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Mittagsblatt.
Reichspoſt.
Unabhängiges Tagblatt für das chriſtliche Volk Oeſterreich-Ungarns.

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Nr. 370 Wien, Montag den 12. Auguſt 1912. XIX. Jahrgang.

Friedenswünſche in Ungarn.

Im Margittaer Wahlbezirke hielt geſtern der Staatsſekretär des ungariſchen Finanzminiſteriums Madaraſſy eine Kandidatenrede als Reichstagswahl - werber, in der er dem Wunſche nach einer Ver - ſtändigung mit der Oppoſition ſehr warmen Ausdruck verlieh. Er ſprach freilich über das Wichtigſte nicht, über die Vorausſetzungen, die zu dieſer Verſtändigung führen. Wie nun einmal die Dinge liegen, ſind dieſe perſönlicher und ſachlicher Natur. Wie ſchwer freilich die erſteren zu beſchaffen ſind, ergibt ſich aus dem Verpflichtungs - verhältnis, das für den Miniſterpräſidenten Lukacs durch die äußerlichen Erfolge des Grafen Stefan Tisza entſtanden iſt, und daß auch in ſachlicher Beziehung weitgehende Differenzen zwiſchen Regierungspartei und Oppoſition klaffen, ergibt ſich aus dem, was man über die Wahlreformpläne der Regierung vernimmt. Staats - ſekretär Madaraſſy ſprach von der notwendigen Sicherung des Einfluſſes der Intelligenz, eine Differen - zierung im allgemeinen Wahlrecht, die erfahrungsgemäß tatſächlich nicht zu einer ſtärkeren Geltendmachung der gebildeten Schichten, ſondern nur zu einer Bevorzugung induſtrieller Gebiete und einem Vorſprunge der ſozial - demokratiſchen Wahlausſichten führt. Auf ein Miß - verhältnis in der Verteilung des Wahlrechtes deuteten ſchon die Grundzüge der Wahlreform hin, die das Miniſterium Lukacs im vergangenen Frühjahr ver - öffentlichte, und auf denſelben Fundamenten ſcheint auch die Wahlreform zu ruhen, die das Miniſterium im Herbſt dem Hauſe unterbreiten will: Beibehaltung der öffentlichen Abſtimmung auf dem flachen Lande, Zutritt zum Wahlrechte durch Bedingungen, die leichter von der induſtriellen Bevölkerung als von der ländlichen zu erfüllen ſind. Dieſe Verſchlechterung des allgemeinen Wahlrechtes bedeutet eine Benachteiligung der Nationalitäten, da in den ungariſchen Induſtrieorten und Städten weitaus das Magyarentum das Uebergewicht hat; es iſt aber auch vom magyariſchen Standpunkte aus eine bedenkliche Maßregel, da dieſe Methode den politiſchen Schwerpunkt auf Gebiete verlegt, in denen ſich Um - wälzungen raſcher vollziehen und der konſervative Staatsgedanke ſchwächer wurzelt, als in den breiten Schichten der mit der Scholle verknüpften Bevölkerung. Die Juſthpartei, die namentlich ländliche Bevölkerung vertritt, wird einem ſolchen Wahlreformentwurf vor - ausſichtlich ſtark widerſtreben.

Bisher eröffnet ſich der Verſtändigung mit der Oppoſition nach keiner Richtung hin noch eine Tür.

Staatsſekretär im Finanzminiſterium Gabriel Madaraſſy hielt heute im Margittaer Wahlbezirke ſeine Programmrede als Abgeordnetenkandidat. Er ſagte, er ſtehe auf der Grundlage des Programms, welches die Regierung ſeinerzeit bei der Vorſtellung im Reichstage abgab. Er ſei ein unverbrüchlicher Anhänger des 1867er Ausgleichs, auf deſſen Grundlage die Nation ſeit einem halben Jahrhundert ſo rieſige Fortſchritte auf allen Gebieten gemacht habe. Ein Stillſtand in dieſem Fortſchritte ſei eingetreten, als die Oppoſition mit ihren ſtaatsrechtlichen Forderungen zu weit gegangen ſei und die Obſtruktion eingeſetzt habe, was die Ereigniſſe der letzten Zeit zur Folge hatte. Redner wünſche innigſt, daß im Parlament der Friede ſo bald als möglich zuſtande komme, und hoffe, daß der Patrio - tismus aller Parteien eine Grundlage finden werde, auf welcher das Friedenswerk aufgebaut werden könne. (Lebhafter Beifall.) Dieſer Friede ſei dringend notwendig, da ſehr wichtige Aufgaben der Löſung harren, darunter die Wahlreform, bei deren Ausarbeitung die Regierung bis zur ſtatthaft weiteſten Grenze der demokratiſchen und liberalen Richtung gehen wird, bis zu der Grenze, welche ihr die Wahrung des einheitlichen nationalen Charakters des ungariſchen Staates vor - ſchreibt. (Beifall.) Die Regierung werde auch alle die - jenigen, welche bisher außerhalb der Schanzen der Verfaſſung ſtanden, in die - ſelbe einbeziehen, doch müſſe der Einfluß der Intelligenz auf die Angelegenheiten des Landes geſichertwerden Red[n]er führt eine Reihe von Geſetzentwürfen an, welche das Finanzminiſterium zur Beſſerung der Finanzen des Landes vorlegen wird, darunter die Ab - änderung des Penſions geſetzes, das Ins -lebentreten neuer Steuergeſetze, die Reform des Gebührengeſetzes, die neue Durchführung des Kataſters, die Weiterentwicklung der Ackerbauwirtſchaft, die Erhöhung der Tabakeinlöſung und die zielbewußte Unterſtützung des Handels und des Gewerbes, beſon - ders des Kleingewerbes.

Die Rede wurde mit lebhaftem Beifall auf - genommen.

Poincaré in Petersburg.

Der Empfang beim Zaren in Peterhof. Auszeichnung Poincarés.

Kaiſer Nikolaus und Kaiſerin Alexandra empfingen mittags im großen Palais zu Peterhof den franzöſiſchen Miniſterpräſidenten Poincaré. Nach dem Empfange verließ die Kaiſerin das Palais.

Nachdem die Herren der Begleitung des Miniſter - präſidenten Poincaré dem Kaiſer vorgeſtellt worden waren, wurde das Frühſtück ſerviert. Rechts vom Kaiſer ſaß Poincaré, links der franzöſiſche Botſchafter. Dem Frühſtück waren ferner zugezogen: Miniſterpräſident Kokowzew, Miniſter des Aeußern Saſonow, der ruſſiſche Botſchafter in Paris Iswolski, die Herren der Begleitung des franzöſiſchen Miniſter - präſidenten und andere.

Der Kaiſer hat Poincaré den Alexander-Newskiorden verliehen. Zapfenſtreich und Galavorſtellung in Krasnoje-Selo.

Nachmittags fand im Lager von Krasnoje - Selo in Gegenwart des Kaiſers, der Groß - fürſten, des Miniſterpräſidenten Poincaré, der ruſſiſchen Miniſter ſowie der franzöſiſchen Offiziere ein Zapfenſtreich ſtatt. Abends gab Großfürſt Nicolai Nicolajewitſch zu Ehren Poincarés ein Diner, woran auch Miniſterpräſident Kokowzew, Miniſter des Aeußern Saſonow, Kriegsminiſter Suchomlinow, die Hofwürdenträger und Bot - ſchafter Iswolski teilnahmen.

Sodann fand im Theater von Krasnoje Selo eine Galavorſtellung ſtatt, der auch Kaiſer Nikolaus und die Großfürſten, ferner die Herren der Begleitung des franzöſiſchen Miniſter - präſidenten und die Offiziere des Kreuzers Condé beiwohnten.

Konferenzen Poincares mit Saſonow und Kokowzew. Empfang der franzöſiſchen Kolonie.

Der franzöſiſche Miniſterpräſident Poincaré legte geſtern am Grabe des Kaiſers Alexander III. im Namen der franzöſiſchen Regierung einen Kranz nieder. Hierauf beſichtigte er das Volkshaus ſowie die franzöſiſchen Wohltätigkeitsanſtalten. Nach einem Frühſtücke, das der Miniſterpräſident auf der franzöſiſchen Botſchaft einnahm, hatte er eine einſtündige Unterredung mit dem ruſſiſchen Miniſter des Aeußern Saſonow und ſodann eine halbſtündige Konferenz mit dem Miniſterpräſidenten Kokowzew, worauf er auf den Botſchaften Beſuche abſtattete.

Um 5 Uhr nachmittags empfing Miniſterpräſident Poincaré die franzöſiſche Kolonie. In ſeiner Antwort auf die Anſprache des Präſidenten des franzöſiſchen Wohltätigkeitsvereines, Darcy, betonte Poincaré, die franzöſiſche Kolonie bilde ein natürliches Band zwiſchen Frankreich und Rußland.

Keine Aufrollung der Dardanellenfrage.

Die Nachricht eines auswärtigen Blattes, wonach während der Anweſenheit des Miniſterpräſidenten Poin - caré in St. Petersburg die Dardanellenfrage werde aufgerollt werden, wird von amtlicher ruſſiſcher Seite dementiert.

Dementi ruſſiſcher Anleiheabſichten.

Die St. Petersburger Telegraphenagentur meldet: Im Zuſammenhange mit der Ankunft des Miniſter - präſidenten Poincaré verbreiteten ſich abermals Gerüchte, die ruſſiſche Regierung wolle die Anweſen - heit Poincarés zum Abſchluſſe von neuenStaatsanleihen ausnützen, welche an - geblich zur Durchführung des Flottenprogrammes und für andere im franzöſiſch-ruſſiſchen Bündniſſe begrün - dete Bedürfniſſe notwendig ſeien. Das Finanz - miniſterium bezeichnet alle derartigen Gerüchte als vollkommen grundlos und erklärt ſie als müßige Erfindung. Das ruſſiſche Schatz - amt bedürfe keiner Kräftigung durch neue Anleihen.

Abreiſe des öſterreichiſch - ungariſchen Geſandten aus Tanger.

Die Voſſiſche Zeitung meldet aus Tanger: Der öſterreichiſch-ungariſche Geſandte von Calen - berg iſt mit ſeiner Familie nach Auflöſung ſeines Hausſtandes abgereiſt. Von den elf fremden Ge - ſandten verbleiben nur der amerikaniſche und der portugieſiſche in Tanger. Wie die Depeche Marrocaine meldet, werden vorausſichtlich weder der öſterreichiſche noch die anderen Geſandten wieder zurückkehren, ſondern ſich durch Geſchäfts - träger vertreten laſſen. Nach Regelung der maro - kaniſchen Verhältniſſe ſollen die Geſandtſchaften in Generalkonſulate umgewandelt werden.

Exploſion einer Höllenmaſchine im öſterreichiſchen Poſtamt in Saloniki.

Aus Saloniki kommt die Meldung von einem gegen das dortige öſterreichiſch-ungariſche Poſt - amt gerichteten Anſchlag, dem zwar glücklicherweiſe keine Meaſchenleben zum Opfer gefallen ſind, deſſen Ausführung jedoch bedenkliche Ausſichten für die Ent - wicklung der Frage in Mazedonien eröffnet.

Schon die in den letzten Wochen in verſchiedenen Gegenden Mazedoniens verübten Attentate bulgariſcher Banden deuteten auf ein Wiederaufleben der Propa - ganda der Tat des revolutionären mazedoniſchen Komitees hin, deſſen Beſtreben bekanntlich dahin geht, durch ſeine in erſter Linie gegen die Mohammedaner gerichteten Gewalttätigkeiten Repreſſalien gegen die Chriſten in der Türkei hervorzurufen und dadurch einen bewaffneten Konflikt der Türkei mit den Balkan - ſtaaten oder das Eingreifen europäiſcher Mächte herbei - zuführen. Der erſte Teil dieſes Programmes iſt erſt kürzlich bei dem Bombenanſchlag in Kotſchana in faſt vollkommener Weiſe geglückt, indem es hiedurch in Katſchana und Umgebung zu einem Bulgarengemetzel kam, das in Bulgarieu eine ungeheure Erregung hervorrief. Zu dem erhofften bewaffneten Einſchreiten Bulgariens kam es jedoch infolge der klugen Mäßigung der bulgariſchen Regierung und der loyalen Haltung der türkiſchen Regierung, die ſogleich eine ſtrenge Unterſuchung einleitete, auch dies - mal nicht, und das einzige Reſultat des revolutionären Anſchlages des mazedoniſchen Komitees war die Niedermetzlung von mehr als hundert der eigenen Landsleute.

