Folge dieſer Erklärung das Geſindel gegen die Wohnung des Conſuls. Das engliſche Wappen wurde heruntergeriſſen und der Conſul ent - ſchloß ſich hierauf zur Abreiſe. — Die Anarchie ſteigt in Venedig, das Volk ſtürmte hereits aus Noth das Verſatzamt. (Wien. Z.)
Einem Schreiben aus Mantua vom 18 März zu - folge wurden die Piemonteſer, welche bei Monzambano auf unſer Armeecorps ſtießen, nach einem hitzigen Ge - fechte bis über Lonato zurückgeworfen. Jhr Verluſt wird auf mehr als 1000 Todte und die doppelte An - zahl Verwundete angegeben. Außerdem wurden un - gefähr 600 Gefangene, darunter 2 piemonteſiſche Stads-Officiere, gemacht. Den Verluſt öſterreich[iſ]cher Seits bezeichnet man als verhältnißmäßig gering. (O. L.)
Am 25 April ſtarb in Bremen der emerirte Pastor prim. an der Domkirche, Dr. theol. Heinrich Wil - helm Rotermund, in dem hohen Alter von 87 Jah - ren. Er ward im Jahre 1798 als Prediger an die Domkirche berufen, feierte im Jahre 1836 ſein 50jäh - riges Jubiläum als Geiſtlicher und ward 1845 ſeines Amtes aufs Ehrenvollſte entlaſſen.
Der alte Arndt ſagt über die republikaniſchen Be - ſtrebungen der letzten Zeit: “Manche Polenbegeiſterte oder ſich polenbegeiſtert Gebehrdende ſind noch die ſogenannten Republikaner, die unſer liebes Vaterland von einem Ende bis zum andern in Brand und Blut über einander ſtürzen, und es an beiden Gränzen, im Weſten und im Oſten, den Wälſchen und Moskowi - tern als bereitete und leicht zerreißliche Beute hin - werfen möchten. Dieſe ſind keine begeiſterte Thoren, auch nicht bloße Narren, ſie ſind Vaterlands-Zerrei - ßer und Vaterlands[-]Verräther, gerade jenen ſchlechten Polen gleich, die ihr Land weiland der großen Katha - rina von Rußland verkauften.” (Bekanntlich ging jene Hingabe an Rußland von der ultra-demokrati - ſchen Partei aus, und geſchah im Namen der polni - ſchen Freiheit, welche von Rußland “beſchützt” wurde.)
Waſſerſtand der Elbe zu Magdeburg: am 28 April: 16 Zoll unter 0.
| Zeit | Therm. | Barom. | Wind | Atmoſphäre |
| M. 5 U. | — 0,5 | 28, 0 04 f. | SO 2 | htr., Höhenr. leicht bew. u. ☉ blicke |
| N. 2 „ | +10,6 | 27,11,11 | SzO 3 | |
| A. 6 „ | „ 9,7 | „ 10,53ſt. | „ 3 | |
| d. 29 April: | ||||
| M. 5 U. | „ 2,4 | „ 11,39 | WNW 3 | heiter leicht bew. wolkig |
| N. 2 „ | „ 10,4 | 28, 0 07 | NW 2 | |
| A. 6 „ | „ 6,9 | „ 0,46 | „ 2 |
| für 24,058 Perſonen .... | Pr. Crt. 〈…〉〈…〉Note: type = "editorial" > Zeichen unbekannt, wahrscheinlich Währung "Reichstaler"32,706. 7. 5. |
| „ Güter und Gepäck ... | „ 19,017. 16. 7. |
| Pr. Crt. 〈…〉〈…〉 Zeichen unbekannt, wahrscheinlich Währung "Reichstaler" 351,723.24. —. |
Die Zahl der Geber, die zum Bau der St. Nicolai Kirche wöchentlich einen Schilling beitragen, war bei der 17ten Sammlung in der vergangenen Woche 15,930. Die Summe der 17 Sammlungen d. J. iſt 19,431〈…〉〈…〉Zeichen nicht darstellbar, Währung "Mark"4 12 ß, wobei 45〈…〉〈…〉Zeichen nicht darstellbar, Währung "Mark"5 10 ß als vierteljährliche Schillingſammlung in der St. Nicolai Freiſchule.
Den 29. April: Jn Sachen deſti. E. F. Mutzenbecher Wittwe, geb. Hübbe. — A. P. Rothlieb. — P. C. F. Schweig.
