PRIMS Full-text transcription (HTML)
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Nr. 62. Uznach, Mittwoch den 4. Auguſt 1897. 42. Jahrgang.
St. Galler Volksblatt.
Publikations-Organ der Bezirke See und Gaſter. Obligatoriſch in Uznach, Jona, Gommiswald, St. Gallenkappel, Rapperswil, Schmerikon, Eſchenbach, Ernetſchwil, Goldingen

Abonnementspreis: Bei den Verträgern und mit Adreſſe in der Schweiz halbjährlich Fr. 2. 50 Rp., vierteljährlich Fr. 1. 30 Rp. Bei der eidgen. Poſt jährlich Fr. 5. Rp., halbjährlich Fr. 2. 60 Rp., vierteljährlich Fr. 1. 40 Rp. Für das Ausland (Poſtverein) jede Nummer mit Adreſſe halbjährlich Fr. 5, wöchentlich ein Mal halbjährlich Fr. 3. 50 Rp.

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Telephon.

Inſertionsgebühr für den Seebezirk und Gaſter (ohne Vermittlung der Inſeratenbureaux): Die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Rp. Für die übrigen Inſerenten koſtet die kleinſpaltige Petitzeile oder deren Raum 15 Rp. Bei Wiederholungen Rabatt. Inſerate müſſen bis jeweilen ſpäteſtens Dienstag und Freitag vormittags 10 Uhr abgegeben werden.

Erſcheint Mittwoch und Samstag.

Druck und Verlag von K. Oberholzer’s Buchdruckerei, Uznach.

Wöchentl. Gratisbeilage Linth-Blätter .

Ein Bild aus der Saiſon.
Im Hotel ſitzt ein Engliſchmann
Im grell karriertem Kleid;
Ein treues Bild und Konterfei
Der Weltbereiſetheit.
Herr Kellner, ſchnell das Fremdenbuch!
Daß jeder merke fein,
Ich ſei ein echter Gentlemann
Trag ich den Namen ein.
Der Kellner bringt’s mit tiefem Knix;
Der Fremde ſtreicht den Bart;
Das Lorgnon ſetzt er auf die Naſ,
Denn ſo iſt’s feine Art.
Schon ſetzt er feſt die Feder an,
Mit Tinte reich benetzt;
Doch ſpringt ſogleich der feine Herr
Vom Stuhle ganz entſetzt.
Wie er die ganze Welt durchirrt,
Ganz nobel und blaſiert,
So eine Wanz das Buch bereiſt,
Durchquer ganz unſcheniert.
Herr Kellner, ſchnell wird eingepackt!
Bei meinem Ehrenwort!
Nicht zehn der Pferde hielten mich,
Zur Stunde zieh ich fort.
Von Ungeziefer jeder Art,
Wurd ich ſchon oft gequält,
Von Mücken, Schnacken ohne Zahl
Zum Gegenſtand erwählt.
Doch nie bis jetzt hat eine Wanz
Im Fremdenbuche ſchon
Nach Namen, Nummer, Stand geſucht.
Ich eile ſchnell davon.
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Tagesfragen.

Die Zeitungen ſind voll von Betrachtungen über das eidgen. Beſoldungsgeſetz, welches gegenwärtig dem Referendum unterliegt. In dieſen Preßbetrachtungen tritt eine heilloſe Angſt und Beklemmung vor dem Volke zu Tage, denn trotz allen Beteuerungen gibt es niemand in der Preſſe oder ſonſtwo, der nicht wüßte, daß das Volk das Beſoldungs - geſetz mit erdrückender Mehrheit verwerfen würde. Da wurde umſonſt eingewen det, daß gerade die kleinen Angeſtellten der löblichen Eidgenoſſenſchaft durch das Beſoldungsgeſetz eine Aufbeſſerung erfahren werden. Das St. Galler Volks - blatt hat bereits gezeigt, was es von der Aufbeſſerung der Beſoldungen der kleinen Angeſtellten denkt, als es entſchieden für die Aufbeſſerungen der Beſoldungen des Eiſenbahn - perſonals eingetreten iſt, dieſe Aufbeſſerungen waren um ſo eher zu rechtfertigen, da ſie ſchließlich nicht aus den Steuern des Volkes genommen wurden; ſondern auf Koſten der Aktionäre geſchehen, um ſo mehr darf man ſich verwundern, daß dieſe Aufbeſſerungen gerade dort Widerſtand fanden, wo man heute für die Poſtangeſtellten ſoviel Fürſorge an den Tag legt. Das Volksblatt iſt ſelbſtverſtändlich auch dabei, den Poſtbedienſteten aller Art zu einer Auf - beſſerung zu verhelfen, nur möchten wir dieſelben, unter denen wir viele gute Freunde zählen, dringend warnen, ſich nicht allzu großen Hoffnungen hinzugeben, wir ſind feſt überzeugt, daß gerade für die am meiſten Geplagten, nicht viel abfallen wird. Je mehr wir auf dem Boden der Centraliſation vorwärts - ſchreiten, je mehr Beamte es gibt, deſto mehr wird der Fall eintreten, daß nur die Oberen von Gehaltsaufbeſſerungen etwas Merkliches zu ſpüren bekommen werden, die Kleinen aber nicht; es ſind ihrer ſoviele, daß nur kleine Gehalts - aufbeſſerung ſchon große Summen ausmacht. Man denke z. B. nur an unſere Lehrerbeſoldungen; weil die Schule noch leidlich decentraliſiert iſt, ſo iſt es wenigſtens in vielen Ge - meinden möglich, die Lehrerbeſoldungen angemeſſen zu ge - ſtalten. Man ſtelle ſich nun aber vor, daß die Lehrerbeſold - ungen alle vom Staate beſtritten werden müßten, da würde eine Aufbeſſerung von nur zwei - oder dreihundert Franken ſchon ſolche Summe ausmachen, daß die kantonalen Finanzen dieſelben nicht ertragen könnten; die Centraliſation erdrückt überall die Kleinen und kommt nur den Großen zu Statten. Man hat das wieder bei der Krankenverſicherung erlebt. Da ſetzte es im Nationalrat eine gewaltige Diskuſſion ab, ob der Bundesbeitrag für die Verſicherten zwei und einen halben Franken oder drei Franken fünf und ſechzig Rappen betragen ſoll. Es handelte ſich alſo um einen Unterſchied von einem Franken und fünfzehn Rappen. Fürwahr eine lächerlich kleine Summe für den einzelnen Verſicherten, aber für die Bundeskaſſe macht dieſer ganz kleine Unterſchied ſchon eine große Summe aus. Die Centraliſation iſt eben unfruchtbar. Sie wirſt anſcheinend große Summen Geld unter das Volk, aber der einzelne Bürger bekommt wenig oder nichts davon.

Um zum Beſoldungsgeſetz zurückzukehren, ſo muß gerade bei dieſem Anlaſſe auf ein ſchweres Mißverhältnis hinge - wieſen werden, welches die Preſſe ſorgſam verſchweigt. Es iſt recht, daß die untern Poſtangeſtellten recht bezahlt werden; aber die Eidgenoſſenſchaft beſteht doch nicht nur aus kleinen Beamten. Sind die kleinen Gewerbetreibenden, die Hand -werker, die Arbeiter, die Bauern, namentlich die Kleinbauern die Großen verſtehen auch in dieſen Berufen, wie überall, ſich ſelber zu helfen ſind, ſagen wir, dieſe kleinen Leute, die nicht nach einigen Tauſenden zählen, wie die kleinen Bundesangeſtellten, ſondern nach Zehntauſenden und Hundert - tauſenden, nicht auch nützliche Glieder der Geſellſchaft? Müſſen nicht dieſe kleinen Leute ohne Ausnahme ganz anders ſich abmühen und plagen, ihr Brot wahrhaft im Schweiße ihres Angeſichtes verdienen, als fix beſoldete Angeſtellte, die auf ihre Beſoldung immer feſt rechnen können, ob es ſchönes Wetter macht oder regnet oder der Hagel die ganze Ernte vernichtet? Und was tut der Staat, der Bund vor allem für dieſe kleinen Leute? Wir wünſchen wahrlich nicht, daß er ſich derſelben direkt annimmt, denn der Staats - ſozialismus iſt ebenſo unfruchtbar als teuer; aber das darf man verlangen, daß er denſelben wenigſtens nicht immer - fort neue Laſten aufbürdet. Wer trägt vornehmlich die durch die Militärorganiſation von 1876 in ſo bedeutendem Maße erhöhten militäriſchen Laſten? Und die Zölle, an welche alle beitragen müſſen, wie ſchwer drücken dieſelben gerade auf die kleinen Leute, welche die unentbehrlichſten Gebrauchsgegenſtände, Kaffee, Zucker, Petroleum u. dergl. teuer bezahlen müſſen, damit die Staatskaſſe mit unzähligen Millionen ſich fülle. Und das Alkoholmonopol, wird es nicht auch vorzüglich von den kleinen Leuten getragen, die vielfach zum Gläschen Schnaps greifen, weil ihnen die Mittel fehlen, einen beſſern Trunk zu genießen?