Dieſer Mißerfolg ſcheint nun zu dem Verſuch ge - führt zu haben, durch ein Attentat, das eine der europäiſchen Großmächte in unmittelbare Mitleiden - ſchaft zieht, das beabſichtigte Ziel zu erreichen. Dieſe Erwartung des mazedoniſchen Komitees wird nun auch in dieſem Falle getäuſcht werden und auch diesmal wird der Erfolg nur der ſein, daß man in Europa die ſtrengen Maßregeln, die die türkiſche Regierung gegen die bulgariſchen Banden ergreifen wird, als durchaus gerechtfertigt anſehen wird. Die Politik der Gewalttaten, zu der das mazedoniſche Komitee wieder zurückgekehrt iſt, wird nicht nur von einem großen Teil der Bevölkerung des Königreiches Bulgarien ſelbſt ver - urteilt, ſondern iſt nur geeignet, den mazedoniſchen Bulgaren die Sympathien Europas zu rauben.

Heftige Wirkung der Exploſion. Zwei Beamte leicht verwundet.

Im öſterreichiſchen Poſtamte explodierte um ½10 Uhr nachts eine Höllenmaſchine, die durch unbekannte Täter eingeſchmuggelt worden war Das Lokal wurde ſtark beſchädigt und die Einrichtung zerſtört. Die Poſtſachen blieben2Wien, Montag Reichspoſt 12. Auguſt 1912 Nr. 370jedoch unverſehrt. Zwei Beamte wurden leicht verletzt.

Der öſterreichiſch-ungariſche Generalkonſul Kral erſchien ſofort im Poſtamte, überwachte die Auf - räumungsarbeiten und veranlaßte das Weiter - funktionieren des Amtes. Die Behörden trafen ſofort Schutzmaßnahmen. Die Straßen wurden militäriſch beſetzt. Eine Unterſuchung iſt eingeleitet worden. Der Leiter des Poſtamtes, Poſtverwalter R. v. Vuce tie Bieliz, der im Augenblicke der Exploſion im Amt anweſend war, ließ die dienſtfreien Beamten holen, damit in der Expedition der Poſtſachen keine Unter - brechung eintrete.

In Anbetracht der durch die Exploſion im öſter - reichiſchen Poſtamt angerichteten Verwüſtung erſcheint die Tatſache, daß das Perſonal faſt unverſehrt ge - blieben iſt, geradezu wunderbar. Es wurden nur die Beamten Brazzafoli und Sullam leicht verletzt, und zwar der erſtere an der Hand, der letztere im Geſicht. Sämtliche Beamten erfüllten trotz der ſchwierigen Umſtände wacker ihre Pflicht, ſo daß der Dienſt zur allgemeinen An - erkennung vollkommen aufrecht erhalten werden konnte. Die türkiſchen Behörden taten ihr möglichſtes, um helfend beizuſtehen.

Die Exploſion der Höllenmaſchine erfolgte im Parteienraume in der Nähe der Eingangstüre. An dieſer Stelle wurde alles in Stücke geriſſen. Der Luft - druck war ſo ſtark, daß ſogar die verſchloſſenen eiſernen Türen der Poſtboxes aufge - ſprengt wurden. In dem gegenüberliegenden Gebäude der franzöſiſchen Kongregation wurden die Fenſter zertrümmert. Von den Tätern hat man noch keine Spur.

Vrhaftungen von Verdächtigen.

Von der Polizei wurde ein Individuum verhaftet, angeblich ein Bulgare, der mit jener Perſon identiſch ſein ſoll, welche die Höllenmaſchine in dem Tramway - waggon niederlegte.

Eine Höllenmaſchine mit Uhrwerk.

Durch die geſtern hier erfolgten Exploſionen wurde die Stadt in größte Aufregung verſetzt. Von den Tätern, welche ſich mit einem Uhrwerk verſehener Höllenmaſchinen bedient hatten, fehlt bisher jede Spur. Die Poſtbeamten er - innern ſich, einen Mann geſehen zu haben, welcher durch die offene Hintertüre ins Lokal kam, jedoch gleich wieder verſchwand.

Da man weitere Attentate befürchtet, iſt eine Verſchärfung des Belagerungszu - ſtandes zu erwarten.

Die Kriſe in der Türkei.

Bevorſtehende Veränderungen im Kabinett. Kiamil Paſcha Großvezier.

Wie eingeweihte Kreiſe verſichern, ſind in einigen Tagen Veränderungen im Kabinett zu gewärtigen. Der Präſident des Staatsrates Kiamil Paſcha ſoll Groß - vezier, Ferid Paſcha Miniſter des Innern werden, Juſtizminiſter Huſſein Hilmi Paſcha würde zurücktreten.

Die Forderungen der Arnauten.

Bewilligung der Mehrzahl. Ablehnung der Verfolgung der Kabinette Said und Hak[k]i.

Ibrahim Paſcha teilte den Arnautenführern mit, die Regierung könne die Mitglieder der früheren Kabinette Hakki und Said nicht verfolgen; ſobald aber die Kammer wieder zuſammentreten werde, ſtehe es ihr frei, die Anklage gegen ſie zu erheben. Be - treffs der Rückgabe der Waffen ſei die Regierung bereit, jenen Arnauten die Waſſen zurückzuerſtatten, welche die an der Grenze liegenden Ortſchaften be - wohnen, ſowie im allgemeinen allen jenen, welche einem Erwerb als Hirten oder Wächter nachgehen oder in Wäldern beſchäftigt ſeien. Eine allgemeine Wiederbewaffnung der Arnauten ſei un - möglich. Die Arnautenführer ſind mit dieſer Löſung teilweiſe zu frieden, teilweiſe behielten ſie ſich Bedenkzeit vor. Die übrigen zehn Forderungen wurden ſeitens der Regierung mit geringen Modifika - tionen genehmigt. Die Arnauten ließen dem Kabinett nochmals ihren Dank und die Ver - ſicherung ihrer Ergebenheit aus - drücken und zogen ſich inzwiſchen zurück. Nur ihre Führer verblieben behufs Unterfertigung des Abkommens mit Ibrahim Paſcha in Priſchtina.

Der türkiſch-montenegriniſche Konflikt.

Peſſimiſtiſche Beurteilung der Lage in Cetinje.

(Aus amtlicher montenegriniſcher Quelle.)

In einem Communiqué ſtellt das offizielle Blatt Glas Crnogorca. in ausführlicher Weiſe die neueſten türkiſch-montenegriniſchen Grenzzwiſchen - fälle und den darauffolgenden diplomatiſchen Konflikt dar. Es iſt ſchwer vorauszuſehen, ſchließt das Blatt ſeine Ausführungen, welches Ende all das haben wird; doch wird ſich die königliche Regierung obwohl ſie von friedlichen Abſichten durchdrungen iſt,nicht enthalten, alles, was zum Schutze ihrer Rechte, der Ehre und Würde Montenegros als notwendig erachtet wird, zu unternehmen.

Demiſſion des türkiſchen Geſandten in Cetinje.

Der türkiſche Geſandte in Cetinje iſt nach Konſtantinopel berufen worden, um Auf - klärungen zu erteilen. Es heißt, daß er ſeine Demiſſion gegeben habe.

Der Krieg.

Beiderſeitige Dementis der angeblichen Friedens - unterhandlungen.

Die offiziöſe Tribuna dementiert nach - drücklich die in letzter Zeit von verſchiedenen Seiten behauptete Einleitung von Friedensunterhandlungen. Bisher hätten zwiſchen der Türkei und Italien überhaupt keine wie immer gearteten Friedens - verhandlungen ſtattgefunden. Außer - dem würde im gegenwärtigen Augenblicke Italien ſich in Friedensverhandlungen nicht einlaſſen, da die Er - gebniſſe auf dem Kriegsſchauplatze nach wie vor für Italien günſtig ſind.

Huſſein Dſchahid dementiert die Nachricht, daß er zuſammen mit dem geweſenen Miniſter Said Halim Paſcha in der Schweiz mit italieniſchen Delegierten über den Frieden ver - handelt hätte.

Telegramme.

Jukie zum Tode verurteilt.

Der Angeklagte Jukie wurde zum Tode durch den Strang verurteilt.

Hinrichtung von Eingebornen in Mazagan.

Fünf Eingeborne, welche beſchuldigt waren, die Flucht des Triahi begünſtigt zu haben, wurden zum Tode, zwei andere zu Gefängnisſtrafen verurteilt. Die Hinrichtung wurde heute morgen durch eine marotkaniſche Truppen - abteilung in Gegenwart einer zahlreichen Menſchenmenge vollzogen, auf welche die Exekution großen Ein - druck machte.

Vom Warenmarkte. Börſe für landwirtſchaftliche Produkte vom 12. Auguſt.

(Eigenbericht.) Die transatlantiſchen Märkte ver - kehrten am Schluſſe der Vorwoche in ſchwacher Haltung, da der Regierungsbericht Abgaben veranlaßte. Auch hier iſt die Tendenz ruhiger, zumal Budapeſt in Wei[z]en niedrigere Kurſe meldet, der Preisſtand der einzelnen Artikel iſt jedoch, infolge totaler Geſchäftsſtille, ein unveränderter.

Budapeſt. (Kurſe um ½12 Uhr.) Weizen ver Öktober 11.47, per April 11.84, Roggen ver Oktober 9.40, Hafer per Oktober 9.60, Mais per Auguſt 9.36, per Mai 1913 7.51.

Wiener Effektenbörſe.

(Eigenbericht.) Ausgehend von Eiſenaktien, bekundete die heutige Vorbörſe ein feſtes Gepräge, ohne daß neue Momente hinzugetreten wären. Alpine Montanaktien ſtiegen bei recht lebhaften Umſätzen um Kronen 8. , ohne jedoch den Höchſt - kurs voll behaupten zu können, da mit Rückſicht auf die morgen ſtattfindende Wochenverſorgung einige Realiſationen zur Ausführung gelangten Prager Eiſen avancierten nur Kronen 47. im Kurs in Berg und Hütten wieſen eine Steigerung von Kronen 31. auf. Die Aktien der Galiziſchen Montan, welche bereits am Schluſſe der Vorwoche favoriſiert waren, wieſen neuerdings eine Erhöhung von Kronen 21. auf. Die übrigen Verkehrsgebiete lagen gut behauptet, doch war das Geſchäft hierin geringfügiger.

Es notierten: Kreditaktien 655.75 bis 656.50, Ungariſche Kreditbank 86[0].25 bis 862. . Bodenkredit 1315. bis 1316 80, Unionbank 618. bis . , Länderbank〈…〉〈…〉 30. bis 539.50, Anglobank 335.50 bis . , Bankverein 539 25 bis . , Ung. Hypothekenbank . bis . , Ung. Eskomptebank . bis . .

Staatsbahn 716.50 bis 717.55, Lombarden 103.40 bis 102.50, Dampfſchiff 1337. bis 1333. , Tabakaktien 343. bis 343.10, Türkenloſe 241.50 bis . , Kahlenbergbahn 87.40 bis 87. .

Alpine 1037 bis 1040 , Rima-Mu〈…〉〈…〉 an〈…〉〈…〉 er 791.75 bis 794.25, Waffenfabrik 1115½ bis 1116½, Prager Eiſen 3312 bis 3319. , Galiziſche Karpathen 827. bis . , Mairente 87.15 bis . , Oeſterreichiſche Kronenreate 87.15 bis . , Ungariſche Goldrente 107.90, Ungariſche Kronenrente 87.15 bis . , Ruſſen 105. . Südbahnprioritäten 250.75 bis 250.50, Skodaaktien 759 75 bis 761.50.

Um 11 Uhr blieben: Oeſterreichiſche Kredit 656.25, Ungariſche Kredit 861. , Anglobank 335.50, Bankverein 539.25, Unionbank 618. , Länderbank 539. , Staatsbahn 177.59, Lombarden 102.75, Alpine 102. 38¼, Skoda 761. , Türkenloſe 241.50, Reichsmark 117.80.

