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Telephon 18082.

XII. Jahrgang. Wien, Dienstag, 10. Jänner 1905. Nr. 7.

Wehrhafter Katholizismus.

Heute abends verſammeln ſich in der Volks - halle des Wiener Rathauſes Tauſende von Katholiken Wiens. Hinter den Tauſenden, die erſcheinen, ſtehen Hunderttauſende andere in - und außerhalb der Reichshauptſtadt. Viele Hunderte von Kundgebungen aus allen Kronländern be - zeugen dies. Das iſt keine künſtlich erzeugte Bewegung, die das Volk durchflutet, ſondern ein lang angeſammelter, durch eine wahre Leidens - geſchichte des öſterreichiſchen Katholizismus ange - ſammelter Groll, der ſich laut und entſchieden kundgibt. Das Volk erträgt es nicht länger, daß die Verrohung, die Brutalität, ein Preßpiratentum, welches ſich längſt außerhalb aller Geſetze menſch - licher Geſittung geſtellt hat, gegenüber jedem ruhigen Bürger, gegenüber jedem Heiligtum des chriſtlichen Volkes das Recht ſtrafloſer Verun - glimpfung und Verletzung haben ſollen. Das Maß der Schuld und des Zornes iſt nun über - gelaufen.

Die Abwehr gilt nicht einer vereinzelten Erſcheinung; wenn die Bewegung durch einen einzelnen Vorfall in Fluß kam, ſo war dies nur der letzte Anſtoß, und es iſt ſehr abgeſchmackt von der liberalen Preſſe, ſich mit dem Verſuche abzu - mühen, die Abwehrbewegung der Wiener Katho - liken durch die Behauptung zu verkleinern, die Größe derſelben ſtehe in gar keinem Verhältnis zu der Bedeutungsloſigkeit des Wiener alldeutſchen Blättchens und verleihe letzterem ein ungebühr - liches Gewicht. Sollte es wirklich ein beneidens - wertes Schickſal eines Blattes ſein, vor aller Welt und unter Zuſtimmung aller Anſtändigen dem Abſcheu preisgegeben zu werden? Aber die Entrüſtung der Bevölkerung gilt ja nicht ſoſehr einem einzelnen Preßerzeugnis, ſondern der ganzen eingeriſſenen Uebung, daß alles Katholiſche mit Steinen beworfen wird. Dieſe Uebung wird von Dutzenden alldeutſcher und jüdiſch-ſozialdemokratiſcher Blätter und Blätt - chen in Wien und anderwärts ohne Unterlaß be - trieben und das Bezeichnendſte daran iſt, daß ſich dieſe Uebung ſeitens der Regierung einer reſpekt - vollen Duldung erfreut. So iſt eine gewiſſe Gat - tung von Preßerzeugniſſen zu einem Aſyl für alle Verletzungen der bürgerlichen Gemeinſchaft ge - worden, einem Aſyl, das durch die unerhörteſten Privilegien gegen die Geſetze geſchützt zu ſein ſcheint.

Dagegen wenden wir uns, gegen dieſe Entartung der ſtaatlichen Auffaſſungen über den Rechtsſchutz der Bürger, und nicht gegen die wahre Preßfreiheit und die Freiheit der Ueberzeugungen zielt dieſe Bewegung, ſondern gegen die Knechtung und gewalttätige Verletzung der Freiheit der Ueberzeugung. Der Schutz dieſer Freiheit kann niemals in Widerſpruch ſtehen mit einer recht - verſtandenen Preßfreiheit.

Wie ſehen aber in dieſer Bewegung nicht nur die Sache der gläubigen Katholiken, ſondern über - haupt aller derjenigen, welche die Aenderung unſerer tieftraurigen öffentlichen Zuſtände wollen. Unſer ganzes politiſches Leben leidet heute an einer Ueberproduktion von Gemeinheit. Die ſach - lichen Argumente im Kampfe der Parteien ſind von einigen Gruppen ausgetauſcht worden gegen Klopffechterei und Roheit. Wer am ſtärkſten ſchimpft und am wildeſten herumſchlägt, der flößt der Regierung und einem Teile der Oeffentlichkeit Reſpekt ein, nicht derjenige, der verſtändig und überlegt zu handeln und zu ſprechen weiß. Derartige Verhältniſſe müſſen zum Verfalle unſeres politiſchen Lebens führen und dem ent -gegenzuarbeiten, iſt nicht nur Sache der katholiſch geſinnten Bürgerſchaft, ſondern überhaupt aller, denen an der Geſundung unſerer politiſchen Zuſtände, an der Lebensfähigkeit unſerer Ver - faſſung, an der Erfüllung der ziviliſatoriſchen Aufgaben einer modernen Staatsgemeinſchaft etwas liegt.

Das Miniſterium wird hier Gelegenheit finden, ſeine Bereitſchaft zur Mitarbeit an der politiſchen Regeneration Oeſterreichs, die der Herr Miniſterpräſident tagtäglich einem halben Dutzend Parlamentarier verſichert, praktiſch zu beweiſen.

Politiſche Rundſchau.

Oeſterreich-Ungarn.

Die Konferenzen des Miniſter - präſidenten.

Freiherr v. Gautſch empfing geſtern und vorgeſtern die Abgeordneten Graf Ernſt Sylva-Tarouca, Dr. v. Grabmayr, Dr. Funke, Dr. Beurle, Dr. Ivcevic, Freiherr v. Malfatti, Dr. Rizzi und Dr. Erler. Die Beſprechung galt vornehmlich der Innsbrucker Fakultätsfrage. Heute empfing Herr v. Gautſch die Obmänner des Jungtſchechenklubs abermals bei ſich. Die Konferenzen ſollen in dieſer Woche zu Ende gehen. Nach neuen Dispoſitionen ſteht die Einberufung des Reichsrates bevor; die Tagung ſoll bis Mitte April währen.

Ueber den Sturz Dr. v. Koerbers.

Der Obmann der deutſchen Fortſchrittspartei Abg. Dr. Groß hat in Bielitz eine Rede ge - halten, in der er unter vielem Unweſentlichen auch den Abgang Dr. v. Koerbers beſprach. Die

Feuilleton.

[Nachdruck verboten.]

Zur Geſchichte des Deutſchtums in England. (Von unſerem engliſchen Korreſpon - denten.)

Lange vor der römiſchen Herrſchaft beſaß England eine deutſche Kolonie, die ſich an der ſüdlichen Küſte ſeßhaft gemacht hatte. Cäſar fand dort Leute vom Lande der Belgae, die in drei Hauptvölkerſchaften zerteilt waren und ſich deutſcher Abkunft, deutſcher Sitte und deutſchen Geiſtes rühmten. Belgen, Frieſen und Batavier waren es, die vier Jahrhunderte hindurch in den römi - ſchen Heeren dienten, Agricola auf ſeinem Zuge nach Brittanien begleiteten und ihm dieſe Inſel erobern halfen. (Schiller: Geſchichte des Abfalls der Niederlande .) Daneben waren ſie aber auch treffliche Ackerbauer und Viehzüchter und aus den ehemaligen tapferen Kriegern wurden Koloniſten und Städtegründer. In alten römiſchen Ur - kunden aus der Regierungszeit von Valens und Honorius wird wiederholt des ſächſiſchen Ufers von Britannien gedacht und auf der römiſchen Karte der Insulae Britannicae heißt die Küſte gegenüber der Inſel Wight bis nach Dover hinauf: Litus Saxonicum. (Prof. Schaible: Die Deutſchen in England ). Bezeichnend iſt noch heute, daß der Engländer zuweilen gerne von ſeinen Saxon forefathers, von Deutſchland als dem Fatherland ſpricht und daß der germaniſche Stamm der Angeln, die urſprünglich zwiſchen der Weſer und Elbe (im öſtlichen Teiledes heutigen Hannover) wohnten England, (Angel - land, Aenglaland) ſeinen Namen gegeben hat.

Während der Herrſchaft der Angeln, Sachſen und anderer deutſcher Stämme unterhielt die germaniſche Kolonie in England mit der Heimat eine ununterbrochene Verbindung, die dadurch er - leichtert wurde, daß ſich die Sprache und die Sitten der beiden Reiche im Laufe mehrerer Jahrhunderte nur unweſentlich veränderten. Man ſprach von den Zuzüglern oder Beſuchern als den Vettern aus Altſachſen , die deutſchen Kaufleute, die Geſchäfte zu den Inſelſachſen führten, hießen Kaiſermannen , und König Aethel - dred II. (976 1016), der ihnen zahlreiche Privi - legien verlieh, nennt ſie in einer Urkunde die Leute des Kaiſers . Die ſpäter ſo häufig (ſeit Georg II. ſozuſagen ſtändig) vorkommenden ehe - lichen Verbindungen engliſcher und deutſcher Fürſtenhäuſer (und einer ſolchen entſtammt auch der heute regierende engliſche Monarch) nehmen ihren Anfang mit einer Vermählung Ottos des Großen (deutſcher König und römiſcher Kaiſer) mit einer Enkelin des großen angelſächſiſchen Königs Alfred.

Erſt während der normänniſchen Periode wurde England für die Deutſchen ein fremdes Land, zumal deren Sprache faſt verdrängt wurde. An ihre Stelle trat das normänniſche Franzöſiſch, das zur Sprache der herrſchenden Klaſſen, der Geiſtlichkeit und der Gebildeten wurde. Eine fürchterliche Unterdrückung der Sachſen begann, ihre Sprache verſchwand als Schriftſprache faſt gänzlich oder ſie wurde allmählich doch ſo zerſetzt, daß ſich aus dem Angelſächſiſchen und normänniſchen Franzöſiſch ein Konglomerat, eine neue Sprache bildete. In jene Tage der Gewalt -tätigkeit fällt der Anfang des Fremdenhaſſes der engliſchen Maſſen, der grell abſticht von der ehe - maligen Gutmütigkeit und vielgerühmten Gaſt - freundlichkeit der alten Inſelſachſen.

Unter den Plantagenets (1154 1485) brachen für die beiden ſtammverwandten Völker beſſere Zeiten an und ſie führten zu einer allmählichen Wiederaufnahme der politiſchen, religiöſen und kaufmänniſchen Beziehungen. Heinrich II. gab ſeine Tochter dem Welfen Heinrich dem Löwen zur Gemahlin und Eduard I. bot dem Kaiſer Rudolf ein Heiratsbündnis zwiſchen den Häuſern Plantagenet und Habsburg an, das jedoch an dem tragiſchen Tode Hartmanns, des Sohnes des Kaiſers, ſcheiterte. Der Adel beider Nationen kam in innige Fühlung und ſo beteiligten ſich z. B. engliſche Ritter an den Kämpfen des deutſchen[R]itterordens gegen die Litthauer und Polen, deutſche Ritter an den Einfällen Eduards III. in Frankreich. Dieſer iſt, nebenbei bemerkt, auch einer der erſten Förderer des Kölner Dombaues, denn in Anerkennung der Hilfeleiſtung der Kölner Kaufmannsgilde bei der Befreiung des engliſchen Königs Richard I., mit dem Beinamen Löwen - herz , aus der Gefangenſchaft, ſtiftete Eduard, auf ſeiner Fahrt nach Koblenz, wo er am 31. Auguſt 1328 eintraf, zum Zwecke einer Zu - ſammenkunft mit Kaiſer Ludwig, eine Summe, die dem heutigen Werte nach 20.000 Mk. über - ſchritten haben dürfte.

Mit den Tudors trat wohl eine Ver - ſchlechterung der politiſchen, nicht aber der religiöſen und geiſtigen Beziehungen der beiden Völker zu einander ein. Heinrich VIII. ſchloß Bündniſſe und löſte ſie wieder, gerade wie es ihm am beſten in den Kram paßte; er bekämpfte

Note:
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Die heutige Nummer iſt 12 Seiten ſtark.
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2Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1905 7

Geſchichte vom Sturze Koerbers, führte Doktor Groß aus, wird erſt geſchrieben werden. Koerber iſt nicht gegangen infolge der Ab - ſtimmung im Budgetausſchuſſe über die 69 Mil - lionen oder weil die Tſchechen ſeinen Sturz verlangt haben. Koerber iſt einfach fallen gelaſſen worden, wie ſo viele andere vor ihm und wahrſcheinlich auch nach ihm. Warum? Die Antwort auf dieſe Frage iſt um ſo ſchwerer zu geben, als man dabei gezwungen iſt, ſich eine hochgradige Reſerve aufzuerlegen. Mag ſein, daß die Ungeduld mächtiger militäriſcher Faktoren, welchen die Mitteln für die Neubewaffnung der Artillerie uſw. nicht ſchnell genug zur Verfügung geſtellt wurden, den Ausſchlag gegeben hat. Mag ſein, daß die Entrüſtung der frommen Kreiſe, über ſeine Haltung gegen die Gottesläſterer ein Opfer forderte. Herr v. Koerber und ſelbſt ſein Nachfolger wiſſen es nicht.

Die Neuwahlen in Ungarn.

Miniſter - präſident Graf Stephan Tisza hat mit zwei ſehr inhaltsreichen Enunziationen in den bisher noch recht akademiſch ſich gebenden Wahlkampf eingegriffen. Er erließ an die liberale Partet ſeines bisherigen Wahlkreiſes Ugra ein offenes Abſchiedsſchreiben, in dem er namentlich auf das militäriſche Programm ſeines bisherigen Regimes hinweiſt, auf deſſen erfolgreiche Durchführung er ſich beruft. Dieſes Programm habe über die Möglichkeit beruhigt, die gemein - ſame Armee auf der Baſis des 1867 er Ausgleiches dem Herzen der Nation näher - zubringen. In den von ungariſchen Offizieren angeführten ungariſchen Truppenteilen werde die ungariſche Armee zur Wahrheit werden, Die zweijährige Dienſtzeit und die Reorganiſation der Artillerie mit ihrer Zuteilung zur Honvéd habe die Regierung in kurzer Zeit bewerkſtelligt. Graf Tisza berührt ſchließlich in ſeinem Schreiben die von der Oppoſition begangenen Unzukömmlich - keiten, denen gegenüber das Präſidium des Parla - mentes hätte Waffengewalt anwenden können, und nimmt von ſeinen bisherigen Mandanten Abſchied. Geſtern ſprach der Miniſterpräſident zu den Wählern des vierten Ofen-Peſter Bezirkes in zweiſtündiger Programmrede über ſeine ſtaats - wirtſchaftlichen Abſichten, vor allem über das ſelbſtändige Zollgebiet und die Handelsverträge. Doch habe der Gedanke des ſelbſtändigen Zoll - gebietes in der letzten Zeit in der öffentlichen Meinung viel Anhänger gewonnen. Ich bin, ſagte Graf Tisza, davon überzeugt, daß man die Inſtitution des gemeinſamen Zoll - gebietes für die Zukunft nicht retten kann, wenn ſich dieſelbe zu einer langen Kette von ununterbrochenen Proviſorien geſtalten wird. Andererſeits konnten aus ſchweren patriotiſchen Skrupeln die Argumente gegen die der Zoll -gemeinſamkeit feindliche Agitation ſchwer ins Treffen geführt werden, denn ſie hätten den Abſchluß des Zollbündniſſes ungünſtig beeinfluſſen können. Was das anlange, ſei der Standpunkt jetzt weit leichter, weil zwiſchen den beiden Regierungen in dieſer Frage bereits ein Uebereinkommen getroffen wurde und auch die öſterreichiſche Regierung bereits heute an einen Standpunkt gebunden ſei und jedermann in Oeſterreich darüber im Reinen ſein könne, daß die Periode des Feilſchens zu Ende ſei und daß der vom Kabinett Szell vereinbarte Aus - gleich auf der einzig möglichen Baſis be - ruhe, auf der ein Ausgleich zwiſchen Oeſterreich und Ungarn überhaupt zuſtandekommen könne. Weitere Konzeſſionen gebe es in dieſer Frage nicht mehr. Die Schaffung eines ſelb - ſtändigen Zollgebietes würde im gegenwärtigen Augenblicke eine wahre Revolution in volkswirt - ſchaftlicher Beziehung hervorrufen, die ungariſche Landwirtſchaft würde ſie zugrunde richten, die Mög - lichkeit eines Exportes ungariſcher Rohprodukte auf ein Minimum beſchränken und den größten Teil der beſitzenden Klaſſe Ungarns direkt ſeinem Ruin entgegenführen. Ueber die Regelung der Handelsbeziehungen zum Auslande ſagte Graf Tisza, es ſeien Verhandlungen mit Deutſchland im Zuge, die vorausſichtlich in allernächſter Zu - kunft zu einer befriedigenden Löſung führen dürften. Dieſer Handelsvertrag wird vermutlich zur Richt - ſchnur für die Verträge mit anderen Staaten dienen. Schließlich beſprach Tisza die der Löſung harrenden ſozialen Fragen, deren Löſung weder mit Gendarmen, noch im Umſturz der geſellſchaftlichen Ordnung und in unſinnigen Angriffen gegen das Kapital, ſondern darin zu finden ſei, daß jeder in der Ge - ſellſchaft ſeinen Platz ausfülle, daß jeder ſich eine menſchenwürdige Exiſtenz ſchaffen könne mit der rechtſchaffenen Arbeit ſeiner Hände. Diejenigen, welche in Ungarn von einem allgemeinen Wahlrecht ſprechen, ſeien entweder Utopiſten oder Agitatoren, welche ſich um die Intereſſen der ungariſchen Nation nicht kümmern, oder aber und deren Zahl iſt die größte es ſeien Leute, die mit dem Feuer ſpielen im Vertrauen auf die Feuerwehr. Die Wahlbewegung geht im übrigen ihren normalen Gang. Graf Albert Apponyi wurde heute als Kandidat für das Reichstagsmandat von Jaszberény, der geweſene Ackerbauminiſter Doktor v. Daranyi für das in Tapolcza aufgeſtellt. Der Raaber Biſchof Graf Nikolaus Szechenyi hat an ſeinen Diözeſan - klerus ein Rundſchreiben gerichtet, indem er be - züglich der Wahlen anordnet: 1. Die Geiſtlichen mögen die Wahlen nicht in ihre kirchlichen Reden und Handlungen einbeziehen. 2. Auf dem Pfarr - gebäude dürfen keine Wahlfahnen angebracht werden. 3. Die Geiſtlichen dürfen weder auf denHüten, noch an den Kleidungsſtücken Wahl - abzeichen tragen. 4. Die Geiſtlichen mögen die Wahlagitationslokale nicht aufſuchen und keine Tätigkeit im Dienſte der Wahlen entfalten. 5. Die Geiſtlichen ſollen die auf der Rundreiſe befindlichen Abgeordneten-Kandidaten nicht be - ſuchen. Doch ſchließe dies nicht aus, daß die Geiſt - lichen all jenen, die ſich an ſie vertrauensvoll wenden, mit Ratſchlägen und Aufklärungen zur Seite ſtehen. Maßgebend ſei, daß ſich die Gläu - bigen nur an ſolche Männer anſchließen, die die Gewähr dafür bieten, daß ſie die Intereſſen der Kirche wahren werden.

Deutſches Reich. Große Verluſte in Deutſch-Weſtafrika

haben die deutſchen Truppen in dem letzten fünfzigſtündigem Gefechte bei Groß-Nabas in Deutſch-Südweſtafrika erlitten. Fünf Offiziere und fünfzig Mann ſollen auf deutſcher Seite gefallen ſein. Der Feind war tauſend Mann ſtark: Hottentotten und Hereros.

Frankreich.

Syvetons Nachfolger.

Geſtern iſt an Stelle Syvetons im zweiten Pariſer Arrondiſſement Admiral Bienaimé gewählt worden. Bienaimé iſt Nationaliſt und war ein Freund Syvetons. Als Hafenpräfekt von Toulon hatte er mit ſeinem Vor - geſetzten wiederholt Konflikte. Vor ſechs Monaten hatte er ſein Entlaſſungsgeſuch eingereicht, das Marineminiſter Pelletan ſofort annahm. Sein Gegenkandidat war Bellan, der Stadtſyndikus von Paris. Bei der Verkündigung des Wahl - reſultates auf der Mairie des zweiten Arrondiſſe - ments kam es zu einer argen Schlägerei. Admiral Bienaimé war bei ſeinem Erſcheinen Gegenſtand ver - ſchiedener Kundgebungen. Die Manifeſtanten zer - ſtreuten ſich, ohne daß die Polizei eingeſchritten wäre. Nach der Wahl Bienaimés veranſtalteten geſtern etwa 200 Nationaliſten Kundgebungen gegen die Regierung und gegen die Freimaurer. Während dieſer kam es wiederholt zwiſchen Nationaliſten und Sozialiſten zu Raufereien. Die Polizei nahm 15 Verhaftungen vor. Die offiziöſen Blätter er - klären, die Wahl Bienaimés ſei eine ſchwere Niederlage für die Regierung. Syveton habe durch ſeine Ohrfeige den Rücktritt Andrés herbeigeführt, Bienaimé werde den Marine - miniſter zur Demiſſion zwingen. Die radikalen Blätter brüſten ſich damit, daß die Zahl der nationaliſtiſchen Wähler abgenommen habe, fügen jedoch hinzu, dieſe Wahl ſei eine Mahnung für die Republikaner und für die Regierung, im Hinblicke auf die allgemeinen Wahlen für die Deputiertenkammer im Jahre 1906, ihre Anſtrengungen zu verdoppeln.