Wenn wir ſo die Geſchichte der letzten zwanzig Jahre überſehen, ſo zeigt es ſich, daß gerade der Bund die Laſten der kleinen Leute durch Militär, Zölle, Alkoholmonopol ge - waltig geſteigert hat. Die Folgen einer ſolchen Politik machen ſich geltend ſo ſehr, daß ſelbſt ſolche, die, wo es nur angeht, zu den Lobrednern der Bundespolitik gehören, wie ein bekanntes Blatt jüngſt haben bekennen müſſen, daß unſer Volk an der Grenze ſeiner Leiſtungsfähigkeit angekommen iſt und von einer neuen Belaſtung desſelben keine Rede mehr ſein kann. Dieſe Wahrheiten müſſen immer wieder betont werden, und gerade jetzt, wo die Beſoldungen der kleinen Bundesangeſtellten aufgebeſſert werden ſollen, iſt es Pflicht der unabhängigen Preſſe, darauf hinzuweiſen, daß es Hunderttauſende von kleinen Leuten im Schweizerlande gibt, welche eine Beſſerung ihrer materiellen Lage noch ganz anders notwendig haben, als ſelbſt die am ſchlechteſten be - zahlten Bundesbeamten.

Eidgenöſſiſche Quartalzapfen.

In ängſtlicher Spannung, ob ein Referendum gegen das neue eidgen. Beſoldungsgeſetz zuſtande komme, ſprechen einige Blätter von einem Abwinken . Nun wir geben zu, daß es genug Leute gibt, die nie ein ſelbſtändiges Urteil ſich bilden können, und die daher immer eines Winkes ge - wärtigt ſind, eines Winkes von Seite ſolcher, welche den ſchönen Beruf in ſich fühlen, für andere Leute denken zu müſſen. In einer Demokratie aber ſollte in politiſchen Fragen überhaupt nicht gewunken werden, ſondern jeder ſoll ſich ſeine Meinung nach Gründen bilden ohne Matadoren - wink. Manche bewundern an dem Geſetze, daß es ın das bisherige buntſcheckige Beſoldungsweſen Ordnung bringe durch ſeinen einheitlichen Rahmen. Wie dieſe Einheit zu - ſtande komme, iſt bei dieſer Ordnungsliebe gleichgültig. Es iſt von allen jetzt zugegeben, daß bei dem bisherigen Syſtem, bei welchem die einzelnen Verwaltungszweige im Beſoldungsweſen getrennt vorgegangen waren, in geſetz - und verfaſſungswidriger Weiſe auf dem Budget - wege nachgeholfen wurde. Formell gab man den Anſätzen den Charakter des Proviſoriums und Gratifikationen traten ergänzend ein. Alſo wieder einmal ein Geſtändnis unge - ſetzlichen Handelns; aber gerade reumütig ſcheint das Bekenntnis nicht zu ſein. Soweit nicht beſondere Geſetze beſtehen, wird nun für die eidgen. Beamten und Angeſtellten ein Klaſſenſyſtem aufgeſtellt, welches zwiſchen folgenden Anſätzen ſich bewegt:

Beim Eintritt eines neuen Beamten gilt für ihn in der Regel die Minimalbeſoldung der betr. Klaſſe; nach Ab - lauf jeder dreijährigen Amtsperiode ſteigt die Beſoldung, gute Leiſtungen natürlich vorausgeſetzt, um 300 Fr. und ſ. f. bis zum geſetzlichen Maximum. In die erſte Klaſſe fallen die Vizekanzler, die Departementsſekretäre, die Bank - noteninſpektoren, der Oberpoſtdirektor u. ſ. w., in die folgen - den Klaſſen je nach der Bedeutung und Verantwortlichkeit der Stellen die übrigen Bundesbeamten bis zum Kanzliſten herab. Das Geſetz umfaßt auch die Poſt -, Telegraphen - und Zollverwaltungsbeamten. Die Poſtkommis auf den Bureaux 1. und 2. Klaſſe erhalten 1800 3700 Fr., diePoſtkondukteure mindeſtens 1500 Fr., die Telephoniſtinnen mindeſtens 1200, Briefträger, Bureaudiener, Packer 1200 bis 2500 Fr. Wo Dienſtkleidungen vorgeſchrieben ſind, hat der Bund dieſelben unentgeltlich zu liefern, oder eine entſprechende Barentſchädigung zu leiſten. Stirbt ein Bundesbeamter, ſo erhalten ſeine Hinterlaſſenen eine einſtmalige volle Jahres - beſoldung. Die Beſoldung eines Beamten der 7. Klaſſe, welcher volljährig iſt und im ausſchließlichen Dienſt eines eidgen. Verwaltungszweiges ſteht, ſoll mindeſtens 1200 Fr. betragen. Für Beamtungen, an welche außerordent - liche Anforderungen geſtellt werden, kann durch Be - ſchluß der Bundesverſammlung der Maximalanſatz der 1. Klaſſe überſchritten werden.

Dieſe Beſtimmung paßt wieder herzlich ſchlecht in den einheitlichen Rahmen ; denn ſie gibt den Bundesbehörden die Handhabe, das Geſetz beliebig zu übertreten, durch eine willkürliche Interpretation der außergewöhnlichen An - forderungen . Warum kommen ſolche Anforderungen nur bei den Beamten der 1. Klaſſe vor? Das Geſetz enthält noch mehrere ſolcher allgemeiner Ausdrücke, welche den Weg zu willkürlicher Anwendung bahnen. So z. B. die Beſtimmung, daß beſondere Fähigkeiten , ſowie die örtlichen Lebensver - hältniſſe bei Feſtſetzung der Beſoldung eines neueintretenden Beamten berückſicht werden ſollen. Solche Allgemeinheiten ſind ganz dazu geſchaffen, gewiſſen Günſtlingen und dienſt - baren Geiſtern Vorſchub zu leiſten. Eine ungerechte Will - kür iſt es auch, daß die Oberſten der Bundesverwaltung während des Millitärdienſtes Sold und Beſoldung zugleich beziehen können, damit ſie gelegentlich gegen die Widerſacher des Bundes poltern mögen, während der Nichtbeamte durch den Militärdienſt oft ſchwere Verluſte ſich gefallen laſſen muß. Tadel ruft auch die Beſtimmung hervor, daß beim Todesfalle eines Beamten, die Beſchlagnahme oder Pfändung der für 1 Jahr noch nachzubeziehenden Be - ſoldungsſumme ſeitens allfälligen Gläubiger ausgeſchloſſen ſein ſoll, und demgemäß ſich kein Bäcker, Metzger, oder Milchmann daraus bezahlt machen darf.

Wir glauben nicht, daß ein Referendum gegen das Be - ſoldungsgeſetz zuſtande komme. Es würde ein Referendums - feldzug wahrſcheinlich nur ein Schlag ins Waſſer bedeuten. Sicherlich wäre die Bundesbureaukratie nicht die geſchlagene, wenn auch das Geſetz fallen würde, denn wenn man ſich einge - ſtandenermaßen nicht geſcheut, geſetz - und verfaſſungswidrig bisher zu verfahren, ſo würde man auch ungeſcheut fortwurſteln, wobei die Obern nichts zu verlieren und die Untern nichts zu gewinnen hätten. Will man gegen die Bundesbureau - kraten-Kelle einen wirklich fühlbaren Schlag führen, dann muß man die Sache anders anpacken und direkt das Finanzreferendum ergreifen. Hic Rhodus hic salta!

Eidgenöſſiſches.

Zum Beſoldungsgeſetz. (Korreſp.)

Wie wir vernehmen, will alſo von liberaler Seite das Referendum gegen das Beſoldungsgeſetz ergriffen werden. Der Grund ſcheint ohne Zweifel der zu ſein: weil die Großen diesmal verhältnis - mäßig etwas ſchlechter wegkommen als die untern Angeſtellten, und weil die höhern Angeſtellten durch Geſchenke und Gratifi - kationen ſchon zu ihrer Sache kommen. Es verlautet auch, daß einige höhere Angeſtellten einer allfäll. Verwerfung dieſes Geſetzes kalt gegenüberſtehen, eben weil ihnen dann auf ungeſetzlichem Wege der Gehalt aufgebeſſert werde. Diesmal ſtehen wir entſchieden für das Beſoldungsgeſetz ein. Es bringt den übrigen Angeſtellten an der Poſt u. ſ. w. nur, was die Angeſtellten beim Militär, die Säbelraßler ſchon haben. Das Militärbeſoldungs - geſetz hat man unbeanſtandet gelaſſen, daher ſoll man nun auch den andern Angeſtellten gegenüber mindeſtens ebenſo billig ſein. Das Geld, das hier der reiche Bund ausgibt, kommt weniger den höhern Angeſteilten zu gut, ſondern vielmehr dem großen Haufen von niedern Angeſtellten mit einer Beſoldung von Fr. 700 bis Fr. 2500. Der Ueberſchuß der Bundeskaſſe fließt in die Hände des niedern Volkes und des Mittelſtandes. Alſo hier kräftig eingeſtanden!