Zentralviehmarkt z[u]St. Marx. Wien, 12. Auguſt (Schweinemarkt-Auftriebsanzeige.) Für den morgigen dieswöchentlichen Hauptmarkt ſind bis nun angemeldet ungefähr 7000 Stück Fleiſchſchweine und bei - läufig 8000 Stück Fettſchweine.

Tagesbericht.

* Kalender für Dienstag, 13. Auguſt. Katholiken:

Kaſſian. Griechen (31. Juli): Eudozimus. Son - nenaufgang 4 Uhr 53 Minuten morgens. Sonnen - untergang 7 Uhr 16 Minuten abends. Mondesaufgang 5 Uhr 13 Minuten morgens. Mondesuntergang 7 Uhr 59 Minuten abends.

Kirchlicher Kalender. 13. Auguſt.

Der heilig[e]Caſſianus, Schullehrer und Martyrer, war Lehrer in der Stadt Imola, Italien und wurde unter Kaiſer Diokletian ſeinen eigenen Schülern zur Peinigung übergeben; ſie ſtachen ihn mit ihren Metallgriffeln tot. Die hl. Radegund, Königin im Frankenreich, Töchter eines heidniſchen Thüringer Fürſten, ging ins Kloſter und ſtarb am 13. Auguſt 587.

Der hl. Landolf, Biſchof im Frankenreich, ſtarb um 620. Der hl. Eberhard, Benediktinerabt zu Eberheim - Münſter im Elſaß, Stifter des Kloſters Murbach, ſtarb 690. Der hl. Wigbert, Benediktinerabt zu Fritzlar in Nord - deutſchland, Mitarbeiter des hl. Bonifazius; ſtarb 747. Der hl. Zwentibold, König in Lothringen, Sohn Arnu[l]fs des Deutſchen, ſtarb um 900. Die hl. Ludolf und Drutmar, Aebte des Benediktinerkloſters Corbei in Weſt - falen, ſtarben 983 und 1046. Die ſel. Gertruo, Prämonſtratenſer-Aebtiſſin zu Altenburg, die jüngſte Tochter der hl. Gliſabeth v. Th.; ſtarb 1297. Der ſel. Angelo da Mazzinghi, Karmeliter-Provinzial in Toskana. ſtarb 1438.

* Auszeichnungen und Ernennungen.

Der Kaiſer hat dem emeritierten Pfarrer von Klenowitz Thomas Wieder - mann das Ritterkreuz des Franz Joſefordens verliehen, die Oberlandesgerichtsräte des Oberlandesgerichtes in Lemberg Adolf Sommer und Ladislaus Wyspianski zu Hof - räten des Oberlandesgerichtes in Lemberg ernannt, dem Ober - landesgerichtsrate Hermann Garfein des Oberlandes - gerichtes in Lemberg taxfrei den Titel und Charakter eines Hofrates verliehen, den Landesgerichtsrat bei dem Landes - gerichte in Trieſt Johann Clarici zum Vizevräſidenten dieſes Landesgerichtes eruannt, dem Landesgerichtsrate bei dem Handes - und Seegerichte in Trieſt Dr. Anton Povsic taxfrei den Titel und Charakter eines Oberlandesgerichtsrates verliehen, dem mit der Leitung der Bezirkhauptmannſchaft in Monfalcone betrauten Statthaltereiſekretär Joſef Gaſſer den Titel und Charakter eines Bezirkshauptmannes verliehen, die Chriſtiane Marie Freiin de T’Serclaes de Wommerſon zur Ehrendame des freiweltlich adeligen Damenſtiftes zu den heiligen Engeln in Prag ernannt. Der Miniſter des Aeußern hat den Kanzleihilfsarbeiter, Ober - leutnant Johann Broſch des La[n]dwehr-Ulanenregiments Nr. 4 zum Geſandſchaftsoffizial ernannt. Der Miniſter für Kultus und Unterricht hat den Profeſſor an der Staatsreal - ſchule im 6. Wiener Gemeindebezirke Ferdinand Ginzel zum Direktor der Staatsrealſchule im 3. Wiener Gemeinde - bezirke ernannt, den Profeſſor an der Lehrerbildungsanſtalt in Sobeslau Franz Ruffer zum Direktor der Lehrerbildungs - anſtalt in Kuttenberg ernannt, dem Profeſſor an der Lehrerinnenbildungsanſtalt mit deutſcher Unterrichtsſprache in Prag Wenzel Stibitz und dem Profeſſor an der Lehrer - bildungsanſtalt in Mies Joſef Kratochwil den erbete[nen]Dienſttauſch geſtattet. Der Miniſter für öffentliche Arbeiten hat den mit den Funktionen eines Eichinſpektors betranten Eichmeiſter erſter Klaſſe Martin Moſer in Linz unter Gin - reihung in die achte Rangsklaſſe der Staatsbeamten zum Eich - inſpektor für den zweiten Eichaufſichtsbezirk (Oeſterreich ob der Enns und Salzburg) und den mit den Funktionen eines Eich - inſpektors betrauten Eichmeiſter erſter Klaſſe Rudolf Fleiſſig in Innsbruck unter Einreihung in die achte Rangsklaſſe der Staatsbeamten zum Eichinſpe[k]tor für den ſechſten Eichaufſichtsbezirk (Tirol und Vorarlberg) ernannt.

* Hofnachrichten.

Aus Bad Iſchl, 11. d., wird uns telegraphiert: Erzherzog Joſef und Erzherzogin Auguſte ſowie deren Sohn Erzherzog Joſef Franz ſind heute um ¾8 Uhr früh mittels Automobil nach Wien abgereiſt. Don Alfonſo von Bourbon und ſeine Gemahlin Donna Nieves trafen heute vormittag mittels Automobils aus Eben - zweier hier ein und ſtiegen im Hotel Kaiſerin Eliſabeth ab.

* Abgängig.

Aus Karlsbach in der Wachau wird uns geſchrieben: Der Wirtſchaftsbeſitzer Karl Luger in Karlsbach bei Ybbs an der Donau wollte in der Umgebung von Aggsbach ein Paar Ochſen beſichtigen. Er ging deshalb Montag den 5. d. M. früh nach Ybbs, um das Schiff nach Aggs - bach zu beſteigen. Bis Ybbs läßt ſich die Spur ver - folgen, alles weitere iſt in Dunkel gehüllt. Alle Ver - ſuche, Licht in dieſe Sache zu bringen, blieben bis jetzt erfolglos, obgleich die Polizei eine eifrige Tätigkeit entfaltet. Der Verſchollene iſt 50 Jahre alt, ziemlich groß, hager und hat ſchwarzen Schnurrbart; der ver - krüppelte kleine Finger an der linken Hand dürfte ſein beſtes Kennzeichen ſein. Er trug ſchwarze Hoſe und Weſte, grauen Rock, braunen Hut und Stiefletten, ferner ſchwarzgeſtreiftes Oxfordhemd mit K. L. gemerkt. Der Verſchollene, auf deſſen Auffindung 200 Kronen ausgeſetzt ſind, dürfte entweder in der Donau ertrunken oder aber in der Umgebung beiderſeits der Donau zwiſchen Ybbs und Spitz zu finden ſein.

* Todesfall.

Am 10. d. iſt in Leibnitz in Steier - mark Herr Anton Vogelweider, geweſener Werk - führerſubſtitut der Südbahn, der Vater des nieder - öſterreichiſchen Landesſekretärs Dr. Anton Vogelweider, im 74. Lebensjahre geſtorben. Das Leichenbegängnis findet heute Montag um 4 Uhr nachmittags vom Sterbehauſe in Leibnitz, Kloſtergaſſe 11, aus ſtatt.

* Selbſtmord auf der Hohen Brücke.

Einen ab - ſonderlichen Selbſtmord hat geſtern früh in der Innern Stadt ein Beamter ausgeführt. Der Mann ſtürzte ſich von der Wipplingerſtraße aus über die Brüſtung der Hohen Brücke auf das Straßenpflaſter des Tiefen Gra - bens und blieb mit zerſchmettertem Schädel tot liegen. Der Selbſtmörder iſt der 38jährige Beamte des Erſten allgemeinen Beamtenvereines Hans Staadt, 9. Bez., Liechtenſteinſtraße 90 wohnhaft. Er ſcheint die Tat im Zuſtande geiſtiger Störung begangen zu haben. Staadt hat in glücklicher Ehe gelebt, war aber melancholiſch. Eine Schweſter hat ſich auch durch Sturz vom Fenſter getötet. Sein Bruder, der 28jährige Privatbeamte Fritz Staadt, hat ſich am Abend des 7. Juni I. J. beim Aus - ſichtsturm des Türkenſchanzparkes aus einer Piſtole eine Kugel in die rechte Schläfe gejagt und war im Allge - meinen Krankenhauſe geſtorben. Seit dem Tode des Bruders war Hans Staadt ganz wie verloren.

* Einſturz eines Brückenbogens.

Aus Jaroslaſow, 10. d. M., wird uns telegraphiert: Infolge eines heftigen Sturmes iſt ein Bogen der im Bau befindlichen Wolgabrücke eingeſtürzt. Hiebei wurden zwei Perſonen getötet und zwei verletzt.

3Nr. 370 Wien, Montag Reichspoſt 12. Auguſt 1912

* Die verſchwundenen rekommandierten Briefe.

Wie berichtet, ſind zwei rekommandierte Briefe, die am 27. v. M. von Wien nach Berlin aufgegeben waren, ab - handen gekommen. Der eine enthielt 15.000 Mark, der zweite 10.000 Rubel. Auf die Zuſtandebringung des erſten Briefes war eine 10%ige Belohnung ausgeſetzt. Nun iſt auch für den zweiten Brief eine Belohnung von 10% des zuſtandegebrachten Betrages ausgeſetzt worden.

* Vermißte Studenten.

Aus Innsbruck, 11. d., wird uns gemeldet: Zwei Abiturienten, namens Breitenſtein und Kaſſerer aus St. Nikolaus im Ultentale, unternahmen am 25. Juli von ihrer Heimat aus eine Ferientour ins Engadin. Am 26. Juli ſandten ſie vom Schlingenpaß aus eine Karte; ſeitdem fehlt jede Nachricht von ihnen. Man befürchtet, daß den beiden Stu - denten ein Unfall zugeſtoßen iſt.

* Flucht eines Trieſter Wechſelſtubenbeſitzers.

Aus Trieſt wird uns vom 9. d. berichtet: Siegmund Neu - mann, Chef des Bank und Wechſelhauſes Ignatz Neu - mann, iſt nach Unterſchlagung eines bedeutenden Be - trages an Depotgeldern aus Trieſt flüchtig geworden. Zahlreiche Arbeiter und kleine Landwirte von hier und aus der Umgebung, in Iſtrien. Dalmatien und im Görzi[ſ]chen, die ihm ihre hellerweiſe zuſammengeſparten Groſchen zugetragen hatten, weil er ihnen eine fünf - einhalbprozentige Verzinſung verſprach, ſind ihm zum Opfer gefallen. Nebenbei betrieb Neumann einen ſchwunghaften Ratenhandel mit Loſen. Während er von ſeinen meiſt in den ärmlichſten Verhältniſſen leben - den Klienten die Raten regelmäßig eintrieb, verſetzte er die betreffenden Loſe bei hieſigen Banken, ganz ſo wie es vor einigen Jahren ſein Konkurrent Bolaffio ge - tan hatte. Jetzt hat er mit ſeinen beiden Töchtern das Weite geſucht. Die Sicherheitsbehörde fand in ſeinem Geſchäftslokale nur einige Promeſſen vor. Selbſt die Werthei[m]kaſſe hatte er zwei Tage vor ſeiner Abreiſe verkauft. Nach einer ungefähren Schätzung betragen die Paſſiven über 600.000 Kronen, denen Aktiven von nicht ganz 1000 Kronen gegenüber - ſtehen. Neumann, gegen den ein Haftbefehl erlaſſen wurde, dürfte ſich nach Korfu, dem nächſterreichbarem Eldorado aller Trieſter Bankrotteure und Schwindler, gewendet haben. Sein Geſchäftsführer Hugo Jano - vitz iſt ebenfalls durchgebrannt und ſoll ſich ſamt Fa - milie in Florenz befinden.

* Verhaftung eines Raubmörders.