Den 29. April: Jn Sachen Canel & Hadler c. R. M. Sloman jun. — Mellberg, Staeven & Co. c. J. Heil - buth. — Hrn. Dris. W. A. Kramer mand. nom. c. J. Helmers. — J. H. von Rohden c. G. Liecker. — J. E. Richter c. Blumenhardt. — Lieben Königswarter c. H. A. Säuberlich. — C. Boy c. J. F. Zies Wwe. — deſſel - ben c. C. H. Harmſen, als ꝛc. — der zweiten wohlthäti - gen Vorſchuß-Anſtalt c. C. H. Köſter, als Bürge. — Hrn. Dris. C. Trummer mand. nom. c. W. Zadig. — A. Wilmans c. J. P. F. Heydtmann. — Hrn. Dris. Bieſterfeld, als Curat. perp. ꝛc., c. Wendt. — J. F. Grabbert c. G. E. Wölver. — Hrn. Dris. F. Kunhardt mand. nom. c. J. Arone. — Hrn. Dris. H. A. Malm indoss. nom. c. P. C. Dorgerloh. — T. Moll indoss. nom. c. J. J. W. Dührkoop. — Hrn. Dris. D. Hertz indoss. nom. c. L. Falck & Co. — M. Berlin c. G. C. Steffens. — J. A. Lindemann, führend das Schiff Co - met. c. C. T. Peterſen. — P. Nathan Söhne c. Gebrü - der Samſon. — Hrn. Dris. von der Meden indoss. nom. c. J. Heilbuth.
Hamburg. den 1. Mai 1848.
Hamburg, den 30. April.
An die Stadt gekom - men, den 28.: Heinrich, Capt. Meyer, von Harwich; Victoria, Capt Peters, von Bremerhafen; Catharina Margaretha, Capt. Stehr, von Burntisland.
Den 29.: Hillechina, Capt. Bos, von Amſterdam; Mechanic, Capt. Parry, von Leith.
Den 30.: Forinto, Capt. Milburn, von Sunder - land; Geſina Henderika, Capt. Poort, von Amſter - dam; Clatre Marie, Capt. Bertet, von Bordeaux.
Cuxhaven, den 30 April. Angekommen, den 28.: William Fiſher, Capt. Twis, und Johanna, Capt. Roper, von Bahia; Miles, Capt. Jacobs, von New - york; Orion, Capt. Broadribb, von Macao; Ru - dolph, Capt. Schwenn, von Cephalonien; Thetis, Capt. Bohn, von Meſſina; Martha Annette, Capt. Pauls, von Harwich.
Den 29.: Agnes, Capt. Arensfeldt, von New - Orleans; Jenny, Capt. Stanley, von Portorico; Dacila, Capt. Arozena, von Havana; Recurſo, Capt. Calſamiglia, von Gibraltar; Neyſomheden, Capt. Huen, von Malaga; 10 Uhr, Helen M’Gregor (D.), Capt. Froſt, von Hull. — Ajax, Capt. Albers, und Margaret, von Sunderland; Thomas, Capt. Lolling, von Newcaſtle; Juffer Grietje, von Harwich.
Den 30.: Johanna, Capt. Bremer, von Neapel; Jernbarden, Capt. Erichſen, von Genua; 10 Uhr, John Bull (D.), Capt. Corbin, von London.
Hier eingekommen, geſtern: Rival, Capt. Williams, von Liverpool nach Tonning beſtimmt, und Triton. Heute: Afra.
Hamb. Schiff Elbe, Capt. Hennings, von der Süd - ſee, iſt in England eingelaufen; das Schiff ſoll voll ſeyn.
Jn See gegangen, den 28.: Globe, Capt. Smith, Judith Milbanke, Capt. Ridge, und Prince Albert, Capt. Jones, nach Middlesbro; Eliza, Capt. Pladdy, Pegaſus, Capt. Underwood, Elliot. Capt. Hills, Ann & Sarah, Capt. Wade, Eſther, Capt. Reay, Tyne, Capt. Storrey, Centenary, Capt Rames, und William, Capt. Gardiner, nach Newcaſtle; Martindale, Capt. Hobſon, und Victory, Capt. Clarck, nach Hartlepool; Orb, Capt. Rackley, und William, Capt. Dunler, nach Sunderland; Starkotter, Capt. Boye, nach Arendal; Det gode Haab, Capt. Olſen, nach Chriſtian - ſand; 2½ Uhr M., Vietoria (D.), Capt. Dickinſon, nach Hull.
