PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Badener Zeitung (vormals Badener Bezirks-Blatt).

Akonnement Baden: Zum Abholen vierteljährig K 2·50, halbjährig K 5. , gauzjährig K 10. . Mit Zuſtellung ins Hans Baden: Vierteljährig K 3. , halbjährig K 6. [g]anziährig K 12 . Oeſterreich-Ungarn: Mit Zuſendung vierteljährig K 3.30, halbjährig K 6.50, ganzjährig K 13. . Einzelne Mittwoch-Nummer 12 h., Somstag-Nummer 16 h. Inſerate werden per 80 mm breite Petitzeile mit 16 h für die erſte, und mit 14 h für fünf nacheinander folgende Einſchaltungen berechnet, großere Aufträge nach Ueber - einkommen und können auch durch die beſtehenden Annoncen-Bureaux an die Adminiſtration gerichtet werden. Intereſſante Mittheilungen, Notizen und Correſpon - denzen werden nach Uebereinkunft bonoriert. Manuſcripte werden nicht zurückgeſtellt. Redaction und Adminiſtration: Baden, Pfarrgaſſe Nr. 3.

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Erſcheint Mittwoch und Samstag früh.

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(Die Samstag-Nummer enthält die Gratis-Beilage Illuſtriertes Unterhaltungsblatt .)

Nr. 13. Mittwoch, den 14. Februar 1900. 20. Jahrg.

Stramme Abfertigung.

Die Unverfrorenheit, mit welcher ſich die jungczechiſchen Parteiführer herausnahmen, in der Erklärung Engel’s auf der Verſtändigungscon - ferenz auch die Verhältniſſe Schleſiens in die Conferenzberathungen einzubeziehen und auf dieſe Art, wie die czechiſche Phariſäerphraſe lautete, zur Einengung des nationalen Kampffeldes bei - zutragen, haben dem lebhafteſten Widerſpruche aus Schleſien begegnet. Bereits haben ſich die be - deutendſten Gemeinden des Landes in ebenſo gepfefferten als wohlbegründeten Kundgebungen derlei Einmiſchungen in Angelegenheiten Schleſiens von Prag aus nachdrücklichſt verbeten. Man weiß, daſs den Jungczechen ordentlich nicht wohl zu Muthe iſt, wenn ſie nicht auch in Schleſien das Waſſer trüben können. Bekanntlich hatten ſie ſchon dem Grafen Taaffe mit dieſen Zudring - lichkeiten in den Ohren gelegen; allein dieſer hatte wiederholt und entſchieden erklärt, man möge ihn mit Schleſien, wo noch halbwegs erträgliche Zuſtände herrſchen, in Ruhe laſſen. Das ſagt wohl unverblümt, daſs Taaffe ſelbſt von dem Eingreifen der Czechen in Schleſien nur unleid - liche Verhältniſſe erwartete. Unter Badeni und Thun kam es wirklich auch dahin. Die Sprachen - verordnungen aus der Ära dieſer beiden Kreuz - köpfe brachte Gerichtsvorſtände und Bezirkshaupt - leute in Schleſien in gelinde Verzweiflung. In drei Sprachen amtieren und ausfertigen, das muſste die babyloniſche Verwirrung auf die Spitze treiben. Die geradezu ſchnurrigen Vorkommniſſe, welche jene hirnloſen Sprachenerläſſe mit ſich brachten, waren ſo recht die Frucht der Nach -giebigkeit vor den czechiſchen Flauſenmachern; die Aufhebung dieſer Verordnungen wirkte daher im Lande wie eine Erlöſung. Die Bevölkerung fühlt ſich viel ſicherer und den Amtsweg weit raſcher und einfacher unter deutſcher Verwaltung. Ja, vielleicht kommt nirgends in Öſterreich der deutſchen Sprache als culturellem und ſtaatlichem Bindegliede zwiſchen drei Volksſtämmen, von denen die Czechen wie die Waſſerpolaken noch ſtark in den culturellen Kinderſchuhen ſtecken, eine ſolche Bedeutung zu, wie gerade in Schleſien. Wie kämen übrigens auch die Polen im Ländchen dazu, ſich das Prager ezechiſche Patronat gefallen zu laſſen? Man hätte ja dann auch polniſche Delegierte den Conferenzen zuziehen müſſen und das hätte die Einengung des Kampffeldes beſonders erbaulich beleuchtet.

Dieſer moraliſche Hinauswurf, den die jung - czechiſchen Freibeuter mit ihren Verſuchen erfuhren, auch Schleſien in das Kampffeld einzubeziehen, iſt ein äußerſt geſunder Dämpfer auf die mit Größenwahn überhitzten Staatsrechtsköpfe. Die Schleſier wiſſen alſo das unermeſsliche Glück nicht zu würdigen, als Anhängſel und Nebenland der Wenzelskrone von einem Generallanotage in Prag aus commandiert zu werden. Die Staatsrechts - Ochſenhaut, auf welcher die czechiſche Dido in Schleſien ſitzt, iſt eben leider ſchmal und dem möchte man in Prag durch ein wenig Import nachhelfen. Es iſt erfreulich, daſs ſich in Schleſien Fortſchrittler und Nationale ſtramm zuſammen - fanden in gemeinſamer Abwehr czechiſcher Ge - lüſte, um an die Kundgebungen des Landtages vom December 1898 und März 1899 gegen den Sprachenverordnungsſpuk zu erinnern. Nochmalswurde betont, daſs die ſeitherige Friedensſtörung im Lande lediglich die Frucht der czechiſchen Hetzereien iſt. Die Troppauer fragen ſehr treffend, ob ſich denn wohl die Polen in Galizien eine Einmengung zu Gunſten der Deutſchen und Ruthenen gefallen laſſen würden? Die Deutſchen und auch die Polen Schleſiens bedanken ſich für das czechiſche Staatsrecht, und die Czechen in Schleſien ſind die letzten, die dort etwas zu reden haben.

Es iſt überhaupt merkwürdig, mit welchen alles Recht und alle Bildung vernichtenden Maß - regeln die Nichtdeutſchen im Habsburgerreiche auf alles Deutſche losgehen, wenn ſie es irgend - wo vereinſamt glauben. Wehe jedem deutſchen Volksſplitter, der nicht in innigſter Verbindung mit dem deutſchen Hauptſtocke iſt und von der deutſchen Allgemeinheit nicht geſchützt wird. Einem verirrten Wanderer im Walde, der von Wölfen überfallen wird, kann es leicht beſſer ergehen. In Ungarn behandelt die Regierung die Deutſchen wie Heloten und ungariſche Abgeord - nete des Reichstages kehren ſich gegen die un - gariſche Regierung mit den ſchwerſten Vorwürfen, wenn die Regierung nicht ſozuſagen mit ge - ſchliffenem Polizeiſäbel in die Nationalitäten ein - haut. Ein Miniſter, welcher ſich von Billigkeit gegenüber den Sachſen leiten ließe, würde im ungariſchen Reichstage eine Anklage wegen des Verrathes wieder die Nation zu erfahren haben und überdies von den ungariſchen Studenten in Peſt wie ein Graf Lamberg behandelt werden. Ja derſelben würden die Nichtdeutſchen in den Reichen, die ſie errichten würden, den Deutſchen übel mitſpielen. In Galizien hat das Deutſch -

Feuilleton

Die Brief-Adreſſe.

(Nachdruck verboten.)

Der Winter war ungewöhnlich ſtreng. Ein ſcharfer Nordoſt wehte, die Dächer der Häuſer be - deckten dichte Schneemaſſen, die Rinnſteine dicke Eiskruſten.

An einem dieſer kalten Tage hörte der Poſt - ſecretär Robertin, als er ſich eben an ſein Pult ſetzen wollte, das in Fächer eingetheilt war, in denen in alphabethiſcher Reihenfolge die poſtlagernden Briefe aufbewahrt wurden, ein leiſes Klopfen an der Thür des dunklen Corridors, in dem das Publicum zu warten pflegte.

Mit einem ſchnellen Griff öffnete Robertin den kleinen Schalter und ſofort erſchien in der viereckigen Öffnung ein großer, länglicher Kopf, der von brand - rothem Haar umgeben war. Während der Poſtbeamte neugierig dieſes merkwürdige Geſicht anſchaute, reckte ſich der Ankömmling empor, ſo daſs man ſeine hagere Figur, die von einem altmodiſchen Rock umſchloſſen wurde, deutlich ſehen konnte. Der Fremdling trug ein kurzes Röckchen mit ſchon ſtark abgenutzten Schnüren, dazu hellgraue Beinkleider, die wie ange - klebt an ſeinen mageren Beinen ſaßen. Dieſes Bild der bitterſten Armuth vervollſtändigte ein altes Fagott, das auf dem Rock unter dem linken Arme befeſtigt war. Der arme Kerl zitterte vor Kälte, er bot ein Bild des Jammers.

Auf dem abgehärmten Geſicht des armſeligen Menſchen ſpiegelte ſich ein maßloſes Weh ab, welches davon Zeugnis ablegte, daſs er ſich ſchwer plagen muſste, um ſich über Waſſer zu halten. Die Demuth, welche aus ſeinen großen und ausdrucksvollen Augen leuchtete, rührte ſogar den hartgeſottenen Beamten Robertin, welcher in weniger barſchem Tone, wie ſonſt den Fremdling fragte:

Was wünſchen Sie?

Ich bitte ſehr um Verzeihung , antwortete der Fremde in reinem elſäßiſchen Dialect, ich heiße Zimmermann und wollte mich erkundigen ...

Sie fragen gewiſs nach einem Briefe unter dieſer Adreſſe?

So iſt es!

Und woher ſoll er ſein?

Aus Schwalbach!

Der Beamte ſteckte den Kopf in die Tiefe ſeines Schrankes und zog nach einer Weile mit geübtem Griffe einen Brief in einem ſchlichten Couvert her - vor, auf den gleich oben mit ungelenken Schriftzügen folgende Adreſſe gekritzelt war: Herrn Zimmermann, Muſikkünſtler, z. Z. in Paris. Poſtlagernd.

Dieſe ſechs Zeilen, eine immer ſchlechter wie die anderen geſchrieben, ließen in Bezug auf Kalli - graphie alles zu wünſchen übrig.

Oberhalb dieſer ſechszeiligen Adreſſe prangte, mit Blauſtift geſchrieben, eine Ziffer ſowie ein Poſt - vermerk, weil der Brief unfrankiert aufgegeben war. Deshalb ſollte der Empfänger bei der Aushändigung des Briefes 20 Centimes Strafporto zahlen.

Robertin reichte Zimmermann den Brief. Nach - dem dieſer den Brief mit geſpannteſter Aufmerkſamkeit geleſen hatte, was einige Minuten erforderte, gab Zimmermann den Brief dem Beamten wieder zurück.

Iſt der Brief nicht für Sie? fragte dieſer verwundert.

Ja nein, das heißt eigentlich .... Doch nein, er iſt nicht für mich , ſtotterte Zimmermann verlegen, während eine Blutwelle in ſein Geſicht ſchlug.

