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Das Mähriſche Tagblatt mit dem alle 14 Tage 1 Bogen ſtark erſcheinenden Ill. Unterhaltungsblatt erſcheint mit Ausnahme der Sonn - und Feiertage täglich. Ausgabe 2 Uhr Nachmittag im Adminiſtrationslocale Niederring Nr. 41 neu.

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Telephon Nr. 9.

Nr. 20. Olmütz, Montag, den 26. Jänner 1891. 12. Jahrgang.

An die deutſchen Reichsrathswähler in Mähren!

Mit dem kaiſerlichen Patente vom 23. Jänner d. J. iſt das Abge - ordnetenhaus des öſterreichiſchen Reichsrathes aufgelöſt und die ſofortige Ausſchreibung der allgemeinen Reichsrathswahlen angeordnet worden.

Der deutſchen Partei Mährens erwächſt daraus die Pflicht, un - verzüglich an die Schaffung der Wahlorganiſation zu ſchreiten und mit voller Thatkraft alle Vorbereitungen zu treffen, um ſich in dem für die Zukunft des deutſchen Volkes in Mähren ſo wichtigen, vielleicht ſogar entſcheiden den Wahlkampfe den Sieg und damit jene berechtigte Stellung zu[ ſichern], welche wir trotz aller Schwierigkeit der Verhältniſſe, trotz aller Wandlungen der Zeiten durch Einigkeit und treues Zuſammenhalten bisher zu behaupten wußten.

Nur eine kurze Spanne Zeit iſt uns zur Rüſtung gegönnt, jedes Zögern, jede Läſſigkeit müßte verhängnißvoll werden, es gilt jeden Augen - blick benützen, es gilt die ganze Kraft anſpannen und ohne Zwieſpalt dem einen Ziele zuſtreben: in feſtgefügter, geſchloſſener Reih auf der Wahlſtätte zu erſcheinen.

Darum richtet die Parteileitung im Einvernehmen mit den zur Berathung der Parteiorganiſation heute in Brünn verſammelten Ver - trauensmännern angeſichts der unvermuthet früh erfolgten Auflöſung desReichsrathes, welche der Partei raſcheſtes Handeln zur Pflicht macht, an das deutſche Volk Mährens, den dringenden Ruf, in Stadt und Land unverzüglich die Bildung der Orts - und Bezirks - ausſchüſſe in Angriff zu nehmen und alle örtlichen Vorbereitungen für die Wahlen im umfaſſendſten Maße zu treffen, während alle weite - ren Schritte ſelbſtverſtändlich der Beſchlußfaſſung des ſchleunigſt einzube - rufenden Landes-Wahlausſchuſſes und der Vertrauensmännerverſammlung vorbehalten bleiben.

Partei - und Volksgenoſſen laſſet unſeren Ruf nicht ungehört. Von Euerer Rührigkeit, Euerer Einigkeit und Parteitreue hängt die Entſchei - dung ab.

Erſetzt Ihr den Mangel an Zeit, die uns für die Wahlvorberei - tungen gewährt iſt, durch verdoppelte Kraftanſtrengung, dann kann uns der Sieg nicht fehlen, der Sieg des Deutſchthums und des Fortſchrittes!

Deutſche Mährens, auf zur Arbeit, friſch an’s Werk im Zeichen unſeres alten, ſiegbewährten Wahlſpruches:

Einer für Alle, Alle für Einen!

Für die Parteileitung: Dr. Adolf Promber. Dr. Fritz Popelak. Dr. Auguſt Weeber. Dr. Joſef Habermann. Dr. Alexander Schüller. Dr. Hugo Fux. Dr. Ludwig Werores.

Feuilleton.

Von Meran bis Reval. (Eine theatraliſche Revue.)

Wir wollen keine Reiſebeſchreibung liefern, oder etwa Nachricht von einem kühnen Reiſenden geben, der die Strecke von den Tiroler Bergen bis zu der großen ruſſiſchen Ebene im Fluge zurückgelegt hätte. Nein die Namen Meran und Reval bezeichnen uns nur die äußerſten Grenz - punkte, innerhalb welcher die deutſche Bühne ge - deiht. In dem großen Raume zwiſchen dieſen beiden Endſtationen deutſchen Bühnenlebens fin - den wir Alle wieder, die jemals auf unſerem Theater die Gunſt oder Ungunſt des Publicums erfuhren. Wir haben zu dieſem Behufe nicht erſt lange Kreuz - und Querfahrten nöthig, die im heurigen ſchneereicheu Winter nicht eben zu den Annehmlichkeiten des Lebens zählen würden. Wir können das ganze große Gebiet, das die deutſche Bühne umſpannt, bequem vom warmen Ofen aus überblicken, wenn wir uns neben demſelben im Lehnſtuhle niederlaſſen und den Ent’ſchen Bühnen-Almanach zur Hand nehmen, der uns genauen Aufſchluß darüber gibt, wie viele von denen, die hier die erſten ſchüchternen Verſuche auf den weltbedeutenden Brettern thaten, den ſtolzenFlug zu den Höhen der Kunſt, zu Ruhm und Ehr unternahmen, und wie viele von ihnen ge - ſtorben oder verdorben ſind. Beſſer als die zahl - reich erſchienenen Dekamerones, die nach Wiener Muſter in vielen Theaterſtädten in den letzten Jahren aus Licht kamen, ſagt uns dieſer Almanach, ob die Laufbahn des einzelnen Künſtlers eine auf - oder abſteigende war, und ob Lorbeer und Kränze, von denen im Dekamerone ſo viel zu leſen iſt, ihm heute noch blühen oder längſt ver - welkt ſind. Wenn wir oben ſagten, wir finden im Almanach Alle wieder, ſo muß dieſer Aus - ſpruch eine kleine Einſchränkung erfahren. Wir finden dort nur Jene wieder, die noch der Bühne angehören und für die deutſche Kunſt, ſei es auch in Bocholt oder Krems wirken. Dagegen fehlen viele, die freiwillig der Bühne den Rücken kehrten, indem ſie Thalien um Hymens willen verließen, oder weil ſie ſchließlich doch erkannten, daß Apoll ihnen des Sanges ſüße Gabe ver - ſagte, und es fehlen zahlreiche Andere, die der gewaltige Tod mitten aus ihrer Laufbahn riß. In jungen Jahren ſtarben dahin die feſche Operettenſängerin Pomié, die flotte Kotzbeck, die vorher einen Grafen mit berühmten Namen geheirathet hatte, jedoch der Kunſt treugeblieben war, die Schauſpielerin Bruna, die der Kunſt entſagt hatte, um die Gattin eines allgemein geachteten deutſchen Schriftſtellers in Prag zu werden, der Regiſſeur Herr Knorr, der leidvoll dem Tode entgegenrang, der Liebhaber HerrRösgen, der die Feder ebenſo trefflich wie das geſprochene Wort zu meiſtern wußte, der Tenoriſt Weiß, der ſelbſt die Todeswaffe gegen ſich führte, der treffliche alte Paulmann, der trotz ſeines norrddeutſchen Dialects den Schuſter in Neſtroy’s Lumpaci ganz prächtig zu ſpielen wußte, der draſtiſche Drucker u. a. m. In geiſtiger Umnachtung lebt fern von der Bühne der jugendliche Bank, der hier eine Reihe kraftſtrotzender Geſtalten ſchuf. Wer mag wol an ſie Alle noch denken, die uns manche genußreiche Stunde verſchafften, als ſie des Lebens ernſte und heitere Spiegelbilder uns noch vorgaukelten? Dem Minen flicht die Nach - welt keine Kränze . Was Wunder, wenn ſo viele junge weibliche Kräfte nach kurzem Büh - nenwirken zu Hymens Fahne ſchwören, wie die Sängerinnen Viskau. Riſa, die ſchöne Kafka, die naive Schmidt, die dem Characterdarſtel - ler des Berliner deutſchen Theaters, Herrn Dr. Pohl die Hand zum Ehebunde reichte? Von einer Reihe anderer weiblicher Kräfte, die noch zu An - fang der 80er Jahre unſerer Bühne angehörten, wie von den Sängerinnen Math. Meyer, Math. Doré, Steinburg, Miles, von der kleinen Sternenthal der eleganten Schauſpie - lerin Frl. Rüden ſchweigt der Almanach gänz - lich. Wohin das Schickſal ſie verſchlug, ob ſie noch der Kunſt angehören, oder andere Lebens - wege einſchlugen nach vielverſprechendem Anfange auf den Brettern, wer weiß es.

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Verlorene Jahre.

= Iſt er ausgeträumt der ſtolze Traum der Verſöhnungsära; verfliegen die wunderlichen Nebelbilder, mit welchen man das Syſtem auf - geputzt hatte, das ſeit einem Dutzend von Jah - ren an dem Leibe unſeres Vaterlandes herumex - perimentirte? Noch nicht ganz, ſo ſcheint es, wollen die Traumgeſtalten verſchwinden, man reibt ſich erſt den Schlaf aus den Augen und das volle Licht, das auf die trübe Nacht der Verſöhnungsära, auf den ganzen dunklen Spuck fällt, den man für heilbringende Regierungsweis - heit geprieſen hat, iſt noch zu grell. Man glaubt ſich ſchützen zu können, indem man die Augen ſchließt. Vergebliche Mühe! Das Licht dringt ſtrahlend durch und in ſeinem hellen Glanze liegt der offene Bankerott des Syſtems vor uns, dem mit dem geſtern veröffentlichten kaiſerlichen Pa - tente der Todtenzettel geſchrieben wurde. Zwei - fellos der Todtenzettel. Dena was iſt der plötz - liche Appell an die Einſicht und den Patrio - tismus der Wähler anderes, als das ſtille Ein - geſtändniß, daß jene Parlamentsmajorität, welche von dem bis nun herrſchenden Regierungs - ſyſteme ſelbſt geſchaffen und durch Conceſſionen großgefüttert worden war, unfähig iſt den Anforderungen der Staatsnothwendigkeit, den Aufgaben der modernen Geſetzgebung zu ent - ſprechen? Selten noch wurde ein Parla - ment mit ſo beſchämendem Zeugniſſe heim - geſchickt; ſeltener noch findet man Staatsmänner, die ſich zu dem Bekenntniſſe gezwungen ſehen, daß die Parlamentsmajorität, die ihr Stab und ihre Stütze war, von welcher die Miniſter ſelbſt noch vor Kurzem verkündeten, daß ſie mit ihr eines Sinnes ſeien, daß dieſe Parlamentsmajorität nicht die Kraft, nicht das Talent beſitze die Politik des Staates unter allen Umſtänden mit Feſtigkeit den richtigen Zielen zuzuführen.

Wenn aber dieſes Zeugniß beſchämend für das Parlament iſt, ſo iſt es noch weit beſchämen - der für die Politik, die ſich in dem Wahne befand, daß mit dieſem Parlamente die wichtigen ſtaatlichen Ziele erreicht werden können und die an dieſem Wahne zwölf volle Jabre feſthielt. Das reumüthige Bekenntniß des Irrthums mag die Schuld verringern, die ſchlimmen Folgen des Irrthums, die trüben Conſequenzen des unheil - bringenden Wahns können dadurch nimmermehr aus der Welt geſchafft werden.