Referendum.

Die Nachricht, daß der Appenzeller Anzeiger das Referendum gegen das Beſoldungsgeſetz laneiert habe, wird dementiert. Im March Anzeiger fordert ein Ein - ſender in einem längern Artikel zum Referendum auf, währendem die meiſten konſervativen Blätter für das Geſetz eintreten.

Sonntagsarbeit.

Der internationale Kongreß für Arbeiterſchutz, der Ende dieſes Monats in Zürich abgehalten wird, ſtellt in Bezug auf die Sonntagsarbeit das Poſtulat, daß das Verbot der Sonntagsarbeit nach Möglichkeit und nach wirkſamen Strafbeſtimmungen auf alle Kategorien der Lohnarbeit ausgedehnt werde alſo ſich erſtrecke auf die Arbeit in der Induſtrie, im Vergbau, im Handwerk, in der Landwirtſchaft, in den Verkehrsanſtalten (Eiſenbahn -, Poſt -, Telegraphen - und Tele - phondienſt), im Gaſt - und Schankgewerbe, im Groß - und Klein - handel . Die Sonntagsruhe würde dadurch zu einer abſoluten und ſtreugern als ſie in England beſteht; die heute ſo beliebte Verlegung von größern und kleinern Feſten, von Vereinsaus - flügen ꝛc. auf dieſen Tag müßte fernerhin gänzlich unterbleiben.

Eine internationale Verſammlung katholiſcher Sozial -2politiker.

Durch eine Zuſchrift ladet Kanonikus Dr. C. Eberle in Flums die kath. Soziologen aller Herren Länder, die ſich am wiſſenſchaftlichen Kongreſſe in Freiburg beteiligen, zu einer inter - nationalen Verſammlung katholiſcher Soziologen ein.

Es wurde vom Organiſationskomite des Kongreſſes zu dieſem Zwecke der Nachmittag des 19. Auguſt anberaumt.

Als Verhandlungsgegenſtand wurde von den Petenten die Beſprechung der berufsgenoſſenſchaftlichen Organiſation gewünſcht. Um nun hierin bei dem kurzen Zeitraume etwas Erſprießliches zu erzielen, werden den Intereſſenten gewiſſe Diskuſſionspunkte über das zu behandelnde Thema unterbreitet, damit ſie dieſelben ſchriftlich oder mündlich ergänzen möchten.

Jene Herren. welche ſich für unſere Sache intereſſieren, auch wenn ſie am Kongreſſe nicht perſönlich teilnehmen wollen, wohl aber geſonnen wären, ihre Anſichten ſchriftlich mitzuteilen, ſind gebeten, ſich an den genannten Herrn zu wenden, damit ihnen die zu beſprechenden Theſen zugeſandt werden können.

Niedergang des Bauernſtandes.

Die ſchweiz. landw. Bevölkerung hat ſich innert 40 Jahren um volle 10% ver - mindert; die Verminderung iſt nicht nur verhältnismäßig (mit der übrigen Erwerbsbevölkerung verglichen), ſondern abſolut. Im Jahre 1860 gab es 46%, 1870 noch 42%, 1880 bloß 40% und 1888 nur noch 39% Bewohner, die ſich mit der Urproduktion (Land -, Forſt - und Gartenbau ꝛc. ) befaſſen. Als eigentliche Landwirte, d. h. ſolche, die mehr als die Hälfte ihrer Tätigkeit der Landwirtſchaft zuwenden, darf man heute höchſtens noch 36% der Geſamtbevölkerung rechnen. Wenn die Statiſtik in ihrer ganzen Strenge angewendet würde, ſo würde ſich kaum mehr als ein Drittel der Geſamtbevölkerung als Landwirte finden laſſen (33,3%. Für den Beſtand und das Glück des Staates iſt dieſer Niedergang ein ſchlechtes Zeichen. Die landwirtſchaft - treibende Bevölkerung war ſonſt immer ein breiter Grund einer verhältnismäßigen Ruhe und friedſamen Exiſtenz zwiſchen den gehäuften Stätten beſtimmungsloſer Leidenſchaften.

Schlechte Geſchäfte.

Nach Erklärungen der Direktion der ſchweizeriſchen Hagelverſicherungsgeſellſchaft ſoll infolge der ſchweren Gewitter in der zweiten Hälfte des Monats Juli die diesjährigen Prämieneinnahmen bis jetzt 700 181 Fr. bei 33 026 980 Fr. Verſicherungsſumme nicht zur Deckung der Schäden ausreichen und der Reſervefonds in Anſpruch ge - nommen werden müſſen. Am 24. Juli betrug die Anzahl der Policen 38 239 oder 835 mehr als im Vorjahr am Schluſſe der Saiſon.

Einſeitiges Urteil

Unter der Marke: Was koſtet ein Arbeıterglied , ſchreiben einige Blätter: Aus den Berichten der Kantonsregierungen über die Ausführung der Bundesgeſetze betreffend Haftpflicht iſt auch zu erſehen, wie der Wert einzelner Glieder berechnet wird. Der Venuſt des Ringfingers wurde in Schaffhauſen mit Fr. 2000 entſchädigt, in dem gleichen Kanton wurde für den Verluſt von vier Fingern 4465 Fr. bezahlt, im Kanton Freiburg nur Fr. 1600 und Fr 1800. Im Kanton St. Gallen wurde bezahlt für zwei Mittelfinger Fr. 3200, im gleichen Kanton für die Steifheit ſämtlicher fünf Finger Fr. 4283. Im Kanton Freiburg gilt der Daumen, der wichtigſte von allen Fingern nur Fr. 350. Im Kanton Schaffhauſen iſt der Verluſt des linken Auges mit Fr. 4000, im Kanton St. Gallen Be - ſchädigung desſelben mit 2900 Fr. entſchädigt worden. Für die Verrenkung eines Knies berechnete man in St. Gallen Fr. 3000, in Schaffhauſen für den Verluſt des Vorderarmes Fr. 2000, in St. Gallen für die Amputation eines Fußes Fr. 5400, für Erblindung Fr. 5400. Man ſieht, wie ſehr die Anſchauungen über den Wert der Arbeiterglieder auseinander gehen.

Obige Darſtellung, welche durch die Blätter wandert, iſt ebenſo einſeitig als ungerecht. Denn der Richter fragt ſich bei den Haftpflichtfällen, in welchem Verhältnis ſteht der Unfall zu der Erwerbsfähigkeit des Betroffeneu. Dieſes Verhältnis kann ein Verſchiedenes ſein bei Verluſt desgleichen Gliedes, indem das gleiche Glied in den verſchiedenen Berufsſtellungen des Erwerbenden nicht die gleiche Bedeutung und Wichtigkeit hat. Die obige Zuſammenſtellung iſt daherganz wertlos, ſolang ſie nicht auch die Berufsſtellung des Betroffenen angibt.

Die größten Webereien der Schweiz beſitzen Zürich und Glarus, aber ſie ſind nicht ſo ſehr in großen Händen centraliſiert wie die Spinnereien. 28 zürch. Firmen repräſentieren 6800, 12 glarn. Webereien 3953 Webſtühle. St. Gallen zählt deren bloß 2200. Die größte Zahl Webſtühle (800) hat die Firma Johannes Honegger in Wald. Die zweitgrößten Etabliſſemente ſind im Kanton St. Gallen, nämlich die Fabriken von G. Wild in Neuhaus-Eſchenbach mit 640 Stühlen, und Schuler, Heer und Cie. in Mels mit 597 Stühlen. Dann kommt in dritter Linie wieder Zürich an die Reihe mit drei nahezu gleich großen, ſehr bedeutenden Unternehmungen: Boller und Syz, Zürich (550 Stühle), Spörri und Schaufelberger, Wald (518), Ed. Bühler und Cie., Winterthur (515); hierauf tritt Zürich den Rang an Glarus ab, wo Barth. Jenny und Cie. in Ennenda 496 Webſtühle vereinigen; dann tritt wieder eine Zürcher-Firma, Ferdinand Oberholzer, Wald, mit 472 Stühlen in den Rang ein, und neben ſie völlig gleichwertig tritt wieder die Glarner Unternehmung I. Jenny-Zwicky in Ennenda, und dieſer folgt unmittelbar eine zweite Glarner Firma, Hefti und Cie. in Hätzingen mit 450 Stühlen; dann greift die Rang - liſte über auf ein Zürcher Haus, Blumer und Bidermann, Rorbas - Freienſtein (Buntweberei) mit 408 Stühlen. Alle übrigen 54 ſelbſtändigen Betriebe, welche dem Verband Webereibeſitzer an - gehören, zählen weniger als 400 Betriebs-Einheiten.