Den 29.: 10¼ U., Princeß Royal (D.), Capt. Whit - tingham, nach London.
Den 30.: 5 U., Queen of Scotland (D.), Capt. Cape, nach Hull; 6 U., Willem de Eerſte, Capt. Sa - vert, nach Amſterdam. — Wind: WSW.
Conſ. a. R. 82½. Ard. 12¼, 3 pCt. 22. Portug. 4 pCt. 16, 3 pCt. —. Mex. 15¼. Braſ. 68.
5 pCt. 69 Fr. — C., 3 pCt. 47 Fr. — C. — Span. 5 pCt. —, 3 pCt. —. — Portug. 2½ pCt. —. — Neapol. Rothſch, 53 Fr. 50 C.
Jntegr. 40¼. Kansb. —. Ard. 7¾.
Hamb. 3½ pCt. Feuer-Caſſen-Anl. —. Hamb. Prämien-Anl. von 1846 —. — Ruſſ. 5 pCt. engl. Anl. 86, ruſſ. 4 pCt. bei Stieglitz 66 ruſſ. 4 pCt. bei Hope —. — Poln. 4 pCt. Schatz-Scheine 43.
Eiſenbahn-Actien: Altona-Kieler —. Ber - lin-Hamb. 56. 4½ pCt. Berlin-Hamburger Prio - ritäts-Actien 80½. Bergedorſer —. Köln-Mind. 64. Köln-Mind. Prioritäts-Actien 73¾. Mag - deb. -Wittenberg. 41 ½. Potsdam-Magdeburger —. Mecklenburgiſche —.
Oeſterr. 5 pCt. Metall. 54½, 4 pCt. —. Looſe von 1834 —. Bank-Actien o. D. —. — Pr. Präm. - Scheine 75. — Polniſche Part. —, do. 500 Fl. - Looſe —. — Span. 5 pCt. Ard. incl. 14 C. 8¾.
| Briefe. | Geld. | |
| Hamburg. 3½ pCt. Feuerkaſſen-Anl .. | 72¼ | 72 |
| Hamburg. Staats-Pramien-Oblig ... | 73 | 72 |
| Hamburg-Bergedorfer Eiſenb. -Actien. | — | — |
| Hamburg-Berliner Eiſenbahn-Actien. | — | 56 |
| Hamb. -Berl. Prioritäts-Actien, 4½ pCt. | — | — |
| Köln-Mindener Eiſenbahn-Actien .. | 63½ | — |
| Köln-Mind. Prioritäts-Actien, 4½ pCt. | — | — |
| Altona-Kieler Eiſenbahn-Actien .... | 78 | 77 |
| Glückſtadt-Elmshorner Eiſenb. -Actien | — | — |
| Kopenhagen-Rothſchild Eiſenb. -Actien | — | — |
| Rendsburg-Neumünſter Eiſenb. -Actien | — | — |
| Mecklenburger Eiſenbahn-Actien ... | 24 | 24 |
| Magdeb. -Wittenb. Eiſenb. -Quitungsb. | — | — |
| Magdeb. -Wittenb. Eiſenb. -Quitungsb. | — | — |
| Hanſeat. Dampfſchifffahrts-Geſellſchaft mit 5 pCt. Zinſen o. D. | — | — |
| Mecklenburger 3½ pCt., von 1843 ... | — | — |
| Hannov. 5 pCt. Oblig. ........ | 95 | 94½ |
| „ 3½ „ „ ........ | — | — |
| Dän. 3pCt. engl. Anl. 1825 in £ pr. Caſſa | 56 | — |
| Ruſſ. 5 pCt. engl. Anleihe. „ | 84 | — |
| „ 5pC. Met. in hamb. Cert. „ | 78½ | — |
| „ 4 „ Jnſcr. bei Stieglitz „ | — | 64 |
| „ 4 „ Cert. bei Hope & Co. v. 1840 | — | — |
| Holländ. 2½ pCt. Cert. ... pr. Caſſa | — | — |
| Poln. 4 pCt. Schatz-Scheine „ | — | — |
| Schwed. 4 pCt. Hyp. Caſſa Anl. „ | — | — |
| „ 4 „ Güter-Hyp. -Obl. v. 1846 | — | — |
| Portug. 4 pCt. engl. Anl.. pr. Caſſa | — | — |
| Span. 5 pCt., 1020 £ ..... „ | 7 | 6¾ |
| „ 3 pCt. Jnländ. o. C. „ | — | — |
Wann auf Antrag der Pächterfrau Wackerow, gebornen Bobzien, zu Pinnow, zur beſtimmten Angabe und Begründung etwaniger Anſprüche an den ihr unterm 25. Februar 1843 ausgeſtellten, aber verloren gegangenen, Hypothekenſchein über ein Folio 53 des Karcheetzer Hypothekenbuchs eingetragenes Capital von 1000〈…〉〈…〉Zeichen unbekannt, wahrscheinlich Währung "Reichstaler"6 N⅔, oder eines Widerſpruchsrechts wider die Auszahlung dieſes Capitals an die Supplicantin und wider die Mortification des gedachten Hypotheken - ſcheins, heute publica proclamata praeclusiva erkannt, terminus peremtorius vor hieſiger Großherzoglicher Juſtiz-Canzlei auf den achtzehnten Juli dieſes Jahrs anberaumt worden, und die desfallſige Ladung in extenso den Schwerinſchen Anzeigen inſerirt werden wird; ſo wird ſolches fernerweitig hiedurch gemein - kundig gemacht.