Ein Biſchof vor Gericht.

Mſgr. Ricard, Biſchof von Augoulême, ſtand am 2. Jänner vor

Luther und erhielt dafür vom Papſte den Titel des Verteidigers des Glaubes , den engliſche Monarchen noch heute führen, ſagte ſich ſpäter vom Papſttum los und ſonnte ſich nun in dem Glanze eines Oberhauptes der anglikaniſchen Staatskirche . Er war ſehr eitel. Den venetianiſchen Geſandten fragte er einmal, indem er ſich befriedigt auf die Schenkel klopfte, ob der König von Frankreich gleich prächtige Hüften, Schenkel und Waden habe. Er war auch ſittenlos und grauſam, ließ mehrere ſeiner Frauen hinrichten und ging ſchließlich mit einer Proteſtantin, Anna von Cleve, eine Ver - nunftehe ein, um ſeine politiſchen Beziehungen zu dem deutſchen Kaiſer zu verbeſſern. Wenn ihm dieſes nicht gelang, ſo fällt das Verſchulden indeſſen weniger auf ihn als vielmehr auf Hans Holbein, der Anna, die ausnehmend häßlich war, in dem für den königlichen Brautwerber be - ſtimmten Gemälde ſehr geſchmeichelt hatte. Dieſe Heirat, aus der ſich die deutſchen Prote - ſtanten anfänglich viel für ihre Sache ver - ſprachen, blieb auf die Geſtaltung der religiöſen Beziehungen der beiden Völker ohne Einfluß.

Königin Eliſabeth gab den politiſchen und kommerziellen Beziehungen zwiſchen England und Deutſchland eine Wendung, die zwar dem briti - ſchen Reiche zu einer nie geahnten Höhe verhalf, gleichzeitig jedoch dem Hanſabunde den Todes - ſtoß verſetzte und ein gefährliches politiſches In - trigenſpiel auf dem Feſtlande anbahnte.

In die Regierungszeit der Stuarts bezw. die Jakobs I. fällt der 30jährige Krieg, an dem das engliſche Volk mittelbar, der engliſche Hof unmittelbar intereſſiert war, da es die Tochter des Königs geweſen, die dem Pfalzgrafen Friedrich ſich vermält hatte. Einige Geſchichtsſchreiber be -[h]aupten, daß[ſie]es geweſen, die den Winter -könig zur Annahme der böhmiſchen Krone zu überreden wußte und dadurch die unheilvollen Religionswirren heraufbeſchwor. Auf der andern Hand war es Sohn Jakobs, der die Schweſter Ludwigs XIII. von Frankreich ehelichte und damit eine ausgeſprochen deutſchfeindliche Politik ſeiner Nach - kommen einleitete. Karl I. ſtand im Solde Frankreichs. Cromwells republikaniſche Regierung war zu viel mit der Herſtellung geordneter Verhältniſſe in England und Schottland und mit der Nieder - werfung des iriſchen Aufſtandes beſchäftigt, um ſich um die Geſtaltung der Dinge auf dem Feſt - lande bekümmern zu können, Karl II. lebte ſeinen Maitreſſen und da auch er, wie ſein Vater, franzöſiſches Schweiggeld empfing, rührte er nicht einen Finger als Ludwig XIV. in Lothringen einfiel, dieſes als billige Beute nahm und ſodann ſeine Aufmerkſamkeit auf die Unterjochung der Niederlande richtete. Unter Jakob II. ſchien Eng - land auf dem beſten Wege, ein franzöſiſcher Vaſallenſtaat zu werden, als Wilhelm von Oranien, ein edler Krieger deutſcher Herkunft, zur rechten Zeit auftauchte, um England zu retten und ſeine alten freundſchaftlichen Beziehungen zu dem ſtammverwandten Deutſchland wieder herzu - ſtellen. Wilhelm III. gab dem engliſchen Staatsſchiff eine andere Wendung, daß dieſe jedoch nicht wirk - ſam genug war, um den räuberiſchen Einfällen Ludwigs in Deutſchland Schranken zu ſetzen, war weniger das Verſchulden des Oraniers als viel - mehr des engliſchen Parlaments, deſſen fortgeſetzter Widerſtand den König ſehr erbitterte. Erſt Königin Anna gewann freiere Hand, und ihr erſtes Werk war es, dem Bunde gegen Frankreich beizutreten. Es ſpricht nicht viel für ſie, daß ſie ſpäter ge - heime Verhandlungen mit Ludwig einleitete, einen Waffenſtillſtand ſchloß und ihre Verbündeten ſchmählich im Stiche ließ.

Der Whig-Partei und den engliſchen Prote - ſtanten iſt es zu danken, daß bereits zwei Wochen nach dem Tode der Königin Georg von Hannover zum engliſchen König ausgerufen wurde, und die Liberalen ſind es auch noch heute, die auf die Beſſerung der in den letzten Jahren ziemlich ge - ſpannten engliſch-deutſchen Beziehungen hinzuwirken ſich bemühen.

Noch ein paar Worte ſeien mir verſtattet, die weil ſie die Einwanderungsfrage berühren, von aktuellem Intereſſe ſein dürften. Kein Gerin - gerer als Lord Roſebery hat wiederholt Stellung gegen die unſinnige Strömung im engliſchen Volk gegen das Ausländertum genommen, nichtsdeſto - weniger hört die Agitation in der chauviniſtiſchen engliſchen Preſſe nicht auf. Mit Recht führte der Lord einmal im Oberhauſe aus, daß England den Einwanderern vieles, wenn nicht alles, ver - danke, daß es deutſche Hanſeaten waren, die den Grundſtein zu Englands Stellung als Handels - und Seevolk legten, daß die Engländer des Mittelalters ein Bauernvolk waren und daß der einzige Ausfuhrartikel Rohwolle war. England brauchte Kapitaliſten, Bankiers und fremde Geld - wechſler, die es in Kaufleuten aus der Lombardei, nach denen die Londoner Lombard Street noch heute ihren Namen führt, fand. Mit wenig Worten: Ausländer waren es, die teils auf die Einladung kluger engliſcher Monarchen, teils auf ihre eigene Initiative hin, nach England kamen und nicht nur den engliſchen Handel ſchufen, ſondern ihn auch finanzierten, die Bodenſchätze des Landes hoben und aus dem Ackerbauſtaate ein Handelsreich ſchufen, das weiter zu entwickeln der Königin Eliſabeth und ihren Nachfolgern verhältnismäßig leicht war.

37 Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1905

dem Appellationsgericht in Bordeaux, angeklagt, ein ihm gehörendes Haus an Schweſtern ver - mietet zu haben, welche ſich als ſäkulariſiert be - zeichnen und eine freie Schule in Segonzag unter - hielten. Zu gleicher Zeit mit ihm waren ange - klagt der Pfarrer von Segonzag, die Direktorin der Schule und drei Lehrerinnen, ehemalige Kongreganiſtinnen. Kardinal Lecot war zur Be - grüßung des Biſchofs am Bahnhof erſchienen. Der Biſchof ſtellte ſich dem Gerichtshofe im biſchöf - lichen Ornat vor, begleitet von zahl - reichen Mitgliedern des Klerus und vielen Laien. Er rechne es ſich zur Ehre an, wegen einer ſolchen Sache erſcheinen zu müſſen. Er habe eine chriſtliche Schule eröffnet. Er ſei Biſchof durch Willen der Kirche und auch der Regierung. Die Bulle ſeiner Ernennung ſei ja doch vom Staats - rate einregiſtriert worden im Namen der Republik. Eine der daſelbſt enthaltenen Pflichten ſei: er ſolle chriſtliche Moral ins Volk bringen und über die Erziehung der Kinder wachen, an denen dem Volke ſo viel gelegen ſei. Das Urteil wird erſt am 16. d. geſprochen.

Rußland.

Zuſtände in Rußland.

In Süd - und Mittelrußland herrſcht ſeit einigen Tagen in vielen Orten offener Aufruhr und Re - volution. Auf dem flachen Lande wagen die Ortsbehörden aus Furcht vor Gewalttaten der bis aufs äußerſte erregten Bevölkerung kein Ein - ſchreiten mehr. Vielfach ſind bereits Gutshöfe von den Bauern angezündet und geplündert worden. Im ganzen Innern herrſcht die furcht - barſte Unordnung. Das Gefängnis von Charkow wurde in Brand geſteckt, wobei eine große Anzahl der Inhaftierten durch Pöbelhaufen in Freiheit geſetzt wurde.

Die Reformberatungen im Miniſterium.

Am 6. Jänner fand eine Sitzung des Miniſter - komitees ſtatt, in der die Beratung der Fragen wegen der Rechtsſicherheit gemäß dem Erlaß des Kaiſers vom 25. v. M. zu Ende geführt wurde. Darauf wurde über Maßregeln zum Schutze des Loſes der Arbeiter in Fabriken und Werkſtätten beraten. Morgen ſoll eine Sitzung ſtattfinden, in der über die Frage der Beteiligung von Ver - tretern der Semſtwo an Regierungsangelegenheiten und über die Abſchaffung der für die Preſſe be - ſtehenden Beſchränkungen beraten werden wird.

Aber wir haben es heute bezüglich der Ein - wanderungsfrage weniger mit dem fremden Kauf - mannsſtande als vielmehr mit dem Handwerker - und Arbeiter-Elemente zu tun, die, nach der Be - hauptung eines engliſchen Staatsmannes, die einheimiſchen Induſtrien ſchädigen und die Haupturſache der ſteigenden Arbeitsloſigkeit in den engliſchen Großſtädten bilden. Richtig betonte Lord Roſebery in ſeiner geiſtvollen Rede, daß der Strom der fremden Einwanderer überhaupt erſt Induſtrien in England ſchuf, daß es deutſche Bergleute vom Harz waren, die von Heinrich III. nach England ge - zogen wurden, um die reichen Zinn - und Kupfer - gruben in Cornwall zu erſchließen, daß es (Sir) Johann Spielmann aus Lindan am Bodenſee war, der die erſte Papiermühle in England er - richtete, daß es vlämiſche Leinenweber waren, die ihre Induſtrie nach London verpflanzten, und daß italieniſche Seidenſpinner aus Lucca und franzöſiſche Hugenotten die Seidenzucht in England begründeten. Heinrich IV. führte Bergleute aus Böhmen und Ungarn ein und ließ ſich Arbeiter aus Holland kommen, um ſeine Untertanen in der Herſtellung von Salz zu unterrichten. Eduard IV. machte vlämiſche Waffenſchmiede in Yorkſhire ſeßhaft und Heinrich VIII. ſicherte ſich die Dienſte von Brauern, Meſſerſchmieden und Schiffsbauern aus Deutſch - land und den Niederlanden. Antwerpen und Brügge ſandte Tuchmacher, Paris Glasbläſer, Belgien Meſſerſchmiede, die Sheffield zu ihrem Sitz machten, Holland Uhrmacher, Töpfer und Gärtner. Dieſe Zuzügler kamen durchaus nicht als Bettler nach England, denn Macpherſon bemerkt z. B. in ſeinen « Annals of Commerce », daß die 50.000 Hugenotten in Geld oder Geldes - wert je 1200 Mark mit ſich führten, den eng - liſchen Nationalreichtum (der damals noch ſehr im argen lag) alſo um 60 Millionen Mark ver - mehrten, d h. eine Summe, die heute das Fünf - fache darſtellen würde.

Von alledem wollen die engliſchen Maſſen heute nichts hören, und ſo mußte auch Lord Roſebery die üble Erfahrung machen, daß er tauben Ohren gepredigt hatte.

Gemeindezeitung.

Die Einververleibung und der Wiener Gemeinderat.

Mit der Einverleibung des 21. Bezirkes wird ſich auch die Zuſammenſetzung des Wiener Gemeinderates verändern. Derſelbe wird fortan aus 165 (ſtatt 158) Mitgliedern be - ſtehen, u. zw. aus je 48 aus den drei erſten Wahlkörpern und 21 aus dem vierten. Der Stadtrat wird in Hinkunft 27 (ſtatt 22) ge - wählte Mitglieder zählen, von denen eines aus den Gemeinderäten des neunten Bezirkes ent - nommen werden muß. Die Wahl der ſteben neuen Mitglieder des Gemeinderates dürfte eheſtens erfolgen; der erſte, zweite und dritte Wahlkörper des Bezirkes wählen je zwei, der vierte ein Mitglied. Der Ausſchuß für Verleihung des Heimatsrechtes wird aufgelöſt und ſofort neu gewählt. Gleichzeitig mit der Wahl der Ge - meinderäte hat auch die Wahl der Be - zirksvertretung Floridsdorf zu erfolgen. Mit der Beſtätigung des neugewählten Vorſtehers für den 21. Bezirk hört dann die Wirkſamkeit der Gemeindevertretungen auf. Der Tag, an welchem das magiſtratiſche Bezirksamt Florids - dorf ſeine Tätigkeit beginnt, wird vom Statt - halter im Einvernehmen mit dem Landesaus - ſchuſſe feſtgeſetzt. Die Gemeindeumlagen werden bis Ende 1905 noch nach dem Voranſchlage der betreffenden Gemeinden eingehoben, ab 1. Jänner 1906 aber in dem für Wien feſtgeſetzten Aus - maße. Die Bezirksſtraßen werden als Gemeinde - ſtraßen von Wien übernommen, bis dahin bleiben die Bezirksſtraßenausſchüſſe in Wirkſamkeit. Die öffentliche Armenpflege geht mit der Konſtituierung des Armeninſtituts für den 21. Bezirk an die Gemeinde Wien über.

Sitzungen im Rathauſe.

Der Gemeinde - rat hält in der kommenden Woche am Dienstag den 10. d. um 5 Uhr nachmittags eine öffentliche Sitzung ab. Der Stadtrat hält Dienstag, Donnerstag und Freitag um 10 Uhr vormittags Sitzungen ab.

Tagesbericht.

* Kalender für Dienstag den 10. Jänner.

Katholiken: Paul E. Griechen (28. Dez. ): 2000 Märtyrer. Sonnenaufgang 7 Uhr 50 Minuten morgens. Sonnenuntergang 4 Uhr 25 Minuten abends. Mondesaufgang 10 Uhr 12 Minuten vormittags. Mondesuntergang 9 Uhr 32 Minuten abends.

* Hof - und Perſonalnachrichten.

Prinz Leopold und Prinz Georg von Baiern ſtatteten Sonntag vormittags dem bairiſchen Ge - ſandten Freiherrn v. Tucher, in deſſen Palais, einen längeren Beſuch ab. Die Prinzen fuhren dann in das Künſtlerhaus und beſichtigten durch eine Stunde die Aquarell-Ausſtellung.

* Aus unſerer Armee.

Der Kaiſer hat an - geordnet: Die Uebernahme des FML. Ferdinand v. Schkrobanek in den Ruheſtand, die Trans - ferierung des Oberſten Friedrich Novak (Infanterie - Regiment Nr. 29) zum Infanterie-Regiment Nr. 53, die Uebernahme des Oberſtleutnants Karl Zeiterer (Infanterie-Regiment Nr. 32), des Oberſtleutnants Paul Duralia (Infanterie-Regiment Nr. 52), des Majors Joſef Pfaffenbühler in den Ruheſtand, die Einrückung des Gardeleutnants Emil Tazoll in die Leibgarde-Infanterie-Kompagnie, die Ueber - nahme des Generalſtabsarztes Dr. Joſef Bernolak von Haraßt in den Ruheſtand. Ferner hat der Kaiſer ernannt: Zum Platzkommandanten in Graz den Oberſtleutnant Joſef Walter, zu Oberärzten im Aktivſtande die Doktoren Joſef Igavič, Roniuald Kuchar, Aurel Ijac.

* Truppenverſtärkungen an der italieni - ſchen Grenze.

Wir haben bereits Mitteilung von den bevorſtehenden Truppenverſchiebungen gemacht. Sie bezwecken in allererſter Linie die Verſtärkung der Truppen in Tirol, gegen die italieniſche Grenze. Seinerzeit war die Linie von Bruneck über Lienz nach Villach ſtark militäriſch beſetzt und das Puſter - tal hatte ſtarke Garniſonen. In Sillian lag eine Kompagnie, in Bruneck war bis vor drei Jahren noch ein Landesſchützenbataillon ſtationiert. Bis zum heurigen Jahre lag dort eine Kompagnie, in Niederndorf und Bruneck außerdem ein Halb - bataillon Kaiſerjäger. Die Beſatzung von Franzens - feſte hatte früher die doppelte Stärke, zwei Kompagnien, in Cortina d Ampezzo, in Toblach waren je ein Bataillon Landesſchützen disloziert, ſchließlich ſind die Orte Pergine, Borgo, Mezzo - lombardo, Torbole, Tione und Creto ihrer früher dort ſtationierten Halbbataillone entblößt. Noch vor einem Vierteljahrhundert waren volle 38 Bataillone in Tirol ſofort zur Verfügung. Nun erfolgt neuer - dings die militäriſche Belegung mehrerer in der Nähe der italieniſchen Grenze gelegener Ortſchaften und die Erhöhung des Garniſonsſtandes in einzelnenOrten, vorwiegend in Tirol. Neue Garniſonen werden im Bereiche des dritten Korps errichtet in Tolmein und Monfalcone. Erhöht wird die Truppenſtärke in Trieſt und Görz, während zur Verteidigung der Be - feſtigungen in der Flitſcherklauſe, am Predil und im Seebachtal je eine Kompagnie Feſtungsartillerie dorthin verlegt wird, die dem Wiener Feſtungs - artillerie-Regimente Nr. 1 entnommen wird.

* Empfänge bei Erzherzog Franz Ferdi - nand.

Erzherzog Franz Ferdinand wird am 14., 21. und 28. d. M. und am 4. und 11. Februar, jedesmal von 11 bis 12 Uhr die in Wien ſtationierten Generale, (Admirale), Truppenkommandanten und Gleichgeſtellte (Abteilungsvorſtände des Reichskriegs - miniſteriums, Marineſektion und des Miniſteriums für Landesverteidigung) im Palais im Oberen Bel - vedere empfangen.

* Aus dem Altkatholizismus.

Wäre es nicht ein offizielles Organ des deutſchen Altkatholizis - mus, das altkatholiſche Volksblatt , das uns die Nachricht übermittelt, wir könnten ſie kaum ernſt nehmen! Die Altkatholiken haben einen Biſchof, der fälſchlich konſekriert worden iſt. Biſchof Theodor Weber erklärt in dem genannten Blatte wörtlich: Ein Herr Miraglia, zu dem die katholiſchen Biſchöfe der Altkatholiken in keiner Beziehung ſtehen, hat einen Herrn Houſſay, der den letzteren gänzlich un - bekannt iſt, in der den Altkatholiken zu Thiengen in Baden durch die Großherzogliche Staatsregierung zur Mitbenutzung überwieſenen Kirche Sonntag, den 4. d. M., zum Biſchof konſekriert. Das iſt ohne mein Wiſſen geſchehen, ich würde ſonſt die Vornahme der Handlung ſelbſtverſtändlich ver - boten haben. Die Unterſuchung iſt eingeleitet. Im eigenen Namen und namens der mit mir in Kirchen - gemeinſchaft ſtehenden Biſchöfe Hollands und der Schweiz mache ich hierdurch bekannt, daß wir nach wie vor weder Herrn Miraglia noch Herrn Houſſay als altkatholiſche Biſchöfe anerkennen und jede kirch - liche Gemeinſchaft mit ihnen zurückweiſen. Bonn, 21. Dezember 1904. Und das iſt eine romfreie Kirche, für die in Oſterreich die Werbetrommel ge - rührt und deutſches Geld geſpendet wird.

* Auf Menſchenfang.

