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Die ſchwierigſte aller Fragen ſoll durch ein Geſetz, ein Sprachengeſetz, das doch nur ein Nationalitätengeſetz ſein kann, geordnet werden. Was hat man über dieſes heute ſo dringend gewünſchte Nationalitätengeſetz nicht ſchon in dem letzten halben Jahrhundert in Oeſterreich geſchrieben und auch geſprochen! Wenn man das über dieſen Gegenſtand be - druckte Papier auftreiben würde, ſo könnte man das geſamte Areale des öſterreichiſch-ungari - ſchen Staatsgebildes mehrfach bedecken. Alle Nationen Oeſterreichs verlangen ſeit Beginn der konſtitutionellen Aera ein ſolches Geſetz, alle hervorragenden Staatsmänner haben die Notwendigkeit eines ſolchen Geſetzes an - erkannt. Warum iſt ein ſolches Geſetz nicht zuſtande gekommen? Der Wiener Halb - offizioſus weiß immer alles und es iſt daher ganz natürlich, daß er auch in dieſem Falle das entſcheidende Wort prägt und das - ſelbe gelaſſen ausſpricht: das Sprachen - geſetz muß ein Geſetz ſein, das die Autorität des Volkswillens für ſichhat. Das iſt eine geradezu erſtaunliche Neuig - keit! Die Autorität des Volkswillens, dieſe große Reſultierende in allem und jedem, die keinem Weiſen ſeit den ſieben Weiſen Griechenlands bis zu den führenden Intellek - tuellen der modernſten Zeit gelungen, nur an - nähernd in einer oder der anderen der Fragen feſtzuſtellen, ſoll nun in Oeſterreich das wichtigſte Problem löſen!
Warum nicht? Oeſterreich gilt als das Reich der Unwahrſcheinlichkeiten, vielleicht iſt daher das Unwahrſcheinlichſte möglich; die Logik dieſes Halboffizioſes iſt ja bekanntlich ganz unantaſtbar. Da wiſſen wir uns ſeit dem Ausſpruch des großen politiſchen Halb - offizioſes ſo manches zu erklären. Wir haben ausgezeichnete Staatsgrundgeſetze — man kann ſich keine beſſeren denken — warum ſtehen denn dieſe Staatsgrundgeſetze nur auf dem Papier? Jetzt wiſſen wir den Grund: weil dieſe Geſetze nicht die Auto - rität des Volkswillens für ſich haben! Das iſt recht ſchade, denn wenn dieſe ausgezeich - neten Staatsgrundgeſetze die Autorität des Volkswillens für ſich hätten, dann würde manja gar keine Sprachen - und Nationalitäten - geſetze brauchen, denn in dieſen Staatsgrund - geſetzen iſt ja die Regelung dieſer Angelegen - heiten vollſtändig enthalten. Warum beſitzen aber dieſe ſo außerordentlich ſchönen Staats - grundgeſetze nicht die Autorität des Volks - willens? Da kommen wir bei der offenen Antwort auf die wichtigſte aller öſterreichiſchen Fragen zu einem der traurigſten Kapitel des öffentlichen politiſchen Lebens in Oeſterreich. Wenn man eine Prüfung der Wähler bei der Millionen derſelben in Oeſterreich über die - ſen Gegenſtand vornehmen könnte, wie würde dieſe Prüfung ausfallen? Wie hoch kann man den Prozentſatz der Wähler ſchätzen, die über - haupt etwas davon wiſſen, daß es Staats - grundgeſetze in Oeſterreich überhaupt gibt?
Wenn man bei dieſen Prüfungskandidaten erfahren wollte, ob dieſelben eine Ahnung haben, daß es in einem Staate Staatsgrund - geſetze geben muß und am Ende gar wiſſen wollte, wie die Autorität des Volkswillens zur Geltung gelangen kann, ſo würden nicht nur die Herren Wähler, ſondern auch ein ſehr hohes Prozent der Herren Gewählten
(Nachdruck verboten).
VII.
Ein morgenländiſcher Fürſt wünſchte einen ebenſo treuen und zuverläſſigen wie tüchtigen Ver - trauten zu haben und verſuchte, folgendermaßen zum Ziele zu kommen:
Er ließ eines Abends fünf Männer ſeiner Re - ſidenz, die im Rufe beſonderer Klugheit ſtanden, zu ſich kommen. An den Fingern ſeiner Hand glänzten fünf ſehr große Diamanten. Er ſagte ihnen: „ Ich habe Euch fünf hier um mich verſammelt, weil ich hoffe, daß ich von Euch die Wahrheit hören werde. — Ihr ſeht dieſe fünf koſtbaren Diamanten? Sie werden der Lohn Eurer Aufrichtigkeit ſein. Sagt: Was haltet ihr von meiner Macht und meinem Ruhm? “
Vier antworteten ihm raſch auf ſeine Frage. Entzückt von der Schönheit und Größe der herrlichen Steine, ſchmeichelten ſie ihm und prieſen — Einer noch mehr wie der Andere — die Macht und den Ruhm ihres Herrn; — ſie erhoben ihn über alle Helden der Geſchichte; in begeiſterten Ausdrücken rühmten ſie ſeine Talente und ſeine Tugenden, bis ſie ſchließlich keine Worte mehr finden konnten undihn mit dem großen und mächtigen Gott im Himmel verglichen.
Der König nimmt vier Diamanten von ſeinen Fingern und vertheilt ſie unter jene Männer. Dann wendet er ſich an den fünften und fragt ihn: „ Wa - rum ſchweigſt Du? Sage mir auch, ich befehle es Dir, was Du von meiner Macht und von meinem Ruhme denkſt? “
„ Ich denke “, antwortete er, „ daß Deine Macht Dir von Gott anvertraut iſt, damit Du Deine Völker glücklich machſt, und daß er einſt eine ernſte Rechen - ſchaft von dir fordern wird; ich denke, daß Dein Ruhm falſch und gefährlich iſt, wenn Du nur glänzen und Deine Feinde beſiegen, nicht aber alle Deine Pflichten treu erfüllen willſt. “
Der König antwortete: „ Ich gebe Dir den fünften Diamanten nicht, ſchenke Dir aber mein Vertrauen und meine Freundſchaft. Bleibe ſtets bei mir; ich habe den Freund gefunden, den ich ſuchte “.
Am folgenden Tage kamen die andern vier ganz beſtürzt und außer ſich in den Palaſt, um dem König zu ſagen, daß er von dem Juwelier, der ihm dieſe Diamanten verkauft habe, betrogen worden ſei, denn ſie wären falſch. Der König aber antwortete lachend: „ Ach, glaubt doch nicht, daß ich das nicht gewußt hätte. Ihr habt mir falſche Lobeserhebungen gemacht, dafür habt Ihr falſche Diamanten erhalten. Ich habe Euch nur mit gleicher Münze bezahlt. Ihr habt alſo keinen Grund, Euch zu beklagen. “
— es küßt der Märzwind rothe Flecke auf die Wangen —
— aufjauchzen wie die Amſel, die auf der höchſten Spitze eines dürren Aſtes, der Morgenröthezugewandt, das allbelebende Licht aus voller Kehle begrüßt!
— über die weite Trift irrlichtern Sonnenfunken wie glitzerndes Geſchmeide —
— auf dem Friedhof ſchwärmen die erſten Bienen, forſchend, ob nicht aus den Trieben, die aus den jüngſten Gräbern ſprießen, ſchon neuer Lebens - balſam zu holen wäre.
— Abends leichte Nebel, von der ſcheidenden Sonne in Goldſtaub verwandelt —
Die weißen Lichtbäche des Mondes rinnen durch die zartbelaubten Wipfel.
Das Schöne iſt ein Attribut der Jugend. Sie hält ſich an den Ariſtoteliſchen Satz, daß Jünglinge es mehr lieben, das Schöne zu thun, als das Nützliche, denn ſie leben mehr nach dem ſittlichen Gefühle als nach der Berechnung.
Es iſt ein Frühſommerabend von berauſchender Pracht. Auf der glatten Fläche irrlichtert das Son - nenlicht und erzittert in zarten Schuppen, — wallt in Feuerlinien aus oder zerfließt in blendende Licht - inſeln.
Der Orgelchoral des Kirchleins, das dort am Ufer ſteht, verweht myſtiſch im Windhauche. Es ſind Aeolstöne, die man erlauſcht. Ihr Schmeicheln iſt ſüß wie die Stimme der Liebe.
(Fortſetzung folgt.)
ſchmählich durchfallen. Das iſt einmal heute noch ſo in Oeſterreich und mit dieſer Tatſache muß der ernſte Realpolitiker rechnen.
Aber es muß ja doch in einem konſtitu - tionell regierten Staate Staatsgrundgeſetze geben. Jawohl, aber der öſterreichiſche Konſti - tutionalismus iſt eben etwas ganz beſonderes: er iſt nach der Definition des Grafen Taaffe eigentlich gar kein Konſtitutionalismus und deshalb hat ſchon Graf Taaffe die öſter - reichiſchen Staatsgrundgeſetze als ein wertloſes Stück Papier behandelt und alle nachfolgen - den Regierungen haben ſo ziemlich das gleiche getan.
Die Intellektuellen, d. h. jene Staats - bürger, welche auf einen hohen Standpunkt der allgemeinen Bildung ſtehen, ſind in allen Staaten eigentlich nur eine kleine Minorität. Aber dieſer Minorität einen bedeutenden Ein - fluß auf die Führung der Staatsgeſchäfte ein - zuräumen, iſt ſchließlich eine Notwendigkeit und in dem Anerkennen dieſer Notwendigkeit liegt die höchſte Staatsklugheit. In Oeſter - reich iſt es nun einmal nicht der Fall; man will von den Intellektuellen ſo wenig als möglich wiſſen und hat es die Macht der ſchwarzen Internationalen zuwege gebracht, daß dieſelben im Abgeordnetenhauſe recht gering vertreten ſind. Nun werden auf einmal die Intellektuellen zur höchſten Kraftleiſtung aufgefordert, um das Größte zu leiſten. Wenn es nun dieſer winzigen Minorität des Abge - ordnetenhauſes gelingen ſollte, die ſchwierigſte Aufgabe Oeſterreichs zu leiſten, wird dieſe Leiſtung auch irgendwelche wirkliche Bedeu - tung und Anerkennung haben? Kann dieſe winzige Minorität etwas anderes fertig brin - gen, als ein neues Staatsgrundgeſetz? Haben die Regierungen Oeſterreichs aber nicht ſeit einem Menſchenalter den Begriff und den Wert der Staats - grundgeſetze irgendwie gepflegt und deren Beſtehen als etwas Unantaſt - bares geſchützt?