Ausgeklagter Schulden wegen ſoll die sub Nr. ass. 31 der Voigtei Stillhorn im Hövel belegene Kothe des Pachtköthners Jacob Meyer ſammt dem dazu gehö - rigen Allodial-Jmmobiliar und dem Anrechte auf die Pacht der zu dieſer Pachtkothſtelle gelegten Domanial - Länderei im Meiſtgebot öffentlich verkauft werden, zu welchem Behuf drei Verkaufs-Termine auf hieſiger Königlicher Amtsſtube anberaumt worden, nämlich: Mittwoch, den 31. Mai 1848, Morgens 11 Uhr, Mittwoch, den 14. Juni 1848, Morgens 11 Uhr, Mittwoch, den 28. Juni 1848, Morgens 11 Uhr. Kaufliebhaber wollen ſich in dieſen Terminen einfinden.
Zugleich werden alle diejenigen, welche an dem Jm - mobiliar des Jacob Meyer ein Näherrecht oder ſon -ſtige dingliche Anſprüche zu haben vermeinen, edicta - liter und bei Strafe des Ausſchluſſes hiedurch vorge - laden, in dem erſten Verkaufs-Termine, alſo Mittwoch, den 31. Mai d. J., Morgens 11 Uhr, ihre Anſprüche unter Production oder Angabe ihrer Beweismittel beim unterzeichneten Amte anzumelden und klar zu machen.
Dem Köthner Jacob Meyer wird bei Strafe der Nichtigkeit die Dispoſition über ſein Jmmobiliar-Ver - mögen von heute an genommen.
Am 16. September v. J. wurde von einer Frau aus Stöckey im Bockelnhagener Walde, 1½ Stunden von Bockelnhagen, ¾ Stunden von Stöckey im Wor - biſer Kreiſe, jedoch nahe am Kreiſe Nordhauſen und dem hannoverſchen Amte Scharzfels, ein männlicher Leichnam gefunden. Am 17. und 18. September be - mühte ſich die betreffende Gerichtsbehörde, mit Zuzie - hung der oberwähnten Frau, und einer Menge an - derer Perſonen vergebens, den Leichnam aufzufinden und aufzunehmen; er war verſchwunden, und hat aller nachher angewandten Mühe ungeachtet nicht ent - deckt werden können. Dieſes hat den Verdacht er - regt, daß ein Raubmord oder ein ſonſtiges Verbrechen vorgefallen ſey, und der Betheiligte den Leichnam in der Nacht vom 16. / 17. September weggebracht und der Aufnahme zu entziehen gewußt habe.
Am 2. September v. J. kam ein Stuten-Pferd von dunkelbrauner Farbe mit Stern, etwa 12 Jahre alt, 4½ Fuß hoch, mit ſchwarzem Faſanenſchweife und ſchwarzem Schopfe, mit beſchlagenem Hufe, ohne Rei - ter oder Führer, im ſcharfen Trabe, nicht weit ent - fernt von dem Orte, wo der Leichnam ſpäter geſehen worden, aus dem Walde, und wurde am Tage dar - auf in Lipprechtrode eingefangen.
