PRIMS Full-text transcription (HTML)
Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meere
Berlin,1837. Verlag der Sanderschen Buchhandlung. (C. W. Eichhoff.)
[V]

Sr. Erlaucht

dem

Herrn

Grafen G. von Cancrin

Kaiserlich - Russischem Finanzminister

General der Infanterie, Mitgliede des Reichsraths und dirigi - renden Senats, Chef des Corps der Berg-Ingenieurs, Ritter der Kaiserlich-Russischen Orden des heil. Andreas und Alex - ander-Newski mit Diamanten, des heil. Wladimir und der heil. Anna erster Klasse und des weissen Adlers; des Kaiserlich - Oesterreichischen Ordens des heil. Leopold erster Klasse; des Königlich-Preussischen rothen Adlerordens erster Klasse u. s. w.

in dankbarer Verehrung

zugeeignet

von

G. Rose.

[VII]

Vorrede

Um den Leser mit dem genau bekannt zu machen, was die Veranlassung zu unserer Expedition gab, schalte ich hier mit der Erlaubniss des Herrn v. Hum - boldt aus der historischen Einleitung seines noch unge - druckten astronomischen und magnetischen Ta - gebuchs Folgendes ein:

Ich glaube die Dankbarkeit, die ich dem erha - "benen Monarchen, auf dessen Befehl ich die Reise in das asiatische Russland unternommen und ausgeführt habe, nicht auf eine würdigere Weise an den Tag legen zu können, als indem ich einfach erzähle, was diese Reise veranlasste und wie edel und freisinnig die Mittel zu Erreichung wissenschaftlicher Zwecke dargeboten wurden. Im Sommer des Jahres 1827, als ich eben erst nach einem langen Aufenthalte in Frank -" reich in mein Vaterland zurückgekehrt war, wurde ich von dem Kaiserlich Russischen Staats - und Fi - "nanz-Minister, Herrn Grafen von Cancrin aufgefor - dert, ihm meine Ansichten über den Nutzen einer baldigst in Curs zu setzenden Platin-Münze aus den Erzeugnissen des Urals und über das gesetzliche Ver - hältniss des Werthes dieser Münze zu einem der bei - den anderen edeln Metalle mitzutheilen. Ich war schon in früherer Zeit von dem spanischen Gouver - nement officiell veranlasst worden, denselben Gegen -" stand zu bearbeiten; auch wurde, während des Wie - "ner Gongresses, von Privatpersonen den versammel -" ten Monarchen der Antrag gemacht, aus dem ameri - kanischen Platin eine in allen Staats-Cassen anzu - nehmende Münze schlagen zu lassen. Die Besorg -

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nisse, die ich dem Grafen von Cancrin im Herbste des Jahres 1827 äusserte, sind (und es ist mir eine besondere Freude, es hier aussprechen zu müssen) durch mehrjährige Erfahrung, bei sehr gemässigter Emi - mission der Platin-Münze und bei der weiten Ausdeh - nung des Kaiserreichs, nicht gerechtfertigt worden: indessen hatte die freimüthigste Discussion über eine wichtige staatswirthschaftliche Frage nicht das eh - "renvolle Vertrauen gemindert, das mir geschenkt war. Kaum hatte ich, in dem Laufe jenes Briefwechsels, der Hoffnung erwähnt, so bald es meine Lage ge - statten würde, auf einer Sommerreise den Ural zu besuchen, dessen geognostische Constitution gewiss viele Vergleichungspuncte mit der Andes-Kette von Neu-Granada darbieten müsse, als ich bereits (unter dem 5 / 17 Dec. 1827) durch den Herrn Finanz-Minister, der unablässig so viele wissenschaftliche Unterneh - mungen und Institute in das Leben gerufen hat, von den allerhöchsten Befehlen Sr. Maj. des Kaisers Ni - colaus in Kenntniss gesetzt wurde, laut deren meine Reise, in grösserer Ausdehnung und nach den sorg -" fältigsten Vorbereitungen, auf alleinige Kosten der Krone, ausgeführt werden sollte. Diese Nach - "richt erweckte in mir auf das lebhafteste die alte, angeborene Reiselust. So sehr ich mich aber auch freute, wieder auf einer Landreise einen so grossen Erdstrich zu durchwandern, so konnte ich doch we - gen des Wunsches meine öffentlichen Vorlesungen über die physische Weltbeschreibung im Win - ter und Frühjahr 1828 zu vollenden, nicht sogleich von jenen grossartigen, meine Freiheit übrigens auf keine Weise beschränkenden Anerbietungen Gebrauch machen. Die Bitte um Aufschub fand leicht Gehör und der Herr Graf v. Cancrin schrieb mir unter dem 8 / 20 März 1828, Sr. Kaiserl. Majestät habe durch ei -" genhändige Confirmation genehmigt, dass es ganz von meinem eigenen Ermessen abhangen solle, die Expe - "dition nach dem Ural-Gürtel und nach Tobolsk erst im Jahr 1829 anzutreten und meine gelehrten Freunde die Professoren Ehrenberg und G. Rose als Be -" gleiter mitzubringen; auch bleibe mir selbst überlas - "sen, ob ich in den nächstfolgenden Jahren meine Ex -" cursionen nach dem Ararat oder anderen südlichen Gegenden Russlands ausdehnen wolle. Für die Si -

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cherheit und Schnelligkeit der zu unternehmenden Reise hatte der Herr Finanz-Miuister mit der zarte - "sten Sorgfalt die zweckmässigsten Veranstaltungen getroffen. Ein eigenes mir im Winter 1829 kurz vor meiner Abreise von Berlin zugesandtes Pro Memoria enthielt die Bestimmungen über die für die Expedition bereits angefertigten Wagen, über die Zahl der Post - pferde auf jeder Station (meist 15 bis 20), über die Wahl eines Feldjägers oder Couriers, über die ge - räumigen Wohnungen, die überall in Bereitschaft ge - halten werden sollten, über die militärische Bedek - kung, wo sie der Gränze nahe erforderlich wäre u.s.w. Ein sehr ausgezeichneter Bergbeamte, zweier Sprachen, der deutschen und französischen, gleich mächtig, sollte uns auf der ganzen Reise begleiten, und ich erfülle eine angenehme Pflicht, indem ich diesem unsern Begleiter, dem Herrn Oberhüttenvenwalter, jetzt Berghauptmann von Menschenin, hier den Aus -" druck meines Dankes öffentlich erneuere.

Das Pro Memoria, dessen ich eben erwähnte, schloss mit den denkwürdigen Worten: es hängt ganz von Ihnen ab, in welchen Richtungen und zu "welchem Zwecke Sie diese Reise ausführen wollen; der Wunsch der Regierung ist einzig der, den Wis -" senschaften förderlich zu sein. So viel Sie können, werden Sie dabei dem Bergbau und dem Gewerb - fleisse Russlands Nutzen schaffen. Solche edle Aner - "bietungen, und sie wurden alle auf einer langdauernden Reise von 14,500 Wersten (über 2000 geographischen Meilen) erfüllt, darf ich schon deshalb nicht mit Still -" schweigen übergehen, weil sie auf eine erfreuliche Art das Zeitalter charakterisiren, in dem wir leben. Die Gunst, welche dem stillen Treiben des Einzelnen gespendet wird, strahlt von der Höhe der Wis - "senschaft auf ihn herab. Sie ist der lebendige Aus -" druck der Achtung, die ein mächtiger Monarch dem fortschreitenden Wissen und dem wohlthätigen Ein - fluss dieses Wissens auf den Wohlstand der Völker schenkt. Unter den mannigfaltigen Zeichen des Wohl - "wollens, die ich dem Kaiser Nicolaus verdanke, ist es mir besonders wichtig, hier auch des Anerbietens einer neuen Reise zu erwähnen, welches mir unter dem 14 / 26. Februar 1831, also kaum sechzehn Monate nach der Rückkehr von dem kaspischen Meere, auf

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Befehl Sr. Majestät gemacht wurde. Ich sollte die, ,Wahl haben, entweder bloss Finnland oder, wenn ich den Süden vorzöge, den Kaukasus zu besuchen. Dieser Befehl, dem ich leider nicht Folge ieisten konnte, hat mich von dem Gefühle durchdrungen, dass die Bestrebungen meiner Freunde und die mei - nigen einer Nachsicht gewürdigt worden sind, auf die wir nur durch die pflichtmässigste Anstrengung un - "serer Kräfte, einigen Anspruch machen durften."

So weit Herr von Humboldt. Es bleibt mir nun noch übrig über die Entstehung und die Bearbeitung dieses Werkes selbst einiges hinzuzufügen.

Einen bestimmten Plan über die nach Vollendung der Reise zu machenden Ausarbeitungen, hatte Herr von Humboldt mit Prof. Ehrenberg und mir vor der Reise nicht verabredet; jeder von uns sollte beob - achten und sammeln, so weit es Zeit und Umstände gestatteten und später näher untersuchen und beschrei - ben, was darunter neu und bemerkenswerth wäre. Nachdem wir daher von der Reise zurückgekehrt wa - ren, und ich die mitgebrachten mineralogischen und geognostischen Sammlungen geordnet hatte, war es meine Absicht, zuerst das Wichtigste in einzelnen Abhandlungen zu beschreiben, und dasselbe später in einer allgemeinen geognostisch-mineralogischen Schil - derung des Urals und des Altaischen Erzgebirges zusam - menzufassen. Nach diesem Plane hatte ich auch die einzelnen Gegenstände zu bearbeiten und bekannt zu machen angefangen1), als Herr von Humboldt

[footnote reference]1) Die einzelnen Aufsätze, welche ich auf diese Weise bekannt machte, sind in Poggendorff’s Annalen für Chemie und Physik abgedruckt, und bestehen im Ganzen aus folgenden:
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[footnote reference]1. Ueber zwei neue Tellurerze vom Altai. B. XVIII, S. 64.
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2. Ueber die chemische Zusammensetzung des gediegenen Goldes im Allgemeinen, und besonders des vom Ural. B. XXIII, S. 161.

[footnote reference]3. Ueber die Krystallformen des Goldes und des Silbers. B. XXIII, S. 196.
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[footnote reference]4 6. 3 Aufsätze über den Uralit. B. XXII, S. 321., B. XXVII, S. 97., B XXXI, S. 609.
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[footnote reference]7. Ueber die Gebirgsarten, welche mit dem Namen Grünstein und Grünsteinporphyr bezeichnet werden. B. XXXIV, S. 1. Hierbei siud besonders die Uralischen Grünsteine beschrieben worden.
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8. Ueber die am Ural vorkommenden krystallisirten Verbin - dungen von Osmium - Iridium. B. XXIX, S. 452.

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mir bei seiner Abreise nach Paris im Sommer 1831 den Wunsch zu erkennen gab, dass ich jene allgemeine Schilderung zu einem Berichte über die ganze Expe - dition in Form eines Tagebuches erweitern möchte.

Ungeachtet der vielen und grossen Bedenklich - keiten, die dabei in mir entstanden, und die haupt - sächlich in der Schnelligkeit der Reise und in meiner für einen vollständigen Reisebericht nicht genügen - den Vorbereitung zu derselben gegründet waren, konnte ich doch den Wunsch eines Mannes, dem ich so lange schon verpflichtet war, nicht unerfüllt lassen. Ich ent - schloss mich also zur Bearbeitung meines an Ort und Stelle niedergeschriebenen geognostischen Tagebuches. Mehrere specielle Untersuchungen, die ich angefan - gen, namentlich die Untersuchungen über die Mischung des gediegenen Goldes, über den Uralit und die Grün - steine des Ural, so wie andere wissenschaftliche Arbeiten, die theils damit in genauem Zusammenhänge standen, theils für meine mineralogischen Vorlesungen an der hiesigen Universität nöthig waren, erlaubten mir nicht früher als im Herbste 1833 die Redaction zu beginnen. Der frische Eindruck, den die Reise gemacht hatte, war freilich nun verlöscht, aber wenn deshalb die Zögerung auch der Lebendigkeit der Dar - stellung nachtheilig wurde, so bot sie dagegen den ernsteren Gewinn dar, dass das Wesentliche von dem Unwesentlichen mehr geschieden blieb, und dass ich vermied, meinem Gedächtnisse mehr als meinem aus - führlichen Tagebuche zu trauen.

Ich habe demnach einfach erzählt, was wir gese - hen. Die mineralogischen und geognostischen Beob - achtungen, die den grössten Theil des Werkes aus - machen, sind nicht von den übrigen sehr verschieden - artigen getrennt, daher das Buch doch eigentlich nur für Mineralogen und Geognosten geschrieben ist, und auch für diese allein von einigem Interesse sein kann. Herr von Humboldt hat die Güte gehabt, mich auf die liberalste Weise bei der Ausarbeitung des Werkes zu unterstützen; er hat mich in Besitz aller Karten, Bücher und Manuscripte gesetzt, welche ihm auf der Reise selbst mitgetheilt worden sind, er ist

[footnote-continued reference]9. Ueher das Vanadinbleierz von Beresowsk. B. XXIX. S. 455.
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[footnote-continued reference]10. Ueber den Rhodizit, eine neue Mineralgattung. B. XXXIII, S. 253.
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mit mir sein ganzes Tagebuch, das geognostische, astronomische, magnetische und meteorologische Beob - achtungen umfasst, durchgegangen, und hat mir daraus eine Menge Notizen zur selbstständigen Benutzung mitgetheilt, wie er mich auch bei keiner Gelegenheit seines Rathes und seiner freundschaftlichen Theilnahme hat entbehren lassen, was ich nicht ohne den innig - sten Dank hier anerkenne.

Ich habe die Sibirische Reise wohl unter den günstigsten Verhältnissen gemacht, unter denen man so grosse Länderstrecken des östlichen Europa und nördlichen Asiens durchwandern kann. Ueberall war für ein möglichst schnelles Fortkommen auf das zweck - mässigste gesorgt; auf allen Berg - und Hüttenwer - ken wurden wir erwartet, gleich nach unserer Ankunft mit allem Sehenswerthen bekannt gemacht und auf den Exkursionen von den Beamten der Werke auf das gefälligste begleitet. Auf diese Weise blieb uns keine Zeit ungenutzt, wir konnten die Gegenstände viel schneller kennen lernen, als unter andern Umständen möglich gewesen wäre, und haben so in dem kurzen Zeitraum von noch nicht 6 Monaten I) den Ural auf fast 9 Breitegrade von Bogoslowsk bis Orsk, und den Altai von Barnaul bis zur mongolisch - chinesischen Gränze am Irtisch bereist; wir haben Astrakan be - sucht und das kaspische Meer beschifft. Bei der gros - sen Schnelligkeit, mit der diese Reise ausgeführt wer - den musste, um nicht von dem Winter ereilt zu wer - den, konnten freilich zusammenhängende geognosti - sche Untersuchungen nicht angestellt werden, wir mussten uns mit allgemeinen Uebersichten begnügen; und wenn wir gleich viel beobachtet haben, und eine spä - tere Stelle oftmals erklärte, was eine frühere undeut - lich gelassen hatte, so musste meine Darstellung geo - gnostischer Verhältnisse doch öfters unvollständig und lückenhaft bleiben; auf Analogien gegründete Ver - muthungen haben mehrmals den Mangel einer vollstän - digen Beweisführung ersetzen müssen, und mögen Irrthümer und Fehler veranlasst haben, welche einst

[footnote reference]1) Wir verliessen Petersburg am 20. Mai und kehrten da - hin wieder am 13. Nov. zurück. Bei der oben angegebenen Zahl von mehr als 2000 geographischen Meilen (15 auf den (Grad), die wir in diesem Zeiträume zurückgelegt haben, sind die kleineren Excursionen von den einzelnen Werken, wenn sie gleich oft sehr bedeutend waren, nicht eingerechnet. In Ka - tharinenburg und den nächsten Umgebungen waren wir 16 Tage.
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Diejenigen berichtigen werden, die durch ihre Lage begünstigt, den wichtigen Untersuchungen über die Reihefolge und Verbreitung der Formationen mehr Musse schenken können.

Je weniger ich demnach auf vollständige Darstellung dessen Anspruch machen darf, was die Reise schnell vor - überführte, um so genauer glaubte ich daher in dem sein zu müssen, was ich unbeeilt und mit Benutzung aller mir zu Gebote stehenden Hülfsmittel bearbeiten konnte. Ich habe schon auf der Reise selbst gesucht zu einer möglichst vollständigen Kenntniss der russi - schen Mineralien zu gelangen, und habe deshalb die verschiedenen Sammlungen in Dorpat, Petersburg, Kasan und Katharinenburg mit grosser Sorgfalt durch - gesehen. Ich bemühte mich so viel es die Zeit er - laubte, eine möglichst vollständige Sammlung von Ge - birgsarten der durchreisten Gegenden zusammen zu bringen, und wurde auch hierin von den russischen Behörden auf das Bereitwilligste unterstützt, da auf vielen Werken die wir besuchten, wie in Beresowsk, Nischne-Tagilsk, Bogoslowsk, Mursinsk und Miask schöne Sammlungen von Gebirgsarten und Mineralien aus den Umgebungen aufgestellt waren, aus denen ich nehmen und aussuchen konnte, was ich für meine Zwecke für brauchbar hielt.

Aber ich hatte auf diese Weise nicht allein ein bedeutendes Material selbst mitgebracht, ich fand auch in der hiesigen Universitätssammlung eine grosse Menge sibirischer Mineralien theils in der systematischen Hauptsammlung zerstreut, theils in besondern Local - sammlungen vereinigt, die ebenfalls ein grosses Hülfs - mittel für meine Untersuchungen darboten. Die si - birischen Localsammlungen bestanden:

1) in einer Sammlung von 3081 Stück russischen Mineralien und Gebirgsarten von sehr verschiedener zum Theil sehr bedeutender Grösse, die schon im Jahre 1806 vom Kaiser Alexander geschenkt war.

2) In einer Sammlung von Gebirgsarten vom Ural, die von dem Oberbergrath v. Eversmann herstammte; sie war besonders für die Gegend von Slatoust, wo sich Herr von Eversmann längere Zeit aufgehalten hatte, vollständig.

3) ln einer Sammlung von 100 Stück Gebirgsarten aus der Gegend von Katharinenburg, die von dem frü - hern Beschreiber des Ural, dem Berghauptmann von

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Hermann herrührte und wegen des begleitenden Kataloges zum Verständniss der Hermannschen Werke wichtig war.

4) in Mineralien und Gebirgsarten vom Ural, die Herr Menge in den Jahren 1825 und 26 von seiner sibirischen Reise mitgebracht hat.

Alle diese Mineralien und Gebirgsarten habe ich mit Genauigkeit zu bestimmen und zu beschreiben gesucht und habe durch diese Mittel auch ziemlich vollständig in der Aufzählung der Mineralien einzel - ner Fundörter sein können. Die grosse Mannigfal - tigkeit der Grünsteine des Ural veranlasste mich die - selben in mehrere Abtheilungen zu theilen, die ich mit besonderen Namen bezeichnet habe, wiewohl die Untersuchungen darüber, um nicht die Herausgabe des Werkes noch länger aufzuhalten, noch nicht als geschlossen angesehen werden können. Es sind die - selben die ich schon in einer besondern Abhandlung in Poggendorffs Annalen bekannt gemacht habe. Bei vielen Gebirgsarten und Mineralien habe ich auch die chemische Zusammensetzung angegeben, die ich theils selbst ermittelt, theils von den zahlreichen Schülern meines Bruders des Professor Heinrich Rose habe ermitteln lassen. Ich habe auf diese Weise eine grosse Menge Resultate chemischer Analysen erhalten, von denen ich die, welche unter der speciellen Aufsicht meines Bruders in seinem Privatlaboratorium ausge - führt sind, mit dem Namen der Urheber in den Text aufgenommen, die welche in dem allgemeinen Labo - ratorium ausgeführt sind, in Noten dem Texte hinzu - gefügt habe. Untersuchungen über den wahren Gold - gehalt des Goldsandes anzustellen und Mittel über ein vermehrtes Ausbringen desselben aufzufinden, konnte nicht in meiner Absicht liegen. Für die Beantwortung so wichtiger technischer Fragen war unsere Reise natürlich nicht geeignet, sie muss denen zu erörtern übrig blei - ben, die lange an denselben Orten verweilen, und grosse Massen bearbeiten können.

Um dem geognostischen Theile eine grössere Vollständigkeit zu geben, habe ich auch die An - gaben sowohl der ältern als auch der neuern Reisen¬ den benutzt, und daraus manches angeführt, was wir selbst nicht gesehen haben, wenn es in der Nähe der von uns bereisten Gegenden lag. Auch mehrere vor - treffliche Aufsätze in dem russischen Bergwerks-Jour -

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nal (Gornoi-Journal) habe ich hierbei um so weniger unbenutzt gelassen, als dieselben im Auslande gar nicht, oder nur in äusserst unvollständigen Auszügen bekannt sind.

Die Beschreibung der sibirischen Reise wird auf diese Weise im Ganzen 2 Bände ausmachen; der erste, welcher hiermit erscheint, enthält die Reisen in dem mittlern und nördlichen Ural und in dem Altai, der zweite, dessen Druck unmittelbar nach dem Erschei - nen des ersten beginnen soll, wird die Reisen in dem südlichen Ural und nach Astrakan nebst einigen be - sondern Abhandlungen enthalten, und mit einer mine - ralogisch-geognostischen Uebersicht des Ural schliessen.

Von den beiden Karten, die dem ersten Bande hinzugefügt sind, hat die eine, die grosse Uralkarte, Herr Professor Bergbaus zu zeichnen übernommen, und mit dem ihm eigenen Talente ausgeführt. Zum Grunde ist hierbei die russische Specialkarte des rus - sischen Reiches, (die Podrobnaja Karta) gelegt wor - den, es sind aber dabei auch die neuen astronomischen Ortsbestimmungen von Wisniewsky, Schubert, Al. von Humboldt und Ad. Erman, so wie die hand - schriftlichen Specialkarten benutzt werden, welche Herrn von Humboldt von den Hüttenbezirken von Bogos - lowsk, Katharinenburg, Slatoust und Miask mitge - theilt wurden.

Die Karte vom Altai ist nach den russischen Gon - vernements-Karten eutworfen. Sie schliesst sich ganz an die Uralkarte an, ist in einem halb so grossen Maasstabe als diese gezeichnet, und soll nur zur all - gemeinen Orientirung dienen. Ich habe deshalb die Namen der wichtigsten Berg - und Hüttenwerke und der in dem Buche angeführten Orte eingetragen, die Berg - zeichnung aber fortgelassen, da diese in den Gouver - nementskarten selbst nur ganz hypothetisch nach dem Laufe der Flüsse gezeichnet ist.

Ueber die im Buche vorkommenden Maasse und Gewichte bemerke ich noch, dass das russische Pfund, von welchen 40 auf 1 Pud gehen, 96 Solotnik zu 96 Doli enthält. Das russische Pfund ist kleiner als das preussische, und verhält sich zu diesem wie 1000: 1142, so dass also 40 russische Pfunde oder 1 Pud ziemlich genau 35 preussische Pfunde oder 70 Mark ausmachen1).

[footnote reference]1) Ich füge hier ein Beispiel der Anwendung dieses Ver - gleiches hei, welches um so mehr Interesse haben dürfte, als
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Die Saschene, der russische Faden, enthält 3 Arschinen zu 16 Werschok. 500 Saschenen machen 1 Werst oder russische Meile, von welchen 6,955 auf eine geographische Meile gehen. Ausserdem bedient man sich in Russland auch noch der Fusse und Zolle, die mit den englischen Fussen und Zollen überein - stimmen. Eine Saschene enthält 7 Fuss, 1 Arschine folglich 28 Zoll und 1 Werschok Zoll.

Die Maasse, welche hei den Höhenbestimmungen durch die Barometer von Fortin, Bunten und Par - rot, oder bei den Untersuchungen über die Tempera - tnr der Quellen benutzt wurden, sind jedesmal neben den numerischen Resultaten angegeben. Der Ther - mometer wurden durch Normal - Thermometer von BesseI und Gay Lussac, die wir mit uns hatten, corrigirt. Der letztere hatte für seinen Freund, Herrn von Humboldt, mit vieler Sorgfalt die ungleiche Scale eines grossem Weingeist-Thermometers anfer - tigen lassen, das zu künftigen Bestimmungen der Extreme der Winter - Kälte in Tobolsk deponirt wurde. Das Psychrometer von August hatte Reau - mursche Scale und wurde stets von mir mit Brunnen - wasser benetzt. Es hat in einigen Punkten des nördlichen Asiens die grösste Trockenheit der Luft gezeigt, welche bisher durch dieses Instrument ge - messen worden ist. Hier und da habe ich Ergebnisse der magnetischen Beobachtungen eingeschaltet. Sie wurden von Herrn von Humboldt in einem eigends dazu vorgerichteten völlig eisenfreien Zelte, fern von allen menschlichen Wohnungen, angestellt. Zu der Bestimmung der Neigung diente ein grosses Inclina - torium von Gambey, in dem die Pole der zwei Na - deln bei jeder Beobachtung umgedreht wurden. Die Intensität wurde nach der Methode von Hansteen, mit Benutzung eines Chronometers von Earnshaw, gemessen.

[footnote-continued reference]es die neuesten Resultate über die wichtige Gold - und Platin - gewinnung Russlands enthält. Im Jahre 1838 lieferte an Gold: der Ural 293 Pud 26 Pfund 40 Sol. 30 Doli der Altai 104 - 15 - 78 - -- an Platin: der Ural 118 - 2 -7 - 48 - Die ganze vorjährige Ausbeute betrug also an russischem Golde 27884,8 Mark, an Platin 8269,8 Mark. Das Gold des Altai schreibt sich von den neu entdeckten Goldseifen her, wovon das Nähere im zweiten Bande berichtet werden wird.
[footnote-continued reference][XVII]

Inhalts-Uebersicht.

I. Reise von Berlin nach Petersburg. S. 1 60.

Abreise von Berlin, 1. Königsberg, 2. Bemerkungen über den Bernstein, 4. Aufenthalt in dem Sandkruge an der Spitze der Kurischen Nehrung, 11. Dorpat, 17. Mineralogische Samm - lung daselbst, 18. Geognostische Beschaffenheit von Ehstland und Livland, 19. Beschreibung einer Sammlung ehstländischer Gebirgsarten, 22. Porphyr von der Insel Hochland, 31. Narwa, 33. Eintritt in Petersburg. 36. Mineraliensammlungen des Berg - corps, 39, der Akademie der Wissenschaften, 43, der mineralo - gischen Gesellschaft, 44. Privat-Mineraliensammlungen, 45. Amethystkugeln von der Wolfsinsel, 47. Der grosse Diamant auf der Spitze des kaiserlichen Scepters, 50. Diamant des per - sischen Prinzen Cosrhoës, 51. Geschliffene Gebirgsarten und Mineralien in dem Winterpallast, 52. Granitsäulen, 52. Gold - scheidung auf der Münze, 54. Geognostische Beschaffenheit der Gegend um Petersburg, 56.

II. Reise von Petersburg nach Katharinenburg, S. 60 132.

Abreise von Petersburg, Reiseeinrichtungen, 61. Kaiser - strasse nach Moskau, 63. Russische Dörfer, 65. Waldaische Berge, 66. Canalverbindung in Russland, 68. Höhenbestim - mungen zwischen Petersburg und Moskau, 70. Ankunft in Moskau und Uebersicht der Stadt, 72. Schatz im Kreml, 74. Naturhistorische Sammlungen, 75. Meteorsteine, 75. Geogno - stische Beschaffenheit der Gegend um Moskau, 78. Höhe von Moskau, 79. Anstalt zur Bereitung künstlicher Mineralwässer, 80. Wladimir, 83. Ueberfahrt über die Oka bei Murom, 84. Nischni Nowgorod, 86. Zusammentreffen mit dem Grafen Po - lier, 87. Reise auf der Wolga nach Kasan, 88 Kasan, 90. Universität, 90. Lage der Stadt, 91. Höhe derselben. 94. Ex - kursion nach den Ruinen von Bulghar, 96. Beschreibung der Ruinen, 97. Geschichte der Bulgharen, 101. Alte Münzen und Grabsteine, 103. Der Saban der Tataren, 107. Ueber die Be -

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nennung Tatar, 108. Abreise von Kasan, 108. Verbannte, 110 Hohes mit Wald bedecktes Plateau zwischen der Wjatka und Kama; merkwürdiges Flusssystem, 112. Waldbrände, 113. Wotjaken, 114. Kupferhallige Sandsteinformation auf der West - seite des Urals, 115. Perm, 118. Gypshöhle von Kungur, 120. Vorberge des Urals in Bisserskaja, 121. Eisenhütten Bilim - bajewsk und Schaitansk, 124. Beresowaja Gora, höchster Berg und Wasserscheider auf der Strasse nach Katharinenburg, 126. Gebirgsarten des Urals auf diesem Wege, Talkschiefer, Syenit und Granit, 127. Katharinenburg, 130.

III. Katharinenburg und Exkursionen in die Umge - bungen der Stadt. S. 133 278.

Katharinenburg, S. 133 152. Münzhoff, 133. Che - misches Laboratorium, 137. Steinschleiferei, 142. Labrador - reiche Augitporphyre von Ajatskaja, 143. Diorit von Reschewsk, 145. Mineraliensammlungen, 147.

Exkursion nach dem Goldseifenwerke Scha - browskoi auf dem Plateau zwischen dem Isset und der Tschussowaja, S. 152 167. Geognostische Uebersicht dessel - ben, 153. Lage des Goldsandes von Schabrowskoi, 155. Ge - mengtheile (Anatas) und Goldgehalt des Sandes, 156. Beschaf - fenheit des Goldes. 158. Art der Verwaschung des Sandes, 160. Rhodonit - Bruch, 162. Gebirgsarten bei dem Dorfe Schabrowa, 164 - Eisenhütte Nischne-Issetsk, 165. Diorit und Augitporphyr mit Uralit, 166.

Geognostische Untersuchung der nächsten Um - gebung von Katharinenburg, S. 167 175. Diorit bei dem neuen Gefängnisse im NW. von der Stadt, 168. Granit - kuppe im W. der Stadt an der Sibirischen Strasse, 168. Ei - senhütte Werch-Issetsk, 169. Dioritkuppen im S. des Hütten - teiches, 171. Uebergangsgestein zwischen Wetzschiefer und Augitporphyr an der Steinschleiferei in der Stadt, 171. Ser - pentin in gleichförmiger Lagerung mit Chloritschiefer beim al - ten Mehlmagazin, 172. Serpentin im O. von der Stadt, 173 Thonschiefer, Uebergangsgestein zwischen Chloritschiefer und Augitporphyr, und Granit im O. und SO. der Stadt, 174.

Exkursion nach den Goldgruben von Beresowsk und den in der Nähe befindlichen Goldseifen, S. 175 242.

Goldgruben von Beresowsk, S. 175 226. Lage des goldhaltigen Terrains von Beresowsk, 176. Granit vom See Schartasch im S. von Beresowsk, 178. Serpentin von Pysch - minsk im N. von Beresowsk, 179. Darin eingemengter Bru -

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eil, 180. Thonschiefer, Chloritschiefer und Talkschiefer, das Ne - bengestein der Goldgänge, 181. Darin eingemengter Bitter - spath, 182. Quarziger Talkschiefer mit Bitterspath (Listwänit), 183. Streichen der schiefrigen Gebirgsarten von NW. nach SO., 185. Gänge von Granit (Beresit), welche die schiefrigen Gebirgsarten durchsetzen, 186. Beschaffenheit des Granits, 186. Sein Streichen, 188. Goldgänge in dem Granit, 189. Darin vorkommende ursprüngliche Mineralien: Quarz, 189; Turmalin, 190; Talk, 190; Pyrophyllit, 190; Bitterspath, 193; Eisenkies, 193, aus dessen Zersetzung sich bilden: Eisenoxyd - hydrat, 191, und Schwefel, 196; Nadelerz, 196; Fahlerz, 197; Kupferkies, 198; Gold, 198; Bleiglanz, 203. Durch die Zersez - zung der ursprünglichen Mineralien haben sich gebildet: Roth - bleierz, 204, Melanochroit, 205, Vauquelinit, 206, Grünbleierz, 207; Vanadinbleierz, 209; Weissbleierz, 211; Vitriolbleierz, 211. Bemerkungen über das Vorkommen der Mineralien von den Beresowschen Gruben im Allgemeinen, und die verhältniss - mässige Menge derselben auf den Gruben, 212. Eisenkies ist früher als Quarz, und dieser früher als Bleiglanz krystalli - sirt, 213. Schwierigkeit der Erklärung der Zersetzungen, 214. Streichen und Fallen der Goldgänge, 216. Anhäufung der Ei - senkieskrystalle neben den Quarzgängen, 217. Abbau der Erze, 219. Nähere Nachrichten über die Goldproduction der Goldgruben von Beresowsk und den Silbergehalt des Goldes, 220.

Goldseifenwerke in den Umgebungen von Bere - sowsk, S. 227 242. Petropawlowsk, 227. Zirkonkrystalle in dem Goldsande, 228. Mariinskoi, 229. Euphotid, Basis des Goldsandes, 230. Nagornoi, 231. In dem Goldsande gefunde - ner Mammuthszahn, 231. Klenowskoi, 232. Kalinowskoi, 233. Serpentin, der von Granitgängen durchsetzt wird, ist das Lie - gende des Goldsandes, 234. Zinnober unter den Gemengthei - len des Sandes, 236. Uebersicht der Gemengtheile in den Gold - seifen von Beresowsk, 237. Folgerungen, 238. Entdeckung der Goldseifen, 238. Tabelle über die Goldproduktion der un - ter dem Bergamte von Katharinenburg stehenden Goldseifen - werke und den Silhergehalt des Goldes, 240. Chemische Be schaffenheit einzelner Goldkörner, 241.

Exkursion nach der Kupfergrube Gumeschews - koi. S. 242 275. Granit mit Titanit östlich von Gornoschit, die Fortsetzung des Granites von Werch - Jssetsk, 244. Ser - pentin von fasriger Textur westlich von Gornoschit, 244. Ana - lyse desselben, 245. Marmorschleiferei in Mramorskoi, 246. Marmorbrüche, 247. Lage des Marmors zwischen Serpentin und Granit, 247. Steinbruch in edlem Serpentin, 248. Schmir -

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gelhaltiger Chloritschiefer. 218. Gänge von Zoisit in demsel - ben, 249. Gänge von Diaspor und Chloritoid, 249. Beschrei - bung des Diaspors, 249 und des Chloritoids, 252. Seifenwerk Nicolajewskoi, 254. Rutil im Goldsande und Quarzblöcke, 255. Kassoibrodscher Marmorbruch, 255. Korund in Chloritschie - fer, und stängliche Zusammensetzungsstücke des letzteren, 256. Berg Asoff, 257. Kupferhütte Polewskoi. 258. Goldseifenwerk Schelesinskoi, 258. Diorit und Chloritschiefer bilden die Basis des Goldsandes, 259. Kupfergrube Gumeschewskoi, 262. Die Kupfererze brechen nesterweise in Letten, 262. Sie bestehen in gediegenem Kupfer, 263; Kupferkies, 263; Rothkupfererz - 263; Malachit, 265; Brochantit, 267; Brauneisenerz, 269; Quarz, 269. Verhältnissmässige Menge der verschiedenen Ku - pfererze, 269. Bildung der Kupfererze aus einander, 272. Abbau, 272. Geschichte der Grube, 274.

Höhe von Katharinenburg, S. 275 278.

IV. Reise in den nördlichen Ural, S. 275 470.

Reise von Katharinenburg nach Newjansk, S. 279 291. Beschreibung des Weges, 279. Goldseifenwerk Pyschminsko-Kljutschewskoi, 281. Ausgezeichnete Abände - rungen von Augitporphyr mit deutlichem Uralit, 284. Serpen - tin beim Dorfe Mostowaja, 287. Seifenwerke Malo Mostows - koi, 288; und Werchoturskoi, 290.

Newjansk, 8. 291 303. Auflässige Goldgrube östlich von Newjansk, 293. Das Vorkommen des Goldes ist hier wie in den Gruben von Beresowsk, 294. Goldseifenwerk Neiwins - koi, Basis Serpentin, grosse Menge mikroscopischer Zirkon - krystalle in dem Goldsande, 295. Goldseifenwerk Newinsko - Stolbinskoi; Basis körniger Kalk und Hornblendschiefer, 298. Kupferhütte Rudjansk und Eisenhütte Werchneiwinsk an der obern Neiwa, 299. Die Serpentinberge Jeschowaja Gora in dem Hauptrücken des Ural, 299, und Schalkowaja Gora in dem Wasserscheider zwischen der Neiwa und dem Tagil, 300. As - best des letzteren, 300. Gebirgsarten von Werchneiwinsk, 301.

Nischne-Tagilsk, S. 303 338. Bergrücken zwischen dem Tagil und der Neiwa, aus Chloritschiefer, Talkschiefer, Serpentin, Diorit und Augitporphir (mit deutlichem Augit) be - stehend, 303. Wichtigkeit von N. Tagilsk, 307. Werke die von N. Tagilsk abhängen, 308. Kupfer - und Eisenhütten in N. Tagilsk, 310. Der Magnetberg Wissokaja Gora, 310. Kupfer - grube, 312. Erze derselben: Ged. Kupfer, 312; Kupferglanz, Kupferkies, Rothkupfererz, 313; Malachit, 314; Kupferlasur,

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315, Libethenit, 316, Brauneisenerz, 317. Vorkommen der Erze, 317. Benachbarte Kupfergruben, 318.

Exkursion nach den Goldseifen an den Berte - waja Gora im SO. von N. Tagilsk, S. 319 325. Ge - birgsarten auf dem Wege dahin sind ähnlich denen auf dem Wege von Newjansk nach N. Tagilsk, 319. Seifenwerk Wi - luyskoi, 320. Basis des Goldsandes, Chloritschiefer und Ser - pentin, 320. Neuer Schurf in einem Quarzgange mit Bleierzen (auch Rothbleierz) in Granit (Beresit) auf der Bertewaja Gora, 321. Seifenwerk Bertewskoi, 322. Anatas in dem Goldsande, 323. Menge und Beschaffenheit des Goldes von N. Tagilsk, 324.

Exkursion nach den Platinseifen im W. von N. Tagilsk, S. 335 338. Eisenhütte Tscherno-Istotschinsk und Diorit daselbst, 326. Bergrücken von Hornblendschiefer bildet hier den Wasserscheider zwischen Asien und Europa, 326. Die Platinseifen liegen an dem Westabhange desselben und sind der Zahl nach 6, nämlich 1, Suchowissimskoi, 327; der Platinsand enthält hier noch etwas Gold, das sich in den übri - gen Platinseifen nicht mehr findet; 2, Rublowskoi; Basis des Platinsandes ist quarziger Talkschiefer und Chloritschiefer 328; grosse Menge Chromeisenerz in dem Platinsande, und wenig Quarz und Magneteisenerz; Geschiebe von körnigem Hyper - sthen 329; grosse Reichhaltigkeit der Platinseifen in Vergleich mit den Goldseifen 330; 3, Martianowskoi I, 331, der Platinsand enthält eine grössere Menge grösserer Stücke Platin als der der übrigen Platinseifen; 4, Suchoi, 332; 5, Pupkowoi, 333; 6, Martianowskoi II, 333. Serpentin bildet die Basis und die grösste Menge der Geschiebe in den letztern Platinseifen. Die Bäche dieser Platinseifen entspringen auf der sumpfigen Hoch - ebene Martian, auf welcher wahrscheinlich die ursprüngliche Lagerstätte des Platins zu suchen ist, 334. Goldseifen auf dem Ostabhange des Bergrückens, die in ihren obern Stellen in neuerer Zeit auch sehr platinhaltig gefunden sind, 335. Gold in Chromeisenerz eingesprengt, 335. Besteigung der Bjelaja Gora, 335, besteht aus Diorit, 336.

Kuschwinsk, S. 338 352. Abreise von N. Tagilsk. Hüttenwerk und Dorf Laga, 338. Dioritporphyr daselbst; wir fanden darin das angeblich darin eingesprengte Platin nicht, 339. Ankunft in Kuschwinsk, 341. Der Magnetberg Blagodat, 342. Lage desselben, besteht an seinem westlichen Abhange aus Augitporphyr mit Uralit, auf seinem Gipfel aus fast reinem Magneteisenerz, 343. Mineralien, die in dem Magneteisenerze sonst noch vorkommen, sind: Eisenkies, 345; Kalkspath, Feld - spath, dichter Feldspath und Analcim, 346. Analyse des letz -

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tern und merkwürdiges Vorkommen im Magneteisenerz, 347. Namen der von Kuschwinsk abhängigen Werke, 348. Geo - gnostische Beschaffenheit des Ural in dem Hüttenbezirke von Kuschwinsk, 349. Der Rücken besteht aus Talk - und Chlo ritschiefer, 349. Oestliche Kette darin, worin der Kundrawi Kamen, die Sinaja Gora und der Kamyschok, die aus Diorit und Serpentin bestellen, 349 - Goldsand, der öfters Platinhal - tig ist, in den Thälern, besonders in dem Seifenwerk Zarewo Alexandrowsk, 352.

Bissersk und die Lagerstätte der Diamanten, S. 352-374. Trennung des Grafen Polier, welcher nach Bis - sersk und seinen übrigen Besitzungen auf der Westseite des Ural reiste, 352. Entdeckung der Diamanten daselbst und Ge - schichte derselben, 352. Bericht des Grafen Polier an den Fi - nanzminister, Grafen von Caucrin, über die Auffindung der Diamanten am Ural, 356. Bericht des Staatsraths Georg von Engelhardt, über die Auffindung der Diamanten, aus den rus - sischen Miscellen, 361. Zahl und, Beschaffenheit der im Ural gefundenen Diamanten, 364. Gebirgsarten, die in der Gegend der Diamantenlagerstätte vorkommen, 365. Analysen des Do - lomits, der die Basis des Diamantens an des von Adolphskoi bil - det, vom Prof. Göbel, 369. Wahrscheinliche ursprüngliche La - gerstätte der Diamanten am Ural, 370. Kurze Schilderung der geognostischen Verhältnisse, unter welchen die Diamanten in Brasilien, 371, und in Ostindien 372, vorkommen. Auffindung von Diamanten auf den Besitzungen des Hrn. Medscher bei Katharinenburg, 373. Wichtigkeit dieser Entdeckung, 374.

Nischne - Turinsk, S. 374 381. Weg von Kusch - winsk nach Nischne-Turinsk über Werchne - Turinsk, 373. Die Gebirgsarten auf dem Wege sind: Augitporphyr mit we - nigem oder keinem Augit, 375. Porphyr - Conglomerat bei Werchne Turinsk, 376. Deutlicher Augitporphyr mit Augit beim Dorfe Imjannaja, 376. Conglomerat des Schaiton, 377. Hüttenwerk N. Turinsk, 378. Magnetberg Katschkanar, 379. Gebirgsart von demselben, 379. Uwarowit von den westlichen Abhängen desselben, 380.

Reise von N. Turinsk nach Bogoslowsk, S. 381 395. Beschreibung des Urals in der Breite von Bogoslowsk, 381. Höchste Berge desselben, 382. Der Pawdinskoi - und Konschekowskoi - Kamen bestehen aus Diorit, 382. Flüsse, 384. Expedition zur Untersuchung des nördlichsten Ural, 384. Gute Strasse durch immerwährenden Wald Von N. Turinsk nach Bogoslowsk, 385. Flora und Fauna der Gegend, 386. Menge der Mücken, 387. Gebirgsarten auf diesem Wege, 388.

XXIII

Quarziger Talkschiefer, 388. Syenit an der Tura, 388. Sei - fenwerk Pitatelewskoi an der Lata, 390. Schöne Abänderun gen von Dioritporphyr unter den Geschieben des Goldsandes, 391. Dioritporphyr an der Lobwa, 393. Uebergangskalkstein mit Trilobiten an der Kakwa, 394. Kuppe von Augitporphyr vor Bogoslowsk, 394 Ankunft daselbst, 395. Ansicht des Ural, 395.

Exkursion von Bogoslowsk nach den Turjin - scheu Kupfergruben, S. 395 421. Lage der Turjinschen Gruben, 397. Uebergangskalkstein, der von Gängen von Dio - rit und Dioritporphyr durchsetzt wird, an deren Gränzen mit dem Kalkstein sich Granatfels und Thonmassen finden, in welchen letztern die Kupfererze nester - und lagenweise vorkom - men, 398. Die sich findenden Kupfererze sind: gediegenes Ku - pfer, 401; merkwürdige Zwillingsverwachsung desselben, 402; Erklärung der Bildung von mehreren Wernerschen besondern äussern Gestalten, 405; Grosse Reinheit des ged. Kupfers, 406. Kupferglanz, Fahlerz, Kupferkies, Rothkupfererz, 408; Kupferlasur, Malachit (merkwürdige Afterkrystalle), 409; Ku - pfergrün, (Afterkrystalle, Haüy’s cuivre hydro-siliceux), 412; Ku - pferblau, 414. Uebrige Mineralien, die auf diesen Gruben vor - kommen: Ged. Silber, Eisenkies, Zinkblende, Bleiglanz, Eisen - glanz, Brauneisenerz, Stilpnosiderit, 415; Schwerspath, Quarz, 416. Mächtigkeit der Kupfererzlagen und übriges Verhalten, 416. Abbau der Erze, 419. Neue Anbrüche in der Nähe der Turjinschen Gruben, 419. Goldseifenwerk Alexandrowsk, 421.

Bogoslowsk, S. 422 429. Merkwürdige Felsbeschaf - fenheit an dem rechten Ufer der Turja, 422. Dioritporpbyr mit Grauwackenschiefer und Uebergangskalkstein, 422. Tem - peratur von Bogoslowsk, 427. Stellen mit ewigem Eise, 428. Namen der höchsten Berge der Uralkette, die man von Bo - goslowsk aus sehen kann, 429.

Rückreise nach Katharinen burg über Mursinsk, S. 430 470. Die Rückreise ging bis zur Tura auf demselben Wege wie bei der Hinreise, denn aber über Werchoturje auf der Hauptstrasse nach Katharinenburg, 430. Granit von Wer - choturje, 431. Krystalle von Buklandit in demselben, 432 Eisenhütte Alapnjewsk, 433. Schwarzer Kalkstein an der Neiwa, 434. Augitporphyr und weisser Kalkstein voller un - kenntlicher Versteinerungen von Resch, 435. Eisenhütte Re - schewsk, 435. Serpentin an der Hütte, 435. Totschilnaja Gora oder Schleifsteinberg, 436. besteht aus Beresit von ähn - licher Beschaffenheit wie der von Beresowsk, 436. Rothblei - erz auf den in dem Beresite aufsetzenden Quarzgängen, 437.

XXIV

Quarzmassen mit fasrigem Turmalin, 437. Der Granit wird als Gestellstein benutzt, 438. Edelsteinbrüche von Mursinsk; die Edelsteine finden sich auf Gängen in Granit, 439. Brüche bei den Dörfern Gr. und Kl. Alabaschka, 440. Mineralien die sich hier finden: Bergkryst alle, 141; Feldspath, 443, (bedeutende Grösse der Krystalle und ihre Verwachsung mit Quarzkry - stallen, 444,) Albit, 446; Glimmer, 448; Turmalin, 450; Granat, 452, Topas, 454; Beryll, 454. Amethystbrüche bei den Dörfern Sisikowa und Iuschakowa, 456. Der Amethyst findet sich auf Quarzgängen im Granit, 456. Brüche von Juschakowa, mit Lepidolith, 457, und Andalusit, 458. Brüche von Schaitansk mit rothem Turmalin. 460, Lepidolith, 463, Beryll, 464. Tur - malin von Sarapulsk, 466. Rhodizit von Sarapulsk, 466 und Schaitansk, 468. Rückkehr nach Katharinenburg, 470.

V. Reise von Katharinenburg nach dem Altai, S. 471 502.

Reise von Katharinenburg nach Tobolsk, S. 471 487. Serpentin mit Granit wechselnd in der Nähe von Ka - tharinenburg, 472. Dampfmaschinenfabrik des Hrn. Medscher, 472. Diamanten, 473. Thon - und Talkschiefer bei Mesianka, 474. Grauwacke von Dioritporphyr durchbrochen bei dem Dorfe Tygisch. 474. Anfang der Sibirischen Ebene bei Ka - myschloff, 476. Gebirgsformationen am Isset: schiefriges Urge - birge bis zum Dorfe Turbanowo, 477; Glieder der Uebergangs - formation, Grauwacke, Thonschiefer und Kalkstein, 478; bei den Dörfern Perebor u. Bajunowa durch Dioritporphyr durchbro - chen, 479. Neuere vulkanische Formation bei dem Dorfe Odi - nowa, 479. Mühlsteinbrüche von Kaltschedanskoi, 480. Ue - berlagerung der vulkanischen Formation durch Alaunerde (mit Bernstein) und tertiären Sandstein, 480. Dieselben Formatio - nen wie am Isset kommen an der Sinara und Bajaräk, 481. und an der Pyschma vor, 482. Swätotschudowskische Kupfer - grube an der Kunara, 482. Smaragd Und Phenakit in dem Glimmerschiefer der Takowaja, 483. Stadt Tjumen an der Tura, 486. Elephantenzähne an der Tura und am Isset, 486.

Tobolsk, S. 487 494. Lage der Stadt, 487. Deutsche Bekanntschaften, 488. Dioptas, 488. Aussicht von dem rech - ten hohen Ufer des Irtysch bei der obern Stadt, 489, und bei Schukowa, 490. Bildung des Bodens der unteren Stadt, 490. Quellen an der Bergwand des rechten Irtysch-Ufers, 481. Magnetische und astronomische Beobachtungen wurden auf der Stelle des früheren Observatoriums von Chappe angestellt, 492. Entschluss zu der Reise nach dem Altai, 493.

XXV

Reise von Tobol sk nach Barnaul, S. 494 502. Krümmung des Weges bis Tara, 495. Beschreibung der Ge - gend, 496. Barabinskische Steppe, 497. Sibirische Pest, 499. ZweimaligerUehergang über den Ob bei Bergsk, 501, und un - terhalb Barnaul, 502. Ankunft in Barnaul, 502.

VI. Der Altai, S. 503 613.

Gegenwärtiger Zustand des Altaischen Berg - baues, 503 512. Silbergruben, 504. Kupfergruben, 505. M enge des gewonnenen Erzes, 507. Schmelzhütten, 507. Kurze Gcschichte des Altaischen Bergbaues, 509.

Barnaul, S. 512 522. Schmelzhütten, 513. Silberpro - cess, 513. Grosser Silberverlust bei demselben, 517. Bleipro - cess, 518. Museum in Barnaul, 519. Tellursilber, 520. Privat - sammlungen des Staatsraths Gebler, 521, und des Ober-Berg - hauptmanns v. Froloff, 521.

Reise von Barnaul nach Schlangenberg, S. 522 528 Platowskajisclie Steppe und grosse Trockenheit der Luft, 523. Granitfelsen des Kolywanschen Sees, 524. Porphyr, 526. Ankunft in Schlangenberg, 527.

Schlangenberg, S. 529 557. Lage des Schlangenber - ges, 529. Das Erzlager besteht aus Hornstein, mit Schwer - spath durchsetzt, 530. Gänge von Hypersthenfels, 532. Nicht metallische Mineralien des Erzlagers, 532. Metallische, 534. Krystallform der Kupferlasur des Altai, 541. Thonschiefer, das Nebengestein des Erzlagers, 546. 4 Stollen in dem Erzlager, 547. Gebirgsarten im Hangenden, 548. Porphyr von der Ka - rnulnaja Sohka, 548. Porphyr am Hüttenteiche, 549. Berg - rücken im Liegenden jenseits der Smejewka besteht aus Por - phyr, worin ein Gang von Grünstein, aus Chloritschiefer und körnigem Kalkstein, 550. Granit jenseits des Bergrückens, 551. Uebergangskalkstein im Streichen des Schlangenberges, 552. Abbau des Erzlagers, 554. Pingen, 554. Menge der ge - förderten Erze, 555. Die Menge und der Gehalt derselben hat sich in der neuern Zeit sehr vermindert, 555. Alte Tschudische Arbeiten, 556.

Exkursion nach der Steinschleiferei von Koly - wansk, S. 557 569. Der Weg schneidet rechtwinklig das Streichen der Gebirgsarten, Porphyr, Granit, Kalkstein, Thon - schiefer, Granit und Diorit, 557. Beschreibung der wichtigsten Gesteine, die in Kolywansk verarbeitet werden: Rother Por - phyr vom Korgon, 561; Vergleichung desselben mit dem an - tiken rothen Porphyr und dem Elfdaler Porphyr, 562; Vario - litische und conglomeratartige Abänderung des rolhen Porphyrs

XXVI

vom Korgon, 563; Vorkommen dieser Abänderungen 564; Grüner Augitphorphyr von Tscharysch, 565; Gestreifter grü - ner Porphyr von der Revennaja - Sobka, 566; Vorkommen desselben, 567; Aventurin von Bjelorezkaja, 568.

Reise über die Grube Riddersk nach Ustkame - nogorsk, S. 569 577. Beschreibung der Grube und der Erze von Riddersk, 571. Grube Krukowsk, 572. Gebirgsarten von dem Prochodnoi-Bjelok, 574. Ausgezeichneter Porphyr der Kruglaja Sobka in dem Thale von Riddersk, 575. Trachyt - ähnliches Gestein beim Dorfe Botachicha, 576. Thonschiefer, herrschendes Gestein des Ulbinskischen und Ubinskischen Ge - birges, 577.

Exkursion von Ustkamenogorsk nach der Grube Syränowsk und dem chinesischen Posten Baty oder Khonimailakhu am Irtysch, S. 517 613. Granitberge bei Ustkamenogorsk, 578. Reise über das Gebirge nach Buch - tarminsk, 580. Thonschiefer im Thale der Ulba, 581. Wird von Porphyr durchsetzt bei Feklistowsk, 582. Granit wird herrschend von Beresowsk an, 583. Kegelförmige Form der Granitbergo bei Buchtarminsk, 584. Mochnataja Sobka, 584. Thonschieferparthien mit Gängen von Granit durchsetzt, und stellenweise in ein granitähnliches Gemenge umgeändert an dem Granitufer innerhalb der Festung von Buchtarminsk, 585. Ku - pfergrube Buchtarminsk und dabei gelegener Magnetberg, 588. Bergrücken von Thonschiefer und Uebergangskalkstein an der Buchtarma, 589. Ankunft in Syränowsk, 590. Die Grube baut auf einem Hornsteinlager in Thon - und Talkschiefer, worin Gänge von porösem Quarze vorkommen, dessen Höhlungen, Bleiocher, Eisenocher und silberhaltiges Gold enthalten, 590. Analyse des Goldes, 591. Transport der Erze nach dem Ir - tysch, 593, Ansicht des Cholsungebirges von dem Pochwerke bei Syränowsk, 593. Stolbowucha und Schtschebenucha die höchsten Berge des Cholsun, 593, Die Kamenschtschiken, 594. Bjelucha, der höchste Berg des Katunjischen Gebirges und des Altai überhaupt, 595. Heisse Quellen, 596. Erdbeben im Altai, 596. Reise nach dem chinesischen Posten, 598. Auf - fallende formen des Granits der Nary machen Berge, 599. Be - schaffenheit des Granits, 599. Ankunft bei dem chinesischen Posten, ttnd Beschreibung des Besuches bei demselben, 600. Rückkehr, auf dem geraden Wege nach Buchtarminsk, 607. und von dort auf dem Irtysch nach Ustkamenogorsk, 608. Häu - fige Durchbrechungen und Ueberlagerungen des Thonschiefers durch Granit auf dem rechten Ufer des Irtysch, 610.

XXVII

Ueber das Tellursilber und das Tellurblei von Sawodinskoj, S. 614 620.

Ueber den Rohstein von der Silberhütte von Barnaul, S. 621 624.

Ueber die Goldscheidung vermittelst Schwe - felsäure auf dem Münzhofe von Petersburg, S. 625 628.

Ueber die mittlere Temperatur von Petersburg, Moskau und Kasan, S. 629 634.

Ueber die Höhe von Moskau und Kasan über der Meeresfläche, S. 635 641.

3031r.

Zur Erläuterung der Tafeln.

Tafel I, Fig. 1 3. Diamant an der Spitze des kaiser - lichen Sceplers, Seite 50.

Fig. 4 6. Der sogenannte Pitt oder Regent, Diamant in der französischen Krone, S. 52.

Fig. 7 9. Diamant, welchen der persische Prinz Cos - rhoës dem russischen Kaiser im Jahre 1820 zum Geschenk ge - macht hat, S. 51.

Fig. 10. Brochantit von der KupfergrubeGumeschewskoi im SW. von Katharinenburg, S. 267.

Taf. II, Fig. 1 7. Rothkupfererz von der Kupfer - grube Gumeschewskoi, S. 263.

Fig. 8 9. Gediegenes Gold von der Goldgrube Bere - sowsk hei Katharinenhurg, S. 199.

Taf. III, Fig. I 4. Gediegenes Kupfer von den Tur - jinschen Kupfergruhen bei Bogoslowsk, S. 401. Fig 1. stellt ei - nen einfachen Krystall, Fig. 2 4 die gewöhnlich verkom - menden Zwillingskrystalle dar.

Fig. 5. und 6. Gediegenes Kupfer, Zwillingskrystalle von der Kupfergrube bei Nischne - Tugilsk, S. 312.

Taf. IV, Fig. 1. und 2 - Gediegenes Kupfer von den Turjinschen Kupfergruben bei Bogoslowsk, S. 403. Die Figu - ren stellen die Art vor, wie die Zwillingskrystalle zusammen - gereiht erscheinen.

Taf. V. Fig. 1 5. Kupferlasur von der Kupfergrube Sololuschensk im Altai, S. 541.

Fig. 6. Kupferlasur von der Silbergrube Nicolajewsk im Altai, S. 543.

Taf. VI. Fig. 1, 2, 6, 4. Kupferlasur von der Silber - grube Schlangenberg im Altai, S. 545.

Fig. 3. Kupferlasur von Nischne-Tagilsk, S. 315.

Fig. 5. Kupferlasur angeblich von der Kupfergrube Gumeschewskoi, S. 269 und 544.

XXX

Taf. VII. Zirkon aus dem Goldseifenwerke Petropawlowsk bei Beresowsk, S. 228; Verwachsung des Feldspaths mit Quarz von Alabaschka bei Mursinsk, S. 445. ; Turmalin von Alabaschka, S. 450; von Schaitansk, S. 460*)Diese Tafel wird bei dem zweiten Bande nachgeliefert werden..

Taf. VIII. Situationsplan der Turjinschen Kupfergruben bei Bogoslowsk, S. 397.

Taf. IX. Horizontaler Durchschnitt durch einen Theil der Turjinkisch-Frolowskischen Kupfergrube bei Bogoslowsk in einer Teufe von 10 15 Saschenen; und vertikaler Durch - schnitt in der Dichtung von NW. nach SO., S. 398.

33

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Verbesserungen.

Seite 106

- HO

- 122

- 319

- 378

- 434

- 577

Zeile 10 von unten lies Simonoff statt Soimonoff.

- 2 v. o. 1. Simonoff st. Soimonoff.

- 18 v. o. setze hinter Profil hinzu: am Ende des 2. Bandes.

- 21 v. o. 1. SO. nach NW, st. NO. nach SW.

- 2 v. u. 1. Juli st. Juni.

- 14 v. o. 1. 150 Werste st. 140 Werste.

- 16 v. o. 1. Tscheremschanka st. Tscherem - schauka.

Gedruckt bei C. Feister.

[1]

I. Reise von Berlin nach Petersburg.

Abreise von Berlin. Königsberg. Bemerkungen über den Bern - stein. Aufenthalt in dem Sandkruge an der Spitze der Kuri - schen Nehrung. Dorpat. Mineralogische Sammlung daselbst. Geognostische Beschaffenheit von Ehstland und Livland. Por - phyr von der Insel Hochland. Narwa. Eintritt in Peters - burg. Mineraliensammlungen daselbst. Amethystkugeln von der Wolfsinsel. Diamanten in dem kaiserlichen Schatze. Geschliffene Gebirgsarten und Mineralien in dem Winterpallast. Granitsäulen. Goldscheidung. Geognostische Beschaffenheit der Gegend um Petersburg.

Wir verliessen Berlin den 12ten April 1829, Abends um 11 Uhr, Herr von Humboldt, Herr Ehrenberg und ich, in zwei Wagen, da eine Reise durch das nördliche Asien einen Apparat von astronomischen und physikalischen Instrumenten, von Büchern und Vor - richtungen zu chemischen Versuchen und naturhistori - schen Sammlungen nothwendig machte. Die Abreise war anfangs etwas später, nämlich in den ersten Ta - gen des Mai’s festgesetzt, die Nachricht aber, dass Se. Majestät der Kaiser von Russland schon in diesen Tagen Petersburg verlassen und zur Krönung nach Warschau reisen würde, hatte sie beschleunigt.

In Berlin war schon seit längerer Zeit milde Früh - lingswitterung eingetreten, und so hofften wir ohne Aufenthalt nach Petersburg zu kommen, aber wir er - fuhren bald, dass wir gerade die schlimmste Zeit zu einer nordischen Reise hatten wählen müssen. Schon den folgenden Tag trafen wir Schnee an, der, im Schmelzen begriffen, die Wege verdarb, und später

12

hatten wir das Ungemach, fast alle Flüsse, die wir zu passiren hatten, im Eisgange anzutreffen. Dieser musste nun bei allen erst abgewartet werden, wodurch unsere Reise ausserordentlich verzögert wurde.

In den ersten Tagen hatten wir indessen diese Uebelstände noch wenig empfunden. Die grosse Kunst - strasse, die bis nach Königsberg führt, war durch den thauenden Schnee nicht sehr verdorben, und in Dir - schau, wo wir am 14ten in der Frühe ankamen, fan - den wir die Weichsel schon seit acht Tagen offen, und konnten daher mit der Fähre ohne Aufenthalt über - setzen. Das Wasser stand sehr hoch, es hatte in den Niederungen bei Danzig die Dünen durchbrochen und grossen Schaden angerichtet. Zwei Meilen weiter setzten wir über den zweiten Arm der Weichsel, die Nogat, jenseits welcher Marienburg liegt. Die Be - sichtigung des alten Schlosses der deutschen Ritter, das jetzt im ursprünglichen Style hergestellt ist, ge - währte uns einige Stunden frohen Genusses. Jenseits Marienburg bis Elbing fanden wir wieder die ganze Gegend zu beiden Seiten der Strasse so überschwemmt, dass diese nur wenig aus der alles bedeckenden Was - sermasse hervorragte.

Wir erreichten Königsberg am 15ten Morgens und verlebten dort zwei sehr angenehme Tage in der Er - neuerung alter Bekanntschaften und in der Anknüpfung von neuen. Herr von Humboldt machte hier zuerst die persönliche Bekanntschaft des Herrn Prof. Bessel, bei dem der Eindruck allgemein bewunderter Talente durch liebenswürdige Einfachheit des Umganges erhöht wird. Er zeigte uns alle Einzelheiten seiner vortreff - lich eingerichteten Sternwarte, die auf einer zu den ehemaligen Festungswerken der Stadt gehörigen An - höhe gelegen ist und mit der grössten Zweckmässig - keit eine grosse Bequemlichkeit verbindet, indem die Räume, in denen der Meridiankreis und das grosse Heliometer von Reichenbach aufgestellt sind, dem

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Arbeitszimmer des Astronomen im untern Stockwerke so nahe liegen, dass die Instrumente bei jeder Auf - hellung des Himmels benutzt werden können. Am Mit - tage fanden wir bei Prof. Bessel einen grössern Kreis aus den Gelehrten und Aerzten Königsbergs versam - melt, in deren heitern und belehrenden Gesellschaft schnell der Abend heranrückte.

Die Mineraliensammlung der Universität, die der Director derselben, Herr Prof. Neumann mir gefäl - ligst zeigte, ist für den Unterricht wohl hinreichend, aber in einem finstern wenig geeigneten Lokale auf - gestellt, von dem wohl zu wünschen wäre, dass es mit einem hellem, zweckmässigem vertauscht würde. Sie enthält eine besondere Sammlung von Bernstein - stücken mit eingeschlossenen Insecten, die sich, wie noch ein Theil der übrigen Mineraliensammlung selbst, von dem verstorbenen Medicinalrath Hagen herschreibt. Diese Sammlung wird, soviel ich nach einem flüchti - gen Ueberblick beurtheilen kann, ziemlich von gleicher Grösse sein mit der, welche sich in der Königlichen Sammlung in Berlin befindet; aber sie, wie auch die Berliner, stehen an Schönheit und Vollständigkeit der - jenigen sehr nach, welche der Dr. Berendt in Dan - zig, der auch als Schriftsteller darüber bekannt ist, besitzt. Sammlungen der Art haben gewiss einen grossen wissenschaftlichen Werth, da die Einschlüsse in dem Bernstein die einzigen Ueberreste von Insecten einer der jetzigen vorhergegangenen Schöpfung ent - halten. Es wäre daher gewiss sehr wünschenswerth, wenn diese geognostisch merkwürdigen Formen einer gründlichen Untersuchung unterworfen würden, und ebenso wünschenswerth wäre es, wenn diese Unter - suchung, die ein Produkt der preussischen Küste be - trifft, auch von Preussen ausginge; was leicht nicht der Fall sein könnte, da ebenso wie in Preussen sich auch werthvolle Sammlungen im Auslande, namentlich in England befinden. Eine Vereinigung des gesamm -

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ten in Preussen an mehrern Orten zerstreuten Materials wäre dazu gewiss der zuerst nöthige Schritt; denn gute, der Bestimmung fähige Exemplare unter diesen Einschlüssen gehören zu den grossen Seltenheiten und sind nur unter einer grossen Anzahl von Stücken zu finden.

Der in der Nähe von Königsberg gefundene Bern - stein macht aber diese Stadt in mineralogischer Hin¬ sicht besonders interessant, daher ich mir noch einige Bemerkungen über die Gewinnung und Verwaltung desselben erlaube.

Die Gewinnung des Bernsteins wurde sonst von einer Königlichen Behörde geleitet, und der in jedem Jahre gewonnene Bernstein in öffentlicher Auction ver - kauft. Seit dem Jahre 1811 ist aber der Bernstein an Herrn Douglas für die jährliche Summe von 10,000 Thalern verpachtet. Herr Douglas, dessen persön - liche Bekanntschaft mir Herr Reg. Rath Hagen ver - schaffte, hatte die Güte, mir seine grossen Vorräthe zu zeigen. Sie werden, um das leicht entzündliche Ma - terial vor jeder Feuersgefahr zu schützen und einer gewiss sehr theuern Assecuranz zu entgehen, in einem massiven Magazine aufbewahrt, das eine gewölbte Decke hat und mit eisernen Thüren verschlossen wird. Der Vorrath, der in demselben aufgehäuft war, betrug nach Herrn Douglas 150,000 Pfund; er war jetzt um so beträchtlicher, da der hauptsächlichste Absatz in Constantinopel statt findet, wo er, theils wegen der Kriege mit der Pforte, theils wegen der den Luxus einschränkenden Edikte des Sultans, sich in der letz - ten Zeit sehr vermindert hatte.

Es ist überraschend, ein Produkt, das man sonst nur in einzelnen Stücken zu sehen gewohnt ist, in so ausserordentlicher Menge aufgehäuft zu finden. Der Bernstein war in dem Magazine nach der Grösse der Stücke geordnet und in Körben und Kisten aufbewahrt. Man unterscheidet Sortiment, Tonnenstein, Fernitz,

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Sandstein und Schluck; zu dem erstern rechnet man alle Stücke, die 5 Loth und darüber wiegen, von dem Tonnenstein gehen 30-40 Stück auf ein Pfund, zu dem Fernitz rechnet man kleine reine Stücke von 1-2 Quadratzoll, Sandstein bildet die noch kleinern Stücke, und Schluck nennt man den unreinern Sandstein. Das Sortiment wird von den Bernsteindrehern zu allerhand Galanteriewaaren verarbeitet, geht aber, wie schon an - geführt, grösstentheils roh nach Constantinopel, wo es zu Bernsteinspitzen verarbeitet wird. Aus dem Ton - nenstein und Fernitz verfertigen die Bernsteindreher Perlen, die sie Korallen nennen. Der Sandstein und Schluck, so wie auch die Abgänge beim Drehen, wer - den grösstentheils zur Destillation der Bernsteinsäure, welche officinell ist und als chemisches Reagens ge - braucht wird, so wie der Rückstand in den Retorten, das sogenannte colophonium succini, zur Bereitung des Bernsteinfirnisses benutzt.

Es ist merkwürdig, dass die Menge Bernstein, die in jedem Jahre gewonnen wird, seitdem man ange - fangen hat darüber Rechnung zu führen, sich immer gleich geblieben ist. Der verstorbene Medizinal-Rath Hagen, der Vater des. Regierungs-Rathes, hat dar - über eine Tabelle zusammengestellt1)Siehe die Beiträge zur Kunde Preussens Th. 6, S. 309, worin sich überhaupt eine Menge interessanter Abhandlungen über den Bern - stein von demselben Verfasser befinden, aus welchen ein grosser Theil obiger und der folgenden Nachrichten entlehnt ist., die mit dem Jahre 1535 anfängt und bis zum Jahre 1811 fortgeführt ist, aus welcher dieses Resultat hervorgeht. Nimmt man den Durchschnitt aus den Jahren 1661-1811, so beträgt danach die Menge des jährlich gewonnenen Bernsteins 150 Tonnen (die Tonne zu 87 Stof, die etwas kleiner als die Berliner Quarte sind). Mehr oder minder günstige Stürme, die den Bernstein an's Ufer treiben, grössere oder geringere Veruntreuungen

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beim Sammeln des Bernsteins machen bei den ver - schiedenen Jahren grössere oder kleinere Abweichun - gen von dem angegebenen Mittel, die aber doch immer nicht sehr bedeutend sind. In diesen 150 Tonnen sind den Procenten nach enthalten

Sortiment0,788
Tonnenstein9,642
Fernitz5,959
Sandstein64,695
Schluck18,916.

Man sieht daraus, wie selten im Ganzen das Sorti - ment ist.

Der Bernstein wird theils vom Meere auf den Strand geworfen und an demselben gesammelt, theils in der Nähe des Strandes gegraben; doch überwiegt die Menge des sogenannten Seebernsteins die des Landbernsteins bei weitem. Der Seebernstein wird an der ganzen Küste, von Memel bis Danzig gesammelt, aber nicht jede Stelle der Küste giebt eine gleiche Menge Bern - stein; die grösste Menge wird an der Saarländischen Küste von Pillau nördlich bis zum Dorfe Gross-Hub - nicken, auf einer Länge von etwa 3 Meilen gesammelt; nur unbedeutend ist die Menge, welche an der frischen Nehrung, und noch geringer die, welche an der Kuri - schen Nehrung gewonnen wird. Herrn Douglas ist nur die Küste von Memel bis zum Gebiete von Dan - zig jenseits des Dorfes Polsky auf der frischen Neh - rung verpachtet; was bei Danzig gesammelt wird, ge - hört der Stadt, die es abgesondert verpachtet hat. Die Richtung des Windes, welche die Antreibung des Bernsteins am meisten begünstigt, ist nach der Lage der Küste in den verschiedenen Revieren verschieden, im Allgemeinen sind es aber doch besonders anhaltende Nordwinde, bei denen der Bernstein mit den Wellen angespült wird, nach deren Stillung durch West-Süd - west - und Nordwest-Winde, der Bernstein mit dem sogenannten Bernsteinkraut (Fucus vesiculosus und fa -

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stigiatus), worin er eingewickelt liegt, aus dem Was - ser ans Land getrieben wird.

Der Landbernstein wurde früher in den Jahren 1782-1806 bei den Dörfern Gross-Hubnicken und Krax - tepellen an der Samländischen Küste auf eine förmlich bergmännische Weise durch Schächte und Stollen be - trieben. Der Bernstein findet sich hier in einer schwar - zen, mit Stücken von Braunkohle gemengten, sehr vitriolischen thonichten Sandschicht, die gegen den Fuss des hohen Ufers, welches hier eine Höhe von 100-150 Fuss erreicht, ihr Ausgehendes hat. Die Ge - winnung war wegen der darüber liegenden mächtigen Sanddecke sehr mühsam und beschwerlich, erhielt sich aber dadurch, dass man in dem gegrabenen Bernstein viel mehr Sortiment antraf, als in dem Seebernstein. Jetzt wird der Bernstein auch noch gegraben, allein die Gewinnung geschieht nicht durch unterirdischen Bau, sondern von Tage aus, wobei Herr Douglas, wie er mir sagte, die ganze Sanddecke abtragen, und von einem kleinen vorbeifliessenden Flusse, dessen Richtung er willkürlich verändern kann, ins Meer spü - len lässt. Die Kosten, die diese Gräbereien verur - sachen, haben in einem Jahre allein 10,000 Thaler betragen, und die Arbeit hat sich gelohnt; da aber jetzt der Preis des Bernsteins gefallen ist, so führt Herr Douglas sie nicht mehr in einem so grossen Maas - stabe aus. Mehr noch wie an der Königsberger Küste wird der Bernstein an der Küste von Danzig gegra - ben, wo er nach der Beschreibung von Aycke1)Fragmente zur Naturgeschichte des Bernsteins, von Aycke, Danzig, 1835. un - ter ganz ähnlichen Verhältnissen wie bei Königsberg vorkommt und ebenfalls nur durch Aufdeckarbeit ge - wonnen wird.

Dass man auch in Preussen in grösserer Entfer - nung von der Küste noch Bernstein und stellenweise

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in grosser Menge antrifft ist bekannt. So hat sich auch das Stück gefunden, welches in der Königl. mi - neralogischen Sammlung in Berlin aufbewahrt wird, und das grösste ist, welches man kennt1)Es fand sich i. J. 1803 auf dem Gute Schlappachen zwischen Gumbinnen und Insterburg, ist 13¾ Zoll rheinl. lang, Zoll breit, auf der einen Seite 5 5 / 8 Zoll, auf der andern Zoll dick, und hat ein Gewicht von 13 Pfunden 15 ¾; Lth. Ursprünglich war es noch etwas grösser, da der Finder, unbekannt mit seinem Funde, ein Stück, etwa 8 Lth. abgeschlagen hatte. Es ist von der durchscheinenden Art, hat also sogenannte Kunstfarbe, ist jedoch stellenweise fleckig. Der Be - sitzer des Gutes, der Oberförster Eckert, erhielt für seine Abliefe - rung eine Belohnung von 1000 Thalern, woraus sich ergiebt, dass sein Werth auf 10000 Thalern geschätzt worden ist, da nach der gesetzlichen Bestimmung der zehnte Theil vom Werthe des eingelie - ferten Bernsteins nach pflichtmässiger Schätzung dem Finder auf eige - nem Grundstück als Belohnung bewilligt wurde..

Die Ehre in der Nähe einer Küste zu wohnen, die vor allen andern auf der Erde durch das Produkt, welches sie liefert, ausgezeichnet ist, müssen die - nigsberger mit einigen Aufopferungen bezahlen. Sie können sich nicht der Annehmlichkeiten der See er - freuen, ohne sich einer lästigen Untersuchung von Seiten der zur Aufsicht angestellten Strandreiter aus - zusetzen, und haben nur einen einzigen Badeort bei dem Dorfe Kranz, am Anfange der Kurischen Neh - rung in einer Gegend, die die traurigste der ganzen Küste ist, an welcher aber nur wenig Bernstein von der See ausgeworfen wird. Noch mehr haben davon die Strandbewohner selbst zu leiden, da sie bei der Unfruchtbarkeit der Küste grösstentheils auf den Fisch - fang in der See angewiesen sind. Sie dürfen nur von bestimmten Stellen aus in See gehen, und haben, wenn sie an andern Orten angetroffen werden, zu befürchten, nach Königsberg oder Fischhausen zur Untersuchung gebracht zu werden, was, wenn man sie auch frei - spricht, ihnen doch immer einen Aufenthalt von einem oder mehreren Tagen verursacht. Allerdings mag der

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hohe Werth, in welchem die Bernsteinstücke von eini - ger Grösse stehen, und die Leichtigkeit, mit welcher die Strandbewohner zum Besitze derselben gelangen können, manchen derselben zum Diebstahl verführen und eine strenge Aufsicht nöthig machen; sie bleibt nichts desto weniger für die Strandbewohner ein grosses Unglück, mag sie auch noch so schonend und liberal sein, wie man sie von dem jetzigen Oberpächter all - gemein rühmt. Um das Schicksal der Strandbewohner zu erleichtern, ging daher die Regierung von Königs - berg im Jahre 1809 damit um, den Bernstein den Be - wohnern des Strandes selbst zu verpachten, doch muss man dabei, so einfach die Sache auch scheint, auf Schwierigkeiten gestossen sein; die Unterhandlungen, die man schon mit den Strandbewohnern angeknüpft hatte, zerschlugen sich, und man nahm das Anerbieten zur Pachtung von Herrn Douglas an, der sie noch jetzt hat.