Südoſtbahn.

Anknüpfend an die Tatſache, daß die Konkurrenz der neueröffneten Nordoſtbahnlinie Thalweil-Zug einen ſcharfen Rückgang der Einnahmen der Südoſtbahn hervorrief und daher die Aktien dieſer letztern bedeutend ſanken, beſpricht ein Basler Finanzblatt, der Ratgeber , die Ausſichten der Südoſt - bahnaktien alſo:

Wenn man den im letzten Jahre erzielten Reinertrag den Saldo aus 1895 in Abzug bringt, ſo ergibt ſich, daß das Jahr 1896 einen eigentlichen Reingewinn von zirka 62,500 Franken ergeben hat, wobei bemerkt werden muß, daß die Rechnungſtellung im übrigen als eine ſolide bezeichnet werden konnte. Da der genannte Reinertrag hingereicht haben würde, um auf jede der 7000 Prioritätsaktien eine Dividende von 9 Fr. zur Auszahlung zu bringen, ſo konnte man den Aktien ein ganz gutes Prognoſtikon ſtellen und wären dieſelben ohne die neuerſtandene Konkurrenz entſchieden preiswürdig geweſen; heute aber liegen die Verhält - niſſe plötzlich ganz anders, ſeitdem es ſich herausſtellt, daß der Güterverkehr in einem einzigen Monate eine Einbuße von 16,000 Franken hat, was, wenn man nach dem nämlichen Verhältniſſe rechnen will, per Jahr eine Einbuße von über 190,000 Fr. be - deuten würde. Wenn man auch annimmt, daß es der Ver -waltung gelingen wird, einen großen Teil der Einbuße im Güter - verkehr wieder einzuholen, ſo wird infolge der Konkurrenz doch jahrelang ein Ausfall verbleiben, der ſelbſt günſtigenfalles die Jahresrechnung ſo tangiert, daß nach Verzinſung der Obligationen weder für das laufende, noch für die nächſten Jahre irgend ein Ueberſchuß mehr für die Aktionäre verbleiben dürfte. Dazu kommt, daß ſich keinerlei nennenswerte Erſparniſſe im Betrieb erzielen laſſen, denn die Betriebsausgaben wurden bereits im Jahre 1896 auf das Allernotwendigſte reduziert und kann alſo der große Aus - fall an den Einnahmen in keiner Weiſe wettgemacht werden, ſo daß die Aktionäre der Südoſtbahn für die nächſten Jahre jede Hoffnung auf Auszahlung einer ſelbſt beſcheidenen Dividende be - graben müſſen. Unter Umſtänden ſogar, d. h. wenn die Ein - nahmen aus dem Güterverkehr dauernd ſo niedrig bleiben, wie im Monat Juni, könnte der Fall eintreten, daß die Südoſtbahn nicht einmal die Zinſen auf ihr Obligationenkapital ins Ver - dienen bringt.

Käſehandel.

Im Emmental haben die Käſeeinkäufe begonnen, einen vollen Monat früher als letztes Jahr. Ein Aufſchlag von einigen Franken iſt ſicher, hingegen bleibt es bei den bisherigen Bedingungen bezüglich der Eingewichtsprozente entgegen den Vereinbarungen der Käſeproduzenten. So viel man hört, iſt 80 Fr. bis jetzt der höchſte Preis für 50 Kilogramm.

Schäbig.

Während die franzöſiſchen und ſpaniſchen Eiſenbahnen den Beſuchern des internationalen kath. Gelehrtencon - greſſes in Freiburg 50 Prozent Reduktion der Fahrtaxen gewährten, haben die ſchweiz Eiſenbahndirektionen ein bezüglıches Geſuch ab - ſchlägig beſchieden.

Saubere Gäſte!

Der Prinz Henri von Orleans hat die Herausforderung des italieniſchen Generals Albertone, dem er Feigheit vorgeworfen, angenommen. Das Duell ſoll auf Schweizerboden zum Austrag kommen.

Militäriſches.

Die Aargauer Nachr. ſchlagen vor, der Bund ſolle, natürlich in Aarau, eine ſtändige Kriegsſchule für Offiziere errichten. Wie weit iſt dann noch der Schritt zur Schaffung eines ſtehenden Heeres?

St. Galliſches.

Brandſchatzung und Volksausſangerei.

Unſer Steuer - ſyſtem verſchlingt die Hälfte der Kapitalrente. Man hat be - rechnet, daß an einigen Orten der Fiskus aber noch mehr an ſich zieht. Eine Witwe, deren Kapitaleinkommen 1000 beträgt, zahlt bei 14 15 pro Mille Steuertaxe die Summe von 435 Franken. Libingen aber forderte letztes Jahr 23 pro Mille, Mühlrütti 21 22, Bichwil 25, Henau 23, Flawil 18 25. Der Toggenburger Volksfreund teilt noch folgende erbauliche Tatſache mit, wie ein Waiſenkind in einer toggenburgiſchen Ge - meinde auf dem Steuerwege geplündert wurde:

In vier Jahren ſomit von Fr. 5092.86 Einnahmen beſteuert mit Fr. 2122.30! Dabei iſt jedoch noch zu erwähnen, daß das Kind als Waiſe beſondere Steuervergünſtigung genoß !

Die kantonale Lehrerkonferenz vom 2. d. erſucht den Erziehungsrat, die Bildung der ſchwachſinnigen Kinder auf geſetzlichem oder adminiſtrativem Wege zu regeln. Er möge die Initiative zur Gründung einer kantonalen Anſtalt für Schwach - ſinnige ergreifen und für die Unterſtützung derjenigen bedürftigen Gemeinden ſorgen, welche von ſich aus für die Erziehung ihrer Zurückgebliebenen. Schwachbegabten und Schwachſinnigen in Nachhülfs - und Spezialklaſſen Anſtalten treffen. Ferner ſoll die Regierung erſucht werden. dem Großen Rate noch rechtzeitig vor der nächſten Sitzung die Verwendung des Broderſchen Vermächt - niſſes zur Gründung eines Inſtitutes für Schwachſinnige zu empfehlen.

Endlich wurde der Erziehungsrat erſucht, Schritte zu tun für eine Reviſion des Erziehungsgeſetzes im Sinne der Schaffung einer kantonalen Schulſynode.

Stickerei.

Die Schiffliſtickerei ſoll ſich von der Kriſis jetzt wieder erholen und ſei im Aufſchwung begriffen. Es wird auch optimiſtiſch zu dieſer Meldung hinzugefügt, die Hand - maſchine habe noch ein großes Feld vor ſich; die Spezialitäten ſeien noch lange nicht erſchöpft; vielmehr ſei dieſes Gebiet der größten Ausdehnung fähig.

St. Gallen.

Die Jahresverſammlung des oſtſchweiz. Bäckereiverbandes findet am 2. September ſtatt.

Die diesjährige ordentliche Delegiertenverſammlung des Schweizeriſchen Grütlivereins findet am 2. und 3. Oktober in St. Gallen ſtatt.

St. Iddaburg.(Eingeſ.)

Am nächſten Montag, den 9. d. M., wird hier das feierliche Jahresgedächtnis gehalten für den Hochw. Herrn Wallfahrtsprieſter Johann Alois Widmer ſel. Beginn des Gottesdienſtes vormittags 8 Uhr.

Nach Beendigung dieſes Trauergottesdienſtes verſammeln ſich die Mitglieder der St. Iddaburg-Geſellſchaft im hieſigen Wirtshausſaale zur ordentlichen Jahresverſammlung.

Ein ſonderbarer Antrag!

Letzter Tage ver - ſammelten ſich die Geſundheitskommiſſionen des Bezirkes Wil und Alttoggenburg. Herr Bezirksarzt Dr. Jung von Zuzwil be - antragte, es ſollen die Geſundheitskommiſſionen je zweier Ge - meinden ihren Wirkungskreis tauſchen, indem die Befürchtung, die Leute der eigenen Gemeinde vor den Kopf zu ſtoßen, die Geſundheitskommiſſionen abhalte, ihrer Pflicht nachzukommen; auf dieſe Weiſe könnte die Tätigkeit der letztern eine regere werden. Nach lebhafter Diskuſſion wurde dem Antrage zugeſtimmt und es werden nun die Tit. Gemeinderäte mit der Angelegenheit begrüßt werden. Dieſer ganz ungeſetzliche Antrag beweist, wie weit heutzutage die Furcht, niemanden wehe zu tun, das Be - amtentum ergriffen hat und alle Zweige der Verwaltung darunter leiden. Lieber will man ein ungeſetzliches Auskunftsmittel, als die Axt an die Wurzel legen.