Mit allen Mitteln und Mittelchen wird gegen das katholiſche Bekenntnis und die katholiſche Kirche in den Kampf gezogen. In Wien iſt jetzt auf einmal ein Bund der Deutſch - öſterreicher entſtanden, von dem bisher niemand etwas wußte. Dieſer Bund macht ſich unter anderem die Errichtung oder Unterſtützung von in vater - ländiſchnationalem Geiſte geleiteten Schulen zur ſatzungsgemäßen Aufgabe. Was er aber unter dem vaterländiſchnationalen Geiſt verſteht, das geht aus einem gedruckten Rundſchreiben hervor, welches für die eine in Währing zu gründende evangeliſche Schule Propaganda macht. Um bei gemiſchten Ehen , heißt es in dieſem Rundſchreiben, bei welchen ein Teil der Kinder evangeliſchen, der andere katholiſchen Bekenntniſſes iſt, auch den letzteren (alſo dem katholiſchen!) den Beſuch dieſer Erziehungsanſtalt zu ermöglichen, wurde beſchloſſen, grundſätzlich auch Kinder katholiſchen Glaubens, ſofern ſie von deutſchen Eltern ſind, aufzunehmen. Dieſe Schule ſoll überhaupt den Unterricht nicht blos in deutſcher Zunge, ſondern was das wichtigſte iſt auch in deutſchem Geiſte pflegen und in nationalem, vaterländiſchem Sinne geleitet werden, wie es bei den Schulen anderer Völker unſeres Reiches ſchon längſt eingeführt iſt. Der Bund der Deutſchöſterreichiſcher identifiziert alſo die Begriffe Vaterländiſch und evangeliſch , eine der gröbſten politiſchen Lügen, die je in die Welt geſetzt wurden. Und mit Hilfe dieſer kühnen Erfindung ſoll in Währing der Kinderfang betrieben werden! Das iſt alſo deutſchöſterreichiſch im Sinne dieſer Ver - einsmacher. Wir hätten nichts gegen Beſtrebungen für eine proteſtantiſch-konfeſſionelle Schule einzu - wenden, wenn ihre Vorkämpfer die Konſequenz be - ſäßen, auch für die katholiſch-konfeſſionelle Schule einzutreten. Doch das iſt natürlich etwas anderes.

* Erzherzog Joſef.

Wir erhalten aus Fiume folgende heutige Meldung des Ungariſchen Tele - graphen-Korreſpondenz-Bureaus: Ueber das Befinden des Herrn Erzherzogs Joſef wurde heute um 9 Uhr vormittags folgendes Bulletin ausgegeben: Im Be - finden Sr. k. und k. Hoheit iſt ſeit geſtern eine Beſſerung bemerkbar. Herztätigkeit zufrieden - ſtellend, Puls und Temperatur normal. Gez: Doktor Kiſſeljak, Dr. Groſſic.

* Leopold Wölfling.

Wie die Basler Nach - richten erfahren, hat der ſchweizeriſche Bundesrat das Naturaliſationsgeſuch des gegenwärtig heimats - loſen ehemaligen Erzherzogs Leopold an die Re - gierung des Kantons Zug überwieſen, um von dort die Befürwortung einzuholen.

* Sterbefall.

Samstag abends ſtarb hier die vormalige Kammerfrau der Kronprinzeſſin-Witwe Stefanie (Gräfin Lonyay) Frau Ida Haas. Die Leiche wird morgen um 2 Uhr nachmittags in der Peterskirche eingeſegnet und im Familiengrabe auf dem Zentralfriedhof beerdigt.

* Aſtronomiſches.

Vor nicht langer Zeit wurde die aufſehenerregende Entdeckung gemacht, daß der Jupiter noch von einem fünften Monde umkreiſt werde. Bei der Beobachtung dieſes neuen Satelliten wurde nun am Lick Obſervatorium auf dem Mount Hamilton noch ein ſechſter Jupitermond mit Hilfe des rieſigen Refraktors entdeckt.

4Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1905 7

ca. Die blutſchwitzende Inngfrau von Suſa .

Unter dieſem Titel meldete die Arbeiter - Zeitung folgende freche Lüge: Eine Perſon, namens Roſa Brol, in Suſa (Tirol) bekam an - geblich jeden Freitag Blutſchwitzen, bis eines Tages der Pfarrer Don Brudel, der feſt an ein Wunder glaubte, die ausnehmend ſchöne Roſa in einem intimem Tête à tête mit ſeinem Kaplan antraf. Es kam nun zwiſchen den beiden Geiſt - lichen zu einer regelrechten Rauferei, während der die vor Angſt blutſchwitzende Jungfrau ſich aus dem Staube machte. Der Fürſtbiſchof von Trient verſetzte den Kaplan nach Montagne. Wenige Mo - nate darauf fanden Gendarmen ein neugeborenes Kind vor der Kirchentür zu Levico. Nach ärztlicher Unterſuchung bekannte die fromme Roſa vor Gericht, daß ſie nicht nur dieſes Kind, ſondern vorher ſchon zwei andere Kinder infolge prieſterlichen Einfluſſes geboren und weggelegt habe. Der hochw. Herr Fürſterzbiſchof von Trient teilt nun folgendes mit: Unwahr iſt, daß die Roſa Brol ein regelrechtes Blutſchwitzen hatte und im Rufe der Heiligkeit ſtand; daß der Pfarrer Don Brudel (ſoll heißen Prudel) bis vor kurzem in Suſa war, wie die Blätter berichteten; er war vor etwa 20 Jahren dort und iſt ſtets ein muſterhafter Prieſter geweſen. Unwahr iſt, daß er ſeinen Kaplan in intimem Tête à tête mit der Brol antraf, daß es infolgedeſſen zu einer Rauferei zwiſchen den beiden Geiſtlichen kam und daß der Kaplan dann verſetzt wurde; in Suſa iſt überhaupt niemals ein Kaplan geweſen! Unwahr iſt, daß jemals der Pfarrer an ein wunderbares Blutſchwitzen bei der Brol geglaubt hat. Wahr iſt, daß vor der Kirchentüre zu Levico einmal ein neugeborenes Kind gefunden wurde, deſſen Mutter, die Roſa Brol, den Pfarrer von Suſa als Vater bezeichnete. Es wurde jedoch gerichtlich feſtgeſtellt, daß dies eine Verleumdung und der Vater ein Laie war. An der ganzen Geſchichte iſt alſo, ſoweit ſie eine Ver - ächtlichung des katholiſchen Klerus bezweckt, kein wahres Wort. Leider iſt eine gerichtliche Klage gegen die Verleumder ausgeſchloſſen, denn von den verleumdeten Prieſtern iſt der eine geſtorben, der andere hat überhaupt nie exiſtiert.

* Neujahr auf der Poſt.

Man kennt die enorme Arbeit der Poſt zu Weihnachten und Neu - jahr. Immerhin mag es von Intereſſe ſein, Ziffern zu erfahren, welche ein Bild von der Arbeitsleiſtung der Poſt zu Neujahr bieten. Bei ſämtlichen Poſt - ämtern Wiens und Umgebung wurden in der Zeit vom 28. Dezember bis zum 2. Jänner 33,877.181 Stück Briefpoſtſendungen poſtämtlich behandelt, von welcher Summe nicht weniger als über vierzehn Millionen auf Korreſpondenzkarten entfielen. Von der Geſamtzahl der Sendungen, unter denen die rekom - mandierten Briefe bloß 281.427 Stück ſtellten, entfiel die Hälfte auf den Lokalverkehr. Schließlich ſei noch erwähnt, daß der Verkehr mit rund 18 Millionen aufgegebenen und 15 Millionen abgegebenen Stücken gegen das Vorjahr eine Steigerung um 127.714 Stück aufzuweiſen hat. Der Wiener Poſtverkehr allein repräſentiert alſo zu Weihnachten eine Ausgabe von ein paar Millionen Kronen für Neujahrsglück - wünſche. Das Neujahrwünſchen iſt eben ſchon in ſeinem heutigen Umfange zu einer graſſierenden Un - ſitte und zu einer wahren Plage für Unzählige geworden.

* Ein merkwürdiger Ball

ſoll heuer in das Faſchingsrepertoire eingefügt werden. Die weib - lichen Maler-Modelle veranſtalten dieſes Feſt und laden zu demſelben als zu einem Wohltätigkeits - balle ein. Am Schluß enthält die Verlautbarung den eigentümlichen Satz: Der Gemütlichkeit halber iſt es geſtattet, im Mal - oder Modellierkittel zu erſcheinen. Wenn es bei dieſem Tanzfeſte der Maler-Modelle nur nicht gar zu maleriſch wird!

* Ein weiblicher Rockdieb.

Ein Novum auf dem Gebiete der Kriminaliſtik iſt das Auftreten eines weiblichen Rockdiebes in Kaffeehäuſern. Einen weib - lichen Rockdieb an Kliniken hat es ſchon gegeben. In Kaffeehäuſern wurde das Rockmardertum bisher nur durch Männer repräſentiert. Geſtern abends iſt in einem der vornehmſten Cafés im Stadtbezirke der Schauſpielerin Eliſe Pirkhoff eine ſchwarze Aſtrachan - jacke mit Goldſtickerei, lilafärbigem Kragen und Seidenfutter im Werte von 120 Kronen geſtohlen worden. Statt ihrer iſt eine abgetragene alte Jacke zurückgeblieben.

* Das katholiſch-politiſche Kaſino Land - ſtraße

hält ſeine Generalverſammlung am Mitt - woch den 11. Jänner, 8 Uhr abends, in Nowaks Reſtauration, Landſtraße Hauptſtraße 45, ab; nach der Wahl des Ausſchuſſes werden die Herren Ge - meinderäte Dr. Haas, Max R. v. Findenigg und Landtags-Abgeordneter Hochwürden Joſef Schnabl ſprechen.

* Schiffsunglück.

Man depeſchiert uns aus London vom Heutigen: Ein Glasgower Dampfer ſtieß bei Holyhead mit einem ſpaniſchen Dampfer zuſammen. Beide Schiffe ſanken. Die Beſatzungen wurden gerettet.

* Schweres Eiſenbahnunglück.

Wir erhalten folgenden telephoniſchen Bericht: Geſtern früh wurde der Perſonenzug 2501 der ſteiriſchen Lokalbahn Kapfenberg-Auſeewieſen auf der Fahrt nach Kapfenberg von einem Wirbelſturm erfaßt. Die beiden Perſonenwagen und der Gepäckswagen wurden aus dem Geleiſe geriſſen und in den Pörl - bach geworfen. Hiebei wurden zwei Paſſagiere ſchwer verletzt, vier Paſſagiere, ein Kondukteur und ein Poſtwagenkondukteur leicht verletzt. Der Oberbau blieb unbeſchädigt.

* Eine Schulfeier.

Am Dreikönigstage wurde in der ſtädtiſchen Volks - und Bürgerſchule Währing, Anaſtaſius Grüngaſſe 10, ein gemütvolles Weih - nachtsmärchen, Verloren und Wiedergefunden von Ottokar Kernſtock, durch Schülerinnen der Anſtalt dargeſtellt. Die Aufführung ſtand unter der Leitung des Kirchendirektors Katecheten Mauß, deſſen Be - mühungen es gelang, einen vollen Erfolg zu erzielen. Die Aufführung wurde ausgezeichnet durch den Beſuch einer ganzen Reihe von Mitgliedern des Kaiſer - hauſes. Es waren erſchienen: Frau Erzherzogin Maria Joſefa mit ihrem Sohne Erzherzog Max, Erzherzog Leopold Salvator und Erzherzogin Blanca mit ihren Kindern, den Erzherzogen Rainer und Leopold und der kleinen Erz - herzogin Marie Antonie, ferner die Kammer - vor eherin Gräfin Alberti, die Gräfinnen Chotek und Wrbna, Baronin Schell-Bombelles, Prinz Eduard Liechtenſtein, Gräfin Draskovic, Bürgermeiſter Dr. Lueger, Abg. Profeſſor Sturm, Magiſtrats - direktor Dr. Weiskirchner, Bezirksſchulinſpektor kaiſerlicher Rat Fellner, Pfarrer Panholzer, Polizei - rat Weinbrenner ꝛc.

* Aus dem Polizeiberichte.

In den Park - anlagen am Franz Joſefskai, gegenüber der Eßlinggaſſe, wurde Sonntag nach Mitternacht der Laternenanzünder Johann Wichard, neben der Leiter am Boden liegend, tief bewußtlos aufgefunden. Johann, Wichard wurde nach geleiſteter Hilfe in das Spital der Barmherzigen Brüdee gebracht, iſt aber bald nach der erfolgten Aufnahme, ohne das Be - wußtſein wieder erlangt zu haben, geſtorben. Aus der Sachlage kann man folgern, daß Wichard, welcher herzleidend geweſen ſein ſoll, infolge eines Ohnmachtsanfalles beim Reinigen der Glastafeln der Laterne von der Leiter abgeſtürzt ſei und ſich die Verletzungen zugezogen habe.

* Verein Säuglingsſchutz.

Geſtern fand in Anweſenheit der Frau Erherzogin Iſabella die feierliche Eröffnung der auf den Gründen des St. Anna Kinderſpitales auf dem Zimmermannsplatze errichteten erſten Schutzſtelle des Vereines Säuglings - ſchutz ſtatt. Den kirchlichen Akt nahm Serviten - provinzial P. Johann H. Pix vor. Der Feier wohnten die Vertreter der Behörden, Kommune und zahlreiche Würdenträger an.

* Der beraubte Poſtwagen.

Man ſchreibt uns aus Italien: Zwiſchen den Ortſchaften Santa Caterina und Canicatti auf Sizilien wurde wieder ein Poſtwagen ausgeraubt. Die Räuber waren wie immer vermummt und bewaffnet und entflohen mit den Wertbriefen und den verſicherten Paketen. Das alte romantiſche Brigantentum hat man aller - dings zerſtört in Sizilien, dafür aber ein gemeineres erhalten, nämlich dasjenige des Raubes und des Diebſtahls. Aus dem heroiſchen Briganten iſt ein gemeiner Verbrecher geworden; alle ritterliche Groß - mut iſt ihm verloren gegangen. Die heutigen Bri - ganten werden durch das unglaubliche wirtſchaftliche Elend zum Verbrechen getrieben und ſolange erſteres nicht gemildert iſt, wird dieſes Brigantentum nicht aufhören.

* Knabenſängerſchule Peroſis.

Man ſchreibt uns aus Rom: Je mehr die Muſik in den römiſchen Kirchen darniederliegt und die Reformen des Papſtes in dieſer Beziehung unbe[a]chtet bleiben, deſto mehr gibt Peroſi ſich Mühe, wenigſtens die ehemals ſo berühmte Sirtiniſche Kapelle zu heben und zu einem Muſterchor auszubilden, Durch ſeine Energie wurde der Kaſtratenwirtſchaft ein Ende gemacht: ſie ſollen nunmehr durch wohlgeſchulte Knaben erſetzt werden. Zu dieſem Zwecke hat Peroſi unter aus - drücklicher Zuſtimmung Pius X. eine eigene Schule, eine ſogenannte Schola puerorum nach dem Muſter der Paleſtrinaſchen Scuola dei putti ge - gründet. Dieſe hat vor wenigen Tagen zu funktionieren angefangen. Ihr Sitz be - findet ſich in einem Hauſe neben der Engelsburg und die Schüler wurden denjenigen der Brüder der Barmherzigkeit entnommen. Es ſind gegenwärtig ihrer 50, im Alter zwiſchen acht und elf Jahren, welche eigens von Peroſi geprüft wurden und nunmehr tagtäglich vom Prof. Rella unterrichtet werden. In etwa ſechs Monaten hofft man dieſe Knaben in die Sixtiniſche Kapelle einreihen zu können. Der ihnen dann zukommende Gehalt wird ihnen auf Sparkaſſenbücher eingezahlt. Selbſtverſtändlich mußten dieſe jugendlichen Sänger ſich verpflichten, nur in der Sixtiniſchen Kapelle zu ſingen, bis ſie ihre Knaben - ſtimmen verloren haben werden. Perofi verſpricht ſich ſehr viel von den Erfolgen dieſer neuen Einrichtung.

* Vandalismus in Berlin.

Man depeſchiert uns aus Berlin vom Heutigen: Eine große Anzahl von Verunſtaltungen iſt in unmittelbarer Nähe des Polizeipräſidiums ausgeführt worden. Es wurden davon betroffen das heute zum größten Teil erſt ſeit Neujahr benützte Direktionsgebäude des Amts - undLandgerichtes I, ſowie das an das Polizeipräſidium unmittelbar anſtoßende Amtsgerichtsgebäude. Die Täter haben mit Hämmern von den Granitſäulen große Stücke abgeſchlagen. Obgleich ſchon am Sonn - abend mehrere Perſonen die Beſchädigungen be - merkten, kamen ſie doch erſt geſtern früh auf dem Poltzeipräſidium zur Anzeige.

* Das Glück des Gärtners.

Die in Schottland wegen ihrer Anmut und wegen ihrer Millionen ſehr umſchwärmte Miß Marie Lawrence hat ſich plötzlich mit einem ihrer zahlreichen Gärtner, einem Witwer mit neun lebenden Kindern verlobt Im Frühjahr ſoll die Vermählung ſtattfinden, und bis dahin wird der glückliche Bräutigam in London von mehreren ausgezeichneten Profeſſoren erſt erzogen.

Niederöſterreich.

Schulvereinsverſamm - lung.

Aus Burgſchleinitz wird uns ge - ſchrieben: Am 6. Jänner hielt die hieſige Pfarr - gruppe die Jahresverſammlung ab, bei der die bis - herigen Vorſtandsmitglieder wiedergewählt wurden. Herr Schönſteiner hielt einen feſſelnden Vortrag über die Notwendigkeit des Katholiſchen Schulvereines, der mit großem Beifalle aufgenommen wurde. Hier - auf wies Obmann Dechant Brenner die unglaub - lichen Forderungen der oberöſterreichiſchen Landes - lehrerkonferenz zurück und legte im Namen der zahl - reich beſuchten Verſammlung Proteſt ein gegen die Beſchimpfungen des allerheiligſten Altarsſakramentes durch die Preſſe. Nach Aufnahme neuer Mitglieder wurde die Verſammlung geſchloſſen.

Plötzlicher Tod in der Kirche.

Aus Kloſterneuburg wird uns gemeldet: Geſtern Nach - mittags wurde in der St. Markuskirche während einer Einſegnung die Präſidentin des hieſigen Frauenbundes Frau Anna Schilling vom Schlage getroffen und ſtarb, ehe ärztliche Hilfe zur Stelle war.

Oberöſterreich. Selbſtmord des Iſchler Bürgermeiſters.

Der Bürgermeiſter von Iſchl, Wieſinger, hat ſich am Samstag in Goiſern erſchoſſen. In einem Anfalle hochgradiger Nerven - zerrüttung, infolge Ueberarbeitung, hat er Hand an ſich gelegt.

Böhmen.

Ein treuer Kurgaſt.

Aus Karlsbad wird berichtet: Der Traberpferdezüchter aus Kalinarka in Rußland Ingenieur Louis Walk - hof, der älteſte Kurgaſt Karlsbads, iſt nun wieder hier zur Kur eingetroffen. Dieſer treue und älteſte Kurgaſt trifft ſeit dem Jahre 1846 jedes Jahr im Jänner zur Kur in der Sprudelſtadt ein, alſo heuer zum fechzigſten Male. Im Vorjahre wurde er ſeitens des Stadtrates durch Ueberreichung des Gauſe - Prachtalbums geehrt. Ju den Vierzigerjahren legte Ingenieur Walkhof die Reiſe mittels Wagen und Schlitten zurück. Herr Walkhof iſt ein Achtziger und noch ſehr rüſtig.

Hungertyphus.

Aus Ronsperg wird dem Prager Tagblatt berichtet: In den armen Böhmer - walddör[f]chen Waier, Schwarzach, Schwanenbrückel, Groß-Gorſchin und Franzbrunnhütte iſt der Fleck - typhus, auch Hungertyphus genannt, aufgetreten. Die Statthalterei hat daſelbſt Iſolierbaracken aufſtellen laſſen und einen Epidemiearzt entſendet, da es im ganzen politiſchen Bezirke Biſchofteinitz kein Kranken - haus gibt.

Eine unſinnige Wette.

In Joſefi - hütte bei Plan in Böhmen gingen mehrere Fabriks - arbeiter eine unſinnige Wette ein. Der Arbeiter Joſef Gicklhorn wettete, 100 Gläschen Schnaps hintereinander auszutrinken. Beim vierzigſten Glas, das er zu ſich genommen hatte, ſtürzte er jedoch plötzlich vom Stuhle und blieb bewußtlos liegen. Zwei Tage darauf ſtarb er an ſtarker Alkoholver - giftung. Der Leichtſinnige hinterläßt fünf unver - ſorgte Kinder und eine Witwe.

Galizien.

Vom Lemberger Rathaus.

Man ſchreibt uns aus Lemberg: Hier geht man jetzt ernſtlich daran, das altertümliche und recht unpraktiſche Rathaus zu reſtaurieren. In der geſtrigen Gemeinderatsſitzung wurde bereits der Koſtenvorſchlag in Beratung gezogen und ungefähr auf 400.000 Kr. geſchätzt. Ob nun ein neues Ratshaus erſtehen wird, oder ob bloß die Erbauung des vierten Stockwerkes und die Reſtaurierung des Rathausturmes vor ſich gehen wird, werden die nächſten Sitzungen in den Gemeindeſtuben entſcheiden.