Der weitere Weg von Königsberg nach Peters - burg führte zur Zeit unserer Reise noch über Memel, da die neue Kunststrasse, die jetzt über Tilsit und Tauroggen nach Mitau geht, noch nicht angelegt war. Nach Memel selbst kann man von Königsberg auf zwei Wegen gelangen; ein Weg geht über Tilsit an der Ostseite des Haffs, ein zweiter auf der Kurischen Neh - rung an der Westseite des Haffs entlang. Der erste Weg ist weiter, geht aber ohne Unterbrechung fort, dagegen man bei dem zweiten genöthigt ist, sich am Ende der Nehrung über das Haff setzen zu lassen. Der erste Weg wird gewöhnlich von der Fahrpost genommen, der zweite meistentheils von den Extra - posten gewählt; zu diesem mussten wir uns um so mehr entschliessen, da wir schon in Königsberg hör - ten, dass bei Tilsit der Memelfluss übergetreten sei und die Strasse unfahrbar gemacht habe. Wie indes -

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sen das Haff beschaffen sei, konnten wir nicht genau erfahren. Wir verliessen Königsberg am Morgen des 18ten Aprils.

Wir fanden aber den Weg noch schlechter, als wir erwartet hatten; der Schnee, der auf dem Felde schon geschmolzen war, hatte sich auf der Strasse, wo er durch früheres Fahren fest geworden, noch gehalten. Das Schneewasser der Felder hatte ihn indessen stellenweise untergraben; das über solchen Stellen befindliche Gewölbe von Eis konnte die Last des Wagens nicht mehr halten, weshalb wir häufig einbrachen. Ein Versuch, den der Postillon von einem unserer Wagen machte, auf dem Lande zur Seite der Strasse zu fahren, kostete mehrere Stunden Aufenthalt, der Wagen sank bald darauf bis über die Axen in den erweichten Boden ein und konnte nur mit Hülfe vieler Menschen, die aus einem benachbarten Dorfe geholt werden mussten, und mit Hebebäumen und Bret - tern herbeieilten, wieder herausgehoben werden. Auf diese Weise konnten wir den ganzen Tag nicht wei - ter als bis Sarkau, dem ersten Dorfe auf der Nehrung und der zweiten Station von Königsberg gelangen, die wir bei untergehender Sonne erreichten, und in welcher wir die Nacht über blieben.

Den folgenden Tag fuhren wir auf der Nehrung entlang, jener schmalen Landzunge, die sich bis in die Nähe von Memel, 13½ Meile weit erstreckend, das Kurische Haff von der Ostsee trennt. Obgleich sie kahl und mit Flugsand bedeckt ist, den der Wind bald hier bald dorthin aufhäuft, befinden sich auf ihr doch ausser Sarkau noch mehrere Dörfer, deren Einwohner sich grösstentheils von der Fischerei ernähren. Die Dörfer liegen alle auf der östlichen Seite an dem Haffe, der Weg dagegen geht auf dem westlichen Ufer entlang, wo man zur Bezeichnung desselben Bäume gepflanzt hat; da er aber zwischen diesen nicht anders wie an jeder andern Stelle ist, so nimmt man ihn, wo man sol -

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chen am besten findet, gewöhnlich unmittelbar am Ufer, wo der durch die Wellen bespülte Sand mehr Festig - keit gewährt. In der Mitte der Landzunge zieht sich ein fast ununterbrochener Dünenzug hin, der die Aus - sicht auf die Dörfer und grösstentheils auch auf das Haff verbirgt. Da nun auch die Postillone, wenn sie in der Nähe der Stations-Dörfer angekommen sind, auszuspannen, mit den Pferden allein in die Dörfer zu reiten und die neuen Postillone mit den Pferden heraus - zuschicken pflegen, um nicht nöthig zu haben den - nenzug zweimal zu überfahren, so bekommt man auf diese Weise die Dörfer gar nicht zu Gesicht.

Erst spät am Abend waren wir auf der Spitze der Nehrung, Memel gegenüber angekommen, als wir zu unserm Bedauern sahen, dass das Haff mitten im Eisgange begriffen und die Ueberfabrt nach Memel jetzt unmöglich sei. Wir mussten also in dem einzelnen Wirthshause, welches sich hier befindet und der Sand - krug heisst, den Eisgang abwarten.

Der Eisgang wurde aber den folgenden Tag nur um so stärker und nahm von da an erst ab, so dass wir zwei volle Tage vergeblich auf die Ueberfahrt war - ten mussten. Die Strömung, die, wie schon aus der Gestalt der Nehrung hervorgeht, gewöhnlich an dem östlichen Ufer am stärksten ist, hatte sich ganz auf das diesseitige westliche Ufer hingezogen; in der schmalen Meerenge zusammengedrängt, unterwühlen die Eis - massen das steile, wohl 60-80 Fuss hohe Sandufer, so dass dieses beständig zusammenstürzte. Schon vor unserer Ankunft war ein bedeutendes Stück des Ufers fortgerissen, die Einstürze nahmen am 20sten vor un - sern Augen immer zu, der Wirth des Sandkruges war deshalb genöthigt, eine Windmühle, die er nicht mehr für sicher hielt, abzubrechen; am 21sten war von der Stelle, wo sie gestanden hatte, schon nichts mehr zu sehen, und als wir am Morgen des 22sten den Sand - krug verliessen, war man beschäftigt, noch ein zweites

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Gebäude, welches dem Ufer näher lag als das eigent - liche Wohngebäude, und nach der Aussage des Wir - thes noch vor einigen Tagen 500 Fuss vom Ufer ent - fernt gestanden hatte, abzubrechen. Diese Verwüstun - gen geschahen nicht nur an einer Stelle, sondern an dem ganzen Ufer der Nehrung, soweit wir es sehen konnten. Der mit fortgerissene Sand musste sich, wenn sich die Schnelligkeit des Stroms beim Eintritte in das Meer verminderte, wieder absetzen und drohte so die Einfahrt in den Hafen zu verhindern, was man in Me - mel, wie wir gleich erfuhren, mit grosser Besorgniss erwartete 1).

Abgesehen aber von den für unsern Wirth so traurigen Wirkungen, war dieser ausserordentliche Eis - gang ein sehr schönes Schauspiel. Die Grösse der Eismassen war ebenso bedeutend, als die Schnellig - keit, mit welcher sie vom Strome fortgerissen wurden. Während die Strömung, wie Veit (a. a. O. S. 459) angiebt, gewöhnlich höchstens 3 Fuss beträgt, fanden wir sie am 20sten Nachmittags in der Mitte des Haff - stroms 7,4 Fuss in der Sekunde, und an dem Ufer, wo

[footnote reference]1) Glücklicher Weise war diese Besorgniss ungegründet, wie wir bei unserer Rückkehr erfuhren. Die Nehrung zieht sich als Untiefe unter dem Wasser noch etwa 500 rheinl. Ruthen in gleicher nörd - licher Richtung fort, und nähert sich da dem gegenüberliegenden Ufer so, dass die Breite des Haffstroms an dem unterseeischen Ende nur 30 Ruthen beträgt, während sie am überseeischen Ende 103 Ru - then, und bei dem Sandkruge, wo die Ueberfahrt nach Memel ist, etwa gleichviel weiter südlich, 136 Ruthen ausmacht (s. Vei t' s Be - schreibung des Memelschen Hafens in den Beiträgen zur Kunde Preussens Th. 4, S. 458). An dem unterseeischen Ende der Nehrung befindet sich in dem Haffstrom eine schmale Untiefe, die Bank genannt, an welcher das Wasser die zu den verschiedenen Zeiten verschiedene Tiefe von 11-17 Fussen hat; die also wenn sie angewachsen ist, den grösseren Schiffen, wenigstens bei voller Ladung, die Einfahrt von der Rhede in den Hafen verwehren kann. Die Strömung bei dem jetzigen Eisgange war indessen so stark gewesen, dass ungeachtet der mit fortgeführten Sandmassen, die Bank keines Weges an Höhe zugenommen, sondern eher abgenommen hatte.
[footnote reference]13

die Reibung grösser war, 5,8 Fuss. Freilich konnten wir sie nur annähernd bestimmen, indem wir am Ufer an einer passenden Stelle eine Basis von 100 Schritt, die für 200 Fuss angenommen wurde, abschritten, und mittelst der Uhr die Zeit bestimmten, die deutlich sich auszeichnende Eismassen brauchten, um eine ähnliche Erstreckung im Strome zu durchlaufen; indessen konn - ten doch die Abweichungen des von uns gefundenen Resultats von der Wahrheit nicht sehr gross sein. Die Eisschollen waren alle in stengliche Stücke zerklüftet, die senkrecht auf der Oberfläche derselben standen, und mit einer Menge solcher losen Eisstengel war der ganze Uferrand bedeckt.

Unter den wenigen Conchylien, welche wir am Strande von dem Meere ausgeworfen fanden, erregte besonders der merkwürdige Mytilus polymorphus un - sere Aufmerksamkeit. Pallas hatte ihn zuerst in der Wolga bei Astrakan entdeckt, und Hr. Ehrenberg im vorigen Jahre (1828) bei Berlin im See von Tegel einzeln, und bei Potsdam in der Havel in zahlloser Menge beobachtet. Er fand ihn besonders häufig in der Nähe des Sandkrugs und gleichzeitig mit andern Süsswasser-Conchylien in halbsüssem Seewasser. Da alle übrigen lebenden bekannten Mytilus-Arten See - thiere sind, so hat man an dieser Form einen wich - tigen Beweis, dass sich in der Geognosie nicht immer durch Vorkommen der Mytilus-Form auf Meeresboden schliessen lässt. Derselbe Mytilus ist auch als Mytilus Hagenii beschrieben worden. Herr Ehrenberg fand ihn später bei Astrakan im Kaspischen Meere sehr zahlreich wieder.

Den ersten Tag unseres Harrens hatten wir das heiterste Wetter von der Welt, und in einem freund - lichen gemüthlichen Zimmer einquartirt, wäre, ohne die verdriessliche Verzögerung der Reise, unsere Lage gar nicht unangenehm gewesen. Wir hatten aus dem Zimmer die Aussicht auf Memel, das nächste Ziel

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unserer Wünsche; vor uns lag die Meerenge, auf welcher die Eismassen ihr Spiel trieben, links von uns die See mit der Rhede, auf welcher die Zahl der Schiffe sich stündlich mehrte, die gleich uns das Ende des Eis - ganges abwarteten, um in den Hafen einzulaufen; zu - nächst um uns war alles öde, aber diese Öde vermehrte nur die Eigenthümlichkeit der Ansicht, der Boden war reiner Flugsand, von dem die Sonne schon den Schnee geschmolzen hatte, nirgends sah man eine Spur des Anbaus, selbst die wenigen Häuser waren der Beweg - lichkeit des Sandes kein Hinderniss, man hatte sie auf Pfählen erbaut, um ihr Versanden zu verhindern.

Herr v. Humboldt benutzte die Musse und die Ebene um das Haus, um die Neigung der Magnetna - del und die Intensität der magnetischen Kräfte zu be - stimmen. Er fand die Neigung 69° 39',8; in Königs - berg hatte er dieselbe am 17. April auf einem Platze neben der Sternwarte, sowie in Berlin am 9. April, wenige Tage vor der Abreise, im Garten von Bellevue beobachtet, und am erstem Orte gemeinschaftlich mit Prof. Bessel 69° 25',8, am letztern 68° 30',7 gefun - den; die Inklination war also bei dem Sandkruge um 9',1 grösser als in Berlin. 1) Die Ebene und das heitere Wetter eigneten sich sehr zur Beobachtung, aber der stattfindende, wenn auch nur geringe Wind erschwerte sie, daher Herr v. Humboldt in Peters - burg Sorge trug, sich für diese Beobachtungen auf der weitern Reise ein Zelt machen zu lassen.

Wie die Schiffe am Ausgange der Meerenge, so mehrte sich auch die Zahl der Passagiere im Sand - kruge. Am zweiten Tage kam die fahrende Post, welche wegen der Ueberschwemmungen des Memel - flusses bei seiner Mündung in das Haff ihren Weg über die Nehrung genommen hatte. Bei der Zahl der Gäste fingen schon an die Lebensmittel zu fehlen, daher wir

[footnote reference]1) S. v. Humboldt, Fragmens asiatiques 1831, T. II. p. 565.
[footnote reference]15

angenehm überrascht wurden, als am Abend des 21sten, wo schon kleine Boote über das Haff geschickt werden konnten, Herr Ober-Post-Director Goldbeck in Me - mel uns gütigst damit versah. Den 22sten Morgens hatte endlich der Eisgang so nachgelassen, dass auch in grösseren Booten, in welche man die Wagen setzte, die Ueberfahrt bewerkstelligt werden konnte, mit denen wir denn glücklich am andern Ufer anlangten.

Wir konnten es den freundlichen Einladungen des Herrn Postdirectors Goldbeck nicht versagen, den Vormittag des 22sten noch in Memel zuzubringen. Er führte uns in der Stadt umher und auf die Citadelle, welche letztere auf einer Anhöhe, hart am Haffe, zur Linken des Dangestroms liegt, der sich bei derselben in das Haff ergiesst und Memel in zwei Theile theilt. Von den Wällen der Citadelle hat man eine schöne Aussicht auf die Stadt, den Hafen und die Meerenge, die durch die Schiffe belebt war, welche jetzt zum Theil mit vollen Segeln dem Hafen zueilten. Der Han - del von Memel ist sehr bedeutend und besteht gröss - tentheils in Holz, das aus Polen und Kurland kommt und hier weiter verschifft wird, daher die Kaufmann - schaft in grosser Besorgniss wegen eines Planes der Russischen Regierung war, die Windau weiter aufwärts schiffbar zu machen, weil sodann das Holz Kurlands nicht mehr in Memel, sondern in der Stadt Windau verschifft werden würde.

Nach einem heitern Mahle bei dem Herrn Post - director reisten wir von Memel ab. Der Weg war nicht viel besser als hinter Königsberg; mehrmals blie - ben wir im Schmutze stecken und konnten nur müh - sam uns herausarbeiten lassen, doch kamen wir weiter. Vier Meilen hinter Memel verlässt man das Preussische Gebiet, die erste Russische Gränzstadt ist Polangen; die Befehle des Russischen Finanzministers, Grafen von Cancrin, uns ungehindert passiren zu lassen, waren längst angekommen, wir konnten also, nachdem

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wir eine Podoroschna, oder einen Erlaubnisschein mit Postpferden reisen zu können, gelöst hatten, unsere Reise sogleich fortsetzen. Bei dem Dorfe Schrunden setzten wir den Abend des folgenden Tages über die Windau; der Eisgang war hier schon vorüber, aber das hohe Wasser und die schlechten Ufer, die durch den Eisgang sehr beschädigt waren, erschwerten sehr die Ueberfahrt. Eben so hielt uns den folgenden Tag ein kleiner Fluss, die Schwete auf, über welchem die Brücke zwar noch stehen geblieben war, doch wie eine Insel in einem weiten See hervorragte. Mit dem Ungemach der bösen Wege kämpfend wurden wir durch die gastliche Freundlichkeit des Herrn Starosten von der Ropp auf Paplacken (zwischen Tadaiken und Oberbartau) überrascht, der uns durch seinen jüngern Sohn, einen muntern Knaben, Erfrischungen schickte. Der Starost hat angefangen, auf seine Kosten die vaterländischen Vögel in einzelnen Heften zu be - schreiben. Am Abend kamen wir nach Mitau. Die Aa und Düna, über die wir jenseits Mitau setzen mussten, waren wegen des hohen Wassers in der Nacht nicht zu befahren, wir entschlossen uns daher die Nacht in Mitau zu bleiben, wo wir eine Deichsel wieder in Stand setzen liessen, die während des Tages zerbrochen war.

Auf dem Wege von Polangen nach Mitau sieht man nur wenig grosse Dörfer. Die Gehöfte der Bauern liegen einzeln und zerstreut, wie auch die Güter der Edelleute, wodurch aber die Gegend viel Abwechse - lung und Leben erhält, und in einer bessern Jahres - zeit auch recht angenehm zu bereisen sein muss. Jetzt aber war hier noch völliger Winter.

Die Ueberfahrt über die Aa am Morgen des 24sten ging trotz des hohen Wassers recht gut, schwieriger war die Ueberfahrt bei Riga über die Düna, die noch im Eisgange begriffen war. Die Wagen wurden ein - zeln in grosse Boote geladen, auf denen wir mit vollen Segeln immer zwischen den Eisschollen durchsegelten.

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Riga hat das Anselm einer alten Hansestadt mit sei - nen hohen Giebelhäusern, schmalen Strassen und dem Leben auf denselben. Erst am Nachmittage konnten wir Riga verlassen; wir fuhren durch die weitläuftigen Festungswerke und die Vorstädte, die neu sind, da sie bei der Belagerung von 1812 ganz abgebrannt waren, und kamen in der Nacht glücklich über die kleine Aa, worauf wir, ohne weiter durch übergetretene Flüsse aufgehalten zu werden unsern Weg bis Dorpat weiter fortsetzten. Wir erhielten jetzt eine Probe von der Schnelligkeit, mit der man in Russland reist. Herr General v. Schöler in Petersburg hatte uns einen Cou - rier entgegengesandt, der uns in Riga schon erwartet hatte und nun vor uns die Pferde auf den Stationen bestellte; so legten wir die 239 Werste von Riga nach Dorpat, trotz der sehr schlechten Wege in 33 Stunden zurück. Es war uns lieb durch diese Gegend recht schnell zu reisen; sie ist uninteressant, sandig und zum Theil mit Fichtenwaldung bedeckt. Man kommt nur durch eine kleine Stadt, Walk; bei einer andern Wei - mar, einige Stationen vorher, ist man zur Seite vorbei - gefahren. In Dorpat kamen wir den 27sten April ganz früh am Morgen bei einem heftigen Schneegestöber an.

Die Verzögerung, die unsere Reise schon erlitten hatte, nöthigte uns ungeachtet des grossen Interesses, welches Dorpat als ein wissenschaftliches Institut na - türlich in uns erregen musste, nur so kurze Zeit als möglich in dieser Stadt zu verweilen. Wir hatten diese nöthige Eil um so mehr zu beklagen, als wir durch den Umgang so vieler ausgezeichneten Männer, deren mehrere uns gleich bei der Ankunft so herzlich bewill - kommneten, wie durch den Reichthum und die Vortrefflich - keit der wissenschaftlichen Sammlungen uns angezogen fühlten. Um unsere Zeit zu benutzen, mussten wir uns vereinzeln, und ich folgte gern dem Herrn Professor v. Engelhardt auf das mineralogische Museum, wäh - rend Herr v. Humboldt mit Herrn Prof. Struve nach

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der weitberühmten Sternwarte und Herr Ehrenberg mit den Herren Prof. v. Ledebour und Meyer dem botanischen Garten zueilten. In dem mineralogischen Mu - seum, wohin auch Hr. v. Humboldt später nachfolgte, war ich erfreut, einen alten Freund, den Hrn. Ulprecht, wiederzufinden, mit dem ich schon im Jahre 1821 auf einer Reise in Schweden in Fahlun zufällig zusammen - gekommen war, und mehrere angenehme Tage verlebt hatte. Er war früher Zeichenlehrer gewesen, gab aber später diese Beschäftigung ganz auf und folgte als unabhängiger Mann seiner Liebe zur Mineralogie, wo - durch er bald Hrn. v. Engelhardt's Hauptstütze bei dem Einsammeln seiner vortrefflichen geognostischen Sammlungen wurde. Schon bei vorgerücktem Alter war er noch von grosser Lebhaftigkeit und Thätigkeit; leider hat ihn nach der Zeit der Tod übereilt, wie schon so Manchen, dessen Bekanntschaft uns auf der Reise Belehrung und Genuss verschafft hatte.

Die mineralogischen Sammlungen sind in einem grossen hellen Saale auf eine Weise aufgestellt, wie sic bei öffentlichen Sammlungen gewiss die zweck - mässigste ist, wo der Raum es irgend nur gestattet. Die systematischen mineralogischen Sammlungen sind auf Schränken von der Gestalt von Tischen aufgestellt, und mit niedrigen Glaskasten bedeckt. Die geognosti - schen Sammlungen befinden sich in den Schränken an den Wänden ebenfalls unter Glas, oder in den Schub - kasten in den Schränken von Tischformat. Unter den Mineralien der systematischen Sammlungen zogen meine Aufmerksamkeit besonders diejenigen auf sich, welche Hr. v. Engelhardt von seiner letzten Reise vom Ural mitgebracht hatte. Ich sah viele von diesen hier zum ersten Male, und Hr. v. Engelhardt theilte mir über sie Notizen mit, die mir bei der weitern Reise sehr schätzbar waren. Seitdem habe ich diese Mineralien in den vielen Sammlungen in Petersburg und an Ort und Stelle wiedergesehn, und oft, wie das nicht fehlen

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konnte, noch viel besser und schöner; aber der Ein - druck, den sie auf mich machten, war hier am stärk - sten und lebhaftesten, da ich sie hier zum ersten Male in solcher Schönheit sah. Ich erwähne der Einzel - heiten hier nicht, und werde die Mineralien da beschrei - ben, wo wir sie an Ort und Stelle zu beobachten Ge - legenheit hatten.

Unter den geognostischen Sammlungen interessirte Herrn v. Humboldt, wie mich, besonders die Samm - lung der Gebirgsarten von Ehstland und Livland, die Herr v. Engelhardt in grosser Vollständigkeit und Schönheit aufgestellt hatte. Herr v. Engelhardt hatte die Güte, uns diese zu erklären und seine Ansichten darüber mitzutheilen. Die Küsten von Ehstland am Finnischen Meerbusen bestehen nach ihm hauptsächlich aus einem dichten Kalkstein, der durch die vielen wohl - erhaltenen Trilobiten - und Orthoceratiten-Versteinerun - gen, welche er enthält, bekannt ist, und in ziemlich horizontalen Lagen von 30-60 Fuss Mächtigkeit vor - kommt. Er liegt auf einem feinkörnigen Sandstein, der sich an der Küste bis höchstens 120 Fuss über das Meer erhebt, und zu seinem Liegenden wiederum einen graulich grünen Thon hat, der zunächst über dem Meeresspiegel erscheint. Der Sandstein ist versteine - rungsleer, jedoch findet sich in ihm, wie Herr v. En - gelhardt beobachtet hat, Bernstein eingeschlossen. Die untern Schichten des Kalksteins enthalten häufig kleine Körner von Grünerde, wie der Grünsand der Kreideformation, und werden von dem unter ihnen lie - genden Sandstein durch dünne Lagen von Grünerde, bituminösen Thonschiefer, Eisenkies und eine etwa 3 Zoll mächtige, nur aus Muschelfragmenten bestehende Schicht getrennt, welche Zwischenschichten im Gan - zen eine Mächtigkeit von etwa 5 Fuss erreichen.

Südlich von der Küste zieht sich in gleicher Rich - tung mit ihr ein Bergrücken hin, der eine Höhe von 400 Fuss erreicht, und die Wasserscheide zwischen

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den in den Finnischen Meerbusen und den in den Peipus See und den Pernauschen Meerbusen fallenden Flüssen bildet. Auf diesem Rücken finden sich keine bedeutende Thaleinschnitte, wodurch die Schichten bis zum Sandstein entblösst würden; doch kommt beim Schlosse Oberpahlen, 130 Werste von Reval und 40 Werste von Dorpat entfernt, Kalkstein vor, der Tri - lobiten, aber auch Knollen von einem in Feuerstein übergehenden Hornstein enthält. Erst der Embach, an welchem Dorpat liegt, schneidet tiefer ein. Sein Bette besteht aus einem Sandstein, der fossile Zähne und Knochenfragmente von Sauriern enthält, den aber doch Herr v. Engelhardt als von gleicher Formation mit dem der Küste betrachtet, theils wegen der Nähe des Trilobiten-Kalksteins von Oberpahlen, theils wegen sei - ner niedrigen Lage, denn nach den Untersuchungen des Herrn Prof. Struve liegt der mittlere Wasserstand des Embaches nur 100 Fuss über dem Meere, und ist also tiefer als das höchste Niveau des Sandsteins an der Ehst - ländischen Küste. Auf eine gleiche Weise hält auch Hr. v. Engelhardt den Kalkstein, der in Mittel - und Süd-Livland 1) den Sandstein bedeckt, überall für den Küstenkalkstein, wiewohl er nur an einzelnen Stellen die gewöhnlichen Trilobiten-Versteinerungen führt.

Herr v. Engelhardt fühlte sich durch die ange - führten Gründe aber nicht allein bewogen, die Forma - tion von Ehstland und Livland für identisch zu halten: der Umstand, dass der Sandstein der Küste Bernstein, der Sandstein von Dorpat Knochen von Sauriern ent - hält, die Grünsand ähnlichen Schichten in dem untern Theil des darüber liegenden Kalksteins und die Horn - steinknollen, die er zuweilen in den obern enthält, ver -

[footnote reference]1) Die Berge erheben sich hier zu ziemlich bedeutenden Höhen, wie in dem Munna Meggi und Wölla Meggi, von denen der erstere, neun Meilen südlich von Dorpat gelegen, nach den genauen trigono - metrischen Messungen von Struve, eine Höhe von 997 Par. Fussen über dem Meere, der letztere von 946 Fussen hat.
[footnote reference]21

anlassten ihn auch, den Kalkstein nicht nach der ge - wöhnlichen Ansicht für Uebergangskalkstein zu halten, sondern ihn, ungeachtet der sonst den Uebergangskalk so bezeichnenden Trilobiten-Versteinerungen, als zur Kreideformation gehörig zu betrachten.

Herr v. Humboldt von dieser anscheinend para - doxen Meinung betroffen, ersuchte Herrn v. Engel - hardt seine Ideen über diese Formation in einer be - sondern Abhandlung zu entwickeln und ihm dieselben mitzutheilen. Er willigte gern darin ein, und übergab bei unserer Rückkehr Herrn v. Humboldt einen Auf - satz, dem er eine Karte und eine kleine geognostische Sammlung hinzugefügt hatte, die sich jetzt mit den übrigen Sammlungen, die wir von der Reise mitge - bracht haben, in der Königlichen Sammlung in Berlin befindet. Die Abhandlung selbst ist seit der Zeit in Karsten's Archiv für Mineralogie, Geognosie, Berg - bau und Hüttenkunde Th. 1, S. 94 gedruckt erschienen, begleitet von einigen Bemerkungen, die Herr v. Buch, demselben (S. 174) hinzugefügt hat. Herr v. Buch, ohne die grossen Vorzüge dieser gründlichen, vortreff - lich durchgeführten Arbeit zu verkennen, bemerkt doch darin sehr richtig, dass der Zusammenhang weder des Dorpater Sandsteins mit dem der Küste, noch des Kalksteins im Innern von Livland mit dem von Ehst - land durch unmittelbare Beobachtungen nachgewiesen wäre, und dass die blosse Uebereinstimmung im Niveau des Dorpater Sandsteins mit dem der Küste darüber unmöglich entscheiden könnte. Der Ehstländische Kalk - stein käme durch seine Versteinerungen vollkommen mit dem von Gothland überein, wo seine Lagerung kei - nem Zweifel unterworfen sei; daher man nicht umhin könne, jenen wie diesen zur Uebergangsformation zu rechnen. Herr v. Buch bemerkt weiter, dass schon Herr Prof. Eichwald in seiner Abhandlung über die Trilobiten, welche in Kasan 1825 erschienen ist, (S. 15) der Ansichten des Herrn v. Engelhardt erwähnt und

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gezeigt hat, wie sehr sie in Widerspruch ständen mit dem, was man an der Skandinavischen Küste mit Sicherheit beobachtet hat.

Ich halte es nicht für überflüssig diesen Erörte - rungen eine Beschreibung der Sammlung, die Herr v. Engelhardt an Herrn v. Humboldt übergeben hat, hier folgen zu lassen, da die guten Stücke und die vielen deutlichen Versteinerungen, die sie enthält, vielleicht schon ganz bestimmte Schlüsse auf die For - mationen, zu denen sie gehören, erlauben. Die Be - stimmungen der Versteinerungen rühren dabei sämmt - lich von Herrn Quenstedt her, der die Güte gehabt hat, sie auf meine Bitte zu untersuchen, und mir seine Bemerkungen, wie auch seine Ansichten über die For - mationen, zu welchen die Stücke nach den Versteine - rungen gehören konnten, mitzutheilen. Herr v. Engel - hardt hat jedem Stücke ein Etiquett beigegeben, worauf die Angabe des Fundorts und der Lagerung steht. Ich will diese Angaben zuerst unverändert an - führen, und dann meine Beschreibung mit den Bestim - mungen von Herrn Quenstedt folgen lassen.

Ehstland.

Küste des Finnischen Meerbusens.

1. a. Untere Felslage am Meer; Malta zwischen Reval und Narwa.

Sandstein, sehr feinkörnig, gräulichweiss mit splittri - gem Bruche, braust sehr unbedeutend mit Säuren und ent - hält etwas Eisenkies fein eingesprengt.

1. b. Ebendaher.

Sandstein, feinkörnig, schwach röthlichweiss mit ein - gemengten kleinen Glimmerblättchen.

1. c. Untere Felslage am Meer, Lucca hei Reval.

Sandstein, feinkörnig, etwas gelblich weiss, mit fein eingemengten kleinen Glimmerblättchen.

1. d. Aus der untern Lage am Meer.

Eisenkies, eingewachsene Kugel, an der Oberfläche mit kleinen Hexaëdern besetzt, mit anhängendem Thon.

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2. Auf der untern Lage 1, Wiems bei Reval.

Ein Konglomerat von kleinen Muscheln, die mit den Unguliten von Pander vollkommen übereinstimmen. Sie gehören den Brachiopoden an und sind der Gattung Lingula verwandt.

3. a. Auf 2, Reval.

Eisenkies mit verkiesten Unguliten, worin ein Stück bituminöser Thonschiefer eingeschlossen ist, manchen Vor - kommnissen im Lias auffallend ähnlich.

3. b. Auf 2, Leez bei Baltisport.

Sandstein, kleinkörnig, mit vielem feineingespreng - ten Eisenkies gemengt.

4. a. Auf 3, Baltisport.

Thonschiefer, sehr bituminös, braun und dünn - schieferig; enthält Versteinerungen eines vielleicht neuen Gorgoniten. Die einfache Spaltung seiner Hauptzweige, die unter sich überall von gleicher Stärke sind, sowie die fei - nen Querästchen, geben ihm ganz den Typus der Gorgo - nien des ältern Gebirges. Die einzelnen Maschen haben aber den vierfachen Flächeninhalt von dem der G. infun - dibulum (Goldfuss) des Uebergangsgebirges.

In der erwähnten Abhandlung wird er für ein Fucus ausgegeben, wogegen aber, abgesehen von andern Grün - den, die Zellen der Polypen sprechen, welche längs den Hauptzweigen scheinbar in einfachen Reihen herablaufen.

4. b. Auf 3, Baltisport.

Derselbe bituminöse Thonschiefer, mit einer bedek - kenden dünnen Lage von Eisenkies, der in Hexaëdern krystallisirt ist.

4. c. Auf 3, Reval.

Derselbe, gräulichbraun, etwas dickschiefriger.

4. d. Aus der Schicht 4, gebrannt, Reval.

Durch das Brennen ist die Farbe ziegelroth, das Au - fühlen rauh und mager geworden.

5. a. Auf 4, Reval.

Grünerde, thonicht, etwas fettig anzufühlen.

5. b. Auf 4, Reval.

Dieselbe, mehr erdig und dunkler grün.

5. c. Auf 4, Baltisport.

Kalkstein, dicht, graulichweiss mit einer grossen Menge inliegender Körner von Grünerde und Bruchstük - ken ähnlicher Unguliten wie in No. 2.

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5. d. Aus 5. Fall bei Reval.

Eisenkies, eingewachsene kuglichte Zusammenhäu - fung mit anhängender Grünerde. Auf der Oberfläche kleine Hexaëder mit abgestumpften Ecken.

6. a. Unterste Kalksteinlage, unmittelbar über 5, Baltisport.

Kalkstein, dicht, mit einer grossen Menge inliegen - der sehr feiner Körner von Grünerde und einer Orthis (Dalmann), das erste Stück dieser Reihe, dessen Verstei - nerungen mit den anderweitig bekannten Versteinerungen des Uebergangsgebirges übereinstimmen.

6. b. Unterste Kalksteinlage, auf 6. a, Reval.

Kalkstein, dicht und grau, mit inliegenden, etwas grössern Körnern von Grünerde, als in 6 a, enthält Bruch - stücke von Brachiopoden des Uebergangsgebirges.

6. c. Unterste Kalksteinlage auf 6 b, Reval.

Kalkstein, blättrig-körnig und gelblichgrau, mit ein - gemengten Körnern von Grünerde.

6 d. Unterste Kalksteinlage auf 6. c, Lucca bei Reval.

Kalkstein, dicht, grau mit splittrigem Bruche und sparsam eingemengten kleinen Körnern von Grünerde; enthält Orthis pecten (Dalmann), die karakteristische Mu - schel des Uebergangsgebirges, und einen kleinen Trilobiten - Schwanz.

7. a. Dritte Kalksteinlage von oben, auf 6, Baltisport.

Kalkstein, grau und erdig, mit kleinen Kalkspath - trümmern durchzogen und mit Stücken von Trilobiten gemengt. Beim Auflösen in Säuren bleiben neben den Sandkörnern auch kleine Körner von Grünerde zurück.

7. b. Dritte Kalksteinlage von oben, auf 6 d.

Kalkstein wie 7. a, nur noch sandiger, und ebenfalls mit Trilobiten - und Muschelresten.

8. a. Zweite Kalksteinlage von oben, auf 7, Reval.

Kalkstein, dicht und gelblichgrau mit eingemengtem linsenförmigen Thoneisenstein, der etwa nur eine halbe Linie breit und concentrisch-schaalig ist, und in der Kalk - steinmasse mehr oder weniger dicht nebeneinander liegt.

8. b. Zweite Kalksteinlage von oben, auf 7, Reval.

Steinkern mit nur wenig ansitzender Schaale von Or - thoceratites spiralis (Pander, Orth. duplex Wahlenberg), der auch in dem Petersburger und Schwedischen Kalk - stein sehr häufig vorkommt. Der ausfüllende Kalkstein ist derselbe wie der von 8 a, und enthält ebenfalls linsen - förmigen Thoneisenstein.

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8. c. Zweite Kalksteinlage von oben, auf 7, Reval.

Kalkstein, wie 8a, etwas grauer und mit wenigem Thoneisenstein gemengt.

8. d. Zweite Kalksteinlage von oben, auf 7, Toila zwischen Reval und Narwa.

Kalkstein mit Asaphus cornigerus (Brongniart, ex - pansus, Dalmann). Findet sich auch in den Petersburger und Schwedischen Uebergangskalksteinen sehr häufig.

9. Obere Kalksteinlage auf 8, Reval.

Kalkstein, licht und grau.

9. a. Aus 9, Kunda zwischen Reval und Narwa.

Lituites imperfectus (Wahlenberg) j auch in Schweden häufig.

9. b. Aus 9, Reval.

Trilobites Esmarkii (Schlottheim, Asaphus orassicauda, Dalmann), sehr häufig auch in Schweden.

9. c. Aus 9, Reval und Narwa.

Echinosphaerites Pomum (Wahlenberg), auch in Schwe - den.

9. d. Aus 9, Kusal zwischen Reval und Narwa.

Orthoceratites vaginatus (Schlattheim), findet sich auch in Oeland, der Mark Brandenburg und Schweden.

9. e. Aus 9, Westküste des Finnländischen Meerbusens, unweit Hapsal.

Calomopora fibrosa (Goldfuss). Sie ist viel grösser als die von Goldfuss, Tab. 64, Fig. 9 gezeichnete, aber ihre Hauptkennzeichen sind dieselben.

9.f. 30 Werste südlich von Reval, auf 9, Orrenhof.

Ein Euomphalus.

9. g. Aus 9, Katlentak, südwestlich von Reval.

Catenipora, der C. labyrinihica ähnlich, aber Zellen und Gänge etwa um das Doppelte grösser.

10. 73 Werste südlich von Reval auf 9, Noistfer.

Sandstein, weiss und feinkörnig.

11. a. Südöstlich von Reval, auf 10, Ottenküll.

Dolomit körnig und gelblichweiss, voller Steinkerne von unbestimmbaren Delthyris-Arten, die auf der Ober - fläche, in den Höhlungen, welche durch Verwitterung der Schaalen entstanden sind, mit kleinen Rhomboëdern von Dolomit besetzt sind.

11. b. 75 Werste südlich von Reval, auf 10, Noistfer.

Kalkstein, gelblichweiss, mit vielen Muscheln an -

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gefüllt, deren Schaalen sich nach Art der Producten aus - breiten, deren Schloss aber denen von Delthyris ähnlich ist; die Schaalen sind dick und faserig.

12. Abdachung nach Livland, 75 Werste südlich von Reval, neben 11.

Kalkstein, dicht, gelblichweiss mit röthlichen Flek - ken und splittrigem Bruch; enthält ausser vielen unbe - stimmbaren Brachiopoden Bruchstücke von einer der Orthis pecten (Dalmann) sehr verwandten Muschel.

13. 100 Werste südlich von Reval, unter 10, Hukas.

Sandstein, gelblichweiss und feinkörnig.

Nord-Livland.

14. a. 105 Werst, südlich von Reval, Fortsetzung von 13, Rut - tigfer.

Kalkstein, graulichweiss und feinkörnig, doch noch mit splittrigem Bruche.

14. b. 105 Werste südlich von Reval, Fortsetzung von 13. a, Ruttigfer.

Kalkstein, ebenso mit späthigen Adern durchzogen.

14. c. 105 Werste südlich von Reval, aus 14. a, b.

Orthoceratites vaginatus (Schlottheim).

15. a. 120 Werste südlich von Reval, Fortsetzung von 14. Pajus.

Kalkstein, dicht gelblichweiss mit ebenem Bruche, wie Jurakalk aussehend.

15. b. 120 Werste südlich von Reval, Fortsetzung von 14. Pajus.

Kalkstein wie 14 a.

16. a. 120 Werste südlich von Reval, Fortsetzung von 15. Addafer.

Hornstein, graulichweiss, zum Theil mit etwas un - ebenem Bruche und mit Höhlungen.

16. b. 120 Werste südlich von Reval, Fortsetzung von 15. Ad - dafer.

Hornstein, gelblich-und graulichweiss, voller Stein - kerne von glatten Delthyris-Arten, zwischen denen kleine Ceriopuren (Goldfuss) wie sie im Englischen Dudley-Kalk - stein vorkommen.

17. a. 120 Werste südlich von Reval, Fortsetzung von 16, zwi - schen Oberpahlen und Pillistfer.

Dolomit, gelblichweiss mit röthlichen Flecken, fein - körnig und sandig, an der einen Seite mit Sternkernen be - deckt, die aus Hornstein bestehen, oder auch in Streifen den Dolomit durchziehen. Die Sternkerne sind glatte

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Terebrateln, eine glatte Delthyris-Art mit derselben Cerio - pora wie 16.

17. b. 120 Werste südlich von Reval, Fortsetzung von 16, Pil - listfer.

Hornsteinkugel, graulichweiss.

17. c. 120 Werste südlich von Reval, auf 17 a, Cabbal.

Sandstein mit grossen eckigen Stücken von Feuerstein gemengt, ist wohl ganz neue Bildung.

18. a. 130 Werste südlich von Reval, Fortsetzung von 16, Ober - pahlen.

Dolomit, gelblichweiss und sandig, mit späthigen Cyathokrinitenstielen, die eine dünne Rinde von Horn - stein haben, der auch in kleinen Parthien sich an verschie - denen Stellen im Dolomite zeigt. Dazwischen ist Bra - chiopodenbrut zerstreut.

18. b. 130 Werste südlich von Reval, Fortsetzung von 16, Oberpahlen, auch mit Trilobiten-Fragmenten.

Dolomit wie 18 a. Die kleine Muschelbrut ist ganz dieselbe, ausserdem befindet sich darauf ein Trochit, der keine nähere Bestimmung zulässt, und glatte Delthyris - Arten.

19. 150 Werste südlich von Reval, letzter anstehender Kalk - stein, Talkhof, 20 Werste von Dorpat.

Dolomit, feinkörnig, röthlichweiss, mit schmalen Höh - lungen, an deren Wänden kleine Rhomboeder. Er ist an der einen Seite mit verkieselten Versteinerungen be - deckt, die mit Cyathophyllum Ceratites (Goldfuss) Aehn - lichkeit haben. Cyathocrinitenstiele kommen mit diesen auch vor, die denen von C. rugosus gleichen. Der Dolomit giebt, in Chlorwasserstoffsäure aufgelöst, mit Kalkwasser einen sehr starken Niederschlag von Talkerde, die durch beigemischten Eisenoxydul nur sehr wenig grün gefärbt ist.

20. Dorpat, Embach-Thal.

Sandstein, etwas röthlichweiss, schiefrig und bröck - lich, mit vielen kleinen silberweissen Glimmerblättchen gemengt, und mit einer dünnen bedeckenden Lettenschicht. Hat alle Karaktere vom bunten Sandstein, womit auch die folgenden 21, 22 und der Gyps 23 stimmt.

Mittel-Livland.

21. a. Lager im Sandstein, Rauge.

Sandstein, sehr fest, feinkörnig und gelblichgrau.

28

'

21. b. Lager im Sandstein bei Rauge.

Sandstein, röthlichgrau, feinkörnig, etwas weniger fest.

21. c. Lager im Sandstein bei Rauge.

Sandstein, ebenso, dünnschiefrig mit einer bedecken - den Thonlage.

22. Obere Lage am rechten Ufer der Aa, oberhalb Adsel.

Sandstein, feinkörnig, schwer, röthlichweiss, mit spar - sam eingemengten kleinen Glimmerblättchen.

23. Unter 22, zwischen Kalklagen am rechten Ufer der Aa, oberhalb Adsel.

Gyps. Dünne weisse und braune Lagen wechseln mit einander, die aus stenglichen und fasrigen, senkrecht auf den Hauptsachen der Lagen stehenden Zusammen - setzungsstücken bestehen.

24. Unter 23, am Bette des Aastroms oberhalb Adsel.

Kalkstein dicht und gelblichweiss, mit einem Mytilus der dem M. socialis (Schlottheim), der karakteristischen Muschel des Muschelkalkes, sehr ähnlich sieht. Ausser - dem enthält er Terebratula livonica (v. Buch) die sonst im Muschelkalke noch nicht gekannt ist 1).

Siid-Li vland.

25. a. u. Z*. Obere Lage an der Thalseite des Sprohge-Baches bei Ronneburg.

Dolomit, gelblicliweiss und sandig mit 8teinkernen von Turritella scalata, ebenfalls karakteristisch für den Muschelkalk,

25. c. Ebenso.

Ebenso, mit Eindrücken von gestreiften Terebrateln, von welchen einige zu derselben Art, wie bei 24, gehö¬ ren möchten.

26 Unter 25 an der Thalseite des Sprohge-Baclies bei Ron¬ neburg.

Sandstein, gelblichweiss und feinkörnig, auf der Schichtungsfläche mit hexaedrischen Afterkrystallen von Hornstein von 1 3 Linien Durchmesser bedeckt, zwi -

[footnote reference]x) Herr von Buck glaubte an diesem Stücke noch einen Fusus bemerkt zu haben (vergl. seine Monographie der Terebrateln, in den Abh. d. Akad. d. YYiss. zu Berlin, von 1833), was aber auf einem Irrtkume beruht, wie er mich zu bemerken bat.
[footnote reference]29

schen denen Thon abgelagert ist, vollkommen überein - stimmend mit den bekannten Afterkrystallen, die auf dem Keupersandsteine von Stuttgard vorkommen.

27. Unter 26, an der Thalseite des Sprohgebachs bei Ronne - burg.

Sandstein, feinkörnig, etwas glimmerreich, überall mit Saurier -, vielleicht auch Chelonierresten, die aber keine nähere Bestimmung zulassen, erfüllt.

28. Rechtes Düna-Ufer, Kirchholm.

Sandstein, feinkörnig, röthlichweiss, überall mit einer gewundenen Muschel erfüllt, die zwischen Turbo depressus (Goldfuss) und Trochilites priscus (Schlottheim), welche beide nur Spielarten von einander sind, in der Mitte steht.

29. a. Rechtes Düna-Ufer, zwischen Kirchholm und Uexkull.

Fasergyps.

29. b. Obere Schicht, bei Uexkull an der Düna.

Kalkstein, dicht mit ebenem Bruche und gelblich - weiss, mit kleinen unregelmässigen Höhlungen, an deren Wänden kleine undeutliche Krystalle von Kalkspath be - findlich sind; dem dichten Jurakalk überaus ähnlich.

30. Oberste Lage am rechten Düna-Ufer bei Kokenhusen.

Sandstein, röthlichweiss, sehr feinkörnig und fest.

31. Unterste Lage am rechten Düna-Ufer bei Kokenhusen.

Sandstein, röthlich und gelblichweiss, feinkörnig und dünnschiefrig.

Aus dieser Beschreibung geht wohl unzweifelhaft das Dasein verschiedener Gebirgsformationen in Ehst - land und Livland hervor, wie des Uebergangskalk - steins, des bunten Sandsteins, des Muschelkalkes, des Keupers und des Jurakalksteins, die theils durch die Versteinerungen vollkommen bewiesen, theils sehr wahr - scheinlich gemacht werden. Ganz bestimmt ist durch seine Versteinerungen der Uebergangskalkstein an der Küste von Ehstland bewiesen; die Chloritlagen und Chloritkörner, mit denen seine untern Schichten ange - füllt sind, sind zwar bei Uebergangskalksteinen ent - fernterer Gegenden nicht so gekannt, können aber nicht als Grund für seinen neuern Ursprung aufgeführt wer -

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den; dasselbe gilt auch von den Schichten von Kalk - stein mit linsenförmigem Thoneisenstein, der oft noch die Versteinerungsmasse der Trilobiten ausmacht; viel eher würde man das Vorkommen des Bernsteins in dem unter dem Kalkstein liegenden Sandstein anführen können, wenn man nicht die Thatsache, ob dieser Sand - stein wirklich unter dem Trilobiten-haltigen Kalkstein gefunden ist, selbst noch in Frage stellen könnte, da Herr v. Engelhardt in der oben angeführten Ab - handlung ihn nur den Sandstein der Küste nennt, und es wohl möglich wäre, dass sich ein neuerer Sand - stein über dem Uebergangskalkstein abgesetzt hätte. Die ausgezeichneten Dolomite mit den verkieselten Versteinerungen von Oberpahlen gehören ebenfalls noch der Uebergangsformation an, wie man auch an andern Orten in dieser Formation (z. B. in Geroldstein an der Eiffel) Dolomite antrifft.

Der Sandstein von Dorpat ist dagegen entschie - den neuer; dafür sprechen zu deutlich die Ueberreste von Sauriern und Cheloniern, die er enthält. Sein gan¬ zes Ansehen, seine röthliche Farbe, seine Schieferung, seine bläulichen Lettenschichten, die eingemengten Glim¬ merblättchen geben ihm die grösste Aehnlichkeit mit den bunten Sandsteinen Deutschlands. Damit stimmt auch die Beschreibung, die Katunga neuerlich von den Sandsteinen des Embach-Thaies in den Beiträgen zur Geognosie und Paläontologie Dorpats (Petersburg 1835) giebt, wiewohl er sieh über die Formation nicht ausspricht. Man könnte höchstens noch zweifelhaft sein, ob man ihn zum Keuper rechnen sollte, worüber allein nur die Beobachtung eines entschiedenen Muschelkal¬ kes über oder unter ihm entscheiden könnte.

Der Kalkstein, welcher sich bei Adsel im mittlem Livland findet, gehört wahrscheinlich zum Muschelkalk wegen des Mytilus, der dem M. socialis so ähnlich ist. Dahin gehören auch wohl die sandigen Dolomite von Ronneburg (25), wenn sie nicht zum Keuper zu

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rechnen sind, wofür der Sandstein von Ronneburg (26) durch seine Aehnlichkeit mit dem Stuttgarder spricht. Dass der Kalkstein von Uexkull in Süd-Livland zum Jurakalk gehöre, ist zwar nicht durch seine Verstei¬ nerungen bewiesen, doch spricht dafür sein ganzes Ansehen, was auch von dem von Pajus (15) nördlich von Dorpat gilt.

Unter den übrigen Sammlungen interessirte mich der Porphyr von der Insel Hochland im Finnischen Meerbusen, der bei Gelegenheit der Gradmessung des Herrn Struve von Herrn Ulprecht entdeckt ist. Es ist ein schöner fester Porphyr mit röthlichbrauner Grund¬ masse, in welcher weisse, wenig durchscheinende Feld - spathkrystalle, zuweilen von 3-4 Linien Durchmesser, kleine nelkenbraune Quarzkörner und kleine derbe Par - tliien von sehr feinkörnigem Eisenglanze inneliegen. Der Feldspath ist in grosser Menge vorhanden, Quarz und Eisenglanz, besonders der letztere, finden sich in viel geringerer Menge. Nach den Nachrichten, die Herr Ulprecht über diesen Porphyr in dem Ostsee - Provinzen-Blatt und daraus in der geographischen Zei¬ tung der Hertha B. 3, 8. 76 mitgetheilt hat, bildet er einen 8 Werste langen Bergrücken, der sich besonders an der Südost-Küste der Insel erhebt, und hier eine Höhe von etwa 500 Fussen erreicht. In Rücksicht der Formation scheint er ganz mit dem Porphyr von Elfdalen in Schweden und vom Korgon im Altai (der später beschrieben werden wird) übereinzukommen; er findet sich wie diese in der Nähe von Uebergangs - kalkstein, und hat mit beiden auch die Frische, Festig¬ keit und Schönheit gemein; der Schwedische unter¬ scheidet sich aber durch lichtere Farbe der Haupt¬ masse und durch Mangel an Quarz und Eisenglanz; der Altaische gleicht ihm auch in der Farbe der Haupt¬ masse vollkommen, hat aber kleinere eingewachsene

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Krystalle, statt der Feldspatlie Albitkrystalle, enthält weniger Quarz und den Eisenglanz in kleinen Kry - stallen. Die Auffindung des Porphyrs von Hochland ist sehr merkwürdig: er ist an andern Punkten dieser Gegend nicht bekannt, denn an der Nordküste von Ehstland befindet sich nur die beschriebene Uebergangs - formation, und in Finnland nur der Granit, und beide Formationen werden durch den Finnischen Meerbusen streng voneinander geschieden.

Unter den geognostischen Sammlungen befinden sich auch weiter noch die Gebirgsarten, welche Herr Dr. E. Hofmann von seiner lteise um die Erde mit Capitain Kotzebue in den Jahren 1823-26 mitgebracht hat. Unter diesen erwähne ich nur einer grossen Masse Schwefel mit kleinen glänzenden Krystallen aus dem Krater des Vulkans Awatscha in Karaschatka, der Ob¬ sidiane und Rimsteine Kamschatka's, eines schönen Trachytes von Sitka, der Hauptniederlassung der Rus¬ sen auf der Nord Westküste von America, der in einer grauen Grundmasse grosse inliegende Krystalle von glasigem Feldspath und kleine Körner von Olivin ent¬ hält, und daher eine grosse Aehnlichkeit mit den tra - chytartigen Laven vom Epomeo auf der Insel Ischia besitzt; und endlich des ziemlich grossen Meteorsteins, der während des Aufenthaltes des Dr. Hofmann bei Hanaruru auf Woahoo (Oaliu), einer der Sandwichs - Inseln, den löten September gefallen ist *). Er be¬ steht aus einer graulichweissen feinkörnigen Masse, die sich mit dem Messer ritzen lässt, und kleine Körn¬ chen von silberweissem, metallisch glänzendem Nickel¬ eisen angesprengt erhält. Aeusserlich ist er mit einer matten schwarzen Rinde umgeben, und mit Schnüren von derselben Masse wie die Rinde ist er in mehrern Richtungen durchsetzt. Er gehört also zu der Ab¬ theilung von Meteorsteinen, deren Beschaffenheit wir

[footnote reference]) Karstens Archiv für Min. u. Geog., . 1. S. 311.
[footnote reference]33

besonders durch die Arbeiten von Berzelius kennen gelernt haben, und die aus einem sehr feinkörnigen Gemenge von Olivin und Augit mit eingesprengtem Nickeleisen bestehen. Herr v. Engelhardt hatte die Güte, Herrn v. Humboldt ein kleines Stück davon zu geben, das sich jetzt in der Königlichen Sammlung in Berlin befindet.

Mehrere der übrigen Anstalten ausführlich zu be¬ sehen, erlaubte die Zeit nicht. Herr Prof. Göbel hatte noch die Güte, mir das chemische Laboratorium zu zeigen, das gross und sehr gut eingerichtet, zu des¬ sen Unterhaltung aber auch eine bedeutende Summe ausgesetzt ist. Ebenso führte er mich auch nach dem A'Ortrefflichen physikalischen Kabinette, das seine jetzige Gestalt dem Herrn Prof. Parrot verdankt, welcher leider selbst nicht in Dorpat anwesend, sondern auf seiner Reise nach dem Ararat begriffen war.

Ein fröhliches Mahl, welches der Rector der Uni¬ versität, Herr Staatsrath v. Evers veranstaltet hatte, beschloss diesen genussreichen Tag, wobei wir den Vortheil hatten, die sämmtlichen Mitglieder der Uni¬ versität versammelt zu finden.

Den 28sten April früh Morgens verliessen wir Dor¬ pat unter demselben Sturm und Schneegestöber, mit welchem wir den Tag vorher auch angelangt waren, doch voll der angeneluusten Erinnerungen an den gestri¬ gen Tag achteten wir des bösen Wetters nicht. Nach der dritten Station von Dorpat erreichten wir den Pei - pus See, der hier ganz llache Ufer und bei seiner bedeutenden Breite ein ganz meerähnliches Ansehen hat. Den Abend näherten wir uns den Küsten des Finnischen Meerbusens, dessen Anblick uns jedoch die Dunkelheit der Nacht entzog, und waren am Morgen des folgenden Tages in Narva. Leider erfuhren wir aber auch hier noch einen Aufenthalt, auch die Narowa

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fanden wir im Eisgänge begriffen; die schöne Brücke mit massiven Pfeilern, über welche wir bei der Rück¬ reise fuhren, war noch nicht vollendet, und mit der Fähre über den Fluss zu setzen noch unmöglich. Wir mussten also wieder warten bis der Eisgang aufgehört hatte, und in der Hoffnung, dass sich diess schon am Nachmittage ereignen würde, benutzten wir sogleich diesen Aufenthalt, um eine kleine Excursion nach den Wasserfällen der Narowa, einige Werste aufwärts von der Stadt zu machen.

Die Narowa ist der Ausfluss des Peipus-Sees in den Finnischen Meerbusen; sie ist ziemlich breit und hat bei Nanva ziemlich steile Ufer, die von einem dichten Kalkstein gebildet werden, der derselbe ist, welcher an der ganzen Küste ansteht. Es war das erste anstehende Gestein, dessen wir auf dieser Reise ansichtig wurden. Oberhalb der Wasserfälle theilt sich der Strom in zwei Arme, die eine kleine Insel um - schliessen, und sich eine kurze Strecke vor ihrer Ver¬ einigung eine bedeutende Höhe herunterstürzen. Eine hölzerne Brücke, die dicht unter dem linken Wasser¬ fall angelegt ist, verbindet das linke Ufer mit der In¬ sel, und führt zu einer Schneidemühle, die zu ihrem Aufschlagewasser den rechten Fall benutzt. An dem linken Ufer des Flusses ist eine Tuchfabrik angelegt, an dem rechten steht das Dorf Juala; die Insel selbst wie auch die Ufer sind mit grossen schönen Bäumen besetzt. Der Anblick der sich herabstürzenden Was¬ sermasse war jetzt bei dem hohen Stande des Wassers vorzüglich prächtig, nicht weniger muss er es, wenn auch bei niedrigem Wasserstande, im Sommer sein, wo das Grün der Bäume und Ufer eine lebhaftere Ein¬ fassung bildet, als jetzt der alles bedeckende Schnee.

Unsere Hoffnungen, schon am Nachmittage über den Strom setzen zu können, gingen nicht in Erfüllung; wir mussten anderthalb Tage in Narwa warten, ehe der Eisgang aufgehört hatte, und die Fähre in Stand

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gesetzt werden konnte; doch wurde uns diese Zeit durch den Umgang mit dem Herrn Obersten v. Pott und dem Herrn Oberstlieutenant v. Bulmering, deren Be - kanntschaft wir machten, angenehm verkürzt. Ersterer führte uns in der Stadt und auf den Wällen umher, die zwar nicht mehr unterhalten werden, doch von bedeuten - der Höhe sind, und eine gute Uebersicht über die Stadt und die umliegende Gegend gewähren. Die Stadt ist eng zusammengebaut und unfreundlich. Hart an dem Ufer liegt ein alter Thurm mit dicken Mauern, der Hermannsthurm genannt, welcher von den Schwerdt - rittern erhaut ist; diesem gegenüber auf dem rechten Ufer die alte von Iwan Wassiljewitsch dem Grossen gegründete Festung Iwanowgorod. An sie schliesst sich auf dem jenseitigen Ufer die Vorstadt an, die ganz allein von Russen bewohnt wird, während man in der Stadt selbst noch meistentheils deutsch sprechen hört. Am Markte der Stadt steht das alte Rathhaus, das bis vor einiger Zeit noch einige Merkwürdigkeiten von Carl XII. enthielt, die aber jetzt nach Petersburg gebracht sind.

An dem steilen Ufer der Narowa unter dem Her - mannsthurm tritt unter dem Kalkstein Sandstein her - vor. Er ist feinkörnig, versteinerungsleer, enthält aber in der Nähe des Kalksteins kleine Kugeln von Kalk - stein, die ihm fast ein Rogenstein-ähnliches Ansehen geben. Zwischen ihm und dem Kalkstein liegt die schon früher erwähnte Schicht von Muschelfragmenten. In der Kalksteinwand am Flusse konnten wir keine Versteinerungen bemerken, dagegen sahen wir sie in grosser Menge, Lituiten und Trilobiten, in den Bau - steinen, aus welchen der Hermannsthurm aufgeführt ist, die doch höchst wahrscheinlich aus demselben Kalksteine bestehen, wie der ist, welcher unter dem Thurrne ansteht.

Den 30sten April, Nachmittags um 4 Uhr, war die Fähre endlich so weit in Stand gesetzt, dass wir hin -

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über fahren konnten. Von hier fängt nun die grosse nach Petersburg führende Chaussee an, auf welcher wir schnell vorwärts eilten. Jenseits der Narowa erhebt sich das Land noch etwas; man kann die Stadt noch lange sehen, die, so unfreundlich sie auch im In - nern ist, mit ihren vier hohen Kirchthürmen, dem alten Hermannsthurm, dem man ein neumodisches Dach ge - geben hat, und der alten Feste Iwanowgorod ein alter - thümlich schönes Ansehen hat. Den Abend wurden wir in Jamburg noch etwas aufgehalten; das Wasser in der Luga, einem Strome, der von nicht geringerer Breite als die Narowa ist, war schnell gefallen und hatte die Ufer verschlämmt. Es musste deshalb eine neue An - fahrt für die Fähre eingerichtet werden, womit man bei unserer Ankunft noch beschäftigt war. Der Aufenthalt währte indess nur einige Stunden, womit wir, nicht verwöhnt, recht sehr zufrieden waren. Auch an den Ufern der Luga sahen wir dieselben Gesteinschichten wie an der Narowa anstehn, der Kalkstein war aber hier noch durch die vielen Körner von Grünerde, die er enthält, ausgezeichnet. Von nun hatten wir keinen Aufenthalt bis Petersburg, wo wir endlich am ersten Mai um 2 Uhr ankamen.

Schon von Strelna, der letzten Station vor Peters - burg, fängt eine fortlaufende Reihe der schönsten Land - häuser an; man fährt zuletzt durch einen grossen, präch - tigen Triumphbogen, kommt dann durch mehrere Stras - sen, nach welchen man nun erst zu dem eigentlichen Thor gelangt; eine lange, breite Strasse stösst einem entgegen, an deren fernem Ende der Admiralitätsthurm mit seiner vergoldeten Spitze glänzt. Wir bogen rechts ein und fuhren einem breiten Kanale, der Fontanka, entlang, der in einem Halbkreise den südlichen Theil der Stadt durchschneidet, und mit einer Brüstung von geschliffenem Granit prächtig eingefasst ist. Die gros - sen schönen Häuser zu den Seiten wechseln mit Pal - lästen; endlich sieht man links den Festungs-ähnlichen

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Pallast des Kaisers Paul, auf welchen bald darauf der Sommergarten folgte. Wir waren länger als eine Stunde in den breiten Strassen im schnellsten Trabe gefahren, als wir endlich in der Gagarin - Strasse, im Hause des Preussischen Gesandten, Herrn General - Lieutenants v. Schöler anlangten, der Herrn v. Hum - boldt als einen alten Freund begrüsste, und der, ein Mann von ausgezeichneter Geistesbildung und regem Antheil an dem Gelingen unseres wissenschaftlichen Unternehmens, uns zu inniger Dankbarkeit verpflich - tet hat.

Der Eindruck, den Petersburg auf den Fremden macht, ist überraschend, selbst wenn man andere grosse Städte, wie Paris und London gesehen hat. Von dem Eckzimmer unserer Wohnung hatten wir die Aussicht auf die Newa, auf welche die Gagarin-Strasse recht - winklig stösst. Sie erschien hier fast von unüberseh - barer Breite, da der Strasse gegenüber sich der erste Arm der Newa, die grosse Newka, von ihr trennt, und in der Richtung der Strasse eine Zeit lang fort - zieht. Ich konnte es nicht unterlassen, noch densel - ben Nachmittag nach einigen Augenblicken der Erho - lung mit meinem Freunde Ehrenberg auf sie zuzu - eilen. Der grosse mächtige Strom war noch ganz mit Eis bedeckt; man hatte etwas weiter abwärts von der Newka Bretter quer über das Eis gelegt, und dadurch eine Brücke gebildet, die zu der Fe - stung, einer kleinen Insel in der Newa, führte, und die wir 830 Schritte lang fanden. Wir setzten dar - auf unsern Weg an der schönen reinlichen Granit - umfassung der Newa weiter fort. Auf das kolossale eiserne Gitter mit den Granitpfeilern, das den Som - mergarten von dem Kaie trennt, folgte das Marmor - palais, das unten mit Granit und oben mit Marmor be - kleidet ist; ihm gegenüber steht der Thurm der Fe - stung, der in einer vergoldeten Spitze endigt; dann folgt die Eremitage, ein langer Pallast, der die Kunst -

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sammlungen enthält; an ihn reiht sich unmittelbar der mächtige Winterpallast, und endlich jenseits eines Plat - zes das Admiralitätsgebäude, dessen beide Flügel bis zur Newa reichen und den weitern Fortgang an dem Kaie hindern. Der grosse Platz zwischen dem Win - terpallast und der Admiralität öffnet sich gegen einen andern grössern, gegen welchen die Hauptfronte die - ser Gebäude gerichtet ist. Er war mit Buden, Schau - keln, Rutschbergen und Sehenswürdigkeiten aller Art bedeckt; mit Mühe drängten wir uns durch die wo - gende Menschenmasse, die in der innigsten Fröhlich - keit die letzten Tage der Osterwoche feierte. Die Neuheit aller Gegenstände, die Art sich zu belustigen, die Russen selbst, mit ihren Bärten, blauen langen Ueberröcken und Pelzmützen, zog uns an, und lang - sam konnten wir nur weiter dringen.

Den grossen Platz vor dem Winterpallast und der Admiralität begränzen das halbzirkelförmige Gebäude des Generalstabs und eine Reihe schöner Häuser, die von drei grossen Strassen durchschnitten werden, die wie Radien eines Kreises auf den goldnen Thurm der Admiralität zulaufen. Wir bogen um die Admiralität herum und gingen bei einem Bauplatze links vorüber, aus welchem schon die kolossalen Granitsäulen her - vorragten, die einst den Eingang in die Isaacskirche schmücken sollen, und hatten nun wieder die Aussicht auf die Newa. Mitten auf dem Platze, der von dieser Seite die Admiralität begränzte, steht die berühmte Reiterstatue von Peter dem Grossen, ein langer Kai zieht sich von hier aus zur linken der Newa entlang, und eine grosse Schiffbrücke führt über dieselbe nach Wassili-Ostroff, auf welchem wir noch links ein in den edelsten Verhältnissen aufgeführtes Gebäude, die Akademie der Künste bewunderten, und einen Blick rechts auf die Akademie der Wissenschaften, schon in grösserer Entfernung von der Brücke, und auf die Bör - senhalle an der Spitze von Wassili-Ostroff warfen;

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aber wir setzten unsere Wanderung nicht weiter fort und kehrten voll der grossartigsten Eindrücke nach unserer Wohnung wieder zurück. Nach einigen Ta - gen trat auch hier der Eisgang ein, wodurch uns der jenseitige Theil der Stadt auf länger als acht Tage unzugänglich wurde.

Die vielen Mineraliensammlungen, welche in Pe - tersburg sind, bieten dem Mineralogen reichliche Be - schäftigung dar. Unter den öffentlichen Sammlungen nimmt die, welche sich im Bergkorps befindet und unter der oberen Leitung des Staatsministers Grafen v. C an cr in so ansehnlich vermehrt ist, offenbar den ersten Rang ein. Sie ist in mehreren grossen Sälen auf Tischen und in Glasschränken lichtvoll aufgestellt und enthält eine allgemeine Mineraliensammlung und eine besondere vom Russischen Reich, die vorzüglich reichhaltig und ausgezeichnet ist. Man sieht hier die bläulichen Topase von Mursinsk im Ural von einer Grösse, Klarheit und Regelmässigkeit der Kristallisa - tion, die in Erstaunen setzt. Einer derselben, der voll - kommen regelmässig gebildet ist, aber nur an einer Seite auskrystallisirt, an der andern verbrochen und mit einer Spaltungsfläche begränzt ist, hat dennoch eine Länge von 4 Zoll 9 Linien 1) und eine Breite von 4 Zoll 6 Linien. Nicht weniger ausgezeichnet sind die Berylle von diesem Fundorte; sie sind gewöhnlich von weingelber Farbe, zuweilen sehr durchsichtig und gross, aber in diesem Falle doch nicht so regelmässig krystallisirt wie die Topase; sie laufen an den Enden häufig in einzelne Spitzen aus, oder sind mit Ein - drücken versehen. Von der Art ist auch der im Jahre

[footnote reference]1) Die Angaben beziehen sich hier wie in dem Folgenden immer auf das Preussische Maass, wenn es nicht ausdrücklich anders be - merkt ist.
[footnote reference]40

1828 gefundene grosse Krystall, welcher bei einem Durchmesser von 1 '' 3 "', eine Länge von 9" 5 "'und ein Gewicht von 6 Pf. 11 Sol. hat; er ist dabei sehr durch - sichtig und hat eine grünlichgelbe Farbe. Die Topase, Berylle und Rauchtopase vom Adontischelon bei Ner - tschinsk sind ebenfalls von grosser Schönheit; aber man sieht ähnliche Drusen auch in andern Sammlungen. Dagegen sind die Feldspathkrystalle von Mursinsk, die sich hier befinden, wiederum einzig in ihrer Art; es sind vielleicht die grössten bekannten Krystalle, die man hat, aber fast alle sind mit Quarzkrystallen regel - mässig durchwachsen, wodurch sie den sogenannten Schriftgranit bilden. Hier befindet sich auch das be - rühmte Malachitstück von der Kupfergrube Gumeschewsk im Ural, das eine platte nierförmige Masse darstellt, und die bedeutende Höhe von 3 Fuss 6 Zoll und eine fast ebenso grosse Breite hat. Es besitzt eine schöne smaragdgrüne Farbe, und sein Werth wird auf 525,000 Rubel geschätzt. Von andern grossen Massen sieht man noch eine ausserordentlich grosse Niere von Brauneisenstein aus der Gegend des Blagodats im Ural, einen grossen Quarzkrystall aus der Gegend von Katharinenburg im Ural, der 2 Fuss 3 Zoll 6 Linien hoch ist und ein Gewicht von 35 Pud hat; und end - lich mehrere grosse Blöcke von Labrador, die als Ge - schiebe in der Gegend von Petersburg gefunden sind. Letztere sind von grauer Farbe und haben keine Far - benwandlung, waren mir aber deshalb bemerkenswerth, weil sie mit ähnlichen Geschieben, die in der Gegend von Berlin vorkommen, die grösste Aehnlichkeit haben. Unter den kleinern Stücken fiel mir noch ein Feuer - opal aus Kamtschatka auf, der sehr schön und klar ist, und ein Feuerstein aus der Krimm, der ein Stück bi - tuminöses Holz einschliesst.

In einem besondern verschlossenen Schranke wer - den die grössern Gold - und Platingeschiebe, so wie auch einzelne kleine Goldkrystalle aufbewahrt, die man

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in den Sandlagern des Urals gefunden hat. Unter den Goldgeschieben befindet sich eins, welches ein Gewicht von 24 Pfunden 69 Solotniks (43¼ Mark), und bei einer unregelmässigen länglichen, an der einen Seite in eine stumpfe Spitze auslaufenden Form, eine Länge von 8 Zollen, eine Breite von 5 3 / 8 Zollen und eine Höhe von 4 ¾ Zollen hat. Es wurde an dem Goldsandlager von Alexandrowsk bei Miask gefunden, und ist das grösste Goldgeschiebe, welches bis jetzt am Ural vor - gekommen ist. In demselben Goldsandlager wurden von 1824 bis 1826 noch neun andere Goldgeschiebe gefunden, von denen sich ebenfalls noch mehrere in der Sammlung des Bergkorps befinden, und die zu - sammen mit dem erstern ein Gewicht von 2 Pud 34 Pfunden (199½ Mark) hatten. Unter diesen Geschie - ben waren zwei zu 13 Pfunden, eins zu 16 Pfunden und keines unter 7 Pfund 1). Die Goldkrystalle, die hier auf bewahrt werden, haben grösstentheils eine octaëdrische Form, sie sind an den Kanten abgerundet, aber da sie doch Geschiebe wie die andern Goldstücke sind, ausserdem merkwürdig genug erhalten. Unter den Platingeschieben befindet sich ein Stück von 10 Pfunden 54 Solotnik (18½ Mark), welches sich auf den, den Herren von Demidoff gehörigen Platinsand - lagern von Nischne - Tagilsk gefunden hat. Es hat eine mehr abgerundete, sich der Kugel nähernde Form und ist 4 Zoll lang, Zoll hoch und 2 Zoll breit. Dieses Platinstück war noch zur Zeit unserer Reise das grösste, welches man bis dahin gefunden hatte; doch wird es noch beiweiten an Grösse von andern übertroffen, die man nach dieser Zeit in denselben Sandlagern gefunden hat, und von denen eines 19 Pfund 52½ Solotnik, ein anderes 20 Pfund 34 Solotnik, ein drittes 19 Pfund 24 Solotnik und zwei andere ein

[footnote reference]1) Vergl. Alex. v. Humboldt über die Goldausbeute im Russi - schen Reiche, Pogg. Ann, B. XVIll, S. 274.
[footnote reference]42

jedes 13 Pfund wiegen 1). Man sieht daraus, um wie vieles die Uralischen Platingeschiebe die Amerikani - schen an Grösse übertreffen; denn von diesen sind die grössten Stücke, welche man kennt, dasjenige, welches Herr von Humboldt aus Choco mitgebracht und der Königlichen Mineraliensammlung von Berlin verehrt hat, und ein anderes aus den Goldwäschen von Condoto, welches sich seit 1822 in dem Museum von Madrid befindet. Ersteres hat aber nur ein Gewicht von 1088 Gran, letzteres von 11641 Gran, so dass, wenn man nur das kleinere zuerst angegebene Sibirische Platin - geschiebe von 10 5 / 9 4 / 6 Pfund damit vergleicht, sich die Gewichte dieser 3 Stücke verhalten wie 1: 11: 75 2).

Auch die allgemeine Mineraliensammlung enthält vortreffliche und seltene Stücke, von denen ich nur einer grossen Smaragddruse aus Peru, mit grossen wohlerhaltenen Smaragdkrystallen, die zusammen mit Kalkspathkrystallen auf schwarzem Thonschiefer auf - gewachsen sind, und eines besonders grossen Stücks Kryolith erwähnen will. Neben den Sälen, die die mineralogischen Sammlungen enthalten, befindet sich ein anderer, in welchem die Metalle, die aus den Rus - sischen Erzen geschmolzen, und die Fabrikate, zu de - nen sie verarbeitet werden, aufgestellt sind, und ein dritter, der die Modelle der auf den Russischen Hütten und Gruben angewandten Maschinen enthält. Ausser diesen sieht man hier noch Modelle von ganzen Gru - ben, wie von dem Magnetberge Blagodat im Ural, von einer Goldwäsche bei Katharinenburg, von der Eisen - steinfischerei von Petrosawodsk am Onegasee, von den Gruben von Olonetz u. s. w.; ja in den Kellern des Bergkorps ist ein förmliches Bergwerk angelegt mit Schächten, Strecken und Oertern, wodurch die

[footnote reference]1) Vergl. Sobolewskoy über das Ausbringen des Platins in Russland in Pogg. Ann. Th. XXXIII, S. 101.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Vergl. Alex. v. Humboldt über die Grösse der Körner von gediegenem Platin in Pogg. Ann. B. X, S. 487.
[footnote reference]43

Eleven des Bergkorps einen vollkommenen Begriff des Grubenbaues und der Grubenzimmerung erhalten kön - nen. Alan befährt diese künstliche Grube mit Lampen, wie die natürlichen, aber freilich mit grösserer Be - quemlichkeit, und ohne wie bei diesen von den Gru - benwassern zu leiden.

Die Mineraliensammlung der Akademie der Wissenschaften war, als wir sie sahen, von viel geringerer Bedeutung, als die des Bergkorps. Sie war nur unvollständig und in einem grossen Saale zwar gut und lichtvoll aufgestellt, aber doch im Win - ter, also in einem grossen Theile des Jahres, nur schwierig zu benutzen, da der Saal nicht zu heizen und an dem Boden noch dazu mit Fliesen belegt war. Die Akademie ging daher schon während unseres Aufenthaltes in Petersburg damit um, die Mineralien - sammlung durch den Ankauf der schönen Sammlung des Dr. Struve in Hamburg zu vermehren, und sie wie auch die übrigen Sammlungen in einem neuen zweckmässigern Lokale aufzustellen. Beides ist nun seit der Zeit geschehen, und es ist von dem Eifer und dem wissenschaftlichen Sinne des Präsidenten der Akademie, jetzigen Ministers der Aufklärung, Herrn v. U war off, sowie von der Thätigkeit und den Kennt - nissen des Directors der Mineraliensammlung, Herrn Professors Kupffer zu erwarten, dass die Mineralien - sammlung der Akademie der des Bergkorps, wenn auch nicht in der Pracht der Stücke, doch in Rück - sicht der Vollständigkeit und der schönen Aufstellung nicht lange mehr nachstehen wird.