Man hat im Gegenteil eine geradezu ſtaatsgefährliche Praxis zwar nicht eingeführt, aber doch geduldet. Man hat geduldet, daß die Staatsgrundgeſetze im Verwaltungswege umgangen und damit jedem zukünftigen Staats - grundgeſetz die Grundlage benommen werden. Das ganze große Staatsweſen Oeſterreichs kam durch dieſen politiſchen Leichtſinn auf jene ſchiefe Ebene, auf welcher heute das Miniſterium Beck ſteht.
Man wird auch dieſer Kriſe auf die in Oeſterreich üblichen Weiſe wahrſcheinlich den akuten Charakter benehmen — aber die ſchleichende Krankheit Oeſterreichs ku - riert kein Palliativmittel; dieſe Krank - heit wird ſich bei jeder ſchwierigen Frage melden. Wenn ein Sprachengeſetz wirklich fertig geſtellt werden ſollte, wird und kann dasſelbe mit großem Vertrauen aufgenommen werden? Das iſt das wahrheitsgetreue Mo - mentbild der heutigen politiſchen Lage.
Gerade als wir vorliegenden Aufſatz beendet hatten, erhalten wir die heutigen Zeitungen, aus welchen wir entnehmen, daß im Budgetausſchuſſe geſtern eine neueſte po - litiſche Situation in der Sprachengeſetzfrage entſtanden iſt. Selbſt ein Sprachengeſetz, über deſſen Interpretation zu ihren Gunſten nach jahrelanger Praxis die Tſchechen beruhigt ſein könnten, genügt ihnen nicht mehr. Was ſie aber eigentlich wollen, iſt uns im Augen - blick nicht verſtändlich, nur das iſt wohl ganzklar, daß Herr Kramarſch ſeinen letzten Trumpf ausgeſpielt hat, um die Zügel der Führung der Tſchechen im Abgeordnetenhauſe wieder in die Hand zu bekommen. Andererſeits liegen aber wieder Nachrichten vor, daß ein Kampf zwiſchen den tſchechiſchen und deutſchen Gerichten zu beginnen ſcheint. Außerdem ver - langen die deutſchen Rechtsanwälte vor Fer - tigſtellung des Sprachengeſetzes gehört zu werden und drohen mit der Zurückziehung ihrer Funktionäre aus der Advokatenkammer in Prag, wo bisher ein verträgliches Einver - nehmen ſtattfand.
Das iſt eine politiſche Hyperkomplikation, wie eine ſolche in einem anderen Staate wohl kaum denkbar iſt. Guter Rat iſt da wirklich unerſchwinglich teuer.
Vergangenen Sonntag fand in Felixdorf in Kandler’s Reſtaurationsſaal die konſtituierende Ver - ſammlung einer Ortsgruppe des Vereines „ Freie Schule “ſtatt, die eine der intereſſanteſten und impo - ſanteſten in letzterer Zeit war. Der geräumige Saal war von zirka 500 Perſonen, zumeiſt dem Arbeiter - ſtande angehörig, beſetzt, unter denen ſich jedoch auch ziemlich viele Gegner unter Führung des bekannten Hetzkaplanes P. Berger aus Wien befanden. Schon vor Beginn der Verſammlung wurde die Abſicht derſelben, die Verſammlung zu ſprengen, bekannt.
Kurz nach 6 Uhr eröffneten die Proponenten die Verſammlung mit einer Begrüßung der Erſchienenen, namentlich der Referenten und Ortsgruppenvertreter, worauf Prof. Süß aus Baden zum Vorſitzenden gewählt wurde. Dieſer erteilte zunächſt dem Referenten der Wiener Zentrale, Herrn Lehrer Höfer aus Wien das Wort, der über den „ Einfluß des Kleri - kalismus in der Schule “ſprach. Als er hiebei die Wiener Schulverhältniſſe ſtreifte, fiel aus dem Lager der Gegner der Ruf „ Hoch Lueger “, der das Signal zu einem wirren Durcheinander gab. Die Anhänger der freien Schule ließen ſich dieſe Störung nicht gefallen und es gab Ausrufe hüben und drüben, und faſt hatte es den Anſchein, als ob die Verſammlung reſultatlos verlaufen würde. Den Bemühungen der Ordner und des Vorſitzenden gelang es nach etwa zehn Minuten andauerndem chaotiſchen Zuſtande, Ordnung zu ſchaffen und die Verſammlung fortzu - ſetzen, während ein Teil der Gegner ſich aus der - ſelben entfernte, nachdem ſie eingeſehen, daß ſie ſich denn doch zu ſchwach befänden, mit ihrer Abſicht durchzudringen. Nur Kooperator Berger blieb im Saale zurück. Als der Referent ſeine oft von dröhnendem Beifall begleiteten Ausführungen beendet hatte, meldete er ſich zum Worte; der Vorſitzende, der einen dies - bezüglichen Verſammlungsbeſchluß einholte, erklärte jedoch, daß er ihm dies erſt, nachdem die angemel - deten Referenten geſprochen, erteilen könne. Dies war nun nicht nach dem Geſchmacke des Herrn Kooperators und er proteſtierte heftig gegen dieſen Verſamm - lungsbeſchluß; es mag nun begreiflich erſcheinen, daß die Verſammlungsteilnehmer ſich gegen dieſen Mißbrauch des als Gaſt anweſenden geiſtlichen Herrn wendeten; während die ſpärlichen Reſte des ihm noch treugebliebenen Anhanges ſich um ihn ſammelten, beſtieg dieſer einen Stuhl und mit nicht mißzuver - ſtehender Handbewegung wollte er in dem Lärm an - deuten, daß unter dieſen Umſtänden an eine Fort - ſetzung der Verſammlung nicht zu denken ſei. Wirre Rufe und Pfiffe ertönten durcheinander und es ſchien noch einmal, als ob es zu Tätlichkeiten kommen könnte. Erſt als die Ordner wieder kräftig und ent - ſchieden eingriffen, trat allmählich wieder Ruhe ein. Da die Reihen der Gegner, das Nutzloſe ihres Be - ginnens einſehend, ſich immer mehr lichteten, konnte ſich auch der Vorſitzende endlich vernehmbar machen; mit einem kräftigen Appell an die Anhänger des Vereines, den Gegnern keinen Anlaß zu Störungen zu geben, konnte die Verſammlung wieder weiter tagen. Der nächſte Redner, Ingenieur Hillbrand aus Leobersdorf, ſprach über „ die Moral unter dem Klerus “, der ſich zum Sittenprediger über andere aufwerfe, welche Ausführungen er durch treffliche Beiſpiele aus der Geſchichte illuſtrierte; Frau In - genieur Hillbrand wendete ſich vornehmlich andie anweſenden Frauen und Mädchen, die ſie über die Methodik des Religionsunterrichtes und über den Zwang zu religiöſen Uebungen aufklärte; Fräulein Melanie Lautenſchläger ſprach über das ethiſche Moment der freien Schule, wofür beide Damen viel Applaus ernteten.
Schließlich kam noch Kooperator Berger zu Wort. Gleich den früheren Rednern ſollte auch er im voraus die Zeit angeben, welche er zum Sprechen benötigte, doch hievon wollte er jedoch nichts wiſſen und nach einer längeren nutzloſen Auseinanderſetzung mit dem Vorſitzenden wurde ihm eine Sprechzeit von 20 Minuten gewährt, die dann noch um fünf Minuten verlängert wurde. Aber kaum hatte er einige Sätze geſprochen, ſtieß er bei der ohnehin durch ſein provo - katoriſches Benehmen erregten Menge auf Widerſtand, der bis zum Schluſſe ſeiner Rede anhielt. Er be - ſchäftigte ſich vorerſt mit ſeiner Vorrednerin Frau Ingenieur Hillbrand, von deren Rede er die be - kannte Erzählung mit dem Wallfiſch, der den Jonas verſchluckte, widerlegen wollte. Aus einem theologiſchen Werke, deſſen Autor er nannte, ſei erſichtlich, daß in der bibliſchen Geſchichte damit nur ein großer Fiſch gemeint ſei, und von einem Wallfiſch keine Rede ſein könne. (Bemerkt ſei hier, daß die Vor - rednerin mit keinem Worte der Geſchichte mit dem Wallfiſch erwähnte; und der Herr Kooperator ſcheint es auch abſichtlich überſehen zu haben, daß dieſe ominöſe Wallfiſchgeſchichte bis noch vor kurzem in den Schulen gelehrt wurde.) Daß er ſo nebenbei einen der Zwiſchenrufer in grober Weiſe beleidigte, reizte die Menge nur noch mehr. Im weiteren Verlaufe kam er auch auf die Wahrmundbroſchüre zu ſprechen (ſtürmiſche langanhaltende Hochrufe auf Prof. Wahr - mund) und teilte mit, daß er eine Stelle aus derſelben über den Gottesbegriff ſeinen Kindern in der Schule vorgeleſen habe, die unbändig darüber gelacht hätten! Nachdem der Herr Kooperator ſich noch über die an - gebliche „ Freiheit der Meinungsäußerung “in den Verſammlungen der „ Freien Schule “beſchwerte, die ihm abſichtlich beſchnitten worden ſei, ſchloß er, das Nutzloſe ſeines Beginnens einſehend, ſeine Rede. (Der Herr Kooperator ſcheint der Anſicht zu ſein, daß die Verſammlungsteilnehmer regelmäßig verpflichtet ſeien, ſeine öden Dauerreden anzuhören.)