Nun, dann iſt nichts weiter für Sie hier , antwortete der Beamte ärgerlich.

Dann werde ich ſo frei ſein, ein anderesmal wiederzukommen , ſagte demüthig in bittendem Tone der Mann mit dem Fagott und entfernte ſich langſam.

Robertin hatte den wunderlichen Muſikanten ſchon vergeſſen, als er ihn nach Verlauf von etwa drei Tagen wiederum vor ſich bemerkte. Während dieſer Zeit war in der That ein Brief für Zimmer - mann eingelaufen, jedoch mit der gleichen Adreſſe wie vorher. Der Beamte ergriff unwillkürlich, da er ſich der Perſon des Empfängers wohl erinnerte, den Brief im Schranke und hielt ihn Zimmermann hin. Dieſe beſondere Vorſicht war nöthig, da auch dieſes Couvert mit verſchiedenen Schriftzügen und mit den - ſelben ungeübten Buchſtaben beſchrieben war.

Nun wiederholte ſich dieſelbe Geſchichte wie das erſtemal. Zimmermann betrachtete das Couvert von allen Seiten. Nachdem er Buchſtabe für Buchſtabe der ſo wunderlich geſchriebenen Adreſſe entziffert hatte, gab er den Brief kopfſchüttelnd dem Beamten zurück, verneigte ſich mit der ihm eigenen Demuth und entfernte ſich.

Inzwiſchen waren wohl vierzehn Tage ver - gangen, da erſchien Zimmermann zum drittenmale am Poſtſchalter. Kaum hatte ihn Robertin erblickt, als er den Entſchluſs faſste, dieſes merkwürdige Räthſel zu löſen. Der alte Beamte war im Grunde eine gutmüthige Haut, aber er konnte es nicht ver -

2Mittwoch Badener Zeitung 14. Februar 1900. Nr. 13.

thum ohnehin, wie in Ungarn, erfahren müſſen, was es heißt, vogelfrei erklärt zu werden und keinen anderen Schutz zu genießen, als etwa den einer öſterreichiſchen Regierung. Wie weit wurde dem kaum aus dem Ei geſchlüpften Slovenen - volke geſtattet, ſich auf die Drangſalierung des Deutſchthumes zu verlegen und die Zuſtände in Prag oder Pilſen laſſen die Übergriffsluſt des Czechenthumes, und was geſchehen würde, wenn die öſterreichiſche Regierung noch weiter fortführe, den Feudalen und Clericalen zuliebe noch weiter an der Verdrängung des Deutſchthumes mitzu - wirken, hinlänglich erkennen. Gott ſei Dank, das deutſche Volk, das ſich lange genug am Narren - ſeile einer falſch ausgelegten Gleichberechtigung und Gleichwertigkeit führen ließ, ſprach endlich ſein: Bis hieher und nicht weiter. Und ſo iſt denn mit einem Ruck die deutſchfeindliche Richtung zum Stehen gekommen. Eine Folge dieſer ganz entſchiedenen Ablehnung, ſich weiter Riemen aus dem Leibe ſchneiden zu laſſen ſind die heutigen Verſtändigungsconferenzen. Die Dentſchen haben es nicht abgelehnt, daran theilzunehmen. Wenn jedoch von anderer Seite dieſe Conferenzen für nichts anderes als für einen Verſuch, den Deutſchen nun mit ihrer Zuſtimmung die Cra - vatte enger zu ſchnüren, gehalten werden ſollte, dann werden die übrigen erfahren, daſs die Zeiten der Nachgiebigkeit für die Deutſchen vorüber ſind. Die Deutſchen wollen Frieden ſchließen; ſie ſind aber nicht in die Conferenzen getreten, um zu alldem, was man ihnen bisher mit Liſt und Gewalt entzogen hat, ſich auch noch etwas ab - handeln zu laſſen. Den Deutſchen handelt es ſich auch nicht darum, bei dieſen Conferenzen Er - oberungen zu machen, wie den Czechen, ſie wollen nur nicht mehr fernerhin als Angriffsobjecte für die Ausbreitungsluſt der Slaven dienen. Wer die Conferenzen anders verſteht, wird durch die Ereigniſſe eines Beſſeren belehrt werden.

Politiſche Äberſicht

Die Berathungen der Verſtändigungsconferenz haben nach dreitägiger Pauſe Montag wieder be - gonnen. Bekanntlich betreffen die vom Miniſter des Innern der Conferenz für Böhmen vorgelegten Ge - ſetzentwürfe vor allem die Schaffung einer neuen Landesordnung und einer neuen Landtagswahlordnung, worunter die Abänderung des Liſtenſcrutiniums für den Großgrundbeſitz, die Vermehrung der Mandate für die Städte, Landgemeinden und Handelskammern, die Einführung der directen Wahlen in den Land - gemeinden unter gleichzeitiger Herabſetzung des Wahl - cenſus, die Einführung einer neuen Wählerclaſſe, analog der allgemeinen Wählerclaſſe, für den Reichs -rath, endlich die Errichtung von Wahlcurien und Vetocurien verſtanden wird. Die meiſten dieſer Fragen wurde dem von der Conferenz eingeſetzten Subcomité zugewieſen und dort bildete beſonders das Wahlrecht für den Großgrundbeſitz, ſowie die Schaffung von Vetocurien den Gegenſtand lebhafteſter Erörterungen. Mit der Schaffung einer neuen Wähl - art im Großgrundbeſitze hat ſich dieſer bisher in allen ſeinen diesbezüglichen Enunciationen einver - ſtanden erklärt; nun, da es Ernſt werden ſoll, ver - halten ſich die Herren auf einmal ablehnend. Von czechiſcher Seite verlangt man die Verſchmelzung der Großgrundbeſitzercurie mit einem Theile der Wähler aus dem zweiten Wahlkörper zu einer Curie, welche zuſammen 39 Abgeordnete zu wählen hätten. Der hiedurch reducierte zweite Wahlkörper würde dann um 12 Vertreter weniger zu wählen haben, ſo daſs die Zahl der zu wählenden Abgeordneten in dieſen beiden Wahlkörpern ſich thatſächlich nicht ändert. Für die anderen Wahlcurien will man die Zahl der Mandate erhöhen, da ſich die Nothwendigkeit längſt herausgeſtellt hat, gewiſſe Landgemeinden, welche eine große Anzahl von Wählern beſitzen, in die Curie der Städte und Induſtrialorte einzureihen. Außerdem ſoll die allgemeine Wählerclaſſe mit zehn Vertretern dazukommen; die Zahl der Mandate würde ſich nach der czechiſchen Forderung um 25, das iſt von 242 auf 267, erhöhen. Dieſe Projecte erfahren von deutſcher Seite keinen Widerſpruch, jedoch will man ihnen nur dann zuſtimmen, wenn gleichzeitig auch die nationalen Curien, eine deutſche und eine czechiſche, zuſtande kommen. Man ſteht ſonach in dieſen wichtigen Fragen einem Zuſtande gegenüber, den man ſeit dem Ausbruche der Streitigkeiten mit Ungarn ein Junctim nennt, das heißt, die Wahlreformpläne der Czechen werden nur dann von den Deutſchen acceptiert werden, wenn gleichzeitig damit auch die Vetocurien geſetzlich feſtgelegt werden. Hier liegt der Angelpunkt, aber auch die Wahrſcheinlichkeit, daſs die Verhandlungen ſchon über dieſe Forderungen ins Stocken gerathen werden.

Unterdeſſen hat die Regierung den Reichsrath für den 22. d. M. zur Wiederaufnahme ſeiner Thätigkeit einberufen. Da die Seſſion nicht geſchloſſen, ſondern nur vertagt iſt, ſo entfallen alle bei der Neueröffnung einer Seſſion nothwendigen Formali - täten und es wird daher die erſte Sitzung vom 22. Februar mit der Tagesordnung der letzten Sitzung vom 20. December v. J. beginnen. Der erſte Punkt dieſer Tagesordnung iſt aber die Be - rathung über die Regierungsvorlage betreffend die Bewilligung des Recrutencontingentes für das laufende Jähr. Der wieder zuſammentretende Reichsrath wird ſich ferner baldmöglichſt mit den ungariſchen Ange - legenheiten zu befaſſen haben. Bekanntlich hat der Kaiſer die Quote nur bis Ende Juni l. J. feſtge - ſetzt und es wird daher Aufgabe des Reichsrathes ſein, eine neue Quotendeputation zu wählen. Auchdie Wahl der Delegationen iſt dadurch dringlich ge - worden, daſs die Regierung beabſichtigt, die Dele - gationen noch im Laufe des Frühjahres zuſammen - treten zu laſſen. In allen dieſen Angelegenheiten ent - wickelt Ungarn eine lebhafte Thätigkeit und der un - gariſche Miniſterpräſident hat in der letzten Zeit wiederholt, zuletzt am Sonntag, in Wien geweilt, um das Nöthige hiezu vorzukehren. Man ſieht, die beiderſeitigen Regierungen entwickeln eine emſige Thätigkeit, um ihr Haus bei Zeiten zu beſtellen und ſo allen parlamentariſchen Fährlichkeiten aus dem Wege zu gehen. Nach dem Recrutencontingente, der Quote und den Delegationswahlen kommt für die öſterreichiſche Regierung eine verhältnismäßig ruhige Zeit; ſie kann dann leichter warten.

In Frankreich iſt man in neuerer Zeit ſcharf hinter den Clericalen her, denen man beſonders in dem Proceſſe gegen die ſogenannten Aſſumptioniſten, einem Orden, der in Frankreich erwieſenermaßen ſtaatsfeindliche Zwecke verfolgt, auf recht ſchöne Dinge gekommen iſt. Der Miniſterrath hat deshalb beſchloſſen, der Deputiertenkammer ein Amendement zum Straf - geſetze vorzulegen, wonach jeder Prieſter, welcher gegen den Staat und ſeine Organe in irgend einer Form agitiert, der Verbannung anheimfällt. Es ſind beſonders franzöſiſche Biſchöfe, welche dieſe Maßregel, ſollte ſie Geſetz werden, treffen würde. Nachdem Frankreich bis heute noch unter dem Banne des Concordates ſteht, ſo kann man ſich von der Größe der Gefahr, die der Republik von Seite ſeines revolutionären Clerus droht, eine ungefähre Vor - ſtellung machen.

