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Redaktion und Adminiſtration: Ringplatz 4, 2. Stock.

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Telegramme Allgemeine, Czernowitz.

Czernowitzer Allgemeine Zeitung

Ankündigungen: Es koſtet im gewöhnlichen Inſe - ratenteil 12 h die 6mal geſpaltene Petitzeile bei einmaliger, 9 h bei mehrmaliger Einſchaltung, für Re - klame 40 h die Petitzeile. Inſerate nehmen alle in - und ausländiſchen Inſeratenbureaux ſowie die Ad - miniſtration entgegen. Einzel - exemplare ſind in allen Zeitungs - verſchleißen, Trafiken, der k. k. Uni - verſitätsbuchhandlung H. Pardini und in der Adminiſtration (Ring - platz 4, 2. St.) erhältlich. In Wien im Zeitungsbureau Goldſchmidt, Wollzeile 11.

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Manuſkripte werden in keinem Falle zurück - geſendet, unfrankierte Briefe nicht an - genommen.

Nr. 2329. Czernowitz, Dienſtag, den 24. Oktober 1911.

Ueberſicht.

Vom Tage.

Im Herrenhauſe wurde eine mehrgliedrige Kommiſ - ſion zur Beratung der Teuerungsfrage gewählt. Heute begannen in Budapeſt wieder die Verhandlungen über die Zulaſſung von Fleiſchimporten nach Oeſterreich. Unter den italieniſchen Truppen in Tripolis wütet die Cholera in ſchreckligcher Weiſe; ſeit Beginn des Krieges ſind bereits 260 Todesfälle vorgekommen.

Letzte Telegramme.

Die Verhandlungen in Ungarn zum Zwecke der Her - beiführung eines Kompromiſſes zwiſchen der Oppoſition und der Regierung ſind geſcheitert. In der Station Trzebina hat ſich geſtern ein ſchwerer Eiſenbahnunfall ereignet. Nach Konſtantinopeler Meldungen ſollen die Italiener bei Benghazi eine ſchwere Niederlage erlitten haben.

Vierter und letzter Brief.

Hören Sie, an Einkommen geſegneter Herr Doktor Straucher, wie es kommt, daß ich Sie nach Ihrem poli - tiſchen Fall und all den Affären, die Sie zu einem Men - ſchen geſtempelt haben, dem man nicht mehr von Ange - ſicht zu Angeſicht entgegentritt, dennoch einer letzten Anwort würdige. Hören Sie: Geſtern kam ich von einer Reiſe, die ich in beruflichen Angelegenheiten nach Wien unternommen hatte, zurück. Kaum hatte ich mein Re - daktionsbureau betreten, als mir mein jüngſter Mitar - beiter mit flammender Röte im Geſicht mitteilte, Sie hätten ſich unterfangen ſo drückte ſich der junge Mann aus mich in Ihrem Zeitungsblatte perſönlich zu be - ſchimpfen; ich müſſe die entſprechende Antwort erteilen. Daß Sie, an Revenuen reicher Herr Dr. Straucher, der Verfaſſer des Schmähartikels ſeien, erkenne er an dem ſehr mangelhaften Deutſch, an der geſchmackloſen Selbſt - beräucherung, an dem verworrenen Durcheinander der ſogenannten Gedanken und nicht zuletzt an dem beiſpiel - los rohen Ton, der nur Ihnen eigen ſei! Ich müſſe ſofort erwidern. Gemach, mein Freund, meinte ich nun, der Herr Dr. Straucher iſt heute ein Mann, den man höchſtens a tergo dem wohlverdienten Schickſal entgegenſtößt, ſeine Anfälle ſind mir nur eine Quelle ſtiller Heiterkeit. Im Uebrigen, fügte ich, zu meinem Mitarbeiter gewandt, hin -zu, können Sie mir am morgigen Sonntag den kurzen Inhalt des Artikels mitteilen. Sie dürften, vielfach pau - ſchalierter Herr Dr. Straucher, nämlich wiſſen, daß ich auf Sauberkeit in meinem Hauſe ſehr viel gebe und aus dieſem Grunde Ihr Blatt aus demſelben verbannt habe.

Heute iſt nun Sonntag. Nach einer arbeitsreichen Woche gönne ich mir eine Stunde Ruhe, und dieſe benütze ich, um Ihnen nach der mir von dem erwähnten Mitar - beiter erteilten Information in aller Gemütlichkeit einige Worte zu widmen. An einem Werktage hätte ich jede Mi - nute für verloren gehalten, die von Ihrer lieblichen Per - ſönlichkeit in Anſpruch genommen worden wäre. Zunächſt in möglichſter Kürze von mir ſelbſt. Der Zuſammenhang erfordert es leider, daß ich meinem Prinzipe, meine Per - ſon nicht in den Vordergrund zu drängen, für einige Au - genblicke untreu werde. Sie ſollen geſagt haben, daß ich aus öffentlichen Geldern gefüttert werde, daß mir eine Reihe ſchändlicher Dinge nachgeſagt wurden, ohne daß ich den Gerichtsweg betreten hätte und daß ich ſchließlich bei Empfangnahme fremder Depoſitengelder und fremder Wechſel irgend etwas begangen hätte. Sehen Sie, ver - floſſener Alleinherrſcher von Czernowitz: da ſind Sie über mich entweder ſchlecht informiert oder Sie lügen und verleumden. Das Letztere ſcheint Ihrem in dieſem Belangen erprobten Charakter mehr zu entſprechen. Es wird Sie aber für alle Fälle intereſſieren zu erfahren, daß ich keinerlei Unterſtützungen aus öffentlichen oder privaten Mitteln empfange und noch mehr wird Sie freuen, zu hören, daß ich in den zwölf Jahren, die ſeit meiner Verehelichung verfloſſen ſind, das mir von meiner Frau und von nahen Angehörigen derſelben zur Verfü - gung geſtellte Vermögen in der Höhe von mehr als zwei - malhunderttauſend Kronen aus dem Auslande in dieſe Stadt ſukzeſſive herübergeſchafft und in die von Ihnen ſo gehaßte Czernowitzer Allgemeine Zeitung inveſtiert habe. Vielleicht wiſſen Sie auch das Folgende nicht: daß ich einen großen Teil des Ertrages meiner flott gehenden Advokaturskanzlei in eben dieſem Zeitungsunternehmen vertan habe und daß ich ſchließlich Gott und meine Gläubiger ſeien mir gnädig! Darlehen kontrahieren mußte, die gleichfalls von der Allgemeinen verſchlungen wurden, bis ſich die Zeitung durchrang und heute ſich Ein - nahmen und Ausgaben zur Not decken. Sie, der Sie ſich im Laufe Ihrer glorreichen politiſchen Wirkſamkeit einen ſehr praktiſchen Sinn erworben haben, halten ſolches für unmöglich. Aber es iſt dennoch wahr. Die ganze Stadt weiß es, und in allen Informationen, die über mich erteilt werden, können Sie es Schwarz auf Weiß leſen. Ich be - ſaß den Ehrgeiz, dieſem Lande eine anſtändige Preſſe zuverſchaffen und opferte dieſem Ehrgeiz mein Vermögen und neun Jahre übermenſchlicher Arbeit. Die einzige Genugtuung, die ich habe, iſt, daß ich verhüten konnte, daß das Land zu Hauſe und auswärts durch Blätter re - präſentiert werde, die Sie herausgeben.

Daß ich auf Schmähungen und Verleumdungen, die in einem beſtimmten Falle gegen mich erhoben wurden, nicht mit der gerichtlichen Klage reagierte, iſt richtig. Sie ſpekulieren aber auf die Vergeßlichkeit des Publikums, wenn Sie behaupten, daß ich den Schimpf auf mir ſitzen ließ. Ich erſtattete, wie Sie ſich, ſchon mit Rückſicht auf die traurige Rolle, die gerade Sie in dieſer Sache ſpielten, wohl erinnern dürften, bei dem Disziplinarrate der Bu - kowiner Advokatenkammer gegen mich die Selbſtanzeige und bat um die ſtrengſte und umſtändlichſte Unterſuchung. Die Bitte wurde mir gewährt. Sollten Sie am Ende ver - geſſen haben, was das Reſultat dieſer Unterſuchung war? Ich will Ihrem ſchwachen Gedächtniſſe zu Hilfe kommen. Drei Jahre lang wurde die Unterſuchung geführt. Es wurden unzählige Perſonen, die etwas wiſſen konnten, im Requiſitionswege gerichtlich unter Eid vernommen. Denken Sie ſich, was die allermeiſten Zeugen ausſagten! Sie ſagten, Sie ſelbſt wüßten in der Sache nichts mitzuteilen aber der Herr Dr. Straucher habe ihnen geſagt, ich hätte das und jenes begangen. Dann wurden Sie ſelbſt vernommen. Leſen Sie doch heute nach ſieben oder acht Jahren Ihr diesbezügliches Protokoll! Wenn Sie noch einen letzten Reſt von Schamgefühl haben, müſſen Sie ſelbſt entſetzt ſein über die Unſumme von feiger Dreherei und ſüßlichem Nichtwiſſen und Nichterinnern, das Sie da zum Beſten gaben. Ich hatte meine Satisfaktion, ich wurde von meinen Kollegen, die mir ſtrenge, aber gerechte Richter waren, einſtimmig freigeſprochen und konnte auf eine gerichtliche Genugtuung umſo eher verzichten, als ich zu meiner Freude wahrnahm, daß meine geſellſchaftliche und ſoziale Poſition von Tag zu Tag wuchs und daß ihr alle Ihre verleumderiſchen Ueberfälle nichts anhaben konnten. Sie ſelbſt, den expenſenſtarken Herrn Dr. Strau - cher, forderte ich allerdings eines Tages vor die Schranken des Gerichtes, als Sie einmal Ihre gewohnte Vorſicht zu Hauſe ließen und behaupteten, ich ſtünde im Solde der Bojaren. Was taten Sie, tapferer Herr? Sie leugneten vorerſt, dann überreichten Sie einen ellenlangen Schrift - ſatz, der einen Wahrheitsbeweis beinhalten ſollte und o weh! bei nächſter Verhandlung beriefen Sie ſich auf Ihre Immunität. Eine Fehlentſcheidung der unteren In - ſtanzen ſprach Ihnen die Immunität zu, nud ehe ich noch die Nichtigkeitsbeſchwerde zur Wahrung des Geſetzes über - reichen konnte, war der Bukowiner Landtag einberufen

Das rote Signal.

35] (Nachdruck verboten.)

Iſa ſah durch das Fenſter auf die Felder hinaus, die vorüberflogen. Der Zug rollte über die Mainbrücke. Maje - ſtätiſch wogte unter ihnen der breite Strom. Die hohen, vielzackigen und ſpitzigen Türme des Domes ragten in den dämmernden Abendnebel.