Landwirtſchaftlicher Produktenhandel.

Behufs Erleichterung und Hebung des Verkehrs zwiſchen Produzenten und Konſumenten hat der landwirtſchaftliche Verein Quarten eine landw. Produkten-Vermittlungsſtelle errichtet, bei welcher gegen eine Gebühr von 20 Rp. der Bauer ſeine Produkte zum Ver - kaufe anmelden kann.

Schmerikon(Eingſ.)

Als Seltenheit mag wohl verzeichnet werden, daß in dieſem Jahre St. Urban , deſſen Feſt jeweilen am 1. Sonntag Auguſt feierlich begangen wird, von den Herren Schreinermeiſter Mächler, in der Kürze, und Bäcker Bernet in Uznach mit zwei bereits ausgereiften Trauben beehrt wurde.

Rapperswil.

Am 1. d. wäre der Bahnhof bald der Schauplatz eines Unglückes geworden. Der Zug 216 von Chur, hier 3 Uhr 46 fällig, war eingefahren, viele Paſſagiere ſtiegen aus und waren im Begriffe, die Perrons zum Bahnhof zu überſchreiten, als plötzlich eine leere Lokomotive auf einem dieſer Perrons rückwärts in das Publikum fuhr. Letzteres konnte ſich mit größter Not zurückziehen, bei zwei größern Kindern hat es um ein Haar gefehlt, ſo wären ſie überfahren worden.

* Rapperswil.

Nächſten Samſtag den 7. Auguſt kommen die Pilger aus dem Rheintal-Vorarlberg in zwei Extra - zügen 11 und 12 Uhr mittags nach Rapperswil. Am Montag Mittag wieder zurück.

St. Galliſches Kantonalſchützenfeſt in Lichtenſteig. Geſamt-Schießreſultate.

I. Sektionswettſchießen. a) Lorbeerkränze: 1. Schützen-Geſ. Glärniſch , Glarus; 2. Feldſchützengeſellſchaft Grabs; 3. Feldſchützengeſ. Freiberg , Nitfurn; 4. Feldſchützengeſellſchaft Dicken; 5. Schütz. -Geſellſch. Mürtſchen-Kerenzen; 6. Feldſchützen Alt St. Johann; 7. Feldſchützen St. Gallen; Stadtſchützen Zürich (auß. Konkurrenz, weil 2 Schützen nicht erſchienen); 8. Feldſchützengeſellſch. Flawil; 9. Feldſchützengeſ. Winterthur; 10. Feldſchützengeſ. St. Fıden; 11. Feldſchützen Ebnat-Kappel; 12. Schützen - geſellſchaft Sevelen; 13. Feldſchützengeſ. Degersheim; 14. Feldſchützengeſ. Neßlau-Krummenau; 15. Feldſchützengeſ. Rorſchach; 16. Schützengeſ. Gais. b) Diplome: 17. Feldſchützengeſ. Buchs-Werdenberg; 18. Infant. -Schützen - geſellſch. Säntis , Appenzell; 19. Feldſchützengeſ. Tübach; 20. Feldſchützen - Geſ. Wattwil; 21. Feldſchützengeſ. Kirchberg; 22. Feldſchützengeſ. Ober - uzwil; 23. Feldſchützengeſ. Wittenbach; 24. Scharfſchützengeſ. Ebnat-Kappel; 25. Feldſchützengeſ. Berneck; 26. Schützengeſ. Dübendorf; 27. Schützengeſ. Wigoltingen; 28. Militärſchützenverein Wildhaus; 29. Feldſchützengeſ. Töß; 30. Feldſchützengeſ. Wülflingen; 31. Schützengeſ. Stein-Obertoggenburg; 32. Zimmerſchützengeſellſch. Bühler; 33. Feldſchützengeſ. Herisau; 34. Feld - ſchützengeſ. Rheineck; 35. Feldſchützengeſ. Oberhelfenswil; 36. Feldſchüßen - Geſ. Krummenau-Wintersberg; 37. Feldſchützengeſ. Muolen; 38. Militär - ſchützengeſellſch. Wattwil; 39. Militärſchützengeſellſchaft Bächle-Hemberg. Ohne Diplome: 40. Feldſchützengeſ. Mosnang; 41. Schützengeſellſch. Uli Rotach , Schwendi; 42. Feldſchützengeſ. Benken; 43. Militärſchützenverein Ebnat-Kappel; 44. Militärſchützenverein Wilhelm Tell , St. Peterzell; 45. Feldſchützengeſ. Wil; 46. Feldſchützengeſ. Räfis-Burgerau; 47. Feld - ſchützengeſ. Goldach; 48. Standſchützengeſellſchaft Urnäſch; 49. Militär - ſchützenverein Lachen-Vonwil; 50 Militärſchützenverein Hoffeld; 51. Militär - ſchützenverein Uznach; 52. Militärſchützenverein Lichtenſteig; 53. Militär - ſchützenverein Straubenzell; 54. Militärſchützenverein Hemberg-Dorf; 55. Feldſchützengeſ. Schänis; 56. Militärſchützenverein Tablat; 57. Feld - ſchützengeſ. Niederuzwil; 58. Militärſchützenverein St. Gallen; 59. Militär - ſchützenverein Mühlrüti; 60. Militärſchützenverein Blomberg; 61. Militär - ſchützenverein Krinau; 62. Schützengeſellſchaft St. Georgen; 63. Militär - ſchützenver. Brunnadern; 64. Militärſchützenver. Kaltbrunn; 65. Schützengeſ. Algentshauſen; 66. Grütliſchützenverein Niederuzwil; 67. Militärſchützenver. Schmidberg; 68. Militärſchützenverein Weeſen; 69. Militärſchützenverein Henau-Niederuzwil; 70. Miltärſchützenver. Krummbach; 71. Militärſchützen - verein Neckertal; 72. Militärſchützenverein Oberhelfenswil; 73. Militär - ſchützenverein Bütſchwil; 74. Militärſchützenverein Flawil; 75. Militär - ſchützenver. Wil; 76. Militärſchützenver. Häusleberg; 77. Militärſchützenver. Dietſchwil; 78. Militärſchützenverein Zuzwil.

II. Beſte Kehrſerien. Meiſterſchützen mit Lorbeerkranz. 1. Kühne Alois, Metzger, Kaltbrunn 90 Nummern; 2. Staehelin A., Deſſinateur, St. Gallen (90); 3. Gähler Chriſt., Schreiner, Glarus (88); 4. Perret James, Chaux-de-Fonds (88); 5. Frei Rud., Fabrikant, Bubikon (84).

III. Sektionsſtich. (Lorbeerkranz). 1. Looſer Joſ., Handlung, Dietfurt; 2. Fenner Rud., Bäcker, Zollikon; 3. Streif Peter, Fabr., Glarus; 4. Angehrn Alois, Amrisweil; 5. Enz Emil, Zeichner, St. Gallen je 30 Punkte.

IV. Stich Glück . 1. Schubiger Hermann, Uznach 50 / 40 Punkte; 2. Blank G., Montreux (50 / 32); 3 Egli Joh., Gähwil (50 / 26); 4. Bannwart Theod., Bichelſee (50 / 26); 5. Vetſch Joh., Schreiner, Grabs (50 / 24).

V. Stich Kunſt . 1. Troyon Charles, Lauſanne 214 Punkte; 2. Hoffmann-Landur, Seen (212); 3. Wagner Wilh., Lichtenſteig (209); 4. Thalmann I., Wietzikon, Sirnach (209); 5. Marti Joh., Frauen - feld (208).

VI. Militärſtich. 1. Petont H., Ponts-Martel 223 Punkte; 2. Hofer G., St. Gallen (220); 3. Landolt E., Enge (214); 4. a. Roth Kaſpar, Buchs (210); b. Bercher Friedr., Winterthur (210); 5. a. Baum - gartner I., Zürich V (208); 5. b. Wegmann Alb., Thundorf (208).

VI. Scheibe Toggenburg (I. Kategorie). 1. Tobler Alfred, Wolfhalden 416 Punkte; 2. Stäheli Konrad, St. Fiden (410); 3. Huguenin H., Ponts-Martel (408); 4. Kellenberger Emil, Walzenhauſen (406); 5. Boeſch Chriſtian, Bruggen (403). II. Kategorie (Schußnähe.) 1. Hu - guenin H., Ponts-Martel; 2. Troyon Charles, Lauſanne; 3. Hirzel Edwin, Meilen; 4. a. Egloff Jean, St. Gallen; 4. b. Stäheli Konrad, St. Fiden; 5. Burkhard E., St. Fiden je 50 Punkte.