Auf dem ſüdafrikaniſchen Kriegsſchauplatze ſcheint ſich eine überraſchende Wendung zu vollziehen. Der dritte Entſatzverſuch, den General Buller angeſtellt hat, iſt abermals total miſsglückt und hat den Eng - ländern wieder ganz bedeutende Verluſte zugezogen. Die Boers wollen aber jetzt den Spieß umkehren und gegen die Engländer die Offenſive ergreifen. Bereits ſollen ſechstauſend Boers den Tugelafluſs überſetzt haben und wollen verſuchen, der engliſchen Armee in den Rücken zu fallen. In London ſelbſt ſcheint man übrigens den Glauben an eine Rettung Ladyſmiths aufgegeben zu haben; dagegen macht dort eine weitere Alarmnachricht die Herzen höher ſchlagen. Marſchall Roberts ſoll ſich entſchloſſen haben, mit ſeiner ganzen verfügbaren Macht dem belagerten Kimberley, das ſich bereits in der höchſten Noth befindet, und deſſen Bewohner, wie jetzt bekannt wird, ſchon ſeit anfangs Jänner nur mehr von Pferdeflleiſch leben, zu Hilfe zu eilen. Die allgemeine Aufmerkſamkeit wird ſich demnach von nun an von Ladyſmith abkehren und den Operationen der Boers gegen Buller, ſowie dem Marſchall Roberts zuwenden müſſen. Über beide Ereigniſſe dürften aber ſchon die nächſten Tage Nachrichten bringen. Das Losgehen der Boers wird vielfach als gefährlich bezeichnet; ſie haben ſich bisher in der Defenſive als unüberwindlich

tragen, daſs man Scherz mit ihm trieb, und er arg - wöhnte, daſs dieſer merkwürdige Kunde ihn nasführen wollte. Er bildete ſich ein, daſs er die Zielſcheibe des Spottes ſei. Deshalb fertigte er den Mann mit dem Fagott barſch ab und der ſchlich davon wie ein geprügelter Hund.

Am nächſten Sonntag, kaum war das Amt ge - öffnet worden, hatte Zimmermann im dunklen Vor - raume Poſto gefaſst. Behutſam klopfte er an die Thür, die zur Abtheilung Robertin’s führte. Dieſer war ſchon auf dem Poſten, er hörte auch ſchon an dem Klopfen, wer ſich eingeſtellt hatte.

Wer iſt da? fragte er mit ſcharfer und feſter Stimme.

Der Mann mit dem Fagott, der ſeinen Kopf ſchüchtern durch den Schalter ſteckte, lächelte ſanft und erwiderte beſcheiden: Entſchuldigen Sie gütigſt, Herr Vorſteher, ich bin es. Ich bin eben ge - kommen ...

Für Sie iſt nichts da! rief Herr Robertin.

Nichts? wehklagte der Muſikant. Wirklich nichts? Dann bitte ich ſehr um Verzeihung. Aber vielleicht haben der gnädige Herr meinen Namen ver - geſſen. Ich heiße Zimmermann ...

Das weiß ich , knurrte der Beamte.

Es iſt nichts da? fragte der andere noch - mals. Nein? Das iſt ja gar nicht möglich!

Hier iſt zwar ein Brief aus Schwalbach , er - klärte Herr Robertin mit eiſiger Ruhe, aber weil Sie ſchon wiederholt die Annahme von Briefen unter der Adreſſe Zimmermann verweigert haben, liegt für mich keine Veranlaſſung vor, Ihnen dieſen neueſten Brief zu zeigen.

Der Muſikant ſah den Beamten ſprachlos an, Leichenbläſſe bedeckte ſein abgehärmtes Geſicht. Einſchmerzlicher Krampf verzog ſeine Lippen, in ſeinen tiefliegenden Augen ſchimmerte eine Thräne.

Robertin muſste all ſeine Willenskraft zuſammen - nehmen, um keine Spur von Mitleid mit dieſem Menſchen zu zeigen, der ihm Verdacht einflößte.

Sie wollen mir alſo dieſen Brief nicht zeigen? ſtammelte Zimmermann mit flehentlicher Stimme.

Was hätten Sie denn davon, wenn ich’s thäte? forſchte der Beamte.

Ach, ich will mir ja nur die Adreſſe anſehen, nur anſehen, liebſter, gnädigſter Herr , bettelte Zimmermann.

Sie ſind wohl des T ..... s! ſchrie der Beamte. Ich bin doch nicht dazu da, um Ihre tollen Einfälle zu befriedigen. Da müſſen Sie ſich ſchon einen Dümmern ausſuchen! Damit warf er krachend das Schalterfenſter herunter.

... Plötzlich blieb er beſtürzt ſtehen. Aus dem Dunkel des Vorzimmers drang ein herzzereißendes Schluchzen an ſein Ohr. Der arme Muſikant, der ſeinen Kopf in beide Hände vergraben hatte, hatte ſich in eine Ecke gedrückt und weinte bittere Thränen.

Was iſt denn mit Ihnen los? Was iſt Ihnen denn geſchehen? rief Robertin ganz entſetzt, indem er ſich dem Schluchzenden näherte.

Der Weinende trocknete ſeine Thränen und erhob langſam ſein Haupt. Er verſuchte, ein Lächeln auf ſein Geſicht zu zaubern, aber dieſer Verſuch miſslang gänzlich.

Verzeihen Sie mir , ſtammelte er, aber das geht über meine Kräfte. Ich konnte es nicht länger aushalten, und es iſt deshalb am beſten, wenn ich Ihnen die volle Wahrheit ſage. Ich bin ein Schwal - bacher Kind. Aber ich muſste mein Heimatdorf ver - laſſen, weil ich dort nicht ſo viel zu verdienen ver -mochte, um meine Familie ernähren zu können. Da bin ich denn nach der Hauptſtadt gewandert. Hier blaſe ich das Fagott ... wiſſen Sie, ... ſo auf den Höfen. Da werden mir immer einige Sous zu - geworfen und die ſchicke ich alle nach Hauſe. Zu eſſen geben mir die Dienſtmädchen auch die Nacht verbringe ich in einem Pferdeſtalle ſehen Sie, ich lebe! Aber zu Hauſe du lieber Himmel, meine Frau hat kein Geld, um das Porto bezahlen zu können. Da haben wir eine Verabredung getroffen. Sie werden gewiſs ſchon bemerkt haben, daſs die Adreſſe der an mich einlaufenden Briefe ſtets aus ſechs Zeilen zuſammengeſetzt iſt, deren jede von einer anderen Hand geſchrieben iſt. Die Adreſſe ſchreibt meine ganze Familie: meine Frau beginnt und das jüngſte Kind, dem noch die Hand geführt werden muſs, kritzelt das letzte Wort. Ich brauche alſo nur die Adreſſe zu leſen, da weiß ich, ob zu Hauſe Ge - ſundheit oder ob Krankheit und Kummer herrſchen. Das Couvert erzählt mir alles. Und nun, da Sie alles erfahren haben, vernichten Sie nicht die Zukunft eines armen Vaters, deſſen Leben, deſſen ganze Welt Frau und Kinder bedeuten. Gnädigſter, beſter, lieber Herr, verzeihen Sie mir!

Herr Robertin fuhr ſich mit ſeinem Taſchentuche einigemale über das Geſicht, ... es war ihm wahr - ſcheinlich trotz der Kälte warm geworden. Dann gab er dem Fagottmuſikanten den Brief, entnahm ſeiner Börſe drei Francs, warf ſie in ſeine Amtscaſſe und legte dafür Freimarken auf das Schalterbrett.

Zum Frankieren , ſchrie er den draußen Stehenden an. Sie dürfen den Staat nicht be - trügen ... Damit zog er den Vorhang, nahm eine Priſe und addierte weiter.

3Nr. 13. Mittwoch Badener Zeitung 14. Februar 1900.

gezeigt, ob dies auch in der Offenſive der Fall ſein wird, iſt bei der immerhin für dieſe Kampfesweiſe ungenügenden Zahl der Boers zu bezweifeln. Was andererſeits den Entſatz von Kimberley anbelangt, ſo dürfte es damit, trotz der großen Entfaltung der engliſchen Streitkräfte, noch ſeine guten Wege haben.

Gemeindeausſchuſsſitzung in Weikersdorfam 9. Februar 1900.

Vorſitz Herr Bürgermeiſter Pötſchner. Anweſend die Herren GR. Trenner, Gall, Kaſtl, Tölk, Halbwachs, Rotter; GA. Deiſenhofer, Faſching, Felbermayer, Friedrich, Fürſt, Hofſchuſter, Ortmaier, Peter, Pfleger, Schinzl, Schmidt, Schwegler und Zaitz. Abweſend entſchuldigt die Herren Baron Doblhoff, Gebhart, Schandl und Zimmermann. Das letzte Sitzungspro - tokoll wird verleſen und richtig befunden. Mitthei - lung des Bürgermeiſters: Bezüglich der Warnung des ſogenannten ſpaniſchen Schatzgrabungsſchwindels wird der k. k. bezirkshauptmannſchaftliche Erlaſs zur Kenntnis gebracht. Die Neuwahlen der Fenerwehr - leitung werden genehmigt. Der Erlaſs des n. . Landesausſchuſſes bezüglich der Caſſaſcontrierung wird vollinhaltlich verleſen, ebenſo jener bezüglich der Warnung vor dem Ankaufe von ungariſchen Schweinen. Die Mittheilung bezüglich Einhebung von 5% Armenumlage pro 1900 wird zur Kenntnis genommen und hierauf beſchloſſen, das Offert wegen pachtweiſer Über - nahme des Engelsbades nicht zu acceptieren. Die weiteren Mittheilungen beziehen ſich auf die Be - kanntgabe der Südbahn wegen Nichtzugeſtehung von neuen Aufenthalten der Schnellzüge, dann der k. k. Poſt - und Telegrafen-Direction in Wien auf die Nichteröffnung eines durch das ganze Jahr functio - nierenden Poſt - und Telegrafenamtes in Weikersdorf. Die Zahlung der Schub - und Naturalverpflegs - ſtationskoſten pro 1900 im Betrage von 129 K. 97 H. und 1516 K. 34 H. wird bewilligt. Laut Er - laſs der k. k. Bezirkshauptmannſchaft Baden hat das k. k. Eiſenbahnminiſterium den angeſtrebten ganz - jährigen Betrieb der elektriſchen Bahnen nach Rau - henſtein und Vöslau mit Rückſicht auf die Conceſ - ſionsurkunde nicht veranlaſſen können. Bezüglich der Ableitung der Grundwäſſer in der Friedrichſtraße wird die Straßenſection an Ort und Stelle Erhe - bungen pflegen. Im Turnus der normalen Profeſſio - niſtenarbeiten pro 1900 wurden beſtimmt: Bau - meiſter Zimmermann, Zimmermeiſter Fiſcher, Tiſchler - meiſter Bielek, Dachdecker Linhart, Spengler Behringer, Schloſſer Stricker, Anſtreicher Morawetz, Schmiede - meiſter Kutſchera. An der lebhaften Debatte bethei - ligten ſich die Herren GR. Kaſtl, GA. Felbermayer, Schinzl, Zaitz, Schmidt und Bürgermeiſter Pötſchner. Wegen Wiederherſtellung der Stichbetten wird das Einvernehmen mit dem Stadtvorſtande und dem ge - meinſamen Brückenbaucomité gepflogen. Hierzu ſprach GA. Schmidt. Die Bau - und Straßenſection wird bezüglich des Offertes des Herrn Baron Doblhoff die Anſchüttung der Straßenzüge auf einem zu par - celierenden Complexe in den langen Feldern durch die Gemeinde gegen dem zu übernehmen, daſs der Orts - platz unentgeltlich abgetreten wird , Erhebungen pflegen und Anträge ſtellen. Schließlich wurden Beſchlüſſe betreffend die Vervollſtändigung der Weil - burgpromenade durch Bepflanzung, ſowie Beſandung der Trottoire und Ausſchneiden der Alleebäume ge - faſst. In vertraulicher Sitzung wurde dem Herrn Johann Paſſetti die Aufnahmszuſicherung gegen Er - werbung der öſterreichiſchen Staatsbürgerſchaft und Erlag der geſetzlichen Aufnahmszuſicherungstaxe be - willigt.