Sie ſchwieg. Doch in ihren Augen war ein Flim - mern. Der Horizont weitete ſich und unendliche Fernen dehnten ſich vor ihrem Blick.

Nur ihrer Familie?

Ach, in dieſem Augenblick fühlte ſie, daß ſie ſich nur ungeſchickt ausgedrückt hatte, vielleicht konventionell; daß er ihr, ihr allein unentbehrlich geworden war; mehr als das, daß ſie ſich das Leben ohne ihn nicht mehr denken konnte. Daß ſie ihr eigenes Leben, alles, was ſie umgab, was ſie bewegte, im Guten wie im Schlimmen, nur in ſei - nem Sinn erlebte und fühlte.

Doch eher wäre die zinnoberrote Scheibe, die, von blaugrauen Untiefen umgeben, oſtwärts wieder aufgeſtie - gen, ſtatt weſtwärts hinter fahlen Hügelzügen zu ver - ſinken, als daß Iſa nur mit einer Geſte oder Gebärde das ausgedrückt hätte, was ſie bewegte.

Um das drückende Schweigen, das zwiſchen ihnen herrſchte, zu beenden, knüpfte ſie das unterbrochene Ge - ſpräch übr Gabriele wieder an.

Was meinten Sie vorhin über Balder Ohmen?

Daß das Glück Fräulein Gabrieles eigentlich nur in ihr ſelbſt begründet iſt. Sie iſt eine jener ſtarken Na - turen, die aus ſich ſelber ſchaffen. Gewiß ſind ſie nicht unabhängig von äußeren Erſcheinungen und Kataſtrophen. Doch glaube ich, daß ſelbſt, wenn Balder Ohmens Liebe eine Etappe der Enttäuſchung auf ihrem Lebenswege be - deuten ſollte, ihr Charakter daran nicht zerſchellen würde.

Iſa wandte ihm ihr Antlitz mit einem verſtörten Ausdruck zu.

Das ſoll doch immerhin heißen, daß Sie an keine glückliche Zukunft Gabys glauben!

Er ſchwieg.

Der Zug rollte in die Bahnhofshalle.

Das Haſten und Jagen der Reiſenden, das Schreien der Gepäckträger, das Fauchen der Maſchine und das Stampfen der Waggons enthob ihn der Antwort.

Ich werde Papa zuerſt allein beſuchen, ſagte Iſa und verſuchen ihn vorzubereiten.

Gut. Fahren wir gemeinſam nach Homburg. Ich werde Sie in der Nähe des Kurhauſes erwarten, um dann meine eigene ſchwere Miſſion zu erfüllen.

Auf Iſa wirkte die Fahrt in der elektriſchen Bahn wenig erheiternd. Der idylliſche Höhenzug des Taunus blieb ihr verborgen; die öde Gleichmäßigkeit der Felder, die wenig eingeſtreuten Gärten, die paar kleinen Dörfer boten ihrem Auge, das durch die Silhoutten tannenbe - kränzter Bergeshöhen verwöhnt war, kaum etwas Poe - tiſches.

Sie traf den Baron in den Anlagen.

Das faſhionable Leben des Sommers fehlte voll - ſtändig. Aber ſchon begannen die Wieſen zagend das erſte junge Grün zu treiben.

Die mächtigen Buchen und Ahornbäume ſtanden noch mit kahlen Aeſten, doch an den Sträuchern trieben frühe Knoſpen, und eine Amſel ſang, als das junge Mädchen, dem man im Hotel die Richtung bezeichnet hatte, die der Baron genommen, den kleinen See umſchritt, um alsbald die etwas vorgebeugte Geſtalt ihres Vaters vor ſich zu erkennen.

Sie beſchleunigte ihren Schritt und rief vernehmlich: Papa!

Er wandte ſich mit einer erſchrockenen Bewegung um und lief dann auf ſie zu, ergriff ihre beiden Hände und zog ſie an ſich.

Kind, wie kommſt du hierher? Was tuſt du hier, und ... Er brach ab.

Iſas gerötete Augen machten ihn ſtutzig. Sie ver - ſuchte, ihn mit einem Lächeln darüber zu täuſchen.

Wo kann ich herkommen, Papa? Sie ſchob ihren Arm vertraulich in den ſeinen und ſchritt leichtfüßig neben ihm her.

Von München komme ich, nachſehen wollte ich, wie es dir geht ...

Aber das kann dich doch allein nicht hergeführt haben?

Warum nicht? Die Sehnſucht ...

Er drückte ihre Hand ſchweigend an ſich, und ſie tra - ten den Rückweg an.

Das Hotel lag im Schwedenpfad, ſie hatten nicht weit. Iſa fürchtete, er möchte Döring vor der Zeit bemerken, und nun bedauerte ſie, ihm die ſchwerſte Aufgabe abge - nommen zu haben.

Wie ſollte ſie es dem Vater ſagen?

Er ſah ſo wohl aus und war ſo froh! Er fragte ſie alles Mögliche über München, den Karneval ... Daß ihr grade am Faſchingsdienstag gereiſt ſeid. Heute iſt doch das bunteſte Treiben in der Maximilianſtraße! Da hätteſt du und Gaby ...

Er brach ab und ſah vor ſich nieder.

Sie nickte vor ſich hin. Sie fühlte wohl, wie ihm die Frage nach Gaby mehrmals auf den Lippen ſchwebte, und daß er nur nicht ſelbſt den Anfang machen wollte, daß er erwartete, ſie würde von der Schweſter ſprechen.

Vor dem Hotel blieb er ſtehen. Was ſollen wir in dem trüben Salon? Weißt du was, wir gehen in die Kon - ditorei, da iſt den Tag über kein Menſch, und wir können plandern ... und morgen fahren wir nach der Saalburg, da haſt du einen freien, wunderbaren Blick weit über die Ebene, bis zum Weſter - und Odenwald!

Sie wollte nicht mit, aber er hatte ſchon ein paar Schritte getan, und ſie war ſo verwirrt, daß ſie ihm folgte. An der Ecke der Luiſenſtraße ſtand richtig Theodor Döring. Zu ſpät verſuchte er, ſich zurückzuziehen. Der Baron hatte ihn ſchon bemerkt und ging ſchnell auf ihn zu; das Geſicht wurde wieder grau, wie bei allen Anläſſen, die ihm Auf - regung brachten.

(Fortſetzung folgt.)

2Czernowitzer Allgemeine Zeitung 24 Oktober 1911.

da durften Sie wirklich unter dem Schutze der Immu - nität verleumden! Es war Ihnen geglückt, auszukneifen.

Angeſichts dieſer Tatſachen bringen Sie die Verwe - genheit auf, mir vorzuwerfen, daß ich mich aus dem Ge - richtsſaale flüchte? Habe ich nicht alle Artikel, die Sie per - ſönlich betrafen, mit vollem Namen gezeichnet und habe ich mich nicht Herrn Aurel von Onciul, trotzdem meine Unterſchrift fehlte, im Gerichtsſaale ſelbſt geſtellt? Oder hätte ich etwa wegen des öden Geſchimpfes, das Sie unter dem Schutze der Anonymität und Immunität über mich veröffentlichten, zu den Geſchworenen laufen ſollen? Fürwahr, wackerer Streiter, Sie machen ſich lächerlich. Ich bekleide kein einziges öffentliches Amt, verwalte nicht öffentliche Angelegenheiten und öffentliche Gelder, und wer ſich durch mich irgendwie geſchädigt erachtet, fordere mich vor den Zivil - oder Strafrichter. Sie verſtehen ja das Denunzieren meiſterhaft, zeigen Sie mich nur getroſt an. Ich werde für die begangenen Verbrechen Sühne lei - ſten müſſen. Daß die Richter mit mir beileibe keine Aus - nahme machen, konnten Sie ja in Ihrem Blatte vor nicht langer Zeit triumphierend melden, als ich auf eine mir zugefügte Beſchimpfung mit einem heftigen Worte er - widerte und mir deswegen eine Strafe von ſechshundert Kronen rechtskräftig zudiktiert wurde.

Wie ſteht es aber mit Ihrer Vorliebe für den Ge - richtsſaal, ehrenfeſter Herr Dr. Straucher? Daß Sie als Angeklagter auszukneifen belieben, habe ich mir bereits erlaubt, Ihnen freundlichſt in Erinnerung zu bringen. Und als Ankläger und Retter Ihrer Ehre? Kennen Sie Herrn Adolf Wallſtein? Es iſt der nämliche Herr Adolf Wallſtein, den Sie im Czernowitzer Gemeinderate jetzt mit verehrter Herr Kollega anſprechen. Dieſer Adolf Wallſtein hatte in einem Zeitungsartikel behauptet, Sie ſeien kein Ehrenmann. Sie wurden gedrängt zu klagen und waren unvorſichtig genug, dieſem Drängen nachzu - geben. Was weiter geſchah, das niederzuſchreiben ſträubt ſich meine Feder. Herr Adolf Wallſtein bot einen Wahr - heitsbeweis an, in welchem Ihnen die diffamierendſten Taten, auch ſtrafgeſetzlich in hohem Maße verpönte, (aller - dings nicht ſolche, zu deren Begehung auch ein gewiſſer perſönlicher Mut gehört) vorgeworfen wurden. Sie wur - den, als die Unterſuchung ſich verzögerte, wild und be - ſchwerten ſich darüber im Strafgerichtspräſidium. Ein neuer, äußerſt tüchtiger Unterſuchungsrichter erhielt die Sache zugewieſen. Alle Beweiſe, auch Ihre Gegenbeweiſe (ſie lauteten zumeiſt: Beweis Privatankläger Dr. Strau - cher als Zeuge) wurden ſorgfältig erhoben, und als alles fertig war und Ihre lieben Freunde überall erzählten, Sie würden bald ſtolz erhobenen Hauptes in den Gerichts - ſaal treten, erinnern Sie ſich noch des ſchönen Tages? gingen Sie hin und ſchrieben in einer Eingabe an den Unterſuchungsrichter, daß Sie aus Geſundheitsrückſich - ten von der Anklage zurücktreten. Sollten Sie da nicht ein klein wenig aus dem Gerichtsſaale geflohen ſein? Aber Krankheit iſt Krankheit, und die Geſundheit iſt eine koſtbare Sache, die man nicht aufs Spiel ſetzen kann und Sie entſchloſſen ſich deshalb, Ihre bürgerliche Ehre auf dem Altar Ihrer Geſundheit zu opfern. Sie erholten ſich aber glücklicher Weiſe recht bald und Sie erfreuten ſich der Himmel ſchenke ſie Ihnen noch recht lange! einer blühenden Geſundheit, als Ihnen in dem Kampfe, der zu Ihrer politiſchen Niederwerfung führte, neuerlich unerhörte Dinge öffentlich und zumeiſt mit voller Na - mensfertigung vorgeworfen wurden. Ich leſe dieſe Sachen nur ſporadiſch und auch da nur ſehr flüchtig, ich erinnere mich aber noch recht deutlich, wie Ihnen klar und unum - wunden geſagt wurde, daß Sie als Anwalt der Spar - kaſſe dieſe ſelbſt und die Parteien (darunter namentlich kleine Beamte) ausplündern, daß Sie Kultusſteuergelder zu Ihren perſönlichen Agitationszwecken verwenden, daß Sie, als eine Reviſion der Kultusgemeinde drohte, bei Nacht hinter verſchloſſenen Türen Bücher anlegen und präparieren ließen; man ſagte, daß es mit der Verwal - tung des Penſionsfonds der Kultusgemeinde nicht ganz in Ordnung ſei, man brachte Sie mit der ſogenannten Schaueraffäre in einen ſehr intimen Zuſammenhang, man rechnete Ihnen ungerechtfertigten Gewinn aus öffentlichen Geldern vor, kurz man bezüchtigte Sie der Habgier, des Vertrauensmißbrauches und anderer ganz abſcheulicher Dinge und forderte Sie auf, zu klagen. Sie taten es nicht. Und nun ſagen Sie es doch ſelbſt: Wer flüch - tet ſich aus dem Gerichtsſaale ich, der Privatmann, der niemand Rede und Antwort zu ſtehen hat, oder Sie, der ehren - und ſtellenreichſte Mann Europas? So ſagen Sie es doch. Sie werden keine befriedigende Antwort erteilen.