Wie wir die Sammlung bei unserm Besuche fan - den, enthielt sie wenig was von besonderem Interesse gewesen wäre, ausgenommen die grosse, von Pallas vom Jenisei mitgebrachte Eisenmasse und einige grosse Meteorsteine. Von der erstern sind aber so viele Stücke abgeschlagen, dass sie jetzt eine ganz abgerundete Masse darstellt. Von ihrer ursprünglichen zackigen

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Form und den in ihren Höhlungen eingeschlossenen Olivinkörnern war gar nichts zu erkennen, noch dazu da sie auf dem Fussboden an einem sehr finstern Orte lag. Sie hat indessen noch immer eine beträchtliche Grösse, denn sie ist 2 Fuss 3 Zoll lang, 1 Fuss 7 Zoll 7 Linien hoch und 1 Fuss 10 Zoll breit, und hat nach der neusten Bestimmung des Herrn Akademikers Hess noch ein Gewicht von 1270 Russischen Pfunden 1). Von den Meteorsteinen sind besonders wegen ihrer Grösse zwei zu erwähnen, nämlich einer, welcher zu Timochin im Gouvernement Smolensk gefallen und 10 Zoll 9 Linien lang ist, und ein anderer, der bei dem Dorfe Romenski im Gouvernemnnt Poltawa gefallen ist. Beide haben äusserlich eine matte schwarze Rinde und enthalten viel Nickeleisen eingesprengt.

Die dritte der öffentlichen Sammlungen ist die der Petersburger mineralogischen Gesellschaft. Sie enthält nicht viele grosse Prachtstücke, ist aber sehr vollständig, auf Tischen sehr schön aufgestellt, und durch die seltene Gefälligkeit des kenntnissreichen Secretärs der Gesellschaft, Herrn Hofraths Wörth, sehr gut zu benutzen. Ich erwähne aus dieser Sammlung nur der grossen lauchgrünen Krystalle von Apatit (Moroxit), die in Kalkspath eingewachsen am Baikal - See vorkommen. Die Krystalle sind die regulären sechsseitigen Prismen, an den Enden mit dem mittlern Hexagondodecaëder zugespitzt; sie sind an den Kanten etwas abgerundet, und gleichen hierin wie in den übrigen Eigenschaften vollkommen dem Maroxit von Arendal, nur sind sie von einer viel bedeutendem Grösse. Herr v. Humboldt erhielt später durch die Güte des Herrn Bergmeisters Kulibin in Schlangen - burg einen solchen Krystall, der an einem Ende ver - brochen ist, dessen Höhe aber doch noch 3 ¼ Zoll, so wie der Durchmesser des sechsseitigen Prisma zwi -

[footnote reference]1) Pogg. Annalen B. XXXVI, S. 560.
[footnote reference]45

schen zwei gegenüberliegenden Kanten 2 ¾ Zoll beträgt. Und doch steht dieser Krystall noch an Grösse denen nach, die sich in Petersburg befinden.

Die Privatsammlungen, die ich in Petersburg zu sehen Gelegenheit hatte, sind theils allgemeine syste - matische Sammlungen, theils Localsammlungen von Russland, Sibirien oder einzelnen Graben. Zu den erstern gehört vor allen die des Kollegien - Assessors und Apothekers im Bergkorps Herrn Kämmerer. Sie ist sehr bedeutend und vollständig, und die Mineralien derselben sind mit eben solcher Sachkenntniss gewählt und bestimmt, als sie mit Geschmack und Eleganz auf - gestellt sind. Herr Kämmerer hatte die Güte, sie mir ausführlich zu zeigen; ich lernte dadurch eine Menge schöner Sibirischer Mineralien von mir noch unbekannten Fundörtern kennen, und hatte auf diese Weise Gelegenheit, manche neue Beobachtung anzu - stellen, die ich jetzt ebenso wenig wie bei den frü - hern Sammlungen anführe, da ich bei der Beschreibung der Fundörter dieser Mineralien wieder darauf zurück - kommen werde 1),

Zu den ausgezeichneten Privatsammlungen gehö - ren weiter die des Herrn Staatsraths Dr. Rauch, die unter andern die Vivianitkrystalle in den Cardia - ceen von Tschudelek, 25 Werste von Kertsch in der Krimm, sehr schön enthält; ferner die des Herrn Vice - Präsidenten Peroffski, des Juweliers Herrn Seguin und des Herrn Kramer, welche letztere sehr reich an Nordamerikanischen Mineralien ist, die der Besitzer aus den vereinigten Staaten selbst mitgebracht hat.

Unter den Localsammlungen sind besonders die Sammlungen des Herrn Grafen Alex. Stroganoff, der Herrn Berghauptmänner Kowanko und Fullon

[footnote reference]1) Leider befindet sich diese schöne Sammlung jetzt nicht mehr in Petersburg; sie ist von der Universität Kasan angekauft worden; doch ist von der Thätigkeit des Herrn Kämmerer zu erwarten, dass er bald wieder im Besitz einer ähnlichen Sammlung sein werde.
[footnote reference]46

und des Herrn Hedenström bemerkenswerth. Die Sammlung des Herrn Grafen Stroganoff enthält eine Menge Quarzstücke mit gediegenem Golde aus der Goldgrube Newiansk im Ural, die mir interessant wa - ren, weil die Grube jetzt verlassen ist, und die Stücke an Ort und Stelle nicht mehr zu sehen sind. Das Gold findet sich nur in Blättchen in dem Quarz an - gewachsen und unterscheidet sich dadurch von dem Golde von Beresow, das gewöhnlich krystallisirt, in Körnern, oder in kleinen derben Parthien in dem Quarze vorkommt.

Die Sammlung des Herrn Berghauptmanns Ko - wanko ist sehr bedeutend und enthält viele vortreff - liche und ausgezeichnete Stücke. Man findet in ihr nicht allein viele schöne Mineralien vom Ural, sondern auch aus dem östlichen Sibirien. Auf erstere werde ich noch öfter bei der Beschreibung der Mineralien des Urals zurückkommen, von letztern erwähne ich nur der Mandelsteine von Nertschinsk, in deren Höh - lungen sich Krystalle von Desmin (Strahlzeolith), Stil - bit (Blätterzeolith) und Apophyllit befinden, die mit diesen Zeolithen von Island eine grosse Aehnlichkeit haben; ferner der bläulichen Chalcedone von dem Vor - posten Pugewsky bei Nertschinsk, mit Afterkrystallen und Eindrücken, die die Form des Hexaëders haben, wie die ebenso gefärbten Afterkrystalle von Trestian in Siebenbürgen, denen sie überaus gleichen, und end - lich noch der vielen schönen Beryllkrystalle vom Adont - schelon bei Nertschinsk. Unter diesen waren mir die gegliederten Säulen sehr merkwürdig, von denen ich auch in der Sammlung des Herrn Seguin mehrere sehr interessante Stücke sah, so wie auch zwei Be - ryllkrystalle, die zur Hälfte bläulichweiss und durch - sichtig, zur Hälfte schneeweiss und undurchsichtig, der Länge nach, aber umgekehrt zusammengewachsen sind, so dass die bläulichweisse Hälfte des einen Krystalls neben der schneeweissen des andern liegt. Beide Far -

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ben schneiden ziemlich scharf an einander ab, die Kry - stalle sind ziemlich gleich, und ein jeder etwa 2 Zoll lang und ¼ Zoll dick; der eine der beiden Krystalle ist an beiden Enden mit der gerade angesetzten End - fläche, der andere nur an der einen Seite mit dieser Fläche, an der andern Seite, wo er verbrochen ist, mit einer dieser Krystallfläche parallelen Spaltungs - fläche begränzt.

Die Sammlung des Herrn Fullon enthält Mine - nalien aus einem andern Theile Russlands, nämlich dem Gouvernement Olonetz, in welchem Herr Fullon sich lange als Berghauptmann aufgehalten hatte. Be - sonders interessirte mich darin eine ganze Reihe von krystallisirtem Amethyst von der Wolfsinsel im Onega - See, der in den Höhlungen eines Mandelsteins vor - kommt, doch meistentheils lose auf der Insel gefunden wird. Der Amethyst ist von sehr verschiedener Farbe, violblau, braun, schwarz und ziegelroth, wie die so - genannten Hyacinthen von Compostella, zuweilen viol - blau an dem untern Ende und ziegelroth in den ober - sten Lagen. Er ist meistens mit haarförmigen Krystallen von Nadeleisenerz durchwachsen, die zu büschelförmi - gen Parthien verbunden, auch auf dem Amethyste sit - zen, in den vorhandenen Stücken jedoch so dünn sind, dass es nicht möglich ist, ihre Form und Winkel zu bestimmen. Sie stehen also in dieser Rücksicht den Krystallen des Nadeleisenerzes von Clifton bei Bristol nach, die auf eine ähnliche Weise auf Quarz aufge - wachsen, und zwar auch noch sehr dünn, aber doch noch mit dem Reflexionsgoniometer messbar sind. Zu - weilen bildet das Nadeleisenerz dünne sammetartige Ueberzüge, die vollkommen denen von Prziebram ähn - lich sind. Der Amethyst ist ferner häufig mit einzel - nen Krystallen von Kupferkies, Eisenkies, oder mit dünnen Tafeln von Eisenglanz bedeckt, welche letztere zuweilen auf dem büschelförmigen Nadeleisenerz auf - gewachsen sind. Auch Kalkspath kommt zuweilen in

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diesen Amethystkugeln vor, und in einer derselben fanden sich auf dem Amethyste sogar kleine Krystalle von grünem Uranite (Uranglimmer). Die Sammlung dieser Amethystkugeln ist sehr bedeutend, und es macht um so mehr Freude dieselbe zu untersuchen, je weniger die Bildung so verschiedenartiger Substanzen in diesen engen Räumen erklärt ist. An metallischen Substanzen findet sich mehr darin als in den bekannten Amethystkugeln von Ihlefeld am Harz, und eine - here Vergleichung der Ausfüllungsmassen dieser Bla - senräume wäre gewiss nicht ohne Interesse. Andere Mineralien, die auch auf der Wolfsinsel vorkommen und sich in der Sammlung des Herrn Fullon befin - den, sind gelber krystallisirter Eisenkiesel, vollkommen wie der von Iserlohn, krystallisirter Axinit und blauer Milchquarz, der nach Herrn Fullon in ganzen Felsen ansteht, und mit dem zum Verwechseln ähnlich ist, welcher nicht selten unter den Geschieben von Berlin vorkommt.

Herr Hedenström hat eigentlich keine beson - dere Mineraliensammlung, aber doch eine Menge in - teressanter Stücke, die er von seinen langen Reisen in den nördlichsten Theilen von Sibirien mitgebracht hat. So sah ich bei ihm mehrere sehr schöne Kry - stalle des bekannten Vesuvians und Grossulars vom Wilui in Sibirien (genauer von der Mündung des Ach - taragda in dem Wilui), die theils lose, theils in dem Muttergestein eingewachsen waren. Dieses ist ein weisses festes Gestein, in welchem die grossen Vesu - viankrystalle nur hier und da, in grosser Menge aber andere zersetzte Krystalle liegen, deren schon Hai - dinger erwähnt 1), von denen es aber immer noch nicht ausgemacht ist, weder was sie jetzt noch was sie ursprünglich gewesen sind. Ihre Form ist noch

[footnote reference]1) Treatise of mineralogy by Fr. Mobs, translated by W. Hai dinger, Vol. II, p. 357.
[footnote reference]49

deutlich zu erkennen, es sind Hemi-Ikositetraëder, aber weiter ist von ihrer ursprünglichen Beschaffenheit nichts übrig geblieben, sie sind weiss, erdig und mit dem Messer ritzbar. Herr Hedenström hatte die Güte, mir mehrere schöne Stücke davon mitzutheilen, doch habe ich aus Mangel an Zeit sie noch nicht - her untersuchen können. Es wäre möglich, dass diese Krystalle ursprünglich Grossular (Granat) gewesen sind; derselbe wird zuweilen ganz tetraëdrisch, wie ich einen solchen Krystall in der Sammlung des Herrn Kämmerer gesehen habe; indessen kommt doch mit dem Vesuvian ganz unzersetzter Grossular vor, und die zersetzten Krystalle zeigen gar keinen Uebergang in die Leucitoëder, die beim Grossular gewöhnlich vor - kommen, so dass diese Umstände doch jene Erklärung der zersetzten Krystalle zweifelhaft machen. Mehrere der einzelnen Vesuviankrystalle enthielten kleinere Kry - stalle von Grossular eingewachsen, was mir deshalb merkwürdig schien, da nach den Untersuchungen von Magnus die chemischen Formeln, die die Zusammen - setzung des Vesuvians und Granats bezeichnen, gleich sind, man also voraussetzen sollte, dass die Umstände, unter welchen beide Substanzen gebildet sind, unglei - cher sein müssten, als aus dem beschriebenen Vorkom - men hervorgeht; indessen kommt doch das Umgekehrte, dass Vesuviankrystalle in Grossular eingewachsen sind, nie vor, was also immer beweist, dass dieser früher ge - bildet ist, als es jene sind. Hr. Hedenström zeigte mir ferner lange vierseitige Stängel von einem Thonschie - fer, der in Sibirien östlich von der obern Angara vor - kommt, und endlich einige Mineralien, wie Kalksinter von der Kessel-Insel in Neu Sibirien, den Mündungen der Lena gegenüber, die Herr Hedenström selbst besucht hat.

Die rohen Mineralien sind es nicht allein, die in Petersburg das Interesse des Mineralogen erwecken;

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selten hat man wohl an einem andern Orte Gelegen - heit, so viel geschliffene und verarbeitetete Mineralien und Gebirgsarten zu sehen, als eben hier. Der Reich - thum der geschliffenen Edelsteine in dem Kaiserlichen Schatze, wohin uns der Minister des Kaiserlichen Hauses, Fürst Peter Wolchonski zu führen, die besondere Güte hatte, ist ausserordentlich. Vorzüglich ausgezeichnet sind die Diamanten, von denen der grösste der ist, welcher sich an der Spitze des Kai - serlichen Scepters befindet. Ich hatte Gelegenheit, ein Modell von Blei von ihm zu erhalten, welches sich als Doublette in der Mineraliensammlung der Akademie der Wissenschaften befand, und habe danach die Zeich - nung Taf. I, Fig. 1, 2, 3 gemacht, da mir nicht bekannt ist, dass sonst schon eine solche von ihm genommen wor - den ist. Die Zeichnung stellt ihn in seiner natürlichen Grösse mit allen Unvollkommenheiten des Schliffs dar; Fig. 3 ist die Ansicht von oben, Fig. I und 2 von der vordem und hintern Seite. Er ist sehr unvortheil - haft geschnitten und an seiner Oberfläche nur mit con - centrischen Reihen von dreiseitigen Facetten und einer untern Reihe von vierseitigen Facetten versehen, viel - leicht um ihm so wenig als möglich von seiner Masse zu nehmen; aber er ist vom ersten Wasser, von voll - kommener Reinheit und dem lebhaftesten Glanze. Sein Gewicht beträgt nach den Angaben, die man davon hat, 194 ¾ Karat; sein grösster Durchmesser nach dem Modelle 1 Zoll Linien; seine Höhe 10 Linien. Er stammt aus Ostindien und befand sich früher mit einem ähnlichen in dem Thronsessel von Schach Nadir. Bei dessen Ermordung wurde er geraubt und gerieth spä - ter in die Hände des Armeniers Schafrass, der ihn nebst mehreren andern werthvollen Edelsteinen, unter denen sich ein grosser Smaragd und ein grosser Ru - bin befanden, von einem Awganischen Anführer in Bag - dad für die runde Summe von 50,000 Piastern kaufte. Schafrass ging nach 12 Jahren damit nach Amsterdam,

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wo er seine Steine feilbot, und die Kaiserin Katharina II. den Diamant im Jahre 1772 nach längern Unterhand - lungen, die grösstentheils durch den damaligen Hof - juwelier Lasar ef betrieben wurden, für die Summe von 450,000 Silberrubeln und den Russischen Adelsbrief kaufte 1).

Auf unserer Rückreise sahen wir auch durch die zuvorkommende Gewogenheit des Fürsten Wolchonski den grossen Diamanten, den der Persische Prinz Cosrhoës, der jüngere Sohn des Abbas Mirza, bei seiner Anwe - senheit in Petersburg, während unserer Reise Sr. Ma - jestät dem Russischen Kaiser zum Geschenk gemacht hatte. Er ist dadurch interessant, dass er nur zum Theil geschliffen ist, zum Theil aber noch seine natür - lichen Flächen besitzt, welche die des Octaëders sind. Man ersieht diess schon aus der beigefügten Zeichnung Taf. I, Fig. 7, 8, 9, die nach einem bleiernen Modelle entworfen ist, welches ich der Güte des Vice-Präsi - denten Herrn v. Peroffski verdanke. Fig. 7 und 8 stellen ihn von zwei entgegengesetzten Seiten dar; Fig. 3. ist die Gestalt des Durchschnitts bei der Linie ab. Die Flächen des Octaëders sind mit o bezeichnet; sie sind etwas uneben, wie auch die Kanten von 109° 28 ', die sie untereinander bilden, etwas abgerundet. Die übrigen Flächen sind geschliffen. Sein Gewicht beträgt 86 Karat; er ist zwar um mehr als die Hälfte kleiner als der vorige, aber immer noch bedeutend genug, um zu den grössten bekannten Diamanten ge - zählt zu werden. Seine grösste Länge beträgt 1 Zoll 5 ½ Linien, seine grösste Breite 8 Linien. In Rücksicht des Wassers scheint er dem vorigen nicht nachzustehn; er ist ebenso von der grössten Reinheit und Klarheit und ganz ohne Sprünge und Federn. Seine geschlif - fenen Flächen sind mit persischen Inschriften verse - hen, und an seinem obern Ende befindet sich eine

[footnote reference]1) Vergl. Pallas Reise in die südlichen Statthalterschaften des Russischen Reichs Th. 1, S. 251.
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kleine Rinne, die ganz um ihn hemmgeht, an welcher man wahr scheinlich eine Schnur befestigt hat, um ihn mittelst derselben am Halse zu tragen.

Zur Vergleichung mit diesen beiden ausgezeich - neten Diamanten habe ich noch die Zeichnung von einem andern berühmten Diamanten, nämlich von dem Pitt oder dem Regenten in der Französischen Krone hinzugefügt, von welchem sich ein Modell von Holz in der Königlichen Mineraliensammlung in Berlin befindet. Dieses wurde von ihm genommen, als sich der Dia - mant zur Zeit der Französischen Revolution in Berlin befand, wo er an den Kaufmann Treskow verpfändet war. Er ist als Brillant, aber nach dem vorhandenen Modelle doch nur sehr schlecht geschnitten.

Die übrigen geschliffenen Mineralien sieht man ganz basonders in den Kaiserlichen Schlössern, vor - züglich in dem schönen Winterpallast, einem Gebäude, das an Pracht und Eleganz wohl kaum seines Glei - chen hat. Was das weitläufige Russische Reich an ausgezeichneten Gebirgsarten besitzt, sieht man hier vereinigt, seine Säle zu schmücken. Zu den grössern Gegenständen hat man besonders die verschiedenen Porphyre des Altai benutzt. So sieht man hier eine ganze Reihe kanellirter Säulen von dem prächtigen grün - und weissgestreiften Porphyr 1) von der Reven - naja Gora vom Altai, und kolossale Vasen und Bade - wannen von den vielen Abänderungen des Porphyrs vom Korgon, sowohl dem rothen Porphyr, der mit dem antiken Aehnlichkeit hat, als auch dem conglomerat - artigen rothen Porphyr, und endlich jener variolith -

[footnote reference]1) Man nennt diesen Porphyr gewöhnlich Jaspis, was er aber keinesweges ist. Die Abänderung, die man zum Verschleifen benutzt, enthält zwar nur selten oder gar nicht eingewachsene Feldspathkry - stalle, aber sie geht in andere über, die deren sehr viel enthalten, und ist ausserdem vor dem Löthrohre schmelzbar, was bei dem Jas - pis nicht der Fall ist. Die nähere Beschreibung dieses Porphyrs siehe unten beim Altai.
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ähnlichen Abänderung, die aus einer röthlich grauen Grundmasse und inliegenden graulichweissen Kugeln mit schwarzen Einfassungen besteht, und durch die Eigenthümlichkeit des Gesteins noch einen ganz be - sondern Reiz erhält.

Zu kleinern Vasen, Tischplatten und andern Kunst - gegenständen ist besonders der Jaspis des südlichen Urals, der Aventurin des Ural und Altai, das Roth - braunsteinerz aus der Gegend von Katharinenburg, der Malachit von der Gumeschefskischen Kupfergrube, und der Schriftgranit von Mursinsk und Miask verwendet. Die Abänderungen des Jaspis sind von grüner und rother Farbe, zuweilen sind sie auch roth und weiss gefleckt, oder blutroth und lauchgrün gestreift, wie der schöne sibirische Bandjaspis. Die weisse Masse des Aventurins ist bald roth bald weiss gefleckt. Das Rothbraunsteinerz und der Malachit, die durch ihre schönen rosenroten und smaragdgrünen Farben so ausgezeichnet sind, sieht man selten in derben Massen verarbeitet. Gewöhnlich sind die Gegenstände mit einer Menge grösserer oder kleinerer Platten dieser Massen nur fournirt, was aber besonders bei dem Ma - lachite nicht unangenehm auffällt, da dieser selbst aus hellem oder dunklem concentrischen Lagen besteht, die fest miteinander verbunden sind, aber doch scharf aneinander abschneiden. Nur kleinere Platten von Ma - lachit bestehen aus einem Stücke, in welchem aber doch die Höhlungen und Löcher, die in dem Malachite nie fehlen, mit andern Stücken ausgefüllt sind. Vom Schriftgranit sieht man sowohl die gelbe Abänderung von Mursinsk wie die grüne von Miask, doch immer nur in kleinen Platten.

Den eigentlichen Granit findet man in den Schlös - sern nicht, oder nur selten; die ausserordentlichen Blöcke, die man aus dem Granite Finlands brechen kann, wer - den zu Säulen verarbeitet, die besonders zur Aus - schmückung der Kirchen verwandt sind. So befinden

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üich im Innern der Kasanschen Kirche 95 grosse Säulen; andere sieht man an der Isaacskirche in drei Doppel - reihen an drei Seiten des Gebäudes. Die letztern sind grösser als die erstern, und haben die bedeutende Höhe von 56 Engl. Fussen, werden aber an Grösse noch bei weiten von der grossen Alexandersäule übertroffen, die nach unserer Reise im Jahre 1832 auf dem Platze vor dem Winterpallaste errichtet ist, und bei einem Umfange von 37½ Engl. Fussen, eine Höhe von 84 Fussen hat.

Der Granit, aus welchem die Säulen der Isaacs - kirche bestehen, ist grobkörnig und besteht vorherr - schend aus dunkel fleischrothem Feldspath, wenigerem grauen Quarz, der nicht selten in kleinen Hexagon - dodecaëdern krystallisirt ist, und noch wenigerem brau - nen Glimmer, der in einzelnen wohl ausgebildeten Ta - feln nur hier und da eingesprengt ist. Der Granit, aus welchem die Säulen der Kasanschen Kirche be - stehen, ist porphyrartig und enthält ausser den ge - wöhnlichen Gemengtheilen des Granits noch Albit, der von grünlichweisser Farbe, regelmässig mit dem fleisch - rothen Feldspath verwachsen ist, und in einer 2 bis 3 Linien breiten Hülle, die 1 bis Zoll grossen Krystalle umgiebt. Diese Verwachsung giebt dem Granite der Kasanschen Küche noch ein besonders schönes An - sehen, der ihn noch über den der Isaacskirche erhebt.

Dass auch die ganze Einfassung der Newa, sowie der Kanäle in Petersburg aus Granit besteht, wurde schon erwähnt.

Was in Petersburg ausser dem Angeführten noch einen Gegenstand meiner besondern Aufmerksamkeit ausmachte, war die Platinreinigung und die Goldschei - dung. Erstere geschieht im Bergkorps und ist von dem Obersten beim Berg - und Ingenieurcorps, Herrn v. Sobolewskoy sehr einfach und praktisch einge - richtet worden. Herr v. Sobolewskoy hatte auch

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die Güte, uns ausführlich mit dem ganzen Process be - kannt zu machen; da er denselben seitdem selbst in Poggendorffs Annalen (Th. 33, S. 99) beschrieben hat, so ist es überflüssig, jetzt noch etwas darüber anzuführen.

Die Goldscheidung geschieht auf der Münze in der Festung. Das Gold vom Ural wird in Katharinen - burg nur geschmolzen und in Barren gegossen, im Kleinen auf seinen Gehalt an Silber probirt, aber von demselben nicht weiter geschieden. Die eigentliche Scheidung wird erst in Petersburg vorgenommen. Bei unserm Aufenthalt in dieser Stadt geschah sie noch auf die gewöhnliche Weise durch die Quart. Das Gold wird in dem schicklichen Verhältniss mit Silber ver - setzt, so dass auf 1 Theil Gold 3 Theile Silber kom - men, wobei man sich nach der kleinen Probe richtet, die in Petersburg wiederholt wird. Es wird darauf geschmolzen und granulirt, indem man es im geschmol - zenen Zustand in ein mit Wasser gefülltes eisernes Gefäss giesst, in welchem man einen Quirl umgehen lässt. Die granulirte Legirung wird nun mit reiner chlorwasserstofffreier Salpetersäure digerirt, 10 Pfunde der Legirung mit 20 Pfunden Salpetersäure, worauf das zurückbleibende reine Gold ausgewaschen und ge - schmolzen, die Auflösung aber mit Wasser verdünnt und in grossen Bottichen durch eingehängte Kupferstan - gen präcipitirt wird. Das auf diese Weise gewonnene Silber ist mit etwas Kupfer 4 bis 5 Proc. gemengt, und wird deshalb in einem Teste feingebrannt. Wenn die Bottiche eine Zeit lang gedient haben, werden sie zer - schlagen und verbrannt, um noch die Menge Silber zu gewinnen, die sich zu fest an das Holz angelegt hat, um auf eine mechanische Weise davon getrennt wer - den zu können.

Die salpetersaure Kupferauflösung wird durch Pott - asche, die durch Auslaugung von Holzasche gewonnen ist, gefällt, und dadurch ein basisch - kohlensaures

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Kupferoxyd erhalten, das als eine beliebte Malerfarbe unter dem Namen des Sibirischen Grüns in den Han - del kommt. Man bedient sich desselben häufig zum Anstreichen der mit Eisenblech gedeckten Dächer, die man in Russland, besonders bei Kirchen und andern grössern Gebäuden häufig sieht. Die Auflösung von salpetersaurem Kali lässt man krystallisiren, mengt das krystallisirte Salz sodann mit krystallisirtem Eisenvi - triol in dem Verhältniss von 4: 4 ½ und destillirt das Gemenge. Die Destillation geschieht in eisernen Re - torten, die die Form von Muffeln haben und deren zwei in einen Ofen gestellt werden. An zwei entgegenge - setzten Seiten haben die muffelartigen Retorten runde Oeffnungen; worin man die gläsernen Vorlagen ein - passt, die aus dem Ofen hervorragen und kühl er - halten werden. Der Rückstand in den Retorten wird ausgelaugt und das gewonnene Eisenoxyd in der Kai - serlichen Spiegelmanufactur zum Poliren benutzt

Das war die zu unserer Zeit gebräuchliche Me - thode das Gold zu scheiden; doch machte Hr. v. So - bolewskoy schon damals Versuche, die Scheidung mittelst Schwefelsäure in Platinagefässen zu versuchen, die recht gut glückten, daher auch diese Methode, wie ich höre, jetzt im Grossen ausgeführt und allein ange - wandt wird. Diese Methode ist nach Abzug des An - lagekapitals wohlfeiler als die mit Salpetersäure, und in Russland, wo an Platina kein Mangel ist, natürlich leichter als in jedem andern Staate auszuführen. Sie gelingt aber auch vollkommen in gusseisernen Gefäs - sen, und wird auf diese Weise von den Herren Beith in Hamburg nach einem sehr grossen Maasstabe aus - geführt.

Ueber die geognostische Beschaffenheit der Ge - gend von Petersburg haben wir wegen der zum Theil noch ungünstigen Witterung und aus Mangel an Zeit keine eigenen Beobachtungen angestellt. Wie man

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aus der vortrefflichen Beschreibung der Gegend vom Dr. Pan der 1) ersieht, finden sich in dem Plateau, wel - ches das Thal der Newa im Süden begränzt und sich etwa 15 Werste von Petersburg bis zu einer Höhe von 30 bis 40 Faden erhebt, dieselbe Formation wie in Ehst - land. Mehrere kleine Flüsse, wie die Tosna, Ischora, Slavenka, Pulkowka, Ligowka und Strelka, die sich theils in die Newa, theils in den Finnischen Meerbusen ergiessen, haben in dasselbe ihr Bett mehr oder we - niger tief eingegraben, und dadurch viele Profile ent - blösst, in welchen man die verschiedenen Gestein - schichten gut beobachten kann. Die unterste Schicht bildet auch hier:

1, ein lichter graulichblauer Thon. Er enthält keine Versteinerungen und hat eine noch ungekannte Mächtigkeit, da alle Versuche ihn zu durchdringen ver - geblich waren, obgleich man schon mehrere Faden tief in ihn hineingebohrt hat. Die Oberfläche desselben ist sehr uneben, und bildet oft tiefe Thäler und Mul - den. Auf ihn folgt

2, Sandstein. Er ist in horizontalen Bänken ab - gesondert, und ebenso stellt auch seine Oberfläche eine ziemlich ebene horizontale Fläche dar. Demnach ist aber seine Mächtigkeit bei der Unebenheit der Fläche, worauf er sich abgelagert, sehr verschieden; bald ist sie sehr bedeutend, wenn er die-Vertiefungen des dar - unter liegenden Thons ausfüllt, bald nur sehr gering,

[footnote reference]1) In dessen Beiträgen zur Geognosie des Russischen Reiches, Petersburg 1830. Mit der Herausgabe dieses Wertes, wozu der Ver - fasser seit langer Zeit die Materialien gesammelt hatte, das aber auffallend genug nur wenig betannt zu sein scheint, fanden wir Herrn Dr. Pander schon beschäftigt. Die vielen schönen Tafeln mit Versteinerungen waren schon lithographirt, und mit dem Druck sollte bald angefangen werden. Er hatte die Güte uns seine reich - haltigen Sammlungen von Versteinerungen zu zeigen, und darüber manche Erläuterung zu geben. Nicht weniger grosse Sammlungen von Versteinerungen hatte er auf einer Reise in der Krimm gemacht, die er ebenfalls bekannt zu machen gedachte.
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wo er auf den Erhabenheiten desselben aufliegt. Seine untern Schichten sind weiss, feinkörnig und fest, und bis zu einer Höhe von mehreren Fussen vom Thone ganz von Versteinerungen frei. Die mittlern Schichten werden aber loser, und hier stellen sich kleine Mu - schelfragmente ein, die mit zunehmender Höhe auch an Menge und Grösse zunehmen und in den obern Schichten, wo der Sandstein wieder fest, aber gelblich bis röthlichbraun gefärbt ist, in grosser Menge vor - handen sind. In dem mittlern losen Sandsteine sind sie allenthalben zerstreut, sehr oft aber in mehrere Linien bis 1 Zoll mächtigen Schichten zusammenge - häuft, in welchen die besten Exemplare vorkommen. Diese Muscheln, die ganz mit den ähnlich vorkommen - den von Ehstland übereinkommen, nennt Hr. Pan der Unguliten und danach den Sandstein Uuguliten - Sandstein. Der Sandstein ist in einigen Gegenden (am deutlichsten an dem steilen linken Ufer der Ischora bei dem Dorfe Podolowa) von einer 3 bis 4 Zoll mächti - gen Eisenkiesschicht bedeckt, die auch aus verkiesten Unguliten besteht, was man oft ganz deutlich an ein - zelnen Eisenkiesparthien sehen kann, die sich einzeln in den obern Sandsteinlagen finden. Auch dünne Thon - lagen kommen zuweilen in dem Sandsteine vor. Ueber diesem Sandstein liegt:

3, Thonschiefer oder Alaunschiefer. Er ist gräulichschwarz und findet sich in horizontalen dünn - schiefrigen Lagen, deren Mächtigkeit von einigen Zol - len bis zu 4 Fussen wechselt. Herr Dr. Pan der hat darin noch keine Versteinerungen beobachtet, doch möchten sie darin wohl noch später gefunden werden, da sie ja auch in dem ähnlichen Gesteine von Ehst - land (s. oben S. 23) vorkommen.

4. Trilobiten - oder Ueber gangskalk st ein. Er wird auch hier wie in Ehstland von dem darunter liegenden Thonschiefer durch eine Schicht Grünerde getrennt, welche in jenen nirgends übergeht, und

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bei Podolowa an der Ischora eine horizontale Fuss mächtige Schicht bildet. Nach oben geht sie aber all - mählig in den Kalkstein über, und zieht sich sodann zu kleinen grünen Körnern zusammen. Hr. Dr. Pander erwähnt hier ebenfalls der Aehnlichkeit dieses Kalksteins mit dem Grünsande, führt aber auch an, dass man wegen dieser Aehnlichkeit ihn nicht zur Kreideforma - tion rechnen könne, da seine Versteinerungen ganz verschieden wären und er nicht eine einzige enthielte, die mit einer in der Kreide übereinstimmte 1). Die Farbe des Kalksteins ist hellgelb, dunkelgrau, auch röthlich, uud in den untersten Schichten von der bei - gemengten Grünerde grün. Seine mittlern Schichten sind mit Thon gemengt und daher weniger fest als die obern und untern, die davon freier sind. Die Steine der mittlern Lagen werden daher vorzugsweise ge - brannt und zum Mörtel benutzt, während die der obern und untern Lagen behauen und zu Bausteinen ange - wandt werden.

Die Versteinerungen werden in den mittleren Schichten am besten gefunden, besonders in den Thon - lagen, die zwischen den Kalksteinschichten liegen. Unter diesen sind die Trilobiten am häufigsten, nächst - dem finden sich Terebrateln, Orthoceratiten, Korallen. Die Kalksteinschichten liegen stets horizontal und sind durch vertikale Klüfte in grössere oder kleinere paral - lelepipedische Stücke getheilt. Der Kalkstein geht bis

[footnote reference]1) Auch Brongniart ist durch die Aehnlichkeit dieses Gesteins mit dem Grünsande zweifelhaft gemacht worden, wie aus einer Stelle in seinem Werke über die Trilobiten hervorgeht, die Pander citirt. Er spricht nämlich S. 55 von einem Trilobiten, der bei Koschelewa gefunden worden: Ici la roche, qui renferme les Trilobites, semble indiquer ua terrain très-différent de tous les autres: c’est un cal - caire d’un gris jaunâtre ..... rempli de grains verts, absolument semblables aux grains verts de la craie chloritée, et indiquant par conséquent, aussi bien qu’un seul échantillon puisse le faire, un cal - caire beaucoup plus nouveau que tous ceux qu’on connaît jusqu'à présent, pour renfermer des Trilobites.
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zur Oberfläche und ist bei der Unebenheit derselben daher zuweilen nur einige Fuss, zuweilen mehrere Faden mächtig. Die Ufer der grösseren Bäche, wie der Ischora und Tosna, sind gewöhnlich auf mehrere Werste von den oberen Schichten entblösst, und die Thäler dieser Bäche daher sehr breit. An der Popowka und in den Schluchten von Krasnooje-Selo sind sie zum Theil noch alle erhalten, und erreichen daher eine beträchtliche Höhe, die sich am stärksten in den Duderhoffschen Bergen zeigt, wo der Kalkstein eine Mächtigkeit von 30 bis 40 Faden haben kann.

Ausser diesen zur Uebergangsformation gehörigen Gebirgsgesteinen finden sich in der Gegend von Peters - burg nur noch einige ganz neue Bildungen. Dahin gehört der Kalktuff und der Torf. Ersterer findet sich besonders bei dem Dorfe Pudost, einige Werste östlich von dem Kaiserlichen Schlosse Gatschina, wo er sich durch Absatz aus dem Wasser des Baches Pudost noch täglich bildet. Er ist sehr tauglich znm Kalkbrennen, wird aber auch, weil er eben gebrochen, sich leicht bearbeiten lässt, bei längerm Liegen in der Luft aber erhärtet, auch als Baustein viel benutzt. Das Schloss Gatschina und die Kasansche Kirche in Petersburg sind daraus gebaut. Der Torf wird besonders in der Gegend des Besborodkoschen Gartens bei Petersburg gegraben.

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II. Reise von Petersburg nach Katharinenburg.

Abreise von Petersburg. Reiseeinrichtungen. Russische Dörfer. Waldaische Berge. Canalverbindung in Russland. Moskau. Uebersicht der Stadt. Naturhistorische Sammlungen. Wla - dimir. Ueberfahrt über die Oka bei Murom. Nischni - Now - gorod. Wasserfahrt auf der Wolga. Kasan. Universi - tät. Lage der Stadt. Excursion nach den Ruinen von Bolgari. Der Saban der Tartaren. Hohes mit Wald bedecktes Plateau zwischen der Wjatka und Kama. Wotjäken. Ku - pferhaltige Sandsteinformation auf der Ostseite des Urals. Perm. Gypshöhle von Kungur. Vorberge des Urals in Bisserskaja. Eisenhütten Bilimbajewsk und Schaitansk. Wassertheiler. Profilreise durch den Ural. Katharinenburg.

Am 20sten Juni Morgens waren alle Anstalten zu unsrer Reise vollendet; wir konnten Petersburg ver - lassen. Unsere Reisegesellschaft hatte sich nun ver - mehrt; wir hatten durch die Vorsorge des Hrn. Grafen v. C an er in zu unsrer Begleitung einen Russischen Bergofficier erhalten, Hrn. Oberhütten-Verwalter Men - schenin, der der französischen Sprache vollkommen und etwas auch der deutschen mächtig, uns als Führer und Dolmetscher dienen sollte; ferner hatte Hr. v. Humboldt noch einen Courier engagirt, der die Pferde auf den Stationen bestellen und bezahlen sollte, und einen Koch, der bei einer grösseren Reisegesellschaft eine noth - wendige Person ist, da schon jenseits Moskau die Wirthshäuser aufhören und man auf den Stationen auf dem Lande nur die Pferde und die Freiheit erhält, in einem für die Reisenden reservirten Zimmer sich auf -

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zuhalten, und in der Küche des Hauses sich die Speisen zu bereiten, so gut als es die Gelegenheit gestattet. In den Städten haben sich die wohlhabendem Bürger verpflichtet, die Reisenden aufzunehmen; man hat bei der Ankunft in einer Stadt sich an den Polizeimeister zu wenden, der dem Reisenden sein Quartier in demjeni - gen Hause anweist, das gerade an der Reihe ist, in welchem man dann bei der mit Recht so gerühmten Sibi - rischen Gastfreiheit nicht nur Aufenthalt, sondern häufig auch Bewirthung erhält, zumal wenn man etwas der Russischen Sprache mächtig, es versteht, sich seinen Wirthen angenehm zu machen. Zu unserer auf Be - fehl des Kaisers unternommenen und einem öffentlichen Zwecke gewidmeten Expedition war durch die grosse Strecke von 14,500 Wersten (über zwei tausend geo - graphischen Meilen), die wir zurückzulegen hatten, überall auf das beste für Pferde und Wohnung gesorgt. Bei unserer durch den Courier gemeldeten Ankunft, wurden wir in der Regel schon an den Thoren von dem Polizeimeister bewillkommnet und nach dem für uns bestimmten Quartiere geführt.

Eine Vorsichtsmaassregel hatten wir jedoch ver - nachlässigt; wir hatten uns nicht mit Matratzen, ver - sehen, die man in Russland ganz gewohnt ist auf Reisen mitzunehmen, da man an den Orten, wo man übernachtet, in der Regel nie Betten, häufig zwar mit Leder überzogene Sophas, aber ebenso häufig auch nur hölzerne Sopha-Gestelle findet. In Katharinenburg wurde daher diesem Mangel abgeholfen, wodurch un - ser Gepäck zwar sehr vermehrt, aber auch ein fast unabweisliches Bedürfniss befriedigt wurde.

Wir hatten zur Reise drei ganz neue Wagen er - halten, eine halbe Chaise für Hrn. v. Humboldt und einen von uns dreien, eine grössere, auch auf Federn ruhende sogenannte Britschke, und einen offenen Wagen für den Courier und den Koch. Ich kann es nicht unterlassen, die Vortrefflichkeit der beiden ersten Wa -

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gen zu rühmen; sie haben die ganze Reise ausgehalten und erst auf der Rückreise in Astrakan eine Reparatur von einiger Bedeutung nöthig gemacht, was bei dem ste - ten Gebrauche derselben, meistens Tag und Nacht, und bei den steinichten Wegen im Ural und Altai gewiss nicht wenig sagen will. Der dritte Wagen war fertig ge - kauft und bedurfte freilich einer öftern Ausbesserung.

Die Wagen waren geräumig genug, um uns und unsere Instrumente aufzunehmen, und uns einen für eine lange Reise wohl wünschenswerthen, bequemen Aufenthalt zu gewähren; doch dauerte diess wegen der anwachsenden Sammlungen nicht lange. Bei der grossen Entfernung des Ural und Altai von Peters - burg mussten wir die Möglichkeit voraussetzen, dass nicht alle Kisten, worin wir die an den verschiedenen Orten gesammelten Gegenstände verpackten, regelmässig ankommen würden; wir suchten daher von allem etwas, was wir für das wichtigste hielten, selbst mitzunehmen. Dadurch wurde aber der Raum zuletzt so beschränkt, dass wir oft nur sehr unbequem sassen, was uns bei der Schnelligkeit der Reise, die meistens auch bei der Nacht fortgesetzt wurde, sehr lästig geworden wäre, wenn wir uns nicht daran gewöhnt hätten. Diese Vorsicht, die wir für unsre Sachen trugen, ist zwar ganz unnöthig gewesen, denn von den vielen Kisten, die in verschiedenen Transporten nach Peters - burg und von da nach Berlin gesandt worden sind, ist auch, Dank sei es der Fürsorge der Russischen Be - hörden, nicht eine einzige verloren gegangen, aber die Klugheit gebot es doch, die Früchte unsrer Reise nicht aufs Spiel zu setzen.

Der Weg nach Moskau führt auf der grossen Kaiserstrasse entlang, die meistens in schnurgerader Richtung fortgeht und eine ausserordentliche Breite hat. Sie übertrifft in derselben die Preussischen Kunst - strassen wohl um das Doppelte, was bei den grossen Entfernungen in Russland um so auffallender scheint,

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da man in derselben Zeit und mit denselben Kosten die Chausseen, wenn auch nicht noch einmal, doch um ein Drittheil weiter hätte führen können. Doch muss man bedenken, dass man in Russland fast stets im Galopp von einer Station zur andern fährt, und die Pferde sehr häufig zu vieren in einer Reihe spannt, von denen die zu den Seiten laufenden meistens die Köpfe nach auswärts zu tragen gewöhnt sind, wodurch sie einen bedeutenden Raum einnehmen; dass man die Wege also auch so breit machen muss, dass zwei auf diese Weise bespannte Fuhrwerke im Galopp bequem vor - überfahren können. Aber bei alle dem scheint doch die Breite überflüssig gross zu sein. Auf den Statio - nen findet man vortrefflich eingerichtete Posthaltereien, die auf einigen Stationen besonders luxuriös einge - richtet sind. Diese sind auf den gedruckten Reise - routen besonders angemerkt, daher der Reisende, der Bequemlichkeit und einen guten Tisch liebt, sich da - nach einrichten kann.

Wir verliessen bald hinter Petersburg die gerade Strasse nach Moskau und bogen rechts ab nach dem Städtchen Zarskoje-Selo, um das daselbst befindliche Kaiserliche Lustschloss zu besuchen. Das Städtchen liegt an dem Abhange der höhern Ebene, die sich in 15 bis 20 Werste Entfernung von der Newa und dem Finnischen Meerbusen erhebt; das Schloss schon auf der Höhe selbst. Es ist mit grosser Pracht aufgeführt und erinnert in seiner Bauart an das Schloss von Ver - sailles. Bei einem Brande des Städtchens im Jahre 1820 wurde es sehr beschädigt, und ist daher nach der Zeit zum Theil neu ausgebaut. Hinter dem Schlosse liegt der Garten, in welchem eben das erste Grün zu sprossen anfing; es war ein schöner heitrer Tag; die Temperatur des Mittags 15 R.

In Ischora, der ersten 33 Werste von Petersburg entfernten Station, erreichten wir wieder die gerade Strasse. Mit dieser Station hört auch bald der Anbau

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des Landes auf, und ein dichter, grösstentheils sehr sumpfiger Wald empfing uns, in welchem wir auch die Nacht hindurch fuhren. Um 7 Uhr des folgenden Morgens erreichten wir Nowgorod, die alte, vormals so berühmte Hansestadt. Sie hat eine schöne Lage auf dem rechten Ufer des Wolchow, wo dieser aus dem Ilmen-See heraustritt. Nur ein kleiner Theil der Stadt mit der alten Sophienkirche liegt auf dem lin - ken westlichen Ufer des Flusses; zu ihm führt eine Brücke, auf welcher man eine weite Aussicht, den Wol - chow abwärts sowohl als aufwärts, nach dem Ilmen - See hat, der jetzt noch ganz mit Eis belegt war.

Nach einigen Stunden Aufenthalt fuhren wir wei - ter. Eine schöne steinerne Brücke mit eisernem Gelän - der führt über den kleinen Wolchow, und eine ähnliche wurde über die darauf folgende Msta gebaut; da sie noch unvollendet war, setzten wir mit einer Fähre über den Fluss. Dieser wie der kleine Wolchow er - giessen sich bald nach einander und östlich von dem Austritt des grossen Wolchow in die Nordseite des Ilmen-See. Jenseits der Msta liegt das Dorf Bron - nitzü, an dessen südwestlicher Seite ein grosser kegel - förmiger Hügel sich erhebt, der oben durch eine Kirche gekrönt ist.

So freundlich auch die Russischen Dörfer von fern aussehen, da sie meistens alle eine steinerne Kirche haben, deren weisse Mauern und grüne Kuppeln schon von Ferne entgegenleuchten, so einförmig und traurig sehen sie doch im Innern aus. Die Häuser sind wie die Schwedischen und Norwegischen Bauernhäuser aus übereinander gelegten roh behauenen Baumstäm - men aufgeführt, vorn mit allerlei Schnitzwerk oft ganz kunstreich verziert, doch alle nach einem Styl erbaut. Sie stehen mit ihrer Giebelseite nach der Strasse und sind durch grosse hölzerne Zäune untereinander ver - bunden. Auch die Strasse ist mit grossen hölzernen Bohlen belegt, und daher, um nicht zu viel Holz dazu

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zu gebrauchen, nicht sehr breit. Kein Baum ist in dem ganzen Dorfe zu sehen, kein Garten trennt die Häu - ser voneinander, deren Abwechselung den Dörfern Deutschlands oft ein so heitres Ansehen giebt. Alles ist eng zusammengebaut, und offenbar mehr auf den Winter, als auf den Sommer berechnet; aber man kann sich des Grauens nicht erwehren, wenn man bedenkt, wie schnell ein entstehendes Feuer um sich greifen und wie gross dann die Gefahr sein muss, da nicht allein die Häuser, sondern auch die Strassen brennen. Man wird zu dieser Betrachtung um so mehr veran - lasst, wenn man die Unvorsichtigkeit sieht, mit welcher die Bauern mit dem Feuer umgehen, da sie sich sel - ten der Lichter oder Laternen, sondern gewöhnlich eines brennenden Holzspans zum Leuchten bedienen.

Bei einbrechender Nacht waren wir in dem Städt - chen Waldai, das auf dem kleinen Höhenzuge gleiches Namens liegt, welcher die Wasserscheide für die in die Ostsee und das Kaspische Meer fallenden Gewäs - ser bildet. Um denselben etwas näher kennen zu ler - nen, blieben wir den Rest der Nacht in der etwa eine Stunde von Waldai entlegenen Station Simogorie und wandten den folgenden Vormittag dazu an, die bedeu - tendsten Höhen zu besuchen und barometrisch zu be - stimmen. Wir gingen wieder nach Waldai zurück, besuchten von da aus zuerst den See im Osten und sodann die grossen Höhen im Westen der Stadt. Der See war noch mit Eis bedeckt; seine südlichen Ufer sind flach, die östlichen dagegen mit bewaldeten - geln umgeben; an seinem nördlichen Ende liegt auf einer Insel ein Kloster, das im Sommer eine sehr an - genehme Lage haben muss. Den grössten Hügel im Westen der Stadt bildet die Popowa Gora, welche jedoch nur die geringe Höhe von ungefähr 800 Fussen über dem Meere hat, wie gleich näher angeführt wer - den wird. Etwas weiter südlich liegt der Seliger - See, der sein Wasser der Wolga zuführt.

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Anstehendes Gestein sahen wir nirgends; die - gel bestehen aus Sand und Lehm, sind aber mit grös - sem und kleinern Geschieben häufig bedeckt, die theils aus Granit und andern sogenannten Urgebirgsarten, theils aus einem dichten Kalkstein bestehen. Unter den erstern fand ich am See Waldai ein grosses Geschiebe von Hornblendeschiefer, in welchem in der Mitte sich eine Schicht befand, die grosse Krystalle von Stauro - lith enthielt. Dieser härter als der umgebende Horn - blendeschiefer war an der Oberfläche durch die Einwir - kung der Atmosphäre nicht zerbröckelt und ragte nun aus dem umgebenden Gestein hervor, indem er gleich - sam um das Geschiebe einen Kranz bildete. Die Kry - stalle des Stauroliths waren von ansehnlicher Grösse, und übertrafen in dieser Rücksicht noch die bekannten von der Bretagne. Sie waren alle zwillingsartig ver - wachsen, fanden sich aber sowohl in rechtwinkligen, als auch in schiefwinkligen Durchwachsungen. Die Kalksteingeschiebe enthalten viel Versteinerungen, be - sonders von Ammoniten, die noch ihre natürliche Schale und den perlmutterartigen Glanz behalten haben. Viel - leicht stehen auch in einiger Tiefe Kalksteinschichten an, und gehen an andern Orten zu Tage aus, doch haben wir diess nicht gesehen. Bei dem Dorfe Boro - witschi an der Msta, das durch die der Schiffahrt so hinderlichen Wasserfälle bekannt ist, und einige 50 Werste im NO. von Waldai liegt, haben sich Stein - kohlenlager gefunden, die indessen nur schwach sein und schlechte Kohlen enthalten sollen.

Gleich hinter Simogorie senkt sich der Boden all - mählig, doch im Ganzen nicht sehr bedeutend bis zur folgenden Station Jedrowo, die wiederum an einem Seee liegt, dessen Ufer mit einer grossen Menge von Feuer - steingeschieben bedeckt sind. Bis hierher war nur die Chaussee vollendet, wir kamen nun wieder auf die alte Landstrasse, was wir sehr übel empfanden, da der Weg stellenweise überaus sandig war. Doch dauerte diese

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Unterbrechung glücklicher Weise nicht lange, denn von der Stadt Twer an, die wir am Mittag des folgenden Tages erreichten, kamen wir wieder auf Chaussee, die von hier bis Moskau schon ganz fertig war.

Die nächste Stadt hinter Waldai, durch welche der Weg führt, ist Wüschni-Wolotschok. Sie liegt schon an der Twerza, einem Nebenfluss der Wolga, und ist durch den Kanal merkwürdig, der von hier aus bis zur Msta geführt ist. Dieser Kanal verbindet daher das Kaspische Meer mit der Ostsee und macht es möglich die Produkte Astrakans zu Wasser bis nach Petersburg zu bringen 1). Wir erreichten indessen

[footnote reference]1) Vor der Anlage dieses Kanals mussten die Waaren, welche aus dem Innern Russlands nach Petersburg gingen in der Twerza aus - geladen und zu Lande bis zur Msta gebracht werden, von welchem Landtransport Wüschni-Wolotschok, welches die höchste Ueberfahrt bedeutet, seinen Namen erhalten hat. Diesem Uebelstande ist theils durch die Anlage des nur 2 ½ Werste langen Kanals theils durch die Schiffbarmachung der obern Twerza und Msta abgeholfen, welche auf eine sehr sinnreiche Weise dadurch bewerkstelligt wird, dass Wasser aus kleinen nahe liegenden Seen und Flüssen in die Twerza geleitet wird, wenn eine Karawane von Barken in derselben angekommen ist. Hier - durch wird der Wasserstand in der Twerza erhöht, und die Barken gelangen bis zum Kanal bei Wüschni-Wolotschok. Hier angelangt, wird die Schleuse in der Twerza geschlossen, und Wasser aus andern Re - servoirs in den Kanal und die Msta geleitet, wodurch es möglich wird, die Barken bis nach Opetschenskoi Rädok zu bringen. Ein zweiter Wasserzutluss erhöht hier den Spiegel der Msta so, dass die Barken auch über die Borowitzkischen Wasserfälle gelangen können. Dieses ganze höchst künstliche System von Anschwellungen ist von einem Müller Serdjukoff erdacht worden, der es in den Jahren 1707 -1711 durch höchst einfache Mittel auch zu Stande brachte. Seitdem ist es von der Regierung noch verbessert und erweitert wor - den. Dennoch ist es aber nur möglich auf diese Weise eine bestimmte Anzahl von Barken, die nicht über 4000 steigen kann, aus der Twerza in die Msta zu bringen. Diese Anzahl reicht aber jetzt bei weiten nicht hin, Petersburg mit dem Waarenbedarf aus dem Inlande zu versorgen, viel weniger den zum Verschiffen ins Ausland bestimmten herbeizuschaffen. Ausserdem hat diese Wasserverbindung den Nach - theil, dass wegen der ganzen Einrichtung derselben, besonders aber wegen der Borowitzkischen Wasserfälle die Barken wohl nach Peters -
[footnote reference]69

den Ort erst in der Nacht und reisten daher gleich weiter, ohne von der sonst sehr merkwürdigen Art der Beschiffung dieses Kanals nähere Kenntniss zu nehmen.

Der Weg folgt nun von Wüschni-Wolotschok dem Laufe der Twerza bis zu ihrer Einmündung in die

[footnote-continued reference]burg gelangen, aber nicht wieder zurückkehren können. Man konnte also auf diese Weise nicht allein keine Waaren aus Petersburg und dem Auslande nach dem Innern bringen, der Transport musste auch mit jedem Jahre theurer werden, da die Barken, welche in Petersburg bei der jedesmaligen Ankunft verkauft werden, für einen jeden neuen Transport in dem Innern von Russland neu gezimmert werden muss - ten, und deshalb bei der vergrösserten Nachfrage und dem seltener werdenden Baumaterial stets im Preise stiegen.
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]Deshalb wurde unter dem Kaiser Alexander in den Jahren 1802 - 11 noch eine andere Wasserverbindung der Wolga mit der Newa durch den 175 Werste langen Tischwinschen Kanal hergestellt, durch welche die Tischwinka, ein Nebenfluss des Säss, der sich nur 10 Werst östlich vom Wolchow in den Ladoga-See ergiesst, mit der Waltschina in Zusammenhang gebracht ist, welche nach ihrem Durchfluss durch den Sominskischen See, Somina genannt, durch den Gorium und den Tschagodasch mit der Mologa zusammenhängt, die bei der Stadt Mo - loga sich in die Wolga ergiesst. Diese Wasserverbindung hat vor der erstem den Vorzug, dass die Schiffe aus der Wolga in die Newa gehen und wieder dahin zurückkehren können; da sie aber nur für kleine Schiffe möglich ist, so wurde in den Jahren 1814-1820 noch eine dritte Wasserverbindung hergestellt, welche aus der Wolga über den Onega-See in die Newa geht. Diese Verbindung ist durch den 97 Werste langen Marienkanal bewirkt, welcher die Wytegra, einen Zufluss des Onega-Sees, mit der Kowscha verbindet, die sich in den See Beloje ergiesst. Da nun der Onega-See einerseits durch den Swir mit dem Ladoga-See und der Newa zusammenhängt, aus dem See Beloje aber die Scheksna heraustritt, die bei Ribinsk etwas unter - halb von Mologa in die Wolga fällt, so ist auf diese Weise durch den Marienkanal auch die Newa und Wolga verbunden.
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]Diese dritte Wasserverbindung ist seitdem die wichtigste gewor - den, da sie mit dem Vorzug der zweiten, hin und zurück benutzt werden zu können, noch den Vortheil verbindet, für Fahrzeuge aller Art und Grösse schiffbar zu sein. Ausführlichere Nachrichten über diese drei Wasserverbindungen der Wolga mit der Newa findet man in den Russischen Miscellen von G. Engelhardt Th. 2, S. 3, aus welchen die obigen Nachrichten entlehnt sind.
[footnote-continued reference]70

Wolga bei Twer, und geht ohne ihre Krümmungen mitzumachen, bald auf dem linken bald auf dem rech - ten Ufer. Am Morgen des 23sten waren wir in Tor - schok, den Mittag in Twer, der grössten Stadt, die auf dem Wege von Petersburg bis Moskau liegt, von wo wir nun schnell auf der wiedererlangten Chaussee nach Moskau fuhren, und dort am Mittag des 24sten Mais, also nach einer Reise von Tagen von Peters - burg aus, den Aufenthalt in Zarskoje-Selo und in Wal - dai mitgerechnet, eintrafen.

Auf dem Wege von Petersburg bis Moskau hat - ten wir, wie auch später, sehr gesucht, unsere Baro - meterbeobachtungen zu vervielfältigen. Ein Bunten - sches Heberbarometer wurde oft mit einem grossen vortrefflichen Fortinschen Gefässbarometer verglichen, aber da wir bisher noch keine correspondirende Beo - bachtungen von Moskau und Petersburg zu denselben Tagen und Stunden erhalten haben, so können wir keine genauen Resultate über die Höhe desWaldaischen Bergrückens geben. Der Luftdruck änderte sich wäh - rend der vier Tage unseres Aufenthaltes in Moskau um volle 4,4 Linien. Ja der Professor der Physik daselbst, Herr Perewostschikoff, dem wir die sehr genaue fünfjährige mittlere Barometerhöhe von Moskau verdanken, benachrichtigte Herrn v. Humboldt, dass im Mai 1829 die Quecksilbersäule, bei einer Ver - änderung der Temperatur von kaum R. um 12,3 Linien (Pariser Maass) oscillirt hatte. Da bei kleinen Erhebungen über der Meeresfläehe Barometerschwan - kungen von halben Linien schon Veränderungen in dem Resultate der Höhenbestimmung hervorbringen, die als aliquote Theile des Ganzen sehr beträchtlich scheinen, so sind bekanntlich gerade diese kleinen Er - hebungen, wie sie die baltischen und slawischen Ebe - nen bis zum Ural darbieten, am schwierigsten barome - trisch zu bestimmen. Nur Mittel aus einer grossen Zahl correspondirender Beobachtungen können entscheiden,

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und es wäre zu wünschen, dass wenn auch nur 5 bis 6 Tage lang, gleichzeitig in Petersburg, Waldai und Moskau mit wohl verglichenen Instrumenten beobachtet werden könnte.

Wir beobachteten am 21sten Mai in Nowgorod im Niveau des Wolchow, am nördlichen Abhange des Waldai, auf dem Rücken selbst, und in Nowaja Ijitza, wo die Häuser stehen; am 22sten um 7 Uhr Morgens am Ufer des Waldai-Sees, am Mittag auf der Po - powa Gora, dem höchsten Gipfel des Rückens, am Abend endlich bei dem Dorfe und See Jedrowo am südlichen Abhange des Waldaischen Höhenzuges und in Wüschni-Wolotschok. Mit Petersburg verglichen, scheint die Popowa Gora 794 Fuss über dem balti - schen Meere zu liegen. Vergleichungen mit Moskau waren unmöglich, da am 24sten das Barometer dort dergestalt niedrig stand, dass es dort fast ganz so, als am Ufer des Waldai-Sees befunden wurde, wäh - rend der Unterschied über 4 Linien betragen sollte.

Fassen wir die Beobachtungen desselben Tages zusammen, in der eben nicht ganz wahrscheinlichen Voraussetzung der Stetigkeit des Barometerstandes, so finden wir den Gipfel der Popowa Gora 115 Fuss über dem Spiegel des Waldai-Sees, und Wüschni - Wolotschok 126 Fuss unter jenem Seespiegel. Für Torschok würde der Petersburger Barometerstand vom 20sten Mai 517 Fuss über dem Meere, für den nörd - lichen Theil des Plateaus des Waldai 660 Fuss geben: aber diesen Resultaten ist aus den vorher entwickelten Gründen nur annäherungsweise zu trauen. Die schärf - sten Beobachtungen führen bei schlecht begründeten Combinationen zu irrigen Resultaten.

Eine Stunde vor Moskau kommt man bei dem Pe - troskischen Pallast vorbei, der durch den Aufenthalt merkwürdig ist, den Napoleon während des Brandes von Moskau in ihm nahm. Nach seinem Abzuge liess er ihn abbrennen, jetzt ist er aber wieder aufgebaut.

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Der Anblick, den Moskau schon in der Feme ge - währt, hat die Bewunderung aller Reisenden erregt. Die unendliche Menge von Thürmen, die sich bald mit vergoldeten oder grün angestrichenen Kuppeln, bald in der Form von Minarets erheben, die vielen Gärten und Bäume zwischen den Häusern geben der Stadt ein ganz orientalisches Ansehen. Man übersieht sie am besten von dem Iwan Welikoi, dem grossen Iwans - thurme in dem Kreml, welcher den Mittelpunkt der Stadt bildet. Dieser liegt mit dem östlich darangrän - zenden Kitai-Gorod (der sogenannten mittlern Stadt) auf dem hohen nördlichen Ufer der Moskwa, und zwar an der äussern Seite eines nach Norden gerichteten Bogens, welchen ihr Lauf hier bildet. Den Kreml und Kitai-Gorod umgiebt an der dem Flusse abgewandten Seite hufeisenförmig der Beloi Gorod (die weisse Stadt) und diesen wiederum ringförmig der Semlenoi-Gorod (die Erdstadt), der auch auf das jenseitige linke Ufer der Moskwa hinüberreicht. An den Semlenoi-Gorod schliessen sich nach allen Seiten die weitläufigen Vor - städte an, an deren Ostseite sich eine bebaute hüg lichte Landschaft hinzieht, dagegen an der Westseite den Horizont eine Hügelreihe, die Sperlingsberge ge - nannt, begränzt, über welche die Strasse nach Smo - lensk führt.

Der Kreml enthält den alten Zarenpallast, mehrere Kathedralen, Kirchen und Klöster, das alte und neue Arsenal und eine Menge anderer Kronsgebäude. Er ist mit einer dicken und hohen Mauer, die ein unre - gelmässiges Polygon darstellt, und an jeder Ecke mit einem Thurme flankirt ist, umgeben, um welche sich statt der ehemaligen Wälle eine schöne und breite Allee hinzieht. Auch der Kitai-Gorod ist noch mit einer Mauer umgeben, der Beloi und der Semlenoi - Gorod sind dagegen mit Boulevards eingefasst, die schöne Spaziergänge darbieten. Der Kitai-Gorod ist

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gedrängt gebaut und seine Häuser schliessen enge aneinander; hier befindet sich der Gostinoi-Dwor oder das Kaufhaus 1), und hier herrscht überhaupt die grösste Geschäftigkeit und das meiste Leben; die übrigen Stadttheile sind weitlänftiger gebaut, und die Häuser häufig mit Gärten voneinander und von den Strassen getrennt, wodurch der Anblick Moskaus von der Höhe ein überaus freundliches Ansehen erhält, die Entfer - nungen der verschiedenen Theile von einander aber noch grösser als in Petersburg werden.

Die Zahl der Thürme von Moskau ist ausseror - dentlich gross, da jede Kirche gewöhnlich deren meh - rere und ausserdem noch einen Glockenthurm hat. Man zählt im Ganzen an 600 solcher Thürme. Sie haben wie die Russischen Kirchthürme überhaupt meistentheils ein eigenthümliches Ansehen, indem sie gewöhnlich sich in Spitzen endigen, die eine zwiebelförmige Er - weiterung und auf derselben ein Kreuz tragen. Diese zwiebelförmigen Erweiterungen sind mit grün ange - strichenem Eisenblech oder Kupferblech gedeckt, bei den Kathedralen des Kremls sind sie aber stark ver - goldet, und ausserdem befindet sich über denselben noch ein nach oben gekehrter Halbmond, auf welchem dann erst das Kreuz steht. Bei diesem allgemeinen Ansehen weichen die Formen der Thürme doch im einzelnen sehr von einander ab, wie diess besonders bei der Kirche des Wassili Blaschenni (des seligen Basilius) im Katai-Gorod der Fall ist, deren Beda - chung fast aus lauter Kuppeln und Thürmen besteht, die alle von einander verschieden sind, und durch die Sonderbarkeit der Formen und ihre bunten contrasti -

[footnote reference]1) Dergleichen Kaufhäuser sieht man auch in Petersburg und mehr oder weniger gross in fast allen Russischen Städten; es sind gewöhn - lich viereckige Gebäude, deren untere Stockwerke aus lauter neben - einander liegenden Läden bestehen, vor denen eine bedeckte Gallerie hinläuft.
[footnote reference]74

renden Farben auffallen, aber bei alle dem im hohen Grade Bewunderung und Interesse erregen 1).

Diese vielen Thürme geben aber besonders Mos - kau das eigenthftmliche Ansehen. Sie sind alle von Stein aufgeführt und grösstentheils auf Plätzen gele - gen, und wurden daher bei dem Brande im Jahr 1812 von der Flamme nicht ergriffen, daher auch Moskau durch diesen von seinem eigenthümlichen Ansehen nichts oder wenig verloren hat, zumal da auch der Theil des Kremls, der durch Napoleon gesprengt wurde, ganz in dem nämlichen Styl wie früher wieder auf - geführt ist.

In dem neuen Arsenal (Oruscheinaja Palata) im Kreml befindet sich der Schatz, in welchem die Kro - nen, Scepter, Throne, Waffen und Trinkgefässe der Grossfürsten und Zare Russlands nebst andern neuern Merkwürdigkeiten aufbewahrt werden. Er bildet eine Sammlung von Kostbarkeiten, die wegen ihres zum Theil sehr hohen Alters und ihres Kunstwerthes für den Alterthumsforscher und Künstler von grosser Wich - tigkeit, wegen des Reichthums an Edelsteinen, mit denen sie besetzt sind, aber auch für den Mineralo - gen nicht ohne Interesse sind. Die Kronen ruhen auf Kissen, welche auf besondern Piedestalen liegen; die Throne stehen an der Wand des Saales auf besonderen Erhöhungen. Die Kronen sind mit Diamanten, Rubinen, Smaragden, Türkissen und Perlen besetzt; die gröss - ten Edelsteine befinden sich gewöhnlich auf der Spitze der Kronen unter dem Kreuze. Unter diesen fiel mir ein grosser gelber ungeschliffener Edelstein auf, der höchst wahrscheinlich, soviel ich nach flüchtiger Be -

[footnote reference]1) Die Kirche wurde im Jahre 1554 auf Befehl des Zaren Ioann Wassiljewitsch des Grausamen erbaut; man sagt, der Zar sei mit der Arbeit so zufrieden gewesen, dass er dem Baumeister habe die Augen ausstechen lassen, damit er nie wieder im Stande wäre, ein zweites Meisterstück der Art auszuführen.
[footnote reference]75

sichtigung urtheilen konnte, ein gelber Saphir ist. Die älteste Krone, die sich in dem Schatze befindet, ist die, welche der Griechische Kaiser Alexius Comnenus im Jahre 1116 dem Grossfürsten Wladimir Monomachus nach Kiew sandte, wo sie zur Krönung des Grossfür - sten diente. Die Masse der Kostbarkeiten, die hier aufbewahrt wird, ist ausserordentlich und vielleicht die grösste, die an einem Orte gesammelt ist, da sie noch an Werth die Schätze des Jewel office im Tower von London übertreffen soll, die auf 2 Millionen Pfund Ster - ling geschätzt werden 1).

Die naturhistorischen Sammlungen befinden sich in dem Universitätsgebäude und sind unter der Leitung des Etatsrathes v. Fischer in grossen Sälen schön und zweckmässig aufgestellt. Sie sollen früher sehr bedeutend gewesen sein, sind aber bei dem Brande meistentheils untergegangen. Ein solcher Verlust kann freilich nur allmählig ersetzt werden, doch sind die jetzigen für das Bedürfniss des Unterrichts schon mehr als hinreichend. Für die mineralogische Sammlung wurde durch den Ankauf der Sammlung des Bergraths Freiesleben in Freiberg der Grund gelegt, die nach dem Kataloge, den Herr Etatsrath von Fischer dar - über bekannt gemacht hat, aus einer oryktognostischen Sammlung von 6004 Stücken, einer geognostischen Sammlung von 981 Stücken und einer topographischen Sammlung von Mansfeld von 1070 Stücken besteht. Diese Freieslebensche Sammlung bildet noch die Hauptsammlung; an vaterländischen Erzeugnissen ist daher die akademische Sammlung noch nicht so reich, als ein Ausländer es wünschen könnte 2).

[footnote reference]1) Eine ausführliche Beschreibung dieser Kostbarkeiten findet man in der sehr vollständigen Description de Moscou, par le Cointe de Laveau, T. 1, p. 113.
[footnote reference]
[footnote reference]2) In der mineralogischen Sammlung befindet sich ein Meteor - stein, der angeblich im Gouvernement Smolensk gefallen sein soll. Er hat in seiner Beschaffenheit die grösste Aehnlichkeit mit dem von
[footnote reference]76

In der zoologischen Sammlung befindet sich unter andern wichtigen Gegenständen ein grosses Exemplar

[footnote-continued reference]Stannern; er besteht wie dieser aus einem kleinkörnigen Gemenge von Augit und Labrador, hat eine glänzende schwarze Rinde, und enthält kein Nickeleisen. Herr v. Fischer hatte die Güte ein Stück von diesem Meteorsteine abschneiden zu lassen und Herrn v. Hum - boldt mitzutheilen. Da mir damals nur der zu Timochin im Gou - vernement Smolensk am 13ten März 1807 gefallene Meteorstein be - kannt war, der aber zu einer ganz andern Abtheilung gehört, und durch das viele Nickeleisen, welches er eingesprengt enthält, ausge - zeichnet ist, mir auch die Aehnlichkeit dieses Smolenskischen Meteor - steins mit dem von Stannern sogleich auffiel, so setzte ich einige Zweifel in die Richtigkeit des Fundortes, zumal da Herr v. Fischer uns nichts näheres darüber mittheilen konnte. Seitdem habe ich aber gesehn, dass Chladni (*) noch eines andern Meteorsteins erwähnt, der in dem Gouvernement Smolensk, und zwar bei dem Dorfe Slo - bodka am 10. August 1818, gefallen ist; es wäre daher wohl möglich, dass der obige Meteorstein von diesem Fundort ist. Chladni, der den Meteorstein von Slobodka aus eigener Ansicht nicht gekannt hat, theilt nur sehr unvollständige Nachrichten über seine Beschaffenheit mit, aus denen sich über die etwanige Uebereinstimmung dieses Me - teorsteins mit dem in Moskau befindlichen nichts schliessen lässt; dennoch aber wäre die bestimmte Ausmittelung dieses Umstandes von grosser Wichtigkeit, weil wenn der Moskauer Meteorstein mit dem von Slobodka identisch wäre, dieser zu einer Abtheilung von Meteorstei - nen gehören würde, die nur selten vorgekommen, und zu welchen ausser ihm nur noch die Meteorsteine von Stannern, Juvenas und Jonzac zu zählen sind.
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]Ich bemerke bei dieser Gelegenheit, dass wir auf der Rückreise in Petersburg von Herrn Professor Kupffer aus der Sammlung der Akademie der Wissenschaften noch zwei Meteorsteine erhalten haben, von denen der eine während der Zeit unserer Reise den 9. Sept. zu Krasnoi-Ugol im Gouvernement Räsan, der andere schon früher zu Bialistock den 5. oder 8. Oct. 1827 gefallen ist; so dass also mit dem S. 32 erwähnten Meteorstein von Oahu die Königliche Mineralien - sammlung in Berlin durch unsere Reise mit vier Meteorsteinen be - reichert ist.
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]Der Meteorstein von Krasnoi-Ugol besteht aus einer aschgrauen feinkörnigen und mit dem Messer ritzbaren Grundmasse, die kleine gelblich grüne Körner von Olivin, kleine graue Kügelchen und etwas
[footnote-continued reference]
[footnote reference](*) Ueber Feuer-Meteore und über die mit denselben herabgefal - lenen Massen, S. 310.
[footnote reference]77

eines Tigers, der dadurch an Interesse gewinnt, dass er in Sibirien erlegt ist, bis wohin sich zuweilen die Tiger aus dem Süden verirren. Sehr bedeutend ist endlich die anatomische Sammlung, die Loders be - rühmten Namen führt; sie ist die Hauptzierde des aka - demischen Museums.

Von den Privatsammlungen interessirte uns beson - ders, wegen ihrer Beziehungen zu dem Grund und Boden, worauf wir uns befanden, die des Hrn. Etats - raths von Fischer. Sie enthält unter andern Mate - rialien, die derselbe zu einer Beschreibung des Gou - vernements von Moskau, in naturhistorischer Hinsicht gesammelt hat, besonders viele Versteinerungen aus den Umgebungen von Moskau, wo sie sich in grosser Menge, Mannigfaltigkeit und Schönheit finden. Herr v. Fischer hat neuerdings angefangen diese Beschrei - bung herauszugeben 1). In dem was bis jetzt erschie -

[footnote-continued reference]Magnelkies und Nickeleisen eingesprengt enthält, und mit einer mat - ten schwarzen Rinde umgeben ist. Unter den mir bekannten Meteor - steinen kommt er am meisten mit den Meteorsteinen von Toulouse (April 1812) und von Tabor in Böhmen (Juli 1753) überein.
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]Der Meteorstein von Bialistock besteht aus einer graulichweissen zerreiblichen Grundmasse, in welcher ziemlich häufig kleinere und grössere Körner von Olivin, hier und da einzelne weisse Feldspath - ähnliche Körner (Labrador?) und einzelne grössere Parthien, die wie es scheint aus einem kleinkörnigen Gemenge von Labrador und Au - git bestehen, eingeschlossen sind. Er hat eine glänzende schwarze Rinde und enthält kein Nickeleisen, daher er wahrscheinlich auch zu derselben Abtheilung von Meteorsteinen, wie der von Stannern gehört. Er hat die auffallendste Aehnlichkeit mit dem Meteorstein von Loutolax in Finnland, (December 1813), den Nordenskiöld beschrieben hat.
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]Der Meteorstein von Oahu ist oben beschrieben, er kommt von den mir bekannten Meteorsteinen am meisten mit denen von Zabor - zica (März, 1818), Lissa (September, 1808) und Mauerkirchen (No - vember, 1768) überein.
[footnote-continued reference]
[footnote reference]1) Das Werk ist in französischer Sprache und in Folio erschienen und führt den Titel: Oryctographie du Gouvernement de Moscou par Gotthelf Fischer de Waldheim. Moscou 1830. Es ist noch unvollendet, enthält aber eine grosse Zahl von Abbildungen von Ver -
[footnote reference]78

nen ist, fehlt noch die eigentliche geognostische Be - schreibung des Gouvernements, doch sieht man daraus mit Bestimmtheit, dass in demselben wenigstens zwei Gebirgsformationen vorkommen, nämlich Uebergangs - kalkstein und Kreide. Der erste enthält Trilobiten - Versteinerungen und steht in grossen horizontalen Bänken an, wie zu Grigorowa, Wassiliewskoi und an der Nara bei Serpukoff, im Südwesten und Süden von Moskau, wo grosse Steinbrüche in ihm angelegt sind; die Kreide enthält Belemniten und findet sich bei Po - dolsk, südlich von Moskau. Ausserdem findet sich noch ein kreideähnlicher Kalkstein mit Korallen und Tere - brateln zu Miatschkowa und an derRatowka bei Vereja, südöstlich und südwestlich von Moskau, Kalktuff mit Süsswasser-Versteinerungen zu Zwenigorod, im Westen von Moskau, und endlich ein Sandstein, der weder Versteinerungen enthält, noch dessen Liegendes zu sehen ist, über dessen Lagerung daher auch nichts mit Sicherheit ausgemacht werden kann. Er steht aber auch wie der Uebergangskalkstein in mächtigen hori - zontalen Bänken an, in welchen bei Tartarowa und Vidkrino, oberhalb und unterhalb von Moskau, Stein - brüche angelegt sind. Ausser den Versteinerungen, die in den Gesteinschichten enthalten sind, finden sich dergleichen auch noch häufig in einer schwarzen Erde eingeschlossen, die besonders an den Flüssen Moskwa, Protwa und Ruza vorkommt. Unter den letztern finden sich viele Ammoniten, die noch ihre natürliche Schale und ihren Perlmutterglanz behalten haben.