Die hierdurch entſtandene Vermuthung, daß der vermuthlich Ermordete Eigenthümer dieſes Pferdes und ein reiſender Kaufmann geweſen ſey, hat durch die bisherigen Nachforſchungen und öffentlichen Be - kanntmachungen nicht wahr gemacht werden können. Wir halten es daher für zweckdienlich, dieſe Nachfor - ſchungen hierdurch noch weiter auszudehnen, und er - ſuchen Jeden, und beſonders die öffentlichen Behörden, welche uns irgend eine Auskunft über den gefundenen Leichnam und das Pferd, ſo wie über das etwa vorgefal - lene Verbrechen geben können, uns ſolche mitzutheilen.
Die Frau, welche den Leichnam gefunden, hat ſolchen zwar nicht genau angeſehen, indeſſen beſchreibt ſie ihn doch dahin: er ſey gegen 5 Fuß 4 Zoll groß geweſen, habe völlig entkleidet auf der Erde ausgeſtreckt gelegen, mit geöffnetem Munde und ſchwarzem Kopfhaar, ſey völlig ausgedorrt (fleiſchlos) geweſen, ſo daß die Knochen, namentlich die Rippen, ſtark hervorge - treten; die Haut habe ihr von gelblicher Farbe geſchienen, und ſey zuſammengeſchrumpft, die Augen geſchloſſen, der vordere Theil des Schädels vor der Stirn von Haaren frei geweſen, und hätte dicht daneben eine Partie ſchwarzer Haare gele - gen. Der Kehlkopf habe merklich hervorgeſtanden, und die Arme wären längs des Körpers aus - geſtreckt geweſen. Aeußere Verletzungen habe ſie zwar am Körper nicht wahrgenommen, jedoch denſelben nicht unterſucht.
Die heutige Verlobung meiner Tochter Louiſe mit dem Herrn Ernſt Wahl aus Roſtock beehre ich mich, meinen Freunden und Bekannten hiemit anzuzeigen.
J. H. C. Schulz. Lina Schulz. geb. Knoche, aus Uelzen.
Heute Morgen wurde meine liebe Frau, geborne Schultz, von einem geſunden Knaben glücklich ent - bunden.
Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Anzeige, daß unſer innigſt geliebter Bruder, der Hauptſchullehrer Adolph Sparnecht in Oederquart, am 24. April, Nachmittags 2 Uhr, mit Tode abgegangen iſt.
Die Actionaire der Berlin-Hamburger Eiſenbahn - Geſellſchaft werden von dem unterzeichneten Ausſchuß zur vierten ordentlichen General Verſammlung auf Mittwoch, den 31. Mai, 11 Uhr Vormittags, eingeladen.
Nach § 32 des Statuts wird die Verſammlung in Ludwigsluſt und zwar im Empfangsgebäude auf dem Bahnhofe ſtattfinden.
Es wird in Erinnerung gebracht, daß nach §. 37 des Statuts die Beſchlüſſe der Erſchienenen auch die Nichterſcheinenden und Nichtvertretenen verpflichten.
Die ſtimmberechtigten Jnhaber von zehn oder mehr Actien werden zum Behuf ihrer Legitimation erſucht, in der Tagen vom 17. bis zum 27. Mai, letzteren einſchließlich, Vormittags von 10 bis 1 Uhr, in den Verwaltungs-Bureaux auf den Bahnhöfen in Berlin und Hamburg oder in Schwerin bei dem ſtellvertre - tenden Vorſitzenden des Ausſchuſſes, Hrn. Forſtrath von Wickede:
Der Ausſchuß erlaubt ſich hiebei, darauf aufmerk - ſam zu machen, daß es für die in der General-Ver - ſammlung vorzunehmenden und nach §. 45 des Sta - tuts durch Entwerfung einer Candidaten-Liſte vorzu - bereitenden Wahlen neuer Ausſchuß-Mitglieder an die Stelle der ſtatutenmäßig Austretenden wünſchenswerth iſt, die Jnhaber von 10 oder mehr Actien kennen zu lernen.
Gegenſtände der Berathung der General-Verſamm - lung werden ſeyn:
we beg to inform our British Correspondents, that by Publication of the Honorable Board of Treasury the remaining days of Drawing of the 215th Ham - burgh State Lottery have been fixed as follows:
A few Tickets for the 4th. Class are still on sale at £ 2 „ 10 „ — „ for which we expect kind orders by one of the next mails.