Aus Salzburg, 11. d., wird uns geſchrieben: Die Gendarmerie in Torren bei Solling verhaftete den unter den Bahn - arbeitern beſchäftigten 23 Jahre alten Ivan Per - kovic, der von der Staatsanwaltſchaft in Schweich - nitz ſteckbrieflich verfolgt wird, weil er am 28. April an einem gewiſſen Emil Birkic einen Raubmord verübt hat. Für die Feſtnahme iſt eine hohe Belohnung aus - geſetzt. Perkovic wurde Samstag abend dem hieſigen Landesgerichte eingeliefert.

Der Katholikentag in Aachen.

Die 59. Generalverſammlung der Katholiken Deutſchlands hat heute in Aachen ihre Beratungen aufgenommen, in der alten Kaiſerſtadt, in der 1879 Windthorſt ſeine erſte Katholikentagsrede hielt. Dem Gedenken an ihn iſt der heurige Katholikentag gewidmet, anläßlich ſeines hundertſten Geburtstages wird ſein Mitkämpfer Reichstagsabgeordneter Juſtizrat Dr. Porſch die Gedächtnisrede halten.

Die Stadt iſt feſtlich geſchmückt, der Beſuch der Tagung großartiger denn je.

Geſtern Samstag abend von 7 bis 8 Uhr wurde die Tagung durch feſtliches Glockengeläute von allen Kirchen der Stadt eingeleitet.

Die erſte Feſtverſammlung.

Sonntag vormittag um 11 Uhr fand im Kurhauſe die erſte geſchloſſene Verſammlung des Katholikentages ſtatt. Der Präſident des Lokalkomitees Dr. Med. Wilhelm Wienands eröffnete die Verſammlung mit dem katholiſchen Gruße und verlas die Adreſſe des Papſtes an das Lokalkomitee. Dr. Wienands ſagte u. a.:

Herzlich willkommen alle, die zum Katholikentag kamen. Gleiche Straße wie Ihr zog der Große Karl, des Reiches Gründer, hinaus um ſteten Sieg an ſeine Fahne zu heften, Chriſtt Reich zu mehren, zurück, um von hier aus mit Macht und Glanz ſein Szepter zu führen und des Friedens großes Werk, Kultur und chriſtliche Bildung zu verbreiten. Gleichen Weges zogen all die römiſch-deutſchen Kaiſer zur Kaiſer - krönung. Denſelben Weg zog ſchon vor tauſend Jahren ein trauriger Zug von Süden herauf, des jugendlichen Kaiſers Otto III. ſterbliche Ueberreſte, treu ſeinem Wunſche, in Aachen zu betten. Gleiche Straße zog, mehr denn einmal der große Korſe in ſeine Lieblingsſtadt Aachen, ziehen all die tauſend frommen Wallfahrer ſeit Jahrhunderten alle ſieben Jahre, um unſere heiligen großen Reliquien zu verehren. Gleiches Ziel haben ſo viele Tauſend hoch und niedrige, um am heilbringenden Quell ſich geſund zu trinken. Der Redner gedachte ſodann des Todes des Kardinals Fiſcher von Köln, der ihm mehr als einmal, zuletzt im Hoſpital zu Burtſcheid, herzliche Segens - wünſche für die Vorarbeiten zur Tagung ausſprach. Wir weihen ihm heute noch einmal ſtilles, treues, frommes Ge - denken, unſerem Kardinal! Wir Katholiken erneuern heute im Angeſichte unſerer Biſchöfe das Gelöbnis, der Autorität zu gehorchen, Gehorſam und Liebe unſerer von Gott geſetzten kirchlichen Obrigkeit zu erweiſen. Das katholiſche Volk ſteht auf der Wacht vor ſeinem Klerus, wohlwiſſend, daß der Strudel, wenn er Prieſter und Altar bedroht, auch Szepter, Kron und Thron in Gefahren bringt. Der Redner begrüßte dann die anweſenden Mitglieder der regierenden Häuſer, ſpeziell die Gäſte aus Oeſterreich-Ungarn, ſowie die aus Belgien, Holland, Luxemburg, Schweiz, Nordamerika, Italien, Spanien, England, Frankreich uſw., die Preſſe, und dankte beſonders dem Vertreter der Stadt Aachen für das Entgegenkommen, dem Polizeipräſidenten und den übrigen Behörden. Drei -unddreißig Jahre, eine lange Spanne Zeit, ſind dahin, ſeit der letzten Aachener Tagung. Es war die erſte General - verſammlung unter Leos XIII. Pontifikat. Wenn ich heute eine Reihe von Namen nenne, deren Träger damals hier in Aachen waren, ſo erſehen Sie daraus, daß dieſer Generalverſammlung eine beſondere Bedeutung zukam. Namen, wie Loe, Schaep - mann, Schorlemer-Alſt, Auguſt Reichensperger, Pahensly, Kaplan Dr. Schmitz, v. Hertling, v. Heelfman, Perger, Haffner, Wieſe laſſen noch heute das katholiſche Herz höher ſchlagen. Und mit Liebe und Treue gedenken wir des großen un - vergeßlichen Führers Ludwig Windthorſts, deſſen Andenken in ſeinem hundertſten Geburtstag hier in Aachen wiederum ſo recht lebendig werden wird. Zum erſten Male ſah Aachen im Jahre 1862 eine Generalverſammlung. Man beſchäftigte ſich u. a. mit der Preſſe, der Schule, dem Kampf gegen den Unglauben, Miſſionen. Neue Aufgabeu kamen hinzu, aber noch ſind die alten längſt nicht reſtlos gelöſt. Große Aufgaben ſind unſerer Zeit geſtellt. Wir Katholiken verbinden mit der Hochhaltung der eigenen Ueber - zeugung die Achtung vor fremder Ueber - zeugung. Wir wollen gern und treu mit all denen zuſammenarbeiten, die mit uns ein Volkstum, eine Geſchichte, eine Sprache und eine nationale Kultur haben, gegen den Unglauben in Schule und Kirche, in Staat und Volk, ohne unſere religiöſe Ueberzeugung gegenſeitig anzu - taſten, zum Wohle unſeres geliebten Vatorlandes. Wir ſtehen feſt zu Kaiſer und Reich. Es iſt mir eine hohe Freude, dies gerade in Aachen aus - ſprechen zu können, wo unſer Kaiſer vor mehreren Jahren ein ſo herrliches Glaubensbekenntnis ablegte, als er ſagte, daß er ſich, ſeine Familie und ſein Volk unter den Schutz des Kreuzes ſtellte. Gleich, wie unſer heim - gegangener Kardinal die Liebe zu Kaiſer und Reich mit un - wandelbarer Treue gegen den Heiligen Stuhl verband, ſo ſtehen auch wir deutſche Katholiken in Treue feſt zu Rom! Der Redner ſchloß unter brauſender Zuſtimmung mit den Worten: Seine Heiligkeit, unſer glorreich regierender Heiliger Vater Papſt Pius X. und Seine Majeſtät unſer Kaiſer Wilhelm II., ſie leben hoch!

Die Wahl des Präſidiums.

Hierauf wurde zur Wahl des Vorſtandes geſchritten. Es wurden gewählt: zum Präſidenten Juſtizrat Dr. Schmidt (Mainz), zum erſten Vize - präſidenten Graf Henckel-Donnersmark, zum zweiten Vizepräſidenten Kaufmann Weber aus Kray bei Eſſen; zum erſten Ehrenpräſidenten Ober - landesgerichtsrat Dr. Spahn, zum zweiten Ehren - präſidenten Fabrikant Brandts aus Gladbach, zum dritten Ehrenpräſidenten Landesgerichtsrat Engalen (Osnabrück), eine Neffe Windthorſts.

An den Kaiſer und an den Papſt wurden Begrüßungstelegramme abgeſendet.

Der Feſtzug.

Im Laufe des Vormittags hatten mehr als hundert Extrazüge die Feſtzugteilnehmer aus allen Teilen der Rheinlande nach der Stadt gebracht.

Um 1 Uhr erfolgte die Aufſtellung des Feſt - zuges, der in zwei Kolonnen marſchierte. Aus dem urſprünglichen Arbeiterfeſtzuge iſt ein ſolcher mit vier Gruppen, Jünglings -, Geſellen -, ſozialen Vereinen und Arbeitervereinen geworden. Der Vorbeimarſch war in etwa anderthalb Stunden beendet, ſo daß die weithergereiſten und daher bei Beginn des Feſt - zuges vielfach ſchon ermüdeten Teilnehmer früher das Verſammlungslokal erreichten, als es in den letzten Jahren der Fall war. Im Zuge marſchierten vier Militär - und acht Zivilmuſikkorps, neben den Muſik - kapellen, welche die Vereine ſelbſt mitbrachten. Für die Unterbringung und leibliche Verpflegung der Teilnehmer war ausgezeichnet geſorgt. Namentlich war Fürſorge getroffen worden worden für eine preiswürdige und gute Bewirtung. In den Hauptverpflegungsſtationen der Gruppen werden je 1000 Portionen Soldateu - koſt bereitgeſtellt.

An dem Feſtzuge beteiligten ſich außer der näheren Umgebung von Aachen noch die Städte: Elberfeld, Düſſeldorf, M. -Gladbach, Duisburg, Bonn, Euskirchen, Oberhauſen, Koblenz, Köln, Paderborn, Paris, Brüſſel, Niedermending, Rheydt, Krefeld, Dortmund, London, Eſſen, Kempen, Mainz und andere mehr. Auch aus Holland werden Vereine und Deputationen erſcheinen.

Nach der offiziellen Schätzung beteiligten ſich an dem Feſtzuge 550 Korporationen mit etwa 30.000 Teilnehmern. Auf der Ehrentribüne hatten die anweſenden Mitglieder des Epiſkopates, des Vorſtandes und des Zentralkomitees Platz genommen. Vor der Tribüne hielt der Vorſitzende der Feſtzugs - kommiſſion Haſſe eine kurze Anſprache.

Nach dem Vorbeimarſche trennten ſich die beiden Kolonnen, um in die zwölf Lokale abzuziehen, in denen Verſammlungen für die Arbeiter, Geſellen u. ſ. f. ab - gehalten wurden.

Es ſprachen in jeder derſelben nur ein Redner, darunter die Abgeordneten Gronowski und Koſternich, Arbeiterſekretär Kloft, Arbeiter - ſekretär Weyer, Pfarrer Schüller, Pater Corbilian.

In der Hauptverſammlung in der Feſthalle führte der Präſident des Zentralkomitees Graf Droſte - Viſchering den Vorſitz und hielt Diözeſanpräſes Dr. Müller (Köln) eine Gedächtnisrede auf Kardinal Fiſcher.

Kardinal Fiſcher und die Arbeiterfrage.