Ich ſehe auf meine Uhr und finde, daß die Stunde, die ich Ihnen in einer heiteren Laune widmen wollte, (obwohl ich mit Ihnen ſchon längſt fertig geworden bin) beinahe vorüber iſt. Weil es aber der allerletzte Brief iſt, den ich Ihrer geneigten Lektüre unterbreite, ſo ſei ihm auch die Länge verziehen. Ich hoffe übrigens bald zum Schluſſe zu gelangen. Was ſollte ich übrigens noch ſagen? Soll ich an Ihrem politiſchen Grabe Jubelhymnen an - ſtimmen, oder ſoll ich noch einmal das wiederholen, was ich von Ihrer gottſeligen politiſchen Wirkſamkeit zu ſagen wußte? Soll ich darauf hinweiſen, daß Sie gleich einer alten Kokotte, deren Reize ſchon abgeſtorben ſind, ſich Jedermann an den Hals zu werfen ſuchen und jüngſt wieder die hungrigen Magen der Beamten mit fetten, aber übelriechenden Phraſen füllten? Soll ich auf Ihre abgeſchmackten und wirkungsloſen demagogiſchen Künſte hinweiſen? Wer hat ſie nicht als ſolche erkannt und wer beachtet ſie noch? Fragen Sie doch Ihre Magiſtratsbe - amten, ob ſie nicht wiſſen, daß Sie ja gerne die Gehälter erhöhen und das Zeitavancement zugeſtehen wollen, aber wie ſagen Sie nur2 richtig: der Flemminger will nicht und Sie können gegen ihn nichts ausrichten. Soll ich Ihnen andererſeits noch von mir erzählen, daß ich in aufreibender Arbeit einen anſtändigen bürgerlichen Erwerb finde, obwohl Sie meinen Klienten auf der Gaſſedie Vernichtung androhen, wenn ſie in meiner Kanzlei weiter arbeiten ſollten und daß ich mit meinem Los zu - frieden bin, obwohl ich einen ſehr großen Teil meines Einkommens (meine Freunde ſagen: in ſträflichem Leichtſinn) für Verwandte und Fremde aufopfere und mir ſo immer neue Sorgen aufhäufe, das alles zu er - fahren halte ich Sie nicht für würdig. Ich habe Ihnen übrigens ſchon einmal geſagt, daß mich beiſpielsweiſe das Judentum ebenſo viel koſtet, als es Ihnen abwirft. Aber richtig! Sie ſollen ja auch angedeutet haben, daß ich mit Depotgeldern und Wechſeln irgendwie unredlich vorgehe. Nun denn: Ich will mit Ihnen noch einmal den letzten Ver - ſuch machen. Ich klage Sie noch einmal ein. Sollten Sie nicht ſelbſt für Ihre Auslieferung ſorgen, ehe die Ver - jährungsfriſt abgelaufen iſt, ſo .... Doch nein, Zorn iſt ein viel zu edles Gefühl für Sie. Die Blutwelle iſt ſchon abgelaufen. Aber ich kann nicht umhin, Ihnen zu bemerken, daß Sie im Falle neuerlichen Auskneifens auch den Anſpruch auf meine Verachtung verwirkt haben wer - den. Bis dahin und auch noch ſpäter können Sie alſo über mich ſchreiben, was Sie wollen, ich werde mich durch Sie nie mehr beleidigt erachten.

Vom Tage.

Herrenhaus. KB.

(Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Zu Beginn der Sitzung bringt der Präſident Fürſt Win - diſchgrätz die wärmſten Segenwünſche des Hauſes anläßlich der Hochzeit im Kaiſerhauſe zum Ausdruck.

Ueber Antrag des Fürſten Schönburg wird eine ſtändige 21gliedrige Kommiſſion zur Beratung der Teu - erungsfrage gewählt.

Die auf der Tagesordnung ſtehenden Geſetzentwürfe wurden den Ausſchüſſen zugewieſen, worauf die Sitzung geſchloſſen wurde.

Czechiſche Miniſterkandidaten.

Vorgeſtern fanden hier zahlreiche Beſprechungen führender czechiſcher Politiker ſtatt. Die Beſprechungen galten der bevorſtehenden Rekonſtruktion des Kabinetts und den Vorſchlägen des Miniſterpräſiden - ten an die czechiſche Delegation. Wie verlautet, hat der geweſene Ackerbauminiſter Hofrat Prof. Dr. Braf eine an ihn ergangene Aufforderung zum Eintritt ins Ka - binett als Ackerbauminiſter mit Rückſicht auf ſeinen Ge - ſundheitszuſtand abgelehnt. Es wurde weiter das Gerücht kolportiert, daß Vizepräſident Vojacek zum czechiſchen Landsmannminiſter deſigniert und als ſein Nachfolger Hofrat Koſina auserſehen ſei.

Die Fleiſchverhandlungen mit Ungarn.

Morgen (Montag) werden in Budapeſt die Verhandlungen über die Zulaſſung von Fleiſchimporten nach Oeſterreich wieder aufgenommen, zu welchem Zwecke ſich die öſterreichiſchen Delegierten nach Budapeſt begeben. Es iſt anzunehmen, daß die mehrmo - natlichen Verhandlungen, die teils in Wien, teils in Buda - peſt geführt wurden, in naher Zeit zur Entſcheidung kom - men werden. Mittlereweile hat der Import von Fleiſch aus Serbien begonnen.

Die Reichsratsergänzungswahlen in Zloczow.

Im hieſigen Wahlkreiſe wur - den bisher folgende Kandidaturen angemeldet: Exminiſter Dr. Dulemba, Dr. Starzynski, Dr. Gold, Reizes und Dr. Mahler (Zioniſt). Bekanntlich fin - det die bezügliche Reichsratsergänzungswahl am 28. d. M. ſtatt.

Der Ruthenenklub

Die hieſige Slawiſche Korreſ - pondenz veröffentlicht folgendes Kommuniquee: In der geſtrigen Sitzung des Ruthenenklubs erſtattete das Prä - ſidium Bericht über ſeine letzten Beratungen mit Baron Gautſch. Darauf fand hierüber eine Debatte ſtatt, wo - bei ſämtliche Mitglieder des Klubs feſtſtellten, daß die Stellungnahme der Regierung zur rutheniſchen Frage die Ruthenen nicht befriedigen könne. Die Ruthenen fordern die alsbaldige Befriedigung der begründeten rutheniſchen Poſtulate und können darauf nicht eingehen, daß die Erfüllung dieſer Poſtulate von einer Verſtändigung mit dem Polenklub oder von dem Zuſtandekommen des pol - niſch-rutheniſchen Ausgleichs abhängig gemacht werde. In - folge dieſes Verhaltens der Regierung werden die Ruthe - nen im Parlamente in der Oppoſition verharren und dem - gemäß in der Budgetdebatte auftreten.

Die Rumänen in Ungarn.

Der Kultusminiſter pflog eifrige Unterhandlungen mit dem Biſchof von Arad be - züglich der Einführung einer gemeinſchaftlichen Kontrolle der religiöſen Inſtitutionen. In der Plenarſitzung des Konſiſtoriums verkündete der Biſchof Pap, daß von nun an die Prieſter nicht mehr Schulinſpektoren ihres Spren -gels ſein dürfen, ſondern daß ſpezielle Schulinſpektoren für die Durchführung der religiöſen Inſtitutionen ernannt werden.

Die deutſch-franzöſiſchen Verhandlungen. KB.

(Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Bei dem heute abends ſtattgefundenen Jahresbankett der engliſchen Handelskammer in Paris hielt der General - poſtmeiſter Samuel eine Rede, in welcher er in formel - ler Weiſe in Abrede ſtellte, daß England im Laufe der deutſch-franzöſiſchen Marokkoverhandlungen Schwierig - keiten hervorzurufen trachtete, um eine definitive Rege - lung zu hindern und daß es ſich in keiner Weiſe in die deutſch-franzöſiſchen Verhandlungen eingemengt habe. Die engliſche Regierung habe ſtets aufrichtig eine raſche und ehrenhafte Löſung der Marokkofrage gewünſcht.

König Peter in Paris.

Die Reiſe des Königs von Ser - bien nach Paris iſt für den 9. November feſtgeſetzt. Der Aufenthalt in Paris iſt auf drei Tage in Ausſicht genom - men. Der König wird vom Miniſterpräſidenten Milowa - nowitſch begleitet.

Der italieniſch-türkiſche Krieg.

Die Einnahme von Homs. KB.

(Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Die Agenzia Stefani meldet aus Tripolis unterm 21. Oktober: Die Beſchießung Homs forderte unter der Bevölkerung keine Opfer. Heute wurde auf der Citadelle die italieniſche Fahne gehißt. Die Landung der Truppen und Kriegsmaterial dauert fort.

Die Cholera unter den italieniſchen Truppen. 260 Todesfälle.

KB.

(Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Nach Meldungen der Blätter wütet die Cholera unter den italieniſchen Truppen fort. Seit Beginn des Krieges kamen 260 Todesfälle an Cholera vor.

KB.

(Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Der Agenzia Stefani wird aus Tripolis unter dem 21. d. gemeldet: Geſtern war hier das Gerücht verbreitet, daß die Türken einen neuerlichen Angriff auf die Stel - lungen der Italiener unternommen haben. Dieſes Gerücht entbehrt jedoch jeder Grundlage; es herrſcht hier voll - kommene Ruhe. Etwa 400 Kriegsgefangene wurden an Bord des Dampfers Nilo gebracht, der nach Neapel ab - gehen ſoll. Einige Eingeborene, die gegen italieniſche Pa - tronillen feindſelige Handlungen begangen haben, wurden verhaftet.

Friedensausſichten?

Wie verſichert wird, ſoll der Miniſter des Aeußern in den Wandelgängen der Kammer erklärt haben, daß der Frieden nahe bevorſtehe und unter für die Türkei befriedigenden Bedingungen er - folgen wird.

Echo de Paris berichtet aus Rom: Rifaat Paſcha, der türkiſche Botſchafter in Paris, ſoll von ſeiner Regierung beauftragt worden ſein, die Friedenspräliminarien einzuleiten.

KB.

(Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Entgegen den Irrtümern auswärtiger und deutſcher Blät - ter, ſtellt die Norddeutſche Allgemeine Zeitung feſt, daß Freiherr von Marſchall keineswegs zu einem möglichſt raſchen Friedensſchluß unter bedingungs - loſen Verzicht auf Tripolis gedrängt, ſich vielmehr dar - auf beſchränkt habe, die Abſichten der Pforte zu erkunden und ihre Mitteilungen entgegenzunehmen. Unter dieſen Mitteilungen befanden ſich auch Wünſche wegen einer Ver - mittlung. Da ihnen jedoch keine poſitiven Vorſchläge der Pforte zugrunde lagen, konnte Freiherr von Marſchall nicht auf ſie eingehen.

Die Stellungnahme des Vatikans.

Oſſervatore Romano ſchreibt: Mehrere Blätter, die ſich zu den katholiſchen rechnen, ſo - wie mehrere Redner, Geiſtliche wie Laien, äußern ſich in einer Beſprechung des italieniſch-türkiſchen Konflikts auf eine Art und Weiſe, die faſt an einem heiligen Krieg glau - ben läßt, der im Namen und mit Unterſtützung von Reli - gion und Kirche unternommen wäre. Wir ſind ermächtigt, zu erklären, daß der heilige Stuhl nicht nur keine Verant - wortlichkeit für dieſe Auslegungen übernimmt, ſondern ſie nicht billigen kann, und ſie bedauert, da er außerhalb des gegenwärtigen Konflikts bleiben muß.

Die angeblichen Bündnispläne der Türkei.

Hinter den Kuliſſen der hohen Politik wird ſehr aktiv gearbeitet. Die Andeu - tung des Großveziers, die Türkei wolle Anſchluß an eine der beiden großen europäiſchen Mächtegruppen ſuchen, veranlaßte heute ſowohl den deutſchen wie den öſterreichi - ſchen Botſchafter, den Großvezier aufzuſuchen. Freiherr Marſchall konferierte mit ihm faſt zwei Stunden. Darauf ſprachen beide Botſchafter mit dem Miniſter des Aeußern. Said Paſcha ſoll erklärt haben, ſeine Aeußerung vor der Kammer ſei ein Verſuchsballon geweſen. Von anderer Seite wird behauptet, der Großvezier pflege eifrige Ver -324 Oktober 1911. Czernowitzer Allgemeine Zeitunghandlungen mit England und Rußland. Der engliſche Botſchafter ſuchte heute den ruſſiſchen Botſchafter in Bu - jukdere auf und hatte eine lange Unterredung mit ihm. Beſtunterrichtete Kreiſe halten an der Behauptung feſt, daß eine Annäherung der Türkei an Rußland und Eng - land unverkennbar iſt.

Die Einnahme von Benghazi.

Bei Benghazi wurde eine italieniſche Landungskolonne von den Türken über - fallen. Die Italiener verloren ihren Kommandanten und dreißig Mann. Auch bei Homs ſollen die türkiſchen Truppen einen Erfolg gehabt und die gelandeten Italie - ner zurückgeworfen haben.

Ein Radiotelegramm, das geſtern abends vom General Briccola, dem Kommandanten des Expeditionskorps in Cirenaika, eingelaufen iſt, meldet: In der Nacht vom 19. auf den 20. Oktober wurden die italieni - ſchen Truppen in Benghazi von den Beduinen mehrmals angegriffen, die Stadt wurde am Morgen des 20. d. be - ſetzt. Am Nachmittag machten die Beduinen einen Angriff auf das Dorf Sabri, wurden aber zurückgeſchlagen. Die an Land geſetzten Truppen ſind jetzt um Benghazi geſammelt. Sie haben den Strand bei Guiliana, wo die Ausſchiffung der Truppen ſtattgefunden hatte, verlaſſen. Das Kriegs - material war im Hafen von Bendhazi ausgeſchifft wor - den. Die feindlichen Streitkräfte beſtanden am 19. und 20. Oktober außer den türkiſchen Truppen aus wenigſtens 2000 Beduinen. Man glaubt, daß ſich die türkiſchen Trup - pen mit zwölf Kanonen auf die Hochebene zurückgezogen haben. Die Verluſte der Türken werden auf wenigſtens 200 Tote und eine große Anzahl Verletzter geſchätzt. Von den italieniſchen Landungstruppen werden ſieben Offi - ziere und 54 Mann verwundet; ein Unteroffizier, zwei Korporale und dreizehn Soldaten wurden getötet. Trotz der überſtandenen Mühen iſt der Geiſt der Truppen ſehr gehoben, der Geſundheitszuſtand iſt ausgezeichnet.

Das Nachtgefecht bei Djebel-Gharbi.

Ueber den blutigen Kampf der ſich in der Donnerstagnacht in der Nähe von Tripolis abſpielte, hat man jetzt endlich Klarheit gewinnen können. Arabiſche irreguläre Reiter und türkiſches Militär hatten ſich, durch Sanddünen gedeckt, an die Italiener herange - ſchlichen und ſaßen erſt auf den letzten 200 Metern zur Attacke auf. Die Italiener wurden vollſtändig überraſcht, ihre Schützenkete wurde überritten. Beim Eingang zum Palmenwald kam das Gefecht zum Stehen. Die Angreifer wichen zurück, von den Italienern verfolgt. Inzwiſchen hatte ſich ein kleiner Trupp Türken nach dem Meere zu gewandt, ſo daß die nachdrängenden Italiener zwiſchen zwei Feuer kamen. Den italieniſchen Schiffsgeſchützen war es nicht möglich einzugreifen, auch die Scheinwerfer nützten nichts, da der Feind durch den Palmengürtel gedeckt war. In den italieniſchen Schützengräbern wurden 15 Leichen gefunden. Nach den am anderen Tage gefundenen Hülſen - häufchen zu ſchließen wurden von den Italienern je 60 Patronen verfeuert. Die Türken ließen zwei Tote zurück, alle anderen Gefallenen und Verwundeten nahmen ſie mit. 500 Schritte ſüdlicher fand man vier Haufen blu - tiger Kleidungsſtücke, aber keine Gräber. Die Italiener haben anſcheinend die Leichen der dort Gefallenen und die Verwundeten auf die Schiffe gebracht. Sie müſſen große Verluſte erlitten haben, geben aber nur einen Mann als vermißt zu. Zurzeit rücken Verſaglieri mit Train ge - gen die Wüſte zu vor, wobei Maultiere und Wagen tief in den Sand ſinken. Der Oaſengürtel iſt dicht mit Infan - terie, Zeltlagern und Feldküchen und optiſchen Stationen beſetzt. Täglich kommen Verſtärkungen an. Auf der Reede liegen zurzeit 18 Kriegsſchiffe und 19 Kauffahrer. Im Innern des Landes ſollen energiſche Vorbereitungen zum Widerſtand getroffen werden.

Antiitalieniſche Verſchwörung in Tripolis.

Der Secolo meldet aus Tripolis, dort ſei eine antiitalieniſche Verſchwörung ent - deckt worden. Im Hauſe eines fanatiſchen Arabers hatten ſich alltäglich 50 Mohammedaner verſammelt, um den heiligen Krieg zu organiſieren. Der Umſtand und der hef - tige Widerſtand der arabiſchen Bevölkerung von Benghazi haben in Tripolis bedeutenden Eindruck gemacht und General Coneva veranlaßt, eine Verſtärkung des Expedi - tionskorps zu fordern. Mit dieſer Nachricht ſtimmt auch die Nachricht des Avanti überein, daß noch 6 Infan - terieregimenter nach Tripolis geſandt werden ſollen.

Ein ſerbiſch-türkiſches Bündnis?

Die Tribuna macht Meldung von dem anaeblich bevorſtehenden Abſchluß eines ſerbiſch - türkiſchen Bündniſſes, deſſen Folge eine bevorzugte Stel - lung der ſerbiſchen Bevölkerung in der Türkei und die Okkupation des Sandſchak Novi-Bazar ſeitens Serbiens wäre.

Die Revolution in China.

In Peking verlautet, daß die Rebellen einen wichtigen Punkt der in Hankau eintref - fenden Bahnlinie nach hitzigem Gefechte bei Singgang -[t]ſchang, genommen und ſofort zu einem ſtark befeſtigten Verteidigungspunkte gemacht haben. Aus Yünnau kom - mende Konſulardepeſchen beſagen, daß auch dort die kaiſer - lichen Truppen von der Regierung abfielen und zum größ - ten Teile zu den Rebellen ſtießen. Im einzelnen wird be - richtet, daß die kaiſerlichen Regierungstruppen und zwei[ Regimenter] der Provinztruppen zu meutern beginnen, weil ſie ohne Löhnung ſind und die ausgedienten Leute unter den Fahnen zurückbehalten werden. Die beiden Provinz -regimenter weigerten ſich ganz entſchieden, in die Provinz Tetuan einzurücken.

Unter den Truppen der Auf - ſtändiſchen beginnt ſich eine Neigung zum Abfall infolge der ihnen entgegenkommenden Proklamationen bemerk -[ba]r zu machen.

Ein Edikt ſpricht die Teilnahme für die Bevölkerung derjenigen Provinzen aus, die durch die Dürre und den Aufſtand heimgeſucht ſind, und weiſt 200.000 Taels von den Erſparniſſen der verſtorbenen Kaiſerin-Witwe an, die an Yuanſchikai ausgezahlt wer - den, der die Verantwortung für die Verteilung des Geldes an die notleidende Bevölkerung übernehmen ſoll.