Nachdem noch mehrere Redner kurz dem Herrn Kooperator in treffender Weiſe erwiderten, beſonders aber Lehrer Höfer, der einen Sturm von Beifall auslöſte, ſchloß der Vorſitzende mit einer Aufforderung zu feſtem treuen Zuſammenſtehen aller freiſinnigen Elemente und zum Beitritte in den Verein die Ver - ſammlung, die nach den Mienen und Aeußerungen der Teilnehmer einen dauernden Eindruck hinterlaſſen haben dürfte.
Es wird eine der erſten Aufgaben des neuen Gauverbandes der an der Südbahnſtrecke gelegenen Ortsgruppen ſein, ſeinen Verſammlungen in Hinkunft einen ruhigen Verlauf zu ſichern. So wenig denunziatoriſche Charaktere geduldet werden können, die auf den wirtſchaftlichen Ruin der Teilnehmer an derſelben ausgehen, ebenſowenig wird es geduldet werden können, daß das Gaſtrecht in ſo übermäßiger Weiſe in Anſpruch genommen, geſchweige denn, daß dieſer Gaſt ſich in Beleidigungen gegen den Hausherrn ergehen kann.
Seit längerer Zeit verſuchte ich es, unter dem Pſeudonym „ Ein treuer Badener “oder „ Ein Wohl - meinender “die in den hieſigen Lokalblättern teils in ganzen Artikeln, teils in der Form von „ Einge - ſendet “veröffentlichten Argumente zu widerlegen, mit welchen ſich die bezüglichen Herren Verfaſſer die Mühe gaben, gegen den Bau eines neuen Theaters anzukämpfen. Jene geehrten Leſer dieſer Lokalblätter, welche den betreffenden Veröffentlichungen einige Aufmerkſamkeit ſchenkten, werden bei billiger und objektiver Beurteilung meiner verſuchten Widerlegungen mir zugeſtehen, daß ich jeder Polemik auszuweichen beſtrebt war und nie perſönlich, ſondern ſtets nur ſachlich geblieben bin. Wenn man jahrelang im öffent - lichen Leben geſtanden und auch gewirkt hat, wird es zur zweiten Natur, ſich auch dann noch, wenn man ſchon das Bedürfnis nach Ruhe fühlt, ſich mit den die Oeffentlichkeit berührenden Angelegenheiten3Nr. 27. Mittwoch Badener Zeitung 1. April 1908. zu beſchäftigen und daß gerade die Theateraffäre mein beſonderes Intereſſe weckte, findet ſeine Begrün - dung wohl in dem Umſtande, daß ich durch meinen früheren Beruf nicht nur Gelegenheit hatte, die ge - ſamte dramatiſche Literatur wie ſelten jemand kennen zu lernen, ſondern daß ich auch mit dem ganzen Theaterleben enge Fühlung hatte und mir dadurch jene Erfahrungen erholte, die mir wohl einigermaßen das Recht einräumen, auch in unſerer Theater-An - gelegenheit ein Wort mitſprechen zu können!
Ich ſende dieſe Worte voraus, um damit zu motivieren, wieſo ich ſeit Jahr und Tag bemüht war, zuerſt im Kreiſe meiner Bekannten und dann, nachdem ſich das „ vorbereitende Komitee “gebildet, im Vereine mit dieſem für den Neubau eines Theaters Intereſſe zu erwecken.
Es bedarf keiner beſonders genauen Beurteilung der mit dem Fortbeſtande des bisherigen Theaters verbundenen Verhältniſſe, um daran zu erkennen, daß aus Rückſicht der perſönlichen Sicherheit an eine Dauer der beſtehenden Zuſtände nicht gedacht werden ſollte! Ich will es nicht verſuchen, ein Schreckbild zu malen, aber wenn man daran denkt, daß die ſchmale Stiege, die die Hauptverbindung zwiſchen dem Logengange und der Gallerie bildet, allein ſchon ge - eignet iſt, eine unglaubliche Kataſtrophe herbeizu - führen; wenn man weiter berückſichtigt, daß die hölzerne zum Muſeum führende Stiege gewiß keine Gewähr zu ſicherem Entkommen bietet, daß das Logenpublikum im zweiten Range auf der einen Seite ſich durch die angeſammelten Galleriebeſucher durch - drängen muß und dadurch, daß die Kenntnis der zweiten Stiege, da ſelbe für das Hinaufgehen nicht geöffnet wird (!), dem Publikum nicht ſo geläufig iſt und dieſes daher immer auch nur der vorerwähnten ſchmalen Stiege zuſtürmen würde, ſo dürfte aus dieſen wenigen Mißſtänden allein ſchon die Notwen - digkeit eines neuen Theaters erhellen. Wenn auch ſeit dem Brande am Ring und des Stadttheaters ſeitens der Behörden ſtrenge Maßnahmen getroffen und die alten Theater durch Anbringung von Notausgängen und Stiegen nach Tunlichkeit geſichert erſcheinen und ſolche auch bei unſerem Theater angebracht wurden, ſo ſind dieſe eben Notbehelfe. Dieſe aber — da Ge - wohnheit und die Anhänglichkeit an ein altes, liebge - wonnenes Haus das nötige dazu beiträgt — bringen eine Art Sicherheitsgefühl und Beruhigung mit ſich und laſſen alle die vorerwähnten Mißſtände vergeſſen.
So kommt es, daß von mancher Seite mit einer Seelenruhe verſichert wird: „ Wenn das Haus ſo lange geſtanden hat, wird es mit Gottes Hilfe auch noch weiter ſtehen! “
Sehen wir alſo von dieſer äußerſten Gefahr ab und betrachten die Verhältniſſe etwas näher, wie ſich ſolche im Innern des Hauſes bemerkbar machen. In allen Räumen im Parterre, den Logen und auf den Gallerien zieht es, daß man rheumatiſch werden muß, und dies in einer Stadt, in der Kranke ihren Rheumatismus los zu werden hoffen. Da keine Gar - derobe vorhanden iſt — denn der kleine Winkel, der eine ſolche vorſtellen ſoll, kann ja unmöglich ſo ge - nannt werden — müſſen die Theaterbeſucher mit den Ueberkleidern ſitzen und verſucht einer oder der andere ſeinen Rock abzulegen, holt er ihn nach dem erſten Akt wieder, damit er ſich vor Kälte und Zug ſchütze. Daher kommt es auch, daß man es nicht notwendig findet, beſondere Toilette zu machen. Das mag ja und iſt ja auch ganz gemütlich. Ob aber ſo mancher Geſchäftsmann es nicht lieber ſehen würde, wenn das Theater in Geſellſchaftstoilette beſucht würde, anſtatt daß man in Pelz und Ueberrock ſitzen muß, möchte doch dahingeſtellt bleiben! Die Heizungs - und Beleuchtungs-Einrichtungen entſprechen gewiß nicht der Jetztzeit! Die Temperatur im Hauſe iſt manchmal unleidlich und iſt dieſes ausverkauft, macht ſich ein oft atembeklemmender Odeur bemerkbar. Daß die mitwirkenden Künſtler unter dieſen Verhältniſſen enorm zu leiden haben, iſt wohl ſelbſtverſtändlich und iſt es dann kein Wunder, wenn der Tenoriſt heiſer oder die eine oder die andere Dame ver - ſchnupft iſt.
Der Staub iſt aus dieſen Räumen trotz aller Mühe nicht zu entfernen und iſt es vorgekommen, daß Damen aus den Logen anſtatt ihrer lichten Bluſe ein von Schmutz und durch das Abfärben der Tapete verurſachtes, unſagbar vielfärbiges Toilette - ſtück nachhauſe brachten!
Wir hören, wie ſo mancher beim Leſen dieſer Zeilen ſagen wird: „ Na, ſo ſchlimm iſt es nicht “, und doch iſt es ſo!
Man darf nur nicht Gevatter Storch ſpielen und den Kopf zwiſchen die Beine ſtecken, ſondern mit offenen Augen ſehen wollen und man wird ſich von der Wahrheit des Vorgeſagten überzeugen!
So mancher wird vielleicht ſagen, es ſei nicht recht, dieſe Uebelſtände ſo offen darzulegen, es ſei vielleicht nicht patriotiſch, nicht im Intereſſe der Stadt, den Finger auf die Wunden zu drücken. Ich aber erkenne gerade hierin den rechten Weg, der zum Ziele führen ſoll! Wenn jemand den Mut hat, Kritik zu üben, dann muß er auch die Energie beſitzen, das Kind beim rechten Namen zu nennen und ſeiner Ueberzeugung Ausdruck zu geben. Es iſt ja leichter und angenehmer, nach dem bekannten Sprichwort zu handeln: „ Ich ſage nicht ſo und nicht ſo, damit es nicht heißt, ich habe ſo oder ſo geſagt “, aber es gehört nicht zu meiner Gepflogenheit, hinter dem Berge zu halten und deshalb ſage ich: „ Heraus mit der Sprache, wie es jedem unabhängigen Manne ziemt! “
Und nun will ich auf den Vorwurf reagieren, der wiederholt gemacht wurde, als ob die ganze Theaterangelegenheit „ übereilt “und ſogar unüberlegt betrieben worden wäre.
Um dieſem Vorwurfe begegnen zu können, muß ich der Arbeit und reiflichen Erwägungen gedenken, welche das vorbereitende Theaterbaukomitee vollzogen hat. —
(Fortſetzung folgt.)
Bauend auf Ihre bekannte Liebenswürdigkeit, bitte ich höflichſt, folgenden Zeilen in Ihrem ge - ſchätzten Blatte Aufnahme zu gewähren:
Der Lenz ſcheint nun allen Ernſtes ſeinen Ein - zug gehalten zu haben, der erfreute Blick merkt es an verſchiedenen Anzeichen. Die Lampenpfähle im Park ſind friſch angeſtrichen, die Bänke wurden aus den Winterſtandorten an ihre gewohnten Sommerplätze geſtellt und am 1. April wird die Vorſaiſon mit Muſik eröffnet. Für dies alles wurde vorgeſorgt; woran aber die berufenen Faktoren ganz vergeſſen haben, daß ſind die Straßenverhältniſſe um Baden herum. Wenn man die Kurgäſte ſchon am 1. April in den lieblichen Kurort locken will, dann muß nicht nur der Park, ſondern auch anderes fix und fertig ſein; dazu gehören auch die Straßen.