Die katholiſchen Arbeiter Deutſchlands haben bei jeder Gelegenheit Zeugnis für ihre Liebe zum Kardinal abgelegt, und ſo gewaltige Arbeiterfeſtzüge wie in Eſſen und Düſſeldorf hat das katholiſche Deutſchland nicht wieder - geſehen, aber auch nicht eine herzlichere Begrüßung, wie ſie dem Kardinal damals von den Arbeitern dargebracht wurde. Und in den Tagen, da ſchwere Kämpfe um die chriſtliche Arbeiterbewegung tobten, haben die katholiſchen Arbeiter und auch die mit ihnen in den chriſtlichen Gewerk - ſchaften zuſammengeſchloſſenen gläubigen evangeliſchen Arbeiter alle bangen Sorgen niedergeſchlagen im Vertrauen auf den Schutzherrn ihrer Sache, den Kardinal. In Eſſen, wo er25 Jahre als Religionslehrer tätig geweſen war, mußten ihn naturgemäß an erſter Stelle die neuen Aufgaben der Groß - ſtadtſellſorge beſchäftigen. Während ſeiner 25jährigen Tätigkeit als Biſchof erweiterte ſich ſein Arbeitsfeld, denn den den größten Teil der Erzdiözeſanen ſtellen die Arbeiter und Angeſtellte. Es mußte der Prieſternot geſteuert werden, es mußten Schulen, Kirchen und charitative Anſtalten gebaut werden, die katholiſche Preſſe und die katholiſchen Büchereien mehr als zuvor v[e]rbreitet werden und namentlich die katho - liſchen Standesvereine ausgebaut werden. Der Angriff der Gegner, die die Kirche glaubten niederringen zu können, wurde ſiegreich abgeſchlagen. Die große Maſſe der katholiſchen Bevölkerung in ihrem Glaubensleben gefeſtigt. Weil in dem rheiniſch-weſtfäliſchen Induſtriegebiet der größte Teil der anſäſſigen Bevölkerung katholiſch iſt und auch im öffentlichen Leben ſich Einfluß zu erhalten gewußt hat, liegt der Schwerpunkt der katholiſchen Arbeiterbewegung und der chriſtlichen Gewerkſchaftsbewegung in der Kölner Erzdiözeſe, denn dieſe umfaßt das größte und wichtigſte Induſtriegebiet Deutſchlands. Als Kardinal Fiſcher 1903 den erzbiſchöflichen Stuhl beſtieg, wies er nicht nur ſeine Prieſter an, überall Arbeitervereine zu gründen und ſich deren Leitung zu widmen, er ließ auch alljährlich durch Fachmänner im Kölner Prieſterſeminar einen ſozialen Kurſus für die dort auszubildenden Theologen halten. Immer und überall zeigte er, wie ihm die katholiſche ſoziale Arbeit am Herzen lag und unermüdlich ſorgte er, daß bei Geiſtlichen und Laien das rechte Verſtändnis für ſie vorhanden war. Das Feuer der Prüfung iſt keiner Reformarbeit erſpart. Es kamen für die katholiſche Arbeiterbewegung die Jahre der grundſätzlichen Erörterungen, die ſo viele ſchwerwiegende Streitfragen aufwarfen. Zu Be - ginn ſeiner erzbiſchöflichen Tätigkeit waren dieſe Kämpfe eben entbrannt und haben während ſeiner ganzen Amtstätigkeit nicht geruht. Ihr hoffentlich letztes Auflodern fiel in ſeine letzten Lebenstage. Er war ſich von Anfang an be - wußt, was vom Ausgang dieſer Kämpfe, die ihre Angriffspunkte in ſeiner Diözeſe fanden, für die ganze Entwicklung der ſozialen Bewegung abhing. Keinen Augenblick zögerte er deshalb, ſich ſchützend vor die Angegriffenen zu ſtellen, die unter ſeinen Augen und mit ſeiner Billigung tätig waren. Mit Anſprachen und Hirtenbriefen trat er vor der weiten Oeffentlichkeit in die Schranken, zweimal, 1908 und 1910, war es dieſer hochherzige Beweggrund, der mit an erſter Stelle ihn nach Rom führte, um mit dem rückhaltloſen Einſetzen ſeiner ganzen Autorität Mißverſtändniſſe zu zerſtreuen und falſche Anklagen zu entkräften. Wenn die katholiſchen Arbeiter und ihre Führer trotz der ſchärfſten Anfeindungen und Verdächtigungen die Zu - verſicht nie verloren und wenn ſie nie erlahmten, dann lag der Grund in dem Bewußtſein: Unſer Kardinal ſteht zu uns und hält ſeine Hand über uns! Sie werden nie vergeſſen, was Kardinal Fiſcher in der Prüfungszeit der katholiſchen und weiterhin der chriſtlichen Arbeiterbewegung ihnen ge - weſen iſt. Möge ſein innigſter Wunſch, für deſſen Erfüllung er Tag für Tag arbeitete, ſich bald verwirklichen, daß die Tage der Prüfung abgeſchloſſen ſind und die katholiſche und chriſtliche Arbeiterbewegung frei von den Angriffen aus dem eigenen Lager ihre ganze Kraft einzig und allein für den Sieg der chriſtlichen Arbeiterbewegung über die gewaltig anwachſende chriſten feindliche Arbeiter - bewegung einſetzen kann.

Weihbiſchof Dr. Müller aus Köln ermahnt die Arbeiter, ſich ſtets die drei Worte vor Augen zu halten: Wahrheit, Liebe und Einigkeit. Hierauf erteilte er den weihbiſchöflichen Segen.

Schweres Automobilunglück in Neuwaldegg. Das Ende einer ſchwarzen Fahrt. Drei Schwerverletzte.

Genau an derſelben Stelle, an der am 9. April 1910 bei einer Spazierfahrt der Chauffeur Georg E. mit ſeinem Automobil an eine Barrièrre anfuhr, wo - durch die Kellnerinnen Thereſe Hermann und Mizzi Heliebart ſofort tot blieben und der Monteur Bruno Hertl und die Kellnerin Käte Koblinger verletzt wurden, hat ſich geſtern nachmittag ein ganz ähnlicher Unfall ereignet. Die Stelle iſt die Franz-Karlſtraße in Neuwaldegg, die ſehr abſchüſſig und muldenreich iſt. An der Stelle, an einer Kurve, an der ſich vor zwei Jahren das Unglück ereignet, iſt dann eine Barriere angebracht worden. Und genau dort iſt geſtern ein Automobil an die Barriere angefahren, hat dieſe zertrümmert und iſt ſelbſt ganz zerſchellt. Wir erfahren darüber folgende Einzelheiten:

Der Chauffeur Max Klimberger der Autotaxi - geſellſchaft, Roſeggergaſſe 45 wohnhaft, hatte geſtern nachmittag eine Fahrt nach Hernals. Als er den Dienſt erledigt hatte, lud er drei Freunde zu einer Schwarzfahrt ein. Die Freunde ſind der 24jährige Schuhmachergehilfe Gottfried Stepanek, der 28jährige Geſchäftsdiener Franz Kuß und der 30jährige Kutſcher Auguſt Jüng - ling. Die drei Freunde nahmen gerne an und ſtiegen in das Automobil. Klimberger fuhr nach Hütteldorf, wo in Gaſthäuſern eingekehrt wurde. Die Fahrt war ſehr raſch abſolviert, da Klimberger nicht gar zu viel Zeit verſäumen wollte. Gegen etwa 3 Uhr wurde der Rück - weg angetreten. Er führte über die ſehr abſchüſſige und kurven - und muldenreiche Franz-Karlſtraße in Neu - waldegg. Als das Automobil an die Stelle kam, wo ſich vor zwei Jahren das große Unglück ereignete, mußte es etwas ſchneller fahren, da die Mulden langſames Fahren nicht zulaſſen. Nach der Behauptung Klimbergers hat gerade bei der Barriere die Steuerung verſagt, ſo daß er an der Kurve das Auto nicht, wie er gewollt, nach rechts herumreißen konnte. Das Gefährte fuhr mit der vollen Wucht eiliger Fahrt an die Barriere an. Die Wir - kung war ſchrecklich. Die dicken Pfoſten und Pflöcke zer - ſplitterten wie Zündhölzer. Etwa 200 Schritte weit wur - den die herausgefetzten Stücke der Barriere geſchleudert. Der Wagen ging völlig in Trümmer. Die vier Inſaſſen wurden mit großer Wucht herausgeſchleudert und blieben liegen. Das war noch relativ ihr Glück; denn das Auto grub ſich zuerſt in den Boden ein und überſchlug ſich dann noch überdies. Dann blieb ein zerſchellter Torſo übrig.

Von allen Seiten kamen Leute herbei, um den Ver - letzten zu helfen. Die Rettungsgeſellſchaft erſchien und der Arzt verband die Verwundeten und brachte ſie ins4Wien, Montag Reichspoſt 11. Auguſt 1912 Nr. 370Stefanieſpital. Stepanek iſt am ſchlechteſten weggekom - men. Er hat mehrfache Brüche des linken Unterſchenkels, wahrſcheinlich einen Bruch des Schädelgrundes und mehrere Wunden über dem linken Auge erlitten. Kuß hat eine ſchwere Kontuſion des Oberſchenkels und einen Nervenſchock davongetragen. Wahrſcheinlich iſt auch eine Gehirnerſchütterung dazugetreten. Jüngling erlitt eine Blutbeule an der Schläfe und eine Quetſchung im Kreuz. Der Chauffeur Klimberger kam mit einer drei Zenti - meter langen Rißwunde am Kinn davon. Klimberger wurde zum Kommiſſariat gebracht und dort einvernom - men. Er behauptet, daß ein unglücklicher Zufall das Un - glück verſchuldet hat. Eine ſtrenge Unterſuchung iſt ein - geleitet.

Die Todesopfer von Bochum. Das Begräbnis. Spenden aus Deutſchland. Die Zahl der Toten.

Die Stadt rüſtet ſich für die morgige Leichenfeier der Opfer der furchtbaren Kataſtrophe auf der Zeche Lothringen . Die beiden Maſſengräber auf dem Kom - munalfriedhof von Gehrte ſind bereits ausgeſchaufelt. Die kirchlichen Funktionen wird für die Katholiken der Biſchof von Paderborn, für die Proteſtanten der Generalſuperintendant Dr. Zöllner aus Münſter vornehmen.

Ueberaus zahlreich ſind die Spenden, die aus ganz Deutſchland für die Witwen und Weiſen der ums Leben gekommenen Bergleute einlaufen. Die Höhe der Spenden hat heute bereits die Summe von 85.000 Mark erreicht und weitere große Spenden wurden bereits angemeldet.

Was die Zahl der Opfer der Kata - ſtrophe anbelangt, ſo unterſcheiden ſich die offiziellen Angaben noch immer von den privaten. Offiziell wird die Geſamtzahl der Toten mit 110 angegeben. Der Zuſtand von drei bis vier der im Bergmannsheim darniederliegenden Schwerverletzten iſt ernſt. Die Oeſterreicher, die ſich unter den Toten und den Verletzten befinden, ſind meiſt Polen.

Bluttaten der Sonntagnacht.

Eine todbringende Kartenpartie. Ein Huſar in den Kaiſermühlen erſtochen.

Sonntag nachts haben ſich im Stadtgebiete zwei Totſchläge ereignet, einer nach einer Kartenpartie in Ottakring und einer an einem Huſaren im Prater. In dem erſten Falle iſt der Täter in Haft und geſtändig, in dem zweiten bisher noch nicht ganz genügend auf - geklärten Falle hat man den Täter noch nicht. Wir erfahren über dieſe beiden Bluttaten folgende Einzel - heiten:

Totſchlag an einem Kiebitz.

Die Bluttat in Ottakring iſt aus einem ganz nichtigen Grunde geſchehen. Im Gaſthauſe Mader in Ottakring, Sandleithengaſſe Nr. 32, ſaß ſeit Samstag abend um 8 Uhr eine Kartenpartie beim Schnapſen. Das Spiel ging um Bier. An der Partie nahmen die Brüder Johann und Anton Weixelberger, und Johann Winkler, Anſtreichergehilfen, teil. Getrunken wurde mäßig. Als Kiebitz ſaß an dem Tiſche der 21jährige Pflaſtererhilfsarbeiter Franz Bur, 16. Bezirk, Haſnerſtraße Nr. 145 wohnhaft. Bur nahm leidenſchaftlich an den Vorgängen des Spieles Anteil. Eben hatte um 11 Uhr nachts Anton Weixel - berger eine Partie nahezu verloren. Da ſagte er einen falſchen Zwanziger (König und Dame der gleichen Couleur) an. Er hatte die Figuren nicht in der Hand und tat es nur zum Scheine, was er auch dadurch ausdrückte, daß er gleich danach die Karten hinwarf und ſich für geſchlagen erklärte. Während es ihm ſeine Partner nicht übel nahmen, geriet der Kiebitz Bur in Zorn und ſagte ganz im Ernſte zu ihm: Wenn Du mir das tuſt, nimm ich das Literglas und ſchlag Dir den Schädel ein!

Es wurde weitergeſpielt und für den Augenblick ſchien das Geplänkel erledigt. Bur hänſelte den Anton Weixelberger jun. weiter und hörte nicht auf mit Stichelreden. Weixelberger ſah auch, daß ſich die kom - menden Kameraden des Bur allmälig um den Tiſch gruppierten und bedrohlich nach ihm ſahen. Ihm kam die Sache etwas ungemütlich vor und nach zehn Minuten ſtand er auf, entſchloſſen hinauszugehen. Sein Bruder Johann blieb noch im Lokal. Anton rief nun dem Bur zu: So tu mir’s gleich ...! Da war auch ſchon ein Handgemenge im Werden. Bur und Weixelberger hoben die Hände gegeneinander auf und warfen einander in den Seſſel zurück. Johann Weixelberger ſuchte die Gegner ſeines Bruders zurückzuhalten. Anton lief auf die Straße. Ihm folgten Bur, Winkler und Burs Kameraden. Draußen zogen alle die Meſſer und im nächſten Augen - blicke ging Bur auf Weixelberger los. Anton verſetzte ihm mit dem Meſſer einen Stich in die linke Bruſtſeite. Der Stich war furchtbar: 15 Zenti - meter lang und klaffend. Stromweiſe floß das Blut aus der Wunde. Einige Schritte konnte Bur noch wanken, dann ſtürzte er tot zuſammen. Anton Weixelberger jun. war nach der Bluttat davongelaufen. Die Freunde Burs verfolgten und mißhandelten ihn, ſo daß er am Kopfe leicht verletzt wurde. Er lief in die Sicherheitswachſtube in der Odoakergaſſe und ſtellte ſich ſelbſt. Anton Weixelberger jun. blieb in Haft und wird dem Landesgerichte eingeliefert werden.