Sie ſind vorhanden, ſie thürmen ſich rieſen - groß vor uns, vor der Regierung ſelbſt auf, dererſichtlich erſt die tollen Sprünge des jung - tſchechiſchen Uebermuths im böhmiſchen Landtage die Augen über die Ziele öffneten, denen man auf den Bahnen des nun verleugneten Syſtems zuſteuerte. Dieſer böhmiſche Landtag tagt merk - würdiger Weiſe heute noch weiter, obgleich er als ein Hemniß der Völkerverſöhnung erkannt iſt, obgleich man ihm jeden kleinen Schritt zur Ver - ſöhnung gewaltſam abringen muß; dem Reichs - rathe aber, der dem Grabe zueilte, hat man vor - zeitig den dünnen Lebensfaden abgeſchnitten. Ihn hält man nicht einmal mehr für fähig den Staatshaushalt zu berathen, oder richtiger, man beſorgt, daß die tollen Sprünge, deren Zeuge der böhmiſche Landtag iſt, ſich im Wiener Par - lamente wiederholen könnten. Dem ſollte offenbar vorgebeugt werden. Der Regierung wurde plötzlich vor ihrer eigenen Majorität bange. Sie erkannte aus den Tiraden und voreiligen Expectorationen der jungtſchechiſchen Exaltados, daß ſie nicht nur um keinen Schritt zur Verſöhnung vorwärts ge - kommen, ſondern vielmehr um 20 Jahre zurück - geworfen und dort angelangt ſei, wo Graf Hohenwart im Jahre 1871 aufhörte, aufhören mußte, bei dem tſchechiſchen Staatsrechte, das mit dem Rechte des Staates Oeſterreich unver - einbar iſt und als ſolches bereits vor 20 Jahren erkannt wurde. Wie einſt der gegenwärtige Finanzminiſter der deutſchen Partei bei der Budgetberathung zugerufen: Ipse fecit , ſie ſelbſt hat es gemacht, ſo darf man auch jetzt dem Grafen Taaffe zurufen: Ipse fecit. Er ſelbſt hat die Zuſtände heraufbeſchworen, zu deren Beſeitigung er nun die gemäßigten Männer aller Parteien herbeiruft. Das Syſtem, das ſich geſtern in der amtlichen Zeitung bankerott erklärte, es trägt ſeinen Namen; er allein iſt für die Sün - den und Fehler dieſes Syſtems verantwortlich. Er war es, der die Mahnungen und Warnun - gen nicht hören wollte, die ſo oft und ſo ver - nehmlich aus dem deutſchen Lager an ſein Ohr ſchlugen; er war es, den man als den Urheber des Wortes von der factiöſen Oppoſition be - zeichnen darf, mit welchem die deutſche Partei gebrandmarkt werden ſollte, deren Männer jetzt deutlich angerufen werden, mitzuwirken dabei die Politik des Staates richtigen Zielen zuzuführen. Was man bisher als Ziel angeſehen hatte, ſcheint alſo offenbar nicht das richtige geweſen zu ſein, und die verwegene Sicherheit, mit der man er - klärt hatte, ohne und gegen die Deutſchen regie - ren zu können, iſt einem zaghaften Hilferuf an dieſelben Deutſchen gewichen. Ob dieſe den Ruf hören werden? Gewiß der Hilferuf klingt an unſer Ohr und findet lauten Widerhall inunſeren Herzen, an deren Patriotismus, an deren ſelbſtloſe Liebe zum Vaterlande noch nie verge - gebens appellirt wurde. Allein unſer Patriotis - mus gilt dem Staate, nicht der Regierung, und nur dem Dienſte des Staates werden unſere Führer ihre erprobte Kraft und ihr reiches Ta - lent zur Verfügung ſtellen. Zur Rettung des ge - borſtenen Syſtems dürfen ſie nicht berufen wer - den, und keiner von ihnen dürfte auch die Luſt verſpüren unter dem Grafen Taaffe zu dienen. Ein Miniſterportefeuille kann und darf ſie nicht locken, und der verſinkende Glanz der Regierungs - herrlichkeit iſt wahrlich auch kein Kitzel, dem ſie nicht widerſtehen könnten. Das Syſtem iſt ge - borſten, und es wäre ein Frevel an dem Staate, wenn man glauben würde, es unter geänderter Firma weiter führen zu können. Dieſer Glaube ſcheint leider zu beſtehen. Dahin deutet wenigſtens jene Stelle des amtlichen Communiques, das ge - wiſſermaßen die Stelle einer Thronrede an das heimgeſchickte Parlament vertritt, in welcher aber - mals von den Rechten der Königreiche und Län - der und von der religiöſen Ueberzeugung geſpro - chen wird, welche die Grundlage der Regierungs - principien bilden ſoll. Wir denken, auf dieſer Grundlage wurde nunmehr durch 12 Jahre regiert, und ebenſo lange hat man vergebens verſucht, die Rechte der Königreiche und Länder mit der lebendigen Verfaſſung des Staates auf Koſten der Letzteren in Einklang zu bringen. Das Reſultat iſt nun der unleugbare Zuſammen - bruch und die Unmöglichkeit fortzuwurſteln , wie der claſſiſche Ausſpruch des Grafen Taaffe lautete. Die religiöſe Ueberzeugung des Einzelnen ſei hochgehalten, aber beim Staate, der aus Millionen von Menſchen mit verſchiedener reli - giöſer Ueberzeugung beſteht, kann man wohl nicht von einer religiöſen Ueberzeugung ſprechen, auf welcher deſſen Exiſtenzbedingungen ruhen ſollen. Und was ſoll erſt wieder der föderaliſtiſche Auf - putz von den Rechten der Königreiche und Län - der? Iſt man noch immer nicht von dem Wahne geheilt, daß Oeſterreich von verſchiedenen Punkten aus regiert werden könne? Will man durchaus nochmals hören, daß man in Prag andere Alli - anzen wünſcht, als in Wien, daß man dort ſo gerne und vehement mit den Gegnern der Freunde und Alliirten unſeres Reiches liebäugelt? Nein, da gibt es kein Laviren, keine Halbheiten. Das Syſtem iſt geborſten, unwiderruflich geborſten, und wenn der Mantel fällt, muß der Herzog nach! Es geht nicht an, die Form zu zerſchlagen und den Inhalt nicht ausgießen zu wollen. Man muß ſich zu vollem Frontwechſel entſchließen, wenn man nicht zu dem Dutzend verlorener

Sichere Kunde dagegen bringt der Almanach von der Mehrzahl unſerer ehemaligen Bühnen - leiter. Der alte Czernits er führt das Epitheton alt ſeit zwanzig Jahren lebt in Innsbruck, woſelbſt ihn die Munificenz eines Cavaliers von drückender Sorge ums tägliche Brod befreite; unſer Landsmann, Julius Schwabe iſt Regiſſeur an einer der größeren Berliner Bühnen. Sein Nachfolger Bertalan, dem einzigen unſerer Directoren, dem die Kunſt eine melkende Kuh geweſen, ruht von ſeinen Bühnen-Erfolgen im Steyrerlande aus, Director Fritzſche leitet noch immer mit ſeiner Gattin, Frau Fritzſche-Wagner das ihm gehö - rige Friedrich-Wilhelmſtädtiſche Theater in Ber - lin, das ihm bald des Glückes Fülle in den Schoß wirft, bald wieder leidvolle Sorge berei - tet, Director Raul führt mit Glück und Ge - ſchick die Bühnen in Preßburg und Carlsbad an der Seite ſeiner Gattin, die ebenfalls noch der Bühne angehört, Director Müller ſcheiterte vollkommen in Wiener-Neuſtadt, Director Weſten findet dagegen in Reichenberg allgemeine Anerkennung und zum Theile auch jene Gunſt des Glücks, nach der er hier vergebens rang; Director Stick beglückt heuer die Budweiſer mit Gſchnasvorſtellungen und Director Schönerſtädt, der im Alma - nach gar nicht mehr genannt iſt, ſcheint auch in Deutſchland nicht die Lorbeeren gefunden zu haben, die ihm hier verſagt waren.

Von den Künſtlern, die unter den genannten Directoren hier thätig waren, haben jene, die zur Zeit der Direction Raul engagirt waren, wohl die bedeutendſten Carrieren gemacht. Konrad Löw wurde ans Burgtheater, Max Pategg ans deutſche Volkstheater in Berlin,der Tenoriſt Weltlinger nach Hamburg und ſpäter ans Hoftheater nach Kaſſel, die Sängerin Nikolai ebenfalls nach Hamburg und ſpäter nach Magdeburg engagirt. Adolf Wallnöfer iſt eine Zierde des Prager deutſchen Theaters, Capellmeiſter Mahler Director des königl. Hof - operntheaters in Peſt geworden; L. Klang wirkt ſeit Jahren als Regiſſeur in Graz, der Komiker Lindau im Theater a d. Wien, Fre - derigk als Regiſſeur am Hoftheater in Braun - ſchweig, Manheit an der königl. Hofoper zu Budapeſt, der Operettentenor Hauk in Frank - furt a. M.

Der Bonivant, Herr Czagell wurde nach Reval verſchlagen, Frl. Guſti Zimmermann nach Petersburg, Herr Leuthold nach Bern. Frl. Guſti Galſter, die zwiſchen Schauſpiel und Operette ſchwankt, iſt in Linz thätig, Frl. Hild iſt leider abwärts bis nach Braunau ge - kommen, Frl. Leeb bis nach Pilſen, während der beliebte Komiker Netſch und die treffliche Heldenmutter Frau Krauß derzeit bei Herrn Raul in Preßburg engagirt ſind. Auch unſerer Landsmännin, Frl. Bertha Hausner, der Schülerin von Frau Krauß, die unter Director Raul ihre erſten Bühnenverſuche wagte, müſſen wir hier gedenken. Herzlich ungeſchickt ſchritt ſie anfangs über die Bretter; allein der künſtleriſche Funke, der ihre Seele entzündete, war nicht zu verkennen, und in raſcher Laufbahn kam ſie von hier nach Bremen, von da an’s Berliner deutſche Theater und von dort an’s deutſche Volkstheater nach Wien, zu deſſen beliebteſten Mitgliedern ſie zählt. Auch der Baſſiſt, Herr Fuchs, der gegen - wärtig in Düſſeldorf engagirt iſt, war damals hier thätig. Von den Mitgliedern der Bertalan - ſchen Direction ſei hier Herr W. Horwitz, deran der Wiener Wiener Hofoper ſich eine geach - tete Stellung errungen hat, an erſter Stelle ge - nannt. Nach ihm müſſen wir an Frl. Jenny Stubel, die überaus beliebte Soubrette er - innern, die ſeit Jahren am Friedrich Wilhelm - ſtädtiſchen Theater in Berlin engagirt iſt. Von dem trefflichen Schauſpielperſonale jener Zeit finden wir Frau Ludwig-Furlani in Graz, woſelbſt auch die vortreffliche Majetti enga - girt iſt, Frl. Wank in Nürnberg, Herrn Holm in Preßburg, Herrn Sternau in Hamburg, Herrn Wilhelm Thaller in Prag, wo er zu den beliebteſten Komikern des deutſchen Theaters zählt. Seine Schweſter, Frau Thal - ler, die eine Zeit lang in München engagirt war, wirkt gegenwärtig als Salondame in Lübeck, während ihr Gatte, Capellmeiſter Hugo Schenk am Theater a. d. Wien engagirt iſt. Das Ehe - paar Lechner-Thal führt die Direction der Salzburger Bühne, der Operncapellmeiſter der Bertalan’ſchen Aera, Herr Anger iſt Capell - meiſter am tſchechiſchen Landestheater in Prag, der Opernregiſſeur jener Zeit, Herr Chlu - metzky wirkt ſeitdem in gleicher Eigenſchaft verdienſtvoll in Brünn, wo auch der Baritoniſt Herr Korſchen, der Sympathie des Publicums ſich erfreut.

Von dem Enſemble der Direction Fritzſche haben nur zwei Mitglieder eine bedeutende Laufbahn hinter ſich, Frl. Conrad, die ſeit Jahren dem Berliner k. Schauſpiele angehört und Frau Bauer, die k. u. k, Hofſchauſpielerin in Wien iſt und dort in zweiten Rollen wirkt. Der Capellmeiſter der Aera Fritzſche, Herr Federmann iſt ſeither bei Herrn Fritſche in Berlin engagirt, während der Komiker Laska als Director ſeit 5 Jahren das Linzer

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Jahre ein neaes Dutzend geſellen will. Iſt Graf Taaffe der Mann, dieß zu erkennen, dann wird er ſeinem Syſteme bald nachfolgen.