Amerikaniſche Miſſionäre der Provinz Tſchili wurden von Studenten warnend darauf hingewieſen, daß in der Nähe von Peking eine revolutio - näre Bewegung zu erwarten ſei. Bemerkenswert iſt, daß ähnliche Warnungen den Miſſionaren von Wutſchang zu -[ge]gangen ſind, bevor der Ausſtand dort ausbrach. Kon - ſularberichte aus Itſchang, das mehrere Tage iſoliert war, beſtätigen die Nachricht, daß die Stadt ſich in den Händen der Aufſtändiſchen befindet.

Bunte Chronik.

Die Hochzeit des Erzherzogs Karl Franz Joſef.

Die Trauungsfeier.

Nach der Ankunft des Kaiſers fand ſofort die Hochzeit ſtatt. Vorerſt for - mierte ſich der Hochzeitszug. Voran ſchritt der Bräutigam Erzherzog Karl Franz Joſef in Rittmeiſteruni - form, geführt vom Kaiſer und der Erzherzogin Maria Joſefa. Es folgte die Braut, zu ihrer Rech - ten Jaime von Bourbon, Herzog von Madrid, zu ihrer Linken die Mutter der Braut, Herzogin Maria An - tonia von Parma. Das nächſte Paar war König Friedrich Auguſt von Sachſen mit Erzherzog Franz Ferdinand, welchen die übrigen Hochzeits - gäſte folgten. Die Braut trug ein ſchweres Ducheſſekleid, deſſen lange Schleppe mit bourboniſchen Lilien, in ſchwe - rem Silber geſtickt, geſchmückt war. Am Kopfe trug die Braut ein Brillantendiadem, ein Geſchenk des Kaiſers, und darunter einen kleinen Myrtenkranz, von welchem der Brautſchleier herabfiel. Die Taille war mit alten Spitzen garniert, welche die Großmutter der Braut, die Königin Maria von Portugal, auf ihrem Brautkleide ge - tragen hatte. Der Zug bewegte ſich durch die Gänge des Schloſſes nach der auf der rechten Seite im Hintertrakt befindlichen Schloßkapelle, die mit rotem Damaſt ausge - ſchlagen iſt. Zu beiden Seiten des mit koſtbaren Spitzen bedeckten Altars waren ſeltene Blumen und Blattpflan - zen angebracht. Während das Brautpaar unter den Klän - gen der Orgel vor den Altar trat, nahmen die Hochzeits - gäſte in den bereitſtehenden Stühlen Platz.

Die Trauungszeremonie nahm der päpſtliche Dele - gierte Majordomus Bisletti unter Aſſiſtenz des Zere - moniärs Monſignore Respighi vor. Als Miniſtran - ten walteten die beiden jüngſten Prinzen von Parma. Der Trauungsakt erfolgte in franzöſiſcher Sprache. Als Monſignore Bisletti die Kopulationsformel ſprach, er - widerte zunächſt der Bräutigam und hierauf die Braut mit oui! Nachdem die Ringe gewechſelt waren, brachte die Frau des Hofkapellmeiſters Eder das Gounod’ſche Ave Maria mit Orgel und Harfenbegleitung zum Vor - trage. Nach Beendigung der Meſſe hielt Bisletti in ita - lieniſcher Sprache eine längere Rede an das Brautpaar, worin er die Glück - und Segenswünſche des Papſtes für das Brautpaar zum Ausdruck brachte.

Im Schloſſe fand hierauf die Beglückwünſchung ſtatt. Nach derſelben veranſtaltete die Schuljugend eine Hul - digung. Sodann wurde eine kinematographiſche Auf - nahme der Hochzeitsgeſellſchaft gemacht. Um 1 Uhr fand ein Dejeuner ſtatt.

Eine Dankdepeſche an den Papſt.

Um 4 Uhr reiſten die Neu - vermählten in Automobils nach Wartholz bei Reichenau. Gleich nach Vollzug der Trauung ſandte der Erzherzog Karl Franz Joſef an den Papſt eine Dankdepeſche.

Ein Attentat auf den Prinzen von Wales? KB.

(Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Nach Blättermeldungen wurde das Schlachtſchiff Hinduſtan , auf welchem der Prinz Wales als Midſchipman ſich be - findet, bei der Schießübung auf der Höhe von Portland von einer ungeladenen Granate eines Sechspfündners des Dreadnougts Coloſſus getroffen. Die Granate fiel auf das Hinterdock, verletzte jedoch niemanden. Der Prinz befand ſich gerade unterdecks. Der Hiduſtan ſchleppte die Schieß - ſcheibe in einem Abſtand von einer Viertel Meile. Coloſſus feuerte auf eine Entfernung von 4000 Yards.

Ein Schüterſtreik in Przemysl.

Der Schüler der 7. a Klaſſe des hieſigen ruth. Gymnaſiums, R. legte ſeinem Profeſſor D. gegenüber ein derart keckes Benehmen an den Tag, daßer aus der Anſtalt ausgeſchloſſen werden mußte. Dies führte zum Streike ſeiner Kollegen, welcher die Auflöſung der Klaſſe und die Anordnung neuer Einſchreibungen ſeitens der Gymnaſialdirektion zur Folge hatte. Kein ein - ziger Schüler ſchrieb ſich wieder ein, weshalb der Landes - ſchulinſpektor Majchrowicz aus Lemberg hier eintraf, dem eine ſchwierige Aufgabe bevorſtand, indem er die Gymnaſial - direktion bei ihren Verfügungen illegal vorgegangen war, da ihr das Recht der Auflöſung einer Klaſſe nicht zu - ſteht. Nach einer Konferenz des Landesſchulinſpektors mit dem Profeſſorenkollegium der Anſtalt wurde obgenannte Verfügung der Gymnaſialdirektion zurückgezogen, worauf es gelang, die Schüler zum Wiederbeſuche des Unterrichtes zu bewegen. Da jedoch der ausgeſchloſſene Schüler R. vor - läufig nicht wieder aufgenommen wurde, droht der Wie - derausbruch des Streikes ſeiner Kollegen.

Unfall der Gemahlin des galiziſchen Statthalters.

Ein Wagen der hieſigen elek - triſchen Straßenbahn fuhr geſtern um halb 11 Uhr vor - mittags auf dem Haliczerplatze eine Equipage an, in wel - cher ſich die Gemahlin des galiziſchen Statthalters Doktor Bobrzynski befand, wobei die Deichſel und ein Rad des Wagens, ferner das Geſchirr eines Pferdes beſchädigt wurden. Die Gattin des Statthalters kam mit heiler Haut davon. Infolge dieſes Vorfalles entſtand ein großer Men - ſchenanlauf, welcher eine Hemmung des Tramwayver - kehres zur Folge hatte.

Maul - und Klauenſeuche an der Grenze der Bukowina und Rumäniens.

Die in ganz Europa auftretende Maul - und Klauenſeuche macht ſich nun in den Grenz - orten zwiſchen Rumänien und der Bukowina bemerkbar. Der Viehſtand Dornas iſt ganz verſeucht. Nach Dorna hat ſich der rum. Veterinärinſpektor Dr. Alexandrescu begeben, um die notwendigen Maßregeln zur Bekämpfung der Seuche zu treffen.

Ein Luſtmörder zum Tode verurteilt.

Die Wiener Geſchworenen haben geſtern den aus Bayern ſtammenden Luſtmörder Voigt, der im vorigen Jahre eine Näherin in der Bin - derau im Prater ermordet und die Leiche verſtümmelt hat, trotz der widerſprechenden Gutachten der Sachverſtändi - gen und der Wiener mediziniſchen Fakultät zum Tode durch den Strang verurteilt. Nach Verkündi - gung des Urteils rief der Angeklagte den Geſchworenen zu: Ich bin damit zufrieden, obwohl ich Ihnen geſtehen muß, daß Sie einen Irrſinnigen verurteilt haben. Der Prozeß war durch die außerordentlich intelligente Ver - teidigung Voigts von beſonderem Intereſſe.

Unfall infolge der Exploſion eines Schrapnells.

Im Nachbardorfe Switniki fan - den zwei Bauern auf dem Felde ein blindgegangenes Schrappnell, welches noch von den letzten Artillerieſchieß - übungen herrührte. Sie nahmen dasſelbe nach Hauſe und verſuchten es zu öffnen. Während der Manipulation, die ſie zu dieſem Zwecke vornahmen, ging das Geſchoß los, wobei einer von den Bauern beide Füße, der andere eine Hand verlor und beide außerdem noch eine Gehirner - ſchütterung davontrugen. Die Exploſion hatte endlich auch die Zerſtörung der Hütte der beiden Bauern zur Folge. Letztere wurden in hoffnungsloſem Zuſtande ins hieſige Krankenhaus gebracht.

Von der Elektriſchen überfahren.

Geſtern abends überfuhr ein Wagen der hieſigen elektriſchen Straßenbahn in der Gro - dekerſtraße eine ungefähr 35jährige, ſcheinbar dem Ar - beiterſtande angehörige Frau unbekannten Namens, welche unvorſichtigerweiſe das Geleiſe in dem Momente betrat, als ſich die Elektriſche bereits in ihrer unmittel - baren Nähe befand. Der Wagenführer J. Cap ſetzte zwar ſofort beide Bremſen in Tätigkeit, nichtsdeſtoweni - ger bewegte ſich der bergab fahrende Wagen noch unge - fähr 2 Meter vorwärts und ſchnitten die Räder desſelben der Unglücklichen beide Füße ab, wobei letztere ſofort das Bewußtſein verlor. Die herbeigeholte Rettungsgeſellſchaft verband zwar die Verunglückte, dieſelbe hauchte jedoch auf dem Wege ins Spital infolge des allzu großen Blut - verluſtes ihr Leben aus.

Ein beſtialiſcher Fiaker.

Geſtern um 6 Uhr abends verließ eine Frau die hieſige Gebäranſtalt, in welcher ſie kurz vorher einem Kind das Leben gegeben hatte, mietete hierauf den Fiaker Nr. 211 St. Skorobecki und er - teilte ihm den Auftrag, ſie nach der in der Nähe der hie - ſigen Univerſität gelegenen Wohnung zu führen. Der ent - menſchte Kutſcher führte aber ſeinen Fahrgaſt hinter den Lyczakower Schranken in das unweit davon gelegene Wäldchen, wo er die Unglückliche vergewaltigte. Mit Mühe gelang es derſelben endlich, ſich den Händen des Wüterichs zu entwinden und auf die Lyczakower Straße zu fliehen, wo ſie mit einer anderen Droſchke nach Hauſe fuhr. Skorobecki wurde bereits verhaftet, ſein Opfer hin - gegen liegt jetzt in faſt hoffnungsloſem Zuſtande dar - nieder.

4Czernowitzer Allgemeine Zeitung 24. Oktober 1911.