Dass die Gegend von Moskau so reich an Ver - steinerungen sei, hatte man schon durch Macquart 1) erfahren, der sie beschrieben und zum Theil abgebildet

[footnote-continued reference]steinerungen, die mit vieler Sorgfalt angefertigt sind, sowie auch Abbildungen von Sleinbrüchen und Pläne von den Umgebungen der - selben.
[footnote-continued reference]
[footnote reference]1) Reise nach dem Norden, übersetzt von Fiebig und Na u. Frankfurt am Main 1790.
[footnote reference]79

hatte, und durch den sie auch in mehreren Europäi - schen Sammlungen verbreitet wurden. Nach diesen Exemplaren hatte Herr v. Buch mehrere genauer be - stimmt, wie den Ammonites virgatus, eine neue Species mit perlmutterglänzender Schale, und die merkwür - dige Terebratula diphya, in deren beiden Schalen sich in der Mitte eine dreieckige Oeffnung befindet 1). Beide Versteinerungen gehören der Kreide an. Nach Mac - quart finden sich zu Karaschowa bei Moskau Bruch - stücke von Ammoniten, die einen Durchmesser von 4 bis 5 Fuss gehabt haben müssen.

Was die Höhe von Moskau über dem Meere be - trifft, so findet Herr Professor Erman, nachdem er die oben erwähnten Beobachtungen des Herrn Perewos - tschikoff discutirt hat2): die Höhe über dem Meere des Stadttheils Beloigorod in Moskau 480 Fuss des Universitätsgebäudes daselbst 390,,

Herr v. Humboldt gab für das Universitätsgebäude auf der zu den Fragmens asiatiques gehörigen Karte 456 Fuss, indem er sich auf einen Brief des gelehrten Astronomen der Kasaner Sternwarte Hrn. Simonoff gründete, der folgende Resultate mittheilte:

Höhe von Moskau über Kasan .......... 200 Fuss

Kasan über der Pariser Sternwarte 67

der Par. Sternwarte über dem Meere 198

465

In dieser Notiz des Herrn Simonoff vom October 1829 ist das Universitätsgebäude von Kasan zu 264 Fuss über dem Meere angenommen, zieht man davon fast 72 Fuss ab, welche das Gebäude über dem Spiegel der Kasanka liegt, so findet man für diesen Spiegel 192 Fuss, oder 78 Fuss mehr als die Zahl bei der Hr. Prof.

[footnote reference]I) Siehe die Monographie der Terebrateln in den Abhandlungen der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin von 1833, S. 108 und 138.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Reise um die Erde, Th. II, S. 350-352.
[footnote reference]80

Knorr bei seinen Untersuchungen im Jahre 1835 ste - hen blieb; aber Herr Prof. Er man verringert diese Höhe bis zu 98 Fuss, indem er durch Beobachtungen an der Ostsee zeigt, dass man bei obigen Berechnun - gen einen zu hohen Barometerstand am Meere, 338,58 Linien annahm 1). Nach diesen letztern Resultaten des Prof. Er man ist der Höhenunterschied der Orte, wo die Barometer in Moskau und Kasan aufgestellt sind, 390 98 oder 292 Fuss, was mit jener ältern An - gabe von Si mono ff bis auf 92 Fuss übereinstimmt. In Russland selbst unternommene Arbeiten werden uns hoffentlich bald genauere und entscheidendere Bestim - mungen der relativen Höhe des Spiegels der Moskwa bei Moskau und der Wolga bei Kasan und Astrakan geben.

Seit 1827 befindet sich auch in Moskau eine An - stalt zur Bereitung künstlicher Mineralwasser, in wel - cher die Wässer nach der Methode des Dr. Struve dargestellt werden, unter dessen Aufsicht auch die dazu nöthigen Maschinen in Dresden angefertigt wor - den sind. Die Anlage ist durch eine Gesellschaft von Actionären zu Stande gebracht, an deren Spitze der General-Gouverneur Fürst Gallitzin steht. Der Di - rector derselben ist der Dr. Jähnichen, und die Bereitung der Wässer leitet der als Chemiker rühm - lichst bekannte Herr Hermann, welcher ein Schüler und Mitarbeiter des Dr. Struve, mit der Bereitung der Wasser in Dresden schon früher vollkommen ver - traut war. Die Anstalt hat eine schöne Lage in der Stoschenka in Semlenoi-Gorod, sie liegt etwas hoch und gewährt eine vortreffliche Ansicht des Kremls und der übrigen Stadt. Sie unterscheidet sich von der Mutteranstalt in Dresden und den übrigen Anstalten, die aus ihr hervorgegangen sind, dadurch, dass die Wässer

[footnote reference]1) Reise um die Erde, Th. II, S. 357.
[footnote reference]81

noch mehr im Grossen dargestellt, und nicht allein zum Trinken, wie bei diesen, sondern auch zum Baden angewandt werden. Sonst aber wurden zu unserer Zeit dieselben Wässer, wie in den übrigen Anstalten der Art bereitet; da es indessen für die Moskausche An - stalt von Wichtigkeit war, auch die Mineralwässer der Bäder des Caucasus, die von den Russen häufig besucht werden, darzustellen, so wurden noch im Herbste des - selben Jahres die Herren Jähnichen und Hermann von den Actionären nach dem Caucasus gesandt, um die dort vorkommenden Mineralwässer zu untersuchen, nach welcher Zeit sie auch jetzt in der That in Moskau be - reitet werden 1).

Die Moskausche Anstalt war die erste zur Be - reitung künstlicher Mineralwässer nach Str uv eschen Principien, die in Russland entstand. Der glückliche Fortgang derselben und das immer wachsende Ver - trauen zu den Wirkungen der künstlichen Wässer hat später (1834) eine ähnliche Anstalt in Petersburg her - vorgerufen, die wie die Moskauer eine Actien-Anlage ist, an deren Spitze sich Se. Majestät der Kaiser selbst gestellt hat. Die Anstalt liegt in dem Stroganoffschen Garten an der Newka, und die Bereitung der Wässer wird von dem Dr. Fritsche geleitet, der sich eben - falls schon durch mehrere chemische und botanische Arbeiten einen ehrenvollen Namen in der Wissenschaft erworben hat.

Da wir auf unserer Rückreise auch durch Moskau kommen mussten, so war es unsere Absicht, jetzt nur so kurze Zeit als möglich hier zu bleiben, um keine Zeit zu Untersuchungen zu verlieren, für welche die gute Jahreszeit unumgänglich nothwendig war; den - noch mussten wir noch etwas länger verweilen, da wir unmöglich den dringenden Einladungen der Herren

[footnote reference]1) Die Resultate seiner Untersuchung liat Herr Hermann in Pogg. Ann. Bd. 22, S. 344 bekannt gemacht.
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Fischer und Loder, welche beide Jugendfreunde des Hrn. v. Humboldt waren, so wie vieler anderer widerstehen konnten. Wir wurden den 26sten Mai durch die ganze Universität geführt, um deren Ein - richtungen einzeln kennen zu lernen, und wohnten den 27sten Mai einem Mittagsmahle bei, welches die Mit - glieder der Universität in einem überaus grossen und schönen Saale veranstaltet hatten, wodurch wir zu - gleich mit den vornehmsten, durch Kenntnisse und Bil - dung ausgezeichnetsten Einwohnern der alten Kaiser - stadt bekannt wurden. So verbessert wir erst Moskau am Morgen des 28sten Mais.

Die nächste Umgebung von Moskau ist auf dem Wege, welchen wir zum Ural nahmen, ohne roman - tisch zu sein, doch recht angenehm. Die Landschaft ist sehr bebaut, Ackerfelder wechseln mit kleinen Wäldern ab, und jene prangten jetzt mit dem ersten Grün des Jahres, das bei dem heitern Wetter, welches wir hatten, nicht verfehlte uns in eben solche Stim - mung zu versetzen. Bald aber wird die Gegend sumpfig und sandig, und nun auch der Weg schlechter. Die sumpfigen Gegenden, die oft grosse Strecken einnehmen, sind mit Bohlendämmen belegt, die zwar, so lange sie neu sind, wenn auch mit ausserordent - licher Holzverschwendung, die vortrefflichsten Stras - sen bilden, haben sie aber erst einige Zeit gedient und sind sie nicht unaufhörlich ausgebessert worden, wie diess gewöhnlich nicht der Fall ist, so werden sie bald eben so schlecht, als sie im Anfang vortrefflich waren. Die Strasse ist zum Theil mit Birken bepflanzt.

Am Mittage kamen wir durch eine kleine Stadt Bogorodsk, die nicht viel anders als ein grosses Dorf aussieht, da sie, einige steinerne Gebäude ausgenom - men, ganz aus hölzernen Häusern besteht, und auch vollkommen das einförmige, traurige Ansehen der hie -

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sigen Dörfer hatte. Die steinernen Gebäude waren zum Theil aus einem porösen, nicht näher zu bestim - menden Kalkstein gebaut, der in der Gegend anstehen soll. Wir untersuchten einige Brunnen des Ortes, um die Temperatur des darin befindlichen Wassers zu be - stimmen, und dadurch eine ungefähre Kenntniss von der mittlern Temperatur des Bodens zu erhalten; sie enthielten aber ungeachtet der milden Witterung noch alle Eis, und gaben daher kein Resultat. Hinter Bo - gorodsk setzten wir über die Kläsma, an deren linkem Ufer in mehr oder weniger grosser Entfernung der Weg nun bis Wladimir entlang geht.

Wir erreichten diese Stadt erst am Mittage des 29sten Mais, da wir wegen der schlechten Wege es vorgezogen hatten, die Nacht in dem kleinen Städtchen Pokrow zu bleiben, wo wir in dem Posthause reinliche, aber leere Zimmer fanden, und uns behalfen, so gut wir konnten. Wladimir liegt auf dem linken Ufer der Kläsma, das hier von einigen Anhöhen gebildet wird, während sich das rechte in eine grosse, weite Wiese ausbreitet. Die vielen Thürme von dem verschieden - artigsten Ansehen, meist weiss mit grünen Kuppeln, geben der Stadt von fern ein malerisches Ansehen; sie ist noch jetzt von Bedeutung, wenngleich wohl lange nicht mehr von der Grösse und dem Glanze wie früher, als sie noch der Hauptsitz der Grossfürsten war. Wir fanden hier noch ein vortrefflich eingerich - tetes Gasthaus, eine Annehmlichkeit, die wir bald auf lange Zeit entbehren sollten.

Die Anhöhen von Wladimir bestehen noch nicht aus festem Gestein; erst die Kläsma weiter hinab, bei dem 37 Werste von Wladimir entlegenem Dorfe Kow - rowo kommt nach Pallas 1) Kalkstein vor, der sowohl als Baustein als auch zum Brennen benutzt wird, und

[footnote reference]I) Reise durch verschiedene Provinzen des Russischen Reichs, Th. 1, S. 22.
[footnote reference]84

in welchem grosse Brüche angelegt sind. Wir berühr - ten diese auf unserm Wege nicht; sie liegen in nord - östlicher Richtung von Wladimir, während die Strasse nach Kasan die Kläsma verlässt und eine südöstliche Richtung nimmt. Doch sahen wir in Sudogda, der zweiten Station von Wladimir, eine Menge Rlöcke eines kreideartigen Kalksteins liegen, die als Bausteine viel - leicht von dort hergebracht waren. Sie enthielten in grosser Menge eine besondere Art von Nummuliten, die nach ihrer Axe bedeutend verlängert waren, und wahrscheinlich zu Fusulina cylindrica und depressa, welche Fischer in seiner Oryktographie vom Gou - vernement Moskau Tab. XIII. abgebildet hat, gehö - ren. Der Kalkstein ist daher sehr junger Formation. Die Stücke glichen vollkommen andern, die wir später in Kasan von Simbirsk an der Wolga erhielten, bis wohin sich also diese Formation auszudehnen scheint.

Die Wege waren jetzt etwas besser geworden, und verstatteten es daher auch die Nacht zur Fort - setzung der Reise zu benutzen. Wir erreichten auf diese Weise schon am Morgen des 30sten Mais die Stadt Murom und mit ihr auch die Oka. Die Stadt liegt an dem linken oder nördlichen hohen Ufer dieses beträchlichsten Zuflusses der Wolga von ihrer rechten Seite. Mit ihren vielen Kirchen, Klöstern und Thürmen gewährt sie von fern einen ebenso malerischen Anblick wie Wladimir; näher betrachtet aber ist sie mit dieser Stadt durchaus nicht zu vergleichen, da sie meist nur aus unansehnlichen hölzernen Häusern besteht.

Bei Murom muss man über die Oka setzen, die auch schon im Sommer ein bedeutender Strom, jetzt durch das Schneewasser zu einer ausserordentlichen Breite angewachsen war, und das rechte Ufer weit und breit überschwemmt hatte. Dieser hohe Wasser - stand erschwerte den Uebergang ungemein, und - thigte uns den ganzen Tag darauf zuzubringen. Wir mussten zuerst nach einem 2 Werste unterhalb Murom

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gelegenen Dorfe fahren; hier wurden unsere Wagen und Pferde auf zwei grosse Kähne geladen, mit denen wir nach fünfstündigem Rudern das jenseitige Ufer er - reichten. Wir fuhren bei mehreren Inseln oder seichten Stellen vorüber, wo die Bootsleute in das Wasser sprangen und an den Rändern der Inseln entlang ge - hend, oder in den Untiefen watend die Kähne weiter zogen. Aber auch am jenseitigen Ufer angekommen, hatten wir noch mancherlei Aufenthalt, da wir mittelst Fähren, die nur jetzt für den hohen Wasserstand ein - gerichtet waren, mehrmals über kleine Arme oder Zuflüsse der Oka setzen mussten, so dass wir erst um 7 Uhr in Manakowa, der nächsten Station von Murom anlangten, die im Sommer bei dem gewöhnlichen Stande des Wassers und auf dem gewöhnlichen Wege nur 30 ½ Werste von diesem Orte entfernt ist. Das Wetter war übrigens den Tag über sehr heiter, und die Tem - peratur der Luft am Vormittage 17°,5 R., die des Wassers 14°,5 gewesen. Auf dem Wasser hatten wir noch eine vortreffliche Aussicht auf die Stadt Murom gehabt; nur unangenehm hatten sich dagegen die am linken Ufer gelegenen Dörfer ausgenommen, die hin - ter einem Walle von Dünger kaum sichtbar waren. Die Bauern fahren nämlich denselben nicht auf ihre Felder, die auch ohne ihn einen reichlichen Ertrag liefern, sondern werfen ihn als Damm gegen das Was - ser hinter ihre Häuser. Dieselbe Sitte fanden wir später in allen Dörfern Russlands und Sibiriens, die an Flüssen oder kleinen Bächen liegen; sie ist aber gewiss ebenso schädlich als unangenehm, da die Dün - gerwälle nicht allein einen widrigen Anblick gewäh - ren, sondern auch im Sommer eine so grosse Menge von Ungeziefer erzeugen, dass man daran gewöhnt sein muss, um es zu dieser Zeit in solchen Dörfern auszuhalten.

Wir fuhren die Nacht hindurch; die Strasse ist gross und breit, doch sandig und zu beiden Seiten mit

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Birkenalleen bepflanzt. Sie geht an dem rechten Ufer der Oka in mehr oder weniger grosser Entfernung entlang, und erlaubt nicht selten schöne Blicke auf das linke Ufer, das wir schon am Morgen des 31 sten ganz niedrig erblickten, während sich das rechte immer mehr erhoben hatte, um sich den Höhen an der Wolga anzuschliessen, die auch auf dem rechtem Ufer derselben liegen. Die Gegend ist durch die magnetischen Unter - suchungen der Hrn. Hansteen und Erman merkwürdig geworden, welche gefunden haben, dass die Linie ohne Abweichung durch sie hindurch geht, oder genauer durch die Gegend zwischen Osablikowo, der zweiten, und Dos - kino, der fünften Station hinter Murom und der ersten Station vor Nischni - Nowgorod. Die Linie bewegt sich von Osten nach Westen, und man kennt die frühern Epochen, wo sie durch Tobolsk und Kasan ging.

Kurze Zeit vor Nischni-Nowgorod erblickten wir die Wolga, die jetzt im Frühjahr bei dem hohen Was - serstande einen äusserst imposanten Anblick gewährte. Nischni-Nowgorod liegt auf den Höhen an der Vereini - gung der Oka mit der Wolga am rechten Ufer beider Ströme, und in dem etwas spitzen Winkel, welchen sie auf dieser Seite mit einander bilden; sie ist von an - sehnlicher Grösse, hat Kirchen, Häuser und Gärten in buntem Gemisch miteinander, und ist von einer star - ken Mauer mit dicken runden Thürmen umgeben. Von dieser herab hat man eine weite Aussicht auf die nie - dern linken Ufer der Ströme, und von hier aus sahen wir auch die neue Jahrmarktsstadt, worin alljährlich die grosse Messe stattfindet, die jetzt von Makarieff hierher verlegt ist; sie liegt der Stadt gegenüber auf der Landecke, die von der linken Seite der Oka und der rechten der Wolga bespült wird, in einer Niede - rung an dem bald sich erhebenden hohen Ufer der Wolga, und war jetzt wie immer im Frühjahr bei dem hohen Wasserstande der Flüsse unter Wasser gesetzt

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und daher unzugänglich 1). Nischni - Nowgorod hat ein grosses geschichtliches Interesse; daran erinnern ihre starken Mauern, die schon sehr alt, doch von dem Grossfürsten Wassili Ioannowitsch im Jahre 1508 zum Schutze gegen die Einfälle der Tataren sehr ver - stärkt wurden, sowie auch der Obelisk, der auf einem Platze in der Nähe der Wolga dem Andenken Minin's und Poscharski’s errichtet ist, die von hier aus im Jahre 1611 die Befreiung Russlands von der Polnischen Herr - schaft erkämpften.

In Nischni-Nowgorod trafen wir mit dem Grafen Polier zusammen, der, um die Güter seiner Gemahlin, einer geborenen Fürstin Schachowskoi zu besuchen, ebenfalls nach dem Ural reiste und sich von nun an uns anschloss. Er war Herrn von Humboldt schon bei seinem frühern Aufenthalt in Paris bekannt ge - worden, und unser Zusammentreffen mit ihm schon in Petersburg verabredet, das er nur kurze Zeit vor uns verlassen hatte. In seiner Begleitung befanden sich Herr Schmidt aus Weimar, den der Graf Polier zum Verwalter seiner Güter bestimmt hatte, Herr Dr. Göthe und Herr Mehring, wodurch unsere Reise - gesellschaft einen bedeutenden Zuwachs erhielt 2).

Graf Polier hatte sich in Nischni-Nowgorod eine Barke gemiethet, um die weitere 380 Werste lange Reise nach Kasan auf eine angenehmere und be - quemere Weise als zu Lande, auf der Wolga zurückzu -

[footnote reference]1) Eine Beschreibung der neuen Jahrmarktsstadt (die 11 Millionen Rubel gekostet haben soll) nebst einem Plane derselben findet sich in G. Engelhardt’s Russischen Miszellen B. IV, S. 140.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Graf Polier war ein eben so liebenswürdiger als gebildeter Mann, doch leider nicht von einer dauerhaften Gesundheit. Schon bei unserer Bekanntschaft in hohem Grade hektisch, überlebte er die Reise nicht lange, und starb bald nachdem wir auf unserer Rückreise Petersburg verlassen hatten. Wenige Jahre nachher starb auch Herr Schmidt fern von dem Vaterlande, auf den Gütern des Grafen Polier im Ural, wo er zurückgeblieben war.
[footnote reference]88

legen. Wir folgten darin seinem Beispiele um so lie - ber, da der Landweg bis Kasan nichts Interessantes versprach, und wir auf diese Weise Gelegenheit hat - ten, den wichtigsten Strom Russlands in seiner ganzen Grösse und Mächtigkeit kennen zu lernen. Unsere drei Wagen wurden auf ein anderes grosses Boot gebracht; in der Mitte desselben wurden aus einigen Brettern ein Tisch und zwei Bänke gezimmert, über welche man zum Schutze gegen die Sonne ein Segeltuch spannte, und auf dem Hintertheil mit einigen Mauersteinen ein kleiner Ofen zum Kochen vorgerichtet. Der Bedarf an solchen Lebensmitteln, die in den am Strome lie - genden Dörfern nicht zu bekommen waren, wurde mit - genommen, und um aus diesen, was wir brauchten holen zu können, wurde noch ein kleinerer Kahn an das Boot gebunden. Die ganze Bemannung des Bootes bestand ausser dem Steuermann aus acht Ruderern, von denen die Hälfte sich jederzeit im Rudern mit der andern Hälfte abwechseln sollte.

So eingerichtet verliessen wir Nischni-Nowgorod den 1sten Juni Vormittags um 11 Uhr, denn so lange hatten die Vorbereitungen gedauert. Das Wetter war das heiterste von der Welt, und trag nicht wenig zur Annehmlichkeit der Fahrt bei; nur der Wind war uns nicht günstig, so dass wir weder jetzt noch später die Segel gebrauchen konnten, und uns stets der Ruder bedienen mussten; doch ging es stromabwärts und deshalb noch ziemlich schnell. Aber ruhig und behag - lich im Boote sitzend, konnten wir, ohne von den Boh - lendämmen zu leiden, die Ufer bei uns vorüberziehen sehen und uns der Fahrt erfreuen.

Wir schifften meistens in der Nähe des rechten Ufers entlang, das an der ganzen Wolga bedeutend hoch ist, und theils schroffe Wände, theils mehr ge - neigte Abhänge bildet, während das linke dagegen in eine weite flache Niederung ausläuft. Nur erst in grosser Entfernung erhebt sich diese zu einem höhern

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Plateau, dessen Ränder wahrscheinlich in früherer Zeit bei höherem Wasserstande der Wolga das linke Ufer gebildet haben. Die Abhänge des rechten Ufers sind mit der schönsten Vegetation bedeckt, und in den Schluchten desselben liegen Dörfer mit schönen Kir - chen, die die Landschaft beleben. Besonders üppig erscheint die Vegetation auf den Inseln, welche die Wolga nicht selten umschliesst, die mit Eichen und Schwarzpappeln bewachsen, einen romantischen An - blick gewähren. Auch an dem linken Ufer wechseln Wiesen, niederes Gesträuch und höhere Waldungen mit Dörfern ab, doch waren bei der Breite des Stroms die Gegenstände hier nicht mehr deutlich zu erkennen. Ein ebenso unterhaltendes Schauspiel wie die Ufer gewährte der Strom selbst, auf welchem sich die gros - sen Wolgaschilfe drängten, die den günstigen Wind benutzend, mit vollen Segeln stromaufwärts fuhren, um die Produkte des südlichen Russlands nach Peters - burg zu führen, während in kleinen Kähnen Fischer überall beschäftigt waren, ihrem Gewerbe nachzugehn, und uns, wenn wir es wollten, um ein Geringes die trefflichsten, in Petersburg so hochgeschätzten Ster - ledde lieferten.

Die durch die Frühlingswasser angeschwollene Wolga breitete sich nach der Beschaffenheit des lin - ken Ufers bald mehr bald weniger weit aus. An einer Stelle, wo sie nach der Versicherung unseres Steuer - manns eine, für die jetzige Jahreszeit mittlere Breite hatte, und die Beschaffenheit des rechten Ufers es er - laubte, maassen wir die Breite des Stroms; das rechte Ufer bildete hier eine Terrasse, nach welcher es sich erst zu seiner gewöhnlichen Höhe erhob; diese Ter - rasse war ziemlich eben; auf ihr wurde mittelst der Messkette, eine Basis gemessen, die mit einem am jenseitigen Ufer stehenden Baume ein Dreieck bildete. Herr von Humboldt bestimmte darauf mittelst eines Sextanten die beiden Winkel an der Basis, woraus

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sich die Breite des Stroms zu 5240,7 Fuss ergab. Die Messung geschah am Mittag des dritten Tages, also in einer Entfernung von ungefähr 100 Wersten von Kasan.

Die steilen Ufer der Wolga bestehen aus einem sehr neuen Gestein; bei Nischni-Nowgorod sind es Schichten von einem thonigen rothen Kalkmergel, der hier wahrscheinlich auf einem rothen Sandstein liegt, denn diesen fanden wir einige Werste vor Nowgorod in Stücken neben einem kleinen Schachte liegen, den man behufs eines Brunnens zu graben angefangen hatte; bei Wassil am Einflusse der Sura in die Wolga war der Kalkstein weiss und kreideartig, und eben so an der Wolga nicht weit von Kasan. Die mittlere Höhe des Ufers der Wolga aber mag einige 100 Fuss be - tragen.

Den 4ten um 4 Uhr Morgens waren wir die Ka - sanka, an welcher Kasan liegt, hinaufgeschifft und bei der Stadt angekommen. Wir verweilten noch einige Stunden vor dem Landen in dem Boote, um den Tag abzuwarten, und wurden dann vom Grafen Polier be - willkommnet, der schon einige Stunden vor uns mit seinem Boote angekommen war. Wir fanden in dem Lokal der adeligen Gesellschaft ein vortreffliches Quar - tier, mit grossen geräumigen Zimmern und Sälen, in welchen wir uns nach Belieben ausbreiten konnten, und einen gefälligen Wirth, welcher ein Deutscher, Namens Herbert war.

Nachdem wir uns hier etwas eingerichtet hatten, gingen wir nach dem Universitätsgebäude, wo Herr v. Humboldt von dem Curator der Universität, Herrn v. Mussin Puschkin, dem Rector Herrn v. Loba - tschewski und von den übrigen Mitgliedern der Uni - versität empfangen wurde. Unter diesen befand sich auch der Professor der Astronomie, Herr Simonoff, der Herrn v. Humboldt schon von Paris aus bekannt war, wo er sich einige Zeit aufgehalten hatte, nach -

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dem er von seiner Reise um die Welt mit Capitain Bellingshausen zurückgekehrt war. Zu dieser Zeit (im Winter 1823-24) hatte auch ich ihn dort kennen gelernt, daher es mir eine grosse Freude machte, ihn hier wiederzusehen.

Wir wurden nun in dem Universitätsgebäude und in den darin aufgestellten Sammlungen herumgeführt. Die Auditorien sind alle gross und schön; besonders ausgezeichnet ist das Senatszimmer, ein grosser Saal, in welchen das Licht von oben hineinfällt. Unter den Sammlungen ist vor allen der physikalische Apparat zu erwähnen, der mehrere vortreffliche Instrumente enthält, die zum Theil vom Prof. Kupffer, der früher hier wohnte, ehe er die Stelle als Akademiker in Pe - tersburg annahm, in Paris gekauft sind. Auch die zoologischen und mineralogischen Sammlungen enthal - ten viele vortreffliche Stücke, gehören aber nicht der Universität 1), sondern dem Professor der Naturge - schichte, Staatsrath Fuchs, der einen grossen Theil der Mineralien, unter andern eine recht vollständige Sammlung von Mineralien aus den verschiedenen Gru - ben des Urals auf einer Reise in den Ural im Jahre 1823 gesammelt hat. Das Universitätsgebäude liegt sehr angenehm mitten in dem botanischen Garten.

Nach der Besichtigung des Universitätsgebäudes fuhren wir in der Begleitung des Herrn von Muss in Puschkin in der Stadt umher, um dieselbe näher kennen zu lernen. Die Stadt liegt in der Nähe der Wolga, an der Südseite der Kasanka und an den Ab - hängen, die wahrscheinlich früher das alte linke Ufer der Wolga gebildet haben. Bei dem gewöhnlichen Wasserstande der Wolga ist sie wohl noch 6 Werste von dem Strome entfernt, jetzt schien sie aber unmit -

[footnote reference]1) Jetzt besitzt die Universität durch den Ankauf der Sammlung des Herrn Kämmerer in Petersburg eine eigene Mineraliensamm - lung, wie schon oben bemerkt ist.
[footnote reference]92

telbar an ihm zu liegen, da er fast die Vorstädte er - reichte. Die höchsten Punkte auf der Nordseite von Kasan nimmt der Kreml oder die Festung ein, die unmittelbar an der Kasanka, welche hier ziemlich steile Ufer hat, gelegen ist. Im Süden und Westen ist die Festung von der Stadt, und diese wieder von drei Seiten, besonders gegen Süden zu, von den Sloboden oder Vorstädten umgeben. In der Festung sieht man noch viele Ueberreste der Tatarischen Herrschaft, die in Kasan in einem besonderen unabhängigen Chanate drei Jahrhunderte lang geblüht hat, bis sie durch den Grossfürsten Joann Wassiljewitsch gestürzt ward, der die Stadt im Jahre 1552 einnahm, sie von Grund aus zerstörte, und eine neue an ihrer Stelle aufbaute. Ein alter Thurm heisst noch die Sunibeka nach der Ge - mahlin des letzten Tatarischen Chans. Ausserdem be - finden sich in der Festung noch eine Menge Kirchen, worunter die Kathedrale mit ihren vielen Thürmen und Kuppeln, wie auch andere von Stein erbaute Krons - gebäude. Die eigentliche Stadt sowie auch die Slo - boden haben gerade, breite Strassen, die sich meistens unter rechten Winkeln schneiden, und bestehen gröss - tentheils aus hölzernen Häusern, die selten mehr als ein Stockwerk haben, und häufig mit einem Garten umgeben sind. Auch hier stehen eine Menge Kirchen und Klö - ster mit Thürmen von oft wunderlicher Bauart, wie die Peter - und Paulskirche, die eine ganz japanische Form hat, und von aussen mit einer Menge Figuren in den grellsten Farben bemalt ist. Aber dieses bunte Ge - misch macht denselben freundlichen Anblick, den auch die übrigen grösseren Russischen Städte gewähren, und an welchen wir nun schon seit Moskau gewöhnt waren. Die eigentliche Stadt wird meistens von Rus - sen bewohnt, die Sloboden, die jedoch von der Stadt durch nichts getrennt und unterschieden sind, von Ta - taren. Diese machen etwa ein Drittheil der ganzen Bevölkerung von Kasan aus, die auf ungefähr 50,000

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Einwohner angegeben wird 1). Sie leben besonders vom Handel, baden aber auch viele Leder - und Seifen - fabriken, deren Fabrikate sehr geschätzt und weit verschickt werden.

Wir fuhren auch in diese Vorstädte, und liessen uns von den Tataren in eins ihrer Bethäuser oder Medscheds führen, was sie mit Bereitwilligkeit thaten. Es war von Holz gebaut, und bestand aus einem Vor - zimmer und einem quadratischen Saale, der einfach und reinlich war, durch welche Vorzüge sich überhaupt die Wohnungen der Tataren anszeichnen. Unsere Führer zogen vor dem Eintritt in den Saal ihre Pantoffeln aus, liessen es sich aber doch gefallen, dass wir den - selben mit unsern Stiefeln betraten.

Mit dickem Staub bedeckt, kehrten wir in unsere Wohnung zurück; die Strassen von Kasan sind nicht gepflastert; sie waren früher wie in vielen andern Rus - sischen Städten mit hohl liegenden Balken belegt; als aber bei dem Aufstande Pugatscheffs im Jahre 1774 die Stadt in Brand gesteckt wurde, brannten nicht nur die Häuser, sondern auch das Pflaster, wodurch der Brand noch mehr vergrössert und das Löschen erschwert wurde. Seitdem sollte die Stadt mit Steinen gepflastert werden, was indessen bis jetzt, noch nicht geschehen ist. Die Steine müssten zwar aus grösserer Ferne herbeigeschafft werden, da in der Nähe gar keine brauch - baren gefunden werden, doch würde diess bei den grossen schiffbaren Strömen, mit denen Kasan in Ver - bindung steht, weder mit so grossen Kosten noch mit besondern Schwierigkeiten zu bewerkstelligen sein. Das Pflastern scheint aber um so wünschenswerther, da noch unleidlicher als im Sommer nach lange aus - gebliebenem Begcn der Staub, im Herbst bei anhal - tendem Regenwetter oder im Frühjahr bei schmelzen -

[footnote reference]1) Siehe Er dm an ns medicinische Topographie des Gouvernements und der Stadt Kasan, 1822.
[footnote reference]

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dem Schnee der Schmutz in den Strassen sein soll, besonders in den tiefer liegenden Theilen der Stadt, zu denen das Wasser von den oberen Theilen hin - zufliesst.

Die Höhe von Kasan über der Ost-See hat in neuern Zeiten ein besonderes Interesse auf sich gezo - gen, da der Lauf der Wolga von Kasan bis zum Kas - pischen Meere mit den Krümmungen über 225 geogra - phische Meilen beträgt, und die Entscheidung des Pro - blems von dem niedrigen Wasserspiegel des Kaspischen Meeres sich an jene Höhe unmittelbar anknüpft. Herr Kupffer giebt in seiner Beschreibung des Ural-Ge - birges 1) die Höhe von Kasan zu 80 Par. Fussen an. Er fügt die Bemerkung hinzu: Man muss verwundert sein über die geringe Höhe einer Stadt, die so tief im Lande liegt. Wenn die Wolga ihre Mündung am Schwarzen Meere hätte, so würde das Wasser kaum fliessen. Aber das Kaspische Meer ist 300 Fass tiefer als das Schwarze Meer, und ungeachtet dieses Unter - schiedes bleibt nur sehr wenig Gefälle für eine Fluss - strecke von 1500 Wersten. " Herr Knorr, der jetzige Professor der Physik in Kasan, hat die dort angestell - ten vieljährigen Beobachtungen aufs Neue in Rech - nung genommen und findet: für den Ort wo das Barometer in Kasan

aufgestellt ist ....... 187 Par. Fass,

für die Mündung der Kasanka in die

Wolga ........ 116 2).

Diese letzte Station hat Herr Adolph Erman durch die Annahme eines niederem mittlern Barometer - standes an der Ost-See, wie schon oben bei Moskau bemerkt ist, auf 27 Fass reducirt 3). Es ist hier nicht der Ort die Höhe des Kaspischen Meeres zu discutiren,

[footnote reference]Voyage dans l’Oural, 1833, P. 278.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Poggendorffs Annalen B. XXXVI, S. 205.
[footnote reference]
[footnote reference]3) Reise um die Erde, Th. II, S. 358.
[footnote reference]95

deren Bestimmung Hr. Parrot mit so edler und mühe - voller Aufopferung seit vielen Jahren versucht hat. Das wichtige Problem selbst kann durch vervielfältigte Beobachtungen längs dem Laufe des grossen Wolga - stromes allerdings genügend gelöst werden, wenn man sich hinlänglich versichert hat, dass die Instrumente unter sich übereinstimmen, und wenn man mehrjährige Mittel aus Jahreszei - ten nimmt, in denen die Luftströmungen sich compensiren.

Das Russische Gouvernement hat das Verdienst diese Untersuchungen sehr zu begünstigen. In dem von dem Herrn Staatsminister von Uwaroff dem Kaiser Nicolaus abgestatteten Berichte über den Zu - stand des öffentlichen Unterrichts im Jahre 1834 heisst es ausdrücklich S. 69: In Erwägung des Vortheils, welcher für die Wissenschaft aus der An - stellung beständiger meteorologischer Beobachtungen in der ganzen Ausdehnung des Kasanschen Lehrbe - zirks, besonders aber dem Laufe der Wolga bis zum Kaspischen Meere nach, mithin in Nischni - Nowgorod, Simbirsk, Saratow, Zarizün, Astrachan, Wjatka, Jekaterinburg und Orenburg hervorgehen muss, trug das Curatorium des Kasanschen Lehrbe - zirks mit Genehmigung des Ministers des öffentlichen Unterrichts die vorzunehmenden meteorologischen Be - obachtungen in den Gymnasien den Ober-Lehrern der Mathematik, und in den Kreisschulen den Inspectoren auf. Beide Klassen sollen dafür besoldet werden, und die Resultate der Beobachtungen nach Verlauf eines jeden Monats dem Professor der Physik an der Universität zu Kasan eingereicht werden, welcher die Verpflichtung auf sich nimmt, die von ihm entwor - fenen Tafeln über den mittlern Stand der Instrumente durch Herausgabe zur allgemeinen Kunde zu bringen.

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145 Werste südlich von Kasan (Breite 57° 59 '20 "), auch auf dem linken Wolga-Ufer, liegen die merk - würdigen Ruinen von Bulghar, der Hauptstadt der alten Wolga-Bulgharen, die als die grössten und ältesten Ruinen, die sich in Russland befinden, wir nicht un - besucht lassen durften. Wir schifften uns deshalb den Mittag des 5ten Juni auf einem der Wachtschiffe, welche die Wolga auf und niederfahren, mit dem Grafen Polier ein, nahmen aber unsere Wagen, die auf ein anderes Boot geladen wurden, mit, um zu Lande zurückkehren zu können, da die Rückkehr auf der Wolga, strom - aufwärts zu lange gedauert haben würde. Wir fuhren zuerst die Kasanka hinab bis zur Wolga, wo wir noch den herrlichsten Blick auf die Stadt hatten, die sich an dem Abhange der Höhen höchst malerisch erhebt, und die Wolga gewährte uns nun wieder dieselbe angenehme Fahrt wie früher. Der grosse Strom war noch wie früher von den grossen Wolgaschiffen be - fahren, aber der ihnen günstige Wind hatte sich ge - legt, daher sie alle ihre Segel eingezogen hatten. Sie mussten nun stromaufwärts gezogen werden, was auf die gewöhnliche Weise nicht geschehen kann, da an dem hohen steilen Ufer der Wolga kein Leinpfad vor - handen ist, sondern durch eine, am Vordertheil des Schiffes angebrachte Winde bewerkstelligt wird, mit - telst welcher sich die Schiffsmannschaft zu Ankern heranzieht, die auf einem besondern Boote vorausge - führt und in gewissen Entfernungen von dem Schiffe ausgeworfen werden. Wir sahen diese mühsame Arbeit bei allen den Schiffen, bei denen wir vorüberfuhren, aber auch wir hatten keinen Wind; wir konnten nur mit Rudern vorwärts kommen, und brauchten auf diese Weise zu unserer Fahrt den Nachmittag, die Nacht und den Vormittag des folgenden Tages.

Erst gegen Mittag landeten wir. An dem Ufer erwarteten uns schon die Bauern des Russischen Dor - fes Bolgarü mit ihren Pferden, die bestellt waren uns

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weiter zu schaffen. Die Wagen wurden ausgeladen, und auf ihnen fuhren wir nach dem Dorfe, das auf und neben den Ruinen der alten Stadt, noch 9 Werste von dem Ufer entfernt liegt. Ein angenehmes Busch - werk bedeckt die Niederung, die hier wie überall das linke Ufer der Wolga bildet, und sich erst später zu dem höhern Plateau erhebt, auf welchem Bolgarü so - wie auch Kasan erbaut ist. In dem Dorfe fanden wir alles in Bewegung, die ganze Dorfschaft war uns ent - gegengekommen und erwartete uns in besondere Grup - pen vertheilt, die Männer, die Frauen und die Jugend. An der Spitze dieser Gruppen standen die Aeltesten des Dorfes, die Herrn von Humboldt bei seiner An - kunft nach Russischer Sitte Salz und Brod zum Zeichen ihrer Ehrerbietung überreichten.

Wir besahen nun die alten Ruinen. Die wichtig - sten derselben befinden sich grösstentheils innerhalb eines von einem Graben umgebenen Walles, der ein längliches Oval bildet, dessen Längendurchmesser von N. nach S. geht, und dessen Umfang ungefähr 7 Werste betragen mag. Der Wall fehlt nur an der nördlichen Seite, wo sich aber ein von O. nach W. zur Wolga sich hinzie - hender breiter Grund befindet, der das alte Bulghar von dieser Seite vielleicht hinreichend gedeckt haben mag. An diesem Abhange, innerhalb des Walles liegt das Dorf Bolgarü, an seiner östlichen Seite die ansehn - liche steinerne Kirche desselben, und in dem übrigen Raume einzeln und zerstreut die Ruinen.

Pallas 1), Lepechin und Erdmann 2) haben dieselben ausführlich beschrieben, daher ich mich hier darauf beschränke, nur die hauptsächlichsten derselben anzuführen, zu denen besonders zwei Thürme und zwei andere Gebäude gehören. Der höhere der beiden Thürme liegt ganz in der Nähe der Küche des Dorfes; er ist

[footnote reference]1) Reise in versch. Prov. des Russ. Reiches, Th. I, S. 122 etc. 2) Medicinische Topographie des Gouv. Kasan, S. 280 etc.
[footnote reference]

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grösstentheils cylinderförmig, nur an seiner Basis acht - eckig; an dieser befindet sich eine Thür, durch welche man zu einer steinernen Wendeltreppe im Innern des Thurms gelangt, die zu der obern Fläche führt, welche in neuerer Zeit mit einem hölzernen Dache bedeckt worden ist. Die Treppe ist durch einige kleine Fenster - öffnungen in der Wand des Thurms nur schwach er - leuchtet. Die Höhe des Thurms bis zum Dache beträgt 72 Fuss, sein unterer Umfang 80 Fuss. Der zweite Thurm liegt ungefähr 300 Fuss südöstlich von dem erstern, ist kleiner als dieser, sonst aber von einer ähnlichen Gestalt.

Von den beiden andern Gebäuden liegt das eine, welches von den Bauern das Gerichtshaus oder das schwarze Haus (tschornaja palata) genannt wird, ziemlich in der Mitte des Walles. Es ist seiner Form nach ziemlich gut erhalten. Seine Basis ist ein Quadrat von 24 Fuss an jeder Seite, und seine Höhe mag etwa 38 Fuss betragen. Es besteht aus drei Stockwerken mit Thür - und Fensteröffnungen; die obere ist kleiner und achteckig, und über derselben befindet sich eine halb - kugelförmige Kuppel mit einer achteckigen Oeffnung in der Mitte. Im Innern findet keine Abtheilung in Stockwerke statt; man sieht vom Boden bis zum Ge - wölbe des Gebäudes, aber man erkennt an den Wän - den die Absätze der Stockwerke, daher wahrscheinlich der Boden derselben aus Holz bestanden hat, das mit der Zeit zerstört ist. An der Aussenseite des Gebäu - des erkennt man noch rund herum die Reste der Mauern vieler Gemächer, die aber weder untereinander, noch mit dem Hauptgebäude in Verbindung gestanden zu haben scheinen, und daher vielleicht auch nur von aussen zugänglich gewesen sind. Sie reichten wahr - scheinlich auch nur bis zu den thürähnlichen Oeffnun - gen des ersten Stockwerkes, um welches, wie auch um die obern, äusserlich wahrscheinlich Gallerien her - umliefen. Doch lässt sich darüber, wie überhaupt über

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die ganze Bestimmung des Gebäudes jetzt wohl schwer - lich etwas ausmachen.

Das andere Gebäude, das sich etwa 600 Fuss gegen Süden von dem eben beschriebenen befindet, scheint dagegen ein Bad gewesen zu sein. Es wird von den Bewohnern des Dorfes das weisse Haus (bjelaja palata) genannt. Seine grösste Länge von Norden nach Süden beträgt etwa 82 Fuss, seine Breite am nördlichen Ende 36 Fuss, am südlichen 25 Fuss. Im Innern erkennt man besonders zwei Zimmer, das eine von der Form eines Quadrats, das andere von der eines Oblongums, die durch eine kleine Thür mit ein - ander Verbindung gehabt haben; der Eingang von aussen ist bei dem letztern. Das erstem ist durch seine Einrichtung besonders merkwürdig; es hat näm - lich an jeder Ecke ein anderes quadratisches Zimmer, so dass in der Mitte nur ein breiter Kreuzgang bleibt, der sein Lieht durch eine achteckige Oeffnung in der Mitte einer Kuppel empfängt, die sich über der Mitte des Kreuzganges befindet. Vier andere kleine Kup - peln befinden sich über jedem Eckzimmer, die ebenfalls in der Mitte eine achteckige Oeffnung haben, aber zum Theil eingestürzt sind, daher der Boden mit Schutt bedeckt ist. Diese Zimmer sind oben an den Wänden mit wohl erhaltenen Arabesken verziert, und stehen mit dem Kreuzgang durch Thüren in Verbindung, die nicht in den Seitenwänden, sondern in der Kante, in welcher die inneren Wände zusammenstossen, ange - bracht sind. Kanäle, welche unter dem steinernen Bo - den des Kreuzganges hinlaufen, Spuren von Wasser - leitungen an den Wänden, sowie Ueberreste von eiser - nen Röhren in denselben, lassen wohl keinen Zweifel über die Bestimmung des Gebäudes zu dem oben an - gegebenen Zwecke übrig. Alle diese beschriebenen Gebäude bestehen aus behauenen Steinen, theils Sand - theils Kalksteinen.

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Weniger gut erhaltene Ueberreste von Gebäuden als die beschriebenen findet man, zum Theil mit Schutt und Rasen bedeckt, ausser ihnen noch in grosser Menge, sowohl innerhalb als ausserhalb des Walles. Leider werden dieselben immer unbedeutender, da die Bauern sich der Bruchsteine aus den alten Mauern zu ihren Bauten bedienen, und auch die steinerne Kirche des Dorfes ganz von den Bausteinen der alten Stadt und den in der Gegend gefundenen Grabsteinen aufgeführt ist. Es wäre ein grosser Verlust, wenn diese alten Denkmäler einer dunklen Zeit ganz vernichtet würden. Schon Erd mann sah vieles von dem nicht mehr, was Pallas und Le pechin 48 Jahr vor ihm beschrieben, und spätere Reisende werden vielleicht hoch weniger finden, wenn von der Russischen Regierung der Zer - störung dieser Trümmer kein Einhalt gethan wird. Aber die Verführung ist gross, ein tauglicher Baustein ist nicht in der Nähe und kann aus den Trümmern mit Leichtigkeit genommen werden. Unter dem Schutte der Ruinen findet man noch häufig silberne und kupferne Münzen, kupferne Ringe, Ohrgehänge und andere Gegenstände, die uns von den Bauerkindern auch häufig zum Kauf angeboten wurden. In einem der Gebäude des alten Bulghars sollen mehrere tata - rische Heilige begraben liegen, daher von den Gläu - bigen auch noch zu diesen Ruinen gewallfahrtet wird. So sahen wir einen tatarischen Mollah während wir die Ruinen besahen, in und vor mehreren derselben seine Andachtsübungen verrichten, die im Herbeten von Formeln mit häufigen Neigungen des Körpers bestan - den, ohne dass er sich im geringsten durch uns stören liess. Da die Ruinen ziemlich entfernt von einander liegen, fuhren wir in kleinen Wagen von der einen zur andern. Das benutzte der Moliah; er setzte sich mit unserer Erlaubniss auf einen unserer Wagen, und fuhr auf diese Weise zu allen Ruinen hin, indem er sich immer so einrichtete, dass er früher seine Andacht -

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übungen verrichtet hatte, als wir mit unserer Besich - tigung fertig waren.

Was wir von der Geschichte der Bulgharen wis - sen, ist von Erdmann in seiner mediciuischen Topo - graphie des Gouvernements Kasan S. 291-305 zusam - mengefasst worden. Hiernach bildeten die Bulgharen schon im siebenten Jahrhundert ein unabhängiges Volk, das sich auf der Ostseite der Wolga vom Einflusse der Sura in dieselbe bis zum Kaspischen Meere aus - breitete, mit den Russen in beständigem Kriege lebte, und Auswanderungen nach dem Schwarzen Meere und dem südlichen Ufer der Donau unternahm. Herr Aka - demiker Frähn, dessen gelehrten Forschungen wir die wichtigsten Aufschlüsse über die Bulgharen zu verdanken haben, glaubt, dass dieselben ilnen Namen von der Wolga, deren Ufer sie bewohnten, erhalten hätten, und dass sie ursprünglich zum grossen Finni - schen Stamm gehörten, dass sie aber bald mit Slawen und Türken gemengt wurden, und an der Wolga nach und nach zu Türken, an der Donau zu Slawen wur - den. Klaproth 1) hat dieselbe Meinung ausgesprochen, indem er die Bulgharen zu dem östlichen oder Urali - schen grossen Völkerstamm rechnet.

Das Reich der Bulgharen blühte besonders zu Ende des 12ten Jahrhunderts, nach welcher Zeit es von den Einfällen der Mongolisch - Tatarischen Völkerschaften sehr zu leiden hatte, bis es endlich von Batü Chan, dem Enkel von Dschingis Chan, 1236 völlig unter - worfen und dem Kaptschakischen Reiche einverleibt wurde. Die Nachkommen Dschingis Chans in diesem Reiche, die von den Russen die Chane der Goldnen Horde genannt wurden, erwählten Bulghar zu ihrer Sommer-Residenz, und Serai an der untern Wolga zu ihrer Winter-Residenz. In der erstern hielten sich

[footnote reference]1) Asia polyglotta, 1823. S. 189 und Tableau hist, de 1826, S. 281.
[footnote reference]102

1261 Nicolo und Maffio Poli, Vater und Oheim des berühmten Marco Polo, ein ganzes Jahr auf, wo da - mals Bercke Chan herrschte l), sowie die Winter-Resi - denz Serai ein anderer berühmter Reisender, Wilhelm Rubruquis 1253 besuchte, der schon der Baschkiren (Pascatir) erwähnt.

Nach dem Aussterben der Dschingisiden gegen das Ende des vierzehnten Jahrhunderts brachen im Kaptschakischen Reiche innere Unruhen aus, in Folge deren Timurlenk (Tamerlan) dasselbe mit Krieg über - zog, eroberte und verwüstete. Serai wurde zerstört; Bulghar scheint indessen der völligen Zerstörung ent - gangen zu sein und dieselbe erst später von dem Rus - sischen Grossfürsten Wassili Dimitrijewitsch oder Joann Wassiljewitsch dem Grossen erlitten zu haben 2).

[footnote reference]1) ll Millione di Marco Polo, ed, del Conte Bald ell i, T. II, p. 5. 2 ) Herr Fr ähn hat, seitdem Erdmanns Werk erschienen ist, seine interessanten Untersuchungen über die Ruinen von Bulghar und über das einst so mächtige Bulgharen-Volk fortgesetzt (*). Des Ara - bischen Reisenden Ibn - Foszlans Berichte (er begleitete im Jahre 921 eine von Bagdad kommende Gesandschaft an den König der Wolga - Bulgharen) haben den Stoff zu Bemerkungen gegeben, von denen wir hier nur einige wenige ausheben. Nordlichte, welche jetzt in jener Breite so selten sind, waren damals im Lande der Bulgharen sehr häufig. Abu - Hamid Andalusy erzählt, dass zu seiner Zeit, in der Mitte des zwölften Jahrhunderts in Bulgharien die Erde selbst im Sommer nicht von Schnee frei geworden sei. Nach Ibn-Batuta (**), dem Maroccaner, der 1332 in Bulghar war, fuhr man von Bulghar nach Jugrien damals, wie jetzt im nördlichsten Sibirien, auf Schlitten, die mit Hunden bespannt waren. Doch Sommerfrüchte gediehen gut, Weizen, Gerste und Hirse. Das Milderwerden des Klimas ist nach diesen Arabischen Berichten unläugbar, aber am auffallendsten wäre die Abhängigkeit der Nordlichte von diesen klimatischen Veränderun - gen. Herr Frähn beweist, dass die Bulgharen vor dem Jahre 922 noch keine eigentlichen Städte gehabt, und dass die Stadt Bulghar die Festung selbst gewesen, zu deren Bau die Chalifen von Bagdad dem
[footnote reference]
[footnote reference](*) Mémoires de l’Acad, imp. des sciences de St. Petersbourg. Sixième Serie, T. I, (1832) p. 527-577.
[footnote reference]
[footnote reference](**) The Travels of Ibn-Batuta transated by Lee, 1829, p. 77.
[footnote reference]103

Bei den so mangelhaften Nachrichten über die alten Wolga-Bulgharen sind die in den Ruinen Bulghars gefundenen Münzen und Grabsteine wichtige Doku - mente für die Geschichte des Volks. Die Münzen ha - ben nur zuweilen Inschriften, die dann arabisch sind, was bei einem Volke, das den Islam angenommen hat, nicht auffallen kann. Die meisten sind indessen, wie Hr. Fr ähn gezeigt hat, Mongolen-Münzen, und stam - men aus dem 13ten bis 15ten Jahrhundert. Nur sehr selten finden sich ältere, und von diesen hat Hr. Fr ähn drei beschrieben 1), die in den Jahren 950 und 976 von ihren Königen Talib und Mumin in den Städten Bulghar und Süwar geprägt sind. Eine schöne und zahlreiche Sammlung in Bulghar aufgefundener Münzen, die Herr v. Humboldt der zuvorkommen - den Güte des Professors Fuchs in Kasan verdankt, ist dem Königlichen Museum in Berlin einverleibt worden.

Von den Inschriften der Grabsteine liess Peter der Grosse, als er im Jahre 1722 die Ruinen von Bulghar besuchte, Abschriften und Uebersetzungen machen, und erhielt auf diese Weise der Nachwelt 50 Inschriften; denn die Grabsteine selbst sind jetzt fast durchgängig zum Bau der Kirche des Dorfes Bolgarü

[footnote-continued reference]Bulgharen-Könige werkverständige Araber schickten. Ibn-Foszlan nennt unter den Handelsartikeln zu seiner Zeit, im zehnten Jahr - hundert: Mammuthszähne, welche dort häufig ausgegra - ben wurden. Zuletzt wollen wir noch der sonderbaren Staatsein - richtung im Lande der Bulgharen erwähnen, dass nämlich alle be - sonders klugen Leute aufgehängt wurden; ob aus Miss - trauen (als politische Vorsichtsmaassregel), oder wie Ahmed Tusy vermuthet, weil besonders kluge Menschen vor andern würdig sind, Gott dem Herrn früh zu dienen, bleibt unentschieden. Man traut seinen Augen nicht, sagt Herr Frähn, aber die Texte sind nicht corrupt, und fünf hochgeachtete arabische Schriftsteller erwähnen des sonderbaren Landesgebrauches.
[footnote-continued reference]
[footnote reference]1) Mémoires de l’Acad. imp. des sciences de St. Petersbourg. Sixième Série, T. I, (1831) p. 543.
[footnote reference]104

verwandt worden, so dass als Hr. Frähn die Ruinen besuchte, er nur noch eine einzige Inschrift vollständig erhalten fand. Durch Vermittelung des Grafen Po - tocki erhielt Klaproth eine Abschrift der von Peter dem Grossen besorgten Abschrift, wonach er eine neue Uebersetzung dieser Inschriften herausgab 1), was um so erfreulicher ist, da die ursprüngliche Abschrift sich in den Archiven der Regierung in Kasan befand, und bei den grossen Bränden, die diese Stadt zu verschie - denen Zeiten verheert haben, wahrscheinlich unterge - gangen ist. Unter den Inschriften befinden sich 27 in türkischer, 20 in arabischer und 3 in armenischer Sprache. Sie enthalten alle einen Spruch des Koran, wie z. B.: er ist der Lebende, der nicht stirbt u. s. w., den Namen des Verstorbenen, dessen Abstammung, ge - wöhnlich noch einen Segen für denselben und das Todes - jahr. Die meisten beziehen sich auf Männer, nur einige auf Frauen. Die meisten und zugleich ältesten Inschrif - ten sind aus dem Jahre 623 der Hedschra, oder dem Jahre 1226 unserer Zeitrechnung, aber das Todesjahr ist bei diesen nur durch ein Chronogramm, welches die Ankunft der Unterdrückung bedeutet, angegeben, was Klaproth zu der Meinung veranlasst, dass die Indi - viduen, auf deren Grabstein man diese Inschriften liest, bei einem Einfalle der Mongolen, der aber noch keine bleibende Eroberung zur Folge gehabt hat, umgekom - men sind. Es sind deren 24, sie sind alle in türki - scher Sprache. Die übrigen sind aus den Jahren 1271 bis 1342.

Die 3 armenischen Inschriften versuchte Saint - Martin zu übersetzen, doch war es ihm selbst mit Hülfe der Russischen Uebersetzung, die Peter der Grosse hatte machen lassen, unmöglich, sie zu entziffern, sei es aus Schuld des frühern oder spätern Abschreibers. Was er aber von dem Texte verstehen konnte, wich

[footnote reference]1) Nouveau Journal asiatique.
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von der Russischen Uebersetzung ganz ab, woraus man schliessen muss, dass der Armenische Dolmetscher die alten Inschriften, die vielleicht schon zur Zeit der Reise Peter des Grossen in einem sehr unleserlichen Zustand gewesen sind, selbst nicht verstanden, und aus Furcht seine Unwissenheit zu gestehen, ungenaue Abschriften und falsche Uebersetzungen gegeben habe.

Bei der Besichtigung der Ruinen Bulghars war der Abend herangerückt; wir mussten eilen nach Kasan zurückzukehren, da wir dort schon zu einem Mittags - mahle erwartet wurden, wozu der Herr Curator die sämtlichen Mitglieder der Universität eingeladen hatte. Nach einem kurzen Mahle brachen wir daher auf und konnten rechnen, bei der Art wie man in Russland reist, zur gehörigen Zeit in Kasan einzutreffen. Aber schon in der Stadt Spask, durch welche wir in der Nacht kamen, wurden wir durch ein Gewitter, welches mit einem heftigen Regenschauer begleitet war, einige Stunden aufgehalten, und einen noch grössern Aufent - halt erfuhren wir, als wir an der Kama anlangten, die wir zu passiren hatten. Die Kama ist der beträcht - lichste Nebenfluss der Wolga auf ihrer linken Seite, und fast noch von grösserer Bedeutung als die Oka. Lange Zeit an der Westseite des Urals entlang flies - send, nimmt sie den grössten Theil der auf dieser Seite des Urals entspringenden Flüsse auf, und wächst da - durch zu einer bedeutenden Mächtigkeit an. Jetzt war sie ausserdem noch durch die Frühlingswasser zu einer solchen Breite angeschwollen, dass wir volle sieben Stunden brauchten, um nach der Kreisstadt Laischeff am jenseitigen Ufer zu gelangen.

Die Stadt ist von Tataren bewohnt, die auch die Be - völkerung der meisten benachbarten Dörfer ausmachen 1).

[footnote reference]1) Die Stadt treibt übrigens einen bedeutenden Verkehr, da das Salz von Solikamsk und die Produkte des Ural, welche auf der Kama
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Wir verweilten in der sehr reinlichen Wohnung eines derselben nur etwas, um Frühstück und Mittag zugleich einzunehmen, und vollendeten nun die 58 Werste bis Kasan in fast unglaublich kurzer Zeit. Die Tataren haben sämtlich viele und gute Pferde; sie fahren in der Regel noch schneller als die Russen, und unsere Fuhr - leute thaten es darin noch allen zuvor, die uns bisher gefahren hatten. Der Weg ist gut, und führt durch einen Wald von Laubholz und über angebaute Felder. Vier Werste vor Kasan kamen wir noch bei dem Kloster Jerusalem, der Wohnung des Erzbischofs vorbei, das eine reizende Lage hat, worauf wir denn bald unser Ziel erreichten, aber freilich erst um 9 Uhr Abends, und viel zu spät für das angesetzte Mittagsmahl, das nun auf den folgenden Tag verschoben worden war.

Wir blieben demnach noch den folgenden Tag in Kasan; Graf Polier reiste dagegen schon am Vor - mittage ab, um so bald als möglich auf seine Güter bei Perm zu kommen, wo wir wieder zusammentreffen wollten. Auch schien es zweckmässig bis Perm ge - trennt zu reisen, da es sich leicht hätte treffen kön - nen, dass wir bei unserer grossen Gesellschaft nicht immer die nöthige Zahl von Pferden auf den Stationen gefunden hätten. Herr von Humboldt benutzte den Vormittag um die Inklination der Magnetnadel in Kasan zu bestimmen, welche er (am 8ten Mai 1829) 68° 26, '7 fand. Er beobachtete sie im Beisein des Hrn. Curators von Mussin-Puschkin und des Hrn. Soimonoff, und erhielt bei dieser Gelegenheit von dem erstern das Versprechen, dass in Kasan ein eigenes magneti - sches Observatorium erbaut werden sollte, ein Ver - sprechen, das nun schon seit mehreren Jahren in Er - füllung gegangen ist. Ich bemerke hierbei, dass die ersten Resultate gleichzeitiger Perturbationen des täg -

[footnote-continued reference]stromabwärts gehen, hier umgeladen und auf andere Schiffe gebracht werden müssen, in denen sie die Wolga stromaufwärts gehen.
[footnote-continued reference]107

lichen Ganges der Magnetnadel durch correspondirende Beobachtungen der Herren Arago und Kupffer in Paris und Kasan erlangt wurden, und zu der Erbauung so vieler magnetischen Häuser Veranlassung ge - geben haben, welche auf Veranlassung des Hrn. v. Hum - boldt seit 1828 in Europa und Nord-Asien gegründet worden sind.

Wir hatten durch unsern langem Aufenthalt noch Gelegenheit den Sab an, ein ländliches Fest der Tata - ren kennen zu lernen, das sie alljährlich nach been - deter Aussaat feiern. Während einer Woche versam - meln sie sich um diese Zeit des Nachmittags auf einer Wiese, einige Werste von der Stadt, und belustigen sich durch allerhand Spiele und gymnastische Uebun - gen, die meistentheils im Ringen und im Wettlauf be - stehen. Herr v. Mussin-Puschkin hatte die Güte uns den Abend dorthin zu führen, wo wir die Spiele schon in vollem Gange trafen. Die Männer hatten einen Kreis gebildet, in welchem das Ringen statt fand.

Die Kämpfer hatten ihr gewöhnliches Oberkleid abge - worfen, ihre Gürtel um des Gegners Rücken geschlun - gen, und suchten nun denselben mittelst der Gürtel in die Höhe zu heben und umzuwerfen. Sie bogen dabei den Vorderleib vorn über gegeneinander, hielten den Gürtel ganz kurz, so dass sie zu gleicher Zeit auch das Unterkleid an den Rippen des Gegners fas - sen konnten, und drängten sich in dieser Stellung, in abwechselnden Bemühungen ihren Zweck zu erreichen, vor - und rückwärts, was ihnen oft nur nach langen Pau - sen gelang. Meistens fielen beide, wer aber den andern am Boden festhielt, hatte gesiegt, und wurde durch das Zujauchzen der Umstehenden und durch kleine Geschenke, die die reichern Tataren austheilten, belohnt. Nur der Besiegte verliess indessen den Platz; der Sie - ger blieb und forderte einen andern auf, und wenn er auch über diesen den Sieg davontrug, einen dritten, bis er selbst von einem neuen Kämpfer besiegt wurde.

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Natürlich hatten die später Kommenden wegen der immer mehr eintretenden Ermüdung des ersten Siegers ein leichteres Spiel, doch sahen wir einen, der nach einander drei andere überwand, bis er erst dem vier - ten unterlag.

Nachdem diese Uebungen lange gewährt hatten, fing das Wettrennen an, was theils zu Pferde und theils zu Fuss statt fand. Die Kämpfenden wurden einige Werste weit fortgeschickt, und liefen einem bestimmten Ziele zu; auch hier wurden die Sieger durch vertheilte Geschenke belohnt. Auch Frauen fehl - ten diesen Spielen nicht, wenngleich sie sich immer in einiger Ferne von den Männern hielten. Die reichern Tataren hatten Zelte aufschlagen lassen und bewir - theten uns in denselben mit allerhand Süssigkeiten, mit getrockneten Aprikosen aus Bochara, Piniennüssen (von Pinus Cembra), mit Thee und Kumis, der ge - gohrnen Stutenmilch, die wir hier zum ersten Mal tranken. Sie ist säuerlich und fett, und ein ebenso erfrischendes als nahrhaftes Getränk 1).

Den 9ten Juni früh setzten wir unsere Reise weiter fort. Von dem Balkon an der Hinterseite des

[footnote reference]1) Ueber die eigentliche Bedeutung des Wortes Tatar hatte Herr v. Humboldt die Güte mir die folgenden Bemerkungen mitzutheilen: Im Russischen Reiche gilt die Benennung Tataren stets für einen türkischen Menschenstamm, indem man nicht eine mongolische Gesichtsbildung suchen muss; die Tataren der Krimm, des Gouver - nements Kasan und die von Tobolsk gehören zu dem sogenannten Caucasischen Menschenstamm. Tataren sind Türken, aber die Benen - nung Tataren gehörte ursprünglich bei asiatischen Schriftstellern den Mongolen an. Das Wort Mongol (Mogul) wird nach Vocabularien, die im funfzehnten Jahrhundert unter der Dynastie Ming in Peking angefertigt sind, durch Tata oder Tataeul (für Tatar bei gewöhn - licher Verwechselung von r und l) übersetzt. Die falsche Anwendung des Wortes Tatar, welches Mongolen (Moho, Mongu) bezeichnete, auf den schönern türkischen Menschenstamm, wurde durch die Mon - golischen Eroberungen veranlasst. Als Dschudschi Chan, Sohn von Dschingis Chan das nordwestliche Asien und den Osten von Europa
[footnote reference]109

hochgelegenen Hauses, wo wir wohnten, warfen wir noch einen Blick auf den daran stossenden Garten und

[footnote-continued reference]eroberte, fielen die türkischen Stämme zwischen der Wolga und dem Dnieper unter mongolische Herrschaft. Die Fürsten dieses Reiches von Kiptschak, das sich vom Dniestr bis zu der Jemba in der Kirgi - sen-Steppe erstreckte, nannten sich Tataren oder Mongolen, obgleich die Sage ging, dass Dschingis Chan, ursprünglich Fürst der Kalkas - oder Calcha - Mongolen von türkischem Blute, und Timurs Mutter eine Türkin war. Die Chane, die nach der Zerstückelung des Reichs der Dschingischaniden in Kasan, Astrachan und der Krimm herrschten, hiessen Tataren; ihre Unterthanen und Armeen waren grösstentheils türkisch. Sie selbst nahmen bald die türkische Sprache an, und so entstand der Gebrauch, die Benennung Tataren von der Herrscher-Familie auf die beherrschten Türken zu übertragen. Tatar wurde dazu durch falsche Erudition in West-Europa zu Tartaren um - gewandelt. Ein Wortspiel des heiligen Ludwig drückt diese Erudition lebhaft aus. Als man die Ankunft der Mongolen oder Tataren selbst im Westen von Europa fürchtete (die Tataren-Schlacht bei Wahlstadt in Schlesien war den 9ten April 1241), sagte Ludwig der Heilige zu seiner Mutter:,, Erigat nos, mater, coeleste solatium, quia si perve - niant ipsi, vel nos ipsos, quos vocamus Tartaros, ad suas tar - tareas sedes, unde exicrunt retrudemus, vel ipsi nos omnes ad coe - lum advehent. So haben die ersten spanischen Entdecker wegen der hundswuthartigen Grausamkeit der Caraiben aus dem ursprünglichen Namen Carina oder Cali na das Wort Canibalen geschmiedet.
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]Seitdem in dem letzt verflossenen halben Jahrhundert so viel über Menschenracen discutirt worden ist, ist die unrichtige, erst im dreizehnten Jahrhundert entstandene Verwechselung der Tartaren mit den Türken in vielen vortrefflichen Schriften verbreitet worden. Schlözer, Meiners, Adelung und Cu vier haben dazu beige - tragen. Abel Remusat, der mit Klaproth die ursprüngliche Identität von Mongolen und Tataren ergründete, schlägt vor, die alte Benennung Tataren für Mongolen beizubehalten, aber Tartaren als Collectivnamen für das heterogene Gemisch nordasiatischer Völker zu gebrauchen, ein Vorschlag, der zu neuen Irrthümern veranlassen könnte, etwa als wollten wir zwischen Deutschen und Teutschen unterscheiden.
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]Wenn man bei uns so oft von Tatarischen Gesichtszügen redet, und darunter ein gewisses Schiefstehen der Augen oder das Aufgeworfene der Backenknochen versteht, so lässt sich dieser Aus - druck allerdings durch die alte Identität der Mongolen und Tataren rechtfertigen; aber die Tataren des Russischen Reiches haben, als Türken, eine caucasische, den indo-germanischen Stämmen ähnliche
[footnote-continued reference]110

die Stadt, die man von hier aus vortrefflich übersehen konnte, und nahmen Abschied vom Prof. Soimonoff und anderen Freunden, die uns am Morgen noch auf - gesucht hatten.

Unser nächstes Ziel war also die Stadt Perm, welche von Kasan 574 Werste entfernt ist. Der Weg ist die ersten Stationen von Kasan nicht unangenehm, und führt zum Theil durch einen schönen Wald von Pappeln, Eichen und Linden, doch ist er äusserst san - dig. Bei Arsk, der zweiten Station von Kasan, kamen wir aber auf einen festen fruchtbaren Lehmboden, welcher ziemlich den Tag über anhielt, und auf welchem uns die Tataren, die auch hier die umliegenden Ortschaften bewohnen, mit gewohnter Schnelligkeit beförderten.

Auf diesem Wege sahen wir zum ersten Mal einen Transport von Verbannten, die nach Sibirien geschickt wurden. Er bestand aus Frauen und Mädchen, etwa 60-80 an der Zahl. Sie gingen frei, waren also nur leichtere Verbrecher; schwerere, wie wir dergleichen auf der Fortsetzung unserer Reise begegneten, gehen zu beiden Seiten eines langen Taues, an welches sie mit einer Hand befestigt sind. Ein jeder solcher Trans - porte wird von Baschkiren escortirt, die beritten, mit Lanze, Pfeil und Bogen bewaffnet, und mit ihren spiz - zen Mützen, zottigen Mänteln und ihrer eigenthümlichen Gesichtsbildung, worin sie sich schon den Kalmücken nähern, durch Abbildungen und Beschreibungen bekannt genug sind. Bei allen Stationen, etwa alle 30 Werste

[footnote-continued reference]Gesichtsbildung, und im obigen Sinne des Worts sahen die Tataren von Kasan und Tobolsk keinesweges tatarisch aus, das heisst sie gleichen nicht den Mongolischen Stämmen, den Kalmücken, Sungaren, Torguten und Buräten (*). "
[footnote-continued reference]
[footnote reference](*) Klaproth, Asia polyglotta, S. 202. Id. Tableau historique de l'Asie, p. 154. Id. Rapport sur les ouvrages du P. H. Bit - cho urinski, relatifs à l'histoire des Mongoles, p. 25 - 32. Abel Remus at, Recherches sur les langues Tartares p. 3, 233, 239. Id. Journal asiatique, T. 11, p. 211.
[footnote reference]111

sind auf diesem Wege, der Hauptstrasse nach Sibirien, hölzerne, mit Pallisaden umgebene Häuser erbaut, in welchen die Verschickten, wie man in Russland die nach Sibirien Verbannten nennt, die Nächte zubringen, und den vierten Tag Ruhetag halten. Das öftere Zu - sammentreffen mit ihnen ist keine Annehmlichkeit der Strasse nach Sibirien, doch ist ihre Behandlung so - weit ich sie gesehen habe, nicht schlecht; die Stationen sind nicht zu gross, aber der Weg ist doch durch die ausserordentliche Länge sehr beschwerlich.

Wir trafen den Tag über schon öfter anstehendes Gestein an. Gleich nach Jäntschurino, der ersten Sta - tion von Kasan, sahen wir links in einiger Entfernung vom Wege einen Steinbruch, in welchem ein weisser Oolithenkalkstein gebrochen wurde, der in horizontalen Bänken geschichtet war. Bei Arsk zogen sich lang gedehnte Hügel zur Seite fort, auf denen zum Theil noch das Dorf selbst lag, und die aus einem grünen, sehr mit Kalk gemengten Sandstein bestanden, und 10 Werste von Korodubanskaja, der vierten Station, stand in einem Steinbruch ein dichter, weisser Kalkstein an, der dem bekannten Pappenheimer sehr ähnlich war. Bei Jän - gulowskaja endlich, der letzten Station von Malmüsch, erheben sich schon grössere Felsen, die von einem glimmerreichen rothen Sandstein gebildet werden.

Spät Abends kamen wir in der Kreisstadt Mal - müsch an. Der Postmeister, in dessen Wohnung wir - eintraten, um uns Thee zu bereiten, ist ein Freund der Mineralogie, und besitzt eine kleine hübsche Minera - liensammlung, aus welcher er die wichtigsten Stücke uns herbeiholte. So zeigte er uns ein vortreffliches Stück Dioptas, welches eine Zierde mancher grossen Sammlung in Deutschland wäre, und machte uns auf eine Menge Knochen und Zähne von Mammuthen aufmerk - sam, die er theils in seine Zimmer, theils vor sein Haus hatte legen lassen, und die alle an den Ufern der Wjatka, in deren Nähe Malmüsch liegt, gefunden waren.

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In Malmüsch hatten wir schon das Gonvernement Kasan verlassen; die Stadt gehört, wie auch schon die Station Jänjulowskaja vorher, zum Gouvernement Wjatka. Dieses Gouvernement bildet auf dem Wege, auf welchem die Sibirische Strasse dasselbe durch - schneidet, ein sich bis 800 Fuss erhebendes, mit Wald bedecktes Plateau, auf welchem eine Menge Flüsse ent - springen, die der Kama und Wjatka zufliessen, welche gleichsam dieses Plateau einfassen. Beide Flüsse ent - springen nicht weit von einander, ziemlich in der Mitte desselben, etwas nördlich von der Sibirischen Strasse, und Messen Anfangs in paralleler Richtung nordwärts fort, worauf sie sich dann nach entgegengesetzten Richtungen, die Kama nach NO., die Wjatka nach SW. wenden. Nachdem sie diesen Lauf einige Zeit fort - gesetzt haben, krümmen sie sich fast unter rechten Winkeln nach SO., worauf die Kama erst in südlicher und sodann in südwestlicher Richtung fortfliesst, und in ihrem weitern Laufe die Wjatka in sich aufnimmt, die ihren alten Lauf beibehaltend, fast rechtwinklich auf die Kama zuströmt, und sich in dieselbe, etwa 120 Werste südöstlich von Malmüsch ergiesst. Die Fläche, die diese Flüsse umfassen, hat auf diese Weise die Gestalt eines Rechteckes, dessen längere Seiten von SW. nach NO., die kürzen, von NW. nach SO. gehen, und dessen östliche Ecke durch die Kama abgestumpft ist. Sie hat nur einen Eingang, nämlich an der längern nörd - lichen Seite, da wo die anfangs nebeneinander laufen - den Flüsse eine entgegengesetzte Richtung einnehmen. Die Flüsse dieses Bezirks sind übrigens sehr fisch - reich, und die Sterledde der Tschepza, eines Seiten - flusses der Wjatka, in der Gegend sehr berühmt.