Gaunerfrechheit.

Im Lemberger Landesgerichte wurde vorgeſtern, wie man uns von dort ſchreibt, während einer Verhandlung den beiden Richtern von einem unbekannten Individuum die Biretts (Czapki) geſtohlen. Die verdutzten Geſichter der geſtrengen Herren am Schluß der Verhandlung erregten, wie man uns ſchreibt, allge - meine Heiterkeit.

Ungarn. Die Verhaftung des Advo - katen Hegedüs.

Samstag abends wurde in Ofen-Peſt der geweſene ungariſche Reichstags - abgeordnete und hauptſtädtiſche Advokat Dr. Bela H[e]gedüs wegen Betruges und Wechſelfälſchung ver - haftet. Hegedüs war Jahre hindurch Präſident der Ungariſchen Theateraktiengeſellſchaft und hat infolge verfehlter Spekulationen ſein Vermögen verloren. Seither brachte er ſich durch Schwindeleien und Schuldenmachen fort, verübte zahlreiche Wechſel - fälſchungen auf den Namen hervorragender Perſön - lichkeiten, ſo auch auf die Namen der geweſenen Abgeordneten Alexander und Geza Lonyay, auf deren Anzeige die Verhaftung erfolgte.

57 Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1905

Prälat Dörfler .

Heute vormittags iſt der in den weiteſten Kreiſen des chriſtlichen Volkes hochverehrte, allgemein bekannte und beliebte Pfarrer von St. Auguſtin, Prälat Karl Dörfler plötzlich vom Tode ereilt worden. Der faſt dreiundachtzigjährige greiſe Prieſter, der ſich aber bis heute einer ungeſchwächten Geſund - heit und Rüſtigkeit erfreute, betrat gegen ½9 Uhr in der Früh das Sparkaſſengebäude auf dem Graben und ſtürzte d[o]rt vom Schlage getroffen zuſammen. Man brachte ihn auf die Wachſtube Am Peter. Aerzte der Freiwilligen Rettungsgeſellſchaft wurden berufen, fanden ihn aber bereits tot. Dr. Dörflers Leiche wurde in die Pfarrkirche zu St. Auguſtin ge - bracht. Er war zu Iglau im Jahre 1822 geboren und hätte am nächſten Sonntag ſeinen 83. Geburts - tag feiern ſollen. Er hat in Iglau das Gymnaſium abſolviert und an der Wiener Univerſität Philoſophie und Theologie. Am 20. Juni 1846 er - hielt er die Prieſterweihe. Als neugeweihter Prieſter kam er ins Gebirge an die ungariſch-ſteiriſche Grenze, wurde im Jahre 1848 nach Neuhaus als Proviſor verſetzt und wirkte kurze Zeit als Kooperator in Kaiſer-Ebersdorf. Dann kam Dörfler als Kooperator an die Hofkirche zu St. Auguſtin. Prälat Dörfler hat während dieſer Zeit auch in der Schule der Urſulinerinnen das Lehramt ausgeübt und kam 1862 als Benefiziat nach St. Stephan. Zu gleicher Zeit wurde er Profeſſor an der von der Großkommune Wien errichteten Realſchule in der Roßau und nach einer dreijährigen Tätigkeit Profeſſor an der Kommunal-Realſchule in Gumpendorf, ſchließlich Religionsprofeſſor an der Oberrealſchule im 4. Bezirke, wo Dörfler bis zum Jahre 1882 blieb, in welchem Jahre er die Lehrtätigkeit wegen eines Kehlkopfleidens aufgeben mußte. Er erhielt dann die Stelle eines landesfürſtlichen Pfarrers in Erdberg. Ende Auguſt 1891 wurde Pfarrer Dörfler an Stelle des damals zum Domkapitular zu St. Stephan er - nannten und jetzt als Weihbiſchof fungierenden Dr. Schneider zum Pfarrer an der Hofpfarrkirche zu St. Auguſtin ernannt und vom Erz - und Weih - biſchof Dr. Angerer inveſtiert. Still und beſcheiden in ſeinem Weſen, beging Pfarrer Dr. Dörfler auch in Zurückgezogenheit ſein vierzig - und 1896 ſein fünfzigjähriges Prieſterjubiläum. Bei Hofe er - freute ſich Pfarrer Dörfler beſonderen Anſehens. Er fungierte ſtets bei Requiem und anderen kirchlichen Anläſſen, die den Hof in der Kirche verſammelten. Der Verblichene, der ſeinerzeit auch als Bezirks - ſchulinſpektor des zweiten Bezirkes fungiert, war vielfach ausgezeichnet. Er war Ritter der Franz Joſef-Ordens, Beſitzer der Ehrenmedaille für 40jährige treue Dienſte, Kommandeur des päpſtlichen Ordens vom heil. Grabe und Beſitzer der großen goldenen Salvator-Medaille, Ehrendomherr der Kathedrale in Brünn, päpſtlicher Prälat, apoſtoliſcher Protonotar und fürzerzbiſchöflicher geiſtlicher Rat.

Im Jahre 1902 feierte er ſeinen 80. Geburts - tag. Aus dieſem Anlaß wurde ihm am 26. Novem - ber 1901 vom Gemeinderate in Anerkennung ſeiner vieljährigen verdienſtvollen Tätigkeit auf dem Ge - biete der Humanität das Bürgerrecht der Stadt Wien verliehen. Die feierliche Beeidigung fand am Sonntag den 15. Dezember im Rathausſaale ſtatt. Dr. Lueger gedachte dabei beſonders ſeiner großen im Stillen geübten Wohltätigkeit. Prälat Dörfler erwiderte, er betrachte dieſen Tag als einen der glücklichſten ſeines Lebens. In der Tat iſt die große Wohltätigkeit des Verſtorbenen das Charakteriſtiſche ſeiner Perſön - lichkeit. Prälat Dörfler war aber auch ein Prieſter tadelloſen Wandels und namentlich dem katholiſchen Vereinsleben ein eifriger und liebevoller Förderer. So namentlich auch den marianiſchen Kongregationen, da er ſelbſt Präſes der Kaufmänniſchen Kon - gregation war. An den Wiener Männerfahrten nach Maria-Zell nahm er wiederholt Anteil, er leitete den feierlichen Einzug, zelebrierte das Hochamt, er er - öffnete die Auguſtinerkirche für die Männerpredigten des Pater Abel. Beſonders auch der Salzburger Univerſitätsverein betrauert in dem Verſtorbenen einen ſeiner größten Wohltäter. Aber im ganzen chriſtlichen Wien wird man Trauer empfinden über den Heimgang dieſes edlen Prieſters, der es ſtets mit dem Volke gehalten und vielen Segen verbreitet hat.

Eine Aktion zur Vermehrung der Erholungsſtätten.

Wie man uns ſchreibt, fand in den letzten Tagen über Einladung des Hilfsvereines für Lungenkranke eine Beſprechung ſämtlicher Wiener Wohltätigkeits - vereine ſtatt, um eine große Wohlfahrtsaktion zur Errichtung von Erholungsſtätten und einer Heilſtätte für lungenkranke Kinder einzuleiten. Es ſei daran erinnert, daß das Land und die Gemeinde Wien durch die Errichtung von Erholungsſtätten für über 2000 Kinder, und nicht zuletzt auch der junge Verein Kinderſchutzſtationen durch ſein tatkräftiges, ſegens - reiches Wirken geradezu Großartiges bereits ge - ſchaffen, was nicht nur von unſeren heimiſchen Kapazi - täten, ſondern auch vom Auslande anerkannt wird. Die leitenden Männer in der Gemeinde und im Lande haben damit bewieſen, daß ſie nicht nur Verſtändnis für die ſoziale Not des Volkes haben, ſondern auch die Kraft und Opferwilligkeit beſitzenum alles durchzuführen, was zum Beſten der Armen und Notleidenden erforderlich iſt. Wenn es deshalb in dem Berichte mehrerer Blätter über die oben zitierte Aktion heißt: hiedurch ſei wohl der Verſuch geglückt zur langerſehnten Zentraliſierung der Wiener Wohltätigkeitsbeſtrebungen , ſo hoffen wir, daß unſere chriſtlichen Vereine, die bisher auf ſich allein vertrauend, ſo Gutes geleiſtet haben, ſich nicht damit be[g]nügen auch mit herangezogen zu werden, ſondern ſich bei jeder Alliierung genau vorher das mit wem und wohin zu überlegen.

Die ruſſiſche Einwanderung in die Bukowina.

Aus Czernowitz wird der Reichspoſt ge - ſchrieben:

Während man in dem freien Amerika ſich rüſtet, gegen die zunehmende Judeneinwanderung aus Rußland Maßnahmen zu ergreifen und in Kanada eine große öffentliche Aktion in dieſer Richtung im Gange iſt, bleibt bei uns über allen Wipfeln Ruh. Die Regierung und die Stadtverwaltungen ſehen mit verſchränkten Armen dem Eindringen eines Stromes jüdiſcher Auswanderer aus Rußland zu. Und doch iſt die Wirkung, welche die Aufnahme dieſes Emigrantentums mit ſich bringt, keine geringe. Die auswandernden Juden ſiedeln ſich zu einem be - deutenden Prozentſatze in der Bukowina und nament - lich in Czernowitz an und machen den hieſigen Handwerkern und Arbeitern die ſchädlichſte Kon - kurrenz. Sie ſind Lohndrücker im ſchlimmſten Sinne des Wortes. Sie ſtehen in gar keinem Verbande, entbehren jeder Solidarität mit den chriſtlichen Gewerbsleuten und Arbeitern und ſtreben nur danach, um jeden Preis ſeßhaft zu werden. Dabei ſind ſie ein willkommenes Werkzeug für die zahlreichen jüdiſchen Unternehmer, welche die chriſtlichen Arbeiter wegſchicken und dafür ruſſiſche Judenemigranten anſiedeln. Viele üben ihr Gewerbe unangemeldet aus. In den hieſigen Mühlen, in der Zurzker Zuckerfabrik und anderorts hat man viele chriſtliche Arbeiter entlaſſen, um Juden aus Rußland dafür aufzunehmen. Das Emigranten - quartier in der Dreifaltigkeitsgaſſe ſpeit ganze Schaaren von Bäckern, Fleiſchern, Korkarbeitern, Mechanikern, Sägearbeitern, Schneidern, Webern uſw. aus, welche in alle Gewerbe eindringen und die bodenſtändigen Elemente des Gewerbe - und Arbeiter - ſtandes vertreiben.

Bereits zeigte ſich in der ganzen Stadt ein geſchäftlicher Rückgang und die Folgen einer rückſichtsloſen Schmutzkonkurrenz, welche die älteſten Geſchäfte in ihrer Kundſchaft ſchädigt. Der einzelne Bürger aber getraut ſich bei uns noch nicht, gegen dieſe Mißſtände etwa mit Klagen bei den Behörden aufzutreten, denn ſonſt käme er ja in den Geruch des bei uns amtlich ſo ſehr verpönten Antiſemitismus.

Leider hat die Sache auch noch ihren ſcharfen pikanten Beigeſchmack: die hieſige ſozial - demokratiſche Partei und ihre Preſſe, die ja doch ſonſt immer gegen jeden chriſtlichen Lohndrücker und Stellenverderber, mit der größten Härte und mitunter ſogar mit dem Aufgebote der Gewalt vor - gehen, rühren keinen Finger gegen die jüdiſche Lohnverderberei, die jetzt von außen hereinbricht. Sie ſchweigen. Nun freilich wann würde die Führung unſerer ſozialdemokratiſchen Preſſe, die auch im Buchenlande vollſtändig jüdiſch iſt, etwas gegen Juden unternehmen? So werden die chriſtlichen Arbeiter von den jüdiſchen Führern der jüdiſchen Konkurrenz und Lohndrückerei überliefert. Chriſtliche Arbeiter, die Ihr noch in der geiſtigen Gefangen - ſchaft der Sozialdemokratie ſeid, wann werden Euch die Augen aufgehen über dem Elende, welches ſo vielen Eurer Brüder von den jüdiſchen Führern bereitet wird?

Unwetter.

Aus dem Süden und Weſten unſerer Monarchie, dann auch aus den in gleicher Richtung gelegenen Staaten Mitteleuropas laufen Nachrichten über intenſive Regen - und Schneefälle, anderenorts über energiſches Froſtwetter, überall zu großen Beſorg - niſſen Anlaß gebend, ein. So meldet die Staatsbahn - direktion aus Villach, daß infolge anhaltender Schnee - ſtürme vorgeſtern auf der Strecke Eiſenerz Vordern - berg der Geſamtverkehr bis auf weiteres eingeſtellt werden tmußte. In Telfs im Oberinntal herrſchte zum Sonntag ein orkanartiger, lauwarmer Sturm - wind, der viele Dächer teilweiſe, einige ganz ab - hob. Die Schneedecke im Tal iſt zum Teil verſchwunden. Man fürchtet Hochwaſſer. der Sturmwind war ſo ſtark, daß auf manchen Wegen ſelbſt für kräftige Männer ein Fortkommen unmöglich war. Nun treffen auch aus Böhmen und Mähren Hiobspoſten ein. In Pilſen mußte wegen Schneeverwehung geſtern nachmittags der Geſamt - verkehr auf der Lokalbahn Schlackenwerth St. Joa - chimstal bis auf weiteres eingeſtellt werden und in Olmütz wurde geſtern wegen Schneeverwehung der Geſamtverkehr in den Strecken Zwickau Skutſch und Hannsdorf Grulich bis auf weiteres eingeſtellt. Heute erſt konnte, wie uns aus Olmütz tele - graphiert wird, der geſtörte Geſamtverkehr in der Strecke Haunsdorf Grulich wieder aufgenommen werden.

Hochſchul-Nachrichten.

Ein Feſt der Rudolfina .

Zur Weihnachts - feier der katholiſch-öſterreichiſchen Studentenver - bindung Rudolfina waren viele werte Gäſte erſchienen. Das Präſidium hatte zu Beginn die Ehre zu begrüßen: Herrn Baron Potier, Oberſt - indentant Magerſtein, Profeſſor Dr. Groiß, Direktor Dr. Gieſe, Dechant Tobler, den Vertreter des niederöſterreichiſchen Lehrerbundes den Herrn Mayer, ſowie einzelne aus dem Philiſterium. Die Kartellverbindung Auſtria , die katholiſch - akad. Verbindung Norika , der Rede - u. Leſeverein chriſtlich-deutſcher Studenten hatten Vertreter entſendet. Ein reizender Damenflor verſchönerte das Bild ſtudentiſchen Frohſinns. Unter lebhaftem Beifall wurden die Telegramme des allverehrten Bürgermeiſter Dr. Lueger und Dr. Weiskirchners verleſen. Der Feſtredner hob als Grundgedanken Weihnachten als ein echt deutſches Familienfeſt hervor. Feſtesfreude belebte die Geſellſchaft, Weihnachtszauber und Feierſtimmung breitete ſich darüber. Geſang und Klavierſpiel mit flotten Kommersliedern erheiterten die Feſtgäſte. Er - hebend war der Augenblick, als der Weihnachts - baum im Lichterglanz hell erſtrahlte und das Fahnenlied Rudolfinas erſchallte. Der Tannen - baum, von dem der Zirkel der Verbindung ſchim - mernd herniederwinkte, war von Couleurdamen geſchmückt worden. Reich waren die Geſchenke, mit denen ſich die Kommilitonen als Zeichen der Freundſchaft bedachten und zahlreiche ulkige Ge - ſchenke, die unter heiteren Verſen übergeben wurden, trugen zur Erheiterung der Korona bei. Im Exteil ſtieg ein von den Füchſen ſelbſt ge - dichteter und vertonter Ulk, der allgemeinen Beifall hervorrief.

Telegramme.

Prinzregent Luitpold.

Der Prinzregent war auf dem Parkettboden ſeines Gemaches ausgeglitten und hatte ſich das Knie verletzt. Bei der heute früh vor - genommenen ärztlichen Unterſuchung wurde am Knie des Prinzregenten eine weſentliche Beſſerung kon - ſtatiert. Die Schwellung iſt zurückgegangen, der Schmerz ſehr gering, das Kniegelenk völlig frei. Das Allgemeinbefinden iſt ausgezeichnet. Der Prinzregent konnte heute morgens ſeine Ausfahrt unternehmen und empfing mittags den Miniſter des Innern und den Chef der Geheimkanzlei.

Streik im Ruhrkohlenrevier.

Die geſamte Morgenſchicht der Zeche Kaiſerſtuhl 2 im Eiſen - und Stahlwerke Höſch iſt, wie die Tremonia meldet, nicht angefahren. Auf der Zeche Scharn - horſt iſt die Morgenſchicht ebenfalls nicht an - gefahren.

Die Denunziationen und die Ehrenlegion.

Der Figaro will wiſſen, daß der Großkanzler der Ehrenlegion, General Florentin, gegen den Generalſekretär der Freimaurerloge Grand Orient , Vadecard, der Ritter der Ehrenlegion iſt, wegen der Denunzia - tionsaffäre eine Disziplinarunterſuchung einge - leitet habe.

Die marokkaniſche Frage.

Der franzöſiſche Ge - ſandte wird in Begleitung des Legationsſekretärs Grafen de Saint-Aulaire und des Kommiſſärs für die marokkaniſche Schuld, Regnault, am 11. d. M. von Fez abreiſen. Die Miſſion wird von 500 marokkaniſchen Reitern eskortiert werden. Der Geſandte hat die Weiſung erhalten, vor allem die Mittel zur Herſtellung der Ordnung und der Sicherheit in den Städten, insbeſondere in den Häfenſtädten, zu erlangen. Es wird zu dieſem Zwecke eine Verſtärkung der Gendarmerie vorgeſchlagen.

Geſunkener Dampfer.

Bei einem Zuſammen - ſtoße zweier engliſcher Dampfer am Samstag iſt6Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1095 7der Dampfer Winnington geſunken. Zehn Per - ſonen ſind ertrunken.

Japans Angriſſ auf Frankreich in Judo - china?

Echo de Paris be - hauptet, es beſitze ſenſationelle Schriftſtücke, aus denen unzweifelhaft hervorgehe, daß Japan bereit ſei, Frankreich in Indochina anzugreifen. Das Blatt hält es für ſeine patriotiſche Pflicht, die Dokumente zu veröffentlichen, um alle Fran - zoſen über die Sachlage aufzuklären und wird morgen mit der Veröffentlichung der Schriftſtücke beginnen.

Keine ruſſiſche Anleihe.

[Meldung des Wolff - ſchen Bureaus.] Aus zuverläſſiger Quelle ver - lautet, daß die in den letzten Tagen verbreiteten Gerüchte, es ſtände demnächſt die Ausgabe einer ruſſiſchen Anleihe in Paris bevor, jeder Begründung entbehren.

Ergänzungswahlen.

Bei den geſtrigen Er - gänzungswahlen in die Kammer wurden insgeſamt fünf Miniſterielle, zwei Anhänger der konſtitu - tionellen Oppoſition und ein Sozialiſt gewählt.

Die Balkan-Wirren. (Kompromittierende Hausdurchſuchung. Tätigkeit des Gewerbeinſpektors. Gefangene griechiſche Bande.)

Ende De - zember nahm der Kaimakam von Iſtib bei dem dortigen bulgariſchen Metropoliten-Stellvertreter eine Hausdurchſuchung vor. Es verlautet, daß viele kompromittierende Schriften konfisziert wurden, darunter ein förmliches Komiteearchiv und vom Lokalkomitee gefällte Urteile. Der Stell - vertreter und alle Mitglieder der bulgariſchen Kirchengemeinde wurden verhaftet. De Metropolit von Uesküb, Sineſius, hat gegen dieſe Maßnahmen ſofort proteſtiert. Die Annahme, daß die Wohnung des Stellvertreters der Sitz eines Komiteetribunals ſei, erweiſt ſich tatſächlich als unbegründet; die ſaiſierten Schriften ſcheinen ungefährlich zu ſein. Der Kaimakam hat ſomit einen ſchweren Mißgriff begangen. Die Konſuln der Entente-Mächte in Uesküb haben beim Vali interveniert und eine ſtrenge geſetzliche Unterſuchung ſowie die Freilaſſung der Verhafteten verlangt. Der Generalinſpektor iſt eifrigſt bemüht, im Armeelieferungsweſen eine Sanierung her - beizuführen und das die Finanzen ſchädigende bisherige Monopol der großen Lieferanten aufzu - heben. Zu dieſem Zwecke werden kleinere Liefer - anten herangezogen. Auf die Weiſe ſind bis jetzt gegen das Vorjahr ungefähr 7000 Pfund erſpart worden.