Kantone.

Zürich.

Bei der Quaibrücke ſtürzte ſich Dienstag ½8 Uhr ein 10jähriger Knabe aus Liebesgram (!) in ſelbſtmörderiſcher Ab - ſicht in den See. Einem in der Nähe mit Fiſchen beſchäftigten Manne gelang es, denſelben zu faſſen und in ſein Schiff zu ziehen. Nach längerer Anſtrengung der Sanität erholte ſich der Lebensmüde wieder.

Der katholiſche und ſozialdemokratiſche Abſtinenzverein, ſowie derjenige der Freitempler verlangen zuſammen von der Alkoholzentelkommiſſion 800 Fr. für das Jahr 1896 und be - halten ſich im Verweigerungsfalle weitere Maßnahmen vor Gleich - zeitig richten ſie an die Alkoholzentelkommiſſion das Geſuch, die Abſtinenzvereine anzuhalten, darüber Rechenſchaft abzulegen, wofür die Beträge, die aus dem Alkoholzentel verabfolgt werden, Ver - wendung finden.

Einer Lotterie-Kollekteurin am Predigerplatz in Zürich wurden in der Nacht vom 28. auf 29. Juli mittelſt gewaltſamen Erbrechens einer Kommode 800 Fr. Barſchaft geſtohlen.

Die Bül. Ztg. meldet: Das arme Außerſihl, deſſen Exiſtenz bekanntlich zur Stadtverinigung Anlaß gab, ſtrebt die Erſtellung eines Volkstheaters mit 1500 Sitzplätzen im Voran - ſchlage von 930 000 Fr. an. Als ſtändige Konzertnummer für den Vergnügungspalaſt wird wahrſcheinlich die ſozialdemokratiſche Drehorgelmelodie vom Zürcher Proletarierkreis figurieren.

Mitten im prächtigen Rebberg öſtlich des Dorfes Höngg, oberhalb der alten Trotte iſt letzter Tage auläßlich der amt - lichen Rebenunterſuchung ein kleiner Phyloxeraherd entdeckt worden.

Bern.

Das Reinvermögen des Kt. Berns beträgt 56 Millionen. Im Vorjahr hat dasſelbe um ¼ Million zugenommen.

Bern.

Im Chemiegebäude an der Langgaſſe erfolgte am Samstag beim Aufräumen eine gewaltige Exploſion, welche ziemlichen Materialſchaden verurſachte, indes niemand verletzte.

Im Alter von 70 Jahren ſtarb Fürſprech Dr. Joh. Paul Lındt, ehemaliger Gerichtspräſident von Bern. Dürrenmatt widmet dem Hingeſchiedenen als einem treuen Freunde der Konſer - vativen, charakterfeſten Anwalt und praktiſchen Chriſten einen ehrenden Nachruf.

Schwyz.

Um der Nachtbubenzüchterei ein Ende zu machen beſchloß der Handwerker - und Gewerbeverein Lachen, den Unter - richt für die Fortbildungsſchule auf die Tageszeit zu verlegen.

Am centralſchweizeriſchen Aelplerfeſte auf Rigiklöſterli beteiligten ſich über 100 Sennen und 30 Turner aus allen Kantonen. Im Schwingen errangen die Sennen einen faſt voll - ſtändigen Sieg über die Turner, die durch vorzügliche Kräfte vertreten waren.

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In Küßnacht ſoll z. Z ein reger Fremdenverkehr herrſchen. Deutſche, Fran[z]oſen, Engländer und Amerikaner ſind zur Erhohlung in den Penſionen abgeſtiegen.

March.

Die Klauenſeuche hat an Intenſivität nach - gelaſſen. An einigen Orten konnte der Bann aufgehoben werden, dagegen ſcheint die Seuche an räumlicher Ausdehnung zu gewinnen. Nunmehr ſoll ſie auch in der Alp G’würz ausgebrochen ſein. Am Fluhbrig tötete jüngſt der Blitzſchlag ein Rudel Schafe, 35 Stück zählend.

Tendenziöſe Berichterſtattung.

Der liberale Schwyzer Volksfreund bewundert die Feſtrede des radikalen Kulturkämpfers und Reformpaſtors Heß am Schützenfeſte in Lichtenſteig. Die anſtößigen Stellen ſind aber umgeändert.

Nidwalden.

Als letzten Dienstag in Stans die erſte Lokomotive für den Bau der Engelberger-Bahn auf vierſpännigem Wagen eintraf, meinte ein Bauer: Die bringid jetzt der Dorrofä, bevor Birli zytig ſind

Glarus.

In Netſtal iſt in einem Stalle der ſogenannte gelbe Galt ausgebrochen. Die mit dieſer gefährlichen Krankheit behafteten Tiere geben eine ſchleimige unbrauchbare Milch. 4 Kühe wurden abgetan.

Der glarneriſche Katholikentag findet am 5. Sept. ſtatt.

Klauſenpaß. Nach dem Stand der Arbeiten darf angenommen werden, daß die Straße über den Urnerboden bis zum Herbſte fahrbar wird. Indem Glarus ſeinen Straßenteil bis zum nämlichen Zeitpunkte vollenden wird, kann nächſtes Jahr von Linthal aus der Urnerboden mit einer Kutſche bequem er - reicht werden. Dem Vernehmen nach gedenkt die eidgen. Poſt - verwaltung ſchon nächſtes Jahr einen Fahrpoſtdienſt Linthal - Urnerboden einzurichten.

Die freiburgiſche Anklagekammer wird ſich Samstag den 7. Auguſt mit der Angelegenheit Huber befaſſen und für dieſen einen amtlichen Verteidiger bezeichnen, da Huber ſich bisher geweigert hat, einen ſolchen zu erwählen. Der Prozeß vor dem Geſchwornengericht wird nicht vor der erſten Hälften September beginnen.

In der kathol. Buchhandlung, Reichengaſſe, Nr. 13, zu Freiburg ſind Medaillen und Feſtandenken zur Erinnerung an das Feſt des ſel. Petrus Caniſius zu haben.

Solothurn.

An dem zum Oberingenieur der Zentral - bahn erwählten Herrn Euſeb. Vogt verliert der Kanton und ſpeziell die Stadt Solothurn eine ſehr tüchtige Kraft, die Oppoſition einen ihrer ſchneidigſten Führer.

Graubünden.

Die Notiz, daß in Gondo (Wallis) einzig in der Schweiz Gold gewonnen und daraus Münzen ge - prägt wurde, iſt nicht richtig. Bei Felsberg, eine Stunde von Chur, wurde früher lange Zeit am Kalanda ein Goldberg - werk betrieben. Es exiſtieren aus dem Jahre 1813 noch bünd - neriſche Golddukaten, welche auf Grund eines Vertrages zwiſchen Bergwerkgeſellſchaft und Kanton aus Kalandagold geprägt wurden.

Das Reſtaurant auf dem Piz Lanquard iſt am Freitag total abgebrannt. Die Brandurſache iſt eine teilweiſe Exploſion eines Kochapparates.

Uhrenmacher Riſch aus Chur der am 1. d. die Hoch - wangſpitze beſtieg, wird vermißt.

Aargau.

Jüngſt war die Wahl der Bezirlsſchulräte, dabei wurde für den Bezirk Laufenburg Herr Bezirksarzt Mettauer in Frick, ein bei allen Parteien beliebter, loyaler Mann, der ſeit zwölf Jahren ein fleißiges und treues Mitglied des Bezirksſchul - rates war, mit empörender Brutalität weggewählt und zwar mit der Begründung, er ſei als Arzt durch ſeine Berufsgeſchäfte ſonſt ſchon zu ſtark in Anſpruch genommen und Frick ſei durch zwei andere Mitglieder ſchon mehr als genügend vertreten. Für ihn wurde nun aber gewählt Herr Unterlehrer Mettauer von Frick. Alſo der Herr Bezirksarzt iſt zu viel für Frick, für ihn aber wählt man wieder einen Fricker. Erſterer iſt als Arzt zu viel be - ſchäftigt, dafür wählt man einen Lehrer, der zugleich Landwirt iſt und dazu Mobiliarverſicherungsagent, Feuerwehrhauptmann, und gelegentlich Spritzeninſpektor, Turn-Experte und Turnlehrer an der Bezirksſchule, Kommiſſionsmitglied und Inſpektor des Armenerziehungsvereins, Schönſchreiblehrer und Zeichnungslehrer an der Bezirksſchule, Konferenzdirektor und vielleicht noch manches andere. Aber das Rätſel löſt ſich wenn man durch das Badener Volksblatt erfährt, daß dieſer Unterlehrer radikaler Proteſtant, der Bezirksarzt aber konſervativer Katholik iſt.