Frau Toſelli läßt ſich abermals ſcheiden.

Le Matin dementiert die Nachricht, wonach Frau Toſelli ſich mit ihrem Gatten ausgeſöhnt haben ſoll. Frau Toſelli hält ihre Scheidungsklage aufrecht Sie ſei blos deshalb nach Florenz gekommen. um ihr Töchterchen abzuholen.

Unterſchleife eines rumäniſchen Bürger - meiſters.

Wie aus zuverläſſiger Quelle verlautet, wurden Unterſchleife des früheren Bür - germeiſters Alimeniſchteanu entdeckt. Der Bür - germeiſter ſoll die für gemeindeämtliche Reparaturen und für die Beſchaffung von Brennmaterialien beſtimmten Gelder unterſchlagen haben.

Todesurteil.

Das hieſige Geſchworenen - gericht verurteilte den Bauern M. Dach wegen Meuchel - mordes zum Tod durch Strang, die Anſtifterin des Mordes hingegen M. Smigiel zu 8 Jahren ſchweren Kerkers.

Eine Todesprophezeiung.

Der hier bekanntlich an einem Magenkrebs hoffnungslos darniederliegende Abgeordnete Pfarrer Stojalowski ſagte ſeinen Tod vor 10 Jahren für den 25. d. M. voraus. Dieſe Prophezeiung iſt in einem Brief an die Schweſter des Sterbenden enthalten.

Ein neuerlicher Brand in Stambul.

Ein Brand im Stam - buler Stadtviertel Kumpaku vernichtete mehrere hundert Häuſer. Der Brand kam in der Eminſtraße des Bajazit - viertels aus und breitet ſich augenblicklich noch weiter in der Richtung auf Kumpaku aus. Mehrere Miniſter be - gaben ſich von dem eben beendeten Miniſterrat auf die Brandſtätte, wo bereits der Polizeipräfek[t,]viele Behörden und Offiziere[w]eilten. Militär beteiligte ſich an den Löſch - arbeiten. Der Sultan entſandte ſeine Adjutanten auf die Brandſtätte. In Stambul herrſchte wenig Bewegung. Wie immer, fehlte es an Waſſer und Löſchgeräten. Zahl - reiche kleine Leute brachten ihr Habe in Sicherheit. Hiſto - riſche Baulichkeiten ſind nicht bedroht worden. Kumpaku iſt hauptſächlich von ärmeren griechiſchen und armeniſchen Familien bewohnt.

KB.

(Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Der geſtern abends in Stambul ausgebrochene Brand wurde erſt um 2 Uhr früh gelöſcht. Mehr als vier - hundert Objekte ſollen eingeäſchert worden ſein. Men - ſchenopfer ſind nicht zu beklagen. Das Feuer ſoll durch Unvorſichtigkeit entſtanden ſein.

Die Cholera.

In Rumänien.

Aus Galatz wird ein Cholera - fall gemeldet. Verſeucht ſind die Orte Tibeneſchti und Surdila Goiſeanka. Aus dem Militärſpital von Braila werden 9 Er - krankungen und 16 choleraverdächtige Fälle gemeldet.

In der Türkei. KB.

(Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Hier iſt die Cholera im Erlöſchen begriffen.

Exploſion in einer Pulverfabrik. KB.

(Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Durch die Exploſion einer ſtaatlichen Pulverfabrik wur - den zwölf Perſonen getötet und neun ver - letzt ſowie zwei Gebäudezerſtört.

Czernowitzer Angelegenheiten.

Auszeichnungen.

Der Kaiſer hat geſtattet, daß aus Anlaß verdienſtvoller Mitwirkung an der Veranſtaltung der erſten internationalen Jagdausſtellung Wien 1910 dem Hofrat und Güterdirktor Joſef Edlen Ullmann von Ulmhoff in Czernowitz der Ausdruck der beſonderen Allerhöchſten Anerkennung bekannt gegeben werde. Der Kaiſer hat in Anerkennung vorzüglichſter Dienſt - leiſtung dem Regimentsarzt Dr. Arthur Rein des 60. Inft. -Reg. in Ungwar, einem Schwager des Groß - grundbeſitzers Simon Tropp in Suczawa, das goldene Verdienſtkreuz mit der Krone verliehen.

Militäriſches.

Transferiert wurde der Hauptmann Franz Großauer vom Landwehrinfanterieregiment Leitmeritz Nr. 9 zum Landwehrinfanterieregiment Czer - nowitz Nr. 22.

Lehrlingsheim-Ausweihe.

Am 22. d. nachmittags fand die Ausweihe des neuerbauten rumäniſchen Lehr - lingsheims im feſtlichgeſchmückten Saale dieſes Heims ſtatt, zu der zirka 400 Perſonen erſchienen waren, da - runter der Protektor des Heims Se. Exzellenz Erzbiſchof Dr. von Repta, die Hofräte Dr. v. Duzinkiewicz,Euſebius Popowicz und Stefanelli, die Vize - bürgermeiſter Dr. Weißelberger und Woitko, Landesausſchußbeiſitzer Zurkan, die Abgeordneten Bejan, Simionovici, Landwehr, Dr. Tar - nawschi, Chiſanovici, Vaſilovschi und Skalat, die Univerſitätsprofeſſoren Rektor magnificus Dr. Saghin, Konſtantin Popowicz, Dr. Theodor Tarnavschi, Dr. Gheorgin, Dr. Puscariu, die Handelskammerräte Gregor, Füllenbaum und Handelskammerſekretär Dr. Decker, Gymnaſial - direktor Bujor, Landesgerichtsrat Calinescu, Gymnaſialleiter Profeſſor Bodnarescul aus Ra - dautz, Profeſſor Carbune aus Suczawa, hohe Beam - ten, viele Geiſtliche aus Czernowitz und Umgebung, zahl - reiche Damen u. a. Der Obmann des rumäniſchen Hand - werkervereines, Buchdruckereileiter Demeter Buczew - ski begrüßte die Feſtgäſte, ſetzte in ſchwungvoller An - ſprache die Bedeutung der Feier auseinander und ſchloß mit begeiſtert aufgenommenen Hochrufen auf den Kaiſer, worauf ein gemiſchter Chor der Armonia die Volkshymne ſang. Sodann hielt Profeſſor Carbune die Feſtrede, worauf die Armonia mult anni für den Kaiſer exeku - tierte. Es ſprachen Landesausſchußbeiſitzer Zurkan, der Präſident des Vereines pentru kultura ſchi literatura Romana, Konſiſtorialrat Bejan, Landtagsabgeordne - ter Landwehr, der Direktor der Gewerbeſchule in Bu - kareſt, Ingenieur Panaitescu und ſchließlich Vize - bürgermeiſter Dr. Weißelberger. Sodann nahm Erzprieſter Joan Bejan die Ausweihe des Lehrlings - heims vor, worauf ein Feſtchor der Armonia folgte. Die Feier endete mit einer Beſichtigung der Lokalitäten des Lehrlingsheims und ſprachen ſich die Feſtgäſte in ſehr lobender Weiſe über das Geſehene aus. Anläßlich der Feier erhielt das Komitee des Lehrlingsheims zahlreiche Glückwunſchdepeſchen und Gratulationsſchreiben. Abends fand im Lehrlingsheim ein geſelliger Abend ſtatt, der ſehr animiert verlief. In ſehr aufopfernder Weiſe ſtanden bei der Gründung des Lehrlingsheims, ſowie bei der Leitung und bei der Feier dem Buchdruckereileiter Buczewski zur Seite die Herren Landesgerichtsrat Hippolit Calinescu, Landeskaſſedirektor Baſil Jemna, Wirtſchaftsinſtruktor Aurel Voronca und der Leiter des Lehrlingsheims Michael Berariu.

Todesfall.

Geſtern iſt hier Herr Oſias Brett - ſchneider, Ziegelei - und Naftaraffineriefabrikant, im Alter von 64 Jahren geſtorben. Der Verblichene erfreute ſich wegen ſeines beſonders im Stillen bekundeten regen Wohltätigkeitsſinnes ſowie wegen ſeines reellen und bie - deren Weſens großer Achtung und Beliebtheit. Das Lei - chenbegängnis fand heute nachmittags unter zahlreicher Beteiligung ſtatt.

Exkurſion.

Am 22. d. unternahmen die Schüler des dritten Fachkurſes der Werkmeiſterſchule der hierortigen Staatsgewerbeſchule, unter Führung der Profeſſoren, Architekten Seybold und Raſchke eine Exkurſion nach Putna, woſelbſt ſie Aufnahmen des dortigen Kloſters machen werden. Am 24. d. abends kehren die Exkurſions - teilnehmer hieher zurück.

Belobende Anerkennungen.

Den Vorſtänden des k. k. Bahnbetriebsamtes, Czernowitz, kaiſ. Rat Leo Ulrich und Stefan Sabinski wurde für die tadelloſe Ab - wicklung des Dienſtes an der Station Czernowitz während der Anweſenheit des Erzherzogs Leopold Salvator ſeitens der k. k. Betriebsleitung in ſehr ehrenden Zuſchriften die vollſte Anerkennung ausgeſprochen.

Volkstümliche Univerſitätskurſe.

Da ſich über 100 Hörer für einen Wiederholungsvortrag vorgemerkt ha - ben, hat ſich Herr Profeſſor Kellner bereit erklärt, ſeinen Vortrag über Shakespeares Macbeth an vier auf einander folgenden Donnerſtagen, und zwar am 26. Oktober, 2., 9. und 16. November zu wiederholen. Die Karten zu dieſem Vortrage können von Dienſtag an zwi - ſchen 10 und 1 Uhr im Univerſitäts-Sekretariate behoben werden.

Unfall bei Verſchiebung von Laſtwagen.

Aus Nowo - ſielitza wird uns berichtet: Hier wurde heute bei Verſchie - bung von Laſtwagen der Magazineur Wurzel von einem Wagen erfaßt und zu Boden geſchleudert. Der Grad der Verletzungen iſt noch nicht feſtgeſtellt, doch ſcheint es ſich nicht um einen ſchweren Fall zu handeln.

Engliſcher und franzöſiſcher Vortragszyklus.

Der Vortragszyklus, den die Herren R. Franzis Wil - liams und Paul Gouvernet, Lektor der franzö - ſiſchen Sprache, im Dom Polski halten werden, beginnt nicht am 27. d. M. ſondern Dienstag, den 24. d.

Zu den Ordensauszeichnungen anläßlich der Jaſſyer Univerſitätsfeier.

Die von uns in unſerer Sonntags - nummer gebrachte Liſte der Ordensauszeichnungen iſt zum Teile unvollſtändig und zum Teile nicht ganz genau. Wie wir erfahren, ſind nicht nur die genannten, ſondern alle fremden Gäſte, ihrem Range gemäß, mit hohen Orden ausgezeichnet worden, deren Veröffentlichung dem - nächſt im Bukareſter Amtsblatte erfolgen dürfte.