Local-Nachrichten.

Dechant Johann Iby erkrankt.

Die Gerüchte, die ſich geſtern über die plötzliche ſchwere Erkrankung unſeres beliebten Stadtpfarrers, des fürſterzbiſchflichen geiſtlichen Rathes und Ehren - domherrn Johann Iby hier verbreiteten, bewahr - heiteten ſich glücklicherweiſe nicht, indem der greiſe Prieſter nur von einem leichten, vorübergehenden Unwohlſein befallen wurde, das zu weiteren Beſorgniſſen keinerlei Anlaſs bietet.

Gemeinde-Ausſchuſsſitzung.

Donnerstag, den 15. d. M., nachmittags 4 Uhr, findet im ſtädtiſchen Rathsſaale in Baden (Eingang Rathhausgaſſe 4) eine Gemeinde-Ausſchuſsſitzung mit folgender Tagesordnung ſtatt: 1. Mittheilungen. 2. Antrag wegen Aufnahme eines Darlehens im Be - trage von 50.000 Kronen zur Deckung des Mehr - aufwandes für das neuerbaute Jubiläumsgymnaſium von der Sparcaſſe in Baden und Vorlage des be - züglichen Schuldſcheinentwurfes zur Genehmigung. (Referent Herr GR. Fitzga.) 3. Einſetzung eines Comités zur Vornahme einer Prüfung der derzeit beſtehenden Pacht - und Mietverträge der Stadt - gemeinde Baden. (Referent Herr GR. Fitzga.) 4. Wahl eines Mitgliedes in den gemeinſamen Brücken - ausſchuſs und in die Gewerbeſchul-Commiſſion. (Re - ferent Herr GR. Gregora.) 5. Beſtätigung der ge - wählten Functionäre der I. und II. freiw. Feuerwehr in Baden. (Referent Herr GR. Fitzga.) 6. Antrag wegen Bewilligung einer Pauſchalremuneration für veterinärpolizeiliche Amtshandlungen des Thierarztes Franz Nißl. (Referent Herr GR. Reich.) 7. Anſuchen des Michael Prechtl um einen Theuerungsbeitrag. (Referent Herr GR. Fitzga.) 8. Anſuchen des Franz Rautner um Gewährung eines Quartiergeldes. (Re - ferent Herr GR. Fitzga.) 9. Anſuchen des Herrn Franz Schmidt um Baulinienbeſtimmung für Bau - objecte an der neuen, in die Welzergaſſe einmün - denden Straße. (Referent Herr GR. Gregora.) 10. Anſuchen um Heimats - und Bürgerrechtsverleihungen. (Referent Herr GR. Reich.) Vertrauliche Sitzung.

Adreſsbuch für den Currayon Baden-Weikersdorf.

Bereits im März d. J. erſcheint der vielfach verbeſſerte II. Jahrgang des vom Schriftſteller Guſtav Waldheim herausgegebenen Wohnungs-Adreſsbuches unſeres Curortes. Dasſelbe hat ſich weſentlich nützlich erwieſen und verdient be - ſonders von Seite der Hausbeſitzer und Geſchäfts - firmen weitgehendſte Förderung. Alle jene Perſön - lichkeiten, welche Orden oder ſonſtige Titeln führen, wollen dies an die Adminiſtration in Baden, Neu - gaſſe 38, mittheilen, da nur auf dieſem Wege die Redaction davon Kenntnis erlangen kann. Die Adreſſe einer jeden Jahrespartei wird koſtenlos aufgenommen und genügt die Bekanntgabe mittelſt Correſpondenz - karte. Bücherbeſtellungen, ſowie Inſerate, werden in der Adminiſtration in Baden entgegengenommen.

Vom Theater.

Heute Mittwoch, den 14. d. M., geht zum Benefice des beliebten, viel - beſchäftigten und fleißigen Schauſpielers Herrn Philipp Ciſowsky die ſtets willkommene urwüchſige Poſſe Lumpazi-Vagabundus oder Das liederliche Kleeblatt von J. Neſtroy in Scene. Wir halten die Wahl dieſes Stückes für ſehr gut, umſomehr als im zweiten Act eine Concerteinlage geboten wird, zu welcher Herr Carl Reich jun. dem Beneficianten in liebenswürdiger Weiſe ſeine Mitwirkung zugeſagt hat. Herrn Carl Reich’s Programm umfaſst zwei Nummern, und zwar die Arie des Leporello aus Don Juan von W. A. Mozart, Schöne Donna! Dieſes kleine Regiſter ... und die Arie des Fürſten Gremin aus Eugen Onegin von P. Tſchaikowsky Ein jeder kennt die Lieb auf Erden . In dem Concerte wirken noch Frl. Narenta und Herr Schöpfer mit. Wir hoffen und wünſchen aufrichtig, daſs Herr Ciſowsky ein recht volles Haus erzielen möge.

Nach Bosnien, Dalmatien und Montenegro.

Die bosniſch-herzegowiniſchen Länder mit ihren orientaliſchen Städten und ihren groß - artigen Naturſchönheiten, die im Frühlingsſchmucke prangende dalmatiniſche Küſte mit ihren vom Meer und Gebirgen umgebenen maleriſchen Städten und das felsumſtarrte Montenegro ſind die Hauptziele der diesjährigen größeren Oſterreiſe des Öſterr. Touriſtenclub, welche in der Zeit vom 11. bis 24. April d. J. zu außerordentlich billigen Preiſen mit Separatzügen und einem der eleganteſten Salon - dampfer des Lloyd ſtattfindet. Die Reiſe durch Bosnien und die Herzegowina wird unter beſonderer Förderung der Landesregierung in größter Bequem - lichkeit durchgeführt und die hervorragendſten Sehens - würdigkeiten dieſer fremdartig reizvollen Länder um - faſſen. Programme in der Clubkanzlei: Wien, I., Bäckerſtraße 3. Anmeldungen bis 5. März.

Fahrkartenunfug.

Ein ganz eigenartiger Fahrkartenunfug brachte die Weichenwächters-Witwe Thereſia L. in Innsbruck vor das Strafgericht. Die Ge - nannte löste auf Grund ihrer Legitimationskarte am Bahnhofſchalter zunächſt eine Perſonalkarte und nach einiger Zeit eine zweite derartige Ermäßigungs-Karte, welche ſie einem in ihrer Begleitung befindlichen Arbeiter zur Benützung übergab. Der Unfug wurde natürlich ſofort durch die Zug-Reviſions-Organe entdeckt. Die Witwe L. hatte ſich dieſer Tage vor dem Bezirks - gerichte wegen des von ihr verübten Schwindels zu verantworten und wurde im Sinne der öffentlichen Anklage unter Anwendung von verſchiedenen Milderungs - umſtänden zu 24ſtündigem Arreſte verurtheilt.

Poſtmeiſtertag.

Im allſeitigen Ein - vernehmen der beſtehenden Poſtmeiſtervereine und Poſtexpeditorenvereine Öſterreichs zum Zwecke der Beſprechung und Förderung der Standesintereſſen aller Landpoſtbedienſteten ohne Unterſchied wird ein all - gemeiner Poſtmeiſter - und Poſtexpeditorentag am 6. März 1900, um 10 Uhr vormittags, in der Volks - halle des neuen Rathhauſes in Wien abgehalten werden. Alle Standesgenoſſen werden hiemit zu einer recht zahlreichen Betheiligung zum Zwecke einer impo - ſanten Manifeſtation der Unhaltbarkeit der herrſchenden Standesverhältniſſe eingeladen.

Ball der freiw. Feuerwehr Baden - Leesdorf.

Sonntag, den 4. d. M., fand in dem mit Feuerwehr-Enblemen und Reiſig geſchmackvoll decorierten Sallocalitäten der Frau Rubel der Ball dieſes Feuerwehrcorps ſtatt, der ſich eines ungemein zahlreichen Beſuches zu erfreuen hatte. Unter den An - weſenden bemerkte man die Herren Gemeinderäthe Rampl, Hönig, Gehrer, Gemeindeausſchuſs Mahorſchitz, ferner als Vertreter der I. freiw. Feuerwehr Baden deren Hauptmann, Herrn Brzezowsky, von Weikersdorf erſchien der Hauptmann-Stellvertreter Herr Punik, von Tribuswinkel Herr Hauptmann Bartmann u. ſ. w. Punkt acht Uhr eröffneten die Hauptleute Poſch und Raſſer mit den Damen Betty Gehrer und Frau Anna Poſch den Tanz, dem bei den fröhlichen Weiſen der Badener Schützencapelle mit einer ſeltenen Ausdauer bis in den frühen Morgenſtunden vollauf gehuldigt wurde. Lobend muſs auch des Comités gedacht werden, das vollauf zu thun hatte, in den über - füllten Localitäten die Ordnung aufrecht zu erhalten.

Veteranenball.

Der Militär-Veteranen - verein FM. Erzherzog Albrecht veranſtaltete am 3. d. M. in den Saallocalitäten des Hotels Stadt Wien ſeinen diesjährigen Ball, welcher außer - ordentlich gut beſucht war. Schon vor Beginn des Balles waren die Räume überfüllt. Es wurde unter der Leitung des Tanzarrangeurs Herrn Joſef Beimel mit Hingebung bis in den frühen Morgenſtunden dem Tanze gehuldigt, zu dem die Veteranen-Capelle, unter Leitung des Herrn Joſef Olbricht, die flotteſten Weiſen ſpielte. Unter den anweſenden Gäſten bemerkte man LGR. Baron Handel, Gerichts-Adjunct Dr. Hink, Pfarrer Helfer u. a. Das Comité, an der Spitze der I. Vorſtand Herr Ebruſter, ferner die Herren Haudek, Auer, Tryletti, Eitler, Gartner, Hatz u. a., haben ſich um das Gelingen des Balles beſondere Verdienſte erworben. Auch die Küche und Keller des neuen Wirtes Herrn Rain muſs ſehr lobend an - erkannt werden.

Concert der Clavierſchule Grimm.

Die Privat-Clavier - und Geſangſchule Grimm (Baden, Bergſtraße 13), veranſtaltet Sonntag, den 4. März, im großen Saale des Hotels Stadt Wien ein Concert zu Gunſten des Studenten-Unterſtützungs - vereines in Baden, unter Mitwirkung von Schülern der Ausbildungs-Claſſen und unter freundlicher Mitwirkung der Herren Carl Reich jun. (Geſang), Franz Kohlert (Violine), Albin Lentſche (Violine), Alfred v. Ehrmann (Viola), Joſef Sückfüll (Cello). Das Programm des Abends unmfaſst Com - poſitionen von Schubert (Symphonie in C-moll), J. N. Hummel (Clavier-Trio), Wilhelm Kienzl (Tanz - weiſen für Clavier), Franz Liszt (Concert-Etude), L. van Beethoven (Clavier-Quartett), ferner Lieder von Brahms und C. M. Wallner, geſungen von Herrn Carl Reich jun., C. M. v. Weber (Sonate in D-moll), N. v. Wilm (Concertwalzer für zwei Claviere), Robert Schumann (Clavier-Quintett). Der Anfang des Concertes iſt auf 4 Uhr nachmittags feſtgeſetzt.