Die Waldung, die dieses Plateau bedeckt, besteht der Hauptsache nach aus Tannen und Fichten (Pinus Abies und sylvestris), deren Stämme selten ausgezeich - net und gross waren, wenigstens nicht in der Nähe der Landstrasse. Weisse Birken in dem Kienwalde,

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schöne grüne Linden, meistens von geringer Grösse und strauchartig, nebst wilden Rosensträuchern, die in üppiger Fülle zur Seite des Weges blühten, bilden zuweilen für das Auge überraschend angenehme Grup - pen, doch waren ihre Formen botanisch noch immer dieselben wohlbekannten, wie sie sich auch bei Berlin finden. Der Wald fängt gleich hinter Malmüsch an, und währte ohne Unterbrechung die folgenden Tage, den 10ten und den 11ten Juni fort. Nur in der Um - gebung der Dörfer ist er etwas gelichtet und in Acker - feld verwandelt, aber die Dörfer finden sich nur sparsam, alle 20 bis 25 Werste, wo die Stationen sind, dazwi - schen nie. Unabsichtlich ist er auch an andern Stellen durch Waldbrände weggenommen, deren Verwüstungen öfter in den Sibirischen Wäldern sichtbar sind, die wir aber nie so häufig angetroffen haben wie hier. Wir fuhren zuweilen meilenweit, ohne zu den Seiten etwas anderes als die verkohlten Ueberreste der Baum - stämme zu sehen, was einen traurigen Anblick ge¬ währte. Freilich werden dergleichen Waldbrände zu - weilen wohl absichtlich wie in Schweden angelegt, um Land zum Ackern zu gewinnen, aber nur bei wei - tem dem kleinern Theile nach; die meisten entstehen aus Nachlässigkeit von Hirten oder Wanderern, die sich im Walde zur Erwärmung oder zur Bereitung von Speisen ein Feuer machen, das sie beim Fortgehen nicht wieder löschen. Das Feuer greift denn oft ausser - ordentlich um sich, und wird gewöhnlich nur durch zufällige Umstände, meistens nur durch starke Regen - güsse gelöscht. Auf diese Weise werden oft unge - heure Strecken Waldes vernichtet, aber man achtet darauf nicht, der Wald hat keinen Werth, und wächst mit der Zeit wieder nach.

Die Strasse, die durch den Wald geht, ist wie alle Russischen Landstrassen gross und breit, ausser - dem aber noch zu beiden Seiten fast um eine gleiche Breite vom Walde frei gemacht. Sie ist auch hier auf

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jeder Seite mit einer doppelten Reihe von Birken eingefasst. Ungeachtet ihrer Breite ist sie jedoch vor - trefflich; sie ist mit einem groben Kiese überschüttet, der unter der rothen lehmichten Dammerde hier überall gefunden wird, und ein eben so gutes als leicht zu er - haltendes Material zum Wegebau abgiebt. Er besteht aus abgerundeten Geschieben von Quarz, Hornstein, Jaspis, Kieselschiefer, mitunter auch von einem Por - phyr, der eine graulichgrüne Grundmasse hat, und kleine schmale eingewachsene Feldspathkrystalle ent - hält. Das Ganze ist oft zu einem festen Konglomerate verbunden, in welchem kleine Drusen von Kalkspath sich gebildet haben. Versteinertes Holz kommt in ein - zelnen Stücken auch in diesem Sande vor, und wurde uns in Kilmes-Seltinskaja, einem Dorfe, in welchem wir den 10ten Juni Mittag machten, gezeigt.

Die Bewohner dieser Gegenden sind die Wot - jaken, ein Volk, das nach Klaproths Untersuchungen zu dem Finnischen Stamm der Permier gehört. Die eigenthümliche Sprache der Wotjaken ist etwas mit dem Dialecte der Tscheremissen gemischt, die mit den Mordwinen zu dem Stamme der Wolgischen Finnen gehören, dagegen Tschuwaschen, Basch - kiren und Kirgisen Zweige des grossen Türkischen Stammes sind 1). Sie haben indessen meistenteils die christliche Religion und mit dieser auch die Russische Sprache und Russische Sitten angenommen, ihre eigen - thümliche Tracht jedoch noch grösstentheils beibehal - ten. Diese ist besonders bei den Frauen und Mädchen ausgezeichnet. Die Frauen tragen nämlich hohe Mützen von der Form eines abgestumpften Kegels, die aus Birkenrinde bestehen, mit blauem Tuche überzogen und vorn mit silbernen Münzen und rothen Franzen behängt sind; die Mädchen tragen niedrige Kappen,

[footnote reference]1) Klapr oth, Tableau historique de l’Asie, S. 247 und 275, und Abel-Remusat, Recherehes sur les langues Tartares, S. 321.
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über welche ein viereckiges weisses Tuch geschlagen ist, welches nach hinten herabhängt. Mit den thurm - ähnlichen Mützen verrichten die Frauen auch ihre Ar - beit auf den Feldern, wo wir sie häufig sahen; in Kilmes - Seltinskaja aber hatten wir Gelegenheit sie mit Musse zu betrachten, da sich einige von ihnen in ihrem vollen Ornate uns vorstellten.

Das letzte Dorf auf unserm Wege, welches von Wotjaken bewohnt wird, ist Debeskaja, das wir den 11ten Juni Vormittags erreichten. Es ist zugleich das letzte in dem Gouvernement Wjatka, das folgende Kle - nowka gehört zum Gouvernement Perm, und wird schon wieder von Russen bewohnt. In der Nacht setzten wir jenseits Ochansk über die Kama, und kamen am Morgen in Werchne-Mulinsk auf den Gütern des Grafen Polier an, wo wir den Tag über (den 12ten Juni) blieben.

Werchne-Mulinsk ist ein grosses Dorf. Es hat eine steinerne Kirche mit einem Thurm und einem Glockenspiel, und liegt 10 Werste westlich von der Gouvernementsstadt Perm, an dem kleinen Flüsschen Muli, das sich nicht weit davon in die Kama ergiesst. Wir hatten erst die Absicht, die dem Grafen zugehö - rigen Kupfergruben und Hütten zu besuchen, erfuhren jedoch, dass sie zu fern von Werchne-Mulinsk, jen - seits der Kama liegen, und unterlassen daher ihre Besichtigung, die uns zu viel Zeit gekostet haben würde. Die Kupfererze, welche hier gewonnen und verschmolzen werden, sind die sogenannten Sanderze, die in dem ältesten Flötzsandsteine, dem weissen Lie - genden brechen. Diese Sandsteinformation kommt auf der Westseite des Urals in grosser Ausdehnung vor, nicht nur in dem Gouvernement Perm, sondern auch in denen von Wjatka und von Orenburg, wo in ihr an vielen Punkten, an den Ufern der Wjatka, Kama, Dioma und Sakmara gebaut wird 1). An der Ostseite

[footnote reference]1) Zu dieser Sandsteinformation gehört vielleicht auch schon der
[footnote reference]116

findet sie sich dagegen nicht, denn die berühmten Kupfergruben von Gumeschewsk, Nischne - Tagilsk und Bogoslowsk bauen auf ganz anders vorkommende Erze.

Nach den Proben der Sanderze, die wir in Werchne - Mulinsk sahen, als auch nach andern von den verschie - denen Gruben in den Gouvernements Wjatka, Perm Orenburg, die sich in der Königl. Sammlung in Berlin befinden, bestehen diese Sanderze aus einem feinkör - nigen, zuweilen grobkörnigen Sandstein, der Geschiebe bis zu der Grösse einer Haselnuss enthält, die aus Quarz, Hornstein und Jaspis bestehen. Er ist zuweilen hart, grösstentheils aber mürbe und bröcklich, und zer - fällt an der Luft zu Sand; er ist sehr kalkhaltig und braust daher stark mit Säuren. Die Kupfererze, die in ihm enthalten sind, bestehen grösstentheils aus erdi - gem Malachit und Kupferlasur, die in dem Sandstein fein vertheilt sind, und oft nur als eine Färbung des - selben erscheinen. Die Kupferlasur kommt auch in kleinen Körnern und Kugeln in dem Sandstein vor, und der Malachit findet sich, jedoch nur sehr selten, in kleinen faserigen Parthien. Eben so selten finden sich nach den untersuchten Proben andere Kupfererze, wie Rothkupfererz in kleinen Parthien, zuweilen mit fein eingesprengtem gediegenen Kupfer und Kupfer - glanz, welchen letztern ich nur in einem Stücke sah, wo er eine sehr dünne Lage bildete.

Ueberreste von Vegetabilien kommen in diesem Sandstein häufig, zuweilen auch Ueberreste von Fischen vor. Die ersteren bestehen meistens aus mehr oder we - niger grossen Stamm - und Aststücken, gewöhnlich von Dikotyledonengewächsen 1), und sind gewöhnlich in

[footnote-continued reference]S. 111 erwähnte Sandstein von Jängulowskaja, da auch schon in die - ser Gegend sich an mehreren Orten Kupfererze linden,
[footnote-continued reference]
[footnote reference]1) Hermann führt Stücke versteinerten Holzes an von 2 Ar - schinen Länge und einer halben Arschine Breite, die auf der Kam - menskischen Grube bei Perm, und andere von 6 ½ Arschinen Länge,
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schwarzgefärbten Hornstein umgewandelt, an welchem man jedoch noch deutlich die Jahresringe erkennen kann; doch findet man auch Stücke von baumartigen Farrenkräutern, die entweder blosse Steinkerne von Sandstein sind, oder noch die äussere, in Kohle um - geänderte Rinde erkennen lassen. Die Kupfererze ha - ben sich besonders an solchen Stücken angehäuft und diese mehr oder weniger durchdrungen. Von Fischen erhielten wir in Werchne-Mulinsk zwei schöne Exem - plare, an denen zwar nicht die Köpfe und Flossen zu sehen, aber die Körper mit den Schuppen sehr gut erhalten sind. Ein anderes Exemplar befand sich schon in der Berliner Sammlung; es ist kleiner als die er - wähnten, hat aber noch den Kopf und die Schwanz - flossen.

Der mit diesen Erzen mehr oder weniger regel - mässig erfüllte Sandstein bildet nach Hermann 1) schwebende oder donlägige, in der Regel nicht sehr mächtige Schichten in einem von Kupfererzen freien, oder an solchen wenigstens armen Sandstein; die Mäch - tigkeit der Schichten schwankt von einigen Zollen bis zu einem Lachter. Gewöhnlich findet sich nur ein bauwürdiges Flötz, zuweilen finden sich aber deren mehrere übereinander; sie sind von dem tauben Sand - stein entweder gar nicht, oder durch Mergel - oder Let - tenschichten geschieden.

Die Erze sind nicht reich, sie geben in der Regel nur bis 3 Proc. Garkupfer, aber sie sind sehr gut - artig und leicht zu verschmelzen. Sie werden ohne vorhergegangene Röstung mit einem Zuschläge von Kalkstein in Krummöfen verschmolzen, und geben so - gleich nach der ersten Schmelzung Schwarzkupfer, das ohne weitere Schmelzung gar gemacht wird.

[footnote-continued reference]die auf der Grube von Jängis bei Ufa vorgekommen sind. Mineralog. Beschreibung des Urals, B. II, S. 9 und S. 60.
[footnote-continued reference]
[footnote reference]1) A. a. O. B. II, S. 1 -67.
[footnote reference]118

Der Bergbau auf diese Sanderze ist schon sehr alt, denn ehe er von den Russen in den dreissiger und vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wieder ausgenommen wurde, war er schon von einem ältern Volke wenigstens in den südlichern Gegenden betrie - ben worden, deren alte Halden und abgeteufte Schachte an den Ufern der Sakmara und Dioma sehr häufig Ver - anlassung zur Entdeckung der jetzt bearbeiteten Gru - ben gegeben haben. Spuren eines solchen früher be - triebenen Bergbaus hat man auch auf der Ostseite des Urals selbst bis zur Breite von Gumeschewsk, ja im ganzen Altai und in der Steppe der Kirgisen gefunden, aber es ist noch ganz unausgemacht, welches Volk es ge - wesen ist, das diesen ausgedehnten Bergbau getrieben hat. In Russland schreibt man ihn den Tschuden zu, und nennt daher diese alten Arbeiten, Tschudische Arbeiten.

Von Werchne-Mulinsk an setzten wir nun gemein - schaftlich mit dem Grafen Polier die weitere Reise fort. Wir verliessen diesen Ort am Morgen des 13ten Juni, und kamen bei der Nähe von Perm sehr bald in dieser Stadt an, die unmittelbar an dem linken Ufer der Kama liegt. Perm ist erst in der neuern Zeit zur Gouvernements-Stadt erhoben, denn bis zum Jahre 1780 war sie nur noch ein unbedeutender Flecken (Slobode), doch ist sie jetzt schon von ziemlichem Um - fang, wie sie denn auch einen grossen Verkehr treibt, da alle die Kama herabkommenden Schiffe bei ihr an - legen müssen. Sie hat gerade und breite Strassen, einen grossen Markt und mehrere Kirchen, und ist rund herum mit einer schönen Allee von Birken um - geben. Ihre Häuser sind meistentheils von Holz, doch finden sich darunter auch mehrere steinerne Gebäude, und namentlich sind von der Art alle Kronsgebäude. Zu der Zeit unserer Reise war sie noch der Sitz der obersten Behörde für die Bergverwaltung des Urals, der aber jetzt nach Katharinenburg verlegt ist.

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Wir hielten uns in Perm nur so lange auf, als nöthig war, damit Herr von Humboldt einige noth - wendige llesuche machen konnte, während Herr Eh - renberg und ich einen gleich hinter der Stadt sich erhebenden Berg bestiegen, der aus einem grauen Sandstein bestand, sehr wahrscheinlich noch zur For - mation des Kupfersandsteins gehörte, sonst aber nichts Merkwürdiges darbot. Gleich darauf reisten wir ab.

Unser nächstes Ziel war nun die Stadt Kathari - nenburg, welche 360 Werste von Perm entfernt und schon auf dem Ostabhang des Urals gelegen ist, dem wir nun ohne Aufenthalt und nicht ohne Erwartung entgegeneilten. Der Weg, welcher von Kasan aus bis Perm eine ganz nordöstliche Richtung genommen hatte, wendet sich nun wieder nach Südosten bis nach Atschits - kaja, von wo aus er erst eine gerade östliche Richtung annimmt. Führte die Strasse nicht über die Stadt Perm, die mehr als einen Breitegrad nördlicher als Kathari - nenburg liegt, so könnte der Weg von Kasan nach diesem Theil des Urals bedeutend abgekürzt werden. Die Strasse ist aber vortrefflich (sie ist noch mit dem - selben groben Kies überschüttet wie früher) und die Gegend sehr angenehm. Der Weg führt anfangs über mehrere Bergrücken fort, die von derselben Beschaf - fenheit waren, wie der, den wir bei Perm bestiegen hatten. Wald und Wiesen wechselten dabei an den Seiten, und gewährten immer neue Ansichten. Mehr - mals eröffnete sich noch von den Höhen aus durch die Waldung auf einen Augenblick eine freie Aussicht auf Perm, das mit seinen Thürmen den Horizont begränzte. Der Wald bestand aus Weiss - und Rothtannen (Pinus picea und abies), von denen die erstern schon von fern durch ihr dunkles Laub und ihre spitzere pyramidali - sche Gestalt von den letztern zu unterscheiden waren; seltener fanden sich hier Lerchen, aber zwischen allen diesen, Birken und Pappeln (Schwarz -, Weiss - und Zitterpappeln, besonders die letztem), welches bunte

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Gemisch von Laub - und Nadelholz wir anch so häufig an dem Ural fanden, und das den Wäldern dieses Gebirges den so eigenthümlichen Reiz und das schöne parkähn - liche Ansehen giebt. Diese Beschaffenheit behielt der Weg doch nur die ersten Stationen von Perm; auf der dritten wird er ebener, der Wald hört mehr und mehr auf und macht bebauten Ackerfeldern Platz. Auch der Sandstein hört auf, und wird von einem dichten Kalk - stein bedeckt, der dem Jurakalke gleicht und in hori - zontalen Lagen geschichtet ist. Hinter Janütschi, der zweiten Station von Perm, zieht sich links zur Seite des Weges ein langer Bergrücken hin, der aus diesem Kalkstein besteht, welcher von einem weissen, theils dichten, theils faserigen Gypse bedeckt wird. Ver - steinerungen habe ich in dem Kalkstein nicht wahr - genommen.

Nachmittags waren war in der Kreisstadt Kungur, die am Abhange eines Bergrückens an dem Einflusse des Iren in die Sülwa, ein Nebenfluss der Tschusso - waja, recht anmuthig daliegt. Die Stadt ist durch die in der Nähe im Gyps befindliche Höhle bekannt, die wir, da sie nur 4 Werste von der Stadt entfernt ist, auch nicht unbesucht lassen wollten. Der Weg geht in der Ebene zum Theil durch einen Fichtenwald fort, der auffallend an die vaterländischen Gegenden erin - nerte. Die Höhle liegt nordöstlich von der Stadt an einem Bergabhange, unmittelbar an dem jenseitigen rechten Ufer des Iren. Ganz in der Nähe befindet sich ein Dorf, bei welchem wir uns übersetzen liessen. Da es aber nicht möglich gewesen war, in demselben einen Führer zum Besuchen der Höhle zu finden, so mussten wir uns mit dem Aeussern begnügen, das weiter keine Merkwürdigkeit darbot. Der Abhang des Berges besteht aus einem Gyps, der grosse Lagen von Kalkstein eingeschlossen hat, und in diesem be - findet sich 18 Faden über dem Wasserspiegel der Eingang zur Höhle, der nur eng und klein ist. Nach

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Erdmann 1), welcher die Höhle besucht hat, besteht sie aus mehreren Grotten von verschiedener Grösse, die oft nur durch enge Gänge mit einander verbunden sind. Er gelangte bis zu einer Entfernung von 625 Faden vom Eingang, wo er durch einen See am wei - tern Vordringen gehindert wurde, führt aber an, dass man bei trockner Witterung noch 120 Faden weiter bis zu einem zweiten See gelangen könne.

Wir kehrten wieder nach Kungur zurück, und rückten nun in der bald einbrechenden Nacht auf un - serm Wege schnell vorwärts. Den folgenden Morgen, am 14ten Juni, waren wir in Atschitskaja, wo wir nach der Eröffnung der Wagen, die wir in der sehr kalten Nacht geschlossen hatten, eine lange, wenig hohe Bergkette vor uns sahen, die in fast gerader Linie mit wenigen Krümmungen im Norden und Süden den östlichen Horizont begränzte. Es waren die Vor - berge des Ural. Hinter dem 22 ½ Werste von Atschits - kaja entfernten Dorfe Bisserskaja erreichten wir diese Gebirgskette selbst. Sie besteht aus einem rauchgrauen mergelichten Sandstein, der gewöhnlich feinkörnig ist, und kleine Körner von Quarz und schwarzem Kie - selschiefer enthält, mit Säuren aber stark braust, und sowohl beim Digeriren mit Chlorwasserstoffsäure, als auch schon beim Zerschlagen einen starken, bituminö - sen Geruch entwickelt. Stellenweise erscheint dieser Sandstein als ein grobes Conglomerat, und enthält dann eckige Stücke eines feinen braunen Mergels, grosse abgerundete Geschiebe von demselben feinkörnigen Sandstein, ferner grosse Geschiebe eines dichten grauen Kalksteins mit kleinen runden, vollkommen spaltbaren Stellen, welche Enkrinitenstiele sind, und endlich Ge - schiebe eines porphyrartigen Sandsteins. Diese grossen Geschiebe werden durch ein feinkörnigeres Gemenge verbunden, in welchem wir auch Spuren. von Versteine -

[footnote reference]1) Beiträge zur Kenntniss des Innern von Russland, Th. 2, S. 147.
[footnote reference]122

rangen sahen, ohne davon deutliche, bestimmbare Exem - plare auffinden zu können. Was wir fanden waren nur kleine dünne Röhren, zuweilen netzförmig verbun - den, und also vielleicht Bruchstücke von Korallen.

Dieser Sandstein, der nach seinen Gemengtheilen zu urtheilen also wohl sehr neuen Ursprungs ist, hat eine grosse Ausdehnung, und setzt ohne Abwechselung die drei folgenden Stationen fort. Klenowskaja (23½ Werste), Kirgischanskaja (31 Werste), Grobowskoje (25 Werste). Er bildet hinter einander fortlaufende Züge, die alle von N. nach S. streichen, auf der west - lichen Seite meistens prall ansteigen, auf der östlichen allmähliger abfallen, und sich zu einer Höhe erheben, die der des eigentlichen Urals auf der Sibirischen Hauptstrasse nur sehr wenig nachsteht. Ein Bergrük - ken, 8 Werste hinter Bisserskaja, Mayaskaja Gora ge - nannnt, hatte eine Höhe von 973 Fuss, 297 über Bis - serskaja (vergl. das Profil), ein anderer Werste diesseits Klenowskaja, nach diesem Dorfe auch der Klenowskische Berg (Klenowskaja Gora) genannt, 1094 Fuss. Die grösste Ausdehnung sowohl an Höhe als auch an Breite hatte aber ein andrer mächtiger Rücken, Beresowaja Gora genannt, zwischen Kirgischansk und Klenowskaja, welcher eine Höhe von 1168 Fuss er - reichte 1). Sie sind alle in mehr oder weniger mäch - tige Bänke geschichtet, die wie die Züge selbst in der zwölften Stunde streichen, und ziemlich steil nach Osten fallen.

Die verschiedenen Bergrücken sind mit der schön - sten Waldung bedeckt, die aus denselben Bäumen be - steht wie bei Perm, hier aber mit freien Plätzen voll des üppigsten Krautwuchses abwechselte, der so dicht und hoch ist, dass er da, wo er einmal Ueberhand ge - nommen hat, gar keine Bäume und Sträucher aufkom -

[footnote reference]1) Auf ihm fanden wir auch das vorher erwähnte grobe Conglo - merat mit den Spuren von Versteinerungen.
[footnote reference]123

men lässt. Hier fanden wir neben Trollius europaeus und Dracccephalum nutans den schönen Orobus lathy - roides in voller Blüthe, und Lilium Martagon mit schwel - lenden Knospen. Unter der Waldung waren grosse Strecken von den Blüthen verschiedener Cypripedien auf das prachtvollste verziert. Die grossen glocken - artigen Blumen des Cypripedium Calceolus, guttatum und Macranthus bildeten oft einen abwechselnd gelben, blauen und rothen Teppich von der überraschendsten Schönheit. Welch ein schneller Wechsel vom Winter zum Sommer! Die Newa hatten wir noch im Eisgänge verlassen, und am Ural finden wir drei Wochen später schon alle Kräuter in der vollsten Blüthe. Das Wetter des heutigen Tages war das heiterste von der Welt; auf die kalte Nacht war ein sonnenklarer warmer Tag gefolgt, und erhöhte noch den Eindruck, den dieser erste Eintritt in den Ural auf uns machte. Es war Sonntag; in Klenowskaja wurde das Pfingstfest gefeiert; alle Welt war vor den Thüren und freute sich des Festes und des Tages.

Grobowskoje, die dritte Station von Bisserskaja erreichten wir erst mitten in der Nacht. Hier ändert sich nach Hermann 1) das Gestein; es findet sich ein Kalkstein ein, den wir zwar selbst in der Nacht an Ort und Stelle nicht gesehen haben, der aber nach der Beschreibung von Hermann und nach den Stücken zu urtheilen, die sich von dieser Stelle in der Her - mann schen Gebirgsarten-Sammlung finden, zum Ueber - gangskalk gehört. Er ist nach diesen Stücken von grauer Farbe, dichtem Bruche und enthält Versteine - rungen von Productus.

Bei anbrechendem Morgen setzten wir über die Tschussowaja 2), und erreichten bald darauf die nur

[footnote reference]1) Mineralogische Reise in Sibirien vom Jahr 1783-1796. Peters - burg, 1797. Th. I, S. 51.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Die Tschussowaja ist ein für diesen Theil des Urals sehr wich - tiger Fluss, da er sehr bald nach seinem Ursprunge, wenigstens im
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einige Werste davon gelegene Station, das Hütten - werk Bilimbajewsk (Bilimbajewskoi Sawod), 23 Werste von Grobowsk. Das Hüttenwerk ist eine Eisenhütte, die der Gräfin Stroganoff gehört. Es war die erste, welche wir auf unserm Wege trafen, wir wollten daher um so weniger bei ihr vorübereilen, und warteten deshalb in unseren Wagen den völligen Anbruch des Tages ab.

Die Eisenhütte liegt an einem kleinen Bache, der Bilimbajewka, die sich in die Tschussowaja ergiesst, und hier durch einen Damm zu einem Sparteich auf - gestaut ist, um für die Gebläse der Oefen stets hin - reichende Aufschlagewasser zu liefern. Dergleichen Sparteiche sahen wir später bei allen Eisenhütten des Urals, überall sucht man sich durch Aufstauung von kleinen Bächen, an welchen man die Hütten angelegt hat, die zum Betriebe nöthigen Wasser zu verschaffen, und erlangt dadurch den Vortheil, dieselben auch im Winter gewöhnlich in hinreichender Menge zu haben, weil unter der sich bildenden Eisdecke das Wasser fortfliesst, was bei der Leitung in einem Gefluder nicht der Fall wäre. Man verbraucht dadurch freilich oft einen bedeutenden Raum, wenn, wie diess hier der Fall ist, die Ufer des Baches, den man aufgestaut hat, flach sind, und also auch einen grossen Damm er - fordern; aber in Russland hat man nicht nöthig den Raum zu sparen; es giebt dessen überall genug, der noch nicht benutzt wird; daher auch jene Einrichtung für diese Gegenden gewiss sehr zweckmässig ist.

[footnote-continued reference]Frühjahr bei schwellendem Wasser schiffbar, zum Transporte der Produkte des Urals vielfällig benutzt wird. Er entspringt etwa 70 Werste südlich von Bilimbajewsk, und fliesst von hier aus ziem - lich lange in nördlicher Richtung auf der Westseite des Urals ent - lang, bis er sich ungefähr in der Breite von Perm nach Westen wendet, und sich 20 Werste nördlich von dieser Stadt in die Kama ergiesst.
[footnote-continued reference]125

In der Hütte befindet sich ein Hohofen und meh - rere Frischfeuer. Ersterer ist 16 Arschinen hoch und hat die gewöhnliche Einrichtung, welche wir später fast bei allen Hohöfen fanden. Die äussere Mauer ist viereckig, geht äusserlich steil in die Höhe und ge - währt bei ihrer Dicke oben um die Gicht einen grös - sern Raum, der mit Platten von Gusseisen belegt ist, auf welchem die Erze und die Beschickung in Bereit - schaft gehalten werden. Aeusserlich ist dieser Raum mit der Gichtmauer umgeben, über der Gicht selbst aber ist ein trichterförmiger Huth von Eisenblech an - gebracht, der seine weite Mündung nach unten hat, und Arschinen von der Gicht absteht. Er dient gleichsam als Schornstein um die Flamme zusammen - zuhalten.

Man verschmilzt in diesem Ofen Brauneisenstein, dichten und fasrigen, der an mehreren Orten in der Gegend in Nestern in einem körnigen Kalk brechen soll, dessen man sich auch als Zuschlag zu dem Eisen - stein bedient. Wir sahen diesen Kalkstein selbst nicht anstehen, das Gestein auf welchem die Hütte wie auch das anliegende Dorf steht, ist ein Talkschiefer, in welchem der körnige Kalk wahrscheinlich Lagen bil - det. Der Talkschiefer ist sehr dünnschiefrig und be - steht fast nur aus grünlichgrauem Talk und sehr wenigem Quarz. Kleine Octaëder von Magneteisenerz finden sich in ihm ziemlich häufig eingesprengt, sie sind sehr nett und vollkommen ausgebildet, aber nur sehr klein, und meistentheils nur im Querbruche zu sehen. Weiterhin wird der Talkschiefer dickschiefriger und mehr einem Gneusse ähnlich. Er enthält nun mehr Quarz und ausserdem etwas feinkörnigen Feldspath. Magneteisenerz findet sich auch in ihm eingesprengt, wenngleich in viel geringerer Menge. Sein Streichen ist stets gleich und St. 1, sein Fallen unter sehr stei - lem Winkel nach Osten.

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Sieben Werste von Bilimbajewsk, jenseits eines Bergrückens, der aus dem eben beschriebenen Talk - schiefer besteht, kommt man nach einer zweiten Eisen - hütte Schaitansk, die dem Kaufmann Jartzoff in Mos - kau gehört. Sie liegt an einem kleinen Bache, der Schaitanka, die sich, wie die Bilimbajewka, in die rechte Seite der Tschussowaja ergiesst, und ebenfalls bei der Hütte zu einem Sparteiche aufgestaut ist. Man verschmilzt in der Hütte einen ähnlichen Brauneisen - stein wie in Bilimbajewsk.

Drei Werste weiter kommt man bei dem Dorfe Taliza über einen dritten kleinen Nebenfluss der Tschus - sowaja; diess ist aber auch der letzte auf diesem Wege, welcher den Europäischen Gewässern zufliesst. Der Weg erhebt sich nun ganz allmählig noch etwa sechs Werste, bis man auf der Höhe eines breiten Berg - rückens angelangt ist, der den Namen Beresowaja Gora führt, wie der, welcher zwischen Klenowskaja und Kirgisschanskaja gelegen ist. Er bildet auf diesem Wege die höchste Erhebung, erreicht jedoch nur die sehr mässige Höhe von 1271 Fuss, die also nur um weniges die des frühern gleichnamigen Berges über - trifft. Nicht weit davon südlich aber liegt in demsel - ben Zuge ein anderer Berg, Wolschaja Gora genannt, der den Pass auf der Strasse nach Katharinenburg noch an 1000 Fuss übertreffen soll. Von der Bereso - waja Gora senkt sich der Weg wieder eben so all - mählig als er anstieg, und 15 Werste von Schaitansk kommt man bei dem Dorfe Nowaja Alexejewskaja über einen kleinen Fluss, die Malaja (kleine) Räscheta, die sich in den Isset ergiesst, sich durch diesen mit dem Tobol, Irtysch und Ob vereinigt, und also schon zu den Asiatischen Flüssen gehört. Sie hat bei dem Dorfe eine südliche Richtung, krümmt sich aber bald nach Osten und nimmt dann eine nordöstliche Richtung an, so dass bei dem Dorfe Räschety, der letzten Station vor Ka -

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tharinenburg, 23 Werste von dieser » Stadt, sowie 31 Werste von Bilimbajewsk entfernt, der Weg zum zwei - ten Male über sie führt.

Die Berosowaja Gora liegt also in dem Kamm des Gebirges, welcher auch hier zugleich die Wasser - scheide bildet. Diess ist jedoch nur auf dieser Strasse der Fall, denn wenige Werste südlich von der Wol - schaja Gora wird er durch die Tschussowaja durch - brochen, die östlich von demselben entspringt, und auch auf seiner Ostseite so weit entlang fliesst, dass sie sich der kleinen Räscheta bis auf eine Entfernung von 4 Wersten nähert, dann aber ihren Lauf verändert, in nordwestlicher Richtung durch den Kamm des Gebirges dringt, und erst jenseits Bilimbajewsk in der ursprüng - lichen, nördlichen Richtung fortsetzt. Ich werde später noch auf die wahrscheinliche Ursache dieser veränder - ten Richtung zurückkommen; ein bedeutender Gebirgs - zug aber, der die Tschussowaja von der kleinen - scheta trennte, findet sich so wenig, dass man schon, um die beiden Flüsse zu verbinden, einen Kanal pro - jectirt hat, der von keiner grössern Länge als von 4 Wersten, zu gleicher Zeit das Eismeer und das Kas - pische Meer verbinden würde. Ja die Entfernung die - ser beiden Wassersysteme ist noch geringer, denn etwas östlich von dem projectirten Kanal liegen noch mehrere kleine Seen, die ihren Ausfluss in die Tschus - sowaja nehmen, sich also der kleinen Räscheta noch um ein Bedeutendes nähern. Der höchste Höhenzug bewährt sich also hier nicht als vollständiger Wasser - theiler, eine Erscheinung, die sich im übrigen Ural noch häufig wiederhohlt.

Das Gestein, woraus der Westabhang der Bere - sowaja Gora besteht, ist Chloritschiefer, der wie der ihm vorangehende Talkschiefer Octaëder von Magnet - eisenerz von etwas grösserer Ausdehnung und in be - deutenderer Menge, und ausserdem auch zuweilen Eisen -

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kies in kleinen Krystallen und Körnchen eingesprengt enthält. Man sieht ihn jedoch nur in dem Graben an der Strasse; bedeutende Hervorragungen sind gar nicht wahrzunehmen, und rechts und links ist alles mit Wald bedeckt. Ebenso wenig war auch sein Streichen und Fallen recht zu erkennen, doch ist dasselbe wahr - scheinlich von dem des vorhergehenden Talkschiefers nicht verschieden, da beide Gebirgsarten am ganzen Ural sich in dieser Rücksicht gleich verhalten.

Auf der Höhe des Bergrückens steht aber Syenit an, der in mehreren kleinen Steinbrüchen entblösst ist, die man behufs der Gewinnung von Steinen zur Aus - besserung des Weges angelegt hat. Es ist ein kör - niges Gemenge von graulichschwarzer Hornblende und gelblichweissem Feldspath von mittlerm Korn, in welchem die Hornblende in ziemlich gleicher Menge wie der Feldspath enthalten ist, doch durch ihre schwarze Farbe auch dem ganzen Gestein ein sehr dunkles An - sehen ertheilt. Der Feldspath hat noch das Eigen - thümliche, dass er in den einzelnen Körnern selbst wieder feinkörnig ist, und ein ganz sandiges Ansehen hat. Glimmer von tombakbrauner Farbe findet sich hin und wieder dem Gesteine eingemengt. Dieser Syenit setzt nun bei erfolgender beständiger Senkung des We - ges bis jenseits Räschety fort, verliert sich aber bald darauf in einer morastigen Niederung, die mit einer Menge Granitblöcke von verschiedener Beschaffen - heit bedeckt ist. Anfangs ist das Gestein wohl noch mehr Syenit zu nennen, denn es enthält noch gar keinen Quarz und besteht fast nur in einem etwas kleinkörnigen Gemenge aus weissem Feldspath und schwarzem Glimmer mit weniger schwarzer Hornblende, in welchem ausserdem noch kleine gelbe durchschei - nende und starkglänzende Krystalle inliegen, die zu klein waren, um sie bestimmen zu können. Sie haben viel Aehnlichkeit mit Titanit, verhalten sich aber an -

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ders vor dem Löthrohr, indem sie mit Phosphorsalz ein klares Glas bilden, das bei grösserem Zusatz weiss und undurchsichtig wird, aber nicht die violette Titanfarbe erhält. Andere darauf folgende Blöcke ha - ben noch fast dasselbe Ansehn; sie enthalten ebenfalls noch die kleinen gelben Krystalle, nur fehlt die Horn - blende gänzlich, auch enthalten sie neben dem Feldspath noch etwas weissen Albit in zwillingsartig verwachse - nen und eben daran kenntlichen Körnern. Dann erst folgt ein wahrhaft granitisches Gemenge aus verwal - tendem weissen Feldspath, graulichweissem Quarz und schwarzem Glimmer, das anfangs dadurch, dass die Glimmerblättchen eine ziemlich parallele Lage haben, noch ein gneussähnliches Ansehn hat, was aber später fortfällt, so dass das Gestein nicht allein in Rücksicht des Gemenges, sondern auch der Structur ein ächter Granit ist 1).

Alle diese Gesteinsabänderungen finden sich in Blöcken, die aus der sumpfigen Niederung mehr oder weniger hervorragen, und kommen also nicht anste - hend, oder wenigstens nicht deutlich anstehend vor. Erst jenseits dieser Niederung erhebt sich ein Berg - rücken, der allmäldig ansteigt, ohne doch die Höhe der Beresowaja Gora zu erreichen, und auf dessen Rücken man steile und nackte Felsenparthien hervorragen sieht, die durch ihre Form schon den Granit, aus welchem sie bestehen, erkennen lassen. Durch Klüfte in drei unter - einander ungefähr rechtwinkligen Richtungen durch - setzt, schienen sie, je nachdem Kanten und Ecken der abgesonderten Stücke durch Verwitterung weniger oder

[footnote reference]1) In der Nähe von Räschety finden sich Quarzgänge mit Pista - zitkrystallen, doch habe ich nicht erfahren, ob in dem Syenite von Räschety, oder in deui darauf folgenden Granite. Die Pistazitkrystalle bilden gleichsam die Saalbänder des Ganges und sind in dem Quarz eingewachsen, haben aber dessen ungeachtet sehr glatte und glänzende Flächen. Sie sind einen Zoll lang und darüber.
[footnote reference]9130

mehr abgerundet waren, aus parallelepipedischen Bruch - stücken oder wollsackähnlichcn Blöcken zusammenge - setzt zu sein, und erinnerten im erstern Falle auf das lebhafteste an die Schnarcher und Feuersteinsklippen und andere ähnliche Bildungen des Brockengranits. Der Granit dieser Felsen besteht aus vorwaltendem gelblichweissen Feldspath, graulichweissem Quarz und wenigem tombackbraunen Glimmer, war aber an der Oberfläche so verwittert und mürbe, dass es unmög - lich war mit dem Hammer ein frisches Stück abzu - schlagen. Auch sind die hervorragenden Felsenpar - thien ganz mit grobem Grant zerfallenen Granits um - geben, und feinerer Sand bedeckt den ganzen West - und Ostabhang des Berges. Mit diesem Sande hat auch die üppige Vegetation der früheren Waldungen aufgehört; ein einförmiger Fichtenwald ist an ihre Stelle getreten, der auch bis nur wenige Werste vor Katha - rinenburg anhält. Da tritt man aus dem Walde heraus und übersieht eine weite Ebene, jenseits welcher sich wieder mässige Berge erheben, in deren Mitte ungefähr 740 Fuss über dem Meere, Katharinenburg liegt, das mit seinen vielen weissen Thürmen und grossen steiner - nen Gebäuden einen überraschenden Anblick gewährt, und für den Hauptsitz des Uralischen Bergbaus gleich ein gutes Vorurtheil erweckt.

Wir waren in Räschety den Nachmittag angelangt; Herr v. Humboldt fuhr von hier an voraus, um nicht zu spät in Katharinenburg einzutreffen. Herr Ehren - berg und ich waren ihm nur langsam gefolgt, um besser den Wechsel des Gesteins auf dem Wege ver - folgen zu können. Wir kamen erst am Abend an, und fanden am Eingange der Stadt einen Kosaken, der uns erwartete und in das für uns bestimmte Quartier führte. Es war ganz am entgegengesetzten Ende der Stadt, so dass wir durch einen grossen Theil dersel - ben fuhren, und schon gleich einen Begriff von der

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grossen Ausdehnung der Stadt erhielten. Aber die Strassen sind breit und gerade, und die hölzernen Häuser meistens einstöckig, und nehmen daher einen grossen Raum ein. Zwischen diesen aber ragen grosse weisse steinerne Häuser hervor, die in der Regel in einem sehr guten Geschmack angelegt, und entweder Kronsgebäude und für die Wohnungen der Bergoffi - cianten bestimmt sind, oder reichern Bewohnern des Orts gehören. Da man Herrn v. Humboldt mit einer grössern Begleitung erwartete, hatte man eine Gegend der Stadt ausgesucht, wo mehrere dieser steinernen Häuser in nicht zu grosser Entfernung bei einander standen, was gerade im Mittelpunkte der Stadt nicht der Fall war. Hr. v. Humboldt hatte eins dieser Häuser für sich, Hrn. Ehrenberg und mich gewählt, ein zwei - tes hatte Herr Me ns chen in und ein drittes der Graf Polier mit seiner Begleitung bezogen. Das Haus, in welchem wir wohnten, gehörte einem Russischen Kauf - mann, der wie alle Russen einen langen flauen Ueber - rock mit einem Gurt um den Leib und einen Bart trug; er hatte uns die besten Zimmer im zweiten Stocke eingeräumt, die mit weissem Stuck bekleidet, um das Gesims herum eine schöne Stuckatur von Gyps hatten, und geschmackvoll meublirt waren; hier wohnten wir die ganze Zeit während wir in Katharinenburg blieben, kehrten von mehreren Excursionen wieder dahin zurück, und brachten eine Menge Gegenstände mit, die wir in den Zimmern ausbreiteten. Ungeachtet aller unserer Bemühungen, unserm Wirthe so wenig wie möglich beschwerlich zu sein, verursachten wir ihm doch so manche Unbequemlichkeiten, und er hatte dafür nicht einmal den Ersatz, sich mit uns gut unterhalten zu können, da wir kein russisch sprachen, und die Unter - haltung mit ihm demnach meistens durch unsern Be - dienten geschehen musste, der übrigens der russischen Sprache vollkommen mächtig war; dennoch haben wir

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ihn nie unfreundlich gesehen, stets war er von der äussersten Gefälligkeit und suchte immer unsern Wün - schen zuvorzukommen, was ich nicht anders als mit dem grössten Danke erwähnen kann 1).

[footnote reference]1) Ich kann bei dieser Gelegenheit eines Ungeziefers nicht uner - wähnt lassen, dessen Bekanntschaft wir eigentlich erst hier machten, weil wir bisher noch wenige Nächte in Häusern zugebracht hatten, das wir aber später fast in allen Häusern Sibiriens antrafen. Diess sind die Schaben (blatta orientalis) oder Tarakanen, wie man sie in Russland nennt. Obgleich das Haus, worin wir wohnten, gewiss eins der besten in Kalharinenburg war, und sonst nirgends die grösste Reinlichkeit vermissen liess, so fanden sie sich doch auch hier in grosser Menge. Sie laufen auf dem Fussboden der Zimmer mit einem schnurrenden Geräusch umher, besonders des Abends, wenn man Licht brennt, und thun einem eigentlich nichts zu Leide, aber es hat doch etwas unheimliches für den, der nicht daran gewöhnt ist, die grossen braunen Thiere so ungenirt herumlaufen zu sehen.
[footnote reference]133

III. Katharinenburg und Excnrsionen in die Umgebungen der Stadt.

Katharinenburg. Münzhof. - Chemisches Laboratorium. Stein - schleiferei. Mineraliensammlungen. Excursion nach dem Goldseifenwerk Schabrowskoi. Excursion in die nächsten Um - bungen von Katharinenburg. - Excursion nach der Goldgrube Beresowsk. Excursion nach der Kupfergrube Gumeschewsk.

Katharinenburg.

Katharinenburg (Jekaterinburg) ist der Sitz eines eigenen Bergamtes, welches bei unserm Aufenthalte daselbst noch unter der Finanzkammer in Perm stand, jetzt aber ganz unabhängig davon gemacht ist. Es hat die Direction über die der Krone gehörigen in und um Katharinenbnrg gelegenen Werke, namentlich über den Münzhof, die Steinschleiferei, über das Goldberg - werk von Beresowsk, über die bei Katharinenburg und Beresowsk gelegenen Goldseifen, und über die Eisen - hütten Nischne-Issetsk und Kamensk. Der Münzhof und die Steinschleiferei liegen in der Stadt, unmittelbar am Isset, Beresowsk und Nischne-Issetsk in der Nähe derselben, der erstere Ort 15 Werste nordöstlich, der letztere etwa 10 Werste unterhalb oder südlich, Kamensk dagegen schon in grösserer Entfernung, 90 Werste östlich von Katharinenburg, in der Nähe des Isset.

An der Spitze des Bergamtes stand der Berghaupt - mann und Ober - Befehlshaber (Gornoi Natschalnik) Herr Ossipoff.

Ich will zuerst Einiges von den in der Stadt ge - legenen Werken anführen, wenngleich wir sie nicht

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alle in den ersten Tagen unseres Aufenthaltes be - suchten, und sodann erst die Excursionen beschreiben, die wir in der Gegend von Katharinenburg gemacht haben.

In dem Münzhofe wird nur Kupfermünze ge - prägt 1). Das dazu nöthige Kupfer wird von den der Krone zugehörigen Kupferhütten geliefert, wie von Bogoslowsk am Ural und einigen Hütten bei Perm; ausserdem wird aber hierzu noch der Zehnte von dem ausgebrachten Kupfer der Privatwerke genommen, der von diesen als Abgabe an den Staat entrichtet wird. Bogoslowsk lieferte bisher jährlich 40,000 Pud, die Permschen Hütten 12,000 Pud, der Zehnte von dem Kupfer der Privatwerke beträgt 18,000 Pud, so dass bisher im Ganzen gegen 70,000 Pud Kupfer vermünzt wurden. Die Menge des rohen Kupfers ist indessen in der letzten Zeit bedeutend vermindert worden, und ein bedeutender Theil wird jetzt durch alte Kupfer - münze ersetzt, die man umschmelzt, da sie nach einem zu niedrigen Fusse ausgemünzt ist.

Das Kupfer wird von den erwähnten Krons - und Privat-Kupferhütten in Barren geliefert, die 7 Wer - schock lang, 1 Werschock breit und ¼ Werschock dick sind. Es enthält zuweilen etwas Gold und Silber, doch ist die Menge dieser Metalle so gering, dass ihre Ab - scheidung die Kosten nicht tragen würde, daher auf sie weiter keine Rücksicht genommen wird. Das Ku - pfer wird nun zuerst zu Zainen ausgestreckt, indem man es mehrere Male durch eiserne Walzen gehen lässt. Die ersten Male wird es dazu rothglühend ge -

[footnote reference]1) lch entlehne diese Notizen über den Münzhof, wie auch die folgenden über das Goldschmelzen grösstentheils aus einem Aufsatze: über die metallurgischen Arbeiten bei den Hüttenwerken in Katha - rinenburg, welchen Herr Berghauptmann Ossipoff Herrn v. Hum - boldt bei unserer Anwesenheit in dieser Stadt überreicht hat, und habe wegen der darin enthaltenen officiellen Angaben nicht unterlas - sen wollen, diese Bemerkungen hier im Auszuge mitzutheilen.
[footnote reference]135

macht, das letzte Mal aber erwärmt man es gar nicht, damit man den Zainen die gehörige Dicke zu geben im Stande sei, und bestreicht sie nur, um ihr Durch - gehen zu erleichtern mit gereinigtem Theer. Die Zaine werden nun in Scheiben von der bestimmten Grösse ausgeschnitten, die sodann sortirt und, wenn sie un - fehlerhaft befunden sind, gerändert werden. Vor die - ser Operation aber werden sie von dem Oxyde und dem Theere mit welchem sie bedeckt sind, auf die Weise gereinigt, dass man sie glüht, in kaltem Wasser ab - schreckt, sie sodann mehrere Stunden in mit Wasser gefüllten eisernen Fässern umgehen lässt, und darauf trocknet. Die Scheiben werden nun wiederum sortirt, gezählt und gewogen. Man schüttet dazu jedesmal 1250 Zweikopekenstücke, von dem Werthe von 25 Ru - beln in Säcke, die nun das bestimmte Gewicht haben müssen. Die, welche zu leicht oder zu schwer befun - den werden, schüttet man aus, mengt die Kopeken - stücke durch einander, zählt sie wieder von neuem ab und füllt sie in die Säcke, wobei es meistens gelingt, die Säcke alle von gleicher, gesetzlicher Schwere zu machen; die doch noch fehlerhaft befundenen werden ausgeschossen. Die gerändelten und polirten Scheiben werden nun geprägt, was durch 32 Schraubenpressen geschieht, die durch drei Wasserräder in Bewegung gesetzt werden. Unter jeder Presse können täglich 25,000 Scheiben ausgeprägt werden. Die Stempel zu dem Prägen des Kupfers werden ebenfalls in dem Münzhofe verfertigt. Sie bestehen aus Schmiedestahl, der an dem Ende mit Cementstahl belegt ist. Wenn in den sechs Monaten, die der Münzhof jährlich arbei - tet, alle 32 Pressen im Gange sind, so steigt der Ver - brauch der Stempel im Durchschnitt bis auf 6000.

Bei den verschiedenen Arbeiten erhält man eine Menge Abfälle, die ungefähr die Hälfte des in Arbeit genommenen Kupfers betragen. Sie bestehen theils in Abschnitzeln und fehlerhaft befundenen Scheiben,

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theils in Oxyd, das sich bei dem mehrmaligen Glühen des Kupfers gebildet hat und jedesmal gesammelt wird. Die erstem werden in vier Brillenöfen, die sich in dem Münzhofe befinden, umgeschmolzen und in gusseiserne Formen gegossen; derselben Oefen bedient man sich auch zum Umschmelzen des alten Kupfergeldes. Das Oxyd wird dagegen in halben Hohöfen, von denen sich in dem Münzhofe drei finden, wieder zu Gute ge - macht, indem jedesmal 15 Pud desselben mit 1 Pud Flusssand wohl gemengt, schichtenweise mit Kohlen in den Schacht des Ofens eingetragen werden. In 24 Stunden werden 17 Gichten durchgeschmolzen und 190 Pud erhalten. Die Schlacke, welche indessen bei dem Oxyd - wie bei dem Kupferschmelzen fällt, enthält noch viel metallisches Kupfer eingesprengt, welches durch Pochen und Waschen der Schlacke grösstentheils aus ihr erhalten wird. Die Brillenöfen und die halben Hohöfen erhalten ihren Wind durch ein Cylinderge - bläse mit eisernen Cylindern, das wie alle Maschinen im Münzhofe durch Wasserkraft in Bewegung ge - setzt wird. Der ganze Verlust an Kupfer, den man beim Vermünzen des Stückkupfers erleidet, beträgt 71 Solotnik auf jedes Pud, oder 1,19 Proc.

Das Pud vermünzten Kupfers hat bei dem jetzigen Münzfusse nach Erdmann 1) einen Werth von 24 Ru - beln. Seit der Anlage des Münzhofes hat sich dieser schon mehrfach vermindert, denn vom Jahre 1735 bis zum Jahre 1751 galt er 10 Rubel, in den Jahren 1755 und 56 gar nur 8 Rubel, und vom Jahre 1757 bis zum Jahre 1809, 16 Rubel. Da aber nach Erdmann im Jahre 1816 das Pud Stückkupfer 40 Rubel kostete, und sich dieser Preis bis jetzt wohl nicht bedeutend verändert hat, so ist auch jetzt noch die Kupfermünze nach einem zu niedrigen Fusse ausgeprägt.

[footnote reference]1) Siehe Beiträge zur Kenntniss des Innern Von Russland, Th. 2, Abth. 2, S. 113.
[footnote reference]137

In dem Münzhofe befindet sich ferner noch das Laboratorium, in welchem das Gold geschmolzen wird. Das sämmtliche Gold nämlich, welches am Ural gewonnen wird, sei es auf Krons - oder Privatwerken, muss an das Bergamt in Katharinenburg abgeliefert werden, wo es dann in dem Laboratorium des Münz - hofes geschmolzen, probirt und sodann an das Berg - und Salzdepartement von Petersburg abgeschickt wird. Diess geschieht jährlich zweimal, im Winter und im Sommer, gewöhnlich im Februar und im Juli, daher auch alle Krons - und Privatbergämter, in deren Be - zirken Gold gewonnen wird, dasselbe in diesen Mona - ten an das hiesige Bergamt abzuliefern haben. Die Schmelzung des Goldes eines jeden Werkes geschieht aber für sich allein, so dass kein Werk mit dem an - dern in Collision kommen kann. Ebenso wird auch das Waschgold und Grubengold nicht bloss für sich allein, sondern auch auf eine verschiedene Weise behandelt, da ersteres reiner ist, letzteres aber, welches gröss - tentheils in Quarz bricht, und deshalb gepocht und gewaschen werden muss, viel Eisen beigemengt ent - hält, welches sich beim Pochen von den Pochstempeln abreibt.

Das Waschgold wird ohne weitern Zusatz für sich allein in Graphittiegeln geschmolzen, die nach der Menge des Goldes, welches man zu schmelzen be - absichtigt, verschieden gross sind, und 10-90 Pfund fassen können. Ein jeder solcher Tiegel wird auf den eisernen Rost eines Windofens gestellt, deren jetzt vier in dem Laboratorium erbaut sind. Unmittelbar unter den Tiegel setzt man noch eine Schüssel von Guss - eisen, welche mit Knochenasche ausgefüttert ist, damit das Gold, im Fall der Tiegel springen sollte, sich in der Schüssel sammeln könne. Der Tiegel wird mit einem passenden Deckel bedeckt, und mit Kohlen um - geben, die angezündet werden. Wenn der Tiegel glühend geworden ist, so wird das zu schmelzende

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Gold hineingelegt, der Deckel aufgesetzt, und der ganze Tiegel mit Kohlen überschüttet. Sobald die Kohlen so weit niedergebrannt sind, dass der Deckel des Tiegels frei von Kohlen ist, wird dieser aufgeho - ben, das schon ziemlich geschmolzene Gold mit einem Stabe von trocknem Birkenholz umgerührt, der Deckel sodann wieder aufgesetzt und von neuem mit Kohlen überschüttet. Sind die Kohlen zum zweiten Male nie - dergebrannt, so wird das Gold, welches nun schon ganz in Fluss gekommen ist, zum zweiten Male um - gerührt, der Tiegel wiederum mit Kohlen überschüttet, und wenn auch diese niedergebrannt sind, der Tie - gel mit einer grossen eisernen Zange aus dem Ofen gehoben, und das Gold in einen Giesspuckel, welcher vorher erwärmt und mit etwas Wachs ausgestrichen ist, ausgegossen. Der Giesspuckel hat die Form eines Parallelepipedums, ist aber unten etwas enger als oben, damit der Goldbarren nach dem Erstarren leicht her - ausgebracht werden könne.

Beim Ausgiessen des Goldes hält man durch eine Schaufel die Krätze oder die Unreinigkeiten zurück, welche auf der Oberfläche des geschmolzenen Goldes schwimmen. Sie bestehen meistentheils aus etwas Sand und Thon, welche beim Waschen noch bei dem Golde zurückgeblieben sind, und sich nun mit etwas Eisen - oxyd und Kupferoxyd zu einer halb verschlackten Masse verbunden haben. Diese Krätze enthält aber ausser - dem noch eine bedeutende Menge Gold, zuweilen auch ziemlich viel Platin 1) beigemengt. Sie wird deshalb nach dem Ausgiessen des Goldes aus dem Tiegel ge - kratzt, und so lange aufbewahrt, bis die ganze Par - thie Gold, welche ein und dasselbe Werk geliefert

[footnote reference]1) Unter diesem Platin ist wohl nur das Osmium-Iridium zu ver - stehen, welches in dem Uralischen Goldsande häutig vorkommt, da das Platin, welches sich ebenfalls darin findet, beim Schmelzen des Goldes mit demselben zusammenschmilzt.
[footnote reference]139

hat, geschmolzen ist, worauf die Krätze dieser ganzen Parthie Gold zu Gute gemacht wird.

Sobald das Gold in dem Giesspuckel fest gewor - den ist, wird es noch vor dem Erkalten aus demselben herausgestürzt. Die erhaltenen Goldbarren werden dar - auf in kaltes Wasser gelegt, mit einer Kratzbürste von Messingdraht gebürstet und abgekratzt, und sodann gefärbt. Zu dem Ende werden sie mit einem Pulver bestreut, welches aus zwei Theilen Kochsalz, einem Theile Salpeter und einem Theile Alaun besteht, und sich der noch nassen Oberfläche anhängt; mit diesem werden sie auf einen Heerd gelegt, mit glühenden Kohlen bedeckt, und bis zum Rothglühen erhitzt, und darauf in Wasser abgelöscht, worin Alaun und Wein - stein zu gleichen Theilen aufgelöst sind. Durch diese Operation erhält das Gold, welches vorher blass mes - singgelb war, eine schöne gelbe Farbe. Nach dem Färben wird es wieder mit Bürsten aus Kupferdraht in kaltem Wasser gebürstet, mit einem Handtuche ab - getrocknet, und gegen ein Kohlenfeuer zum völligen Trocknen gelegt.

Nach dem Trocknen wird jeder Goldbarren gewo - gen, gestempelt und probirt. An jedem Ende und in der Mitte werden an 4 Stellen des Umfangs, im Gan - zen also an 12 Stellen mit einem Bohrer einige Bohr - späne ausgebohrt; die Bohrspäne werden zusammen - gemengt, und davon Gold zu vier Proben abgewogen. Zwei davon werden mit Blei unter der Muffel abge - trieben, um den Gehalt an unedlen Metallen zu erfah - ren, die beiden andern werden mit der dreifachen Menge Silber zusammengeschmolzen und mit reiner Salpetersäure digerirt, um den Goldgehalt, und weil der Gehalt an unedlen Metallen schon bekannt ist, durch Rechnung auch den Silbergehalt zu erfahren 1).

[footnote reference]1) Da in Verbindung mit Silber das Platin in Salpetersäure auf - löslich ist, so wird dieses Metall durch die kleine Probe nicht auf -
[footnote reference]140

Wenn die doppelt gemachten Proben mit einander stim - men, so hält man sie für richtig, im Gegentheil wer - den sie wiederhohlt.

Die Krätze, welche bei dem Ausgiessen des ge - schmolzenen Goldes theils im Tiegel zurückbleibt, theils mit der hölzernen Schaufel darin zurückgehalten wird, und noch eine ansehnliche Menge Gold und Platin 1) enthält, wird in einem Mörser gestossen und sodann gewaschen, wodurch diese Substanzen ziemlich voll - ständig erhalten werden. Sie werden darauf in einem Tiegel mit zwei Theilen Blei zusammengeschmolzen. Das Platin 2) vereinigt sich hierbei nicht mit dem Blei, sondern senkt sich vermöge seines grössern specifischen Gewichtes in der Mischung aus Gold und Blei zu Bo - den, die daher, wenn sie einige Zeit ruhig im geschmol - zenen Zustand erhalten ist, von dem Platin, das sich am Boden des Tiegels gesammelt hat, abgegossen werden kann. Das güldische Blei wird in einen Giess - puckel gegossen, das rückständige Platin 3) aber aus dem Tiegel ausgekratzt, in einem Mörser gestossen, darauf zuerst mit reiner Salpetersäure übergossen, um das anhängende Blei abzuscheiden, und sodann mit Königswasser digerirt, das von solcher Schwäche ge - nommen wird, dass es das Gold, nicht aber das Pla - tin 4) angreift. Dieses wird sodann abgewaschen und das Gold aus seiner Auflösung mit Eisenvitriol ge - fällt. Das güldische Blei, welches von dem Platin 5)

[footnote-continued reference]gefunden, und was hierbei für Silber genommen wird, ist die Menge von Silber und Platin zusammengenommen.
[footnote-continued reference]
[footnote reference]1) d. h. ein Gemenge von legirtem Golde und Osmium - Iridium.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Hierunter ist ebenfalls das Osmium-Iridium zu verstehen, da sich das Platin sehr leicht sowohl mit Gold als auch mit Blei zusam - menschmelzen lässt.
[footnote reference]
[footnote reference]3) d. h. das Osmium - Iridium.
[footnote reference]
[footnote reference]4) d. h. wiederum das Osmium-Iridium; da dieses aber in Königs - wasser ganz unauflöslich ist, so könnte ebenso gut stärkeres Königs - wasser genommen werden.
[footnote reference]
[footnote reference]5) d. i. Osmium - Iridium.
[footnote reference]141

abgegossen ist, wird nach dem Erkalten in kleine Stücke zerschlagen und zum Abtreiben des Bleies auf einen Treibheerd gebracht. Der erhaltene Blick wird in kaltes Wasser geworfen, mit Drahtbürsten gereinigt, darauf aber noch einmal im Tiegel umgeschmolzen, in Barren gegossen und wie das erste Gold behandelt.

Das Grubengold, welches unreiner ist als das Wasch - gold, und namentlich, wie oben angegeben ist, viel Eisen beigemengt enthält, wird deshalb vor dem Schmel - zen auf dem Treibheerde gereinigt. Der Heerd dieses Treibheerdes wird zu dem Ende mit einer Mischung ausgebrannter Knochen und ausgelaugter und feinge - siebter Asche vollgestampft. Nachdem er vollkommen getrocknet ist, wird ein Pud Blei aufgesetzt, und wenn dieses geschmolzen ist, das Gold mit eisernen Löffeln eingetragen. Jeder Löffel voll Gold wird auf das Blei so gut wie möglich vertheilt, und nicht eher neues Gold eingetragen, als bis das erste sich in dem Bleie ganz aufgelöst hat. Man fährt damit fort, so lange als das Blei noch im Stande ist Gold aufzulö - sen; sollte man zuletzt finden, dass man zu viel Gold eingetragen hat, so setzt man noch etwas Blei hinzu. Nachdem alles Gold eingetragen und geschmolzen ist, wird geblasen und eine starke Hitze gegeben, um den Blick so rein wie möglich zu bekommen. Nach dem Blicken wird der Blick mit Wasser abgespült, heraus - genommen, gereinigt, in kleine Stücke zerschlagen, darauf im Tiegel geschmolzen, und sodann wie das übrige geschmolzene Gold behandelt.

Die Menge des Goldes, welches man bei dieser Operation zum Blei hinzuzusetzen hat, ist nicht jedes - mal dieselbe, sondern nach der grössern oder geringern Menge von Unreinigkeiten, welche sich bei dem Golde befinden, verschieden. Im Durchschnitt kann man aber annehmen, dass auf etwa drei Theile Gold ein Theil Blei erforderlich ist, oft aber können auch vier Theile Gold durch einen Theil Blei gereinigt werden.

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In der Steinschleiferei, welche ganz in der Nähe des Münzhofes liegt, werden nicht allein Gebirgs - arten und Mineralmassen zu grössern Gegenständen, wie Säulen, Vasen und dergleichen, sondern auch Edel - steine zu Ringsteinen, Petschaften und andern kleinen Gegenständen verschliffen.

Zu den Edelsteinen, welche hier verschliffen wer - den, gehören der Topas von Mursinsk und Miask am Ural, der Beryll von Mursinsk und vom Adontschalon bei Nertschinsk, der Amethyst und der Bergkry - stall von Mursinsk. Der Topas von Mursinsk unterschei - det sich von dem von Miask durch seine Farbe, indem der erstere in der Regel bläulichweiss, der letztere dagegen wasserhell ist; der Beryll von Mursinsk ist weingelb, der von Nertschinsk dagegen häufiger von der Aqua - marinfarbe. Der Amethyst von Mursinsk ist zuweilen sehr dunkel violblau, so dass er dem Zeilonischen hierin nicht nachsteht, häufiger jedoch ist er blass violblau, oder gefleckt und gestreift und stellenweise violblau, stellenweise wasserhell. Der Bergkrystall von Mursinsk ist theils wasserhell, theils nelkenbraun und sogenann - ter Rauchtopas. Von allen diesen Edelsteinen werden geschliffene Proben in einer besondern Sammlung auf - bewahrt, die in der Schleiferei aufgestellt und sehr lehrreich ist.

Zu den hier verarbeiteten Gebirgsarten und Mine - ralien gehören mehrere Arten Jaspis, Aventurin, Porphyr, Diorit, ferner Rhodonit und Malachit. Von dem Jaspis wird zu den grössten Gegenständen eine grüne Abänderung verarbeitet, die im südlichen Ural bei Orsk in grossen Lagern vorkommt, und da - her auch in Stücken von beträchtlicher Grösse zu er - halten ist. Der bekannte, schon oben erwähnte schöne Bandjaspis, in welchem scharf an einander abschnei - dende Lagen von blutrother und von lauchgrüner Farbe mit einander wechseln, soll sich in der Nähe von Werch-Uralsk nur in kleinern losen Blöcken finden,

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deren ursprüngliche Lagerstelle noch nicht bekannt ist und kann daher nur zu kleinern Vasen verarbeitet wer - den; grössese werden mit ihm nur furnirt. Ebenso habe ich auch eine andere schöne Abänderung des südlichen Urals, die roth und weiss gefleckt ist, nur in kleineren Stücken verarbeitet gesehen. Der Aventurin kommt an mehreren Orten im Ural vor, wie am Taganai bei Slatoust, und zu Kossulina, 28 Werste von Katharinen - burg; letzterer übertrifft in Rücksicht der Farbe und des Schillerns den erstern, ist aber mehr wie dieser von Klüften durchzogen und daher nicht in so grossen Blöcken zu haben. Dasselbe findet mit dem Rhodo - nite statt, der in der Nähe von Katharinenburg in einem grossen Lager vorkommt, aber auch wegen der vielen Klüfte, mit welchen er durchsetzt ist, nur zu kleineren Gegenständen verarbeitet werden kann; grössere werden mit ihm wie mit dem Malachite nur furnirt. Beide Mineralmassen sind sonst wegen ihrer schönen Farbe und der guten Politur, die sie an - nehmen, sehr geschätzt.

Porphyre befanden sich unter den Blöcken, die auf dem Platze vor der Schleiferei lagen und zum Ver - schleifen bestimmt waren, in vielen Abänderungen, und von mehreren derselben wurden uns auch geschliffene Proben gezeigt. Die meisten dieser Porphyre sind verschiedene, sehr Labrador-reiche Abänderungen von Augitporphyren aus der Gegend des Dorfes Ajats - kaja, 76 Werste nördlich von Katharinenburg 1). Un - ter diesen befindet sich eine, deren Grundmasse grün - lichgrau, feinsplittrig und von grosser Härte ist. Die eingeschlossenen Krystalle bestehen grösstentheils nur aus Labrador, der in breiten sechsseitigen Prismen

[footnote reference]1) Leider haben wir diese Gegend, die für die Kenntniss des Au - gifporphyrs von grosser Wichtigkeit zu sein scheint, nicht besucht. Ich wurde auf sie erst aufmerksam, nachdem wir schon von unserer Reise in den nördlichen Ural zurückgekehrt waren, wo wir sie leicht hätten besuchen können.
[footnote reference]144

krystallisirt ist, welche auf den Bruchflächen des Ge - steins Durchschnitte von 4 bis 5 Linien Länge bilden. Die Krystalle sind wie gewöhnlich Zwillingskrystalle, und zeigen daher auf den deutlichsten Spaltungsflächen die einspringenden Winkel, die parallel der Kante mit der zweiten Spaltungsfläche gehen; sie sind gräulich - und gelblichweiss und undurchsichtig. Ausserdem fin - den sich in diesem Porphyre noch schwärzlichgrüne Uralitkrystalle 1), aber nur sparsam und von geringer Grösse, was für die Verarbeitung des Porphyrs ein günstiger Umstand ist, da die Uralite geschliffen keine gute Politur annehmen. Geschliffen sieht die Grund - masse lichte grünlichgrau aus. Der Porphyr hat viel Aehnlichkeit mit dem grünen antiken Porphyr, dem sogenannten serpentino verde antico, dem er an Schön - heit nicht viel nachsteht.

In einer zweiten Varietät ist die Grundmasse viel grauer und körnig, und die inliegenden Labradorkry - stalle sind kleiner und durch Einmengung von Grund - masse schon grünlichweiss gefärbt, wodurch auch die Spaltungsflächen undeutlicher geworden sind; die Uralit - krystalle sind ebenfalls klein, finden sich aber häufiger.

In einer dritten Varietät ist die Grundmasse gräu - lichweiss, die inliegenden Labradorkrystalle sind von ähnlicher nur noch lichterer Farbe, aber von einer ausserordentlichen Grösse (zuweilen über Zoll lang) und liegen dabei so gedrängt neben einander, dass sie viel mehr Raum einnehmen als die Grundmasse. Uralit findet sich in dieser Abänderung nicht, dagegen liegen in der Grundmasse sehr häufig kleine grüne Talk - blättchen, die meistens nicht regelmässig begränzt und höchstens 1 Linie gross sind, und ausserdem einige 3 bis 4 Linien lange säulenförmige Epidotkrystalle von grünlichbrauner Farbe, welche beide nur sehr unge -

[footnote reference]1) Ueber den Uralit siehe den besondern Artikel am Ende dieses Werkes.
[footnote reference]145

wöhnliche Gemengtheile des Augitporphyrs sind. Wir haben diesen Porphyr nicht geschliffen gesehen; bei den wenig von einander abstechenden Farben der Ge - mengtheile, nimmt er sich geschliffen vielleicht weniger gut aus, als er in mineralogischer Hinsicht durch die Grösse der eingewachsenen Labradorkrystalle merk - würdig ist, die grösser als in irgend einem mir be - kannten Augitporphyre sind.

Ich übergehe andere weniger interessante Abän - derungen dieses Augitporphyrs von Ajatskaja und er - wähne nur noch, unter den vor der Schleiferei liegen - den Blöcken, eines Porphyrs mit grünlichschwarzer, an den Kanten durchscheinender Grundmasse, und sparsam inliegenden kleinen weissen Albitkrystallen aus der Gegend von Pyschminsk bei Beresowsk, der eine sehr gute Politur annimmt, und eines rothen Porphyrs vom See Tolkasch im südlichen Ural, der eine bräunlich - rothe Grundmasse und kleine inliegende graulichweisse Feldspathkrystalle hat, doch aber an Schönheit den rothen Porphyren des Altai nachstehen möchte.

Eigentliche Granite kommen am Ural nicht von besonderer Schönheit vor, und werden daher auch nicht in Katharinenburg verarbeitet, es sei denn, man rechne dazu den sogenannten Schriftgranit, der indessen doch in nichts anderem als in grossen Feldspathkry - stallen besteht, die mit Quarz durchwachsen sind, und auf den ich später noch zurückkommen werde. Dage - gen ist hier noch eine bemerkenswerthe Gebirgsart zu erwähnen, die freilich gewöhnlich den Namen Gra - nit führt, indessen ein Diorit ist. Sie findet sich, wie Hermann 1) angiebt, an dem Flusse Resch, 4 Werste von dem Dorfe Reschewsk, und besteht aus gelblich - bis graulichweissem Albit und schwärzlichgrüner Horn - blende. Der erstere Gemengtheil ist vorwaltend und

[footnote reference]1) Versuch einer mineralogischen Beschreibung des Uralischen Erz - gebirges, Th. II, S. 265.
[footnote reference]10146

stellt gleichsam eine kleinkörnige Grundmasse dar, in deren einzelnen Körnern die Spaltungsflächen und die einspringenden Winkel, die durch die regelmässige Ver - wachsung entstehen, in welcher der Albit gewöhnlich verkommt, sich meistens deutlich erkennen lassen. In dieser Grundmasse ist die Hornblende in kleinen Par - thien vertheilt, die wie kleine grüne Flecke auf dem weissen Albitgrunde erscheinen, aber mit der Lupe betrachtet, aus kleinen haarförmigen excentrisch zu - sammengehäuften Krystallen bestehen. Dieser Diorit hat daher in der Art, wie die Hornblende in ihm vorkommt, eine grosse Aehnlichkeit mit dem sogenannten Tiger - erz von Schemnitz, nur dass bei diesem sich die Horn - blende in grössern kugelartigen Zusammenhäufungen findet, die dagegen sparsamer in der Albitmasse liegen.

Dieser Diorit kommt nun mit Gängen von einem Quarze durchsetzt vor, der, was gewiss bei derbem Gangquarze nur sehr selten statt findet, wasserhell und so durchsichtig wie Bergkrystall ist. Der Quarz hat im Bruche ein feinsplittriges, etwas sandiges An - sehen, und ist fest mit dem Diorite verwachsen, mit welchem er eine unebene Gränze bildet. Die Gänge sind nach den Stücken, die ich davon kenne, einen halben bis drei Zoll mächtig; aber dergleichen mit diesem durchsichtigen Quarze dnrchsetzte Stücke sind es besonders, die verarbeitet werden und die, da auch der Diorit eine gute Politur annimmt, sich geschliffen sehr gut ausnehmen. Sie haben den besondern Namen Allianzstein erhalten, unter welchem sie am meisten bekannt sind. Der Diorit ist indessen sehr klüftig, so dass er nicht in grossen Stücken erhalten werden kann, und Hermann führt an, dass eine Vase von 10 Zoll Höhe, die zur Hälfte aus der Gebirgsart und zur Hälfte aus jenem Quarz bestehe, schon etwas sehr seltenes sei.

Ausser den Fabrikaten, die man aus den beschrie - benen Gebirgsarten in der Steinschleiferei darstellt,

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werden auch hier noch Gemmen aus den Onyxen und Chalcedonen von Nertschinsk, grösstentheils nach an - tiken Mustern geschnitten. Die Arbeiten, die in dieser Rücksicht geliefert werden, haben zum Theil einen grossen Kunstwerth, was um so mehr zu bewundern ist, da sie nur von den geschickteren unter den ge - wöhnlichen Arbeitern, also doch immer von Männern ohne weitere Bildung ausgeführt werden; ein Umstand, der nur durch die den Russen eigentümliche Anstel - ligkeit und Gelehrigkeit erklärt werden kann. Indes - sen hatte man auch die mechanischen Hülfsmittel zu einer grossen Vollkommenheit gebracht, und besonders interessirte mich die Art wie kleinere Gegenstände mit der mit Schmirgel belegten Kupferscheibe geschliffen werden. Statt dass man diese sonst feststellt und sie nur um ihre Axe bewegt, den zu schleifenden Gegen - stand aber derselben nähert, wird hier umgekehrt die Scheibe mit der Hand dem Steine genähert, welcher mit Mastix auf eine feststehende Unterlage befestigt ist. Dabei wird aber die Scheibe stets in drehender Bewegung erhalten, welches auf eine sehr sinnreiche Weise durch einen ledernen Riem ohne Ende bewerk - stelligt wird, der einerseits durch zwei Löcher in einer Hülse, die die Axe der Scheibe umgiebt, und zugleich über die Welle der Fabrik geführt ist. Indem sich nun durch die Bewegung der Welle der Riem dreht, wird zu gleicher Zeit die Axe der Scheibe durch Reibung an dem Rieme in drehende Bewegung ge - setzt und darin erhalten, wenn auch der Arbeiter die Scheibe, die er an der Hülse der Axe hält, hin und her bewegt 1).

Die Mineraliensammlungen, welche ich in Katharinenburg zu sehen Gelegenheit hatte, sind von

[footnote reference]1) Eine ausführlichere Beschreibung dieser Einrichtung nebst Zeich - nung hat Ad. Erman in seiner Reise Th. I, S. 403 gegeben.
[footnote reference]148

keiner grossen Ausdehnung, aber sie waren für mich von grossem Interesse, weil sie grösstentheils Uralische Mineralien enthielten. Es waren diess die Sammlun - gen des Herrn Collegien-Assessors Helm, des Herrn Bergmeisters Völkner und des Herrn Solomirski.

Bei der Besichtigung der Mineraliensammlung des Herrn Helm zeigte mir derselbe ein kleines Stück körnigen Chromeisenerzes aus dem Platinseifen von Nischne-Tagilsk, welches Platin eingesprengt ent - hielt. Es war das erste Stück der Art, welches wir sahen, und erregte daher in hohem Grade unsere Auf - merksamkeit 1). Da man das Platin auf seiner ur - sprünglichen Lagerstätte noch gar nicht, oder wenig - stens nicht mit Sicherheit aufgefunden hat, so ist jedes Vorkommen des Platins mit andern Mineralien, deren Lagerstätte bekannt ist, natürlich von grosser Wich - tigkeit. Als wir später nach Nischne-Tagilsk kamen, sahen wir eine Menge Stücke, bei welchen Platin mit Chromeisenerz verwachsen war, wenngleich keines, bei welchem dieses letztere so die vorherrschende Masse ausmachte, wie bei dem Stücke des Herrn Helm; und bei der Besichtigung der Sandlager fanden wir, dass das Eisenerz, welches in Körnern und Krystallen in dem Platinsande vorkommt, fast nur Chromeisenerz sei, was noch mehr bestätigt, wie eng das Vorkommen des Platins an das des Chromeisenerzes geknüpft ist.

Herr Helm zeigte mir ferner runde Körnchen von Zinnober, die an mehreren Stellen in dem Goldseifen der Gegend von Katharinenburg gefunden waren, was auch ein der Beobachtung sehr werther Umstand ist, da man bis jetzt weder freies noch vererztes Queck - silber auf der ursprünglichen Lagerstätte am Ural ge - funden hat, und endlich Krystalle von Eisenglanz aus dem Goldseifen Nagornoi bei Beresowsk, die durch

[footnote reference]1) Herr Helm halte die Güte das Stück später Herrn v. Hum - boldt zu verehren.
[footnote reference]149

die Nettigkeit der Form und die Schärfe der Kanten ausgezeichnet sind. Es sind die gleichkantigen Ska - lenoëder, die an den abwechselnden Endkanten durch die Flächen des Hauptrhomboëders abgestumpft und an den Enden mit der geraden Endfläche begränzt sind, wie sie in Haüy’s Mineralogie Taf. 104, Fig. 176 ab - gebildet sind, nur mit kleinerer gerader Endfläche. Die Krystalle sind etwa 3 bis 4 Linien gross, doch kommen auf derselben Lagerstätte noch grössere vor, wie wir bei Herrn Ossipoff sahen, der auch die Güte hatte, uns einige davon mitzutheilen; doch sind diese nicht so nett und scharfkantig als die kleinern des Herrn Helm.