Teuerungskundgebung der Czernowitzer Lehrerſchaft.

Wir erhalten vom Vereine der Lehrer und Lehrerinnen folgende Zuſchrift: Die Czernowitzer Lehrerſchaft, ohne Unterſchied der Nationalität und Partei hat in der Voll - verſammlung des Vereines der Lehrer und Lehrerinnen vom 8. Oktober 1911 entſchieden Verwahrung dagegen eingelegt, daß im Magiſtrate umfaſſende Vorbereitungen für die Regulierung der Beamten getroffen werden, ohne daß dabei auch gleichzeitig die Lehrer mitgenommen wer - den, deren Bedürftigkeit nicht zu vergleichen iſt mit der, der Beamten. Es wurde darauf verwieſen, daß die Ma - giſtratsbeamten angeſichts der Teuerung mit Recht eineAufbeſſerung verlangen, aber es wäre ein ſchreiendes Un - recht und unmoraliſch, wenn die Lehrer, die mit ihren Bezügen nicht heranreichen an die Magiſtratsbeamten, ſtill übergangen würden. Die Lehrer appellieren daher an die Vertreter der verſchiedenen Parteien und Nationen, die im Czernowitzer Gemeinderate auch durch Zutun der Lehrerſchaft ſitzen, das etwa geplante Unrecht zu ver - eiteln und die Lehrer endlich gleichzuſtellen den Beamten der vier unterſten Rangsklaren des Magiſtrates, d. i. mit wenigen Ausnahmen jener Kategorie, die ſich nicht aus Hochſchulabſolventen und nicht aus Maturanten rekrutiert, während es Lehrer ohne Reifeprüfung in Czernowitz nicht gibt. Die Lehrerſchaft iſt wohl weit davon entfernt, die Tüchtigkeit des Individuums nach ſeinen Mittel - oder Hochſchulzeugniſſen einzuſchätzen, doch kommt hier nicht der tüchtige Einzelne, ſondern der Durchſchnitt in Betracht. Das an den Gemeinderat gerichtete Memorandum der Czernowitzer Lehrerſchaft hat folgenden Wortlaut: Löbli - cher Gemeinderat! Der ergebenſt gefertigte Verein der Lehrer und Lehrerinnen erlaubt ſich namens der kom - munalen Lehrerſchaft von Czernowitz angeſichts der herr - ſchenden, unerhörten und unerträglichen Teuerung und angeſichts der nicht zu ſchildernden Not in den Lehrer - familien mit der inſtändigen Bitte an den löblichen Ge - meinderat heranzutreten, die Bezüge der Lehrerſchaft ſo zu regeln, daß ſie denen der Magiſtratsbeamten der vier unterſten Rangsklaſſen gleichkommen, bezw. wolle der löbl. Gemeinderat bis zur endgiltigen Durchführung einer ſolchen Regulierung der Lehrerſchaft eine wenigſtens 25prozentige Teuerungszulage vom Grundgehalte ge - währen. Bei dieſer Gelegenheit verweiſt der ergebenſt ge - fertigte Verein nur kurz auf folgende Momente: Mit Recht finden die Magiſtratsbeamten der vier unterſten Rangsklaſſen, d. i. auch jene Kategorie, die ſich nicht re - krutiert aus Hochſchulabſolventen und nicht aus Matu - ranten ihre Lage als unerträglich, was ſollen da erſt die Lehrer ſagen, die Mittelſchulabſolventen ſind und kaum die 10. Rangsklaſſe erreichen? Das Höchſtgehalt eines de - finitiven Lehrers in Czernowitz beträgt 3900 K und doch iſt die Teuerung in Czernowitz mit der auf dem flachen Lande nicht zu vergleichen und iſt dieſe zumindeſt gleich mit der in Wien. Man ſtelle ferners den Höchſtgehalt eines definitiven Lehrers von Czernowitz nach 35-jähriger - tigkeit, d. i. (3900 K ſamt Wohnungsbeitrag) gegenüber dem Höchſtgehalte eines Manipulationsbeamten der neun - ten Rangsklaſſe des Magiſtrates, d. ſ. 4560 K. Es wird auch darauf verwieſen, daß Böhmen und Mähren eben daran gehen, ihre Lehrer weit beſſer zu ſtellen, als in Czernowitz und ſie vorausſichtlich den Staatsbeamten der vier unterſten Rangsklaſſen gleich zu honorieren. Die Czernowitzer Lehrerſchaft glaubt ſich der Hoffnung hin - geben zu dürfen, daß die Gemeinde die Notlage der Lehrer vor allen anderen Schmerzen, beſonders vor Regulierun - gen anderer Beamtenkategorien kennt und daß die Regu - lierung der Lehrerſchaft zumindeſt gleichzeitig erfolgen wird, mit der der Beamten.

Cholera in Braila.

Im Nachhange zu den Mitteilun - gen vom 10. Oktober betreffend die Cholera in Braila, wird bekanntgegeben, daß auch die in der Vorſtadt Ko - marowka in Braila am 6. Oktober an Cholera erkrankte Frau am 7. Oktober geſtorben iſt. Am 8. Oktober ſind von den im Brailer Spitale internierten 5 cholerakrank geweſenen 4 geſund entlaſſen worden. Dagegen wurden am 9. Oktober 5 neue Cholerakranke aus der Vorſtadt Ko - marowka in das Brailer Spital eingebracht. Ferner iſt in der Nähe von Braila in den Orten Gaeſeanca und Caroſu je ein Cholera-Todesfall vorgekommen. Trotz aller gegen die Ausbreitung der Cholera in Braila und Umgebung ſeitens der rumäniſchen Behörden getroffenen ſanitären Maßnahmen nimmt die Cholera in genanntem Gebiete zu. Am 11. Oktober verzeichnete die Präſektur von Braila nachſtehenden Choleraſtand: 34 Cholera - kranke, 10 Choleraverdächtige, 12 Träger von Vibrionen, außerdem ſind 208 Perſonen, welche mit Cholerakranken in Kontakt ſtanden, iſoliert.

Tanzkränzchen.

Der romäniſche Theologenverein Akademia Ortodoxa veranſtaltet Sonntag, den 19. November l. J. in Sereth ein Konzert verbunden mit einem Tanzkränzchen. Die Einladungen werden nächſte Woche verſchickt.

Kinotheater-Cinephon.

Das diewöchige Pragramm im Kinotheater (altes Stadttheater) enthält neben Natur - aufnahmen, komiſchen Schlagern einen Film, der wert iſt, geſehen zu werden. Prinzeſſin Cartouche (Die Diebesfürſtin) nennt ſich das lebende Bild, das im zwei - ten Teile des Programmes zu ſehen ſein wird und ein Detektivſchlager erſten Ranges iſt, der alles bisherige in den Schatten ſtellt. Der Film iſt 1200 Meter lang und nimmt eine Spieldauer von mehr als einer Stunde in Anſpruch.

Scheins Winterkatalog iſt ſoeben erſchienen.

Dieſer praktiſche Wegweiſer auf dem Gebiete der Innendekora - tion wird bei Berufung auf dieſes Blatt von der Firma Teppichhaus-Möbelhaus S. Schein, k. u. k. Hof - und Kammerlieferant, Wien, 1., Bauernmarkt 10 14, gratis und franko zugeſandt.

Wetterprognoſe für morgen.

Trüb, zeitweiſe regne - riſch, etwas wärmer, ſüdweſtliche lebhafte Winde.

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Die geehrten Provinzabonnenten werden ebenſo höflichſt als dringendſt gebeten, die Rückſtände bezw. die Pränumerationen gebühr umgehend zu begleichen.

524. Oktober 1911 Czernowitzer Allgemeine Zeitung

Theater, Kunst und Literatur.

Kammermuſikabend.

Der Verein zur Förderung der Tonkunſt trat am Freitag zum erſten Male in dieſer Sai - ſon mit einer Produktion vor die Oeffentlichkeit. Das Programm des Kammermuſikabends beſtritten Frau Eigermann und Herr Sandru neben den heimi - ſchen Kammermuſikern, Direktor-Stellvertreter Schlü - ter, Profeſſor Krämer, Dr. Wachtel, Direktor Horner, Mr. Storfer und Herrn Stefano - wicz. Haydn’s Streichquartet B-dur Nr. 49 bildete eine liebenswürdige, gut geſpielte und dankbar aufgenommene Einleitung. Die genannten Herren vereinigten ſich noch dann in der Wiedergabe des wunderbaren Sextettes von Dvorzak, deſſen leidenſchaftlichem Temperament und ganzer Innigkeit gerecht zu werden, ſie ſich bemühten. Der Liederkomponiſt des Abends war Camillo Horn, kein Un - bekanter mehr. Dieſen Werkchen iſt vornehme Art, Sinn für Polyphonie zu eigen, nebſt dem erſichtlichen Beſtre - ben, ältere Liedkunſt mit moderner Harmonik zu ſchmü - cken. Die hübſchen Sachen verraten im Allgemeinen mehr konſtruktives Denken als Intuition. Daher die beſte Wir - kung in deklamierenden Liedern, wie Das Meiſelein , das aber auch ſonſt hübſche Erfindung zeigt. Frau Eiger - mann, die ſchon lange nicht mehr vor das Publikum ge - treten iſt, nahm ſich der Horn’ſchen Lieder mit ihrer gan - zen Kunſt an. Sie glänzte ebenſo ſtimmlich im innigen Wiegenlied , wie deklamatoriſch in der wagneriſierenden Thusnelda . Herrn Sandru, den wir zum erſten Male hörten, iſt eine wohlklingende und geſchulte, manchmal wie von einem dunkleren Hauch umſchattete Tenorſtimme zu eigen. Beide Soliſten, Sängerin und Sänger, fanden beim zahlreichen Publikum glänzenden Applaus als Zei - chen, daß man ſie auch fernerhin öfter am Podium zu hören wünſcht.

Repertoir des Stadttheaters.

  • Dienſtag, 24. Oktober: Die große Gemeinde, Luſtſpiel in 3 Aufzügen von Leop. Lippſchütz und Rudolf Lothar.
  • Mittwoch, 25. Oktober: Sommerſpuck , ein fröhliches Spiel in vier Akten von Karl Küchler.
  • Donnerſtag, 26. Oktober: Zigeunerliebe , Romantiſche Operette in 3 Akten von A. M. Willner und Robert Bodanzky. Muſik von Franz Lehar.

Konzertanzeiger.