Der Chef einer großen griechiſchen Bande, die bei Bojitſch gefangengenommen wurde, ver - langte, nach Salonichi gebracht zu werden, um gewiſſe Enthüllungen zu machen, was jedoch abgelehnt wurde. Alle Gefangenen werden nach Salonichi gebracht, wo ſie vor Gericht ge - ſtellt werden. Das griechiſche Generalkonſulat be - hauptet, daß 39 Bandenmitglieder griechiſche Untertanen ſeien; von türkiſcher Seite wird deren Staatsangehörigkeit nicht anerkannt und die Aſſi - ſtenz des griechiſchen Konſulates beim Prozeß wird nicht geſtattet.

Der Krieg in Ostasien.

Die Uebergabe von Port Arthur iſt geſtern abgeſchloſſen worden. Im Ganzen ſind es 878 Offiziere und Beamte, ſowie 23.491 Mann, die von der Uebergabe betroffen ſind. Die Angabe Stöſſels in dem Briefe an den General Nogi, daß ſich in den Forts nur mehr 8000 Mann, davon 6000 kampffähige, befinden, hat ſich alſo offenbar nur auf die Forts ſelbſt bezogen; denn die noch übrige Garniſon betrug, wie geſagt, 23.491 Mann und 878 Offiziere. Es muß alſo auch die urſprüngliche Beſatzung weit über 35.000 Mann, gegen 50.000 betragen haben. Wie es heißt, hat die Bahnverwaltung in Sango den Befehl erhalten, ſich für den Transport von 20.000 Ruſſen von Simonoſeki nach Kure ein - zurichten. Wahrſcheinlich werden die Gefangenen in der Nähe von Kure untergebracht werden. Von den 878 ruſſiſchen Offizieren der Beſatzung von Port Arthur gaben 441 ihr Ehrenwort, nicht mehr an dem Kriege gegen Japan teilzunehmen. Sie erhielten deshalb gemäß den Kapitulations - Bedingungen die Erlaubnis, in ihre Heimatzurückzukehren. Die Generale Fock, Smirnow und Gorbatowsky ſowie Admiral Willmann haben es vorgezogen, nach Japan in Gefangenſchaft zu gehen.

Feuer in Port Arthur.

Das Reuterſche Bureau meldet aus Nogis Hauptquartier vom 5. d. M.: In Port Arthur brach am erſten Tage nach der Uebergabe an zwei Stellen Feuer aus. General Stöſſel bat deshalb das japaniſche Hauptquartier um Entſchuldigung und erklärte, daß die Frei - willigen, die nach dem Ausmarſche der Garniſon in der Stadt zurückgeblieben ſeien, nicht ausreichten, um die Sicherheit aufrecht zu erhalten. Er bat weiters, daß die japaniſchen Truppen ſofort einrücken mögen.

Stöſſels Unterredung mit Nogi.

Das Reuterſche Bureau meldet aus Port Arthur über Fuſan: Bei der Zuſammenkunft der Generale Stöſſel und Nogi ſagte Stöſſel, die wahre Urſache des Krieges ſei die ruſſiſche Unkenntnis der ja - paniſchen ſoldatiſchen Eigenſchaften. Er habe kapituliert, da er nur noch wenige Tage und unter großen Opfern den Platz hätte halten können. Das Eintreffen der japaniſchen zwölf - zölligen Geſchütze ſei der Wendepunkt der Be - lagerung geweſen. General Stöſſel war erſtaunt, von der Niederlage Kuropatkins zu hören. Er ſagte, es ſei unnütz, daß die Baltiſche Flotte die Fahrt fortſetze.

Port Arthur japaniſche Flottenſtation.

Das Reuterſche Bureau meldet aus Tokio von geſtern: Die Japaner be - abſichtigen, aus Port Arthur eine bedeutende Flottenſtation zu machen. Nach der Abfahrt der ruſſiſchen Gefangenen werde nur eine kleine Gar - niſon in Port Arthur bleiben. Die Flotte iſt eifrig mit dem Aufſuchen von Minen beſchäftigt; gleichwohl wird die Schiffahrt noch lange unſicher ſein. Die Zufahrt iſt nur für Regierungsſchiffe offen. Dalny wird demnächſt dem neutralen Handel geöffnet werden.

Verfolgung ruſſiſcher Schiffe.

Das Reuterſche Bureau meldet aus Tokio von geſtern: Admiral Kataoka berichtet, ein Kreuzer ſowie ein Zerſtörer und ein Torpedoboot ſeien den nach Tſchifu, ein anderer Kreuzer, ein Kanonenboot und eine Anzahl Zerſtörer, den nach Kiantſchau geflüchteten ruſſiſchen Schiffen gefolgt.

Am Schaho.

General Kuropatkin telegraphiert: In der Nacht auf den 7. d. M. wollten uns die Japaner in der Front unſeres Zentrums überrumpeln; ſie wurden jedoch von unſeren Wachpoſten rechtzeitig bemerkt und mit Geſchütz - und Gewehrfeuer empfangen, worauf ſie ſich zurückgezogen.

Das baltiſche Geſchwader.

New-York Herald hält ſeine Meldung, daß dem Flaggſchiff des Admirals Roſchdeſtwensky ein ſchwerer Unfall zugeſtoßen ſei, wenn auch in anderer Form, vollkommen aufrecht. Die Nachricht von einem ſchweren Schiffsunfall entſpreche voll - ſtändig den Tatſachen. Nur iſt nicht feſtgeſtellt, ob das havarierte Schiff der Panzer Suwarow oder der Orel ſei. Auch war keine genauere Nachricht zu erlangen, ob das von dem Unfall betroffene Schiff ſofort unterging oder ob es ge - lang, dasſelbe nach einem Hafen zu ſchleppen.

Echo de Paris berichtet aus Petersburg, es ſei unrichtig, daß der Miniſterrat den Beſchluß gefaßt habe, das baltiſche Geſchwader zurückzuberufen. Der Miniſterrat habe lediglich beſchloſſen, daß das Geſchwader Roſchdjeſt - wenskys längere Zeit die Fahrt zu unterbrechen habe und in Madagaskar verbleiben ſolle. Die Rückkehr hätte erſt in jenem Zeitpunkte zu erfolgen, in welchem die Unmöglich - keit, eine Verſtärkung durch ein drittes Geſchwader zu bewirken, zur Gewißheit geworden ſein werde. Alle Anſtrengungen Rußlands werden auf die Landmacht konzentriert werden.

Nach den Beſchlüſſen des Miniſterrates ſoll Kuropatkin unverzüglich den beſtimmten Befehl erhalten, ſofort ohne Rückſicht auf etwaige Be - denken zur Offenſive überzugehen, da der Ernſt der Situationen einen entſcheidenden Sieg dringend erheiſche. Sollte ein großer Waffenerfolg in der nächſten Zeit nicht zu erlangen ſein, ſo wären im Innern furchtbare Umwälzun - gen unermeidlich geworden.

Die Huller-Affäre.

Der ruſſiſche Admiral Dubaſſow überbringt der Huller Kommiſſion in Paris umfangreiches Material, woraus hervorgehen ſoll, daß japaniſche Kundſchafter erfolgreich bemüht waren, däniſche Piloten zu gewinnen, um mehrere Schiffe derBaltiſchen Flotte in den däniſchen Gewäſſern zum Scheitern zu bringen.

Friedensbewegung in Rußland.

Meldungen hieſiger Mon - tagsblätter zufolge hat ſich nach der Kapitulation von Port Arthur eine Gruppe hervorragender Ruſſen zur Aufgabe gemacht, zur Beendigung des Krieges eine lebhafte Propaganda ins Werk zu ſetzen und dadurch die ruſſiſche Regierung zum baldigen Frieden zu bewegen. Man iſt in dieſen Kreiſen überzeugt, daß Port Arthur ebenſo wie ſeinerzeit Sebaſtopol auf diplomatiſchem Wege zurückgewonnen werden könne. Dagegen wird der Verluſt der Mandſchurei vom ruſſiſchen Volke mit aufrichtiger Freude begrüßt.

Neue ruſſiſche Kriegsflotte.

Wie der Petersburger Korreſpondent der Schleſiſchen Zeitung meldet, iſt auf Befehl des Zaren für die Schöpfung einer neuen ruſſiſchen Kriegsflotte vorläufig die Summe von faſt 500 Millionen Rubel freigemacht worden und es ſeien bereits große Beſtellungen in Deutſch - land, Frankreich und Italien vollzogen worden. Für die Bauperiode von 1905 bis 1907 veranſchlagt die Admiralität einen Koſtenaufwand von rund 400 Millionen.

Beſetzung der Inſel Quelpart durch die Japaner.

Der amerikaniſche Geſandte in Soeul wurde von der koreaniſchen Regierung benachrichtigt, daß die Japaner auf der Inſel Quelpart (ſüdlich der Halb - inſel Korea, vom Feſtland durch die Tſchuſimeſtraße getrennt) eine Streitmacht landeten, welche daſelbſt Befeſtigungen errichtete.

Japaniſche Anleihe.

(Reuter-Meldung.) Es ver - lautet, daß demnächſt eine vierte innere Anleihe in der Höhe von 100 Millionen Yen unter den gleichen Bedingungen, wie die dritte Anleihe zur Aufnahme gelangen ſolle.

Die Abwehraktion der Wiener Katholiken. Kundgebungen des Tiroler Bauernbundes.

Veranſtaltet vom Tiroler Bauernbund fanden am Samstag und geſtern Sonntags überaus zahlreich beſuchte Bauernverſammlungen in Stein - haus, Mühlwald und Sand im Bezirke Taufers ſtatt, denen u. a. auch die Abgeordneten Schraffl, Dr. Schöpfer und Winkler bei - wohnten. In allen dieſen Verſammlungen fand eine Reſolution einſtimmige Annahme, in welcher dagegen Stellung genommen wird, daß die Preß - freiheit in Oeſterreich durch die unanſtändige Journaliſtik zur Preßfrechheit ausgeſtaltet wor - den; ja ſelbſt das Allerheiligſte ſei den vergifteten Pfeilen und dem Hohn und Spotte gewiſſer anonymer Preßbanditen ausgeſetzt. Es ſei des - halb hohe Zeit, daß alles, was auf Ehre und Anſtand etwas hält, ſich zu einem flammenden Proteſte gegen die Auswüchſe der Preſſe ver - einigt. Das chriſtliche Wien iſt uns in einem feurigen Gefechte gegen die Preßinfamien, die ſelbſt vor dem Allerheiligſten nicht Halt machen, vorangegangen. Wir folgen dem - ſelben, empört über die unerhörten Beleidigungen Gottes, die ungeſtraft die Preſſe verlaſſen konnten, und fordern Regierung und Abgeordnete auf, ſchnellſtens dafür zu ſorgen, daß ſolche Auswüchſe verſchwinden, daß das religiöſe Empfinden des katholiſchen Oeſterreichs reſpektiert, daß ſolche un - erhörte Skandale für alle Zukunft unmöglich ge - macht werden. Das Beſte, was der Katholik beſitzt, iſt ſein religiöſes Empfinden, iſt ſeine Ehre. Daß der Katholik von Anders - denkenden ſtraflos beſchimpft, verleumdet, in den Kot gezerrt werden kann, daß er der unanſtändigen Preſſe gegenüber vogelfrei iſt, muß ein Ende nehmen, wenn nicht der Staat mit der Ehre ſeiner Bürger begraben werden ſoll.

Der katholiſche Geſellenverein in Eggenburg ſchließt ſich in einer heute uns zu - gekommenen telegraphiſchen Kundgebung der Ab - wehrbewegung voll und ganz an.

Regierungsrat Dr. Geßmann über die Reform der Mittelſchule.

Im Gemeindehauſe von Favoriten hielt geſtern der Katholiſche Volksbildungsverein ſeinen dritten Vortragsabend ab. Der Saal war dicht gefüllt und an Honoratioren konnte Generalpräfekt Ernſt Maria Baukhage begrüßen: Mſgr. Eiſterer, Stadtrat Riſſa - weg, Bezirksvorſteher Hruza, deſſen Stellvertreter Wippel, kaiſerl. Rat Dobner, Oberpoſtverwalter Pfeifer, mehrere Bezirksräte, Bürgerſchuldirektor Frankl u. ſ. w.

77 Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1905

Nach einigen beifällig aufgenommenen muſikali - ſchen Vorträgen hielt Reichsrats-Abgeordneter Alois Prinz von und zu Liechtenſtein einen Vortrag über franzöſiſche Geſchichte des ancien regime unter Ludwig XIII. und XIV. Er gab eine Schilderung des Lebens am Hofe und in den Schlöſſern des Feudaladels. Ueberall Luxus und Verſchwendung und ſteigende Verſchuldung. Der Adel konnte zum großen Teile nicht lange Schritt halten.

Am Hofe von Verſailles gab es indeſſen genug reichdotierte Würden und Aemter. Verſailles mit ſeinem Troß von zehntauſend Bedienſteten und ſeiner Umgebung von Luſtſchlöſſern, von denen manche faſt ebenſo viel Geld an Baukoſten verſchlangen, wie das berühmte Verſailles, war das Capria des franzöſi - ſchen Adels. Die wachſende Verſchuldung des Adels und des Königtums zeitigten dann den wachſenden Einfluß des Kapitalismus, der durch den Ankauf von überſchuldeten Marquiſaten auch noch die Nobili - tierung erhielt. Aus dieſen Kreiſen ſtammt eine der intereſſanteſten Figuren der damaligen Zeit, die Pompadour, welche der Ergeiz trieb, ihre glänzende legitime mit der bekannten noch glänzenderen illegi - timen Stellung an der Seite des Königs zu ver - tauſchen, um als Bindeglied zwiſchen Thron und Geldſack den denkbar größten Einfluß auszuüben. Mit einem kurzen Ueberblick auf das in dieſem Zeit - alter vorbereitete ſoziale Erdbeben vom Jahre 1789 ſchluß der Redner ſeinen Vortrag.

Regierungsrat Dr. Alb. Geßmann, der zweite Redner, hatte ein außerordentlich intereſſantes Thema gewählt, das er mit fachmänniſcher Meiſterſchaft be - handelte. Er ſprach über das Mittelſchulſtudium und die darauf gegründete Berufswahl in ihren ſozialen Folgen und begann mit der hiſtoriſchen Entwicklung des Schulweſens: Bei jedem, kulturell auch noch ſo tief ſtehendem Volke zeigte ſich das all - gemeine Streben nach Wiſſenſchaft, das in auto - didaktiſchen Verſuchen ſeinen Ausdruck findet. Die zweite Phaſe der Entwicklung, ſozuſagen die patriarcha - liſche, iſt das Lernen des Kindes von den Eltern. Und dann erfolgt auf der Stufenleiter der Kultur die Tätigkeit der höheren Intelligenz es ſei an die Schulen der Philoſophen in Athen und anderen griechiſchen Städten erinnert die vorbereitend wirkte, auf die allgemeine Erkenntnis, daß es Pflicht der Allgemeinheit ſei, den Unterricht zu erteilen. Wir ſtehen in dieſem Stadium und je höher ein Staat ziviliſiert iſt, deſto mehr wird der Lernzwang ſich geltend machen.

Man forderte von jedem Staatsangehörigen ein Minimum von Kenntnis, das größere Tätigkeit auf wirtſchaftlichem Gebiete brachte und der Kern für die Entwicklung des Städteweſens im Mittelalter war. Schließlich entſtanden dann die höheren Schulen, welche der Staat zu errichten und zu er - halten hat; leider iſt gerade hierin Oeſterreich noch immer nicht ſeinen Pflichten nachgekommen.

Der Zweck der Mittelſchulen iſt die Ver - mittlung einer allgemeinen Bildung, um jedes ſchwierige Fachſtudium dem Abſolventen zu eröffnen, und nur dies, denn die Mittelſchule iſt durchaus nicht die Fachbildung ſelbſt. Sie ſoll keine abſchließende Einrichtung ſein, ſondern zu einem höheren Studium vermitteln. Und es iſt nicht zu leugnen, daß die Mittel - ſchule für die Schaſſung der nötigen Elaſtizität des Geiſtes ſorgt. Gegenwärtig hält man an der Trennung in Gymnaſien und Realſchulen feſt; es frägt ſich jedoch, ob dieſe Zweiteilung für die Dauer aufrecht erhalten werden ſoll. Redner be - zeichnet die ſcharfe Scheidung als einen Nachteil. Eine Reformbewegung hatte bekanntlich den Zutritt der Realſchulabſolventen an die Univerſität erreicht. Von weit höherem Intereſſe ſind jedoch notwendige Reform im Lehrplan der Mittelſchule: Der Gymnaſiaſt wird mit den modernen Sprachen nicht vertraut, und das iſt ein ſchwerer Schaden bei der Verkehrsſteigerung und der ſteigenden Inter - nationalität des Verkehres; ein Mann in einer höheren Staatsſtellung muß unbedingt neben ſeiner Mutterſprache eine andere moderne Sprache beherrſchen. Noch ſchmerzlicher wird der Mangel einer Erziehung für das praktiſche Leben empfunden, und der Umſtand hat die Wirkung gezeitigt, daß man immer mehr die Handelsakademiker bevorzugt. An den Realſchulen fehlt es hingegen im ſprachlichen Unter - richte, ſodaß das Ideal in einer Vereinigung beider Anſtalten zu erblicken iſt, in einer noch beſſeren Art von Mittelſchulen wie die Realgymnaſien höherer Ordnung in Deutſchland, an denen auch Latein gelehrt wird. Unſere Realgymnaſien bedeuten einen verfehlten Verſuch, die Lehr - planfrage zu löſen, denn von der dritten Klaſſe an beginnt die Teilung, ſo daß die Berufswahl nur um zwei Jahre hinausgeſchoben wird. Iſt nun das Streben nach einer Vermehrung der Mittelſchulen berechtigt? So viel iſt ſicher: je mehr gelernt wird, deſto beſſer für die Allgemeinheit und die einzelnen Individuen. Vom ſozialen Standpunkte aus erhalten wir in Oeſterreich aber eine andere Antwort: Wir müſſen den Strom der Bildungs - bedürftigen wo anders hinlenken, nicht dorthin, wo er jetzt mündet. Denn faſt jeder Mittelſchulabſolvent, faſt jeder glaubt heute ſeine Exiſtenz unbedingt in einem öffentlichen Amte ſuchen zu müſſen. Dadurch entſteht nur eine Ueberproduktion auf der einen Seite, während der Zuſchuß an Intelligenz, welcher den praktiſchen Berufs - zweigen der Induſtrie zugeführt werden muß, unter - bunden wird. Es ſei nur erwähnt, daß ſich für die proviſoriſchen Diurniſtenpoſten beim Bierinſpektorat, Stellen ohne Avancement, ſo viele Mittelſchulabſol - venten bewarben, als Stellen waren ... Anders in Deutſchland. Dort finden ſich in den Bureaus der Induſtrien genug Abiturienten von Mittelſchulen,und es iſt wohl damit auch der große Aufſchwung des Nachbaarſtaates auf wirtſchaftlichem Gebiete in Zuſammenhang zu bringen.

Es iſt alſo unbedingt nötig, daß wir höhere Schulen erhalten, die in praktiſche Berufe hinüberleiten, um Induſtrie, Handel und Ge - werbe und auch die Landwirtſchaft zu heben. Darüber müſſen die Eltern aufgeklärt werden, die Söhne müſſen zu dieſer Erkenntnis gelangen, dann werden die ſozialen Folgen der heutigen Art der Berufs - wahl der Mittelſchulabſolventen wohl gelindert werden.

Nach dieſem Vortrage, der von ſichtlichem großem Intereſſe der Anweſenden begleitet war, ſchloß nach den Dankesworten des Vorſitzenden mit muſikaliſchen Vorträgen der Abend.

Letzte Nachrichten.

Die italieuiſche Hochſchulfrage.

Die Ab - geordneten Baron Malfatti und Dr. Rizzi haben, wie gemeldet, geſtern mit dem Miniſter - präſidenten Baron Gautſch über welſchtiroliſche und küſtenländiſche Angelegenheiten und namentlich über die Univerſitätsfrage konferiert. Beide Abgeordnete verlangten die Verlegung der Fakultät nach Trieſt und verwahrten ſich gegen die Wahl Trients. Eine Gefährdung der Fakultät in Trieſt durch die Slaven fürchten die Italiener nicht. Was den tiroliſchen Landtag angehe, ſo werden die Ausſichten für ſeine Arbeitsfähigkeit für nicht günſtig gehalten.

Zentralviehmarkt St. Marx.

Schlachtviehmarkt. Zu Markte geſtellt waren heute: 2689 Stück ungariſches, 272 Stück galiziſches, Stück Bukowinger und 510 Stück deutſches, zu - ſammen 3471 Stück Schlachtvieh, worunter ſich 2785 Stück Maſtvieh, Stück Weidevieh und 686 Stück Beinlvieh befanden.