Thurgau.

Das Hagelwetter vom letzten Mittwoch hat größere Ausdehnung angenommen, als berichtet wurde. Betreffen iſt der Landſtrich von Wigoldingen-Homburg über Märſtetten bis an den Ottenberg hinauf und auf der andern Seite bis über Mettlen hinaus, und zwar iſt merkwürdigerweiſe der Schaden am Rande der Hagelzone größer als im Zentrum; den er wird in der Gegend von Boltshauſen einen Drittel, in Wigoldingen ſogar bis auf 70% der erhofften Weinernte geſchätzt, während er bei Märſtetten nur etwa einen Fünftel betragen ſoll.

Appenzell A. -Rh.

Ein junger Mann namens Walſer von Gais ſtürzte am 1. ds. früh vom Hohen Kaſten; er wurde ſchwer verwundet auf der Solalp gefunden.

Waadt.

Unweit des beſtrenommierten Weingeländes von Maleſſert (La Côte) iſt ein fünfzig Rebſtöcke umfaſſender Reblaus - herd entdeckt worden. Weitere neue Herde wurden bei Nyon entdeckt.

Im kantonalen Muſeum in Lauſanne wurde am 1. d. ein großer Diebſtahl begangen. Er betrifft goldene Medaillen vom eidgen. Jubiläum und von der Landesausſtellung in Genf, einen goldenen Taler von Kardinal Schinner und ſchweiz. Schützentaler, ſowie goldene Gegenſtände aus der Bur - gunderzeit.

Den Steuerzahlern hat die ſtädtiſche Bauverwaltung in drei vorgekommenen Fällen Schmerzen bereitet. Dieſelbe ſoll nämlich Bauprojekten die Genehmigung erteilt haben, ohne zu prüfen, ov ſie den von der Stadt planierten Bauten im Wege ſtehen, ſo daß die ſchon angefangenen Bauten entfernt werden mußten. Gibt’s keine Beamtenverantwortlichkeit?

Ausland.

Vom Tage.

In Bulgarien hat ein Skandalprozeß ſeinen Abſchluß gefunden. An ſich beſchlägt der Handel nur ein modernes Romanthema: Ein junger Lebemann läßt ſeine Geliebte, die Mutter ſeines Kindes, aus der Welt ſchaffen. Was aber hier die blutige Tat noch beſonderlich widerlich macht, iſt das, daß der Mörder ein Beamter des Fürſten und ſeine Helfershelfer Organe der Juſtizverwaltung waren. Wenn die ausländiſche Preſſe nicht gegen den frechen Mordenergiſch aufgetreten und nicht die Intervention einer aus - ländiſchen Macht (die Ermordete war eine Ungarin) zu be - fürchten geweſen wäre, ſo hätten die Gerichte nicht eınmal eingegriffen. Das Urteil iſt milde ausgefallen, in einem Lande, wo man ſo ſchnell mit dem Galgen bereit iſt: lebenslängliche Haft, aus der man den Verurteilten an einem ſchönen Tage heimlich laufenlaſſen wird.

Als bereits die Friedensunterhandlungen zwiſchen Griechen und Türken fertig waren, warf Deutſchland noch eine Schwierigkeit hinein, indem es die Frage der Regelung der frühern griechiſchen Staatsſchuld aufs Tapet brachte. Es wollte zeigen, daß trotz des vorherrſchenden Einfluſſes die übrigen Mächte es auch noch ein Wort mit zu reden habe. In dieſem Sinne hatte es bisher jene Politik angewandt, die man des Syſtem der verſpäteten Inſtruktionen genannt hat. Sein Botſchafter war nie zur Zeit mit ſeinen Befehlen ausgerüſtet.

Der Kündigung des deutſch-engliſchen und engliſch-belgiſchen Handelsvertrages durch die Engländer wird große Bedeutung beigemeſſen. Da nämlich dieſe Verträge die einzigen waren, welche die ſog. Meiſt - begünſtigungsklauſeln enthielten, wodurch England den Bel - giern und Deutſchen alle handelspolitiſchen Vorteile ein - räumte, welche dem meiſtbegünſtigten Staate zugeſtanden waren, ſo begreift man die Tragweite der Kündigung für Handel und Induſtrie des ganzen Feſtlandes. Man muß annehmen, England ſei im Begriffe, vom Freihandelsſyſtem zum Schutzzoll überzugehen.

Deutſchland.

In Baiern iſt ein Rückgang des bäuer - lichen Vermögens neuerdings in bedenklichen Zahlen feſtgeſtellt worden. Letztes Jahr iſt der Privatwaldbeſitz zurückgegangen, die Auffaſſungen ſind hinter den Abholzungen um 11,000 Morgen zurückgeblieben. Der Bauernſtand weiß ſich in ſeiner Not nicht mehr zu helfen, er greift den Waldbeſitz an. Die Hypothekenſchulden ſind im rechtsrheiniſchen Bayern pro 1895 um 129 Millionen geſtiegen. Der Jahresbericht der Central - darlehenskaſſe conſtatiert auch eine bedeutende Zunahme der Perſo - nal-Verſchuldung. Von Schulden wegen Bodenverbeſſerungen weiß man nichts, die Ganten vermehren ſich täglich Trau - riges Bild!

Die proteſtantiſche Regierung von Baden behandelt die altkatholiſche Sekte immer noch hartnäckig aus Bosheit als zur kath. Kirche gehörend. Der zur altkath. Sekte abgefallene Bunkofer erklärte jedoch, anläßlich dieſes Abfalles ſeinen Austritt aus der kath. Kirche. Wäre Katholizismus mit der altkatholiſchen Sekte gleichbedeutend, ſo hätte es keines Austrittes bedurft.

Die Abendblätter veröffentlichen ergreifende Details über die Hochwaſſer. Der Schaden in Preußiſch Schleſien beträgt ca. 12 Millionen Mark; dort ſind 38 Perſonen ertrunken, in Sachſen über 60.

Italien.

Ein Mordprozeß mit politiſchem Hintergrund iſt vor dem Schwurgericht der italieniſchen Stadt Potenza (bei Neapel) ſeit zwei Wochen verhandelt worden. Acht Grundbeſitzer aus Givia dell Calle, unter ihnen der Oheim eines zur Regierungspartei gehörigen Abgeordneten, waren ange - klagt, ihren politiſchen Gegner Vincenzo Taranto ermordet zu haben. Die einflußreichen Verwandten der Angeklagten ſetzten alle Hebel in Bewegung, um eine Freiſprechung zu erlangen. Unter anderm erreichten ſie vom Juſtizminiſter zwer Tage vor Beginn der Verhandlungen die Verſetzung des Staatsanwalts, der im Prozeß die Anklage führen ſollte und ſich während anderthalb Jahren in den Prozeß eingearbeitet hatte. Ferner wurden in Potenza eigens Blätter gegründet, um die öffentliche Meinung zu Gunſten der Angeklagten zu beeinfluſſen. Aber alles blieb erfalglos. Die Geſchworenen erklärten die Angeklagten mit ſieben gegen zwei Stimmen und drei Stimmenthaltungen für ſchuldig. Als der Obmann der Geſchworenen den Wahrſpruch verlas, drangen die Anhänger der Angeklagten, die den Saal beſetzt hielten, unter Wutgeſchrei auf die Geſchworenen und die Richter ein und drohten, ſie niederzuſtechen und alle Verwandten des Ermordeten aus Rache umzubringen. Inzwiſchen begann einer der Verurteilten, weil er ſich verloren glaubte, Einzelheiten des Verbrechens in den Saal hinauszuſchreien und andere hoch - geſtellte Mitſchuldige namhaft zu machen. Endlich beantragte ein Verteidiger, die Geſchworenen ſollten ſich noch einmal in ihr Zimmer begeben und einen neuen Wahrſpruch faſſen. Der Präſident willigte ein, und die zu Tode erſchrockenen Geſchwornen gehorchten. Die wütende Menge drängte ſich vor der Tür ihres Zimmers und an den Fenſtern. Schon nach zwei Minuten kehrten die Geſchwornen zurück und erklärten die Angeklagten einſtimmig unſchuldig!

Unter geſtrigem Datum richtetete der Papſt eine Eneyklika an die Biſchöfe von Oeſterreich-Ungarn, Deutſchland und Schweiz anläßlich des dreihundertjährigen Jubiläums des ſeligen Pater Caniſius. Die Eneyklika er - innert an ſeinen Kampf gegen die Glaubensirrtümer und ermahnt die Biſchöfe ſeinem Beiſpiel nachzueifern, dann vor allem ihre Sorgfalt auf die Erziehung der Jugend zu verwenden. Sie ermuntert die Biſchöfe Schulen zu gründen, die ausſchließlich für die Katholiken beſtimmt wären und ſie mit vortrefflichen Lehrern zu verſehen. Der Papſt empfiehlt den Biſchöfen, ge - meinſam zu handeln, alle Parteikämpfe zu vermeiden und alle ihre Sorge auf die Kirche zu verwenden, damit ſich alle Katho - liken fur dasſelbe Ziel einigten.