  • Kartenvorverkauf Konzertdirektion B. Klein, Rat - hausſtraße Nr. 17.
  • 27. Oktober: Lieder - und Arienabend des Kammerſängers Karl Jörn.

Oekonomiſches.

Waggonmangel an der öſterreichiſchen Oſtgrenze.

Aus Nowoſielitza wird der Neuen Freien Preſſe tele - graphiert: Hier herrſcht ſeit vierzehn Tagen ein ſehr emp - findlicher Waggonmangel, ſo daß die aus Rußland per Bahn anlangenden Getreide - und Futtermittelſendungen in den ruſſiſchen Waggons tagelang am Geleiſe ſtehen bleiben, ohne in die öſterreichiſchen Waggons umgeſchüttet werden zu können. Infolge der äußerſt knappen, ganz un - zureichenden Waggonbeiſtellung auf öſterreichiſcher Seite ſind die Futterpreiſe in den letzten Tagen ungeheuer ge - ſtiegen. Mit Rückſicht darauf, daß die weſtöſterreichiſchen Kronländer, die an Futternot leiden, auf den Bezug aus Rußland angewieſen ſind, muß die weſtliche Bevölkerung die durch den Waggonmangel unnatürlich hervorgerufene Steigerung bezahlen. Die gewährte Frachtermäßi - gung iſt durch die unbegründete Verteuerung längſt aufgehoben. Man iſt hier vollkommen überzeugt, daß bei rechtzeitiger Beiſtellung öſtereichiſcher Waggons die Futtermittelpreiſe eine Verbilligung von 50 bis 75 K erfahren hätten. Die Preiſe ſind jedoch ſeit zwei Wochen um mehr als 100 Kronen per Waggon geſtiegen. Ueber Intervention der Bukowinaer Abge - ordneten iſt eine kleine Anzahl leerer Waggons zugeſcho - ben worden, welche jedoch durchaus nicht ausreichen. Aus Nowoſielitza erhalten wir als Ergänzung der vorſtehenden Meldung folgenden Bericht: Die Situation hat ſich inſoferne gebeſſert, als leere Waggons in den letz - ten zwei Tagen doch gekommen ſind und Rußland ſeit mehreren Tagen nach Oeſterreichiſch-Nowoſielitza nichts aufgenommen hat. Heute ſtehen noch zirka 70 Waggons mit voller Ladung auf ruſſiſchem Geleiſe. Man hofft, daß weitere leere Waggons vom Weſten komen werden. Das Verbot Rußlands, nach Oeſterreichiſch-Nowoſielitza Sen - dungen aufzunehmen, dürfte, ſofern die 70 Waggons bald umgeſchüttet werden, heute oder morgen aufgehoben werden. Die Preisſituation. iſt unverändert.

Ungewöhnlich günſtige Maisernte in Rumänien.

Aus Bukareſt wird der Voſſ. Zeitung geſchrieben: Nach den vom Ackerbauminiſterium veröffentlichten proviſori - ſchen Daten beträgt die diesjährige rumäniſche Maisernte rund 43 Millionen Hektoliter oder 32½ Millionen Me - terzentner. Die diesjährige Maisernte iſt eine der beſten die Rumänien zu verzeichnen hatte, und ſteht nur noch hinter der Maisernte von 1906 zurück, die mit 46 Millio - nen Hektoliter das höchſte bis jetzt erzielte Ergebnis auf - weiſt. Von der diesjährigen Maisernte werden 26 27 Millionen Hektoliter für den Export verfügbar bleiben.

Letzte Telegramme.

Kein Kompromiß in Ungarn.

(Priv. -Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Die Verhandlungen der beiden letzten Tage erga - ben, daß die Bemühungen zur Herbeifürhrung eines Kom - promiſſes im letzten Moment geſcheitert ſind.

Die Urſache iſt Unmöglichkeit, mit Juſth zu einer Einigung zu gelangen. Eine weitere Aktion zur Herbei - führung eines Kompromiſſes iſt nicht in Ausſicht ge - nommen.

In Regierungskreiſen verlautet, daß in dieſer Woche der Kampf gegen die Obſtruktion aufgenom - men werden ſoll.

Eiſenbahnunfall.

(Korr. -B.)

Geſtern um 4 Uhr früh kollidierten in der Station Trzebinia zwei Güterzüge. Eine größere Anzahl von Güterwagen und die Lokomotive eines Zuges ſind beſchädigt ſowie zwei Kondukteure ver - letzt.

(Priv. -Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

In der Station Trzebinia hat ſich geſtern ein ſchwerer Unfall ereignet. Ein Laſtzug fuhr in einen ſtehenden - terzug hinein. 30 Waggons wurden zertrümmert. Der Zugführer eines Zuges wurde bisher nicht aufgefunden. Man nimmt an, daß er tot ſei. Vier Perſonen wurden ſchwerverletzt. Die Strecke iſt verlegt, ſo daß alle Züge mit Verſpätungen eintreffen.

Von amtlicher Seite wird davon geſprochen, daß ein Kondukteur ſchwer und einer leicht verletzt und mehrere Laſtwaggons zertrümmert wurden.

Ein Textilarbeiterſtreik.

(Korr. -B.)

Im Senniler Bezirke ſtelten die Textilarbeiter heute die Arbeit ein. Die Ver - handlungen wegen Lohnerhöhungen blieben ohne Erfolg. In den übrigen Zentren der böhmiſchen Textilinduſtrie wurde trotz der Einigungsverhandlungen eine Klärung noch nicht erzielt.

Der italieniſch-türkiſche Krieg.

Zum Kampf bei Benghazi.

(Priv. -Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

In den hieſigen amtlichen Stellen ſind nur geringe Ein - zelheiten über die letzten Gefechte bekannt. Soviel bekannt wird, waren dieſelben ſehr blutig. Anſcheinend hält die Regierung die Telegramme zurück.

In der Stadt ſind Gerüchte verbreitet, daß tauſend Italienergefallen ſind. In Benghazi ſind wäh - rend der Angriffe der Itailener auf die Stadt alle dort zurückgebliebenen Geiſtlichen und Italiener er - mordet worden.

Eine ſchwere Niederlage der Italiener bei Benghazi?

(Priv. -Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Verſchiedene Meldungen, die im Miniſte - rium des Innern eingelaufen ſind, beſagen, daß die Italiener bei Benghazi eine ſchwere Niederlage erlitten haben. Ueber 800 Mann ſollen die Italiener ver - loren haben, während die Türken 155 Mann verloren.

(Korr. -B,)

Ein Radiotelegramm aus Tripolis meldet, die Beſetzung von Derna durch die Italiener. Ein türkiſcher Kapitän und ſieben Matroſen, die verſteckt waren, wurden gefangen genommen. Der Archimandrit gelobte dem General Caneva Treue.

Der antiitalieniſche Boykott in der Türkei.

(Korr. -B.)

Die Agenzia Ste - fani meldet aus Konſtantinopel: Vor den italieniſchen Kaufhäuſern in Stambul wurde ein Ueberwachungsdienſt eingeführt. Vor einem Kaufladen wurde ein Polizeipoſten aufgeſtellt, doch ſchreiten die Poliziſten nicht ein. In Bei - rut und Jeruſalem müſſen die Italiener alle Steuern wie die Eingeborenen zahlen.

Die monarchiſtiſche Erhebung in Portugal.

(Priv. -Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Aus Liſſabon wird gemeldet, daß die Roya - liſten einen Angriff auf Oporto planen. In der Stadt ſind Gerüchte verbeitet, daß der Anführer der Royaliſten namens Conceiro ermordet worden ſei.

Telegr. Börſe - und Kursnachrichten

Wiener Börſe.

(Priv. -Tel. der Cz. Allg. Ztg. )

Die heutige Börſe nahm einen ſtillen Verlauf. Die Kurſe waren trotzdem gut behauptet. In Schranken herrſchte feſte Tendenz.

Telegr. Handelsbericht vom 21. Oktober 1911.

Die Budapeſter Produktenbörſe notiert:

Weizen .........K 11·78 11·79 per 50 kg.
Mais .......... 8·58 8·59
Oelſaaten ........ 00.00 00·00

Eſſekten - und Wechſelkurſe der Wiener Börſe

Einheitliche 4%ige konv. Rente, Mai-November 91·30, Jönner-Juli 91·30; Einheitliche Rente 4·2% in Roten, Februar Auguſt 94·40 in Silber, April-Oktober 94·40, Oeſterr. [Gold]- rente 115.30, Oeſterr., Kronenrente 4% 91 30, Oeſterr. In - veſtitionsreute % 79 80, Ungar. Goldrente 4% 110 95, Ungar. Kroneurente 4% 90 70 Ungar. Inveſtition[s]rente 3[½ %], 78 65 Oeſterr. -ung. Bank-Aktien 19 86, Kredit[akti]en 636·25, London vista 241·35, Deutſche Reichsbanknoten für 100 Mark der R. -W. 117 72 20 Mark-Stücke 23·56, 20 Frank-Stücke 19·21, Italieniſche Banknoten 94 90, Rubel 254·75.

Amtlicher Kurs - und Marktbericht. der Czernowitzer Frucht - und Produktenbörſe.

Preiſe per 50 kg, in Kronen ab (Parität) Czernowitz. Weizen 12· 12·25 Roggen 10·40 10·65 Gerſte (Braner - ware) 9·00 9·25, Hafer (Herrſchaftsware) 8·20 Mais 8·75 Kleie (Weizen) 6·20 6·30, Roggen 6·40 6·60 Spiritus, per 10.000 Literperzent, roher, prompext, kl. Stener per Czernowitz 00 00 00 00.

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6 Czernowitzer Allgemeine Zeitung 24. Oktober 1911.
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724. Oktober 1911. Czernowitzer Allgemeine Zeitung
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8 Czernowitzer Allgemeine Zeitung 24. Oktober 1911.
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Eigentümer und Herausgeber: Dr. Philipp Menezel. Verantwortlicher Redaktenr: Oskar Slawik. Buchdruckerei Gutenberg , Czernowitz.

About this transcription

TextNr. 2329, 24.10.1911.
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Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

Benjamin FiechterSusanne HaafNote: Bereitstellung der digitalen Textausgabe (Konvertierung in das DTA-Basisformat).2018-01-26T13:38:42Z grepect GmbHNote: Bereitstellung der Texttranskription und Textauszeichnung.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T13:38:42Z Amelie MeisterNote: Vorbereitung der Texttranskription und Textauszeichnung.2018-01-26T13:38:42Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

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Bibliographic informationNr. 2329, 24.10.1911. . Buchdruckerei „Gutenberg“Czernowitz1911. Czernowitzer Allgemeine Zeitung

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Fraktur

LanguageGerman
ClassificationZeitung; ready; mkhz2

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Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.

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ImprintBerlin 2019-12-10T11:23:29Z
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