Zur Kohlenfrage.

Das Eiſenbahn - miniſterium hat unter Bezugnahme auf eine Eingabe des Bundes öſterreichiſcher Induſtrieller vom 25. Jänner d. J. unter dem 7. d. M. an dieſe Körperſchaft einen Erlaſs gerichtet, in welchem unter anderem die Bereitwilligkeit des Miniſteriums aus - geſprochen wird, Frachtzugeſtändniſſe für ausländiſche Kohle bei den k. k. Staatsbahnen zu gewähren und auch bei den betheiligten öſterreichiſchen Privat - Eiſenbahnverwaltungen in Anregung zu bringen. Dem Bunde wird es in dem Erlaſſe anheimgeſtellt, Anſuchen von Induſtriellen aus ſeinem Mitglieder - kreiſe, die ſich auf derartige Abſchlüſſe beziehen und in welchen die Provenienz und das Quantum der Kohlenbezüge und, inſoferne es ſich um combinierte Bahn - und Schiffsrouten handelt, auch der einzu - ſchlagende Transportweg genau anzugeben wären, dem Eiſenbahnminiſterium zur weiteren weiteren Be - handlung in Vorlage zu bringen.

Realitäten-Verkehr.

Herr Johann Hofer, Zahlkellner der Eiſenbahn-Reſtauration in Tarvis, hat von den Ehegatten Anton und Franziska4Mittwoch Badener Zeitung 14. Februar 1900. Nr. 13. Dangl das Haus Nr. 217 in Baden (Café und Reſtaurant Franzensſtraße Nr. 23) um den Betrag von 42.000 Kronen käuflich erworben.

Spenden für den Beethoven - Denkmalfond.

Frau Prof. Dr. Albertine Werther ſpendete ein Zwanzig-Francsſtück. Das Comité ſpricht der geehrten Spenderin hiefür den beſten Dank aus. Spenden, die öffentlich ausgewieſen werden, werden entgegengenommen in der Apotheke des Herrn Adolf Ritter v. Grimburg, Hauptplatz, in der Apotheke des Herrn C. G. Schwarz, Hauptplatz, vom Bürger - meiſter Herrn Rudolf Zöllner und ſchließlich vom Caſſier des Comités, Herrn Ernſt Holzer, Lehrer, Baden, Palffygaſſe 30.

Vom Kriegsfchauplatze in Süd - afrika

wird bereits manch ergötzliches Geſchichtchen erzählt erzählt. In Salisbury (Rhodeſia) ließ ſich in einem Barbierladen ein Engländer raſieren, während ein alter Bure an der Seite ſaß und wartete, bis die Reihe an ihn kam. Natürlich drehte ſich das Ge - ſpräch um den Krieg und im Laufe desſelben ſagte der Engländer zum Barbier: There came out from home last week 25 thousand more trops. (Die letzte Woche ſind 25.000 Mann friſche Truppen an - gekommen.) Schnell gefaſst antwortete darauf der alte Bure: Ollemachda, there is’nt enough place in the Transvaal to bury them all. (Allmächtiger, dann wird es in Transvaal an Platz fehlen, um ſie alle zu begraben. ) Auch die engliſchen vornehmen Pflegerinnen, freiwillige Samaritanerinnen, kommen dabei ſchlecht weg und man witzelt allerlei über ſie: Nun ſagen Sie mir einmal, was ich thun kann? ſagte eine dieſer Pflegerinnen zu einem Chefarzte eines Lazarethes in der Capſtadt. Das hätten Sie ſich überlegen ſollen, ehe Sie hieher kamen , ant - wortete ihr der Doctor, machen Sie ſich in irgend einer Weiſe nützlich. Die Dame ließ ſich das nicht zweimal ſagen, und entſchloſſenen Schrittes und mit jenem Samariterblick, den man nur bei Frauen findet, gieng ſie auf ein Bett zu, in dem ein ver - wundeter Soldat lag. Darf ich Ihr Geſicht waſchen? fragte ſie dieſen leiſe. Der Held im Bette wandte ihr ſein Geſicht zu: Ich habe nichts dagegen , ſagte er, aber nur, wenn Sie ſich beeilen. Ich habe mein Geſicht ſeit dem Frühſtück ſchon ſechzehnmal waſchen laſſen, und da ſind noch zwei Damen, denen ich es ſchon früher verſprochen habe. Wenn Sie es nicht raſch machen, dann könnte ich am Ende einſchlafen, bevor die anderen an die Reihe kommen. Und ich habe es Ihnen doch verſprochen.

Rath’ſches allgemeines öffent - liches Krankenhaus in Baden.

Kranken - Rapport für den Monat Jänner 1900. Vom Vor - monate verblieben 122, ſeither zugewachſen 116, zu - ſammen 238 Patienten. Seither abgegangen 113, verbleiben am Ende dieſes Monates 125 Patienten. Die in Abgang gebrachten 113 Kranken entfallen in folgende Gruppen: geheilt 65, gebeſſert 32, ungeheilt 3, geſtorben 13. In unentgeltliche ambulatoriſche Be - handlung kamen 235 Kranke. Die Zahl der Ver - pflegstage betrug 4025, im Vormonate 3842, mithin 183 mehr. Durchſchnittlicher Krankenſtand per Tag 129·8, durchſchnittliche Verpflegsdauer für einen Kranken 16·91 Tage. Der vorherrſchende Krankheits - Charakter beſtand in Erkrankungen der Athmungs - organe, der Haut und der Gelenke. Wegen Raum - mangel wurden 14 Perſonen abgewieſen. Folgende Verletzungen gelangten zur Aufnahme: Contuſionen: 3 leichte; Hiebwunden: 1 leichte; Riſsquetſchwunden: 2 ſchwere, 1 leichte; Verbrennungen: 2 ſchwere; Er - frierungen: 1 ſchwere, mithin 5 ſchwere und 4 leichte, zuſammen 10. Operationen wurden 59 vorgenommen, 15 größere und 44 kleinere; hievon in der Chloro - form-Narkoſe 16, in der Äther-Narkoſe 7, in der Bromäthyl-Narkoſe 0, in der Cocain-Anäſtheſie 9, in der Chlor-Anäſtheſie 13, in der Schleich’ſchen Anäſtheſie 6, ohne Narkoſe 8. In dieſem Kranken - hauſe findet täglich von 10 11 Uhr vormittags für Mittelloſe, welche nicht Mitglieder von Kranken - caſſen ſind, unentgeltliche ambulatoriſche Ordi - nation ſtatt.

Correſpondenzen.

Mödling. [Eigenbericht der Badener Zeitung. ]

(Ein ſeltenes Jubiläum),

nämlich das des 90. Geburtstages, begieng vor etlichen Tagen Herr David Schwarzrock, der Senior der Gärtner - Genoſſenſchaft, welcher noch heute erſtaunlich thätig iſt, ſich der vollen Geiſtesfriſche erfreut, im Café Weißkirchner ſeinen Schwarzen trinkt, dazu ohne Zuhilfenahme von Brillen die Zeitungen liest und ſoeilfertig dahinſchreitet, als ob er noch um 30 Jahre jünger wäre. Das ſchon vor 15 Jahren bei der Tiſchgeſellſchaft Brüllaria geſungene Lied Es lebt der alte Schwarzrock noch ꝛc. , in welches der ſeither verblichene Sohn des alten Herrn fröhlich ein - ſtimmte, kann heute wiederholt werden und kann den Neunzigjährigen von Neuem erheitern. Herr Schwarz - rock wurde im Jahre 1810 in Katzelsdorf bei Wiener - Neuſtadt als Sohn eines Herrſchaftsgärtners geboren, trat mit 16 Jahren in die Dienſte eines Gärtners in Horn und war durch volle 74 Jahre denn er geht auch heute noch nicht müßig in der Gärt - nerei thätig. Die von ihm im Jahre 1848 in Mödling begründete Firma, welche vermuthlich der einzige Enkel des Neunzigjährigen übernehmen wird, iſt auch außerhalb unſerer Stadt beſtens bekannt.

(Bei dem Maskenballe)

des Männer - Geſang-Vereines am 24. d. M. wird unter anderem der Krokodil-Club in ſtattlicher Anzahl und originell coſtümiert vertreten ſein. Behufs Herſtellung der im Seceſſionsſtil gehaltenen Decorierung des großen Saales ſammt den Nebenräumen iſt die ganze Woche vom 18. bis 24. Februar erforderlich.

(Der beliebte Hausball)

bei den Zwei Raben findet morgen ſtatt.

(Wegen Renitenz)

gegen die Wache wurde M. Bily, der während ſeines Transportes nach dem Bahnhofe excedierte, in den hieſigen Gemeindearreſt gebracht. Er wird in ſeine Heimat abgeſchoben werden. Ein zweiter Excedent, der wegen Zechprellerei verhaftet werden ſollte, konnte erſt nach erfolgter Hilfeleiſtung von zwei Wachleuten auf das Commiſ - ſariat gebracht werden. Er heißt Anton Schreiner.

(Entdeckter Diebſtahl.)

Im November ver -[g]angenen Jahres wurde berichtet, daſs der in der Fürſtenſtraße wohnhaften Frau Meinl eine wertvolle Broche abhanden gekommen ſei. Erſt in den letzten Tagen wurde die damals bei der Genannten im Dienſte geſtandene Magd Hermine Janouſek unter Verdachtsgründen verhaftet. Sie hatte nämlich, wie infolge eines Briefes ihres Bruders conſtatiert wurde, die fragliche Broche in einer Wiener Pfandleih - Anſtalt verſetzt und darauf ein Darleihen von 20 fl. erhalten. Allerdings gab der Bruder der Verhafteten an, daſs er ſelbſt die Broche in der Fürſtenſtraße gefunden und dann ſeiner Schweſter geſchenkt habe. Die Janouſek hatte jedoch ihrer Quartiergeberin mit - getheilt, daſs ſie dieſe 20 fl. von einer Tante er - halten habe. Die Unterſuchung wird den Fall bald vollſtändig aufklären.

(Verhaftung).

Die bei der Gaſtwirtin Frau Bednar bedienſtet geweſene Magd Aurelia Arenberger wurde kürzlich dabei ertappt, als ſie aus einer ver - ſperrten Tiſchlade 2 Gulden entwendete. Später fand man noch Cigarren, Wein ꝛc., welche die Magd ge - ſtohlen hatte, vor. Sie bat inſtändig, keine Anzeige zu erſtatten und verſprach, alles zu erſetzen, verſchwand jedoch bald darauf unter Zurücklaſſung ihres Dienſt - buches. Nun wurde ſie in Mödling ſelbſt ausgeforſcht, verhaftet und dem Bezirksgerichte eingeliefert.