Das Sperrgeld.

Eine der letzten Erinnerungen aus der ſogenannten Culturkampf Epoche in Preußen iſt nunmehr beſeitigt worden. Die dortige Re - gierung hat nämlich dem Abgeordnetenhauſe einen Geſetzentwurf unterbreitet, womit die Sperrgelderfrage im Sinne des Centrums ge - löſt wird. Während des Culturkampfes in den Siebzigerjahren ſah ſich bekanntlich die Staats - regierung veranlaßt, dem Episcopat gegenüber, welcher ſich den ſogenannten Maigeſetzen nicht unterwerfen wollte, ſtrenge Maßnahmen zu er - greifen. Unter Anderem wurden Einkünfte der todten Hand , für die Geiſtlichkeit beſtimmte Dotationen, mit Beſchlag belegt und die Leiſtun - gen aus Staatsmitteln für die römiſch-katholi - ſchen Bisthümer und Geiſtlichen geſperrt , das heißt eingeſtellt. Solchermaßen iſt ein Fonds von nicht weniger als 16,009.333 Mark, welche für die Kirche beſtimmt waren, derſelben ent - zogen worden. Im Laufe der Jahre iſt jedoch der Culturkampf zum großen Theile ver - ſchwunden und hat einer milderen Auffaſſung über das Verhältniß der katholiſchen Kirche zum preußiſchen Staate platzgemacht, indem Bismarck entgegen ſeinem ſtolzen Verſprechen, einfach nach Canoſſa ging. Die Biſchöfe, welche ihre Diöce - ſanſitze verlaſſen hatten, ſind mit dem allmäligen Verſchwinden der Maigeſetze wieder dahin zurück - gekehrt und nunmehr hat ſich denn die preußiſche Regierung entſchloſſen, der Kirche ein weithin ſichtbares Zeichen ihrer Friedensliebe damit zu geben, daß ſie das Sperrgeldgeſetz vom Jahre 1885 einfach aufhob und ſich bereit erklärte, die angeſammelten Sperrgelder der Kirche heraus - zuzahlen.

Die Regierung hat damit dem Centrum ge - genüber ein ganz außergewöhnliches Entgegenkom - men bekundet. Im vorigen Jahre noch wollte die Staatsregierung den Bisthümern nur die Rente zuſprechen, jetzt gibt ſie ihnen das Capital preis. Noch mehr! Damals behielt ſie die Be - ſtimmung über die Verwendung der Rente einer beſonderen Vereinbarung zwiſchen dem Cultus - miniſter und den Biſchöfen vor, jetzt überläßt ſie die Verfügung über die Gelder vollſtändig den Biſchöfen allein. Die Diöceſanoberen werden hie -durch plötzlich über größere Summen verfügen; dem Erzbisthum Köln werden beiſpielsweiſe über drei Millionen, dem von Gneſen nahezu zwei Millionen zur Verfügung geſtellt. Aus dieſen Beträgen haben die Diöceſanoberen die von In - ſtituten und Perſonen erhobenen Anſprüche zu befriedigen, über welche in jeder Diöceſe eine aus drei Geiſtlichen und zwei richterlichen, nicht im Staatsdienſte ſtehenden Laien beſtehende Commiſ - ſion endgiltig zu entſcheiden hat. Die aus dem Ueberſchuſſe ſich ergebenden Beträge werden von den Diöceſanoberen für kirchliche Zwecke und zur Unterſtützung von Gemeinden bei Errichtung und Wiederherſtellung von kirchlichen Gebäuden ver - wendet; über die Verwendung haben die Biſchöfe dem Cultusminiſter Mittheilung zu machen.

Begreiflicherweiſe wurde dieſe Vorlage von den verſchiedenen Parteien mit gemiſchten Gefüh - len aufgenommen. Das Centrum iſt von derſel - ben ſehr befriedigt, während andere Parteien da - rin einen Canoſſagang erblicken. In Wirklich - keit ſcheint uns, daß der junge von mancherlei Vorurtheilen freie deutſche Kaiſer damit nichts Anderes bezweckte, als einen Zuſtand zu beſeitigen, welcher rechtlich und politiſch nicht haltbar war.

Politiſche Nachrichten.

(Die Auflöſung des Reichsrathes.)

Die geſtrige Wiener Zeitung veröffentlicht im amt - lichen Theile ein kaiſerliches Patent, welches die Auflöſung des Reichsrathes und die unverzüg - liche Einleitung und Durchführung der allge - meinen Neuwahlen für das Abgeordnetenhaus anordnet. Wir würdigen die Bedeutung dieſes Ereigniſſes an leitender Stelle und fügen nur hiezu, daß es Aufgabe unſerer Parteileitung ſein wird ſofort die Vorbereitungen für die unmittel - bar bevorſtehenden Wahlen zu treffen. Es iſt intereſſant zu leſen, wie die amtl. Zeitung die Maßregel, die die Auflöſung des Reichsrathes verfügt, commentirt. Nach einer kurzen Aufzäh - lung der hervorragenden Beſchlüſſe des Abgeord - netenhauſes ſchreibt ſie:

So wie in jedem Parlamente, wird auch in unſerem Parlamente naturgemäß gegen Ende einer Wahlperiode die legislative Thätigkeit lang - ſamer und ſchwerſälliger, Verzögerungen in der parlamentariſchen Arbeit werden unvermeidlich, die Schwierigkeiten, der Aufgabe zu genügen ſtei - gern ſich.

Die Kürze der bis zum geſetzlichen Ende der Legislatur-Periode noch erübrigenden Friſt vielfach innerhalb der Parteien ſich vollziehendeVeränderungen, die hiedurch bedingten ſchwieri - gen und zweifelhaften Majoritäts-Verhällniſſe ſo wie die Rückſichten auf die Aufgaben der Zu - kunft ließen erkennen, daß der Augenblick gekom - men ſei für die Erneuerung des Abgeordneten - hauſes und die Klärung der politiſchen Lage.

Mögen nunmehr die Wähler ihr conſtitu - tionelles Recht mit patriotiſcher Einſicht ansüben. Oeſterreich bedarf auch in Zukunft eines Par - laments, welches öſterreichiſch denkt, fühlt und handelt, welches die Kraft und Würde der Monarchie höher ſtellt als Partei-Intereſſen. Die Parlamentsmajorität ſoll dem ſtaatlichen Bedürf - niſſe Genüge leiſten und in der Lage ſein eine kräftige, legislative Thätigkeit zu entfalten; ſie ſoll eine feſte Schutzwehr gegen unpatriotiſche und extreme Beſtrebungen bilden; ſie ſoll die Verfaſſung des Reiches, ſowie die verfaſſungs - mäßig gewährleiſteten Rechte der Königreiche und Länder wahren, die Individualität der Völker und die wichtigſte Grundlage menſchlicher Ge - ſitttung, religiöſe Ueberzeugung achten und be - rückſichtigen. Eine Majorität ſoll es ſein, welche die Zeichen der Zeit verſteht; denn ſowie unſer geſammtes privates und öffentliches Leben ſich gewiſſen ſocialen Erſchütterungen gegenüber nicht gleichgiltig verhalten darf, ſo muß auch die geſetzgebende Gewalt innerhalb ihres Wir - kungskreiſes ihr Verſtändniß für ſociale Fragen bethätigen. Schon die Thronreden in den Jahren 1879 und 1885 bezeichnen eine Reihe von legislativen Aufgaben, von welchen ein großer Theil einer gedeihlichen Löſung zuge - führt worden iſt. Daß es aber auf weiten Ge - bieten der wirthſchaftlichen und geiſtigen Ent - wicklung noch immer Vieles zu thun gibt, was Zeit und Kraft der neu zu wählenden Volks - vertretung in Anſpruch nehmen wird, kann wohl am wenigſten von Jenen bezweifelt werden, welche ihre Bereitwilligkeit mitzuwirken in ſchätzenswerther oft erfolgreicher Weiſe bereits er - wieſen haben.

Oeſterreichs Manigfaltigkeit in Natur, Verhältniſſen und Volksintereſſen läßt die Even - tualität der Bildung und des Beſtandes großer, völlig homogener Majoritäten kaum vorausſetzen, und es wird immer Aufgabe der Regierung Sr. Majeſtät ſein die Politik des Staates unter allen Umſtänden mit Feſtigkeit richtigen Zielen zuzu - führen. Wer jedoch unſer Vaterland, ſeine Geſchichte und ſeine innere Entwicklung kennt, muß zuverſicht - lich erwarten, daß in Folge der bevorſtehenden Wahlen ſtets eine aus Politikern verſchiedener Parteirichtungen beſtehende Majorität vorhanden

Theater leitet. Der zweite Komiker jener Zeit, Herr Stauber, leitete mehrere Jahre hindurch das Hamburger Karl-Schulze-Theater mit wechſelndem Glücke. Von den Liebhabern der Aera Fritſche finden wir im Almanach nur mehr Herrn Jelenko, der in Berlin engagirt iſt. Auch die Sängerinnen dieſer Aera ſcheinen bereits ausgemimt zu haben. Auch von den Mitgliedern der Direction Schönerſtädt finden wir nur wenige Namen mehr, die in der Theaterwelt noch Klang haben, darunter Frl. Moller in Prag, Herrn Rub in Danzig, Herrn Reiſiger (Tenor) in Reval, Herrn Gottinger, der ſich ſeither mit Frau Wilt-Plankenſteiner verheiratete, als be - liebten Baritoniſten in Graz und Frl. Franconi in Reichenberg.

Reicher iſt dagegen die Zahl von Namen, die[a]us den Zeiten der Direction Müller hier noch[i]n beſter Erinnerung ſtehend, ſich im Almanach[u]nter den Mitgliedern größerer Bühnen vor -[fin]den. Da iſt vor Allen die temperamentvolle[A]lexandrine Malten, die zuerſt in Graz[en]gagirt, jetzt in Hamburg thätig iſt, die begabte〈…〉〈…〉 ſti Brandt, welche die Nachfolgerin der〈…〉〈…〉 alten in Graz wurde und jetzt in Baden bei[W]ien engagirt iſt, der Operettentenor, Herr[B]auer, der in Preßburg ebenſo ein Liebling[de]s Publicums iſt, wie er es hier war und die[unv]ergeſſene Anatour, die durch ihre Grazie[di]e Insbrucker ganz ſo wie uns vergeſſen macht,[wi]e wenig Stimme ſie beſitzt.

Von den Komikern der Aera Müller iſt der[belie]bte Romani Mitglied des Wiener Volks -[theate]rs geworden, Herr Auguſtin iſt ein Liebling[der]Linzer. Frl. Haſſan hat es ſogar zum[Mit]gliede des Burgtheaters gebracht, Fräulein〈…〉〈…〉 randeis iſt an einem der vielen Berliner[Thea]ter, Frl. Fleißig an der Budapeſter Hof -oper, Frl. Lerach in Insbruck, Frl. Köchel in Reichenberg, Herr Weinau in Graz engagirt. Herr Herzka iſt Regiſſeur in W. Neuſtadt, Frl. Rogall iſt in Brünn ſeit Jahren mit Erfolg thätig. Herr Capellmeiſter Reich iſt zweiter Capellmeiſter am deutſchen Landestheater in Prag, der Komiker Kirſchner ein beliebtes Mitglied der W. Neuſtädter Bühne, Herr Dworsky, erſter Tenor in Königsberg, Herr Küch in gleicher Eigenſchaft in Schweidnitz. Herr Korb privaſitirt in Stuttgart.