Auf einer Wagenfahrt zur Cholerakapelle iſt man der Geſahr ausgeſetzt, die Seekrankheit oder eine Gehirnerſchütterung zu bekommen; der Zuſtand der Straße iſt tatſächlich ein derartiger, daß auch ein nicht gerade zimperlicher Menſch eine Wagenfahrt hier als Tortur empfindet, wenn er das „ Vergnügen “nicht lieber ſchon beim Sacher oder beim Durchbruch aufgibt. Wozu hat Baden denn eine Straßenwalze und ſind die Straßeneinräumer vielleicht alle auf Urlaub? In anderen Weltkurorten, unter die Baden ja immer eingereiht ſein will, findet man nicht nur die Aerarialſtraßen, ſondern auch die Be - zirksſtraßen glatt wie ein Billard. Daß aber die am empfindlichſten davon Betroffenen, die Fiakerbeſitzer, ein ſolches Reibeiſen für ihre Pneumatiks und Gummiräder ruhig und wortlos hinnehmen, ſetzt mich in größtes Erſtaunen.
Mit beſtem Dank hochachtungsvoll
Neulich bewunderten einige Gäſte aus Wien das ehemalige Zentral-Hotel, lobten deſſen An - lage, deſſen großen Vorgarten (den Bahnpark!) und den palaſtähnlichen Bau. „ Ja, das iſt jetzt unſere Bezirkshauptmannſchaft mit dem Steueramte “, erklärte ein Badener. „ So! und ihr habt keinen Adler daran? “ „ O ja, einen kleinen Doppeladler haben wir ſchon, aber der thront beſcheiden über einem Nebentürl! “— Die Wiener gaben nun ihrer Meinung Ausdruck: An die Front gehöre ein großer goldener Doppel - adler mit allen Emblemen, daß er allen Ankommen - den von weitem entgegenleuchte. Wir meinen auch, daß die Verwaltung der Bezirkshauptmannſchaft dies ausführen könnte. „ Wenn ſchon, denn ſchon! “ Es befinden ſich ja auch die Räumlichkeiten des k. k. Steueramtes in dieſem prunkvollen Gebäude und es iſt ſehr wichtig, daß der „ gern “Steuern zahlende Staatsbürger das weiß! Natürlich dürfen dieſe, wenn auch der große Doppeladler ſie nicht lockt, mit dem Zahlen nicht ſtreiken; denn das würde böſe Folgen nach ſich ziehen.
Ehedem ſtrömten bei ſtarken Regengüſſen alle Waſſer - maſſen von der Welzergaſſe und der Troſtgaſſe in der Franzensſtraße, Ecke der Boldrinigaſſe zuſammen und inundierten die vor der Hebung der Straße gebauten Häuſer von Sukfülls Winzerhauſe an bis zum Eck - hauſe des Herrn Lehrers Hammerſchmied. In der Weinberggaſſe wurde im verfloſſenen Jahre ein Ab -zugskanal geſchaffen und ſo einerſeits Abhilfe gebracht. Jetzt werden anſchließend an die Sandfänge in der Welzergaſſe längs der rechtſeitigen Häuſerzeile bis in den Hauptſammelkanal Abzugsrohre gelegt werden, damit die für die Hausbeſitzer unangenehme Kalamität behoben werde. Freilich leidet der freie Verkehr dar - unter, doch hofft der Unternehmer in zirka drei Wochen die Arbeit, die ja nur von Strecke zu Strecke aus - geführt werden kann, zu vollenden. Damit wird auch diesmal ein langjähriges Uebel beſeitigt werden und, wenn die präliminierten Pflaſterungen und Wegever - beſſerungen baldigſt durchgeführt werden, wird Baden ſich nicht zu beklagen haben, wozu es bisher leider nur zu oft Grund gehabt hat.
am 24. März 1908. Die Zufuhr betrug: 350 Kilo Rindfleiſch, 85 Stück Kälber, 184 Stück Schweine, 1 Stück Schaf, 5 Stück Lämmer, 5 Stück Kitze, — Stück Faſan, — Stück Rebhühner, — Schnepfe, — Stück Wildente, — Stück Rehe, — Stück Haſen, — Stück Hühner. Die Preiſe ſind folgende: Rind - fleiſch per Kilo von K 1·08 bis 1·30, Kalbfleiſch per Kilo von 1·08 bis 1·36, Schweinefleiſch per Kilo von 1·14 bis 1·24, Schafe per Kilo von 1·12 bis — · —, Lämmer per Stück 9· —, Kitze 7· —.
Montag ſtarb hier die Haus - beſitzerin Frau Franziska Dangl im 56. Lebens - jahre.
findet Donnerstag, den 2. April, um 5 Uhr abends, am Lyzeum ſtatt.
Geſtern Dienstag fand eine Probefahrt oder richtiger geſagt Rekognoszierungsfahrt mit Poſtauto - mobilen auf der projektierten Strecke Baden-Heiligen - kreuz-Alland-Klauſen-Leopoldsdorf mit zwei Automobil - Omnibuswägen ſtatt. Der eine davon war mit 1700 (14 Perſonen), der andere mit 2000 Kilo (20 Perſonen) belaſtet. An der Fahrt, die über Heiligenkreuz nach Alland und Klauſen-Leopoldsdorf und zurück nach Baden ging, nahmen ſeitens des Aerars Sektionschef v. Wagner und Hofrat v. Poſch, ferner Verwaltungsräte der „ Fiatwerke “, Bezirkshauptmann Freiherr v. Egger, Prälat Pöck vom Stifte Heiligenkreuz, Bürgermeiſter Dr. Treuner, Vizebürgermeiſter Gall und die Bürgermeiſter von Heiligenkreuz, Alland und Klauſen - Leopoldsdorf teil. Es wurde auf der Fahrt konſtatiert, daß der ſogenannte Heiligenkreuzerberg von beiden Seiten ſelbſt mit dem ſchwächeren Motorwagen mit Leichtigkeit genommen werden konnte. Die Fahrt von Baden nach Klauſen-Leopoldsdorf beanſpruchte die Zeit von nicht ganz $$\nicefrac{5}{4}$$ Stunden.
An der Landes-Winter - ſchule zu Gumpoldskirchen findet vom 7 — 11 April ein unentgeltlicher Obſtbaukurs für Obſtzüchter und Gartenbeſitzer ſtatt. Anmeldungen ſind an die Direktion zu richten.
Am Montag, als die Sonne ſo warm herniederſtrahlte, ſah man im Parke die Vorbereitungen zur Eröffnung der Vorſaiſon. Zunächſt erſcheint der Muſikpavillon, ſeiner Winter - hülle entblößt, in vielverſprechendem Schimmer. Die neugeſtrichenen glänzenden Bänke ſind wieder aufge - ſtellt und paradieren einladend in den Haupt - und Nebenalleen. Sie wurden auch am Montag mittags ausgenützt, wie überhaupt in den Alleen reges Leben herrſchte. Die Grätzinlicht-Lampen wurden ausgehängt, die Wege, die durch das Neulegen der Gasrohre etwas holperig geworden ſind, wurden geebnet und beſandet. Auch der Kaffeepavillon bekommt eine Neu - angliederung, die einem größeren Zuſpruche genügen ſoll. Die Bergwege ſind im beſten Zuſtande und an der Herſtellung der Blumenanlagen wird eifrig ge - arbeitet. Dazu plätſchert der Krupkabach und der Waſſerfall und ſingen die Amſeln, Finken, Meiſen und Droſſeln. Ein neues Leben beginnt. Das ſummen die Bienen, die ſich von den Frühlingsblumen den Blütenſtaub und den Honigſeim holen. Auch Schmet - terlinge beleben die Anlagen und eine heiter blickende Menge von luft - und ſonnenlichtbedürftigen Menſchen - kindern genießt die Frühlingsahnung. Möge es doch ſo bleiben und mögen uns die drohenden Nebel und Bergwolken mit feuchtkalten Ueberraſchungen verſchonen.
So wie wir den Vorfrühling gewünſcht hätten, war er uns nicht gegönnt; denn der Lenzmoat brachte uns manch’ Ungemach. Er war unbeſtändig, launenhaft, zeigte uns bisweilen Sonnen - ſchein, meiſt Nebel und Wolken, oft Wind und Schneetreiben. Die letzten Tage gab er ſich Mühe, uns ein gutes Andenken zu hinterlaſſen und wir4Mittwoch Badener Zeitung 1. April 1908. Nr. 27. hatten ſonniges Wetter, bei Nacht zwar kühl, auch ſonſt nicht gar warm, doch immerhin annehmbar. Die Frühlingsflora hat trotzdem Fortſchritte gemacht und man wird allenthalben von den lieblichen Erſtlingen des kommenden Lenzes begrüßt. Weiß, blau, gelb ſchimmert es zwiſchen den Büſchen und den keimenden Gräſern in den Fluren und an den Waldrändern. Von den knoſpenſchwellenden Baumwipfeln ſchallt heller Finkenſchlag, im Walde der Geſang der Droſſel und des Rotkelchens, über den Aeckern wirbelt das Trillern der Lerche. Und noch andere Frühlingsboten ſind erſchienen, früher als ſonſt: die weiße Bach - ſtelze, der Steinſchwätzer und das Hausrotſchwänzchen, welches in den Morgenſtunden von dem Dachfirſte ſein gutgemeintes, anheimelndes, zweiſtrophiges Liedchen ſingt. Gar mächtig regt es ſich im Wald und in den Auen, auch Blauveilchen zeigt an ſonnigen Stellen beſcheiden ſein duftendes Köpfchen. Nur eine Woche ſchönes Wetter und wir werden die Knoſpen ſich entfalten ſehen. Die erſten zarten, roſigen Blüten zeigen ſeit Sonntag im Parke die Ziermandelbäumchen und bald werden andere Blüten erſcheinen.