Die Sammlung des Herrn Bergmeisters Völkner ist noch grösser als die des Herrn Helm. Ich fand darin den Pyrophyllit wieder, den ich so eben in Moskau als etwas Neues kennen gelernt hatte. Herr Hermann hatte bei unserm Aufenthalte in Moskau eben seine Analyse vollendet, und mir das Resultat derselben, dass der Pyrophyllit hauptsächlich ein Thon - erde-Silikat, keinesweges aber wie der Talk, mit welchem man ihn bisher verwechselt hatte, ein Talk - erde-Silikat sei, mitgetheilt. Ebenso hatte er mich auf seine auffallendste Eigenschaft, bei der Erhitzung mit dem Löthrohre sich so ausserordentlich aufzublä - hen, aufmerksam gemacht. Herr Hermann wusste, dass das Mineral vom Ural sei, kannte aber den - hern Fundort nicht. Es freute mich daher durch Herrn Völkner etwas Bestimmteres darüber zu erfahren, indem auf der Etiquette des Stückes als Fundort die Gegend zwischen Beresowsk und Pyschminsk ange - geben war. Wenngleich nun Herrn Völkner nichts Weiteres über das merkwürdige Mineral bekannt, und er der Meinung war, dass wenn es sich in den Bere - sowskischen Gruben gefunden hätte, es wenigstens in der neusten Zeit nicht vorgekommen sei: so gab doch diese Etiquette die Veranlassung zur genauern Aus -

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mittelung des Fundorts, indem ich, was ich über den Pyrophyllit erfahren hatte, nebst andern mineralogischen Notizen dem Dr. Fiedler mittheilte, den wir bei un - serer Rückkehr in Petersburg mit Zurüstungen zu sei - ner Sibirischen Reise beschäftigt fanden. Als Herr Fiedler im folgenden Jahre nach Beresowsk kam, war er auch so glücklich nach langem vergeblichen Suchen den Fundort Werste nördlich von der Pyschma aufzufinden, wie noch ausführlicher weiter unten bei der Beschreibung der Beresowskischen Mineralien er - wähnt werden wird.

Nicht weniger als der Pyrophyllit interessirte mich ein anderes Mineral, welches ich in der Sammlung des Hrn. Völkner sah, nämlich der Diaspor. Dieses eben - falls durch sein Verhalten in der Hitze so ausgezeichnete Mineral war bei seiner Entdeckung nur in einer einzigen Stufe bekannt, welche Leliè vre in einer Pariser Samm - lung gefunden hatte. Von dieser Stufe stammten alle die kleinen Stückchen ab, welche man nach dieser Zeit in den Sammlungen fand, und die von den Liebhabern oft mit ausserordentlich hohen Preisen bezahlt wurden. Nach dieser Stufe hatte Haüy seine Beschreibung des Diaspors abgefasst, mit Stücken von derselben hatten Vauquelin und später ihre Children Analysen angestellt, und Ber - zelius das Verhalten vor dem Löthrohre untersucht. Der Fundort der Stufe war aber nicht bekannt, bis Herr Kämmerer in Petersburg kurze Zeit vor unse - rer Ankunft in dieser Stadt eine kleine Probe von der - selben erhielt, und sogleich die Uebereinstimmung mit einem Minerale erkannte, das er schon vor längerer Zeit unter dem Namen Anthophyllit mit andern Mineralien vom Ural erhalten hatte. Hr. Dr. Hess bestätigte die Ent - deckung des Hrn. Kämmerer durch die Analyse, indem sich dadurch ergab, dass der Sibirische Diaspor dieselbe chemische Zusammensetzung wie der von Vauquelin und Children analysirte, habe. Ausserdem dass das Mineral vom Ural sei, wusste jedoch auch Hr. Kämmerer

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über seinen Fundort nichts Näheres, und er vermuthete nur, dass es aus der Gegend von Miask käme. In der Sammlung des Herrn Völkner fand ich darüber nun eine nähere Angabe, indem auf der Etiquette des Stücks als Fundort das Dorf Kassoibrod bei Polewskoi ange - geben war. Ich theilte auch diese Notiz später Herrn Fiedler mit, der dadurch veranlasst wurde, die Ge - gend genau zu untersuchen, und endlich auch so glück - lich war, den Diaspor, wenn auch nicht in der unmit - telbaren Nähe von Kassoibrod, doch auf einem Schurfe 5 Werste östlich von diesem Dorfe aufzufinden, wie auch noch später näher angeführt werden wird.

Die Sammlung des Herrn Solo mir ski ist beson - ders durch vortreffliche Stufen von der Gumeschewski - schen Kupfergrube ausgezeichnet, die er auch mehr wie jeder andere zu sammeln Gelegenheit hat, da er einer der Erben des Hüttenbesitzers Turtschaninoff ist, dem jene berühmte Kupfergrube gehörte. Nament - lich enthält die Sammlnng Krystalle von Rothkupfererz, welche Combinationen von dem Dodecaëder und Octaë - der mit vorherrschenden Dodekaëderflächen darstellen, und von ausserordentlicher Schönheit sind. Herr So - lo mir ski machte mich auf kleine prismatische Krystalle aufmerksam, die in Gumeschewsk vorgekommen sind, und an Farbe mit dem Malachite übereinkommen, aber mit Säuren nicht brausen. Er hatte die Güte mir da - von mitzutheilen, worauf ich bei näherer Untersuchung fand, dass die Krystalle der von Lévy beschriebene Brochantit sind, wiewohl ihre Winkel von denen, die dieser Mineralog angiebt, ziemlich beträchtlich abwei - chen. Hr. Solomirski zeigte mir ferner einen Kry - stall von blauem Korund oder Saphir, der in dem Chloritschiefer von dem Dorfe Kossoibrod bei Polefskoi vorgekommen ist; er stellt ein sechsseitiges Prisma mit gerader Endfläche dar, ist über einen halben Zoll lang, ziemlich durchscheinend und auf der geraden End - fläche durch einen weissen sternförmigen Lichtschein

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ausgezeichnet, dessen Strahlen von dem Mittelpunkte nach den Mitten der Seiten des Sechseckes gehen, welches die Endfläche darstellt.

Die Sammlung enthält indessen nicht bloss Urali - sche Mineralien; es finden sich darin auch manche schöne Stufen aus dem östlichen Sibirien, die Herr So - lo mir ski von einer mit dem Herrn Baron von Meyen - dorf und dem Herrn Kanzelei-Director Weitz unter - nommenen Reise nach Irkutsk und Kiachta mitgebracht hat. Unter diesen erwähne ich nur mehrerer sehr schöner Stücke blauen Chalcedons in Afterkrystallen, die sehr nette und deutliche Hexaëder darstellen, von derselben Localität wie die, welche oben S. 46 ange - führt sind.

Excursion nach dem Goldseifenwerke Schabrowskoi.

Die Ablagerungen von Goldsand, welche sich in der Gegend von Katharinenburg in solcher Menge und von solcher Reichhaltigkeit finden, waren für uns von zu grossem Interesse, als dass nicht ihre Besichtigung uns vor allem andern wünschenswerth gewesen wäre; daher auch Herr v. Humboldt schon den 17ten Juni, den zweiten Tag nach unserer Ankunft in Katharinen - burg, zu einer Excursion nach einer derselben bestimmte. Die Goldsandlager finden sich in der ganzen Umgebung der Stadt, vorzugsweise aber an den beiden Ufern des Isset unterhalb der Stadt, wie an dem Istok, einem kleinen Bache, der in seine linke Seite mündet, und in der Gegend zwischen dem Uktuss und der Ara - milka, welche sich in seine rechte Seite ergiessen; ferner nordöstlich von Katharinenbnrg in den Umge - bungen von Beresowsk, wo auch seit langer Zeit ein unterirdischer Bau auf Gold getrieben wird, und an der obern Pyschma, einem Flusse, der nördlich von dem Isset nach Osten fliesst, und sich später mit der

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Tura vereinigt. Zu der heutigen Excursion wurden die Goldseifen Schabrowskoi, zwischen dem Uktuss und der Aramilka gelegen, gewählt, womit wir zu gleicher Zeit die Besichtigung des in der Nähe gele - genen Rhodonitbruches und der Eisenhütte Nischne - Issetsk verbanden. Wir machten diese Excursion un - ter der Führung des Hrn. Berghauptmanns Ossipoff, welcher auch die Güte hatte, uns auf allen andern Ex - cursionen in die Umgebungen von Katharinenburg zu begleiten.

Die Goldseifen liegen auf der nur hüglichten und welligen Ebene im SW. von Katharinenburg, und auf der Ostseite des Haupthöhenzuges des Urals, die im NO. von dem Isset, im SW. von der Tschussowaja begränzt wird. Beide Ströme fliessen hier in unge - fähr paralleler, jedoch entgegengesetzter Richtung, der Isset nach SO., die Tschussowaja nach NW., und sind etwa, zwischen Nischne-Issetsk an dem Isset und dem Dorfe Makarowa an der Tschussowaja, 25 Werste von einander entfernt. Die Ebene ist mit Wald bedeckt und zum Theil sehr sumpfig. Sie ist in Rücksicht ihrer Höhe von der in welcher Katharinenburg liegt, nicht viel verschieden, hat aber ihre Abdachung nach dem Isset zu, wie man schon aus dem Laufe der haupt - sächlichsten Flüsse, die sie bewässern, sehen kann, des Uktuss, der Aramilka und des Sissert, welche alle ganz in der Nähe der Tschussowaja entspringen, und dennoch, in ungefähr nordöstlicher Richtung sich in den Isset ergiessen, der Uktuss etwa 4 Werste, die Aramilka 20 und der Sissert 25 Werste unterhalb Ka - tharinenburg.

Dieses Plateau besteht aus geschichteten krystal - linischen Gesteinen, besonders aus Talkschiefer und Chloritschiefer, seltener aus Glimmerschiefer und Thon - schiefer; aber diese Gebirgsarten sind fast überall mit einer mehr oder weniger starken Lage von Dammerde bedeckt, und daher fast nur in den Goldseifenwerken

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zu sehen, wo sie von derselben entblösst sind. Alle Erhebungen, die sich in diesem Plateau finden und die nie eine grosse Höhe erreichen, bestehen aus massigen Gebirgsarten, wie Serpentin, Diorit, Augitporphyr und Granit.

Die Lagerung dieser letztern Gebirgsart ist sehr merkwürdig. Sie findet sich nach des Berggeschwor - nen Tschaikowski Untersuchungen 1) innerhalb und östlich von diesem Plateau in vier gangartigen Er - streckungen, die zuweilen sehr bedeutend mächtig sind und alle ein unter einander und mit der Hauptrichtung der das Plateau begränzenden Ströme, paralleles Strei - chen von NW. nach SO. haben. Der westlichste die - ser Gänge findet sich 1 bis 2 Werste östlich von der Tschussowaja 2), hat eine Mächtigkeit von 5 bis 10 Wersten, und wird von der Sibirischen Hauptstrasse in der Gegend des Dorfes Räschety durchschnitten, wo wir seine rechts und links vom Wege hervortre - tenden mauerähnlichen Felsen erwähnt haben. An sei - ner Ostseite entspringen die Flüsse dieses Plateaus, der Uktuss, die Aramilka und der Sissert. Der zweite Granitgang liegt ziemlich in der Mitte zwischen der Tschussowaja und dem lsset, ist nur 2 bis 3 Werste

[footnote reference]1) Siehe dessen sehr lehrreiche Abhandlung, ,geognostische Unter - suchungen im Kreise des Kalharinenburger Hüttenbezirks ' in dem Petersburger Berg-Journal vom Jahre 1833, Quartal II, S. 1.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Die Tschussowaja hat südlich von dem bezeichneten Plateau eine nördliche Richtung, verändert dieselbe aber, sowie sie in die Nähe dieses Granites kommt, und fliesst in nordwestlicher Richtung an der Westseite desselben entlang. In dieser, oder einer nur wenig mehr gegen Westen geneigten Richtung durchschneidet sie auch süd - lich von den Eisenhütten Schaitansk und Bilimbajewsk den Haupt - rücken des Ural, und setzt sodann erst wie oben S. 127 angeführt ist, in nördlicher Richtung ihren Weg weiter fort. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass das Hervorbrechen des Granites allein die Ur - sache gewesen ist, welche die Tschussowaja von ihrem ersten nördlichen Laufe abgelenkt und sie aus einem Asiatischen Flusse, den sie im Anfänge bildete, zu einem Europäischen Flusse gemacht hat.
[footnote reference]155

mächtig, und ist auf der Sibirischen Hauptstrasse mit Dammerde bedeckt. Der dritte fast von derselben Mächtigkeit wie der erste, liegt in seiner nördlichen Erstreckung auf der Ostseite, in seiner südlichen auf der Westseite des Isset, und geht vom See Schartasch zwischen Katharinenburg und Beresowsk, nach dem Einfluss der Aramilka in den Isset, wo ihn dieser Fluss durchschneidet, bis zum Sissert. Der vierte Granitgang findet sich weiter Östlich bei dem Dorfe Schilowa an dem Isset, seine Entfernung von dem ersten beträgt etwa 50 Werste. Zwischen diesen Granitgängen lie - gen die übrigen massigen Gebirgsarten kuppenförmig, ohne dass man in denselben schon eine bestimmtere Ordnung entdeckt hätte.

Ich habe diese kurze Uebersicht der Gegend nach welcher unsere Excursion gerichtet war, vorausgeschickt, um das Orientiren in dem Folgenden zu erleichtern. Der Weg, welchen wir nach dem Goldseifenwerk Scha - browskoi nahmen, ging anfangs dem Isset entlang, wandte sich aber bald darauf rechts ab nach dem Flusse Uktuss, über welchen wir etwas oberhalb des Hüttenteiches fuhren, zu welchem derselbe nicht weit von seiner Einmündung in den Isset wegen der ehe - maligen daran gelegenen Eisenhütte Uktuss aufgestaut war. Bald nachdem wir Katharinenburg verlassen hat - ten, kamen wir in einen Wald, der grösstentheils aus schwachen Birken bestand, und grössere freie Grasplätze einschloss. Entblössungen des unter der Dammerde befindlichen Gesteins waren neben dem Wege nicht zu sehen; der Weg ging in fast völliger, nur wenig an - steigender Ebene fort, und in einer solchen lag auch das Seifenwerk, 22 Werste südlich von Katharinenburg und einige Werste südöstlich von dem Dorfe Gornoschit, und in einer Höhe von etwa 1000 Fuss über dem Meere. Wir hatten uns vorgestellt ein Thal zu finden, in wel - chem das Seifengehirge zusammengeschwemmt wäre, und waren deshalb von dem Anblick dieser Gegend

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nicht wenig überrascht. Dennoch hatte die Stelle, wo der Goldsand abgebaut war, das Ansehn eines Grabens, da sie bei einer Breite von 8-20 Lachtern, und einer Tiefe von 3 bis 5 Fussen, eine Länge von 400 Lach - tern hatte. Rechts und links von dem abgebauten Raume war das Erdreich zwar auch noch goldhaltig, ja von dieser Beschaffenheit ist wohl dasselbe in der ganzen Gegend um Katharinenburg, aber nur an der abgebauten Stelle hatte man es nach den angestellten Versuchen bauwürdig gefunden. Der bauwürdige Gold - sand lag demnach doch in einer thalförmigen Mulde, so wenig merklich dieselbe auch an der Oberfläche war. Ihre Richtung ging von SW. nach NO., war also ungefähr der Richtung der von diesem Plateau in den Isset fallenden Flüsse parallel. Das unter dem Gold - sand anstehende Gestein war ein etwas schuppig-kör - niger, doch sehr deutlich geschichteter Chloritschie - fer. Seine Schichten setzten quer über den abgebauten Raum fort, sie hatten ein Streichen St. 8, also von NW. nach SO., und standen fast saiger oder fielen nur un - ter einem sehr steilen Winkel nach SW.

Ganz in der Nähe dieses Seifenwerks hatte man ein zweites angelegt. Der abgebaute Raum hatte in demselben eine Breite von 4 bis 8 Lachtern, eine Länge von 150 Lachtern, und der Sand eine Mächtigkeit von 2 bis 3 Fass. Die Richtung des abgebauten Raumes war der vorigen parallel, das unter dem Sande anste - hende Gestein war aber gelblichweisser Talkschiefer, der vielen Quarz enthielt, welcher auf dem Querbruche zu erkennen war. Er hatte ein Streichen St. 9, ähn - lich dem in der ersten Grube, und ebenso ein sehr steiles Fallen nach SW.

Der Goldsand beider Seifenwerke war von glei - cher Beschaffenheit, er war lehmartig und von ocker - gelber Farbe. Unter den grösseren Geschieben, die sich in demselben befanden, bemerkten wir: Talkschie - fer, Chloritschiefer, Quarz, Kieselschiefer,

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Serpentin, Chromeisenerz und Strahlstein. Der Talkschiefer hatte eine grünlichweisse Farbe und enthielt eine Menge der schönsten und glänzendsten Krystalle von Eisenglanz. Die Krystalle waren ge - wöhnlich nur klein, von der Grösse eines Nadelknopfes, zuweilen doch auch von einem Durchmesser von 3 bis 4 Linien. Die erstern bildeten Rhomboëder mit bis zu den Seitenecken abgestumpften Endecken, die bei flüch - tigem Ansehen und bei ihrer Kleinheit wohl mit den Octaëdern des Magneteisenerzes zu verwechseln wa - ren, welches aber gemeinschaftlich mit Eisenglanz in den Gebirgsgesteinen eingewachsen nicht vorzukommen pflegt; bei den letztern waren noch die Flächen des gleichkantigen Scalenoëders hinzugetreten, wodurch die Krystalle die Seite 149 erwähnte Form erhielten. Der Chloritschiefer war von verschiedener Beschaffen - heit, theils schuppig-körnig, theils mehr dicht und von dem gewöhnlichen Ansehn. Der erstem enthielt Octaë - der von Magneteisenerz, die zuweilen eine Grösse von 1 bis 2 Linien hatten, der letztere sehr kleine Blättchen von Eisenglanz und ausserdem in grosser Menge Krystalle von schwarzem Turmalin, die in sechsseitigen, sehr glattflächigen Prismen krystallisirt, 1 bis Linien dick und unregelmässig durch einander gewachsen waren 1). Auf der schmalen Fläche eines solchen Stückes, die ganz deutlich eine Kluftfläche war, fand ich auch kleine, braune, demantglänzende Krystalle von Anatas. Der Quarz und das Chrom - eisenerz waren von der gewöhnlichen Beschaffenheit, der Kieselschiefer war schwarz, der Serpentin

[footnote reference]1) Dieser Chloritschiefer unterscheidet sich also in seiner Beschaf - fenheit von dem unter dem Goldsande anstehenden, doch findet er sich wahrscheinlich auch in der Gegend anstehend, da man Stücke dieses Chloritschiefers mit dem Turmalin, der durch die Glätte seiner Flächen karakterisirt und daher häufig mit Hornblende verwechselt ist, in den Sammlungen mit der Etiquette: Gornoschit oder Gegend von Katha - rinenburg nicht selten findet.
[footnote reference]158

so mit Diallag erfüllt, dass man die Grundmasse kaum sehen konnte. Der Strahlstein bestand aus nadelförmigen Krystallen, die büschelförmig gruppirt waren. Chlorit - und Talkschiefer fanden sich in der grössten Menge, Quarz schon weniger, die übrigen Geschiebe noch seltener, von dem Strahlstein fand ich nur ein Stück, das aber ziemlich gross war.

Wenn man den Goldsand etwas wäscht, so dass die erdigen Theile fortgeführt werden, so lassen sich auch die kleinern Theile desselben erkennen. Diese bestanden ausser dem Golde hauptsächlich aus Quarz in abgerundeten Körnchen, aus Magneteisenerz in Körnchen oder Krystallen, die meistens sehr nett und glänzend und in der Regel nur sehr klein, zuweilen aber mehrere Linien gross waren, und unter denen sich auch nicht selten Zwillingskrystalle fanden, und aus Eisenglanz in Blättchen oder Krystallen von den angegebenen Formen. Seltener schon fand sich Eisen - kies, der immer in Brauneisenerz umgeändert, aber häufig noch äusserst nett krystallisirt war; die Kry - stalle waren Combinationen des Hexaëders, Octaëders und Pyritoëders (s. Haüy’s traité de minéralogie, pl. 107, fig. 209), in welchen aber gewöhnlich die Hexaëder - flächen vorherrschten. Endlich fanden sich darin auch noch Bruchstücke von Rutil-Krystallen, wie auch Bruchstücke und Körner von Granat.

Wird der Goldsand noch mehr gewaschen, so bleibt nur der Magneteisensand und der Eisenglanz mit dem Golde zurück. Das Gold fand sich darin in Schüpp - chen, in Körnchen von unregelmässiger Gestalt, selten von einiger Grösse, zuweilen auch in Krystallen in der Form von Octaëdern, deren Kanten aber gewöhn - lich abgerundet waren. Es hatte eine vollkommen gold - gelbe Farbe und enthielt auch, wie ich nach meiner Rückkehr fand, nur sehr wenig fremdartige Beimi - schungen. Ein Korn von dieser Wäsche, welches ich analysirte, bestand nämlich aus:

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Gold 98,96 Silber 0,16 Kupfer 0,35 Eisen 0,05

99,52

Das Gold war in dem Sande beider Gruben nicht gleich vertheilt, die unteren 1 bis 2 Fuss mächtigen Schichten waren reicher als die oberen, daher auch nur die unteren verwaschen, die oberen aber abge - nommen und als zu arm für jetzt noch unbenutzt zur Seite geworfen wurden. Der mittlere Gehalt der un - teren Schichten betrug bis 2 Solotnik in 100 Pud Sand, also etwa 0,0005 Proc. 1). Beide Gruben hatte

1) Diese anscheinend geringe Menge Gold könnte bei dem Rufe der Reichhaltigkeit des Uralischen Goldsandes auffallen, ist aber bei der Leichtigkeit, mit welcher derselbe gewonnen und verwaschen werden kann, in der That doch sehr bedeutend. Allerdings giebt es Goldsand, der 6-7, ja 10-12 Solotnik in 100 Pud Sand enthält, aber dieser findet sich nur selten, und hält von einer solchen Reichhaltig - keit meistens nicht lange an. Gewöhnlich findet er sich noch von einem geringern Gehalte, als der von Schabrowskoi; er kann aber auch noch bei einem Gehalte von ½ Solotnik mit Vortheil verwaschen werden, dagegen man den von ¼ Solotnik jetzt noch nicht benutzt. In der Regel rechnet man die Selbstkosten bei dem Verwaschen eines Goldsandes von 1 - 1 ½ Solotnik Gold in 100 Pud, auf 2 / 5 von dem Werthe des gewonnenen Goldes, so dass also die Kosten, welche die Gewin - nung eines Pud Goldes aus einem solchen Sande verursachen, zu 20,000 Rubel angenommen werden können, da der Werth eines Pud Goldes ungefähr 50,000 (genauer 49,032) Rubel beträgt. Bei den Goldwäschen von Katharinenburg sind aber diese Kosten im Jahre 1828 noch geringer gewesen, da nach den officiellen Angaben, die Herrn von Humboldt darüber mitgetheilt sind, die 6,564,453 Pud Sand, welche in diesem Jahre auf sämmtlichen Wäschen verwaschen sind, 23 Pud 17 Pfund 1 ½ Solotnik, also 100 Pud davon Solot - nik Gold gegeben, und die Gewinnungskosten eines jeden Solotniks 4 Rubel 53 ¾ Kopeken, also 9 / 26 oder nur etwas mehr als 1 / 3 voin Werthe des gewonnenen Goldes betragen haben; doch ist hierbei noch zu be - rücksichtigen, dass das in den Wäschen von Katharinenburg gewon - nene Gold im Durchschnitt 7 Proc. Silber enthält.

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man erst im vorigen Jahre zu bearbeiten angefangen, dennoch hatten sie schon bis zum 1sten Mai 1829 4 Pud 36 ¼ Pfund Gold geliefert.

Der Sand der beiden Gruben wurde zum Verwa - schen nach einem kleinen Bache gefahren, der sich etwas nördlich von denselben befindet, und sich nach einem Laufe von einigen Wersten in die rechte Seite des Uk - tuss ergiesst. Auch in dem Bette dieses Baches hatte man bauwürdigen Goldsand gefunden und schon Vor - kehrungen zu seiner Gewinnung getroffen. Um die nöthigen Waschwasser zu erhalten, hatte man den Bach aufgestaut, konnte aber dadurch doch nur mit Mühe die nöthige Menge sammeln.

Das Verwaschen des Sandes geschah auf mehre - ren feststehenden Waschheerden, die neben einander lagen, und mit einem gemeinschaftlichen Dache gedeckt waren. Der Goldsand wurde in einen grossen läng - lich-viereckigen Kasten geworfen, dessen Boden in einer starken Platte von Eisenblech bestand, die wie ein Sieb mit Haselnuss-grossen Löchern versehen war. In diesen wurde mittelst einer Rinne Wasser geleitet, das aber um sich über den in den Kasten geworfenen Goldsand gleichmässig zu verbreiten, zuvor in einen Behälter fiel, der hauptsächlich aus zwei unter einem Winkel von 60° zusammengefügten Brettern bestand, und fast dieselbe Länge hatte wie der Kasten, über dessen Längendurchmesser er angebracht war. Die Bretter dieses Behälters waren mit feinen Löchern durchbohrt, so dass durch dieselben das Wasser wie aus einer Giesskanne auf den Goldsand in dem Kasten fiel. Während dieser nun in dem Kasten von Arbei - tern mittelst Krücken, deren breite, unten etwas um - gebogene Enden aus starkem Eisenblech bestanden, beständig umgerührt wurde, spülte sich der feinere Sand von den grobem Geschieben desselben ab, und fiel durch die Löcher des Kastens auf zwei darunter be -

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findliche, einander gegenüberstehende Waschheerde 1). Die grösseren Geschiebe bleiben rein gewaschen in dem Kasten zurück, und werden nach vollendeter Wäsche sorgfältig untersucht, da sich unter ihnen zuweilen grössere Goldgeschiebe, auch Quarzstücke finden, in welchen Gold eingesprengt ist. Der durchgelaufene, feinere Sand wird aber auf den Waschheerden, über welche beständig Wasser fliesst, so lange mit Krücken immer er wieder hinaufgeschoben, bis alle leichtere Theile fortgeführt und nur der Magneteisensand mit dem Golde zurückgeblieben ist. Diesen so weit gewaschenen Goldsand nennt man am Ural Schliech; er wird auf kleinere Waschheerde gebracht, und von geübteren Arbeitern gewaschen, wobei man sich gewöhnlich der Bürsten bedient, um den von dem Wasser herabge - führten Schliech immer wieder von neuem auf den Heerd hinaufzuschieben. Kleinere Parthien scheidet man auch auf hölzernen Waschschüsseln, indem man dieselben mit der linken Hand an einem Ende hält, und mit der Innern Seite der rechten Hand leise ge - gen das andere Ende klopft 2).

[footnote reference]1) Wer die Art gesehen hat, wie am Ural der Gold - und ebenso der Platin-haltige Sand gewaschen wird, kann über den Ursprung der Schüppchen metallischen Eisens, die man in diesem Sande gefunden hat (vergl. Poggendorffs Annalen B. XI, S. 315), nicht zweifelhaft sein. Man kann wohl ohne Bedenken annehmen, dass es Stückchen Eisen sind, die sich von den Krücken beim Verwaschen des Goldes in dem beschriebenen Kasten abgestossen haben. Auch ich fand bei Untersuchung des gewaschenen Goldsandes von Schabrowskoi mehrere solcher Eisen-Schüppchen.
[footnote reference]
[footnote reference]2) So wie hier fanden wir die meisten Goldwäschen, welche wir am Ural besuchten. Sie sind, wie man aus dem Angegebenen sieht, sehr einfach, und das mehr oder weniger vollständige Ausbringen des Goldes hängt deshalb auch sehr von der Geschicklichkeit der Arbeiter ab. Diese hat in der neuern Zeit zugenommen, und die Einrichtun - gen selbst haben sich verbessert, daher es auch vorgekommen ist, dass Goldsand, der in früherer Zeit verwaschen ist, später noch einmal verwaschen wurde. Zuweilen fanden wir später die Waschwerke auch in besonderen Häusern eingerichtet, die im Winter geheizt wurden,
[footnote reference]11162

Der Rhodonit-Bruch, zu welchem wir nach der Besichtigung des Seifenwerks fuhren, ist von dem - selben nur einige Werste entfernt, liegt aber schon auf dem rechten Ufer der Aramilka, sonst wie jenes mitten im Walde, der hier nur meistentheils aus Tan - nen bestand. Der Weg dahin führt bei einer Eisen - erzgrube vorbei, in welcher durch kleine dicht neben - einander liegende Schachte ein dichtes und erdiges, sehr mit Glimmerblättchen gemengtes Brauneisenerz gewon - nen wird. Es scheint nicht tief unter Tage zu liegen, doch haben wir uns nicht so lange aufgehalten, um über sein Vorkommen einige Aufschlüsse zu gewinnen. Auch über das Vorkommen des Rhodonits war es mir nicht möglich eine bestimmte Meinung zu fassen. Es sind zwei Brüche dicht nebeneinander am Abhange einer geringen Erhöhung, die sich kaum merklich aus der Ebene hervorhebt, angelegt, doch waren beide sehr verfallen und verwachsen, da man wahrscheinlich seit langer Zeit nicht gebrochen hatte. Der Rhodonit scheint indessen ein flach einfallendes Lager in einem grau - lichschwarzen Thonschiefer zu bilden, der wenigstens in seinem Hangenden deutlich sichtbar ist. Der Rho - donit ist am reinsten in dem Liegenden des Lagers,

[footnote-continued reference]um auch in dieser Jahreszeit die Arbeit forfselzen zu können, auch fanden wir die Waschanstalten selbst noch zweckmässiger eingerichtet, indem man sich dazu besonders eines von dem Herrn Achte, dem Director der Hüttenwerke von Slatoust, erfundenen Apparats bediente, wodurch das Gold noch vollständiger vom Sande geschieden werden kann; aber diese Anstalten, die grössere Zurüstungen und Anlage - kosten, wie auch stärkere Wasserzuflüsse erfordern, können nur an - gewandt werden, wo man sich durch Versuche von einem längern Anhalten des Goldsandes überzeugt hat, und hinreichendes Wasser vorhanden ist. Da beide Umstände nur selten statt finden, der Gold - sand häutig sich nicht anhaltend zeigt, und oft nach einiger Zeit so arm wird, dass die Arbeit eingestellt und an andern Orten angefan - gen werden muss, die man durch stets fortgesetzte Untersuchungen immer wieder auffindet, der Goldsand häufig auch in Gegenden vor - kommt, wo Wasser in grossem Ueberflusse nicht vorhanden ist, so fanden wir diese künstlichern Waschanstalten nur selten angewandt.
[footnote-continued reference]163

in der Mitte mengt er sich mehr mit Quarz, der im Hangenden sich fast rein ausgeschieden hat.

Der Rhodonit, wie er hier vorkommt, ist grössten - theils dicht und hat einen feinsplittrigen Bruch, stellen - weise wird er aber grob - und grosskörnig und zeigt dann Spaltungsflächen, die eben so vollkommen sind wie bei dem blättrigen Rhodonite von Långbanshytta in Wermeland in Schweden, der indessen nur in kleinen Massen in körnigen Eisenglanz gemengt vorkommt. Die Spaltungsflächen schneiden sich bekanntlich unter denselben Winkeln wie die des Augits; die, welche parallel den Flächen des geschobenen vierseitigen Prismas von 88° gehen, sind am deutlichsten, parallel den Abstumpfungsflächen der stumpfen und scharfen Seitenkanten dieses Prismas finden sich nur Spuren von Spaltungsflächen. Auch in Rücksicht seiner che - mischen Zusammensetzung ist, wie aus der Analyse des Schwedischen Rhodonits von Berzelius hervor - geht, derselbe nichts anders als ein Augit, der nur dadurch ausgezeichnet ist, dass seine Basen, die bei dem gewöhnlichen Augit aus Kalkerde, Talkerde und Eisenoxydul bestehen, hier durch das diesen isomorphe Manganoxydul grösstentheils ersetzt sind, und nur we - nig Kalkerde darin enthalten ist. Der Sibirische Rho - donit ist zwar so viel ich weiss nicht analysirt, da er indessen in seinen Eigenschaften mit dem Schwedi - schen übereinstimmt, so kann er auch in seiner che - mischen Zusammensetzung von diesem nicht sehr ver - schieden sein.

Die Farbe des Rhodonits ist die bekannte schöne rosenrothe Farbe, weshalb das Mineral bei der guten Politur, die es geschliffen annimmt, so geschätzt wird. An manchen Stellen geht die Farbe des Sibirischen Rhodonits jedoch in eine lichte kastanienbraune über. Auf den Kluftflächen mit welchen er durchsetzt vor - kommt, ist er gewöhnlich schwarz, und ähnlich ge - färbte Dendriten durchziehen, den feinsten Ritzen fol -

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gend, auch häufig das übrige dichte Gestein. Die Fär - bung rührt von Manganhyperoxyd her, wie denn auch Manganit (Manganoxydhydrat, von schwarzer Farbe, braunem Striche und vor dem Löthrohre Wasser ge - bend), in kleinen derben Parthien mit dem Rhodonite verwachsen vorkommt.

Etwas weiter im Liegenden des Rhodonits ragen kleine Hügel aus dem Rasen hervor, die aus einem Gestein von eigentümlicher Beschaffenheit bestehen. Es hat eine grünlichweisse, feinkörnige, mit dem Mes - ser ritzbare Grundmasse, in welcher dicht nebeneinan - der gedrängt sehr kleine schwärzlichgrüne prismatische Krystalle liegen, die Hornblende oder Augit sein kön - nen, deren Kleinheit aber jede Bestimmung verhinderte. Das Gestein zersetzt sich, mit Säuren digerirt, zum Theil, wie Phonolith und Basalt, und kleine Splitter schmelzen an den Kanten zu einem schwärzlichgrünen Glase, wobei sich die Flamme stark gelb färbt.

Von dem Rhodonit-Bruche traten wir nun unsern Rückweg nach Katharinenburg über die Eisenhütte Nischne-Issetsk an. Wir setzten bei dem Dorfe Scha - browa, welches nur 1 Werst von dem Bruche entfernt liegt, über die Aramilka, und fuhren durch den Wald, der fast bis zum Isset reichte, nach der Hütte. Noch auf dem rechten Ufer der Aramilka sahen wir, eben - falls nur in kleinen Hügeln neben dem Wege, ein an - deres Gestein anstehen, das mit einem systematischen Namen zu benennen, nicht weniger schwer fällt. Es ist ganz dicht, von feinsplittrigem Bruche, lauchgrüner bis schwärzlichgrüner Farbe, im Bruche fast matt oder nur von schwachem Glasglanze, und mit dem Messer ritzbar. Es ist jedoch nur scheinbar homogen, denn dünne Splitter sind ganz durchscheinend und weiss mit kleinen grünen Flecken, und dadurch, wie auch durch sein Verhalten vor dem Löthrohre, unterscheidet es sich von dem Serpentin, mit welchem es sonst eine gewisse Aehnlichkeit hat. Es giebt nämlich im Kolben

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mit dem Löthrohre erhitzt, wohl schwache Spuren von Feuchtigkeit, nicht aber die Menge Wasser wie der Serpentin, und schmilzt mit der Platinzange gehalten, zum Theil zu einem schwärzlichgrünen Glase, wobei es die Flamme gelb färbt, während der umgeschmol - zene Theil seine Durchscheinenheit verliert 1).

Die Eisenhütte Nischne-Issetsk liegt an dem lsset, der oberhalb derselben zu einem 5 Werste langen Teiche aufgestaut ist. Man schmelzt in derselben keine Erze, sondern verfrischt oder verschmelzt Roheisen von der Kamenskischen Hütte. Dazu befinden sich hier sechs Frischheerde mit drei Hämmern und ein Cupolo - Ofen oder eine sogenannte Wagranka. Das erhaltene Stabeisen wird zu Blechen ausgewalzt, oder zu An - kern für die Kronsbarken, und zu Schmelztiegeln zum Silberschmelzen für die Petersburger Münze ausge - schmiedet. Die Gegenstände, welche gegossen werden, bestehen fast nur in Munition, die mit einer grossen Sorgfalt gegossen und auf das strengste auf alle Fehler untersucht wird. Die Hütte ist noch neu; sie wurde im Jahre 1789 von dem damaligen Ober-Berg - hauptmann Hermann angelegt, um als Münzhof zu dienen, als sie aber 1806 abbrannte, zu ihrem jetzigen Zwecke eingerichtet.

Von Nischne-Issetsk ging der Weg nach dem nur noch 11 Werste entfernten Katharinenburg zuerst dem Hüttenteiche entlang. Jenseits desselben kommt man nach dem Dorfe Uktuss, in dessen Nähe sich früher die oben erwähnte Eisenhütte befand, die schon 1702 an - gelegt wurde, und eine der ältesten des Urals war, jetzt aber eingegangen ist. Schon in Nischne-Issetsk und noch weiter abwärts am Wege sieht man wieder kleine Massen anstehenden Gesteins neben dem Wege hervorragen, welche zuerst aus einem Diorit von mitt -

[footnote reference]1) Nach einer in dem Laboratorium meines Bruders angestellten Analyse ist dieses Gestein zusammengesetzt aus Kalkerde 6,22, Talk - erde 4,15, Thonerde 11,07, Eisenoxyd 17,65 und Kieselsäure 60,44.
[footnote reference]166

lerm Korn bestanden, der fast nur Hornblende und nur sehr wenig Albit enthielt. Die Hornblende darin war grünlichschwarz, der Albit etwas grünlichweiss gefärbt und nur unvollkommen spaltbar, wie diess gewöhnlich der Fall ist, wenn der Albit nur in geringer Menge in dem Diorite enthalten ist, und wahrscheinlich durch Einmengung von Hornblendemasse herrührt. Hinter Uktuss hörte aber dieser Diorit auf, und wurde von einem andern sehr merkwürdigen Gestein ersetzt, das ein Augitporphyr war, der zuweilen grosse und deutliche Krystalle von Uralit enthielt. Die Form die - ser Krystalle war deutlich zu erkennen; sie war wie die des in Basalt und Lava eingewachsenen Augites; die Spaltungsflächen hatten dagegen nur die Winkel von 124°, wie die der Hornblende. Es war das erste Mal, dass ich hier diese Krystalle sah, die mich aufs höchste interessirten, und mich lange zweifelhaft lies - sen, wofür ich sie halten sollte, selbst nachdem wir sie noch viel schöner und deutlicher in der Nähe des Sees Baltym, nördlich von Katharinenburg gesehen hatten. Der Uralit war hier auch nur an einer Stelle deutlich, an den übrigen waren die Krystalle kleiner und die Um - risse unbestimmter. Die Grundmasse, worin sie lagen, war grünlichweiss, auch grün und weiss gefleckt, von splittrigem Bruche, und hin und wieder mit Stücken eines dichten, graulichgrünen, harten Gesteins gemengt. Die meisten Stücke, die ich schlug, waren von dem - selben unbestimmten Karakter, den die Gebirgsarten nicht allein in der Gegend von Katharinenburg, son - dern am ganzen Ural häufig tragen; es schien als - ren es durch irgend einen Process veränderte Schiefer, daher sie oft noch eine unvollkommen schiefrige Stru - ctur zeigten, aber als wäre die Veränderung noch nicht so vollständig erfolgt, um neue deutlich karakterisirte Gebirgsarten zu bilden.

Die kleinen Hügel, welche diese Gesteinsabän - derungen zeigten, ragten kaum einige Fuss aus der

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Dammerde hervor; nicht weit hinter Uktuss hörten auch sie auf, und man bleibt in der Ebene bis Katharinenburg.

Geognostische Untersuchung des Bodens und der nächsten Umgehungen von Katharinenburg.

Gleich in den folgenden Tagen, nachdem wir die Excursion nach Schabrowskoi gemacht hatten, den 18ten, 19ten und 20sten Juni wurde eine neue Excur - sion nach den Goldgruben von Beresowsk angestellt, die für uns von grosser Wichtigkeit waren, weil sie als die einzigen, die am Ural noch im Betriebe sind, allein noch Auskunft über das Vorkommen des anste - henden Goldes am Ural geben können, indem man alle übrigen, deren Zahl sich auf 6 bis 7 belaufen haben mag, seit der Entdeckung des Goldsandes, wegen der viel leichtern und einträglichern Gewinnung des Gol - des aus demselben hat eingehen lassen. Da aber das goldhaltige Terrain von Beresowsk auf der Oberfläche wenig entblösst ist, mit dem von Katharinenburg in - dessen in seiner Beschaffenheit sehr übereinstimmt, so ziehe ich es vor schon jetzt über die Beschaffenheit des Bodens von Katharinenburg und seiner nächsten Um - gebungen einige Aufschlüsse mitzutheilen, die mir eine kleine Excursion in der ebenso angenehmen als lehr - reichen Gesellschaft des Herrn Assessors Helm ver - schafft hat, wenngleich ich diese erst später, am 12ten Juli angestellt habe, nachdem wir schon von unserer Reise in den nördlichen Ural zurückgekehrt waren. Wir fingen unsere Wanderung mit der Besichtigung der westlich von Katharinenburg gelegenen Gegend an, die sich an die anschloss, welche wir auf unserer Excursion nach Schabrowskoi kennen gelernt hatten, untersuchten dann das in der Stadt selbst anstehende Gestein und wandten uns darauf nach den Höhen, die die Stadt im Osten und Südosten umgeben.

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Auf der West - und Nordwestseite wird in den nächsten Umgebungen von Katharinenburg die Ebene, auf welcher die Stadt liegt, durch keine Hervorragun - gen festen Gesteins unterbrochen, und auch in süd - westlicher Richtung linden sich dieselben erst bei dem Dorfe Uktuss, wo sie aus den beschriebenen Abände - rungen von Augitporphyr und Diorit bestehen. Des - senungeachtet ist hier überall das feste Gestein von einer nur wenig mächtigen Schicht Dammerde bedeckt, und wird daher überall entblösst, wenn man für grös - sere, steinerne Gebäude das Fundament legt. So sa - hen wir dasselbe auch in den Gruben anstehen, die man zum Bau des neuen Gefängnisses an der nord - westlichen Seite der Stadt angelegt hatte, wo das Gestein in den obern Lagen, die wir nur sehen konn - ten, ein zwar sehr verwitterter, aber doch noch kennt - licher Diorit von mittlerm Korne war, dessen grün - lichschwarze Hornblende zum Theil noch erhalten, zum Theil aber in eine rothbraune erdige Masse verändert war, die auch den grösstentheils in Porzellanerde ver - wandelten Albit braun gefärbt hatte.

Wir kehrten darauf nach der grossen Sibirischen Hauptstrasse zurück, und gingen auf derselben west - lich entlang, wo wir bald bei allmähliger Erhebung des Weges, zu dem bei unserer Ankunft in Kathari - nenburg erwähnten Fichtenwald gelangten. In dem - selben befindet sich mehrere Werste von der Stadt und nördlich von der Strasse eine niedrige Granit - kuppe, auf deren westlichen Seite ein Steinbruch angelegt ist, und Bausteine für die Stadt gebrochen werden. Der Granit, welcher zu dem zweiten der Seite 154 erwähnten Granitzüge gehört, ist ziemlich grobkörnig und besteht aus gelblichweissem schwach durchscheinenden Feldspath, graulichweissem stark durchscheinenden Quarze, schwärzlichgrünem Glimmer und sehr wenigem mit dem Feldspath gleichgefärbten Albit. Kleine braune sehr glänzende und nette Tita -

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nitkrystalle finden sich ausserdem in ihm hin und wie - der eingewachsen. Quarz und Feldspath dieses Gra - nites haben ein eigenthümliches Ansehen. Der Quarz liegt nämlich nicht in einzelnen Körnern in dem Ge - menge, sondern jede einzelne Quarzparthie, die oft 3 bis 4 Linien und darüber dick ist, besteht aus mehre - ren kleinen körnigen Zusammensetzungsstücken; eine Eigenthümlichkeit, die öfter den grobkörnigen Graniten der Gegend von Katharinenburg zukommt, und die auch schon wenngleich weniger deutlich die Granite von Räschety zeigten; die grossem blättrigen Parthien des Feldspaths sind von andern Körnern von Feldspath, zu - weilen auch von Quarz und Glimmer durchwachsen, wo - durch sie ein eigenthümliches Schillern erhalten. Die - ser Granit wird von vielen zollbreiten Gängen von einem sehr feinkörnigen Granite durchsetzt, der aus denselben Gemengtheilen wie der grobkörnige besteht, in welchem aber der Glimmer, wenn auch nicht ganz verschwunden, doch sehr zurückgetreten ist. Gang - masse und Nebengestein schneiden nicht scharf anein - ander ab; die Gänge haben ein sehr flaches Fallen und sind einander parallel. Der Granit ist mit vielen un - gefähr parallelen Klüften durchsetzt, die St. strei - chen und ebenfalls unter sehr geringem Winkel nach NW. fallen. Die Klüfte wiederholen sich sehr häufig und bilden dadurch Lagen von nicht grösserer Mäch - tigkeit als etwa einen halben Fuss.

Von dieser Granitkuppe wandten wir uns, in einem Bogen den Wald umgehend, nach dem Eisenwerke Werch-Issetsk, welches 3 Werste nordwestlich von Katharinenburg liegt. Die Eisenhütte gehört Herrn Jakowleff in Petersburg, und ist offenbar eine der grossartigsten Anstalten am ganzen Ural. Sie enthält einen Hohofen, eine Giesserei, 14 Frischfeuer, ein Walz - werk, eine Nagelschmiede u. s. w., welche Werke sich sämmtlich in einem grossen prachtvollen Gebäude be - finden, das mit Säulen und Kuppeln verziert ist, und

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mit aller Pracht im Aeussern eine eben so grosse Zweck - mässigkeit im Innern verbindet. Ein vortreffliches Cy - lindergebläse, das mit grosser Leichtigkeit und Sicher - heit arbeitet, giebt den Wind für die Oefen und Ma - schinen 1). Neben dem Hauptgebäude liegt ein grosses Hospital mit der Apotheke, und daran stossen die Wohnungen der Hüttenarbeiter. Hinter dem Haupt - gebäude befindet sich der Damm, der den Isset zu einem über 10 Werste langen und 2 bis 3 Werste breiten See aufstaut. Der Damm ist mit einem eiser - nen Geländer verziert, und bietet bei seiner Länge einen angenehmen Spaziergang dar, von welchem man eine vortreffliche Aussicht auf den zu einem bedeuten - den See angeschwollenen Hüttenteich hat. Die schwarze Tannenwaldung, welche die Höhen au dem Ufer des Sees bedeckt, giebt der Aussicht zwar den ernsten Karakter, der die Landschaften des Nordens im All - gemeinen karakterisirt, aber nichts desto weniger viel Anziehendes hat. Die Landschaft erinnerte mich leb - haft an ähnliche in Schweden, die ich in früherer Zeit gesehen hatte.

Das Eisenerz, welches in Werch-Issetsk ver - schmolzen wird, ist Brauneisenerz, das in der Gegend vorkommt, und der Stein, dessen man sich zur Auf - führung des Dammes bedient hat, ein Granit, der nicht aus dem eben beschriebenen, sondern aus einem an - dern, 10 Werste entfernten Bruche gewonnen ist. Auch hat er ein anderes Ansehen, und besteht der Haupt -

[footnote reference]1) Das Hüttenwerk Werch-Issetsk verdankt seinen blühenden Zu - stand dem frühern Ober-Aufseher der Jacowleffschen Berg - und Hüt - tenwerke, Gregor Sotoff, der als ein Mann von grossem Talent und vieler Kraft, die Umgestaltung des Werkes zu Stande brachte, ohne ähnliche grossartige Anstalten des Auslands kennen gelernt zu haben. Gleich den meisten übrigen Ober-Aufsehern von Privatwer - ken in Russland war auch er ein Leibeigener, bis er auf den Wunsch des Kaisers Alexander, der im Jahre 1824 den Ural bereiste und von den gesehenen Einrichtungen sehr eingenommen war, seine Frei - heit erhielt.
[footnote reference]171

sache nach aus schneeweissem Feldspath von mittlerm Korn, der gleichsam eine Grundmasse bildet, in wel - cher graulichweisse durchscheinende Körner von Quarz und kleine, aber dicke grünlich - und gelblichweisse Blättchen von Glimmer inliegen. Ausser diesen Ge - mengtheilen finden sich in dem Granite noch einzelne Körner von Albit, der sich in Farbe von dem Feld - spath gar nicht unterscheidet und daher nur schwer zu erkennen ist, und in grösserer Menge kleine nette Krystalle von rothem Granat, die in Leucitoëdern krystallisirt sind. Die kleinen Kuppen, welche sich südwärts von der Hütte und auf der Westseite des Weges nach Katharinenburg erheben, bestehen aus Diorit, in welchem die schwärzlichgrüne Hornblende so vorwaltet, dass der Albit in manchen Stücken gar nicht zu erkennen ist, und das ganze nur ein körniges Hornblendegestein darstellt. Magneteisenerz ist überall fein eingesprengt, weshalb ganze Stücke die Magnet - nadel anziehen. Das Gestein ist ebenso wie der Diorit von Uktuss überaus zähe, und nur sehr schwer zu zerschlagen. Auf einer der höhern dieser Kuppen ist die steinerne Kirche des Hüttenwerks erbaut.

Wir eilten von hier durch die schöne Allee, welche von Werch-Issetsk nach Katharinenburg führt, wieder nach der Stadt zurück, um das anstehende Gestein zu untersuchen, welches in dieser selbst zu finden ist. Man trifft solches zuerst bei der Steinschleiferei an, wo es sich an der linken östlichen Seite des Isset mit sehr geringer Erhöhung einige Zeit fortzieht. Das Gestein ähnelt dem zuletzt bei dem Dorfe Uktuss er - wähnten Augitporphyr, ist nur noch unbestimmter und gemengter. Die Stellen, wo das Gestein eine lichte grünlichgraue Farbe, splittrigen Bruch und das Anse - hen eines Thon - oder Wetzschiefers hat, sind grösser; die Stellen, wo es mehr dem Augitporphyre gleicht, enthalten Uralitkrystalle, die noch kleiner und deren Umrisse noch undeutlicher sind. Ihre Grundmasse gleicht

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hier dem Talkschiefer. Die dem Wetzschiefer und die einem Augitporphyre ähnlichen Parthien schneiden zu - weilen ziemlich scharf aneinander ab, und beide sind mit vielen Klüften durchzogen, deren Kluftflächen braun gefärbt sind. Zuweilen findet man kleine Massen kör - nigen Kalksteins von der Grösse einer Haselnuss in dem Gestein eingeschlossen, die dann ringsum mit feinen haarförmigen Krystallen von grünlichschwarzer Hornblende eingefasst sind. Dabei scheint das Gestein noch geschichtet zu sein, die Schichten stehen fast senkrecht und streichen ungefähr parallel dem östlichen Ufer des Isset, St. 11½, also ganz verschieden von den übrigen geschichteten Gebirgsarten in der Nähe von Katharinenburg, die ein Streichen in der 8ten bis 9ten Stunde haben. So gleicht das Gestein bald mehr einem Wetzschiefer, bald mehr einem Augitporphyre, und scheint einen Uebergang zwischen beiden Gebirgsarten zu bilden.

Erst in ziemlicher Entfernung von dem kleinen Felsrücken an der Steinschleiferei sieht man neues anstehendes Gestein. Es bildet in dem nordöstlichen Theile der Stadt, neben der Strasse, die nach Bere - sowsk führt, und in der Nähe des alten Mehlmagazins eine flache, nur wenig über die Oberfläche sich erhe - bende Kuppe, die an der westlichen Seite aus Chlo - ritschiefer und an der östlichen aus Serpentin besteht. Der Chloritschiefer ist sehr deutlich, enthält häufig kleine Krystalle von Magneteisenerz und hier und da auch einzelne Parthien von Kupferkies einge - schlossen, und findet sich in stehenden Schichten, die St. wie die Schiefer von Schabrowskoi streichen. Der Serpentin ist von schwärzlichgrüner Farbe, ent - hält wie der Chloritschiefer eine grosse Menge noch etwas kleinerer Krystalle von Magneteisenerz, ist stark zerklüftet, und besteht gleichsam nur aus übereinander liegenden Schalen mit glänzenden Ablösungsflächen. Er schneidet aber scharf an dem Chloritschiefer ab; die

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Gränze zwischen beiden Gebirgsarten hat noch das - selbe Streichen wie die Schichten des Chloritschiefers, und in derselben Richtung liegen auch die Schalen des Serpentins, so dass der Chloritschiefer hier förmlich lagerförmig in dem Serpentin vorzukommen scheint 1).

Im Osten von Katharinenburg erhebt sich wieder die Gegend und ein etwas höherer Bergzug zieht sich hier in paralleler Richtung mit dem Isset fort, über welchen die Sibirische Hauptstrasse nach Tobolsk führt. Er besteht aus einem ähnlichen Serpentin, wie der bei dem alten Mehlmagazin, der auch eben so mit Schalen, die in derselben Richtung liegen, zusammen - gesetzt ist, enthält aber, wenigstens in den gesammel - ten Stücken, kein Magneteisenerz. Die Berge sind ziemlich steil und eben, wenn auch nicht kahl, wie die meisten Serpentin-Berge, doch nur mit niedriger Fich - tenwaldung bedeckt. Sie sind etwas höher als die nächsten westwärts von Katharinenburg gelegenen Berge und bieten daher den schönsten Ueberblick über die Stadt dar, die der Länge nach vor uns ausgebrei - tet dalag. Ihre steinernen Kirchen und Thürme, alle nach Osten gerichtet, dienten zur Orientirung in der Gegend.

Weiter östlich folgt auf den Serpentin dieser Berge Granit, und darauf wieder Serpentin, wie wir später auf unserer Reise nach Tobolsk sahen; jetzt verfolgten wir diese Strasse nicht weiter, sondern gingen an dem Abhänge den Höhen weiter südöstlich entlang. Wir stiessen hier bald auf eine Masse Brauneisenerz, welche wahrscheinlich dem Serpentine eingelagert ist; man hatte auf ihr einen Bau vorzurichten, angefan - gen, denselben jedoch wieder verlassen, da die ge -

[footnote reference]1) Aehnliche Verhältnisse zwischen Serpentin und Chloritschiefer scheinen hier öfter vorzukommen; so bildet nach Tschaikowski der Chloritschiefer, welcher sich an der Patruschicha, einem linken Ne - benflusse des Uktuss findet, ein 20 Lachter mächtiges Lager in dem Serpentin, Gornoi Journal vom Jahre 1833, Quartal II, S. 23.
[footnote reference]174

förderten Erze, wie mir Herr Helm sagte, sich nicht gutartig bewiesen hatten. Wir gingen nun die Höhen hinab, und dem Fusse derselben entlang bis zur che - mischen Fabrik des Herrn Helm, die an dem Abhange der Höhen, in nicht grosser Entfernung von dem Isset angelegt ist, und in welcher Chromgelb aus dem am Ural so häufig vorkommenden Chromeisenerz nach der gewöhnlichen Methode dargestellt wird 1). In dem Teiche, den Herr Helm bei seiner Fabrik hat graben lassen, sieht man Thonschiefer, der aber braun und sehr verwittert ist, und bei stehenden Schichten ein Streichen St. hat. Jenseits der chemischen Fabrik bestiegen wir wieder die Höhen, die hier stärker be - waldet sind, und auch schon aus einem andern Gestein als Serpentin bestehen, wofür aber einen passenden Na - men zu finden, wiederum schwer ist. Es ist im Grunde noch die Gebirgsart von der Steinschleiferei; sie ist noch eben so gemengt, aber im Ganzen dunkler, schwärz - lichgrün und Chloritschiefer-ähnlich, sowohl die dich - ten als auch die porphyrartigen Stellen, welche auch weniger scharf abschneiden und mehr in einander ver - fliessen. Eben so ist auch das Gestein noch unvoll - kommen schiefrig. Es hält aber nicht lange an, denn jenseits eines kleinen Thales tritt ein feinkörniger Granit hervor, der aus weissem Feldspath, graulich - weissem Quarz und schwarzem Glimmer besteht, aber ausserdem noch kleine Hexaëder von Eisenkies ent - hält, die in Brauneisenerz verändert sind, und auch den umliegenden Granit braun gefärbt haben. Von einer ähnlichen Beschaffenheit fanden wir auch später den Granit auf der Sibirischen Hauptstrasse, mit wel - chem er offenbar zusammenhängt, den dritten der oben erwähnten Granitzüge bildend.

Hier beschlossen wir die Excursion, da ich das

[footnote reference]1) Das Pud Chromeisenerz kostet Herrn Helm an Ort und Slelle 3 Rubel.
[footnote reference]175

jenseitige Ufer des Isset schon durch die Excursion nach Schabrowskoi kennen gelernt hatte. Die geo - gnostische Beschaffenheit der Gegend von Katharinen - burg kommt demnach mit der von Schabrowskoi noch sehr überein; Chloritschiefer und Thonschiefer bilden die schiefrigen Gebirgsarten, die mit dem Chlorit - und Talkschiefer von Schabrowskoi gleiches Streichen ha - ben. Von massigen Gebirgsarten Anden sich Serpentin, der hier in einer merkwürdigen gleichmässigen Lage - rung mit dem Chloritschiefer vorkommt, und Granit, welcher den Serpentin gangartig zu durchsetzen scheint. Ausser diesen Gebirgsarten Anden sich nun noch an - dere, die sowohl in Rücksicht der Structur, als auch der Lagerung zwischen Chloritschiefer, Thonschiefer, Serpentin und Augitporphyr in der Mitte stehen, und an den verschiedenen Stellen bald mehr mit der einen dieser Gebirgsarten, bald mehr mit der andern über - einkommen.

Excursion nach der Goldgrube Beresowsk und den in der Nähe befindlichen Goldseifen.

Die Goldgrube Beresowsk liegt, wie schon ange - führt, 15 Werste nordöstlich von Katharinenburg. Der Weg dahin geht anfangs durch flaches Land, dann durch Fichten - und Birkenwaldung; anstehendes Ge - stein ist, wenigstens am Wege, nirgends zu finden; das letzte, welches wir sahen, war noch in der Stadt selbst die kleine Kuppe von Chloritschiefer und Ser - pentin bei dem alten Mehlmagazin, bei welcher wir vorüberfuhren. Nach 8 Wersten kommt man durch das ziemlich beträchtliche Dorf Schartasch, welches an der Westseite eines etwa 3 bis 4 Werste von N. nach S. langen und etwa 2 Werste von W. nach O. breiten Sees gleiches Namens liegt, und von Roskolniken oder Altgläubigen bewohnt wird. Gleich hinter dem Dorfe fangen die weitläuftigen Haldenzüge an, in deren Ge -

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sellschaft man bis zu dem Flecken Beresowsk bleibt, der in der Mitte des goldhaltigen Terrains, soweit dasselbe durch den Bergbau aufgeschlossen ist, an einem kleinen Bache, der Beresowka liegt. Diese ist bei einem Flecken zu einem Teiche aufgestaut, und um diesen herum liegen weitläuftig in rechtwinklig sich durchschneidenden Strassen die hölzernen Häuser mit der hölzernen Kirche des Fleckens.

Wir stiegen in dem Bergamte ab, wo wir die Bekanntschaft des Herrn Ober-Hüttenverwalter Kok - scharoff und des Herrn Bergmeister Völkner mach - ten, welche uns mit dem Herrn Berghauptmann die Grubenrisse und eine recht vollständige Sammlung von Gebirgsarten von Beresowsk erklärten, die in dem Bergamte aufgestellt war. Wir besuchten darauf zu - erst das an der Pyschma, etwa 7 Werste nordöstlich von Beresowsk gelegene Pochwerk Pyschminsk, wo das in der Grube gewonnene Gold gepocht und ge - waschen wird, fuhren sodann auf der Grube Blagowe - schenskoi, ganz in der Nähe von Beresowsk an, und verwandten den Rest des Tages dazu, die in der Nähe von Beresowsk liegenden Goldseifen zu untersuchen. Den folgenden Tag fuhren wir auf der Preobraschenski - schen Grube, nordwestlich von Beresowsk an, besahen die übrigen Goldseifen, und untersuchten am dritten Tage auf der Rückkehr nach Katharinenburg das am See Schartasch liegende Gebirge. Auf diese Weise er - langten wir nach und nach durch Belehrung und durch eigene Ansicht eine Uebersicht von dem Vorkommen des Goldes und den geognostischen Verhältnissen der Gegend, die ich hier gleich zu einem allgemeinen Bilde zusammenzustellen versuchen will.

Der goldhaltige Boden liegt auf der rechten Seite der Pyschma, welche hier eine ziemlich gerade, öst - liche Richtung hat, und verbreitet sich zu beiden Sei - ten der Beresowka, die ihn der Länge nach von S. nach N. durchfliesst, indem sie 4 Werste oberhalb Be -

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resowsk entspringt, und sich 3 Werste unterhalb io die Pyschma ergiesst. Um ihr einen stärkern Was - serzufluss zu geben, ist sie an ihrem Ursprunge mit dem See Schartasch durch den in westlicher Richtung gehenden Alexandrowskischen Kanal in Verbindung gesetzt, welcher nun zu gleicher Zeit die südliche Gränze des goldhaltigen Bodens bildet. Westlich und östlich wird derselbe durch zwei kleine Bäche, die Kalinowka und Schilowka begränzt, die in einer Ent - fernung von 3 bis 4 Wersten von der Beresowka, wie diese in die rechte Seite der Pyschma fallen.

Auf diese Weise bildet der goldhaltige Boden ein Rechteck, dessen längere Seiten 8 Werste lang und von N. nach S. gerichtet, und dessen kürzere Seiten 7 Werste lang und von O. nach W. gerichtet sind, und das also einen Flächenraum von 56 Quadratwer - sten einnimmt. In eben so viel Bezirke, deren jeder eine Quadratwerst gross ist und einen besondern Na - men führt, wird er auch eingetheilt. Ausserhalb dieses Districtes hat man jedoch noch an mehreren Stellen Gold erschürft und Gruben angelegt; einige derselben liegen ganz in der Nähe der Hauptgruben an ihrer Südwest -, Nord - und Ostseite, und ihre Gänge hängen also wahrscheinlich noch mit denen der Hauptgruben zusammen; andere liegen aber schon in grösserer Ent - fernung, wie an dem Isset bei dem Dorfe Uktuss und noch weiter abwärts bei dem Dorfe Schilowa (Schi - low-Issetsk), und selbst an der Tschussowaja bei dem Dorfe Makarowa an ihrer rechten, und etwas weiter aufwärts auch an ihrer linken Seite; doch waren diese entferntern Gruben schon vor der Entdeckung des Gold - sandes auflässig geworden.

Ueber Tage ist der goldhaltige Boden hügelicht und mit Dammerde und zum Theil mit Fichtenwaldung bedeckt. Südlich aber von demselben erheben sich an der Nord - und Nordostseite des Sees Schartasch fort - laufende Kuppen von Granit, die wahrscheinlich mit

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den Goldgängen in naher Beziehung stehen, und da - her eine besondere Berücksichtigung verdienen. Der Granit dieser Kuppen ist von verschiedener Beschaf - fenheit; der, welcher die zunächst am Wege von Ka - tharinenburg nach Beresowsk gelegenen Kuppen an der Nordseite des Sees bildet, ist grobkörnig und im Ganzen dem ähnlich, welcher in dem Granitbruche von Werch-Issetsk ansteht; nur ist der Quarz noch dun - keler grau, und der blättrige Feldspath weniger un - terbrochen wie bei diesem. Auch findet sich der Quarz zum Theil in einzelnen Krystallen, deren Kanten noch ziemlich scharf sind, dagegen die grössern Parthien wie bei dem Granite von Werch-Issetsk aus körnigen Zusammensetzungsstücken bestehen. Titanit kommt in ihm ebenfalls, wenngleich kleiner und sparsamer vor. Ebenso ist er auch von Gängen von feinkörnigem Granit, die dasselbe Ansehn wie die Gänge von Werch - Issetsk haben, durchsetzt. Er ist sehr bröcklich und verwittert daher leicht. Die Gipfel sind mit auf ein - ander gethürmten parallelepipedischen Blöcken, wie die Granite von Räschety, und die Abhänge mit Grant bedeckt; jene sind kahl, diese mit Fichtenwaldung bewachsen.

Weiter östlich von dieser Kuppe ist der Granit dagegen feinkörnig und fest. Er besteht nun aus einem Gemenge von bläulichweissem feinkörnigen Feldspath und kleinen schwarzen Glimmerblättchen, in welchem häufig schneeweisse Albitkrystalle von 1 bis 1 ½ Linien Länge, und hier und da nur einige Quarzkörner von sehr lichter graulichweisser Farbe eingemengt sind. Der Granit hat schon ganz ein porphyrartiges Ansehn, was aber noch viel deutlicher bei einer folgenden Ab - änderung hervortritt, die schon eine vollkommen split - trige lichte bläulichgraue Grundmasse enthält, in wel - cher sehr kleine schwarze Glimmerblättchen und eben solche weisse Albitkrystalle und einzelne graulichweisse Quarzkörner eingemengt sind. Die beiden letzten Ab -

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änderungen des Granits sind untereinander offenbar nicht sehr verschieden, und scheinen wohl vollkommen ineinander überzugehen; dagegen unterscheiden sie sich durch Structur, Korn und relative Menge der Gemeng - theile sehr auffallend von der ersten Abänderung. Lei - der haben wir bei dem anhaltenden Regen, in welchem wir unsere Excursion machten, über das Verhalten die - ser beiden Granitabänderungen gegeneinander nichts weiter ausmachen können. Nach Tschaikowski ste - hen diese Granitmassen des Schartasch-Sees mit dem östlich von Katharinenburg an der Sibirischen Haupt - strasse und mit dem bei der Helmschen Fabrik an - stehenden Granite in Verbindung. Die weitere nörd - liche Erstreckung derselben aber auf das goldhaltige Terrain ist nicht zu beobachten, da sie von demselben durch Bruch und Morast abgeschnitten sind.

Jenseits des goldhaltigen Bodens an der Pyschma finden sich ganz andere Gesteine. Im Osten von Pysch - minsk erheben sich nämlich an der südlichen, rechten Seite der Pyschma Felsen von Serpentin, welche in geringer Erhöhung auch noch weiter westlich das rechte Ufer dieses Flusses, da wo er durch den Hüt - tendamm zu einem See angeschwollen ist, bis jenseits der Schilowka begleiten. Die höhern Felsen bei dem Pochwerke, die sich etwa 200 Fuss über den Wasser - spiegel erheben mögen, sind kahl, der niedere west - lich fortstreichende Höhenzug ist mit Fichtenwaldung bedeckt. Der Weg von Pyschminsk nach Beresowsk geht zwischen ihm und dem Hüttenteiche entlang und ist mit Serpentin überschüttet.

Der Serpentin dieser Berge ist theils lauchgrün, splittrig im Bruche, und stark an den Kanten durch - scheinend, und somit ganz ähnlich den Abänderungen, die gewöhnlich den Namen des edlen Serpentins füh - ren, theils wie der sogenannte gemeine Serpentin, we - niger durchscheinend und von grünlichgelber und gelb - lichbrauner Farbe. Beide Abänderungen enthalten viel

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Magneteisenerz, welches in dünnen Lagen und rundli - chen Körnern, die selbst wieder aus feinkörnigen Zu - sammensetzungsstücken bestehen, darin vorkommt, und das Phosphorsalz mit der gewöhnlichen Eisenfarbe färbt, wenn man es vor dem Löthrohre damit zusammen - schmelzt, daher weder Chrom - noch Titan-haltig ist. Die stärker durchscheinenden Abänderungen enthalten ausserdem noch Brucit (kohlensaures Talkerdehydrat), der sich in ihnen zwar nur in kleinen schneeweissen und perlmutterglänzenden Blättchen oder in kleinen schuppig körnigen Parthien findet, aber nichts desto weniger interessirt, da er noch ein sehr seltenes Mi - neral ist, das sich bis jetzt nur an zwei Orten, zu Hoboken in New Yersey und zu Svinaness auf der Shetlandschen Insel Unst gefunden hat 1). Der Ser - pentin ist mehr oder weniger zerklüftet, zuweilen so stark, dass er ganz aus übereinander liegenden Schalen mit fettig glänzenden Kluftflächen besteht, die selbst noch wieder zerklüftet sind, so dass es schwer hält, ein Stück mit frischem Bruche zu schlagen. An einer Stelle schienen die Schalen nach einer bestimmten Richtung zu liegen und das Ansehen von Schichten anzunehmen, die St. streichen und unter steilem Winkel nach S. fallen; an den meisten Stellen war da -

[footnote reference]1) Der Brucit von Pyschminsk löst sich in Chlorwasserstoffsäure, besonders wenn man sie erwärmt, mit Brausen auf; die Auflösung giebt nach Neutralisation mit Ammoniak, wenn sich hinreichend Sal - miak gebildet hat, mit überschüssig zugesetztem Ammoniak keinen Niederschlag, auch nicht mit oxalsaurem Ammoniak, dagegen einen sehr starken Niederschlag mit phosphorsaurem Natron. Vor dem Löthrohr im Kolben erhitzt, giebt er Wasser, und mit Kobaltsolution befeuchtet, nimmt er eine rothe Farbe an. Ganz ebenso verhalten sich der von Bruce und Hibbert entdeckte Brucit von Hoboken und Svinaness. Ganz reine durchsichtige Stücke von beiden Fund - örtern lösen sich in Chlorwasserstoffsäure ebenfalls unter Brausen auf, und das Brausen währt fort bis auch das letzte Theilchen auf - gelöst ist; daher auch beide Abänderungen Kohlensäure enthalten müssen, so wenig auch die Analysen von Bruce, Fife und Stro - me yer dieselbe darin angeben.
[footnote reference]181

gegen keine Regelmässigkeit zu bemerken, wie auch das hier beobachtete Streichen ganz verschieden ist von dem, welches der Serpentin auf der Ostseite von Katharinenburg zeigte.

Die Serpentinfelsen von Pyschminsk enthalten kein Gold mehr, und begränzen also das goldhaltige Ter - rain von dieser Seite. Sie setzen nach Hermann 1) noch weiter östlich an der Pyschma fort, worauf dann bei dem von Pyscliminsk in gerader Richtung 6 Werste entfernten Dorfe Stanowa ein mächtiges Lager von kör - nigem Kalke und weiterhin Granit folgt, welcher nach Tschaikowski mit dem vom Dorfe Schilowa am lsset zusammenhängt, und den vierten der oben erwähnten Granitzüge bildet. Westwärts, die Pyschma aufwärts, so wie jenseits der Kalinowka finden sich mancherlei, mitunter sehr ausgezeichnete Abänderungen von Dio - rit und Augitporphyr, die wir zum Theil bei der Besichtigung der hier befindlichen Goldseifen und auf der Reise nach Newiansk, nördlich von Katharinenburg kennen lernten, und worauf ich später zurückkommen werde; aber auch diese Gesteine enthalten kein Gold mehr und schneiden im NW. das goldhaltige Terrain ebenso ab, wie die Serpentine im NO.

Das eigentliche Gebirgsgestein, worin die gold - führenden Gänge aufsetzen, ist hiernach nur unter Tage, und in einzelnen Stücken auf den weitläufigen Halden zu sehen. Es ist auf den verschiedenen Gru - ben verschieden, bald Thonschiefer, bald Chlorit - schiefer, bald Talkschiefer. Der erstere findet sich auf der Blagoweschenskischen, die beiden andern auf der Preobraschenskischen Grube. Den Thonschie - fer sahen wir nur in Stücken, die wir in der Nähe der Goldgänge abgeschlagen hatten, und die daher nicht mehr frisch waren. Er ist von lichtgrauer Farbe, er - digem Bruche, und auf den häufigen Kluftflächen von

[footnote reference]1) Mineralog. Reisen in Sibirien, Th. 1, S. 123.
[footnote reference]182

Eisenocher braun gefärbt Der Chloritschiefer ist in den verschiedenen Abänderungen von verschiedenem Ansehen, lichte grünlichgrau, graulichgrün bis lauch - grün, bald weniger bald stark schiefrig. Die lichtern Abänderungen, die sich mehr dem Thonschiefer an - schliessen, sind mit einer Menge äusserst kleiner fast mikroscopischer, aber stark glänzender Octaëder von Magneteisenerz erfüllt; die dunklern zuweilen mit gros - sen Blättern von Chlorit, wie sie auch in dem Chlorit - schiefer vom Zillerthal in Tyrol Vorkommen, mit klei - nen glänzenden Tafeln von Eisenglanz und mit Rhom - boëdern von Bitterspath. Einige dieser Abänderungen enthalten alle drei Einmengungen zu gleicher Zeit, andere nur Eisenglanz und Bitterspath, wieder andere nur Bitterspath. Der Talkschiefer ist graulichweiss und graulichgrün, mehr oder weniger fettglänzend, und gewöhnlich etwas krummschiefrig. Kleine Tafeln von Eisenglanz und Rhomboëder von Bitterspath kom - men ebenfalls in ihm eingewachsen vor.

Die Krystalle dieses Bitterspath es, wie sie im Chloritschiefer sowohl als im Talkschiefer vorkom - men, sind gewöhnlich nur klein, von 1 bis 2 Linien Durchmesser, dennoch sind aber die Flächen, die man durch Spaltung der Krystalle erhält, zuweilen so glatt und glänzend, dass man ziemlich genaue Mes - sungen mit dem Reflexionsgoniometer anstellen kann. Ich erhielt bei diesen Versuchen einen Winkel von 107° 12 / -30 /, der also von dem Winkel des gewöhn - lichen Bitterspathes (106° 15 ') ziemlich stark abweicht, und sich dem Winkel des Talkspaths (107° 22') - hert. In ihrer chemischen Zusammensetzung unter - scheiden sich diese Krystalle aber von dem Talkspathe dadurch, dass sie neben der Talkerde und dem Eisen - oxydul noch Kalkerde, und das Eisenoxydul auch viel - leicht in grösserer Menge, so weit man diess aus eini - gen nur qualitativen Versuchen beurtheilen kann, ent - halten; denn ihre Auflösung in Chlorwasserstoffsäure

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giebt, nachdem sie mit Salpetersäure oxydirt ist, durch Ammoniak einen sehr starken Niederschlag von Eisen - oxyd, und wenn man die abfiltrirte Flüssigkeit zur Trockne abdunstet und glüht, lässt sich das erhaltene Pulver zum Theil in Wasser auflösen, und aus der Auflösung durch oxalsaures Ammoniak noch ein starker Niederschlag erhalten. Ich will demnach in Ermange - lung einer vollständigern Untersuchung die Krystalle mit dem Namen Bitterspath oder eisenhaltiger Bitter - spath einstweilen bezeichnen.

Man findet diesen Bitterspath indessen selten nur in einem frischen Zustande; gewöhnlich ist er, beson - ders in der Nähe der Goldgänge, mehr oder weniger zersetzt, und in einen röthlichbraunen Ocher umgewan - delt, woraus sich schon ohne weitere Versuche der starke Eisengehalt dieser Krystalle ergiebt. Der Eisen - ocher füllt zum Theil nur die Räume aus, in welchen der Bitterspath gesessen hat, die aber sonst ihre Form meistens noch gut erhalten haben, so dass man noch deutlich erkennen kann, dass der Eisenocher von der Zersetzung des eisenhaltigen Bitterspathes, und nicht vom zersetzten Eisenkiese herrührt, wie man gewöhn - lich annimmt. Ausserdem braust er auch in der Regel noch mit Säuren, da er gewöhnlich noch kleine Theil - chen unzersetzten Bitterspathes enthält Diese Zer - setzung scheint bei dem im Talkschiefer eingewach - senen Bitterspathe besonders häufig vorzukommen, da mir von diesem fast gar keine Stücke mit unzersetz - tem Bitterspathe vorgekommen sind.