Nicht minder zahlreich ſind die Namen der Künſtler, die wir aus der Weſten’ſchen Direction an größeren Bühnen wiederfinden. Da iſt zuerſt Herr Greisnegger, der raſch am deutſchen Volkstheater in Wien beliebt gewordene Komiker zu nennen. Die Altiſtin Weiner fand in Ham - burg, die dramatiſche Sängerin Frl. v. Rodri - guez in Graz Engagement, während der Ba - rytoniſt Herr Leon die Aachener eutzückt, Herr Kühns in Straßburg gefällt, Hr. Tragau zu den vornehmeren Kräften der Troppauer Bühne zählt, Herr Weißmüller als Regiſſeur und Schauſpieler in Teplitz Beifall erringt und Herr Erl ſich der Gunſt der Linzer erfreat. Herr Verſtl wirkt in Baden bei Wien als Regiſſeur, Herr Trammer in Breslau.

Sonderbarer Weiſe ſuchen wir im Almanach vergebens nach dem ſtimmbegabten Tenoriſten der Aera Weſten, nach Herrn Martens. Der treff - liche Capellmeiſter dieſer Aera, Herr Hartl iſt in Wien als Correpetitor thätig, während der Operettencapellmeiſter, Herr Einödshofer das Directionsſcepter in Znaim ſchwingt.

Die Namen, die uns in der Aera Stick als Künſtler geprieſen wurden, ſuchen wir im Alma - nach vergebens in den Reihen der Mitglieder größerer Bühnen. Den einzigen Norini findenwir im Wiener Carltheater. Frl. Friedberg iſt in Reichenberg, Herr Koch in Stettin, Frl. Czendes, Fr. Windhop, Herr Wodika und Herr Frankl ſind in Troppau und Frl. Gina Eibenſchütz in Salzburg engagirt. Die Namen Roll, Thalberg, Chalons u. ſ. w. meldet kein Lied, kein Heldenbuch. Den alten Koloman Schmidt aber finden wir als Schauſpieler in Iglau; Herr Benke iſt in Innsbruck, Herr Maixdoff in Meiningen und Herr Dreher in Meran thätig. Noch ſei in dieſer Revue un - ſeres Landsmannes, des Baſſiſten Herrn Pohl gedacht, der in Rotterdam ſich die volle Gunſt des Publikums erworben, und es ſei auch nicht dreier Künſtler aus der Aera Czernits vergeſſen, die heute in hervorragender Stellung thätig ſind. Es ſind die Herren Dr. Tyrolt, der hier zuerſt die Bühne betrat und nun zu den erſten Größen des deutſchen Volkstheaters in Wien zählt, Stoll, der die Regie an der Wiener Hofoper führt und Dr. Kaſer, der hier der erſte den Pfarrer von Kirchfeld ſpielte und nun - mehr ein geachtetes Glied der Stuttgarter Hof - bühne iſt.

Wir wollen dieſe Revue nicht weiter aus - dehnen, dürfen aber trotzdem die geniale Lucca nicht vergeſſen, die ebenfalls an unſerer Bühne ihre glanzvolle Laufbahn begann und noch vor Jahresfriſt zu den Sternen der Wiener Hof - oper zählte.

Es ziemt ſich ihrer und aller Jener zeit - weilig zu denken, die durch ihren ruhmvollen Namen auch den Ruf unſeres Theaters erhöht haben, deſſen Gedeihen und Blühen uns allen eine Herzensſache iſt.

[4]

ſein werde, bereit den Aufgaben unſerer Geſetz - gebung gerecht zu werden und in dieſem Sinne eine Regierung zu unterſtützen, welcher die Mit - wirkung eines jedes gemäßigten patriotiſch Ge - ſinnten willkommen ſein wird.

Dieſes Communique des Amtsblattes ent - hält einige für die bisherige Parlamentsmajorität keineswegs ſchmeichelhafte Bemerkungen. Es wird derſelben nahezu völlig jene patriotiſche Geſin - nung abgeſprochen, die man in Regierungskreiſen als nothwendige Vorausſetzung einer gerechten Geſetzgebung bezeichnet.

(Die Reichsrathswahlen.)

Es geht mit Windeseile. Geſtern erfolgte die Auflöſung des Reichsrathes, heute liegt uns ſchon die Kund - machung vor, mit welcher die Neuwahlen aus - geſchrieben werden. Sie lautet: Nachdem mit dem Allerhächſten Patente vom 23. Jänner l. J. das Haus der Abgeordneten des Reichsrathes aufgelöſt und die Einleitung und Durchführung der allgemeinen Neuwahlen für das Abgeordneten - haus nach den Beſtimmungen der Geſetze vom 2. April 1873 (R. -G.-Bl. Nr. 40 und 41), dann vom 4. October 1882 (R. -G.-Bl. Nr. 142) angeordnet worden iſt, werden in Gemäßheit der §§ 21 und 22 der Reichsrathswahlordnung die allgemeinen Wahlen für die Markgrafſchaft Mähren ausgeſchrieben und deren Vornahme in den durch die R. -R.-W.-O. bezeichneten Wahl - orten auf folgende Tage beſtimmt: 1. für die Wahlbezirke der Landgemeinden auf den 2. März d. J. 2. für die Wahlbezirke der Städte auf den 4. März d. J. 3. für die Handels - und Gewerbekammern in Brünn und Olmütz auf den 5. März d. J. 4. für die Wählerclaſſe des Großgrundbeſitzes auf den 6. März d. J. Dieß wird mit dem Beifügen zur öffentlichen Kennt - nis gebracht, daß den Wahlberechtigten die Legi - timationskarten, welche Ort und Stunde des Anfanges der Wahlhandlung, ſowie die Stunde des Schlußes der Stimmgebung enthalten, von den betreffenden Behörden zukommen werden. Der k. k. Statthalter: Hermann Ritter v. Loebl m. p. Die raſche Ausſchreibung der Neuwahlen erfolgt wol mit Rückſicht darauf, daß das Budgetpro - viſorium nur bis 1. April bewilligt wurde, die neugewählte Reichsvertretung alſo noch im März zuſammentreten muß, um den Staatshaushalt zu berathen, oder ein weiteres Proviſorium zu bewilligen.

(Auszeichnung.)

Wie die Preſſe meldet, hat der Kaiſer dem Fürſterzbiſchof von Wien, Dr. Gruſcha, das Großkreuz des Leopoldordens verliehen und den Kirchenfürſten gleichzeitig zum Prälaten dieſes Ordens ernannt.

(Der Tiroler Landtag.)

Die Verſöhnungs - action der Regierung in Tirol iſt alſo geſchei - tert. Graf Taaffe hat nicht abgewartet, bis ſeine clerikalen Freunde ihm vor aller Welt den Stuhl vor die Thüre ſetzten, ſondern ſie heimgeſchickt, bevor ſie ihre Weisheit und Keckheit zur Schau bringen konnten. Näheres über jene Forderungen der Clerikalen, welche den Bruch herbeigeſührt haben, iſt bereits bekannt. Sie forderten nichts - weniger als die Aufſicht der Kirche über die Schule, und dieſe kirchliche Schulaufſicht ſollte mit der ſtaatlichen Aufſicht concurriren. Sehr unrecht han - deln die italieniſchen Abgeordneten Tirols; mehr als ihnen die Deutſchen bewilligen wollen, werden ſie nie und nimmer durchſetzen und ſie gehen mithin einem ganz und gar ausſichtsloſen Kampfe entgegen.

(Steieriſcher Katholikeatag.)

Das clericale Volksblatt theilt mit, daß für den 6. bis 8. April ein ſteieriſcher Katholikentag nach Graz einberufen werden ſoll. Offenbar handelte es ſich hiebei darum, für die Reichsrathswahlen Stimmung zu machen. Der Plan iſi mit Rück - ſicht auf die inzwiſchen erfolgte Auflöſung des Reichsrathes etwas verſpätet gefaßt worden.

(U[n]g[a]riſche Frachtentarife.)

Die nun - mehr veröffentlichten Ausnahmstarife der unga - riſchen Staatsbahnen, durch welche der Transport ungariſcher Artikel gegenüber den öſterreichiſchen und ausländiſchen begünſtigt wird, hat dem In - duſtriellenclub und dem Montanvereine in Wien Veranlaſſung gegeben, gegen dieſe Maßnahme der ungariſchen Regierung Stellung zu nehmen. Die Ausſchüſſe der genannten Corporationen be - ſchloſſen, unmittelbar nach dem Zuſammentritte des Reichsrathes an den Handelsminiſter eine Interpellation in dieſer Angelegenheit richten zu laſſen. Der neue ungariſche Frachtentarif enthält die größten Begünſtigungen für die ungariſche Production. Für alle wichtigen Waarengattungen ungariſcher Provenienz ſind Ausnahmetarife ein - geführt worden, welche bis zu 50, 100, 200 und mehr Procent billiger ſind als die Tarife, welche für Einfuhr aus Oeſterreich und dem Auslande Geltung haben. Der neue Tarif iſt am 1. Jän - ner d. J. eingeführt worden, alſo zu einer Zeit, wo die deutch-öſterreichiſchen Handelsvertragsver - handlungen bereits eingeleitet waren. Er wird, wenn dieſe Verhandlungen von Erfolg gekrönt ſein ſollen, wieder beſeitigt werden müſſen. Das Neue Wiener Tagblatt meldet, daß die unga - riſche Regierung in Folge einer Preſſion von maßgebender Stelle bezüglich der Tarifpolitik ſowohl Deutſchland als Oeſterreich gegenüber nach - geben und Oeſterreich gegenüber eine beſondereTarifpolitik im Sinne eines loyalen Handels - bündniſſes befolgen wird.

(Kaiſer und Papſt.)

Ein engliſches Blatt meldet aus Rom, der Papſt habe ein Schreiben an den deutſchen Kaiſer gerichtet, worin er ſeine höchſte Befriedigung über das Ende des Cultur - kampfes in Deutſchland ausdrückt und dem Kaiſer in beredten Worten dankt für ſeine thätige Mitwirkung bei der Herbeiführung der Löſung. Das deutſche Volk ſcheint darüber weniger be - friedigt zu ſein. Im Deutſchen Reichstage fand dieſe Volfsſtimmung bereits am Samstag kräf - tigen Ausdruck.

(Die iriſchen Führer.)

Es hat den An - ſchein, daß die Führer des iriſchen Volkes zu keiner Einigung untereinander gelaugen können. Conferenzen folgen auf Conferenzen ohne greif - bares Reſultat. Mac Charthy und Sexton gingen letzten Samstag nach Boulogne ſur Mer, um mit O’Brien und Dillon zu einer endgiltigen Verſtändigung zu gelangen. Die Ausſichten auf eine friedliche Löſung und Wiedervereinigung der beiden Gruppen der Irenpartei iſt indeß gering, da Parnell ſeinen Rücktritt noch immer davon abhängig macht, daß dem Irenparlament die Controle der Polizei einge - räumt werde.

(Rußland gegen die Juden.)

Aus Petersburg wird gemeldet: Die Maßregelung der Juden nimmt ihren Fortgang. Aus Mos - kau werden die jüdiſchen Handwerker ausgewieſen. Der Aufenthalt in Turkeſtan und den hinter - kaſpiſchen Ländern iſt allen Juden außer den Kaufleuten erſter Gilde und Denjenigen, welche akademiſche Berufsfächer bekleiden verboten, Zu Taſchkend petitionirten ſämmtliche Kaufmanns - firmen um bedingungsloſe Ausweiſung aller Juden. Wie die Nowoje Wremja hört, hat der Senat die Frage, ob die Juden berechtigt ſein ſollen, überall in einer Entfernung von 5 Werſt von der weſtlichen Landesgrenze unbe - wegliches Eigenthum zu erwerben oder nur im Weichbilde jener Städte und Flecken, wo ſie vor dem 27. Auguſt 1858 eingeſchrieben waren, dahin entſchieden, daß dieſelben nur im Weich - bilde der vorbezeichneten Städte und Flecken unbewegliches Eigenthum erwerben dürfen.

Locales und Provinzielles.

(Auf zur Arbeit.)