Zur 4ten Claſſe der 215ten Hamburgiſchen Lotterie, deren Ziehungen und Gewinne vom hieſigen Staate garantirt ſind, erlaſſen wir Kauflooſe zum Planpreiſe von 40〈…〉〈…〉Zeichen nicht darstellbar, Währung "Mark"7 Cou - rant. Badener 35 Gulden-Looſe nehmen wir à 40〈…〉〈…〉Zeichen nicht darstellbar, Währung "Mark"8 Courant, jedoch auf jedes Kaufloos zur 4ten Claſſe nur Ein Badener Loos, in Zahlung.
Mecklenburg-Schwerin, wird in Folge Großherzog - licher Beſtimmung in dieſem Jahre am 26., 27. und 28. Juni abgehalten; die Wolle wird ſchon vor Beginn des Marktes gelagert, ſo daß die Herren Käufer mit An - fang des erſten Markttages gleich das ganze Quan - tum überſehen können.
Mit Bezug auf die allgemeinen Beſtimmungen vom 8. April 1840 wird hierdurch zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die Nachweiſung von den im Laufe des Jahres 1847 erfolgten und bei uns gebuchten Nach - tragszahlungen auf unvollſtändige Einlagen aller be - ſtehenden Jahres-Geſellſchaften in unſerem Bureau ſowohl, als bei ſämmtlichen Agenturen vom 1. Mai c. ab auf 4 Wochen, — d. i. bis zum 1. Juni c. — ausliegen wird.
Jedem, der im Jahre 1847 hier oder bei den Agen - turen Nachtragszahlungen auf unvollſtändige Einla - gen geleiſtet hat, bleibt es überlaſſen, ſich aus jener Nachweiſung zu überzeugen, ob die darin bei ſeinen Nummern aufgeführten Nachtragszahlungen mit den Quittungen auf den Jnterimsſcheinen übereinſtimmen, und ſind etwanige Abweichungen ſogleich und ſpäteſtens innerhalb vier Wochen nach Auslegung der Nachwei - ſung uns unmittelbar zu melden, indem die Anſtalt, — unterbleibt eine ſolche Meldung, — nur für die in der Nachweiſung aufgeführten Nachtragszahlungen ſtehen kann.
Die Eing[a]ngs erwähnte allgemeine Bekanntmachung vom 8. April 1840 iſt auf der ausgelegten Nachwei - ſung nachrichtlich mit abgedruckt.
Die von meinem Vater vom Jahre 1771 bis 1808 unter der Firma von Paul Gerhard Roeſing ge - führte und nach deſſen Tode von mir unter derſelben Firma bis jetzt fortgeſetzte Tuchhandlung habe ich unterm heutigen Datum an meinen Sohn Georg Hermann Roeſing mit allen Activis und Passivis übergeben, und wird derſelbe gleichfalls die Tuchhand - lung unter derſelben Firma für ſeine alleinige Rech - nung fortführen.
Für das mir bisher geſchenkte Zutrauen herzlich dankend, bitte ich, daſſelbe auf meinen Sohn gütigſt übertragen zu wollen.
Auf vorſtehende Annonce mich beziehend, werde ich die mir von meinem Vater unterm heutigen Datum übergebene Tuchhandlung unter der bisherigen Firma fortſetzen, und bitte gehorſamſt, das dieſer bis dahin geſchenkte Zutrauen auch mir gütigſt zu Theil werden zu laſſen.
Jndem ich verſpreche, deſſelben nach Kräften mich würdig zu erweiſen, bitte ich um geneigten Zuſpruch.