Da hatte ſich am Sonntag-Nachmittag eine große Geſellſchaft im Kurſaale eingefunden, um dem unermüdlichen Wiesmann den Dank für die vortreffliche Leitung der Promenadekonzerte der Winterszeit abzuſtatten. Der Saal war dicht gefüllt. Als der Benefiziant ans Pult trat, wurde er durch lebhaftes Händeklatſchen begrüßt und nach der Aufführung des Eingangs - marſches „ Don Quixote “von Theo Rupprecht wurden ihm Blumenſträuße, ein Lorbeerkranz mit brennend rotem Aufputz und viele andere Andenken entgegen - gebracht. Nach dem Strauß’ſchen Walzer „ Bürger - ſinn “ertönte Roſſini’s „ Tell “Ouvertüre. Da mußte man das treffliche Zuſammenſpiel des Orcheſters, das dem Dirigentenſtabe auf das minutiöſeſte gehorchte, bewundern. Opernſängerin Fräulein Helene Adlitzer brillierte mit der ſchwierigen Ozean-Arie aus der Oper „ Oberon “von C. M. von Weber. Wir haben vierzehn Tage früher die Sängerin mit viel Ver - gnügen gehört und die Vorzüge ihres Vortrages hervorgehoben. Wir können verſichern, daß ſie durch den Vortrag dieſer Arie und einer zweiten nicht minder ſchwierigen aus dem „ Cid “unſere Erwar - tungen nicht nur erfüllt, ſondern ſogar übertroffen hat. Voll und rund klang die Stimme in der Höhe und in der Tiefe und die dramatiſche Modulation war ſowohl im Rezitativ als auch in der Melodie vorzüglich. Schade nur, daß die Begleitung nicht vom Orcheſter beſorgt wurde, womit wir abſolut nicht ſagen möchten, daß Wiesmann’s Klavierbe - gleitung etwa nicht entſprochen hätte. Im Gegenteile; er verſtand es ſehr wohl, durch die Saiten des Klaviers die Inſtrumente des Orcheſters zu erſetzen. Fräulein Adlitzer empfing den wohlverdienten Lohn in dem brauſenden Beifall, der ihr geſpendet wurde. Komzak meldete ſich mit ſeiner anheimelnden Plai - ſanterie „ Am Krupkabache “und da der Komiker Herr König wegen Erkrankung nicht erſchienen war, folgte nun K. Wiesmann’s neueſte Kompoſition: „ Bad’ner Frauenherzen “, ein grandioſer Walzer, deſſen Themen ſozuſagen in der Badener Luft liegen und die er mit ſinnig-muſikaliſchem Verſtändniſſe zu einem erfreulichen Ganzen im $$\nicefrac{6}{8}$$ - Takte zu vereinigen wußte. Und jetzt trat ein kleines, nettes Figürchen in Roſa ans Klavier: Fräulein Mimi Schwarz, eine den Badenern ſchon von früher her bekannte und allgemein beliebte Operetten-Soubrette. Sie ſang und plauderte uns mit lieblicher Stimme und großer Kunſtfertigkeit reizende Kouplettchen vor, die, von Wiesmann begleitet, ſtürmiſchen Applaus weckten, welcher wieder immer neue Zugaben veranlaßte. Komzak’s Potpourri „ Für meine Freunde “und der Schlußgalopp „ Durch! “von K. M. Wallner been - deten das letzte Promenadekonzert des Winters, bei dem Herrn Wiesmann alle Ehrungen zuteil wurden, die er ſich nur wünſchen konnte. Am Mittwoch be - ginnt die „ Vorſaiſon “und mit ihr tritt das neue Programm ins Leben: zweimaliges Tageskonzert von halb 12 bis 1 Uhr mittags und halb 5 bis 7 Uhr gabends. Da es Theatervorſtellungen im April nicht eben wird, außer am 1. und 2., werden dieſe Kon - zerte für die frühen Kurgäſte die einzige Unterhaltung bieten. Möge auch nur ſchönes Wetter die Vorſaiſon begünſtigen.
Einen ſchönen Eingang zum Mitterberg bildet die Mozartſtraße. Die linke Seite zeigt uns ſchöne Villen in wohlgepflegten Gärten, an der rechten Seite, wo man bisher nur ziemlich vernachläſſigte Rückteile der Bergſtraßenhäuſer zu ſehen bekam, werden jetzt Ausputzungen vorgenommen, die dem Ganzen ein freundliches Geſicht verleihen. Der ganze Mitterberg mit ſeinen zerſtreuten Villenbietet ein liebliches Bild, das bei Abendbeleuchtung einen beſonderen Reiz ausübt. Und, wie man ver - muten kann, wird ſich dieſer Rayon in nicht gar zu ferner Zeit zu einem Villenviertel ſonder Tadel ent - falten, ausgenommen die vierzehn — Notbauten der aneinander gekarteten Spekulationsvillen ohne Licht und Garten, die — „ Neue Cottage-Anlagen “heißen!
Dienstag früh wurde die im Schloſſe Leesdorf beſchäftigte Bauhilfsarbeiterin Frau Katharina Fiſcher während der Arbeitszeit plötzlich vom Schlage getroffen und war, ehe ihr noch Hilfe gebracht werden konnte, binnen wenigen Mi - nuten eine Leiche.
Die 16jährige Marie Senkrecht, von deren Verſchwinden wir jüngſt meldeten, wurde dieſer Tage in Wien in ziemlich verwahrloſtem Zuſtande aufgegriffen und ihren hieſigen Angehörigen übergeben.
Der Bettler Lorenz Niedermann, ein oft abge - ſtraftes Individuum, wurde vor einigen Tagen neuerdings in einem hieſigen Gaſthauſe verhaftet, weil er gegen Gäſte, die ſich weigerten, ihm eine Unter - ſtützung zu verabreichen, gefährliche Drohungen aus - ſtieß. Er wurde dem Bezirksgerichte eingeliefert.
Der in Sattelbach anſäſſige bekannte Kalklieferant Koller wurde Donnerstag auf dem ſogenannten „ Burgſtall “im Helenentale von zwei Männern überfallen und ziemlich verletzt. Ein auf der nahen Straße herannahender Wagen verſcheuchte die beiden Wegelagerer, gegen die ſich übrigens Herr Koller verzweifelt wehren mußte.
Vergangenen Freitag nachts wurde ein dem Einſpännereigentümer Mayer in Tribuswinkel gehöriges Einſpännerzeug von einem aus Wien kommenden Zuge der Wiener Lokalbahn überfahren und der Wagen zertrümmert und das Pferd getötet. Das Fuhrwerk ſtand ſpät abends vor einer Heurigenſchänke in Leesdorf, indeſſen der Kutſcher Anton Lutter mit ſeinem Fahrgaſt ſich gütlich tat. In einer Sehnſuchtsanwandlung nach dem Stalle rannte das Pferd fort und eilte gegen die elektriſche Bahn zu. Zwiſchen den Stationen Lees - dorf und Rennplatz blieb der unbeleuchtete Wagen mit einem Rade in dem Geleiſe ſtecken, in welchem Momente das Pferd überführt und der Wagen zer - trümmert wurde. Wie durch ein Wunder entging dabei noch der Motorführer des Waggons einer Verletzung durch die Wagenſtange. Der Eigentümer des Gefährtes wurde ſeitens der Bahnverwaltung von dem Unfalle verſtändigt, während der Kutſcher flüchtig wurde, ſich jedoch Montag ſelbſt der Sicherheitsbehörde ſtellte. Gegen den unvorſichtigen Kutſcher wurde die Straf - anzeige erſtattet.
Dieſer Tage wurde von dem Günſelsdorfer Gendarmerie - poſtenkommando in der Nähe von Teesdorf eine zwölfköpfige Zigeunerbande verhaftet und dem hieſigen Bezirksgerichte eingeliefert. Zwei dieſer Zigeuner wurden in Haft behalten, da ſie dringend verdächtig erſcheinen, an Diebſtählen teilgenommen zu haben, während die übrigen der Schubſtation überwieſen wurden.
die in dieſer Jahreszeit in mancher Gegend geradezu epidemiſch auftreten, empfiehlt ſich der Genuß eines alkaliſchen Säuerlings. Insbeſonders wird in ſolchen Fällen ärztlicherſeits der natürliche Krondorfer - Sauerbrunn mit Vorliebe verordnet, welcher — mit warmer Milch vermiſcht — ein ſchleimlöſendes Heilwaſſer bildet und beſonders Kindern verabreicht werden ſollte.