Sonntag am 25. d. M. verſammelte ſich in Brünn der von der Ver - trauensmännerverſammlung der Deutſchen in

Brautwahl. Ein Märchen.

I.

(Nachdruck verboten.)

Es war einmal ein Märchenprinz, der edelſte ſchönſte, liebenswertheſte von allen, die es je gege - ben hat. Als er ſechsundzwanzig Jahre alt gewor - den, ließ die Königin, ſeine Mutter, ihn rufen und ſprach zu ihm:

Die Zeit iſt gekommen, in welcher du eine Lebensgeſährtin wählen und einen Hausſtand gründen ſollſt. Bekanntermaßen findet man die beſten Frauen, die es heutzutage gibt, auf dem Planeten Erde. Dort lebt auch die holde, Dir beſtimmte Braut, ein Weſen, lieber Sohn, Dir gleich an Seelenadel.

Der Prinz eröthete aus Beſcheidenheit, und die Königin fuhr fort:

Aber nicht ohne Weiteres kann ein köſtli - ches Gut Dir zu Theil werden, Du mußt es Dir verdienen.

Wodurch, o Mutter?

Durch raſtloſes Suchen, o Sohn.

In welcher Gegend der Erde?

In Europa.

Auf dem Lande; in den Städten?

In einer Hauptſtadt, unter den Töchtern des höchſten Adels, Du weißt genug, nun gehe, mein Sohn.

Aber dieſer rief: Und das Erkennungs - zeichen? ... Nur das noch ſage mir: woran erkenn ich ſie?

Die Königin ſtieg von ihrem Throne niederund flüſterte ihrem Sohne einige Worte in’s Ohr.

II.

In den Geſellſchaftskreiſen einer großen Stadt war plötzlich ein junger Mann aufgeta[u]cht, der allenthalben Liebe und Bewunderung erweckte. Keiner der hiſtoriſchen Namen durfte ſich mit dem ſeinen meſſen, der in die Sagenzeit zurückragte. Sein Stammbaum war ſo lang, daß er nicht einmal in der längſten Straße der Stadt ganz aufgerollt werden konnte; ſein Reichthum ſchien unermeßlich, ſeine Großmuth war es auch. Hoch - geboren edel und reich, was brachte er außerdem noch zu ſein, um die Herzen der Töchter und die Zuſtimmung der Eltern im Sturme zu erobern? So ritterlich und ſo beſcheiden wie er hatte noch nie ein Mann den jungen Damen den Hof gemacht. Was ſie aber am meiſten an ihm entzückte, das war ſeine Heiterkeit und ſein Witz. Daß er den letzteren ſtets auf Koſten des lieben Nächſten übte, daß der himmliſche Prinz ein Spötter war, hatten ſie bald entdeckt und bemühten ſich aus vollen Kräften, dieſen faden - dünnen Spalt an dem Panzer ſeiner Vollkom - menheit zu erweitern.

Dies geſchah aus weiblichem Inſtinkt.

Jedes Edelfräulein, mit dem er gelacht und geſcherzt, war überzeugt, ſeiner Schwäche am ge - ſchickteſten geſchmeichett und damit ſein Herz ge - wonnen zu haben. Doch keine dieſer Hoffnungen erfüllte ſich, und eines ſchönen Tages war der Prinz eben ſo plötzlich wie er gekommen verſchwunden.

III.

Dasſelbe wiederholte ſich in vielen anderen Städten. Der Prinz begann ſeine Freudigkeiteinzubüßen, ſein Witz wurde immer ſchonungs - loſer, er ſpottete nicht mehr, er läſterte. Sein Erdenwallen, das fühlte er wohl, machte ihn nicht beſſer, und am meiſten kränkte ihn, daß er nun in ſeinem eigenen Augen an Werth verlor. Die Väter, die Mütter, die Töchter trieben nach wie vor Abgötterei mit ihm und verehrten jedes ſeiner Worte.

Ewiges Einerlei! ſagte er oft laut vor ſeinem ganzen Gefolge. Ich werde heimkehren zu meiner königlichen Mutter als Junggeſelle.

Und wirklich begann er zu verſauern wie ein ſolcher.

Endlich ergriff ihn ein ungeheurer Ekel. Laß ſatteln! Unſere Wolken vor! Die ſchwär - zeſte für mich! befahl er ſeinem Oberſtallmei - ſter. Wir reiten!

Heute, Euer Hoheit? verſetzte der Wür - denträger. Iſt heute nicht Hofball, den Eure Hoheit beſuchen müſſen?

Der Prinz gab das zu und ging auf den Ball. Aber er tanzte nicht, ſchwatzte nicht, lachte nicht. Er ſtand in einer Ecke, ſah den ſchönen, jungen Damen, die im Takt an ihm vorüber ſchwebten, traurig nach und ſeufzte: Keine, keine Einzige!

IV.

Die Melancholie des Prinzen war auf’s Höchſte geſtiegen, als er plötzlich am an - deren Ende des Saales ein liebliches Mädchen erblickte, das ruhig daſaß, und wie er dem Tanze zuſah. Sie jedoch that es mit heller Zufrieden - heit und ſchien ſeelenvergnügt.

O Seele! dachte der Prinz, wie ſchön mußt Du ſein, um Dich ſo zu vergnügen am Vergnügen der Andern! Sauft aber unwider - ſtehlich angezogen, trat er vor das liebliche Mäd -

[5]

Mähren zur Berathung der Parteiorganiſation eingeſetzte Ausſchuß um dieſe Berathung fortzu - ſetzen. Die an dieſem Tage eingetroffene Nach - richt von der Auflöſung des Reichsrathes und der angeordneten raſchen Ausſchreibung der Neu - wahlen, veranlaßte die Verſammelten, alſogleich in die Erörterung der Wahlvorbereitungen ein - zutreten. Man einigte ſich dahin, ſofort einen Aufruf an die Wählerſchaft wegen Bildung der Orts - und Bezirks-Wahlausſchüſſe zu erlaſſen. Gleichzeitig wurde beſchloſſen: Den Landeswahl - ausſchuß für Sonntag den 1. Februar nach Brünn einzuberufen.

(Erzherzog Eugen.)

Se. Majeſtät der Kaiſer empfing Freitag in beſonderer Audienz den Herrn Erzherzog Eugen, welcher ſich Samſtag Abend zu den Tauffeierlichkeiten nach Berlin begab, woſelbſt er Se. Majeſtät den Kaiſer als Taufpathen des jungen Prinzen ver - tritt.

(Allerhöchſte Auerkennung.)

Seine k. u. k. ap. Majeſtät haben mit allerh. Entſchließung vom 22. Jänner allergnädigſt anzuordnen geruht, daß für ſeine beſonders verdienſtvolle und erfolg - reiche Thätigkeit aus Anlaß der im verfloſſenen Jahre in Wien veranſtalteten allgemeinen land - und forſtwirthſchaftlichen Ausſtellung dem Präſi - denten des Vereines öſterreichiſcher Malzfabrikanten, dem Reichsrathsabgeordneten Emanuel Ritter v. Proskowetz die volle allerhöchſte Anerkennung ausgeſprochen werde.

(Cavallerie-Brigadier GM. Eduard Karger .)

Der Commandant der 20. Caval - lerie-Brigade in Krakau, Herr Generalmajor Eduard Karger, deſſen plötzliche ſchwere Er - krankung wir bereits gemeldet haben, iſt am 23. d. Mts. dortſelbſt im Alter von 45 Jahren geſtorben, und zwar an den Folgen einer heftigen Erkältung, welche er ſich auf ſeiner letzten In - ſpicirungsreiſe zugezogen hatte. GM. Karger, welcher u. A. auch eine Reihe von Jahren als Profeſſor an der Kriegsſchule und am Stabs - Officierscurſe verdienſtlich gewirkt hatte, wurde in Groß-Seelowitz geboren, genoß ſeinen erſten Schulunterricht in Brünn, abſolvirte ſodann in Teſchen die Oberrealſchule und ſpäter die Genie - Academie in Kloſterbruck bei Znaim mit glän - zendem Erfolge. Als Pionnier-Lieutenant im Jahre 1864 ausgemuſtert, verbrachte der junge ſtrebſame Officier ſeine erſte Garniſonszeit in Italien, (Verona, Mantua und anderen Feſtungen), wo er viele Excurſionen in die Umgebungen machte und die intereſſanteſten Punkte aufnahm. Den Feldzug 1866 machte er als Cavallerie-Officier mit und verblieb, nachdem er die Kriegsſchule verlaſſen, auch bei dieſer Waffe. Im Jänner v. J. wurde GM. Karger von Pardubitz als Commandant der 20 Cavallerie-Brigade nach Krakau überſetzt. Das Hinſcheiden des Generals Karger wird nicht nur in militäriſchen, ſondernüberhaupt in allen Kreiſen, mit denen er in Verkehr geſtanden, auf das Lebhafteſte bedauert, denn er verſtand es durch ſein chavalereskes Weſen, ſich Freunde zu ſchaffen. Das Leichenbe - gängniß des ſo jäh Dahingeſchiedenen fand am Sonntag in Krakau mit allen militäriſchen Ehren ſtatt. An demſelben nahm u. A. auch eine Depu - tation des in Olmütz garniſonirenden 12. Dra - goner[-]Regimentes, beſtehend aus dem Herrn Oberſten Adolf v. Hagen und zwei Offi - cieren Theil.

(Aus dem Stadtverordneten-Collegium.)

Die Tagesordnung der heutigen Sitzung des Stadtverordneten-Collegiums iſt folgende: Geſuch des Unterlehrers Herrn Anton Heske um Zuer - kennung der üblichen Perſonal-Zulagen. Be - werbungsgeſuche um ein ausgeſchriebenes Eleonora Stumm’ſches Schüler-Stipendium. Bericht der 2. Section, betreffend das Archiv und hi - ſtoriſche Muſeum. (2. Leſung. ) Bericht der 2. Section über die Vertheilung der Heimat - rechts-Taxen. (2. Leſung. ) Bericht der 2. Section über die Vertheilung der Hundetaxen. (2. Leſung. ) Bericht der 2. Section, betref - fend den Mehrverbrauch von Brennholz an der Mädchenbürgerſchule. (2. Leſung. ) Bericht der 3. Section über die für das Jahr 1889 gelegte Communcaſſa-Rechnung. (2. Leſung. ) Bericht der 3. Section über ein Geſuch um das Bür - gerrecht. (2. Leſung. ) Bericht der 3. Section über das Geſuch eines Beamten um Zuerkennung der 3. Quinquennalzulage. (2. Leſung. ) Be - richt der 3. Section über Beamten-Geſuche um Zuerkennung der 1. Quinquennalzulage. (2. Leſung. ) Bericht der 1. Section über die vorgeſchlagene Vergrößerung der Räume der Pfandleihanſtalt. Bericht der 1. Section über die von der freiwilligen Feuerwehr beanſpruchten Erſatzkoſten des Telephon-Netzes.

(Leichenbegängniß.)

Unter zahlreicher Theilnahme fand Samſtag Nachmittag halb 4 Uhr das Leichenbegängniß des Herrn Rudolf Seidl nach dem ſtädt. Friedhofe ſtatt.

(Trauungen.)

Heute Vormittags halb 12 Uhr fand in der ſtädt. Pfarrkirche zu Sct. Michael die Trauung des Frl. Stefanie Loos, einer Tochter des hieſigen Bäckermeiſters Friedrich Loos, mit dem Herrn Habeſſer aus Brünn ſtatt. In Neugaſſe bei Olmütz fand heute Vormittags in der dortigen Pfarrkirche die Trauung des Frl. Sofie Scheitel mit Herrn Franz Heger, Oekonomie-Verwalter, ſtatt. Den Trauungsact vollzog der Onkel des Bräu - tigams der hochw. Pfarrer P. Heger.

(Vom Faſching.)