(Theater).

Donnerstag, den 8. d. M., fand das Benefice des erſten jugendlichen Liebhabers, Max Nekut als Horſt von Neuhoff in dem Luſtſpiele Comteſſe Guckerl ſtatt. Der Beneſiciant, welcher im letzten Augenblick die Herrn Brand zugedachte Rolle wegen Erkrankung desſelben übernehmen muſete, zog ſich überraſchend gut aus dieſer Affaire; er führte dieſe Bombenrolle bis zum Schluſſe reſolut und recht befriedigend durch, unterſtützt durch ſeine in der kleidſamen Uniform ſympathiſche Figur und Haltung. Als Gaſt hatte Frl. Lori Weiſer, die von ihrem ſ. z. Sommerengagement hier noch in beſter Erinnerung ſteht, in uneigennütziger Weiſe die Titelrolle (Comteſſe Hermance) übernommen und durch ihre hübſche, ſym - pathiſche Erſcheinung, discretes Spiel und anmuthige Wiedergabe des Wiener Dialects ſchon nach den erſten Scenen das Publicum gewonnen und ſo ihre Beliebtheit neuerdings gefeſtigt. Das duftige Coſtüm ſtand der zarten Erſcheinung mit den graziöſen Be - wegungen reizend. Neben dem Gaſte behauptete ſich in jeder Hinſicht Frl. Lippert (Cilli), welche, da ihr die Wärme des Ausdruckes ſtets zu Gebote ſteht, auch in jenen Scenen, die Naivetät und Innigkeit erfordern, am Platze war. Herr Kaufmann (Hofrath Mitterſteig), ein self-made-man auf der Bühne, wenn es ſein muſs, half ſich wacker zu dieſem gewünſchten Erfolge; ſein Drehen und Wenden erregte jesdesmal Heiterkeit und ſeine Routine zog ihn aus mancher Klemme. Wacker hielt ſich Dir. Berthal als General Suwatſchoff , für den er auch die erforderliche Repräſentation und alte Herren-Galanterie mitbrachte; Fr. Müller war durch ihr Prager-Deutſch als Hofräthin ſehr wirkſam und Herr Stiaßny zeigte auch im raſchen Dialog mit Cilli und Hermance eine verſtändnisvolle Auf - faſſung. Frl. Kranwitter (Roſa) und Herr Müller (Wenzel) waren gute Epiſodiſten. Der Saal wies erfreulicherweiſe nur wenige Lücken auf. Sonntag, den 11. d. M., fand nachmittags eine Kindervor - ſtellung, Hänſel und Grethel , bei gutem Beſuche und abends die Aufführung Junge Männer und alte Weiber von Th. Appel ſtatt. Darüber nächſtens mehr.

(Director Berthal)

hatte Sonntags eine Urania-Vorſtellung in Schwechat arrangiert, die einen guten Erfolg brachte.

(Gaſtſpiele)

an der hieſigen Bühne. Nebſt den Damen Jenny Mayer und Petri wird, wie wir vernehmen, auch Herr A. Burg hier gaſtieren.

Guntramsdorf.

Der hier gebürtige Selcher - gehilfe Julius Sch., welcher ſeit längerer Zeit kränklich war, begieng vor etlichen Tagen in Wien, VI. Bezirk, einen Selbſtmordverſuch. Er nahm eine Löſung von zwei Päckchen Phosphorhölzchen im Waſſer und wurde im ſchwerverletzten Zuſtande in die Wachſtube des VI. Bezirkes und hierauf nach Anwendung von Gegen - mitteln von der Rettungsgeſellſchaft nach dem Kranken - hauſe überführt.

Pfaffſtätten.

(Ball.)

Der diesjährige Ball des Militär-Veteranen-Vereines Pfaffſtätten findet Samstag, den 24. l. M., in Öhlwerther’s Saal - localitäten ſtatt. Beginn 7 Uhr abends. Entrée 1 Krone. Veteranen in Uniform genießen freien Entrée.

Kaltenleutgeben.

Am 8. d. M. fand hier die Hauptverſammlung der Ortsgruppe des Vereines der N. . Landesfreunde ſtatt, welcher u. a. die Herren K. Calliano und Wagenhofer aus Baden beiwohnten. Die Ortsgruppe wird hier eine Volksbibliothek gründen.

Raiſenmarkt.

(Wohlthätigkeitsball.)

Am 7. d. M. veranſtalteten mehrere Schulfreunde in Hirſchhofer’s Gaſthof einen Bauernball zu Gunſten der hieſigen Schuljugend. Derſelbe war ſehr gut be - ſucht, denn jung und alt fand ſich zu demſelben ein, um ſein Scherflein zu dem wohlthätigen Zweck bei - zutragen. Daſs es ein Bauernball im wahrem Sinne des Wortes genannt werden konnte, beweist der Umſtand, daſs ausnahmslos ſowohl Frauen als auch Mädchen in der ſchmucken Älplerinnentracht er - ſchienen waren und einen höchſt maleriſchen Anblick boten. Der erzielte Reingewinn von 120 Kronen fließt dem Fonde zur Gründung einer Suppenan - ſtalt für entfernt wohnende Schulkinder zu. Alle jene Schulfreunde aus Pottenſtein, Weißenbach an der Trieſting und Neuhaus, welche durch Beiträge obiges Unternehmen unterſtützten, mögen an dieſer Stelle den herzlichſten Dank entgegennehmen. Noch mag der Neuhauſer Muſikcapelle lobend gedacht werden, deren lockenden Ländlern ſo manches greiſe Haupt ſelbſt nicht widerſtehen konnte.

Rohr i. G.

(Verein der Suppen-Anſtalt für arme Kinder.)

Die Ziehung der Effecten - Lotterie zum Beſten des Schutzhauſes und der Suppen - anſtalt Rohr i. G. findet unwiderruflich am 5. Mai ſtatt. Auf Wunſch vieler Los-Abnehmer beſtehen die Treffer meiſt in Gold - und Silbergegenſtänden, Fahr - rädern, Uhren ꝛc. Der Haupttreffer hat 2 Vor - und 2 Nachtreffer, die 235 größeren Treffer haben 8 Vor - und 8 Nachtreffer. Um gütigſte Unterſtützung durch Abnahme von Loſen wird freudlichſt gebeten.

Berndorf.

(Theater.)

Donnerstag, den 8. Februar: Die dritte Escadron , Schwank von Buchbinder. Dieſer Schwank hat das Publicum nicht entwaffnet, es hat ſich nicht gefangen gegeben und wir können über einen Sieg der dritten Escadron nicht berichten, da wir ein Dementi befürchten müſsten. Der erſte Act zündete, der zweite gieng an und der dritte, ja der dritte war mit dem Herrn Verteſſy auf deutſch zu ſprechen ein großer Schmarrn und blieb hinter den Erwartungen des erſten und zweiten Actes weit zurück. Ein Kaſernen-Milieu mit Officiers - Cantine und Recrutendrill und den aus den Münchner und Meggendorfer bekannten, keine Früchte tragenden Kaſernenblüten, die hier oft ungezügelt ſtark zu Worte kamen. Die Handlung bringt wenig Neues. Immer wieder der junge Ehemann, der in Abweſen - heit ſeiner Gattin zu ſeinen früheren Amouren zu - rückkehrt und dadurch in unangenehme Situationen geräth, war mit Herrn Erl gut beſetzt. Abwechslung bietet nur eine infolge ihrer Zärtlichkeit unangenehme Schwiegermutter (Frau Zwerenz), ein Schwiegerpapa (Herr Ott), der diesmal der größte Viehhändler der Monarchie iſt, und ein zweiter Schwiegerpapa, der ungariſche Rittmeiſter, der ſich auf Seite des Schwieger - ſohnes ſchlägt, um den flotten Ruf der dritten Es - cadron zu wahren. Die Mittel ſind etwas abgebraucht; mit dieſen dennoch Heiterkeit erzeugen, iſt ein Ver - dienſt, das dem Autor und der gelungenen Aufführung nicht abgeſprochen werden kann. Zu nennen iſt vor5Nr 13. Mittwoch Badener Zeitung. 14. Februar 1900. allem Director Schreiber, der den Gabor von Verteſſy äußerſt ſchneidig zu behandeln verſtand. Alle anderen Mitwirkenden waren derart gut, daſs, ſollten uns nicht weitere Leiſtungen eines andern belehren, die diesmalige Aufſührung in dem Genre des Schwankes als die beſte bezeichnet werden kann. Für einen Wochentag war das Haus ſehr gut beſetzt. Das Publicum ſpendete ſeinen Beifall mit mehrmaligen Vorrufen nach den Actſchlüſſen. Sonntag, den 11. d. M. Heiratsſchwindler , Schwank von Buch - binder. Der äußerſt grob und robuſt gehaltene Schwank, im luftleeren Raum gebaut, mit ſparſamem Witz und Humor, zeigt keinen Mittelpunkt in einer Perſon, an der man ſich erwärmen könnte, ein paar Situationen anwidernder, derber Perſonen, eine Mache, die alles, aber nur nicht das Product eines geiſtigen Niveaux iſt. Der ganze Schwank wurde nur von Herrn Felix gehalten, der den Privatier Burger brillant ſpielte. Das temperamentvolle Auf - treten dieſer Kraft zeigt in jeder Rolle volle Gewandt - heit und gute Schule. Daſs man ein oder zweimal applaudierte, iſt nur das Verdienſt des Herrn Felix. Recht angenehm machte ſich Frl. Miltner durch ihre ſym - pathiſche Erſcheinung bemerkbar. Herr Erl und Frl. Zöhrer waren bemüht, ihr Beſtes zu bringen, doch ſcheint es uns hier eitel Mühe zu ſein, für dieſes Werk Begeiſterung, ja nur Stimmung zu machen. Von den anderen Darſtellern iſt nichts auszuſetzen, aber auch nichts hervorzuheben.

(Theater-Nachricht.)

Morgen Donnerstag, den 15. d. M., abends halb 8 Uhr, geht Wo is denn ’s Kind , Local-Poſſe mit Geſang in 4 Bildern von Anton Langer, in Scene. Dieſes äußerſt humorvolle Wiener Stück, welches mehrere wunderhübſche Muſiknummern von Max von Weinzierl enthält, baut ſeine Handlung darin auf, daſs ein Wickelkind in Verluſt geräth, nach welchem von dieſem Momente an, eine unbeſchreiblich komiſche Hetzjagd beginnt. Die nächſte Vorſtellung findet am Sonntag, den 18. d. M., nachmittags 3 Uhr, ſtatt, und zwar wird Die Tochter Belial’s , Original-Luſtſpiel in 5 Aufzügen von Rudolf Kneifel, gegeben.

Theater.

Stadttheater in Baden.

Samstag, den 10. d. M. (Zum Benefice für unſeren geſchätzten Operettenſänger Herrn Carl Januſchke) Der Waffenſchmied . Komiſche Oper in 3 Acten von Albert Lortzing. Herr Carl Grengg, k. k. Hofopernſänger aus Wien, als Gaſt.