(Herzklopfen, Herzbeklemmungen, Herzangſt), eine Teilerſcheinung der allgemeinen Neuraſthenie. Ungemein häuſig wird von Patienten in den Sprechſtunden über nervöſes Herzklopfen geklagt. In der Tat kommt der Arzt oft genug in die Lage, beſchleunigte Herzaktion oder blaſende und ſauſende Geräuſche über der Herz - gegend konſtatieren zu müſſen, ohne daß der weitere Verlauf der Krankheit Rückſchlüſſe auf wirkliche Herzleiden geſtattete; ſelbſt Unregelmäſſigkeiten der Herzaktion, Ausſetzen des Herz - ſchlages für Bruchteile von Sekunden ſind keineswegs immer ein Hinweis auf degenerative Vorgänge in der Herzmuskulatur oder auf Defekte des Klappenapparates. Es gibt zweifellos einen Zuſtand mit hoben Beſchwerden ſeitens des Herzens, der nichts mit organiſchen Herzerkrankungen zu tun hat; für den ärztlichen Diagnoſtiker muß freilich ſtets daran erinnert werden, daß nervöſe Störungen des Herzen ſich mit organiſchen kombinieren können und daß erſtere ſehr häufig auf der Baſis der letzteren ſtehen. Bei ſo manchem Neuraſtheniker, Hyſteriker, der ſtets über Herzbeſchwerden klagte, ja, auch bei Bleichſüchtigen (die ebenfalls viel an Herzklopfen leiden) fanden ſich am Sektionstiſch Klappenfehler und Herzdegenerationen in ausge - dehntem Maſſe — und zu Lebzeiten waren die Beſchwerden nur zu oft als „ rein nervös “diagnoſtiziert worden. Im übrigen ſind ſelbſt rein nervöſe Herzbeſchwerden ſehr läſtig und auch mitunter direkt lebensgefährlich. Jedenfalls iſt es notwendig, dem Zuſtande die genaueſte Beachtung zu ſchenken und lieberdie Behandlung ſo einzurichten, als habe man es auch mit einem organiſchen Herzleiden zu tun — wenigſtens in hygieniſchen und diätetiſcher Beziehung. Was letztere betrifft, ſo kommt es ſowohl bei nervöſen als auch bei rein organiſchen Herzleiden vor allem darauf an, den Geſamtkräftezuſtand des Organismus möglichſt günſtig zu geſtalten. Während nun dieſen Forderungen durch gute Ernährung im allgemeinen (unter Ausſchluß aller Alkoholika) Genüge geſchieht, müſſen wir insbeſondere im Be - rückſichtigen ev. neuraſtheniſcher oder hyſteriſchen Urſprungs der Herzbeſchwerden, die Herznerven mit einem Kräftenährpräparat zu ſtärken zu ſuchen, welches ſpeziell ſolche Subſtanzen enthält, die geeignet ſind, eine Regeneration des intercellularen Stoff - wechſels innerhalb der ſogenannten Ganglienzellen herbeizuführen. In dem Visvit haben wir ein ſolches Mittel, welches dieſen Forderungen im vollſten Maße gerecht wird; es enthält die den Körper zur Nervenregeneration auregender Sub - ſtanzen (vor allem Lezithin, welches bei Nervenernährung in hervorragender Weiſe in Betracht kommt) in wirkſamſter und in leicht aſſimilierbarer Form. Nehmen wir hinzu, daß Visvit infolge dieſer Eigenſchaften gerade auf die Nervenzellen günſtig wirkt und den für Nervöſe ſpeziell unſchätzbaren Vorzug hat, daß es gerne genommen wird und ſelbſt bei längerer Darreichung keinem noch ſo peniblen Patienten ſo leicht wiederſteht, ſo müſſen wir dem Visvit eine bevorzugte Stelle in unſerem Arzneiſchatz einräumen. Visvit, welches überhaupt durch ſeinen hohen Stickſtoffgehalt allein befähigt iſt, eine vorzügliche Krankenernährung zu bilden, bewährt ſich aus den angeführten Gründen ſpeziell als Nervennahrung, alſo auch bei nervöſen Herzſtörungen. Daß Visvit im Darmenahezureſtlos reſorbiert, alſo voll ins Blut aufgenommen wird, verſchafft ihm in Kliniken und in der Privatpraxis eo ipso immer wieder neue Anhänger, wenn es darauf an - kommt, dem Kräfteverfall erfolgreich vorzubeugen. Visvit iſt durch jede Apotheke zu beziehen. Gegen Einſendung von K 3.60 an die Mariahilfer-Apotheke, Wien, Mariahilferſtraße 55, erhält man ein Paket „ Visvit “ſpeſenfrei zugeſandt. Dr. med F.
Samstag, den 4. April, findet im Hotel Bruſatti ein Südmark-Abend ſtatt, an dem Wanderlehrer Hoyer, der berühmteſte und beliebteſte Redner dieſes Schutzvereines, ſprechen wird. Dieſer Abend wird für das Publikum umfomehr von Intereſſe ſein, als der Name Hoyers ſchon durch die glänzenden Redeerfolge in unſerer Umgebung auch in Baden allgemein bekannt iſt, ſo daß man große Erwartungen von dem Manne hegt, deſſen bezaubernde Sprachgewalt die Herzen aller, die ihn hörten, für den edlen und hohen Gedanken der nationalen Schutzarbeit entflammte. Für dieſen Abend hat auch in liebenswürdiger Weiſe der Badener Männergeſangverein ſein Mitwirken zugeſagt. Deutſch - geſinnte Gäſte ſind herzlich willkommen! Anfang: ½8 Uhr abends. Eintritt frei.
Donnerstag, den 2. d. M., um 8 Uhr abends, findet in Kerſchbaum’s Gaſthaus die Hauptverſammlung des Zweiges Baden des allgem. n. -ö. Volksbildungsvereines mit der üblichen Tages - ordnung ſtatt.
hält am 6. d. M., abends 7 Uhr, im Hotel Bruſatti ſeine diesjährige Vollverſammlung ab, wozu noch die Mitglieder des Vereines beſonders eingeladen werden.
In Ergänzung unſerer Notiz über die hieſige Ortsgruppe des Ver - eines „ Waiſenrat “und nach Einſichtnahme in den von Herrn Dr. Karl Walther unterzeichneten Auf - ruf muß dieſer Verein, der auch den Intentionen unſeres Kaiſers, Kinderwohlfahrtseinrichtungen zu ſchaffen, im vorzüglichen Maße entſpricht, ganz be - ſonders hervorgehoben werden. Denn wenn wir auch in Mödling ein ausgezeichnet geleitetes Waiſenhaus beſitzen, gibt es, wie der Aufruf ausführt, im Mödlinger Gerichtsbezirke noch immer 2446 fürſorge - bedürftige Kinder, die der Ueberwachung entbehren. Soll dieſen Kleinen die fehlende elterliche Fürſorge erſetzt werden, braucht der Verein mindeſtens hundert arbeitende Waiſenpfleger und mindeſtens tauſend zahlende Mitglieder (mit einem Mindeſtbeitrag von 2 K). Wir ſind überzeugt, daß der packende Aufruf gerade im Jubeljahre ſeinen lobenswerten Zweck er - reichen wird und fügen hinzu, daß Anmeldungen zum Vereine „ Waiſenrat “an deſſen Präſidenten, Herrn k. k. Bezirksrichter Dr. Karl Triebenbacher in Mödling zu richten ſind.
Ueber die letzte Generalverſammlung dieſes hervorragenden und höchſt verdienſtvollen Mödlinger Vereines, dem haupt - ſächlich die Pflege der Naturſchönheiten der Anningers und der Brühl zu danken iſt, bringt der Mödlinger5Nr. 27. Mittwoch Badener Zeitung 1. April 1908. Bezirksbote einen intereſſanten erſchöpfenden Bericht, auf den wir noch zurückkommen werden.
Im Na[m]en des Mödlinger Muſeumsvereines hält der Direktor des Landesreal - obergymnaſiums Herr Franz Roch morgen, den 2. d. M. einen zweifellos ſehr intereſſanten Ski - optikonvortrag über die „ Römerſtadt Carnuntum und das Muſeum in Carnuntum “. Anfang des Vortrages bei freiem Eintritt ½7 Uhr abends.
Am 4. d. M. findet im großen Saale des Brunner-Brauereihof - Hotels das Turnhalle-Stiftungsfeſt ſtatt, wobei die Kapelle Dreſcher den muſikaliſchen Teil beſorgt. Eine Stunde vor Mitternacht beginnt ein ſicherlich ſehr animiertes Tanzkränzchen. Im Gemütlichen produzieren ſich die „ Bieglerbuam “.
Das zweite und letzte Konzert des Quarttets Fitzner findet am 6. d. M. im Saale des Hotels „ Stadt Mödling “ſtatt. Da außer den bekannt vorzüglichen Leiſtungen dieſes Quartetts Lieder von Liszt und Hugo Wolf (vorgetragen von der Konzertſängerin Frau Amalie Löwe) geboten werden, kann man mit vollſter Sicherheit auf einen genußreichen Abend rechnen.
Am 3. d. M. findet im Hotel „ Kaiſer von Oeſterreich “eine außerordentliche Generalverſammlung des früheren Lyzeumbauvereines ſtatt, der unter dem neuen Titel „ Mödlinger Lyzeum - verein “auf Grund der geänderten Statuten auch einen neuen Vereinsausſchuß bekommen ſoll. Wir wünſchen dieſem Vereine, durch deſſen Tätigkeit das höchſt erſprießlich wirkende Mädchenlyzeum eine geſicherte finanzielle Grundlage gewinnt, das erfolg - reichſte Gedeihen.
Die Lorbeeren des letzterwähnten Dilettantentheaters laſſen den Ar - beitertheaterverein „ Anzengruber “nicht ruhen und ſo kommt es, daß im Brunner Brauerei-Hotel am 5. d. M. der „ Meineidbauer “zur Aufführung kommt — gewiß ein edler Wettſtreit unter Arbeiter - vereinigungen.
In der Nacht von Freitag auf Samstag voriger Woche haben wieder einige lichtſcheue Individuen ihrer rohen Zer - ſtörungswut freie Zügel gelaſſen. Zwei von den Bänken, welche der Verſchönerungsverein am Wald - ſteige aufgeſtellt hat und die bis zirka ½ m in der Erde ſtecken, wurden herausgeriſſen, dann wurde an manchen Stellen die Einplankung der parallel zum Waldſteige laufenden Staatsbahn arg zerſtört. Als die ſauberen Geſellen unten am Steige nichts mehr zu verwüſten fanden, ſtiegen ſie auf den, vom Wald - ſteige ſteil emporführenden Berg und rollten von hier Steine im beiläufigen Durchmeſſer von zirka ¾ m herab. Es muß nur als ein Glück bezeichnet werden, daß unten am Wege gerade niemand ging, als die Steine herabſauſten, die den unten am Wege befind - lichen Stacheldrahtzaun mehrfach zerſtörten. Die Steine rollten bis knapp auf den Bahnkörper und einige mußte der Streckenwächter gelegentlich ſeines Kontrollganges beſeitigen. Samstag abends beſichtigte Herr Krupp den Ort dieſer abſcheulichen Gauner - ſtückchen und ließ ſich von dem, zufällig auf dem Geleiſe daherkommenden Streckenwächter erzählen, was dieſer von der Sache wußte. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur. — Hoffentlich wird endlich einmal eine radikale Aktion gegen dieſes rohe Geſindel eingeleitet, deren nächtliches Auftreten ſich beſonders in letzter Zeit wiederholt bemerkbar machte.