Es notierten: Ungariſche Maſtochſen von Kr. 58. bis Kr. 74. , Prima bis Kr. 80, Hochprima Kr. 82. bis Kr. 84. , galiziſche von 66. bis 76. , Prima bis 84. , ausnahmsweiſe bis . ; deutſche Maſtochſen von Kr. 64. bis 82. , Prima bis 90. , Hoch - prima von 91. bis 92. , extrem . , untergeordnete Maſtqualitäten von 50. bis 56. ; Weideochſen von . bis . , Stiere von 58. bis 74. , ausnahmsweiſe 76. bis 79. , Kühe von K. . bis . , Büffel von Kr., 42. bis 50. . Alles per Meterzentner Lebendgewicht exkluſive Verzehrungs - ſteuer.

Kurſe an der Wiener Börſe (nach dem amtlichen Kursblatte) vom 9. Jänner 1905.

Die notierten Kurſe verſtehen ſich in Kronenwährung. Die Notierung ſämtlicher Aktien und der Diverſen Loſe verſteht ſich per Stück. In den Rubriken A F werden die auf K, ö. W. oder Silber lautenden Effekten für 100 K = 50 fl., die auf K. -M. oder Goldgulden lautendenfür 50 fl. des betreffenden Nominales, die auf Mark, Franks, Lire oder Liv. Sterl. lautenden für 100 Mark, Francs, Lire oder 5 Liv. Sterl. notiert. Die ausnahmsweiſe per Stück gehandelten Effekten dieſer Rubriken ſind beſonders bezeichnet.

Umrechnungsſätze für Zinſen 1 fl. ö. W. oder Silber = 2 K, 1 fl K. -M. = 2 K 10 h, 1 Gold - gulden = 2 K 40 h, 1 Mark = 1 K 18 h, 1 Francs oder 1 Lira = 96 h, 1 Liv. Sterl. = 24 K.

GeldWare
A. Allgemeine Staats - ſchuld.
Mai-Rente p. K. .. 4%100.20100.40
Februar-Rente p. K. 4·2%100.40100.60
Silber-Rente Jänner-Juli p. K. ....... 4%100.20100.40
Silber-Rente April-Oktober p. K. ...... 4·2%100.40100.60
1860er Staatsloſe 500 fl.157.50158.50
1860er Staatsloſe 100 fl.186. 188.70
1864er Staatsloſe 100 fl.276. 278.50
1864er Staatsloſe 50 fl.274 50278.50
Dom. -Pfandbr. à 120 fl.293. 294.
B. Staatsſchuld der im Reichsrate vertretenen Königreiche u. Länder.
Öſt. Goldrente, ſtfr., 100 fl. per Kaſſa ..... 4%119.60119.80
dto. Rente in Kronenwähr. ſtfr., per Kaſſa ... 4%100.35100.55
dto. dto. per Ultimo. 4%100.35100.55
Öſterr. Inveſtitions-Rente ſtfr. per Kaſſa .. 3½%91.6091.80
Eiſenbahn-Staatsſchuld - verſchreibungen.
Eliſabethb. in G., ſtfr. zu 10.000 fl. ..... 4%118.60119.60
Franz Joſef-Bahn i. Silber (div. St.) .... 5¼%127.30128.30
Karl Ludwigbahn .. 4%99.85100.85
Rudolfbahn in Kronenwhr. ſtfr. (div. St.) ... 4%99.80100.80
Vorarlberger Bahn i. Krwh. ſtfr., 400 K .... 4%99.80100.80
Zu Staatsſchuldverſchrei - bungen abgeſtempelte Eiſenbahn-Aktien.
Eliſabethbahn, 200 fl. KM., 4¾% von 400 K ....507. 510.
dto. Linz-Budweis 200 fl. ö. W. Silber .. 5¼%462.50464.50
dto. Salzburg-Tirol 200 fl. ö. W. Silber ... 5%443. 445.
Vom Staate zur Zahlung übernommene Eiſenbahn - Prioritäts-Obligationen.
Böhm. Weſtbahn, Em. 1895 400 K ...... 4%100.25101.25
GeldWare
Eliſabethbahn 600 u. 3000 Mark .... 4 ab 10%116.20117.10
Eliſabethb. 400 u. 2000 Mk.118.65119.65
Franz Joſef-B., Em. 1884 (div St.) Slb ... 4%100.05101.05
Galiziſche Karl Ludwig-B. (div. St.) Slb. .. 4%100.10101.10
Vorarlberger B., Em. 1884 (div. St) Slb. .. 4%100. 100 90
C. Staatsſchuld der Länder der ungariſchen Krone.
4% ung. Goldrente p. K.118.75118.95
4% dto. Rente in Kronen - währung, ſtfr., per Kaſſa98.3598 55
dto. dto. per Kaſſa 3½%89.4089.60
3% Prämien-Anl. à 100 fl.209. 212.
dto. à 50 fl ........207.75209.75
Theiß-Regul. -Loſe .. 4%162.60164.60
Ung. Grundentl. -Oblig. 4%97.9098.90
kroat. u. ſlavon. dto. 4%98.50.
D. Andere öffentliche Anleihen.
Donau-Reg. -Anl. 1878 5%106.75107.50
Wiener Verkehrs-Anleihe.99.75100.75
Anlehen der Stadt u. Han - delskammer Trieſt. 4%99.65100.65
Anlehen der Stadt Wien103.90104.90
dto. dto. (Silber od Gold)122.75123.75
dto. dto. (1894) .....98. 99.
dto dto. (1898) .....99.85100.85
Börſebau-Anleihe Em. 190299.20100.20
Bulgar. Staats-Eiſ. -Hyp. - Anl. 1889 ..... 6%112.30113.30
Bulgar. Staats-Hyp. -Anl. 1892 ....... 6%112.70113.70
E. Pfandbriefe ꝛc.
Bodenkredit-Anſt. allg. öſt. innerh. 50 J. verl. 4%99.60100.60
Böhm. Hyp. -Bank .. 5%104. 104.80
N. -öſt. L. -Hyp.-Anſt .. 4%100. 101.
Ob. -öſt. L. -Hyp - Anſt. 4%100.25101.20
Oſt. -ung. Bank, innerhalb 50 Jahren verlosb. ö. W.100.40101.40
dto. innerhalb 50 Jahren verlosbar, K .... 4%100.80101.80
Sparkaſſa erſte öſterr. inh. 60 Jahren verlosbar 101. .
Steierm. Sparkaſſa .. 4%99.80100.80
GeldWare
F. Eiſenbahn-Priori - täts-Obligationen.
Bozen-Meraner-Bahn. 4%99.50100.50
Buſchtehrader Bahn .. 4%100.15101.15
Dux-Bodenbacher Bahn, I. Emiſſion, 1809 ... 5%109. .
Ferdinands-Nordbahn, Em. 1886 (div. Str.) .. 4%100.80101.80
Öſterr. Nordweſtbahn. 5%107.90108.90
dto. lit. B. ..... 5%107. 108.
Staatsbahn per Stück 3%425.50.
dto. X. Em. 1885 p. St.416. 420.
dto. Ergänzungsnetz p. St.421.25.
Südbahn Jänner-Juli per Stück ....... 3%307.69309.60
dto. April-Oktober .. 3%307.50309.50
Südnorddeutſche Verbin - dungsbahn ..... 4%100 101.
Ung. -galiz. Bahnen .. 5%110. 111.
Unterkrainer Bahn (diverſe Stücke) ...... 4%99.50100.
Valſugana Eiſenbahn-Geſ. 200 K ...... 4%99.10.
Wien-Aſpang Eiſenbahn 200 Silber ... 4%99.60100.60
Wiener Lokalbahnen-Aktien - Geſellſchaft, 400 K. 4%97. 98.
Wien-Pottend. -Wr-Neuſt. Bahn, 200 Silber. 5%106.60107.50
Ybbstalbahn 200 fl. und 1000 fl. ö. W. ... 4%98.5099.50
Lloyd, öſterr., Em. 1901, 2000 K. 2100 Francs, 1700 Mark Gold .. 4%96.1097.10
G. Diverſe Loſe.
(Per Stück.)
Bodenkr. -Loſe Em. 1880 3%305. 315.
Em. 1889 3%298. 318.
Donau-Regulier. -Loſe. 5%275. 280.
Serbiſche Prämien-Anleihe à 100 Franes ... 2%97. 102.
Dombau, Budapeſter ...20.8021 80
Kredit-Loſe 100 fl. ...473. 483.
Clary-Loſe 40 fl. ....164. 168.
Innsbrucker Stadt-Anlehen78. 82.
Krakauer Lotterie-Anlehen89. 93.
Laibacher Prämien-Anlehen67. 71 50
Ofner Loſe 40 fl. ö. W..168. 174.
Palffy-Loſe 40 fl. K. -M ..175. 181.
GeldWare
Roten Kreuz, öſterreichiſche Geſellſchaft v. 10 fl. ö. W.53.5055.50
Roten Kreuz, ungar. 5 fl.29. 30.
Rudolfſtiftung 10 fl. ö. W.65 69.
Salm-Loſe 40 fl. K. -M.222. 224.
Salzburger Prämien-Anl. 20 fl. ö. W. .......
Türk. Eiſenb. -Anl., Präm. - Obl. à 400 Francs p. K.. .
Wiener Kommunal-Loſe v. Jahre 1874 100 fl. ö. W.522. 532.
Gew. -Sch. der 3% Präm. - Schuldv. d. Bodenkredit - Anſtalt, Emiſſion 1889104. 112.
Aktien.
H. Transport-Unter - nehmungen.
Auſſig-Tepl. Eiſenb. 500 fl.22502262
Böhmiſche Nordbahn 150 fl.339. 343.
Buſchtehrader Eiſenbahn,28652885
dto. lit. B. per Ultimo10621066
Donau-Dampfſchiffahrt-Geſ.893. 896.50
Dux-Bodenb. Eiſenb. 400 K502. 506.
Ferdinands-Nordbahn ...55305540
Lemb. -Czern.-Jaſſy-Eiſen - bahn-Geſ., 200 fl. S..582. 584.50
Lloyd, öſterr., Trieſt ...710. 714.
Oſterr. Nordweſtbahn ...417.50419.50
dto. lit. B. per Ultimo411. 413.
Prag-Duxer Eiſenbahn ..214.50215.
Staatseiſenb - Geſ. p. Ult.649.50650.50
Südbahn-Geſellſch. p. Ult.87.7588.75
Südnorddeutſche Verbdgsb.409. 409.50
Tramway-Geſ., neue Wr., Prioritäts-Aktien ....15.5016.50
Ung. -galiz. Eiſenbahn, erſte408. 410.
Ung. Weſtbahn (Raab-Graz)410. 413.
Wiener Lokalb. -Aktien-Geſ.115. .
K. Banken.
Anglo-öſterreichiſche Bank.294. 295.
Bankverein Wiener p. Ult.559.75561.75
Bodenkredit-Anſt., allg. öſt.980. 984.
Kredit-Anſtalt für Handel und Gewerbe per Kaſſa. .
dto. per Ultimo .....678. 679.
Kredit-Bank, ungar. allg.796.50798.50
Depoſitenbank, allgemeine450.25451.25
Eskompte-Geſ., nied. -öſterr.〈…〉〈…〉50. 551.
GeldWare
Giro - und Kaſſenverein, Wiener ........440. 444.
Hypothekenbank, öſterr ..288. 295
Länderbank, öſterreichiſche450.25451.25
Oſterreichiſch-ungar. Bank16311639
Unionbank ........556 50257.50
Verkehrsbank, allgemeine.361. 363.
L. Induſtrie-Unter - nehmungen.
Bau-Geſellſchaft, allg. öſt.164. 168.
Egydyer Eiſen - und Stahl - Induſtrie-Geſellſchaft.198. 202.
Eiſenbahnw. -Leihgeſ, erſte177 178.50
Elbemühl, Papierf. u. V. -G.134. 142.
Elektr. -Geſ., allg. öſterr ..486. 486 50
Lieſinger Brauerei ....308. 210.
Montan-Geſ., öſterr. -alpin.515.50516.50
Prager Eiſeninduſtrie-Geſ24662476
Salgo-Tarj. Steink. -Bgb.595. 600.
Trifailer Kohlenwerks-Geſ.303 305.50
Türk. Tabakregie-Geſellſch. per Kaſſa ........ .
dto. dto. per Ultimo ...330. 334.
Waff enfabriks-Geſ., öſterr.533. 536.
Waggon Leih-Geſellſchaft. allgem. in Peſt .....640. 643.
Wiener Bangeſellſchaft ..161. 165.
Wienerberger Ziegel - und Baugeſellſchaft .....866. 869.
M. Deviſen.
Amſterdam .......198.90199.10
Deutſche Bankplätze ....117.50117.70
London .........239.95240.15
Italieniſche Bankplätze ..95.5095.70
Paris ..........95.5095.65
Schweizer Plätze .....95.2095.35
N. Valuten.
Kaiſerliche Münzdukaten.11.3411.37
Kaiſerliche Randdukaten ..11.3211.36
Zwanzig-Francs-Stücke.19.1019.12
Zwanzig-Mark-Stücke ...23.5023.58
Sovereigns .......23.9023.95
Deutſche Reichsbanknoten für 100 R. -Mk. ......117.50117.70
Ital. Banknoten f. 100 Lire95 4095.60
Rubelnoten .......2.542.55
〈…〉〈…〉
8Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1905 7
〈…〉〈…〉

Herausgeber Dr. F. Funder Wien. Verantwortlicher Redakteur Franz Winter, Wien. Druck von Ambr. Opitz Nachfolger, Wien.

97 Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1905

Streiflichter.

Miſſionäre als Kuppler und Engel - macher.

Die Pariſer Action , das Blatt eines apoſtaſierten Geiſtlichen, welches nur von Schund und Sudelberichten lebt, brachte unlängſt einen Artikel gegen den Kindheit Jeſu-Verein, der zum Teil unter obigem Titel durch einen großen Teil der kirchenfeindlichen Preſſe Oeſterreichs und Deutſchlands, natürlich auch in die wahrheitsliebende Arbeiter-Zeitung , überging. Da heißt es: Die Jeſuiten und andere Miſſionäre beſitzen und ver - walten Bordelle in China, eine Verleumdung von unerhörter Gemeinheit! Als Beweis dafür, daß die Miſſionäre auch Engelmacher ſeien, werden angeblich Texte aus den Annales de la Sainte Enfance angeführt. Der erſte Text ſoll lauten: Und nun beſuchen Sie noch das Haus der Unbefleckten Empfängnis in Peking. Sehen Sie dieſe beſcheidene Eintrittspforte. Sie iſt in dieſem Jahr für eine große Zahl kleiner Brüder und Schweſtern die Pforte des Himmels geweſen. Ich irre mich nicht: 873 Kinder ſind uns, jedes gegen eine Summe von 0·45 Franken, an dieſer Pforte übergeben worden, und von dieſer Zahl ſind 843 geſtorben, nachdem ſie durch das heilige Waſſer der Taufe wiedergeboren worden waren. (« Annales de la Ste. Enfance XXI. 258 »). Ferner: Unſere Aſyle ſind überfüllt und wenn nicht eine ſo große Zahl zum Himmel empor - ſtiege, um anderen kleinen Schützlingen Platz zu machen, wären wir ſchon lange außer Stande dieſe aufzunehmen (ohne Angabe des Ortes). Weiter: Sicherlich ich bete, daß dieſe lieben kleinen Seelen uns ſobald als möglich verlaſſen, und in den Himmel eingehen. Aber ſchließlich, wenn ſie nicht ſterben wollen, muß man ſie er - nähren und erziehen. (Ohne Angabe des Ortes. Nur die Wiener Arbeiter-Zeitung nennt für die beiden letzten Stellen die Seiten 238 und 252). Die Geſchichte iſt alt und ſtammt urſprünglich unſeres Wiſſens von der Frkf. Ztg. . Den Blät - tern antwortete am 22. Juni 1901 bereits die Köln. Volkszeitung (Nr. 561), daß die zitierten Texte an den angegebenen Orten des Jahrganges 1897, wo die Zitatenreihe der Frankf. Ztg. beginnt, und auch in den nachfolgenden Jahr - gängen bis 1900 ſich nicht finden. Wohl aber wimmeln die Annales von Beſtätigungen für das überaus wohltätige Wirken der Miſſionäre und des Kindheit Jeſu-Vereines in allen Miſſions - ländern. Was die ſozialdemokratiſche Preſſe weiter über die angeblichen Kupplergeſchäfte der Miſſionäre bringt, iſt zu gemein, als daß wir darauf auch nur ein Wort antworten müßten.

Wo bleibt das Los von Rom der Sozi?

Die Schulgeſetze Niederöſterreichs ſind ſanktio - niert mit nur unweſentlichen Aenderungen, wie Dr. Geßmann ſelbſt erklärte und wie es die meiſten liberalen Blätter beſtätigen. Aber die Sozi ſind bis jetzt nicht los von Rom gegangen. Wenig - ſtens haben wir von einem Maſſenaustritte der Sozi nichts gehört. Und obwohl die Winarski und Schuhmeier auch nach der Sanktion mit dem Los von Rom einigen Theaterdonner machten, iſt nichts geſchehen. Scheint auch nichts zu ge - ſchehen; denn die Arbeiter-Zeitung und ihr Ableger, die N. Fr. Lehrerſtimme ihres Redakteurs Täubler, tun, als ob die Aenderung der Schulgeſetze die Sachlage gänzlich geändert hätte, als ob jetzt gar kein Grund mehr wäre, weiter in Proteſten und Los von Rom zu machen. Und doch finden wir heute im Organ der deutſchradikalen Lehrerſchaft, in der Freien deutſchen Schule , zuerſt den Beweis, daß eigent - lich nichts Weſentliches geändert worden ſei, und dann folgenden Angriff auf die Sozialdemo - kratie und ihre Organe:

Es war alſo durchaus unrichtig und mußte nur auf die Maſſen verwirrend wirken, als z. B. die Arbeiter-Zeitung verkündete, der Wunſch der Geſamtregierung nach Aenderung der klerikalen Geſetze ſei als Niederlage und Bloßſtellung des Unterrichtsminiſters Dr. v. Hartel und des mit ihm verbandelten Dr. Geßmann zu betrachten. Mit dieſen Aenderungen, die, wie man auch bei den Sozialdemokraten ganz gut wußte, das Weſen des klerikalen Geſetzes unbe - rührt ließen, durfte der Widerſtand gegen dieſes Geſetz nicht eingeſtellt werden. Das iſt aber ge - ſchehen und das Loſungswort hiezu ging gerade von dem himmelſtürmenden Radikalismus der revolutionären Sozialdemokratie aus, die vor der Notwendigkeit geſtanden wäre, ihrerDrohung mit Los von Rom die Tat folgen zu laſſen, um die Sanktion des Geſetzes zu verhindern. Die Anmeldung von einigen Tauſend Austritten aus der römiſchen Kirche hätten genügt, die maß - gebenden Kreiſe von der Sanktion des klerikalen Schulgeſetzes abzuhalten. (?) Aber dieſe Kreiſe kannten die korrupte Führerſchaft der internationalen Sozialdemokratie und ſie wußten daher, daß ſich die roten Führer mit einem Scheinerfolge begnügen werden, der ihnen einen ehrenvollen Rückzug aus einem Kampfe ermöglichen ſollte, den ſie nicht bis zu dem von ihnen angedrohten Aeußerſten führen wollten. Daß dieſer Rückzug nicht ehrenvoll iſt, braucht nicht geſagt zu werden. Wenn Rom in ſeinem zielbewußten Kampf um die Schule ſolchen Gegnern gegenüberſteht, dann iſt ihm der endliche Sieg ſicher. Wir hatten von allem Anfang an dieſe Drohung der Sozi: Los von Rom als lächerliche Farce bezeichnet, vor der höchſtens einige altersſchwache Angſtmeier ſich erſchrecken könnten, denn die Sozialdemokratie allein hätte großen Schaden davon. Darum waren die kor - rupten Führer auch froh, daß die paar Abände - rungen beſchloſſen wurden! Sie hatten einen Weg zum ehren - , d. h. ſchmachvollen Rückzug.

Die Abwehraktion der Wiener Katholiken.

Proteſt-Verſammlungen.

Anſchließend an die vielen Proteſtverſamm - lungen der Katholiken Wiens veranſtaltete auch die Schulvereins-Pfarrgruppe St. Paulus in Döbling am Sonntag den 8. Jänner in den Sälen Zum braunen Hirſchen eine Verſammlung, um Proteſt einzulegen gegen die empörenden An - griffe der Gottesfeinde.

Der Obmann der Pfarrgruppe Hochwürden Kratochwill konnte eine große Anzahl Er - ſchienener, darunter den Gemeinderat Drößler und die Bezirksräte Voith und Müller, be - grüßen und nach Erledigung des geſchäftlichen Teiles der gleichzeitig ſtattfindenden Jahres - verſammlung dem Gemeinderate Drößler, der für den leider verhinderten Prinzen Liechtenſtein er - ſchienen war, das Wort erteilen.