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Am Donnerstage, den 4. Mai, des Vormittags um 10½ Uhr, ſoll in der großen Reichenſtraße No. 47 Eine Parthei Manufactur-Waaren, öffentlich verkauft werden, wobei: Stouts, Shirtings, Ginghams, Printanières, Callicoes, Mouſeline, Laken, Buckſkins, Flanelle, Hoſenzeuge, glatte und fig. Or - leans, Thibets, Napolitains, Creas, bielef. Leinen, ächte Wiener - und leinene Tücher, Pariſer Atlas - Halsbinden, Atlas-Cravats und Slips, Corahs, Son - nen - und Regenſchirme, Schirm-Gros de Naples, Luſtrine, Piqué-Röcke und Decken, bwl. Strümpfe, Handſchuhe ꝛc. ꝛc. ; ſo wie auf gerichtliches Erkennt - niß, des Mittags um 12 — 1 Uhr: 250 au. ſeid. und halbſeid. Weſtenzeuge, Royal, Tafft, ſeid. Herren - und Damen-Châles und Tücher, Goldleiſten, Strümpfe ꝛc. ; ferner für Rechnung Hren. Aſſecuradeure: ſeid. Mö - bel-Damaſte, Poſamentirſeide, Chenilles, Tiſch - und Fußdecken, Goldleiſten und andere zur Möblirung ge - hörende Gegenſtände, welche beim Brande, auf dem Neuenwall No. 42, durch Waſſer beſchädigt, und 100 Stück Packleinen, durch die Makler
Die Herren J. H. & G. F. Baur in Altona beabſichtigen an einem näher zu beſtimmenden Tage 7000 Stück oſtindiſche Kips öffentlich verkaufen zu laſſen, falls dieſelben nicht etwa vorher aus der Hand begeben werden ſollten.
Verſicherungs-Anträge werden jederzeit entgegen - genommen, ſo wie Pläne und ſonſtige Druckſchriften unentgeltlich verabreicht im Comptoir der Anſtalt, Hopfenmarkt No. 3.
Stubbenhuk No. 17.
Obigen, heute vom Unterzeichneten übernommenen, bequem eingerichteten Gaſthof empfiehlt ſeinen Freun - den und den geehrten Reiſenden ganz ergebenſt
Eine Familie in einem ruhigen Flecken wünſcht einen einzelnen Herrn bei ſich aufzunehmen. Wo? erfährt man in der Expedition dieſer Zeitung.
Jn der Palm’ſchen Verlagsbuchhandlung in Er - langen iſt ſo eben erſchienen und in allen Buch - handlungen zu haben:
Die bekannten, unter ruſſiſcher Flagge fahrenden beiden Dampfſchiffe der St. Petersburg-Lübecker Dampfſchifffahrt-Geſellſchaft: Nicolai I., Capt. H. H. Schütt, und Alexandra, Capt. C. N. Heit - mann, unterhalten in dieſem Jahre die regelmäßige Fahrt zwiſchen den obengenannten Plätzen. Jeden Dienstag geht eins derſelben von jedem der beiden Plätze ab, von Travemünde das erſte am 25. April, das letzte am 31. October.
Abfahrt von Travemünde: Dienstags Nachmit - tags um 5 Uhr.
Preiſe der Paſſage mit Beköſtigung, aber ohne Wein: Erſte Cajüte 64〈…〉〈…〉Zeichen unbekannt, wahrscheinlich Währungszeichen "Reichstaler"11. zweite 41〈…〉〈…〉Zeichen unbekannt, wahrscheinlich Währungszeichen "Reichstaler"12, dritte 26〈…〉〈…〉Zeichen unbekannt, wahrscheinlich Währungszeichen "Reichstaler"13 Pr. Ct. Nähere Nachricht ertheilt: Das Comptoir der Dampfſchifffahrt - Geſellſchaft in Lübeck.
Die auf den 2. Mai angekündigte Reise des Dampfschiffes Obotrit, Capt. Seth, nach Stock - holm, findet nicht Statt.
Königſtraße. — Von 6½ — 9 Uhr Abends, nur noch wenige Tage.
Anfang Abends 8½ Uhr, Ende Morgens 4½ Uhr.
Den 1. Mai: Aufg. 4 U. 27 M., Unterg. 7 U. 28 M.
v. 26. April 3 U. — M. Ab. bis d. 3. Mai, 7 U. 55 M. M.
Eintritt der Fluth: 11¼ U., Eintritt der Ebbe: 3½ U.
| Thermometer. | Barom. | Wind. | Atmoſphäre. | ||
| Mit - tags. | Wärm - ſter Gr. | Kälte - ſter Gr. | Mit - tags. | Mittags. | Mittags. |
| + 11 | + 11 | + 3 | 28.1.7 | W | Wolkig. |
| + 9½ | + 9½ | + 1 | 28.3.0 | NNW | do. |
Verlegt und gedruckt von den Grund’ſchen Erben. — Expedition: Große Reichenſtraße No. 43.
Britt-Marie SchusterManuel WilleArnika LutzNote: Bereitstellung der Texttranskription.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2014-09-26T11:04:13Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
Fraktur
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