Im Saale der bürger - lichen Schießſtätte fand Samſtag Abends der Ball der Baubeamten, im Saale zum ſchwarzen Bären in Neugaſſe fand geſtern Abends das Kränzchen des dortigen Geſangsvereines undDamenſingchors ſtatt. Ueber den Verlauf dieſer beiden durchwegs gelungenen Unterhaltungen wer - den wir morgen berichten.

(Beterauenball.)

Der erſte Militärveteranen - Verein für Olmütz und Umgebung veranſtaltet Sonnabend den 31. d. in den Localitäten der bürg. Schießſtätte einen Ball, deſſen Reinerträg - niß der Kranken - und Unterſtützungscaſſa des Vereines gewidmet. iſt. Die Muſik beſorgt die Vereinscapelle.

(Vom Theater.)

Unſere Bühne brachte am Sonnabend eine Repetition von Gounods Oper Margarethe mit Frl. Cardis in der Titelpartie. Das gutbeſuchte Haus nahm Anlaß die beliebte Sängerin für ihre vorzügliche Lei - ſtung durch Beifall und vielfache Hervorrufe auszuzeichnen. Nach der Gartenſcene wurden Beifall und Hervorrufe ſtürmiſch. Auch nach dem Schlußacte, in welchem die Sängerin mit vollem Glanze die mächtige Steigerung der Stelle Engel-Chor zur Geltung brachte, war der Applaus ein rauſchender. Auch Herr Wilensky. deſſen Fauſt zu den beſten Leiſtun - gen des jungen Sängers zählt, erhielt vielfache und verdiente Anerkennung. Das Publikum freute ſich des herrlichen Klanges dieſer beiden Stimmen, und läßt ſich in ſeiner Freude nicht beirren. Herr Kroupa hielt ſeinen Valentin trotz der annoncirten Heiſerkeit recht brav und auch Herrn Choro’s ſchöne Stimme machte ſich mit Effect geltend. Frl. Huld erhielt für ihren Siebel wie immer Beifall. Chöre und Orcheſter unter Herrn Berghofs Leitung waren ſehr tüchtig.

(Theaternachrichten.)

Um in der Vor - führung von Opern keine Stockung eintreten zu laſſen, hat Herr Director Berghof den hier beſtens bekannten Baritoniſten Herrn Pfeifer aus Brünn für ein Gaſtſpiel gewonnen. Herr Pfeifer wird morgen an Stelle des an Heiſer - keit leidenden Herrn Kroupa die Titelpartie im Holländer ſingen. Am Freitag geht Mozarts Don Juan mit Herrn Kroupa in der Titel - partie in Scene. Die Wiederaufführung des Fidelio wurde für nächſte Woche verſchoben.

(Gaſtſpiel des Herrn Höfer in Schwerin.)

Unſer lyriſcher Tenor, Herr Höfer eröffnet dieſe Woche ein auf Engagement abzielendes Gaſtſpiel am Hoftheater in Schwerin

(Dr. Carl Grohe.)

In Bautſch wurde am 22. d. der am 19. daſelbſt verſtorbene Med. Doctor, Carl Grohe unter großer Theilnahme der Bevölkerung zu Grabe getragen. Dr. Carl Grohe erfreute ſich in ganz Nordmähren außer - ordentlich großer Sympathien um ſeiner menſchen - freundlichen Geſinnung und ſeines ehrenwerthen Characters willen. Allem Formenweſen abgeneigt, zeigte er ſich ſtets, wie er dachte. Sein Sinnen und Trachten aber war ſtets auf den Fortſchritt in allen Lebensfragen gerichtet. Seine mähriſche

chen hin, verbeugte ſich und fragte: Sie tanzen nicht, mein Fräulein?

Sie ſtand auf, erwiderte ſeine Höflichkeit und, nachdem ſie ſich wieder geſetzt hatte, auf ſeine Frage: Nein, mein Herr.

Und warum nicht?

Weil ich keinen Tänzer bekommen habe, antwortete ſie voll heiterer Gleichgiltigkeit, und wie ſie den Prinzen dabei mit ihren unſchuldigen Augen anblickte, wurde ihm wohler, als ihm noch je auf Erden geworden war.

Keinen Tänzer heute?

Heute nicht und nie, und ſie lachte ſo hell, das er meinte, die goldenen Zauberglöcklein auf dem Thurme ſeines heimatlichen Schloſſes den Morgen begrüßen zu hören.

Er ſah nieder zu ihren wunderſchönen Füß - chen und ſagte, nachdem er dieſelben mit großer Aufmerkſamkeit betrachtet: Sie tanzen gewiß gern und ausgezeichnet?

Sehr gern, o ja, und nicht ſchlechter als eine Andere.

Und dennoch werden Sie nicht aufgefordert? Warum, warum? rief der Prinz, immer mehr in’s Feuer gerathend, und ergriff ihre Hand.

Die Kleine erſchrak, ſenkte die Augen und murmelte ſo undeutlich, daß nur Einer, der im Begriff iſt, ſich zu verlieben, es verſtehen konnte: Weil ich langweilig bin.

Langweilig? ... O, mein Fräulein! ... Flammende Röthe brannte auf ſeinen Wangen, ein unterdrücktes Jauchzen drang aus ſeiner Bruſt: O, mein Fräulein, dann erlauben Sie mir, für den ganzen Abend an ihrer Seite Platz zu neh - men.

V.

Man ließ ſie nicht lange in Ruhe plaudern. Eine junge Dame nach der andern kam heran und verrieth auf mehr oder minder feine Weiſe ihr Erſtaunen darüber, daß Einer, der die Wahl unter Adler - und Schwanenjungfrauen frei hatte, ſich mit einem Gänschen beſchäftigen mochte.

Wie auf Verabredung ließen ſie ihren Witz ſprühen, daß es nur praſſelte. Die Funken ſto - ben, fielen über manchen guten Namen her und vernichteten ihn.

Und der Prinz, ach der Prinz ſtimmte ein. Er ſah die Stirne ſeiner lieblichen Nachbarin ſich verfinſtern, aber er ſtimmte ein. Ja, er fand ein teufliſches Gefallen daran, jede geiſtreich vorge - brachte Bosheit zu überbieten. Es gelang ihm beiſpiellos. Der Genius der Verleumdung ſchien über ihn gekommen, und er brachte deſſen grau - ſamſte Eingebungen mit unbändigem Uebermuthe vor. Sein[e]Zuhörerinnen ſtutzten, kicherten, errö - theten. Viele gaben ſich Mühe, eine leiſe Scha - denfreude zu verbergen; das waren die Pfiffigen, die Klugen, die hatten längſt ſo etwas bemerkt. Einige fühlten Mitleid und Bedauern, Andere waren erſtaunt.

Ein Zweifel an dem Schlechten, das er aus - ſagte, ſtieg in Keiner auf, in keiner Einzigen.

Und doch! in Einer doch in der Lieblichen, die der Prinz, ſo lange er ſprach, kaumanzuſehen gewagt hatte. Sie erhob ſich klopfenden Herzens, Thränen des Zornes ſtanden in ihren Augen.

Von Allem, was Sie da behaupten, ſagte ſie kühn und laut, glaube ich nichts!

Nichts? ... von Allem nichts? ... Er ſtieß einen Schrei aus, der an den Wänden des Saales widerhallte wie himmliſche Muſik, warf ſich auf die Kniee vor ſeiner Gegnerin und umfaßte mit beiden Armen ihre zarte Geſtalt.

Du biſt es! rief er. O Mutter die iſt’s die gab mir das Erkennungszeichen!

In ſelben Augenblick öffnete ſich die Decke, und auf ihrem mit Feuervögeln beſpannten Son - nenwagen kam die Märchenkönigin herbeigeflogen.

Vor ihrer blendenden Erſcheinung ſenkten ſich alle Augen, nur die des Brantpaares nicht. Der Prinz führte ſeiner Mutter die Erwählte zu, und die Königin küßte ſie dreimal und ſprach:

Sei mir gegrüßt, Du holde Seltenheit. Ich wußte wohl, daß es eine längere Trennung von meinem Sohne galt, als ich ihn zur Erde ſandte, eine junge Dame zu ſuchen, die an Ver - leumdung nicht glaubt. Darauf aber, daß mein Junge gar ſo viel Zeit dazu brauchen würde, war ich nicht gefaßt.

Die Königin hieß ihre Kinder einſteigen, die Feuervögel entfalteten ihre Schwingen und trugen die Glücklichen in das ſchöne Feenland, aus dem die Verleumdung verbannt iſt, und wo ſogar die jungen Damen ſchweigen, wenn ſie von ihrem Nächſten nichts Gutes zu ſagen wiſſen.

[6]

Heimath liebte er aufrichtig und freute ſich, wenn er zu ihrem Gedeihen beitragen konnte. Er gehörte viele Jahre hindurch zu den treuen Mitarbeitern unſeres Blattes, ſowie des früher hier erſchienenen deutſchen Volksblattes.

(Todesfall.)

In Brünn verſchied vorgeſtern der dortige Kaufmann, Herr N. Ryſchawi, der Schwiegervater des hieſigen Gerichts-Adjunc - ten, Hernn Dr. Feigel.

(Ein ſeltenes Feſt.)

Am 1. Februar l. J. feiert Herr Franz Weiß mit ſeiner Frau Amalie in der pröbſt. Pfarrkirche zu St. Mauritius in Olmütz die goldene Hochzeit. Am 1. Februar 1841 wurden beide von dem dama - ligen Dechant Paul Heger in der Pfarrkirche zu Maria Himmelfahrt in Neutitſchein getraut und jetzt nach fünfzig Jahren ſchließen beide das zweitemal den Bund fürs Leben. Der Jubilar, der Schwiegervater unſeres allbekannten Kunſt - ſchloſſers, des Herrn Lefenda, iſt ein geborener Neutitſcheiner und zählt gegenwärtig 72, ſeine Frau 68 Jahre. Beide erfreuen ſich der voll - ſten körperlichen und geiſtigen Friſche. Möge es ihnen gegönnt ſein, noch viele Jahre in beſter Geſundheit im Kreiſe ihrer zahlreichen Verwand - ten und Freunde in unſeren Mauern zu verleben!

(Vom Männergeſangverein.)

Wir wer - den erſucht, zu veröffentlichen, daß die Vereins - proben von morgen Dienſtag den 27. ab, wieder aufgenommen werden. Die P. T. aus - übenden Mitglieder werden um vollzähliges Erſcheinen erſucht.

(Die Kohlennoth.)

Die Beſorgniß vor einer großen Kohlennoth hat wohl mit dem geſtrigen Tage bei uns ihr Ende erreicht. Das eingetretene Thauwetter läßt erwarten, daß die Verkehrsſchwierigkeiten der Bahnen raſch beſeitigt ſein, und die Zufuhren ohne weiteres Hemaiß werden erfolgen können. Unſere Fabriksetabliſſe - ments waren ohnehin beſtens mit Kohle verſorgt. Schwieriger ſcheint die Lage in Brünn geweſen zu ſein. An die löbl. Handels - und Gewerbekammer in Olmütz iſt von der Ferdinands-Norbahn noch Samſtag Abends folgendes Telegramm gelangt: Unſere Mittheilung vom 20. d. M., daß zwiſchen Oſtrau und Prerau ebenſo in der Station Oſtrau ſelbſt Kohle für Olmütz nicht zurückgehalten worden iſt, halten wir aufrecht. Seitens der Kaiſer Ferdinands-Nordbahn iſt bisher Alles aufgeboten worden um ſelbſt unter den obwaltenden äußerſt ſchwierigen Verkehrs - verhältniſſen der Kohlennoth, welche durch die ganz außergewöhnlichen Elementarereigniſſe her - beigeführt wurde, ſoweit als möglich abzuhelfen. Laut Bericht unſeres Betriebs-Inſpectorates in Oſtrau ſind in den letzten 24 Stunden 75 Waggon Kohle für und über Olmütz von Oſtrau abgeſendet worden, darunter 19 Waggon für loco Olmütz. 12 Waggon für loco Olmütz wer - den im Laufe des Tages abgeſendet. Leere Wagenwerden den Gruben nach Thunlichkeit beigeſtellt. Daß nicht alle zur Verfügung ſtehenden leeren Wagen an die Gruben geſchoben werden können, daran iſt die neuerliche erfolgte Schnee - verwehung ſchuldtragend, an deren Beſeitigung in Oſtrau allein bei 1000 Menſchen thätig ſind. Die Handelskammer verdient für ihre erfolgreiche Intervention den vollen Dank der Bevölkerung.