Der zweite Totſchlag wurde heute nachts in den Kaiſermühlen an einem Huſaren verübt. Ueberdieſen Fall erfahren wir: Im Inundationsgebiet wird zurzeit von Huſaren des Huſarenregiments Nr. 1 das Gras für die Pferde des Regiments abgemäht. Zu dieſer Arbeit ſind acht Huſaren, die ſich auf landwirt - ſchaftliche Arbeit verſtehen, kommandiert. Dieſe acht Huſaren übernachteten in einer Hütte im Inundations - gebiet. Unter ihnen befand ſich auch der 23jährige Huſar Paul Oposzky, ein Slovake. Er und der Huſar Peter Bobiſch hatten geſtern abend die Hütte verlaſſen und ſich durch das finſtere Inundationsgebiet unter die Kaiſermühlen begeben, wo ſie in zwei Gaſt - häuſern zechten. Gegen 11 Uhr machten ſie ſich auf den Weg zur Hütte. Sie waren auf den Kaiſermühlen - damm gekommen, als ſich an ſie ein Mann anſchloß, der mit Oposzky zu ſprechen hatte. Bobiſch, der ſlovakiſch nicht verſteht, hörte, wie ſich die beiden ſlovakiſch unterhielten. Er ging einige Schritte vor und hörte, wie das Geſpräch lauter und ſchließlich zu einem Wortwechſel wurde. Plötzlich hörte Bobiſch, der gleich ſeinem Kameraden ohne Seitenwaffe war, wie Oposzky um Hilfe rief. Er wandte ſich um und ſah, wie der Ziviliſt davonlief. Oposzky aber wankte weiter. Nun lief der Huſar Bobiſch die immerhin beträchtliche Strecke zu der Hütte, in der die Kameraden über - nachteten, um Hilfe herbeizuholen. Als die Rettungs - geſellſchaft kam, war Oposzky bereits an Ver - blutung geſtorben. Er hatte zwei fürchterliche Wunden. Die eine war etwa 1 Zentimeter breit in der Gegend der rechten Niere, die zweite war eine hakenförmige und die Muskeln durchtrennende, ſcharfrandige Wunde in der Gegend des rechten Schulterblattes. Soweit an Ort und Stelle bei der ſpärlichen Beleuchtung zu erkennen war, ſind die Wunden an und für ſich nicht unbedingt tödlich geweſen und nur die be - ſonderen Umſtände des Falles haben es bewirkt, daß der Tod durch Verblutung eingetreten iſt; denn von dem Momente des Ueberfalles bis zum Eintreffen der ärztlichen Hilfe war infolge der Schwierigkeit der Ver - ſtändigung immerhin eine Stunde verſtrichen und der Körper des Huſaren war beinahe ganz ausgeblutet.

Aus welchem Grunde er den Totſchlag begangen hat, iſt vorläufig noch ein Rätſel, da Bobiſch, wie er - wähnt, nicht hörte, wovon die beiden ſprachen.

Die Kandidaten für den Kölner Erzbiſchofsſitz.

In eingeweihten hieſigen kirchlichen Kreiſen werden als Kandidaten für den durch den Tod Fiſchers er - ledigten Kölner Erzbiſchofſitz folgende Namen genannt: Weihbiſchof Müller, Dr. Kreuzwald (Köln), Pro - feſſor Mausbach (Münſter), Biſchof Dr. Schulte (Paderborn).

Die durch das Kölner Domkapitel zu bewirkende Aufſtellung der Liſte dürfte vorausſichtlich Ende nächſter Woche erfolgen. Der König hat alsdann das Recht, die Liſte der Kandidaten bis auf drei Namen zu ſtreichen. Von dieſen wählt das Domkapitel in Gegen - wart des königlichen, nicht kaiſerlichen Kommiſſärs Freiherrn von Rheinbaben den Kölner Erzbiſchof.

Zugszuſammenſtoß auf der Ritten - bahn. Zwei Arbeiter getötet.

Auf der Rittenbahn ſtieß heute ein Arbeiterwagen mit einem Wagen zuſammen, auf dem ſich einige Arbeiter befanden. Zwei Arbeiter wurden ge - tötet und vier ſchwer verletzt.

Die Erdbebenkataſtrophe in der Türkei.

Den erſten Meldungen über das am Samstag er - folgte Erdbeben im Gebiete des Marmarameeres, die von keinerlei Zerſtörungen und Schäden zu berichten wußten, folgt jetzt eine Reihe von Nachrichten, aus der die Größe und die verheerende Wirkung dieſes Bebens mit ſchrecklicher Deutlichkeit hervorgeht. Zahlreiche Städte ſind zerſtört worden, Hunderte von Menſchen fielen der Kataſtrophe zum Opfer und der Schaden geht in die Millionen.

1000 Tote. 3000 Verletzte.

Nach privaten Informationen ſind durch das Erd - beben 1000 Menſchen ums Leben ge - kommen und 3000 verletzt worden. Gegen 5000 Perſonen ſind obdachlos.

Es heißt, daß achtundzwanzig von Griechen be - wohnte Städtchen und Dörfer vollkommen zerſtört worden ſeien. Der Konak von Adrianopel iſt ſtark beſchädigt. Die Nebengebäude des Konaks und das Gefängnis ſind eingeſtürzt. Vier Soldaten wurden unter den Trümmern begraben.

Brennende Städte.

Der Lokalanzeiger berichtet zu der furchtbaren Erdbebenkataſtrophe, die in den Dardanellen und längs der Küſte des Marmarameeres große Verheerungen anrichtete: Der Kapitän des Panzerſchiffes Barba - roſſa erzählt, daß er und die Paſſagiere des Schiffes Zeugen eines furchtbaren Schauſpieles geweſen ſind. Die ganze Strecke längs der Darda -nellenküſte ſchien in Flammen zu ſtehen. 200 Perſonen aus Myriofilo beſchworen den Lebens - mitteldampfer Marka zu Hilfe zu eilen, doch war dies unmöglich, denn das Waſſer war an der Küſte wie kochend. Der Kapitän des Dampfers Pelops er - zählt, daß alle Häuſer in Gallipoli vernichtet wurden, ſie wurden vom Bergrücken herabgeſtürzt. Die Bevölkerung befindet ſich in großer Aufregung. Das britiſche Konſulat wurde beſchädigt, die griechiſche Kirche zerſtört. In einer Stadt an der Dardanellen - küſte ſprudelten plötzlich heiße Quellen in großem Umkreiſe hervor und verſchwanden in Erdſpalten. Viele Häuſer ſtürzten ein. Die Städte Chora, Keraſſia, Myriofilo und Herkliſa ſahen wir von weitem brennen, wir konnten nicht näher kommen, da das Waſſer nahe der Küſte kochte.

Der Miniſter des Innern beſtätigt, daß die Stadt Myriofi und die Ortſchaften Gano, Chora, Phatanos, Keraſia, Milla und Utch - tuders vollſtändig durch Feuersbrunſt und Erd - beben zerſtört wurden. Zahlreiche Opfer an Menſchen - leben ſind zu beklagen. In Adrianopel wurden 20 Moſcheen ſowie mehrere Häuſer und Türme beſchädigt. Doch ſind Menſchen nicht ums Leben gekommen. In Luleburgas wurden zwei Perſonen getötet. Die Thermalquellen bei Dedeaghatſch ſind verſiegt. Der durch den Brand in Tſchorlu angerichtete Schade wird auf eine halbe Million Franken geſchätzt. Die Erdbewegung erſtreckt ſich bis Ismidt und Balikeſſir in Anatolien.

Privatmeldungen beziffern die Zahl der Toten und Verwundeten mit tauſend. Bei Periſtaſis hat das Meer zahlreiche tote Fiſche ans Land geworfen. In Gallipoli wurde eine Anzahl Soldaten getötet. Die Inſel Marmara hat ebenfalls gelitten. Kirchen, Wohnhäuſer und Schulen wurden zerſtört und einige Perſonen ſind ums Leben gekommen. In Artaki ſind mehrere Häuſer eingeſtürzt. Die Bevölkerung lagert im Freien.

Der Miniſterrat hat beſchloſſen, dreitauſend türkiſche Pfund zur Hilfeleiſtung zu widmen.

Neuerliche Erdſtöße.

Heute um ½12 Uhr vormittag erfolgte ein neuer - licher Erdſtoß von geringerer Häftigkeit.

Die in Myriofilo und in den anderen Ortſchaften an der Küſte des Marmarameeres bei dem Erdbeben verletzten Perſonen ſind hieher gebracht worden. Man ſpricht von 300 Toten und Verletzten.

Bei der Erdbebenkataſtrophe in den Dardanellen iſt nicht das Haus des öſterreichiſch-unga - riſchen Konſuls eingeſtürzt, ſondern nur die beiden Nachbarhäuſer.

Schwerer Unfall auf dem Depot - ſchiff Gäa . Drei Unteroffiziere getötet.

Ein ſchweres Unglück ereignete ſich geſtern im Maſchinenraum eines unſerer Kriegsſchiffe. Infolge eines bisher noch nicht völlig aufgeklärten Defektes iſt auf dem S. M. Torpedo depotſchiff Gäa , das derzeit im Kriegs - hafen von Pola verankert liegt, ein Stahlrohr plötz - lich geborſten. Aus dieſem zu dem Kondenſator führen - den Rohre drang der darin enthaltene Dampf mit unheim - licher Gewalt in den Maſchinenraum, in welchem eben mehrere Marineſoldaten ſich aufhielten. Mit ohrenbe - täubendem Ziſchen ergoß ſich der ſiedende Dampf in den Raum. Das Ziſchen warnte zum Glücke die meiſten der dort Arbeitenden, die auch panikartig aus dem Maſchinen - raume flüchteten. Nur drei Maſchinen unteroffi - ziere hatten keine Gelegenheit mehr, ihr Leben in Sicherheit zu bringen. Durch den aus dem defekt geworde - nen Stahlrohre herausſtrömenden Dampf erlitten die drei Unteroffiziere, deren Namen bis zur Stunde nicht in Erfahrung gebracht werden konnten, Brandwunden durch Verbrühung dritten Grades und ſtürzten ſofort zu Boden. Als die von dem Unglücksfalle ſofort verſtändigten Schiffsoffiziere und der Schiff[ſ]arzt in den Maſchinen - raum drangen, fanden ſie bereits zwei Leichen. Der Arzt konnte leider auch bei dem verunglückten dritten Ma - ſchinenunteroffiziere nur den unbedingt tödlichen Charak - ter der Verletzungen konſtatieren. Der Verletzte wurde in das Marodenzimmer des Torpedodepoſchiffes Gäa ge - bracht und ihm zur Linderung ſeiner Qualen alle mög -

Fassoneisen - Fensterfabrik

5Nr. 370 Wien, Montag Reichspoſt 12. Auguſt 1912

lichen Mittel zuteil werden laſſen. Doch konnte die ärzt - liche Kunſt nicht mehr helfen und auch dieſes dritte Men - ſchenopfer iſt heute ſeinen Verletzungen erlegen. Von dem Unfalle wurde die Marineſektion des Kriegsmini - ſteriums unverzüglich verſtändigt und eine ſtrenge Unter - ſuchung eingeleitet.

Sportnachrichten.

Trabfahren zu Baden.