Der beliebte Beneficiant hatte trotz des an dem - ſelben Abend ſtattfindenden Helenenthalerkränzchens Glück, was indeſſen niemanden wundern darf, denn einerſeits gehört Herr Carl Januſchke noch immer zu den erklärten Lieblingen des hieſigen Theater-Publi - cums und andererſeits war die collegiale Zuſage der Mitwirkung eines Mitgliedes des k. k. Hofopern - theaters, wie die des Herrn Carl Grengg, ein Er - eignis für unſere Bühne, das die Menge mächtig anlockte.

Das war eine köſtliche Zeit ſingt der Waffen - ſchmied in ſeiner ſchönſten Vortragsnummer und es war auch eine köſtliche Zeit, in welcher man mit Andacht dem Sange eines Meiſters lauſchte, der, wie dieſer Waffenſchmied, ſo männlich ſchön, in unſerem Muſentempel alle Herzen entzückte.

Wer jemals das klangvolle Organ des Herrn Grengg gehört, iſt dem Zauber ſeiner herrlichen Stimme verfallen und der Beifall, der das Haus durchſtürmte, bewies zur Genüge, daſs das Badener Publicum für dieſen ſeltenen Kunſtgenuß dankbar war. Mit dem illuſtren Gaſte fand auch die reizende Spieloper ſeitens unſerer Mitglieder eine größere Würdigung, und die Herren Januſchke und Bartl konnten mit reichen Ehren neben dem geſchätzten Hof - opernſänger ihre beiderſeits ſo verſchiedenen Rollen behaupten.

Herr Bartl gab den Grafen von Liebenau ge - ſanglich äußerſt tüchtig und der Knappe Georg (Herr Januſchke) hat ſchon lange, trotz eines kleinen Fehlers beim erſten Anſatze, nicht ſo ſchön wie diesmal geſungen.

Auch Frl. Narenta bot als Marie eine reizende muſikaliſche Leiſtung, empfindungsvoll, rein im Klange und Wirkung, und bewies, daſs unſere erſte Operetten - diva auch in der Oper ganz Hervorragendes zu ſchaffen vermag. Warum die geſchätzte Künſtlerin das typiſche blaue Gretchencoſtüm abgelegt und in weißer Toilette ſich bis zum modernen Ballkleideganz unmittelalterlich präſentierte, iſt nicht recht ver - ſtändlich. Kennt die hieſige Regieleitung denn gar keine Coſtümvorſchriften mehr?

Mit Frau Zwerenz (Irmentraut) war der Re - ferent diesmal ausnahmsweiſe nicht recht zufrieden, aber der Charakter der ihr eigentlich ferne liegenden Rolle entſchuldigt indeſſen vieles, auch ſcheint die Dame, dem Vernehmen nach, nicht ganz wohl ge - weſen zu ſein.

Nahezu eine großartige Leiſtung bot das Orcheſter, das unter dem Taktſtocke des Meiſters Wallner der Lortzing’ſchen Spielart mit Original - treue gerecht wurde und einen neuerlichen Beweis der beſten Muſikſchulung erbrachte. Auch der Chor war, aber nur als ſolcher, für die hieſigen Verhält - niſſe recht brav. Andererſeits entſprach derſelbe in der Coſtümierung nicht beſonders. Die Freunde des Waffenſchmiedes waren zu wenig Bürger, aber zu viel undefinierbare Knappen, die Ritter beim glän - zenden Einzuge keine Ritter und vor allem die Rittersfrauen alles andere als wirkliche Ritters - frauen. Die aufgeſteckten Bärte des Gefolges des Ritters Liebenau und die Damen im modernen Kleide ſtreiften an die Carricatur, und auch die ab - gewaſchene Hintergrundslaube war ein Decorations - ſtück, das keine Verwendung mehr verträgt.

Der geſchätzte Gaſt, herr Carl Grengg, und der Beneficiant herr Januſchke, der den Badenern zu ſeinem Ehrenabende einen ſo ſeltenen Genuß der Mitwirkung eines Hofopernſängers verſchaffte, muſste gar oft vor die Rampe. Die Überreichung eines Palmen - und Lorbeerbouquets an Herrn Carl Grengg ſymboliſierte den Dank des Publicums in einer in dieſer Art in Baden ſeltenen Form der Auszeichnung.

Sonntag, den 11. d. M.: Die Waiſe aus Lowood . Schauſpiel in 2 Abtheilungen und 4 Acten mii freier Benützung des Romanes von Currer-Bell, von Charlotte Birch-Pfeiffer.

Auch die alte, hier ſchon ſo oft geſehene Birch - Pfeiffer’ſche Komödie füllte das Haus bis auf das letzte Plätzchen und ſicherte den Darſtellern höchſt verdiente Anerkennungen.

Die Abſolvierung der beiden Hauptrollen lag in bewährten Händen und Herr Strauß (Lord Rowland Rocheſter) und Frl. Waldeck (Jane Eyre) überboten ſich gegenſeitig in der Vertiefung der von ihnen dargeſtellten, individuell ſo ſcharf gezeichneten Charaktern.

Frau Treumann war als Miſtreß Sarah Reed wie immer die ſouveräne Ariſtokratin unſeres Bühnen - verbandes. Nicht beſonders disponiert, geſtaltete ſich die Rolle der Witwe Lady Georgine Clarens, welche durch Frl. Brand nachläſſig behauptet wurde. Sehr hübſch ſah Frl. Maylor als John Reed aus und gab den böſen Jungen recht lebenswahr. Frau Fiala, deren üppige Form im ſchwarzen Kleide auf der Bühne recht gefällig wirkte, entſprach als Miſtreß Judith Herleigh allen Anforderungen. Die übrigen Darſteller genügten.

Die bei allen Birch-Pfeiffer’ſchen Stücken übliche Streichung des Textes wurde diesmal nicht mit be - ſonderer Sorgfalt geübt, und war hauptſächlich am Schluſſe, im Intereſſe der Verſtändlichkeit der auf - löſenden Handlung, ſtörend.

Montag, den 12. d. M. (Zum erſtenmale): Dolly . Luſtſpiel in drei Acten von Henrik Chriſtiernſon, deutſch von Emil Jonas. Mit größtem Erfolge anfgeführt am Raimundtheater in Wien. Referat in nächſter Nummer.

Faſchings-Repertoire.

  • Donnerstag, den 15. Februar: Hausball in Karl Ziegler’s Gaſthaus zur Rennbahn in Kotting - brunn.
  • Donnerstag, den 15. Februar: Hausball in Carl Geßl’s Hotel zu den zwei Raben in Mödling.
  • Samstag, den 17. Februar: Ball der Arbeiter der Fränkel’ſchen Schuhwaren-Fabrik im Hotel Stadt Mödling .
  • Geſchloſſenes Kränzchen der Ortsgruppe Baden des N. . Gebirgsvereines im Sauerhofe in Baden.
  • Mittwoch, den 21. Februar: Hausball in Jacob Brunner’s Reſtauration zum kleinen Mann in Baden (Mühlgaſſe).
  • Samstag, den 24. Februar 1900: Ball der I. freiwilligen Feuerwehr Baden im Hotel Stadt Wien , Baden.
  • Elite-Maskenfeſt des Mödlinger Männer Geſang - Vereines im Hotel Stadt Mödling .
  • Haus-Unterhaltung des Männer-Geſang-Vereines Liederkranz im Gaſthauſe zum goldenen Adler , in Mödling.
  • Sonntag, den 25. Februar: Großer Maskenball in Rubel’s Jubiläums-Sälen in Baden.
  • Sonntag, den 25. Februar: Großes Faſchingsfeſt mit Ball in Zwirſchütz Saallocalitäten in Vöslau.
  • Budapeſter Variete-Geſellſchaft Brahma in Alex. Deiſenhofer’s Saallocalitäten in Weikers - dorf, Helenenſtraße.
  • Dienstag, den 27. Februar: Goldhaubenball in E. Bachmann’s Witwe Saallolalitäten, Baden, Vöslauerſtraße 19.
  • Faſching-Dienstag, den 27. Februar: Schlafhauben - ball in Johann Krenn’s Gaſthaus (Bezirks - ſtraße) Sooß.
  • Mittwoch, den 28. Februar: Häringſchmaus des Geſangvereines Baden in Bruſatti’s Hotel.
  • Samstag, den 3. März: Gunhold-Kränzchen (Schluſs-Kränzchen des Abendcurſes der Tanzſchule), ohne Coſtümzwang im k. u. k. Sauerhofe in Baden.

Gerichtsſaal.

Majeſtätsbeleidigung.

Vor einem Erkenntnis - ſenate des Kreisgerichtes Wr. -Neuſtadt unter Vorſitz des LGR. Grubmann fand am 12. d. M. die bereits vertagt geweſene Verhandlung wider den in Alland wohnhaften Hausbeſitzersſohn Johann Wagen - hofer wegen des Verbrechens der Majeſtätsbeleidigung und Schmähung gegen die k. k. Armee ſtatt. Da über Antrag des öffentlichen Anklägers, Saatsanwalt - ſubſtitut Dr. Waldheim, der Gerichtshof die Durch - führung der Verhandlung, für die Öffentlichkeit aus - geſchloſſen, als geheim vorzunehmen beſchloſs, ſo müſſen wir uns aus preſsgeſetzlichen Gründen bloß auf die Publicierung des Urtheils beſchränken. Durch die Ausſagen der Zeugen Thomas Haas und Johann Graf, ſowie der Verleſung der Zeugenausſagen des Julius Jahn, Joſef Braunias, Agnes Vockenthaler und Helene Graf wurde beſtätigt, daſs der Ange - klagte am Tage der That, am 15. December 1899, im Gaſthauſe des Johann Graf in Alland ſtark berauſcht geweſen ſei. Der Gerichtshof ſprach den Angeklagten wegen des Verbrechens der Majeſtäts - beleidigung frei und verurtheitte denſelben wegen Übertretung des Trunkenheitsgeſetzes zu einem Monat mit zwei Faſttagen verſchärften Arreſt.