Redner beſpricht die Lage der Katholiken zur Zeit der liberalen Herrſchaft, in welcher man es auch wagen wollte, das Kruzifix aus den Schulen zu entfernen. Doch auch jetzt, da die Katholiken zum Teile erwacht ſeien, können es verſchiedene Elemente wagen, unſere Prieſter, unſeren Glauben, ſelbſt unſer Heiligſtes zu beſudeln, weil ſie den Schutz der Regierung genoſſen und noch genießen. Denn nur ſo habe ein alldeutſches Blättchen die Frechheit haben können, das Allerheiligſte in der infamſten Weiſe herabzuſetzen. Die Regierung ſelbſt hätte da eingreifen müſſen, doch ſie habe nichts getan. Eine ſolche Regierung ſei nicht fähig, das Staats - ruder zu führen, daher weinen die Katholiken dieſer Regierung keine Träne nach. Der neuen Regierung müſſe man ſagen, was ſie zu tun hat. An uns liege es nun, unſere Pflicht voll und ganz zu tun, dann werde auch die Regierung ge - nötigt ſein, ihre Pflicht den Katholiken gegenüber zu erfüllen. Er fordert ſchließlich die Anweſenden auf, eine im Sinne dieſer Ausführungen gehaltene Re - ſolution anzunehmen, die auch einſtimmig zum Beſchluß erhoben wurde.

Hierauf ſprach Bürgerſchullehrer Meier in ſehr exakter und ausführlicher Weiſe über das Verhältnis der Deutſchen zum Papſttum. Gerade unſere Zeit entnehme die Waffen gegen die Kirche der nationalen Rüſtkammer. Er zeigt an der Hand der Geſchichte, daß das Papſttum nicht nur nicht feindlich, ſondern ſehr freundlich den Deutſchen gegenüberſtand, die in nationaler und kultureller Beziehung faſt alles dem Papſttum verdanken.

Nachdem Hochw. Karl Oberhammer äußerſt Intereſſantes aus den Miſſionen in Japan, Korea, China und der Mandſchurei mitgeteilt hatte, ergriff als letzter Redner Kanonikus Ritter v. Negri das Wort. Die Proteſtverſammlungen ſeien gut, ſehr gut. Die Regierung müßte wohl erfahren, daß das katholiſche Volk ſich erhebe. Es ſei komiſch, wenn der neue Juſtizminiſter zum kirchlichen Vorgeſ[e]tzten kommt, um zu fragen, was das katholiſche Volk wünſche. Er müſſe doch wiſſen, was den Katholiken gebührt. Es müſſe nun endlich der verwaſchene Katholizismus fallen und es ſei dieſe Beleidigung des Aller - heiligſten vielleicht ein Glück im Unglück, weil dadurch die Schlafenden geweckt werden. Rednerfordert ſchließlich auf, die heute in der Volkshalle des Rathauſes ſtattfindende große Prote ſtver - ſammlung zu beſuchen, um durch imponierende Teilnahme die tiefe Erregung des katholiſchen Volkes Wiens kundzutun.

Vom Chriſtlichen Jugendbund Habsburg in Brünn kommt uns folgende Kundgebung zu: Verehrliche Redaktion der Reichspoſt ! Als verdienſtvolle Veranlaſſerin der Proteſtbewegung bitten wir Sie, nachſtehende, in der geſtrigen Monatsverſammlung des Chriſt - lichen Jugendbundes Habsburg gefaßte Ent - ſchließung zu veröffentlichen: Die am Sonntag den 7. d. tagende Monatsverſammlung des Chriſt - lichen Jugendbundes Habsburg gibt ihrer Ent - rüſtung über das freche Attentat des alldeutſchen Sudelblattes gegen ein Dogma der katholiſchen Kirche Ausdruck und bedauert dieſe nur in dem katholiſchen Rechtsſtaate Oeſterreich mögliche, un - geahndet gebliebene Verhöhnung der heiligſten Ge - fühle der chriſtlichen Bevölkerung. R. Hemale, B. Kaukal.

Eine ähnliche Kundgebung kommt uns aus Schleſien zu von den Bielitzer Katholiken, ge - zeichnet vom chriſtlich-ſozialen politiſchen Verein Bielitz, der politiſchen Bezirksorganiſation von Bielitz, dem katholiſchen Geſellen-Kirchenbauverein, dem katholiſchen Pfarrgemeinden-Komitee Bielitz und den Katholikenvereinen Bielitz und Biſtrai. Die gefertigten Vereine umfaſſen dreitauſend Mitglieder.

Verſammlung des kath. Jünglingsvereines Maria-Hilf .

Zu einer impoſanten und nichts deſtoweniger würdigen Proteſtkundgebung geſtaltete ſich die vom obgenannten Vereine einberufene Ver - ſammlung. Der Beſuch war ein derartiger, daß in dem großen Saale alle Erſchienenen nicht Platz nehmen konnten. Unter den Anweſenden bemerkte man: Reichsratsabgeordneten Julius Axmann, Hoch - würden Herrn Profeſſor Hlawathy, P. Auguſtin O. S. B. vom Schottenſtifte u. v. a. Nach Eröffnung durch den Vorſtand Herrn Franz Babak und Aufführung eines Teiles vom Oratorium Der zwölfjährige Jeſus ergriff als erſter Redner Hochw. k. k. Prof. Hlawathy das Wort, um in formvollendeter Weiſe die Beleidigungen und Beſchimpfungen der katholiſchen Kirche zurückzuweiſen und gab dem Wunſche Aus - druck, daß ſich hauptſächlich die katholiſche Jugend feſt und innig an ihre Vereine anſchließen möge und geſtärkt durch die daſelbſt gegebenen Lehren, den Kampf gegen die Religion ſiegreich beſtehen möge. Als zweiter Redner erſchien unter lautem Beifall Reichsrats-Abgeordneter Axmann am Rednerpulte, um als Volksvertreter über die letzten Vorgänge zu ſprechen. In gewohnter trefflicher Weiſe ſchilderte er die Gegner des Glaubens, ſtellte Vergleiche an, wie einſtige große Geiſtesheroen und andersglänbige Staatsminiſter die katholiſche Religion achteten und ſchätzten und illuſtrierte die heutigen Gottesläſterer, welche zur politiſchen Null hinabgeſunken ſind und welch lächerliche Charaktere ſie vorſtellen. Redner ſchloß mit einem Appell an die Jugend, ſich dieſer Kundgebung anzuſchließen, um zu zeigen, daß die katholiſche Bevölkerung in der Majorität iſt und ſich energiſch zu wehren verſteht. Die Ausführungen wurden mit lauten Beifallsrufen aufgenommen. Zum Schluſſe wurde folgende Reſolution einſtimmig angenommen: Die am 8. Jänner 1905 tagende Vollverſammlung der Mitglieder des katholiſchen Jünglingsvereines Maria Hilf , Wien, VII. Weſtbahnſtraße 40, ſieht in dem Schmähartikel eines Wiener Sudelblättchens gegen das Allerheiligſte Altarsſakrament eine ſchwere Beleidigung des ganzen katholi - ſchen Volkes und ſpricht ihren tiefen Unwillen über die ſchändlichen Gottesläſterungen und Verun - glimpfungen aus, denen alles, was Katholiken heilig und teuer iſt, in einem Teile der öſterreichiſchen Preſſe bedauerlicher Weiſe ausgeſetzt erſcheint. Die Verſammlung begrüßt mit Freude die Abwehraktion gegen dieſe gottesläſterlichen Aeußerungen, ſowie der kraſſen Majeſtätsbeleidigungen und erwartet von allen Berufenen, daß Sie gegen dieſe Beleidigung der katholiſchen und patriotiſchen Bevölkerung zu der kräftigſten Abhilfe ſchreiten werden, um dem ſchwer - gekränkten Rechtsgefühle des katholiſchen Volkes Genugtuung zu verſchaffen und für die Zukunft folchen unerträglichen Zuſtänden ein Ende zu machen. Die Verſammlung ſchließt ſich auch den diesbezüg - lichen allgemeinen Proteſtkundgebungen voll und ganz an.

Der katholiſche Jünglingsverein in Wien (Stammverein) hielt Sonntag den 8. d. M. eine ſehr gut beſuchte Verſammlung ab, in welcher Vorſtand Joſef Graſecker, hinweiſend auf die entſetzliche Blasphemie in der atheiſtiſchen Preſſe, die ſich die Katholiken nicht bieten laſſen können, in energiſcheſter Weiſe Stellung nahm. Redner brachte eine Proteſt-Reſolution zur Verleſung, welche mit rauſchendem Beifall angenommen wurde. Präfekt P. Georg Freund entwickelte in klaren Worten die katholiſche Lehre über das Altarsſakrament. Das allererſte und notwendigſte auf katholiſcher Seite ſei der Unterricht in religiöſen Wahrheiten. Es herrſche10Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1905 7eine weitgehende religiöſe Unkenntnis. Alſo Auf - klärung! Praktiſches Chriſtentum! ...... Am 15. d. M. findet um 7 Uhr früh in der Kirche des k. k. Waiſenhauſes eine gemeinſame Sühn-Kom - munion ſtatt.

Zuſtimmungskundgebungen.

Der Abwehrausſchuß erhält täglich eine große Anzahl von Zuſtimmungskundgebungen. Aus Salz - burg ſchrieb der katholiſch-politiſche Volksverein für das Herzogtum Salzburg, er begrüße mit Freuden das energiſche und zielbewußte Auftreten des Abwehr - komitees und der chriſtlichen Vereine Wiens gegen - über den von Tag zu Tag ſich mehrenden Angriffen auf die heiligſten Güter unſeres katholiſchen Glaubens und ſchloß ſich den Proteſtkundgebungen vollinhaltlich an. Ebenſo ſtimmten dem Abwehrausſchuß folgende Vereine Salzburgs zu: der Rupertusverein, die Michaelsbruderſchaft, der katholiſche Univerſitätsverein, das Diözeſanpräſidium der katholiſchen Arbeiter - vereine, der katholiſche Geſellenverein, der katholiſche Meiſterverein, der Jünglingsverein, das Apoſtolat der chriſtlichen Töchter und der katholiſche Bücher - verein.

Aus Vorarlberg kam eine entſchiedene Kund - gebung des über 3000 Mitglieder zählenden chriſtlich-ſozialen Volksvereines für das Land Vorarlberg. Der Verein ſchließt ſich be - geiſtert der Wiener Aktion an, die geeignet er - ſcheint, die Katholiken ganz Oeſterreichs auf - zurütteln. An der Spitze dieſer Volkskundgebung ſtand Abgeordneter Franz Loſer. Der Chriſtliche Verein für Bregenz und Umgebung hielt am 4. Jänner eine glänzend beſuchte Proteſtverſammlung ab. In derſelben wurde einſtimmig folgende Reſolution an - genommen: Gleich vielen Millionen katholiſch ge - ſinnter Oeſterreicher erkennt der Chriſtlich-ſoziale Verein für Bregenz in der aus Rückſichten angeb - licher Klugheit beobachteten Schonung des kirchen - feindlichen und ſtaatszerſetzenden Radikalismus ſeitens der ſtaatlichen Faktoren die höchſte Gefahr für den Beſtand des Herrſcherhauſes, des Staates und für die Aufrechthaltung der öffentlichen Ordnung. Die Verſammlung erwartet, daß endlich der von der rollenden Reichsmark unterſtützten alldeutſchen Be - wegung, welche ſich ſtändig gegen die Grundfeſten des Thrones und Altars richtet, mit allen geſetzlich erlaubten Mitteln energiſch Einhalt geboten wird, und verlangt ebenſo energiſch, daß die von alldeutſcher Seite begangenen Verbrechen der Religionsſtörung dem Strafgeſetze entſprechend geahndet werden. Die Verſammlung iſt überzeugt, daß das ganze katho - liſche Volk aus dem Schlafe erwachen und gegen ſeine offenen und verkappten Feinde öffentlich Stellung nehmen muß.

Aus Steiermark ſchloß ſich dem Abwehr - ausſchuß der katholiſche Frauenverein, wie der 23.000 Mitglieder zählende Anbetungs - und Paramentenverein der Diözeſe Seckau an.

Aus Niederöſterreich kamen Zuſtimmungs - kundgebungen von den 900 organiſierten Katholiken Tullns und zwar vom katholiſchen Geſellenverein, vom Katholiſchen Schulverein, vom Roſenkranzverein und vom Wählerverein. Der Verein der Immer - währenden Anbetung des Altarsſakramentes in Kagran ſchloß ſich der Aktion an; ebenſo von der Wiener Pfarre St. Joſef im 5. Bezirke der Kirchen - muſikverein und der Katholiſche Schulverein. Dieſelbe Entſchließung faßte der katholiſche Arbeiterverein im 5. Bezirke, der chriſtlich-ſoziale Wählerverein im 10. Bezirke, das katholiſch-politiſche Kaſino Land - ſtraße, die Patronage Kaiſermühlen, der katholiſche Jünglingsverein in Kaiſermühlen, der Mariazeller - verein bei St. Rupertus und die katholiſche Lands - mannſchaft Nordgau.

In Wien fanden am Drei Königsfeſte vor - mittags zwei feierliche Sühn kommunionen ſtatt: Der Herz Jeſu Sodalität und die marianiſche Kongregation der ſtädtiſchen Lehrer. Nachmittags fanden zwei glänzend beſuchte Proteſtverſammlungen ſtatt.

Im 10. Bezirke im Feſtſaale des Gemeinde - hauſes fand eine maſſenhaft beſuchte Verſammlung des Kirchenbauvereines v. d. hl. Apoſteln ſtatt. Nach Eröffnung durch Hochw. P. Hauſer ſprach Lehrer Bösbauer unter großem Beifalle über die katholiſche Gegenaktion.

Beim Abwehrausſchuß (Kanzlei der katholiſchen Vereine, 1. Bezirk, Bäckerſtraße 14) ſind noch Zu - ſtimmungskundgebungen eingelangt: Von der Orts - gruppe Wiener-Neuſtadt des chriſtlichen Wiener Frauenbundes, von der Landesabteilung Graz des Werkes des hl. Philipp Neri; der Stadtpfarrklerus von Salzburg-Nontal ſtimmt aus ganzen Herzen der Abwehraktion der Wiener Katholiken zu. In dieſem heiligen Kampfe gab es keinen Unterſchied zwiſchen katholiſchem Klerus und Volk in Wien wie der Provinz. Dieſer große Kreuzzug gegen die Feinde des euchariſtiſchen Heilandes und ſeiner katholiſchen[K]irche ſolle nicht nur mutig und großartig anfangen, ſondern er werde und müſſe auch mit der glänzenden Eroberung des modernen ariſch-ſemitiſchen Babel des Unglaubens enden. (Z. N. B.) Schließlich ſei[n]och zahlreicher Kundgebungen gedacht, die von ver - ſchiedenen katholiſchen Vereinen einlaufen. So hat geſtern u. a. der Katholiſche Volksbildungs - verein einer Proteſtreſolution ſtürmiſchen Beifall gezollt.

Ein Volksgericht.

Aus dem Pieſtingtale wird uns ge - ſchrieben: Sämtliche zehn Pfarrgemeinden des Pieſtingtales haben ſich vereinigt und folgenden Proteſt an den Kardinal-Fürſterzbiſchof Dr. Gruſcha nach Wien geſendet: Eure Eminenz! Hochwürdigſter Herr Kardinal-Fürſterzbiſchof! Der Proteſt, den Eure Eminenz in Erfüllung Ihrer oberhirtlichen Pflicht gegen die unerhörte Be - ſchimpfung des Allerheiligſten Altarsſakramentes durch ein in Wien erſcheinendes Blatt erhoben haben, hat in den Herzen der unterzeichneten Männer den lebhafteſten Widerhall gefunden. Wir ſprechen Eurer Eminenz für die ebenſo kräftige als würdevolle Zurückweiſung des entſetzlichen Attentates auf das heiligſte Geheimnis unſeres Glaubens den ehrfurchtsvollſten Dank aus. Auch wir proteſtieren laut und feierlich gegen die boden - los gemeine Herabwürdigung deſſen, was uns gläubigen Katholiken ohne Unterſchied der Partei - ſtellung das Heiligſte im Himmel und auf Erden iſt, für deſſen Ehre wir jederzeit mit Gut und Blut einzuſtehen bereit ſind. Wir bekennen hiemit öffentlich, daß im Allerheiligſten Sakramente des Altares Jeſus Chriſtus, unſer Herr und Gott, unſer Erlöſer und ewiger Richter wahr - haft zugegen iſt. An dieſem Bekenntniſſe wollen und werden wir unerſchütterlich feſthalten im Leben und Sterben, ſo wahr Gott uns helfe und ſein heiliges Evangelium. Wir bekennen öffentlich, daß dem Allerheiligſten Sakramente kraft göttlichen Rechtes alle Ehre und Anbetung gebührt und ſind entſchloſſen, dem ewigen Gott im Geheimniſſe der Liebe überall und allezeit den ſchuldigen Tribut unſerer Ehrfurcht zu leiſten. Zum Ausdrucke dieſer Geſinnung rufen wir mit freudiger Begeiſterung: Hochgelobt und gebenedeit ſei das Allerheiligſte Sakrament des Altars .

Elfhundert Männer aus allen Parteien und Volkskreiſen haben die Kundgebung unterſchrieben. Neben erklärten chriſt - lich-ſozialen Parteigängern finden wir unter den Unterzeichneten auch Deutſchnationale und Sozaldemokraten. Beamte, Aerzte, Lehrer, Offiziere, Arbeiter, Bauern, Geſchäftsleute kurz alle Stände ſind vertreten. Nur äußerſt wenig Männer und von dieſen faſt alle nur infolge eines Mißverſtändniſſes haben die Unterſchriften verweigert; in den meiſten Gemein - den hat ſich überhaupt niemand gefunden, der die Unterſchrift verweigert hätte, ſo daß die Kund - gebung ein wahres Volksgericht über die Gemein - heiten des Alldeutſchen Tagblattes , ausgegangen von volljährigen Männern bedeutet. Wir gratulieren den wackern Männern des Pieſting - tales zu ihrem Mut und ihrer Bekenntnistreue und rufen ihnen ein lautes Bravo zu.

Theater, Kunſt und Muſik.

Hofburgtheater.

Die dramaturgiſche Viviſektion des Don Carlos iſt heute nicht berichtreif. Im Augenblick ſcheint es noch eine Ungeheuerlichkeit, ein Panoptikumwitz, inmitten eines Aktes, inmitten einer Geſte faſt, ein klaſſi - ſches Drama für achtundvierzig Stunden zu unter - brechen und es erſt wieder aufzunehmen, wenn die vom Dichter mit allem Aufwand künſtleriſcher Kultur herangepflegte Spannung am fieberhafteſten nach Entwirrung ſtrebt. Vorläufig haben wir alſo nur zu melden, daß dieſer direktoriale Akrobatentrick im Namen der deutſchen Dichter und ihrer kunſtgeſetzgeberiſchen Miſſion mit Ernſt und Nachdruck verworfen werden muß. Die dekorativen Herrlichkeiten entſchuldigen den Frevel nicht, ebenſowenig als ſie die ſchauſpieleriſche Dekadenz unſerer Hofbühne bemänteln könnten. Herr Joſef Kainz, deſſen Abgang von Berlin kein Wiener verſchmerzen ſollte, gab ein phyſiognomiſch und pſychologiſch gleich an - widerndes Zerrbild des Don Carlos. Nichts ließ die von einem Tornado unſeliger Empfindungen umwirbelte Heldenſeele ahnen, auf die ein Poſa zählen konnte. Wir ſahen nur einen plärrenden, neuraſtheniſchen Kontoriſten, dem es mit der doppelten Buchhaltung nicht gelingen will und der in dem Philipp des Herrn Sonnenthal einen gichtiſchen, ſchlaffen, nicht ganz zurechnungs - fähigen Greis, keinesfalls den reichſten und in der getauften Welt, zum Chef hat. Herrn Reimers ſchöne Poſadeklamation ließ den genialen Intri - ganten nicht ahnen, der uns noch bevorſtehen ſoll. Frau Hohenfels als Königin dagegen war ſo herrlich, ſo klar und ſchön, daß man ſielieber als Philipps Opfer, denn als dieſes uns ſo fürcherlichen Knaben Don Karl Beglückerin ſah.

R. E. P

Kaiſerjubiläums-Stadttheater.

Die angekündigt geweſene Nachmittagsvorſtellung von Blondelfchen am Mittwoch den 11. d. entfällt wegen der Vorbereitungen zum Kobold und wird das Geld für die bereits gelöſten Billets an den Kaſſen zurückerſtattet.

Deutſches Volkstheater.

Fräulein Lucie Lißl wird am 1. September d. J. in den Verband des Deutſchen Volkstheaters treten. Auf die wiederholte Bitte der Dame hat die Theater - kommiſſion des großherzoglichen Hof - und Nationaltheaters in Mannheim die Löſung des Vertrages bewilligt.