In Novara wurde bei der plötzlichen Reviſion der Hauptkaſſe ein Fehlbetrag von 400 000 Lire entdeckt und der Stadtkaſſier, welcher eingeſtand, ſämtliche als Kautionen hinterlegte Wertpapiere unterſchlagen zu haben, verhaftet.

Amerika.

Das neuentdeckte Goldland in Britiſch Columbıa muß ein fürchterlich rauhes Klima beſitzen. Die Schrecken der Klondyke-Gegend ſind der lange entſetzlich kalte Winter, die gewaltigen Stürme, der Mangel an Lebensmittel. Ueber 2000 Goldgräber ſind bereits in den letzten 3 Jahren umgekommen.

Belgien.

Die ſtreikenden Bergleute ſuchten in Paturages das Gebäude der katholiſchen Kooperativgenoſſenſchaft in die Luft zu ſprengen. Das Dynamitattentat beſchädigte das Haus und die 4 angrenzenden Gebäude.

Türkei.

Es verlautet, etwa 60 tüchtige Notabeln, die unter dem Verdachte ſtanden, mit den Jungtürken in Beziehung zu ſtehen, ſeien auf Wink des Kriegsminiſteriums beiſeite ge - ſchafft worden.

Afrika.

Eine offizielle Depeſche aus Laurenzo-Marquez vom 30. ds. meldet, die portugieſiſchen Truppen hätten die Re - bellen des Gazalandes blutig geſchlagen und ıhnen einen Verluſt von 300 Mann beigebracht.

Verſchiedenes.

Wenn man vergeßlich iſt!

Ein Meraner Bergſteiger verirrte ſich unlängſt bei einer Ifingerpartie und mußte eine Viertelſtunde einen Felsgrat rittlings paſſieren, was ſehr lebens - gefährlich war. Nachdem er eine weitere Viertelſtunde auf beſſerem Terrain gemacht, bemerkte er, daß ſein Rock, den er auf den Schnurſack aufgebunden hatte, abhanden gekommen ſei. Da er denſelben nicht zurücklaſſen wollte, ging er wieder zurück, paſſierte nochmals die gefährliche Stelle und fand, drüben angekommen, daß er den Rock am Leibe trug.

Prag, die Hauptſtadt Böhmens, wächſt ſich ſeit einigen Jahren kurios genug aus. Das deutſche Staatsgymnaſium in der Altſtadt zählte in dieſem Jahre unter ſeinen Schülern 31 Katholiken, 4 Proteſtanten und 163 (!) Juden; das Neuſtädter Gymnaſium 143 Katholiken, 18 Proteſtanten und 217 Juden; das Gymnaſium in der Stephansgaſſe 196 Katholiken, 18 Proteſtanten und 193 Juden. Schöne Ausſichten! Da be - greift man vieles aus dieſem Judenreich.

Chineſenfurcht.

Diejenigen welche eine Invaſion der Chineſen und Verdrängung der abendländiſchen Induſtrie durch die Chineſen befürchten, werden ſich beruhigen, wenn ſie Chinas 1896ger Handelsbilanz betrachten. Die Einfuhr des Jahres 1896 erreichte die Höhe von 202,6 Mill. Haikwan-Taëls, d. h. 31 Millionen mehr als im Jahr 1895. Zugenommen hat beſonders die Einfuhr von Baumwollgeweben (15 Mill.), Baum - wollengarnen (faſt 11 Mill.), Wollwaren (1,8 Mill.), Metall - waren ( Mill). Die Ausfuhr iſt indeſſen von 143,3 Mill. Taëls 1895 auf 131,1 Mill. Hk. -Taëls in 1896 zurückge - gangen; beſonders bemerkbar hat ſich dies bei Rohbaumwolle, Seide und Thee gemacht.

In Pontoiſe (bei Paris) wurde einem armen Teufel, der auf einer Straßenbank ſchlıef, die Halsader durchſchnitten, nachdem man ihn einiger Franken beraubt hatte. Der ſcheußliche Mord hat die Bevölkerung in ungeheure Aufregung verſetzt.

In Thas (Ungarn) haben ein 12jähriger und ein 13jähriger Knabe ein Kind, aus purer Luſt zum Töten, ermordet. Jugenderziehung!

Infolge des Austritts der Wien ſtürzte an der Schwarzenbergbrücke ein Gerüſt, auf dem ſich etwa fünfzehn Arbeiter befanden, ein. Es konnten nur fünf gerettet werden, die übrigen verſchwanden in den Fluten.

Erzieheriſches!

Ein merkwürdiges Aufſatz-Thema: In Toulouſe wurde den Abiturienten für die Maturitätsprüfung das Thema geſtellt: Die Liebeserklärung der Phädra an Hippolit.

Streikbrecher.

Im Braunkohlenwerk von Altrohau (Böhmen) wurden an Stelle ausſtändiger Belegſchaften Italiener angeworben Darauf verſammelten ſich die Ausſtändigen und warfen in den Wohnungen der Italiener die Fenſter ein und bedrohten die Arbeiter und den Direktor. Die Gendarmie zer - ſtreute die Menge und nahm 10 Verhaftungen vor. Die Italiener haben Altrohlau verlaſſen.

In den Weinbergen von Tremona und Morbio inferiore ſind Reblausherde entdeckt worden.

Literariſches.

Kalender-Litteratur. Als der erſte Bote des kommenden Jahres erſcheint auf unſerem Redaktionstiſche der altbekannte und beliebte St. Urſen-Kalender aus Solothurn und zwar diesmal an Text und Illuſtrationen beſonders reichhaltig.

Sein beſonderes Gepräge erhält er durch eine ausführliche Dar - ſtellung des Einfalls der Franzoſen in die Schweiz und in Solothurn im beſondern, das gerade vor hundert Jahren ſtattgefunden hat. Mehrere intereſſante Illuſtrationen, der heutigen Welt größtenteils unbekannte Bild - niſſe der hervorragendſten Männer aus jener denkwürdigen Epoche, zieren die Schilderung. Unterhaltende, ernſte und heitere Erzählungen werden gerne geleſen werden, und an kleinen Anekdoten und Schwänken fehlt es nicht, ebenſo wenig als an belehrenden Mitteilungen. Den Anfang des Kalenders bildet wie gewohnt die ausführlıche Weltchronik, den Schluß der an Namen reiche Totenkalender, u. A. auch die Biographie des Welt - überblickers. Darum ſei der neue Kalender nah und fern auf’s beſte empfohlen.

Durch die Zeitungen lief vor einigen Wochen die beunruhigende Nachricht, daß unſern Kirſchbäumen in dieſem Jahre eine Epidemie drohe, indem der bekannte Pilz Monilia ſtellenweiſe ſo maſſenhaft auftrete, daß die Kirſchbäume daran einzugehen drohen. Auf Veranlaſſung der Re - daktion ſpricht ſich in der neueſten Nummer des praktiſchen Ratgebers der bekannte Profeſſor Dr. Paul Sorauer über dieſe Monilia-Epidemie aus und zwar im allgemeinen beruhigend. Er weiſt nach, daß an dem maſſenhaften Auftreten des in jedem Jahr: und an allen Obſtſorten vorhandenen Pilzes Monilia die naſſe Witterung ſchuld ſei und daß man dieſes epidemiſche Auftreten in jedem naſſen Jahr beobachtet habe. Die Nummer des praktiſchen Ratgebers mit dem betreffenden Aufſatze des Herrn Profeſſor Sorauer wird Intereſſenten gern auf Verlangen umſonſt zugeſchickt von der Verlagshandlung Trowitzſch und Sohn in Frankfurt d. Oder.

Butterpreis in Uznach, den 31. Juli 1897.

Preis per halb Kilo Fr. 1.20 bis Fr. 1. 30.

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About this transcription

TextNr. 62, 04. 08. 1897.
Author[unknown]
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Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

Benjamin FiechterSusanne HaafNote: Bereitstellung der digitalen Textausgabe (Konvertierung in das DTA-Basisformat).2018-01-26T13:38:42Z grepect GmbHNote: Bereitstellung der Texttranskription und Textauszeichnung.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T13:38:42Z Amelie MeisterNote: Vorbereitung der Texttranskription und Textauszeichnung.2018-01-26T13:38:42Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

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Bibliographic informationNr. 62, 04. 08. 1897. . GegenbauerUznach1897. St. Galler Volksblatt

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Fraktur

LanguageGerman
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