Der N. Fr. Pr. entnehmen wir nach - ſtehende derſelben zugegangene Erklärung: Nach den im Publicum circulirenden Nachrichten iſt der Kohlenverkehr auf der Hauptlinie der Nord - bahn nicht unterbrochen und beſteht auch kein Mangel an Waggons zur Beförderung der Kohle. Dem entgegen ſehen wir uns veranlaßt, die Kohlenconſumenten von den thatſächlichen Verhältniſſen zu unterrichten und denſelben die Mittheilung zu machen, daß der Kohlenverkehr zwar nicht unterbrochen iſt, die Gewerkſchaften des Oſtrau-Karwiner Reviers hingegen ſeit dem 8. Januar nur mit einem ganz geringen Theile des Bedarfes an Kohlenwaggons ſeitens der Nordbahn gedeckt werden, ſo daß auch den ge - ringſten Anforderungen der Conſumenten unmög - lich entſprochen werden kann. Für die Gewerk - ſchaften des Oſtrau-Karwiner Reviers excluſive Nordbahn): M. Wanjek.

(Der Zonentarif der Nordbahn.)

Die Ferdinands-Nordbahn hat dem Handelsminiſterium eine Eingabe unterbreitet, worin ſie ſich bereit erklärt, auch auf den Localbahnen eine Ermäßi - gung der Grundtaxe im Perſonenverkehr unter Einführung der Zoneneintheilung und bei Auf - hebung des Gepäcksfreigewichtes eintreten zu laſſen.

(Feuer im Schießſtattſaale.)

Bei dem Balle der Baubeamten, welcher Samſtag im Schießſtattſaale abgehalten wurde, hängte ein Officier ſeine Kappe an den Zapfen einer an der Wand des Speiſeſaales angebrachten Petro - leumlampe auf. Kaum war dies geſchehen, als die Lampe, die ohnehin locker geweſen ſein mußte, herunterfiel, explodirte und ihren brennenden Inhalt derart verſpritzte, daß der Fenſtervorhang ſofort Feuer fing und bis zur Decke lichterloh brannte und die Kleider eines Ballbeſuchers aus Prerau ebenfalls zu brennen anfingen. Herr Jungmann und Herr Baumeiſter Mader er - faßten Letzteren ſogleich, riſſen ihn zu Boden und erſtickten mit den Handen die Flammen, ſo daß der Mann mit leichten Verletzungen davonkam. Glücklicherweiſe fiel kein Tropfen des brennenden Oels auf 2 in Mullkleidern daneben ſitzende Damen, die mit anderen raſch aus dem Speiſe - ſaale flüchteten. Das Feuer wurde raſch erſtickt, und die Tanzenden im gegenüberliegenden Saale ließen ſich in ihrem Bergnügen nicht weiter ſtören.

(Brünner Muſikverein.)

Für das nächſte Concert des Brünner Muſikvereines iſt die Aufführung von Haydn’s Die vier Jahres -zeiten in Ausſicht genommen, die der hieſige Muſikverein im Vorjahre und der Männerge - ſangverein im heurigen Jahre bereits aufführte. Die Dresner Hofopern - und Kammerſängerin Frau Schuch Proska und der Wiener Hofopern - ſänger Herr von Reichenberg werden die Solo - partien (Sopran und Baß) zur Ausführung bringen. Für den Tenorpart iſt der in Brünn engagirte Sänger Herr Dr. Walter gewonnen worden.

(Volksbibliothek in Zwittau.)

Einem uns gütigſt zur Einſichtnahme zur Verfügung geſtellten Briefe aus Zwittau entnehmen wir Folgendes: Schon ſeit geraumer Zeit plante Ottendorfer einem nothwendigen Bedürfniſſe un - ſerer deutſchen Stadt dahin abzuhelfen, daß er das Project faßte, ein Gebäude zum Zwecke der Errichtung einer Volks-Bibliothek zu erbauen und ſchrieb ſofort deſſenwegen an die hieſige Gemeinde - vertretung, dieſelbe möge einen paſſenden Platz hiefür in Vorſchlag bringen, eventuell ankaufen. Die Gemeindevertretung glaubte vollkommen in den Intentionen des hochherzigen Wohlthäters zu handeln, wenn ſie zu dieſem Behufe das Ge - burtshaus Ottendorfers, welches vis a vis des Pfeiffer’-ſchen Gaſthauſes gelegen iſt, käuflich um den Betrag von 16.000 fl. an ſich brachte und Ottendorfer hievon in Kenntniß ſetzte, welcher damit vollkommen zufrieden ſich erklärte und auch ſogleich den Kaufſchillingsbetrag der Gemeinde anweiſen ließ. Es wird nun das jetzt beſtehende Haus im Früh - jahre demolirt und an Stelle deſſen ein zur Zierde unſerer Stadt gereichendes ſtylvolles Gebäude aufgeführt werden, welche ſämmtliche Koſten ſelbſtredend Herr Ottendorfer trägt. Die Höhe des Betrages, welchen Ottendorfer als Stammcapital anlegen wird zur Beſtreitung eines Cuſtos etc. iſt noch nicht bekannt. Die Stadt Zwittau darf jedenfalls auf Ottendorfer, der ſo ſeine Heimath ehrt, ſtolz ſein.

(Firma-Protokollirung.)

Bei dem k. k. Kreis - als Handelsgerichte in Olmütz wurde in das Handelsregiſter eingetragen: Am 16. Jänner 1891: Die Löſchung der Einzelnfirma: J. Eißler, des Iſaak Eißler, zum Betriebe der Gemiſcht - waarenhandlung in Nakl.

(Ein Wegaustreter wird geſncht.)

In dem Anzeigertheile der letzten Nummer des Kremſer Wochenblattes findet ſich folgende merkwürdige Ankündigung: Große Schneever - wehung in Krems. Infolge der mangelhaften Schneeauspflügung wird ein rüſtiger Wegaus - treter mit großen Füßen geſucht, der von 5 bis 7 Uhr Früh in Krems dieſes Geſchäft auf den gangbarſten Fußwegen beſorgt. Näheres im ſtädtiſchen Bauamt Krems.

(Für die arme Familie.)

Für den erblin - deten Friſeur ſind bei der Adminiſtration dieſes Blattes weiteres eingegangen: Von Herrn A.

Der Kathsherr von Olmütz. Erzählung ans dem 17. Jahrhundert.)

(19.)

Die übrigen Männer, Rathsherrn, Aelteſte, und Zunftmeiſter, Ringherren und Handwerker ſtanden, bewaffnet und im Werkstagsgewande wie ſie von den Schanzen kamen, mitten im Raume und harrten der Dinge. Es mochten im Ganzen etwa achtzig Perſonen ſein, welche von den Vertheidigungswerken der Feſtung herbeige - eilt waren. Bis in die Rathsſtube hörte man den Donner der Geſchütze, doch war die Halle ſicher vor den ſchwediſchen Geſchoſſen, welche nicht bis ins Herz der Stadt reichten.

Als ſich der Saal bis zur Hälfte gefüllt hatte, erhob ſich der Bürgermeiſter und richtete an die Verſammlung eine kurze Anſprache, in welcher er von dem Stande der Dinge Mitthei - lung machte. Der Feſtungscommandant habe erſt heute alle Werke beſichtigt und die Ueberzeugung gewonnen, daß eine weitere Vertheidigung der Stadt unmöglich ſei, wenn es auch den Anſchein habe, als ſtehe noch alles gut. Nachdem die Commandanten am Blaſi - und am Mitterthore erklärt haben, daß ſie unmöglich weiter zu kämpfen in der Lage ſeien, müſſe er es den Bürgern anheimſtellen, darüber zu entſcheiden, was geſchehen ſolle. Noch wiſſe der Schwedenicht, wie ſtark oder wie ſchwach die Feſtung ſei und wenn man ſofort einen Accord anſtrebe, werde der Feind billigere Bedingungen machen, als wenn man zuwarte und die Schwäche der Vertheidigung offenbare.

Spart die Worte, rief Zirkendorf dem Sprecher zu. Nichtswürdig iſt der Antrag und feige muß ich den Commandanten nennen, der ſeine Soldaten in den Wachſtuben verbirgt und die Bürger auf die Wälle ſchickt. Noch jetzt liegen 500 kaiſerliche Soldaten in der Feſtung und weder Ihr Bürgermeiſter, noch auch Ihr Herr kaiſerlicher Richter wißt etwas davon; denn wüßtet Ihr’s, ſo hättet Ihr wohl nicht zugegeben, daß gebrechliche alte Bürger die Mus - keten abbrennen, während junge, kräftige Kriegs - knechte ein faules Leben in den Wachſtuben führen.

Der Ausfall Zirkendorfs, welcher inmitten ſei - ner Kampfgenoſſen ſtehen geblieben war, brachte die Herren am Rathstiſche in arge Verlegenheit und Miniatti, welcher die Worte des Rathsherrn nicht ganz verſtanden hatte, verlangte eindringlich eine nähere Auskunft vom Bürgermeiſter, welchem die Beſchuldigung Zirkendorfs unglaublich vor - kam. Der Kaiſerrichter ſprang in lebhafter Erre - gung von ſeinem Stuhle auf und erbat ſich das Wort:

Wohlweiſe Rathsherren, ehrſame Meiſter und Bürger, liebe Nachbarn! Zaghaft und voll Furcht habe ich mit Eurem Oberhaupte dieſe Halle betreten, denn gar traurig lautete dieBotſchaft, die uns Sr. Majeſtät General - kriegswachtmeiſter Miniatti vor wenigen Mi - nuten eben verkündete. Aus Eurer Mitte ſelbſt ſei die Bitte gekommen, die Waffen nieder zulegen und unmöglich ſei es ferner Widerſtand zu leiſten, weil es an Mannſchaften und Ver - theidigungsmitteln gebreche. Da weckt nun Euer Wort, Rathsherr Zirkendorf, neue Hoffnung im Herzen. Sagt denn! Iſt es wahr, was Ihr ſprecht. Darf man’s glauben?

Fragt nur den Feſtungscommandanten, Kaiſerrichter. Ich behaupte, daß noch fünfhun - dert Mann Fußtruppen in der Feſtung ſind, noch heute in dieſer Stunde und zeihe den Com - mandanten des Verrathes, denn dreihundert Reiter hat Miniatti zur Stunde, da die Schwe - den bereits vom heiligen Kreuz im Anmarſch waren, als Bedeckungsmannſchaft mit einem Transport von flüchtigen Leuten aus der Feſtung entlaſſen. Auf ihn möge alle Verantwortung fallen.

Es iſt wahr, daß die Bürgerſchaft heute vom viertägigem Kampfe ermattet iſt und dringend der Ablöſung bedarf. Aber warum hat Miniatti ſeine Soldaten gleichſam verborgen und ver - läugnet. Warum gab er vor, nur 400 Mann zu haben, während er hunderte Reiter von den Regimentern Wachtenſtein und Hanau allein und große Abtheilungen polniſcher Völker aus der Stadt fortgeſchickt hat. Warum hat er die ſchwe - diſchen Spione aus der Stadt frank und frei entlaſſen, nachdem ſie ſelbſt die Erklärung ab -

[7]

Skopal 2 fl. fernerhin ausgewieſen 74 fl. zu - ſammen 76 fl.