Carl-Theater.

Die Textbücher (deutſch) zu den Stücken, welche gelegentlich des Duſe - Gaſtſpieles zur Aufführung gelangen, ſind an den Tageskaſſen des Theaters erhältlich.

Jautſch-Theater.

Die Ausſtattungs - Novität Die Entdeckung Amerikas (Chriſtoph Columbus) wird Donnerstag den 12. d. zum 25. Male (unter perſönlicher Leitung des Kom - poniſten Emil Korolanyi) aufgeführt.

Theater in der Joſefſtadt.

Dienstag iſt die Erſtaufführung des Pariſer Schwank - novität Main passe von Georges Feydeau, die unter dem Titel Von Hand zu Hand in der Uebertragung von Benno Jacobſon zum erſtenmale in deutſcher Sprache gegeben wird. Die Hauptrollen dieſer Novität werden von den Damen Wagen, Jurberg, Palme, Gariner und den Herren Maran, Claar, Nerz, Straßny, Jarno, Guttmann, Lechner, Pallenberg und Mahr dar - geſtellt.

Preisausſchreibung.

Von der nächſten Saiſon ab werden für jede Spielzeit drei Preiſe für Werke ausgeſchrieben, die am Deutſchen Volkstheater große literariſche Erfolge erringen. An der Spitze der Preisjury wird Regierungsrat Dr. Gloſſy ſtehen. Die übrigen Mitglieder der Jury ſind noch nicht ernannt, doch wird der Vereinsausſchuß des Deutſchen Volkstheaters in der Jury entſprechend vertreten ſein.

Antonia Dolores

iſt in London er - krankt und mußte ihr für Samstag, den 7. d., anberaumtes Konzert auf Mittwoch, den 11. d., verſchieben. Die Karten ſind in Gutmanns Hof - muſikalienhandlung umzutauſchen. Das von der Künſtlerin in London aufgegebene Telegramm gelangte infolge Verſtümmelung der Adreſſe ver - ſpätet in die Hände der Konzertdirektion.

Konzertverein.

Für das am 18. d. unter Mitwirkung der Konzertſängerin Tilly Koenen, des Klaviervirtuoſen Ernſt v. Dohnanyi und des Wiener Männergeſangsvereines ſtatt - findende Penſionsfondskonzert waren ſämtliche Sitze bereits vom erſten Tage der Kartenausgabe an die Vereinsmitglieder vergriffen. Um der zahl - reichen Nachfrage nach Karten zu genügen, wird nun eine öffentliche Generalprobe Dienstag, den 17. d. M., nachmittags veranſtaltet. Karten im Bureau Kehlendorfer.

Aus dem Gerichtsſaale.

Die Mörderin Klein

hat an eine ihr naheſtehende Perſönlichkeit ein Schreiben gerichtet, in welchem ſie u. a. ſagt: Heute war der hoch - würdige P. Fuchs bei mir und teilte mir mit, daß ich am 9. d. M. das Glaubensbekenntnis ablegen werde und dann beichten und kommuni - zieren darf. O, wie glücklich werde ich dann ſein. Im Beichtſtuhl kann ich endlich mein Herz ohne Hehl ausſchütten und die Wahrheit frank und frei herausſagen. Ich habe eine innige Bitte an Sie. Es iſt faſt ein Vermächtnis. Unter meinen Photographien befindet ſich ein Bild, das mich im Lawn-tennis-Koſtüm darſtellt. Weiße Seiden - blouſe mit roter Kravatte, weiße Schoß mit rotem Gürtel, die Hände halten von rückwärts den Hut. Das Bild ſtammt von jener Zeit, wo ich bald meiner Tochter das Leben gab. Dieſes Bild ſowie meinen Brillantring und den Doppelgulden bitte, wenn es möglich ſein wird, an ſich zu nehmen und dieſe Gegenſtände meinem Töchterlein zu übergeben. Ich bitte Sie dringend, er - füllen Sie dieſe meine Bitte. Es ſchnürt mir das Herz zuſammen, wenn ich an mein Kind denke; ich darf es nie wiederſehen und muß ſterben, ohne es noch einmal an mein Herz ge - drückt zu haben. Wenn das Kind einſt größer ſein wird, dann werden die Menſchen zu ihm ſagen: Deine Mutter hat gemordet aus Liebe zu einem Mann und iſt dann gehängt worden .... Ich117 Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1905warte die Zeit kaum ab, daß ich beichte, dann habe ich auf der Welt nichts mehr zu ſuchen. Mit Gott bin ich verſöhnt, von den Menſchen hoffe und erwarte ich kein Erbarmen. Die ..... ſind Männer und ein Mann kann ſich unmöglich in die verzweifelte Lage eines geplagten, zum Aeußerſten getriebenen Frauenherzens hineinleben. Die Liebe, die allmächtige, alles mit ſich reißende Liebe wird von keinem Geſetz gekannt. Und mich hat der Haß und die Liebe ins Verderben ge - ſtürzt. Die Theaterſpielerei, die die Mörderin bisher an den Tag gelegt hat, läßt die Reumütig - keit, die aus dem Schreiben ſpricht, ſehr in Zweifel erſcheinen.

Vereinsnachrichten.

§ Allgemeiner öſterreichiſcher Apotheker - verein.

Dienstag den 10. Jänner, um 7 Uhr abends findet im Hörſaale der pharmazeutiſchen Schule, Wien, 9. Bezirk, Spitalgaſſe 31 eine Vereins - verſammlung ſtatt, wobei Ph. Mr. Prof. Dr. Adolf Kwisda: über die induſtrielle Verwertung des Luftſtickſtoffes ſprechen wird. Dann folgt Vereins - geſchäftliches und nach der Verſammlung eine geſellige Zuſammenkunft in der Gaſtwirtſchaft zum ſilbernen Brunnen , 9. Bezirk, Berggaſſe 5. Gäſte aus Kollegenkreiſen willkommen.

§ Katholiſcher Schulverein.

Am Samstag den 14. Jänner findet in M. Dangls Saal, 17. Be - zirk, Hernalſergürtel 11, eine Monatsverſammlung ſtatt. Es ſpricht Reichsratsabgeordnet er Julius Axmann. Daran ſchließen Konzertſtücke, eine Poſſe und deklamatoriſche Vorträge. Beginn ½8 Uhr abends. Eintritt 50 Heller, an der Kaſſa 70 Heller. Um 12 Uhr wird getanzt.

§ Zum Nibelungen-Denkmal.

Der Nibe - lungen-Denkmal - und Volksſchauſpielverein, der ſich bekanntlich die Errichtung eines Rüdiger-Denkmals und die Veranſtaltung von alljährlichen Volksſchau - ſpielen aus der Nibelungenſage auf dem hiſtoriſchen Boden von Pöchlarn zum Ziele ſetzt, hielt kürzlich eine Vollverſammlung ab, in der unter Würdigung der vorgebrachten Gründe einſtimmig beſchloſſen wurde, die Ausführung des Denkmals, das infolge ſeiner Großartigkeit auf den Fremdenbeſuch der herr - lichen Wachau einen gewiß nicht zu unterſchätzenden Einfluß ausüben wird, dem Bildhauer Wilhelm Seib in Wien zu übertragen. Dieſer hat bereits ein Modell des Denkmals, welches die Höhe von 22 Metern er - reichen wird, fertiggeſtellt.

Verloſungen.

Loſe der Stadt Salzburg.

Bei der vorgeſtern in Salzburg vorgenommenen Ziehung fiel der Haupt - treffer mit 40.000 Kronen auf Nr. 6088, der zweite Treffer mit 4000 Kronen auf Nr. 83595, der dritte Treffer mit 2000 Kronen auf Nr. 80356. Je 1000 Kronen gewannen Nr. 26373 und 73786.

Dreiperzentige Bodenkreditloſe

II. Emiſſion vom Jahre 1889. Bei der geſtrigen Prämienziehungfiel der Haupttreffer mit 100.000 Kronen auf Serie 1359 Nr. 11, der zweite Treffer mit 4000 Kronen auf Serie 4913 Nr. 28. Je 2000 Kronen gewannen: Serie 3194 Nr. 19 und Serie 7283 Nr. 23. Je 400 Kronen gewannen: S. 749 Nr. 29, S. 3101 Nr. 45, S. 3218 Nr. 23, S. 3978 Nr. 17, S. 4384 Nr. 17, S. 4520 Nr. 12, S. 6556 Nr. 35, S. 6970 Nr. 32, S. 7324 Nr. 3 und S. 7553 Nr. 10. In der folgenden Tilgungsziehung wurden die Serien: 536 614 954 1377 1457 3378 4298 5564 5940 und 7033 gezogen, welche je die Nummern 1 bis 50 ent - halten und mit dem Nominalbetrage von je 200 Kronen eingelöſt werden.

Volkswirtſchaftlicher Teil.

Stand der ſchwebenden Staatsſchuld.

Die Staatsſchulden-Kontrollkommiſſion veröffent - licht den Ausweis über den Stand der ſchweben - den Staatsſchuld bis Ende Dezember 1904. Die Staatsnotenſchuld ſetzt ſich folgendermaßen zu - ſammen: Noten zu fünf Gulden 2·204 Millionen Kronen, Noten zu fünfzig Gulden 0·537 Milli - onen Kronen, daher beziffert ſich der geſamte Staatsnotenbetrag auf 2·741 Millionen Kronen. Dieſer Staatsnotenbetrag iſt noch auf gemein - ſame Koſten der beiden Staatsgebiete einzulöſen. Der Umlauf der Salinenſcheine ſtellt ſich nach den von dem Poſtſparkaſſenamt in Wien ge - führten und überprüften Vormerkungen folgender - maßen dar: a) unverzinsliche 3500 Kronen; b) zu 3½% verzinsliche ſechsmonatliche vom Jahre 1894 600 Kronen; c) zu 3½% verzins - liche ſechsmonatliche vom Jahre 1902 84,907.700 Kronen; d) zu 3% verzinsliche dreimonatliche vom Jahre 1902 4,690.500 Kronen, zuſammen 89,602.300 Kronen. Der Maximalumlauf der Salinenſcheine beträgt daher 89·6 Millionen Kronen, von welchem Betrage Partial-Hypo - thekaranweiſungen per 55.695 Kronen aus dem Titel der Verjährung als getilgt abgeſchrieben ſind.

Der Handel mit Montenegro.

Firmen, die mit Montenegro Geſchäftsverbindungen unter - halten, empfangen im kommerziellen Bureau des k. k. öſterreichiſchen Handelsmuſeums, 9. Bezirk, Berggaſſe 16, eine vertrauliche Mitteilung.

Wieder eine Fuſion.

Seit einiger Zeit wurden zwiſchen den Großaktionären der Aktien - geſellſchaft der k. k. priv. hydrauliſchen Kalk - und Portland-Zementfabrik zu Perlmoos und der Aktiengeſellſchaft der Kaltenleutgebener Kalk - und Zementfabrik Fuſionsverhandlungen geführt, die nunmehr zum Abſchluß gelangt ſind. Hiernach ſoll die Aktiengeſellſchaft der Kaltenleutgebener Kalk - und Zementfabrik in die Perlmooſer Aktien - geſellſchaft gegen Erhalt von 15.125 Perlmooſer Aktien aufzugehen. Es werden alſo auf 4 Kalten - leutgebener Aktien 5 Perlmooſer Aktien entfallen. Die Vereinigung ſoll rückwirkend vom 1. Jänner dieſes Jahres in Kraft treten; die Bilanzergebniſſe des Vorjahres werden dagegen noch wie bisher behandelt werden. Die Verwaltungen beider Geſellſchaften werden in nächſter Zeit außerordent - liche Generalverſammlungen einberufen, welchen die endgültige Beſchlußfaſſung über dieſe Anträge vorbehalten ſein wird.

Finanzielles Jahrbuch 1905 des Anker .

Mit der am 2. Jänner 1905 ausge - gebenen Nummer des Anker iſt das Finanzielle Jahrbuch 1905 erſchienen. Dieſes für jeden Effektenbeſitzer wichtige Nachſchlagewerk enthält auf ſeinen 164 Seiten außer der Zuſammen - ſtellung der Reſtantenliſten, in denen alle bis 31. Dezember 1904 gezogenen und noch nicht eingelöſten Effekten enthalten ſind, auch den Ver - loſungskalender der in - und ausländiſchen Titres für 1905 in größter Vollſtändigkeit. Der Effekten - beſitzer findet außerdem alle auf die Verzinſung, die Amortiſation, die Gewinnſteuerabzüge und die Pupilarſicherheit bezüglichen Geſetze, die Ver - jährung für Coupons und verloſte Titres, ein Verzeichnis der zur Widmung von Militär - und Honved-Heiratskautionen geeigneten Papiere, eine Dividendentabelle, den Prämientarif für die Ver - ficherung gegen Verloſungsverluſt und eine Reihe anderer Zuſammenſtellungen, die von großer Wichtigkeit ſind. Das Jahrbuch bildet eine Gratis - beilage für Anker - Abonnenten. Abonnements - preis ganzjährig für Wien und die Provinz 5 Kronen. Einzelne Exemplare des Jahrbuches ſind um 2 Kronen erhältlich in der Adminiſtration des Anker : Wien, 1. Bezirk, Stephansplatz 11.

Portonachnahme bei Geldbriefen.

Die Zahlung des Portos kann bei Geldbriefen nach den beſtehenden Vorſchriften bekanntlich nur dann durch den Empfänger erfolgen, wenn der Brief verſchloſſen aufgegeben wird, für offen aufge - gebene Geldſendungen muß das Porto durch den Abſender erlegt werden. Die Wiener Handels - und Gewerbekammer hat nun in einer Eingabe an das Handelsminiſterium darauf hingewieſen, daß in der Beförderung eines offen aufgegebenen Geldbriefes keine Mehrleiſtung ſeitens der Poſt liege und auch die Haftung der Poſtverwaltung in beiden Fällen die gleiche ſei, weshalb auch eine gleichartige Behandlung beider Fälle hin - ſichtlich der Portozahlung angemeſſen erſcheine. Die Kammer ſchlug deshalb vor, die Bezahlung des Portos durch den Empfänger auch für den Fall zuläſſig zu erklären, als der Geldbrief offen aufgegeben wurde.

Lottoziehungen am 7. Jänner.

Linz 10 44 78 22 65

Trieſt 56 35 10 63 70

4 (Nachdruck verboten.)

Sherlock Holmes Abenteuer. Der Marinevertrag.

Ein Diebſtahl! ſtieß ich keuchend heraus. Aus dem Miniſterium des Aeußeren iſt ein Schriftſtück von unermeßlichem Wert entwendet worden. Iſt hier irgend jemand vorbei - gekommen?

Ich ſtehe ſeit einer Viertelſtunde hier , ent - gegnete er; während dieſer Zeit iſt nur eine Perſon hier vorübergegangen ein großes, ſchon bejahrtes Frauenzimmer mit einem Um - ſchlagetuch.

Ach, das iſt gewiß nur meine Frau ge - weſen, meinte der Türhüter, ſonſt haben Sie niemand geſehen?

Keinen Menſchen.

Dann muß der Dieb nach der andern Seite entkommen ſein, rief der Mann, mich am Aermel faſſend.

Doch ich gab mich nicht ſo leicht zufrieden, und je mehr er verſuchte, mich mit ſich fortzuziehen, umſo argwöhniſcher wurde ich.

Welche Richtung hat die Frau eingeſchlagen? fragte ich.

Das weiß ich nicht, antwortete der Poliziſt. Ich ſah ſie vorbeigehen, hatte aber keinen be - ſonderen Grund, ihr nachzuſpüren. Sie ſchien es ſehr eilig zu haben.

Wie lange iſt es her?

Höchſtens ein paar Minuten.

Wie viele denn etwa fünf?

Sicherlich nicht mehr.

Sie verlieren nur unnütz Ihre Zeit, Herr Phelps, rief der Türhüter. Meine Alte hat nichtsmit der Sache zu tun, verlaſſen Sie ſich darauf. Sie iſt nach unſerer Wohnung gegangen, wo Sie ſie finden werden.

Wo wohnen Sie? fragte ich.

In Brixton, Epheugaſſe Nr. 16; aber, folgen Sie nicht der falſchen Fährte, Herr Phelps; Sie verlieren nur unnütz Zeit.

Wir kehrten nun in das Miniſterium zurück und durchſuchten die Treppen und Gänge, jedoch ohne Erfolg. Der Korridor, der zu meinem Arbeitszimmer führt, war mit einem hellfarbenen Linoleum belegt, auf dem jeder Tritt zu ſehen iſt. Obwohl wir es ſorgfältig beſichtigten, fanden ſich keine Fußſpuren.

Hatte es den ganzen Abend geregnet?

Etwa von ſieben Uhr an.

Wie kam es dann, daß die Frau, die gegen neun Uhr bei Ihnen im Zimmer war, dort keine Spur ihrer ſchmutzigen Stiefel zurückließ?

Es iſt mir lieb, daß Sie den Umſtand er - wähnen; auch mir fiel das damals auf. Die Putzfrauen pflegen in der Stube der Türhüters die Stiefel zu wechſeln und Salbandſchuhe anzu - ziehen.

Das erklärt die Sache. Alſo, Sie fanden keinen Abdruck auf dem Fußboden, trotz der Näſſe draußen? Der Tatbeſtand iſt wirklich höchſt merk - würdig. Bitte, erzählen Sie weiter.

Nun unterſuchten wir das Zimmer. An eine geheime Tür war nicht zu denken und die Fenſter ſind wohl 30 Fuß hoch über der Straße; beide waren geſchloſſen und verriegelt. Eine etwaige Falltür ließe ſich ſchon des Teppichs wegen nicht öffnen und die Decke iſt weißgetüncht. Ich möchte meinen Kopf verwetten, daß der Dieb, der das Schriftſtück geſtohlen hat, nur zur Stubentür hereingekommen ſein kann.

Wie ſteht’s mit dem Kamin?

Es iſt keiner vorhanden, nur ein Ofen iſt da. Die Klingelſchnur hängt am Draht, rechter Hand von meinem Schreibpult. Wer geläutet hat, muß dicht am Pult geſtanden haben. Aber, warum ſollte ein Dieb die Glocke ziehen? Es iſt ein ganz unergründliches Geheimnis.

Freilich, der Umſtand iſt verwunderlich. Was taten Sie nun für Schritte? Hatte der Eindringling nichts im Zimmer zurückgelaſſen ſahen Sie keinen Zigarrenſtumpf, keine Haar - nadel oder ſonſt eine Kleinigkeit herumliegen?

Nicht das Geringſte.

Sie bemerkten auch keinen Geruch?

Darauf haben wir nicht geachtet.

Bei ſolcher Unterſuchung wäre es von Wichtigkeit, wenn das Zimmer zum Beiſpiel nach Tabak gerochen hätte.

Ich bin ſelbſt kein Raucher und ein Tabak - geruch wäre mir gewiß aufgefallen. Wir fanden nicht den geringſten Aufſchluß. Die einzige greif - bare Tatſache war, daß des Türhüters Weib Frau Tangey iſt ihr Name ſich eilig davon gemacht hatte. Trotzdem ihr Mann erklärte, ſeine Frau gehe um dieſe Zeit gewöhnlich nach Hauſe, kam ich mit dem Poliziſten überein, daß wir ſuchen müßten, der Frau habhaft zu werden, ehe ſie Zeit hätte, ſich der Papiere zu entledigen vorausgeſetzt, daß dieſe überhaupt in ihrem Beſitz waren.

Inzwiſchen hatte man das Polizeiamt be - nachrichtigt und Forbes, der Geheimpoliziſt, fand ſich ſofort ein, übernahm den Fall und entwickelte die größte Tatkraft. Wir beſtiegen eine Droſchke, ſagten dem Kutſcher die Adreſſe und eine halbe Stunde ſpäter hielten wir vor Frau Tangeys Wohnung.

(Fortſetzung folgt.)

12Wien, Dienstag Reichspoſt 10. Jänner 1905 7
〈…〉〈…〉

Herausgeber Dr. F. Funder, Wien. Verantwortlicher Redakteur Franz Winter, Wien. Druck von Ambr. Opitz Nachfolger, Wien.

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TextNr. 7, 10.01.1905.
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Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

Benjamin FiechterSusanne HaafNote: Bereitstellung der digitalen Textausgabe (Konvertierung in das DTA-Basisformat).2018-01-26T13:38:42Z grepect GmbHNote: Bereitstellung der Texttranskription und Textauszeichnung.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T13:38:42Z Amelie MeisterNote: Vorbereitung der Texttranskription und Textauszeichnung.2018-01-26T13:38:42Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

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IDS Mannheim

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Fraktur

LanguageGerman
ClassificationZeitung; ready; mkhz2

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Editorial principles

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