Der geſtrige Badner Trabrenntag war glänzend be - ſucht, trotzdem das kühle Wetter den Aufenthalt im Freien wenig angenehm geſtaltete. Die Rennen brachten den Favorits nahezu durchwegs ſchwere Niederlagen. Nur im Maidenverkaufsrennen der Dreijährigen und im Sommer - handikap vermochten Schatz, reſpektive Hauteur ihre kurzen Odds zu landen. Dagegen bildeten die Erfolge von Magnas im Gordon - und Furcſa im Gambettahandikap große Ueber - raſchungen. Am Totaliſateur zahlte man 449 und 227: 10. Die Handikaps verliefen durchwegs ſehr ſpannend, da über den ganzen Weg das Bild jeden Moment wechſelte und die Felder dicht geſchloſſen waren.

Nachſtehend die Reſultate:

Maiden-Verkaufsrennen der Drei - jährigen. 2000 Kr. 2100 M. Geſt. Spillerns br. H. Schatz 1: 39·7 (Lyon) 1., Hrn. Schleſingers br. H. Membaj 2., Geſt. Wiltonhofs br. St. Renee 3. Intrigant, Argona, Tiroler - hof, Nachtfalter, Futone, Notar (als Zweiter disqualifiziert), Betyar, Infantka. Schatz iſt bald in Front und ſiegt über - legen. Tot. 19: 10. Platz 25, 34, 35: 20.

Gordonhandikap. 3000 Kr. 2500 M. Hrn. Obers - bergers 7j. ſchwbr. H. Magnas 1: 28·5 (Seager) 1., Mr. Oscars 6j. br. W. Prokop 2., Bar. Kohners 6j. RSt. Fantazya 3. Marie K., Imitator, Regent, Ma joie, Elemer, Plauder - lieschen, Memphis, Feri. Die Führung wechſelt. In der zweiten Runde geht Prokop in Front, wird aber knapp vor dem Ziele von Magnas paſſiert. Tot. 449: 10. Platz 137, 56, 74: 20.

Verkaufsrennen. 2000 Kr. 2300 M. Herrn Grinovers 6j. br. St. Grinover 1: 32·8 (Pezzi) 1., Geſt. Veneſellös 4j. dbr. St. Pipiske 2., Geſt. Wolas 4j. RSt. Hera 3. Rajta, Viribus unitis, Grille, Buxus, Lovag, Gemeinderat, Ellie, Anſel, Subri, Lidercz, Georgina. Anfangs führt Grille vor Rajta. In der Schlußrunde geht Bella donna in Front und ſiegt leicht. Tot. 142: 10. Platz 81, 77, 40: 20.

Sommerhandikap. 10.000 Kr. 2100 M. Herrn Schleſingers 5j. ſchwbr. H. Hauteur 1: 27·3 (Brown) 1., Hrn. Brunatis 10j. br. H. Concurrent 2., Bar. Kohners 8j. br. H. Sir Todd 3. Aſchenbrödel, Crescens, Prince Revelſtoke, Lionello, Lonſtic, Aufwieglerin, Al Stanley, Pierrot, Royal Reaper. Hauteur führt durchwegs und ſiegt leicht. Tot. 31: 10. Platz 36, 61, 39: 20.

Leventepreis. 2600 Kr. 2200 M. Geſt. Wolas br. St. Igraszka 1: 31 (Ederer) 1., Geſt. Sharovas dbr. H. Coeur d’Excelſior 2., Geſt. Veneſellös FSt. Leni 3. Mädi, Hart, Nachtigall. Coeur d’Excelſior führt bis in den Einlauf. Hier geht Igraszka an ihm vorbei und ſiegt ſicher. Tot. 42: 10. Platz 28, 24: 20.

Traberſportklubrennen. 2000 Kr. 2100 M. Geſt. Bellevues 8j. br. St. Szamocza 1: 33·6 (Albrecht) 1., Hrn. Pillats 7j. br. St. Ex libris 2., Hrn. Tſchagers 6j. br. W. Nord Expreß 3. Rajta, Giſa, Gretl G., Meltoſagos, Riſotto B., Marco, Mailüfterl. Anfangs führt Gretl G., dann Szamocza. Dieſe ſiegt leicht vor Ex libris. Tot. 74: 10. Platz 47, 36, 71: 20.

Gambetta-Handikap. 2400 Kr. 2100 M. Hrn. Wedorns 5j. br. St. Furcſa 1: 32·5 (Beſ.) 1., Hrn. Feyers 4j. ſchwbr. H. Ewian 2., Geſt. Wiltonhofs 4j. ſchwbr. St. Chance 3. Mac Phee, Hekla, Ernſtl, Folies Caprices, Adalbert, Mon ami, Sieß E. U., Erni, Rendezvous, Waſelbua, Griſette,Hedvig, Iluskam. Die Führung wechſelt. In der Schlußrunde geht Hedvig in Front, ſpringt aber im Einlauf, ſo daß Furcſa, Ewian und Chance in Front gehen und in der genannten Reihenfolge das Ziel paſſieren. Tot. 227: 10, Platz 179, 76, 104: 20.

Fiakerfahren. 1200 Kr. 3000 M. Hrn. Seidls Fondor Commander (1: 42·3) 1., Hrn. Obersbergers Dillon Waſelbua 2., Hrn. Kreipls Vidra Terka (keine Wetten) 3. Gina Hanni K, Humbert Madar P, Wunderbua Brigadier. Nach Runden gehen Dillon Waſelbua in Front, werden aber im Einlauf von Fondor Commander leicht paſſiert. Tot. 24: 10, Platz 23, 23: 20.

Radfahren.

Radrennen des Oeſterreichiſchen Touringklubs. Der Oeſterreichiſche Touringklub hielt geſtern auf der Straße Schwechat Schwadorf Fiſchament Schwechat ſeine Meiſterſchaft über 50 Kilometer ſowie ein Junior - und ein Seniorrennen ab. War die Beteiligung auch nicht ſehr ſtark, ſo wurden doch gute Leiſtungen geboten, die um ſo anerkennenswerter ſind, als die Fahrer gegen ſturm - artigen Gegenwind anzukämpfen hatten. In der Meiſterſchaft gab es eine kleine Ueberraſchung, da Kriſchke den Favorit Puhrer im Endſpurt knapp ſchlagen konnte. Die Ergebniſſe waren:

Meiſterſchaft des Oeſterreichiſchen Touringklubs (50 Kilometer). Otto Kriſchke (R. K. Landſtraße 1: 46: 11⅖) 1., C. Puhrer (R. K. Sturmvogel , 1: 46: 11⅗) 2., E. Gfrörer (Wiedner Radler 1: 46: 12 ) 3. R. Ernſt und F. Schlagintweit (Wiedner Radler) erhielten Medaillen. Janetzky und Schilhabl gaben auf.

Juniorfahren (25 Kilometer). R. Richter (R. K. Ausdauer , 56: 08⅖) 1., H. Walzer (R: K. Regent , 56: 14) 2., A. Mann (R. K. Rund um Wien , 57: 30⅘) 3. J. Müller, Weißmeyer.

Seniorfahren (25 Kilometer). J. Scharrer (R. K. Rund um Wien , 55: 21⅗) 1., Stoitzner (Neubauer Radler, 55: 25⅘) 2., Stefandl (R. K. Deutſchmeiſter , 55: 52⅕) 3. J. Gſtöttner, A. Roy, J. Mahn.

Das Radrennen Wien Prag.

Von den 57 Konkurrenten, die geſtern um 3 Uhr früh in Wien zu dem Radrennen Wien Prag (287·4 Kilometer) geſtartet waren, trafen 23 in Prag ein, u. Lw. als Erſter Kramer (Wien) in 12 Stunden 33 Minuten 49·4 Sekunden, als Zweiter Rames (Prag) in 13 Stunden 26 Minuten 25·2 Sekunden, als Dritter Wallner (Wien) in 13 Stunden 40 Minuten 44·2 Sekunden, als Vierter Silberdaler in 13 Stunden 48 Minuten 40·4 Sekunden und als Fünfter Schaeffer (Wien) in 13 Stunden 48 Minuten 41·6 Sekunden.

Ruderſport.

Deutſchböhmiſche Ruderregatta. Aus Leitmeritz, 11. d., meldet ein Telegramm: Hier fand die fünfte deutſch - böhmiſche Ruderregatta ſtatt, an der 50 Boote teilnahmen, darunter auch der Meiſterſchaftsvierer der Ger - mania in Leitmeritz, durch den Oeſterreich bei den Olympiſchen Spielen vertreten war. Im Rennen dieſes Vierers gegen den Juniorenvierer des Pirat (Wien) ſiegte erſterer mit einer Länge. Im Rennen um den Preis der Stadt Leitmeritz wurde Pirat (Wien) vom Meiſterſchaftsvierer der Germania mit ¾ Längen geſchlagen. Die Einſermeiſterſchaft von Böhmen gewann Eichler (Prag).

Fußball.

Qualifikationsfußballmath Hertha gegen Rudolfs - hügel . Auf dem Hütteldorfer Sportplatz des W. A. F. kam geſtern das zweite Qualifikationsmatch Hertha gegen Rudolfshügel zur Entſcheidung. Nach ſcharfem aber fairem Kampf ſiegte Hertha dank ihres beſſeren Schußvermögens über die ſonſt ebenbürtigen Gegner mit 3: 1 (Halbzeit 1: 0). Hertha bleibt ſomit in der erſten Spielabteilung des Niederöſterreichiſchen Fußballver - bandes , während Rudolfshügel erſt ſein Qualifikationsmatch gegen Wacker gewinnen muß.

Waſſerſport.

Propagandawettſchwimmen in Hietzing. Der Wiener Athletikſportklub veranſtaltete geſtern im Bade Penzinger Au in Hietzing ein lokales Propaganda-Schwimmeeting. Der eigentliche Zweck, die Bewohner der weſtlichen Bezirke für den Schwimmſport zu intereſſieren, wurde zufolge der ungünſtigen Witterung nur in geringem Maße erfüllt, da ſich nur wenige Beſucher einfanden, die nicht direkt intereſſiert waren. Die aber gekommen waren, bekamen recht guten Sport und hübſche Kämpfe zu ſehen, die in den beiden Stafettenkonkurrenzen ihren Höhepunkt erreichten. Im Rahmen des 55 Meter-Schnell - ſchwimmens konnte Heini Brandſtetter über 50 Meter mit 30⅕ (früher 30⅘) einen neuen öſterreichiſchen Rekord aufſtellen. Die Reſulate waren:

Neulingsſtafette, dreimal 27·5 Meter. Von den fünf Mannſchaften des W. A. K. ſiegte die Stafette Matz, Rush, Püsk in 1: 26.

Knabenſchwimmen, 82·5 Meter. J. Sticker (W. A. K. 1: 12⅘) 1., Reuninger (Amateur 1: 15) 2., H. Haldenwang (Amateur) 3.

Tauchen, 50 Meter. J. Schwarz (W. A. K. 44·30 Meter in 40⅖) 1., Bernatz (W. A. K. 40·30 Meter in 44⅘) 2., Püsk (W. A. K.) 3.

Springen (Meiſter ausgeſchloſſen). Bernatz (W. A. K.), Reinhardt.

Junior-Damen-Bruſtſchwimmen, 55 Meter. Frl. W. Himmler ( Danubia 54⅘) 1., Frl. J. Kovacs ( Stern 1: 01⅘) 2., Frl. Tagleicht 3.

Schnellſchwimmen. 55 M. Hr. Brandſtetter (W. A. K., 33⅖) 1., Neuwelt (Auſtria, 36⅗) 2., Sticker 3.

Handikap. 82·5 M. G. Haldenwang (Amateur, 1: 10⅘) 1., H. Haldenwang (1: 15) 2., R. Morberger 3.

Lagenſtafette. 4mal 27·5 M. Amateure (1: 6⅖) 1., W. A. K. (1: 16⅗) 2.

Rückenhandikap. 82·5 M. A. Bauer (Auſtria, 1: 24⅕) 1., O. Finkler (Auſtria, 1: 28⅘) 2., L. Freund 3.

Damenhandikap. 55 M. Frl. Kovacs (Stern, 1: 10⅖) 1., Frl. Tagleicht 2., Frl. Himmler 3.

Hauptſpringen. Th. Bernatz (W. A. K.) im Alleingang 1.

Bruſtſchwimmhandikap. 55. M. J. Schwarz (W. A. K., 1: 22⅗) 1., O. Finkler (Auſtria) 2., A. Hofbauer 3.

Stafette. 6mal 27·5 M. Athletikſportklub (1: 44) 1., Amateure (1: 48) 2.

Eingeſendet.