Urtheile,

welche beim Kreisgerichte Wr. -Neuſtadt im Monate Jänner gefällt wurden: Ferdinand Blank, Hauer in Leesdorf, wegen ſchw. körp. Beſchädigung 3 Monate Kerkers; Johann Wügſchitz, Bäckermeiſter in Wagram, wegen Vergehens gegen das Thier - ſeuchengeſetz freigeſprochen; Johanna Migſchitz, Dienſt - magd in Wr. -Neuſtadt, wegen Diebſtahls 1 Monat ſtrengen Arreſt; Alexander Eibl, Taglöhner in Tees - dorf, wegen Diebſtahls 1 Woche Arreſt; Carl Itzen - thaler, Pferdeknecht in Edlach, wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens 3 Monate ſtrengen Arreſt; Joſef Hautz, Gemeindediener in Ober-Eggendorf, wegen Vergehens gegen das Thierſeuchengeſetz 10 Kr. Geldſtrafe; Johann Gruber, Waſſeraufſeher in Dunkel - ſtein, wegen Vergehens gegen das Thierſeuchengeſetz 20 Kr. Geldſtrafe; Franz Kiſtler, Bauer in Unter - waltersdorf, wegen Vergehens gegen das Thierſeuchen - geſetz 10 Kronen Geldſtrafe; Carl Theodor Fitzga, Fleiſchhauergehilfe in Tattendorf, wegen Majeſtäts - beleidigung und Übertretung der Beleidigung der Armee freigeſprochen; Valentin Pichler, Knecht in Auſſeraigen, wegen Unzucht wider die Natur 3 Monate ſchw. Kerkers; Benedikt Scharf, Taglöhner in Oyen - hauſen, wegen Diebſtahls 14 Tage ſtrengen Arreſt; Joſef Artner, Taglöhner in Gainfarn, wegen ſchw. körp. Beſchädigung 7 Monate ſchw. Kerkers; Kath. Schaffner, Fabriksarbeiterin, wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens 6 Wochen Arreſt; Mayer Franz, Taglöhner in Neunkirchen, wegen öffentlicher Gewaltthätigkeit 2 Monate ſchweren Kerkers; Johann Matuſch, Faſsbinder, wegen Diebſtahls 8 Monate ſchw. Kerkers und Stellung unter Polizeiaufſicht; Vincenz Verſitz, Theaterdiener, wegen Diebſtahls 8 Monate ſchw. Kerkers und Stellung unter Polizei - aufſicht; Joſef Wolf, Toglöhner in Mödling, wegen Diebſtahls 8 Monate ſchw. Kerkers; Barbara Pazdur, Dienſtmagd, wegen Diebſtahls 1 Woche ſchw. Kerkers.

6Mittwoch Badener Zeitung. 14. Februar 1900. Nr. 13.

Vermiſchtes.

Gras-Papier.

Ein engliſcher Erfinder zeigte vor kurzem der Londoner Geſellſchaft der Papier - fabrikanten Papier vorzüglicher Qualität vor, welches er aus Gras hergeſtellt hatte. Der Vorgang bei der Herſtellung des Graspapieres iſt nahezu analog dem üblichen. Das Material wird in Waſſer gewaſchen, dann mit einer heißen Soda-Lauge behandelt, hierauf wieder gewaſchen und ſodann in den Kufen zu Ganzſtoff verarbeitet. Der Erfinder hält alle Gras - gattungen für gleichmäßig geeignet zur Papierfabri - cation, nur iſt es eine unerläſsliche Bedingung, daſs die betreffenden Gräſer noch vor der Blütezeit ge - ſchnitten werden. Das aus Gras hergeſtellte Papier iſt äußerſt zähe und geſcheidig, es läſst ſich ſehr gut als Documenten - und Zeichenpapier verwenden. Der Erfinder hat berechnet, daſs 1 Kilogramm trockenen Graſes ungefähr ¼ Kilogramm Papier erzielt. Eine ein Hektar große Grasfläche würde 2500 Kilogramm Papier ergeben. Dieſes neue Graspapier ſoll demnächſt in England fabriksmäßig erzeugt werden.

Alte Locomotiven.

Wenigen dürfte bekannt ſein, daſs die älteſten exiſtierenden Locomotiven auf der Strecke Mannheim-Heidelberg fahren. Es ſind dies Locomotiven, die alle die Jahreszahl 1846 tragen, heute alſo 54 Jahre hindurch im Dienſte ſtehen. Sie wurden im Jahre 1845 von den damals berühmten Ingenieuren Scharp entworfen, die in London als Stephenſons Rivalen auftraten. Dieſe Maſchinen ſind während ihrer ganzen 54jährigen Dienſtzeit nur ſelten und auch dann nur in unweſent - lichen Theilen reparirt worden, und noch heute ver - ſehen ſie den Perſonendienſt zwiſchen Heidelberg und Mannheim in präciſer Weiſe, wobei die Züge, aus 10 Wagen beſtehend, mit einer Geſchwindigkeit von 62 Km. pro. Stunde ziehen. Aus Gründen der Pietät hat die Eiſenbahnverwaltung dieſen Maſchinen auch ſtets ihren ſchönen rothen und grünen Anſtrich erneuert, während alle anderen Maſchinen der Linie einförmig braun ſind.

Schutz gegen das Ausgleiten von Jahr - rädern.

Wohl ſchon jedem Radfahrer iſt eine ſchlüpfrige Straße gefährlich geworden, indem der Pneumatic auf dem feuchten Pflaſter abglitt. Nun ſcheint es einem Herrn Beer in Paris auf ſehr ein - fache Weiſe gelungen zu ſein, dieſem Übelſtande ab - zuhelfen. Herr Berr bringt zu dieſem Zwecke an jeder Speiche des Hinterrades eine der gewöhnlichen Kleideröſen an, er führt dann eine Zuckerſchnur durch eine Öſe, dann um den theilweiſe aufgeblaſenen Pneumatic, ferner durch die folgende Öſe und ſo fort, bis das Rad in gewiſſen Abſtänden von der Schnur umwunden iſt. Das Abgleiten ſoll hiedurch voll - ſtändig verhindert werden.

Kwizda’s Veterinär-Erzeugniſſe.

Zu den populärſten und renommierten heimiſchen Firmen zählt zweifellos jene des Hoflieferanten Franz Johann Kwizda in Korneuburg. Die von dieſer Firma in den Handel gebrachten Veterinär-Erzeugniſſe erfreuen ſich in der That nicht nur in Öſterreich-Ungarn, ſondern auch auf dem ganzen Continente und ſelbſt in England und Amerika des beſten Rufes. Jeder Landwirt kennt das Korneuburger Viehnährpulver, das Schweinepulver und die Kolikpillen Kwizda’s und es gibt heute kaum einen Pferdebeſitzer, ſei er Sportsman, Privatier, Geſchäftsmann oder Land - wirt, in deſſen Stall das Kwizda’ſche Reſtitutionsfluid ſich nicht eingebürgert hätte. Selbſt in England, wo man gerne alle Erfindungen und Einrichtungen auf dem Gebiete des Pferdeſportes für ſich in Auſpruch nimmt, wird neidlos die Zweckmäßigkeit und Nütz - lichkeit namentlich des Kwizda’ſchen Pferde-Reſtitutions - fluids und der Kwizda’ſchen Patent-Kautſchuk-Streif - bänder anerkannt. Die bekannten Diſtanzreiter Graf Starhemberg und F. Höfer haben während ihrer Ritte das Kwizda’ſche Reſtitutionsfluid mit großem Erfolge angewendet.

Die Prager Hausſalbe

iſt ein ärztlich rprobtes und warm empfohlenes Mittel, welches bei entzündeten Wunden und Geſchwüren als ſchmerz - ſtillend, antiſeptiſch, entzündungswidrig, kühlend und heilend mit beſtem Erfolge angewendet wird und deshalb ſchon überall als Hausmittel bereit gehalten wird. Dasſelbe wird von der Apotheke B. Fragner in Prag erzeugt und iſt auch in den hieſigen Apotheken erhältlich.

Aerzte-Verzeichnis.

  • Dr. Wilhelm Blau, k. k. Ober-Bezirksarzt, Neugaſſe 16. 2 4 Uhr.
  • Dr. Julius Delena, Gemeindearzt, Gerichts - und Kranken - caſſenarzt, Heiligenkreuzergaſſe 1. 2 3 Uhr.
  • Dr. M. Goldberger, Thereſiengaſſe 6. An Wochentagen 2 4 Uhr, an Sonn - und Feiertagen 11 12 Uhr, 2 3 Uhr.
  • Dr. Joſef Gropper, Gerichtsarzt, Krankencaſſenarzt, Pfarrgaſſe Nr. 9, 1 3 Uhr.
  • Dr. Franz Hanſy, Leiter des Rath’ſchen allgemeinen öffentlichen Krankenhauſes, Breyergaſſe 7, zu ſprechen an Wochen - tagen um 3 Uhr.
  • Dr. Otto Haſſack, Operateur und Accoucheur, Neugaſſe 55. 2 Uhr.
  • Dr. Guſtav Jägermayer, Hauptplatz 15. 3 4 Uhr.
  • Dr. Guſtav Kopřiva, Ordinarius des Marienſpitales, - Thereſien - gaſſe 8. 3 4 Uhr.
  • Dr. Guſtav Lantin, Beſitzer und ärztlicher Leiter der Curanſtalt Gutenbrunn, Specialarzt für Naſen -, Hals -, Kehlkopf - Bruſt - und Ohrenkrankheiten.
  • Dr. D. Podzahradsky, Chefarzt der Abtheilung für Hydrotherapie in der Curanſtalt Gutenbrunn.
  • Dr. Emil Raab, Frauenarzt, Specialarzt für Gynaeco-Elektro - therapie und Gemeindearzt von Weikersdorf, Weilburg - ſtraße 2. ½2 & 00Bd; 4 Uhr.
  • Dr. Hermann Raab, Kinderarzt, Pfarrplatz 7. 1 3 Uhr.
  • Dr. Ludwig Schreiber, ordin. für interne, Haut - und Kind er - krankheiten, Neugaſſe Nr. 31, von 2 bis 3 Uhr nach - mittags; Mikroskopiſche und chemiſche Unterſuchungen des Blutes, aller Secrete und Excrete.
  • Dr. Joſef Schwarz, dirigierender Arzt des Spitales für ſcro - phulöſe Kinder und der Todesco-Stiftung, Waſſer - gaſſe 1. 2 3 Uhr.
  • Dr. Philipp Smolcic, Zahnarzt, 9 5 Uhr, an Sonn - und Feiertagen 9 1 Uhr. Hauptplatz 5.

Eingeſendet.

Eingetretener Hinderniſſe wegen findet das Concert der Clavier - und Geſangs - ſchule Grimm erſt am Sonntag den 4. März im Hotel Stadt Wien ſtatt.

Anläßlich meiner Beneſice-Vorſtellung Thereſe Krones ſpreche ich hiemit den ungenannten Spendern meinen herzlichſten Dank aus.

93 Helene Zöhrer.

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7Nr. 13. Mittwoch Badener Zeitung 14. Februar 1900.
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8Mittwoch Badener Zeitung. 14. Februar 1900. Nr. 13
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Druck und Verlag der Buchdruckerei von Johann Wladarz, vorm. H. Haaſe, in Baden. Verantwortlicher Schriftleiter: Rudolf Bauer.

About this transcription

TextNr. 13, 14.02.1900.
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Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

Benjamin FiechterSusanne HaafNote: Bereitstellung der digitalen Textausgabe (Konvertierung in das DTA-Basisformat).2018-01-26T13:38:42Z grepect GmbHNote: Bereitstellung der Texttranskription und Textauszeichnung.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T13:38:42Z Amelie MeisterNote: Vorbereitung der Texttranskription und Textauszeichnung.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T13:38:42Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

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Bibliographic informationNr. 13, 14.02.1900. . Johann WladarzBaden (Niederösterreich)1900. Badener Zeitung

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LanguageGerman
ClassificationZeitung; ready; mkhz2

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Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.

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  • Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)
  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
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ImprintBerlin 2019-12-10T11:23:21Z
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