(Verloren)

wurde geſtern Abend auf dem Wege aus dem Theater ins Hotel Goliath ein goldener Manchettknopf mit Steinen beſetzt und wolle im Auffindungsfalle gegen gute Be - lohnung beim ſtädt. Polizeiamte abgegeben werden.

(Zimmerfeuer.)

Geſtern Morgens gerieth im Hauſe Nr. 33 am Niederringe der Plafond eines ebenerdigen Zimmers durch eine Petroleum - lampe, welche an dem niedrigen Plafond ange - bracht war, in Brand, doch konnte das Feuer durch den im Hauſe wohnhaſten Kaminfeger Heren Johann Fritſcher binnen Kurzem gelöſcht werden.

(Plötzlich geſtorben.)

Geſtern Mittags traf hier der Bahnhofreſtaurateur Ferdinand Březina aus Pohl in Begleitung ſeiner Mutter und ſeines Bruders ein, um im hieſ. Kranken - hauſe wegen eines Unterleibsleidens Aufnahme zu ſuchen. In der Franz Joſef Straße wurde derſelbe jedoch plötzlich von hefti - gem Unwohlſein befallen, ſo daß er nicht weiter konnte. Ein des Weges kommender Offi - cier ſtellte eine militäriſche Tragbahre zur Ver - fügung. Als der Erkrankte mittelſt dieſer Bahre ins Spital gebracht wurde und daſelbſt die Bahre geöffnet wurde, zeigte es ſich, daß der Transportirte bereits verſchieden war. Die Leiche mußte dem zu Folge in die ſtädt. Todtenkammer übertragen werden.

Vom Tage.

(Das Teſtament Cardinals Simor,)

enthält neben den Vermächtniſſen für Arme und für ſeine Familie die Beſtimmung, das in Caſſen[v]orhandene erſparte Geld dem heil. Stuhle als[ob]erſten Hüter der katholiſchen Intereſſen zu über -[ſe]nden. Die Summe beläuft ſich auf Mil -[l]ionen Gulden.

(Der Lottoſchwindler Orlicé.)

Der Caſſa -[ti]onshof verhandelte Samſtag über die Nichtig -[ke]itsbeſchwerde des Lottomathematikers Ptaček (Prof. Orlicé) gegen des Urtheil des Prager[La]ndesgerichtes, durch welches derſelbe wegen Ver -[un]treuung einiger Lottoeinſetze zu 6 Wochen[Ker]ker verurtheilt worden war. Der Caſſations -[h]of beſtätigte das erſtrichterliche Urtheil.

Gedenket[d]es deutſchen Schulvereins bei Spielen und Wetten. bei Feſtlichkeiten und Teſtamenten ſowie bei unverhofften Gewinnſten.

Telegramme des Mähriſchen Tagblattes.

(Vom Correſpondenz-Bureau.)

Officiös verlautet, der Kaiſer Franz Joſef richtete an den König Hum - bert ein verbündliches Danktelegramm für die Verleihung des Annunciataordens an den Erz - herzog Franz Ferdinand.

Se. k. u. k. Hoheit, der Erzherzog Eugen iſt um 12¼ Uhr Mittags auf dem Anhalter Bahnhofe eingetroffen. Zum Empfange waren anweſend: Prinz Heinrich in Marine-Uniform mit dem Bande des Stefans - Ordens, die zum Ehrendienſt befohlenen Officiere, ferner Generaloberſt v. Pape, der öſterr. -ungar. Botſchafter Graf Szechenyi mit dem Botſchafts - perſonale, die öſterr. -ung. Officiere, eine Ehren - wache des Kaiſer Franz-Regiments mit dem commandirenden General des Gardecorps Freih. v. Meerſcheidt-Hülleſſen und der Erbprinz von Meiningen als Commandeur der 4. Garde - Infanteriebrigade. Beim Einfahren des Zuges intonirte die Muſikcapelle die öſterr. National - hymne. Nach der Begrüßung erfolgte die Fahrt nach dem Schloſſe.

Die unerwartete Auf - löſung des Reichsrathes hat hier allgemein über - raſcht und war bis zu dem Augenblicke des Er - ſcheinens des Auflöſungspatentes ein Geheimniß. Die vorzeitige Auflöſung des Hauſes wird viel - fach commentirt einige glauben, daß es ein Schwen - ken nach links ſei und daß nach den Wahlen eine Reconſtruction des Cabinets ſtattfinden, in wel - ches einige Parteimänner der Linken eintreten ſollen (?)

Durch eine Kund - machung des Landespräſidenten wurden die Reichsrathswahlen für die Landgemeinden auf den 3., für die Städte und Märkte auf den 5, für die Handelskammer auf den 6. und für den Großgrundbeſitz auf den 7. März ausgeſchrieben.

In einer Verſammlung von Intereſſenten wurde ein Programm angenommen, wonach alle induſtrielle Organiſationen der vereinigten Staaten zu einem gemeinſamen Vorgehen ſich einigen ſollen.

Priv. -Tel. d. Mäh. Tgblt. )

Die Reichsrathswahlen ſind für den 3. bis 7. März ausge - ſchrieben.

Privat-Telegramm des Mähr. Tagbl.

Officiöſe Blätter ſchreiben, die Auflöſung des Reichsrathes richte ſich gegen die Jungtſchechen. Der deutſchböhmiſche Wahlaufruf ſtellt die Maßregel als einen Erfolg der Deut -ſchen hin, da mit der jetzigen Mehrheit des Par[-]laments eine gedeihliche Entwicklung der Staats - geſchäfte unmöglich ſei. Die Alttſchechen rechnen bei den Neuwahlen auf die 8 Jungtſchechen auf 30 Mandate.

〈…〉〈…〉

[ge]geben, daß ſie unſere Stadt als Kundſchafter[be]treten.

Ein Sturm der Entrüſtung folgte den[W]orten des Rathsherrn. Rufe des Unwillens[un]d Schmähworte gegen den Feſtungscomman -[da]nten wurden ausgeſtoßen und ſchon griffen[d]ie jüngeren Bürger zur Waffe.

In dieſem Augenblicke drängte ſich die hohe[Ge]ſtalt Meixners in die Halle. Kaum hatte er[de]n Rathsherrn erblickt, als er mitten durch den[Tu]mult eilig an ihn herantrat und ihm leiſe[ein]e Meldung machte.

Zirkendorf ſchrak zuſammen, faßte ſich aber[ra]ſch und mit erhobener Rechten Ruhe gebietend,[di]e auf ſeinen Wink augenblicklich eintrat, ſprach[er]mit tief erregter Stimme, der er vergebens[ein]en feſten Klang zu geben ſuchte:

Liebe Bürger und Nachbarn! Die Hand[de]s Herrn laſtet auf uns und unſere Sünden[wer]den nunmehr geſtraft.

Ich vermag nicht ferner zum Widerſtande[ra]then, denn ſo eben hat mir ein ehrenwerther[Bo]te berichtet, daß die Stadtmauer am Domi -[nic]anerwerke, rechts neben der Jacobsbaſtion in[eine]r Länge von 24 Klaftern den Einſturz droht. [Sc]hon bröckeln ſtch die Steine ab und in weni -[ge]n Stunden wird ſich an dieſer Stelle dem[Fe]inde eine natürliche Breſche öffnen, die wir[nic]ht vertheidigen können. Thut denn, was Ihr[wo]llt und verantworten ſollen es diejenigen, die[da]s Unglück verſchuldet. Ihr habt meine Worte[nic]ht beachtet, da es noch Zeit war, Vorſorge[zu]treffen. Nun laßt mich aus dem Spiele undbeſchließt, was Euch gut dünkt. Mehr kann ich nicht thun, als für den Kaiſer und Olmütz ſterben. Auf meinem Poſten und in meiner Ba - ſtion erwarte ich Eure weiteren Befehle.

Noch bevor die Verſammlung Zeit fand, die Worte Zirkendorf’s in Ueberlegung und Be - rathung zu ziehen, hatte dieſer, geſolgt von Meixner und ſeinen treuen Anhängern die Rathshalle verlaſſen.

Neuntes Capitel.

Es war geſchehen. Im Beſitze des Feindes war die alte Landeshauptſtadt, die bisher noch immer des Angriffes geſpottet.

Nachdem Zirkendorf die Rathsverſammlung verlaſſen hatte, fand unter dem niederſchmettern - den Eindrucke ſeiner Mittheilung Niemand mehr den Muth, für weiteren Kampf zu ſprechen und war der Beſchluß, vom Schweden einen Accord zu erbitten, raſch gefaßt. Ebenſo raſch einigte man ſich über die einzelnen Puncte und über die Perſonen der Boten.

Als ſolche wurden die Rathsherrn Schwo - nauer und Kawan, zwei ruhige Büeger gewählt, denen die ſchwere Aufgabe zufiel, in Torſtenſon’s Hauptquartier in der Vorſtadt Powel vorzu - ſprechen und von dem ſchwediſchen Feldherrn billige Uebergabsbedingungen zu erlangen.

Im Verlaufe eines Tages war man damit zuſtande gekommen. Torſtenſon hatte ſich über Erwarten zuvorkommend gezeigt und verhältnis - mäßig billige Bedingungen gewährt. Ehren - hafter Abzug der kaiſerlichen Garniſon, Schutzfür die zurückbleibenden Bürger und deren be - wegliches und unbewegliches Eigenthum, Freilaſ - ſung aller Flüchtigen, welche in den letzten Tagen den Schweden in die Hände gefallen waren, Reſpectirung der ſtädtiſchen Privilegien, Schutz der katholiſchen Religion und aller in der Stadt befindlichen Klöſter das Alles hatte Torſtenſon ohne Zögern bewilligt. Dem Feſtungs - commandanten war ſogar feeigeſtellt worden, drei Geſchütze nach ſeiner Wahl ſammt Muni - tion mitzunehmen. Alles ſonſtige Geſchütz und der reichlich vorhandene Proviant ſollte, was die Bürgerſchaft vollkommen begreiflich fand, in der Stadt zurückbleiben.

Der verſammelte Rath athmete förmlich auf, als die einzelnen Accordspunkte mit dem Siegel und der Unterſchrift des ſchwediſchen Generals verſehen, zur Verleſung gebracht wurden und in ziemlich reſignirter Stimmung blickte die Bürgerſchaft am Dreifaltigkeitsſonntage dem Einrücken der Schweden, denen die Außenwerke der Stadt ſchon am Tage zuvor übergeben wor - den waren, entgegen.

Der Donner der Geſchütze war ſeit zwei Tagen verſtummt; man durfte ſich wieder furcht - los ins Freie wagen und ſo geſellte ſich zu der Angſt vor den künftigen Tagen, welche der über - raſchend günſtige Accord weſentlich gemildert hatte, eine gewiſſe aufregende Neugierde, welche Groß und Klein, Alt und Jung ſchon frühmor - gens auf die öffentlichen Plätze und Straßen trieb.

(Fortſetzung folgt.)

[8]
〈…〉〈…〉

Herausgeber und verantwortlicher Redacteur Wilhelm Seethaler. Druck von Joſef Groak in Olmütz.

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TextNr. 20, 26.01.1891.
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Responsibility Alexander Geyken, ed.; Susanne Haaf, ed.; Bryan Jurish, ed.; Matthias Boenig, ed.; Christian Thomas, ed.; Frank Wiegand, ed.

Benjamin FiechterSusanne HaafNote: Bereitstellung der Texttranskription.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T15:49:55Z grepect GmbHNote: Bereitstellung der Texttranskription.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T15:49:55Z Amelie MeisterNote: Bereitstellung der Texttranskription.Note: Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.2018-01-26T15:49:55Z CLARIN-DNote: Langfristige Bereitstellung der DTA-Ausgabe

EditionVollständige digitalisierte Ausgabe.

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Bibliographic informationNr. 20, 26.01.1891. . Jakob RiemerCzernowitz1891. Mährisches Tagblatt

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IDS Mannheim

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Fraktur

LanguageGerman
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