Mittwoch, den 1. April, 8 Uhr abends, gelangt die Operette „ Die Landſtreicher “zur Aufführung.
Der Hausherrnverein für Vöslau und Umgebung hielt Sonntag nachmittags im Hotel Zwierſchütz eine all - gemein zugängliche Verſammlung ab, die ſich vor allem mit der Aufſtellung der Kandidaten für die Gemeindevertretung befaßte. Nachdem Herr Hoff - mannrichter mit wenigen Worten die Verſamm - lung über den Zweck des Vereines aufgellärt hatte und beſonders hervorhob, daß die Kandidaten aus einer freien Verſammlung hervorgegangen, unabhängig, alſo weder einer einzigen Perſon, noch einer Partei oder einem Vereine zu Dank verpflichtet ſeien, wird ein Komitée gewählt, u. zw. beſtehend aus der Leitung des Vereines und den Herren: Gräf, Hauſenberger, Jakob Maſchler und Schaumann, welches nach kurzer Beratung folgende Kandidatenaufſtellte: I. Wahlkörper die Herren: von Schlum - berger, von Penzig-Franz, Dr. Adler, Zwierſchütz; als Erſatzmänner: Hanſy und Pfleger. II. Wahlkörper die Herren: Anton Bauer, Anton Kainrath, Joſef Witzmann und Sparrer; als Erſatzmann: Franz Grandl. III. Wahlkörper die Herren: Breyer, Prewein, Karl Reithofer, Schnöller; als Erſatzmann: Rudolf Kirchner. Der Obmann des Vereines Herr Iskat erſucht, die Wahl dieſer Herren zu unterſtützen und führt aus, wie die Leitung, fern von jedem perſönlichen Intereſſe beſtrebt war, ſeine Mitglieder zu ſchützen und wie ſie als Gemeindevertreter das Wohl des Kurortes anſtreben. „ Es iſt nicht vorteilhaft “, ſagt der Redner weiter, „ wenn eine Gemeinde nur von einigen geführt wird, und alle übrigen zu den An - trägen des Gemeinderates Ja und Amen ſagen; obwohl man uns nicht gern ſah, weil wir Oppoſition machten, ſo wollen wir unſere Anſichten verfechten und durchſetzen, daß dieſe berückſichtigt werden. Es wird eine ſchwere Aufgabe der Zukunft ſein, eine weitere Erhöhung der Umlage zu vermeiden und dennoch zu ſchaffen, was eines Kurortes würdig iſt, alſo nur für unbedingt notwendige Anträge zu ſtimmen. Wenn bis jetzt viel für die Waldwieſe geſchah, muß in der nächſten Zeit für Straßen, Uebergänge und Trottoirs viel angewendet werden. Bezüglich der Ausgeſtaltung des Bades ſollen die bereits abgezahlten 170.000 K herausgenommen, d. h. auf eine längere Zeit verteilt werden — es mögen auch die Nachkommen einige Laſten auf ſich nehmen — denn es muß eine neue vergrößerte Kabinenan - lage, nebſtbei eine Art Heilanſtalt geſchaffen und die Kolonnade verlängert werden. Als Kurort brauchen wir unbedingt eine Waſſerleitung, die Kanaliſierung und die Pflaſterung. Herr Hoffmannrichter führt aus: der Bahnhofbau interreſſiert uns ebenfalls und wir werden uns energiſch gegen eine Brücke wehren. Es gibt alſo Arbeit in Hülle und Fülle. Wenn von anderer Seite nun von verlotterter Wirtſchaft ge - ſprochen wird, ſo will ich noch folgendes bemerken: ich bin ſeit 3 Jahren im Gemeindeausſchuſſe und gewiß einer, der Oppoſition machte, aber es iſt mit der Wirtſchaft nicht ſo ſchlecht, es ſind alte Fehler da, die ſuzeſſive verſchwinden müſſen, aber Recht muß Recht ſein; mögen auch Leute an der Spitze ſtehen, die vielen nicht angenehm ſind, ſo erfüllen ſie ihre Pflicht und ich betone, daß eine muſterhafte Wirt - ſchaft in der Buchführung herrſcht. Herr Fleiſch - mann will von einer Kandidatur des Herrn Direktors von Penzig-Franz nichts wiſſen, worauf Herr Iskat unter Beifall der Anweſenden hinweiſt, daß ein Mann, der einem ſo großen Etabliſſement vorſteht, auch in die Gemeindevertretung gehört und bittet, den Antrag des Herrn Fleiſchmann als nicht gehört zu betrachten, umſomehr als die Kandidatenliſte ſchon fertiggeſtellt ſei. Es ſei noch erwähnt, daß zum Schluſſe der Verſammlung Herr Hajek durch den Vortrag ſeiner „ wohlgeſetzten, manchmal etwas verſchrobenen Rede “große Heiterkeit erregte.
Montag abends, alſo vor Beginn der Wahlen, hatte Herr Rudolf Lettmüller in einer Verſammlung im Gaſthauſe des Herrn Appel einen Teil der Wähler vereinigt, die teils aus Intereſſe an der Sache, aber vielfach auch deshalb hingingen, um einen vergnügten Abend zu haben. Seine Kritik iſt nur eine Wiederholung aller jener Angriffe gegen den Herrn Bürgermeiſter Reiter, die den Vöslauern zur Genüge bekannt ſind; neu war, daß Herr Reiter einen Jahresgehalt von 3200 Kr. beziehe. Hier wurde aber der Redner von Herrn Anton Kainrath, Architekt und Bau - meiſter, dahin aufgeklärt, daß dieſer Poſten im Budget nur durch eine Nachzahlung von 800 Kr. ent - ſtanden ſei, ſomit der Gehalt nach wie vor nur 2400 Kr. betrage. Herr Lettmüller zählt als Werke des Herrn Bürgermeiſters (eine Gemeindervertretung muß damals nicht exiſtiert haben) die Kurkommiſſion auf, die eine Gemeinde in der Gemeinde ſei, beſpricht die Bierumlage, die ihren Zweck, Regulierung der Mühl - gaſſe, Uebergänge ꝛc. zu ſchaffen, nicht erfüllt habe (wer hindert die Regulierung? Herr Kohn durch ſeine nicht entſprechenden Forderungen), verlangt Auf - klärung über die 36.000 Kr. als Erträgnis dieſer Umlage, führt die Draſche-Villa, die Erhöhung der Umlage und den Verkauf des Hotels Kommunal an, deſſen Pächter ein Rieſengeſchäft mache. Die Benefizien der Hausherren im Bade ſeien derart, daß wir 30 Heller im unteren Teiche zahlen müſſen, wo die Muſiker des Herrn Schwarz 20 Heller zahlen, die Aenderung der Dienſtpragmatik wegen eines zu wählenden Ausſchußmitgliedes ſei nicht am Platze, die Verpachtung des Kaffeehauſes war nicht richtig, da man keine Konzeſſion beſaß (man kann ſie ja be -kommen), das Hotel Kommunal ſolle im Offertwege verkauft werden, das Vorgehen des Herrn Bürger - meiſters bei den Bauten ſei nicht gleichmäßig, die Vergebung der Bauarbeiten erfolge zu ſeinen Gunſten, Redner ſelbſt werden zurückgeſetzt, während z. B. die Herren Spika, Tremel, P. Teufel Erde aus der Schlammgrube bezogen, konnte er keine Fuhr Grotten - ſteine bekommen, auch die Beleuchtung am Waldes - rande der in der Waldandachtſtraße ſtehenden Neu - bauten fehle noch immer, man komme ihm gar nicht entgegen, obwohl z. B. auf ſeine Anregung dort zwei weitere Villen entſtanden ſind und die Herren von Schlumberger, Ludwig Schneider, Kummer, Heger und Brünner nur auf ſeine Empfehlung hin elektriſche Motore aufgeſtellt hätten. Man müſſe ſich Baden zum Muſter nehmen, wo Straßen und Beleuchtung ſchon da ſind, bevor gebaut werde, Vöslau ſei um 200 Jahre zurück. Zum Schluſſe empfiehlt Herr R. Lettmüller ſeine Kandidaten.
Freitag, den 27. März: „ Der Veilchen - freſſer “, Herr Max Devrient, k. k. Hofſchau - ſpieler, als Gaſt.
Wieder ein Gaſt aus dem Hofburgtheater! Und noch dazu ein ſo ſeltener. Wer weiß, wann dieſe Gelegenheit wiederkehrt, dachte unſer ſtändiges Pub - likum und beeilte ſich, ſo ſchnell als möglich, trotz der an Gaſtſpielen und Premieren jetzt auf einmal ſo überreich bedachten und deshalb ohnehin zu faſt täglichem Theaterbeſuch verlockenden Saiſon-Schluß - zeit, in den Beſitz der für dieſes beſondere Theater - ereignis notwendigen Legitimationen, reſp. Eintritts - karten zu ſetzen.
Herr Max Devrient gab den Huſaren-Leut - nant Viktor v. Berndt, den Veilchenfreſſer in dem gleichnamigen, altbewährten Luſtſpiele Guſtav von Moſer’s und riß durch ſeine bezwingenden Natür - lichkeiten in der Charakteriſierung dieſer ſo liebens - würdig und männlich-tatkräftig gezeichneten Luſtſpiel - figur das bis auf das letzte Plätzchen gefüllte Haus zu ſtürmiſchen Ovationen hin.
Sehr vorteilhaft in der nächſten Umgebung des illuſtren Gaſtes hob ſich diesmal der Referendar von Feldt des Herrn Neufeld ab. Dem jungen Schau - ſpieler liegen dieſe ſchüchternen Liebhaber vortrefflich und es koſtete ihm eigentlich nur ein wenig Fleiß, um immer das Publikum ſo zufrieden zu ſtellen wie diesmal.
Fräulein Maſtné war eine bildſchöne Frau von Wildenheim, leider aber nicht ſo ſicher, als es dieſe ſchwierige Aufgabe verlangte. Ueberhaupt ver - ſchleppte ſich das Tempo der Vorſtellung, beſonders im erſten Akte, derart, daß es zeitweiſe direkt unbe - haglich wurde.