35. Folge.

Nachdruck verboten.

Das Rätſel des blauen Löwen.

Und ſie ſchlang ihren gebräunten Arm wie zum Schutz um das zitternde Mädchen. Sie wiſſen, ich würde die rechte Hand drum geben, Sie vor Leid be - wahren zu können, und daß ich Mr. King alles Gute wünſche, Ihretwegen ſowohl wie ſeinetwegen. Denn er iſt ein ſo netter Mann, als ich je einen ſah, und voll Liebe für Sie, wie ich wohl weiß. Aber es iſt das Beſte, daß Sie alles erfahren, was man ſagt, damit es Sie nicht ſpäter in Verlegenheit ſetzt.

Danke Dir, Meg. Meinſt Du’s doch gut, ſagte die arme Nell, als ſie ſich mit Tränen im Auge ent - fernte und ins Bett hinaufſchlich.

Am folgenden Morgen, gleich nach dem Frühſtücke, hieß ſie George Clavis, der ängſtlich und beſorgt aus - ſah, den Koffer für die Reiſe nach London zu packen.

Nell wagte keinen Einwand zu erheben, noch Fragen an ihren Onkel zu ſtellen, mit dem heute offenbar nicht zu ſpaſſen war. Sie mußte ſich an dem Berichte genügen laſſen, den Meg von der für Clifford angeſtellten Pflegerin erhalten hatte: der Kranke habe die Nacht gut verbracht.

Schon vor zehn Uhr befanden ſich Nell und ihr Onkel mit dem Koffer hinten im Gig auf dem Wege nach Stroan.

Sie waren noch nicht weit gefahren, als ſie be - merkten, daß etwas Ungewöhnliches auf der Straße vor ſich ging. Ene Anzahl Leute, darunter zwei oder drei von der Polizei, waren eifrig damit beſchäftigt, die Straße und die ihr zur Seite laufenden Gräben zu durchſuchen. Es war klar, daß dieſe Nachforſchungen in Zuſammenhang mit der Auffindung von Jems Leiche ſtanden.

Holla, was iſt los? fragte Clavis, ſich an den nächſten Polizeidiener wendend.

Nichts weiter, erwiderte der Mann mit einem Seitenblick auf Nell.

Nichts, was für Sie von Belang iſt, fügte ein anderer der Suchenden hinzu. Und auch er blickte das junge Mädchen, das mit blaſſem Geſichte und geſchloſſe - nen Lippen neben George Claris ſaß, ſeltſam an.

Nun, ihr könntet auf eine höfliche Frage wohl eine höfliche Antwort geben, denk ich, ſagte der Gaſt - wirt erzürnt.

Seine Nichte aber ſuchte ihn durch Zeichen und leichtes Zupfen am Aermel zum Weiterfahren zu ver - anlaſſen. Er war aber halsſtarrig. Seit lange hier an - ſäſſig und mit der ganzen Gegend von jeher auf gutem Fuß ſtehend, glaubte er ein Recht auf die Auskunft zu haben, um die er ganz harmlos gebeten hatte.

Ei was! ſagte er hartnäckig, indem er ſich aus dem Wagen lehnte und einen vertraulichen Ton an - ſchlug, wenn’s ein Geheimnis betrifft, ſo wißt ihr, daß ich’s zu halten weiß. Oder hab ich nicht ſchon manches geheimzuhalten gewußt? Zu ſeiner großen Entrüſtung ſah er jedoch auf den Geſichtern einiger der beſchäftigten Leute etwas, was er für ein mitleidiges Lächeln hielt.

Er verlor ſeinen Gleichmut.

Nun denn heraus mit der Sprache! rief er finſter.

Der Poliziſt, mit dem er zuerſt geſprochen, unter - drückte das Lächeln und antwortete ernſt genug: ’s iſt uns vorläufig nicht erlaubt, mehr zu ſagen. Doch wer - den Sie bald alles erfahren. Wahrſcheinlich ſchon dieſen Nachmittag.

Onkel George, wir werden den Zug verſäumen, ſagte Nell mit unſicherer Stimme.

Der Poliziſt blickte jetzt von George Claris auf den Koffer hinten im Wagen, und als der Gaſtwirt fortfuhr, flüſterte er dem ihm zunächſt ſtehenden Mann einige Worte zu, worauf dieſer eilig in der Richtung auf Stroan lief.

Onkel und Nichte waren kaum auf dem Bahnſteig der kleinen Station angekommen, als der Polizeikom - miſſär des Platzes aus der Tür trat und auf ſie zu eilte.

Ei, Mr. Claris, ich komme, wie ich ſehe, gerade zurecht, rief er freundlich, indem er die Hand höflich an den Hut legte. Wollen einen Raſting in London nehmen?

Nicht ich. Für mich gibt’s keine Raſ[ttage], er - widerte Claris faſt mürriſch. Ich bringe meine Nichte zur Bahn, weiter nichts.

Nun, ſo tut es mir leid, daß ich den[Auſflug]der Dame unterbrechen muß, denn wir werden ihrer als Zeugin bei der Unterſuchung bedürfen, die dieſen Nach - mittag ſtattfinden ſoll. Ich bedaure unendlich, Miß, wendete er ſich an Nell, aber es heißt nur das Ver - gnügen um einige Tage verſchieben.

Doch Nell ſah ſo beſtürzt aus, als ob die Vorladung des Beamten ein Todesurteil geweſen wäre. Sie gab keine Antwort, ſondern ſtand ſchweigend, tränenlos,aber ſchreckensbleich vor den zwei Männern da und ſtarrte mit offenen Lippen und wilden Blicken auf den herankommenden Zug.

Der Onkel rüttelte ſie, ſie am Arme ergreifend, auf.

Was iſt mit Dir, Mädchen! Sieh nicht ſo drein! raunte er ihr zu. Die Leute müſſen ja denken, Du habeſt ſelber die Hand mit im Spiel, wenn Du mit ſolchem Geſicht vor Gericht gehſt.

Zu ſeinem Erſtaunen nahm ſie ſeine Worte ganz ernſt.

Wird man das wirklich denken? Wird man ſo etwas zu ſagen wagen? fragte ſie mit ſo atemloſem Ernſt, daß er mit einem finſteren Ausdruck auf ſeinem ehrlichen roten Geſicht einen Schritt zurücktrat.

Gott bewahre das Mädchen! Du jagſt mir mit Deinem Zittern und Deinem verſtörten Geſicht einen heilloſen Schreck ein! ſagte er mürriſch. Komm mit mir heim! Und um Himmals willen erwecke nicht den Verdacht, daß Du Dich habeſt davonmachen wollen. Gott weiß, was die Leute in ſolcher Zeit alles ſagen werden, wenn Du nicht alle fünf Sinne[beiſa]mmen haſt und wie ein vernünftiges Weſen Rede ſteh[ſ]t.

Nell ſagte nichts. Dem G[aſt]wirt aber ſank, als er heimfuhr, der Mut, da er ſah, daß ſein ſonſt ſo leicht - herziges, fröhliches Nichtchen auf dem ganzen Weg wie Eſpenlaub zitterte.

Vierzehntes Kapitel.

Vor dem Unterſuchungsrichter.

Die gerichtliche Unterſuchung fand in dem kleinen Rathaus auf dem Marktplatze[ſtatt]und die böſen Ge - rüchte, die über den Tod Jems in Um[l]auf waren, hatten einen ſolchen Andrang herbeigeführt, daß die dürftige Räumlichkeit, die das alte Gebäude darbot, aufs äußerſte in Anſpruch genommen[wurde]

Es war von Anfang an erſich[tlich], daß dies kein gewöhnlicher Fall war, daß es ſich hier nicht bloß um einen Betrunkenen handelte, der tot in einem Graben gefunden worden war, ohne daß man hätte ſagen kön - nen, wie er zu Schaden gekommen war.

Vom erſten Augenblick an, als die Türen geöffnet wurden und die Menge hereinſtrömte, um unverzüglich den für das Publikum beſtimmten Raum auszufüllen, vernahm man ein von Mund zu Mund fliegendes Murmeln und Flüſtern, das dem allgemeinen Glauben entſprang, daß eine oder mehrere Perſonen aus beſſeren Kreiſen in den Prozeß verwickelt werden würden.

(Fortſetzung folgt.)

6Wien, Montag Reichspoſt 12. Auguſt 1912 Nr. 370

Erſte k. k. priv. Donau-Dampfſchiffahrts Geſellſchaft.

Kombinierte Rundfahrkarten.

I. Nach und von der Wachau (Wien Melk Spitz Stein - Krems Wien).

[Wien Melk (Bahn), Melk Spitz Stein-Krems (Schiff), Krems Wien (Bahn)]. II. Klaſſe Bahn Perſonen - zug, I. Platz Schiff Kronen 8.50, III. Klaſſe Bahn Perſonen - zug, II. Platz Schiff Kronen 5.60, II. Klaſſe Bahn Schnell - zug, I. Platz Schiff Kronen 10.10, III. Klaſſe Bahn Schnell - zug, II. Platz Schiff Kronen 6.60.

II. Wien Pechlarn Wien.

[Wien Pechlarn (Bahn), Pechlarn Stein-Krems (Schiff), Krems Wien (Bahn)]. II. Klaſſe Bahn Perſonen - zug, I. Platz Schiff Kronen 9.30, III. Klaſſe Bahn Perſonen - zug, II. Platz Schiff Kronen 6. .

III. Wien Krumnußbaum Marbach (Maria-Taferl) Wien.

[Wien Krumnußbaum (Bahn), Marbach Stein - Krems (Schiff), Krems Wien (Bahn)]. II. Klaſſe Bahn Perſonenzug, I. Platz Schiff Kronen 9.60, III. Klaſſe Bahn Perſonenzug, II. Platz Schiff Kronen 6.20.

Dieſe kombinierten Rundfahrkarten gelangen täglich zur Ausgabe, beſitzen fünftägige Geltungsdauer und be - rechtigen zur Benützung der betreffenden Zugsgattungen ſämtlicher fahrplanmäßigen Züge der k. k. öſterr. Staats - bahnen, ſowie der Lokalſchiffe der Erſten k. k. priv. Donau - Dampfſchiffahrts-Geſellſchaft auf den betreffenden Strecken und der Wiener Stadt - und Verbindungsbahn ſowohl bei der Abfahrt von Wien, als auch bei der Rückkunft nach Wien. Für Kinder im Alter von 4 10 Jahren kommen halbe Karten zur Ausgabe.

Dieſe Karten werden in Wien (Weſtbahnhof), in ſämt - lichen Wiener Stadtbahn - und Wiener Verbindungsbahn - ſtationen, ferner in Wien-Franz-Joſefbahnhof, Wien, Stadtbureau der k. k. öſterr. Staatsbahnen (1. Bezirk, Kärntnerring 7), Reiſebureau Courier , Nagel & Wort - mann (1. Bezirk, Operngaſſe 6), in den Bahnſtationen Krumnußbaum, Pechlarn, Melk und Krems, ſowie in den Schiffsſtationen Marbach, Pechlarn, Melk, Spitz, Stein und Krems ausgegeben.

Auskünfte erteilen bereitwilligſt die geſellſchaftlichen Stationen und die Direktion. Fahrplanexemplare ſind bei genannten Stellen erhältlich.

Die Direktion.

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7Nr. 370 Wien, Montag Reichspoſt 12. Auguſt 1912
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8Wien, Montag Reichspoſt 12. Auguſt 1912 Nr. 370
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Herausgeber Dr. F. Funder, Wien. Verantwortlicher Redakteur Heinrich Ambros, Wien. Druck von Ambr. Opitz Nachfolger, Wien.

About this transcription

TextNr. 370, 12.08.1912.
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Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

Benjamin FiechterSusanne HaafNote: Bereitstellung der digitalen Textausgabe (Konvertierung in das DTA-Basisformat).2018-01-26T13:38:42Z grepect GmbHNote: Bereitstellung der Texttranskription und Textauszeichnung.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T13:38:42Z Amelie MeisterNote: Vorbereitung der Texttranskription und Textauszeichnung.2018-01-26T13:38:42Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

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Bibliographic informationNr. 370, 12.08.1912. . OpitzWien1912. Reichspost

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IDS Mannheim

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Fraktur

LanguageGerman
ClassificationZeitung; ready; mkhz2

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Editorial principles

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  • Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)
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