Bei den Gesteinen, in welchen die Goldgänge auf - setzen, ist nun noch ein anderes zu erwähnen, das der Hauptsache nach aus sehr vorwaltendem Quarze mit wenigem grünen Talk besteht, und das man demnach als einen sehr quarzigen Talkschiefer oder als einen talkigen Quarz betrachten kann. Der Talk findet sich in diesem Quarze nur in einzelnen schiefrigen oder schuppig körnigen Parthien; zuweilen ist er so innig

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mit dem Quarze gemengt, dass er mit ihm eine dichte Masse bildet, und nur als färbende Substanz desselben erscheint; zuweilen, wo der Quarz drusig wird, ist er auch in kleinen sechsseitigen Tafeln krystallisirt. Er hat eine schöne spangrüne Farbe, verliert dieselbe aber, wenn man ihn vor dem Löthrohre erhitzt, und wird weiss ohne zu schmelzen, und ebenso verhält sich vor dem Löthrohre auch der mit dem Talke innig gemengte Quarz. Dieser talkige Quarz ist nun häufig ganz besonders stark von dem eisenhaltigen Bitter - spathe durchsetzt, der theils in gangförmigen Massen, die bald untereinander parallel sind, bald in allen Rich - tungen das Gestein durchschwärmen, darin liegt, theils überall mit ihm gemengt ist, so dass er dadurch ein körniges Ansehen erhält. Dieser Bitterspath ist immer schneeweiss und undurchsichtig; wo er die Ausfül - lungsmasse von Gängen ausmacht häufig sehr grob - körnig, und in den einzelnen Zusammensetzungsstücken deutlich spaltbar; doch sind die Spaltungsflächen nicht so glatt, um ihre Winkel mit Genauigkeit bestimmen zu können. In Rücksicht seiner chemischen Beschaf - fenheit scheint er aber ganz mit dem in dem Chlorit - schiefer eingeschlossenen Bitterspath übereinzukommen. Wo er mit dem grüngefärbten Quarze zu einem kör - nigen Gemenge verbunden ist, giebt er demselben ein geflecktes Ansehen, was noch durch eine grosse Menge glänzender, 1 bis 2 Linien grosser Tafeln von Eisen - glanz vermehrt wird, die sich besonders in diesen Abänderungen finden. In andern kommen auch kleine Krystalle von Eisenkies ohne Eisenglanz vor; das sind aber nach den Stücken, die ich gesehen habe, solche Gemenge von Bitterspath und talkigem Quarz, wo der Talk nicht seine gewöhnliche spangrüne, sondern eine gelblichweisse Farbe hat.

Auch in diesem Gemenge ist, wo es sich in der Nähe der Goldgänge findet, wie bei dem Talk - und Chloritschiefer, der Bitterspath in Eisenocher verwan -

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delt, zuweilen so vollkommen, dass das Ganze braun aussieht, stark abfärbt und ein ganz unkenntliches An - sehen hat. Wenn man aber Stücke davon in Chlor - wasserstoffsäure kocht, so wird der Eisenocher aus - gezogen, und die Stücke erscheinen als ein sehr po - röses Gemenge von weissem Quarz und spangrünem Talk, von demselben Ansehen, von welchem auch der mit unzersetztem Bitterspathe gemengte talkige Quarz erscheint, wenn man ihn auf eine gleiche Weise be - handelt. Auch in diesen ochrigen Massen finden sich Krystalle von Eisenkies, die in Brauneisenerz unge - ändert, doch in Rücksicht ihrer Form noch gut erhal - ten sind. Dem zersetzten Eisenkiese kann daher auch dieser Eisenocher nicht zugeschrieben werden, wie man gethan hat, da eben so gut wie die einzelnen Krystalle auch die übrige Masse ihre Form erhalten haben würde; ausserdem braust er noch mit Säuren, was von etwas unzersetztem Bitterspathe, den er ent - hält, herrührt, und beurkundet schon dadurch seinen Ursprung, wenn man auf denselben auch nicht mehr durch die Form der Räume, in denen er liegt, schlies - sen kann, da diese nicht regelmässig sind.

Den mit unzersetztem Bitterspath gemengten tal - kigen Quarz nennt man in Beresowsk Listwänit, und den ochrigen Talkquarz sowohl als Talkschiefer Kr as - sik (von krasni roth). Da ein eigener Name zur Be - zeichnung des erstem Gesteins, welches wir von der nämlichen karakteristischen Beschaffenheit an meh - reren Orten im Ural angetroffen haben, zweckmässig scheint, so werde ich mich des Namens Listwänit auch in der Folge dafür bedienen.

Thonschiefer, Chloritschiefer und Talkschiefer sind mit einander gleichmässig, gelagert, und scheinen in Lagern mit einander zu wechseln. Sie stehen fast saiger und haben dasselbe Streichen wie die geschich - teten Gebirgsarten in den Umgebungen von Kathari - nenburg, nämlich St. 9 von NW. nach SO. Der List -

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wänit soll dagegen sich in unregelmässigen Massen in diesen Gebirgsarten finden, was vielleicht diesen Anschein nur da haben mag, wo er sehr mit Bitterspath gemengt ist, denn in manchen Abänderungen ist er so deutlich schiefrig, dass er für nichts anderes als einen quarzigen Talkschiefer angesehen werden kann, der dann auch wohl nur lagerartig in dem gewöhn - lichen Talkschiefer vorkommt.

Diese geschichteten Gebirgsarten werden nun von Gängen von Granit durchsetzt, die aber selbst noch nicht edel sind, sondern in besondern Quarzgängen, die in ihnen wiederum aufsetzen, das Gold enthalten, welches den Gegenstand des Beresowscheu Bergbaus ausmacht.

Der Granit der Beresowschen Gruben wird von den Bergleuten in Beresowsk nicht Granit genannt, sondern mit einem eigenen Namen Beresit bezeich - net; und allerdings bat er häufig nicht ganz das ge - wöhnliche Ansehen des Granits. Er ist in der Regel sehr mürbe und zersetzt, und besonders in der Nähe der Quarzgänge und in den obern Teufen, wo er den Einwirkungen der Atmosphäre und der Tagewasser mehr ausgesetzt ist. Aber auch selbst in grössern Teufen hält es noch schwer frische Stücke zu erhal - ten, da das Gestein sehr klüftig ist, die Tagewasser tief hineindringen und die Gruben jetzt nur bis zu dem Stollen fahrbar sind, der bei dem von keinen tiefen Thä - lern durchschnittenen Boden auf der Blagoweschenski - schen Grube nur die sehr unbeträchtliche Teufe von 9 Lachtern einbringt.

Wo das Gestein am frischesten ist besteht es aus lichte gelblich - oder graulichweissem Feldspath, lichte graulich - oder röthlichweissem Quarz und silberweis - sem oder graulichweissem Glimmer. Der Feldspath ist gewöhnlich in vorherrschender Menge vorhanden, und bildet eine Hauptmasse, in welcher die übrigen Ge - mengtheile eingewachsen sind. Er ist meistentheils

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feinkörnig, findet sich indessen doch auch zuweilen in einzelnen grössern schneeweissen Körnern oder Kry - stallen, die aber aus der übrigen feinkörnigen Masse nur wenig hervortreten. Der Quarz findet sich in einzelnen abgerundeten Hexagondodecaëdern, oder in grösseren körnig - zusammengesetzten Parthien; der Glimmer ebenfalls in einzelnen Schüppchen oder klei - nen schuppigkörnig-zusammengesetzten Parthien. Bei der Feinkörnigkeit des Feldspaths erhält dieser Granit ein gewisses sandiges, in manchen Abänderungen be - sonders auffallendes Ansehen. In manchen Abänderun - gen erscheint der Quarz nur in sehr geringer Menge, und auch da nur in kleinern Krystallen und Körnern; der feinschuppige Glimmer dagegen in grösserer Menge und mit untereinander ziemlich paralleler Lage, so dass diese Abänderungen dadurch ein schiefriges Ansehen erhalten; doch giebt es zwischen den körnigen und schiefrigen Abänderungen vollkommene Uebergänge. Ebenso finden sich auch in beiden Abänderungen kleine Krystalle von Eisenkies eingesprengt, die in Braun - eisenerz umgeändert sind, und auch häufig den umge - benden Feldspath braun gefärbt haben, wodurch das Gestein, welches im Allgemeinen gelblich oder grau - lichweiss aussieht, ein braun geflecktes Anselin erhält. Diese zersetzten Eisenkieskrystalle haben sich beson - ders in der Nähe der Quarzgänge aufgehäuft; sie fin - den sich hier nicht allein in grösserer Menge, sondern auch von bedeutender Grösse (zuweilen von 5 Linien Durchmesser), und sind in Rücksicht ihrer Form, die noch vollkommen erhalten ist, theils Pyritoëder, theils Hexaëder, deren Flächen aber in diesem Fall auf die bekannte Weise parallel den Grundkanten des Pyri - toëders stark gestreift sind.

Ganz frischer Granit von diesen Gängen, bei wel - chem der in ihm enthaltene Eisenkies noch unversehrt erhalten wäre, ist mir gar nicht vorgekommen; überall ist derselbe schon durch und durch in Brauneisenerz

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verändert; der Feldspath ist indessen häufig noch blät - trig; in andern Fällen hat sich dagegen die Zersetzung auch bis auf ihn erstreckt, und das ganze Gestein, je nachdem es mehr zu der sandigen oder zu der schiefrigen Abänderung gehörte, in eine gelbliche Por - zellanerde oder röthlichgelben Thon umgeändert. Bei der Porzellanerde kann man noch auf der Lagerstätte selbst im Bruche das Gemenge, woraus sie besteht, deutlich erkennen; wenn sie aber ausgetrocknet ist, hat sie gewöhnlich so wenig Zusammenhalt, dass sie durch den leisesten Druck in Staub zerfällt. Der Thon, in welchen sich die schiefrige Abänderung des Granits umgeändert hat, ist fettig anzufühlen, sein Ursprung aber auch noch im Bruche, der deutlich schiefrig ist, zu erkennen. Er sowohl als die festern Abänderungen der Porzellanerde werden nach allen Richtungen von kleinen Gängen, Adern und Dendriten von einem dich - ten oder ochrigen Brauneisenerz durchzogen, dessen Ursprung ebenfalls nicht zweifelhaft sein kann, und der auch die nächsten Umgebungen der Gänge braun ge - färbt hat. Den mit vielen und grössern zersetzten Eisenkieskrystallen erfüllten oder in Porzellanerde oder Thon veränderten Granit nennt man in Beresowsk, weil er sich immer in der Nähe der Quarzgänge fin - det, das Saalband der Goldgänge.

Die Zahl der Granitgänge, die sich in Beresowsk finden, ist sehr bedeutend; sie sind alle untereinander ziemlich parallel, und haben ein Hauptstreichen von N. nach S., durchsetzen also das von NW. nach SO. streichende Nebengestein unter schiefen Winkeln. Sie stehen fast saiger, und erstrecken sich meistens durch das ganze goldhaltige Terrain, so dass sie also mei - stens auf 7 bis 8 Werste weit ins Feld setzen. Ihre Mächtigkeit ist untereinander und an den verschiede - nen Stellen eines und desselben Ganges verschieden, beträgt aber im Allgemeinen 18 bis 20 Lachter.

Die Lage des Granites dieser Gänge macht es

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sehr wahrscheinlich, dass er mit dem im N. und NO. des Sees Schartasch anstehendem Granite zusammen - hängt, und nur einzelne Ausläufer bildet, die sich von dem Schartasch-Granite losgezogen haben. Sein Ansehen ist zwar mit diesem nicht völlig übereinstim - mend, aber einmal ist es eine gewöhnliche Erschei - nung, dass der Granit, da wo er sich in kleine Gänge zersplittert, ein anderes Ansehen hat, als wo er in grössern Massen erscheint, und dann hat der Granit der Gruben mit dem des Schartasch (der selbst in sich nicht gleichartig ist) doch das Vorwalten und die Farbe des Feldspaths und das eigenthümliche Ansehen des Quarzes gemein, und kleine Eisenkieshexaëder kommen in der südlichen Fortsetzung des Schartasch - Granites, wie in dem Granite bei der chemischen Fa - brik des Herrn Helm vor. Leider ist es nicht mög - lich den Zusammenhang beider Granite über Tage nachzuweisen, indem Morast und Bruch den Schar - tasch-Granit von dem eigentlichen Grubenfelde trennen; doch hat man sich in der, dem Schartasch-Granite zunächst gelegenen Grube Storoschewskoi demselben schon bis auf eine halbe Werst genähert; vielleicht dass spätere Bauten in dieser Grube den Zusammen - hang noch völlig nachweisen werden.

Die Mineralien, welche auf den, den Granit oder Beresit durchsetzenden Gängen vorkommen, sind fol - gende:

1. Quarz. Er ist gewöhnlich derb, und in die - sem Fall nur an den Kanten durchscheinend und von Fettglanz, doch findet er sich auch auf den Drusen - räumen des derben krystallisirt. Die Krystalle sind mehr oder weniger durchsichtig, gewöhnlich nicht sehr gross, erreichen aber doch zuweilen eine Länge von 7, und eine Breite von 2 Zoll. Die kleinern Krystalle haben nicht selten äusserst glatte und glänzende Flä - chen, und finden sich häufig mit Rhomben - und Tra - pezflächen, sowie auch mit Flächen von spitzeren Hexa -

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gondodecaëdern. Die Krystalle zeigen auch öfter die von Haidinger zuerst beobachtete Erscheinung, dass sie nämlich auf den Flächen stellenweise matt und glänzend sind, was sich nicht allein auf den Flächen des Hexagondodecaëders sondern auch des Prisma's findet.

2. Turmalin. Er findet sich in grünen nadel - und haarförmigen Krystallen, die meistens an den Wänden des Ganges angeschossen und in Quarz ein - gewachsen sind. Sie kommen darin theils einzeln und unregelmässig durcheinander gewachsen, theils - schelförmig gruppirt vor; die erstern finden sich be - sonders in den durchsichtigen Quarzkrystallen; sie sind dicker als die andern, wiewohl sie selten die Dicke einer Stecknadel übertreffen; die letztem finden sich mehr in dem undurchsichtigen Quarze, und sind gewöhnlich nur haarförmig. Sie sind durchscheinend, stark glänzend, die Endkrystallisation ist bei ihrer Dünne und da sie immer eingewachsen sind, nicht wahr - zunehmen. Der Turmalin findet sich besonders auf der Grube Pyschminskoi und wird sehr häufig für Strahl - stein gehalten.

3. Talk in spangrünen Krystallen und schuppig körnigen Parthien von derselben Beschaffenheit wie der, welcher in dem Listwänit vorkommt. Die Kry - stalle sind kleine sechsseitige Tafeln, und wie die derben Parthien in Quarz theils eingewachsen, theils auf ihn aufgewachsen.

4. Pyrophyllit. Er kommt meistens krystallisirt vor, doch sind die Krystalle wenig deutlich; es schei - nen breite rechtwinklig vierseitige Prismen zu sein, an den Enden mit flachen Zuschärfungen begränzt, welche auf die schmalen Seitenflächen gerade aufge - setzt sind; die Winkel lassen sich, weil die Zuschär - fungsflächen des Endes nicht glänzend sind, nicht - her bestimmen. Parallel der breiten Seitenfläche sind die Krystalle sehr vollkommen spaltbar. Sie sind im -

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mer in Quarz eingewachsen und um einzelne Punkte excentrisch-strahlig zusammengehäuft, und bilden auf diese Weise eingewachsene Kugeln, die frei im Quarze liegen, oder grosskörnige Zusammensetzungsstücke, wenn die Kugeln nebeneinander liegen und sich ge - genseitig begränzen, oder an den Wänden des Ganges aufgewachsene Kugeln, was besonders bei den kleinen, einen halben bis einen Zoll mächtigen Quarzgängen der Fall ist. Die Oberfläche der Kugeln ist immer drusig, und die excentrisch zusammengehäuften Indi - viduen sind breitstänglich und in den verschiedenen Kugeln 1 bis 3 Linien lang.

Der Pyrophyllit ist lichte spangrün bis grünlich - weiss, von Perlmutterglanz, in dünnen Blättchen stark durchscheinend.

Die Härte sehr gering wie die des Talkes. Das specifische Gewicht 2,785 1).

Vor dem Löthrohre zeigt er ein sehr eigentüm - liches Verhalten. Wenn man einzelne stängliche Stücke auf der Kohle oder in der Zange mit Platinspitzen er - hitzt, so blättern sie sich unter ausserordentlicher Ver - mehrung ihres Volumens zu einer fächerartigen Masse auf 2), wobei sie ihre Farbe verlieren und weiss wer - den. Erhitzt man sie in einem Kolben, so wird von der starken und plötzlichen Ausdehnung das Glas so - gleich durchbrochen, und der aufgeblätterte Pyrophyllit tritt aus dem Glase heraus, während sich an dem käl - tern Theile des Kolbens etwas Wasser ansammelt. Erhitzt man sie auf der Platinzange, so können sie in strengem Feuer an den Enden geschmolzen werden.

Von Borax wird der Pyrophyllit in ziemlicher Menge zu einem klaren farblosen Glase aufgelöst; ebenso von Phosphorsalz, wo nur bei einem grössern

[footnote reference]1) Die Angabe ist vielleicht etwas zu hoch, da die Stücke, welche gewogen wurden, beim Wiegen im Wasser nicht völlig von allen anhängenden Bläschen befreit waren.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Nach diesem Verhalten hat er auch seinen Namen erhalten.
[footnote reference]192

Zusatz vom Mineral sich die Kieselsäure abscheidet und das Glas beim Erkalten opalisirt.

Mit Soda, in nicht zu grosser Menge zugesetzt, schmilzt er zu einem klaren etwas blasichten Glase zusammen.

Mit Kobaltsolution befeuchtet und erhitzt wird er schön blau gefärbt.

In Chlorwasserstoffsäure ist er unauflöslich.

Nach der Analyse von Herrn Hermann in Mos - kau besteht er aus l):

Sauerstoffgehalt Talk 4,00 ..... 1,55 Thonerde 29,46 ... 13,75 Eisenoxyd 1,80 .... 0,55 Kieselsäure 59,79 .... 30,07 Wasser 5,62 .... 5,00 Silberoxyd Spur 100,67

Die chemische Formel für diess Mineral ist dem - nach:

Mg 3 Si 2 + 9Al Si2+9H

Der Pyrophyllit war schon lange bekannt gewe - sen, wurde aber für strahligen Talk gehalten, bis Herr Hermann, wie schon oben S. 149 angeführt, seine wahre Beschaffenheit entdeckte. Sein eigentlicher Fund - ort war aber, da man früher als Talk keine grosse Wichtigkeit auf ihn legte, nicht bekannt, bis ihn Herr Dr. Fiedler 1830 auf einem 6 bis 8 Zoll mächtigen Quarzgange in Krassik, Werste nördlich von der Pyschma auffand. Man hatte hier einen kleinen Schurf gemacht, denselben aber bald wieder verlassen, da man kein Gold in dem Quarze gefunden hatte 2). Da aber das Mineral schon seit langer Zeit bekannt war,

[footnote reference]1) S. Poggen dorffs Annalen B. XV, S. 592.
[footnote reference]
[footnote reference]2) S. ebendaselbst B. XXV, S. 328.
[footnote reference]193

so ist es gewiss auch auf mehreren anderen Gruben vorgekommen 1).

5. Bitterspath findet sich nicht allein in dem Quarz des Listwänits, sondern auch in dem Gangquarz, doch wie es scheint nicht häufig eingewachsen. Er liegt darin in einzelnen Rhomboëdern von einem hal - ben Zoll Durchmesser, oder in kleinen derben Parthien mit grobkörnigen Zusammensetzungsstücken, ist gelb - lichweiss, undurchsichtig und vollkommen spaltbar, doch sind die Spaltungsflächen nicht so glatt und glänzend, dass sich die Winkel mit Genauigkeit bestimmen lies - sen. Nach einigen qualitativen Versuchen hat er eine ähnliche chemische Beschaffenheit wie der im Listwänit und im Chloritschiefer vorkommende Bitterspath. Er ist häufig zersetzt, und hat Eindrücke in dem Quarz gebildet, die zum Theil wie bei den Eindrücken in dem Listwänite mit braunem Eisenocher ausgefüllt, und an ihrer Form zu erkennen sind.

6. Eisenkies. Er kommt derb und krystallisirt vor. Die Krystalle sind Hexaëder und Pyritoëder und die Uebergangsformen beider. An den grössern Kry -

[footnote reference]1) Die Gruben von Beresowsk sind jetzt nicht mehr der einzige Fundort des Pyrophyllits. Er findet sich ferner noch in der Gegend von Spaa, nach einem Stücke zu urtheilen, welches ich nach meiner Rückkehr in Berlin in der Königlichen Mineraliensammlung bei der Durchmusterung des Talkes auffand. Ein anderes Stück, welches darauf Herr Prof. Weiss entdeckte, hatte nach der Eliquette zum Fundort Otré im ehemaligen Dep. de l’Ourthe; es war mit dem er - stern von ganz gleicher Beschaffenheit, war also auch wahrscheinlich mit ihm von einer und derselben Lagerstätte. Endlich fand ich ihn auch noch in einem von Sel low an die Königliche Mineraliensamm - lung In Berlin geschickten Transport Brasilianischer Mineralien ohne nähere Angabe des Fundorts. Der Pyrophyllit von Otré und aus Brasilien findet sich in eben solchen excentrisch-zusammengehäuften breitstänglichen Zusammensetzungsstücken wie der von Beresowsk; der von Otré ist schneeweiss, der Brasilianische dagegen grünlich - weiss, der erste allein, der letztere mit krystallisirtem Cyanit, auf welchem der Pyrophyllit meistens aufsitzt, in Quarz eingewachsen. Der Quarz des Brasilianischen Pyrophyllits ist ausserordentlich bröcklich.
[footnote reference]13194

stallen finden sich auch noch die Flächen des Leuci - toëders als dreiflächige Zuspitzungen der Hexaëder - ecken. Die Flächen des Hexaeders und Pyritoëders sind gewöhnlich nicht glatt, sondern mit der oben er - wähnten Streifung versehen, sonst stark glänzend und scharfkantig. Die Grösse der Krystalle ist sehr ver - schieden, und geht von einer oder einigen Linien bis zu mehreren Zollen im Durchmesser. Ein He - xaëder aus den Beresowschen Gruben, welches sich in der Königlichen Sammlung in Berlin befindet, hat Kanten von 6 Zoll Länge. Die Krystalle sind auf den derben Massen aufgewachsen, und frei oder mit Quarz bedeckt, oder in denselben eingewachsen, ohne in diesem Fall aber von der Schärfe der Kanten und dem Glanz der Flächen zu verlieren. Die Krystalle und derben Massen sind aber im Innern selten ganz rein, sondern häufig mit schmalen Trümmern von Quarz nach allen Richtungen durchsetzt.

Selten ist der Eisenkies ganz frisch, gewöhnlich ist er zersetzt und in Brauneisenerz oder Eisenoxyd - hydrat umgeändert. Die Zersetzung geht von der Oberfläche aus, und ist mehr oder weniger tief einge - drungen, daher man bei grösseren zersetzten Krystallen oder derben Massen in der Regel einen Kern oder andere im Innern zerstreut liegende Stellen von un - zersetztem Eisenkies findet. Die Krystalle haben auch hier, wie gewöhnlich bei dieser Zersetzung nicht nur ihre Form, sondern auch die Schärfe der Ecken und Kanten und den Glanz und die Streifung der Flächen behalten, was jedoch selbst bei den nicht von Quarz bedeckten Krystallen nicht immer unmittelbar zu sehen ist, weil sie häufig noch mit einer nicht glänzenden schwärzlichbraunen dünnen Rinde von Eisenoxydhydrat bedeckt sind, die sich aber mit Leichtigkeit mit einem Messer abheben lässt.

Das Brauneisenerz, worin sich der Eisenkies um - geändert hat, ist grösstentheils dicht und hat einen

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ebenen Bruch, in andern Fällen ist er aber porös oder erdig. Mehr oder weniger grosse Zellen von Quarz, welche durch die sich durchsetzenden Trümmchen von Quarz, die den Eisenkies häufig durchziehen, gebildet werden, treten dann deutlich hervor; sie sind zum Theil noch mit braunem Eisenocher erfüllt, oft ist auch dieser fortgeführt, der zeitige Quarz ist allein zurückgeblie - ben, und bildet dann das sogenannte Bimsteinerz, dessen Pallas erwähnt 1). Es enthält zuweilen so wenig Spuren von Brauneisenerz, dass es graulich - weiss aussieht, gewöhnlich ist es indessen von dem Eisenocher gelb oder braun gefärbt. Es geht entwe - der in derben Quarz, oder in die dichten Varietäten des Brauneisenerzes über, das also da besonders, wo es erdig war, verschwunden ist. Zuweilen findet es sich auch im Innern grösserer Krystalle, die äusserlich ganz wohl erhalten sind, und glänzende Flächen haben, aber nur aus einer dünnen braunen Binde bestehen, die das hohle zeitige Gewebe einschliesst, welches das Bim - steinerz darstellt. Wo der Eisenkies rein und un - vermengt mit Quarz war, hat er bei seiner Zerstörung blosse Eindrücke in Quarz hinterlassen, die auch häufig gefunden werden, und an Form und Streifung der ab - gedrückten Flächen leicht zu erkennen sind 2).

[footnote reference]1) In seiner Reise Th. II, S. 166.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Unter den Eindrücken, die in dem Quarze der Beresowschen Gruben vorkommen, finden sich noch andere als die erwähnten, die gewöhnlich kleiner sind, und sich in der Oberfläche mancher Quarz - krystalle besonders häufig finden. Die Form dieser Eindrücke lässt sich nicht bestimmen, doch kann man nach dem, was an ihnen zu sehen ist, bestimmt ausmachen, dass sie nicht vom Bitterspath oder Eisenkies herrühren können, wiewohl die Rückstände, die sich bei denjenigen dieser Eindrücke finden, die grösser sind und in den Quarz tiefer hineingehen, wie bei den Eindrücken von Bitterspath und Eisen - kies, aus Eisenoxydbydrat oder einem Gemenge von Eisenoxydhydrat und Kieselsäure bestehen. Es muss daher noch ganz unausgemacht bleiben, welches Mineral es war, das diese Eindrücke hervorge - bracht hat.
[footnote reference]196

In diesen Eindrücken, mehr aber noch in dem zel - ligen Quarze finden sich zuweilen kleine glänzende Krystalle von Schwefel, die, obgleich gewöhnlich äus - serst klein sich an der Form, noch besser aber an ihrem Verhalten vor dem Löthrohre bei Erhitzung in einem Kolben erkennen lassen. Er ist wie das Brauneisen - era ein Produkt der Zersetzung des Eisenkieses.

7. Nadelerz. Es findet sich in Krystallen und kleinen derben Parthien, die stets in Quarz eingewach - sen sind. Die Krystalle sind gewöhnlich lange dünne Prismen, die immer stark in die Länge gestreift und abgerundet, und häufig geknickt und gebogen sind, deren Winkel sich daher nicht bestimmen lassen. Ihre Endkrystallisation ist nirgends zu erkennen. Sie kom - men von der Länge von einigen Zollen vor, doch ist diess selten; gewöhnlich sind sie kleiner, zuweilen nur einige Linien lang; die grössern Krystalle haben die Dicke einiger Linien, die kleinern nur einer Nadel oder selbst eines Haars. Sie liegen entweder frei im Quarze, oder sind auf den derben Massen aufgewach - sen. Sie sind in einer Richtung parallel der Haupt - axe unvollkommen spaltbar, ihr Bruch ist uneben; die derben Massen haben stark verwachsene Zusammen - setzungsstücke und einen unebenen Bruch.

Das Nadelerz ist schwärzlich bleigrau und metal - lisch glänzend, läuft aber mit der Zeit bräunlich an und wird matt.

Die Härte ist etwas grösser als die des Steinsal - zes, das specifische Gewicht nach H. Frick 6,757 1).

Das Verhalten vor dem Löthrohre ist ausführlich von Berzelius beschrieben worden.

Nach einem Mittel aus zwei wenig von einander abweichenden Analysen, welche der Dr. H. Frick neuer -

[footnote reference]1) Das angegebene specifische Gewicht ist um ein Geringes zu hoch, da die gewogenen Stücke, wie sich nachher bei der Analyse ergab, eine geringe Menge Gold eingemengt enthielten; vergleiche Poggendorffs Annalen, B. XXXI, S. 530.
[footnote reference]197

dings in dem Laboratorium meines Bruders, des Prof. H. Rose angestellt hat, besteht das Nadelerz aus:

Kupfer 11,19, die Schwefel aufnehmen 2,84 Blei 35,87 5,57 Wismuth 35,53 ,, 8,06 Schwefel 16,33 16,47 98,92 1).

Die Zusammensetzung des Nadelerzes kann also durch folgende Formel bezeichnet werden:

CuBi-4-2PbBi

Bei einer frühern Analyse hatte John ausser den angeführten Metallen vermuthungsweise noch eine ge - ringe Menge Nickel und Tellur angegeben, von deren Abwesenheit sich aber Dr. Frick durch directe Ver - suche überzeugt hat.

Das Nadelerz hat häufig bei sonst ganz frischen Krystallen einen gelblichgrünen Ueberzug; ausserdem kommt es auch nicht selten, selbst da, wo es ganz von Quarz umschlossen zu sein scheint, durch und durch zersetzt und in eine gelbe erdige Masse verwandelt vor, die wahrscheinlich Wismuthoxyd ist, während auf Klüften in der Nähe des Nadelerzes in dünnen Anflü - gen Kupferlasur und Malachit vorkommen, die in die - sem Fall auch durch die Zersetzung des Nadelerzes entstanden zu sein scheinen.

Das Nadelerz ist besonders auf der Pyschminski - schen, Preobraschenskischen und Kljutschewskischen Grube vorgekommen.

8. Fahlerz. Es ist wie die angeführten Mine - ralien immer in Quarz eingewachsen, und scheint des - halb auch nur derb vorzukommen, wenigstens habe ich es nicht krystallisirt gesehen. Es findet sich sonst schon in etwas grössern Massen, hat kleinmuschligen

[footnote reference]1) Vergl. Pogg. Ann. B. XXXI, S. 535.
[footnote reference]198

Bruch, eisenschwarze Farbe und ist stark metallisch glänzend.

Nach einer von Herrn Löwe aus Wien in dem Laboratorium meines Bruders angestellten Analyse be - steht dieses Fahlerz aus:

ZinkSchwefelSilber u.0,56Bergart99,1126,1023,64Schwefel auf 10,31 Kupfer nehmen 40,57,5,075)? 3552,53
Eisen2,925555551,73
Antimon21,475555558,03
Arsenik2,425555551,04

Die gefundene Schwefelmenge stimmt mit der be - rechneten nicht ganz genau überein, doch sieht man aus dem Resultate der Analyse, dass dieses Fahlerz mit den Fahlerzen von Kapnik in Ungarn und von der Aurora bei Dillenburg, welche mein Bruder untersucht hat, übereinstimmt 1).

Das Beresowsche Fahlerz ist häufig mit Klüften durchzogen, und auf denselben miteinem Anfluge von Ma - lachit bedeckt, der durch seine Zersetzung entstanden ist. Es ist auf der Pyschminskischen Grube vorgekommen.

9. Kupferkies in kleinen Massen in Quarz ein - gewachsen.

10. Gold. Es findet sich in Flitterchen, dünnen Blättchen, kleinen Zähnen und unregelmässigen Körn - chen, gewöhnlich nur von der Grösse einer Erbse, welche in Quarz, Eisenkies und Nadelerz eingewach - sen sind. In grössern Massen kommt es sehr selten vor, häufiger noch findet es sich in dem zersetzten Eisenkiese in so kleinen staubartigen Theilen, dass sie nur erst durch Pochen und Waschen desselben er - kannt werden können. In den Drusen des Quarzes

[footnote reference]1) Vergl. Poggendorffs Annalen, Th. XV, S. 577.
[footnote reference]199

kommt es auch zuweilen krystallisirt und auf Quarz aufgewachsen vor, doch sind die Krystalle nur klein und selten deutlich; sie haben gewöhnlich abgerundete Kanten, und zeigen nur einzelne glatte Flächen, so dass es nicht möglich ist, ihre Form zu bestimmen. Durch die Güte des Herrn Karelin in Orenburg er - hielt ich später ein Stück Quarz mit einzelnen aufsi - tzenden Goldkrystallen, deren Form sich bestimmen liess. Sie sind Taf. II, Fig. 9 abgebildet, und stellen eine Combination von 6 Formen dar, nämlich:

1, des Octaëders o 2, des Hexaëders a 3, des Dodecaëders d 4, des Ikositetraëders 9 / 3 = (a: a: a) = (a: oo a: oo a) = (a: a: oo a) = (a: a: 1 / 3 a) 5, des Hexakisoctaëders n = (a: ½ a: ¼ a) 6, des Hexakisoctaëders t

Die Flächen des Octaëders sind vorherrschend, die Flächen des Hexaëders und Dodecaëders erschei - nen als Abstumpfungsflächen der Ecken und Kanten des Octaëders, die übrigen Flächen wie aus der Ansicht der Figur am besten hervorgeht. Das Ikositetraëder und die Hexakisoctaëder n und t konnten nur durch die Messung der Winkel bestimmt werden, da ein hin - reichender Parallelismus von Kanten nicht vorhanden war. Die Neigung des Ikositetraëders 0 / 3 zur Hexaë - derfläche beträgt 154° 46 ', die zur Octaëderfläche 150° 30', mit welchen Winkeln die an den Krystallen ge - messenen sehr nahe übereinstimmten. Die Flächen der Hexakisoctaëder n und t waren zwar nur äusserst klein, doch liess sich das erstere wenigstens noch sehr gut bestimmen. Ich habe die Neigung einer Fläche dieses Hexakisoctaëders gemessen:

1, gegen eine Hexaëderfläche,

2, gegen eine Octaëderfläche, an welche sie gränzt,

3, gegen eine andere, von welcher sie durch eine Fläche des Ikositetraëders getrennt ist,

200

4, gegen eine andere, von welcher sie durch zwei Flächen des Hexakisoctaëders t getrennt ist.

Berechnet man diese Winkel bei der Annahme, dass die Flächen n die Flächen des Hexakisoctaëders (a: a: 4 a) sind, so betragen sie der Feihe nach 150° 48 ', 151° 52', 162 14 'und 154 46', womit die gemes¬ senen Winkel ebenfalls so nahe übereinstimmten, dass die kleinen Abweichungen nur Beobachtungsfehler sein konnten. Das Hexakisoctaëder (a: ½ a: ¼a) kommt häufig bei dem Flussspathe vor, ist aber bis jetzt bei dem Golde noch nicht beobachtet worden. Wenn bei den untersuchten Krystallen die Dodecaëderflächen grösser wären, so dass sie die angränzenden Hexakisoctaëder - flächen nicht in Punkten berührten, sondern in Kanten schnitten, so würden die entstehenden Kanten den Kan - ten zwischen dem Hexakisoctaëder und dem Ikosite - traëder parallel sein. Die letztern Kanten divergiren von den Octaëderflächen aus nach den Hexaëderflächen zu, woraus sich schon ergiebt, dass das Ikositetraëder ein stumpferes als das ist, welches auf dem Hexakis - octaëder parallele Kanten bilden würde, und dessen Zeichen (a: a: 3 / 8a) ist.

Das Hexakisoctaëder t konnte an den untersuchten Krystallen wegen der ausserordentlichen Kleinheit und des geringem Glanzes der Flächen nicht mit Genauig - keit bestimmt werden; doch kommen diese Flächen in andern Combinationen, die ich auf der Rückreise in der vortrefflichen Mineraliensammlung des Berg - hauptmanns Kowanko in Petersburg zu beobachten Gelegenheit hatte, und die in Taf. II, Fig. 8 darge - stellt sind, deutlicher vor, so dass es wohl möglich wäre, diese Flächen mit Genauigkeit zu bestimmen. Die Krystalle in der Sammlung des Herrn Kowanko sind an und für sich nicht viel grösser als die, welche ich gemessen habe, aber die Dodecaëderflächen sind grösser, und an den vierflächigen Ecken desselben

201

finden sich nur die Flächen t, ohne die Flächen a, 0 / 3 und n 1).

Das Gold aus den Beresowschen Gruben hat eine goldgelbe Farbe, enthält aber doch nach den von mir nach meiner Rückkehr angestellten Analysen 6-8Proc. Silber. Einzelne kleine Körner und Krystalle, die in Quarz eingewachsen gewesen waren, enthielten:

Silber ... 8,03 Kupfer ... 0,09 Gold nebst etwas Eisen und Verlust 91,88 100,00

Eine andere kleine Parthie, die in Blättchen in zersetztem Eisenkies eingewachsen gewesen, und aus demselben durch Schlämmen gewonnen worden war, enthielt:

Gold 93,78 Silber 5,94 Kupfer 0,08 Eisen 0,04 99,84

Ein Theil eines derben Stückes aus den alten Gru - ben von Uktuss, das mit Brauneisenerz verwachsen ist,

[footnote reference]1) Ich habe die Beschreibung der von Herrn Karelin erhaltenen Krystalle schon früher in Poggendorffs Annalen B. XXIII, S. 196 bekannt gemacht, und dabei angeführt, dass die Flächen t vielleicht dem Hexakisoctaëder (a: 1 / 11 a: 1 / 19a) angehören könnten, dessen Win - kel zwar zum Theil um mehr als einen Grad von denen, welche ich durch die Messung gefunden habe, ab abwichen, die aber wegen der Beschaffenheit der Flächen auch nicht genau sein konnten. Hr. Prof. Naumann hat dafür später (Poggendorffs Annalen B. XXIV, S. 382) das Hexakisoctaëder (a: 1 / 9a: 1 / 15a) vorgeschlagen, dessen Win - kel auch nicht mehr von den gemessenen abweichen, und das sich ausserdem nicht allein durch grössere Einfachheit der Axenverhält - nisse, sondern auch dadurch empfiehlt, dass es zu dem Ikositetraëder 0 / 3, welches in der Krystallreihe des Goldes eine so wichtige Rolle spielt, in dem ausgezeichneten Verhältnisse steht, dass seine längste Kante durch die Fläche des Ikositetraëders abgestumpft würde. Genaue Mes - sungen an bessern Krystallen, als die, welche mir zu Gebote standen, würden allein darüber entscheiden können.
[footnote reference]202

und sich in der Königlichen Sammlung in Berlin be - findet, enthielt:

Gold 92,80 Silber 7,02 Kupfer 0,06 Eisen 0,08 99,96

Es ergiebt sich aus diesen Analysen zugleich, dass der Silbergehalt in dem Golde der Beresow - schen Gruben nicht überall gleich ist, und es wird daraus schon wahrscheinlich, was auch meine übrigen nach der Rückkehr angestellten Analysen des gedie - genen Goldes bewiesen haben, dass Gold und Silber sich als isomorphe Körper in allen Verhältnissen mit einander verbinden können 1).

Das Gold kommt auf den Beresowschen Gruben besonders in den oben angeführten Mineralien vor. Es findet sich, wie es scheint, häufiger noch in dem zer - setzten als in dem unzersetzten Eisenkiese. Dass aber dieser letztere kein Gold enthalte, ist, wie ich mich selbst überzeugt habe, eine irrige Meinung; denn in einem Stücke unzersetzten Eisenkieses von der Grösse einer Haselnuss, welches ich von einem grösseren Stücke abschlug, habe ich ganz deutliche Flitter Gold ge - funden 2).

[footnote reference]1) Vergl. darüber die Zusammenstellung der sämtlichen von mir angestellten Goldanalysen am Ende des zweiten Theiles.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Die beste Methode den Eisenkies auf Gold zu untersuchen ist offenbar die, welche Boussingault vorgeschlagen bat, nach welcher man den Eisenkies zerstösst und röstet, bis aller Schwefel verjagt ist, das gebildete Eisenoxyd sodann in einem Mörser feinreibt und abschlämmt. Wenn der Eisenkies nur eine Spur Gold enthält, so wird es auf diese Weise kenntlich, denn bei dem grossen Unterschiede in dem specifischen Gewichte des Goldes und des Eisenoxydes lässt sich das letztere leicht abschlämmen, und beim Reiben in dem Mör - ser wird das Gold breit gefletscht, und dadurch auch in der geringsten Menge sichtbar. Das Rösten des Eisenkieses ist nicht durchaus - thig, man kann ihn auch unmittelbar feinreiben und sodann mit glei -
[footnote reference]203

11. Bleiglanz. Er kommt nicht krystallisirt, son - dern nur derb und eingesprengt vor, ist gewöhnlich sehr grobkörnig, und die grobkörnigen Zusammense - tzungsstücke sind zuweilen um einen Mittelpunkt con - centrisch zusammengehäuft. Gold habe ich in ihm nicht eingesprengt gesehen, dagegen enthält er, wie ge - wöhnlich, etwas Silber, wovon man sich durch einen Löthrohrversuch überzeugen kann. Er kommt gewöhn - lich mit Quarz, seltener mit Eisenkies und dann so - wohl mit frischem als mit zersetztem vor. Wo er in grössern Massen vorkommt, sieht man die Krystalle des Quarzes häufig in ihm eingewachsen; die Kry - stalle haben aber in diesem Falle stets eine eigen - tümliche Beschaffenheit, ihre Kanten und Ecken sind abgerundet und sie haben, wenn man sie herausschlägt, ein Ansehen, wie etwa Hexaëder von Steinsalz er - halten, wenn sie einige Zeit im Wasser gelegen ha - ben; eine Beschaffenheit, die der Quarz offenbar beim Krystallisiren durch den Widerstand des bedeckenden Bleiglanzes erhalten hat.

Die grosskörnigen Zusammensetzungsstücke des Bleiglanzes sind ebenfalls wie der Eisenkies von dün - nen Trümmchen von Quarz durchzogen; der Quarz hat sich dann aber nur zwischen die Spaltungsflächen des Bleiglanzes gelegt, und bildet dadurch, wenn der letz - tere zerstört und fortgeführt ist, wie das öfter vor - kommt, Zellen, deren Wände sich rechtwinklig wie die Spaltungsflächen beim Bleiglanz durchschneiden, die also ganz verschieden von den unregelmässigen Zellen des Quarzes sind, die bei der Zerstörung des Eisenkieses zurückbleiben. Beste unzersetzten Blei - glanzes, die man häufig noch in den rechtwinkligen

[footnote-continued reference]cher Leichtigkeit abschlämmen, als wenn er geröstet ist, da Eisenkies und Eisenoxyd ein ziemlich gleiches specifisches Gewicht haben, aber das Feinreiben geschieht viel leichter und schneller, wenn man ihn zuvor geröstet, als wenn man diess unterlassen hat.
[footnote-continued reference]204

Zellen findet, beweisen noch mehr, dass sie früher von Bleiglanz ausgefüllt gewesen sind.

Wo der Bleiglanz frei daliegt, hat er eine sicht - lich zerfressene Oberfläche, und ist mit einer Menge von Bleisalzen bedeckt, die offenbar durch seine Zer - setzung entstanden sind, wobei sich das Blei im Blei - glanze oxydirt, und mit andern oxydirten Substanzen verbunden hat. Zu diesen Bleisalzen gehört vor allen

1) das Rothbleierz oder das neutrale chromsaure Bleioxyd Pb Cr, welches sich auf den Beresowschen Gruben so ausgezeichnet findet, und sie in mineralogi - scher Hinsicht besonders berühmt gemacht hat. Es kommt gewöhnlich nur krystallisirt vor; die Winkel seiner Krystalle sind noch neuerdings vom Prof. Kupffer einer genauen Messung unterworfen worden 1). Es ist grösstentheils auf Bleiglanz und auf derbem und krystallisirtem Quarz, zuweilen auch auf dem eisenhal - tigen Bitterspathe aufgewachsen, findet sich aber oft in kleinen Klüften, die sich von den Quarzgängen losgezogen haben, unmittelbar auf Granit, in welchem Fall es meistentheils nur plattenförmig und von der Dicke der Klüfte ist, in denen es sich gebildet hat. Wo das Rothbleierz auf Quarzkrystallen aufgewachsen ist, haben diese letztern ebenfalls abgerundete Kanten und Ecken, und überhaupt dasselbe Ansehen, wie die in Bleiglanz eingewachsenen Krystalle, daher es wahr - scheinlich ist, dass auch die mit Rothbleierz bedeckten Krystalle früher in Bleiglanz eingewachsen waren, der nur später zerstört und fortgeführt worden ist, bei welchem Processe eben sich das Rothbleierz gebildet hat2). Die Bitterspath - Rhomboëder, welche das Roth -

[footnote reference]1) Kastners Archiv, Th. X, S. 311.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Auch Herrn v. Engelhardt ist das eigenthümliche Ansehen der von dem Rothbleierz bedeckten Quarzkrystalle ausgefallen, doch ist er der Meinung, dass die Krystalle erst nach ihrer Bildung und zwar durch denselben Process, der den Eisenkies in Eisenoxydhy -
[footnote reference]205

bleierz bedecken, sind wo ich sie gesehen habe, völ¬ lig zersetzt und in Eisenocher verändert, der den Raum nur zum kleinsten Theil ausfüllt; aber die Höhlungen, die auf diese Weise entstanden, sind vollkommen re¬ gelmässig, und lassen beim Zerschlagen des umge¬ benden Rothbleierzes die Form von Rhomboedern sehr deutlich erkennen.

Das Rothbleierz ist an mehreren Orten in den Beresowschen Gruben vorgekommen, findet sich aber jetzt besonders auf der Preobraschenskischen Grube.

2) Der Melanochroit oder das basische chrom¬ saure Bleioxyd. Er findet sich gewöhnlich nur in klei¬ nen derben Parthien oder Lagen auf Bleiglanz und mit Rothbleierz, von welchem er gewöhnlich bedeckt oder auch ganz umhüllt ist. Die derben Massen beste¬ hen aus kleinen schaligenZusammensetzungsstücken, die an - und durcheinander gewachsen, aber fest mit ein¬ ander verbunden und in einer Richtung rechtwinklig auf der Hauptiläche der Schalen sehr vollkommen spalt¬ bar sind. Die derben Massen laufen in kleine tafel¬ artige Krystalle aus, die aber an den Stücken, welche ich zu untersuchen Gelegenheit hatte, zu undeutlich waren, um ihre Form bestimmen zu können.

Der Melanochroit ist von einer Mittelfarbe zwi - schen koschenilroth und kirschroth, stark glänzend von metallischem Demantglanz auf den Spaltungsflächen, in den übrigen Richtungen nur wenig glänzend von Fettglanz; an den Kanten durchscheinend.

Die Härte ist etwas grösser als die des Kalk - spathes, das spec. Gewicht nach Hermann 5,75.

Vor dem Löthrohr auf der Kohle schwach erhitzt, wird der Melanochroit wie das Rothbleierz dunkler, nimmt aber beim Erkalten seine vorige Farbe wieder

[footnote-continued reference]drat verwandelt und die Bleisalze gebildet habe, in diesen Zustand, versetzt sind; vergl. die Lagerstätte des Goldes und des Platins im Ural-Gebirge S. 19.
[footnote-continued reference]206

an; stärker erhitzt, knistert er etwas, decrepitirt aber nicht wie das Rothbleierz, schmilzt sodann und zer - setzt sich, indem er sich mit ähnlichem, doch nicht so starkem Geräusch, wie bei diesem auf der Kohle aus - breitet und eine dünne Lage von grünem Chromoxyd bildet, die eine Menge kleiner Bleikügelchen bedeckt, während sich Bleirauch um die Kohle legt. Mit Phosphorsalz geschmolzen, giebt er ein grünes Glas.

In Chlorwasserstoffsäure löst er sich mit Leichtig - keit unter Ausscheidung von krystallinischem Chlor - blei zu einer grünen Flüssigkeit auf.

Nach der Analyse von Herrn Hermann in Mos - kau 1) enthält er

Bleioxyd 76,69 enthalten Sauerstoff 5,50 Chromsäure 23,31 ,, 10,73 100,00

Die chemische Formel ist mithin:

Pb3 Cr2

Das Mineral war früher von dem Rothbleierz nicht unterschieden worden, bis erst vor einigen Jahren Herr Hermann durch die dunklere Farbe aufmerksam ge - macht, es untersucht hat. Nach diesem Merkmal hat er ihm auch den Namen gegeben. Die deutliche Spalt - barkeit, die grössere Härte, das geringere specifische Gewicht und das Verhalten vor dem Löthrohr unter - scheiden den Melanochroit ausserdem hinreichend von dem Rothbleierz.

3) Der Vauquelinit oder das basische chrom - saure Kupfer - und Bleioxyd. Er kommt nur in sehr kleinen Krystallen vor, die nach der Symmetrie der Flächen zu urtheilen, zwei - und eingliedrig, bei der Kleinheit und dem geringen Glanze der Flächen aber nicht näher zu bestimmen sind. Sie sind büschelförmig aufgewachsen, oder bilden kleine krystallinische mehr

[footnote reference]1) S. Poggen dorffs Annalen, B. XXVIII, S. 162.
[footnote reference]207

oder weniger dicke Lagen und Ueberzüge, auch kleine unvollkommen nierenförmige Massen, mit rauher und drusiger Oberfläche und flachmuschligem Brach.

Er ist schwärzlichgrün, im Strich zeisiggrün, mehr oder weniger glänzend von Fettglanz und undurch - sichtig. Härte, etwas unter der des Kalkspathes, das specifische Gewicht nach Haidinger 5,986.

Der Vauquelinit ist schon seit längerer Zeit be - kannt und von Berzelius analysirt worden. Seine chemische Formel ist:

Cu 3 Cr 3 + 2 Pb 3 Cr 2

er bildet also dasselbe basische Salz wie der Mela - nochroit.

Der Vauquelinit findet sich meistentheils allein oder mit Roth - und Grünbleierz auf Klüften in Granit, und ist auf diese Weise besonders auf der Grube Zwetnoi vorgekommen. Er kommt aber auch auf Quarz aufge - wachsen vor, und bildet zuweilen wie das Rothbleierz Ueberzüge auf Bitterspathrhomboëdern, deren Form sich noch erkennen lässt, die aber im Innern ganz zersetzt sind.

4) Grünbleierz, PbCl + 3Pb 3 P. Es findet sich meistentheils krystallisirt in regulären sechsseitigen Prismen, die nur mit der geraden Endfläche begränzt sind; Flächen von Hexagondodecaëdern habe ich we - nigstens nie beobachtet; die Krystalle sind gewöhnlich nur klein, zuweilen fast haarförmig, erreichen aber doch zuweilen eine Dicke von 1 ½ Linien; sie sind sel - ten bauchig, gewöhnlich geradflächig, besonders die kleineren. Die haarförmigen Krystalle sind zuweilen excentrisch zusammengruppirt, und auf kleinen derben Massen aufgewachsen, die einen ebenen feinsplittrigen Bruch haben.

Es ist gelblichgrün, selten grünlichgelb, an den Kanten durchscheinend und von Fettglanz.

Die grünen Abänderungen schmelzen vor dem

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Löthrohr ohne Geruch und krystallisiren beim Erkalten, enthalten also nur Phosphorsäure und keine Arsenik - säure. Die selten verkommenden grünlichgelben Ab - änderungen schmelzen und krystallisiren beim Erkalten ebenfalls; erhitzt man sie aber in der innern Flamme, so reducirt sich ein kleiner Theil des Bleioxyds unter Arsenikgeruch; sie enthalten also neben der Phosphor - säure noch etwas Arseniksäure.

Beide Abänderungen enthalten ausserdem noch einen im Grünbleierze sonst ganz ungewöhnlichen Be - standteil, nämlich Chrom, der sich sowohl in ihrem Verhalten vor dem Löthrohr, als mit Chlorwasserstoff - säure deutlich zu erkennen giebt. Vor dem Löthrohr nämlich mit Phosphorsalz zusammengeschmolzen, bilden sie in der äussern Flamme ein smaragdgrünes Glas, das nur in der innern Flamme beim Erkalten bräunlich und undurchsichtig wird; und gepulvert und mit Chlor - wasserstoffsäure digerirt, lösen sie sich mit Leichtig - keit unter einiger Chlorentwickelung und unter Aus - scheidung von krystallinischem Chlorblei zu einer grü - nen Flüssigkeit auf, die noch dunkler wird, wenn man sie mit Alcohol versetzt und kocht, und die von dem Chlorblei abfiltrirt, mit Ammoniak einen lichte grau - lichgrünen Niederschlag wie Chromoxyd giebt, der auch vor dem Löthrohr untersucht, sich wie Chrom - oxyd verhält.

Das Chrom ist hiernach in dem Grünbleierze von Beresowsk sowohl als Chromsäure, als auch als Chrom - oxyd enthalten; aber es ist schwer zu sagen, welche Rolle dabei sowohl die eine, als die andere Oxydations - stufe spielt, da weder die eine noch die andere mit den übrigen im Grünbleierze vorkommenden Oxyden eine gleiche Anzahl von Sauerstoffatomen hat, und daher als isomorpher Bestandteil keines derselben er - setzen kann. Der Chromgehalt scheint nicht in allen Krystallen gleich zu sein, da immer die kleinern die Reactionen vollkommener geben, als die grössern; es

209

ist daher möglich, dass das Chrom dem Beresowschen Grünbleierz nur beigemengt ist, wiewohl es in diesem Falle auffallend scheint, dass es sich in den Krystallen von allen Stufen, die ich darauf untersucht habe, findet.

Das Grünbleierz findet sich in den Beresowschen Gruben auf den Kluftflächen im Granit, wie auch in den Quarzgängen; auf den erstern kommt es häufig ganz allein, auf den letztern mit Rothbleierz und Vau - quelinit vor. Es findet sich ferner auch in dem recht - winklig zelligen Quarze, der in Bleiglanz einge - wachsen gewesen war.

5) Vanadinbleierz. Es findet sich nur krystal - lisirt; die Krystalle sind wie die des Grünbleierzes reguläre sechsseitige Prismen, die ebenfalls nur mit der geraden Endfläche begränzt sind. Sie sind von verschiedener Grösse, meistentheils nur klein, zuweilen doch 3 bis 4 Linien lang. Die kleinern Krystalle sind glattflächig, die grössern gewöhnlich etwas drusig. Spaltbarkeit ist nicht deutlich wahrnehmbar, der Bruch unvollkommen muschlig.

Es ist von kastanienbrauner Farbe, stark glänzend von Fettglanz, besonders auf den kleineren Krystallen. Die Härte über der des Kalkspaths.

Vor dem Löthrohr decrepitirt dieses Vanadinblei - erz stark; es schmilzt darauf auf der Kohle zu einer Kugel, die sich unter Funkensprühen zu regulinischem Blei reducirt, und dabei die Kohle gelb beschlägt.

Von Phosphorsalz wird es aufgelöst; es schmilzt damit in der äussern Flamme zu einem Glase, das so lange es heiss ist, röthlichgelb, nach dem Erkalten gelblichgrün aussieht, und in der innern Flamme eine schöne chromgrüne Farbe annimmt.

In Salpetersäure löst es sich leicht zu einer bräun - lichgelben Flüssigkeit auf. Die Auflösung giebt mit salpetersaurem Silberoxyde versetzt, einen weissen Niederschlag von Chlorsilber, und mit Schwefelsäure einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Blei -

14210

oxyde. Die von dem letztern Niederschlage abfiltrirte Flüssigkeit giebt mit Schwefelwasserstoff-Ammoniak einen braunrothen Niederschlag von Schwefelvanadium, wobei die saure Flüssigkeit bläulich gefärbt wird. Wenn man die vom schwefelsauren Blei filtrirte Flüssigkeit erhitzt, bis die Salpetersäure und Schwefelsäure, die sie enthält, ganz verflüchtigt sind, so bleibt eine röthlichbraune dicke Flüssigkeit zurück, welche ge - schmolzene Vanadinsäure ist.

Das Vanadinbleierz von Beresowsk verhält sich in allen Rücksichten wie das von Zimapan in Mexico, mit welchem ich, da sich davon in der Königlichen Mineraliensammlung zu Berlin mehrere Stücke befin - den, die Herr v. Humboldt aus Mexico mitgebracht hat, zur Gegenprobe dieselben Versuche angestellt habe. Da nun Vanadinbleierz von Zimapan auch in sechsseitigen Prismen krystallisirt, und dieselbe Farbe und Härte hat wie das von Beresowsk, so ist es auch wahrscheinlich, dass dieses mit dem von Zimapan iden - tisch ist, und also auch dieselbe chemische Zusammen - setzung hat, welche nach der Analyse von Berzelius durch folgende Formel bezeichnet wird 1):

Pb CI Pb2 + 3Pb2 V

Das Vanadinbleierz findet sich in Beresowsk im - mer auf den Klüften des Granits, und in allen Stücken, die ich davon kenne, mit Grünbleierz zusammen. Die Krystalle beider Substanzen kommen nicht unregel - mässig durcheinander gewachsen, sondern nebeneinan - der vor, aber an der Gränze beider bildet das braune Va - nadinbleierz krystallinische Ueberzüge auf den Kry - stallen des Grünbleierzes. Beide Minerale sind hier wie isomorphe Substanzen miteinander verwachsen, und da auch beide eine gleiche Krystallforin haben, so könnte man hiernach vermuthen, dass Vanadin - und

[footnote reference]1) Vergl. Poggendorffs Annalen, B. 22, S. 61.
[footnote reference]211

Grünbleierz isomorph sind; aber dieser Isomorphismus ist nicht nur nicht bewiesen, da gegen die Axe geneigte Flä - chen, die allein darüber entscheiden, beim Vanadinblei - erz bis jetzt noch nicht beobachtet sind, ja nicht einmal wahrscheinlich, da die Radicale der Säuren beider Mi - nerale in ganz verschiedenen Verhältnissen mit Säuren verbunden angenommen werden.

Das Vanadinbleierz wurde früher für Grünbleierz gehalten, welches ebenso wie es mit ersterm eine gleiche Krystallform hat, auch häufig mit ihm von der - selben Farbe vorkommt. Da indessen Grünbleierz von zweierlei Farben an einem und demselben Stücke nicht vorzukommen pflegt, so veranlasste mich dieser Um - stand die braunen Krystalle näher zu untersuchen, wobei ich ihre wahre Beschaffenheit aufland 1).

6) Weissbleierz, Pb C, findet sich fast nur kry - stallisirt: die Krystalle sind theils prismatisch, indem die geschobenen vierseitigen Prismen mit Winkel von 117° vorherrschen, theils von der bekannten Hexagon - dodecaëder-ähnlichen Form, und finden sich ebenso häufig zwillingsartig verwachsen als einfach. Sie sind gewöhnlich nur klein, die prismatischen Krystalle sind von einem ausserordentlichen Glanze und einer gros - sen Glätte der Flächen, dabei durchsichtig und von Demantglanz, die Dodecaëder-ähnlichen sind weniger glattflächig, nur durchscheinend und von Fettglanz, nicht selten graulichschwarz und von der Beschaffen - heit des sogenannten Schwarzbleierzes. Beide Abän - derungen kommen immer auf Bleiglanz aufgewachsen oder in der Nähe desselben, gewöhnlich auch in den Zellen des Quarzes, in denen der Bleiglanz verschwun - den ist, vor.

7) Vitriolbleierz PbS. Ich habe dieses Blei - erz nur an einem Stücke wahrgenommen, wo es mit

[footnote reference]1) Die erste Beschreibung des Vanadinbleierzes von Beresowsk habe ich in Poggendorffs Annalen B. XXIX, S. 455 bekannt gemacht.
[footnote reference]212

Bleiglanz, Schwarz - und Rothbleierz zusammen vor - kam. Der Bleiglanz war an der Oberfläche mit der - bem Schwarzbleierz bedeckt, und in diesem war eine kleine derbe Masse von Vitriolbleierz eingeschlossen. Es ist weiss, sehr deutlich spaltbar, und an den Spal - tungsflächen, wie auch an dem Verhalten vor dem Löth - rohr und gegen Säuren leicht zu erkennen.

Das Verzeichniss der auf den Beresowschen Gru - ben vorkommenden Mineralien ist hiernach sehr bedeu - tend, und wird dadurch noch interessanter, dass sich darin Mineralien finden, die entweder den Beresow - schen Gruben ganz eigenthümlich, oder nur an sehr wenigen andern Orten bis jetzt vorgekommen sind. Zu den erstem gehört Nadelerz und Melanochroit, zu den andern Pyrophyllit, Rothbleierz, Vauquelinit und Vanadinbleierz. Der Pyrophyllit war auch noch zur Zeit seiner Entdeckung nur von den Beresowschen Gruben bekannt, ist aber nach der Zeit, wie schon angeführt, in dem ehemaligen Dép. de l’Ourthe und in Brasilien gefunden worden. Das Rothbleierz ist noch an einem andern Orte im Ural, wie später angegeben werden wird, vorgekommen, und hat sich ausserdem nur noch in neuerer Zeit in Congonhas do Campo in Brasi - lien, dort aber auch von grosser Schönheit und wie es scheint auf eine ähnliche Weise wie am Ural auf Gängen im Talkschiefer mit oder ohne Quarz gefun - den. Vom Vauquelinit giebt Hai ding er an, dass er noch zu Pont Gibaud, Dép. Puy de Dôme, aber auch nur selten und in kleinen Massen vorkomme, Vanadin - bleierz ist nur noch von Zimapan in Mexico bekannt 1).

Unter allen auf den Beresowschen Goldgängen vor - kommenden Mineralien findet sich der Quarz am häu - figsten; er bildet gewöhnlich die Gangmasse, in wel -

[footnote reference]1) Das vanadinsaure Bleioxyd, welches Johnston In Wanlock - head in Schottland gefunden hat, ist nach Berzelius Vermuthung zweifach vanadinsaures Bleioxyd, Berzelius Jahresbericht, 12ter Jahrgang, S. 171.
[footnote reference]213

cher die anderen Mineralien einbrechen. Nächst ihm findet sich am häufigsten Eisenkies, der grösstentheils in Eisenoxydhydrat verändert ist; er steht an Masse dem Quarze im Allgemeinen sehr nach, füllt aber doch stellenweise die Gänge ganz allein aus. Gegen diese beiden verschwinden fast die andern ihrer Masse nach, am häufigsten findet sich unter den metallischen Sub - stanzen noch Bleiglanz; Fahlerz und Kupferkies, be - sonders der letztere, sind selten, so häufig sie an andern Orten vorkommen; Nadelerz ist auch nur selten, und findet sich ausserdem nur in kleinen Massen, und auf eine gleiche Weise und nicht viel häufiger kommt noch das Gold vor; denn man rechnet, dass 100 Pud Stuff - erze, die also schon ausserhalb der Grube ausgesucht sind, nur bis 6 Solotnik d. i. 0,0004-0,0016 Proc. Gold enthalten. Die Silicate und der Bitterspath kom - men ebenfalls im Ganzen nicht häufig und wie es scheint besonders in der Nähe des Crassik vor.

Von den Mineralien, die sich durch Zersetzung dieser gebildet haben, findet sich ausser dem Eisen - oxydhydrate, welches aus dem Eisenkies entstanden ist, besonders das schöne Rothbleierz. Es soll in frü - herer Zeit so häufig vorgekommen sein, dass man es in Moskau als Malerfarbe benutzt hat; später ist es sehr selten geworden, und erst in neuerer Zeit wieder auf der Preobraschenskischen Grube ziemlich häufig vorgekommen. Nächst dem Rothbleierz findet sich am häufigsten das Grün - und Weissbleierz; nur Seltenheiten sind Melanochroit, Vauquelinit, Vanadin - und Vitriolbleierz; Schwefel, Wismuthocker, Malachit, Kupferlasur kommen nur in sehr geringer Menge vor.

Der Eisenkies ist in Krystallen in Quarz einge - wachsen, ohne dass dieselben durch die Umgebung von Quarz, von der Schärfe der Kanten und Ecken und der Glätte der Flächen verloren hätten. Sie ste - hen darin den aufgewachsenen Krystallen nicht nach, und haben demnach auch überall, wo sie aus dem Quarz

214

herausgewittert sind oder herausgeschlagen werden, ganz scharfkantige Eindrücke hinterlassen. Ebenso sind Turmalin, Talk, Pyrophyllit, Bitterspath, Fahlerz, Kupferkies, Nadelerz und Gold in Quarz eingewach - sen 1), und sind daher früher als dieser krystallisirt. Bleiglanz krystallisirte aber später, denn man findet Quarz in ihm eingewachsen, freilich mit sehr abgerun - deten Kanten und Ecken. Wo Bleiglanz und Eisen - kies zusammen vorkommen, ist auch der letztere in erstern eingewachsen, hat sich aber auch hier mit scharfen Kanten ausgebildet, zum Beweise, dass als der Eisenkies krystallisirte, der Bleiglanz noch dünn - flüssiger oder wenigstens leichter beweglich war, als zu der Zeit, wo der Quarz krystallisirte.

Die übrigen Mineralien, welche ausser den eben angeführten noch vorkommen, sind, das Eisenoxydhy - drat und den Wismuthocker ausgenommen, immer auf Quarz aufgewachsen, woraus man schon allein schlies - sen kann, dass sie späterer Entstehung sind. Die Um - änderung des Eisenkieses in Eisenoxydhydrat ist sehr gewöhnlich, aber nur in wenigen Fällen findet sich neben dem letztern auch noch Schwefel. Sehr wahr - scheinlich ist sie allein nur durch fortgesetzte Einwir - kung des Wassers auf den Eisenkies, vielleicht bei erhöhter Temperatur vor sich gegangen, und in die - sem Fall brauchen 2 Atome Eisenkies, F2 S 4, 3 Atome Wasser, H 6 O 3, um 1 Atom Eisenoxyd, F 2 O 3, das sich dann noch mit anderm freien Wasser zu dem be - stimmten Eisenoxydhydrat verbindet, zu bilden, wobei zu gleicher Zeit 3 Atome Schwefelwasserstoff, H6 S3, entstehen und 1 Atom Schwefel frei wird. Der Schwe - felwasserstoff ist als gasförmige Substanz entwichen, und hat in den gewöhnlichen Fällen wahrscheinlich den Schwefel mit fortgerissen, der sich aber in den

[footnote reference]1) Es ist auffallend, dass auch der wasserhaltige Pyrophyllit in Quare eingewachsen vorkommt.
[footnote reference]215

Beresowschen Gruben wieder abgeset^t hat. Er sitzt hier aber grösstentheils in dem zelligen Quarze, wel - cher der Rückstand des zersetzten Eisenkieses ist, aus welchem dann doch erst das Eisenoxydhydrat ganz fortgeführt gewesen sein muss, ehe sich der Schwefel abgesetzt hat.

Das Eisenoxydhydrat, welches bei der Zersetzung des Eisenkieses entsteht, ist, wie v. Ko bell 1) neuer - dings gezeigt hat, und wie auch schon aus den Ana - lysen von Hermann 2) hervorgeht, nicht dasjenige, welches den braunen Glaskopf bildet, nämlich F 2 H3, sondern ein anderes mit geringerem Wasserge - halte, F H, das auch zuweilen krystallisirt vorkommt, wie in den Quarzgängen von Bristol und in den Höh - lungen der Mandelsteine von Oberkirchen im Olden - burgischen, und in diesem Zustande Nadeleisenerz ge - nannt ist.

Mehr Schwierigkeiten, als die Erklärung der Um - änderung des Eisenkieses in Eisenoxydhydrat, hat viel - leicht die Erklärung der Bildung der Bleisalze, da diese fast lauter Säuren enthalten, deren Radikale sonst unter den Mineralien in den Beresowschen Gruben nicht vorkommen, als Chromsäure, Phosphorsäure, Va - nadinsäure und Kohlensäure. Zu der unter diesen am häufigsten vorkommenden Chromsäure hat indessen wahrscheinlich der in dem Serpentine nesterweise häufig vorkommende Chromeisenstein das Material geliefert, der wenn er auch in dem Serpentine von Pyschminsk, welcher den Beresowschen Gruben am nächsten liegt nicht bekannt ist, doch sich in andern in der Gegend von Katha - rinenburg, wie nach Tschaikowski z. B. bei dem Dorfe Fomina am Einflusse des Syssert in den Isset und etwas südlicher bei dem See Schtschufechje findet.

[footnote reference]1) Erdmann und Schweigger-Seidels Journal für Chemie und Physik, B. 1, S. 181.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Poggendorffs Annalen, B. XXVIII, S. 573.
[footnote reference]216

Auflallend ist es immer, dass sich das Vitriolbleierz auf den Beresowschen Gruben so äusserst selten fin - det, da dasselbe doch durch blosse Oxydation des Bleiglanzes entsteht.

Die goldhaltigen Quarzgänge, auf welchen die angeführten Mineralien brechen, kommen in grosser Anzahl vor und durchsetzen die Granitgänge der Quere nach, indem sie alle in untereinander ziemlich paralle - len Richtungen von O. nach W. streichen. Sie stehen entweder ganz saiger, wie die Granitgänge, oder fal - len unter einem sehr steilen Winkel von 60 bis 80º nach N., und haben eine verschiedene im Allgemeinen aber sehr geringe Mächtigkeit von einem Zoll und weniger bis von 2 bis 3 Fussen. Ihre Erstreckung dem Streichen nach hängt in der Regel von der Mäch - tigkeit des Granites ab, in welchem sie aufsetzen, und an dessen Ende sie meistens abschneiden: nur einige we - nige Gänge auf der Preobraschenskischen und Klju - tschewskischen Grube machen davon eine Ausnahme, indem sie auch in das Nebengestein fortsetzen, und im Streichen auf eine Länge von 50 und mehr Lach - tern bekannt sind. Einige dieser Quarzgänge sollen sich schon in einer Teufe von 7 bis 10 Lachtern auskeilen, andere sollen in dieser Teufe erst anfangen, und noch andere von der Oberfläche bis zu einer unbekannten Teufe fortsetzen1). Sie setzen alle in keiner grossen

[footnote reference]1) Dass sich die Quarzgänge von Beresowsk zuweilen auskeilen, wird sowohl von Pallas (*) und Hermann (**), als auch in neu - ster Zeit von Tschaikowski (***) angeführt, obwohl diese Behaup - tung mit dem, was man an andern Orten über das Verhalten der Erzgänge beobachtet hat, in Widerspruch steht. Sollten die Gänge von denen man anführt, dass sie sich auskeilen, sich nicht vielleicht nur verdrückt haben? Da sie in diesem Fall wahrscheinlich nicht mehr hinreichend Gold enthalten haben, um die Arbeit auf ihnen zu loh - nen, so ist man vielleicht aus diesem Grunde genöthigt gewesen, die
[footnote reference]
[footnote reference](*) Reise, Th. II, S. 164.
[footnote reference]
[footnote reference](**) Mineralog. Beschreibung des Uralischen Geb., Bd. II, S. 119.
[footnote reference]
[footnote reference](***) Gornoi Journal, Jahrgang 1830, Quartal II, S. 297.
[footnote reference]217

Entfernung voneinander auf; die Entfernung zwischen ihnen beträgt oft kaum einen halben Fuss, meistentheils aber mehrere Fuss, zuweilen auch 4 bis 5 Lachter. Hermann erwähnt jedoch einer Strecke im Schachte No35, wo man im Jahre 1784 in einer Länge von 10 Lachtern 22 Quarzgänge überfahren hatte.

Wo die Quarzgänge im Granite streichen, schnei - den sie an dem Nebengestein scharf ab; diess scheint aber, so weit man aus Handstücken urtheilen kann, weniger da der Fall zu sein, wo die Quarzgänge in dem Listwänit fortsetzen, indem ich mehrere Stücke beobachtet habe, wo der Bitterspath des Listwänites mit dem in dem Gangquarze zusammenhängt, und in diesem ganz deutlich fortsetzt. In der Nähe des Gang - quarzes ist, wie schon angeführt, der Granit mehr oder weniger zersetzt, und die Eisenkieshexaëder finden sich hier in ganz besonderer Menge und Grösse. Sie sind überall, wo sie in den geringen Teufen, die alle Beresowschen Gruben bis jetzt noch haben, vorkom - men, stets in Eisenoxydhydrat umgeändert, aber nach Hermann, gleich dem Eisenkies der Quarzgänge gold - haltig, und directe Versuche, die von mir darüber an - gestellt worden sind, haben mir auch ihren Goldgehalt bestätigt 1). Dieser Umstand sowohl, als auch ihre Anhäufung neben den Quarzgängen zeigt, dass sie mit

[footnote-continued reference]Arbeit auf ihnen einzustellen, und hat nun mehr angenommen, dass sich die Gänge auskeilen, als man diese Erscheinung wirklich beob - achtet hätte .. Vielleicht möchten aber die Gänge, die erst in einer gewissen Teufe anfangen, sich nach oben auskeilende Trümmer von andern grössern Gängen sein, mit denen sie in grösserer Teufe zu - sammenhängen. Ebenso verdiente auch noch untersucht zu werden, ob die Gänge, welche in den schiefrigen Gehirgsarten fortsetzen, von anderer Beschaffenheit sind, als die, von denen man anführt, dass sie am Ende des Granites abschneiden.
[footnote-continued reference]
[footnote reference]1) Mehrere kleine Krystalle auf die oben angegebene Weise auf Gold untersucht, hinterliessen beim Abschlämmen des Eisenoxyds ganz deutliche Flitter von Gold, dennoch ist aber wohl die Menge dessel - ben zu gering, um darauf bei dem Abbau Rücksicht zu nehmen.
[footnote reference]218

diesen in einer gewissen Beziehung stehen, und kann die Vermuthung erregen, dass sie mit ihnen von gleich - zeitiger, also von späterer Bildung als der umge - bende Granit sind. Wenngleich es bei dieser Annahme schwer ist einzusehen, wie Krystalle, die zuweilen mehrere Linien Durchmesser haben, sich in einem fe - sten Gestein, wie der Granit ist, haben bilden können, so sieht man bei der Annahme gleichzeitiger Bildung mit dem Granite ebenso wenig ein, warum nur der eingesprengte Eisenkies, nicht aber der Granit selbst goldhaltig ist, und wenn auch diess noch zu erklären wäre, warum sich der Eisenkies gerade an gewissen immer wiederkehrenden Stellen aufgehäuft, und an die - sen Stellen gerade die Quarzgänge den Granit durch - brochen haben.

Was nun die Verbreitung des Goldes in den Gän - gen anbetrifft, so hat man gefunden, dass das Gold in den obern Teufen der Gänge am häufigsten vorgekom - men sei, und in den untern Teufen immer mehr ab - nehme, eine Bemerkung die wirklich ausserordentlich scheint, wie Pallas sagt, die indessen bei den mei - sten edlen Gängen gemacht wird, welche gewöhnlich in den obern Teufen am reichsten sind, und in den un - tern immer ärmer werden. Im Anfang des Bergbaus von Beresowsk soll indessen der Reichthum an Gold so gross gewesen sein, dass man gleich unter der Dammerde in den überall zu Tage ausgehenden Gän - gen Erznester mit sichtbarem Golde gefunden hat 1). Wo die Goldgänge in den Schiefer übersetzen, sollen sie ebenso goldhaltig sein, als da wo sie sich im Gra - nite finden, wenigstens hat man bis jetzt noch keinen Unterschied in dieser Rücksicht wahrgenommen. Dass der Silbergehalt des Goldes an den verschiedenen Stellen verschieden sei, ergiebt sich schon aus den wenigen von mir darüber angestellten und oben an -

[footnote reference]1) Hermann a. a. O. S. 117.
[footnote reference]219

geführten Analysen, nach welchen er von 6 bis 8 Proc. abweicht. Noch besser ergiebt sich diess aus den wei - ter unten angegebenen Tabellen, in welchen der Sil - bergehalt der jährlich gewonnenen Menge Gold ange - führt ist. Ob sich aber in Rücksicht dieses Silberge - halts eine bestimmte Regel wahrnehmen lässt, ob er in den obern oder untern Teufen grösser oder geringer ist, darüber sind noch keine Untersuchungen ange - stellt.