Samstag, den 28. v. M., zum erſten Male: „ Die Förſter-Chriſtl “, Operette in drei Akten von Bernhard Buchbinder. Muſik von Georg Jarno.
Nun durften wir zu guterletzt, knapp vor Tor - ſchluß, wahrſcheinlich als eine Art Entſchädigung für die direktionell verſprochenen, aber nicht zur Auf - führung gebrachten Novitäten im Bereiche der Operette, vielleicht auch als Beſchwichtigungsfaktor für die in jenem Genre heuer begangenen Sünden, doch noch die „ Förſter-Chriſtl “, die letzte Operettennovität der Jarno’ſchen Bühnen, auf unſeren heimatlichen Brettern bewillkommnen. Eine Operette, mit der man in Wien ſehr viel Aufhebens machte, zu dem aber entſchieden die Berechtigung mangelt. Weder Muſik noch Text ſind ſo außerordentlich, daß ſie die Novität über das Niveau hinausheben, welches Mittelmäßigkeit, wenn auch diesmal mit den Beiworten gefällig und liebens - würdig, bedeutet.
Ein bischen ungariſches Milien aus dem „ Schnur - bart “, ein Stückchen Sentimentalität aus dem „ Walzertraum “und dazu irgend eine der einer ganz ſpeziellen Volksliteratur nach legionweiſen Avanturen Kaiſer Joſefs — und das Libretto iſt fertig. Bern - hard Buchbinder arbeitet diesmal ſogar ziemlich viel in Gefühlsduſelei — freilich, das Karltheater hat ja die herrſchende Richtung angegeben und ſteuert noch immer ſchnurgerade darnach — aber von dem präch - tigen Humor des gewiegten Bühnenmannes merkt man in ſeinem neueſten Erzeugnis verzweifelt wenig. Das iſt ſchade, denn eine tüchtige Portion Komik kann unbeſchadet der Sentimentalität im Operetten - genre noch immer exiſtieren.
6Mittwoch Badener Zeitung 1. April 1908. Nr. 27.Ein flottes, ſchneidiges Förſtermädel, Chriſtel Lange, Herz und Zunge am rechten Fleck, ſteht im Mittelpunkte der Handlung. In ihr Jagdrevier, eigentlich in das ihres Vaters, verirrt ſich eines ſchönen Tages der Kaiſer Joſef. Mit den Macht - beſugniſſen ihres Vaters ausgerüſtet, hält ſie ihm, den ſie für einen Amateurſchützen anſieht, eine Stand - rede und nimmt ſogar ſeine Uhr als Pfand für den mangelnden Thaler Strafgeld in Empfang. Schon da ſchmeichelt ſich ihr das Bild des Fremdlings in das Herz und als ſie nun vollends nach Wien in die Hofburg kommt, um für ihren Verlobten Franz Földeſſy Gnade vom Kaiſer zu erflehen und in den Zügen des Monarchen den einfachen Jäger wieder erkennt, da iſt es um ſie geſchehen. Was gilt ihr mehr der Bräutigam, dem der Kaiſer wieder die Freiheit gegeben; jeder Gedanke in ihr gehört nur ihm, dem Einzigen, Herrlichen, ihrem Kaiſer. Wieder im einſamen Forſthauſe angelangt, kann Chriſtl ſich noch immer nicht zum bindenden Ja entſchließen, das ſie und ihren Verlobten für immer vereinen ſoll, bis der Kaiſer ſelbſt vor ſie tritt und in wehmütiger Reſignation für Franz Földeſſy den Werber ſpielt.
Eine ganz anſehnliche Anzahl anderweitiger Per - ſonen beleben noch die drei, bald an der ungariſchen Grenze, bald in der Hofburg ſpielenden A[k]te. Größten - teils aber ſtehen ſie der Handlung ziemlich ferne und ſind offenbar nur da, um dem Komponiſten mehr Spielraum zur Anbringung ſeiner muſikaliſchen Mo - tive zu gewähren. Das iſt zum Beiſpiel die Zigeu - nerin Minka, eine ungariſche Zigeunerin, die auf eins und zwei in der Hofburg mit den Hof damen, ſämt - liche als ſpaniſche Zigeunerinnen, zu Tambourin und Caſtagnetten ſingt und tanzt, dann die Komteſſe Joſefine, die mit dem Gutsverwalter Földeſſy kokettiert, vermutlich einzig und allein nur in der Abſicht, einem hübſchen Duett einige paſſende Eingangsworte zu ver - ſchaffen, dann ebenfalls in der Hofburg als Spanierin mittanzt, ferner die Baroneſſe von Othegraven, bild - lich geſprochen nur ein Schatten von einer komiſchen Figur, und ſchließlich noch die ganz belangloſen Geſtal - ten des alten Förſters und einiger adeliger Kavaliere.
Muſikaliſch präſentiert ſich die Operette zu[r]Hälfte in transleithaniſcher Umrahmung. Nur ein Viertel vielleicht weiſt Wiener Färbung auf, nicht ganz unverfälſcht, das findet man momentan wohl ſelten. Das übrige, entſchieden das wertvollſte, zeigte Züge einer eigenen erfreulichen Begabung, aus der die reizende Melodie „ Herr Kaiſer, Herr Kaiſer, du liebe Majeſtät “, die ſo ziemlich Leitmotivsrang ein - nimmt und auch in der ſtummen Abſchiedsſzene Ver - wendung findet, der originelle Zigeunermarſch mit den hübſchen Sopranſolis, das früher erwähnte Duett (Franz Földeſſy — Komteſſe Joſefine) und das nette Dackel-Couplet entſprangen.
Die Titelrolle hatte natürlich Frau Herma inne. Leider war die brillante Soubrette wegen eines hef - tigen Unwohlſeins (Fieber und Huſten) nicht im Voll - beſitze ihrer Mittel und konnte die anſtrengende Partie nur mit Aufgebot ihrer ganzen Willenskraft zu Ende führen. Nichtsdeſtoweniger verſtand Frau Herma das Publikum mitzureißen, zu entzücken und zu rühren und wirkte in den dramatiſchen Akzenten geradeſo ergreifend, wie innig und lebenswahr in den anderen Phaſen ihrer Charakteriſierungskunſt. Frau Herma wurde ſelbſtverſtändlich ſtürmiſch ausgezeichnet und wollen wir hoffen, daß ihr Unwohlſein, welches ſie tags darauf ſogar zu einer Abſage nötigte, ſich in kürzeſter Friſt gibt und vielleicht doch noch eine Repriſe der Operette ermöglicht wird.
Als Gutsverwalter Földeſſi war Herr Schütz wieder einmal genötigt, einen kleinen Abſtecher in das Land der Magyaren zu machen. Er präſentierte ſich äußerſt vorteilhaft und entledigte ſich, von ſeiner Heiſerkeit erholt, ſeiner mehr anſtrengenden als dankbaren Partte prächtig und mit ſichtlicher Hingabe.
Ihren Ruf als brillante Sängerin vollauf zu recht - fertigen, gab es für Frl. Salden in der Partieder Komteſſe Joſefine wiederholt Gelegenheit, und daß auch Frl. Schneider mitunter außergewöhnlich hübſch ſingen kann, hat ſie als Zigeunerin Minka vollauf bewieſen.
Eine kleinere Rolle, die des Walperl, legte ſich unſer jugendlicher Geſangskomiker Kraus treff[l]ich, ſogar mit Spezialerfolgen zurecht. Den Oberſthof - meiſter hätte man in Anbetracht ſeiner ſtimmlichen Verpflichtungen lieber Herrn Lerchenfeld geben ſollen. Damit ſollen keinesfalls die bekannten Vorzüge des Herrn Ott eine Einſchränkung erfahren, aber „ Singe, wem Geſang gegeben “heißt es nun einmal und für das Zeremoniellduett wäre es wohl beſſer geweſen, wenn man dieſes Wahrwort reſpektiert hätte.
Die Rolle des Kaiſer Joſef mimte Herr Gregor. Sie iſt wohl nicht ſehr groß, dafür aber ſehr an - ſprechend und ſympathiſch. Herr Gregor wußte ſie und ſich ſelbſt, er ſah nämlich vorzüglich aus, ins rechte Licht zu ſetzen.
Reichlicher, ehrlicher Beifall, davon ſei der ſchon abgezogen, welchem das widerhaarige Benehmen Meiſter Langohrs zum Schluſſe des erſten Aktes als Ent - ſtehungsurſache galt, lohnte die gut ſtudierte und in verhältnismäßig kurzer Zeit herausgebrachte Aufführung, zu deſſen Quittierung ſich nach dem erſten und zweiten Akte Kapellmeiſter Behnfeld und die Hauptdarſteller, von denen die Damen Herma, Salden und Schneider durch prächtige Blumenſpenden ausge - zeichnet wurden, wiederholt vor der Rampe erſcheinen konnten.
Herrn G. L. in O. -W. Wir danken Ihnen beſtens für die Muteilung. Wir waren keinen Augenblick im Zweifel, wer der Denunziant iſt. Vergleichen Sie jedoch gefl. den In - halt der Brieſkaſtennotiz in der letzten Nummer des genannten Blattes mit dem Inh[a]lte Ihrer Karte.
Herrn Prof. H. H. in M. Das Feu[i]lleton „ Ein In - terview “iſt ſchon im Vorjahre von uns abgedruckt worden.
Druck und[Ver]lag d[e]r B[u]chdruckerei Johann Wladarz, vormal[s]H. Haaſe, in Baden. — Verantwortlicher Schriftleiter Rudolf Bauer.
Benjamin FiechterSusanne HaafNote: Bereitstellung der digitalen Textausgabe (Konvertierung in das DTA-Basisformat).2018-01-26T13:38:42Z grepect GmbHNote: Bereitstellung der Texttranskription und Textauszeichnung.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T13:38:42Z Amelie MeisterNote: Vorbereitung der Texttranskription und Textauszeichnung.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T13:38:42Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe
Fraktur
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