Der Abbau der Erze in den Beresowschen Gru - ben wird sehr regelmässig betrieben. Die Haupt - strecken sind im Granite geführt und haben ein gleiches Streichen mit demselben; von ihnen aus hat man die Goldgänge mit Querschlägen abgebaut. Die Haupt - strecken sind hoch und geräumig, so dass man gerade darin gehen kann, stehen aber überall in sehr starker Zimmerung, da der Granit sehr klüftig und milde ist. Die Wasser werden durch einen Stollen abgeführt, der auf der Blagoweschtschenskischen Grube nur die sehr geringe Teufe von 9 Lachtern einbringt. In grössern Teufen unter dem Stollen wird jetzt nicht gearbeitet. Vor der Entdeckung des Goldsandes hatte man die Grube bis zu einer Teufe von 6 Lachtern unter der Stollensohle gebracht, und das sehr reichlich zuflies - sende Wasser durch eine Dampfmaschine auf den Stol - len gehoben; nach dieser Zeit hat man die Arbeiten in den tiefern Theilen der Grube eingestellt, und die Dampfmaschine abgetragen, da die Gewinnung des Goldes aus dem Goldsande viel leichter und einträg - licher ist. Die Temperatur der Stollenwasser fanden wir in dieser Grube 4,7° R., die der Luft R. Un - geachtet der geringen Tiefe der Grube friert es jedoch, wie man uns sagte, in derselben nie.

Mit der Preobraschenskischen Grube war der Stol - len noch nicht durchschlägig geworden. Die Grube lag aber viel höher als die Blagoweschtschenskische, und war so trocken, dass man gar keiner Wasser -

220

haltungsmaschine bedurfte. Der tiefste Ort hatte eine Teufe von 21 Lachtern unter Tage, und lag noch Lachter über der Stollensohle. Die Luft war kälter als in der Blagoweschtschenskischen Grube, und hatte in 13 Lachtern Teufe nur eine Temperatur von R., während sie ausserhalb 12 13° warm war. Ebenso soll es im Winter in dieser Grube auch häu - fig frieren.

Die Gewinnung der Erze in den Gruben geschieht meistentheils mit der Brechstange und mit Schlägel und Eisen, nur selten wird gebohrt und geschossen. Die gewonnenen Erze werden zuerst in bedeckten Schuppen in der Nähe der Förderschächte mit der Hand geschieden und dann an die Poch - und Waschwerke abgeliefert, deren jetzt nur zwei im Gange waren, eins in Pyschminsk und ein anderes in Katharinenburg, welches letztere neben der Steinschleiferei liegt. Das Pochen der Erze geschieht in Pochkästen, die theils aus Gusseisen, theils aus Holz bestehen und einen ei - sernen Boden haben; die Stempel sind von Holz und haben eiserne Köpfe. Das Verwaschen des Poch - mehls geschieht auf festliegenden Heerden auf eine ähnliche Weise wie in den Goldseifenwerken. Mit dem Golde bleibt zuletzt auf dem Heerde eine grosse Menge Eisen zurück, welches sich beim Pochen der Erze von den Stempeln abgestossen hat, und mittelst eines Magneten grösstentheils von dem Golde getrennt wird. Die Zimmer in welchen das Gold gewaschen wird, sind heizbar, so dass die Arbeit im Winter wie im Sommer fortgesetzt werden kann.

Einige genauere Nachrichten über die Goldpro - duktion von Beresowsk, die aus den amtlichen Listen berechnet sind, welche auf dem Bergamte von Katha - rinenburg geführt werden, und Herrn v. Humboldt mitgetheilt worden sind, habe ich in der folgenden

221

Tabelle zusammengestellt. Sie enthält in der zweiten Spalte die Menge des jährlich gewonnenen Goldes in dem Zustande, wie es durch das Verpochen und Wa - schen der Erze und durch Zusammenschmelzung des ausgewaschenen Metalls erhalten wird 1), und in der dritten Spalte die Angabe, wie viel Solotnik eines solchen Goldes im Durchschnitt aus 100 Pud Erz erhalten wurden. Die vierte und fünfte Spalte zei - gen den Gehalt an reinem Golde und Silber an, der nach den in Katharinenburg gemachten Proben in dem bergfeinem Golde der zweiten Spalte enthalten ist 2). Die Zahlen der sechsten und siebenten Spalte sind von mir aus den vorhergehenden berechnet und ge - ben diesen Gold - und Silbergehalt in Procenten an. Da nach den S. 201. angeführten Analysen das ge - diegene Gold aus den Beresowschen Gruben ebenso wie nach andern von mir angestellten und später anzuführenden Analysen das Gold vom ganzen Ural, hauptsächlich nur Gold und Silber und ausserdem nur Spuren von Kupfer und Eisen enthält, so geben, bis auf diese geringen Mengen, die letzten Spalten der Tabelle die Zusammensetzung der ganzen jährlich ge - wonnenen Menge des gediegenen Goldes an. Die 2 4 Procent, welche die Summe der Zahlen der dritten und vierten Spalte weniger ausmacht, als die Zah - len der zweiten Spalte, bestehen aus fremdartigen Ge - mengtheilen, hauptsächlich aus Eisen von den Poch - stempeln, die weder durch das Waschen der Erze noch durch die Abtreibung mit Blei vollständig ge - trennt worden sind. Die Tabellen enthalten die Produk - tion von 1754 an, wo der Bergbau in Beresowsk sei -

[footnote reference]1) Vergl. S. 137 141.
[footnote reference]
[footnote reference]2) Die in Katharinenburg erhaltenen Tabellen gehen diese, wie auch die Werthe der ersten Spalte in Puden, Pfunden, Solotniks und Doli 's an; ich habe, um sie vergleichbar zu machen, alle auf eine Einheit gebracht, und dazu das Russische Pfund gewählt.
[footnote reference]222

nen Anfang genommen hat1), bis zu dem Jahre vor unserer Reise.

[footnote reference]1) In diesem Jahre fing der eigentliche Bergbau an, wenngleich man 10 Jahre vorher schon von dem Vorkommen des Goldes in Be - resowsk Kenntniss erhalten und auch schon Schurfarbeiten begonnen hatte. Ich will bei dieser Gelegenheit anführen, dass man im Jahre 1814 zu Blagodat, 20½ Werste nördlich von Beresowsk, auch Silbererze in einem 4 2 / 3 Fuss mächtigen Quarzgange entdeckt und zu bearbeiten angefangen hatte. Der Quarzgang enthielt nach Erd - mann (*) gediegenes Silber, Silberglanz, Silberschwärze, Gold, Ku - pfergrün, Eisenocher und Bleiglanz. Man hatte aus demselben bis zum Jahre 1820, 37 4 / 5 Pud Silber und Pud Gold und ausserdem noch mehrere hundert Pud Kupfer gewonnen, den Bau auf dieser Grube dann aber eingestellt, um Arbeiter für die Seifenwerke zu gewinnen. Das Vorkommen der Silbererze zu Blagodat ist merk - würdig, weil diess der einzige Ort am Ural ist, wo sie in einiger Menge gefunden werden. Auf den übrigen Gruben des Urals kommen sie nur äusserst sparsam vor, und sind dann immer nur eine vorüberge - hende Erscheinung.
[footnote reference]
[footnote reference](*) Beiträge zur Kenntniss des Innern von Russland, Th. II, Hälfte II, S. 127.
[footnote reference]
JahreGewicht des aus den verpochten Erzen gewonne - nen bergfeinen GoldesGehalt des bergfeinen Goldes anGehalt des ge - diegenen Goldes an
in der ganzen Mengein 100 Pudreinem GoldSilberGoldSilber
PfundSol.PfundPfundProcentProcent
175416,61516 ..2,614,54268 ..1,89659 ..88,46 ..11,54 ..
17559,47975 ..3,08,29174 ..1,08368 ..88,44 ..11,56 ..
17562,00075 ..1,75066 ..0,22925 ..88.43 ..11,57 ..
175729,05234 ..3,225,41728 ..3,32354 ..88,43 ..11,57 ..
175841,91718 ..7,336,67753 ..4,80218 ..88,42 ..11, 58..
175940,47940 ..3,735,41713 ..4,63573 ..88,42 ..11,58 ..
176062,45857 ..2.654,64656 ..7,15631 ..88.42 ..11,58 ..
176162,66678 ..3,053,31325 ..6,98993 ..88,41 ..11,59 ..
176257,70909 ..1,850,30218 ..6,71970 ..88.22 ..11,78 ..
176381,52122 ..4,870,36546 ..10,52149 ..86,99 ..13,01 ..
1764137,66692 ..6,5118,01061 ..17,92746 ..86,81 ..13,19 ..
1765128,84453 ..5,8112,74013 ..14,76079 ..88,42 ..11,58 ..
1766209,67734 ..10,9183,49049 ..24,02120 ..88,42 ..11,58 ..
1767185,29257 ..8,8161,28149 ..18,70432 ...89,53 ..10,47 ..
1768194,81253 ..9,4170,31349 ..21,86521 ..88,62 ..11,38 ..
257

1769

1770

1771

1772

1773

1774

1775

1776

1777

1778

1779

1780

1781

1782

1783

1788

1800

1801

1802

1803

1804

1805

1806

1807

Schwarze Schliche2)

1808

Sch. Schliche

1809

Sch. Schliche

223

695, 24999 ..

701, 61458 ..

54, 18749 ..

814, 65624 ..

67, 50000 ..

829, 33333 ..

54, 36548 ..

)

Gewicht des aus den verpochten Erzen gewonne - nen bergfeinen Goldes7,5170,58347 .. 198,67784 .. 147,22918 .. 107,95833 .. 113,10468 .. 125,05273 .. 162,29218 .. 213,10468 .. 222,94791 .. 238,19791 .. 244,44791 .. 256,43749 .. 164,83333 .. 115,20885 .. 138,40677 .. 1784 152,56249 .. 1785 1786 307,56341 .. 324,67733 .. 1787 312,04166 .. 1789 326,83333 .. 1790 313,96874 .. 1791 316,12499 .. 360,06249 .. 1792 1793 302,34374 .. 1794 330,03124 .. 1795 433,08333 .. 1796 351,78124 .. 1797 445,67708 .. 1798 589,90703 .. 1799 621,96927 .. 724,40625 .. 744,40625 .. 576,15624 .. 654,10416 .. 78390624.. 653,30208 ..Gehalt des bergfeinen Goldes an136,23963 ..Gehalt des ge - diegenen Goldes an20,09473 ..87,15 ..12, 85 ..
in der ganzen Menge6,7in 100 Pud186,39607 ..reinem Gold8,27126 ..Silber95,70 ..Gold4, 30 ..Silber
Pfund4,8Sol.135,71959 ..Pfund9,58351 ..Pfund93,40 ..Procent6,60 ..Procent
3,6101,26138 ..5,03167 ..95,27 ..4,73 ..
4,1103,58365 ..8,65634 ..92,29 ..7,71 ..
4,5119,18841 ..4.55281 ..96,32 ..3,68 ..
4,7152,13639 ..8,44596 ..94,74 ..5,26 ..
7,2204,78028 ..6,65624 ..96,85 ..3,15 ..
6,1216,00000 ..5,74999 ..97, 41 ..2,59 ..
5,4233,07386 ..4,95874 ..97,92 ..2,08 ..
4,7236,80277 ..5,08427 ..97,89 ..2,11 ..
6,0246,40664 ..8,01074 ..96,47 ..3,53 ..
5,2157,10494 ..6,00078 ..96.32 ..3,68 ..
5,2150,66686 ..4, 90625 ..96 85..3,15 ..
4,7121,10475 ..15,85470 ..89,15 ..10,85 ..
4,2161,97994 ..3,56302 ..97,90 ..2,10 ..
4,2148,17759 ..2, 37552 ..98,42 ..1,58 ..
8,9228,76132 ..4,80208 ..98.42 ..1,58 ..
8,6315,38567 ..5,07291 ..98,42 ..1,58 ..
7,4295,91666 ..9,74999 ..96,81 ..3,19 ..
6,4310,43802 ..9,83385 ..96,93 ..3,07 ..
6,2299,90624 ..9,42108 ..96,95 ..3,05 ..
6,0293,08333 ..16,45833 ..94,68 ..5,32 ..
8,0335,68749 ..18,74999 ..94,71 ..5,29 ..
6,6264,54257 ..34,63623 ..88,42 ..11.58 ..
7,0305,96874 ..17,18749 ..94,68 ..5,32 ..
8,4412,78138 ..13,53151 ..96,82 ..3,18 ..
7,0337,12499 ..10,98987 ..96,84 ..3,16 ..
6,2417,71343 ..23,20873 ..94,76 ..5,24 ..
7,0548.57304 ..27,27096 ..95,26 ..4,74 ..
6,2543, 93802 ..61,55208 ..89,83 ..10,17 ..
5,7637,62503 ..79,12943 ..88,96 ..11,04 ..
5,0695, 93798 ..40,70846 ..94,47 ..5,53 ..
5,1506,13560 ..64,10486 ..88,77 ..11,23 ..
5,6574,74025 ..66,31297* ..89,79* ..10, 21 * ..1)
4,2690,40675 ..77,15697 ..89,95 ..10,05 ..
3,0563,38585 ..70,26062 ..88,91 ..11,09 ..
3,6594,29239 ..77,25064 ..88,50 ..11,50 ..
4,3596,85470 ..80,38620 ..88,12 ..11,88 ..
5,2687,36474 ..93 34397..88,04 ..11.96 ..
4,9699,47999 ..86,38576 ..89,01 ..10,99 ..
40,07324 ..11,84385 ..77,57 ..22,43 ..
52,03125 ..11.25000 ..82,23 ..17,77 ..
42,46911 ..7,92719 ..84,27 ..15,73.
224
[footnote reference]1) Theile dieser Tabellen haben schon Hermann (*), Erd - m an n (**) und Kupffer (***) in ihrer ursprünglichen Gestalt ab - drucken lassen; Die Angaben von Hermann gehen bis 1794, von Erd mann bis 1817, von Kupffer bis 1824. Durfch Vergleichung der, Herrn v. Humboldt handschriftlich mitgetheilten Tabellen mit den angeführten gedruckten Angaben war es möglich mehrere Schreib - fehler zu entfernen, die sich theils in jenen, theils in diesen Tabellen finden. Den Silbergehalt des bergfeinen Goldes haben Herm ann und Kupffer nicht angegeben; ich war hier nur auf Erdmann
[footnote reference]
[footnote reference](*) Min. Reisen in Sibirien. Th. II, S. 115.
[footnote reference]
[footnote reference](**) Beiträge zur Kenntniss des Innern von Russland, Th. II, Beilage 8.
[footnote reference]
[footnote reference](***) Voyage dans l'Oural p. 428.
[footnote reference]
JahrePfundSol.PfundPfundProcentProcent
1810840,89583* ..4,7718,50058* ..87,58433* ..89,13* ..10,87* ..
Sch. Schliche42,31250 ..32,61471 ..6,60478 ..83,16 ..16,84 ..
1811701,82291 ..3,7592,15693 ..73,10405 ..89,01 ..10,99 ..
Sch. Schliche60,79167 ..48,55252 ..8,27185 ..85,44 ..14,56 ..
1812565,76041 ..3,4489,14595 ..53,03212 ..90,22 ..9,78 ..
Sch. Schliche20,63542 ..17,01048 ..3,10436 ..84,56 ..15,44 ..
1813542,86458* ..4,2467,45917* ..52,77159* ..89,85* ..10,15* ..
Sch. Schliche36,85493** ..30,46899 ..5,41686 ..84,90 ..15,10 ..
1814618,25000 ..4,7527,84405 ..64,38589 ..89,11 ..10,89 ..
Sch. Schliche22,31250 ..16,72969 ..4,64609 .. 55,61513 ..78,28 ..21,72 ..
1815535,82292 ..4,7462,87534 ..89,27 ..10,73 ..
1816396,18749 ..3,4346,65703 ..41,26132 ..89,36 ..10,64 ..
1817482,33333 ..3,5414,50052 ..55,26111 ..88,24 ..11,76 ..
1818424,98958 ..3,2358,58349 ..46,47957 ..88,53 ..11,47 ..
1819358,55208 ..3,1305,01120 ..36,10417 ..89,38 ..10,62 ..
1820424,23958 ..3,6362,36525 ..44,18791 ..89,13 ..10,87 ..
1821431,49999 ..4,2373,06302 ..44,94791 ..89,25 ..10,75 ..
1822464,23958 ..4,7404,39586 ..45,33358 ..89,92 ..10,08 ..
1823190,43749 ..5,1161,86517 ..18,77099 ..89,05 ..10,95 ..
1824210,91666 ..5,2180,85473 ..21,72990 ..89,27 ..10,73 ..
1825199,37499 ..4,8157,08341 ..20,05243 ..88,68 ..11,32 ..
1826161,81249 ..4,6135,01116 ..16,01064 ..89,40 ..10,60 ..
1827180,88541 ..4,4156,32315 ..17,57330 ..89,89 ..10,11 ..
1828176,17708 ..4,4144,41685 ..17,60422 ..89, 13..10.87 ..
Summe 24981,79634 Mittel 333,090625,391,588,42
Gewicht des aus den verpochten Erzen gewonne - nen bergfeiheit GoldesGehalt des bergfeinen Goldes anGehalt des ge - diegenen Goldes an
ih der ganzen Menge Mengein in 100 Pudreinem GoldSilberGoldSilber
225

Die Menge des von 1754 bis 1828 gewonnenen bergfeinen Goldes beträgt hiernach 624½Pud, und die durchschnittliche Menge eines jeden Jahres 8 1 / 3Pud.

[footnote-continued reference]beschränkt und konnte also auch, wenn sich Abweichungen in den Zahlen unserer und der Erd mann 'schen Tabellen finden, nicht ent - decken, auf welcher Seile der Irrthum lag. Ich habe in diesem Fall die Zahlen der obigen Tabelle nach den uns mitgetheilten Tabellen berechnet, und sie zur Erkennung mit einem Stern bezeichnet, und lasse nun die Abweichungen zwischen unsern und den Erdmann - schen Tabellen folgen:
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]nach den Erdman n’schen Tabellen, nach unsern Tabellen
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]Einige dieser Abweichungen beruhen offenbar auf Schreibfehlern, an - dere aber nicht. Nach den Zahlen von Erd mann würden aber die in der Tabelle mit einem Stern bezeichneten Zahlen heissen müssen:
[footnote-continued reference]
[footnote reference]2) Unter den bei den Jahren 1807 1814 aufgeführten schwarzen Schlichen sind die schwereren fremdartigen Theile der gepochten Erze zu verstehen, die bei dem Waschen derselben am längsten bei dem Golde zurückbleiben. Sie bestehen dem grössten Theile nach aus Eisen von den Pochstempeln, enthalten aber noch etwas Gold, welches durch Waschen nicht davon getrennt werden konnte; und wurden deshalb, abgesondert von den leichtern Theilen der Pocherze, aufbewahrt. Im Anfange dieses Jahrhunderts kam man auf den Ge - danken, das in diesen schwarzen Schlichen enthaltene Gold durch die Amalgamation zu scheiden, weshalb auch im Jahre 1807 für diese Schliche ein besonderes Amalgamirwerk nach Freiberger Art von dem damaligen Ober-Bergmeister Herrn Achte, nachherigem Direk - tor der Hüttenwerke in Slatoust, in Gang gesetzt, und auf diese Weise bis 1814 die in den Tabellen aufgeführte Menge Gold gewon -
[footnote reference]15
PudPfd.Sol.Dol.PudPfd.Sol.Dol.
1803, Silber 126373½1263037½
1810, bergf. Gold 211622186
reines Gold 1730133017384854
Silber 276444275692
1813, bergf. Gold 13232066132283
reines Gold 11277483 7 / 9 0 / 611274477 1 / 3
Silber 1127834 7 / 9 6 / 61127470 2 / 3
Gold aus den Schlich. 372972368270
1813543,20905467,7717352,8128766,03205 87,6671489,8588,13 88,9910,1511,87 11,01
1803 1810Schwarze Schliche841,6458337,30286710,13574
226

Die Produktion war in der Zeit von 1800 bis 1814, die der Entdeckung des Goldsandes voranging, am be - deutendsten und betrug im Jahre 1810, wo sie ihre grösste Höhe erreicht hatte, 18 ¾ Pud, nach dieser Zeit sank sie wieder, so dass sie im Jahre 1828 nur 4 3 / 5 Pud betragen hat.

Der Gehalt der an die Pochwerke gelieferten Erze war in den verschiedenen Jahren von 2,6 bis zu 10,9 Solotnik Gold in 100 Pud Erz verschieden; er betrug im Jahre 1828: 4 2 / 5 Solotnik und macht im Mittel der 75 Jahre von 1754 1828 5,3 Solotnik aus.

Der Silbergehalt der ganzen jährlich gewonne - nen Menge des gediegenen Goldes differirt von 1,58 bis zu 13,19 Proc. und beträgt im Mittel jener 75 Jahre 8,42 Proc. 1)

Aus den in Katharinenburg uns mitgetheilten Li - sten geht ferner hervor, dass die Gewinnungskosten für jedes Solotnik bergfeinen Goldes im Jahre 1828 8 Rubel 75 5 / 8 Kopeken, und im Mittel der Jahre 1754 bis 1814: 7 Rubel 52 Kopeken betragen haben. Da nun der Ukasen-mässige Werth des Solotnik reinen Goldes 3 Rubel 55 4 / 8 5 / 1 Kopeken Silber oder etwa 12 Rubel 80 Kopeken Banco beträgt, so ergiebt sich dar - aus, dass die Beresowschen Gruben immer eine ziem - lich gute Ausbeute gegeben haben.

[footnote-continued reference]nen wurde. Zu dieser Zeit fing man an, die in Blagodat entdeckten Silbererze in dem Amalgamirwerk zu gute zu machen, und gab des - halb die Bearbeitung der Schliche bis zu einer vorzunehmenden Er - weiterung des Werkes auf. Diese wurde aber nicht nur nicht aus - geführt, sondern auch die Arbeit auf dem Amalgamirwerke ganz ein - gestellt, als im Jahre 1820, wie schon angeführt, die Blagodatschen Gruben auflässig wurden, um Arbeiter für die immer zunehmenden Seifenwerke zu gewinnen.
[footnote-continued reference]
[footnote reference]1) Wenn man dabei nicht den Silbergehalt des aus den schwar - zen Schlichen gewonnenen Goldes berücksichtigt, der immer vielleicht in Folge der Amalgamation höher ist als der des übrigen Goldes.
[footnote reference]227

Die Goldseifen, welche in der Nähe von Beresowsk bearbeitet werden, liegen alle entweder unmittelbar auf dem Boden in welchem die goldführenden Gänge aufsetzen, oder ganz in der Nähe desselben. Es sind ihrer eine grosse Menge; wir besuchten nur einige derselben, die ich hier der Reihe nach aufführen will.

1. Das Seifenwerk Perwopawlowsk. Es ist 1 3 / 5 Werste von Beresowsk entfernt, und war erst in diesem Jahre zu bearbeiten angefangen. Es liegt in nordwestlicher Richtung von Beresowsk auf dem lin - ken Ufer der Beresowka und, wie das Seifenwerk Schabrowskoi, in einer Ebene oder einer fast unmerk - lichen Mulde. Der abgebaute Raum hatte, wie dort, das Ansehen eines breiten flachen Grabens, der 150 Lachter lang und 10 bis 25 Lachter breit war. Seine Längenerstreckung ging von W. nach O., das Seifengebirge war also quer über dem Granit der Goldgänge gelagert, wurde jedoch nicht bis zu diesem abgebaut, da es unmittelbar über ihm nicht hinreichend goldhaltig befunden worden war. Die Lage, welche allein verwaschen wurde, hatte eine Mächtigkeit von 9 18 Zoll, und wurde noch von einer 7 14 Zoll mächtigen nicht bauwürdigen Lage bedeckt. Die erstere war aber sehr reich, und enthielt im Durchschnitt ausser den grössern Stücken, die sich noch zuweilen in ihr fan - den, 3 Solotnik Gold in 100 Pud. Ein solches grösseres Stück von einem Gewichte von 94 Sol. hatte man kurze Zeit vor unserer Ankunft auf der Wäsche gefunden.

Der Goldsand hatte ein lehmartiges Ansehn, und bestand der Hauptsache nach aus Bruchstücken von Talkschiefer, wie man diess besonders erkennen konnte, wenn man die erdigen staubartigen Theile mit Was - ser abgespühlt hatte. Der Talkschiefer enthielt kleine Krystalle von Eisenglanz und rhomboedrische Höhlun - lungen, die mit Eisenocher ausgefüllt waren, glich also vollkommen dem Talkschiefer von der Preobraschens - kischen Grube. Nächst den Bruchstücken von Talk -

228

schiefer fanden sich am häufigsten Bruchstücke und Krystalle von Eisenkies, der in Eisenoxydhydrat verän - dert war; ferner Stücke von Quarz, der zuweilen ganz durchsichtig war und noch einzelne Flächen hatte, endlich, wiewohl seltener, Stücke von Granit, ähnlich dem Beresit, und verwitterter Chloritschiefer. In dem stark verwaschenen Sande fanden sich unter dem klei - nen Quarzgeschieben besonders kleine Krystalle und Bruchstücke von Eisenglanz, kleine Octaëder und Kör - ner von Magneteisenerz, ausser diesen aber zuweilen noch kleine Bruchstücke und Krystalle von Granat in der Form von Leucitoëdern, und endlich, was uns besonders überraschte, kleine Krystalle von Zirkon, von weisser Farbe, und starkem demantartigen Glanze, die demnach fast für Diamant gehalten werden könnten, wenn nicht ihre prismatische Form ungeachtet ihrer fast mikroscopischen Kleinheit sie gleich kenntlich machte.

Die Form dieser Zirkonkrystalle unterscheidet sich etwas von der des Zirkons von Zeilon; die Flächen des Dioctaëders (a: 1 / 3a: c), x, welche bei diesem nur untergeordnet vorkommen, finden sich nämlich bei dem Zirkone von Perwopawlowsk so vorherrschend, dass sie gewöhnlich nur allein die Endkrystallisation aus - machen, (vergl. Taf. VII.). Nur selten finden sich noch ausserdem die Flächen der Grundform, eine vierflächige Zuspitzung des Endes bildend, die auf den schär - fern Kanten des Dioctaëders gerade aufgesetzt ist. Unter den Seitenflächen herrschen die Flächen des ersten vierseitigen Prisma’s g vor; die Flächen des zweiten Prisma’s a finden sich nur untergeordnet als Abstumpfungsflächen der Kanten des erstern. Zu - weilen sind die Enden der Krystalle verbrochen und nur die vierseitigen Prismen zu erkennen, in an - dern Fällen sind diese aber noch sehr wohl er - halten. Bei dem grossen Glanze und der Glätte der Flächen, liessen sich die Krystalle, ungeachtet ihrer ausserordentlichen Kleinheit doch noch mit ziemlicher

229

Genauigkeit mit dem Reflexionsgoniometer messen. So fand ich für die Neigung der Dioctaëderfläche ge - gen die Fläche des ersten Prima’s Winkel von 143º 15 ' 22', für die Neigung der Dioctaëderflächen ge - geneinander in der schärfern Endkante, welche über der Fläche des ersten Prisma’s liegt, Winkel von 132º 20 ' 54', und in der stumpfem Endkante, welche über der Fläche des zweiten Prisma’s liegt, Winkel von 147º 15 ' 16'. Nach den Messungen des Zirkons von Mohs und Kupffer betragen diese Winkel aber 143º 19 ', 132° 43' und 147° 3 '. Die geringen Abweichungen der erstern Winkel von diesen letztern rühren nur von der Schwierigkeit her, die Flächen der Krystalle bei ihren kleinen Kanten genau in die Axe des Instrumentes zu bringen. Die Seitenflächen der Krystalle hatten längere Kanten, waren demnach auch leichter in die für die Messung richtige Lage zu bringen, daher ich auch bei ihrer Messung immer genau Winkel von 90° und 135° gefunden habe. Die Krystalle haben in Rücksicht des Vorherrschens der Dioctaëderflächen wie auch ihrer Kleinheit, viel Aehn - lichkeit mit den auch auf eine ähnliche Weise in dem Goldseifengebirge von Ohlapian in Siebenbürgen vor - kommenden Zirkonkrystallen; nur finden sich bei die - sen die Flächen des zweiten rechtwinklich vierseiti - gen Prisma’s entweder ganz allein ohne die des ersten Prisma’s, oder doch vorherrschend, und ihre Farbe ist auch roth, durch welche Eigenschaften sie mehr mit den Abänderungen des Zirkons übereinkom - men, die Werner Hyazinth genannt hat. Wir haben die Zirkone später in den meisten Goldseifen des Ural gefunden, aber immer von dieser ungemei - nen Kleinheit, wodurch indessen bei ihrem starken De - mantglanze ihre Auffindung nicht erschwert wird, wenn man einmal die Aufmerksamkeit darauf gerichtet hat.

2. Das Seifenwerk Mariinskoi. Es liegt Werst im N. von Beresowsk auf dem linken Ufer der

230

Pyschma. Der abgebaute Raum hat eine Längener - streckung von N. nach S., steht also ebenso recht - winklig auf der Pyschma, wie die Beresowka auf ih - rer rechten Seite. Seine Länge beträgt 350 Lachter, seine Breite 4 bis 10 Lachter. Das Seifengebirge bildet ein gegen 5 Fuss mächtiges Lager, von wel - chem aber nur die untere 1 Fuss mächtige, un - mittelbar auf dem festen Gestein liegende Schicht ver - waschen, die obere abgehoben und zur Seite gestürzt wurde.

Das unter dem Sande anstehende Gestein wird von einer Gebirgsart gebildet, die sehr wahrschein - lich mit dem Euphotid übereinkommt. Es besteht aus einem schneeweissen, stellenweise grünlich gefärb - ten Mineral, das hart ist, feinsplittrigen Bruch hat, und eine Grundmasse bildet, worin graulichgrüne, schmale, 1 3 Linien lange Krystalle mit meistens unbestimmten Umrissen porphyrartig und sehr gedrängt nebeneinander liegend, eingewachsen sind. Das weisse die Grundmasse bildende Mineral ist in Chlorwasser - stoffsäure mit Hinterlassung der Kieselsäure, jedoch nur schwer, auflöslich, und enthielt nach einigen da - mit angestellten Versuchen ausser der Kieselsäure, noch Thonerde, Kalkerde, Natron und Kali, ist also wahr - scheinlich Saussurit. Die eingewachsenen Krystalle sind mit dem Messer leicht ritzbar, und nach 2 Rich - tungen unvollkommen spaltbar; die Spaltungsflächen sind aber etwas gekrümmt, und ebenso wenig genau bestimmbar, wie die Umrisse der Krystalle; sie möch - ten aber doch für Uralit zu halten sein, wie sie auch vor dem Löthrohr an den Kanten zu einem grünlich - schwarzen Glase schmelzen. Das Gestein hat grosse Aehnlichkeit mit dem sogenannten Anthophyllitfels von Clausen in Tyrol, nur dass bei diesem die graulich - grünen Krystalle noch mehr vorwalten, und es kommt wahrscheinlich auch mit dem Gestein des Zobten in

231

Schlesien überein, bei welchem die Gemengtheile nur noch grobkörniger sind.

Der Goldsand hatte in diesem Seifenwerke eben - falls ein lehmartiges Ansehn. Die grössern Geschiebe bestanden fast nur aus Stücken von demselben Eu - photid, der die Basis des Goldsandes bildet, und aus Quarz, seltener nur aus Thonschiefer und verwitter - tem Chloritschiefer. In dem stärker verwaschenen Sande sieht man noch Körner und Krystalle von Mag - neteisenerz und Eisenglanz, doch nicht in so grosser Menge, wie in dem von Perwopawlowsk; ebenso fin - den sich darin auch Krystalle von Granat und Zirkon.

3. Das Seifenwerk Nagornoi. Es liegt 1 Werst nördlich von Beresowsk an der Beresowka. Die gold - haltige Schicht ist etwa 1 Fuss mächtig und ruht auf verwittertem Thonschiefer, ist aber noch von einer 2 Lachter und darüber mächtigen Lage nicht bauwürdigen Sandes bedeckt. Der Abbau wird daher bergmännisch durch Strecken, die man in den Sand hinein führt, betrieben, und ist aus dem Grunde viel kostbarer, als der gewöhnliche Abbau bei den ande - ren Seifenwerken, gewährt aber den Vortheil, dass er auch im Winter vorgenommen werden kann, was bei diesen nicht der Fall ist. Der abgebaute Sand enthält 1 Solotnik in 100 Pud Sand. Unter den grös - sern Geschieben bemerkt man besonders mit Eisen - ocher durchzogenen Talkschiefer (sogenannten Kras - sik), der viele kleine glänzende Krystalle von Eisen - glanz enthält, und ferner poröses Brauneisenerz. Der schönen losen Eisenglanzkrystalle, die ebenfalls in die - sem Goldsande vorkommen, ist schon (S. 149.) gedacht worden. Ich selbst fand darin ein 2 Zoll grosses Bruchstück eines Eisenglanzkrystalles, ebenso ein derbes Stück Pyrolusit.

Zu den merkwürdigen Gemengtheilen dieses Gold - sandes gehört aber noch ein Mammuthzahn, den man in ihm vor einiger Zeit gefunden hatte. Dergleichen

232

fossile Ueberreste von grossen urweltlichen Landthie - ren scheinen in diesen Gegenden öfter vorzukommen, denn schon Hermann1) erwähnt eines Elephan - tenzahnes, welcher sich im Jahre 1786 in der Erd - schicht der Niederung zwischen der Grube Klju - tschewskoi und Zwetnoi 5 Fuss unter der Oberfläche gefunden hat; ein anderer Mammuth-Stosszahn ist vor unserer Reise in dem Seifenwerke Kasionnä Pri - stan zwischen der Bilimbajewka und der Tschussowaja vorgekommen, und endlich fand sich einige Monate nach unserer Reise ein fossiler Schädel 2 ½ Lachter tief in dem Goldsande von Konewskoi, einem Sei - fenwerke bei Katharinenburg, das wir nicht selbst besucht haben. Herr Markscheider Weitz mel - dete diese Neuigkeit an Herrn von Humboldt in ei - nem Schreiben aus Perm vom 30sten November 1829, und sandte ihm auch zu gleicher Zeit eine Zeichnung davon, nach welcher es indessen ungewiss bleibt, ob der Schädel zu einem Palaeotherium oder nicht viel - mehr zu einem Rhirioceros gehöre. Herr Weitz fügte hinzu, dass der Schädel von dem General - Berg-Inspektor nach dem Museum des Kaiserlichen Berg-Corps gesandt worden sei, wo er sich wahr - scheinlich jetzt befindet. Da östlich und westlich von der Uralkette dieselben urweltlichen Knochen in den Flussthälem des Irtysch und der Kama liegen, so ist ihr Vorkommen auf dem Rücken selbst zum Beweise der Hebung desselben wichtig, es sei denn man wolle lie - ber annehmen, jene urweltlichen Thiere seien über das Uralgebirge weggelaufen, und hätten bisweilen auf seinem Rücken ihr Grab gefunden.

4. Das Seifenwerk Klenowskoi im N. W. von Beresowsk. Das Goldsandlager ist gegen 2 Lachter mächtig und liegt unter einer Lage Torf. Es soll in den obern Teufen unmittelbar unter dem Torf am

[footnote reference]1) Min. Beschr. dei Uraliachen Erzgebirges, Th. II, S. 139.
[footnote reference]233

reichsten sein und hier 2 Solotnik Gold in 100 Pud Sand enthalten; in grossem Teufen aber ärmer wer - den. Mehr als 2 Lachter unter der Torfschicht wird nicht abgebaut. Unter dem Sande anstehendes Ge - stein haben wir nicht gesehen. Die grössern Ge - schiebe, die man in dem gewaschenen Goldsande fin - det, bestehen meistentheils aus Talkschiefer mit klei - nen Krystallcn von Eisenglanz und mit meist rhom - boëdrischen Höhlungen die mit Eisenocher angefüllt sind; ferner aus Quarz und verwittertem Chloritschie - fer. Der stark gewaschene Goldsand besteht fast nur aus Krystallen und Bruchstücken von Eisenglanz und Magneteisenerz, unter welchem sich oft sehr nette Octaëder finden. Kleine Krystalle von Eisenkies, der in Eisenoxydhydrat zersetzt, und von Granat, welcher in Leucitoëdern krystallisirt ist, finden sich auch zu - weilen in ihm. Die mikroskopischen Krystalle von Zirkon kommen in diesem Sande ebenso häufig, wie in dem von Perwopawlowsk vor.

5. Das Seifenwerk Kalinowkoi, 3 Werste im W. vom Dorfe Schartasch und 10 Werste im N. O. von Katharinenburg 1). Das abgebaute Seifenge - birge liegt wie die vorhin beschriebenen in einer fast unmerklichen Mulde, deren Streichen hier von O. nach W. geht. Es hat eine Mächtigkeit von 5 11 Fuss, ist jedoch nur in der untern 1 2 Fuss mächtigen Lage so reichhaltig, dass es sich zum Verwaschen eignet. Es wird von einer Torfschicht bedeckt, und

[footnote reference]1) Wir besuchten dieses Seifenwerk erst später den 13ten Juli, nachdem wir schon von unserer Reise in den nördlichen Ural zu - rückgekehrt waren; doch führe ich dasselbe hier schon an, weil es ganz in der Nähe der eben beschriebenen liegt, und auch unsere Absicht gewesen war, es auf unserer Rückkehr von Beresowsk nach Katharinenburg zu besuchen, wovon wir nur durch den anhaltenden Regen verhindert wurden. Aber durch Herrn Bergmeister Völkn er auf das in diesem Seifenwerke anstehende Gestein aufmerksam ge - macht, unterliessen wir nicht, von Katharinenburg aus eine besondere Exkursion dorthin zu machen.
[footnote reference]234

ruht unmittelbar auf anstehendem Gestein. Der abge - baute Raum hatte eine Länge von 400, und eine Breite von 5 bis 15 Lachtern.

Das unter dem Goldsande anstehende Gestein be - steht hauptsächlich aus Serpentin, welcher schwärz - lichgrün und lauchgrün ist, einen splittrigen Bruch hat, und eine grosse Menge sehr netter octaëdrischer Krystalle von Magneteisenerz enthält, die meistens kleiner als eine Linie und zum Theil mit Beibehal - tung der Form in rothes Eisenoxyd zersetzt sind. Ausser dem Serpentin findet sich hier auch noch Gra - nit, der eigentlich aus einem Gemenge von vorwal - tendem gelblichweissen und kleinkörnigen Feldspath, mit feinschuppigem grünlichgrauen Glimmer besteht, worin nur hier und da einzelne Körner von graulich - weissem Quarze ein gewachsen sind. Kleine Hexaë - der von Eisenkies, die zersetzt und in Eisenoxydhy - drat verändert sind, kommen auch in ihm vor, und hierin wie auch in der Kleinkörnigkeit des Gemenges hat er grosse Aehnlichkeit mit den Graniten, welche sich bei der chemischen Fabrik des Herrn Helm und etwas weiter nördlich auf der Sibirischen Hauptstrasse finden, und ebenfalls mit Serpentin vorkommen.

Der Granit von Kalinowkoi findet sich in zwei voneinander getrennten Massen, die den Serpentin, welcher in dem Seifenwerke die Hauptmasse ausmacht, vollkommen gangförmig durchsetzen. Sie ziehen sich quer über den abgebauten Raum hinüber, streichen also von N. nach S., und haben eine untereinander ziemlich gleiche Mächtigkeit, die etwa 5 Lachter be - trägt. Eine Veränderung in der Beschaffenheit des Gesteins war an den Gränzen des Granits und Ser - pentins weder bei der einen noch bei der andern Ge - birgsart zu bemerken; beide schnitten scharf aneinan - der ab, und die Gränzflächen schienen senkrecht in die Tiefe abzufallen. Der Granit durchsetzt also hier den Serpentin auf eine gleiche Weise und mit

235

gleichem Streichen wie er in Beresowsk die schiefri - gen Gebirgsarten durchsetzt, daher auch die Gänge von Kalinowkoi ähnliche Ausläufer des südlichen in grössern Massen anstehenden Granites sind, wie die Gänge von Beresowsk. Bei der Verschiedenheit, die im Allgemeinen der Granit dieser Gegend an den einzelnen Stellen hat, wo wir ihn untersucht haben, kann es nicht auffallen, dass der Granit von Kalinow - koi nicht sowohl mit dem Granite von Beresowsk, als vielmehr mit dem südlichern bei der Fabrik des Herrn Helm Aehnlichkeit hat; mehr noch könnte es befrem - den, dass der Granit von Beresowsk nicht auch in den nördlich von ihm in seinem Streichen liegenden Serpentin des Pyschminskischen Hüttenteiches hinein - setzt, sondern an ihm abschneidet; doch könnte diess vielleicht darin seinen Grund haben, dass der Pysch - minskische Serpentin von der Hauptmasse des Grani - tes ferner liegt als der von Kalinowkoi.

Die Verhältnisse, in welchen in Kalinowkoi der Granit zu dem Serpentine erscheint, sind interessant, weil, wenngleich auch ähnliche an andern Orten be - obachtet sind, sie doch im allgemeinen selten vorkom - men. Sie finden sich nach den Beobachtungen der Herren v. Oeynhausen und Dechen 1) auf eine ganz ähnliche Weise an mehreren Punkten in Corn - wall, wie zu Soaprock bei Gew Grease, wo sich eine kleine Granitkuppe in einer Schlucht ganz von Serpentin umgeben erhebt, und zu Kennikcove bei Gwendra, wo mehrere Granit - und Grünsteingänge den Serpentin durchbrechen, und sich theils bis zur Oberfläche desselben erheben, theils noch vor dem - selben auskeilen, was man in den Profilen an den Küsten des Meeres sehr gut sehen kann.

Ausserhalb des Seifenwerkes war in der Nähe nichts von anstehendem Gesteine zu sehen, was noch

[footnote reference]1) Karsten’s Archiv für Bergbau, S. XVII, S. 11.
[footnote reference]236

weitern Aufschluss über das Verhalten von dem Gra - nite zum Serpentine hätte geben können. Nur erst in einiger Entfernung auf dem Wege nach dem Dorfe Schartasch zeigten sich kleine Erhebungen festen Ge - steins, das zwar von einem schwer zu bestimmenden Charakter, doch deutlich von den Gebirgsarten des Seifenwerks verschieden war. Es war ein Mittelgestein zwischen Chloritschiefer und Serpentin, graulichgrün, von unebenem Bruche, und vor dem Löthrohr zu ei - nem schwarzen Glase schmelzbar; es war mit feinen Schnüren einer gelblichgrünen pistazitähnlichen Masse durchzogen, dabei unvollkommen schiefrig, sein klüf - tig, und auf den Kluftflächen braun gefärbt.

Der abgebaute Goldsand von Kalinowkoi enthielt ¾ Solotnik Gold in 100 Pud. Seine grössern Geschiebe bestehen meistentheils aus Serpentin, Quarz und Talk - schiefer, von welchen die erstern Gebirgsarten die - selbe Beschaffenheit haben, wie die, welche in dem Seifenwerke anstehen. Der stark gewaschene Gold - sand besteht fast nur aus Krystallen und Körnern von Magneteisenerz, und enthält ausserdem neben dem Golde, Hexaëder von Brauneisenerz, kleine Krystalle von Granat, die theils blutroth und in Leucitoëdern, theils hyazinthroth und in Dodecaëdern krystallisirt sind, Zirkon der noch in grösserer Menge als in dem Goldsande von Perwopawlowsk, aber von derselben mikroskopischen Kleinheit in ihm vorkommt, kleine Körner von pistaziengrüner Farbe, und endlich kleine abgerundete Körner von Zinnober, dessen merkwür - diges Vorkommen in dem Goldsande schon oben S. 148. angeführt ist. Man glaubte schon denselben in dem Serpentine anstehend gefunden zu haben, doch bestä - tigte sich diese Meinung nicht, da das, was man da - für hielt, die oben erwähnten in rothes Eisenoxyd veränderten Krystalle von Magneteisenerz waren.

Ausser den genannten Seifenwerken giebt es in den Umgebungen von Beresowsk noch mehrere an -

237

dere, die wir nicht besucht haben. Durch die Vor - sorge des Herrn Berghauptmanns Ossipoff und des Herrn Bergmeisters Völkner erhielten wir auch aus diesen Seifenwerken Proben, sowohl von schon etwas gewaschenem, als auch noch ungewaschenem Goldsande. Ich habe nach meiner Rückkehr in Berlin auch diese genau durchgesehen, ohne darin Gemengtheile zu fin - den, die nicht auch schon in dem Goldsande der von uns besuchten Seifenwerke vorgekommen wären. Aus - ser den gewöhnlichen Gemengtheilen enthielten auch diese meistentheils Granate, Zirkone und auch oft die kleinen pistaziengrünen Körner; Zinnober aber habe ich weiter in keinem andern Goldsande gefunden. Der Goldsand von Talizkoi, 56 Werste nördlich von Katharinenburg besteht fast nur aus Geschieben von feinkörnigem Granit und von Serpentin, daher auch hier diese Gebirgsarten vielleicht die Basis des Gold - sandes bilden, und unter ähnlichen Verhältnissen, wie in Kalinowkoi vorkommen mögen.

Die grössern Geschiebe, welche sich in dem Sei - fengebirge der Gegend von Beresowsk finden, beste - hen demnach aus Talkschiefer, Chloritschiefer, Eupho - tid, Serpentin, Quarz und Brauneisenerz, also aus lau - ter Gebirgsarten und Mineralmassen, die sich in der Gegend selbst in grossen Massen anstehend finden, und den festen Boden ausmachen, auf welchem die Ablagerungen von Goldsand vorkommen; die in dem schon etwas gewaschenen Goldsande erkenntlichen Krystalle und Körner sind nächst Quarz besonders Magneteisenerz, Eisenglanz, in Brauneisenerz verän - derter Eisenkies, Granat, Zirkon und Zinnober; Mine - ralien, welche bis auf die drei letztern alle in obigen Gebirgsarten eingewachsen vorkommen. Granat findet sich indessen in dem Granite der Nachbarschaft und kommt z. B. ganz von derselben Beschaffenheit wie in dem Seifengebirge von Beresowsk in dem Granite der Gegend von Werch-Issetsk vor, kann daher

238

leicht auch in den Graniten der Gegend von Bere - sowsk vorgekommen sein; der Zirkon ist vielleicht nur wegen seiner ausserordentlichen Kleinheit der Beobachtung in den Gebirgsarten von Beresowsk ent - gangen, und der Zinnober scheint nur ein ganz loka - les Vorkommen auf dem Kalinowschen Seifenwerke zu sein. Es ergiebt sich also hieraus offenbar, dass der Goldsand der Umgegend von Beresowsk nicht von fern her angeschwemmt ist, sondern sich durch theilweise Zertrümmerung derselben Gebirgsarten ge - bildet hat, die in der Gegend anstehen, und dass das Gold darin früher wahrscheinlich in den obern später zerstörten Teufen derselben Quarzgänge vorgekom - men ist, die noch jetzt in Beresowsk bebaut werden. Noch jetzt beobachtet man, dass die Goldgänge in den obern jetzt noch vorhandenen Teufen viel reicher sind als in den untern Teufen; der Gehalt an Gold ist in den zerstörten Teufen dieser Gänge vielleicht noch bedeutender gewesen, daher es sich erklärt, dass ungeachtet der grossen Beimengung des Neben - gesteins der Quarzgänge, der Goldsand noch so reich ist, als es angegeben worden.

Die Seifenwerke von Beresowsk sind in der Ge - schichte des Grafischen Bergbaus interessant, weil sie die ersten waren, die am Ural bebaut wurden, und auf diese Weise zu der Entdeckung aller übrigen Goldseifen, die jetzt am Ural in so ausserordentlicher Ausdehnung aufgefunden worden sind, Veranlassung gegeben haben. Die erste Bearbeitung der Goldsei - fen von Beresowsk geschah im Jahre 1814 1) durch

[footnote reference]1) Schon vorher hatte man bei Treibung von Schächten und Stol - len in dem das feste Gestein bedeckenden Schuttlande häufig Gold gefunden, und wir hörten, dass man bei Treibung eines Stollens in dem Sande sogar so viel Gold gewonnen habe, dass die Kosten des Stollens davon bezahlt wurden. Einzelne Goldstücke, die man in - zwischen auch an andern Orten in dem Sande fand, wozu besonders
[footnote reference]239

den damaligen Ober-Befehlshaber von Schleneff, und es ist das jetzt noch bebaute Seifenwerk Nagor - noi, in welchem man die Arbeiten anfing. In dem ersten Jahre war die Produktion nur unbedeutend, und betrug noch nicht 3 Pfund bergfeines Gold; wie schnell sie aber seit dieser Zeit gestiegen ist, ersieht man aus der folgenden Tabelle, die die Gold-Produk - tion der unter dem Bergamte von Katharinenburg ste - henden Seifenwerke vom Anfang der Bearbeitung bis zum Jahre 1828 enthält und denselben Ursprung und dieselbe Einrichtung wie die S. 222. angegebene Tabelle über die Produktion der Goldgruben von Be - resowsk hat.

[footnote-continued reference]auch 1813 der Fund eines Mädchens in Newjansk, der Catharina Bogdanoff gehört, welchen sie dem dortigen Intendanten Jwan Jewtifejewitsch Polusadoff anzeigte, lenkten die Aufmerksam - keit immer mehr auf die Untersuchung des Schuttlandes, dessen er - ste wirkliche Ausführung aber ein Verdienst des Herrn v. Schle - ne ff ist.
[footnote-continued reference]
[footnote-continued reference]Aus manchen Anzeigen wird es wahrscheinlich, dass die Gold - seifen des Urals schon von den Urvölkern des Urals bearbeitet wur - den; denn man hat an dem See Irtiasch in der Nähe des Goldsei - fenwerkes Soimonowskoi bei Kyschtim sogenannte Tschuden-Gräber mit Menschenknochen und neben diesen auch Fragmente von Pan - zerhemden und grosse Ringe mit Eidechsenköpfen (vermuthlich Arm - bänder) gefunden, die aus derselben Mischung von Gold und Silber bestanden, von welcher noch jetzt das Waschgold in Soimonowskoi gefunden wird. Dass lange Zeit vor dem Funde des Mädchens 1813 von den Baschkiren Gold vom Ural nach dem Innern von Asien heimlich geführt worden sei, hat sich durch ernste Untersuchung nicht bestätigt. Man fabelt von einem Goldklumpen von 33 Pfund, der von den Baschkiren nach Khiva geschickt worden sein soll. Der Sitz der Goldkonterbande war lange Troitzk, aber eine Commission fand, dass dort höchstens 15 bis 20 Pud Gold waren ausgeführt worden. Jetzt rechnet man die Goldkonterbande jährlich 3 Pud.
[footnote-continued reference]240

in

Die Menge des in den Seifenwerken von Katha - rinenburg während der Jahre 1814 1828 gewonne - nen bergfeinen Goldes beträgt demnach 207 1 / 3Pud, und das jährliche Mittel aus diesen Jahren 13 4 / 5Pud. Die Seifenwerke haben also in 15 Jahren so viel geliefert als die Gruben in 43 Jahren, und die mittlere jähr - liche Produktion der Seifenwerke übertrifft die der Gruben um mehr als ein Drittheil. Der Ertrag der Seifenwerke von 1828 übertrifft den der Gruben von demselben Jahre um fast das Sechsfache, und ist grös - ser, als die Produktion der Gruben zur Zeit ihrer grössten Blüthe. Die Seifenwerke sind dabei noch im Anfange ihres Betriebes, und versprechen nach dem, was man von ihrer Ausdehnung weiss, noch eine lange Dauer.

Der mittlere Gehalt des Goldsandes, wie man fer - ner ersieht, beträgt in den 15 Jahren 1,3 Solotnik in 100 Pud, während der mittlere Gehalt der Golderze

JahrePfundSol.PfundPfundProcentProcent
18142,89583 ..2,12,54166 ..0,03125 ..98,78 ..1,22 ..
181533,22917 ..0,129,11458 ..3,65625 ..88,84 ..11,16 ..
1816235,66667 ..1,9216,03125 ..14,72917 ..93.62 ..6,38 ..
1817244,70833 ..1,5221,76107 ..17,83433 ..92,56 ..7,44 ..
1818241,52083 ..1,1213,84402 ..18,86502 ..91,46 ..8,54 ..
1819193,40625 ..0,1178.29214 .. 285.56328 ..11,07368 ..94,15 ..5,85 ..
1820311.53125 ..1,217,84419 ..94,12 ..5,88 ..
1821387,07292 ..1,1353 93752 ..27,10481 ..92,89 ..7,11 ..
1822537,93750 ..1,2488,19875 ..38,52116 ..92,68 ..7,32 ..
18231063,21901 ..1,3953,26097 ..62,22976 ..93,87 ..6,13 ..
18241152,63542 ..2,51032,16732 ..84,56266 ..92,43 ..7,57 ..
18251020,31302 ..1,6916,99016 ..92,06337 ..90,88 ..9,12 ..
18261070,91753 ..1,6945.30247 ..85,06340 ..91,74 ..8,26 ..
1827860,96924 ..1,3762,71969 ..78,58435 ..90,66 ..9.34 ..
1828937,01094 ..1,3840,86630 ..68,12555 ..92,54 ..7,46 ..
Summe 8293,03391 Mittel 552,8691,392,757,25
Gewicht des aus dem Goldsande gewonnenen bergfeinen Gol-des desGehalt des bergfeinen Goldes anGehalt des ge - diegenen Goldes an
in der ganzen Menge100 PudGoldSilberGoldSilber
241

(nach S. 224) 5,3 Solotnik beträgt. Die Gewinnungs - kosten aber für jedes Solotnik Gold aus den Seifen - werken betrugen im Jahre 1828 4 Rubel 53 ¾Kope - ken, (vergl. S. 159) während die der Gruben in dem - selben Jahre 8 Rubel 75 5 / 8Kopeken betragen haben. Ungeachtet also das aus den Gruben gewonnene Erz mehr als viermal so reich ist als der Sand der Sei - fenwerke, so betragen doch die Gewinnungskosten des Goldes aus dem erstern fast noch einmal so viel, als die des Goldes aus dem letztern, was eben der Grund ist, weshalb die Bebauung der Beresowschen Gruben seit der Entdeckung des Goldsandes so be - deutend eingeschränkt worden, und die meisten Kräfte auf die Gewinnung des Goldes aus den Seifenwerken verwandt sind.

Was die chemische Beschaffenheit einzelner Gold - körner aus den Beresowschen Seifenwerken anbetrifft, so habe ich nur Gelegenheit gehabt, nach meiner Rückkehr ein Goldkorn, 3,0695 Grammen schwer, aus dem Seifenwerke Perwopawlowsk zu analysiren. Es enthielt:

Gold 92,60 Silber 7,08 Kupfer 0,02 Eisey 0,06 99,76

Ein Krystall aus einem andern zum Bergamte von Katharinenburg gehörigen Seifenwerke, dessen nähere Lage ich nicht erfahren konnte, enthielt:

Silber 6,28 Kupfer 0,06 Eisen 0,32 Gold und Verlust 93,34 100,00

Die chemische Zusammensetzung eines Korns aus dem Seifenwerke Schabrowskoi, welches auch zu dem Bergamte von Katharinenburg gehört, ist schon oben

16242

S. 159 angegeben. Der Silbergehalt ist bei diesem ausserordentlich gering, und beträgt nur 0,16 Proc., steigt aber doch in dem von Perwopawlowsk fast bis zu der grössten Höhe, die ich bei einem Korne aus den Gruben von Beresowsk gefunden habe.

Der Silbergehalt der ganzen in einem Jahre ge - wonnenen Menge des gediegenen Goldes weicht nach den angegebenen Tabellen ab von 1,22 bis 11,16 Proc. Der Durchschnitt der 15 Jahre von 1814 bis 1828 beträgt 7,25 Proc., er ist also um 1,2 geringer als der Silbergehalt des gediegenen Goldes der Gruben nach einem 75jährigen Durchschnitt. Indessen ist auch der Silbergehalt der Gruben mitunter sehr gering, und beträgt im Durchschnitt aus den 15 Jahren von 1776 bis 1791 nur 3,15 Proc. (vergl. die Tabelle S. 222). Man hat also hiernach nicht Ursach zu be - haupten, dass das Gold aus den Seifenwerken reiner sei als das Gold aus den Gruben, so allgemein auch am Ural und in Petersburg diese Meinung verbreitet ist. Vielmehr hat das Gold aus den Gruben und den Seifenwerken eine sehr ähnliche chemische Zu - sammensetzung, und dieser Umstand spricht wohl mit für die Seite 238 aufgestellte Meinung, dass das Gold der Seifenwerke von Katharinenburg in den obern zerstörten Teufen der Goldgänge von Bere - sowsk enthalten gewesen ist, macht es unn aber auch nicht wahrscheinlich, dass sich in Rücksicht des Silber - gehaltes des Goldes für die verschiedenen Teufen der Gänge eine bestimmte Regel auffinden lassen wird.

Exkursion nach der Kupfergrube du Gumeschewskoi.

Am Mittage des 20sten Juni’s waren wir von un - serer Exkursion nach Beresowsk zurückgekehrt. Wir wandten den Nachmittag dieses Tages dazu an, die

243

Eisenhütte in Werch-Issetsk 1) zu besuchen, wo wir von dem Verwalter des Herrn Jakowleff, Alexei Jwanowitsch herumgeführt und gastfrei bewirthet wurden, verweilten mit der Untersuchung und dem Ordnen der gesammelten Gegenstände beschäftigt, den folgenden Tag noch in Katharinenburg, und traten den 22sten Juni eine neue Exkursion, und zwar nach der berühmten Kupfergrube Gumeschewskoi an, von wel - cher wir am Morgen des 24stcn zurückkehrten. Herr Berghauptmann Ossipoff hatte die Güte uns auch auf dieser Exkursion zu begleiten; ausserdem mach - ten wir sie auch noch in Gesellschaft des Herrn So - lomirski.

Die Kupfergrube Gumeschewskoi ist ein Privat - werk, und gehört, wie auch das dabei gelegene Hüt - tenwerk Polewskoi, den Erben des Titularraths Tur - tschaninoff. Sie liegt 56 Werste in südsüdwest - licher Richtung von Katharinenburg, die Hütte, zu welcher wir uns zunächst wandten, 4 Werste dies - seits. Der Weg dahin durchschneidet in diagonaler Richtung das Seite 152 beschriebene waldichte Pla - teau zwischen dem Isset und der Tschussowaja. Bis zu dem Dorfe Uktuss ist er derselbe, den wir auf unserer Exkursion nach den Goldseifen von Schabrows - koi eingeschlagen hatten; jenseits des Dorfes wichen wir rechts ab, der Richtung des kleinen Flusses Uk - tuss folgend, ohne aber ihn selbst lange im Auge zu behalten. Erst kurz vor dem 21 Werste von Katha - rinenburg entfernten Dorfe Gomoschit näherten wir uns wieder demselben. Er hat hier ziemlich steile Ufer, die durch eine Brücke verbunden sind, über welche man nach dem Dorfe auf dem jenseitigen Ufer gelangt.

In Gomoschit verweilten wir einige Augenblicke, um die Pferde zu wechseln. Man hatte in dem

[footnote reference]1) Vergl. S. 169.
[footnote reference]244

Dorfe eine Menge Bausteine zum Baue einer neuen Kirche angefahren, die man, wie uns gesagt wurde, in einem 6 Werste vom Dorfe entfernten Steinbruche gebrochen hatte. Die Bausteine bestanden aus Gra - nit, der eine grosse Aehnlichkeit mit dem südlich von Werch-Issetsk anstehenden Granite 1) hatte, und auch wie jener und zwar noch häufiger, kleine braune Ti - tan itkrystalle eingemengt, enthielt. Nach Tschai - kowski würde auch dieser mit jenem in Verbindung stehen, und zu der zweiten der Seite 154 erwähnten Granitmassen gehören, welche östlich bei Gornoschit vorbeistreicht. Wir hätten demnach diesen Granit auf unserm Wege überschritten, doch haben wir ihn hier nicht aus der Dammerde hervorragen sehen. Ei - nige kleine Hügel gleich hinter dem Dorfe Uktuss aus - genommen, die aus demselben Draht - führenden Au - gitporphyr bestehen, wie die, welche wir bei un - serer Exkursion nach Schabrowskoi auf der andern Seite des Dorfes wahrgenommen hatten, haben wir weiter kein anstehendes Gestein bemerkt.

Hinter dem Dorfe führte der Weg über eine kleine Kuppe, die schon aus Serpentin besteht, wel - cher aber von einem sehr ungewöhnlichen Ansehn ist. Er hat eine graulichgrüne Farbe, stellenweise sehr kleine braune Flecken und einen feinsplittrigen Bruch, besteht aber aus einer Menge kleiner fasriger durch - einandergewachsener Zusammensetzungsstücke, wo - durch er einen für den Serpentin nicht gewöhnlichen Glanz enthält. Die Härte ist sonst wie gewöhnlich bei dem Serpentin; ebenso sein Verhalten vor dem Löthrohr. Im Kolben erhitzt giebt er viel Wasser, und bei einem nach meiner Rückkehr angestellten Versuche fand ich, dass er in Uebereinstimmung mit den Serpentinen anderer Fundörter 11,7 Proc. Was - ser enthalte. Durch das Glühen nimmt er, wahrschein -

[footnote reference]1) Vergl. S. 168.
[footnote reference]

z

245

lich durch höhere Oxydation des in ihm enthaltenen Eisenoxyduls, eine braune Farbe an, wodurch man aber die durcheinandergewaohseneu Fasern nur um so deutlicher erkennen kann. Magneteisenerz war in kleinen Körnern hier und da in ihm eingewachsen.

Die fasrige Structur ist bei dem Serpentine eine zu ungewöhnliche Erscheinung, als dass es nicht wünschenswerth geschienen hätte, durch eine chemi - sche Untersuchung die Uebereinstimmung des Gesteins von Gornoschit mit dem Serpentine ausser Zweifel zu setzen. Herr Graf Schaffgotsch hatte deshalb die Güte, eine solche in dem Laboratorium meines Bruders anzustellen; er fand darin bei 2 Analysen:

Bei der erstern Analyse wurde die Bestimmung der Thonerde verabsäumt, bei der zweiten die Talk - erde aus dem Verluste berechnet. Nimmt man an, dass die Thonerde in Verbindung mit einer verhält - nissmässigen Menge Kieselsäure zu Thon verbunden, und dieser dem Gesteine beigemengt sei, so verhal - ten sich die Sauerstoffmengen der Talkerde und des Eisenoxyduls zusammengenommen zu der der Kiesel - säure und des Wassers ziemlich genau wie die Zah - len 3: 4: 2, und die gefundene Zusammensetzung ent - spricht der Formel:

Mg

Mg3

H2

Si2

3

2

Fe

Fe3

welche dieselbe ist, die schon Lychnell aus seinen Analysen verschiedener Abänderungen des Serpentins

99,909 100,0001.2.Sauerstoffgehalt
Talkerde38,15737,716.14 599 15, 990 .. 1,391 / 13,991
Eisenoxydul6,4106,111.
Thonerde0,813... 0,380
Kieselsäure43,71643,734... 1,140 + 21,580
Wasser11,62611,626.10,337
246

abgeleitet hat 1). Mit diesen verglichen, kommt der Serpentin von Gornoschit in Rücksicht seiner Zusam - mensetzung am meisten mit dem von Massachusets überein, der ebenfalls ziemlich viel Eisenoxydul, näm - lich 5,24 Proc. enthält, und dem Serpentine von Gor - noschit vielleicht auch im Aeussern ähnlich sieht, da Lychnell ihn strahlig nennt. Das specifische Gewicht des Serpentins von Gornoschit fand Graf Schaffgotsch in Uebereinstimmung mit dem ande - ren Serpentine 2,641.

Funfzehn Werste hinter dem Dorfe Gornoschit kamen wir nach Mramorskoi, einer kleinen Ortschaft, die aus einer der Krone gehörigen Marmorschlei - ferei nebst einigen Gebäuden für die Arbeiter be - steht. Die Fabrik steht unter der Aufsicht des Di - rektors der Steinschleiferei von Katharinenburg Herrn Kokawin, der selbst die Güte gehabt hatte, nach Mramorsk zu kommen, um uns in der Fabrik herum - zuführen. Wir konnten indessen wenig darin sehen, weil die Fabrik jetzt nicht im Gange war, da man die Arbeiter zur Heuerndte entlassen hatte, und auch die Niederlage grösstentheils leer war, da man nur die von Petersburg gemachten Bestellungen ausführt, und die fertigen Gegenstände stets im Frühjahr bei dem hohen Wasserstande abschickt Man verfertigt übrigens Vasen, Tisch - und Kaminplatten, Säulen und ähnliche Gegenstände; in der Niederlage sahen wir noch die einzelnen Stücke einer grossen Spitzsäule, die in Tobolsk zu Ehren des Kosacken-Hetmanns Jermack, des Eroberers von Sibirien errichtet werden sollte, aber in keinem sehr guten Geschmacke ausge - führt war.

Die Marmorbrüche, worin der Marmor für die Fa - brik gewonnen wird, liegen gleich hinter derselben und führen wegen der Nähe des Dorfes Gornoschit

[footnote reference]1) Vergl. Poggendorffs Annalen B. XI, S. 214.
[footnote reference]247

den Namen der Gornoschitschen Brüche. Der hier anstehende Marmor ist weiss mit grauen Flecken und Streifen durchzogen, sehr grobkörnig, aber doch von grossem Zusammenhalt der körnigen Zusammen - setzungsstücke, so dass er sich dadurch zum Verar - beiten sehr gut eignet, wie er auch eine gute Politur annimmt. Er ist mit Klüften durchsetzt, die zuweilen eine unter einander ziemlich parallele Richtung haben, sich aber in grosser Entfernung von einander finden, so dass man aus dem Marmor Blöcke von bedeutender Grösse aushauen kann. Mit dem Marmor zusammen findet sich auch Brauneisenerz, das, wie es scheint, in grossen Nestern in ihm vorkommt, und auch an ei - nigen Stellen abgebaut worden ist.

Die Brüche haben eine ziemlich grosse Ausdeh - nung. Die Umgebungen derselben sind mit Damm - erde und Wald bedeckt, so dass es ohne genauere Untersuchung der Gegend unmöglich ist, eine Vor - stellung über die Lagerung des Kalksteins zu erhal - ten. Tschaikowski führt an, dass dieser Marmor, wie auch andere Massen körnigen Kalkes, welche in den Umgebungen von Katharinenburg vorkommen, im - mer an den Gränzen des Granits mit dem schiefrigen Urgebirge, und wie in Mramorsk auch gewöhnlich mit Brauneisenerz vorkommen. Es sind also Contact - bildungen, die bei dem Durchbruche des Granites in ihren jetzigen Zustand versetzt sind. Der körnige Kalkstein von Mramorsk liegt nach Tschaikowski an der Westseite des westlichsten Granitstreifens von Katharinenburg, der sich zwischen Gornoschit und der Tschussowaja entlang zieht, und sich weiter nördlich, wo er östlich von Räschety die mauerähnlichen Felsen bildet, welche auf dem Wege nach Katharinenburg beschrieben worden sind 1), sehr bedeutend erhebt. Auf dem Wege von Gornoschit nach Mramorsk tritt

[footnote reference]1) Vergl. S. 129.
[footnote reference]248

er aber, wie der östlich von Gornoschit sich findende Granit, nicht aus der Dammerde hervor, so dass wir jenen hier ebenso wenig, wie diesen bemerken konn - ten. Das Terrain bildete auf unserm Wege fast eine völlige Ebene, die sich nach Westen zu, gegen den Hauptrücken des Gebirges nur ganz allmählig erhebt; denn die Höhe von Mramorsk über dem Meere beträgt etwa 1000 Fuss.

Auf der Westseite des Marmorbruches ist das Nebengestein durch einige kleine Steinbrüche aufge - schlossen, die, wenn sie auch nicht unmittelbar an der Gränze mit dem Kalkstein liegen, doch in man - cher Rücksicht interessant sind. In einem derselben wird ein Serpentin von einer sehr homogenen Be - schaffenheit gebrochen. Er hat eine graulichgrüne Farbe, splittrigen Bruch, ist stark durchscheinend, und nimmt geschliffen eine schöne lauchgrüne Farbe an. Er wird ebenfalls in der Fabrik verarbeitet.

In einem andern Bruche wird ein undeutlich ge - schichteter grünlichschwarzer Chloritschiefer gewon - nen, welcher Schmirgel fein eingesprengt enthält, und auch, nachdem er geröstet, pulverisirt und ge - schlemmt ist, als solcher in Mramorsk benutzt wird. Der Chloritschiefer ist von kleinen Gängen und Trümm - chen durchsetzt, die gewöhnlich nur einige Linien, selten einen Zoll mächtig, und mit verschiedenen Mine - ralien ausgefüllt sind. In einigen derselben finden sich Zoisit, ein rosenrothes oder röthlichbraunes Mi - neral, Chloritblättchen und ein weisses glimmerartiges Mineral.

Der Zoisit ist grobkörnig und von gelblichgrauer Farbe; das rothe Mineral hat im Aeussern wohl Aehn - lichkeit mit einem derben Granat, schmilzt aber nur schwer und unvollständig vor dem Löthrohr zu einer schwarzen Masse, und löst sich in Phosphorsalz nur in geringer Menge zu einem von Eisen gefärbten Glase auf. Das weisse glimmerartige Mineral ist in

249

einer Richtung vollkommen spaltbar, und hat auf die - ser Fläche starken Perlmutterglanz. Es ähnelt dem Mohsschen Perlglimmer, doch habe ich es wegen der geringen Menge, in welcher es sich an den Stücken findet, die ich mitgebracht habe, nicht näher untersuchen können. Der Zoisit findet sich von den genannten Mi - neralien in der grössten Menge, und bildet eigentlich die Ausfüllungsmasse der Gänge. Doch kommt er mehr in der Mitte derselben vor, das rothe Mineral dagegen mehr in schmalen Streifen an den Seiten, und wo es fehlt findet sich ein Gemenge von Chlo - ritblättchen und dem weissen glimmerartigen Mineral.

Andere kleine Gänge bestehen nur aus Zoisit und einem braunen Thone, der die Mitte der Gänge ausfüllt. An den Gränzen mit dem Thone ist der Zoisit krystallisirt; er hat hier eine gelbe Farbe; die grössern Krystalle sind durchscheinend, die kleinern, welche eine Länge von 1 1½Linien haben, voll - kommen durchsichtig und ausserordentlich glatt und glänzend.

In noch andern kleinen Gängen die in diesem schmirgelhaltigen Chloritschiefer aufsetzen, hat Herr Dr. Fiedler im Jahre 1830 den schon S. 150 er - wähnten Di aspor und mit ihm ein neues Mineral, den Chloritoid gefunden 1). Da ich Gelegenheit hatte in den Russischen Sammlungen viele Stücke des Diaspor’s zu sehen, und später auch die Stücke ken - nen lernte, welche der Dr. Fiedler von seiner Reise mitgebracht hatte, so halte ich es nicht für überflüssig, hier noch eine nähere Beschreibung dieses seltenen Minerals zu geben, da sie die vorhandenen Beschrei - bungen ergänzt.

Der Diaspor kommt nur undeutlich krystallisirt vor; die Krystalle sind vierseitige rhomboidische Pris -

[footnote reference]1) S. Poggendorffs Annalen der Physik und Chemie, B. XXV, S. 322.
[footnote reference]250

men, mit Winkeln von 82°, welche an den scharfen Seitenkanten stark und auf die Weise abgestumpft sind, dass die Abstumpfungsfläche mit der einen Fläche des vierseitigen Prima’s einen Winkel von 134°, mit der andern von 128° bildet. An den Enden sind sie mit einer schiefen Endfläche begränzt, die auf der Abstumpfungsfläche der scharfen Seitenkanten schief aufgesetzt ist. Die Flächen des vierseitigen Prisma’s sind nur sehr schmal, die Abstumpfungsflächen der scharfen Seitenkanten dagegen breit, wodurch die Krystalle ein tafelartiges Ansehn erhalten. Nur die letztere Fläche ist glatt, die ersteren sind parallel den Kanten die sie untereinander bilden, gestreift, daher bei der Kleinheit derselben die Winkel nur an - nähernd bestimmt werden konnten. Die Winkel der Endflächen konnten selbst nicht einmal auf diese Weise gemessen werden. Parallel der Abstumpfungs - fläche der scharfen Seitenkante sind die Krystalle sehr vollkommen spaltbar, nur unvollkommen dagegen parallel einer Abstumpfungsfläche der stumpfen Sei - tenkante; auch finden sich Spuren von Spaltungsflä - chen parallel einer Endfläche, die vermuthlich dieselbe ist, die auch als Krystallfläche vorkommt.

Die Krystalle finden sich indessen sehr selten, gewöhnlich kommt der Diaspor nur derb vor mit mehr oder weniger grobkörnigen Zusammensetzungsstücken, die aus dünn tafelartigen, schaaligen Individuen beste - stehen, die mit den breiten Seitenflächen aufeinander liegen, oder aus dergleichen stumpfen Zusammen - setzungsstücken, die durcheinander gewachsen sind. Zuweilen sind auch dünne tafelförmige meistens et - was gekrümmte Individuen von einer Wand des Gan - ges nach der andern hinübergewachsen, so dass sie gegeneinander Winkel bilden, und hohle Räume ein - schliessen. Diese finden sich auch da, wo die Mas - sen stänglich durcheinander gewachsen sind, und in

251

diesen Räumen findet man zuweilen die oben be¬ schriebenen dünnen tafelförmigen Krystalle.

Die Farbe des Diaspors ist ursprünglich gelblich oder grünlichweiss, doch ist diese Farbe nur auf den wirklichen Spaltungsflächen zu sehen, da die Ober¬ fläche in den Höhlungen mit einer dünnen Rinde von braunem Eisenocher bedeckt ist, der sich auch in die Zusammensetzungsflächen der schaaligen Indivi¬ duen hineingezogen hat, und sich schwer aus gros¬ sem Stücken, selbst durch längeres Digeriren mit Säuren, ausziehen lässt. Er ist stark durchschei¬ nend, in dünnen Scheiben durchsichtig, auf den voll¬ kommensten Spaltungsflächen von Permutterglanz, auf dem Querbruch der körnigen Zusammensetzungsstücke von Fettglanz.

Die Härte ist über der des Feldspathes, das spe - cifische Gewicht nach Breithaupt: 3,358.

Sein Verhalten vor dem Löthrohr ist durch die Untersuchungen von Berzelius bekannt; was ihn in dieser Rücksicht besonders auszeichnet, ist sein star - kes Decrepitiren, wenn man ihn in Kolben erhitzt, was aber auch schon in der Hitze einer Spiritusflamme geschieht. Er zerspringt dabei in eine Menge klei - ner weisser Flitterchen, ein Verhalten, wonach er, wie bekannt, von Haüy seinen Namen erhalten hat.

In Säuren ist er unauflöslich. Nach der Analyse von Hess 1) besteht er aus:

Sauerstoffgehalt Thonerde 85,61 .... 39,98 Wasser 14,56 .... 12,85 100,17

seine chemische Formel ist daher:

AlH

[footnote reference]1) Poggendorffs Ann. B. XVIII, S. 256.
[footnote reference]252

Der Chloritoid1), welcher mit dem Diaspor zusammen vorkommt, findet sich nur derb in gross - körnigen Zusammensetzungsstücken, die oft einen Durchmesser von mehr als einem Zolle haben, und wiederum aus krummschaaligen Zusammensetzungs - stücken bestehen, welche gewöhnlich etwas excen - trisch zusammengehäuft sind. Die schaaligen Zusam - mensetzungsstücke sind parallel der Hauptfläche der Schaalen vollkommen spaltbar.

Er ist schwärzlichgrün; im Strich grünlichweiss; durchscheinend in feinen Blättchen und perlmutterar - tig glänzend.

Seine Härte ist etwas bedeutender als die des Apatits 2), sein specifisches Gewicht beträgt nach Dr. Fiedler 3,55; fast ebenso, nämlich 3,557 giebt es auch Breithaupt an.

Vor dem Löthrohr giebt er im Kolben erhitzt, viel Wasser,